nc.ttt �ZH.�ahrgaag fiosgad« B TU. 56 Bezugspreis t Shrtttf 8l)rL60,— M., monatl. SO,— St frei ins Haus, voraus zahlbar. Post- vezuz: Monatlich M,— M,, einschl. Zu» stellungsgebllhr. Unter Kreuzband wr Deutschland, Danzjg, das Saar- und MemelAebiet, sowie die ehemals beut- ßjcn Eedlete Polens, Oefterrelch- ngarn und Luxemburg b4,— M., für das Übrige Ausland 72,— M Postdestellungen nehmen an Oesterreich, Ungarn, Tschccho- Slowaiei, Däne- mark. Holland. Luxemburg. Schwede» und die Schweiz. Der„Nonmrls" mit der Sonntagsbeilage„Poll und ZeiL', der Unter- haliungsbeiiag».Heimwel:" und der Beilage.Siedlung und Kleingarten* erscheint wochentäglich zweimal. Sonn- tags und Montags einmal. Telegramm-Adresse! sSozialOcmokcaf Bei[in* AbendAusgabe Derlinev Volksblatt c areB« Berlin 40 Pf auswärts SO Pfennig D Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonvaroillezeile lostet i2,— M. �kleine Anzeigen* das fettgedruckte Wort S,— M.(zu- lässig zwei seltgedruckte Worte), sedes weitere Wort 2,— M. Stellengesuch» und Schlafstellenanzeigen das erste Wo« 2.— M., jedes weiter» Wort 1,50 M. Worte über l5 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familien-An- zeigen für Abonnenten Zeil« 6,— M Die Preise verstehen sich einschließlich Teucrnngszuschiag. Anzeigen für die nächst» Nummer müssen bis 4>,z Ahr nachmittags im Hauptgeschäit, Berlin SW 58. Linden» straße 3, abgegeben werden. Deöffnei von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachmittags �entralorgan ckf 8021 aldemokrati fchen Partei Deutfcblands Keöaktion und Expedition: SV) d8, Lindenstr. z S-rninre-eir-r» Redaktion Moriftplat, lSIAS-»? �erniprcmer. Moriypla« ,I7SS-Si Dienstag, den 7. März 1NÄÄ vorwärts-verlas S.m.d.h., SW b8, eindenstr. Z !�ernivrrrllor- Brrlag.(Expedition und Jnierairn. «bteilunfl Moriftplah 11753 54 Rathenau über tt Der Hauptausschuß des Reichstages setzte heute die Be- fprechung des Haushaltsplanes des Reichsministeriums des Aeußeren fort. Bei dieser Gelegenheit hielt der Minister Dr. R a t h e n a u eine Rede über das Reparationsproblem. Der Minister führte aus, daß gegenüber dem Reparationspro- blem drei Auffassungen in Deutschland erkennbar waren. Die eine ging dahin, es müsse Festigkeit gezeigt und Widerstand geleistet wer- den: es müsse die Reparationsleistung abgelehnt werden, weil sie von Deutschland nicht getragen werden könne. Eine solche Politik könnte man al» Satastrophenpolilit bezeichnen. Die zweite Auffassung ging dahin, daß man zwar bis zu einem bestimmten Maße sich dem Reparationsproblem nähern dürfe, daß man aber mit aller Offenheit erklären sollte, die Leistun- gengtcien unerfüllbar und es habe überhaupt keinen Zweck, sie in irgendwelchem bedeutenderen Ausmaße in Erwägung zu ziehen. Diese Politik wurde bezeichnet als die Politik mangelnder Psychologie und Erkenntnis der Weltlage. Die dritte Auffassung hält eine Der- pflichtung zur Reparation für das Reich gegeben, die geschaffen ist durch die Unterschrift seiner maßgebenden Stellen. Diese Auffassung vertrat auch die Reichsregierung. Sie ging davon aus, daß unter allen Umständen der Versuch gemacht werden müsse, den ehemaligen Gegnern zu zeigen, daß Deutschland bereit sei, bis an die Grenze seiner LeislungssShigkei. zu gehen. Der Minister klärte dann noch eine mißverständliche Auffassung seiner Rede auf, die er im Reichstag über das Rcparationsproblem gehalten hatte. Der Minister hatte damals erklärt, daß das Maß der Erfüllung gegeben sei durch die Frage, wie weit man ein Volk in R o t geraten lasten dürfe. Dieses„dürfe" habe er unterstrichen und unterstreiche es nochmals, denn darin wäre die sittliche Ver- pflichtung mit enthalten, nur bis zu dem Punkte zu gehen, den der Staatsmann verantworten könne. Jede andere Auslegung dieser Worte sei mißverständlich oder böswillig. Die Erfahrung hat dann noch gezeigt, daß die Fragestellung„Möglichkeit oder Unmöglichkeit" der Erfüllung für das Reparationsproblem überhaupt nicht von aus- schlaggebender Bedeutung ist. Dielmehr hat sich ergeben, daß eine weitere Fage bedeutend schärfer hervortrat, nämlich die: wie weit eine Reparationsleistung Deutschlands überhaupt für die übrigen Völker erträglich fei: denn die auf dem Weltmarkt gebrachte Zwangsarbeit eines Landes führte dazu, den gesamten Markt der Erde zu zerrütten. Psychologisch habe sich dos Vorgehen der Regierung als richtig erwiesen. Die Sprache der Tatsache sei so stark gewesen, daß heute in allen Ländern das Reparationsproblcm von neuem studiert werden müsse. Gerade in diesem Augenblick schweben die Verhandlungen darüber, auf welches Maß die Reparationen für das Jahr 1922 bedrenzt werden sollen. l Die praktische Politik der Regierung führte als erste Etappe nach Wiesbaden. In Wiesbaden handelte es sich darum, Modalitäten zu finden, um überhaupt� dem Reparationsproblem eine Unterlage der Durchführ- barkeit zu geben. Der Begriff der Sachleistungen trat in den Bardergrund. Der Minister betont, daß notwendigerweise die� zerstörten Gebiete in Nordfrankreich wioderheraestellt werden müssen. Solange sie als Wüsteneien zwischen Deutschland und Frankreich liegen, würden sie ein Symbol der Spaltung zwischen den Völkern bleiben. In Wiesbaden wurde ein Abkommen zwischen Deutschland und Frankreich hergestellt, das auch auf andere Staaten feine Anwendung finden kann. Während das Ergebnis von Wiesbaden nach außen hin den beabsichtigten Erfolg gezeltigt habe, sei es im Inneren zum Anlaß einer schweren Agitation und Kontrovers«, und zwar nicht nur gegen die Sachleistungen geworden. Die Argumentationen, die dieser Kontroverse zur Unterlage dienten, machten es jedoch jedem Unvoreingenommenen klar, daß es weniger wirtschaftliche als politische Fragen waren, die die große inner- politische Agitation gegen Wiesboden hervorrielcn. In diesem Zu- fammenhanq wies Rathenau auf verschiedene Widersprüche in der Begründung der Agitation gegen Wiesbaden hin, Widersprüche, wie sie sich dann auch bei der innerpolitischen Kontroverse über die Konferenz von Cannes wiederholten. Das Ergebnis von Cannes ist nicht negativ gewesen, wenn auch infolge der Amtsniederlegung Briands die Konferenz leider nicht zu Ende geführt werden kannte. Cannes habe es möglich gemacht, den Vertretern der früher uns gegnerischen Nationen die gesamt« deutsch« Situation darzulegen. Ferner sei es in Cannes dazu gekommen, daß eine Konferenz aller Nationen für Genua in Aussicht genommen wurde. Der Reflex in der deutschen Ocffentlichkeit, den Cannes gezeitigt habe, sei nicht ohne Widersprüche gewesen. Einerseits erklärte ein Teil der Kritiker das Ergebnis von Cannes für wertlos, weil Genua von keiner Bedeutung für das Reporationsproblem sein könne. Andererseits wurden von der gleichen Seite die Boulogner Beschlüsse dahin ausgelegt, daß dadurch die letzt« Hoffnung für Deutschland auf eine Besserung des Reparationsproblcms entschwunden sei. Entweder fei nun aber in Cannes etwas erreicht worden, nämlich das Zustandekommen der Konferenz von Genua, oder die Gsnuefer Konferenz fei ohne Bedeu- tung. Dann könnten wieder die Boulogner Beschlüste nichts ver- derben. Der Minister erklärte, daß er nie erwartet habe, es könne einem aus 40 nicht durchweg am Friedensvertrage beteiligten Ratio- nen bestehenden Gremium, wie es die Genuese? Konserenz dar- stell«, da» ieöerautmackuna. Reparationsproblem und der verfoiller Vertrag zur Beschlußfassung unterbreitet werden. Dafür sei Genua nie- mal? der Ort gewesen. Wohl aber werde die Möglichkeit gegeben sein, daß in Genua die allgemeinen Ursachen der Welterkrankung erörtert werden und daß die Nationen gemeinschaftlich nach solchen Wegen suchen, die zu einer Gesundung des ganzen Kontinents führen. Praktisch werde Genua vermutlich das erste Glied einer Serie von Konferenzen sein, die voraussichtlich dieses Jahr und das nächste Jahr in Anspruch nehmen werden. Die Völker seien heute noch zu weit entfernt von der Klarheit über die Erkrankungsursache der ganzen Wirtschast, als daß man annehmen könne, es wären sofort endgültige Heilungsprozesse möglich. "�ei Schluß des Blattes spricht der Minister noch. Neuestes Genua-datum. Paris, 7. März.(WTB.) Die italienische Regierung hak nunmehr ihre Zustimmung zur Eröffnung der Genueser Konferenz am 10. April gegeben- Die Llopö-George-Krise. Heute soll Balfour in einer Rede die Bedingungen Lloyd Georges für sein Bleiben im Amte bekanntgeben. Der Premier geht zur Erholung nach Wales und bleibt vielleicht bis zur Genua-Konferenz der Politik fern. Mehrere Führer der Koali» tion verhandeln über die Bildung einer Nationalen Partei, in welcher sich Liberale und Unionisten zur Unter- stützung Lloyd Georges vereinigen sollen. Die neue Partei soll von der Regierung die Durchführung des Sparprogramms von Geddes fordern. Iranzösische Seschweröe über Staatssekretär Müller. Paris, 7. März.(Franks. Ztg.) Nach dem„Intransigeant" ist der französische Botschafter in Berlin beauftragt, bei der deutschen Regierung Borstellungen wegen der Ausführungen zu erheben, die Staatssekretär Müller vom Wiederaufbauministerium im Reichs- tag über die Widerstände gemacht hat, die alle deutschen Wieder. aufbauvorschläge bisher bei der französischen Regierung gefunden hätten. Der Botschafter werde den Wunsch der französischen Re- gierung nach einer Berichtigung dieser Behauptung zum Aus- druck bringen. Außerdem beabsichtigt Poincare in einer der nächsten Sitzungen der Kammer auf die Ausführungen Müllers zu ant- warten. Awangsanleihe unü Gewerkschaften. Dem Sozialdemokratischen Parlamenlsdienst wird mitgeteilt: Der Allgemeine Deutsche Gewerkschastsbund hat eine fünf- glledrige Kommission eingesetzt, die sich mit der Denkschrift des Reichsfinanzministers über die Zwongsanleihe beschäftigen und die Verhandlung mit der Regierung führen soll. Entgegen anderen ZNelbungen haben die Gewerkschaften die Einladung zu den Verhandlungen, die am Donnerstag nachmittag 4 Uhr beginnen sollen, angenommen. Räch dem Wunsch des Reichsfinanzministers sollte sowohl die Denkschrift wie auch das Begleitschreiben, die den Gewerkschaften schasten überwiesen wurde, streng vertraulich behandelt werden. Die freien Gewerkschaften haben diese Vertraulichkeit aus das peinlichste beachtet. Demgegenüber steht die Tatsache. daß ein Teil der bürgerlichen Presse bereits heute den Fragebogen abdruckt, den das Finanzministerium den Gewerksckzaften zugesandt hat. Angesichts dessen bleibt die Frage offen, wer die dauernden Indiskretionen verübt? devisenrückqang? An der heutigen Börse ist zu Beginn der Dollarkurs von 260 auf 258— 259 zurückgegangen, jedoch dauert die Börse bei Schluß des Blattes noch an, so daß der endgültige Tageskurs noch nicht angegeben werden kann. Die gefeffelte Zliegerei. Parks, 7. März.(MTB.) Laut„Petit Parisien" scheint in der Dotschafterkonferenz ein Kompromiß zustande gekommen zu sein. Auf englischer Seite habe man darauf verzichtet, die Frage der ständigen Kontrolle mit der Frage der Zurückziehung der militärischen Sanktionen zu verbinden, und auf französischer Seite habe man eingewilligt, daß die Verlängerung der Kontrolle, und zwar der militärischen, der maritimen und der Luft- kontrolle g e p rii f t werde. Jedoch sei die Schwierigkeit nur auf- geschoben, denn selbst wenn die Interalliierte Militärkommission einen Entwurf zustande bringe, frage es sich, ob die Entscheidungen von Deutschland angenommen würden. Es werde ohne Zweifel versucht werden, das Einverständnis Deutschlands durch das Zu- geständnis der Räumung von Düsseldorf und Ruhrort-Duisburg zu erlangen. Die Räumung widerrechtlich, selbst wider das„Recht" von Ver- sailles, besetzter Städte schon ein Zugeständnis— die Methode ift «cht mehr neu, Schau der deutschen Arbeit. A. S. Leipzig, den 6. März 1922. Den Höhepunkt der Leipziger Messe stellt zweifellos die T e ch n i s ch e M e s s e auf dem städtischen Ausstellungsgelände dar. Hier ist alles vermieden, was die Feilbietung der Pro- dukte unübersichtlich macht. Hier sind die Waren— ähnlich wie in einzelnen wenigen Mcßpalästen der Innenstadt— nach Branchen gruppiert und ermöglichen es dem Be- schauer, gleichsam' einen Querschnitt aus der industriellen Leistung des modernen Deutschlands zu ziehen. Hier haben die großen Konzerne, deren Aufgabe die Herstellung wertvoller Werkzeugmaschinen, elektrotechnischer Artikel, landwirtschaft- licher Maschinen und Automobile ist, ihre Fertigfabrikate aus- gestellt, um sie den in- und ausländischen Einkäufern anzu- bieten. Für die Arbeiterschaft ist diese Warenschau von besonde- rem Wert. Sie sollte der Wallfahrtsort aller Teilnehmer an Gewerkschafts- und Betriebsräteschulen werden, wenn diese dem theoretisch Gelernten den Eindruck des fertigen Werks hin- zufügen wollen. In ungeheurer Fülle drängt sich auf dem engen Raum am Fuße des Völkerschlachtdenkmals die Samm- lung der deutschen Fertigwaren zusammen. Etwas symboli- sches hat das Bild. Oben das Denkmal der Schlacht, wo die trotz des dritten Friedrich Wilhelm mit Oesterreichcrn und Russen geeinten Preußen gegen Napoleon fochten. Gegen denselben Napoleon, der in den von Franzosen besetzten deut- schen Landen den Wegebau und die Regulierung der Elbe mit einem Eifer hat fortführen lassen, der von den Preußen seit Jahrzehnten vergessen worden war. Heute stehen an dieser Stelle Maschinen im Werte von Milliarden. Nur M u st e r sind es. Aber eben, well es Muster sind, Stücke, die die deutsche Leistungsfähigkeit gegen- über dem Ausland dokumentieren sollen, zeigen sie die deutsche Produktionsmöglichkeit. Um die Meßstände drängen sich neben Inlandsvertretern Holländer und Franzosen, auch Ver- treter des fernen Ostens sieht man. Das ist das Wahrzeichen, das erkennen läßt, daß die Industrie tatsächlich mindestens unter den heutigen Berhällnisfen dem Ausland gegenüber noch konkurrenzfähig ist, und daß sich die d e u t s ch e Q u a l i t ä t s- arbeit internationaler Anerkennung erfreut. Hier wett- eifern nebeneinander die kostbarsten Fabrikate der größten in- dustriellen Konzerne: AEG. und Siemens, Rathenau und Stinnes stoßen sich im engen Raum. Und trotzdem ist es nicht der erbitterte Wettkampf derer, die einander zu überbieten haben, sondern sorgfältige Einstellung auf diejenigen b e s o n- deren Leistungen, für die der eigene Betrieb nach jähr- zehntelanger Erfahrung sich als besonders geeignet erwiesen hat. Und neben dem Großen findet sich die riesige Zahl klei- nerer, gleichwohl beachllicher Produzenten aus allen Gebieten der Elektro- und Maschinenindustrie. Besonders treten her- vor die Darbietungen der Firma Krupp, die einstmals die ganze Welt mit Waffen beliefert hat(damit die Völker gegen- einander kämpfen konnten), heute aber mit landwirtschaft- lichen Maschinen, mit den von der Entente so wenig geliebten Dieselmotoren, mit Werkzeumaschinen, Werkzeugen, Präzi- sionsinstrumenten und Tafelgerät d�n Inbegriff friedlichster Friedensarbeit aufzeigt— was auch von Herrn Rollet und seinen Freunden gesehen werden sollte. Erfolgreich in der Konkurrenz mit diesen alten Großkonzernen sind die Deut- schen Werke A.-G., die ebenfalls in Präzisionsarbeit auf den verschiedensten Gebieten industrieller Fertigung Hervor- ragendes leisten. � Aber das sind nur einige Namen. Indem man sie nennt, tut man Unrecht der großen Zahl anderer Wettbewerber, die qualitativ und quantitativ nicht weniger leisten, aber auf dem beschränkten Raum eines Zeitungsartikels keine besondere Würdigung finden können. Unwillkürlich drängen sich bei diesem Bild konzentrierter Arbeit zwei Gedanken auf: der eine, der forscht, wie wohl die Moskowiter Kommunisten diese Summe vielseitiger Arbeit auf des Schema 1? der längst preisgegebenen bolschewistischen Wirtschaftspolitik bringen wollen, und der andere: warum diese Summe von Arbeitskonzentration nicht noch mehr als bisher die Befreiung des Menschen von der Ar- b e i t gebracht hat. Vom erhöhten Platz schaut man über eine Halle von Werkzeugmaschinen, die dicht nebeneinander stehen und in voller Tätigkeit dem neugierigen Beschauer und dem profitlüsternen Einkäufer vorgeführt werden. Eine einzige Maschine leistet in wenigen Stunden das, was kunstfertige Schlosser und Schmiede vor einem Jahrhundert in Wochen, Monaten, vielleicht Jahren kaum hätten leisten können.... Hier bieten Verkäufer Käufern ihre Ware dar. Dann muß man es nachsehen, wenn bei der Darbietung der Erzeug- nisse zwar überall die pompösen Namen der Firmen genannt sind, von denen jeder weiß, welche Geldgeber hinter ihnen stehen, von denen jedoch keiner sagt, daß auch die d e u t s ch e Arbeiterschaft ihr Teil an der Leistung hat, die hier dar. geboten wird, und in ihrem Interesse ist zu wünschen, daß die Frühjahrsmesse zu einem vollen Erfolg führt. Die An- zeichen der ersten Tage deuten darauf hin, daß es der F"* sein wird. SSmhtjfft fbtb«« sich tmter den Firmen solche, die ledig- lich dekoratianshalber dastehen. Sie sind über Wochen und Monate hinaus beschäftigt und haben gar nicht die Absicht, große Austräge mit kurzer Lieferungsfrist hereinzunehmen, weil man nicht weiß, was noch aus der Valuta werden kann. Das ist weniger auf der Technischen Messe der Fall als bei den übrigen Firmen verarbeitenderJndustrien, ä. D. der Textilindustrie und der Industrie der Schnitz- und Formerstoffe. Kann man so hoffen, daß diese Messe dem D e s ch ä f ti» gungsgrad der deutschen Industrie eine wesentlich« Stütze sein wird, so wird diese Aussicht bestärkt durch die rege Be- relligung und den starken Desuch der B a u m e s s e. Hier ist in der Tat Deutschland berufen, führend zu sein. Die Entwick- lung des Wohnungsmarktes, die Pflicht zu äußerster Sparsam- keit beim Wohnungsbau und bei der Ausstattung der Woh- nungen hat ei�e große Zahl verschiedenster Versuche zu spar- � famer Bauwirtschaft und zur möglichst zweckmäßigen Aus- Nutzung der Ofenwärme gefördert. Die Erfahrungen, die die deutsche Industrie auf diesem Gebiete gemacht bat. werden ihr staglos dem Wiederaufbau der zerstörten Gegenden außer- ordentlich zugute kommen. Zwar sind die Preise, an deutschen Begriffen gemessen, hoch Aber gleichwohl werden sie kein Hemmnis sein, wenn sich mit ihnen wirNiche Q u a l i t ä t s- l« i st u n g verbindet— zumal die Valuta es den Fremd- staaten leicht macht, auch hohe Preise zu zahlen. Aussteller bestätigen, daß Interesse und Nachfrag« nach diesen Artikeln beim Auslande recht erheblich sind. Wir können das nur wünschen, s« mehr die Industrie durch die Angleichung ihrer Produktionskosten an die Ge- stehungskosten der hochvalutarischen Industrie fortschreitet. Ganz abgesehen davon, daß es die vornehmste Aufgab« des deutschen Volkes ist und bleiben muß. durch Ausnutzung seiner industriellen Erfahrungen dem Wiederaufbau der Welt und der Deseitlgung des Dölkerhasses nach besten Kräften zu dienen! Ter Reichspräsident auf der Messe. Lelpsig, 7. März.(®X53.) Der Reichspräsident ist heute vormittag aui Berlin kommend in Leipzig eingetroffen. In seiner Begleitung de- fanden sich di« Reicheminister Bauer, Schmidt, Dr. Koester, Gröner, Dr. Radbruch, sowie die Ministerialdirektoren von Schoenebeck und Dr. Meißner. Der Präsident des Deutschen Reichstages Löb«, der Vizepräsident Dietrich und der bayerisch« Gesandt« van Preger hatten sich dem Besuch angeschlossen. Um 10.30 Uhr fand im Plenarsthungssaal des Rates der Stadt Leipzig Im Rothouse ein« Begrüßung de» Reichspräsi- d e n t e n, der Reichsminister und der Vertreter der Landesregierun- gen statt. Im Namen der Stadt Leipzig begrüßte d«r Vorsitzende des Aufsichtsrates des Meßamtes, Oberbürgermeister Dr. Roth«, den Reichspräsidenten und die übrigen Gäste. Er dankte dem Reichs» Präsidenten für das Interesse an der Leipziger Messe. Die Leipziger Messe sei ein Ereignis nicht nur für die Stadt Leipzig, sondern für die gesamte deutsche Industrie. Von ihrem Verlauf hänge der Be- schäftigungsgrad der Industrie für läugere Zelt mit ab. Auch das Ausland«rbllcke in der Messe einen Gradmesser für das deutsche Wirtschaftsleben. Der Direktor des Meßamtes, Dr. Koehler, schilderte die Entwick- lung der Messe in größeren Zügen und zeigte an Zahlen der aus» ländischen Aussteller, daß die Leipziger Messe die einzige deutsche Messe von wirklicher internationaler Bedeutung sei. Reichswirtschastsminister Schmidt erwiderte auf die An- sprachen und gab seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß durch die Messe in den Handelsbeziehungen zum Ausland« bereits ein« Besserung eingetreten sei. Die Reichsregierung habe das größte Interess« daran, daß di« internationalen Handelsbeziehungen gepflegt werden. Das größte Hindernis dabei sei der Friedensvertrag. Im Namen der sächsischen Regierung sprach Ministerpräsident B u ck. An die Versammlung schloß sich eine Führung durch die Messe und das Ausstellungsgelände. Selne Abberufu»g Harveys. Aus Washington wird die Nach- richt von der Abberufung de» Botschaster« in England, Harveh, «ifiziell dementiert. Nationale witzigkeit. Von Hon» Bauer. San» unglücklich kann Ich in diesem Leben unter einer Dedin» gung nicht mehr«erden: unter der, daß der„Kladderadatsch" nicht eine» Dag«, dach eingeht. Es ist etwas Schönes um die Komik, aber es ist etwa» noch Schönere» um di« unfreiwillige Komik. Solche: unfreiwilligen Komik ist der„Kladderadatsch* übervoll. Da prangt zum Beispiel auf der ersten Umschlags«!!« einer der letzten Nummern «in Bild, da» den Reichskanzler Wirth darstellt, dem der personifi- ziert«„Kladderadatsch* au» Fiesko zitiert:„Es weht ein kalter Wind tn Genua, man hat nichts Gutes mit Euch vor, Lavagna!* Das soll «in politischer Witz sein. Ein Bonmot. Tiefer Sinn in scherzhafter Form.—„Man hat nicht« Gutes mit Euch vor, Herr Wirthl* Herr Wirth weih da« natürlich nicht. Herr Wirth ist ja«in Naivling. Herr Wirth läßt sich meuchlings von heimtückischen Wölfen nach Genua locken. Herr Wirth schickt sich an, sich und uns blindlings ins Verderben zu stürzen. Ja, aber, ei Potz: da ist noch der„Kladde- radotsch", der national« und gescheite Herr„Kladderadatsch*, der den Braten riecht und Herrn Wirth rechtzeitig warnt: Es weht ein kalter Wind, Lavagna! Ich rat« Euch gut. Ich weiß es genau. Glaubt mir nur! Ihr versteht das nicht so! Ihr seid ja bloß son Republi- kaner-HSuptling!— Dazu gibt es eine Zeichnung zu sehen: So alt- modisch, so witzlos! Aber dos Herrlichste am.Kladderadatsch*, jene», dessen Lektüre ich nie ohne da» Lächeln einer unendlichen, stillen Fröhlichkeit ge- nieße, ist das Wochengedicht de» Chefredakteurs Paul Warnte. Diese» Wochengedicht befindet sich seit vielen Iahren auf den unteren zw« Dritteln der zweiten Seite, wird in besonder» großen, fetten Lettern gesetzt und bildet so etwas wie den Clou de»„Kladderadatsch*. In der besagten Nummer beginnt es, das meisten» sechsvrrsig«, folgen- dermaßen: Der Mann der Faust voll harter Schwielen. Menn, ihm gefällt, mit Hochgefühle« Des Staate» Bau zu unterwühlen, So schlägt er kühn an seine Brust— Wie leicht kann er da, Ziel errelchm: Stolz faßt er. ohne zu erbleichen, Daß still e, steh, de, Nabe» Speichen. Ziel», klaffen, und auch selbstbewußt. Daß still«» steh! Wer? Es: des Rade« Speichen! Gewiß, ge. «iß: Die Eisenbahner stud im Unrecht gewesen. Und«» läßt sich gegen sie dichten. Wer aber so ungrammatikalisch, so unstilistert, s« miserabel und mit so lächerlichem Pathos gegen ste dichtet, ist noch »iel mehr j» Unrscht. E» zibt indessen, Herr Warnkel, einen Aus» internationale Entlarvungskonferenz I Das Frankfurter„Volksrecht* veröffentlicht einen Artikel von Ledebour, in dem es heißt: Die ganzen Ausführungen, die Stampfer(im„Vorwärts*) über Moskau macht, erwecken den Eindruck, als ob es ihm darauf ankomme, die Kommunisten von der Beteiligung an der Welt- tonferenz abzuekeln. Ich darf wohl auch der Hoffnung Ausdruck geben, daß die Kommunisten nicht darauf hineinfallen werden. Dazu bemerkt die„Rote Fahne": Wir können Ledebour versichern, daß die Kommunisten auf die Weltkonferenz gehen werden. Und zwar mit dem Ziel, dort nicht nur die Mehrheitssozialisten, sondern auch manche Freunde Ledebour» zu entlarven. Die Bemerkungen des kommunistischen Blattes sind eine Bestätigung unserer Ausführungen. Wenn eine„internatio- nale Entlarvungskonferenz beliebt wird, so wird die Sozial- demokratie es sich natürlich nicht nehmen lassen, die Kommu- nisten zu„entlarven". Das heißt, man wird keine positive Arbeit leisten, sondern man wird ein paar Tage lang unter- einander streiten, und die Konserenz wird mit einem negativen Resultat auseinandergehen. Die Meimmg SinowfewS. Moskau. 7. Mörz.(Intel.) Die erweiterte Exekutive der kom> munistischen Internationale hat sich für die Teilnahme an einer ge- meinsamen Tagung mit den anderen sozialistischen Organisationen ausgesprochen, auf der alle Arbeiterorganisationen möglichst voll- zählich vertreten sein sollen. In seiner Schlußrede wandte sich Sinowjew gegen di« Ansicht vieler Mitglieder der russischen Partei, die meinten, man müßte auf der internationalen Konferenz vor allem „mit jenen Sozialisten, die für den imperialistischen Krieg eingetreten sind, abrechnen*. Sinowjew erklärte:„Trotz aller verbrechen Vandervelde, und seiner Gesinnungsgenossen erfreuen sich diese Führer noch immer de» vertrauen» de» konservativen Teils der Arbeiterklasse. Au» diesem Grunde sollten wir die allgemeinen prinzipiellen Fragen auf der internationalen Konferenz nicht auf- werfen." Sinowjew wandte sich gegen di« Argumente der Itolieni- schcn und französischen Kommunisten, deren Abneigung gegen die Einheitsfront verständlich fei, doch fei die Lage heute anders als ISIS, da die Kommunisten die Teilnahme an der Berner Konferenz ablehnen konnten. Heute gelte es, die dringendsten und wichtigsten Tagesfragen der Arbeiterklasse zur Debatte zu stellen, Krlegsbefthäükgte unö Teuerungszusthüffe. vom Reichsbund der Kriegsbeschädigte«. Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebenen wird uns geschrieben: Die Auszahlung der ab 1. Dezember 1921 für Schwerbeschädigte, Kriegerwitwen, Waisen und Eltern gewährten Teuerungszuschüsse ist den Haupt- bzw. F ü r s o r g e st e l l e n übertragen, um möglichst schnell zu helfen. Schon bei der ersten Auszahlung, die vor Weihnachten statt- finden sollte, hat die Berliner Hauptfürsorge stelle Schwierigkeiten gemacht, so daß die erste Zahlung erst im Januar erfolgt ist. Inzwischen ist die Teuerung erheblich gestiegen. Trotzdem ist die Auszahlung der Zuschüsse für Februar noch nicht erfolgt, ob- wohl schon die für März fälligen erhöhten Beträge gezahlt sein sollen. Alle Bemühungen der Organisation waren bis zurzeit erfolglos. Ein Mitglied des Bundesvorstandes, das zugleich stellvertretendes Mit- glied des Hauptbeirates der amtlichen Fürsorge ist, versuchte jetzt nach Besprechung mit Vertretern des Reichsarbeits- mimstenuin» den Leiter der Berliner Hauptfürsorge. stelle telephonisch zu sprechen. Leider oergeblich, da das betressende Telephonfräulein auf mehrfachen dringenden Anruf immer wieder di« Antwort erteilte:»Der Teilnehmer wünscht nicht angerufen zu werde»." Also auf gut deutsch: Die Hauptfürsorgestelle will keine Gespräch« entgegennehmen, um nicht mit Klagen der bedürftigen Hinterbliebenen belästigt zu werden! Auch uns wäre es angenehmer, derartig« Auseinandersetzungen vermeiden zu können. Aber Vor- aussetzung dafür ist eine einigermaßen geregelte Abwicklung der übernommenen Aufgaben. weg, Herr Warnte!, au» Ihren Gedichten Möglichkeiten herauszu- holen, Herr Darnke!, daß man die Platz« kriegt, Herr Warnke. Pallenberg müßt« sie vortragen. Hat Jenaer noch nie daran ge- dacht? Es liegt nicht viel a« dem Fetidruckdlchter Warnke und an dem nationalen Witzblatt.Kladderadatsch' Aber, Herr Warnte: es ist doch ein seltsam Ding darum, daß man, wohin man spuckt und guckt, man bei Euch keinen Karikaturisten findet, wie die von Link, ihn etwa in Georg« Groß, und kein« Satiriker, wie die von Links ihn etwa in Theobald Tiger haben! Was seid Ihr für fade Leute! Wa» pathetisiert Ihr in Satzanatoluthen, wo die von Links Feuer spritzen. Legt Euch schlafen, Ihr Rationalen l Ihr könnt ja bloß pflaumen, aber lästern könnt Ihr nicht. tanzert de, Deusschen ArbellersänGerbande,. Da» war eln fröhlich Treiben am Sonntag im Konzertsaal Friedrichshain. Fünf verschiedene Chöre rangen da um die Palme, dazwischen musizierte dos Licbermann-Terzett, das Ganze umrahmt von zwei großen Gcsanochören. Es ist ein energisches, zielbewußtes Streben bei allen Chören zu erkennen, belohnt durch«in« Anteilnahme de, dicht- gedrängten Publikums, die wohltuend wirkte. Da ist die„W e d- d t n g e r Harmonie*,»«» kleiner Chor von höchsten, 30 Mann, dem leider etwas da» große Material fehlt. Aber Kurt Stock hat leine Sängerschaft fest in der Hand, klipp und klar kommt jeder Ein- satz, der Text ist ohne Programm absolut verständlich. Männerchor ,.L e r ch e* unter Rohrbach, dem tresflichen Gesanzchormeister, gibt sich technisch etwa» ungezwungen, die Intonation ist nicht immer rein, aber Schwung und Massenwirkung sind da. Der gemischt« Chor„Norden* hat unter seinem neuen Dirigenten Paa, drin- gend mehr Männerstimmen nötig, singt etwa, ungedeckt, sonst ist alles in Ordnung. Zwei ganz vorzüglich» Perein« find der Männer- chor W e d d i n g unter Chorweister Heid und der Berliner Schubert-Chor«mter Päschte. Der erster« ist an gesanglicher Kultur dem letzteren etwa» überlegen, der zweite dem erster«» durch seinen wunderbaren, weit ausholenden Vortrag. Im„Wedding* quillt etwa» rheinisch« Eangesfreudigteit, im Schubert-Chor sind nordische Tief«, verhaltene» Atme« im Piapo und ausbreichender Stur« im Fort« da» bemerkenswerteste. Heinrich Maurer. Da, Marionetten kheaker Vresdener Künstler spielt seit mehreren Wochen im Drahme-Saal, Lützowstraße. und bat jetzt in seinem Spiel- plan auch einige Opern aufgenommen, die sich auf der Puppenbühne längst_ bewährt haben: Mozart« Schäferspiel„V a st i« n und P a st i« n n e und Offenbachs„M ädchen von Elizond»*, zwei liebreizend anmutige, heitere und komikgesegnet«, unvergäng- lick)« Werte. Die Sovranpariien singt Shna Li» orsi kunstgerecht und seelenvoll, den Baßbuffo Gustav P o l z« n vollendet und mit köstlichem Humor: der Tenorist Max Schwalbe reicht gut für Offenboch au», für Mozart schon weniger. Wie aber die Holz. figuren zum Sang in« Takt sich wiegen, wie sie tanzen und ihre Worte ernsthaft bekräftige«, da» ist nun zum Entzücke» gar. Dem Klavierspieler Hardi.Poj«ia«»k, alle Anerkennung.— �eiüenau— Reichsgericht— Naven. London, 7. März.(Reuter.) Unterhau». In Beantwor- tung einer Frage, ob der Direktor und der Wertführer der R ock- stroh-Werke in Heidenau bei Dresden verhaftet seien, und ob Schritte unternommen würden, um ihre Flucht zu verhindern, sagte C h a m b e r l a i n, es sei vor kurzem die Nachricht einge- troffen, daß di« deutsche Regierung gegen die Familie Rockstroh und andere Mitglieder der Firma ein gerichtliches Verfahren ein- geleitet. Die Frage der gegen ein Entkommen dieser Personen zu ergreifenden Maßnahmen sei eine Angelegenheit, für die die deutsche Regierung verantwortlich sei.— Auf eine weitere Frage, ob die britische Regierung den Obersten Rat ersuchen werde, der Veröffentlichung des Berichtes des Rechtssachverständigenausschusse» über das Verfahren vor dem Leipziger Reichsgericht zu- zustimmen, erwiderte Chamberlain, der Oberste Rat werde über die Frage der Veröffentlichung um seine Ansicht befragt werden.— Hurd fragte, ob die Aufmerksamkeit des Premierministers auf die antibritische und antifranzösische Propaganda gelenkt worden sei, die der drahllose Pressedienst in Nauen über die ganz« Erde verbreitet und welche britischen drahtlosen Mittel zur Perfügung stäirden, um diese unheilstiftende Tätigkeit zu bekämpfen. Chamberlain erwiderte. die Antwort auf den ersten Teil der Frage laut« bejahend. Drei Funksprüche mit britischen Nachrichten würden täglich vo« der Nach- richtenabteilung de» britische« Auswärtige« Amte» oerfaßt und sou der Funkenstation in Seafield ausgesandt. Sie wurden i« den meisten europäischen Ländern und von den Scknfte« auf See auf- gefangen und weiter verbreitet. Di« Pollendung der Funken- station in Kairo«erde e» hoffentlich ermöglichen, daß diese Funk- spräche nach dem fernen Osten übermittelt und dort in ähnsicher Weise verwendet Oürde»._ Um die Archive des d"C>rsop. Pari,. 7. März. l«TV.) Di« Liga für Menschenrechte hat beim Ministerpräsidenten Poineare nochmals beantragt, dem Bei- spiel von Deutschland und Oesterreich zu folgen und die veröfsent- lichung der in den Archiven lagernden Akten über den Krieg»- Ursprung zu veranlassen. Dieser Schritt der„Liga* stellt insofern einen gewissen Fort- schritt dar, als noch ver einem Jahre der vorstand de:„Liga* sich beharrsich weigerte, einen solchen Schritt zu unternehmen, und die Frage der Kriegsschuld al»„csuso jugee" bezeichnete. Diese Haftung rief bei einigen ihrer Mitglieder heftigste Proteste hervor. Eine Per- öffentlichung der französischen Archive kann aber nur dann einen ge- schichtlichen Wert beanspruchen, wenn sie, ähnlich wie in Rußland, Deutschland und Oesterreich, von Sozialisten oder anerkannte« bürgerlichen Pazifisten, zumindest aber unter ihrer strengen Kon- trolle, erfolgt und nicht den an einer Vertuschung der wahren Tatbestände interessierten Strohmännern Poincarä» am Qua« d'Orsay überlassen bleibt. Unabhängige Zlunkerelen. An» Ostpreußen wird uns geschrieben: DI« Berliner„Freiheit* wußte vor einiger Zeit zu melden, daß der Ortsverein Marien- bürg der SPD. geschlossen zur USP. übergetreten sei und daß sich da, sozialdemokratisch« Sekretariat in Marienburg dar. aufhin aufgelöst habe. Diese Notiz entspricht nicht den Tat- fachen. Weder ist die betreffende Ortsgruppe zur USP.� über- gegangen, noch ist da» Parteisekretariat aufgelöst worden. Tatsächsich ist vielmehr der SPD.-Sekrctär von Marienburg noch Allcnst-in übergesiedelt, weil er infolg« vermehrter Arbeit seinen Wohnsitz mehr in das Zentrum des Bezirks oerlegen mußte. Es ist die alte Ge- schichte. Wenn man nicht mehr weiter weiß, fängt man zu flunkern an. Don einzelnen Orten abgesehen, ist die USP. inO st preußen zusammengebrochen. Dor kurzem erschien z. B. der Geschäftsführer der„Rsten Fahne des Ostens* in der Geschäftsstelle j unserer.'Königsberger Polkszeitung* und fragt« an, ob die„Rote Fahne* nicht in der Druckerei der.Königsberger Polkszeitung* hergestellt werden könne, da die unabhängig«„Freiheit* in Königsberg doch bald zusammenbreche« werde. Wenn die unabhängig« Parteiorganisation in Ostpreußen«ine so stetige und er- freulich« Entwicklung nehm«« würde, wie die sozialdemokratische, hätte sie nicht nötig, zu solchen Mittel« zu greife«. ner«t«o.». Vliir», obeud» 6'!, Uhr. fi«it. stur Rngiidru!-« gelanze» U fffti#e unter Nezi« von D. Z>!,nk, und ist. Vsisl«»«ttz(Motkiuer Künstler-ltzealcr). ?«» Lessiug»Zchenter tz,t stran» Berftlo neue» Brn», .5?» rf» j 1 1« n«' und Ionchi«»on»er Goltz' riagtbi« .»ater»nd»otzn* zur«uGvtzrung»»»erden. Jugenöherbergswoche. Jflt Zunz-Rtukökn ein Wandernefl. £w SMffnunz der Zugendherbergswoche, die für die Schaffung»an Herbergen der wandernden Jugend wirbt, fand «im Montag in Neukölln eine öffentliche Versammlung statt. Der Leiter des Neuköllner Bezirkssugendamtes, Stadtrat Schneider, wies in einer Ansprache daraufhin, wie sehr die Zusammenballung der Bevölkerung in Troßstädten mit ihren Mietskasernen und ihrem Wohnungselend es nötig macht, der Jugend die in gesund. heitlicher und erziehlicher Hinsicht so förderlichen Wonderfahrten zu erleichtern. Bei der fortgesetzten Steigerung der Zehrungs- und Untcrkunftskosten und auch der Eisenbahnfohrpreise seien die Bestrebungen des Reichsausschusies für Jugendherbergen zu unterstützen, der im deutschen Reich bereit« 1100 Herbergen für die wandcrfrohe Jugend eingerichtet hat. Für den Nachwuchs Neuköllns wird in M o tz e n m ü h l e, an der Kleinbahn Königswusterhaufen— Mittenwalde— Töpchin, eine Her- berge geplant, die als Nest für jugendliche Wanderer eine einfache . Unterkunftsstätte bieten wird. Dazu ist aber Geld erforderlich, zu besten Aufbringung die aus Jugendvereinigungen aller Richtungen sowie aus Elternbeiräten und der Lehrerschaft zusammengesetzte Ortsgruppe Neukölln de. Brandenburgischen Zweigausschuste, für Jugendherbergen die Bevölkerung bittet, daß jung und alt sein Lcherflein beisteuern möge. Die Versammlung bot außer diesem werbenden Bortrag noch stimmungsvolle Lieder des Neuköllner Lehrergesangvereins, tüchtige turnerisch« Leistungn«ine» Turnverein» und»»« Lugendlichen sehr hübsch auigeführte Volk». iänze. « Der verein Arbeiterfugend Groß-Berlin hat stch in dieses groß« Wert eingegliedert. Er hat selbst den Bau einer solchen Jugendherberge in Angriff genommen. Während der Ju- gendherbergswvche werden folgende Beranstaitungen getroffen, um deren Besuch wir die erwachsene Arbeiterschaft herzlichst bitten: Heute, Dienstag, 7 Uhr, Kunstabend in Neukölln, l. Lyzeum, Ber» liner Straße. Donneretag, den 9. März, Bunter Abend im L-essing. Gymnasium, Bankstr. 18. Sonnabend, den 11. März, abend» 7 Uhr, Lvlkskunstabend im Leibniz-Gymnasium, Mariännenplatz 28. Gen. Fr. Wendel wird sozialistische Satiren zu Gehör bringen. Sonntag, den 12. März, abends 7 Uhr, Bunter Abend In Schöneberq, RüSert- schule, Raetherstraße. Sonntag, den 12. März, abend, 7 Uhr. Ju- gendfeier in Kaulsdorf, Schule Adolfstraße. Eintrittskarten a 2 M. zu ollen Veranstaltungen sind an der Tageskaste und bei den Funk- tionären des Vereins Arbeiterjugend Eroß-Berlin zu haben. Außerhalb findet täglich von S bis S Uhr im Jugendheim, Berlin, Lindenstr. 8, 2. Hof Z Treppen und im Jugendheim in Neukölln, München er Str. 52, eine Ausstellung und B« r k a u f guter Bücher und sämtlicher Wanderausrüstungsgegen- stände statt._ Was wird mit üem Tempelhofer Zdö? In der Anwohnerschaft de, Tempelhofer Felde», in Volkssport- vereinen und auch in Neuköllner kommunalen Kreisen— der 14. Bezirk will bekanntlich auf dem Tempelhofer Feld einen großen Sport- und Jugendspielplatz errichten— haben die letzten Nachrichten über die beabsichtigt« teilweis« Hergabe des Tempelhofer Felde» zur Er- richtung eine» Lufwerlehrshafen» lebliaft« Unr:rk>« erregt. Wie WTB. nunmehr bekanntgibt, sind diese Mitteilungen irreführend. Da» Reichsoerkihrsministerium verhandelt seit längerer � Aeit mit dem Reichsschatzministerium über die Nutzbarmachung eutes Teiles des Tempelhofer Feldes für Eisenbahn- zwecke. An diese Verhandlungen knüpften sich auch Dorbcsprcchun- ~'-«n über die Möglichkeit der Schaffung einer Zwischenlande- stelle für Verkehrsflugzeuge, die jetzt teils in Staaken, teil'« in Johannistal starten. Da beide Orte von Berlin weit— etwa 12 und 15 Kilometer— abliegen, ist der Verkehr zum und vom Flugplatz mit großem Zeitverlust verbunden. Dasselbe gilt bei dem etwaigen Uebergang von einem Flughafen zum andern— etwa 28 Kilometer Entfernung, um von dort die Reis« im Flugzeug fort- zusetzen. Das Ergebnis der schwebenden Verhandlungen ist mit Sicherheit noch nicht zu übersehen; es hängt davon ab, ob es ge- lingt, einen zweckentsprechenden Ausaleich zwischen den verschiedenen am Tempelhofer Felde beteiligten Interessen sowie auch ein« die gerechten Ansprüche der Luftreedereien befriedigende Lösung zu sin- den.— Die an der Erhaltung der Dolksgesundheit interestierten Per- Jonen und Korporationen haben jedenfall, den einen Wunich, daß rte jetzt noch freien Teile de» Felde» sowohl von der Eisendahn als auch vvm Luftverkehr verschont werde». Das Märchen vom Golögehalt. Me böse SerSchke enkskehen und geglaubt wetdcn. Die Entstehung de? lächerlichen Mär von den Unsummen kn Gokd. die der Reichspräsident und die Minister als Geholt in blankem Gold« ausgezahlt erhielten und die von böswilliger Seite«eidlich ausgenutzt wurde, ist jetzt von der Berliner Kriminalpolizei, die den Urhebern schon lange auf der Spur war, aufgeklärt worden. Ein Mann au» Brandenburg a. d. H. lernte ans der Cisenbahnfahrt in einem Abteil l. Klasse ein« grau in mittleren Jahren kennen, die sich Marie oder Martha Keller nannte. Sie befand sich in Begleitung eine» etwa 12 Jahr« alten Mäixhen», da» sie Elvira oder Eva rief. Im Laus« der Unterhaltung kam man auf die allgemein« Natkage zu sprechen und der Mann klagt«, daß auch er darunter leid«. Da erklärte die Frau, sie könne ihm helfen, weil sie„im K r i e g» m i n i st e r i u m beschäftigt' sei. Im Verlauf der vekanntsehast erzählte die Frau, daß die.Regie- rungsdeamten vom Reichspräsidenten abwart» ihr Gehalt in Sold erhielten'. Eo bekomm« auch sie al» Angestellte d«s Kriegsministeriums für SiXK) M. Papiergeld den glei- che» Betrag in Gold. Leider habe sie ouaenblicklich nur noch 1500 Mark Papiergeld, so daß ihr jetzt 1500 M. Gold verloren gingen. Der Mann char gern bereit, der goidreichen Frau 1500 M. Papiergeld zu bargen, um so lieber, al» sie ihm zum Psande eine kunst» lederne Aktentasche ließ, die wichtig« Papiere de» Krieqsmmist«- rium» enthalten sollten. Aus die Rückzahlung der 1500 M. wartete «r jedoch vergeblich. AI, der vertrauensselig« sich endlich sein Pfandstück näher ansah mußte er zu seinem Leidwesen feststellen, daß die Aktentasche nicht« al» ein Gesangbuch und alte Wäsche enthielt. Mit diesem Trick hat die Schwindlerin, s« unglaublich da» auch klingen mag, nicht Koß te der Provinz, sondern auch in v er- lin in vielen Fällen Erfolg gehabt. Aus dies« Weise ent- stand da» Gerücht»«n dem Goldgehalt de» Reiihsprösibenten und der Regierung. Der Kriminerlpvlizei ist«» jetzt gelungen, festzu- stellen, daß die S-hwindlerin eine 58 Jahre alt« Rasa Zaremba est, die schon im Jahre ISIS wegen vieler Betrügereien zu einer län- geren Gefängnisstrafe oerurtellt wurde und setzt nach verbüßung thver Strafe umherreist, um Mit dem neuen Schwindel Gesthäste zu machen. E» ist«»ch nicht gelungen, ihrer hob hast zu werde«. NaRbm-rd»ei>v Liter Vollmilch an Kartenkun- den abzugeben(gegenüber bisher 5 Liter je Kuh und Tag). Die darüber hinau» erzeugte Menge können sie freihändig zum Preise von 8,80 M. verkaufen. Die Kuhhaltrr erhalten aber zum 4-Rark-Kartenmilchpreis« einen Barzuschuß von 1 Mark vom M i l ch a m t, daneben«ine Zuweisung erheblich verbilligter milchtreibender Kraftfuttermittel, die auf die Güte der Milch einen erheblichen Einfluß ausüben. Durch diese Hilfsaktion sind die Kuh- Halter in der Lage, bei rationeller Bewirtschaftung ihre» Betriebe» eine auskömmliche Existenz zu finden. Di« von einem Teil dee Kuhhalter geübte grundsätzlich« Abweisung von Kartenkunden mit der Begründung der«ngeblichea Notlage der Kuhhalter ist daher nicht gerechtfertigt. Die Vollmilchkarten für den Monat April 1S22 werden in sämtlichen Groß-Berliner Verwaltungsbezirken in Ali- Berlin für die Kinder im 1. und 2. Lebensjabre am Freitag, den 10., Sonnabend, den 11., und Montag, den 15. März, für die Kinder im 5. und 4. Lebensjahre am Dienstag, den 14., Mittwoch, den 15., und Donnerrtaq, den 18. März 1022 ausgegeben. Ferner gelangen /�-Karten IKarten für«erdende Mütter) zur Ausgab«. Di« A 1- und A II-Kinderkarten erhalten se% Liter und die B I. und B II- Kinderkarten sowie die A-Btilchkarten(für werdende Mütter) je ü Liter Frischmilch täglich. Die Inhaber von Milchtarten haben die Aprll-Milchkarten di» zum 24. März dem Milchhändler vor- zulegen.____ Die Wetteroerwendnnz der Skeveekarten von 1921 ist in diesem Jahre gesetzlich unzulässig. In der letzten Zeit ist wiederholt fest- gestellt«orden, daß Arbeitgeber und Arbeitnehmer die leeren Markenblätter au» den Steuerkarten des Jahres 1921 zum weiteren Einkleben der Steuermarken für 1SZ2 benutzt haben. Das ist nach de» bestehenden Bestimmungen unzulässig. Die Steuerbücher, die seweil» vor Beginn de» Steuerjahre» ausgestellt werden müssen, gelten nur für da» betreffende Sleuerjahr, da» mit dem Kalender- jähr übereinstimmt. In»er v»rtron«reiHe für Kleingaetenwtrtschok» mmb Mkmymte«- recht de« Kiringmtenamtt« T e m p e Ib» f spricht merzen. Witivsch,»en»„ 7'/, Nhr nbrnd», in der Aula de» Aeol�pmnasiiini» jn Tempetdob Kaiserin- Hn k»sl ä«»»r t»« s eren» resericre«._ Wetter für»»rge«. Werlin»nd Ningegcnb» Ein wenig tübser, zeMoetse bester, seboch unbesiZndig. mit iviederholten Itegensälleu»nb frische» süb«»stliche« big »rstlichen Winden._ Die Leiche im Neifekoffer. Bei der Kriminalstelle im Leipziger Haupt da hnhof wurde am Montag abend von Dienstmännern ein Reisekorb abg»« geben, der ihnen zur Beförderung nach einem Zug« übergeben«or- den war und in dem die Leiche eine» gut gekleideten Mannes gefunden wurde. Dem Toten war der K o x f»am Rumpfe getrennt. Um einen Raubmoed scheint e» stch jedoch nicht zu handeln, da Wertsachen wie 8>eld und Uhr gefunden wurden. Der Ermordet« scheint ein Pelzhändler mosaischen Glaubens zu sein. Die Tat kann nach den bisherigen Feststellungen schon vor zwei bi» drei Tagen begangen worden sein. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei sind im Gange. Groß-6erliner Partewachrichten. Morgen. Mittwoch, den 8. Marz: tttatmt* Mitaliederverlawmiuna. Soqteordmir»: l. Noinmanale«. 8. �wto- layswadleu X Parteiangkttzenheiten. Ca« Ecscheme» aller Milgitedrr lW. Viöt/'sytifecnfe«. 71/, Uhr, MitaNederversamwIima im S»faT SLnsel, Berlin» «lllee»Z,(We Leders, raße. T»ge»»rdtumg: SozUllboWodmtte u»» Strellrecht. Ztes-rriU tlctui Hau»!«. GeWerMafisbewegung V!e Serliner Gewertschasten unü Sie letzten Streiks. Die B-erliner Ortsausschüsse des 2ID Z i s k a trat den Ausführungen Jägers entgegen und wies dar- auf hin, daß sich Radek, der doch als einer der ersten Führer von s Moskau gelte, ganz entschieden für die Erhaltung der heutigen Re- gierung im Interess« der Arbeiterschaft ausgesprochen habe.- Für die Theorie, daß erst ein Trümmerhaufen geschaffen und dann auf dem Chaos neu aufgebaut werden müsse, sei in der A r b e i- j t e r s cha f t k« i n Verständnis vorhanden. Lagodzinski habe, bestritten, daß e» sich bei dem Streit der Gemeindearbeiter um einen„wilden" Streik gehandelt habe. Es stehe doch aber. fest, daß chber den letzten Schiedsspruch nicht einmal abgestimmt worden sei. Deshalb Hab« die Gesamtorganisation den Streik nicht sankltonieren können. Der Streik hatte nach den Satzungen keine Berechtigung, war also im vollen Sinne des Wortes ein„w i l-■ der". Es sei schwer verständlich, nri« man sich über die ein». fach st en gewerkschaftlichen Grundsätze hinweg»! fetzen konnte. Und hier müsse das um so mehr bedauert werden,! weil es sich um einen Streik handelte, unter dessen Auswirkungen gerade die Arbeiterschaft Berlins am schwersten zu leiden hatte.> Auf Antrag llrkch wurde die Versammlung noch einmal ver- tagt, um die Aussprache zu Ende zu führen und über die Richtlinien zu entscheiden. Die Richtlinien haben folgenden Wortlaut: Die wirtschaftlichen Kämpfe der Arbeitnehmer in der jüngsten Vergangenheit und Gegenwart haben gezeigt, daß die gerwerkschaft- liche Disziplin eine bedenkliche Lockerung erfahren hat. Die Berech- tigung dieser Kämpfe ist unbestreitbar, denn sie sind eine Folge der sozialen und wirtfchastlichen Not der Arbeitnehmcrschast. Solange kein Stillstand im St«igen der Preise der lebensnot- wendigsten Bedürfnisie des Volkes eintritt, die Teuerungswelle im Geganteil noch größer und gewaltiger wird, werden diefe Kämpfe noch mehr wie bisher zu einer zwingenden Notwendigkeit werden, wenn das arbeitende Volk nicht seelisch und körperlich zugrunde gehen, sondern seine Arbeitskraft erhalten will. ' Wenn aber diese Kämpfe von Erfolg sein sollen, muß die alte erprobte gewerkschaftliche Disziplin erhalten bleiben. Das bedingt, daß Vorbereitung und Führung der wirtschaftlichen Kämpfe Sache der gewerkschaftlichen Organisationen ist. Darum beschsieht die gemeinsame Plenarversamm» lung der Gewerkschastskommission und des Orts- kartells des Afa- Bundes, daß bei künftigen Lohnbswe- gungen nach folgenden Grundsätzen gehandelt wird, wobei es ganz selbstverständlich ist, daß die in Be- tracht kommenden statutarischen Bestimmungen der betreffenden Organisationen beachtet werden: 1. Di« Vorbereitung und Führung der Lohnbewegung liegt in den Händen der Organifationsleitung, die zu ihrer Unterstützung die verantwortlichen Funktionäre der betreffenden Gruppen(Branchen, Sparten) heranzieht. 2. Streiks dürfen erst dann beschlosien werden, w«nn alle Ver- Handlungsmöglichkeiten erschöpft sind. Z. Sind an Lohnbewegungen in einer Industrie mehrere Organi- sationen beteiligt, so müssen sowohl an den Vorbereitungen als auch an der Führung derselben alle in Frage kommenden Organisotions- leitungen refp. deren verantwortliche Beauftragte teilnehmen. In diesen Industrien sind Lohn- resp. Tarifkartelle die hierfür ge- eigneten Organe. Wofern Lohn- oder Tarifkartelle noch nicht vor- Händen sind, sind diese schnellstens zu bilden. 4. An der Abstimmung über einen Streik in solchen Industrien müssen die organisierten Beschäftigten aller Organisationen teil- nehmen können. Ein Beschluß über einen Streik hat nur dann Gültigkeit, wenn er den statutarischen Bestimmungen der beteiligten Gewerkschaften entspricht. b. Ohne Verständigung der übrigen beteiligten Organisationen . resp. der Lohn- und Tarifkartelle darf keine Ortsocrwaltung weder � eine Lohnbewegung einleiten, noch einen Streik sanktionieren. ä. Tritt eine Gruppe von Beschäftigten gegen den Willen der Organisation in einen Streik(sog. wilden Streik), so darf keine Orts- Verwaltung Streikunterstützung zahlen, bevor sie sich unter Angabe \ der sie hierbei leitenden Gründe mit den übrigen Organisations- , leitungen verständigt hat. Kommt keine Einigung zustande, ent- > scheiden die Ausschüsse der Gewerkschaststommifsion und des Afa- Bundes endgültig. 7. Wenn die Kraft der die Lohnbewegung führenden Organi- sation nicht ausreicht, den Kampf allein erfolgreich durchzuführen, so kann sie einen Antrag auf Hilfe aller Organisationen an den Aus- schuß der Gewerkschaft-kommission und des Ortskartells des Afa- Bundes stellen, sofern sie die Zustimmung des Hauptvarstandes der Organisation gefunden hat. 8. Diese Ausschüsse der örtlichen Spitzenorganisationen, Eewerk- schaftskommission und Oriskartell des Afa-Dundes, haben in gemein- samer Beratung unter Beachtung der Beschlüsse der Gewerkfchofts- kongresf« zu prüfen, ob die Verantwortungen für die Hilfeleistung aller Organisationen gegeben sind und in wetzcher Form und in welchem Umfange dieselbe geleistet werden soll. S. Beschließen die Ausschüsse, daß der Lohnkampf zur gemein- samen Sacke aller örtlichen Organisationen gemacht werden soll, so haben sie einen diesbeziiglichcn Antrag an eine a) gemeinsame Vorständekonferenz. b) gemeinsame Plenarversammlung der Gewcrkschaftskommisflon und des Ortskartells des Afa-Bunde» zu stellen. 10. Erst dann, wenn die unter Ziffer 7 bis S genannten Körper- schaften beschlossen haben, können alle örtlichen Organisationen zur Hilfe für einen Lohnkampf aufgerufen werden. j 11. Dem Aufruf zum gemeinsamen Kampf haben alle Organi-> sationen Folge zu leisten. 12. Bei einem Solidaritätskamvf aller Organisationen nimmt! eine Vertretung der Ausschüsse der Gewerkschastskommission und des Ortskartells des Afa-Dundes an der Streikleitung teil. 13. Wird durch ein« Lohnbewegung von einer oder mehreren Gruppen von Beschäftigten die unbeteiligt« Arbeitnehmerschaft des ganzen oder eines erheblichen Teiles des Wirfchoftsgebietes Groß-' Ve lin in Mitleidenschast gezogen, so ist es Pflicht der die Bewegung führenden Organisationen, vor Quntritt in einen Streik eine Ver- � ständinung mit den Vertretern aller A�beiMehmerorganisationen her-! bcizuführen. Auch die Lohn- resp. Tarifkartells find nicht befugt, � über einen solchen Streik allein zu entscheiden. Den Weg zu dieser Verständigung weisen die vorstehend aufgeführten Bestimmungen unter Ziffer 7 bis 9. f 14. Notstandsarbeiten, ganz besonders in lebenswichtigen Be- trieben, werden nach noch näher zu bestimmenden Richtlinien auf Arnveisunq der Organisationen von den an der Lohnbewegung be- teiligten Arbeitnehmern selbst ausgeführt. Di« Technische Nothilfe lehnen die Gewerkschaften ab. Das gemeinsame Interesse aller Arbeitnehmer macht es den der Gewerkfchaftskommission und dem Ortskartell des Afa-Dundes ange- schlossencn Organisationen zur P'licht, bei künstigen Lohnbewegungen nach diesen Richtlinien zu handeln. i NeueS Lohnabkommen in der Lederwarenindnstrie. Am 3. März beschäftigten sich die Mitglieder der Lederwaren» branche des Sattleroerbandes in einer stark besuchten Derfammlung In der Königsbank mit dem Ergebnis der letzten Reichs tarifver- Handlungen in Frankfurt a. M. Kollege Blume referierte. Er hob das Bestreben der Unternehmer hervor, um billiger zu produzieren, die verschiedensten bisher von Facharbeitern geleisteten Arbeiten, vom Tarifamt als Hilfsarbeiten erklären zu lassen. Dies müsse bekämpft werden, weil damit verbunden sei, die Löhn« allgemein her- unterzudrücken. Das Lohnabkommen selbst bringe ein« Erhöhung der Tariflöhne, so daß jetzt derMindestlohnsürFacharbeiter über 23 Jahre 13,25 M. beträgt, für Hilfsarbeiter 14,80 M. und für Stepperinnen über 20 Jahre 10 M. Die Lehrlingssätze wurden wie folgt geregelt: im ersten Jahr 70 M., im zweiten Jahr 90 M., im fünfien Halbjahr 103 M. und im sechsten 5)albjahr 120 M. die Woche. Die Zulagen sind generell, kommen also aus den bestehen- den Lohn, Die bisherigen Teuerungszulagen werden aufgehoben, so daß nur noch Tariflöhne bestehen. Für Akkord- a r b« i t e r gilt die Bestimmung, daß alle Stücklöhne aufge- hoben sind und auf der Basis des neuen Mindestlohnes neue Preise gemacht werden müssen. Die'e müssen so berechnet sein, daß ein Akkordarbeiter nickst unter 16,80 M. pro Stunde verdienen darf. Dies ist der Garanlietohn. In der Diskussion sprach nur ein Kollege, welcher Ausführungen zur gleitenden Lohnskala mackte und sich'davon j nichts verspricht. Dann nahm man Stellung zur Ueberstundensrage i und hierbei wurde noch einmal in Erinnerung gerufen, daß Ueber- ! stunden nur mit Genehmigung der Ortsverwaltung gemacht werden dürfen. � In der Zelte- und Plänefabrikalion ist ein neuer Manteltans ge- ! schaffen worden. Hier werden mit Ausnahme des Bußtags und des ! Himmelfahrtstaaes all« Feiertags bezahlt. Urlaub gibt es nach einem ! halben Jahre 3 Jahre, nach einem Jahr 3, nach zwei Iahren 6, nach drei Jahren 8 Tage und jedes weitere Jahr 2 Tage mehr bis zur Grenze von 14 Tagen. Kehrt ein Arbeiter innerhalb sechs Monaten in seinen alten Betrieb zurück, so wird ihm die frühere Belchäftiaung i angerechnet. Der Lohn beträgt für Fackarbeiter 17.73 M., für Hi'fs- ! arbeiter 15,55 M., für Mchchinennäherinnen 13,50 M. und für Hand- ! arbeiterinnem 11 75 M. Bei Montagearb-iten gibt es 1 M. pro Stunde Aufschlag.«_ Die Gewerkschaften in Schweden. Der Bericku des Gewerlickatlkbunbek. über dos Iobr 19?l ver- �«ickmet einen Rück ang rer Mttnliedcrzabl von ungefähr 7 Pro,. Dieicr Umband ist der Wirlsckmsi�krise ziiziisibreiben. Be, anders die Gewerks-hait der F a b r i k a r b e i t e r bal an Zahl emgebügt. Aui der anderen Seile wird der Gelverlswattsbund dnrcki den An- scbluß der Eisenbahner und Papierarbeiter von , Ankang 1922 um 50 000 Mitglieder zunehmen. Die Gewerk« i ichaflen der Text'l-, Land« und Elektrizitäisorbeiter sind immernoch nicht dem GewerkschartSbund beigeireien. Für Arbeitslosenuntcr- stnhungen haben die Gewerkschaften 10 Millionen Kronen verauS« aabt wovon die Häl'te auf die Metallarbeiter entfällt I» der Industrie sind Lohn Herabsetzungen im Umsang von 20— 23 Pro,, vor- genommen worden. Die gewerkschaftliche Arbeit bestand größtenteils in dem dagegen geführten Kampfe. Ver verband der Fabrikarbeilcr. Ortsverwaltung Berlin, teilt mit: Der Streik bei der Firma C. Müller. Gummiwarenfabrik. A.-G., W e i ß e n s e e, ist durch Deraleichsverhandlungen beigelegt und die Arbeit am Montag, den 6. März, geschlossen aufgenommen worden. Der Streik in den Deutschen L e g r i t w er k en, Inhaber Lind- ström, Berlin, Krautstr. 52, ist beendet. Die Lohnbewegung in der Seifenindustrie ist beendet. Die neuen Lohnsätze können im Bureau des Verbandes, Engcluser Nr. 24—25, Ausgang C I, in Empfang genommen werden. Zu den Differenzen der Maschinensetzer mit der Firma W. u. S. Loeluenlhal erhielten wir von der Firma folgende Berichtigung: „Es ist unwahr, daß die Maschinensetzer unserer Firma„infolge Tarifstreits" gekündigt haben. Wahr ist, daß über Bezahlung der stromlosen Tage das Schiedsgericht entscheiden sollte, die Gehilfen dies« Entscheidung aber nicht abgewartet höben, fondern geschlossen kündigten." Die Tarifsireiligkeilen im Berliner Hochbau-, Tiefbau- und Beiongewerbe haben den Oberbürgermeister veranlaßt, sich an den Reichsarbeitsmimster zu wenden, um auf die ernste Bedrohung des Berliner Wirtschaftslebens hinzuweisen, die sich ergibt, wenn diese Differenzen über den 1. April hinausgehen, wo der Tarif abge- laufen ist. Der Neichsarbeitsminister ist daher gebeten worden, eine Einigungsverhandlung zu veranlassen. DeräniwT" KiTT«»- SSätt."' TeU"«ran,'«liih»"B-rlinsLichterfeIdei� fttr" zcificn: Tl,. GtoSe, Berlin. Verlag Vorwiirts.Veilrig G. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwö�s-Buclidruckerci u. Verlagsanftalt Paul Singer u. Co.. Berlin. Lindenltr. 8. MOBEI laufen Sic sehr vorteilhaft im Spezial« Möbelhaus G.CAMN1IZER Schönhauser Allee 83 Ecke Wichertstraze,«rn Ntngbahnh. SckjSn- Häuser UtQca und Hochdahnst. Uordrlng jNVuMIieWMMtiilllZig, Ho!)'. Sildtt". 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Geöffnet von S— 6 Uhr.— Prinzenstr. 81, Hof recht« patt.(Bc- öffnet von 0—6 Uhr. Osten! Marfnsstr. 36. Geöffnet von 0—6 Uhr.— Peters» burger Platz 4. Geöffnet von 0—6 Uhr. � «üdosten! Saufitzet Platz 14/15. Geöffnet von 0—6 Uhr. Uordaste»: Jmmanuelkirchstr. 24. Geöffnet Moabit: Wilhelmshavener Str. öffnet von 0—6 Uhr. Weddingi Müllrrftr. 04., ecke 46. von 0—6 Uhr. Sitd-ck-r Str. U. Gr- Utrechter Straße, strau S ch n e t d e e Reinickendorfer Str. 11. Papiergeschäft. Eingang Schönwalder Siraste. Geöffnet von 0— 6 Uhr. Rojenthaler und vianienburge»«»rstabt! Wattfir. 0. Ge- öffnet von 0— 6 Uhr. ®t|unBbt*n*e*: Bastianstr. 7. Geöffnet von 0—8 Uhr. Schönhauser CotfUbt: Greifenhagener Str. 22. Geöffnet von 0—6 Uhr. «dler-hos,«lt-Gllenicke: Frl. Walter. Adlershos. De- nogenschafisstr. 6, parterre. Baumschulen««,! Frau Röpke, Riefholzstr. 130, Sahen. Bernau, 0>öntge»l«i, gepernick. Schindrück, Rarow und Bach! Heinrich Bröl« Bernau Müdlenstr. i. Bie-dors: W. vannobero, Biftoriastr. 11. 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