Hr. IIP»ZH.�ahrgattg Ausgabe U Nr. SS Bezugspreis: ZUerikijüM.Si,— ä!!., nionaU. 20,— 22, frei ins Sans, rorous AKliiimt. Pvii- bezng: Monatlich 20,— M., einschl, An- sikllunqsgsdillir. Untir Krenüdand ,nr ?ciitsch>anS, Dnn5!I, dos Eaar- und M�niolpcbiet, sowie die ebemals dem- fchcn EelOcte Polenz, Oesterreich- Ungarn nnd?»xmlmrg 51,— M.. iüt das übrige Ausland 72,— M, Post- beftcllungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tscheche- Slowalei. Päne- marl. Holland, Luxemburg. Schweden und die Schweiz, Ter„Vorwiins" mit Der Sonntags- deüage„Polt und Seit*, der Utner- lialtungsbeilage„Heimwelt* und der Vellage„Siedlung nnd Kleingarten* erscheint wochentaglich zweimal, Sonu- tags und Montags einmal. Telegrarom-Adresset «Soziolvemairni IZcrUa" AbenÄ-Ansgabe c GroB» Berlin LS auswärts 50 Pfennln nlflj Deelinev Volksvlertt AnzrigeuprciS: Die einspaltige Nonoareillezeil« kostet IS,— M,„klein«! Knjcigca" das fettgedruckte Wort 3.— M.< zulässig zwei settgedrnckie Worte), jedes weitere Wort 2,— M, Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort 2,— M., jedes weitere Wort 1,50 M, Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte, Faniilien-An- zeigen jür Abonnenten Zeile 6,— M, Die Preise veisteheu sich einschlieZIich Teuerungszuschlag. Anzeigen sür die nächste Nummer müssen bis Ahr nachmittags im Hanptgeschäit, Berlin SW 58, Linden- straste 3. abgegeben werden, Eeästnet von 0 Uhr früh bis 3 Uhr nachmittags. Zentratorgan der Sozialdemokrat? fchen parte? Deutfchlands NeSaktion unü Cxpediticn; 6t0 6§, LinSenftr. z • Siebottion Msristplut, I5Xa5—»7 �crslfynr.ier. Expedition ffiioritjttlau 11753— 54 Montag, den 6. März 1933 Die öeutfthen Vekaöenzahlungen. Das Pariser„Z-nrnal" lähk sich aus Berlin melden, Reichs- finanzministsr Hermes habe at-s Zinlah der Dekadenzahlung im De- trage von 31 Rlillioncn Eoldmark für Reparationen dem Berliner Derireicr der Reparationslommission haguenin crkläri. die Reichs- regirrung merdc sich bald o u h e r si a n d e sehen, diese Dekaden- Zahlungen sortzusehen. Der Reicheminisier habe erneut daraus gedrungen, dajj sofort eine Stundung gemährt würde. Wie wir hierzu von informierter Seite erfahre«, hak eine Z n- sammenkunst zwischen Hermes und haguenin nicht siattge- � snndcn. Die deuksche Regierung hat jedoch bisher jede sich bietende Gelegenheit wahrgenommen, um zu betonen, dnjz die zehntägigen Zahlungen nicht endlos sortgeseizt werden können und das; eine baldixe endgüllige Fcsisetzung der Jahressumme' notwendig sei. Das um so mehr, als ja auch die Dckadenzahlungcn weit über die in Cannes vorgesehene Endsumme hinausgehen. Senesch über feine Erfolge. Prag. 6. ZNärz.(Jnkel.) Das Organ des Auszcnm.imsieriums „Auswärtige Politik" schreibt, Benesch habe in Paris und London hauptsächlich die hersicllung eines sranzösisch-englischen Ueberein- kommens aus einer mitiieren Linie gefordert. Es sei gelungen, den Abgrund, der einerseits zwischen der Jnkecventionspolitik Frank- reich? und dem Standpunkt Englands bestanden habe, zu über- lirückcn. Das Ergebnis sei. das; Ruszland eine offene Tür nach Europa und RlSglichkeit erhalten werde, mit allen Slaalen ohne Ansnahme Handel zn treiben. Deutschland werde der Weg in das internationale Leben geebnet und es werde eine neue euro- päische Almospphäre geschasfeu. Es stehe auf, er Zweifel, dost Deutschland, sosern es in seiner Valuta- und Exportpolitik Fehler vermeide, bedeutende Vorteile erlangen werde. Aus der tschechischen N a t i o n a l d e m o k r a t i e, der Partei des Dr. K r a m a r s ch, wird seit einiger Zeit eine wahre Hetze gegen den Ministerpräsidenten Dr. L e n c s ch getrieben, der sich durch die Rückgabe des alten Deutschen Landestheaters in Prag und auch sonst noch in seiner Politik als Deutschen- freund erwiesen habe. In einer Versammlung bestritt ein führendes Mitglied dieser Koalitionspartei sogar, dast M a- s a r y k und Venesch den Ruhm der Befreier des tschechischen Volkes verdienten. Nun treten auch die tschechischen Agrarier gegen die Koalition auf, indem sie sich plötzlich gegen die Einführung der Alters- und Invaliditätsr-erstcherung im jetzigen Zeitpunkt erklären. Offenbar scheinen diesen Parteien Neuwahlen ein besseres Geschäft zu sein als die Fortsetzung der Koalition, deren Bestand auch durch neue Parteigründungen bedroht werden soll: die kapitalistischen Gruppen rechnen wohl, daß aus Neuwahlen die proletarischen Parteien, auch infolge der kommunistischen Spaltimgsarbeit, geschwächt hervorgehen würden. Eine anders Mehrheit als die des alltschechischen Blocks(mit Ausnahme der Kommunisten) wäre nur möglich, wenn die Sozialdemokraten der Minderheitsnationen, beson- ders die Deutschen, sich mit den tschechischen Linksparteien ver- bänden würden. Die Vorbedingung dafür dürfte aber ein größeres Entgegenkommen in nationalrechtlicher Hinsicht sein. Die Genfer verhanölungen. Die Arbeiten der beutsch-polnischen Konferenz sind so weit ge- diehen, daß auch die beiden allein noch in Frage kommenden Unterausschüsse 11 und 12 voraussichtlich Mitte nächster Woche abschließen werden. Inzwischen finden aber zwischen Schiffer und Olszowst! Besprechungen statt, in denen geprüft wird, ob eine Gesamteinigung erzielt werden kann. Soweit diese Besprechungen ergebnislos ver- lausen sollten, wird man an die endgültig« Slusstellung der Streit- punkte herantreten, d°? alsdann unverzüglich dem Präsidenten Ca- lor.der unterbreitet werden sollen. Das Redaktions- und Ueber- sctzuiigskomitee, dem die Fertigung des Dertragstcxtes obliegt, setzt indcsien seine Arbeiten fort. Präsident Calonder ist leicht erkrankt. Er wird sich aber in wenigen Tagen wieder den Konserenzarbeiten widmen. Breslau, C. März.(TU.) Ueber die militärische Uebernahme des an Polen fallenden Gebietes bringen die polnischen Blätter Presse- informationen von dem Major Zcrzcbnick, der berichtet, daß die pol- nischen Truppen unter General Sceptycki in drei Gruppen einziehen werden, und zwar in Richtung Kattowitz— Myslowitz— Czenstochau, Herby und Sciesznsttz-Pleß. Erst 24 Stunden später werden die Deutschen in das dcutschbleibende Gebiet einrücken. Die intcr- alliierten Truppen werden dos Gebiet übergeben nnd sich nach ihrer Konzentration aus Oberschlesien zurückziehen. Die Franzosen wer- den sich in C z e n st o ch a u sammeln, um über die Tschechoslowakei hewijureijen, die Italiener in Ratibor und die Engländer in Breslau. Mbeiterpartei unü Garantievertrag. £ o n do n, 6. März.(EP.) Der leitende Ausschuß der englischen Arbeikerpartei erklärt in einer Entschließung, daß das englische Prolclarial jeden Garanlieverkrag mit Arank- reich, der eine ZNilikär- oder Alotlenkonvenlion in sich schließl, ablehne. Einer ZNilitärallianz müsse die Anssassnng eines wehrhasten allgemeinen Völkerbundes enigegengeseht werden. wodurch allein die Kriegsbedrohungen beseitigt werden könnten. Lloyd George ist von Chequers früber nach London zu- rückgekehrt, als man erwartet hatte. Es sollen heute Be- sprechungen mit den Konservativen stattfinden, jedoch wird berichtet, daß ihre und Sir George Boungers bisherigen Zugeständnisse dem Premier nicht genügen, um ihn zum Bleiben zu veranlassen. Man spricht von einem Kabinet: Cham- d e r l a i n. Minister Churchill sagte in einer Rede in Lough- borough: Es wird sicher in der nächsten Zeit eine politische Schlacht geschlagen werden, und die Frage ist nun, ob sie aus unserer Seite von einer nach den Plänen geschickter Führer orgctmsi.'rien Armee oder ohne einen wirtlichen Plan, ohne Organisation oder Cinhettlichkeit im Kommando von Generälen geschlagen wird, die damit beschäftigt sind, bewährte Führer zu unterdrücken. Die Schlacht werde gegen die wachsende Gefahr des Komin un ismus ge- kämpft werden müssen(gemeint ist die Arbeiterpartei, gegen die natürlich der rote Lappen geschwenkt wird» um den Wahlbürger zu verängstigen. Red.), aber der Sieg sei sicher, wenn man ge-ingt bleibe. Wenn man sich spalte, so würde man einer Partei Platz schaffen, deren Politik dem Zusammenhang des britischen Reiches schädlich wäre. Churchill sprach die Erwartung aus, daß aus der Koalition eine starke, geeinigte, dauernde, nationale Partei ent- stehen werde, die liberal und fortschrittlich sei in fnedlicher Politik im Inland und Ausland und entschlassen, die Ueberlieferungen des einigen Reiches aufrechtzuerhalten. Ueber die auswärtige Politik erklärte Ehurchill: linier Einfluß war niemals größer, weil wir stelig eme Paliiik Oer Festigkeit und des Friedens befolgen, wcll wir uns bemühen, die Gefühle der Rache gegen einen geschlagenen Feind zu müdein und soweit als möglich ein Wiederausleben der Wirischa-t in Mitteleuropa, von der das Gedeihen Großbritanniens so sehr abhängt, sicherzustellen. Bezüglich Irlands sagte Churchill, man stehe noch großer Unsicherheit gegenüber nnd würde sich täuschen, wenn man glaube, die Schwierigkeiten der irischen Frage seien zu Ende oder könnten schnell beendigt werden. Es gäbe aber zwei Waffen, mit denen die Regierung in Irland die Ruhe herstellen wolle, nämlich Treu und Glauben auf britischer und Verantwortungsgefühl auf irischer Seite. Beinahe 50 Millionen Pfund Sterling, erklärte Churchill zum Schluß, seien in diesem Jahre an die Vereinigten Staaten zu be- zahlen. Der größte Teil davon sei bereits dorthin überwiesen und warte auf den Tag, an dem die Zahlung fällig werde. Ehamberlains wundervolle Finanzpolitik habe zielbewußt dem britischen Kredit größte Stabilität und Weltbedeutung verliehen. � Was den Garantievertrag angeht, durch den ja Frankreichs Rüstungen eingeschränkt werden, ollen, der aber Frankreich auch fest an England binden wür�e, so erklärt der Pariser„Temps" in einer Polemik gegen den Londoner„Ob- server", der Vertrag würde nur eine Jll. on fein, wenn er bloß das persönliche Werk eines geschickten Politikers und nicht der kollektive Wunsch ues gesamten britischen V o l- k e s wäre. Der Gorantievertrag sej keine Ware, die man jetzt von neuem verkaufen möchte, indem man die Bedingung an sie knüpft, daß die französische Regierung am Wahlsieg Lloyd Georges mithelfen sollte. ßuf zur Wahl! London, 6 Mörz. Der Arbeiterführer Thomas sprach gestern in Birkenhead über die innere Lage und erklärte, er hoffe, daß die politische Krisis unmittelbar zu allgemeinen Wahlen führen werde. Das Land bedürfe mehr denn je einer Regierung, die den Willen des Volkes widerspiegele. Thomas wandte sich gegen die Klassenkampfparolo, indem er ausführte, nichts könne der Arbeiterpartei oder irgendeiner anderen Partei, die eine Regierung bilden woll, schädlicher sein als zu erklären, daß ihre Politik zu- gunsten einer besonderen Bevölkerungsklasse gerichtet sei. Thomas fügte hinzu, die schwere Krisis, die die Schiffsbauindustrie bedrohe, müsse die Regierung veranlassen, eine unparteiische Untersuchung der Lage vorzunehmen. Dt« Gewerkschaften seien mit einem solchen Vorgehen einverstanden. Neue Devisensteksteruna. Dem New Porker Beispiel folgend, verschlechtert auch die Berliner Börse den 5lurs der Mark. Heute begann der Dollar mit 254— 255, um alsbald auf 260 zu steigen. Die Effekten steigen n i ch t im gleichen Maße, der Verkehr damit ist gering. vorwärts-verlag G.m.b.H., SW H8, Linöenstr. 3 • Vrrlog, vxvcdition und Iiiierotc». ' Adteiluug Moriuplatz 117 515— 54 Llopö George. Die Augen der Welt sind in diesen Tagen auf einen Mann gerichtet. Es heißt, daß ein Zerwürfnis mit dem kon- servativen Flügel der englischen Regierungskoalition der Ministerpräsidentschaft Lloyd Georges demnächst ein Ende bereiten soll. Die markanteste Erscheinung im politischen Leben Europas würde damit zwar gewiß nicht aus der Oeffent- lichkeit verschwinden— der Rüstige, der eben die Schwelle der Sechzig überschreitet, denkt nicht an einen Rückzug ins Privat- leben, wohl aber würde er einen Platz räumen, auf dem man seit mehr als fünf Jahren sich keinen anderen vorstellen konnte als ihn. Für uns Deutsche gibt eszweiLloydGeorges, uns erscheint die Laufbahn des englischen Staatsmannes mit einer scharfen Zäsur versehen, die in die Zeit des Krieges fällt. Vordem, als England für uns noch nicht die unerreichbare Insel war, als noch die allgemeine ungeschriebene Einreise- erlaubnis nach dem„Asyl der Freiheit" und die Mark einen Schilling galt, damals war Lloyd George vielen Deutschen kein Unbekannter. 1862 in Manchester geboren, aus dem keltisch- gallischen Wales stammend, war er von Jugend auf, wozu er nach Geburt und Herkunft bestimmt schien, radikaler Liberaler. Kein Sprößling der politischen Autokratie wie Winston C h u r- ch i l l, der jahrelang als gleich starker Stern am Himmel des „neuen Liberalisinus" strahlte, sondern als Pflegekind kleiner Leute in einem Waliser Dorf aufgewachsen, in jungen Jahren Advokat in London, schon mit 28 und seitdem länger als ein Menschenalter Mitglied des Parlaments, Präsident des Handels- amts, unter A s q u i t h Finanzminister und als solcher Sprech- minister. Ein starkes politisches Temperament, ein großer Redner. Der„neueLiberalismu s", dem Lloyd George vor- kämpfte, war vorwiegend innerpolitisch orientiert. Man kann ihn zusammenfassend dahin kennzeichnen, daß er in allen Dingen antikonservativ war. Waren die Konser- vativen unter Ehamberlains(des Vaters) Einfluß Schutz- Zöllner geworden, so war der neue Liberalismus freihändlerisch. Waren jene als Unionisten Feinde der irischen Selbständigkeit, so begeisterte sich dieser für Home Rule. Verschanzten sich jene nach verlorenen Wahlschlachten im Oberhaus, so führte dieser seine Scharen zum Sturm gegen die privilegierten „Hinterwäldler". Den Armen zu nehmen, um den Reichen ein bequemes Dasein zu sichern, galt als ewiges Gesetz.„Umge- kehrt wird ein Schuh daraus", sagte der neue Liberalismus, und er kämpfte für hohe Besitzstcuern und Sozialversicherung. In diesem Kampf war Lloyd George der unbestrittene politische Meister.-Aus jede Bewegung der Konservativen folgte blitzschnell ein zielsicherer Schlag.„Kmooll out" war die Losung, und in den Mitteln war man nicht zu wählerisch. Die besitzenden Kreise tobten, die alten Herrschtften sahen nichts mehr als Funken vor den Augen. Etwas Aehnliches wie die Rücksichtslosigkeit dieses Emporkömmlings, der mit seinem gallischen Temperament gar kein richtiger Engländer schien, war ihnen noch nicht vorgekommen. Aber zähneknirschend mußten sie zugeben, daß dieser hergelaufene Mensch, der seine Stellung nichts anderem verdankte, als seinem Talent, ein überlegener Kämpfer war. Die grundsätzliche Gegensätzlichkeit zwischen Konservativis- mus und neuem Liberalismus galt auch für die aus- w ä r t i g e Politik. Lloyd George war das gerade Gegen- teil eines eingefleischten Jingot er war entschiedener Pazifist. Als die Konservativen bei den Wahlen von 1910 mit dem deutschen Kriegsschrecken hausieren gingen, machte er sich reich- lich über sie lustig und vrics die V e r st ä n d i g u n g mit Deutschland als die sicherste Friedensbürgschaft der Welt. Dabei war Lloyd George sicher nicht, was man früher mit einem nicht sehr deutschen Wort„deutschfreundlich" nannte. Das kaiserlich-militaristische Groß-Prenßen von damals war nicht nach seinem Geschmack. Die deutsche Flottenpolitik und das anmaßende Geschwätz des„Admirals des Atlantischen Ozeans",„Dreizack in der Faust",„Puloer trocken, Schwert ge- schliffen"— das alles war unbezahlte und unbezahlbare Agi- tation für die inneren Gegner, die Konservativen, und das Flottenwsttrüsten verschlang Gelder, die zur Erfüllung des sozialpolitischen Programms besser zu gebrauchen waren. Schon während der Marokkokrise sehen wir den— trotz innerpolitischer Abneigung bis dahin zielbewußten— Vorkämpfer der Verständigung mit Deutschland in scharfer Abwehrstellung Mit dem Ausbruch des Weltkrieges trennt sich Lloyd George von dem reservierteren linken Flügel des Liberalismus, er wird ausgesprochener E n t e n t i st. Van da ab und besonders seit er im Dezember 1916 als Anhänger einer energischeren Kriegführung Asquith aus der Ministerpräsidentschaft verdrängt hatte, sehen wir Lloyd George als Meister in einem größeren Boxkampf, und wiederum ist „Knock out" die Losung. Zwischen ihm und den Konser- vativen ist längst Burgfrieden geschlossen, kein anderer als sein alter Gegner Bonar L a w hat ihn zum Premier vorgeschlagen» die Arbeiterpartei mit Henderson leistet Gefolgschaft, der linke koalitionsfeindliche Flügel des Liberalismus muß, in die Ecke gedrängt, Order parieren. Wieder zeigt sich Lloyd George, jetzt unser gefährlichster Gegner, als ein Mann zielstrebender Energie. Was er in der schwersten Zeit seines Landes für den Sieg der von ihm geführten Mächtekoalition � geleistet hat, muß auch der geschlagene Gegner mit Bewunde- � rung anerkennen. Das waren die beiden Lloyd Georges, der vom Frieden und der vom Krieg� Der erste ist uns nah und sympathisch,' der zweite fern, aber doch klar verständlich. Aber unsicher � schwankt das Charakterbild des dritten Lloyd George, des � Lloyd George der Nachkriegszeit. Dieser dritte Lloyd George � ist der erste, der sich vergebens vom zweiten zu befreien ver- sucht. Es klafft jetzt ein Gegensatz zwischen Wort und Tat. Das Wort spricht wie vor 1914 vom wahren Frieden, von Volkerfreiheit und Verständigung, von wirtschaftlicher Solidarität der Nationen, von hohen sozialen Ausgaben. Aber der so redet, hat das Dokument von Versailles unterzeichnet und handelt als Verbündeter des englischen Konservativismus � und des französischen nationalen Blocks. Seitdem sehen wir l ihn, den Virtuosen wohlgezielter Stöße, vor fremden Fäusten � ängstlich zurückweichen. Selbst vor den eleganten Händchen Poincar6s, neulich in Boulogne. Mit ungeheurer Schnelligkeit ändert sich das Bild der äußeren wie der inneren Politik. Alte Gegnerschaften, durch gemeinsame Not jahrelang niedergehalten, sind wiedererwacht, Entente und Burgfriedens-Koalition werden immer mehr zu alten Schläuchen, die der neue Wein zu sprengen droht. Die Arbeiterpartei marschiert— die letzten Gemeindewahlen im stets konservativen London sind kein Gegenbeweis — am entgegengesetzten Ende regt sich wieder der alte Toryis- mus, der einst Lloyd George als seinen Todfeind haßte, wie keinen vor ihm. Die Krise ist ein Symptom großer Veränderungen, Lloyd George ist nicht mehr in seinem Element. Koalitionen, äußere und innere, zum Kampf zusammenzuschweißen, darin ist er Meister, sie als S e l b st z w e ck zu erhalten, liegt ihm nicht, denn er ist von Natur das Gegenteil von konservativ. Und so wird ihn die Welt vielleicht noch einmal als einen Mann wiedersehen, der im Mittelpunkt der allgemeinen Aufmerksam- keit steht, weil er, den Blick auf ein großes Ziel gerichtet, e n t- schlössen handelt. Kapp stellt sich? Der flüchtige Hochverräter Kapp hat den„Dresdener Nach- richten", einem in Dresden erscheinenden rechtsgerichteten Organ, folgenden Brief geschrieben: Schweden, 1. März. Mit der Bitte um Veröfsentlichung dieser Zuschrift teil« ich der verchriichen Schriftleitung ergebenst mit, daß ich heute dem Reichs- geridtf meine Vercilwilllligkeit erklärt habe, mich unter Ihistung einer Sicherheit von hundertkansend Mark gegen Gewährung freien Geleits und Verschonung von der Untersuchungshaft zu stellen. Grundsätzlich stehe ich nach wie vor auf dem Standpunkt, daß eine Regierung, die den Besitz der Macht lediglich einem tatsächlich be- gangenen Hoch- und Landesverrat verdankt, weder das Recht hat, über Landesverrat zu Gericht zu sitzen, noch irgendwelchen Anspruch darauf erheben darf, daß ein durch sie des Hochverrats Bezichtigter Recht bei ihr suche. Obwohl mir eine Ausfertigung der gegen Re- gierungspräsident v. I a g o w ergangenen Reichsgerichtsentscheidung vom 21. Dezember 1921 noch nicht vorgelegen hat, entnehme ich doch dem mir inzwischen darüber bekanntgewordenen Inhalt, daß ein Fehlspruch des Gerichts vorliegt. Herr v. Jagow ist nach meiner Ueberzeugung mit Unrecht zu langjähriger Freiheitsstrafe verurteilt. Die gegen ihn ergangene Entscheidung ist endgültig. Di« gegen ihn ergangene Entscheidung ist endgültig. Da mir aber aus derselben Veranlassung die gleiche Handlung zur Last gelegt wird, wie di«, tcrentwegen Herr o. Jagow verurteilt worden ist, so übt ein neues, gegen mich durchgeführtes Verfahren tatsächlich dieselbe Rechts- Wirkung aus, als fände eine Revision des Jagow- Prozesses statt. Ehre und Gemissen gebieten mir daher, für den Verurteilten einzutreten. Demgegenüber haben alle grundsätz- lichen Erwägungen, die mich bisher von einer Selbststellung abge- halten haben, zu schweigen. General Freiherr v. Lüttwitz und die anderen im Ausland befindlichen Herren, die am Märzunternchmen beteiligt gewesen sind, werden dem natürlichen Antrieb ihrer vor- nehmen Gesinnung(? Red.) entsprechend, den Wunsch hegen, meinem Beispiel zu folgen und gleichzeitig mit mir in Leipzig zu erscheinen. Sie alle bilke ich dringend, hiervon Absland zu nehmen und mir als politischem Haupt des Märzunternehmsns in diesem Falle den Vortritt zu lassen. Aus ähnlichen Gründen, wie sie jetzt für mein Vorgehen maßgebend sind, können sie sich später immer noch stellen, falls sie dies dann noch für geboten erachten. Ihre Interessen werden von mir in Leipzig, ohne ihrer etwaigen künftigen Stellungnahme irgendwie vorzugreifen, als wären es meine eigenen, wahrgenommen werden. (gez.) Wolfgang Kapp, Königlich preußischer Wirklicher Geheimer Oberregierungsrat. Ueder die Echtheit des Schreibens konnten wir bisher etwas Bestimmtes nicht erfahren. Auf telephonische Anfrage in Dresden wurde uns von zuverlässiger Seite bestätigt, daß der Brief tatsächlich in den konservativen„Dresdener Nachrichten" zum Abdruck gelangt ist. Woher ihn diese haben, ist unbekannt. Unklar und daher etwas auffällig bleibt zu- nächst, warum sich Kapp gerade an dieses Dresdener Blatt mit einem Schreiben gewandt hat. Im Reichsjustizmini- 'r e r i u m war bis zur Stunde von einem Angebot Kopps, ich selbst zu stellen, noch nichts bekannt. Doch wäre immerhin möglich, daß das Reichsgericht von einem etwa eingelaufenen Schreiben Kopps noch nicht Mitteilung gemacht hat. Im Bureau des Rechtsanwalts G r ü n f p a ch, des Verteidigers des Herrn v. Jagow, wußte man gleichfalls von der Sache nichts. Will man aber nicht annehmen, daß irgendwelche Freunde des Herrn v. Jagow aus Verdruß darüber, daß Jagow allein das Unternehmen ausbaden muß, während Kapp sich in Sicherheit gebracht hat, durch eine Mystifikation einen moralischen Druck auf Kapp haben ausüben wollen, so wird man das Schreiben als echt ansehen müssen. Ein Eingehen auf seinen Inhalt behalten wir uns für de«Zeitpunkt vor, wo die Echtheit bzw. Unechtheit festgestellt ist. Eine Iustiztabelle. In der„W. a. M.' macht Jgnaz Wrobel folgende interessante Tabelle über das Wirken der Jnsti, auf: Angeklagte Vergehen Srrafe Junker v. Kaehne Heinrich Berth, Otto Jnngermann Oberamtmann Frick. ehem. Leiter der bähe- rischen Polizei ReichSwebr- soldaten Fiicker und Staudtke Gräfin Eleonore v. Schlieffen Hanns Heinrich v. Schlieffen Rössel Neberfall aui ein harmloses! 10 000 M. Geld« Reiseauiomobil. Drei Gewehr-! strafe kugeln V8p-Redaktrur Bcrgholz Die Tabelle Streichen nacbts ein Hohen- zollerndenkmal rot an. Dummer-! jungenstreich Bezeichnet Redakteure eines NSP.-Blattes als„Schweine- Hunde". Aeußerung zum Be- � triebsrat:.Geht ihnen doch an die Kehle!" Geben die letzte Bitte eines � Sterbenden weiter; Benachtich- j tigen den Vater des toten Ka- meraden über die Gründe des Selbstmordes feines Sohnes Dingen einen Mörder, um einen Verwandten, den sie beerben können, auSdemWege zuräumen Der gedungene Mörder Beide fe 2 Jahre Gefängnis 200 M. Geld- strafe 43 Tage Gefängnis 3 Wochen Arrest 2 Jahre Gesängiiis l'/j Jahre Gefängnis ! 3Jahre Gefängn. Hat de» Ausdruck„Klaff ru- justiz" gebraucht. ist sehr anschaulich, 5 Monate GesängiiiS aber bei weitem nicht voll. ständig. Man könnte z. B. hinzufügen, daß deutschnationale Jünglinge für daS Herabreißen der roten Fahne vor dem Parteitags- lokal in Görlitz ISO M. Geldstrafe erhielten, dagegen sozialistische Arbeiter für das Herabreißen einer schwarzweißroten Fahne am Parteilokal der Deutschen Volkspartei drei Monate Gefängnis. In ösr Theaterkanzlei. Don Paul Gutmann. Der Dramaturg fitzt beharrlich an seinein Schreibtisch, aus dem daS Manuskript des jungen ÄtzutorS liegt.(Der junge Autor ist silnstindvierzig Jahre alt), Dramaturg: Sie sehen, mein Lieber, ich habe Ihr Manu- skript nicht vergessen. Ich habe es sogar gelesen. Wissen Sie, was das heißt? Zwanzig Eingänge am Tag. Siebentausend im Jahr! Dichter: Sie machen mich glücklich. Dann werden Sie wohl auch bemerkt haben... Dramaturg: Gewiß, Ihr Stück ist geistreich, hat gut durch- gebildete Charaktere, ein nicht alltägliches Problem, wirklich lite- rarifches Niveau. Dichter(mit hervorquellenden Augen): Ach, wie bin ich dankbar, solchen Beurteiler in Ihnen gefunden zu haben.. Dramaturg(fortfahrend): Aus allen diesen Gründen ist Ihr Stück für die Bühne total ungeeignet. Dichter(erbleichend): Ach! Dramaturg: Geistreiche Stücke lassen die Menge eiskalt. Haben Sie nichts anderes, total Blödsinniges? Dichter(zieht rasch ein Manuskript aus der Rocktasche): Hier. Dramaturg: Zehn Personen? Ausgeschlossen. Wir brauchen Stücke mit drei, höchstens vier Personen. Der Direktor muß heutzutage rechnen. Er muß sein Personal ausnützen, muß einen Teil davon gastieren lassen, sogar in den kleinsten Nestern. Ich will Ihnen etwas erzählen. Ich halle unlängst ein Manuskript wie das Ihre auf meinem Schreibtisch liegen. Natürlich hatte ich'? nicht gelesen. Kommt da irgendein Direktor aus der Provinz zu mir zu Besuch, sagt, er brauche unbedingt sofort ein Stück. Er sieht das Manuskript, schlägt's auf und ruft begeistert aus:„Ich nehme das Stück." Ich, erschrocken, antworte: Aber sie haben'? ja nicht gelesen. Der Autor ist unbekannt. Vielleicht ist's ein großer Mist. „Wenn schon", erwidert mir der Direktor.„Was geht das mich an. Das Stück hat nur drei Rollen, noch dazu Frauenrollen. Verrückt genug. Ucberlassen Sic'? mir. Ich werde was draus machen." Dichter: Der glückliche Autor. Wie heißt er? Dramaturg: Soll ich mir etwa den Rainen merken? Das ist ja eben der Irrtum, daß die Autoren meinen, das Publikum frage nach einem Namen. Was bleibt, frage ich Sie, bei der Menge haften? Etwa der Name? Die Leistung? Einzig das Ungewöhn- liche. Tun Sic etwas Ungewöhnliches, ermorden Sie Ihre Schwiegermutter, laufen Sie nur mit einer Badehose bekleidet über den Leipziger Platz, umarmen Sie ein Pferd, tun Sie irgend etwas Aufreizendes, mein Lieber. Sie müssen die Menge von Ihrer Uli- gewöhnlichkeit überzeugen. Daß Sie ein feingebildeter, abgeklärter Europäer sind, interessiert keine Katze, Dichter: Mein Stück hat im zweiten Akt eine sehr pikante Szene. Dramaturg(lachend): Das ist gar nichts. Die Erotik muß knüppelhageldick sein. Die Kritik wird bei Ihnen höchstens schreiben: „Ein Stück mit einem feinen sinnlichen Einschlag." Dichter: Das wäre ja glänzend. Dramaturg: Das wäre das letzte. Entrüstet muß sie sein, toben, daß etwas Derartiges selbst heutzutage möglich ist. Wenn Sie solche Kritiken besäßen, wäre ihr Erfolg gemacht. Dichter(zieht einen Revolver aus der Tasche und erschießt sich.) Direktor(stürzt herein): Was ist? Tot? Telephonieren Sie's sofort an alle Zeitungen. Das Stück wird in vierzehn Togen aufgeführt. Konzert des Meinekeschen Mönnerchors. P. A. Joseph, der in der Hochschule mit seinem Meinekeschen Männerchor konzertiert«, ist ohne Zweifel«in tüchtiger, sehr strebsamer Musiker. Mehr als einmal habe ich ihm das öffentlich freudig bezeugt. Wenn er als Begleiter am Flügel sitzt, bemerkt man in der Untermalung da und dort geniale Funken. Als Dirigent ist er ebenfalls von nicht alltäglicher Begabung. Aber augenblicklich scheint er nicht ganz auf dem rich- tigen Wege zu sein. In den stärkeren Registern läßt Joseph oft seine Sängerschar etwas zu anhaltend forcieren, auch arbeitet er bei ge- wissen Anschwellungen und Dehnungen gar zu gern nach alten, Gott sei Dank überwundenen Männcrchormelhoden. Die seine Gesangs- tultur eines Rüdsl möchte ich Joseph als nachzuahmendes Beispiel hinstellen. Der Erfolg war aber doch ein großer. Zum Verwundern groß auch bei den eigenen Konipositionen des augenscheinlich sehr beliebten Dirigenten. Unter den beiden Cellokompositionen, welch« A. L i c b e r m a n n u. a. hervorragend spielte, muß allerdings ein sehr interessant aufgebautes Nocturna als ehrenvolle Ausnahme gelten. Um so weniger kann ich mich nach nunmehr mehrmaligem Hören mit seinen Liedern befreunden, die allerdings der stimmde- gabte. aber keineswegs fertige Bassist Albert Jablonsky ziemlich gequält herunteffang. Die selige Erinnerung eines die Abendqlocken läutenden Mönches an seine einzige Liebe, die droma- tisch spannende Heldentat eines Loden, das hohe Lied von der Mutter- liebe, sie sind alle so zerklüftet, unvoetisch, griesgrämig vertont, daß man sich über manche bedeutende, kunstfertige Einzelheit fast ärgert, die das Ganz« nicht retten kann. Ein energischer Künstler wie P. A. Joseph wird hoffentlich nicht lang« in diesem Irrgarten selbstbeschaulich lustwandeln. H. M. Sin russisches Zcnkralinffilvl für Arbeitsforschuvg.„Jswestija" vom IS. Februar berichten: In Rußland arbeitet eine ganze Reihe von Institutionen, die sich mit dem Studium der Frage der Arbeits- ratienalisisrung befassen. Alle diese verschiedenen Institute wurden dem Jcntrnlinstitut für Arbeitswesen unterstellt. Beim Zentral- institut sind vier Laboratorien eingerichtet, ein psnchotechnisches, eines zum Studium der Arbeitsbewegungen, ein physikotechnisches, sowie ein pädagogisches. Das Zentralinstitut hat auch eine Fabrik ge- pachtet, wo die Methoden praktisch verwirklicht werden, Süpimscher Lanöespartei'wg. Augsburg, 5 März.(Eigener Dro.htbcricht) Am Sonnabend und Sonntag fand hier der L a n d e s p a r t e i t a g der Bayerischen Sozialdemokralie statt dem Genosse Ehrhard Auer präsidierte. Den kranken Genossen von Bollmar und Segitz wurden Begrüßungen gesandt. Hierauf sprach Genosse Heimann Müller vom Partei- vorstand über die Reichspolitik und über den Zwang zur Koalition. Die Partei würde der Koalitionspolitik gern den Rücken kehren, aber das würde den außen- und innenpolitischen Zusam- m e n b r u ch nach sich ziehen, und um die Situation zu retten, würde die Partei dann alsbald wieder auf den Weg der Koalitionspolitik gedrängt werden Es sprach dann Genosse Timm über die bayc- rische Landcspolitik, Genossin Toni P f ü l f über die Frau und die Politik. Es wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, die auf den schweren Druck der Teuerungswelle hinweist. Gerade Bayern drohten infolge des ungewöhnlichen Frcmdenzustroms in den nächsten Monaten katastrophale Verhältnisse auf dem Gebiete der Volksernährung. Es wird daher von der bayerischen Regierung gefordert: schärfste Ucberwachung des Lebcnsmittelhandels, Bcauf- sichtigung der Fremdende triebe, Verbilligung der Lebens- mittel für Minderbemittelte, rücksichtsloses Einschreiten gegen Wucher. Bon der Reichsregierung: Beibehaltung der noch bestehen- den Reste der öffentlichen Getreidcbewirtschastung und Ausschaltung des verteuernden Zwischenhandels. v. ö. Goltz üroht mit Revolution! Der radaupatriotische„Verband nationalgesinnter Soldaten" hatte am Sonntag im Kriegervereinshaus eine Protestverfammlung zur Auslieferungsfrage veranstaltet. Wir würden über diese Vor- anstaltung, in der man durch pöbelhaftes Geschimpfe auf alle Nicht- Rechtsradikalen die— doch angeblich von den„Patrioten" ge- wünschte— Einheitsfront gegen die Auslieferung nach Kräften zu zerstören suchte, schweigend hinweggehen, wenn nicht der Haupt- redner, der ehemalige General Graf v. d. G o l tz, sich folgend« Aus- führungcn geleistet hätte: Die deutsche Regierung und die Welt sollen wissen, daß SO 000 nationalgesinnte Soldaten, daß die guten Leute der Schutz- Polizei und der Reichswehr im Bund« sind(Beifall), daß keine Schergen sich finden werden, der Entente deutsche Männer zuzuführen. Keine Regierung kann sich dazu bereitfinden, Deutsche auszuliefern. Täte sie es doch, so wäre es keine deutsche Regie- rung, sondern eine feindliche und somik wäre ein Auflehnen gegen sie berechtigt.(Stürmischer Beifall.) Die Mitteilung, daß die„guten Leute" der Reichswehr, in der der„Verband nationalgesinnter Soldaten" angeblich verboten ist, mit diesen unter einer Decke stecken, sollte Herrn G c ß l e r inter- essieren, die Aufforderung zur Auflehnung gegen die Regierung aber den Staatsanwalt. Inseraten- unö versicherungsfteuer. Im Reichstagssteusrausschuß wurde am Montag ein Antrag angenommen, im Z 27 des Inseraten st euergefetzes viertel- jährliche Berechnungen festzusetzen und dieser Bestimmung rück- wirkende Kraft für 1921 zu geben. Der Ausschuß wandte sich dann dem Versicher ungs st euergesetz zu. Gemäß einem Zen- trumsantrage wurden die Versicherungen von Vieh aus kleinen Vieh- Haltungen steuerfrei gelassen, wenn die Versicherungssumme nicht 2S 000 M. übersteigt und wenn die Versicherung bei einem Ver- sicherungsverein auf Gegenseitigkeit vorgenommen ist. Im§ 20 wurde die Abänderung getroffen, daß Versicherungen, für die das Entgelt in der Zeit vom I. Januar 1922 bis zum Inkrafttreten dieses Gesetzes für einen Zeitraum von mehr als einem Jahre be- zahlt worden ist, diesem Gesetz unterliegen, soweit sich das Entgelt auf den Zeitraum von mehr als einem Jahre bezieht. Im übrigen blieb es bei den Beschlüssen erster Lesung. England behält die Todesstrafe bei. Im Unterhanse begründete Abg. Major Lowther den Antrag, ein Gesetz betr. die Abschaffung der Todesstrafe in Großbritannien dem Hanse demnächst vorzu- legen, in höchst eindrucksvoller Weise. Die Abstimmung ergab jedoch die Ablehnung mit 234 gegen 8(5(Arbeiter-) Stimmen. Graf Sforza hat das Amt des italienischen Botschafters in Paris angetreten. Die geplanten Ententekonfcrenzen sollen noch weiter hinausgeschoben werden. Ernst-Haeckel- Saal. Das vor drei Jahren in den Zelten 10 be- gründete„Institut für Sexualwissenschaft" eröffnete am Sonntag vor gc1ad«nen Güsten einen neuen Vortragsraum, der der Menschen- künde disnen soll, den Ernst-Haeckel-Saal". Aus vier Gründen „Ernst-5)äckel->£aal"— führte der Lecher des Instituts Dr. Magnus Hirschseld aus. Erstens aus allgemeinem Grunds, weil er im Sinne des großen Gelehrten geleitet werden soll, der als erster die Ansicht aussprach, daß alle Wissenschaft nur um der Menschen Willen zu ihrem Nutzen zu betreiben sei, zweitens aus besonderem, weil Haeckel die Bedeulung der Sexualwissenschaft für die Menschheit aufgezeigt hat, drittens aus persönlichen: Haeckels Wohlwollen und Menschenfreundlichkeit sollen hier vorbildlich sein und viertens aus örtlichen (Berlin als Wirkungsstätte Haeckels).— Bei der großen Bedeutung, die das Institut für die sexuelle Aufklärung aller Polksklassen ein- nimmt, insbesondere durch die darin geübte Berufs- und Eheberatung, durch sein Streben noch Schaffung einer Sexualpädagogik und durch 'das hohe Ziel der Ausrottung der venerischen Kranihetten als Volks- krankheit, muß die Eröffnung des neuen Bortragsraumes, der die Vorträge weiteren Kreisen zugänglich machen wird, begrüß: werden. Der„vaterländische" Theakerdirektor. Der„Neue Weg", die amtliche Zeitung der Deutschen Bühnengcnoffenschaft, macht bekannt, daß der Leiter der Potsdamer vaterländischen Schauspiele Ulrich Haupt auf die schwere Vonnliste gesetzt worden ist. Haupt hat, ohne im Besitz einer Spielcrlaubnis zu sein, unter großen Ver- sprechungen eine Schar von Künstlern ans Iahresvertrag engagiert. Den Schauspielern wurde von ihm erklärt, daß er mit seinen vater- ländischcn Stücken in diesem Sommer das nationale Empfinde,: des deutschen Volkes endlich wieder wecken wolle. Die nationalen Geld- geber, darunter viele Potsdamer, stellten die Zahlungen an Haupt aber ein, und nun sind die Künstler brotlos geworden. Haupt, der ein Feind jeglicher Organisation ist, hat die Schauspieler in keiner Krankenkasse noch Reichsversicherung angemeldet. An gesetzliche Bor- schriften hat er sich nicht im geringsten gekehrt. Dessen ungeachtet lebte er in Potsdam monatelang in erstklassigen Hotels auf großem Fuß. Alles zur Hebung des nationalen Empfindens! Das Frauenrcchl des Ausgehabends. Der Bund der amerika- nifchcn Fraucnklubs in Philadelphia hat einen neuen„Kreuzzug" begonnen, um seinen Mitgliedern ein wichtiges, bisher noch nicht in seiner Bedeutung erkanntes Frauenrccht zu erobern. Die Vorsitzende des Bundes. Mrs. Henry S. Barksr, erklärt in einem Aufruf, daß die Hausfrau das Recht für sich in Anspruch nehmen müsse, bis- weilen einen Abend allein auszugehen. Dieses ja eigentlich so selbstverständliche Recht sei aber von den Männern bisher noch nicht anerkannt.„Der durchschnittliche Ehemann", erklärt die streit- bare Dame,„findet gar nichts dabei, wenn er«inen oder gar mehrere Abende in der Woche allein ausgeht. Die Frau aber soll zu Hause sitzen bei den Kindern und beim Kochherd. Aber was dem einen recht ist, ist dem andern billig. Auch die Frau muß ihren Abend in de? Wocye haben, cn dem sie sich aus eigene Faust amüsiert, und die Hausfrauen haben wirklich genug Aerger in ihrem Haushalt und besonders mit ihren Männern, daß sie wohl fordern dürfen, auch ein paar freie Abente für ihr Vergnügen zu ver- wenden," Dis �eipZlger Krühfahrsmssse. A. S. Leipzig, 5. März. Die diesjährige Leipziger Frühjahrsmustermefse stand von vornherein unter einein für die Ecschäftstätizkeit günstst gen Stern. Die Frühjahrsmesse, die schon am ersten Tage 109 090 Besucher angelockt hat, ist vorwiegend der Markt für diejenigen Einkäufer, die über lange Fristen hinaus sich ein- decken wollen, daneben nt sie hauptsächlich dem Export ge- widmet. Erfahrungsgemäß pflegen ja die Einkäufe des Publi- kums und damit auch der Warenbedarf der Händler im Früh- jähr abzuflauen, während der Herbst die Versorgung der hei- mischen Bevölkerung mit dem Winterbedarf notwendig macht. und so die inländische Kaufkraft leicht anlockt. Ist so ohnehin die Frühjahrsmesse ein wichtiger Anreger des Exporthandels— und die Leipziger Messe hat durch ihre nach Jahrhunderten zählende Tradition immer noch einen er- heblichen Vorsprvng vor den meisten übrigen Messen—, so mußte die neuerliche Entwertung der Mark im Ausland diese Eigenschaft noch mehr betonen. Der Ties st and derMark- valuta wirkt ja als E x p or t p r ä m i e. Gleichzeitig aber hat auch eine neue, nicht durch die letzten Valutabewegungen bedingte Teuerungswelle im Inland eingesetzt. Das reizt auf manchen Gebieten zu den Eindsckungs- oder Angstkäufen. Man will jetzt, wo die Preise mancher Artikel noch nicht auf die durch Kohlenpreise und Lohnerhöhungen hervorgerufene Steigerung der Produktionskosten eingestellt sind, siy nach billig eindecken. Ein Beispiel aus der heutigen Messe: Ein Eordinenaussteller unterhandelt mit einem Händler. D'.e'er beanstandet den für seine Begriffe(und für die heutigen Vor- stellungen des Publikums) u n e r s ch w i n g l i ch c n P r e i l e. „Wer soll das zahlen?"— Woraus der Händler erwidert:„Ich garantiere, wir bekommen in den nächsten zwei Monaten Stundenlöhne von 3 0 Mark, und nun sagen Sie selbst, ob man dann nicht zahlen kann." Dieser unfreiwillig belauschte Wortwechsel, der sich oftmals wiederholen dürste, beleuchtet schlaglichtartig die Situation. In erbitterten Auseinandersetzungen muß sich der Arbeiter eine L o h n e r- höhung erkämpfen, weil er seinen Lebensunterhalt sonst nicht bestreiten kann. Aber längst noch, e b e er die Lohn- erhöhung bewilligt erhalten hat, verteilen Handel und P r o d u k ti o n d e n E r l ö s, den der Arbeiter von der Lohn- steigerung erhofft. Aber die Sachwerte werden nicht erfaßt... In der Tat wirst die drohende Teuerung ihre Schatten voraus und äußert sich in einer lebhaften Kauftätigkeit aus manchen Gebieten. So sind die Stände der Textilindustrie. insbesondere der Wäsche- uird Stoffaussteller belagert, nach Haushaltsartikeln herrscht große Nachfrage des In- und Aus- lands, bei Luruswaren tritt vorwiegend das Ausland als Käufer auf. Allerdings läßt sich aus dieser Tatsache noch nicht auf den Eesamtmarkt schließen, von dem der amtliche Messe- bericht feststellt, das„die Warennachfrage außerordentlich grüß ist". Das mag wohl sein. Jedenfalls ist Izente ain ersten Tage wie meist am Anfang der Messe auf manchen Gebieten eine gewisse Zaghaftigkeit beobachtet worden, was darauf zurückzuführen ist, daß das Publikum, wie man sagt, sich erst wieder an die erhöhten Preise gewöhnen muß. Oesterreich, Tschechoslowakei und Schweiz haben ebenfalls die Ausstellung beschickt. Die Hochvaluta fehlt mit Waren- darbietungen. Scr ist ein Vergleich der deutschen Fertigwaren mit der Auslandskonkurrenz kaum möglich. Mit Nohstoffen hingegen ist die südafrikanische Union auf einem Stand vertreten. Wolle, Baumwolle, Tabak, Felle, Mais, Erdnüsse sind feilgeboten. Waren, die dem rohstoffhungrigen Deutschland willkommen sind und daher lebhaftes Interesse er- wecken. Aber auch die unvermeidlichen Straußenfedern, dar- gestellt an ausgestopften erwachsenen Langhälsen und Küken, fehlen nicht. Dos Zusammenströmen der zahlreichen Einkäufer, das bunte Bild der allerwärts ausgestellten Waren von der Groß- Maschine bis zum Hosenknopf, der Mann aus dem Syrerland mit dem Kamel(er trägt jetzt eins feldgraue Uniform) und die teilweise reckt originelle Reklame verliehen dem gesamten Straßenbild die Lebeickngkeit der Messestadt. Abends wimmeln in der Innenstadt alle Straßen von Menschen. Es ist eine Lust zu leben— wenn man auf Stundenlöhne von 30 Mark hoffen darf... Der öeutsche Flugzeugbau. Paris, ö. Mörz.(TU.) Die Sonnabendsihung des Bai- schastcrrais beschloß auf Grund des französischen Vorschlages, der Aushebung der Kontrolle des deutschen Ilugn'sscns nur beding! zuzustimmen, um ven Fall zu Fall neue Einschränkungen vornehmen zu können, beim Militärausschuß des Bersailler Kriegs- rales neue Erkundigungen einzuziehen. Rußlanös wieöeraufbau. Frankreichs und Englands Pläne. Der Bericht des französischen interministeriellen Aus- schusscs, der gemeinsam mit Vertretern von Industrie, Finanz und Kandel ein Programm für die Gcmieser Konferenz unter dem Vor- sitz des Ministerialdirektors Seydoux aufgestellt hatte, sogt nach dem „Malin", daß die französischen Sachverständigen von Rußland keine vollständige Unigestaltung ihrer sozialen und wirtschaftlichen Gesetze verlangen, vielmehr könne ein System langfristiger Pachtverträge für neue Konzessionäre jede erforderliche Bürg- schast gewähren, ohne die Landbevölkerung in Erregung zu bringen. Außerdem solle ein System der Kapitulationen nicht verlangt wer- den, sondern gemischte Gerichte, zusammengesetzt aus Russen und Ausländern. Die Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Beziehungen müsse mau praktisch und fortschreitend gestalten, und mit den Gegenden beginnen, vön denen die Ausfuhr von Roh. Materialien sich mit den geringsten Kosten vollziehen könne. Man schlage hier eine halbe Maßnahme vor, die zwischen der sofortigen und kolonialen Ausbeutung Rußlands, die die Engländer wollten, und der der finanziellen und wirtschastlichcn Wiederherstellung, die Frankreich verwirklicht sehen möchte, stehe. Charles S c r g e n t, einer der französischen Delegierten für die Vorbereitung dcs internationalen Finanzkonsortiums zum Wie- dcraufbau Rußlands, erklärte einem Vertreter des„Echo de Paris", er habe in London erfahren, daß von englischer Seite zunächst an die Errichtung von Emissionsbanken in den baltischen Staaten gedacht werde und daß eine der ersten Mahnahmen in Rußland in der Erneuerung und Inbetriebnahme der Eisen- bahnlinie Moskau— Petersburg bestehen würde. Demnach würde die wirtschaftliche Entwicklung des ganzen Gebietes, das von der Nikolaibahn abhängt, in Angriff genommen werden. t>m KrlsgsLoten. Eine große, auf Andacht und Erinnerung gestimmte Menge hotte sich Sonntag morgen im Reichstage eingefunden, um der vom Bolksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge veranstalteten Gedenkfeier für die im Weltkriege Gefallenen beizuwohnen. Der Sitzungssaal war durch ein Podium stimmungsvoll geschmückt. Auf schwarzen Tüchern lagen Tannengrün und silberne Blätterzwcige, die das weh- mutige Licht von sechs kterzen beschienen. Die Erinncrungsstunde war durch die Kunst geweiht, und die auserlesenen Darbietungen (Madrizalchor und Kohleckscher Bläserbund) schufen einen haftenden Eindruck. Die Ansprüche hielt Reichstagspräsidcnt Genosse Lobe. Er führte u. a. aus: ll.m die Toten zu ehren, um das Fleckchen Erde zu hüten, das für die im Weitkrieg Gefallenen zur letzten Ruhestätte wurde, hat der Volksbund Deutsche Kriegsgräbcrsürsorge das deutsche Volk aufgerufen, eine Wcihestunde im Hause der deutschen Volksvertretung zu verleben. Roch herrscht das Lorurteil in der Welt, und der Haß ist noch nicht geschwunden. Das einzige, was erreicht wurde, ist die Beendigung dcs Massensterbens durch körperliche Gewalt. Sie steht uns wohl an, die Ehrung derer, die im Kampfe fielen, und derer, die nach langem qualvollen Leiden ihren Wunden ertagen. Wenn morgens der erste Sonnenstrahl uns grüßt, dann hat er schon lange vorher die Gräber deutscher 5zcldea in Kiautschau, in Sibirien, am Euphrat, am Tigris nnd in Bagdad, am Rande der asrikanifchen Wüste, in den Karpathen, in Serbien und in Mazedonien in sein Licht getaucht. Aber auch in Flandern und in Frankreich weckt jetzt die Frühlingssonne die ersten Blumen auf den endlosen Gräber- reihen. Das Grab eines uns lieben Toten wird dort vielleicht van einer fremden Mutter geschmückt, wie auch wir die Gräber unserer ehemaligen Feinde schmücken. Unsere reinsten und heiligsten Ge- danken sollen unseren Toten gehören. Ein Volk, das seine Toten ehrt, findet auch aus den Zeiten niederdrückender Sorge den Weg zu hellen Tagen. Unser gen:einsames Lied schlingt um uns ein gemein- sames Band. Sie ruhen nebeneinander, die Toten aller Stämme, aller Provinzen, und bekräftigen so die Einheit des Deutschen Reiches. Die Abkehr vom Käß, die Hin kehr zur Liebe tut uns not. Die Liebe, die Einkehr und die Selbstbesinnung muß nicht nur jedem Volke, sondern der ganzen Menschheit kommen. Die gemeinsamen Verluste müssen uns einander näherbringen. Möge die Einkehr ausgehen von denen, die mit Pomp den unbekannten Soldaten beerdigten, oder möge lj? von uns ausgehen, die wir mit weniger Gepränge diese schlickte Feierstunde abhalten. Den Beschluß bildeten wiederum künstlerische Vorträge, und so wurde diese weihevolle Gedenkstunde, eingeschoben in die Hast der Tage, allen Beteiligten zur Erhebung. 3500 gegen 500. Der Wohnungswucher gedeiht am üppigsten bei de? Vermietung von einzelnen Zimmern, die möbliert abgegeben werden. Da mit dem Zimmerpreis nicht nur die Gewährung des Raumes, sondern auch die Abnutzung der Möbel usw. bezahlt werden soll, so läßt sich hier nicht immer leicht entscheiden, ob eine Forderung angemessen ist. Wo ein Preis als übertrieben und wucherisch be- mangelt wird, kann der Vermieter die Ausflucht gebrauchen, daß er eine starke Abnutzung der heute wertvollen Möbel befürchtet. In einem uns aus Schöncberg mitgeteilten Fall ist aber der Preis so arg, daß dem Vermieter schwerlich jemand diese Begründung glauben wird. Einer berufstätigen Dame wurde ein bisher mit 500 Mark pro Monat bezahltes Zimmer gekündigt, weil ein mietlustiger Herr für dieses und ein zweites Jim- mcr zusammen 3500 Mark pro Monat bot. Dieser Wettbewerber dors sich das leisten: er ist nämlich ein Ausländer, dem die deutsche Mark nichts gilt. Die Dame konnte den Versuch machen, sich gegen die Hinausdrängung zu wehren: denn auch Mieter mö- bliertcr Zimmer sind nicht ganz des Mieterschutzes bar. Wer aber wird als Zin'.mcrmieter sich in den Räumen eines Vermieters be- hanpten wollen, dem er auf Gnade und Ungnade ausgeliefert ist! Nur zu oft hat er da Schikanen zu erwarten, die ihn zur Derzweis- lung treiben, so daß er schließlich doch mit Schaudern flieht. „Nicht unerhebliche Besserstellung" der hausbessher. Wir berichteten kürzlich, im„Grundeigentum", dem Organ des Bundes der Berliner Haus- und Erundbcsitzervereine, seien Handwerker und andere Hauslicferanten aufgefordert worden, wieder fleißig zu inserieren, da die Hausbesitzer jetzt in der Lage seien, Aufträge zu vergeben. Tatsächlich stand das nicht im Drucktext des„Grundeigentums", das im Berlage der Firma August Scherl erscheint, woraus man auch gleich den Znsammen- hang mit dem zähen Eintreten des„Berliner Lckal-Anzeigcr" für die Interessen der Hausbesitzer ersehen kann. Bielmehr war das „Grundeigentum" so vorsichtig, unter dem 15. Dezember 1321 an sicher nicht wenige Firmen ein Zirkular zu versenden, in dem eine nicht unerhebliche Besserstellung der Hausbesitzer durch die zuletzt f e st g e s e tz t e n H ö ch st m i c t e n z u s ch l ä g e zu- gestanden wird. Natürlich ist im Sinne des Wortes jede Mehr- bcwilligung von Miete eine geldliche Besserstellung. Vorliegend aber heißt das doch: Wir erhalten jetzt durch die neuen Zuschläge von 70, 120 nnd 170 Prozent zur Erundmiete, also sogar ohne die besonderen Erstattungen aus Z10 der 5) och st- mietenverordnung, soviel Geld, daß wir nicht nur olle öffentlich-rechtlichen Abgaben und sonstige Hauslasten decken können, sondern noch genug übrig haben, um Jnstandsetzungsarbeiten vor- nehmen zu lassen. Von der Extraschröpfung aus§ 10 ist jedenfalls in dem Zirkular mit keinem Worte die Rede. Zur selben Zeit nnd auch später hieß es im Drucktext dcs„Grundeigentum" ganz anders. Da wurde mit herzzcrbrechenden Klag eignen behauptet, daß nament- lich der 70prozentige Zuschlag für Wohnungen ganz unzureichend sei und die Hausbesitzer immer mehr an den Bettelstab bringe. Auch in allen kleinen und gräßer-m Hausbesitzerversamm.lungen war dieses Iamincrlied vernehmbar. » Der Zentralmictervsroand veranstaltete am gestrigen Sonntag vormittag im Lust garten eine Mieterkund- g e b u n g. Von der Museuinsfreitreppe und vom Denkmal sprachen mehrere Redner, die gegen die Annahme des Rsichsmietengesetzes protestierten, das mit Ausnahme dcs in§ 16 den Mietern nur neue Lasten bringe. In einer im Anschluß daran verlesenen Eni- schlicßung wurden unter Ablehnung des Reichem.icten- und Miet- stenergesetzes und der durch sie bedingten Mictsteigcrungen eine Reihe von Gegenforderungen zur Steuerung des Wohnungselends aufgestellt. yunöert Sanken bestkiWinödt. Der Herr„Direktor" mit den guten Verbindungen. Don einem falschen Bankdirekior wurden in der letzten Zeit viele Berliner Bankgeschäfte heimgesucht. Bei ihnen erschien ein Mann unter den verschiedensten Namen, der sich für einen D i r e t- tor einer österreichischen oder holländischen Bank ausgab und erzählte, daß er zu größeren Transaktionen nach Ber- lin gekommen sei. Er bewies eine große Pcrsonalkenntnis der aus- wärtigen Banken und legte Konten an. Wenn er so einmal Ver- bindungen angeknüpft batte, so kam er nach einiger Zeit und er- zählte, daß ihm aus diesem oder jenem Grunde augenblicklich Bar- g c l d fehle. Einmal müßte seine Frau, mit der er angeblich in einem der ersten Hotels wohnte, plötzlich heimfahren, ein andermal i war wieder etwas anderes die Ursache seiner Verlegenheit, Kredit- 1 briefe oder Schecks über 300- bis 400 000 Mark von seiner Bank» sollten unterwegs sein und müßten jeden Tag eintreffen. Wenn er vergeblich ein paarmal nach dem Einiaus angefragt hatte, so erbat er sich endlich einen Vorschuß von 5000 bis 10000 Mark und erhielt ihn auch in der Regel, weil gerade seine Personalkcnnt- nis jedes Mißtrauen beseitigte, nnd weil man sich nicht gern der Gefahr aussetzte, um eine aussichtsreiche Aerbindunq zu kommen. In der letzten Zeit operierte der Bankdirektor mit B e r s i ch e- jrungsabschlüssen, die über 500 bis C00 Millionen lauten sollten. Wenn er seinen?Zo r s ch u ß in der Tasche hatte, so ver- schwand er und ließ nichts mehr von sich hören. Die angekündigten Kreditbriefe und Schecks blieben aus. Nachdem ihm b eine Zeitlang alle Schwindeleien gelungen waren, hotte der Herr Bankdirek- tor kürzlich das Pech, auf einer Bank, bei der er wieder seinen Trick versuchte, mit dem Buchhalter einer anderen Pank zusammen- zutreffen, den er kurz vorher betrogen x nehmen. Der Schwindler wurde festgestellt als ein 30 Jahre alter Hugo Rohna, der früher bei einer au-wärtiqe» Bank als Buch- Halter angestellt war und von dieser Zeit her über ieine Personal- kenntms verfügte. Er ist in mehr als 100 Fällen über- fuhrt und geständig. Ter Erpresse? mit den indischen(Giftpfeilen. Wegen fortgesetzter Erprcssungsvcrsuche, die em? Familie stark beunruhigte, wurde ein 28 Jahre alter Hiijsschreiber Hugo Retz- l a s s aus der Schönhauser Str. von der Kriminalpolizei festgeuom- men. Der Filmschriftsteller K r ä l y erhielt wiederholt Briefe, die von ihm die Hinterlegung einer größeren Summe an einer be- stimmten Stelle verlangten, w'dllgeusalls er und seine ganze Fa- Milte mit vergifteten indischen Pfeilen getötet werden würde. Diese Erpresserbriefe waren mir der Maschine ge- schrieben, durch Abbildungen von Totenköpfen besonders grausig ausgestattet und„mem.ento mori" und anderswie unterzeichnet. Der Empfänger ließ sie unbeachtet liegen. Als der Erpresser' mit den Briefen keinen Erfolg hatte, versuchte er es mit Drohungen durch den Fernsprecher. Die fortgesetzten Beunruhigungen harten zur Folge, daß die Gattin des Bedrohten ernstlich erkrankte. Jetzt wandt- er sich an die Kriminalvolizei. Nach längeren Beoback- tungen gelang es, in Retzlaff den Briesschrcider zu ermitteln und festzunehmen. Einspruch gegen die Einstellung der Dah'.emer Untergrundbahn. Die Zehlendorfer Bezirksversammlung wird sich in ihrer nächsten Sitzung mit einem Antrag beschäftigen, der gegen die beabsichtigte Einstellung des Untcrgrundbahnoerkehrs auf der Wilmorsdorf-Dah- lehmcr Strecke gerichtet ist.— Für die eigentliche Dahl cm er Strecke kommt noch die Beteiligung des preußischen Domönensistus in Frage, der einen erheblichen Wert auf den Betrieb dieser End- strecke schon wegen seiner Grundstücksverkäufe legen muh. 14 Tage tot in der Wohnung gelegen. Die 58 Jahre alte Arbeiterin Minna N o a ck aus der S ch u l z e n d o r s f e r S I r 7, die schon länger kränklich mar, hatte sich seit 14 Tagen im Hause nicht mehr sehen lassen. Das siel endlich den Mitbewohnern auf. Der Verwalter ließ gestern durch die Polizei die Wohnung öffnen. und jetzt fand man die Frau tot aus. Sie war hilslos gestorben. Als Kartosselersatz wr.t> ÜI der Woche vom ü. bis Zll iWiir3 ein Pliliid Brot cinj die mit einer giohen lolcn LU bezeinwele icchle tnilste des Miltelitückz der Lebensmittelkarte ausgegeben Die obere Hälfte des r'Ib- schnilicS 20 t kleine Zahl) in iorasällio nusznbewabre». d.-i auf tön Ko tznicbl ausgegeben werden soll.— In der Woche vom 0. b-S!2. März darf«rot und Mebl nur aus die Brotkarte abgegeden und cntvvinnien weiden, deren Abjchinlle das Stichwort.Blindenanstalt" tragen. „Hausrat«, G.m.b.H.,»,»d„TÄerksrcude«, G.m.b.H., er- offnen am Montag. K. März, in Charloilcnburg. BiSmarckiir.«ö tgegeii- über dem Deutscheii i7pcrnbaiiic> eine A u S st e II n n g v o n che» s ch c n I e n, die werltäglich von 10—ö geöffnet isl. Während der JugendherbcrgSwoche vom G. bis 12. März findet im Jugend hei m. Lindenflrafic 3, lt. Hof:i Treppen eine Sl n s- (t c 1 1 u n g. und ein Verkauf von guten Büchern, WandcrnnsrüitiingSgcgen» standen und Musilinstrilmentcn stait. Gcöfinet täglich von nachmittags-i tlar bis abends 8 l'.tjr.— Ter Lebenitkunder Unterricht für die Jugendweihe in, Bezirk Osten nnd?tordosicn sind-t wieder am Dienstag, den 7. März in der Kemcindcfchnle, Stratzmannftrahe 6, statt. Eine öffentlich« Versammlung in Bohnsdorf findet Mittwoch,?. Mär,, 8 Uhr. bei Lill, Cchulzendorser Strahc statt. Thema: Reichspolilik, Streik, Sozialdemokratie. Rcferen!: Genosse Heinrich Vierbücher. Wetter für morgen. Berlin n»d Umgegend. Mild und zetttveike etwas ausklarend, je», doch tiberwiegend trübe mit wiederholten Negensälle» und lebhaften tüdwep- lichen Winden. Aerhafkung eines Deutschen in Donai. Die Polizei von Douai hat einen Deutschen namens Ernst Lange, 23 Jahre alt, gebore» in Bremen, v e r h a s t e t, der unter dem Namen Joseph P o u- l e n g e r sich in Douai niedergelassen hatte. Er wurde unter Be- schuloigung der unrechtmäßigen Benutzung vo» Ausweispavieren sowie wegen Verstoßes gegen das Fremdengesetz dem Gericht zugeführt. Groß-Serlmee partemachrichten. Heute. Monka», den S. März: t# Achtung, tdenosfinnea!: Uhr im Eitzungssaal d»S Cefretarints, ÜJ ir Ltndcnstr. 3, 2. Hof 2 S„ Kvnfcrcnz ver SSemetcr'nncn Oer Frauen in.2 � den Ktiwoorstöndrn«nd der Barfigeude» der Kreis-Wohyahrtsansschüsse. � 13. Abt. 7 Uhr JlDiilcrciiz der Vezirteitil rcr und Bel'tedsverirauensieuie beim e». Liebich, W>Ibet>u«.davener Sir.«5.(B.idji wte irrtümlich angcgede», Dienslag. de» 7. Atiir,) l«. Abt. 7 Uhr Funlnonarschung bei Gillwald, Pnttbuser Str 24 15. Abt. 7';, Uhr Funttioniirsijuna bei Odigta, Strattunder Lir. Ii. 32. Abt. 70, Ubr In Schmidts FefiMcn. ssruchtür. Mo. Franenverfannnlung. Thema:„Arbeitcrdlchirr-' iiilr Rezimiioiie» Net:WaNrr Schenk. Dir Genossinnen werde» grdeien, pünlttich zu erscheinen Genossen und Gatte herzlich willkommen. 2ttorgen, Dienstag, den 7. ZNärz: 74, Äbt. Zehlendorf. Beim Gen. ÜTiicKc".), Potsdamer Etr. 25, Borstandcsitzung« Erscheinen sämtlicher Funktionäre ist Pflicht. Sport. Um den erste» Berliner Renntag initzumachcn, sehte eine wahre Bölkerwaiiderung nacb M a r i e u do r j ein. Die Reimen selbst brachten keine grohen ltederraschungen. Tic Ergebnisse sind: I. R.: 1. Eavatine (A. Frcundt), 2. Miss Gregor, 3. Ringer. Tot.: 24: 10, PI.: 13, 15, 20: 10. Ferner: Fred Milses jr., Lang Nunchs»,-jukimft, Morganat, Irrfahrt.— 2. 3). 1. Abt.: 1. Pique(G. Nruci-.seldt, 2. Pechnelke, 3. Mubamcd. Tot.: 27: 10: PI.: 14, 16, 30: 10. Ferner: Ehrenmann. Doppelgänger0; Pl.: 10, 18, 21:>0. Ferner: Balkan I, Verdun, Draufgänger II.— 8. R.: I. O. Ziopvraschs Eybina(Bes.), 2. Pikantriese. 3. Nil. Tot.: 60:10 PI.: 0», 15, 23:10. Ferner: Hvlftciiier, Biüichilde III, Wittekind, Äilenvny, Hindciivurg II,■ Handstreich, Dr. Pressboura, Hartenfels,— 4. R.: 1. Eitziig itzt Neueiifeldt, 2, Mantciisfcl, 3. Prachtmädel. Tot.: 77: 10: Pl.:'21, 1*. 21; 10. Ferner: Libanon, CrveuS, Artatlan, Elco.Unser, Araber, Monarchist, Elara Bingen.— 5. R.: I. Longobarde(Grossinamu, 2. Köpern ika, 3. M. P. Tot.: 15: 10: Pl.: 12, 20, 24: 10. Ferner: Heideinann, Elärchen M., Pedra, Spartakus, Jalus I, Fcdcrnellc, Hansi Patch?». Isüi«.— 6. R.: 1. Lnallen'ohu I(St. Grabmcicr), 2. Meddigen, 3. Fafncr I. Tot.: 72: 10: Pl.: 30, 57, 82: 10. Ferner: Imperator, GlückZdirndl, Tiiecksilber I, Faust II, Paul B.. Harald I. KiiegSire'-'Ulio.v'>--la-»« D'lld». Barde, Erbtochtcr, Loorbero, Markstdu.— 7. R.: I, Aktionär kW. Freuudtt, 2. Kusertrud, 3. Matador I. Tel.: 95: 10; PI.: 27, 52, 16: 10. Ferner: Albanicr, Carla, Ballspielcr, Joses, Feuerwehr, Künstler, Zusall. OsVsrkschQstsbeWegung prstesi öe? Veovi'nZ'albeamten unü-angestellten. Eins stark besucht« Versammlung Ctr Brandcnburgischsn Pro- vinzialbeamten uns-angestellten am Sonnabend iin„Rheingold" protestierte gegen die vom Provin-ialauoschuß geschaffene neue Äe- s o l d u n g s o r d>! u n g. 2er Protest richte: sich vornehmlich gegen die in der neuen Ordnung vorgesehene Abschaffung der lebenslänglichen Anstellung der Gruppen 1 bis S und die Verschlechterung der A n st e l l u n g s b e d i n g u n g e n für die folgenden Gruppen. Ter Referent Fischer ging in feinen Aucsührungen auf die einzelnen Bestimmungen dieser Ordnung näher ein und hob hervor, daß für die Gruppen 1 bis 8 eine voll- ständige Beseitigung des Prinzips der lebenslänglichen Zlnstellung vorliege, obgleich den unteren Beamten diese zugebilligt worden sei, und zwar durch einen Bertrag vom 13. November 1920. Nehme man den unteren Beamten die A n w a r t j ch a f t auf I e b e n s- längliche Anstellung, fo gehe man damit einen ganz ande- ren Weg als den voin Reich vorgeschlagenen. Denn nach der Antwort der Regierung, die auf eine Anfrage am 16. Dezember 1921 im Reichstag gegeben wurde, wird jeder Beamte, der gewisse Voraus- setzungen erfüllt, im Reich auf Lebenszeit angestellt.— Nach der neuen Ordnung soll von Gruppe 6 an aufwärts die lebenslängliche Anstellung künftig nach fünfjähriger Bewährung in einer plan- mäßigen Stelle und frühestens mit dem 30. Lebensjahre erfolgen. Damit sind auch diese Beamten schlechter gestellt als ihre Kollegen im Reich und Staat. Es find in der neuen Bcfoldungsordnung aber noch weitere Berschlechtsrnngen für die Prooinzialdeamtsn gegen- über den Staats- und Reichsbeamten enthalten. Die Provinzial- beamtenfchaft fei dadurch stark'beunruhigt und fühle den Druck drohenden Unrecht» umsomehr, als die wirtschaftliche Not den höch- sten Punkt erreicht habe und zahlreichen Existenzen der Zusammen- bruch bevorstehe. Durch die neue Ordnung werde auch eine Per- ewigung der Diätarzeit in Aussicht gestellt. Wir fordern— so schloß der Redner unter stürmischem Beifall— keine Bevorzugung, sondern nur das Recht, das anderen Beamten bei gleicher Leistung gegeben ist, und wir richten an nlle polit'schen Parteien, auch an die links- stehenden, die Bitte:„Laß: das, was auf eurem Programm steht, auch zur Tatsache werden."— Die Aussprache bewegte sich ganz im Sinns des Referenten und ergänzte diese noch durch krstisch« Beleuchtung anderer Punkte der neuen Bcfoldungsordnung. Folgende Entschließung wurde einmütig angenommen: ..Die heute im Rheingold versanimelten Provinzialbeaintcn er- heben den schärfsten Protest gegen die Abschaffung des lebenslang- lichen Anstellimg mehrerer Beamten gruppen und die wesentliche Ber- schlechierung der Anstellungs- und Besöiderungsbedingungen für die übrigen Gruppen. Sie erwarten, daß sie rech i ich nicy' schlechter gestellt werden als die Beamten im Reich und Staat. Die Beamten- schalt steht geschlossen hinter den Forderungen der Gewerkschaft, die in dem Einspruch vom 20. Februar 1822 an den Proviiizia'landtaq zum Ausdruck kommen. Der Deutsche Beaimenbund und der Zentral- verband der preußische» Provinzialverwaltungen erkennen die For- dming der Eewertschasr als durchaus berechtigt an." Branchenversammlnng der Kraftdroschkenführer. In der Branchenversammlung der Kraftdroschkensührer am Freitag berichtete L g ch m u n d über das nbgelaufene Geschäslssahr, das reich an Arbeit war. Zum l. Juli 1921 wurden die bestehenden Tarife gekündigt. Redner schilderte den Verlauf der mit dem Verein der st r a f i d r o s ch k e Ii v e s i ß e r gepflogenen Tarifverhandlungen. Der Echlichtimgsausschuß mußte angerufen werden, dessen Spruch vom 12. August wurde von den Führern angenommen, von den Be- sigern aber abgelehnt. Auch die Anrufung des Demobilmachungs- kommissars führte zu keiner Einigung. Die Bewegung bei den E l e k i r o in o b i l d r o s ch k e ii f a h r e r n nahm schärfere Formen an. In sechs größeren Betrieben, die dem„Jnteresseiwerband" an- orten, crfolgie am 3. Sepiember die A r b e i t s n i e d e r I e g u n g. le beantragte Rechts verbindlichkeitsertlärung wurde ooui Dcinobilmnchungskbmmissar,„weil kein öffentliches Interesse oorliegi", abgelehnt, trotzdem der Berein der Elektro- mobildrofchkenbefitzer den Schiedsspruch anerkannt und die Rechts- Verbindlichkeit des Tarifs milbeantragt halte. Am 23. Oktober wurde der Streik abgebrochen. Am gleichen Tage ließen die Besitzer der Benzindroschken ihre Betriebe stehen, um dadurch vom Magistrat und Polizeipräsidium die Zustimmung Zur Erhöhung der Taxe auf das Zehnfache zu erzwinge». Erst ani 29. Oktober erfolgte die Wiedereröffnung der Betriebe. Der 6. November brachte die 13 fache Taxe, was die Unternehmer zu einer Lohnkürzung um 3 Proz. veranlaßte. Am 19. Dezember 1921 trat dann die 20fache Taxe sowie die vom Magistrat und den Stadtverordiieien beschlossene Personen- fahrsteuer in Kraf:. Diese Steuer bat es nun den Besitzern ganz besoiwers angetan, weshalb sie am 19. Dezember den gesamten Autodroschkcnbetrieb einstellien und damit zirka 2000 Führer ohne weiteres auf die Straße' setzten. Durch das Einschreiten des Ver- baudes beim Demobiliiiachungskommissar wurden die Großbetriebe dann gezwungen, am 3. Januar den Belricb wiederaufzunehmen. Damit war der Widerstand gebrochen, und der gesamte Autodroschken- betrieb setzte wieder ein. Jetzt forderten die Unternehmer von den Führern für die B e n z i n tu a gen eine Knution von 3000 M. und für Eteklrodroschken 1300 M. Kaution. Außerdem erfolgte eine Lohnkürzung, indem nur noch 13 Proz. von der 13fachen Taxe und 3 M. Lohn resp. 21 Proz. von der lOfachen Taxe und 1,30 M. Lohn pro Schicht gezahlt werden soll. Der von uns angerufene Schtichtungsausschuß füllte dann in beiden Fällen für uns günstige Urteile, wonach unter Fortfall der Kaution der Grundlohn von 3 auf 11 M. und von 1,80 auf 12,50 M. erhöht wurde. Beide Unternehmervereinigungen erklärten diese Schiedssprüche für unannehmbar. Jetzt hat der De- mobilmachungskommissar das letzte Wort. Die sich an diesen Bericht anschließende Aussprache erklärte sich mit den Maßnahmen der Branchenleitung einverstanden. An den Mitgliedern muß es nun liegen, jeden noch fernstehenden Kollegen der Organisation zuzuführen. Die Neuwahl der Brancheiileiiung ergab die einstimmige Wiederwahl von L a ch m u n d als Branchen- lciter. Als Sektionslsiter wird der kommenden Sektionsosrsamm- lung wieder der Kollege Becker vorgeschlagen. Streik im Wiener Buchhandel. Die Angestellten in Wien stehen seit 1. März im Streik. Ihre Forderungen sind 50 Proz. Gehaltserhöhung und 2luswirkung der monatlichen Indexziffer auf das volle Gehalt. Schon bei Ueber- rcichung der Forderungen haben eine Anzahl Firmen mit zusammen 300 Angestellten glatt bewilligt. Rund 2000 Angestellte aber müssen sich ihr Recht auf'das Leben durch den Ausstand erzwingen. Da mit einer längeren Dauer des Streiks gerechnet werden muß, planen die Wiener Buchhändler, vor allem diejenigen Verleger— F. D e u- ticke, Urban u. Schwarzenberg, Ullstein u. Co., T e m p s k y usw.—, die in Deutschland Zweigniederlassungen haben, die Bücher während der Dauer des Ausstandes nicht von Wien, sondern von Berlin, Leipzig, Stuttgart usw. aus exportieren zu lassen. Die Wiener Buchhandlungs- angestellten richten daher die Bitte an ihre deutschen Kol- legen, diese Bestrebungen mit der gebührenden Aufmerksamkeit zu behandeln._ Achlung, INaschincnsetzer! Bei der Firma W. u. S. Loewenthal, Gri'mstr. 4. haben am Sonnabend sämtliche 13 Maschinensetzer(Typo- graph) insolge Tarifsrreits die Stellung verlassen. Außer einer Reihe von Zeitschriften ist die Firma hauptsächlich mit Mazistratsarbeiten beschäftigt. Die Kollegen bitten um Solidarität. Der Vertrauensmann. Die llrabsiimmunq der Hamburger Wcrslarbeiker über den am 1. März gefällten Schiedsspruch, der für März eine Zulage von 20 Prozent vorsieht, hatte— wie TU. meldet— folgendes Ergebnis: Es stimmten mit ja 1731, mit nein 1394 Arbeiter: ungültig waren 43 Stimmen. Ein Mahlbezirk steht noch aus. Bei der Urabstimmung der Kieler Werftarbeiter über den Schiedsspruch ergab sich bei den meisten Werften eine beträchtliche Mehrheit für An�- nähme, nur die Belegschast der Howald-Werft hat sich mit 2023 gegen 1571 Stimmen für Ablehnung des Schiedsspruches ausge- sprachen. Die norddeutschen Gruppen der Abt. Sceschiffweriten wird heute in Hamburg zusammentreten, um zu der Sachlage— der Schiedsspruch ist bekanntlich ohne Mitwirkung der Arbeitgeber zu- standegekommen— Stellung zu nehmen. Maßgebend für die An- nähme oder Ablehnung des Schiedsspruches ist das Ergebnis der ab- gegebenen Stimmen aller Wersten. Die Postbeamten in Irland haben den beschlossenen Ausstand widerrufen, nachdem der einstweiligen Regierung, dem Eeneralpost- msister und dem Vorsitzenden der Vereinigung irischer Postbeamten die Einsetzung eines Ausschusses zugcsaat" wurde, der die Gehalts- frage und die ZlrbeUsbcdingungen der Postbeamten zunächst unter- suchen soll. Dünd der tcckxüschen Angestellten nüd Beamten. Aülgliideracrsammlunnen: Niens tag: Südost. Luikknidsuler-ftestütle, Reichenderaer Sir. 54, abends 7 tlhr. Mittwoch' govemch. Rntskellcr, Rathaus, abends- Udr. Thema: Was ist eine cSew-rttckiait? Wozu haben wir eine(fteracrkkckiaft 7 Norden II, Lamverts gestliile, Schönhauser Allee>2!), abend? 7>z Udr. Char'ottenbnrg I. Aua. Kasino, Kai strin-Auan IIa- Allee st«, abend» id.. Übe. Nonnerotaq: Südwest, ffiodels Restanrant, Teinveihofcr Ufer«. 7>, Nbr. Charlottenbnrq II, Akädeinische Bierhallen. SchiUerstr. Ii. abend? 7> z Uhr.'Lichtenderg, Zur k'iitte, Franliurter Allee 2A>, 7U, Uhr. Norden I. Oswald Berliner. Vrunnrnstr. Uft. 7 Uhr. Osten I, Hochdahn- restanrant, Stralauer Allee 48. 7�- Uhr. Wilinersdor-, Auaustadof, Anmistastr. I, 7' a Uhr Freilag: Norden III, Restaurant znnr Hagendech, Miiller» Ecke Seestr., abends 71? Uhr. Reinickendorf, Restaurant Schulz. Wittenau, am Bahnhof, abends l'/i Uhr. Sicinensstadt, Echloszttaute, Nonnendamniallec. abends l'h Uhr. Verband der Kcincinde- und Staatsarbeitcr. II. Verwaltnngsbqirt. Donners- tag abend 7 Uhr im Lokal von Ticdeinan», Waidenterstrohe I!>. Bersammümg aller im II. Berwaltnngsbezirk wohnenden und bei uns orpauisterte» Nolleginnen und Nvllegen. Erscheinen aller ist Pflicht! Die Bezirisleitung. gci-traloerdand der Steinarb iter Dentschlands. Bau- und Gradmalbranche. Dienstag abend tif- Uhr Pcrsammluiig, Draumanns Festsitle, Ngüiiynstraßc 27. Zilmschau. Tie �ilmc der Woche. Wenn die Filmleute nur ein schöncZ, klangvolles Fremdwort aisssiicheii können, dann find sie glücklich. Da hat cS dem Autor des wnst sehr gut gebauten nnd ebenso geschickten Films„Tor Folt GeintialSktl", der in der neu eröslnelen„Alb a in b r a" gezeigt wird, das Schlagwort Okkultis- inus angetan, und schon nennt er sein Lichtivicl ein okkultes Drama, ob- wobl es mit Okkultisnius nicht dos mindeste genlein bat. Früher erichöpste man sich ans der Jagd nach siiperlalioischcn Bezeichnungen. stürzte vom floloimlülm in den Monumental- nnd Mnmmutbsilm. Ich: sucht man. icheint es. nichlvcrstandcnc wissenschastlichc oder halbwisscnschait- lichc Ausdrücke, die einem nicht gerade an Werten nnd Inhalten reichen Film ans die'�tirn geklebt weiden müssen. Es bliebe, ganz abgesehen davon, das; es sich im„Falk Kembalstv" gar nicht um Okkultismus handelt, die Flage zu imtersuchcn. ob ottnltc Phänomene überhaupt dem Licht- wkl diciifibur gemacht werden ivimen. Sowenig bcg> üficnSwert es an sich wäre, träte dieser ganze hystericsördernde Komplex von Meinungen werbend nui die Leinwand, io raufi doch zugestanden werden, dost gewisse Er- schcimnigcn ous diesem Kreise sehr Wohl bildhajte Möglichkeiten, Perdichtung von Stimmungen nnd dramaliiche Spannung im Film ergeben könnten. Das mag besonders für Somvambulismus und für Öetlseherci gelten swomit an den' wissrn>chnsl!!chcn Ernst oder Nnernst dieser Fragen nicht gerührt werden iolst. Daß Spiritismus und Gciitermnlerialisationen nicht anders als in satirifch-grotesker Verzerrung im Film möglich wären, soll nicht ein grandioser Kit ch gcschaflcn werden, unterliegt keinem Zweifel. Ter Okkultismus des neuen Film? in der„Albambra" ist aber nichts anderes als— Hopno- tismus. Nun Ist die Hypnose weder eine ok.'ukte Erscheinung, noch' ist ste für den Film elwa Neuland. Der Wltz in diesem„Fall GemMskh" besieht darin, däfi eine Reibe von Verbrechen zunächst ans bvvnotischcr Beeinsliifinng ertlört werden, während sie in Wahrheit ein sehr bewußtes und rassinicrtr» Zusammenwirken zweier Verbrecher darstellen, von denen sich der eine als das Opfer des anderen ausgibt. Daher der Name Okkultismus, lreS: Kriminaldrama. An sich geweitet hat dies Drama ziemliche Spannungsreize, es operiert geschickt mit dem lleberraschungsmoment, wird von Drude Hoff mann nnS Magnus S t i s t c r gut gdvielt und in tlar im Pbotographischen.— Eme lehr lustige Filmgroteslc„ B o n t l c r-! c> n t r a L h a p t i»" vcrullt mit Tempo und Laiiiic den Rummel der Cbaplin-B Nollendorf I6U Anfang S'/a Uhr Versielliinij allabGüdlicli! Melropo!- Variete Behrenstr. 54 . Uhr: Gaslspteä Herbert Kiper Pä«S Reüikopf in der Sensarions.- Groteske Dai SeüislfnsriiiiGtei Dazu: S Schlager Die MttewMS der LeiHesimöil von Univ.- Professoren A. Erotjehn». G. Radbradi Wichlig für Eheleute, Acrzte und Hebammen Preis M. 3.50 Buchhandlg- Vorwärts Berlin SW., Lindenstr. 2 verschwinden meist sehr schnell.wcnn man denSchanm von Zucker'» Patent» Med'zinal-Seifc abends eintrocknen läsit. Schaum erst morgens abwaschen und mit Zuckooh-Crerne nachstreich. Ärosiartige Wirkung, von Tausenden bestätigt. In allen itlpolheken, Drogerien. Par« sümerie- u. 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