Nr. 109 Jahrgang Msgade Ä Nr. 55 Bezugspreis: 81etteltäi)tl.80,—-Di., mcnatL 20,— M. frei ins Scus,»otau» zahlbar. Pon- bezug: Monallich 20.— M. einschl. Au- fiellnnasgebiihr. Unier Kreuzband mr Dentjchland, Danzig. das Saar- und Memelaedier. sowie die ehemals dem- scheu Seb'ete Polens. Oesterreich- Ungarn und Luxemburg St.— M.. für das übrige Ausland 72,— M. Postbestellungen nehmen an Oesterreich, llngarn, Tichccho- Slowakei. Dane- mark. Holland. Luxcmbnrfl. Schweden und die Schweiz. Der«Vorwärts� mit der Sonntags- beilage„Pol! und Feist', der Unter- haitungsbeilage„Heimwelst" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentägllch zweimal. Sonn» tags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: wSozinldeincrra» SerNn" Sonntags Ausgabe c 1 ) Verlinev Volksblcttt Anzeigenpreis: Sie einspaltige Nonparetvezetle kostet 12,— 9R.„Steine«„zeigen» das fettgedruckte Wort 3,— M.(zu- lässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 2,— M. 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Es bcstäkigk sich. daß die Tagung der interalliierten Sachverständigen, die die Auf- gäbe haben, bestimmte Vorschläge für die Sonserenz von Genua ans- znarbellen. am 13. März in London beginnen wird. Die Zu- sammenkunst des englischen Schahministers Sir Robert hörne mit dem französischen Ilnonzminister de Lasteyrie ist für den S. März in Paris festgesetzt. Schließlich gilt es als möglich, dah am 13. März in Paris eine Sitzung der Außenminister Frankreichs, Englands und Italiens stattfindet, die sich mit dem Problem des Orients beschäftigen wird. folgen kommunistischer Sosheitspolitik» Paris, 4. März.(Eigener Drahtberichk.) Nachdem am Freitag tzer Staatsgerichtshof die Wahl der beiden inhaf- kierlcn Makrofenmeuterer von der Schwarzmeerflotte Marty und D a d i n a zu Stadtverordneten endgültig kassiert hat, find Reu- wählen ln den zwei in Frage kommenden Bezirken für Ende März zu erwarten. Marty und Badina waren das lehkemal von den So- zialisten und Kommunisten gemeinsam aufgestellt worden, was jedoch die Kommunisten nicht verhinderte, nachträglich das ganze Verdienst für sich in Anspruch zu nehmen, die Sozialisten in der wüstesten weise zu beschimpfen und an anderen Orten bei Stich- wählen ihre Kandidaturen aufrechtzuerhalten, lediglich um den Sieg der Sozialisten über den nationalen Block zu verhindern! 3» hiesigen sozialistischen Kreisen wird nunmehr vielfach die Ansicht vertreten, daß man sich nicht länger von den Kom- wunislen düpieren lassen dürfe und daß bei den zwei in Frage kom- wenden Neuwahlen eigene sozialistische Kandidaten aufgestellt werden müssen. In dem einen Bezirk würde ein sozialistischer Kao- didat starke Erfolgsauesichten haben. Ein neuer§aU Aleunier. Paris, 4. März.(Eigener Drahtbericht.) Ein früher in T i f l i s ansässiger französischer Kaufmann, namens S i m a i s, der mäh- rend der Pariser Konferenz als Vertreter der Republik Georgien beglaubigt war und der Ende 1919 auf Befehl des damaligen Ministerpräsidenten Clemenceau unter der Beschuldigung des Einverständnisses mit dem Feinde(während der Be- setzung von Tiflis durch deutsche Truppenteile im Jahre 1918) ver- haftet worden war, ist nach 24 Monaten Untersuchung s. Haft wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Diese Maßnahme, die kurz nach der Niederschlagung des Berfahrens gegen den früheren Abgeordneten Paul Meunier erfolgt, ist Gegenstand lebhafter Er- vrterungen in hiesigen Zeitungen, die sich mit aller Schärfe gegen die rechtswidrigen Regierungsmethoden des Ministeriums Elemen- ceau aussprechen. pariser Transportarbeiter für �lmfterüam. Paris, 4. März.(Eigener Drahtbericht.) Zum ersten Male seit der Spaltung der französischen Gewerkschaften hat in Paris heute abend eine große Versammlung stattgefunden, die von dem Perband der Straßenbahner und Autobusschaffner einberufen war, der der alten C. G. T. treu geblieben ist.(Die Gewcrkschoftsvcrbände der Hauptstadt waren in ihrer Mehrheit schon seit mehreren Jahren kommunistisch gesinnt, und die „rote" Gewerkschaftsbewegung schien in Paris dos Feld zu be- herrschen. Red. d.„Vorw.".) Die Versammlung war ein u n g e- heurer Erfolg für die Jouhaux-Richtung. Die riesigen Wagram-Söle, die größten von ganz Paris, waren gestopft voll. D« Anwesenden nahmen unter großem Beifall die Referate des Sekretärs des Transportarbeiteroerbandes G u i n ch a r d und des zweiten Sekretärs der alten C. G- T. D u m o u l i n entgegen, die sich mit aller Schärfe gegen die kommunistischen Spaltungsbestrc- bungen wandten. Irgendwelche kommunistischen Stö- rungsversuche fanden nicht statt. Die Versammlung endete mit einem vollen Erfolg der Amsterdamer Richtung. Die Krise in Polen. Zu der bereits gemeldeten Regierungskrise wegen W i l n a be- richtet„Ost-Expreß" noch aus Warschau: Die Krise wurde dadurch hervorgerufen, daß die vom polnischen Kabinett ausgearbeitete Ur- künde über die Vereinigung des Wilnagebietes mit Polen, wenn auch in vorsichtiger Weise, die Absicht andeutete, ein Autonomie- statut sür das Wilnaland auszuarbeiten. Aus diesem Grunde lehnten 12 von den 20 Wilnadelegierten, welche die bedingungslose Einverleibung in Polen' forderten, die Unterzeichnung im letzten Augenblick ab. Ihrerseits wurde die polnische Regierung in ihrem Standpunkt durch die am 3. März eingelaufene Ententenote bestärkt, worin die Alliierten ihrer Beunruhigung über die Stellungnahme Polens in der Wilnaer Frage Ausdruck geben, da der Beschluß des Wllnoer Sejms als gleichbedeutend mit einer A n- nexion des Wilnaer Landes durch Polen angesehen werde. In Anbetrocht der verschärsten Krise wurde die festliche Plenarsitzung des Sejms, die am 3. Mörz stattfinden sollte, abaesagt. Nachdem auch«io letzter Versuch des Sejmmarscholls, die Wilna-Delegotion g» überzeugen, fehlgeschlagen war, erfolgte die Demission des ge- samten Kabinetts.,- Steuerfrage und Srotpreis. Die Sozialdemokratische Reichstagsfrak» t i o n nahm gestern mittag den Bericht über die mit dem Reichskanzler und dem Finanzminister geführten Befprechun- gen über die Zwangsanleihe entgegen. Die endgültige Stel- lungnahme der Fraktion zu den Plänen des Reichsfinanz- Ministeriums wird erfolgen, sobald das Gutachten des R e i ch s- wirtschaftsrats vorliegt und die übrigen Parteien ihre Auffassung näher dargelegt haben. Allgemein wurde eine schnelle Berabschiedung der Steuergesetze aus außenpolitischen Gründen für notwendig erachtet. Im Reichstag forderte gestern der Reichskanzler in eindringlichster Weise rasche Erledigung der Steuervorlagen. Die Erklärung Dr. Wirths steht im Reichstagsbericht. Weiter beschäftigte sich die Fraktion mit der B r o t v e r» s o r g u n g und den Getreidepreisen. Es wurde zum Aus- druck gebracht, daß es notwendig ist, von der Regierung eine Verordnung zu verlangen, nach der die bereits erfolgten Getreideaufkäufe der neuen Ernte, soweit sie zu außergewohn- lich hohen Preisen erledigt wurden, für ungültig erklärt werden. Sollte sich die Regierung dazu nicht entschließen, so wird erwartet, daß den Ländern die Ermächtigung erteilt wird, Verkäufe zu abnormen Preisen für ungültig zu erklären. Weiter stellte sich die Fraktion auf den Standpunkt, daß da- hin gewirkt werden muß, für das neue Erntejahr eine erhöhte Getreideumloge zu gebundenen Prei- s e n zu erreichen. fllle Lebensmittel teurer. Die Teuerung hat im Monat Februar stark zugenom- m e n. Die Reichsindexziffer für Lebenshaltungskosten, die' vom Statistischen Reichsamt auf Grund der Erhebungen über die Kosten für Ernährung, Heizung, Beleuchtung und Wohnung berechnet wird, ist vom Januar zum Februar von 1649 auf 1989, also um 349 Punkte oder 21,3 Proz. gestiegen. Verglichen mit dem Stand vor einem Jahre(Februar 1921) bedeutet dies eine Verteue- rung der erwähnten vier Lebensbedürfnisse um 120,8 Proz. Die Kosten der Lebenshaltung haben sich also seitdem.weitmehrals verdoppelt. Zu der Verteuerung im Monat Februar trugen vor allem die Ernährungsausgaben bei, deren Indexziffer von 2219 im Januar um 23 Proz. auf 2727 gestiegen ist. Außer Schellfischen, deren Preise sich teilweise etwas ermäßigen konnten, wurden alle Lebensmittel viel teurer. Besonders stark zogen die Preise für Kartoffeln und Gemüse an. da die lange Källeperiode und die zu Beginn des Monats ungünstigen Verkehrsoerhältnisie die Teuerung für diese Lebensmittel sehr verschärften. Inzwischen sind diese Preise ebenso wie die für Eier etwas zurückgegangen. Die Mitte des Monats«ingetretene Brotpreiserhöhung kommt in den Indexziffern für Februar erst zur Hälft« zum Ausdruck. Auch die Ausgaben für Heizung. Beleuchtung und die Wohnungsmiete haben sich weiter gesteigert. Die Aufwärtsbcwegung der Preise war, wie im Vormonat, innerhalb des Reiches nicht einheitlich. Die christliche Ethik öer Deutschnationalen. Sie ist bisher noch nicht bekannt geworden. Die»KreuMitung" nimmt an unserer Meldung über die Maß- regelung des sozialdemokratischen Pfarrers Kürschner in Mehlanken(Ostpreußen) das vorgeschriebene Aergernis. Nament- lich hat sie unsere Anfrage verdrossen, warum denn das Konsistorium nicht den deutsch monarchistischen Hetzopostein Verweis« er- teil« und ihnen Zurückhaltung auferlege. Knurrend erwidert das frumbe Blatt: Aus dem einfachen Grunde, weil es das nicht nötig hat. Es ist bisher wenigstens noch nicht bekanntgeworden, daß ein deutsch- nationaler Pfarrer sein Parteiprogramm als Konsequenz der neu- teslamenllichen Ethik hingestellt hat. Bravo! Wir unterstreichen dos. Es ist wirklich bishsr nicht bekannt geworden! Aber sollte das nicht am Ende an der jach, lichen Unmöglichkeit liegen, ein Parteiprogramm, das Massenmord, Völkerhaß und Kapitalismus predigt, aus der Ethik des Neuen Testaments zu begründen, aus einer Ethik jener Lehre der Nächstenliebe, die in den Sätzen gipfelt:.Liebet eure Feinde" und„Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als daß ein Reicher in den Himmel kommt"?! � Ein Moralischer. Im Leitartikel eines dsutschnationalcn Blattes lestn wir folgende Sötze: Roch außen hm nur Deutsch«, nicht Monarchisten oder Re- publikoner, nicht Bürger oder Genossen! Jedem voll« Unter- stützung, der ohne an die Partei zu denken, bloß dem Baterland« dienen will, ganz gleich, welchen Weg er dabei einschlagt! Nicht wahr, dos ließe sich hören? Doch schade, schade! Uns fehlt der Glaube. Wer schreibt das?— Per eben wegen hallloser Verleumdung sozialistischer Mmister zu zwei Monaten Gefängnis verurteilte Schriftleiter der„Deutschen Zettimg' Otto n. Schilling.— Schade, schade! U» fcJjtt kac©faube.. d u �<«- fja*' Rückblick auf Frankfurt. Nachdem der Versuch, die Verhandlungen der Frank- furter Fünfländerkonferenz vertraulich zu be- handeln, an allerhand Indiskretionen gescheitert ist, sieht sich auch der„Vorwärts" genötigt, seinen Lesern eine ausführliche Darstellung der entscheidenden Vorgänge auf der Konferenz zu vermitteln. Sie ist in der Beilage unserer heutigen Nummer zu finden. Eine wahrheitsgemäße Schilderung scheint uns dos einzige Mittel, den Legendenkranz zu zerreißen, der sich um die Konferenz bereits geschlungen hat. Außerdem werden die Leser bemerken, daß zu Geheimtuerei nicht der geringste An- laß besteht. Auch aus den Kreisen sener Genossen, die auf der Vertraulichkeit der Verhandlungen bestanden, ist nachher vielfach geäußert worden, hätte man vorausgesehen, wie vor- züglich die Konferenz verlaufen werde, so hätte man die Presse ruhig zugelasien. Die Befürchtungen, aus denen die Anregung zur Ver- traulichkeit entsprang, bezogen sich auf das Verhältnis der beiden Internationalen, die sich im Frank- furter Rathaus zum erstenmal zur gemeinsamen Arbeit zu- sammenfanden. Man hegte die Besorgnis, die Konferenz würde sich in weitschweifigen prinzipiellen Auseinandersetzun- gen und fruchtlosen Streitigkeiten um Vergangenes erschöpfen und vielleicht mit einem negativen Ergebnis enden. Wie mau sieht, ist nichts davon eingetroffen. Es hat wohl sachliche Meinungsverschiedenheiten gegeben, aber bei ihrem Austrag standen sich die beiden internationalen Organisationen niemals geschlossen gegenüber, vielmehr gingen die Scheidelinien mit wechselnder Führung durch sie hindurch. Das gilt vor allem für die beiden konkreten Fragen, in denen sich Meinungsverschiedenheiten ergaben, nämlich für die Frage der Kriegspensionen und die Frage der Bündnisse. Was die Kriegspensionen betrifft, so bestand Einmütigkeit darüber, daß die 79 Milliarden, die sie kosten, Deutschland zu Unrecht, unter Vertrag sbmch aufgezwungen feien, und daß der entsprechende Betrag von der Summe �er deutschen Kriegs- Verschuldung zu streichen sei. Rur über die Frage, wie diese 79. Misiiqrden zu trggen seien, � gingen die Meinungen ausein- ander: eine Sektion der Zweiten Internationale, die englische, vertrat den Standpunkt, daß jedes Land. den auf ihn ent- fallenden Test selber zu tragen habe, während eine Sektion der Wiener Arbeitsgemeinschaft, die französische, den Grundsatz der InterNationalisierung vertrat und mit ihm durchdrang. Bei der Abstimmung stimmte eine Sektion der. Zweiten Jnter- nationale, die belgische, mit den französischen Genossen, eine andere, nämlich tue Vertretung der deutschen Sozialdemokratie, enthielt sich der Abstimmung. In der Frage der Bündnisse waren es zwei Sektionen der Zweiten Internationale, die englische und die belgische, die verschiedene Auffassungen vertraten. Die Eng- länder vertraten den Standpunkt, daß alle Bündnisse, als dem Gedanken des Völkerbundes entgegengesetzt, zu verwerfen seien, die Belgier dagegen hielten Schutzverträge für zulässig und vereinbar mit der Idee einer allumfassenden Völkerorgani- sation. Maßgebend war für sie dabei der Gedanke, daß Belgien einen solchen Schutzoertrag mit Frankreich bereits ge- schloffen hat und daß es durch die Unterbindung weiterer Vertragsabschlüsse in seiner Bttndnispolitik einseitig festgelegt würde. Die deutsche Sektion der Zweiten Internationole konnte sich dieser realpolitischen, mit den bestehenden Verhält- nissen rechnenden Ausfaffung nicht verschließen und trat ihr bei. Es verblieb bei der milderen von Genossen Bänder- velde vorgeschlagenen Fassung unter Wahrung des grund» sätzlichen Standpunktes der Engländer. Die beiden Debatten über Pensionen und Bündnisse wur- den mit ausgezeichneter Sachlichkeit und in wahrhaft brüder- lichem Geiste geführt. Ihr Ergebnis war, daß man nicht weiter auseinander, sondern näher zusammen kä m. Sie zeigten außerdem deutlich, daß dort, wo über reale Probleme � der auswärtigen Politik verhandelt wird, zwar Nuancen der Auffassung zur Geltung kommen, daß aber ein fraktioneller Ausmorsch, 2 gegen 2�, nicht möglich ist. Mit besonderer Freude können wir feststellen, daß sich zwischen der deutschen Sozialdemokratie und der sozialistischen Partei Frankreichs, die organisatorisch zur Wiener Zlrbeitsgemeinschast steht, eine bemerkenswerte Annäherung vollzog. Gerade der Umstand, daß die französischen Genossen den im Rahmen internationaler Gerechtigkeit anzuerkennenden Interessen ihres eigenen Volkes gegenüber nicht blind. bleiben, hat den gleich einge- stellten deutschen Sozialdemokraten dos Verständnis ibres Standpunktes erleichtert. Nach unserer— auch von den französischen Genossen praktisch vertretenen— Auffassung ist es Sache der internationalen Sozialisten, nicht die Interessen des eigenen Volkes zu ignorieren, sondern sich über sie im Geiste des internationalen Sozialismus zu verständigen. Im Verlauf der ganzen Konferenz gab es nur eine Aus- einandersetzung, die vorübergehend zu einer krisenhaften Zuspitzung führte, und sie spielte sich nicht zwischen den beiden internationalen Organisationen, sondern innerbalb der Internationale 2)4 ab. Am Montag vormittag hotte Paul Levi namens seiner in Liquidation befindlichen Gruppe eine ziemlich anmaßende Erklärung abgegeben, in der er den rich- ma. joMMch«» SM avt d« San&H*-ernußte und frinerfeits ifo Ablehnung der Entschließung über die Repa- -ationen verkündete, weil sie nicht mit allen Rechnungen radikal Schluß mache. Levi ging mit seiner Ablehnung derErfüllungspolitik noch über den Grafen Westarp hinaus, der sich, wie eine seiner letzten Reichstagsreden zeigt, mit der Notwendigkeit des Wiederaufbaues der zerstörten Ge- biete abgefunden hat. Es war Genosse Wels, der sodann die Verteidigung der Erfüllungspolitik übernahm und mit Worten, die auf die Kon- ferenzden stärksten Eindruck machten, den Willen Deutschlands zum Wiederaufbau der zerstörten Gebiete hervorhob. Damit, daß die große Sozialdemokratische Partei dem wesenlosen Splitter der KAG. gegenüber in solcher Weise ihren Stand- puntt vertreten hatte, konnte der Zwischenfall beigelegt sein. wenn ihm nicht die Unabhängigen eine übertriebene Be- deutung beigemessen hätten. Ueber Mittag vereinbarten sie mit Levi ein Kompromiß, wonach dieser in der Nachmittags- fitzung seine erste Erklärung wesentlich einschränkte und seilte Zustimmung zur Resolution in Aussicht stellte, während sich die Unabhängigen mit Levis„sozialistischen Grundsätzen" ein- verstanden erklärten. Diese Solidaritätserklärung ihrer 2>=-Genoffen mit Levi wirkte auf die französischen Sozialisten wie eine Bombe. Sie erklärten, eine einstimmige Annahme der Resolution sei ein leeres Schauspiel, wenn sie nicht in einheitlichem Geists ohne innere Vorbehalte erfolge, und verlangten Suspendis- r u n g der Sitzung, da sie zu einer Sonderberatung zu- fammentreten wollten. Eine bange Stunde lang schien es, als ob die Konferenz infolge eines inneren Konflikts, der ganz plötzlich und unvermutet innerhalb der Wiener Ar- beitsgemeinfchaft ausgebrochen war, auffliegen sollte. Sachlich stand der Streit so, daß die französischen Genossen einig waren mit sämtlichen vertretenen Sektionen der Zweiten Internationale, aber uneinig mit der anderen Sektion der Wiener Arbeitsgemeinschaft, mit den deutschen Unabhängigen. Diese sahen sich auf einmal mit Levi isoliert und konnten Be- trachtungen darüber anstellen, in welche wenig beneidenswerte Situationen taktisches Mißgeschick verbunden mit einer unheil- baren Vorliebe für radikal schillernde Phrasen führen kann. Schließlich aber wurde auch dieser Zwischenfall durch Er- klärungen und Gegenerklärungen beigelegt und die Konferenz zu einem guten Ende gebracht. Uns bleibt nur zu wünschen übrig, daß die in Frankfurt gefaßten Entschließungen nicht auf dem Papier stehen bleiben mögen. Inwieweit und wie bald sie in die Wirklichkeit umgesetzt werden können, hängt ab von der tatsächlichen Macht, welche die Sozialdemo» kratie in Deutschland, die Sozialistenpartei in Frankreich, die Arbeiterpartei in England zu entfalten imstande ist. Das gleiche gilt für die Sozialistenpartei Italiens, die in Frankfurt durch S e r r a t i einen erfreulichen Schritt in der Richtung zur intemationalen Einheitsfront aller Sozialisten vollzog. Es ist nicht unsere Sache, Zensuren auszuteilen. Aber dadieinnerpolitischeKrifeEnglandsdie englische Arbeiterpartei in den Vordergrund des Interesses rückt, möchten wir nicht verfehlen, den außerordentlichen Eindruck hervor» zuHeben, den die englische Delegation auf die Konferenz ge- macht hat. An den Engländern bewunderten wir die imnst, das Streben nach höchsten Zielen mit nüchternem, prakti» fchem Wirklichkeitsfinn in Einklang zu bringen. Die Angst vor den Wahlsiegen der Arbeiterpartei hat in der engl!» schen Presse eine Debatte darüber entfesselt, ob diese Partei zur entscheidenden Teilnahme an der Regierungsgewalt reif fei. Diese Debatte scheint uns überflüssig und lächerlich, soweit sie nicht aus parteipolitischen Erwägungen und Befürchtungen geboren ist. Kommt es über kurz oder lang zu einer solchen entscheidenden Teilnahme, so wird das britische Weltreich daran nicht zugrunde gehen, aber die gesamte Weltlage wird dadurch eine bedeutungsvolle Wendung erfahren. Drei französische vfsizler« der kschechlschen Armee haben in Ebbing den Senator(Benoffen Lorenc in Wort und Tat be- leibigt. Der Minister hat angekünbigt, baß sie zur Verantwortung gezogen werben. Epilog auf öen berliner Zasihing. von Hans Klabautermann. Da, hervorragende Merkmal de, Fasching war diesmal, daß nur zwei Berufsgruppen cm ihm wesentlichen Anteil genommen haben, di« Bäcker und die Negierung. Beide Branchen gaben sich Mühe, die Menschheit auf di« Einrichtung aufmerksam zu machen. Die Bäcker hatten die Massengeburt von Pfannkuchen angekündigt. In Berlin wird ja mit besonderer Lieb« di« schön« Sitte gepflegt, den kirchlichen Festen durch ein bestimmtes Essen seine eigentlich« Weihe zu verleihen. Mit Ausnahm« des Bußtags. Di« Bevölke- rung konnte feststellen, daß sie einen Pfannkuchen um denselben Preis erstehen kann, lür den ss« früher vier Dutzend bekam. Ob sich auch die Schmackhaftigkeit um 4800 Proz. gehoben hat. blieb der arbeitenden Masse verborgen, weil der Genuß von Kuchen den übrigen Kreisen vorbehalten ist. Wer arbeitet, braucht naturgemäß kräftige, derbe Nahrung, wie Kohlrüben und dergleichen Leckerbissen. Die Negierung hatte in Würbigung der Tatsache, daß das heutig« Leben sowieso ein Vergnügungstaumel ist, jede öffentliche Karnevalskundgebung untersagt. Nachdem nunmehr Fastnacht p°rüb«r ist. darf ich wohl meine persönlichen Ansichten über den Segenstand offenbaren, ohne der Staatsautorität in die Speichen »i greifen und ohne mich einer Gesinnung schuldig zu machen. Das verbot war, um es rund Heraue zu sagen, verfehlt. Da sind die Franzosen andere Leute. Gewiß, sie seufzen unter der Last der Sanktionen. Es ist kein Pappenstiel, wenn Tausende und aber Tausende von Menschen dreieinhalb Jahre nach dem Waffenstillstand immer noch, der Heimat fern, eigenen Herd und eigenes Weib meiden und dafür Kanonen und Generäle grüßen müssen. Es heißt auf der Hut sein im Rheinland. Im Gegensatz zu den Deutschen also bat die srangösssche Regierung zum erstenmal seit sieben Jahren dos Werfen von Konfetti gestattet. Soweit brauchte die deutsche notür- lich nicht zu gehen. Denn sie wirft selbst mit Papierschnitzeln, daß e« nur so knattert, in Form von Geldscheinen. Aber au« dem Mummenschanz eines öffentlichen Karnevals hätte sie manche lchr- reiche Anregung empfangen. Für einen künftigen Fasching würbe sich ein Riesen- biumenstrauß, das Steuerbukett, sehr hübsch machen. Mannigfache Blüten, auch bisher unbekannte Arten, könnten vertreten sein. Daß es Geld kostet, wenn man krank ist und wieder gesund werden will« ist Tatsach«. Weniger bekannt ist es hingegen, daß Krankheit ver- steuert wird. Die Arztrechnungen erhalten neuerding, einen Zu- satz:„Inklusive Umsatzsteuer". Aber hinterlistig, wie die Menschen nun einmal sind, schlagen sie manchmal dem Staat ein Schnippchen. Sie sterben einfach, ohne einen Arzt dabei behilflich sein zu lassen. Dagegen gibt es ein einfaches Mittel, das als rotslammende Blüte den Steuerstrauß zu zieren hätte. Die Gesundheit muß auch mit einer empfindlichen Steuer bedroht werden. Uederhaupt sollte da» Allee,. o�roNübts-Geieb der Steuervrarls Allwendiuta Knh** Die Fluktuation in öer Schutzpolizei. Die der Bindung durch Strafbeftimmungen. �Halbamtlich teilen die PPN. mit: Das preußische Schutzpolizeigesetz, das zugleich die Versorgung der Beamten regelt und sicherstellt, ist soeben dem preußischen Staatsministerium zugegangen. Damit ist einem lang gehegten Wunsch der Beamtenschaft der Schutzpolizei Rechnung ge- tragen und diese sichergestellt in einem Umfange, wie es die prak- tischen und finanziellen Möglichkeiten irgend zulassen. Die baldige Verabschiedung dieses Gesetzes ist ein« dringende Notwendigkeit, da gegenwärtig tatsächlich eine Anzahl von Unterbeamten den Dienst verlassen hat, weil sie anderweit besser bezahlte Stellungen er- halten können, besonders aber deswegen, weil es einstwellen an einer Sicherstellung der Schutzpolizei fehlt. Die Regierung hat diese nicht früher erzielen können, da ein preußisches Schutzpolizei- beamtengesetz von einer vorhergegangenen gleichmäßigen Regelung für alle Länder durch das Reich abhängig ist. Inzwischen ist nun der Entwurf des Reichsrahmengesetzes den Ländern zugegangen, so daß die nötige Grundlage für das preußische Gesetz vorhanden ist. Sobald eine endgültige Sicherstellung der Schutzpolizeibeamten erfolgt ist und der Staat auf diese Weise starke Bindungen ihnen gegenüber auf sich genommen hat, muß auf der anderen Seite auch eine verstärkte Bindung der Beamten an den Staat ein- treten, da sonst die Gefahr eines ständigen unberechenbaren Ab- ganges besteht, der nicht nur den der Entente gegenüber ein- gegangenen Verpflichtungen widerspricht, sondern auch die Regie- rung in Zeiten besonderer Spannung in die Gefahr bringt, daß die Schutzpolizei durch plötzliches Abströmen von Beamten außerstande gesetzt wird, die Ruhe, Sicherhett und Ordnung zu ge- währleisten. Selbstverständlich kann eine Strafbestimmung, die im übrigen von den verschiedensten Seiten, von anderen dem- schen Ländern, von preußischen Behörden, sowie aus Kreisen der Schutzpolizeibeamtenschaft mehrfach dringend gefordert worden ist, erst dann eintreten, wenn der Staat seinerseits in dem ge- botenen Umfange für die Sch u tz p ol iz ei b ea m t e n gesorgt und sie sichergestellt hat. Im Übrigen ist anzunehmen, daß allein das Vorhandenfeit einer solchen reichsgesetzlichen Be- stimmung genügen wird, ohne Strafe, allein durch ihre moralische Wirkung, den Zusammenhalt der Schutzpolizei zu gewährleisten. * Soweit die offiziöse Darstellung. Sie bestätigt im wesentlichen unsere Meldung in der Freitagmorgen-Auegabe, daß eine Straf- bestimmung gegen das unberechtigte verlassen des Dienstes geplant ist. Sie übergeht aber den springenden Punkt: daß nämlich das kommende Schutzpolizeigesetz mindestens von einem großen Teil der Beamtenschaft nicht freudig begrüßt.sondern entschieden a b g e- lehnt wird, der nicht zwölfjährige Anstellung mit späterer Zivil- rersorgung nach Art der früheren Milttäranwärter, sondern volle Leamtenqualität und lebenslängliche Anstellung erstrebt. Wir verkennen nicht, daß dieser Forderung große Schmie- rigkeiten entgegenstehen. Aber wir würden es für den gesündesten Weg halten, wenn das Ministerium des Innern durch Derhand- lungen mit der B e r u f s v e r t r e t u n g der Schuhpolizeibeamten zu einer Lösung gelangte, die namentlich die Teil« der Beamtenschaft befriedigt, die den Polizeiberuf aus sachlichem Interesse als Lebensberuf erstreben. Dann würde eine Strafbestimmung am Ende ganz gegenstandslos werden. ' Das Schicksal öer„ßreiheit�. Das Haus der„Freiheit" ist vor kurzem an dl« Reichsbank ver- kauft worden. Auch die Druckerei ist jetzt veräußert, und zwar an die Firma Litfaß Erben in Berlin. Die Tatsache wurde schon vor einiger Zeit in den Blättern mitgeteilt, man wühle sogar die Zahl der Mil» lionen zu nennen, die für die Kaufobjekts gezahlt wurden. Die„Rote Fahne" plauderte dieser Tage gar davon, daß«ine ausländisch« Bank das Grundstück gekauft habe. Das wird nun von der„Freiheit" w der Form richtiggestellt, daß sie gegen an- geblich unsinnige Behauptungen„rechtssozialistischer Blätter" pole- missert. Bis jetzt gehörte die„Rote Fahne" noch nicht zu„Rechts. sozialssten". In ihrem Schmerz über den Verlust des Grundstücks sollte sie„Freiheit" doch wenigstens nicht ganz das Unterscheidung»- vermögen einbüßen. Zum Beispiel könnte neben der Junggesellen- eine Ehesteuer, neben der Schieber- eine Redlichkeitssteuer bestehen. Die letzte müßte natürlich sehr klein, etwa als Gänseblümchen, oder wenigstens die Verborgenheit symbolisierend wie das Veilchen, dargestellt sein. Wirkungsvoll wäre für den K a r n e o a l s z u g ein Riefen- gejährt mit der Bezeichnung„Hilfswerk der Landwirt- Ichaft für Deutschland". Posaunen müßten das Nahen des Zuges künden, Musik mit tausend Pauken und Trompeten und mit einer Cymbel müßte die Trommelfelle in einem Umkreis von drei Kilometern platzen machen. Aus dem Gejährt selbst aber müßte ein schöner Nebel oder ein sonstiges LuftgebWe, etwa eine schillernde Seifenblase.. thronen. Wer die Unaussindbarkeit noch mehr ver- deutlicht wünscht, kann allenfalls auf den Wagen den lieben Herrn Boldt stellen, am rechten Arm Herrn Dithmar, am linken das kleine Offiziersehrenwort. Das wäre immerhin ein hübscher Anfang für den Fasching. Da« Ende des GsschSfistheaker». Es sst lehrreich, schreibt I u- l i u s B a b im letzten Heft der„Volksbühne, Zeitschrift für soziale Kunstpflege", sich gegenwärtig dar Repertoire derjenigen Berliner Privattheater anzusehen, die bisher am ehesten noch den Anspruch erheben konnten, dramatische Kunst zu pflegen. Die Direktion Hol» laender hatte im„Großen Schauspielhaus" aus Offenbachs„Orpheus in der Unterwelt" eine Sensation gemacht, eine Attraktion, die im Aufgebot aller möglichen berühmten Spezialitäten bestand, aber zur dramatischen Kunst nur noch sehr entfernte Beziehungen unterhielt. Und darauf wurde das Theatsr auf Wochen an das Schwedische Ballett vermietet. Auf seiner zweiten Bühne, in den „Kammerspielen", läßt Hollaender jetzt eine andere Art Ballett auf- treten, siiusikalische Pantomimen, die Oper„Bajazzo" ohne Sänger usw.— Die Direktion Meinhard-Bernauer hatte bisher von ihren drei Bühnen die in der KLniggrätzer Strafte einigermaßen für die dramatische Kunst reserviert— jetzt spielt sie an dieser Stelle mit einer neucrfundenen Bühneneinrichtung, eine Art Sprechfilm, eine selbstfabriAierte, dramatisch vollkommen belanglose Wundergeschichte nach E. T. A. Lioffmann, deren einziger Reiz in dem ungehemmten Wechsel bunter Bilder, also in der Konturrenz mit dem Kino besteht. — Was die dritte Direktion(Barnowski) angeht, so hat sie ihre zweite Bühne, das„Deutsche Künstlertheater", längst der Operette gewöhnlichsten Grades ausgeliefert. Im„Lessing-Theater" aber er- scheint jetzt— Goethes„Faust", erklärtermaften, weil man die aller- dings ausgezeichnete Schauspielerin Käthe Dorsch in der Rolle des Gretchen zeigen will. Und dieser letzte Fall ist für das Theater- g, schüft vielleicht noch charakteristischer als alle anderen. Das Thea- tergeschäft ist eben mit dramatischer Kunst heute nicht mehr zu machen. Die Wirkungen de» Barietis, des Balletts, des Kino» müssen herbei, und bestenfalls zieht noch einmal ein Schauspieler- name, wenn er es zu der Bcrübmtheit einer Varietegröße gebracht hat. Das zahlungsfähige Publikum ist eben heute aus Menschen zusammengesetzt, die gemäß ihrem Kulturzustcmd gar kein Bedürfnis nach einem dramatischen Repertoire haben können. Wenn es über- Haupt noch möglich ist, der dramatischen Kunst in Deutschland eine Stätte zu erhalten- so tan» da» nur dadurch geschehen, daß die Die ßrau als Laienrichter. Der Rechtsausschuß des Reichstages nahm am Sonnabend in erster Lesung die Regierungsvorlage eines Gesetzentwurfes über die Hinzuziehung der Frauen zum Schöffen- und Geschwo- re n e n a m t an. In der Vorlage wird den Frauen der Zugang zu den bezeichneten Aemtern in gleichem Umfange wie den Männern eröffnet. Der Vorschlag, nach der Art der einzelnen Strafsachen zu unterscheiden, und nur bei gewissen Arten von Straf- fachen die Mitwirkung von weiblichen Schöffen oder Geschworenen zuzulassen, ist nicht übernommen worden. Der besonderen Eigenart der Frauen trägt der Entwurf dadurch Rechnung, daß er den Frauen die Möglichkeit gibt, die Berufung zu den Aemtern eines Schöffen oder Geschworenen abzulehnen. Justizminister Hürtner. Aus München wird uns geschrieben: Oberregierungsrat G ü r t» n e r, der von den bayerischen Deutschnationalen präsentierte Iustizminister, ist ein politisch noch unbeschriebenes Blatt. Er hat die übliche Veamtenkarriere durchlaufen und sich als Leiter des Bc- gnadigungswefens in bureaukratischer Engstirnigkeit ausgezeichnet. Die Leiden des Krieges kennt er lediglich als Verpflegungsosfizier. Die bayerischen Demokraten scheinen von dem„Sieg" nicht so entzückt zu sein, wie die Rechtspresse, die eifrig die Wiederherstellung der Einheitsfront gegen die Sozialdemokratie feiert. So schreibt die Süddeutsche Demokratische Korrespondenz, daß Schwierigleiten wegen der Wahl des Lustizministers nicht ausgeschlossen seien und daß es zum mindesten sehr verfrüht erscheine, von einem Abschluß der Koalitionsoerhandlungen zu reden. « München, 4. März.(Cig. Drahtber.) Das Münchener USP.- Organ teilt mit, daß Vorbereitungen getroffen werden, um den mut- maßlichen Mörder von Gareis, Schweighart, nach dem Vorbild von Dithmar und Boldt aus dem Gefängnis zu befreien. Das Blatt bemerkt weiter, daß der die Untersuchung führende Staats- anwalt Auskunft geben könne._ Bezeichnende Begründung. Die Interalliierte Oberkommission in den Rheinlanden hat gegen die Anstellung von sieben Zoll- beamten und zwei Lehrern aus Deutschland ihr Veto eingelegt. Beide Lehrer bieten angeblich keine genügende Sicherheit dafür, daß sie die rheinische Jugend in dem gewünschten Geiste unter- richten. Aegyptens Selbstregierung marschiert. Der Auianomist Serwat Pascha hat das neue Ministerium gebildet. Er ist zugleich Außen- minister._ fluslanösrunösthau. Bei den Gemeindewahlrn in Apenrade erzielten die Dänen 104? Stimmen(7 Sitze), die Deutschen 871(6), die Sozialdemokraten 651(4). Die bisherige absolute dänische Mehrheit ist damit beseitigt worden.— Die deutschen und dänischen Sozial- demokraten hatten eine Gemeinschaftsliste mit deutschen Spitzenkandidaten aufgestellt. Der Preßburger Konferenz sagt das Prager Re- gierungsblatt„Prager Presse" nach, daß sie die Einigkeit der Kleinen Entente ebenso befestigt habe wie Boulogne die der Großen. Die neue ungarische Wahlordnung entzieht allen öffentlichen Beamten, Professoren, Lehrern, Seelsorgern und Zldvo- taten, die wegen„unpatriotischen Verhaltens" disziplinarisch zum Amtsverlust verurteilt sind, das aktive und passive Wahlrecht. Der Fiumaner„Nationale Derteidigungsaus» s ch u ß" hat die provisorische Regierung Zanellas für abgesetzt er- klärt, alle Macht im Namen der Konstituante übernommen unk» Italien aufgefordert, den Freistaat zu übernehmen— was Italien nicht tun könnt«, ohne den Vertrag von Rapallo mit Süd. slawien aufzuheben. Der Vertragsentwurf über den gegenseitigen Konsulatsdienst in Deutschland und Räteruhland ist fertiggestellt, und die deutsch-russischen Derbandlungen haben bereits begonnen. Es befinden sich zurzeit in Moskau 14 fremd- staatliche diplomatische Vertretungen mit einem Personal von 632 Personen, die 51 Grundstücke belegt haben. Räteruhlond unterhält im Auslande 32 diplomatische und konsularische Vertretungen. Bei den rumänischen Senatswahlen haben bisher die Regierungsparteien III, die Opposition 12 Mandate erhalten. Elemente, die noch tulturwillig und tulturfähig, aber nicht mehr jn dem für das Theatergeschäft nötigen Maße zahlungsfähig sind, sich zusammenschließen und durch die Sicherheit und Gleichmäßigkeit des Theaterbesuches zu ersetzen versuchen, was sie an höherem Eintritts- geld schuldig bleiben müssen. Die Aufgabe, die hier den sozialen Bühnen, Staatstheatern und Voltsbühnen erwächst, wird täglich dringender und schwerer. Es handelt sich längst nicht mehr nur darum, die Kunst bestimmten Schichten des Volkes neu zu vermitteln, es handelt sich darum, ob die dramatische Kunst, deren Existenz an einen so kostbaren Apparat geknüpft ist. überhaupt in unserem Volk noch länger wird leben können oder nicht. Schwelzerische Uraufführung eines deuljchen Schauspiels. Jacobs „Beaumarchais und Sonnenfeld—das von der Ber- liner Volksbühne her wohlbekannte Stück— erlebte soeben sein« schweizerische Uraufführung in Basel und errang einen starten ehrlichen Erfolg. Bei dieser Gelegenheit wird man wieder erinnert. wie stiefmütterlich seit einigen Jahren das neuere deutsche Drama in der Schweiz behandelt wird. Die Landslcute Conrad Ferdinand Meyers, die ihren Stolz darin setzen sollten, den schwer ringenden deutschen Dichtern Valutahilfe zu gewähren, beHallen den Franken gar zu gern im Land und lassen sich an Würdigung und Pflege des deutschen Dramas beinahe oon den uns stammesfremden Holländern übertreffen. Weder Schmidbonns, noch Heinrich Manne, noch Ger- hart Hauptmanns letzte Dramen— von den jüngeren und kämpfen, den Talenten zu schweigen— sind seit der Zelt des großen Valuta- sturzes(1919) von führenden Schweizer Theatern gebracht worden. Wenn man gerechterweise auch in Betracht ziehen muh, daß di» Schweiz durch ihre Kleinheit für den Kunstmartt kein großer Ab- nehmer sein kann, so wollen wir doch immerhin hoffen, daß da, ausgezeichnete Stück Jacobs hier Bresche geschlagen hat und daß der schweizerische Bühnenmarkt— den wir jetzt nötiger als je brauchen— der neuen deutschen Produktion wieder stärker offensteht. „Im Namen des Gesetzes!" Glück im Unglück hatte ein Arzt in Brest, dessen Namen die Zeitungen, die von seinem Abenteuer be- richten, nur mit den Anfangsbuchstaben andeuten. Er erfreute sich gerade eines Schäferstündchens bei einer Freundin, als es plötzlich an der Tür klopfte und die feierlichen Worte erklangen: JDm Namen des Gesetzes, mach auf!" Es war aber nicht die Polizei, sondern di« Gattin des Arztes, die sich unterwegs drei Zeugen aufgelesen hatte, um ohne viel Umstände die Verfehlung ihres Ehemanns auf der Stelle zu konstatieren- Der Doktor ließ sich aber nicht oerblüffeu, und, nach dem Grundsatz, die beste Deckung sei der Hieb, zeigte er seine Frau wegen Anmaßung behördlicher Funktionen und 5)aus- friedensbruch an. Er halle damit auch Erfolg: das Gericht ver- urteilte die Frau samt ihren Zeugen zu je einem Monat Haft und 100 Frank Geldstrafe. Ein inlernaNonale» Forschnngsinsstkuk für Sriegsverlehmigen und die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit der Kriegsverletzten soll auf Beschluß einer Cachverständigenkonferenz des Genfer Ar- beitsamtes errichtet werden. Es wird eine Zeiffchrift zur Lerbrei- tung der Fortschritte auf dem Gebiete der künstlichen Gliedmaßen und der Orthopädie herausgeben. Das Arbeitsamt will ein eignes Bureau gründen,.«...... Kr."10$ ♦ 39. Fahrgattg 1. Seilage öes vorwärts Sonntag. 5. März 1922 Die Reparationsöebatte auf öer Jünfla'nöertonferenZ. Nachdem verschiedene Blätter, sowohl in Deutschland wie auch im Aueland, entgegen den in Franksurt getrofsenen Vereinbarungen über das amtliche Communiqu� hinaus noch aussührlichc, zum Teil nicht ganz richtige SitzuWsbcrichte veröffentlicht haben, glauben wir, daß wir unseren Lesern einen ausführlichen Bericht wenigstens der wichtigsten Schlußsitzungen von Montag vormittags und abends nicht länger vorenthalten können. Paul Fanre(Frankreich) eröffnet die Sitzung um 9 Uhr 20 Minuten und erteilt dem Vorsitzenden der Kommission für das Reparationsproblem Vandervelde(Belgien) das Wort. Vandervelde: Ich bin in der glücklichen Lage als Vorsitzender der Kommission für das Reparationsproblem der Konferenz eine Resolution vorzu- legen, die bis auf eine kleine Einzelsrage von der Kommission ein- stimmig angenommen worden ist. Zwei Texte lagen ursprünglich der Kommission vor: Eine französische Denkschrift und ein englisches Memorandum, die in Form und Umfang ganz vcr- schieden waren, jedoch wie eine nähere Prüfung ergab, die g l e i ch e n Ideen und die gleichen Grundsätze zum Ausdruck brach- ten. Als Vorsitzender wurde ich beauftragt, eine Verschwel- z u n g der beiden Texte vorzunehmen und aus dieser Berschmelzungs- arbeit und einigen Zusatzanträgen ist der Wortlaut jener Resolution entstanden, die dem Plenum der Konferenz nunmehr vorliegt. Alles in allem waren nur einige Punkte Gegenstand einer besonderen De- batte in der Kommission. Ueber die Notwendigkeit des Wieder- oufbaues der zerstörten Gebiete sowie über die Voranstellung dieser Forderung waren sich die Mitglieder der Kommission alle einig. Ich habe mir jedoch erlaubt, über diesen Punkt eine Bemerkung zu machen, die ich auch hier wiederholen möchte, betrefsend das Priori» tätsrecht Belgiens auf die Reparatwnslcistungen. Ich erklärte schon in der Kommission, daß ich nur dann in der Lage wäre, einer Refo- lution zuzustimmen, wenn sie den Grundsatz der belgischen Priorität zu mindest stillschweigend anerkennen würde. Die deutschen wie die französischen Genossen haben in der Kommission meinen Ausführun- gen zugestimmt, so daß ich annehmen darf, daß auch die Kon- ferenz meine diesbezüglichen Bemerkungen widerspruchslos zur Kenntnis nehmen wird. Der zweite Punkt, der eine Debatte verursachte, betraf Rußland. Das englische Memorandum geht auf das russische Problem sehr ausführlich ein und hebt dessen Zusammenhang mit dem gesamten Repa- rationsproblem ganz besonders hervor. Die englischen Kommisiions- Mitglieder vertraten den Standpunkt, daß unsere Resolution gleich- falls die russische Frage eingehender behandeln müsse. Die Kommission war in ihrer Mehrheit jedoch nicht der Ansicht, daß das gesamte russische Problem in Anwesenheit unserer russischen Genossen von uns behandelt werden könne. Der dritte Punkt, der zu einer Debatte Anlaß gab, betraf die Frage der Peusioneu. Es ist bekannt, daß die Reparationskom- misiion der Entente die Gesamtschuldenlast Deutschlands auf 133 Mil- liarden Goldmark festgesetzt hat, wovon 74 Milliarden auf die Rlili- lärpeusionen entfallen. Die Aufbürdung der Militärpensionen auf Deutschlands Lasten steht nun im Widerspruch zu den l4 Punkten des Präsidenken Wilson, die als Grundlage für den Abschluß des Waffenstillstandes beiderseits angenommen worden waren und ledig- lich von der Wiedergutmachung der Sach- und Zivilschäden sprechen, wie noch ausdrücklich am S. November 1918 in einnn Telegramm, gezeichnet von Clemcnceau, Lloyd George und Orlando an Wilson bestätigt wurde. Es ist klar, daß die Mititärpensionen darunter nicht gemeint waren und es bedurfte der ganzen Dialektik eines Generals S m u t s auf der Pariser Friedenskonferenz, der damals ausführte, daß ein Soldat nach setner Entlassung wieder Zivilist geworden und daß daher seine Pension als Zivilposten anzusehen wäre, um Deutschland die Verpflichtung der Pension aufzuerlegen. Die amen- konischen Delegierten auf der Friedenskonferenz haben diesen Stand- vunkt entschieden bekämpft und Wilson hat sich nur unter dem Druck seiner Kollegen im Obersten Rate schließlich gebeugt. Heute aber, wo selbst die Regierungen der Entente zu der Ueberzeugung gelangt sind, daß die Schuldenlast Deutschlands oermindert werden müsse, ist es klar, daß der die Pensionen betreffende Posten gestrichen werden muß. Dies setzt aber zugleich die Skreichnng der gegenseitigen Kriegsschulden voraus. Das würde an sich für England und Amerika ein größeres Opfer bedeuten, während Frankreich und Belgien einen größeren Prozentsatz an den Reparationsleistungen erhielten. Die französischen Genosien vertraten bereits in ihrer Denkschrift im Grunde genommen den gleichen Standpunkt, verlangen aber, in Anlehnung an die Amsterdamer Resolution der Wiener Arbcitsge- meinschaft die Znicrnationalisierung oller Kriegspensionen und ihre Uebernahmc durch ein internationaies Penfionsinstltut. Eine Eini- gnng in diesem Difserenzpunkt war in der Kommission nicht zu er- zielen. Auch eine Wstimmung ergab Stimmengleichheit. Persönlich bm ich für den französischen Antrag, der einen hoben menschlichen Gesichtspunkt zum Ausdruck bringt, doch bleibe ich aller- dings skeptisch über dessen Ausführungsmöglichkeiten. Das Ple- num wird hierüber durch eine Abstimmung entscheiden müssen. Damit bin ich mit meinem Bericht zu Ende. Ich möchte ihn aber nicht schließen, ohne hervorzuheben, welch bemerkenswer- t e s Ereignis darin liegt, daß endlich nach fast achtjähriger Zer- ! störung der Internationale die Sozialisten der fünf Länder Europas, � die am Reparationsproblem am unmittelbarsten beteiligt find, zu- sammentreten und sich so rasch über diesen bedeutsamen Resolutrons- entwurf einigen konnten. Bracke(Frankreich) begrüßt ebenfalls die von Vandervelde fest- gestellte Einmütigkeit, beantragt jedoch in der Einleitung in einem Satze zum Ausdruck zu bringen, daß diese Resolution nur a l l g e- meine D i r e k t i v e n für eine Lösung der Wiederaufbaufragen liefere, daß aber nur der Sozialismus eine wirkliche Genesung der Welt bringen werde.(Ein entsprechender Zusatzantrag wird von ihm vorgelesen.) Vandervelde erklärt sich mit diesem Antrag einverstanden. Es fehlte bisher dieser Resolution eine rote Mütze, der Antrag Bracke bat sie ihr auf den Kopf gesetzt.(Heiterkeit.) Dittmann(USP. Deutschland): Ich beantrage, daß in der Re- solution zum Auedruck gebracht werde, daß Deutschland nur im Rahmen seiner Leistungsfähigkeit wieder gutzumachen habe. Eine Umgrenzung der Reparationspflicht Deutschlands ist gerade vom proletarischen Standpunkte aus notwendig. Wir sind nie- m a l s für die Wiedergutmachung im bedingungslosen Sinne eingetreten. Es muß auch die Grenze angegeben werden, zumal die deutsche Bourgeoisie bestrebt ist, den Bersailler Friedens- vertrag dazu zu benutzen, die Verelendung der deutschen Ar- bciterklasse zu vervollständigen, den Achtstundentag abzuschaffen, die Löhne herunterzudrücken, die Arbeiterrechte einzuschränken. Der Druck der Entente wird von ihr als willkommener Vorwand dazu verwendet. Die Resolution muß uns die Richtlinie für unsere Aus- einanderfetzung mit der Bourgeoisie liefern, indem sie die Grenze der deutschen Leistungsfähigkeit betont und damit auch die Not- wendigkeit, die Lasten der Reparationen auf den Kapitalismus und auf die Bourgeoisie abzuwälzen. Deshalb beantrage ich, daß in der Resolution erklärt werde, daß Deutschland nicht zu Maßnahmen gezwungen werden dürfe, die seine Arbeiterklasse in die V e r- s t l a v u n g treibe. Panl Levi(KAG. Deutschland): Nach der Rede Vanderveldes glaube ich, daß dos Schicksal dieser Resolution ein rein theo- r e t i s ch e? sein wird. Was wir in der Erfüllungspolitik be- kämpfen, ist die Ideologie des Krieges. Die Politik der Entente ist nur eine Fortsetzung dieser Ideologie. Als Sozialisten dürfen wir von einer moralischen Verpflichtung zur Wieder- gutmachung nicht sprechen, denn die kapitalistischen Regierungen tragen die Schuld nm Kriege. Es sollte die Aufgabe einer inter- nationalen sozialistischen Konferenz der Abbau der Kriegsideologie fein. Das geschieht aber nicht, indem der Grundsatz ausgestellt wird, daß Deutschland wiedergutmachen müsie. Es muh die Illusion zer- stört werden, daß der internationale Kapitalismus imstande sei, das wiedergutzumachen, was er verbrochen hat. Doch zeigten verschiedene Stellen der Rede von Va nid ervelde, insbesondere als er vom nationalen Standpunkt Belgiens aus das Prioritätsrecht Belgiens hervorhob, daß die Kriegsideologie weder aus unseren Reihen, noch aus der uns vorliegenden Resolution ausgemerzt ist. Deshalb bin ich leider n i ch t in der Lage, dem Entwurf meine Stimme zu geben. Wels(SP. Deutschland): Ich kann den Ausführungen Paul Levis nicht zustimmen, denn sie zeigen eins vollständige Bertenizung unserer Beweggründe. Wenn wir die Wiederher st ellung Bel- g i e n s fordern, so geschieht dies, weil wir damit zum Ausdruck bringen wollen, daß wir die Reulralltätsverleßung Belgieus, dieses größte Verbrechen der alten kaiserlich deutschen Regierung, ver» urteilen. Wenn wir ferner für den Wiederaufbau der ver- wüsteten Gegenden in Nordsrankreich eintreten, so geschieht dies aus Prokest gegen die von dem deutschen Rlilitarlsmus weit über das Maß der militärischen Notwendigkeiten hinaus ange- richteten Zerstörungen. Wir wollen den Haß zwischen den Völ- kern bekämpfen, und zu diesem Zwecke fordern wir, daß die Völker, die sich gestern mit Werkzeugen des'Todes auf den Schlachtfeldern gegenüberstanden, sich morgen mit den Werkzeugen des Friedens aus den gleichen Schlachtfelvern mied er- I i n d e n, um in gemeinsamer Arbeit die Ruinen des Krieges wieder aufzubauen.(Lebhafte allseitige Zustimmung.) Wenn die Gedankengänge, die Levi in seiner Rede zum Ausdruck gebracht hat, von der Konferenz angenommen werden würden, dann hätte dies zur einzigen Folge eine Erstarkung der deutschen Reaklion, die die Notwendigkeit der Wiedergutmachung verneint. Die gegen- wärtige Fünfländcrkonferenz wurde nicht zu dem Zwecke einberusen, allgemeine theoretische Anschauungen zum Ausdruck zu bringen, son- dcrn es wurde als ihr Zweck bezeichnet, die Vorarbeiten für die große allgemeine sozialistische Konferenz zu leisten und die soziaiistischen Lösungen praktischer und konkreter Fragen im Hinblick auf die Konferenz von Genua anzugeben. Levi hat gemeint, daß das Schicksal dieser Resolution rein theoretisch bleiben würde, er selbst aber hat lediglich nach seinem eigenen Geständnis einen Spaziergang ins Theoretische unternommen. Wenn Levi eine Partei vertreten würde, die für die Politik und für das Schicksal seines Volkes ver- antwortlich wäre, dann hätte er eine solche Rede nicht gehalten; denn er würde dann einsehen, daß wir auf dieser Konferenz praktische Arbeit im Hinblick aus Genua leisten müssen. Damit verlasse ich Levi und komme zu den Ausführungen D i t t m a n n s. Ich bin mit seinem e r st e n Abänderungsantrag einverstanden, beantrage aber, daß an Stelle des Ausdruckes„Ver- sklavung" das Wort..Berelendung" gebraucht werde, das bereits in der auf der Luzerner Konferenz im August 1913 einstimmig an- genommenen Resolution vorkommt. Damals wurde bereits zum Ausdruck gebracht, daß die Ausführung des Bersailler Friedensver- träges nicht dazu führen dürfe, daß die Lebenshaltung der deutschen Arbeiterklasse schlechter werde als die irgendeiner anderen curo- päischen Arbeiterschaft. Dieser Grundsatz wurde damals vom Ge- nosien Renoudel formuliert und einstimmig angenommen.(Zu- stimmung.) Schließlich habe ich noch zwei kleine Aenderungen zu beem- tragen: Erstens müßte bei der Erwähnung der Amftcrdomrr Relo- lution vom April 1981 und der damals von den deutschen sozialisii- schen und gewerkscho'tlichen Organisationen zum Ausdruck gebrachten Notwendigkeit des Wiederaufbaues Nordfrankreichs und Belgiens das Wort„c r n e u t" hinzugefügt werden, damit nicht die Meinung entstünde, die deutsche Arbeiterschaft habe sich zu diesem Prinzip erst damals bekannt. In Wirklichkeit hat sie diese Notwendigkeit viel früher, ja bereits während der Friedensverhandlungen freiwillig betont. Und schließlich beantrage ich nach der Rede Levis die Streichung des Wortes„einstimmig", da Levi erklärt hat,.er Resolution nicbt zustimmen zu können. Vandervelde(Belgien): Levi hat mir vorgeworfen, daß ich noch zu sehr von der Kriegsideologie befangen sei. Ich möchte hoffen, daß wir nicht zu Sklaven einer anderen Ideologie werden, die ebenso veraltet«ist und die, wenn sie von dieser Konferenz geteilt würde, zu sehr einfachen und höchst bequemen Schlußfolgerungen für die kapitalistischen Klassen in Deutschland führen würde: nämlich zu der, daß Deutschland überhaupt nichts zu bezahlen brauche. Und wenn wir belgische Sozialisten nach dieser Konferenz in unser Land zurückkehrten und unseren Genossen sagten: Gewiß, es gibt in rem Lande Ruinen und Berwüstungen, aber das deutsche Proletariat weigert sich(Zuruf Paul Levis: Das habe ich gar nickst gesagt!) ans Gründen einer höheren Ideologie, dies« Sä-äden wieder gutzumachen, nun, dann würden wir von unleren Genossen sehr schlecht empfangen werden— und sie hätten reckst. Silberschmidl(SP. Deutschland): Ich ergreif« das Wort nicht etwa, um eine Aenderung des vorliegenden Wortlautes zu beantragen, sondern lediglich um die Aus- merksamkeit der Konserenz auf einen Gegenstand zu lenken, der mit unseren Beratungen in engstem Zusammenhang steht. Es finden momentan in Berlin Verhandlungen zwischen Vertretern der Re- parationskommission und der deutschen Reichsregierung statt, die eine Abänderung des bisherigen Modus der Reparaimvsleistungen in Sachlieferungen bezwecken. Bisher war für diese Natural- lieferungen ein streng kontrollierter Verkehr eingeführt, wobei nicht nur die Staaten, sondern auch die gerverkschastlichen Organisationen ein weitgehendes Kontrcllrecht ausüben konnten. Nun soll dos gesamte Sachliescrungsfyslem fast ausnahmslos im Wege des freien, unkonlrollierkcn und unkontrollierbaren Verkehrs zwischen Svühiahvs-Neuhetten Kleiderstoffe Blusenstofie in neuzeitigen oq Ferben u. Streifen, 70cm,Mtr.<'-'-" Reinwoll. 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Wir bitten den Genossen SUberfchmidt. uns ein kurzes Expose dieser Frag« noch vor End« der Konferenz überreichen zu wollen, damit wir in unseren Ländern entsprechend handeln können.(Bravo!) Daraufhin wird die Sitzung aus 3 Uhr vertagt: Fortsetzung d.-r Debatte. Schluß nach 1 Uhr. Die Nachmittagsflhung. Die Sitzung wird um 3� Uhr von Paul Faur» eröffnet, der Paul L e v I das Wort zu einer Erklärung erteilt. Paul Lcvi(KAG>: Räch der Red« von Vanderveld« sebe ich mich veranlaßt, meinen am heutigen Borinittag dargelegten Stand- Punkt zu präzisieren und mit einem Mißverständnis aufzu- räumen, das vssenbcr nach meiner Red« entstanden ist. Das. was Genosse Landeroelde au» weiner Red« entnommen hat, entspricht weder dem Sinn noch dem Wortlaut meiner Erklärungen, und ich würde es außerordentlich bedauern, wenn er glauben würde, daß irgendein Teil des deutschen Proletariat» jenen Klond» punkt vertritt, den er irrtümlich aus meiner Red« entnommen hat. Ich habe lediglich meinen grundsätzlichen Standpunkt über ganz allgemeine Fragen theoretischer Art bezüglich der Kriegsschuld des internationalen Kapitalismus zum Ariedruck brin- gen wollen. Um aber alle Mißdeutungen au» der Welt zu schaffen, R€INER WEiNBRAND in FRIEDEHSQUAliTÄT MARKE: möchte ich diesen Standpunkt dem Genossen Vanderveld« ln der Form einer schriftlichen Erklärung unterbreiten. tLevi verliest sodann»ine längere Erklärung des Inhalts, daß die Schuld am Krieg« auf den internationalen und ganz befon« der» auf den deutschen Kapitalismus fällt, daß daher von einer Reparationspflicht des Proletariats unter Sozialisten nicht die Rede sein könne, daß aber die Zerstörungen des Krieges selbst- verständlich von den Schuldigen wiedergutgemacht werden müssen.) Paul Leot fortfahrend: Auch wir begrüßen in dieser Kon» ferenz di« Talsache, daß zum erstenmal eine allgemeine Tagung der soziallstischen Parteien jener Staaten, dle der Krieg auseinander- gerissen hatte, stattgefunden hat. Wir möchten die Bedeutung und die Wirkung dieses Ereignisse» durch eine abweichende Stellungnahme zu dem Resolutionsentwurf nicht beeinträchtigen, und ich erkläre daher, daß ich und in« i n e Freunde für die Refo- lutlon doch stimmen werden. Dlßmann(USP., Deutschland): Im Namen der Unabhängigen Delegation gebe ich die Erklärung ab. daß wir«ine Erörterung der von Paul Levt aufgeworfenen theoretischen Fragen auf dieser Kon- serenz nicht kür zweckmäßig holten. Grundsätzlich stimmen wir den von Paul Levt entwickelten Gedanken- gängen zu, sind aber der Meinung, daß ihre Besprechung der kommenden allgemeinen sozialistischen Konferenz vorbehalten bleiben soll.(Große Bewegung bei der französischen Delegation.) c-ion Blum(Frankreich): Im Namen meiner französischen Freund«, die durch dle soeben zur Verlesung gebrachten Erklärungen aufs tiefst« erregt find, bitte ich die Sitzung auf eine Viertelstunde zu unterbrechen, damit wir uns zu einer internen Beratung zurückziehen können.(Starke Bewegung auf allen Seiten.) Nach Wiederaufnahme der Sitzung erklärt Leon Blum: Die Er- klärung Levis war mit der Amsterdamer Resolution, die die Wieder- ousbanpflicht Deutschland» ausdrücklich feststellt, unvereinbar. Indessen haben uns unsere vnabhängiaen Genossen mitgeteilt, daß, ob- wohl sie ihr« grundsätzliche Ansicht über Ursachen und Folgen de» Weltkrieges aufrechterhalten, sie prinzipiell und prak- tisch mit der Resolution der Kommission einverstanden seien, die Ihre Gedanken zum Ausdruck bringe und für ihre Handlungen maßgebend sein würde.(Beifall.) Ledebour gibt eine entsprechende Erklärung ab. Serroki(Italien): Ich möchte nicht die hier zum Ausdruck gebrachte Einstimmig- kelt durch ein« abweichende Erklärung der italienischen Partei beein- trächtigen, Deshalb sage ich nur kurz: Als wir die Einladung zu dieser Konferenz erhielten, wußten wir, daß unter den hier ver- tretenen Parteien theoretische Meinungsverschiedenheiten vorhanden sein würden: denn wir wußten, daß hier Vanderveld« und L e v i zusammentagen würden. Solche Meinungsverschiedenheiten i Vtrv«» erst recht auf der allgsmeinen Konserenz göllr wo Lenin und Wandervelde zusan'menkommen sollen.(Zu- ruf Dr. Breitsegeids: Auch zwischen Lenin und L e v i! Heiterkeit.) TResker jlWtttptctcpfW.I Opernbaas v. Ring d. Nlbclnngea I T»g-. Die Walküre 5V»Uhr Sebaaspieihaas Vi, Öhr_ CentraiThoätar rn' DaS llMtlmW Deutsohes Opernhaus 7".Uhr: T O SCA Frieir.-Wilholmsl Th. ttfn Dfeimäderte Intimes Theater *; Experiment/ Nymphe »tri Steve es bittet 1 * IJ.; Die Spelunke usw. Klata Schau spiel haus '.Vn Uhr: Der kciucbe Lebemann Mit Ouldo TMetacher Lustsplelhaus »*.*> Uhr: Nachtosyl » uhr: fiep Weraoll Mblrepol-Theater 3: Er n. seine Schwester ,v, v.- Die BajaDere Neues Operetten-Th. Königin Oachl Neues Operettenhaus Scliönebg,, Hauptstr H4 i'■ Unr: l-eizgräfln Dich, Lote Neues Theator am Zoo »/.Uhr Scampolo Neues Volkstheater vt, uhn Falscher Wont, 7'/»: Heuchler 8chill«r-Th. Charlbg. 3 U.: Ein WlntcrmSrchcn «uhr: jUt-aeidsllierD SoMoSpark-Th Steglitz ßctlloBstr. 4S I Uhr: Juzend »..Uhr: Phyiils Thalia-Theater 3; 0 schöne Zeit, o sel.2. 7>/. Uhr: Die Herren von und zu...1 Theat am Nollenderfpt SV.: Vetter aus Dingsda V.- Die Ehe in Kreise Theater det Westens 2 Uhr: Qr. Volksoper: Lohengrla u!! Der Tanz InsßM Tn.i.d. Kommandant. Str Uüd. Künstler-Tb.) Ti, Uhr: Qrüne Felder Wallner-Theater 3'/- Uhr: Nixeben KJeSpitzenkonip Walhalla-Theater Loitehens Hechz.-N. »;SU.:D. Kleines Theater Heute 4 Uhr kleine Pr.: Dar Dieb Tiptieh»/, Uhrs HabenSle nichts xu vcrxollcn T (tlmburs, ralkcnstein, ("TKnmrnrn Alben) klasse zu beweisen. Wir konstatieren indessen, daß infolge unserer Spaltung diereoktionäreBourgeoisteerstarktist. Run handelt es sich darum, das Revarationsproblem gegen die Reaktiotz zu lösen. Deshalb müssen wir über diesen theo- retischen Meinungsverschiedenheiten die Augen schließen. Rur eins möchte ich in der Resolution bemängeln: Ich begreife nicht, wie man von Frankreich oder von Deutschland sprechen kann: ich meine, man müsse stets betonen, daß es zwei Deutschland und zwei Frankreich gibt, und ich möchte lieber einen französischen Millionär als einen deutschen Proletarier mit den Reparationen belasten.(Bei- fall.) Trotz dieser kleinen Mängel nehme m, im Namen der stalte- Nischen Partei dies« Resolution an.(Beifall.) Paul Faur«: Wir kommen zur Abstimmung. Unsere englischen Genossen haben trotz der Anregung des Genossen Tom Shaw ihren Protest gegen den Passus betreffend die I n t« r- nationalisierungver Pensionen nicht aufgeben wollen. Wir müssen daher zuerst über dies« Stelle der Resolution ge« trennt abstimmen, um sodann das Ganze zur Abstimmung zu bringen.(Zustimmung.) Bei der Abstimmung wird der Passus betreffend die Internatio- nolisterung sämtlicher Pensionen mit vier Stimmen(Frankreich, Belgien, UCPD., Italien) gegen zwei(Englische Arbeiterpartei und Unabhängige Arbeiterpartei Englands) bei einer Stimmenenthaltung (SPD.) angenommen. Sodann wird die Resolution einstimmig angenommen.(Stürmischer Beifall.) In einer späteren Nummer werden wir den weiteren Verlauf dieser Schlußsitzung(Debatte über das Entwaffnungspro« blem und Schluhansproche des Borsitzmden) veröffentlichen. n in Orr Hauptroll« l-ht alladindllch g. aedrn wird. ,Dte Ohrleige" heißt dieser tolle Scher,, dessen Grundidee«an, elpenülmlich originell und etwas gewagt ist, und der mit iedem Worte di« Heiterleit und gute Laune deo Publikums immer mehr steigert. De, wetteren ist da» Programm der Nachmittags- und Adendvorstellungen sehr reichhatiig und dietet allrrlri Anen angenehmster und anregendster Unterhaltung. Humoristen SortragoMnstler und Künstlerinnen, reizvolle» phantastische» Ballelt. ein welldekanntcr Zauder/iinstler, ein geistreicher Stegreifdichter ulw. halten das tedhaftest« Interesse de» Publikum» stets gelesseit. •—••• 3.ST0CK-NCHF.A.6. WEiNBRENNEREiEN •"'*!&.■-/•••.' •• r<■» �;■ HANAU Iffi schauspiEiHa � Abonnement 1922/23. � Vorverkauf beginnt am 15. März, 6 verschiedene Werke. Jede Karte lautet auf bestimmten Tag und Datum» Besonders Wünsche bisheriger Abonnenten bexügllch der Plükxe werden bb 1. April nach Möglichlteit ber ücksicfa ilgi. Besondere Vergünstigung für die Abonnenten: Jeder Abonnent hat das Recht, nnter Vorzeigung des Abonnement». hefte» tür die Spielzelt 1921 23 aut Wtaisch eine 7. und S. Vor» Stellung zu den Abonnemcnbpreben des Grossen Schauspielhauses Im DEUTSCHEN THEATER • sn beanspruchen. Bezugsscheine hierfür an der Abonnementskass« des Grossen Schauspielhauses. Preise der Plätze für Ö Vorstellungen: Parkettlogen........... M. 180.— 1. Ring.............. 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Der Ardeiigeder hat durch Anschlag in den Arbeits» und Geschäftsräumen auf die Adiieferungs» Pflicht hinzuweisen. 3. Die cinaelieierten. sllr die Zeit vom I. April bis zum 31. Dezember 1321 verwendeten Steuer» marlcn.wcrdcn auf die für das Rechnungsjahr 1921 zu entrichtende Einkommensteuer angerechnet. Bertin, den?. März 1322. Der Präsident 141/3 des Landeosinanzamla Grosi-verlln. Zähns...*!) trsikl. Ausfuhr., SJ.Garanlic M. Umarbeitg. alt üebisse. Rc- an parat.sol.Ooldkronen, Brück — Teilnahlir.S— 7 Sonntags9-l. Bempel, Bentist, Linienstr. 220 Eniros. Lager Kebt laden Gccrandct 1894. Export Lager Kein Inden_ j» fTk ÄÄ ä � Eine treppe cti spar cd q Frühiahrs- Moden KSI0SWÄ.�rZ?Z!I0c!lRärÄ [ivertoai� �ZüCISeiilEn-Ä Wlnlcr-Konleltlion 25-50 � lieralitesefzl.'»« N. 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Seine Arbeiten über die Lage der bayerischen Schuh- »nacher und über die Lage der in der Seeschissahrt Beschäftigten verraten tiefen Forschergeist. Francke war Liberaler, aber er war zu liberal, um ein liberaler Parteiführer sein zu können. Seine Tätigkeit für die„Soziale Praxis" und für die„Gesellschaft für Sozialrcform". später für den„Äolksbund für Freiheit und Pater- land", seine nie rastende Arbeitsfreude haben der letzten Krankheit ihre Arbeit erleichtert.— Einer der anderen Redner erinnert an seinen Ausspruch:„Was soll ein gesunder Mensch am Sonntag anderes tun, als arbeiten." Francke nannte sich bescheiden „Schriftsteller": Fachgelehrter wollte er nicht sein. Dr. Ludwig Ä c y d c betonte, daß die„Gesellschaft für Sozialreform" auch in Zukunft der Arbeiterschaft an die Seite springen werde, wenn sie von sozialer Entrechtung bedroht sei. Gesang und Harmoniumspiel beendeten die schlichte Feier. „Der Kriegsplan ües Sraukapitals". Unter dieser Ucberschrift brachten wir vor einigen Togen einen längeren Bericht über eine Sitzung des Großen Ausschusses des 5>eutschen Brauerbundee, die im Berliner Adlon-Hotel getagt hatte. Aom Vorstand des genannten Bundes werden wir darauf ouimerk- lom gemacht, daß es sich nach seiner Meinung nicht um«ine Geheim» sitzung handelte: es sei niemand nach einer Legitimation gefragt wor» den: im Gegenteil wären sogar einige Pressevertreter einaladen gewesen. Im übrigen schickt uns der Vorstand eine längere verich- tigende Darstellung, der wir das Folgende entnehmen: Es fei unrichtig, daß der größte Teil der Sitzung des Großen Ausschusses des Deutschen Brauerbundes am 14. Oktober 1921 im Hotel Adlon irgendwelchen. Besprechungen, Anträgen und Aus» sprachen über die Abwehr der Antialkodolbcwegung gegolten hat. Wahr sei vielmehr, daß lediglich zwei Schweizer Herren, Dr. K ü r i)» Basel und Dr. R e u m a n n- Bern, je einen Bortrag über die Bekämpfung der Antialkoholbewegung in der Schweiz gehalten hoben, ohne daß vor oder nach dielen Vorträgen sich an dies Thema irgendwelche Besprechungen, Anträge und Aus- sprachen angeschlosien haben. Ebenso Hab« irgendein« Bezugnahm« auf deutsche Berhältnisse überhaupt nicht stattgefunden. Auch sei von einer Gewinnung der Schulbehörde oder Iugend für irgendwelche Alkoholpropaganda überhaupt nicht gesprochen worden. Bon den referierenden Schweizer Herren sei nicht emp» fohlen worden, sich bei der Abwehrpropaganda den„Mantel der Wissenschaft umzuhängen" oder im„Dienste des Alkoholkapitals stehende Wissenschaftler" für Abfassung von Berichten in unserem Sinne zu gewinnen. Es sei vielmehr lediglich empfohlen worden, die Stimmen unbeeinflußter, prominenter Aerzte und Forscher, die sich gegen eine radikale Trockcnlegungspolittk nach amerikanischem Dorbilde aussprechen und sich dabei auf wissenschaftliches, einwand» freies Material stützen, nach Möglichkeit zu oerbreiten. Im Sinne dieser Auffassung unterstützt der deutsche Brauerbund pewisse Organisationen, die für den Mäßigkeitsstandpuntt «intreien._ Eberl an Ledebour. Reichspräsident Ebert hat dem Reichstags. abgeordneten Ledebour, der bekanntlich gestern verunglückt ist und einen Unterschenkelbruch daoongeiragen hat, seine Anteilnahme bekundet und der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß da» Krankenlager Ledebours nicht von langer Dauer sein werde. Das Befinden de» Abgeordneten gibt zu Besorgnisien keinerlei Anlaß. Die bisherige Ienkralversorgungskasse führt von setzt an die Bezeichnung Reichsversorgunaskass«. Sie befindet sich Berlin W.S, Könizgratzer Straße 122 sZcntrum 742). Alle Personen und Stellen, die mit dem allgemeinen Pensionsfonds und mit den De- Hörden und Einrichtungen für die Versorgung ehemaliger Heeres» und Marineangehöriger zu verkehren haben, werden auf die Aende. rung ausdrücklich aufmerksam gemocht. Enlrniekonlrolle im Umherziehen. Am Donnerstag hat auch in Echwandorf in der Oberpfalz ein« Ententekommission, begleitet von einem bayerischen Offizier, rie Geschäftsführung der Stadt in bezug auf das Polizeiwesen kontrolliert. Beanstandungen wurden nicht erhoben. Die Kommission begab sich dann nach A m b e r g. Da» Ende der Grippe? Die„spanische" Grippe, die in England besonders große Verwüstungen anrichtete, ist auch dort im Ab- nehmen begriffen:«r.d wenn der bekannte englische Arzt Archdole Reib Recht behält so wird man ein Menschenaiter lang nicht mehr von dem verhängnisvollen Gast zu reden brauchen. Nach Dr. Reib ist die Seuche ein Nachzügler der großen Pandemie de, Jahres 1918/19. Solche Pandemien hinterlassen immer einen Schweif: die Infektion verlangsamt sich zwei oder drei Jahre, taucht gelegentlich noch vorübergehend aus und sucht diejenigen heim, die nicht immun sind. Aber es ist wahrscheinlich, daß die Grippe in ihrer klassischen Form mit der Komplikation der gefährlichen Lungenentzündung wenigstens für ein Menschenalter verschwinden wird, vielleicht sogar für 40 oder 50 Jahre. Man hat festgestellt, daß die Influenza- seuchen in der durch Lungenentzündung erschwerten Form während eines Menschenalters nur einmal austreten. So gab es eine im Jahre 1842/43, eine andere nach 47—43 Iahren im Jahre 1890 und eine dritte im Abstand von 28 Iahren im Jahre 1918. Das Kennzeichen der Epidemie des Jahres 1890 war die starke Sterblichkeit der alten Leute. Im Jahre 1918 wurden dagegen gerade junge Leute hinweg- gerafft, während die alten verschont blieben. Man konnte feststellen, daß die im Jahre 1890 Erkrankten 1918 nicht wieder von der Seuche ergriffen wurden. Bisher ist noch kein Fall bekanntgeworden, daß jemand zweimal denselben Typus der Influenza gehabt hatte. Das alles aber wird uns nicht vor den Verbündeten der spanischen Grippe schützen, denn es gibt vielleicht 20 verschiedene Typen der Influenza, die üch zwischen einer Pandemie und der anderen unliebsam be- merkbar machen. Eine Gesellschaft von Freunden der Technischen Hochschule. In der Technischen Hochschule in Berlin wurde eine Gesellschaft von Freunden der Technischen Hochschule in Berlin begründet. Was zu schützen und wo zu helfen ist, das bedarf kaum der Worte: in den Versuchsfeldern, Laboratorien und Instituten mangelt es an Ma- fchinen, Apparaten und anderen Hilfsmitteln, um Unterricht und Ausbildung auf der notwendigen Höhe zu erhalten, die Bibliotheken und konstruktiven Lehrmittel veralten und werden immer lücken- hafter, den Studenten fehlt es an Vorlagen, an Büchern und Zeichen- geräten. Die Mittel des Staates können trotz wesentlicher Erhöhung nicht entfernt ausreichen: hier wollen die Freunde der Technischen Hochschule eingreifen. Der Dollar. Einem Theaterdirektor war es gelungen— so be. richtet„Das Tagebuch"— für sein Unternehmen amerikanisches Geld au bekommen. Das nächste Stück wurde mit Balutapomp inszeniert. Als eine Sensationsszene besonders grell und laut gebracht wurde, sagte ein Eingeweihter zu seinem tief ergriffenen Freunde:„Hörst Du, wie der Dollar grollt!"_ Großes Schauspielhaus. Der Abonnementeverkaus für die Spielzeit ISN/SS beginnt am 15. März ES sind in Aussicht genommen: Hebbel» „Nibelungen", I. u. 2. Teil, Shakespeare«„Gezähmte iSider» s p e n st i g e Grabbe«.Napoleon". SozzlS.Turandot" und Raimund«.Derichwender", außerdem ein von Max Steinhardt inszeniertes JBerk QfsenbachS, Taö Gaitspicl bei Jüdischen KLnstlcrtheaterS im Theater in der rtommondantenslrag? gebl am 8. zu Ende. Vom 15. wird unter der glcuficn Direltton mit einem deutiche» En'emble die Suilon neu eröffnet Leo Atentcr spricht am II. März 8 Uhr im liünülerhaut Satiren, Grotesken, Galgenhumor und Galnenlieder. Karten zu ermäßigten Preisen tn»er.YorwärtS'-Vuchbondlun» Die wieöeraufbaufrage. Der Reichstag hat gestern die Genehmigung zur Strafoer- folgung gegen die Abgg. Unterleitner, Düwell, Diener, Puchta, Reich, Keil und Iaud versagt.— Nach Erledigung kleiner Vorlagen durch Ausschußüberweisung wird in ollen drci Lesungen der Gesetzentwurf zur Ueberleitung des Rechtszustandes in Oberschlesien verab- schiedet. Darauf wird der Haushaltdes Wiederaufbaumini- st e r i u m s weUerberaten. Staatssekretär Dr. Müller: Di« Reichsregierung denkt im Augenblick gor nicht daran, das Wiederaufbauministerium aufzulösen. Es muß bestehen bleiben, um eine reibungslos« Durchführung der wirtschaftlichen Friedensbestim- münzen zu garantieren. Die Regierung wird, soweit es die Finanz- läge gestattet, den Wünschen der Ausländsdeutschen entsprechen. Die Abwicklung der Koloniawerwaltung bietet wegen der weiten Entler- nungen und weil wir das Aktenmaterial nicht vollständig hier haben, besondere Schwierigkeiten. Trotzdem sind bereits 2500 Beamte ge- fallen und von 15 vortragenden Räten nur 2 geblieben. Bnm Reichsausschuß für den Wiederaufbau der Handelsslott« ist über- flüssiges Personal nicht vorhanden. Die Reichsregierung hat sich von Anfang an bereit erklärt, Sachleistungen für den Wiederaufbau Nordsrankreich» zu leisten und hat alles getan, um diese Arbeiten durchzuführen. Auf der Gegenseite hoben wir leider nur ein halbes Entgegenkommen gefunden. Was die Sachleistungsorganisation an- geht, so ist es fiotwendig, daß alle, die an solchen Lieferungen bete!- ligt sind, in diese Organffation« i n g e f ü g t werden. Wir haben von Frankreich kein Entgegenkomme« gefunden fHört, hört), trotz der ständigen Bemühungen der deutschen Delegation stocken die Arbeiten. Von uns Angebot um Angebot, von uns Bereiffchast um Vereiffchaft, aus der andern Seite aber wenig Entgegenkommen oder wenig Neigung, auf unsere Vorschläge einzu- gehen.(Abg. 5?elffer!ch: Das Ganz« nennt man Erfüllungepolitik!) Ich darf dabei auch erinnern an die Zusammenkunft von Vertretern der deutschen und französischen Gewerkschaften, die sich um Besse- rung bemühen. Der Staatssekretär gibt eine ausführliche Ueberficht über die französischen Pressestimmen zur Frage de Wiederausbaus durch deutsche Arbeiter. Bei der ganzen Sachlage bestände wenig Aus- ficht dafür, deuffch« Arbeiter in den zerstörten Gebieten zu beschäf- tigen. Die Reichsregierung werde aber trotzdem fortfahren, sowohl Kapital als Sach- und Arbeitsleistungen der französischen Regierung zur Verfügung zu stellen. Abg. Dr. Haas(Dem.): Den Ausländsdeutschen gab man bisher nur Verordnungen, Erlasse, Gesetz« und Richtlinien, aber in Wirklich- keit nicht». Man sollte vorläufig Vergleich« mit den Leuten schließen, damit sie schnell ein Kapital bekommen ,mit dem sie arbeiten können. Abg. Dr. Fleischer(Ztr.): Nicht das Wiederoufbauministertum, sondern dos Finanzministerium ist Schuld daran, daß das Ver- ständnis für die Heranziehung der produktiven Kräfte unsere» Volkes für den Wiederaufbau fehlt. Abg. Ernst(U. Soz.): Wäre man nach den Richtlinien der Ar- beitertlasse beim Wiederaufbau vorgegangen, dann wäre er heute sehr viel weiter. Die Klagen über den anzureichenden Wiederaufbau der deutschen Dinnenschisfahri sind berechtiat. Di« Fahrzeuge müssen den Privat schiffern zu billigen Preisen zup Verfügung gestellt werben. Abg. Dr. veermann(Bayr. Dp.) wünscht Verminderung des Personalbestandes und wünscht, daß die französische Rheinschrfsahrt die deutsche nicht lahmlege. Abq. Laverrenz(Dnat.) meint, die Regicrinm müsse immer wie. der darauf dringen, daß Deutschland zur kolonialen Mitarbeit zuge- lassen wird. Abg. Frölich(Komm.): Der neue Sachlieferungsvertrag birgt die Zerrüttung unserer Wirffchaft in sich. Auf Anregung der Abgg. Zaud(Bayer. 55p.) und Dr. ftaos (Dem.) über dre Beteiligung des deutschen Handwerks an den Sach- lieferungen erklärt Staatesekretär Dr. Müller, daß wegen Vorschuß- lcistungen für das Handwerk Verhandlungen eingeleitet seien. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Präsident Höbe: Der Aeltestenausschuß ist dahin übereingekommen, den Haus- Haltsausschuß und den Gteuerausschuß In den ersten drei Tagen der nächsten Woche die Möglichkeiten zu geben, ihre Arbelten zu beenden. Die nächste Sitzung des Plenums soll erst Donnerstag stattfinden. Verschiedene Pressenotizen über einen Ausfall der Sitzungen von ein bis zwei Wochen erwecken den Eindruck, als ob die Absicht be- stände, so lange Zeit die parlamentarische Arbeit in Deutschland ruhen zu lassen. Es soll gerade das Gegenteil erreicht werden, nämlich eine Förderung der parlamentarischen Arbeiten in den Kommissionen und damit auch eine schnellere Erledigung im Plenum. Ich schlag« daher vor. die nächst« Sitzung am Donnerstag 2 Uhr mit folgender Tagesordnung: erste Lesung de» Entwurf» über die Verwendung von Wartegeldempfängern: zweite Lesung de» Brannt- weinmonopolgesetze« abzuhalten. Dieser Dorschlag des Präsidenten ruft ein« lebhaste Geschäftsordnungsdebatte hervor, in der Deutschnationale und Deutsche Dolkspartei Abfetzung des Branntweingesetzes fordern. Reichskanzler dr. Vieth: Ich bin wiederholt von der Kommission dahin unterrichtet wor- den, daß in verhältnismäßig kurzer Zeit mit wenigen Sitzungen die Kommissionsberatungen zum Abschluß gebracht werden konnten. Man muß bei der Erledigung des Steuerwerkes auch darauf Bedacht nehmen, daß eine rasche Erledigung besser ist, als eine Verzöge- rung um Tage oder gar um Wochen. Wenn wir schon in den sauren Apfel beißen müssen, so muß man sich auch klar sein, daß eine rasche Erledigung nach monatelangen Beratungen jetzt geradezu als ein« außenpolltische llotwendtgkeit erscheint. Jetzt muß über da» Steuerkompromiß die politische Entscheidung sollen. In einer ver- tagung des Reichstages um ein« Woche würde ich einen politischen Fehler sehen. Wir werden eine politisch gute Tat tun, wenn wir bereits am Donnerstag im Plenum in di« Lesung einzelner Teile des Gesetzes eintreten, insbesondere de» Branntweinmonopols. Ich will keinen Zweifel daran lassen, daß tn der nächsten Woche elne vollkommene Klärung über di« Gesamtheit der Vorlagen erfolgen soll. Es ist notwendig, daß die politischen Parteien über die Konstruktion der Zwangs- a n l e i h e alsbald klar sehen. Sollten die vereinigten Steueraus- schüsse zusammentreten, so könnte da» vielleicht schon am Mittwoch geschehen, um die innen» und außerwolitisch absolut notwen- dige Klarheit herbeizuführen. Wollen wir in der Welt ernst genommen werden— und das Ist unser Wunsch— so müssen wir dieses Werk nun auch zum endgültigen und politischen Abschluß bringen.(Beifall bei den Koalitionspartelen.) Abg. Wels(Soz.): Nach dieser ernsten Mahnung des Reichs- kanzlers würden wir es nicht verantworten können, dem Antrag« Schultz zuzustimmen. Nachdem Abg. Schuld(Dnat.) erklärt hatte, daß sein« Partei sich nicht abhalten lassen wero«, das Branntweinmonopolgesetz auf das gründlichste zu beleuchten, beantragt Abg. kioeuen(Komm.), am Montag den kommunistischen Antrag auf Aenderung des§ 218 StGB.(Äbtreibung) zu beraten. Nach einer kurzen Erklärung des Abg. Dr. Levl(RAG.) stimmt das Habs dem Vorschlag« de» Präsidenten zu. Nächste Sitzung: Donnerstag. 2 Uhr. Schluß gegen S Uhr.--i» Wirtschttst Fortgesehte Devisenhausse. Di« Verschlechterung der Mark hat im Laufe der letzten Woche angehalten und schließlich dazu geführt, daß der Dollar am Wochenend« um fast 80 M. hoher bewertet wurde als in der Vorwoche. Die Verschlechterung beträgt also 13,5 Proz. des ur- sprünglichen Standes. Die Kurecntwicklung stellt sich an den Ber- liner Geldkursen zweier Hauptdevisen folgendermaßen dar: 25.2. 27.2. 28.2. 1.3. 2.3. 3.3. 4.3. 1 Dollar.. 222 60 228,27 227,27 220,77 230,51 261.49 251,74 I Pf.Sterl. 975,60 1004,95 1007,95 1021,45 1060,40 1113,85 1118,66 Die Steigerung der Devisenkurse, die bis Freitag sich fortgesetzt hat. wird in erster Linie aus den erhöhten Bedarf der Ein- fuhrwaren, insbesondere Rohstoffen und Lebensmitteln, zurück» gefiihrt. für den sich jetzt die Importeure eindecken. Die Nachfrage nach Devisen ist so stark, daß die Versuche der Reichsbank, die Be- wegung zu dämpfen, keinen wesentlichen Erfolg hatten. Es scheint demnach, daß auch spekulative Kräfte am Werk sind, insbesondere mit Rücksicht auf die Tatsache, daß mancher neue Reich? sich vor der beabsichtigten Zwmigsanleihe durch eine Flucht vor der Mark zu retten versucht. Um so größer wird aber der Papiermarkbetrag. den die übrigen aufzubringen haben. Es wäre deshalb nur«ine Pflicht der Selbsterhaltung, wenn Industrie und Handel sali». dorisch einer weiteren Verschlechterung des Markturse» entgegen» wirken würden. Im Vergleich zu früheren Stichtagen ergibt die Kursbewegung der wichtigsten Devisen folgendes Bild: am lt. 1. 21. 1. 28. i. 11. 2. 25 2. 4 3. 100 boll. Gulden 6658 7243 7388 7452 8491 9540 1 Pfd. Sterling 762 843 853 869 976 1114 1 Dollar... 180 200 200 200 222 262 lOOftanzöf. Fr. 1498 1623 1648 1708 1990 2294 100 Sckiweiz. Fr. 8511 8898 8006 8901 4841 4050 100 tschech.«r. 293 845 890 375 893 411 100 österr. Kr.. abgestempelt 6.48 5.88 5,78 6,83 4.88 4.58 Seit dem 11. Februar hat sich also der Wert der Mark im Aus- lande um mehr als ein Viertel, seit dem 14. Januar ummehrals ein Drittel verschlechtert. Die tschechische Krone, die schon seit längerer Zeit zu den höher bewerteten Devisen aufrückt, hat ihren Unterschied zum Kur« der Mark noch weiter erhöht. Diese Kursentwicklung ist besonders bemerkenswert deshalb, weil am 1. März das neue Devisengesetz in Kraft getreten ist, das es dem Reiche ermöglicht, die Kursgewinne au» Devisen- spekulotionen wenigstens zu einem erheblichen Teile zu er- fassen. Für die Z w a n g s a n l e i h e, die nach unseren Forderun- gen so bald als möglick aufgebracht werden mutz, bringt die Gegen- Überstellung der Kurse der letzten beiden Monat« eine wichtig« Lehre: Nachdem sich die Mark innerhalb von zwei Monaten wieder um mehr al» ein Drittel verschlechtert Hot, würde ein geringfügiger Anreiz zur Zahlung der Zwangeanleihe seine Wirkung voll- ständig verfehlen. Weder ein erhöhter Zinssatz noch ein günstigerer Kurs könnte den Verlust ausgleichen, der dem sorgsam rechnenden Kapitalisten bedroht, wenn er nicht mit der Einzahlung der Anleihe wartet bi» zu einem Zeitpunkt, an dem die Entwertung der Mark weiter fortgeschritten ist und so sich der Anteil de» Betrages, den er zu zeichnen hat. an seinem Geknmtsermögen oermindert bat. Es bedarf also zweifellos stärkster Mittel, will man die Gefahr eines Mindeststandes der Mark oermeiden und wirklich eine baldige Zahlung auf di« Zwang»anleihe und damit ein« Erleichterung für die Reichsfinanzen erreichen. Andernfalls wird die Spekulation auf ein« weitere Entwertung der Mark die Sachwertbesitzer davon abhalten, eher Einzahlungen vorzunehmen, al» es ihnen unbedingt 'notwendig erscheint. Diese Spekulation wird noch begünstigt dadurch, daß die gegenwärtig« Valutaveschlechterung in ganz be- deutend erhöhtem Umfange auch auf die I n l a n d, k a u s k r a f t der Mark rückwirken muß. Wir befinden uns in einer Zeit der Angleichung unserer Preise an die Weltmarktpreise. Bei der Valutaverschlechterung aber eilen die Weltmarktpreise davon, und so muh eine weitere Verteuerung der Waren im Inland und damit ein« Entwertung der Lnlandskauskraft der Mark Platz greisen. Die Befürchtungen vor einem bevorstehenden Niedergang der Konjunktur infolge der Erhöhung der inländischen Pro- duktionskosten, wie mir sie am letzten Sonntag zum Ausdruck brachten, werden durch die gegenwärtige Bollstaverschlechimmg für die nächste Zeit hinfällig. Damit ist jedoch nicht gesagt, daß sie voll- kommen gegenstandslos sind. Di« Balutabewegung trägt einen so spekulativen Edarakter, daß niemand voraussagen kann, wann der unvermeidliche Rückschlag eintritt. Wohl läßt das weitere Anwachsen des Notenumlaufes mir aerinqe Hoffnung auf eine Stillegung der Notenpresse. Aber sib'ießllch kann auch anr internationalen Devisen- markt die Tatsg-be nicht außer Geltung gebracht werden, daß die gegenwärtigen Reparationsleistungen Deutschlands nach dem letzten Zahlungsplan ganz erheblich geringer und leichter aufzubringen sind, als etwa die noch im Londoner Ultimatum aufgestellten Fordmm- gen erfüllt werden tonnten. Kommt da» Ausland zu dieser Er- kenntnis, so kann sehr leicht der Fall eintreten, daß. entgegen dem Willen der deutschen Spekulation, sich der Kur» der Mark plötzlich und für längere Zeit bessert. Dann aber besteht die Gefahr der industriellen Krise weiter. Daß da» durchaus möglich ist, obwohl die gesamte Finanzwelt mit der. deutschen Auffassung einig geht, daß die Reparationen auch jetzt noch«ine unerträgliche Be- lastung darstellen, dafür haben wir einen Beweis im Frühjahr 1920 bereits erlebt, wo noch lang« vor einer Revision des Dersailler Diktates eine erhebliche und lange währende Erholung der Mark mit schweren nachteiligen Folgen für di« deutsche Wirffchaft erfolgte. Start« Zunahm« des Papieegeldumlause». Der Reichsbank- auswei» von Ende Februar zeigt nicht nur ein starkes Anschwellen der an die Reickebank gestellten KreditanforderunqeN, sondern auch eine erhebliche Zunahme des Papiergeldumlauf», und zwar um rund 4,4 Milliarden Mark. Die umlaufenden Banktzoten be- laufen sich setzt auf 120, die Darlehnskassenscheine auf annähernd 8 Milliarden Mark. Ermäßicmng der Bahntarife für Zeikungsdruckpopier. Die maß- gebenden- Stellen hoben grundsätzlich eine Herabsetzung- der Bahntarife für Zeitungedruckpapier beschlossen. Es sind nur noch die entsprechenden Verhandlungen mit den Holzlieferanten vonnöten, um in den nächsten Tagen die Tarif- Herabsetzung zum Abschluß bringen und damit die so dringend er- wünschte Berbilligung des Zeitungsdruckpapiers eintreten lassen zu können.— Hoffentlich kommen diese Verhandlungen bald zum Ab- schluß! Eine Ermäßigung der Herstellungskosten der Zeitung ist von ihnen jedoch nicht in dem erwünschten Umfange zu erwarten, zumal die Papierpreise noch in weiterem Steigen sind. Bei der P a p i« r p r o d u k t i o n, die riesige Gewinn« erzielt, müßte der Versuch eine, wirksamen Preleabbaiie» gemacht werden, zu dem man sich noch Immer nicht ai'kraffen kann, well er ein« gemeinwirt- schoftliche Regelung dieser Industrie voraussetzt. S bleibt di« Gefahr, die setzt das gesamt« Zeitungsgswerbe, ganz besonder» di« Arbeiterpresie bedroht, weiter bestehen. 1 Soldrubel 200 000 Papierrubel. Da» Volkskommissariat für Finanzen hat den Kurs des Borkriegsgoldrubel»' für den Monat März auf 200 000 Sowj«tr«d«l festgesetzt. GewerMQstsbsVegung Die Seitragsfrage im hoizarbeiterverbanö. Nach dem Verfmndsstahit wird der Wochenbeitrag in Höhe eines vertragüchen Mindeststundenlohnes erhoben und an den ein- zelnen Orten einer der 10 Beitragsklassen angepaßt. Die Beitrogs- klaffen selbst konnten bisher nur durch Urabstimmung erhöht werden. Die Ortsoerwaltungen erklärten sich nunmehr damit einverstanden, daß bei der Einführung neuer Beitragsklassen auf den umstand- lichen und kostspieligen Apparat der Urabstimmung verzichtet, da der Grundsatz nicht berührt wird: ein Stundenlohn als Wochenbeitrag. Die jüngste Gauvorsteherkonferenz des Verbandes, am 27. und 28. Februar in Berlin, befaßte sich in erster Linie mit der Beitrags- frage. Es wurde bedauert, daß andere Gewerkschaften mit ihrem Veitrag so weit hinter dem Maße zurückbleiben, das für die Holzarbeiter bei den Aufgaben ihres Verbandes un- erläßlich ist. Beschlossen wurde, vom 1. April an zehn Beitrogs- klaffen zu führen mit Wochenbeiträqen von S0 Pf.(nur für Lehr- linge), 3, 4, 6, 8, 10, 12, 14, 16 und 18 Mark. Für die neuen Bei- tragsklassen wurden Unterstützungssätze in entsprechender Höhe festgesetzt. Eine hierzu gefaßte Entschließung bezieht sich auf die Durchführung der Verpflichtung, jeweils einen dem vertraglichen Mndestlohn entsprechend hohen Beitrag zu leisten, und besagt weiter: Die Gauvorsteherkonferenz begrüßt es, daß in steigender Zahl auch von anderen Gewerkschaften der Grundsatz angenommen wird, den G e w er ksch a f ts b e itr ag einem Stundenlohn gleichzusetzen. Sie fordert den ADGB. auf, dahin zu wirken, diesen Grundsatz in ollen Gewerkschaften durchzu- führen. Es wurde dann über den Stand der Lohnbewegung be- raten und die Maßnahmen des Verbandsvorstandes gebilligt. Der Reich s m an t el v er tr ag für> das deutsche Holzgewerbe, der häuptsächlich das Tischlergewerbe umsaßt, ist in über 800 Derwal- tungsstellen des Verbandes für rund 17 000 Betriebe mit 184 000 Arbeiter durchgeführt. Er soll als allgemein verbindlich erklärt werden. Schließlich wurde ein Bericht über den Stand der sozial- politischen Gesetzgebung entgegengenommen und ausführ- lich besprochen. Das Tarifvertragsgesetz, die Schlichtungsordnung, das Arbeitsnachweisgesetz, das Arbeitszeitgesetz und das Gesetz über die Arbeitslosenversicherung befinden sich in sehr verschiedenen Stadien der gesetzgeberischen Behandlung. Bei der Fülle der sozial- politischen Gesetze, die in der nächsten Zeit ihrer Erledigung harren, mußte man sich auf die Besprechung der Grundgedanken dieser Ge- setze beschränken. Trotz Meinungsverschiedenheiten in manchen Einzelheiten konnte festgestellt werden, daß die Gauvorsteherkon- ' ferenz mit der Stellungnahme der Verbandsvertreter im Reichs- wirtschaftsrat, im Ausschuß des ADGB. sowie an den sonstigen Stellen, an denen sie zur Vorberatung der Gesetze berufen sind, durchaus einverstanden war._ Winkelstellsnvermittlungen im Gastwirtsgewerbe. Trotzdem für Berlin durch Demobilmachungsverordnung die gewerbsmäßige und nichtgewerbsmäßige Stellenvermittlung ver- boten ist, gibt es immer wieder Leutchen, die die Finger nicht von diesem angenehmen Gewerbe lassen können. Es gibt doch immer wieder Arbeitgeber, die sich einen besonderen Vorteil davon ver- sprechen, die von ihnen benötigten Arbeitskräfte durch diese Winkel- Vermittlungen zu beziehen. Was dabei herauskommt, hat der Gast- wirt T h i m n s, Charlottenburg, Neue Kantstr. 13, erfahren müssen, der einen Kellner zur Aushilfe beim Interessenverband Berliner Kellner-Fachvereine, Skmidstr. 21. bestellte. Der von diesem Ar- beitsnachweis vermittelte Ehrenmann unterschlug 400 M. der Tageseinnahme und ward nicht mehr gesehen. Jedenfalls sollte dieser Vorfall eine Warnung für die tarisbrüchigen Unternehmer sein und sie veranlassen, künftig den Städtischen Arb e i t s n o ch- weis für Vermittlung von Personal zu benutzen. «_ Lohnkampf in den Wnrstfabriken! Die in den Wurstfabriken Groß-Berlins vertretenen Arbeit- nehmerorganisationen hatten den Arbeitgebern Forderungen unter- breitet und verlangt, gemeinsam darüber zu verhandeln. Die 23er- einigung der Wurst- und Fleischkonservenfabrikanten hat in der Verhandlung am 28. Februar an die Organisationen das Ansinnen gestellt, die Tarife für die Arbeiter und An ge st eilten ge- sondert zu beraten und abzuschließen. Dies wurde abgelehnt und die Arbeitnehmer haben am 3. März hierzu Stellung genom- men. Den von G a e b l x r vom Zentraloerband der Fleischer und Doßmann vom Zentraloerband der Angestellten gegebenen Be- richten folgte die Versammlung mit Interesse. Alle Diskussions- redner hoben hervor, daß die den Unternehmern unangenehme ge, schlossene Front aller Arbeitnehmer nie wieder zerreißen darf. Nach- dem festgestellt war, daß die Verhandlungskommission im Interesse der Arbeitnehmer gehandelt hat, nahm die Versammlung folgende Resolution einstimmig an. Die versammelten Beschäftigten der Wurstfabriken Groß- Berlins nehmen mit Entrüstung von der neuerlichen Verschleppung ! der Tarifabschlüsse durch die Arbeitgeber Kenntnis. Sie erklären, daß die gesamte Arbeitnehmerschaft auf � den Abschluß der Tarife auch für die Angestellten dringt und fordern, daß innerhalb 48 Stun- Sdhidf ftm&iuHht&dd Andi-Aiter-iO Strtanb der Sattler. Tapejicrer und Dartefkulll-r. Strclkverfavrmlmis der Tapezierer Mcittag vwroen 10 Uhr im GewerlschaNihauS. Daal 4. Ulla lireilendöt! Tapezierer, ZiSherinnen usw. inütten erscdeinsn. Treibricmcr. Ticnsiag adenp 7 Uhr Sersammiunz aller Treidriemen-- lattler im Rolenthaicr Hot. Rosenthaler Zrrafte 1102. Zentrolverpond der Schuhmacher. Montag abend 01- Uhr äffen tiiche Versammlung der Tchotz- und Zicparaturbranchc im Vorsensaol der Mufitcr- läle, Kaiser-ZLilhelm-Straße ZI. Dienstag abend Ufir öffentliche Versammlung der Schatz- und Kcva- rawrbranche in den Augusla-Mktoria-Jalen, Chariolkenburg. Sutherstr. 31.02. !„Die Forderungen an die Arbeitgeber Allgrmcincr Verband der Tcutschcn Vantangehclltrn. illloirtag abend ! 7 Uhr Brauerei Vögow. Prenzlauer Allee 242. große öffentliche Pankange- I stelltenderfammlung.„Ter ReichStaris in Gefahr!" Oieierenten: Mar; uno ! Emontz. i Deiitschar TranSportarbcitcrnerbond. Sellien It. Gruppe Tungkuttcher. ( Montag abend 6 Uhr im Lokal von Fehfara, Melchwrttr. 18, allgemeine Versammlung. Bericht der Lohnkommiffion. Deutscher Holzarbeitcrverband. Sonntag, den 12. Marz, nachm. 8 Uhr. Vortrag in der..Urania". Taubenstr. 48.4?■„Jim Lande der Mitternachtssonne." Karten 2 relp. 4 Ml. Zimmer 4. Rungeltr. SO. Holzbildhauer. Branchenabend am Dienstag abend 7 Uhr im Gemerk- tchaftShauS, Engelufer 24/28. Saal 8. Bericht der Kommiffion über Lohn- festfehung. Werlstatt- und Verbandsangelegendeiten. Deutscher Werlmeifterverband. Bezirlöverein Berlin 12. Fachgruppe Kam- munäl-Werlmeister. Mittwoch abend 6 Uhr in der Schulaula. Weinmeifler- swatze 18, Vortrag des LandiagSabgesrdneten Kall. PrieS über„Beamtenrech!" Fliefei irger und Heller. DannerStag abend 7H Ubr Versammlung der Sektion im Saal 5 des GewerlschaslShauseS. CkngcUife 24/25. Wichtige Tagesordnung. Erscheinen oller Kollegen ist Pflicht. BoltSsürsorge. Wichtige Funltionärperfammlungen. Abteilung Süden, Donnerstag abend 7 Ubr bei Wollschläger, Adalbertstr, 21. Abteilung Nor- den, Freitag abend 7 Uhr bei Köhler, Tieckstr.. 24. 1. Ausbau de? geWerl- schafüich-genoffenschafllichen Versicherungswesens. 2. Neuorganisation. �osischeckkortto JS&erlin JVMC ZJfaüSOO Arbeitersport. I den erneute Verhandlungen stattfinden, um die Löhne(Gehälter), sowie die Bestimmungen der Manteltarife zu regeln. Bon den i Leitungen der Verbände erwarten die Versammelten spätestens am , Dienstag Bericht. Sie behalten sich ihre weitere Stellungnahme vor und überlassen biß Verantwortung für die Folgen den Herren Arbeitgebern. Zentraloerband der Fleischer. Deutscher Transportarbeiter- verband. Zentralverband der Maschinisten und Heizer. Zcntraloerband der Angestellten. Zkuudgebang der Bauarbeiter im Saargebict. In einer Kundgebung der Bauarbeiter aller Verbände am Frei- tag wurde darauf hingewiesen, daß die Bauarbeiter des Saargebiets seit der Einführung des doppelten Tarifes zu den schlechtestbezahl- testen Arbeitsgruppen gehören. Trotz der Versuche der Arbeitgeber- verbände, für das Baugewerbe eine einheitliche Regelung der Be- Zahlung durchzuführen, wollen die Arbeiter den Schiedsspruch nicht anerkennen. Die Versammlung faßte schließlich folgenden Beschluß: Die Bersammlung verurteilt auf das entschiedenste die Haltung der Arbeitgeberverbände des Baugewerbes und den Versuch der Arbeit- geber, die Teuerungszulagen zu verweigern. Sie verurteilt weiter jeden Versuch, eine verschiedene Ortsentlohnung zwischen den ein- heimischen und den außerhalb des Saargebietes wohnenden Bau- arbeitern herbeizuführen. Die Bauarbeiter stehen auf dem Stand- punkt, daß Mittel und Wege gefunden werden müssen, die einer alsbaldigen Regelung der berechtigten Lohnforderungen der Arbeiter des Soargebietes Rechnung tragen. SPD.-Angesiellle der Deutschen Werke! Mittwoch, nachmittags 4 Uhr, in den Germania-Sälen, am Stresow-Platz, Versammlung aller Angestellten, die auf dem Boden der SPD. stehen. Die bevor- stehenden Betriebsratswahlen. Referent: Adolf Wuschick.— Freie Aussprache. Zimmerer! Wir ersuchen sämtliche bis zum Juli 1921 bei der Firma A. Borsig, Tegel, beschäftigt gewesenen Zimmerer, die noch Anspruch auf Nachzahlung der Differenz des Lohnes zwischen Metall- und Zimmeiertarif haben, sich Dienstag, abends 7 Uhr, im Volkshaus Reinickendorf, Scharnweberftraße, zu einer Versammlung einzufinden.— Weiter weisen wir nochmals darauf hin, daß die Fortsetzung unserer Zahlstellenverlammlung am Montag, abends 6'A Uhr, im Gewerkschäftshaus, Engelufer 24/2S, Saal 1, erfolgt. Der Vorstand. Im Lohnkamps der bayerischen Metallindustrie wurde ein Schiedsspruch gefällt, der eine Erhöhung der Stundenlöhne von 1,20 bis 2,80 M. ausspricht. Der Streik im Leipziger Großhandel ist durch Vermittlung der Kreishauptmannschaft beendet. Der Schiedsspruch des Schlichtungs- ausschusses wurde für verbindlich erklärt. Tie Türnzeiten de? Bezirks Wcdding 1882 der Freien Turnersetaff Grotz-Beritn find folgende: Turnhalle des Lessing-GhinnaZiums. Panfftr. 15, Männer-Aöt. Freilogs 8—10 Uhr. Sportler Dienstags 8— 10 Ubr.— Jugend- Aht. Dienstags 8— 10 Uhr. i— Turnerinnen-Aöt. Donnerstags 8— 10 Uhr, Sport Montags 8— 10 Uhr.— Knaden-Aöt. Dienstags und Freitags 6—8 Uhr. — Mädck>en-Äbt. Montags und Tonnerstags 0— 8 Uhr.— Turnhalle Panl- ftratze 20/22 Fugend-Abt. Freitags 8— 10 Ubr. Freie Schwimmer lllbarlottenburz. Am Sonntag, den 12. Mörz, nach- mittags Z Ubr, findet das am IS. Februar ausgefallene Schwimmfeft des 8. Bezirks des Arbeiter-Turn- und Sportbundes tlatt. Bereits geUffte Ein- triltskarten. behalten an dem Tage ihre Gültigkeit. Tourifica-Lerlin der Naturfreunde, Ortsgruppe Berlin. Abteilung Mitte. Sonntag, den 8. März. Elternabend in der Aula des Gymnasiums zum. Grauen Klafter. Klosterstr. 74. Einlqtz 8" Uhr. Beginn S Uhr. Wetterbericht bis Montag mittag. Mild, zeitweise aufklarend, jedoch überwiegend bewöllt mit wiederholten Rcgensällen bei mätzigen weit- lichen Winden. Berantw. für den redakt. Teil: Franz glühe. Berlin. Lichterfelde;.für An- zeigen: Th. SUxke, Berlin. Verlag Porwiirts-Berlag D. m. b. K.. Berlin. Druck: Vorwäris.Buchdruckerei u. Verlaasanltalt Paul Singer u. So., Berlin. Lindenstr. Z. Hierzu 3 Beilagrn. Sind Lung�enleiden hellbar? Bei Arthraa, Lungen- u. Kehlkopftuberknlore, Schwindsucht, Lungenspitzen. Katarrh, veraltetem Husten, Versciilehnnng, langbestehender Heiserkeit lese jeder die Broschüre mit ooigera Titel. Der Verfasser, Herr Dr med Outtmann, Chefarzt der FInsenkuranstalt, zeigt darin in volksverständ- ücher Weise natürliche Wege zur Beseitigung dieser schweren Leiden. Jeder Kranke erhält diese Broschüre auf Wunsch vollständig umsonst Man schreibe nu karte an5'" pvdlmaim& Co., Lkrlill 224, Mflggelstr. 25 a. rmicfei jUnde loffe für Herren- u.Danien-Bekleidung beste Febrllate, grofie hisvaM, Verbaut nietenraisg Koch& Seeland G m' Gertraudtenstr.eß« 20—21. b.H. I äte G n. 0 M. mit TdedensUautsehuk 5 Jahre schriftl. Garantie. Zahnziehen mit Betäubung bei Bestellung von Gebissen gratis. Kronen v. 30 Mk. an. Spez.: Zähne ohne Gaumen. 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Nun lesen wir an der Spitze eines Artikels der für die Antisemiten doch gewiß unverdächtigen„Täglichen Rund- schau* folgende Sätze: Berlin kann heute getrost zu den größten ru isischen Stödten gezählt werden Es birgt ein russisches Theater, ist der Erschei- nungsort einer ganzen Anzahl russischer Tageszeitungen, Sitz zahlreicher Geschäfte mit russischen Firmen- schildern und Wohnort einer großen Wenge russischer Flucht. linge, die hier ihr eigenes Klubleben und politisches Leben führen und auch auf die deutsche Politik ihren Einfluß auszuüben bemüht find. Ausdrücklich sei bemerkt, daß hier, wie der ganze Artikel ergibt, nicht etwa aus Rußland stammende Juden, sondern slawische Kern- und Stock russen gemeint sind, meist Angehörige der bürgerlichen und adligen Schichten, die vor dem Bolschewismus haben fliehen müssen. Nun sind wir die Letzten, die das Asylrecht für Auswanderer beschneiden wollen. Aber die bodenlose Heuchelei derer muß einmal gekennzeichnet werden, die das Asylrscht der — meist vor polnischem Terror ausgewanderten— Ostjudm mit Hinblick auf die Wohnungsnot bekämpfen, während sie gegen das Anwachsen der heute schon zirka 100 000 Köpfe zählenden Kolonie der russischen Bourgeoisie nie etwas einzuwenden hotten. Dabei wirkt diese genau so, ja noch stärker auf die Verschärfung der Woh- nungsnot ein, denn die Ostjuden Hausen meist in engen Löchern zusammengepfercht, während ehemalige russische Generale, Aristo- kraten usw. luxuriöse Acht- uno Zehnzimmerwohnungen in den besten Wohnvierteln mit Beschlog belegt haben. Aber hierüber ver- lieick die nationalistische Presse kein Wort. Wafserrohrbruch im Nord-Südbahn-Tunnel. Der Ruf:„Die Nord-Südbohn unter Wasser!* alar- mierte gestern nachmittag die Berliner Feuerwehr nach dem Unter- grundbahnhof„W e d d i n g". Dort stellt- sich heraus, daß e i n Rohr der städtischen Wasserleitung geplatzt war und nun in einer Ausdehnung von etwa 3l>l> Meter den Tunnel der Untergrundbahn in der Müllerstraße bis zur Höhe von etwa 50 bis 60 Zentimeter überschwemmt hatte. Es gelang, die Wasserleitung abzuriegeln und dann nach stundenlangem Pumpen mit einer Dampfspritze, die das Wasser emporhob, gegen Abend wieder trocken zu legen. Erziehung zum Viebstahl. Verhaftung zweier„Perlenzüchler*. Zu einer gefährlichen Spezialität hat sich in den letzten Jahren in Berlin die Art von Wohnungsdiebstählen und Einbrüchen ent- wickelt, bei denen falsche Hausmädchen ihre Hand im Spiel haben. Die Spezialisten, die sich darauf legten, Hausmädchen für den ge- werbsmäßigen Diebstahl vorzubereiten, lauerten den Mädchen auf, die vom Lande oder aus Provinzstädten nach Berlin kamen, und ver- suchten sie durch allerhand Borspiegetungen in die Hände zu bekommen. Waren sie erst soweit, dann verstanden sie es auch bald, die Mädchen für ihre verbrecherischen Pläne zu gewinnen. Sie gaben ihnen die er ford erttch en üln w e i s u n g en und veranlaß ten sie dann, bei wohlhabenden Leuten, bei denen Geld und Schmucksachen im Hause vermutet wurden, in Stellung zu gehen. Dort führten sich die Madchen von vornherein wie ausgesuchte „Per l e n*, um dann bei der ersten besten Gelegenheit ihre Lehrer einzulassen und mit ihnen die Wohnung auszuräumen. Zu diesen„Perlen*-Züchtern gehörten auch ein Paul B a b l o w und«in Adolf Lehnerbt. Mehrere Mädchen, die sie ausgebildet hatten, sitzen bereits hinter Schloß und Riegel, während es bisher nicht gelungen war, die Verbrecher selbst zu fafsen. Sie hatten be- reirs neue Zöglinge gefunden, die aber in der Ausbildung noch nicht genügend fortgeschritten waren. Um nun nicht länger tatenlos zu fein, und weil ihnen das Geld ausgegangen war, machten sie einmal ohne weibliche Hilfe selbst einen Einbruch in der Artillerie- ftraße. Auf der Suche nach den zunächst unbekannten Tätern kamen Beamte des Raubdezernats auch noch einem Quartier in der Linien- ftraße, wo die berüchtigten„Lehrer" verhaftet werden konnten. Zwei gleichartige Typen der Verbrech-rzunft, die in äußerst raffinierter Weise die Stütze eines Haushalts als Vertrauens- seliges Werkzeug zu dem geplanten Verbrechen ausgenutzt haben, standen gestern in den Personen des Kaufmanns Walter Zech und des Kaufmanns Walter M i l l e ck wegen schweren Diebstahls vor Gericht. Die. Angeklagten stahlen aus einer Wohnimg, deren Schlüssel sie der Stütze gestohlen harten, eine Kassette mit ZI Tausend- Markscheinen und 25 000 Kronen, ferner Perserbrücken, Pelze, Silbersachen usw. im Gesamtwerte von zirka ZOO 000 M. Do? Gericht verurteilte Zech und Mille ckzu je Jahren Gefängnis. Falsche Meldungen über den Kartoffelpreis. Von gewisser Seit- ist gestern die Nachricht verbreitet worden, daß der Kartaffelpreisausschuß für Berlin und die Provinz Branden. bürg am 28. Februar beschlosien habe. 1. der Preis von 8? Mark je Zentner Kartoffeln fei nicht mehr maßgebend; 2. die Preise, Wiste von der amtlichen Kartofselpreisnotierungskommission ermittelt sind, seien im Sinne der Wuchergesetzgebung als angemessen zu be- trachten. Diese Meldung beruht, wie dos O b e r p r ä f i d i u m. be- kanntgibt, auf einem Irrtum Der fragliche Ausschuß hat einen solchen Beschluß nicht gefaßt. Das Oberpräsidium wird für umgehende Regelung des Angemessenheitspreises sorgen. Der Preis der amtlichen Kartoffelpreisnoticrungskommisston ist für die Wuchergesetzgcbung nicht maßgebend. Tie verkleinerte Brotkarte. Im Jnteresie der Kosten- und Papierersparnis sowie der Der- einfachung der Verwaltung erfährt die Gestalt der Brotkarte in Zukunft eine Veränderung, wobei gleichzeitig eine K o m b i n a- tion von Brat, und Lebensmittelkarte stattfindet. Die neue Brotkarte, die vom 6. März ab in die Hände des Publi- kums gelangt und erstmalig vom 13. März ab verwendet wird, ist erheblich verkleinert, die Zahl der Abschnitte verringert und der Wert einzelner Abschnitte entsprechend erhöht worden. Reu ist, daß der Wert zweier Abschnitte aus der. Karte nicht angegeben ist. Der eine v.'n ihnen dient dazu, um Aenderun- gen der Höhe der Braiportionen zu ermöglichen; die Festsetzung seines Wertes erfolgt jeweils für längere Zeit, bis sich die Brot- Portion verändert. Der zweite dieser Abschnitte dient, und darin liegt die Kombination mit der Lebensmittelkarte, überhaupt nicht zur Entnahme aon Brot, sondern zur Entnahme irgendwelcher anderer vom Magistrat etwa auszugebender Lebensmittel oder Gegenstände des notwendigen Lebensbedarfs: was auf ihn abge- geben wird, w�d jeweils bekanntaegeben. Bor der Entnahme von Brot ist dieser Abschnitt, der die Bezeichnung A trögt, abzutrennen und während der Brotkartenwoche und der folgenden Woche auf- zubewahren, damit aus ihn etwaige Scnderzuweisungen entnommen werden können. Ablieferung der Steuermarken für lSZl. Die Steuerkarten und lofen Markenblätter, die für den in der Zeit vom 1. April bis 31. Dezember 1921 bezogenen Arbeitslohn zum Einkleben und Ent- werten von Steuermorken verwendet worden sind, müsien, so heißt es in einer Bekanntwo-bung im Anzeigenteis der vorliegenden Nummer, von den Arbeitnehmern innerhalb des Mpnats März bei der für sie zuständigen Annahmsstelle abgegeben werden. Schülcr-Mcnakskarien sollen fortan auch von den ordentlichen Studierenden der Berwaltungsakademien benutzt werden können. Die grundsätzliche Tarifbestimmung, daß Schüler- Monatskarten an Pertonen in selbständiger Lebensstellung nicht ausgegeben werden, bleibt hierdurch unberührt. Die Maßregel wird in Kürze durchgeführt werden. Lebensmittelpreise 6er Woeke. Zufuhr: Fische ansreictiend, Geschäft rege. Fleisch reichlich; Geschäft rege. Obst und GernOeo schwach, Geschält still. * In der Voche vorn 26 Februar bis 4. Märe galten in der Zentralmartthalle durchschnittlich folgende Kleinhandelspreise r Rindfleisch(Keule ohne Knochen) 23—25 M.. mit Knochen 19— 23 M.. Rinderbrust 19— 24 M. und Bauch 19—24 M. Kalbllelsch (Keule und stücken) 24—28 M., Brust 22—26 lif.. Schulterblatt und Bauch 20—24 dl. Hammelfleisch(Keule und Rüchen) 32 bis 24 dl., Biust nnd Bauch 20-724 M. Schweinefleisch(Rücken und Rippespeer) 24— 28 M.. Schinken 22—25 dl., Schulterblatt und Bauch 22—34 dl. Geräucherter Schinken 40 M. und Speck 31—35 dl— Schollen 12—14 dl. Seelach» 5—6 M. Karauschen 16 M. In Eis: Barsche 12— 14 dl. Plfitzen 6—10 M. Schleie 12— 16 M. lebende Bleie 12—14 dl. Aale 40— 50.M. Karpfen 24—30 dl. Zander 24—26 dl.— Mafurbutler 46— 50 dl. Margarine 24—30 M. Schweineschmalz 32 bis 36 M. Eier 3.50—4 M. Gelbe Kocherbeen 6.50—9,50 dl. WelSe Speise- höhnen 6.75—8 M. Eiernudeln 15 dl. Grieflnudeln 10,50—11,90 M. Reit 6,50—12 dl. Die Erhöhung deö Wasierpreiies auf 1.90 für den Kubikmeter kündizl der Wagistrat im Inseratenteil der vorliegenden Nummer an. BezirkS-Bildungsausschuh Groh, Berlin. Heute nachmlltag 3 Uhr im Neuen B a l k s t h e a t e r. Köpenicker Str. 68:.Der zerbrochene Krug" von Kleist und.Tic Gezierten" von Moliörc. Karlen an der Kaste. — SfeaS künstlerische Marionettentheater dez BezirfZ-BildungS- äuSschilsseS spielt beute nachmittag um 5 Uhr in der Aula des Sophien- Realgiimnafiums, Wemmeilterstr. 15. Aus dem Spiclolan»steht:.Das Puppenspiel vom Tr. Faust'. Karten an der Kasse.— Achtung! Sonntag, den 12. März: Hetzles Festkonzert. Die Karten sind einzulösen.— Sonntag, den 19. März, mittags 1 Uhr, im Konzertsaal Friedrichshain: „Die 9. Sinsonic" von Ludwig van Beethoven. Karten a 6,— M. im Bureau des Bezirks-BildungSausschustes und bei den Vertrauensleuten d-S KrcijeS FricdrichShain._ Selbstmord des Schweizer Tos: Pclmörders. kreuz pointner. der Doppelmörder des Ehepaares Haas. das am 26. Februar in dem meteorologischen Observatorium aus dem Säntis ermordet aufgesunden wurde, wurde auf einer Ah» erhängt aufgesunden. Groß-Serliner Parteinachrichten. 6. Kreis. Nreuzberg. Montag, deu 6. März, 714 Uhr, Deriawmlung der Kreisvertreter, Funktionäre und Elternbeiräte bei Rabe, Fichte- ftraße 29. Thema:„Panlfen» Schulprogramm'. Ref. Dr. Korsen. 14. äkm.«eulällri.Brih. Montag, den«. Mar,. 7 Uhr, Fuultiouär- Versammlung im Realgymnasium. Kaiser-Zriedrich-Str. 219. Thema: ..Beamtensibast u. Sozialdemokratie". Res. Gen. Steinlopf, M. d. R. Die«VD.-Ritglieder der«camtenschast sind herzlichst eingeladen. Mitaliedsbnch legitimiert.— Am 24. Februar ist in der Aula des Rcalgi>mnasiume ein Schirm stcheu geblieben. Derselbe ist abzn- holen beim Hausmeister. 1». Kreis. Köpenick. 7>4 Uhr Franennersammwng bei Stippekohl, SchänerNnder Str. S. Thema:„Das GSrliher Parteiprogramm'. D Ref. Erwin Marquardt. � 17. Kreis. Lichteuberg. Montag, de« 6. März, abends 714 Uhr, Funk- tionärsttznng im Arbeitsamt, Arbeitsnachweis, Schreiderhauer Straße, Eingang von der Marktstraße, parterre rechts, Frau«». Abteilung. Wichtige Tagesordnnng. Auch die Funktionäre der Übrigen Abteilungen find dringend eingeladen. Morgen. Montag, den ö. März: Abt. TU, Uhr ZZorstandssitzung mit den Bezirksleitcrn bei Roy, Linien- ftraße 202. Abt. 71!, Uhr Sitzung der Bezirksführer und Dctriebsvertrauensleute bei Rilckert, Stciumetzftr. 36z. Abt. 71b Uhr Funktionärsitzung bei Triimper, Flensburger Str. 3. Abt. 7 Uhr Funktionärkonferenz bei Schmidt, Wicleffstr. 17. Abt. 7 Hz Uhr Sitzung aller Funktionäre bei Krüger, Hussitenstr. 34. Wich» tiae Mitteilungen. Abt. 7 Uhr Konferenz der Parteifunktionäre und Betriebsvertrauensleuti! bei Wörpel, Samoastr. 7. Vortrag des Bezirksverordncten Den. Echter» becker. Bezirksführer, die Abrechnungsbücher mitbringen! Abt. 7 Uhr Konferenz sämtlicher ffunttionäre bei Giebel, Pankstr. 82. Abt. 7iz Uhr Sitzung der Parteifunktionäre und Betriebsvertraucnsleute bei Pose, Koloniesir. 13. Abt. 7 Uhr Funktionärversammlnng bei Fuchs, Wcddingstr. 3. Erscheinen sämtlicher Funktionäre erforderlich. Abt. 714 Uhr wichtige Sitzung aller Parteifunktionäre bei Senkel, lllrechter Str. 16. Abt. 714 Uhr Sitzung der Bezirksführer und Betriebsvertrauenslcute bei Sewandowski, Seeitr. 164. Alle Bezirke müssen vertreten sein. Abt. 714 Uhr Sitzung der Bczirkssühror, Betriebsverirauensleute und Elternbeiräte bei Winzer, Ehristburger, Ecke Winsstratze. Abgabe der scr- tiggcstellieu Bcrufsstatistik. Abt. Die ssunktionärkonfercnz vor der Abteilungsvorsammlung fällt ans. Zu der Abtsilungsversammlung sind die Mitglieder einzuladen. Reserentin: Gertrud Hanna, M. d, L., spricht über„Unser Parteiprogramm". Abt. 714 Uhr bei Echonack, Eamariterstr. 8, Sitzung sckmilicher Funktio- när«, Bckricbsvcrtraucnslcute und Elternbeiräte. Abt. 714 Uhr Sitzung sämtlicher Funktionäre bei Behrendt, Licbigstr. 24. Abt. 714 Uhr Sitzung samtlicher Funktionäre bei Bauer, Große Frank- snrter Str. l. Abt. 7>4 Uhr bei Schirm. Eharlottenstr. 8, Funktionärkonserenz. Abt. 714 Uhr Sitzung aller Funktionäre und Detriedsoertrauensleute bei Kenfncr, Hagelberger. E'.r. 26». Abt. 7 Uhr bei Iatzeck, Akexandrincnstr. 137, Sitzung sämtlicher Funktio» nare, Betrieosvcrtroüensleute und Elternbeiräte. Abt. Schäneberg. 8 Uhr Funktidnärsitzung bei Will, Martin-Luther �Ztr. 66. Abt. Steglitz. 8 Uhr bei Element, Düppclstr. 7, Sitzung der Kommission zur Borbereitung der Porftondswahl. Erscheinen Pflicht. !. Abt. vberschoueweibe. 714 Uhr Funktion ärkonscrenz bei Echönin?, WO» helminenhossiraße 21. Frauenveranstalwngen: 84. Abt. Lankwitz. 8 Uhr im Gcsellschaftshaus, Kaifer-Wilhelm-Gtr. 34. Thema:„Einführung in das Parteiprogramm". Ref. Fräulein Dr. Dora Rlchtenhauser. Uebermorgen, Dienstag, den 7. März: 14. Kreis. Reuköll». In der Aula im l. Lyzeum, Berliner Straße, Kunsi. abend zum Besten des Arbeitcrjugendhcims. bosiehrnd aus: Gesang. Rczi- tation, Lieder zur Laute und Aufführung des Weihefpiels„Erlösung"«on Schönlank. Eintrittskarten zu 2 M. sind am Eingang zu haben. Die Par- teigenossen werden gebeten, sich daran zu beteiligen. 4«. 163. Die Sünde im Wasser. * von Wilhelm Schmidlbonn. �«Hilf mir," flüsterte sie plötzlich, ohne ihn anzusehen. Er zögerte, er war erschreckt. Ohne, daß sie es aussprach. wußte er, was sie wollte, seit langem hatte er sich davor ge- fürchtet. Er wollte sie beiseite schieben, fast rauh. Aber sie umklammerte mit beiden Armen seinen Arm. „Sag du es ihm, ich kann es ihm nicht sagen." „Was?" fragte er unwillig und ungeduldig und wußte es doch, ehe sie es aussprach. „Ich kann nicht länger seine Verlobte sein, ich kann nicht seine Frau werden." Da war es ausgesprochen. Sie sah mit ihren großen, flehenden Augen zu den seinen auf, sie suchte nach seiner Hand. In ihm zitterte alles. Er war entsetzt, dann war er zornig vnd wollte sie rauh an die Schulter fassen mit seiner Faust. Sie sah ihn an. als könne sie nicht glauben, daß er anders als gut mit ihr fei.„Ich kann ihm nicht in seine Augen schn, ich kann nicht feine Hand nehmen, ich kann nicht mehr mit ihm reden," sagte sie.„Wenn er mich küßt, steht mir das Herz still." Er schämte sich seines Davonlaufens. Er sah, daß er bleiben und helfen mußte.„Was sagst du für dummes Zeug da?" kam es rauher, als er wollte, aus seinem Mund. „Zwinge dich, dann kannst du es. Sag mir nur: was willst du sonst tun?" Sie schüttelte den Kopf.„Ich bin nicht rein." Er wich ihr aus mit seinem Blick. „Und ich habe ihn nicht mehr lieb." sagte sie weiter. Er schwieg lange. Dann sagte er. leise, immer ohne sie anzusehn:„Grete du. denke doch an deine Eltern, an die Leute all«, denke an ihn: du machst ihn unglücklich." Sie hielt das Gesicht gesenkt. Und wie er auf ihr Gesicht herabsah, kam ihm das Mitleid Mit ihr. Er nahm ihre beiden Hände und ward selber traurig. „Grete was tust du denn? Warte, laß dir Zeit, denke nach, kämpfe mit dir, du weißt nicht, was du da tust." Sic schüttelte immer mit dem Kopf...Du willst Zeit g«- Pinnen. Du denkst, wenn du weg bist, dann werde ich ruhig sein. Aber glaub das nicht. Ich werde immer denken wie heute, wie jetzt, wo du bei mir bist." Sie stand vor ihm und drängte sich an ihn. „Adieu," sagte er kurz und ließ ihre Hände fahren. Schnell hielt sie ihn mit beiden Fäusten an seinen Schul- tern fest. Sie stand regungslos mit gesenkten Augen. Sie wollte die Augen heben und zu ihm aufsehen, aber sie ver- mochte es nicht. Seine Augen hingen mit wachsender Angst an ihrem Mädchengesicht, sie überflogen die Linien ihrer niederen Stirn, das Fleisch an ihrem Kinn, die trotzigen Lippen, die blaß und rein, fest aufeinanderlagen, und er wyllte weg von ihr. Er fühlte ihre Hände auf seinen Schultern zittern und schwer werden. Er sah, wie sie ihren Mund auseinandertat, um zu sprechen, und es zog ihn wieder zu ihr hin. Und dann flüsterte sie so leise, daß es kaum bis zu seinen Ohren hinauf kam. und tat die Augen dabei zu und neigte. den Kopf ganz zur Erde, daß Hein auf das rote Stroh ihres Hutes sah:„Ich habe dich lieb, Hein." Es war so still, daß die Hämmer aus dem Steinbruch wie klingende Mesier herauftönten. Sie hob die Augen zu ihm auf und sich ihm fest in die seinen und sagte noch einmal leise und, ruhig:„Ich habe dich lieb." Und da schlug er seine Augen nieder, nieder vor diesen frommen, reinen Mädchenaugen, die sich keiner Schuld bewußt waren und die Antwort von ihm forderten.„Bist du ver- rückt?" fragte er leise. Sie drängte sich näher an chn.„Hast du mich lieb?" fragte sie flehend. Sie umfaßte ihn mit beiden Armen und sah iht>mit angstgroßen Augen an.„Hast du mich nicht lieb?" Er machte sich heitig los.„Jetzt höre! Jetzt laß mich gehen, halte mich nicht länger auf. Grete, Grete, was tust du? Du bist sein ganzes Glück, weißt du das nicht? Er hat nichts auf der Welt als dich— denk dir das doch! Und nun denk dir weiter: mich willst du liebhaben, mich, der ich sein Freund bin, sein Freund von der ersten Schulbank an. mich der einzige, an dem er hängt, hängt wie an einem Bruder? Denkst du denn das? Grete, meine gute Grete, denk doch nur ein wenig." „Ich denke an dich," sagt? sie und stand vor ihm und breitete die Arme aus,„da, Hein! Nimm mich, laß mich dein Hund fein, mache mit mir, wgs dp willst." Er wurde ruhiger.„Gut denn— so denke an mich. Ge- höre ihm und denke daneben an mich und sag ihm nicht und mir nicht, sag keinem Menschen ein Wort davon." Sie senkte den Kopf wieder und schüttelte ihn traurig. „Das Denken an dich, das läßt für nichts anderes Platz in mir. Ich denke Tag und Nacht an dich, an deine zwei guten braunen Augen, an dein linkes Auge, Hein, mit deiner Narbe darüber — an deine langen Haare denke ich, wie sie übereinanderliegen und auf deine Stirn herabhängen und wie ich sie dir ordnen möchte. Immer, wenn die Sonne scheint und abends, wenn wir um den Tisch bei der Lampe sitzen, immer seh ich deine langen Schritte, hör ich dich mit deiner tiefen Stimme lachen und Grete rufen. Ich kann nicht mehr schlafen, ich weiß wohl, warum ich krank bin, ich ziehe mir die Decke über die Ohren, und doch höre ich dich und dock) immer sehe ich dich. Hein. siehst du? Ich möchte mir ja all das Denken aus dem Kopf reißen, ich möchte ein Kind fein und wieder morgens zur Schule gehen, ich möchte eine alte Frau sein und mit einem Schoß voll Strümpfen am Fenster sitzen, ich möchte in irgendeiner Stadt über dem Meer wohnen und dich nie gesehen haben— aber, sei mir nicht böse, nun kenne ich dich und nun kann ich nicht mehr anders. Ich kann nichts dafür. Ich habe es nicht gerufen, und es ist da— was ist es nur, das in mir ist? Glaube mir, ich will nicht, ich muß— ich muß mit allem, was ich denke und was ich gehe und was ich tue, immer bei dir sein, immer bei einem großen, starken Hein sein. Und es ist solch ein Glück in mir! Ich wollte, du stecktest mich wie einen Stein in deine Tasche und trügest mich mit dir, wo du durch die Straßen gingst und wo du an den Läden ständest. Siehst du wohl, Hein, daß ich dich lieb habe?" Jedes dieser Worte fiel wie ein glühender Hammerschlag über ihn, er zwang die Lippen aufeinander, um nicht sprechen zu müssen, er hielt sich die Hände an die Obren und wollte nichts hören. Aber dennoch drang jedes der Worte in seinen Leib ein und hämmerte sein Herz heiß und wach. Er warf sich ins Gras, er war unfähig, im Ansturm ssiner Gefühle reden und handeln zu können. Sie setzte sich neben ihn. Wie neues Glück, neues seligstes Leben war es über sie gekommen. Ihr Gesicht hatte sich mit einer feinen, dunklen Röte überdeckt. Sie saß ruhig da, aber in allen ihren Gliedern sprang ein heimliches Klingen und Jauchzen. Sie zog langsam die Nadel aus ihrem Hut und legte ihn neben sich ins Gras.„Weshalb hast du mich nicht lieb?" fragte sie leise. (Fortsetzung folgt.) I.«Zt. Vi Mir Sitzung bet FunktionZre und SettielsBertraumslKrte Bei Dobrohlaw, Smlntmünbet Str. 11. T.«dt. 7V6 Uhr Mitglicd-rvrrs-mmlung in Kühlers Fcltsälen, Ticckstr. Zt. Thun-:„Deutschlend vor Genua". Zief. E«n. Dr. Walter Zcchhir. ».«bt. TVa Uhr.«anserin, sämtlicher Funktionär- bei HTbn-r, Wil-n--k-r Straße Zt. 1». Abt. 7 Uhr Konferenz der Beeirksfährer und Detricbsvertrauenileute bei Licbfch, W>lh-lmohaoencr Str. 4S.„ «,«bt.«uxiain. 7 Uhr Funktionärfchung Bei Mausler, Münchener Str. 23. 114.«bt. Lichtenberg. 7>ch Uhr Mitgliederversammlung bei Rienäcker,«rosse. ner Strabe 14. Thema:„Das EtcuerkomxcomlK". Ref. Adolf WuschlS. 1Z1. Abt.«arlshorft. 7 Vi Uhr Vorstand-Iltzung bet D-Mpwolf, Dönhofsstr. 23 sGartenhaus). Erscheinen Pflicht. 13». Abt. Reiaickentors-Ost.« Uhr engere Dorstandssttzung bei Lindstedt, Rest. tenzstrahe 12l>— 121. ZungsoztaNstea. Srnpp« Lichtenberg. 7 Uhr im Jugendheim Parkaue, Por- trag des Genossen Aiistig übet: ,�iarl Spitzweg. * ». Kreta. Di««indergruvpe fällt am Dienstag aus. Beitere Nachricht erfolgt durch den„Vorwärts". ?ugenüve?anftaltungen. Morgen. Monkag, den ö. März: Lermsdorf. Jugendheim Turnhalle Roonstraße, Vortrag:„ASrperpflege". — Lichtenrade. Jugendheim Lokal Mitzlaff, Hilbert-, Ecke Kohenzollermtraße, Mitgliederoersanimlung.— Steglitz-Ar'.edenau. Jugendheim Olsenbacher Str. Sa, Mitgliederversammlung. Vorträge, vereine und Versammlungen. Reichttund der«rtcgöbeschädigtea, Ortzberein Steglitz. Sonntag abend S Uhr Im Ghmnasium. Heelesrratze, Wilhelm-Vuscki-Abenb mit Licht- Bildern. Vortragender: Schauspieler Hang Heinz Fuhrmann.— Bezirk Norden 8, Dlonalsversammlung Montag, den». März. 8 Uhr. im Patzen« hoser. Cbausseestratz-«4.— Vezirl 32(ZS- i tz e n s e Am Moniaz. den 6. März. 8 Uhr, OrtSgruppenbersammluna, Berliner Allee»0(Restaurant „Alpenrose"). Kamerad Wende vom vaudorstand spricht über Da» Militäo- bersorgungsgerichtswesen." Der Bund der Kriegsverletzt«», Witwen und Waise» der Tschcchosl-walische, Republik, Ortsgruppe Grotz-Berli», hält feine Generalversammlung am Dien». tag, den 7. März, 7Vb Uhr abends, im Dresdener Gesellschaftshaus, Dresdener Stratze 11», ab. ; t ----——--- H. BERLIN a Brette Strafte BrQdersfraltc BBBBLPH HERIZ06 Nene ffaucrwlci in Klaren GBFdineit«. SfOFCS Tüll- Garnituren und Stores io vorzüg'ichcm Rclicftüll und Kombinatio«8• Geweben Erbstüll-Garnituren u. Stores mit Spitzen, Band, Stickerei und Spachtel-Veriicrunjen Etamine• Garnituren und Stores mit Spitzen, Tüllansätze mit Stidcerei-Verzieningea Madras- und Etamine-Garnituren hell- und dunkel�rundij, in schönen F.rbtn und Musterjebilden Bettdecken iu Tüll- und Kombis ati sas- Ge weken, Erbstüll, Etamine mit Spitzen und Stickereien Erbstülle• Etamine• Tüllstofie Tüllgardinen mcteiweise• Befcutigungsmittcl Reidiäsiage AaswahlioD OrienlTeppidien mrnmMUim WaidicppktKtt Decken Von Montag, den 6. März ab: Orlent-Teppicit-lussteilung Im Ausstellungs-Saal und in den Teppichraumen_ Entstaukung, Aufbewahrung und Instandsetzung von Teppichen in eigenen Betriehsanlagen MMMf KREDIT unter güevtigs en Zahlungsbcdlngungon Anzüge Paletots Sciiiüoser l.nmznl-»Iflnlal qsstr. 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Die böse Fee, die ihn verzaubert hatte, war bekanntlich Bayern und seine volksparteilich-klerikale Regierung. Der Prinz, der dieses Dornröschen weckte und endlich aus dem bösen Reichsrat in den freundlicheren Reichstag brachte, ist wohl in dem neuen Leiter des Reichsamts des Innern zu fuchen. Ganz ungeschoren durfte Dornröschen nicht aus dem Reichsrat- Schlosse, das sie seit 10. März 1920 verzaubert festhielt. Der befreite Entwurf des wichtigen Gesundheitsgesetzes der Regie- rung hat einen Begleitbrief aus dem Reichsrat mitbekommen, der dem derKschen Parlament noch einiges recht Nachteilige von den Eigenschaften des Dornröschen erzählen soll. Dieser kleine Uriasbrief gibt zugleich die bündigste Erklärung dafür, wie das alles so wunderbar gekommen ist... Wenn man nach der Berliner Meldung vom 21. Februar urteilen darf, hat die bayerische Gruppe im Reichsrat selbst darauf gehalten, keinen Zweifel über ihre Beweggründe aufkommen zu lasten. Versteckt hinter der Firma„mehrere Landesregierungen" hat sie noch immer Einspruch gegen den so maßvollen Regieningsentwurf erhoben und den„vollstän- digen Verzicht auf jede Strafbestimmung gegen gewerbs- mäßige Unzucht als nicht angängig" bezeichnet. Um jedoch „das Zustandebringen des Gesetzes nicht zu gefährden", habe der Reichsrat einen„vermittelnden Vorschlag" angenommen, der nach der bekannten Berfastungsbeltimmung dem Reichs- tag als Sondervorlage neben dem Entwurf der Reichsregie- rung zu überreichen war. So oder ähnlich scheint es in den amtlichen Drucksachen zu stehen. Diese Darstellung ist einfach goldig� Sie versucht die wirkliche Sachlage so nett und liebens- würdig zu trüben, daß man ihr kaum grollen kann. In Wahrheit ist in dem Regierungsentwurf vom 10. März 1820, der jetzt endlich den Krallen der bäuerischen Gruppe entrissen ist, weder von einer„gänzlichen Ausschal- tung der Polizei" noch von einem„vollständigen Verzicht auf jede Strasbesiimmung gegenüber der gewerbsmäßigen Un- zucht" die Rede. Mindestens handelt es sich bei der letzteren Behauptung um eine sehr ungenaue, um nicht zu sagen sa- loppe Ausdrucksweisc, die beinahe gewählt erscheint, um dem großen ununterrichteten Publikum das Gruseln wegen der angeblich schoudervollen Absichten der Regierungsvorlage bei- zubringen. Ebenso unaufrichtig ist die angeschlossene Versiche- rung, daß der Reichsrat'einen„vermittelnden" Vorschlag an- genommen habe. Die bayerische Gruppe im Reichsrat sucht keinerlei Vermittlung durch ihren Vorschlag, sondern sie will dem Regierungsentwurf eines seiner Hauptstücke ausbrechen und dies nicht offen eingestehen. Um dies zu erkennen, braucht man nur die Motive des Regierungsentwurfs von 1820, wie sie damals dem Reichsrat eingereicht wurden und wie sie sicherlich auch heute noch lauten, nachzulesen. Dort ist in der Ein-elbegründung zu S 12, III festgestellt, daß das bisherige Strafgesetzbuch unter § 361, Ziffer ödiegewerbsmäßigeUnzuchtzu einem eigenen Uebertretungsdelikt mache; dann wird fortgefahren: „Diese Rechtslage steht der Einführung einer vorwiegend ärzt- lichen Ueberwachung der Gewcrbsunzucht im Wege; sie gestaltet ins- besondere nicht, solche Dirnen straflos zu lasten, welche einer poli- zeilichen Aufsicht nicht unterstellt zu werden brauchen, weil sie sich freiwillig der ärztlichen Untersuchung unterwerfen und dadurch sowie durch ihr sonstiges Verhalten Gewähr dafür bieten, daß ihr unzüch- tiges Treiben keine Gefahr für die Gesundheit, die öffentliche Ord- nung und den öffentlichen Anstand bilden werde. Im übrigen hat sich die Strafbestimmung als ungeeignet erwiesen, das An- wachsen des heimlichen Dirnentums zu o e r h i n d e r nd Wegen der Nachteile, welche die Unterstellung unter polizeiliche Aufsicht für das bürgerliche Leben mit sich bringt, läßt sich erfahrungsgemäß nur der geringste Teil der Dirnen in die polizeilichen Listen eintragen, die Mehrzahl unterwirft sich nicht der polizeilichen Beaufsichtigung und treibt, um einer Bestrafung zu entgehen, die Unzucht heim- lich. Um diesem Uebel stände zu begegnen, schlägt der Entwurf vor, die gewerbsmäßig« Unzucht als solche straflos zu lasten und die sogenannte Reglementierung der Prostituierten überhaupt aufzuheben, dafür aber demjenigen Bestrafung anzu- drohen, der in einer Sitte und Anstand verletzenden Weise zur Unzucht auffordert oder sich zur Unzucht erbietet. Diese Bestimmung, die in gleicher Weife für beide Geschlechter gilt, geht von der Erwä- gung aus, daß die Unzucht ein Uebel ist, das sich durch stral- rechtliche und polizeiliche Vorschriften nicht ausrotten läßt, daß man sich deshalb darauf beschränken muß, zunächst den der Bolksgesunt>' heit drohenden Gefahren entgegenzutreten, dann aber auch durch Strafvorschriften gegen jede Aergernis er- regende Anreizung zur Unzucht einzuschreite n." Nicht wahr, das ist etwas durchaus anderes, als die„be- sondere Vorlage" der bayerischen Gruppe an den Reichstag behauptet. Es ist gar keine Rede davon, daß auf Unter- Ärückungsmittel gegeizüber anstößigen Aeußerungen der Un- zucht in der Oeffenttichkeit verzichtet würde. An Stelle des früheren§ 361 Ziffer 6 tritt nur die neue Strafbestimmung: „Wer öffentlich in einer Sitte und Anstand verletzenden Weise zur Unzucht auffordert oder sich dazu anbietet", wird bestraft. Und mit dieser neuen Fassung hofft die Reichsregierung viel Gründlicheres und Heilsameres ausrichten zu können, als mit dem alten Delikt der„gewerbsmäßigen Unzucht", sowie mit der lahmen und veralteten Sittenpolizei gegen ein paar Dirnen. Das ist aber in der Inhaltsangabe über die„Sondervorlage" der bayerischen Gruppe sorgfältig verschwiegen. Richtig freilich ist, daß sich Bayern während der verflösse- nen zwei Jahre im Reichsrat völlig festgerannt hatte auf die alte Fassung des Z 361 Ziffer 6. Sein �Antrag lautete dort wörtlich:„An den Strafbestimmungen gegen die gewerbs- mäßige Unzucht muß unter allen Umständen festgehalten werden." Wie es zu erklären ist, daß sich zwei so freiheitlich gerichtete und gut verwaltete Staaten wie Württemberg und Hessen hinter Bayern und damit hinter die Reglemen- tierung mit all ihren nutzlosen Scheußlichkeiten stellen konnten, ist noch aufzuklären. Jedenfalls blieb es bei diesem Trio. Preußen und Bremen pflichteten ausdrücklich dem Reichsentwurf bei und die anderen Länder stellten keine Ab- änderungsanträge. Bayern hat auch durch besondere Anträge die Vorschrift im Reichsentwurf zu streichen beantragt, welche Geschlechtskrank?» die ärztliche Behand- l u n g s p f l i ch t auferlegt, sowie diejenige, welche die der Verbreitung verdächtigen Personen anzuhalten und sie der Zwangsbehandlung zuzuführen erlaubt. Da für diese Vor- schriften eine Strafbestimmung fehle, seien sie unwirksam, sagte Bayern. Auch das war ein sehr eigentümliches Versah- ren. Warum hat Bayern die nach seiner Ansicht notwendigen Strafbestimmungen nicht einfach beantragt? Als i m Kriegsjahre�.916 die Frage brennend geworden war, beantragte die vom ärztlichen Verein München eingesetzte Kommission unter Führung ihres Referenten, Geheimrats Professor Dr. v o n Z u m b u s ch. am Schluß ihrer fertig for- mutierten Vorschläge für Meldepflicht und Behandlungszwang folgenden Z 12(vgl.„Münchener Medizinische Wochenschrist", 1916, Nr. 48. S. 1962—1964):.' „Soweit nicht nach den bestehenden gesetzlichen Bestimmungen eine höhere Strafe verwirkt ist, werden gemäß Art. 67 Abs. 2 des Polizeistrafgefetzbuches. mit Geld st rase bis zu 39 Mark oder mit Haft bis zu 4 Wochen bestraft: Zuwiderhandlungen gegen die Meldepflicht und gegen die von der zuständigen Behörde nach gegenwärtigen Vorschriften getroffenen Schutzanordnungen." Was Münchener Aerzte und Eesundheitsbeamte zu for- mulieren fertig brachten� mußten doch wohl auch die Juristen der bayerischen Regierung im Reichsrat auf Grund so autori- tativer Gutachten leisten können. Es ist nicht geschehen. Wo- bei der Hinweis Zumbuschs auf Art. 67, Abf. 2 des b a y e- frischen Polizeilrrafgesetzbuches noch seinen besonderen Reiz i für die gegenwärtige Sache hat. Jener Absatz 2 besagt näm- ; lich, daß bestraft werde, wer außer den Fällen des§ 327 und 1 328 des Strafgesetzbuches für das Deutsche Reich(Verstöße gegen Absperrung?- und Aussichtsmaßregeln)„den von der zuständigen Behörde zum Schutze gegen den Eintritt oder die Verbreitung einer ansteckenden oder epidemisch auftretenden Krankheit... angeordneten Sicherheitsmaßnahmen zuwider- handelt." Auf Grund dieser b a y er i s ch e n Bestimmung handhaben nun bereits fortgeschrittene bayerische Stadt- Verwaltungen den Vehandlungszwang für Geschlechtskranke. Nürnberg z. B. besitzt seit Dezember 1920 ein öffentliches Gesundheitsamt, das dem Wohlfahrtsamt eingefügt ist und die Gefchlechtskrankenfürforge als ausdrückliche Aufgabe zu- gewiesen bekommen hat. Im laufenden Verkehr mit der�Be- ratungsstelle für Geschlechtskranke, den Krankenhäusern und der ebenfalls städtischen Gesundheitspolizei sichtet es alle ein- gehenden Meldungen bon Geschlechtskrankheiten, lädt die Ver- breitungsverdächtigen diskret vor und sorgt für schleunige Zwangsbehandlung dort, wo die Vernachlässigung der Krank- heit festgestellt oder zu befürchten ist. Es schafft also einst- weilen mit den alten Strafbestimmungen des b a y e r i s ch e n Polizeistrafrechts reichen Segen und wirkt schon auf diesem Wege hundertfältig größeren gesundheitlichen Nutzen, als die Nürnberger Sittenpolizei mit der Kasernierung und Regle- mentierung der 61 Prostituierten, welche die dortigen Bordelle bewohnen, und zwar wegen der herrschenden Wohnungsnot mitten in Privatarbeiterwohungen. Ist es nicht im höchsten Grade verwunderlich, daß die hohe bayerische Regierung aus den fachkundigen Gutachten, Leistungen und Erfahrungen der verschiedensten Behörden ihres eigenen Landes so wenig lernt? Auf den pa r t i k u l a r i st i s ch e n Pferdefuß der Sondervorlage, welche die bayerische Gruppe im Reichsrat ' dem Reichstag mit dem RegierungseAtwurf überreichen ließ. wird schließlich an anderer Stelle noch ausführlicher zurück- zukommen fein. Die bayerische Gruppe will den Erlaß der zur Ueberwachung der gewerbsmäßigen Unzucht notwendigen Bestimmungen„den einzelnen Ländern überlassen und damit ihre Anpassung an die jeweiligen örtlichen Verhältnisse ermöglichen." Das alte Lied, nach dem die not- 1 wendige Einheitlichkeit in der Bekämpfung so schwerer Schä- ! den für Deutschland immer wieder zerrissen und zunichte ge- ; macht wird! Nebenbei bestätigt dieser Vorstoß die alle Er- ! fahrung. daß sozialer Rückschritt und politischer Partikular:-. mus sich in Deutschland immer die Hände gereicht haben und reichen._, Dom MMtarverforgungsgericht. Wenn es nur um meine Person ginge, würde ich jetzt schweigen — um eine Erfahrung reicher. Aber ich fühle mich mit meinen Schicksalsgenossen zur Einheit verbunden, und darum will ich meinen ! Fall a!s typisch der Oeffentlichkeit unterbreiten. Ueber meine früheren Erlebnisse, die wohl auch in dieser oder jener Forni allen Kriegsbeschädigten zuteil geworden sind— ein- i und« inhalbjähriges Warten auf die erhöhte Rentenzahlung, vier- ; jähriges Harren auf einen Kunstarm. das Geschicktwerden von Pontius i zu Pilatus—, habe ich bereits berichtet. Run war ich zur VerHand- i lung vor dem Militärversorgungsgericht in Charlottenhurg. I Ich hatte gegen die Herabsetzung der Re n te für gänz- lichen Verlust des rechten Armes von 15 auf 50 Proz. Berufung eingelegt. Bekanntlich wurden durch das Gesetz vom 1. April 1321 an die Rentensätze bedeutend erhöht. Diese großzügige Maßnahme | wurde mit Pauken und Trompeten der Oeffentlichkcit bekanntge- geben. Hinterher aber bekam jeder der betroffenen Glücklichen einen Brief mit der neuen Umanerkennung, die die Rentenütze automatisch bedeutend verkürzte, so daß man sich wiederum ähnlich stand wie vorher. Ich hatte vor der Erhöhung 299 M. Rente. sollte nachher etwa 599 M. beziehen und wurde nun wieder auf 256 M. heruntergedrückt. Hiergegen erhob ich Einspruch. Um sich von der schwindelnden Höhe der Rente überhaupt einen Begriff zu machen, will ich anführen, daß ich anfangs 75 M., also nach Friedenswert, zu beanspruchen hatte. Und damals bestand oll- gemeine Uebereinstimmung, daß der Satz zu niedrig sei. Jetzt habe ich etwa das Dreifache! Welcher ander« Sterbliche hält damit Stange? Die Verhandlung selbst kann man wohl kaum eine„gerichtliche" nennen. Mir kam sie wie eine staalliche inszenierte Komödie vor. Als Zeit ist für je zwei Berufungs fälle eine voll« Viertelstunde vorgesehen! Schon auf der Vorladung steht ver- merkt, daß persönliches Erscheinen nicht notwendig sei—„weil doch zwecklos", könnte als Grund gleich hinzugefügt wer- den. Ich habe auch noch von keinem erfolgreichen Fall gehört. Man schlägt sich einen Vormittag um die Ohren, verfährt 4 M. und hat je nach Temperament Spaß oder Aerger gehabt. Es werden die Allen verlesen, der Borsitzende fragt, ob man noch etwas zu bemerken habe, und dann wird ohne jede offene Verhandlung und Diskussion hinter verschlossener Tür kurzweg das Urteil gefällt: Abgewiesen! Abgesehen davon, daß man menschliches Tun nie mit starren Paragraphen erfassen kann— moderne juristische Bestrebungen ar- bellen hier auf Besserung hin—, ist diese Methode überhaupt ein Un- ding gegenüber den Opfern des eigenen Vaterlandes. Hier will und muß Menschenleben und Menschenschicksal individuell behandelt werden. Materielle Ding« können solche menschlichen Verluste ja über- Haupt' nicht ersetzen. Wie vielen ist mit der Krieasbeschädigung der Beruf oder auch ein gut Teil der menschlichen Sonn« des Lebens, wenn nicht gar ihr Glück genommen worden! Aber eben deshalb sollte man hier mit größter Rücksicht und Lieb« entgegenkommen, und nicht mrr Paragraphen und Geldbeutel sprechen lassen, damit die Kriegsopfer außer dem gesundheitlichen, menschlichen und mora- lischen Verlust nicht auch noch besondere finanzielle Lasten, die eben aus ihrer Beschädigung entstehen, erwachsen. So ist es leider! Ich setzte auseinander, daß mir täglich mindestens zwei bis drei Stunden beschwerliche Mehrarbeit gegenüber dem Gesunden erwachsen. Könnte ich in ihnen— ich bin Studienreferendar— Unterricht geben, so hätte Kindsr-Lcdersandalen braun Elndleder, mit rtarker, durchgenäb ter Ledersohie und Ab-. saiz. Gr. 31-�3 58,00, Gr. 27-30* Kinder-Spangenschuhe prima Bindbox u.Chromlcder, gute( Ausführung. Kxtra preis wert. Grösse 31-35 82,50, Grösse 27-30 i ä CO Kinder-Halbschuhe mm Schnüren, Chromleder n. 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Marz, aachmlttag» S Ahr. in den ArmiahaNen, Aommandanienstr. bSchS (großer Saal): Branchenversammlnng der ZNetallschlelser, Galvaniseure, Der- zluuer, Silberpollerer, Sraher, hilss- arbeiler uod Arbeilerinnen. Tagesordnung! I. Jahresbericht der Vronchenkvmmillion. 2. Sisfuffion, 3. Neuwahl der gesamten Branchenlommission. t. Branchen- ongeiegenhelten und Berschiedene». Achtung? Achtung? Dienstag, den 7. Marz, abends 7 Ahr, im Lolai von Hummel, Sophirnftr. S: Branchenversammlnng. Tagesordnung: Schiedsspruch. Z«SMe litt Mlmniwe 4. Dienstag, den 7. INär,. abends S>/, Ahr. im �Alu/italischen Zuchs», Zostystr. 7: NM' Sitznng der LelrlebsrSle der Automobil'. Lufk- sahrzeug» und Fahrrodiudustric. Dlenslaa. dem 7. Marz, abends 7 Ahr, in Wollschlager. Ad-ib-rtstr. 21: Branchenversammlung der Vrahlarbetter Sroß-Berlias. Tagesordnung: I. Bericht der Tom- »liision Uder die Taristiindigung(Lohnadlommen). X Branchenangelegenheiien und Berschiedene«. DSV Mitgliedsbuch legitimiert."WAR Tie Vertrauensleute treffen(ich ein« halbe Stunde früher vleuulag. den 7.»flrj. uachialMoas 5»Hr. im Aaseulhaler Hos. Aofenih-ier Straß« ll/lS: ÜBT Versammlung"WU aller verlrouensleule und Vetriebsrälc der chirurgischen Branche. Tagesordnung: St-llungnshme»u den btvorslehenden Lohnverhandlungen. ghM'Die Versammlung wird pünktlich erßssnet. Il»,20 Die Ortsuerwalluug. Für einige Schüler der O-ibesterschule dei der Si-aii. Alodem. Hochschule für Mufft, um 13.«prii einfache, doch geeignet« Antertuus, ml» oder ohne Verpflegung gesucht. Niedrige Preis, Bc dwgung. Ausiunft durch Deuischer Muffterverdand, 5V ll, Bernburger Str. ZI. Aug-d-tc ebendahin. Dei' Konflltt zwischen A.SeeSl!sLC!!.°-m° (Inhaber(i. Laub) und Ms MM S.m. b. h. ist durch einen Vergleich vor dem Land- gericht I zu Berlin am 27. Februar 1922 aus der SScIt geschafft worden. Der Verlag von A. Seehos u. Co. lawie die Bochdandlung in der Neuen Schönhauser Str. 9 wurde dem bis» herigen Inhaber E. Laub zugesprochen. 10!9b Sttlcnxeseliscdatt für ehern. Produkte Torrn H.ScheldemandcI, Berlin Hierdurch laden wir unsere Aktionäre zu der am Sonnabend, den 25. Mfirx 1922, vorm. ll Uhr, in Berlin. Hotel Bristol, Unt. d. Und. 3/6, •tatt findenden 26. ordentlichen Qeneralversammlang unsererOeseluchalt ein. Tagesordnung: l Geschäftsbericht nebst Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnun' fOrdas Geschäftsjahr v. 1. Oktober 192(1 bis 30. September 1921; BeschluB- fassung über deren Genehmigung sowie Uber Venvendung des Reingewinnes. 2. Entlastung »es Vorstandes und des Aufsichtsrates. Z. Auf- sichtsratswaMen. Stimmberechtigt sind diejenig. Aktien, welche beim Vorstand der Gesellschaft oder bei den aclistehend Anmeide- s teilen mindestens am dritten Tage vor der General- Versammlung entweder unter Vorzeigung der Aktien oder unter Vorlage eines Besitzzeugnisses, welches von einem Notar oder einer öflentliichen Behörde ausgestellt sein rmid. angemeldet sind. Laut besonderer Bekanntmachung läuft die Bezugstrist(Or die jung Aktien gemäß Beschlusses der General-Versammlung vom 25. Januar 1922 In der Teil vom 1. bis 22. März 1922 h'ür nie bei einer Be- zugsstelle zwecks Ausübung des Bezugs- rechtes hinterlegten Aktien kann auf Wunsch dos Aktionärs gleich- zeitig auch die Eintrittskarte für die ordent- IlcheOenerai-Varsamm- lung ausgestellt werden Anmeldestellen sind: Der Vorstand der Oesellschaft in Berlin, die Dresdner Bank InBerlin, Dresden und München. die Bayerische Hypo iheken- u. Wechselhank In München u, Land- hut, das Bankhaus Dingel 4 Co.. Magdeburg, die Unionbank, Wien, die Zivnostcnslca Banka, Prag, die Ungar. Allvem. Credltbank. Budapest. Berlin, 2*. Febr. 1922 Der Aufalcbtsrat. Dr. Kcmpncr, Vorsiiz. Schlaf? zimmer Mahagoni. Eiche, weis lackiert Herren» zimmer Eich« gebellt Spelsezlouner Mellen Gobelin* und Leder« Garnituren in großer Auswahl bei billigen Preisen. Auf Wunsch Zahlungserleichterung und ab Fabrik ISI pastanienailseJOl mwM Ulie fopzuge des leijlunqs fd�'qen �e[cfhäfk/ mit langer Jacke von 750.-"i • nr Straße o.G.seil-& wmmmmm®- BEHLIN.N. BauNNENST». 56-57. Achtung, Brautleute! Genaue Tagespreise für rauringe Dukaten perOramm 900 gest. schon iflr ITS00 585 h schon für 130°° 333 k schon fQr 85°° Preise elnschlleBUch Luxusstcuer Außerdem ein- AZ\i aulw. bis zu den telnste* fache Ringe v. 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Für die zwischen den Tag der Verkündung und die daraus soigrnde Wassermefferabiesung fallende?!eit wird a!» Wasserverbrauch der durch- schniiiiiche tägliche Verbrauch desjenigen geil- adschnitte» zugrunde geiegi, der durch di, i-tzie vor dem Siichiage und durch die nächste hinter dem Eiichiag» ilegende Wassetmefferabiesung de- Die neben dem Wafferpre!» bisher erhobenen «ebühren bleiben bis zur Einführung tinheiilicher Aafferiiesetungsbedingungen bestehen, Berlin, den 2 März 1933. Magistrat. A. m 43 Waffer 23. Golii-, Siiaeriimeti (pro Zahn M. 20.—) uauit z. reell.Tagespr. Lemberg Ncukälin, Bergstr. 14« Eingang Ooethestr. im Laden: tägi v. 9-7 Fahrgeld wird lergDlel ohnr Abzug I• nfklärend. Bnoh 1.50 Bildern über Bier äüfebrin- endes nOrl« Inal- System aas" bei Rück- ratverkrüroiuung, jb#r Scttultor u. üfts(keine Be- ifsetOr.). Zu de- eh. geg. Eine. t. !4.od.}tMhn.T09 ranz Menzel, trllnW?, Magde- arger Strus« es Iii relchhilllg. 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