!Tp« 113 �ZH.?ahrgaag Ausgabe A Nr. 57 SrzuftSprctSi ei«eI}S)rl.63,- St, H«i is« Sau«, Baraa««aljlbat. Saft* ia.�ug; Monatlich 10.— Et. finichL Ru* ftrll inaszoliükr. Unter Sromhanti rüs ffeutfolanft, Sanitig, da« gaar. und Bemtipebiet fanjic die eljemali de»!- fchen Palen». Oesterreich- Ungarn und Sujemburg St- St. tut da« übrige Au.iaud 72,— St i'oii- befteüungcn nehm?» an Oesterreich, Ungarn, Tschecho- Slowalet Däne- wart Salland, Luxemburg. Schwede» und die Schweig. De«„Vonaarib" mit der Sonntag«. beilage„Salt und Seif, der Unter. ftaitungokcilaa« �»einiaicir und der Beilage.Siedlung und Kleingarten" erschein! wochemäglich zweimal, Soita. tag» und Montag» einmal. Telegramm-Adreffe: »Sazialdematral Varl in- Morgen-Ausgabe tw Revlinev VolkSvlakk (70 Pfennig� Alizeistenureis: Die e In spa II ige Saiirareioejeste koste! I?.— M. lUvzeige»" da, fettgebrii«le«0« 3,— M.(zu. lässig zwei frttgrtrjette B,r>e>, sede» »eitere«5»tt!M SteBengefuch» und Echlasftellenauzoigen da« erste »ort Sr- St. jrde,»eifere Wart 150 M. Berte Uder lä Puchstaden zählen für zwei»arte. �amilien-Sn. zeigen für Sbennewten grile 6,— M. Die Preise«erstehen(ich einschliepich Teuerungozuschiag. Anzeigen filr die» ä chste Sutnuier müssen bis g'/j Achr nachmittag» i» Saupigeschäft. Serlin Sffi 68, Linden» straße S, abgegeben werden. SeSffnet »an S Uhr früh bi, 5 Uhr nachmiuag». Zentralorgan der Sozialdemokrat» fcbcti Partei Deutfchlands Neüaktisn und Expedition: SW öS, Lindenstr. Z Rernfttrerhrr- Rrdaktiou Morruplast I51K5—»7 zvcnnyrt-q)".• Expedition Moritzplay lirSZ— St Mittwoch, den 8. März ISÄÄ Vonvärts-Verlag G.m.d.K., SW öS, Lindenftr. Z Aee-Btiitt�e-rke-r> vorlag,«xpedl«,»» Nied Inseraten. IS!±I!IrlIz2£L:«bteiluiiB Moritzpln» 11753-54 Deutsihlanö unö öer Wiederaufbau. Eiue Ansprache des Reichspräsidenten Ebert. Bei dem Festessen, das heute abend im großen Saale des Zentraltheaters in Leipzig von der Zentralstelle für Inter- essenten der Leipziger Mustermesse zu Ehren des Rieichs- Präsidenten, der Reichsleiwng, der Vertreter der Einzelstaaten und der übrigen Gäste veranstaltet wurde, nahm der R e i ch s- Präsident Gelegenheit, in Erwiderung auf die Be- arüßungsansprache des Geheimen Kommerzienrats Dr. Philipp V o f e n t h a l eine Red« zu halten, die folgenden Wortlaut hatte: Sei unserem heutigen Rundgang durch die Mehhäuser Leipzigs ist wohl allen Teilnehmern unauslöschlich der lies« Eindruck von der Tatkraft des werktätigen Deutschland geblieben, von seinem unerschütterlichen Willen, sich durch Arbeit seine Frei» hell wieder zu erkämpfen. Die Leipziger Messe von heute ist für uns mehr als«ine Einrichtung für den Warenaustausch: sie ist ein Spiegelbild unserer schafsenden Arbeit, ein Gradmesser für den Stand der wirtschaftlichen Produktion. Dalp Bild, das wir hier von unserem wirtschaftlichen Leben sehen, ist gewaltig: in taufenden Veikaufsstäiiden häufen sich die Muster bester Qualitätsware, be» währten deutschen Gewerbefleißcs, hochentwickelter moderner Tech- nik. Unser aller Wunsch ist, daß dieser gewaltig« Eindruck sich in der dauernden Wicderaufnchsung unserer wirkschas! ausdrücken möge. Herr Geheimrat Rosenthal hat uns soeben sachverständig die Notwendigkeit verstärkten Exports auseinandergesetzt. Da» ist zweifellos richtig. Deutschland, da» für den Bezug von Roh» ftoffen und Lebensmitteln auf das Ausland angewiesen ist, kann wirtschaftlich nur dann gesunden, wenn e» ihm gelingt, durch die Ausfuhr von Jndustrieerzeugnissen sich wieder Guthaben im Auslände zu verschaffen. Aber die Erreichung diese» Zieles ist aus Gründen, die nicht an uns liegen, schwer, und weit sind wir noch von ihm entfernt. Di« Tatsach«, daß in den letzten zwei Monaten der Wert unserer Aussuhr den unserer Einfuhr überstieg, unsere Handelsbilanz also in geringem Ausmaß aktiv geworden ist, darf uns noch nicht zu übertriebenem Optimismus Anlaß geben; denn diese Aktivierung unserer Handelsbilanz beruht nicht auf gc- funden und natürlichen Vorgängen, sie ist in der Hauptsach« auf den in den letzten Monaten eingetretenen starken Rückgang der Einfuhr von Lebensmitteln und Rohstosfen zurückzuführen. Eine dauernd« und anhaltend« Aktivität der Han» belsbilanz kann aber nur aus einer gesunden und natürlichen Eni» wicklimg der Volkswirtschaft hervorgehen. Für diese gesunde Weiterentwicklung unserer Volkswirtschaft find bei uns alle Voraussetzungen gegeben— Arbeitswille und Fleiß, Leistungsfähigkeit und Erfindungsgeist, modern« technische Entwicklung und hohe Qualitätsarbeit Mit Befriedigung können wlr auch feststellen, daß durch Anspannung aller Kräfte unser Wirt- schastsleben nicht unbeträchtliche Fortschritte aufweist. Die erft« Quelle unserer Kraft, die St«inkohlensörderung. zeigt im letzten Jahre mit 136 Millionen Tonnen einen kleinen Fortschritt gegenüber dem Vorjahre mit 131 Millionen Tonnen; sie weiter zu steigern, wird unsere wichtigste Aufgabe der Zukunft sein. Die Eisen- und Stahlproduktion Hot sich gegenüber dem Vorjahr« ebenfalls gehoben. Unser Verkehrswesen hat sich gleichfalls günstig weiter entwickelt, wenngleich der Eisenbahnerstreik der letzten Wochen hier wieder einen Rückschlag gebracht hat, unter dem fast alle Zweige der Industrie auch jetzt noch leiden. Aber all« gesunden Kräfte, die in unserem Volke leben, und die an sich geeignet sind, uns der Gesundung zuzuführen, können sich nicht frei entfalten: sie werden niedergehalten durch die schweren Lasten, die dem geschwächten und verstümmelten deutschen Wirtschaftskörper durch di« Verpflichtungen des Versailler Friedens- v« r t r a g es auferlegt find. Ich brauche hier im Kreise Wirtschaft- licher Sachverständiger die finanziellen Lasten, die auf unseren Schul- lern ruhen, und die Folgen, die sie für uns haben, nicht darzulegen: Sie kennen ja olle die Schwierigkeiten und Rachteil», die dem deutschen Wirtschaftsleben erwachsen sind durch den ungünstigen Stand unserer Währung, durch die unbestimmbaren Schwankungen in der Bewertung unseres Geldes im Ausland, durch die Zweifel des Auslandes an unserer Kreditwürdigkeit, hervor- gerufen durch die ungewisse finanzielle Lag« des Reiches. Es ist Ihnen bekannt, daß die Reichsregierung dem Obersten Rat der Siegerstooten offen erklärt hat, daß Deutschland bei bestem Willen und ernstlicher Bemühung Ermäßigung der uns in London auferlegten Zahlungen beanspruchen muß. Wir hoben durch die Tat unseren ernsten Willen gezeigt und olle Gründe, die die Unmöglichkeit dieser Erfüllung dar- tun, unumwunden mitgeteilt und haben auch den Eindruck ge- wannen, daß die Erkenntnis ihrer Richtigkeit und die Auffassung in weiten Kreisen des Auslandes Boden gewonnen haben, die Fort- fetzung des Krieges auf dem Gebiet der Wirtschaft könne nur Un- heil bringen für ganz Europa. Wir wollen auch jetzt noch hoffen, daß es gelingen wird, die großen Schwierigkeiten, die unsere wirt- schaftlichen Kräfte an ihrer Ausnutzung hemmen und die nicht nur ein Hindernis der deutschen Wirtschast, sondern der Welt- Wirtschaft überhaupt sind, im Weg« der internationalen Verständigung zu beseitigen und das große Problem, d«r Welt wieder Ruhe und wahren Frieden zu geben. zu lösen. Die bevorstehende Konferenz in Genua möge dafür vor- bereitende Schritte tun. Jedenfalls find wir für unseren Teil be- reit, aufrichtig und ehrlich an dieser Aufgabe mitzuarbeiten. Meine Herren! In der Kette der Tatsachen und Ereignisse, welche der wirtschaftlichen Verständigung der Völker dienen können, ist die Leipziger Messe nicht das letzte und nicht-das unwichtigste Glied. Hier treffen sich die Kousleute der ganzen Welt, hier wird Angebot und Nachfrage der Völker ausgeglichen, hier kommen im friedlichen Wettbewerb In- und Ausländer im großen Umfange zufoinmen. So ist die Leipziger Messe, die auf ein« mehr- hundertjährig« Geschichte zurückblicken kann, immer ein wichtiger Faktor gewesen für die wirtschaftliche Verständigung der Völker und heute ist sie mehr als dies: sie ist Schrittmacher und Vorkämpfer für die Wiederherstellung der Weltwirtschaft. In diesem Sinne gilt ihr und ihren Veranstaltern mein Gruß: in dieser Hoffnung gelten ihnen der Reichsregierung und meine Wünsche. Seeleute unö Internationales Arbeitsamt. Paris, 7. Rlärz.(Eigener vrohlberichl.) Heule vormittag hat in den Räumen des Untcrstaatssekretariats für die Handelsmarine unter den Auspizien de, Znternalioaoleu Arbeilsamtes eine Tagung derparitätischenSommission bestehend au» Der- ketern der Reeder und der Seeleute begonnen. Aus der Tagesordnung dieser Konferenz stehen vier wichtige Fragen: 1. Das internationale Skalut der Seeleute. 2. Die Versicherung der Seeleute gegen Arbeit». losigkeit. 3. Die Arbeitsstunden aus hoher See. 4. Der Gesundheitsschutz der Seeleute. Als Vertreter der Reedereien nehmen an der Konferenz teil: D ecler»(Belgien). Hori(Zapan). L aws(England). Rorberg (Schweden) und Robh(Kanada). Als Vertreter der Seelculrt D j r i u g(Deutschland). G i u l e t k i(Italien), 7l i e t s e u(Rar- wegen), Rivelli(Frankreich) und Havelock Wilson(England). Die Delegierten de» Zuternatioualen Arbeitsamtes sind: Als Vertreter der Arbeitgeber Robert V i n o t(Frantreich) und als Vef- treter der Arbeitnehmer L�on Zouhaux(Frankreich). vor öer Sachverftänöigentonferenz. Vori». März.(EE.) Zu den Berotuugen der Finanzminister, di« morgen in Paris beginnen sollen, schreibt der„Temps": Von französischer Seite liegt ein Antrag vor, all« Zahlungen Deutschland« für die Jahre 1921 und 1922 gesondert zu behandeln. De» steht bekanntlich der Wunsch England» entgegen, die Verteilung für die beiden Jahre vorzunehmen. In der letzten Zeit, schreibt der„Temps", ist ein Einvernehmen darüber getrosten worden, daß von der ersten deutschen Goldmilliorde 500 Millionen für die englischen Befotzungskosten und 140 Millionen für die französischen Besa(z»igskosten aufgewendet werden sollen. Der Rest verbleibt für die belgische Priorität, ausgenommen die Summe von etwa 30 Millionen Goldmark, di» in Italien aufbewahrt werden und diesem zufallen sollen. Bezüglich der Saarbergwerke wünscht Frankreich, daß man deren Wert zwar als ein Kapital an- sehe, dos auf das Kreditkonto Deutschlands gebucht werden solle, nicht aber als laufend« Zahlung, die Frankreich für das Jahr 192l anzurechnen wäre. Wenn dies geschähe, würde Frankreich von der ersten deutschen Goldmilliorde überhaupt nicht» erhatten und für seine Auslagen für den linterhalt seiner Besatzungskosten mehr zu zahlen haben als England. Hinsichtlich der Bestimmung der Höhe der Besatzungskosten wünscht Frankreich, daß nicht für die einzelnen Mächte eine Pauschale festgesetzt werde, sondern, daß die Besatzungskosten im Verhältnis der Zahl der einzelnen Besatzungs- Heere verteilt werden. Einen breiten Raum in den Erörterungen wird das Wiesbadener Abkommen einnehmen. Von den unlängst in Berlin zwischen Bemelmann und der deutschen Re- g i e r u n g getroffenen Abmachungen will Frankreich nicht viel missen. Man zieht hier das Wiesbadener Abkommen vor, weil es Frankreich nicht nur höhere Summen in Gestalt von Sachliefe- rangen zugestehen würde als das Londoner Ultimatum, sondern auch einen Kredit von deutscher Seite verschaffen würde, der erst nach zehn Iahren zurückzuzahlen wäre. Im übrigen regt der „Temps" die Ausgabe einer großen inlernalioualen Anleihe sowie SchuKmachlaß nntcr den Alluate» an. hohe kohlenpreise. Bon Steiger G. Werner. Den Vertretern der Arbeitnehmer des Bergbaues im Reichskohlenrat wird gar oft der Vorwurf gemacht, sie be- willigen die von den Unternehmern geforderten Kohlenpreise, um höhere Löhne herauszuschlagen. In internen Ausein- andersetzungen, in denen man von uns verlangte, im Interesse der kohlenbrauchenden Arbeitnehmerschaft die Kvhleiipreis- erhöhungen abzulehnen, haben wir erklärt, dann bleibe uns keine andere Wahl, als die Mitarbeit im Kohtenwirtschafts- körper einzustellen..Entweder man vertritt die Lohnforde- rungen, ohne Rücksicht auf die dadurch bedingten Preise und lehnt konsequenterweise die Mitarbeit bei Preissestsetzungen ab, oder aber man besitzt den Mut, den durch Lohnforderung notwendig gewordenen' Preiserhöhungen auch zuzustimmen. Sobald aber dieses Ulimatum von uns gestellt worden war, verstummten die Vorwürse. Nun ist neuerdings wiederum eine ganz erhebliche Preiserhöhung für Kohlen eingetreten. Gegen diese Erhöhung haben die drei Vertreter der fteigewerkschastlichen Arbeitnehmer im Bergbau und der freigewerkschastliche Ber- brauchervertreter gestimmt, während die Vertreter aller anderen Richtungen den Preiserhöhungen z u g e- st i m m t haben. In der bisherigen Preispolitik des Reichs- kohlenrats ist eine Aenderung eingetreten, die wir nicht mehr mitzumachen in der Lage sind. Bisher haben wir stets rein rechnerisch versucht, uns darüber Klarheit zu oerschafsen, ob der Bergbau die geforderten Preise benötige oder nicht. Dieses- mal sind uns die Forderungen zu hoch erschienen. Außerdem aber sind diese letzten Preisforderungcn ein Vorstoß der Unternehmer, um den Abbau der Gemeinwirtschaft im Bergbau in die Wege zu leiten. Es ist eine Kampfansage von der allergrößten Wichtigkeit. Wer sich ein Urteil über die Kohlenpreise erlauben will, muß sich mit den Produktionszistern und Produktionskosten des Bergbaue» befasten. Im Reichskohleurat, in dem die Be- raiungen über die Preise sehr sachlich geführt werden, ist stets mit Zahlen operiert worden, deren Nachprüfung und Beurtei- lung nicht sehr einfach ist. Bei Preisfestsetzungen handelt es stch um Preise, die e r st in d e r Z u k u n f t Geltung haben. In Zeiten gleichmäßigen Geldwertes tonn man die Verhältnisse der vorausgegangenen Zeiten ohne weiteres als Grund- läge für die Zukunft benutzen. Heute aber liegen die Dinge anders. Heute muß man die für die Zukunft in Betracht kommen- den Faktoren schätzen. Zur Beurteilung gehören: die Pro- dnktionszifferu des Bezirkes, die Zahl der beschäftigten Ar- beiter und Angestellten und der von ihnen verfahrenen Schichten, der Durchschnittsverdienst, die Leistung pro Mann und Schicht, der Selbstoerbrauch der Werke an Kohlen, der Verbrauch an Materialien, die Kosten der Materialien, die sonstigen Unkosten, wie Beiträge zur Knappschaft, Handels- kammer usw., Steuern, öffentliche Lasten. Bergschäden. Alle diese Unterlagen auch nur halbwegs genau festzu- stellen, wäre schon an und für sich nicht so ganz leicht, wenn alle Werke bemüht wären, diese Unterlagen zu liefern und die Sammelstelle zu unterstützen. Die Unternehmer aber haben gar kein Interesse dlzran, die Erwitte- lung dieser Unterlagen zu fördern. Ihnen ist die ganze Einrichtung der Gemeinwirtschaft ein Dorn im Auge, und man wird das Gefühl nickt los, daß manch« von ihnen versuchen, möglichste Unklarheiten über alle diese Dinge zu schaffen. Trotzdem gibt es für den Fachmann eine ganze Reihe von Nnhaltspunkten, um die durckzschniftlicheu Selbstkosten, besonders in normalen Zeiten, ziemlich genati festzustellen. So waren die vorhin genannten Einzelheiten der Unterlagen in der Vorkriegszeit sehr genau bekannt. So sprach man vor dem Kriege davon, daß im Ruhrrmer bei einem Durchschnitts- erlös von 11 M. pro Tonne 6.60 M. für Löhne, 3,30 M. für alle sanstiaen Ausgaben einschließlich der Abschreibungen und 1,10 M. für Gewinn ausgegeben werden. Diese Grundlagen hoben sich nun ganz erheblich verschoben: warum, braucht nicht näher erörtert zu werden. Man ist bei der heutigen Preisbemessung daher auch nicht von diesen früheren Unterlagen ausgegangen, sondern man hat den vorhandenen Preis zur Grundlag e genommen und bei jeder Preisneufestfetzung dann geschätzt, wie hoch sich die Mehrbelastung stellt. Vom ReichswirtschastSministerium und vom Reichsköhlenverbatrd wurden dann Stichproben ge- nommen. um festzustellen, ob und wieweit Fehler unterlausen seien. Die Ergebnisse dieser Stichproben wurden verschieden gewertet. Die Unternehmer behaupteten, sie kämen zu kurz, die anderen Stellen glaubten dagegen, die BewMgungen seien genügend. Daher ist auch bisher fast immer von Verbrau- chern und Arbeitnehmern einstimmig den Preiserhöhungen zugestimmt worden. Von uns Arbeitnehmern im Bergbau ist auch verschiedeut- lich den Unternehmern recht gegeben worden, wenn das ReichswirtschastSministerium die Preiserhöhungen beschränkt hat. Wir glaubten, nicht die Verantwortung dafür überneh- inen zu"" ' gewäfc? farit*: m t«* SuMt? fefT«" HZ�W's ÄM SMKMfSUHW?-? W«?rSWAÄ?»>«??-» TfS» nr�W -............ J->'Mch..ch. S/tfÄS? �SKÄ'äÄ'sX�Ä S?i?Ssr SS 1. S. 1923 In den letzten Monaten hieß es nun, die Kohlenpreiss müßten den, Weltmarktpreise aufnS»!Szuf»laz........... u,— für LebentmilielverbiSigung.......... 2,— , Materialadschreibungen iiiw. auf Grund eines Scr« gleiches der BortriegSzrit mit den Indexzisfern der Teueumg sowie dem prozeniiialen Anteil dieier Posten«m KohkenpreiS— 28,5 Prsz. van 468 w. 133.—.. Zusammen 462,50 M. Ter llntervektnergewlnn betrug......... 4,60 Der Posten für Material, Abschreibungen, Knappschafts- gefalle usw., der vor dem Kriege Z,ZY M. betrug, ist nun in seine einzelnen Teile zerlegt worden, um festzustellen, wie hoch sein Wert heute ist. Auf Grund dieser Aufttellung find wir der Ueberzeugung, daß die Unternehmer kein Recht haben, weitere Beträge für Abschreibungen usw. zu fordern, daß jedoch der Gewinnbetrog von 4,60 M. ganz erheblich zu niedrig ist. Die Schuld hieran liegt in der nicht genügenden Preisfestsetzung im Monat Sep- lember 1921. Die neue Kohlenpreiserhöhung auf Gründ. der Lohn- erhöhung von 19,45 M, am 1. März war nun von uns ftsi- gewerkschaftlich»« Vertretern wie folgt berechnet worden: Für Lob» uud Gehälter....... . Abschreibungen, Material usw... � » Zuschlag für zu niedrigen Gewinn. . WohnungSbauzuschlaz weitere... / Hierzu 20'/, Kohlensteuer und 1'///, Umsatzsteuer rund 39 M. 2»„ 17. «. 88 Df. 19„ Summa 107 J?. verhanölungen öer Spihenvtrbänüe. Inder gestrigen Sitzung der Spitzenorganisationen wurde Heber- eiiistimmung darüber erzielt, daß über die schwebenden Lohn« und GehaltSsraaen gemeinsam beraten werden soll und ein« Zusammen- arbeit der beteiligten Spitzenorganisationc» nötig sei. Für die Bor-- bereirung der Berhandlungen und die Erledigung der geschäslliciien Angel-genheiten wurde ein NiiSschutz a»S je einem Bcrheter der fünf Spitzenorganisalione» gebildet, Diesem AuZschuh liegt auch die Information der Presse ob, die in Zukunft in einheitlicher Leise erfolgen wird. Rathenaus wieöergutmachungsproblem. In seiner Xed« im.hauptausschuß des Neichstags führte der Xeichsminister' des Auswärtigen Dr. Xakhenau weiter aus: Unter den heutigen Bcrhälrnissen gäbe es leider k«i»en anderen Weg als den der Konferenzen, Die Konferenz gebe uns aber die Möglich- ksit mündlicher Aussprach« und des perfönlichan Kontakts mit den Staatsmännern unserer Bachbarvölker und dieser Weg sei unter allen Umständen dem Austausch»an Boten vorzuziehen, Was die Entwicklung des Xeparationsproblcms selbst betreffe, so«erde das hierfür zuständige Gremium»oraussichuich die Repa- ratianskommission bleibe». Zunächst könne es sich nur um proviso- rische Lösungen handeln, denn aus der einen Seite sei«in gcwol- tiges Geldbedürfnis empfangsberechtigter Staaten»schänden, auf der andere» Seile sei Deutschlands Zahlungskreft außerordentlich begrenzt. Schon die Deksdenzshlung»0» Zl Millionen habe den Wechselkurs in starke« Maß« zuungunsten Deutschlands beeinflußt. Man dürfe sagen, daß di« deutsche Leistungsfähigkeit in Barzahlung direkt ihr Maß finde in der Bewertung des Dollars an der Berliner Börse. Einmal jedoch müsse auch anstatt der provisorischen Regel rang die endgültige eintreten. Zu- nächst müsse sich aber der Kreis der wechselseitigen Serschuldung in Europa lockern. Das Reporcli«nsproblem sei nur ein Tcilproblem innerhalb kes allgemeinen WeltoerschülduNzskreises. Die Welt- Verschuldung umfasse Europa und ilmerika gameinschastNch. Wenn es gelänge, dieses Problem einer erträgliche» Lösung zuzu- führen, so sei damit auch die Lösung der deutschen Reparation er- möglicht. Aber dies könne kaum anders als unter dem Hinzutritt von Amerika«elitzgen, 5* diesem Falle«erde vielleicht mit Hilfe aller europäischen und außereurapäifche» Kapitalstaaten eine große Anleihe von Deutschland aufgenommen werden. Amerikas Macht sei 1 durch den Krieg gewaltiger gewachsen als die irgendeines anderen ! Landes. Durch sein Eintreten in den Krieg hob« Amerika den i Friede» entschieden und durch seine» Eintritt in die Weltxrobleme .ung zu entscheiden/ Derjenige, der den Krieg und Frieden evtschic- den habe, trage auch wohl für das Wohlergehen derjenigen Balte?, deren Schicksal bestimmt wurde, eine Berantwsrtung, Dar Minister glaubt, daß in Genua der Boden für die Erörterung«irischos:- sicher Grundfragen»orbereiter sei. Wenn wir auch immer noch vom«irklichen Frieden entfernt lebten, so wäre doch die Hoffnung vorhanden, daß der wahre Friede der Welt herannahe. In der Debatte gab Genosse Hermann ZNüller der Hofiaung Ausdruck, daß Genua uns weiterbringe. In der Frage der Kriegs- schuld könne Deutschland nur dann in der Welt einen Erfolg hoben, wenn es einen Teil der Schuld zugebe, namentlich gegenüber Bei- gien. Die Llleinschuld Deutschlands wurde von uns nie behauptet. Im«eiteren Berlouf der Diskussion führte Minister Dr. Rathenim aus: In der internationalen Diskussion habe jetzt eins große Bedeutung gewonnen nicht mehr die Frage:„Das kann erfüllt werden?", sondern„Was darf erfüllt werden?" Auf ein bestimmtes Programm für Genua sich festzulegen, sei nicht mögich. Das neue Abkommen in der- ReperotionsfraZe geh, von der gebundenen Leistung zum freien Verkehr über. Die Gefahr eines Reparotionsgewinnlertums bestände nur, wenn wie im Kriege das Reich als Besteller auftreten würde. Uns »0» dem Aufbaukonzern in London, de? feine Tätigkeir nicht nur auf Rußland beschränk«, sondern cm Aufbaukonsortium für Zentral- und Osteuropa sei, auszuschließen, würde falsch sein. Mit diesem Konsortium sei nicht im entferntesten der Gedanke einer Kolanisation verknüpft. Es wäre ein verfehltes Unternehmen, «in Syndikat zur Kolonisierung Ruhlands gründen zu wollen. ES handle sich darum, vslauropa zu Hilf« zu komm«», und DeulMaud werde niemals vergestr». Zkußlands Sezsr.wart und Zukunft in Rechnung zu ziehen._ Was die Organisation de» Aus wo r t t g e n Amts angehe, so sei vor alle« zu berücksichtigen, daß die Arbeit de? Amts von riesengroßer Berenwortung sei und daß man sich bei Abstrichen am Personal nicht von kleinlichen Svarsamkeirsrücksichten leiten lassen dürfe. Der Minister betonte, daß ihm die Förderung der diplamoiischen Jugend sehr am Herzen liege, und daß er es als seine Aufgab« betrachte, geeignete Anwärter für den diplomatischen Dienst zu gewinne«. Heut« wird die Beratung fortgesetzt. Oer mißverstandene v. ü. Goltz. Herr General v. d. Goltz ist sehr ausgebracht darüber, daß wir sein am letzten Sonntag im.verband nationalgesinnter Soldaten'' gehaltenes Referat gebührend festgenagelt haben. In einer Zu- schrist an die.Tägliche Rundschau" beschwert er st-b darüber, daß der.SoiwärtZ" seine Worte böswillig enistellt habe, er habe stet? von einer Gegenrevolution abgeraten uns nur ausgesprochen. e-Z sei keine Luslehnuug, wenn Teutsche und deunstbe Beamte niemals deutsch« Mitbürger für Teutschland» Feinde verhasten würden. Hierzu bemerken wir: Eine Verdrehung durch uns kann schon deswegen nicht vorliegen, weil wir den vnsammlungZbericht nicht st Iber hergestatlt. sondern der Korrespondenz BS. ent- nommen haben, die sicher den Freunden des Grafen V, d. Goltz näher steht al» un». da sich die reaklionären Krerse mit vor- liebe dieser Korrespondenz zu Angriffen gegen sozialistische Minister, Beamte usw. bedienen. Herr v, d. Goiy ist alw von seinen eigenen Freunden.mißverstanden" worden. Woran da« liegt, wagen wir nicht zu beurteilen. Aber er scheint sich doch etwas sehr mißverständlich ausgedrückt zu haben.—' Wir baben übrigens in anderen Fällen oft beobachtet, daß reaktionäre Wort� Helden, sobald man sie auf ihre SuZsprüchc festnagelt, plötzlich gar nicht» gesagt haben wollen.___ Ei» falsches Gerücht. Eine Berliner Korrespondenz verbreitet die Meldung, daß Ministerioldirigint Dr. Lbeos an die Si-lle des Berliner Pviizeipräskdemen Richter treten wird. Diese Meldunq ist, wie der amtliche Pressedienst meldet, ebenso glatt erfunden, wie die Behauptung, daß sie aus Kreisen stammt, die Herr» Dr. Ab-gg nahestehen. Die Graß-Hamburger Frage. Tie Verhandlungen zwischen Preußen und Hamburg werden aus Wunsch der preußiscben Regierung am DonnerSiag nackmillag im Hamburger Nathause. und nicht wie zuerst beabsicknigt war in Berlin, weitergeführt. Tie in Hamburg bereits eingetroffenen preußischen Minister unternahmen «ine Besichiigung der in der großhamburgiichen Frage in Betracht kommenden hannoverschen Gebiete in Wtlhelm-Zburg und Harburg. Ms öer guten a!ten Zeit. Aon Ernst Zahn, Breslau. Ich ging die erste Zeit in die Schule, als mein Bat«'', fast sechzig Jahr« alt, sich das Leben«ahm. Er war ein Muster von Pflichttreue in der Arbeit und seiner Familie gegenüber. Der Dienst für die Herrschaft ging ihm über alles. Meine Mutter erzählt« uns manch- mal, daß er bald nicht Zeit gefunden hätte, sich mit ihr trauen zu lassen. Für sich verbraucht» er nicht einen Pfennig: der geringe Lohn ließ das auch nicht ju. Als Kutscher eines Arztes mit großer Landpraxis bekam er lange Zeit hindurch monatlich acht Taler rrnd sonst nichts weiter Selbst die Wohnim,-miete, zwölf Taler jähr- lich, mußte davon bezahlt werden. Dafür hasten wir fteilich nur ein kleines einfenstrizes Loch, kalt und naß, wie fast alle kleinen Woh- nungen aus dein Lande Große Freude herrscht« bei uns, als der Doktor infolge der auskoimnenden Teuerung einen Taler am Lohn zulegte. Mein Vater hätte niemals Forderunge« gestellt. Die In- dtlstri« war damals— Mist« der sechziger Jahre— noch wenig ent- wickelt, das Angebot von Händen groß und Organisastoncn, die die Interessen der Arbeiter vertreten hätten, gab es auf dem Lande noch nicht, Natürlich reichten auch die neu» Taler»ich hin, um eine Fa- milis mit fünf Köpfen zu versorgen, und mein« Mutter war des- halb gezwungen, mit auf Arbeit zu gehen. Im Schloßgarten, der m.folge dauernder Abwesenheit des Besitzers, eines Grafen 0, Willich und Lostuni. an einen Hondelszärtner verpachtet war. hat die«ermst- elf Sttmden täglich für 46 Pf, geschnstet. In unserer Säuglings, eil .am sie such in den Frühstücks- und Vesperpausen nach Hause ge- rannt, um uns zu stillen. Im Sommer bei schönem Wetter wurden mir manchmal auch von größeren Kindern der Rachbarsleut« zu ihr in den Garten gefahren und dann erfolgte unsere Tränkung dort Da mit jeden, Groschen gerechnet werden mußte, hielt sie bis zu ihrer Riederkunst in der Arbeit aus; denn Krankenkassen, Wöchne- rmnenunterstütziing und Stillprämien gab es damals noch nicht.?lls fic am Tage öer«eburt meines jüngeren Bruders nicht in die Arbeil kam und der Ssrtner die Ursache ihres Fehlens erfuhr, sagte er „Die Weiber werden niir ncch im Garten entbinden," Er gebrauchte freilich einen viel drastischeren Ausdruck, Bei ihrer Armut konnten die Eltern für Spielzeug nicht viel ausgeben und es kam öfter vor, daß mitleidig« Menschen uns aus- rangierte Svieisachei, schenkten. Darunter befand sich auch einmal ein kleiner Bretterwaqen»hne Räder, und der sollte meinem Vater zum Verhängnis werden. Er hatte uns versprochen, daß er, wenn er einmal Zeit haben würde, neue Räder an den Wagen inachen wolle. Der Zvföll bracht« es mit sich, daß bei dem Arzt ein Stück «arlenzaun ausgebessert wurde, wobei einige Kopfhauben, weil etwas zu lang, ein paar Zentimeter abgeschnitten werden mußten, Diese kleinen Holzscheiben nahm der Dater an sich und legte sie aus den im Stalle stchenden Futterkasten, in der Absicht, daraus die uns versprochene» Röder zu schnitzen. Während»r am Nachmittag mit dem Arzt über Land gefahren war, stöberte die Frau Doktor im Stalle herum. Dabei gemährte sie die kleinen Holzscheiben und ließ sie durch die Köchin i» de» Holzstall tragen, Als der Pater abends spät nach Haufe kam- und von dem Mäd- che» de» Borfall erfuhr, war er ganz verzweifelt. Diese Schmach, meinte er, könnte er nicht überleben! Die Köchin suchte ihn zu be- ruhigen und sagte:„Sie«erden sich doch wegen der paar Stückchen Holz nicht das Leben nehmen." Und doch geschah es wirklich. Am anderen Morgen war der Pater»erschmunden. Auf dem Futter- kosten logen zwei Briefe, der eine an den Daktar, der andere an die Mutter gerichtet. Darin stand, daß er sich hätte»erblenden laffe», einige Stückche« Halz zu ent«e,d«n: er könnt« es aber nicht ertrage», vor der Herrschaft als Dieh herumzulaufen, er«übe sich deshalb das Leben nehmen. Räch drei Tagen fanden Badende fein« Leiche in der Weistriß. Der Loktor, dem er sechzehn Jahre mit Aufopferung gedient, hielt am Grob« eine Rede, worin er die große Pflichttreu« des Toten her- vorhoh und das vorgekommene„Mißverständnis" bedauerte. Dann wurde mein armer Bater in der Abenddämmerung beim Läute» der„Beieglacke" hinter der Kirchhofs»«»««erscharrt. Di» BolkÄbühne Xorde« Hatto für ihre erste Berstellung Strindbergs Treuerspiel„Bat« r"«usersehen. Wenn sie den grüblerischen Dichter ihrer Gemeinde näher bringen wollte, hätte sie seine eigenartige Kunst vielleicht an einem anderen seiner Werke besser veranschaulichen können. Im„Beier" hat Strindberg den Trieb des Weibes, um jeden Preis durchzudringen, in grellen Farben gemalt. Die Regie Otto Kirchners unterstrich die Großheit, wo man sie hoste mildern sollen, und rückte damit das Schauspiel aus der Wahrscheinlichkeitsgren;«. so daß der Zuschauer sich selbst nicht mehr in Beziehung zu den Borgängm auf der-�ühn« setzen mochte. Strindberg legi den Willen zur Macht, der schließlich in wilden Haß ausartet, der Natur des Weibes zur Last, Die Frau des Rittmeisters spielte Berta S H e»« n als vollendete Kanaille, und Wolf Trutz, von dem wir bessere Leitungen gesehen haben, faßt« den Rittmeister von vornherein als Irrsinnigen auf. Wenn er von Anfang an mit ungezügelter Leidenschaft und mutdebender Stimme agiert, nimmt er dem Höhepunkt der Entwicklung, dem schließlich ausbrechenden Wahnsinn, die Wirkung, Die Wucht verpufft. Ausgeglichen« Lei- stungen waren der Arzt des Paul Mink e und die Awm« der Rosa Wohlgemut h. F. D-r. Dar englisch« Theulergeschmock. In London besteht seit einiger Zeit die„Seen« Society", ein« Art Freier Bühne, die zu dem Zweck gegründet worden ist, den Geschmack des englischen Theoterpubli- kuiNH durch Lufführunz»on«ertoollen in- und ausländischen Bühnennovitäten zu heben, die dl« dem Tagesgeschmack dienenden und nur auf das Geschäft bedachten Theaterdirektoreu nicht heraus- zubringen wagen. Die Geselllchaft führte kürzlich Pirandellos satirische Komödie„Sechs Persoaen auf der Suche nach einem Autor" in engischer Uebersetzung auf. Das Stück fand,«vem, man van den „Times" absieht, vor deren Richterstuhl»on auelünsischru Autoren grundsätzlich nur die französischen Gnade finden, bei der Londoner Presie die günsttgste Aufnahme, Di«„Westminfter Gazeste" nimmt die Aufführung aber zum Anlaß, sich in btttere, Worten über den Tiefstand des englischen Theatergeschmackz auszusprechen, der es mit sich bringe, daß man Stücke wie das Pirandellos nur einem kleinen Kreis urteilsfähiger Personen darbiete» dürfe, weil der größte Teil des enzlijcheq Publikums zum Lmorschied von dem he, Kvnliaem?; ganz unfähig sei, ein feineres Bühnenwerk zu verstehen. Daß auch die„Seen« Society" sich mit ihrer löblichen Ausgabe, den, verrohte« Geschmack zu hebe», einer Sistiphu-arbeit widmet, geht aus der Tat. fache hervor, daß die Gesellschaft angesichts der Teilnahmslosigkeit des Theaterpublikum- am Ende ihrer Mittel angelangt ist und dringe»:,' einer Beihilfe von 800 Pfund Sterling bedarf, um ihre Aufführungen fortsetzen zu könne». Tiare al» Diesiezhetsar. Ei« Landoner Straßendieh richtete kürzlich«ine» Hund ad, der nach den Handtaschen der Damen schnappte, sie ihnen fortriß und dann damit fortlief: er kam mit den Beute gehorsam nach einer bestimmten Stelle, wo sei« Herr auf ihn«artet« und ihm die Tasche abnahm. Die Damen, die auf dies» Weis« beraubt wurden, glaubte« Opfer eines bedauerlichen Zufalls zu sein, und erst allmählich kam man daraus, daß es' sich dabei. um einen Diebestrick handelte. Solch« Fälle, in denen Tich'« als Diebeshelfer benutzt«erden, sind gar nicht so selten. Eine englische Wechenlchrift führt verschiedene Beispiele dafür an. Ein Mann richtete einen Hund ab, Fleisch au» den Auslogen der Fleischerläden zu stehlen. Er war so gut dressiert, daß er da- Fleisch seinem, Herrn. vollkommen unversehrt überlieferte. Aus diese Weise wurden die Fleischer aus den verschiedensten Stadlteilen ausgeplündert, ohne zu wissen,«er der Dieb war. Schließlich vergiftete ein Metzger etwas Fleisch und legte es an sehr sichtbarer Stelle nieder. D-tt Hund nahm es und feine Tugend wurde belohnt, denn fein Herr erkrankte schwer»ach dem Genuß dieses Fleisches. Diese Erkrankung führte dann auch zur Aufdeckung des Tricks. Kotzen sind von Leuten, dft durch ein« unauffällige Brandstiftung in den Besitz der Bersicho> rungssumme kommen wallten, verschiedentlich dazu abgerichtet war- den,,«ine brennende Lowpe umzuwerfen. Die Tier« wurden in einen Raum gebrocht, in dem sich eine brennend« Lampe befand, um die herum Petroleum ausgegossen war. Während der eigentlich« Brandstifter sich sorgfältig von diesem Raum entfernt hielt, rief die Katze eine Feuersbrunst hervor, und lange kam niemand oich den Gedanken, daß der Besitzer, der sein kliibi nachweisen konnte, dffr Schuldige war. Ein Bierhönder war die Hauptperson bei einer An- zahl oussehenerregender Diebstühle, die in verschiedenen Juwelen- lüden stattfanden. Wertvoll« Schmuckstücke verschwanden Rocht für Rocht, ohne daß man die geringsten Spuren von einem Einbrecher finde» konnte. Eines Morgens ober fand«an einen Affen, der in dem Winkel eines Iuwelenladens kauerte. Der Besitzer des Ttere» haste es abgerichtet, funkelnd« Gegenstände, die es sah, auszuheben und festzuhalten. Der Dieb schmuggelt« den Affen durch einen kleinen Lichtschacht oder sonst ein« Oesfnung in den Laden hinein und wartet«, bis dos Tier mit irgendeinem Schmuckstück zurückkam. Aber als«r feinen Helsershelfer einmal schlecht behandelt«, blieb der Affe eines Rächt? im Lader» sitzen und brachte damit de» schlaue» Plan seines Herrn ans Licht. Entseru? sich Grönlaud von Europa? Professor Wegen«? hat dl« in letzter Zeit viel diskutierte Theorie über die Entstehung der Dentinente vn!) Ozeane aufgestellt, nach der ursprünglich Europu, Afrika und Amerika zusammengehangen haben. Di- jetzig« Ge> stalt und Lage der Konstnent« habe sich dann doturch herausgebildet, daß sich Amerika von der«uropäisch-aftikanffchen Land»?- Masse losriß und allmählich nach Westen«änderte. Diese Pevezutzg Kommunistisches Nüpeifpiel. 5k dsr gestrigen Landtagssitzung glaubten die Kommü- lusten wieder einmal ihren absoluten Mangel an Takt und Slnstand, den sie als klassenbeitmßtes Auftreten ausgeben, mit dem sie aber in Wirklichkeit die Arbeiterklasse herabwürdigen, i» hellstem Licht zeigen zu müssen. Der Wosserglaswerfer C ch u l z- Neukölln und der glockenmausende 5 atz waren natürlich wieder die Hauptma'adore des Skandals. Nach altem parlamentarischen Gebrauch hatte der Landtagspräsi- dent, Genosse Leinert, vor einigen Tagen sämtliche Frak- tionen des Landtags zu einem Bierabend eingeladen. Es ist dies eine zwanglose Beranstaltung, bei der die Abgeordneten Gelegenheit haben, interfraktionell miteinander zu verkehren. Wer will, geht hin, und wer keine Neigung hat, bleibt fort. Als der Abgeordnete Schulz- Neukölln einen kommu- nistischen Antrag wegen der Auslieferung der Dato-Mörder begründete, rief ihm fein Kollege K a tz etwas in der Art zu, daß die Leute, die Bierabende veranstalteten, natürlich für so etwas kein Interesse hätten. Schulz griff diesen Zwischenruf sofort auf und begann über den Bierabend zu reden. Als ihn de? Prästdent darauf aufmerksam machte, daß das doch wirk- lich nichts mit dem zur Verhandlung stehenden Thema zu tun habe, geriet dieser Edelkommunist in geschauspielerte Errc- «ung und rief dem Präsidenten zu:„Sie haben uns einge- laden und bis heute abend um Antwort gebeten. Hier ist unsere Antwort!" Mit diesen Worten knüllte er das Einladungsschreiben in ein« Kugel zusammen und schleuderte s i e a u f d e n P r ä s i d e n t e n zu, vor dem sie auf den Tisch niederfiel. Außerhalb der Kommunistischen Partei dürste es niemanden geben, der in solchem Benehmen etwas anderes als absolute Flegelhaftigkeit sieht. Uebrigens.sollten die Kommunisten, die in einem einfachen-Bierabend eine ver- abscheuungswürdige Schlemmerei sehen, etwas vorsichtiger sein. Im vergangenen Sommer wurde der Abgeordnete K atz vor einigen organisierten Eisenbahnern, die ihn kannten, im Lstseebad Saßnitz angetroffen. Katz bat sie daraus Himmel- hoch, sie mächten nichts davon verraten, denn es sei ihm sehr unangenehm, wenn jedermann davon spräche. Wir finden durchaus nichts dabei, wenn ein kommunisti- scher?lbgeordneter Erholung sucht wie jeder andere. Aber die Art, dieses der Ocffcntlichkeit zu verbergen, um nach außen bin den SpartS�t�fvielen zu können und sich über harmlose Bierabende zu entrüsten, dünkt uns ekelhaft. Herr Katz spielt im Parlament sehr qern den sittenstrengen Nobespierre der Nevolution. Aber Nobespierre war kein Tartüffe, er hielt selber die von ihm befoblene Einfachheit, er gehörte nicht zu denen, vpn denen Heinrich Heine singt: Ich weiß, sie tranken heimlich Wein» Und predigten öffentlich Wasser. »» * 5n de? ftesirige» Sitzung des Landtags würde die gemein- schaftliche Beratung der Anträge zur Amnestie und Luslieferungs- frage fortgesetzt. Abg. Liebknecht tll. Soz.): Eine Amnestie muß und wird kommen. Es ließe sich vielleicht auch darüber reden, Mörder aus- zuschließen: aber die Mörder, die in den Märzkämpfen vor Tötungen nicht tzurückgelchrcckt sind, sind keine Mörder im Sinne derer, die Erzberger crmdrdet haben. Es existiert in Deutschland eine M o r d o r q a n i s a t i o n. die die Ermordung der poli- tischen Gegner systematisch betreibt und der schon 300 Mordtaten, die van de? rechten Seit« besangen sind, zur Last fallen. Gegen die Stimmen der drei sozialistischen Parteien wird ein Echlußantrag angenommen. sLärm b. d. Komm.) Es folgen die Schlußwort- der Abgg. Kilian iKomm.) und Kchulz-NeukSlln lKemm.). Schulz sogt u. a.: Di« Mehrhcitssoziolisten bringen es fertig, parlamentarische Bierabende zu ver- anstalten, zu d»ncn sogar die kommunistische Fraktion durch den Präsidenten eingeladen worden ist. Der Präsident hat von uns eine Antwort auf seine Einladung gewünscht: diese Antwort werfe soll noch heute oudouern. Außer Ueberlegungen geologischer und oeophystkolischcr Art führt Wegen« genaue Ortsbestimmungen in Grönland an. di» zeigen, daß im Zeitraum 1823 bis 1870 eine Ber- ichiebunz Grönlands um 420 Meter noch Westen erfolgt« und von 1870 bis 1307 eine solch« von 1130 Metern. Dies wurde als Be- weis dafür betrachtet, daß die Bewegung Krönlands noch bis in die ollerjüngste Zeit fortbesteht. Gegen die Beweisführung hoben sich Erich von Drygalsti und Albrecht Pcnck gewandt. Nun oerösfent-, licht Fr. Burmeister in Petermonns Mitteilungen eine genaue Prüfung der aus Grönland vorliegenden Ortsbestimmungen. Er legt dar, daß sie nicht die für solche weittragenden Schlüsse erforder- liche Genauigkeit hoben. Dos spricht nicht gegen die Theorie Wege- ners, ist aber eine Auffarderung, sie möglichst bald unter Lnwen- dung modernster Methoden durchzuprüfen. Ameisen, die Kinder fresse«. 11 icher den großen Weltkrieg, den die Menschen mit den Insekten führen, machte per englische Zoologe Prof. Lefron in einer Vorlesung der Londoner Royal Institution interesfant« Mitteilungen. Als das gefährlichste Insekt bezeichnete ?' die argentinische Ameise, die sich seil 1837 über die Welt, besonders in Spanien, ausgebreitet Hot und 1318 auch noch Eng- land kam. Dieses kleine, aber unendlich gefräßige Insekt hat sich zu einer Pest für den chaushalt hcroüsgebildet, stürzt sich über die Eßtische und scheut sich sogar nicht, kleine Kinder in der Wiege anzufressen. In Argentinien sind auf dies« Weis- Kinder getötet worden. Di« Ameise Hot die ganze Vogelwelt auf Madeira zerstört, indem sie den Inhalt der Nester verzehrt« und an verschiedenen Stellen die Orangen- und Kasfcernten ruiniert. Die Ameise tötet oft Pflanzen nicht unmittelbar, sondern dadurch, daß sie andere Insekten in ihrem Zerstöcungswerk ermutigt, so Haupt- 'ächlich die grüne Fliege, die sie hält,.wie der Mensch Kühe bölt". Di» Ameise baut sogar Wohnungen für diese Fliegen, heilt sie bei Krankheiten und verteidigt sie gegen Feinde. Dieses ge- fräßige Tier, dessen starke Kauwerkzeuge vor nichts zurückschrecken, ist auch der Verbreiter gefährlicher menschlicher Konkheiten und des- halb eine große Gefahr für die Menschheit. Il« der NolkSbubne, thrater nm Bülowvlatz, find bei ber Erst- «ußübrunz ran S-erbart Haudtmann«.Rotten" an-. Freitag, den 10., die«ichtigste» Rallen«ie folgt beseht: Frau Jeön— Helene Feddmer, Fodn— Friedrich Katztzler. Bruno Wechelke— Heinz Hilpert, Bouline Viperlarcko— Lurie Mannheim, Sidonie. Knebbe— Mary Tletrich. Hafienremher— Georg Auguit Koch, Frau Hafiemeutcr— Marianne Brall, Walburga— Elaiie Kollmann, Erich Spilta— Hans Halden. Vaitor Epitla— Richard Leopold, Quaquara— Edgar Klitsch, Alice Rülcrbusch— Gabrielle Roller.— Zlegie: Jürgen Fehling. Sühnen- bilder: Haus Strohbach. Beginn 7 Uhr. Persische Krramtk pnd andere Beispiele perfisch« Kleinkunst au» dem Besitz de» Ttudieudireitors Dr. Dräger ist im.Mfchattasaal" de» Kaiser» Friedrich-Museum» leihweife ausgestellt. Eei« Becthoven-Koniiert veranstaltet die Deputation für BsldungS- mesen des Bexr'-airis Friedrichshain am Sonntag, den IS., nachm. Ü Ubr, im Groden Fcstsaal der Brauerei Friebrichihain. Am Friedrichs- bain 16—23, untcr Mltwirsung des BIüibncr-OrchesterS, der Chorversinigung Berliner Aerzie sowie bedeutender Solisten. Genta Gönelaud kehrt vom Band« zum Theater zurück. Sie spielt Kn Intunen Theater in dem neuen Schwank»Bubi will nicht" die Hauptrolle. 13) shm« ll SersJfkü** ins T efrösk.(tn- NeZnsr jie?l die Einladung aus der Tasche und wirft sie dem Präsidenten auf den Tisch. Der Vorfall erregt große Unruhe auf der Rechten und bei den Mehrheitsvorteien.) In der Abstimmung wird der Antrag betr. Unterstützung der Angehörigen der politischen Gefangenen dem Rechtsausfchufse überwiesen: die übrigen Anträge werden abgelehnt. Es folgt die zweite und drille Beratung des Gesetzentwurfes über Bereitstellung von Staatsmitteln zur Jöröerung von SoSenverbesserungen. Der verstärkt« Ausschuß für die Landwirtschaft hat die Borlage mit der Abänderung angenommen, daß 3 0 0 statt 100 M i l 1 i o- n e n bereitgestellt werden. Fern« beantragt der Ausschuß dt- An- nahm« von 2 Entschließungen, welcke erstens dos Staellsminifte- rium veranlassen wollen, bei der Rcichsregicrung.zu beantragen, i daß die für außerordentliche Boden.verbcfserungen aufgewendeten Kosten bei Ermittlung des steuerbaren Einkammens in Abzug ge- bracht werden können: zweitens, die Gewährung von Darlehen nur dann zuzulassen, wenn eine zweckentsprechende Orgoni- sotion die Durchführung der Arbeiten garantiert und die völlige Finanzierung, ordnungswäßige Instandhaltung gesichert ist. Ein Antrag der Koaliticnsparteien will bis zur Hölite des Betrages allch Zinserleichterungen ohne Aufloge der Rückgewähr bewilligen, falls die Provinz sich mit dem gleichen Betrage beteiligt. Abg. Wikliq(Soz.) ersnchl als Berichterstatter, im Hinblick auf die drohende Arbeitslosigkeit, um möglichst rasche Berabschiedung des Gesetzes, das Arbeitsgelegenheit schafft. Ohne weitere Erörterung wird darauf die Vorlage noch den Ausschußanträgen mit dem erwähnten Zusatzantrag und den beiden Entschließungen angenommen. Roch Erledigung kleiner« Materien beschließt das Haus auf Vorschlag des Präsidenten, die Fortsetzung der Beratung des Haus- Halts des Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung zu vertagen. Das Haus erledigt noch 20 Eingaben des Rechtsaus- schusses und des Eingabenausschusses. Nächste Sitzung: Mittwoch 12 Uhr l.Haushalt des Kultus- Ministeriums: Solksschulwesen). Schluß 5 Uhr. Eine bayerische Kampfansoge. München, 7. März. lEigener Drahtbericht.) Di- Herstellung der pari omento röchen Einheitsfront gegen die Säzialdemokrotie in Boyern hat sofort ein« Hochflut der partikularistischen und mou- archistischen Agitation zur Folge gehobt. Der ebemelige Scharf- mach« innerhalb der Regierung Kohr, der Minister des Innern. Schweyer, hat sich die Büttelpolemik der bayerischen Rechtspresse„gegen die Bespitzelung Bayerns durch Berlin" zu eigen gemacht. Seine heutige Rede im Landtag war eine offene Kampf- ansage an die R-ichsregierung. Obwohl der Minister den badischen Untersuchungsbeainten vollkommen recht geben mußte, erklärte er, daß die bayerische Regierung Anhaltspunkte dafür habe, daß neuerdings schwerwiegende Berliner llebergriff« auf die bayerische Justizhoheit vorlogen, gegen die er bei der zuständigen Berliner Stelle entschieden Protest eingelegt habe. Die Haltung der bayerischen Regierung im»erfahre habe gezeigt, daß es ihr nicht an der nötigen Energie fehle, bayerische Rechte zu wahren. Die H o u s sß: ch u n z bei Dr. Pittinger sei ein tief bedauerliches Vorkommnis. Die Personen, um die es sich handelte, feien im Feld gestanden und hallen sich hohe vaterländische Rerdienste erworben. Dieser völlig aus dem Rahmen der Lerchenfeldsche« Politik fallende Vorstoß eines Ressortministers gewinnt dadurch an Be- deutung, daßerinAbwefenh-ildesMinisterpräsiden- t e n erfolgte. Es scheint, als ob die Führer der Bayerischen Volks- Parti in der Untersuchung des Münchener Putschisten- und Mörder- nestes eine Bedrohung ihrer eigenen dunklen Macken fchaften sähen. So wird die Einheitsfront gegen Ber- lin eröffnet durch den ehemaligen StaatssekretärsK a h r, hinter dem die politischen Führer der Rechten zum Schlag gegen die Republik und die Einheit des Reiches ausholen. In diesem Zusammenhang ist es von größter Bedeutung, daß der Führer der Bayerischen Volks- parte!, Dr. Heim, sich in den letz-ei» Tagen an die Spitze einer neu einsetzenden monarchistischen Bewegung gestellt hat und öffentlich zum Kampfe gsegen die Weimarer Verfassung aufruft. Dos Blatt des gemäßigten Flügels seiner Partei, der „Regensburger Anzeiger", versucht die hemmungslos« monarchistische Propaganda einzudämmen und gibt den Anhängern des Königsgedankens den Rat, abzuwarten. Hierzu schreibt die „M ünchener Po st": „Klar und deutlich hat der„Regensburger Anzeiger" fest- gestellt, worum �der Kampf gegen die Weimarer Verfassung so ausdauernd geführt wird. Hiermit ist Klarheit geschaffen? ü r alle Ar b eil er, nicht nur in Boyern, sondern'i m' ga n z e n Reich. Denn die Wiedtraufrichtung der Monorchie ist nicht ein« bayerische, sondern eine deutsch- Frage. Zum ersten Male hat Dr. Heim der Republik eine« Dienst erwiesen. Diese SlarstcLunq ist das erste xssitive Ergebnis der neuen bayerischen Sänigspartei." Zum Organisator des neuen Königsbundes ist der Leiter der ehemaligen Orko, Kanzler, gewonnen worden. Ein Major ist ihm als militärischer Gehilf« beigegeben. Der Bund soll in ganz Bayern ausgebreitet werden und nach dem Vorbild des Bundes„Erwachende Magyaren" den Namen„Bund der erwachenden Bayern" erhalten. Am 12. Marz findet unter der Lei- tung Dr. Heims die Gründungsoersammlung in Regensburg statt. Die bayerische Rechtspresse hetzt mit Hochdruck weiter,»m die Stimmung zur Abtrennungskotasirophe reifzumachen. Die„M ü n- chener Neuesten Nachrichten" vcrsucken, dem Staats- kommissar W e i ß m a n n in einem umfangreichen Artikel nachzu- weifen, daß der Polizeibericht der badischen Beamten mit dem Bericht eines ertappten„Spitzels" übereinstimme. Die„A u ff s b u r g e r Abendzeitung" aber schreibt in Sperrdruck:„Die Bespitzelung Bayerns muß aufhörenl" Reform des juristischen und staalswisscnschoftlichen Studiums. Der Untcrrichtsausschuß des Preußiichen Landtages beschäftigte sich in einer Sitzung am Dienstag abend erneut mit der Reform des juristischen und staatswisfcnfchaftlichen Studiums. Zu Beginn der Sitzung machte der Vertreter des Unterrichtsministeriums, Regierungsrat Dr. Wende, Mitteilungen über die geplante Re- form des staatswifsenfchmtlichen Sludiuws. Das staatswiflenfchaft- licke Slliirnim soll erweitert werden durch Einbeziehung juristischer und praktisch-mirffchaftlicher Materien,«i« z. B. Bilanzwissenfchaft. Es ist ein Z w i s ch« n« x a m e n geplant als Vorstufe zum Doktor- examen. Wer es besteht, soll als Diplom-Volkswirt noch zwei Semester theoretisch und ein Jahr praktisch bis zur Hauptprüfung arbeiten.— Die Vorschläge des Unterrichtsministeriums zum juristischen Studium, die in der Hauptsach« ein R a ch st u d i u m nach Absoloierung der praktischen Ausbildungszeit vorsehen, lagen ge- druckt vor. Als Pertreier der Sozialdemokratie stimmte Genosse Prof. W ä n t i a diesen Lorschlägen im wesentlichen zu und wandte sich gegen den Widerstand des Iuftizminiiteriums, das jede Verlänge- rung der juristischen Ausbildungszeit ablehnt. Genosse Wänllg trat auch dafür ein. daß jedermann, unabhängig von dem zurückgelegten Lehrgang, zur Staatsprüfung zugelasien werde. �. Perbolene Vortragsreise. Die Rheinlandkommiiston Hot die von General Li man v. Sande»s beabsichtigte Vortragsrekse in das besetzte Gebiet mit der Begründung verboten, daß di« Vorträge ge- eignet seien, in der Bevölkerung einen Geist hervorzurufen, der die öffentliche Ordnung und die Sicherheit der Befatzungstruppen beein- trächtigen könnte. �mMhslten zur �«angsanZeHe. Zu den bereits veröffentlichten Grundzügen der Zwangsanleih?» wie sie vom Reichsfinanzministecium geplant werden, ist noch folgen- des nachzutragen: Unter der Annahme eines steuerbaren PermSgens von 1COO Milliarden berechnet man die Durchchschnittsbelastunz auf etwa S Proz. Vermögen bis zu 100 000 M. sollen frei bleiben. Für das reine Kapitalvermögen beabsichtigt man die Freigrenzen bis zu einer Mil- lion zu erhöhen. Um aber unter diese Begünstigung nicht auch solch« Personen fallen zu lassen, die Kapitalwerte besitzen, welche der Geld- entwertung gefolgt sind und demgemäß hohe Erträge abwerfen, oder die neben Ertragen aus Kopitalvermögen noch sonstiges Einkommen besitzen, will man die erhöhte Freigrenze nur denjenigen zub'llig»n, deren für ISA? veranlagtes Einkommen den Detrag von 40 000 M. nicht übersteigt. Die Regelung ist ungefähr so gedacht, daß man für die ersten 2Z0 000 M. 2 v. H., fü rdie nächsten 250 000 M. 4 v. H., für die«eiteren und nächstfolgenden 250 000 M. 6 bzw. 8 v. H. und für die übrigen Deträge 10 o. H. erhebt. Was die Erhebung der Zseangsonleihe anbelangt, so sollen für besonders frühe Einzahlungen, etwa bis zum 1. Juli 1322, Anreize durch Gewährung eines Diskonts l5 Proz. find geplant) geschaffen werden. Nach den bisherigen Berhandlungen mit den Sachver» ständigen hat man jedoch die Vermutung, als ob hieraus ein nsnnens- werter finanzieller Erfolg nicht zu erwarten ist. Sind Einzahlungen bis zu einem späteren Zeitpunkte des Jahres 1822, etwa 1. Oktober 1322, nicht erfolgt, so beabsichtigt man, auf den endgükiig zu leisten» de# Anleihebetrag einen erheblichen Straszuschlag(50 Proz. und darüber) festzusetzen. Solche Zuschläge sollen nicht in Frage kommen, wenn der vorausgezahlte und der endgültig gezahlte Betrag nicht allzu sehr(etwa 25 Proz.) voneinander abweichen. Jede vorzugsweise Ausstattung der Anleihe soll vermieden wer« den. Es wird deshalb vom Reichsfinanzministerium ein Ausgabe- kurs von 100 Proz. und ein Zinsfuß von 3— 4 Proz. nach Ablauf der dreijährigen Unverzinslichkeit in Erwägung gezogen. Auf eine be« sondere Amortisation der Anleihe soll nicht verzichtet werden. Die Amortisation wird sich aber nach den vorliegenden Plänen auf ein- halb Prozent im Jahre zuzüglich der ersparten Zinsen beschränken: eine Auslosung zum Pariwert soll vermieden werden. Soweit bis- her feststeht, wird die Anleihe durch die Darlehnskaffen beliehen werden, damit diejenigen Gewerbetreibenden, welche aus Mangel an liquiden Betriebsmitteln Schwierigkeiten mit der Beschaffung der Gelder haben, sich eine teilweise Erleichterung verschaffen können. Die Beleihung bei den Darlehnskaffen soll nach Möglichkeit einge- schränkt werden, um die Ausgabe weiteren Papiergeldes iy erheb- lichem Umfange und eine Steigerung der Inflation zu vermeiden. Di« vorzugsweise Behandlung, welche Kriegsanleihen und die Spar- Prämienanleihe hinsichtlich ihrer Beleihbarkeit, zu 85 Proz. ihres Pariwertes, durch di« Darlehnskaffen erfahren, wird jedenfalls der Zwangsonlcih« nicht zuerkannt werden. Auch der auf Kriegs» anleihe-Darlehen seitens der Darlehnskaffen gewährte Vorzugszin» von 514 Proz. wird für die Darlehen auf Zwangsanleihe nicht in Frage kommen. Die endgültige Gestalt hat damit die Zwangsanleihe noch nicht erholten. Eine Sicherung der kleinen Vermögen gegen zu hohe Be» lostung wird— das fei z» den obigen Plänen nur bemerkt— viel besser dadurch erreicht, daß man die Freigrenze nach oben schiebt, als dadurch, daß man die Zwangsanleihe auf dem Umweg über die Darlehnskaffen dem Reiche wieder aufhalst. Das Zaß öer Danaiöen. Paris, 7. März.(Eigener Drahtbericht.) Zu einem offiziellen Eomunigue der Reparationskommission über die bisher von Deutschland geleisteten Reparationszahlungen und deren Per- wendung durch' die Entenlcländer bemerkt das Gewerkschofts- orgon„Peuple", daß die Rsparationskommiffion damit wohl eine ganz andere Wirkung erzielt haben dürfte als die, die sie er- strebte. Das Blatt weist auf die jüngste Reichstagsdebatte anläßlich der Etatsberatung des Reichsschatzministeriums hin und erblickt in dem Zugeständnis, daß 4.2 Milliarden Goldmoek allein für De» fahungszwecke verschlungen wurden, eine Bestätigung der Angaben über die Kosten der Militärherrschaft im Rheinland. öalfours Koolitionsreöe. Landau, 7. März.(WTB.) Sir Arthur Balfour sprach heute nachmittag in seiner mit größter Spannung erwarteten Rede im Eity Earlton Elub nachdrücklich und ohne Einschränkungen f ü r die Koalitionsregierung. Er sogt«: nach seiner Ansicht seien die Interessen des Landes am besten den Händen einer Re- gierung anvertraut, die von der großen nationalen Partei unter- stützt werde, deren einem Flügel er angehöre. Das Z w e i p a r- teiensystem sei für gutes Wetter geschaffen. Wenn sich die Parteien nicht vereinigt hätten, wäre der Krieg nie gewonnen worden. Die Fragen, die seit dem Kriege entstanden seien, könnten nicht sozusagen nach Parteigrundsätzcn entschieden«erden. Die irische Frag« sei hierfür ein schlagender Beweis. Es sei voll- kommen klar, daß infolge«ller augenblicklichen Umstände für absehbare Zeit das innige und freundschaftliche Zusammenwirken fort- gesetzt werden müsse, dos bisher so gute Ergebniffe gezeitigt habe. Niemols sei dieses Zusammenwirken notwendiger ge- «escn als augenblicklich, und dies sei der Grund, weshalb es sich noch inniger gestalte« sollte. Lloyd G'e arge sei eine der größten Gestalten in der Weltgeschichte. Die Interessen des Landes würden nicht gefördert, wenn man Lloyd George schmähe. Es hieße eine sehr ernste Verantwortung über- nehmen, wenn man die Regierung schwächen wollte, die jetst vor dem Angesicht von ganz Europa als Vertreterin dastehe des festesten konservativen und sichersten Staates in der gesamten westlichen Zi« vilisation. Balfour fordert« zum Schluß seiner Rede seine konfcr- vativen Freunde auf, der Koalitionsregierung, deren Lasten feiner Ansicht nach von keiner anderen Regierung mit größerem Erfolg getragen werden könnten, volle Unterstützung zu leihen. Die Koa- litionsregierung habe dos Recht, die volle und ganze Unterstützung zu fordern, ohne die Großbritannien in Europa-nicht den Einfluß gellend machen könne, den es allein besitze und den es, wie er ehrlich glaubt, für den Frieden der Menschheit anwende. Lloyd Georges Ruhepause. London, 7. März.(WTB.) Der.Westminster Gazette" zufolge beabsichtigt Llohd George sechs Wochen auszuruhen und dann das Programm für die in Genus stattfindend« Konferenz zu eniwetfen,»an der er mehr interessiert sei, ak! sonst jemand". Mmifterkrife in Spanien. Rlodrid, 7. März.(WTB.) Graf R omanon«, verständigt« Im Laufe des Vormittags Waura, die Liberale Partei habe die ihr angehörenden Minister ersucht, ihre Mitarbeit im Ka- binett einzustellen. Maura begab sich nach dem Schloß, um dem König von diesem Borgange Mitteilung zu machen. Er üb«» reichte ihm eine Auszeichnung, In der die Lage dargelegt wird, dann übergab er das Rücktritt sg«such des Gesamtkabinett« Gras Aomanones wurde in das königliche Schloß berufen. GewerDhostsbeivegung Der Schiedsspruch-im städtischen Lohnstreit. In der gestrigen Sitzung des Schiedsgerichts im Zteichsarbeits- Ministerium fungierten Staatssekretär a. D. v. Möllendnrf, Oberregierungsrat choffmann und Münzdirektor P i ck e r t als Unparteiische. Der Magistrat war durch Bürgermeister Ritter »ertreten, Kämmerer K a r d i n g. die Stadträte Wege und E chü n i n g, sowie Dr. V o ll b r e ch t, den künftigen Dezernenten für Tarifangelegenheiten. Das Lohnkartell der städtischen Arbeiter vertraten Polenske und L a g o d z i n s k i(Gememdearbeiter), Ortmann(Transportarbeiter) und R e i n e f e l d. Kämmerer K-rding erklärte u. a., die Stadt Berlin sei bereit, den Arbeitern über 24 Jahre einen Zuschlag von 1,30 M., denen im Alter von 18 bis 24 Jahren von 1,20 M. und den unter 18 Jahre alten Ar- beitern von 1 M. zu gewähren. Die Kinderbeihilfen sollten auf ZSÖtz M. jährlich festgesetzt werden. Diese Zugeständnisse bedeuteten eine Mehrausgabe für die Stadt von rund 500 Millionen Mark. Bürgermeister R it l s r' wollte, daß gleichzeitig über den Reichs- manteltarif und über die Ergänzungsbsstimmungcn verhandelt werde. Das lehnten die Arbeitervertreter jedoch ab, da ihnen gegen- wärtig die Unterlagen fehlten. Das Schiedsgericht trat dann in Verhandlungen ein und fällte den folgenden Sck)iedsspruch. I. Diejenigen männlichen Arbeiter, welche sowohl am 1. Februar 1322 wie auch am 7. März 1922 in den Betrieben des Magistrats Berlin im Arbeitsverhältnis standen, erhalten für den Monat Februar 1922 eine einmalige Zulage von 200 M., insofern sie am 1. Februar 1922 das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben: S 0 0 M., sofern sie am 1. Februar 1922 über 18 Jahre, aber noch nicht 21 Jahre alt waren: 4 0 0 M., sofern sie am 1. Februar 1922 das 21. Lebensjahr erreicht, aber noch nicht 24 Jahre alt waren: S 0 0 M., sofern sie am 1. Februar 1922 das 24. Lebensjahr vollendet hatten. 2. Äom 1. März 1922 ab erhalten dieselben vier Arbeiter- gruppen eine Stundenlohnzulag« von je 1,\Vi, 2, 2% M., sofern sie vor dem 1. März 1922 in die betreffende Altersgruppe ein- getreten, und zwar am Tage nach ihrem Geburtstags. 8. Weibliche Arbeiter erhalten 8 0 v. H. der unter 1 und 2 verzeichneten Zulagen. 4. Diese Regelung gilt bis zum ZI. März 1922 und danach ohne Kündigungsfrist bis auf weiteres. 5. Den Parteien wird aufgegeben, die Erklärung über die Annahme des Schiedsspruches einander und dem Reichs» arbeitsministerium bis zum IS. März 1922 abzugeben. Siyd durch diesen Schiedsspruch die Forderungen der städtischen Arbeiter auch nicht vollauf erfüllt, so läßt er doch erkennen, daß das Schiedsgericht bemüht war, der insbesondere im Februar enlftan- denen Notlage einigermaßen abzuhelfen. Vie wirklichen Gewerkschafiszerstorer. Sie konnten die Welt nicht auf den Kopf stellen und stellen nun die Wahrheit auf den Kopf. Man möchte den mit den 21 Moskauer Bedingungen behafteten Leuten von der„Roten Fahne" bei ihrem munteren Spi-1 gern mildernde Umstände zubilligen, wenn sie nur ein wenig List und Schlauheit dabei zeigten, daß man dar- über lachen könnte. Ohnedem aber wird es schließlich widerlich, anstatt langweilig, wenn tagtäglich mit eiserner Stirn Behauptungen wiederholt werden, die in unvereinbarem Gegensatz zur Wahrheit und Logik stehen. Es ist zwar möglich, die An- bänger einer Parteirichtung durch die Presse und Bersammlungs- loden im Sinne der Partei zu beeinflussen: unmöglich aber ist es, ihnen einzureden, soweit sie nicht ganz blind sind, daß weiß schwarz und schwarz weiß sei. Die„Rote Fahne" sucht auch das Unmögluhe möglich zu machen, um in Moskau eine gute Rote zu bekommen, da man dort weniger die Mittel zum Zweck besieht, vielmehr den Zweck, die„gute Absicht" wertet. Die deutschen Gewerkschaften sollen den Kommunisten als Re- krutierungsgebiet für ihre Ideen und ihre Aktionen dienen. Durch persönliche Verdächtigung und Verunglimpfung der„Bonzen", der „Sozialverräter" wird die Luft in den Gewerkschaften oergiftet, durch Impertinenz der Masse zu imponieren versucht und die allge- meine Notlage ausgenützt zu radikal klingenden Verheißungen. Die kommunistisch«» Gewerkschaftsmitglieder dürfen in ihrer Gewerkschaft keine Gewerkschafter sein, sie dürfen keine Gewerkschaftspolitik treiben, sondern sie müssen k o m m u- n i st i s ch e Politik treiben, Zellen bauen und sie ausbreiten, bis sie die Gewerkschaften beherrschen und sie unbehindert den kommunistischen Zwecken dienstbar machen können:«Äus jeder kleinen Differenz mit den Unternehmern muß ein St r e i k werden, ein Streik zum anderen kommen, der Generalstreik in Pe r- manenz erklärt werden, bis wir es in Deutschland soweit ge- bracht haben, wie es im geloblen Rußland ist. Di«„Märzakiion" in Mitteldeutschland ist noch nicht ganz vergessen. Wollen die Gewerkschaften sich nicht aufgeben, sich nicht des einzigen Machtmittels begeben, um ihre Lohn- und Arbeitsbe- dingungen einigermaßen erträglich zu gestalten, dann sind sie einfach gezwungen, sich der Zellenbauerei zu erwehren. Si« können unmöglich ruhig zusehen, wie jede Versammlung, die zur Erledigung bestimmter Ausgaben dienen soll, mißbraucht wird zur Begründung krmmunistischer Resoluttonen, zur Propo- gierung tommunisttscher Putschtaktik unter der ebenso harmlosen als unwahrhaftigen Parole der„Einheitsfront des Proletariats". Gleich anderen Organisationen sah sich jetzt auch der L e r> liner Zweigverein des Dauarbeiterverbandes ge- zwungen, gegen die Gewerkschaftszerstörer in seinen Reihen mit dem Ausschluß vorzugehen, nachdem er viel zu lange die Din�e an sich herankommen ließ, bis ihn die Kommunisten schon ganz in der Gewalt zu haben glaubten. Nach der„chaItet-den-Dieb"-Taktit der„Roten Fahne" sind nicht etwa die so harmlosen, wackeren kam- munistischen Zellenbauer in den Gewerkschaften die Gewerkschafts- xerstörer— im Gegenteil, diejenigen sind die„G e w e r k s ch a s t S- zerstörer", die den Gewerkschaftskommunisten die Tür zeigen, wenn sie es gar zu toll treiben. Das ganze Ge- schrei des Kommunistenblattes über die„G e w e r ts ch a f t s z e r- st ö r e r", die Gewerkschaftsspaltungen zeigt, daß der Auss chluß der Zellenbauer das sinzige wirksame Mittel ist, um die Organisation nicht zerstören zu lassen. Besser wäre es freilich gewiß, wenn auch die kommunistischen Gewerkschaft�- Mitglieder, unbeschadet ihrer politischen Auffassung, in den Ge- wcrkschaften mitarbeiteten, sich in den Rahmen der Gewerkschasts- taktik und-praktik einfügten, woran sie rein als Arbeiter gleich allen übrigen dos größte Interesse hoben. Allein unsere Kommunisten genieren sich nicht, alle Fensterscheiben einzuschlagen, da sie ja„prinzipiell" nie noch den Kosten fragen. Wenn die„Rote Fahne" gelegentlich des Großreinemachens im Bauarbeitcrverband und wegen der Maßnahmen im Eisenbahner» verband über die Zentralvorsitzenden Fritz Paeplom und Franz Scheffel die Schale ihrer Liebenswürdigkeit ausgießt und gegen diese„Verbrecher an der Einheitsfront der Arbeiterklasse" die Parole ausgibt:„Hinaus mit ihnen aus den Organisatio- n en!", so spricht daraus die maßlose Wut darüber, daß die Ge- werkschaften so leicht nicht zu zerstören sind, daß es nicht fo ganz einfach ist, kommunistische Strategen an die Spitze der Organisa- tionen zu bringen und die Verbände der KPD. auszuliefern. Für einen Gewerkschaftsführer könnte es kein schlechteres Zeug» nis geben als«in Lob in der„Roten Fahne". Die„Freiheit", die sich anfänglich noch zierte, in diesen unvermeidlichen Ausschlüssen tommunisttscher Quertreiber aus den Gewerkschaften eine berechtigte Rotwehrattion der Gewerkschafts. lcitungen anzuerkennen, brachte in ihrer gestrigen Morgenausgabe einen neuen Beleg dafür, indem sie auf folgende Ausführungen von Schumacher auf der Konferenz des kommunistischen Bezirks- ausschusses Berlin-Brandenburg aufmerksam macht:' „Die Flucht aus den Gewerkschaften hat zugenommen. In weiten Kreisen der Arbeiterschaft herrscht heute schon die Auffassung, daß die Spaltung der Gewerkschaften kommen wird, wir müssen uns aus die Spaltung vorbereiten, um den Massen an die Hand gehen zu können." Stehen die Dinge so, dann können die Gewerkschaften es nicht zulassen, daß diese„Vorbereitung" in ihren Reihen«rsolgt. Damit dürfte denn auch die Frage vollständig geklärt sein, wo die G e- wertschaftszerstörer zu suchen sind. Streik der Zwischenmeister der Damenwäschebranche. Am Montag sind die Werlstattinhaber in den Streit einge- treten. Die Verhandlungen mit den Fabrikanten am 27. Februar haben sich zerschlagen und nachdem a»ch eine Bedenkzeit zur An- nähme der Forderungen bis zum 4. März erfolglos verstrich, kam es zum Streik. Die Forderungen lauten aus Zablung deS Tariflohnes auch für Arbeilen, die in den Werkstätten der Zwischenmeister sowie bei den Heimarbeiterinnen angefertigt werden. Es sind hierzu 22 Grund- formen aufgestellt, damit jede Werkstattarbeiterin, wie auch die Heimarbeiterinnen feste Lohnsätze für ihre Arbeiten bekommen müssen. Tie Wcrkstauinhaber verlangen auf diesen Nählohn einen Zuschlag für Stapelware von 60 Proz.. für Qualitätsarbeit von 80 Proz. und für Luxusware von 100 Proz., sowie Festlegung von Hohlsaum, Zickzack und Languettieren pro lausenden Meter und freier Garnlieferung.* Die Löhne in der Heimarbeit bewegen sich zwischen 2.00 »nd 4 Mark, die Tariflöhne der Näherinnen in den Fabrikantenbelriebcn dagegen betragen inomentan 10 M. pro Sluiid« Diese Löhne will man den Zwischenmeistern und Heimarbeiterin»«»' nicht zubilligen. Der Streik»st boin Zsntralverband der Werkstätteninhaber der Leichlkonfektion, Brauche sür Wäsche, aufgenonuner. worden. Vor- aussichtlich werden sich auch die Arbeitnehmerverbände deinselbeu anschließen. Das Sireikbureau besintet sich Rosenlhaler Hof, Rosentbaler Straße 1t/,S. Für Sie vauarbcrterk Di« bei Neendigung des Streiks vereinbarten Löhne im Hochs bau sollten bis zum 23. März 1922 gelten. Das Bezirkslohnamt hat jedoch Verhandlungen während dieser Lohnperiode in Aussicht ge- stellt, falls sich die Kosten für�den Lebensunterhalt wesentlich ändern. Am 28. Februar haben nun freie Verhandlungen zwischen dem Vcr- band der Baugeschäste und den Arbeitcrorganisationen stattgefundei-, die dos Ergebnis zeitigten, daß a b 3. M ä r z 1 9 2 2 auf die bestehen- den Löhne eine fünfzehnproz entige Zulage gezahlt wird. Die Generalversammlung hat am 6. März dem Ergebnis zu- gestimmt. Die Löhne im Hochbau gestatten sich daher vom ge- nannten Termin ab wie folgt» Maurer 1ZF0 M., Zementierer und Einschaler 16,45 M., Steinträger 16,60 M., Kalkschläger usw. sowie Zementorbeiter 14,95 M., geübte Bauhilfsarbeiter 14,80 M., ungeübte Bauhilfsarbeiter 14,70 M. Dieses Abkommen aill bis zum 8. April 1922. Im Tiefbaugewerbe ist vom 20. Februar 1922 eine Lohnerhöhung von 1,50 M. für alle Gruppen mit Ausnahme der nachstehend besonders aufgeführten Gruppen eingetreten. Tief- bauorbeiter unter 18 Jahren pro Stunde 1,30 M., Frauen 1,45 M.. Wächter pro Woche(Zulage) 80 M., Ersatzwächter pro Stunde 1,55 M. Metallarbeiterstreik in Ostpreusteu. In Ostpreußen stehen die gesamten Metallarbeiter seit An- fangFebruard I. im Streik. Di« Löhne sind in sehr vielen Betrieben für die gelernten Arbeiter nicht viel höher als die Ent- schädigung, die der Lehrling im Westen Deutschlands im vierten Jahre seiner Lehrzeit erhält. Die Firma F Komnick, Maschinen- und Automobilfabrik in E l b i n g, einer der größten und tonangebenden Bettiebe Ost- Preußens, gab am 10. Februar ihre ab 8. Februar erhöhten Stunden- lohnsätz« bekannt. Die Löhne sind noch Altersklasien von über 18, 20 und 24 Jahren gesiaftelt und betragen: für gelernte Arbeiter 3,20, 4,20 und 5,30 M.. für Angelernte 2.70, 3,50 und 4,50 M., sür Ungelernte 2,80, 3,80 und 4,30 M. Wenn die Laufburschenlöhne dieser Firma auch nicht allgemein üblich sind, so darf doch nicht verkannt werden, daß, wenn eine führende Firma solche Löhne zahlt, sich andere kleinere Betrieb« da- nach richten. Dabei ist die Lebenshaltung in Ostpreußen um keinen Pfennig billiger als in den übrigen Teilen des Reiches. Aber auch derHerrenstandpunktderUnternehmer gegenüber den Rechten der Arbeiter mußte die größte Empörung auslösen. Der Achtstundentag besteht in den meisten Betrieben nicht mehr. Dos Mitbestimmungsrecht der Arbeiter bei der Festsetzung der Lohn- und Arbeitsbedingungen, wie es im Z 185 der Reichsverfaffung festgelegt ist, existtert für den Der- band der Metallindustciellen des Ostens nicht, dem die meisten Betriebe angeschlossen sind. Die Organisation der Ar- bciter ist für diese Herrschaften einfach Luft. Vie Firma S ch i ch a u. Elbing, die in diesem Verband tonangebend ist, ließ durch die bürger» lichen Zeitungen erklären, daß si« nicht weiß, warum die Arbeiter streiken, da Forderungen von diesen nicht gestellt sind. Die Forde- rung, die der Metallarbeiteroerband gestellt hat, geht sie nichts an, da sie denselben nicht anerkennt. Auch die Schlichtungsinstanzen werden von dieser Gesellschaft sabotiert. Dem Regierungspräsidenten in Königsberg, sowie einem Bertreter des Rcichsarbeitsminifteriums erklärte ihr Syndikus, daß der Metallindustriell?>i verband es ablehnt, vor dem Schlichstungsausschuh zu erscheinen. Leider haben wir den Kampf nicht nur gegen die Arbeitgeber. sondern auch gegen eine» Teil der Arbeitnehmer zu führen, der uns entweder aus bodenloser Dummheit oder weil er von bezahlten Sub- jettcn der Unternehmer irregeführt ist, den Kampf sehr erschwert. Am Sonnabend verbreitete die Allgemeine Arbeiter- Union ein Flugblatt an die streikenden Metallarbeiter und Trans- portarbeiier Königsbergs, das in den onmuttgen Schluß aus- klingt: „Haut Eure Götter und Halbgötter, diese Schafsgesichter Mertiiis und Konsorten, aus dem Tempel. Euer Kampf muß sich richten gegen das Kapital und sein« Zuhälter, die Bonzen. Das Endziel ist die Uebernahme der Produktion und der politischen Macht. Das einzig« Mittel dazu ist nur derGeneralftrei t." Die ostprenßischen Metallarbeiter haben den ihnen aufaezwunqc- nen Kampf aufgenommen und sind gewillt, ihn durchzuführen, bis die Unternehmer ihren krassen, an Größenwahn grenzenden Herren- standpunkt aufgeben und Löhne bewilligen, die auch den ostvreußi- schen Metallarbeitern ein menschenwürdiges Dasein ermöglicyen. Die Arbeiter im Reiche fordern wir auf, st r e n g st e Solidarität zu üben, jede Teilarbeit, die von ostpreußisch«» Firmen der Metallindustrie herstammt, abzulehnen und vor allem jeden Zuzug von Metallarbeitern nach Ostpreußen fernzuhalten. g?ntral»«rbanl» der«ngeskckltc». tsaisi�rupve Srmeinde. Sekti»* Vrr««!» tunk»'»angestellte: Mitgliederversammlung Mittwoch abend 7 Uhr i» der Neue» Philharmonie, Aijpenlckrr Str. Deutscher Ira|e smina. Tijgl. 7» ,Uu Der lust. Sketsch D i« O h r s- i« « mW. er Straße. artstei» NmeM.... Ko/ibuser Damm SS/S9* Zimwer?raße . Köpenick, Kaiser« Wilhelm- Straße-tot hße) KarsshorsiWaldsiedsung>« Friedrichshagen, Scharnwebersir.4* Wildau Spandau, Friedrichsiraße, Ecke Achenbachstraße Ärunnenstraßeikss Den Geweckschastsmitglledem zur Kennknis, daß der Verkauf von Wasche und Schuhwaren in unserer Verteilungsstelle„Sebastianstr. Z?-A8" ab Donnerstag, den 9. Marz 1922, eingestellt wird, da hier nur noch Herren- und Damen- Vekleidung zur Verteilung kommt. Zn den oben angeführten Vert ei lungs- stellen sind nach wie vor unsere bewährten Qualitätswaren erhältlich. Geöffnet von 9-12 und 3-6 Uhr* Verbandsbuch ist unbedingt mitzubringen Kr. 115� AH. Jahrgang Heilage öes vorwärts Mittwoch, S.MSrzim HaperiMe Gemütlichkeit Gerliner Prägung. � ifn'prgcnhsrt Semcrffrstrerttn Ausfllkrungcn unter- gifol ein Genoffe nuS Saiwn die EdifEiietbcrgnügungcn Berlins einer fdictfen nrltif. Sei alter Secedmgung bce. im einzelnen feefagtcn möchten wir doch der allzu ftedtifcScn ZchluUolgerung ■— besonders soweit die vdlitische iluSwirkung gestreikt wird— nickt obne weiteres Beiffimmen. Ter Verfaller liebt unseres ErachtenS hier ein wenig zu schwarz. D. Red. Von zwanzig„Buorn" und„Madln", die in München in der „Krachledernen" und im„Deandigewand" umherlaufen, stammen siebzehn czus dem Berliner Westen und zwei sonst aus Berlin. Der eine echte Bayer ist ein Oberlondler, der nichts andeies anzuziehen hatte oder zu eilig in die Stadt muhte, um seine Gcbirgstracht noch ablegen zu können. Es ist in Bayern eine allbekannte Geschichte, die oon der„echt bayerischen Gemütlichkeit"— Berliner Ursprungs und in Geist und Art dortselbst hergestellt. Der Münchener kennt sie und lacht von Gerzen darüber, wenn er nicht gerade über diese Art, ein naives Bolkswesen ins Urkomische zu ziehen, schimpft und in baye- rischen Kraftausdrücken, die echt sind, wettert. Der Berliner aber macht es nicht und amüsiert sich nach wie vor über den bayerischen Stands- mann, den er erfunden hat und der so, wie er ihn erfunden hat, vielleicht auf dem Mond oder sonst irgendwo, aber nur nicht in Bayern vorhanden ist. Der Bayer kann gar nicht urwüchsig und grob genug weichen, um nicht v�n Berliner als gemütlich empfunden zu werden. Das weih man in Bayern. Blätter vom Schlage des �.Miesbacher Anzeiger" wären längst eingegangen, würden sie nicht im Norden, und nur dort, ernst genommen und förmlich verschlungen. Ks ist eine Spekulation aus die Berliner Unschuld. Sie hat sich gelohnt. Das weiß-blauo �ushängcschilS. Will man wissen, wie der Berliner eigentlich dazu kommt, Bayern ganz unrettbar schief zu sehen und sich durch seine falsche Einstellung so unbeliebt zu machen, wie es überhaupt nur möglich ist, dann muß man sich an die Quelle echt bayerischer Gemütlichkeit, also nach Berlin selbst, begeben. Schon Aschinger bereitet die Auf- klärung vor: weiß-blau ist nicht eine Landesfarbe, sondern ein Aus- liängeschild für Magen und Gurgel. Und der Bayer, der in die Reichshauptstadt kommt, merkt gleich, wie er eingeschätzt wird. Der weiß-blaue Wirtschasisbeirieb hat mit Layern so wenig zu tun wie irgendein norwegisches Restaurant aus der Berliner Weltstadtzeit mit skandinavischer Eigenart. Es gehörte nun einmal zum Welt- stadtbild, aus allen Ländern Stile zusammenzutragen und sie zu einem Ganzen von vollendeter Kulturlosigkeit aneinanderzureihen. Berlin selbst wußte in der Glanzperiode seines„Aufstiegs" wenig aus eigenem zu geben. Es schmückte sich mit fremden Federn— vom Kamerunneger, der als Portier zu einem eleganten Nachtlokal gehörte, bis zum weiß-blauen Wirtshausanstrich. Der internationale Glanz ist schäbig geworden, das bayerische Aushängeschild ist ge- blieben und, was noch schlimmer ist, die Berliner bayerische Gemüt- lichkett auch. Sockbier und Kuliffenzauber. In Bayern selbst gibt es dies nicht. Diese Art Bock hat mit einem Gemsbock nichts zu tun, und wenn der Bayer in die Alpen wandert, dann will er Natur genießen und denkt nicht ans Trinken. vielleicht liegt nur ein Mißverständnis der Festidee zugrunde. Der Bayer pflegt ja seinen S a l v a t o r auch auf einem„Berge" zu trink-»«, dem berühmten Nockerberg, der allerdings noch nicht einmal fo hoch ist wie der Berliner Kreuzberg, vielleicht aber den Alpengedanken nahegelegr hat. Beim Berliner Dockbierfcst ist zunächst alles da, glänzend aufgemacht und gemalt— von der Zugspitze bis zum Berchtesgadener Land. Aber die Zugspitze friert in der Wirklichkeit ihrer Eisbedeckung noch lange nicht so wie «v diesem Saal und die Berchtesgadener Türme strecken ihre fzälse verzweifelt zum Himmel, weil sie in diesem Bacchanale bayerischer Gemütlichkeit auch nicht einen Schimmer von bayerischer Ari oder gar.Grüblgkeit" entdecken können und weil sie sich der weiß-blauen Fahnen schämen, die so zahlreich und feierlich ausgehängt sind, als stattete ein pensionierter bayerischer Prinz einem oberboyerischen Bauerndors einen Besuch ab. Was hier gemütlich und bayerisch sein soll, ist dem, was man in Bayern als gemütlich betrachten kann, vollständig entgegengesetzt. Der Bayer ist ja gar nicht einmal gemütlich, er wirkt nur so. Und er wirkt so, weil er die Ruhe selbst ist— bis auf weiteres. Er setzt sich zum Bier und schweigt. Man kann nicht einmal sagen, daß er denkt. Man sieht ihn nur trinken und vor sich hinbri'ten. Ganz anders in Berlin. Man begibt sich mit bewußter Gemütlichkeit zum Fest und nimmt sich vor, so formlos zu sein, als es nur möglich ist. Unter dem Schutze der weiß-blauen Flaggen geht dies ja. Was ist nicht alles möglich, wenn ein Mensch — bayerisch gemütlich ist? Rummel Serliner Note. Es ist ein gutbürgerlicher Hexensabbat. Ist ein ganz närrisches Kinderspiel Erwachsener. Ist, zusammengetragen, all das, was in Berlin an Tollheit vorhanden ist— von der Neujabrsnacht und den Rummelplätzen bis zum intimsten Dielentreiben. Ist ein ständiges Hin und Her, eine Unruhe ohnegleiäien, ein Schieben, Drängen, Stoßen, Sichnecken, Singen, Brüllen, Pfeifen, Tanz, Maskerade, Konfettischlacht, eine Musikkapelle neben und nach der anderen, mitten im Saale auch eine Rutschbahn— ist all das zusammengedrängt und aus die Spitze getriehen, was ein bayerisches Lolkssesi nicht hat. Echt sind nur zum überwiegenden Teil die bayerischen Musikkapellen, die durchweg Berliner Schlager spielen— aber wenn statt ihnen Negerkapellen musizierten und lärmten, es würde da- durch gar nichts an dem Charakter des Festes selbst geändert wer- den, das der höchste Ausfluß Berliner Bescheidenheit unh Harm- losigkcit und ein Gipfelpunkt jener Freude ist, die darin besteht, daß man sie bekundet und vor anderen zur Schau trägt. Es ist bei solchen Festen, wie dem Berliner alpenbayerischen Bockbierfest, eine grenzen- lose Gemütlichkeit vorhanden. Gerade deshalb ist es alles eher als bayerisch. Ein Fest dieser Art und in der gewaltigen Massenaus. machang wäre weder in München noch sonst in Bayern«östlich. Schon um Mitternacht würden dort die gastlichen Säle etnem Schlachtfeld gleichen— vorausgesetzt, daß nicht vorher Hausknechte, Sanitäter und Polizei in fieberhafter Einzelaufräumearbeit be- griffen gewesen wären. Hier verläuft alles harmlos und friedlich und man weiß gor nicht, wo Bock und Böcklein zu suchen sind— im Krug oder unter den Menschen. Und das ist das Allcrunbayerischste daran. V:e ernste Seite. Das also ist der Anschauungsunterricht, den sich der Berliner selbst über Bayern erteilt. Kommt der Bayer nach Berlin— natürlich nicht ein Gegengast für den Bayernbesuch aus Berlin West—, so lernt er rasch begreifen, warum sich in Bayern selbst die Dinge in einer Weise entwickeln konnten, die menschlich und politisch des höchste Maß von Ungemüilichkeit darstellen. Er begreift, warum er in seinem Kampfe allein stehen muß, warum er machtlos ist gegen eine reaktiv- näre' Herrschsucht, die geistig kaum niehr etwas mit dem übrigen Deutschland gemein hat oder gemein haben will. Er versteht es, daß die bayerische Reaktion geradezu von der in Berlin erfundenen und gepflegten bayerischen Gemütlichkeit leben kann. Aber er ver- steht es nie und nimmer, daß auch Berliner Arbeiterkrcise sich von der Bayernsinstellung des Westens ankränkeln lassen, daß sie ge° dankenlos Trinkgelage und Faschingstreiben unter den weiß-blauen Fahnen mitmachen, ohne auch nur einen Augenblick an die ernste Sprache zu denken, die eben diese Fahnen reden. Berliner Westen und herrschendes Bayern von heute gehören zueinander und dulden sich gegenseitig. Vom Berliner Arbeiter aber möchte und darf man verlangen: sieh dir einmal das Wesen sogenannter echt nationaler, oolksstämmiger Kultur an und du wirst zum Ergebnis gelangen. daß sich Hohlheit und— als einziger Geist— Geschäftsgeist dahinter verbirgt. « Das neue Deutschland verlangt auch eine Republikanisiörung des Volksvergnügens, eine Befreiung von schäbig gewordener alter Verkleidung und Einstellung auf rein menschliche und darum echte Freude. Geht ihr einmal daran, bayerische Gemütlichkeit Berliner Prägung in die Rumpelkammer zu werfen, wo diese am finstersten und unzugänglichsten ist, dann höht ihr den besten Anfang gemacht und euren wirklichen Volksgenossen in Bayern den größten Dienst erwiesen. vom Schlafrock. Es gibt Dinge in uns und um uns, die sich aus unserer Existon» fortstehlen, ohne daß wir es gewahr werden. Zum Teil geistiger Art, ihren Ausdruck durch die Sprache findend— man erinnere sich an die tö»ichten Spielereien mit Cri-Cri, an Pschute, Vlan und ähn- liche Modercdcnsartxn—, zum Teil aber auch materieller Art, solche, die wir sehen und fühlen können. Nun denkt man sicherlich: Spaß, der Krieg hat uns so manches abgezwackt, den englischen Senf, den Kaviar, selbst den Stockfisch—, aber das ist ein Kapitel für sich, das seines Chronisten noch harrt, Nein, Dinge, die uns erreichbar sind, die wir aber abgestreift, er- ledigt haben—. So der Schlafrock. Gewiß werden noch etliche würdige Herren sich an ihrem vorkriegszeitlichen(vielleicht ge- wendeten) Schlafrock erfreuen, auch mögen etliche neue„gebaut" werden, aber im allgemeinen... Die Zeit ist vorüber, wo der ?octa laurcatus die Leier stimmt«: In der Goldnen Uli sind 1kl WO Schlafröcke zu sehn— Und man sah sie wirklich, appetitlich auf die Straße hinaus- hängend, sofort„greifbar". Heute sieht man in den Auslogen Pelze— für das Alter von dreißig Jahren eine unbedingte Not- wendigkcii— und Sportkostüme, gewissermaßen� der Gegensatz vom Schlafrock. Selbst Männer im reiferen Alter wickeln sich Gamaschen um und zeigen trotz der Nachwehen der Kriegskost stramme Waden, Vielleicht ändert sich der Geschmack wieder später— ober augenblicklich ist der knapp gehaltene Anzug, der für die Bauchentwicklung kaum Platz bietet, Ehrensache. Wenn das starke Geschlecht auch noch nicht auf dem Standpunkt des schwachen steht, das„oben nichts und unten nichts" für die Winterzeit angemessen hält, so ist es doch in erfreulicher Weise be- müht, das alte Vorurteil von dem Philisterdasein der Deutschen zu beseitigen, und deshalb wird der Schlafrock ack setz gelegt oder von der in die Jahre kommenden Generation nicht mehr angeschafft. eioe». Reizend sind die ge- ichmeidigen und fielt ardertenden Geschwister tz! e d e l. Der Zauber- knnsrler Ziem? bringt zwar nicht? Reue?,»erblüfst aber durch uiiglaud- lich- Sicherbeit. Tie japanischen kS-ukler Kituta? zeigen wieder in der Parterreakrobatik die fabelhaste Rahengeschmeidigkeit ihrer Raste..Boll- kommen au? de« Rahme» eine? iSeltztadtvarielä? siel jedoch der Ai«iter Aman». Sich«in parr Bärie umhänge» und behaupte», man sei der und der, ist ein»„Kunst", die heute»llensall?»ach aus Porstadtvariel«, bühne» ihr Dasei» ftiste» kan». So zeigt« er«inen jüdisch»u?iebendc» Börseaneritzp und behauptete, da? sei Gustao Ro?ti. II« den Lerall berauszukitzel», bringt er zu« Schluß be«.eiserne» Ranzler" mit de« Küraiherbel». Da? Publclum rast. Ter«int-rgarlen sollt- aber nicht vergessen, daß er zurzeit nech ei» Renommee zu oerlieren dar. Als gleich darauf der„7t-»» mit der Seekrankheit"«ui der Bühne erschien, da kennte«an aus de» bashasle» Gedanken kämme», daß da? die— Folgen der Amannsche» Darftellungen waren. Der sich sa nennende Balanceakt an sreistehender Leiter der beide» Perez aber wurde mit grögier Braoour und sicherster Technik»urchgesübrc.— Die M o d- s ch a u 19 2! ist eine Reklame der großen Berliner Modespezialhäuserl man oer- steht nicht gut, warum da? Pubüium dafür noch zahlen mug. Die kühnen kapriziösen, übereleganten Dchneibertompantionen au? Brokat, Seidc. Pelz, wert und Samt erregten de» enizückten Brijall aller Palustarten. Eine Schau sü- Millionäre. Schieber und Halbwelt. Innerhalb der Mode. schau tanzte und steple da« Paar Tschescharke— M-rheinecke brillant, s Die Seala bringt im Mär, ein Programm, da? durch eine gewisse Meichförmigteit in der Zusammensetzung überrascht. Die Krix-Krigora- Truppe und die sieben Kayton?(gewiß beide i« ihrer Art sehr gut) zeigen akrobatisch fast die gleichen Leistungen, de« komischen Einichlag abgerechnet gehören auch die süns Oniros? zu dem Genre. Al? originell atti der Varietobühnc sei registriert Rostt mit leinen drei musikaliichen Elefanten. Höhe- Punkt ist der Rüste Gaorilov mit seine» trefiüchen Tänzerinnen, der die gute Schule de? berühmie» rustisiben allen Ballett? dem peuen Tanz- stil gcichickt anzulehnen versteht. Da? übelste vom üblen ist ein sächsischer „Komiker", der»as hier scbr zahlreich verlreiene nationalistischc Hammitun? durch die absurdesten Schmarre« zur Verhöhnung der Repubick crcijcrt. Republikanisch gestimmte Besucher sollten sich tat merke». Sport. 50Sv-M«tr?-Weiffchalk!r«erde« in Zuktmft sowohl im Grüne- w n- d al? auch in K a r l S h o r st aufgemacht. DaS ist ein traurige» Zeichen unserer Zeit, nämlich zuerst einmal lür unsere furchtbar« Geldentwertung und zweiten« sür die krankbast? Settlust, die weite Krelse ergriffen bat.— Bon der Obersten Behörde für Traberzucht und-rennen sind für diese? Jahr an AuSwelie» verabfolgt an Herrenfahrer 159, Beruizfohter 153, Trainer 114 und Lehrlinge S. Hierdurch ist gegen da» Borjahr eine Ziuiahtne der Beteiligung sestzustellen.— Sowjet-Rlißlond führt jetzt wieder Pferde« rennen ein, und zwar sollen die ersten auf der Petersburger Bahn abgehalten werben, die bereit» instand gesetzt wird. Arbeitersport. 9u«rSeiterspoeSarbe» fll» be»«. B«|M iS» m tan t. März, tlj Uhr, in der Aula de» cbH»»ofiuM», Siegliß, tzrrsestraße,«i« ösfenilicre Bkrsannnlunß eb. Tage-lorbnun«: Arbeitersport: Se»b«»»ch» fik Piißendherbcrs-n. Denosse», zeigt durch zahlreiche» Besuch b-o Se?so«i»lu»?, daß Euch die Becnebunge» de, Sportkartell»»il Bezug auf die Körperkultu» Eurer Zuzeud nicht'slrichgültig lind. Grsff-SetMe? partewachrschten. 2. Jfrri» ZUrparit*. Dk? Surfat fc«t CHttiitniic s*k dei»descha!e»«l»e»i«istr. 2«. Srlchei»«» Pflicht.*„ 7. Irri« SH-rlsttraSa.�.?»»r»ret«,, de»». Mir«, 2 Zlhr, Sitznaq der Abte:lu««!eitr:i»a«a im R»th»u», zi«i»rr 1. Auch die Fval- tio»üri»»r» f.as eiagelctCK. heule. Mitiwoch, de« S. Zklärz: tt. Akt.' Dir VbtriluugsrersaMmluuz siadet uickt st«tt. lö. Kbi. TVt Uhr üriitglitbftnerfiimml-JKB. t* der SAutouTs«erasaft Sir. 89, aO. Ttyrmn:„Bölftrtuad uad JattraaHsxalf". Sefereat Surf Segeaer. Sh»r>«tteaburg. 55.«Dt. TU Uhr Frhtebead der 9. Srupre d-i«eimer, Wil»crsdor?er Str. 21.—-7. Abt. 1. Kruppe: 71- Uhr h'i«radt, Seat. ftr-fje 51. Shenr«:..Pif weltliche Etfiult". Nefereat Naschte, 79. S6t.«jl»er»bs:s. 7',- Uhr Aahladerd hei Pieper, Helsteialsihe Str. W. Ettemc:„SWinuaae. uad Plieterf'.aeea", Nekereat Pr. Sora. «-»», 92. Abt. TU Udr Zahlabeade, Pezirke 14.» uad« bei»loch, Usea-, eck- Harzer Strohe;«ezirke 27 uad 92 bei SwSld, Asbeslr. 52: Be- »irke 28 uad 55 bei Degeaer, Elbe-, Ecke Schaadauer Strahe: Bezirke ZI, 44, 45 uad 55 bei Sippert, N-keggernr. 17- Sejirke 45 uad 5,9 bei Pahie. Ziichardstr. IIS; VezirTe 72 uad'1Z bei Schaeider, Naseabr. 7.— 9». Vbt, SUryter �577rh7Wrs z 5 5e 2rAeSr«„Ph «a staltet am Saaaerettg, d-a 9. Marz, 7 Uhr, ia der Schulau!« Sraa, priazeastr. 19 eiaea Bprtraz»abead mit dem Schema„Neligiaa uad Saßial» deiaakretie". Nefereat Keassse Paster Fraacke. Parteigeaofsea und Gäste siad eiageladea.— Sruppe«ritz: 7?h Uhr im Zugeadheini Cchousseesir. 49, ?ichtbiwe:»srtraa:„Die Schänheitea uaserer Mark.— Gruppe Schäncberz- Frledeaa«:?>» Ilhr bei Srph, Sedaastr. 17,»uaiec Abend. Jugenöveranftaltungen. heuke. Mittwoch, den 8. März: Noh»sdars: AitKe«dßeim Eemeinbefchule Dahmestraße. Diskussian: ,.U»sere Oegper".— fl«,-:aick: Nuaendhein, Kemeiadeschule Marttplah, Sähfusstaa: „Agitatiaa-arbeit",— Tsriedrichefelde: Jugendheim Berliner Str. 44, Bortrag: „Bre Entsiehun« der Erde".— Saulederf: ZvgendHei» G-meind-säiule Adolf- Straße. Viiiolieserversammlunp.— Tichtenberz: Jugendheim Partauc 19, Mit. gliedernersammlung.— Mahlodaes: Iuaendhcim Gemeindeschule Walderse-straße, Mitaliederoersaminlung.— Marieadpr�: Jugendheim Tchulbaracke Sönigstraße, Bioiufbon:„Vaadera".— Pre»zlauer Barstadt: Ziiz-adbeim Gemeindeschule Seaefelderstr. 9??. Mitgliederperiammluag.— Tempelhsf: Zuzeadheim Ger maniaslr. 7, Bistussiea:„Schuadlireratur". k? girte 55 uad 99 bei Braua, Zieshen-, Ecke Nalkstraße: Bezirse 74 uad 7Z hch Soblk-, He-manaser, 1N9.-«4. Abt.?>, Uhr Aahlabead« ia falgendea »aiaiea: vez'rk« 59 und zz bei Saue?, Shomaestr. 25: Bezirke 55 uad 159 che Müller, khüriager Sir. ö: Bezirk- 57 und 151 bei Höhaow, Lirchhos-, Eck- Grafer Straße: Bezirke 95 und 94 bei U!a»«»»ki. Zlsestr. 1: Se- «irke 192 und 1R im Nestaura, t Bodeftr. 1.— 97. Abt. Ber I9ä. uad 1'*. Bezirk tagt nicht bei Neriich, Siegiriedstr. 4«, seader» bei S-Lg-r, Emfe: Str. 5(!i!>7. 199. tibi.?riedrich»bogen. TU Uhr bei Scholz.?riedrichst?. 91. Schema:„Bte Bilroermeisterwrhl im 15. Berwaltuagabezirt". 126. Abt. Weisteasce. 1'i Uhr im Sota!»äasel,«trliaer Ab-e 255, Eck- 5-hd-r- straße, BUtgiiedervenammluag. Theme:„SozialdeMokratie uad Streik. recht". Nesereat Arlur Häußler.. 129. Abt. Baafoa. Sie Zahlab-ad- faEea au» u»d fiade, a» 15. Marz bei Eiadaer sSastacsaal), Breite Straße, statt. SialaduajeR«ehea d-a Seasssea 151. Abt. Ni-berschZahauseR. 7-4 Uhr»-UereluersaMMIuaZ bei Sliadt,»m Zsri-de»»plaiz. 1155. Abt. T uchho!,.»er z-hl-bead fiadet»icht heute, s-adeea erst am Boaaei-. �Z». A�t, Neinickcad-rf-vst. 1% Uhr bei Siadstedt,»estdeazdr. 1«9s121, Mua?. tisnärrersammluag, Sämtltche �uaktisaäre uad die-iageladeae» Se- aasfiaaea uad Geaassea uerdea gebetea. pslaktlich zu erscheiaea. 445. Abt. A!.»d»i-.aa»!ilst. Büaktlich 9 Uhr Zahlobead bei«enrich,«l Saha- Hof. Sazeaordauag: Borstaadowahl uad B-rschiedeae«. Sie Kreise„Preazsauee Berg" nah„Weddiag" oeroa stalten am SannelOtao. dea 9., abend«:-9 Uhr, i» der Aula de»?.es5aq.k,inaa. sin«», Bankbr. 19, eiae» Bnnte» Abend zum Beftea de» Arbriteejngead- S-adheim». Der Genosse H«a« ch-iaz ZnhrmaaR spricht an,„Glaß- brenner" Alt-Berliaer Hv«»r.«b»?»>it!k— Streit,~ cheau». Resereat: Sr. Ad,lf Braaa, A.». St. 55. Tibi. Eharlottpabura. 7Vt Uh? bei Steia, Paksauer Sir. 95, Uuaktioaärner. sammluag. Erscheiaea aSer Genosstaaea uad ü-aessea driagead erforderlich. 197. Abt. Asi-Glieaicke. 7>» Uhr Miigl:eder»ersa»mlua« bei Meier, Am �alkea- HZ1. Ab?. Niederschöahaasea. 714 Uhr Bersammluag iFet drei sozialisttschea Parteiea ia der Aula de» Nralgamaastumo Suchh»lz»r Straße. Thema: ..P-aklifch» Arbeit ia der Kemeiaschattslchule". Nesereat Erwia Blarauarbt. 135. Abt. Jnchbolz."'4 Uhr Zehlabead. bei Äaehne, Berltaer Str. 59. ihe»»: , Eireik uad Sozialdemokratie". N-f-reat Surt Kießmaaa. Nuppelt: 55, u, 97, Bezirk: Schwarzailr. 1 bei Ämeluagsea: 54, Bezirk: Maresch. straße 1/2 bei Gstazcl: 95. Bezirk: Schiiaeweider Str. ö bei Buhle: 95, u, 95, Be- zirk: Eaaaer-, Ecke Elsterstraß-, bei König: 99, Bezirk: Thüringer Sir, 22 bei Worastadt; KöZaische Heide lSiedlung): Lokal Biinuirkel,— Donnerstag, dea 9. März: 55,, 51,, 52. u. 55. Bezirk: Saiser-Friedrich-Str. 145 bei Heuser. Nesereat Stadtrat«. 9. Niemaaa-BilmerRdorf. Thema:„S« z i a I d e m o, tratie«iast uad letzt". Lebensmittelpreise des Tages. Zufuhr: Tir'la» auarsirVietid. Gr-rahäft puhi». pleiseh über B»darf. Gerehiüt riemiieh reg». Obut und Geraüs» seharaeh. Gaschäft stüL * Am Tiieiislag galten in der Zentriltnsrbthall» fe1»»nd» Klein- tzandelspreise: Rindfleiseh?0— 29 M.. ebne Knoeben 53— 57 M. Suppenfleiseh 50 bis 51 M. SehmorflEisch 20—21 M. Schnitzel 20 M. Nieren 20 M. Reulade» 20—51 M. Rinderlutipe 10 Jf. das Pfund Schweineohr läM. und Kopf 12— 13M. Eisbein 1b M. Kabeljau 0—10 M. Dorsch 6—7 M. Rotzungen 13—16 M. In Eis; Aale 30—45 M. Hechts 15— 16 M. Karpfen 13— 19M. Zender 22— 24 M. Lebende Earsehe 17— 19 M. Bleie 13 bis 14 M. Plätzen 13-15 M. Naturhulter 44— 50 M, Bolle- Mnrgarinc 99 H. Hell. Schmalz 34,50 M. Schwoincsehmalz 38—35 M. Kaffee 64-78 M. Sehrannter Roggen 6.75 M. Wilde Kaninehen 31—33 M. das Stiielc. Enten 33—36 M. Tauben 30—34 M. z.woi Stüet Zwiebeln 6,50—7 M. Parree S— 15 M. das Bund, Wietfäaft Die beuksch-rusflsche 3 ttbu strieomssteklung i« Msskav. Die Sorvietregierung gib� sich alle erdenklich« Mühe, u« die geplante Ausstellung zu einem Erfolge werden zu lassen. Jetzt wird von der Näteregierunq ergänzend noch bekanntgegeben, daß der räterufsische Oberste Wirtschastsrat das Protektorat über die Ausstellung übernimmt. Die Zahl der reichsdeutschen Aussteller ist nicht beschränkt. Die Moskauer Stadtverwaltung stellt die erforderlichen Räume der deutsch-russischen Ausstellung 1922 zur Bersügung und über- nimmt den offiziellen Schutz der ganzen Peranstaltuna, Die innere Organisation der deutsch-russischen Ausstellung in Moskau über- nimmt ein in Bildung begriffener Ausstellungsausschuß von reichs- deutschen und räterujsischen Fachmännern, Die deutsch-russische Ausstellung in Moskau erhält von der Aäteregierimg das Privilegium der Exterritorialität. Während der Dauer der Ausstellung werden zwischen Petersburg und Moskau Ausstellungszüge verkehren. Die deutsch- russische Transvortgesellschast(�apag-iharriman) in Hamburg wird einen Expreßdampserverkehr zwischen Hamburg-Stettin-Nänigsberg und Petersburg für die Bedürfnisse der Ausstellimg in Moskau unter- halten. Sprunghafte Preissteigerung für Textfirohststf« und-sobrlkcite. Die Preise für Baumwolle,(S a r n e und Sewebe stnd im Monat Februar, wie wir den im preußischen Ministerium für 5)an4 bei und Gewerbe zusammengestellten Berichten preußischer Handels- kammern entnehmen, entsprechend der Marketitwertunq und der Er- höhung der Arbeitslöhne st ä n d i g gestiegen, Baumwolle notierte für ein Kilo sully middliua loko Bremen am 2. Februar 82,39 ÜKk,. am 10. Februar 79,70 Mk,, am 16. Februar 85,60 Mk. und am 27. Februar 101,10 Mk. Die Baumwollgarn preis« stellten lich für 7lr. 20 bzw. Nr. 36 am 1. Februar aus 132 Mk. bzw. 166 Mk,, am 10. Februar auf 131 Mk, bzw. 165 Mk,, a« 20. Februar auf 141 Mk, bzw. 170 Mk., am 24, Februar aus 156 Mk. bzw. 178 Mk, In der Wollweberei und Spinnerei trat bei lebhaftem Geschäftsgang eine Preiserhöhung gegenüber dem Monat Januar von 3 0 b i s 5 0 v. H. ein. Auch Köln veranstaltei Mesten. Räch dem Boibilde vo« Frank- furt, Königsberg und Breslau will auch die Stadt Köln eine Messe, und zwar erstmalig im Frühjahr 1923 veranstalten. Die dazu not- wendigen Ausstellungs-, Bersammlungs- und Meffebouten sollen auf dem Gelände der ehemaliaen Werkbundausstellimg errichtet werden. Die Betriebsform der Melle soll eine privatwirischaftliche sein, an der Stadt, Hondelskommer und Handwerkskammer sowie die maßgebenden Organisationen von Handel, Industrie und die Gewertschafte« beteiligt sein sollen. Erhöhung der Brolpreise in M«u. Die Brotpreise in Wien find neuerlich erhöht worden. Der Laib Brot kostet heute 544 Kronen, während er bisher 480 Kronen gekostet hat. Wetterbericht bis Donuerstng«ittng. Mttb und i-ibpeise heiter, jebech lehr unbefiaudig mit öfter wiederhellen, meist geringen Regenfällen und tnüßigen' westlichen Winden. [ Ilscater» LitfUspieie usw. So cxssoexxoQCKXxnoQccooaasiTxaoooo VTsaaryyoooociaooo Ofcmhaus Tosca 7/, Lhr Sclmuspieihaus Don Carlos 7«/. Ut»r Deutsch. Theat. 'y/,: Ein Traumsjjiel 0i>'Mcrsr.T/,:Tarlöfk. Ein Helratsantraj; feimmerspiele �; Anatol Donnerstag?: Anatol Gr.SchauspielSi. (KailstraSc) 7»/.: Orpheus in der L'nterwelt Donn Orpheus In dar Unterwelt Theater t. d. Köui96rütz.Str. Tägfich Uhr: öle wuuderllcben C«» fctiiclilcn d. Kapell» meistern Kreisler Kom5dienhaus Tazlieh 7 30 Uhr: K3ru*sei, mit Maria Orska Jsh. Riemann Italph Mtt. Roberts Berlißer Theat. Täglich 7,301111/: Einer von unsere Leut' Carl ClewlnR. Osear Sahn, Laonli. Hnskel, Melitta Kiefer Mienz Theat. Tätlich Vi Uhr: Eine Frau ehn. Bedeulung Triesch, Arns'ädt, Ber tens, Korif, Sandrock, Schindler Triaaon Theat. Täglich 9 Uhr Eiga v. Gerhart Hauptniann (Maria Fein, veidt, Becker, Klein) Klelaes Theater Tä�ich 71/, Uhr: Mabss Sie Bkhts zu usrzclln? «.imburg, Falkenstein, ( unkertrami. Alber«) 71,, Uhr: Foturistiseii. Sameral DioPrinzesst« v.Tragant lO QsspensterseiuoB VelhsPülsne Theater am Bülewplate 7Vf U.: Das Käthchen >sn Heilbreon Lessing-Theat. Heute und morsen I Uhr: FAUST (Dorsch, Orüning, Jannings, Loos) Freitär 7'/«: Fiamm« Sonnibend u SonsiagT: Faust Deutsches Rüidler-Tii Ailabend'ich 7". Opcreuen-Gastspiel: Der geisige Verschwender (Max Adalbert) CcntralThaater ['Jas Detekii?mädei Deutsehas Operahsus r'/t u..• Das Hölkflnzeri Friodr.-Wilhclmsl. Tb. vi,: Drsimälfierüiaos letlme» Tkeatsr 8: Experiment/ Kympbe tlus'nve es hlhct! Klein Schauspisihaus TV« Uhr: Der keusche Lcbemacti Lustspielkaus 5 Uhr.- DerWereoll Metrepol-Theatar 7'vu,: Die Bajadere Neues Operetten-Th. Oeschloss. weg. V»>be- reitung tu Uady Chic Neues Operettenhsus Schönebg�Hauptstr 144 Jh'-Sctiäffi' Dich, Lotte Neues Theater a« Zoo TV, Uhr; SCftlQ�OlO ssNeues Volksiheater T/s Uhr: Die Geeierten Oer zerbrochene Krug Schiller-Th. Charlbg. 3.15: Pr.Friedr.T.Borabg. s uhr: Sni weißen P.öß'l Schio8park-Th Steglitz Schlotstr. 7t/, uhr: ExtEraporale Theat amfiollondorfpl. ZV, Uhr: Carmen J: Die EDe im Kreise Theater desWralens (]:sDeFTani ios Glück Th.i d.Kammandant.Str (Jück. Könstler-TH.) 7'/, Uhr: Ordne Felder ' Wallner-Theater �lieSplteenkÖnlgin Walhalla-Theater 71;,U.:! . liebe iagasllfi TVoBperivi j Dir. Jam. Klein S [Letzter Monat j Die große Revue »Serflen derlei!! Max L&nda Bruno KaslnsrS Sascha Dura| I Willi. Hartstein j j Prani Oros» Piol Weslermtyar ■ Lilti WErkmeisler I Herta Richter| ] Grna Albcrti Rns!.-De!it5el5.Theatef a.ltcslrare Q Keilenaort 1913 A a I a■ s• V, Uhr Ysnlitlüig illtbnillltk! noata. Kestb.toi ScL3Äarit;.l5077 Thgl, t",UbtO. Sia Kacrnt-nll. Elite-Ssnger 10 Heeren! «>««!«emin «mchalb.Preise �«aft.l 1-1 V�t 4S Modeschau 1922 sowie der grabe Ttriefif-SmefnUn! Saucben sestattet Gorori'Deulig'Exkhisiv-Film •MJUiiiitiaHiitmiuiuiiiiiiUiiiiiiiniiniiMiiutMtKäiitiiimiiuiiuuiiniiiiiiMi 'Der brennende Verfassen Willy Haas, Thea von Harbou, Arihur Rosen Regie: F. W. MumäU Baulem Rochus diese Haupirollen: lya de Puiti, Stella Arbe- nina, Grete Dicrcks, Werner Krauss, Eugen Klopfer, Wladimir Gaidarow, Alfred Abel, Ed. von Winferstein |iuiiiniuiiiiniriiniiMiiii«9i(t«miNiiniintnKumiuiiii»iniHniiiHiiuiuti« Uraufführung mm Q.Marz im Marmorhaus Direktion: Siegberi Goldschmidt «ää»' r3"*"~~T / SÄi/ r�j RelehshallenThsater Allabendlich 7V, Uhr u, , Sonnt. nehm. ZU, Stettlncr ft äi n s e r Nach*. haihe Pr. MM! IBUSCE rgUVftStgauch 3U R Das gewaltige BHanege-Scii« urtücS I StSrtebßker f der Secräubet In fesselnde Bilder f {Neue Mir r-Sense ts Fast yöllis kahl wMMmmmm »or mein Mann Infolge tiner Haarkrnnkheit. Suecn Neickiel» Haarkeast- wassee„«eed'- ist der Haansmlis wieder»»0 und durckel wie frühee,— BeearrigeAnerkennungeN lausend, ffl. M 20. und M. 38.-. o l i» A« i ch ol,»erUn 43 SO., Eisen dahnftr. 4.• IHM IHM (Rpse.Th.atcr) IV, Uhr: FQ? tot erklärt Vorher: FOLIES CAPRICE Premier. Rente Mittw. st, 3 Uhr: Lie Xlsbriaspartis Auf der Amanda! „Sensation" Opee.-Klatscbv.Wagner jb. Grü nec Scor, B to' i«K- Caslao-Theater Lethrlog.Str 37 Tlgl.R/, Die neue Berliner Posse TarailieGäHseklein Vorher: Lachende Liehe Oes.-Posse m d. neuest.. Sehlager.Bummeilrott' St&JVj; D. letzte Stunde 9ie5hr}ei§e von Max Brody AuBerdem ein Riesen- Piogramm Mit folgend. Künsilcrn Lebende tanzende Bilder grotes Ballett von Egen Melken Muschi Vesta Frede hcllachini Leae Nenmann Richard Schwarz Tranie van der Kerken BeVhy Stein Anita Sctiulze Bie Elite-Singer Erika Felge Bietrieb Elps Sing• Sang im Auditorium Täglich Nachniitlags- Vorstellungen lezIrktvsrk.lerliiiSPD. 1. Ableilung. Am 8. Marz»er. starb unser alle« und treue» Mitglied, der Dreher Aiipst Sattier Sit Sattler vertieren wir einen Ge- Nossen, der bereit» wilhl-nd de» Sozia- iifteiigesetzts treu zur Partei stand, Die Eiliitscherung findet am Donner»- tag. den 9, März. oolinittaq» 9,50 Uhr, im Srewdtormm Gr- richtstraße statt. Bege Beteiligung erbittet 2/>8 Di- Abt.-Zeitung. M A«« M Lttlä», SillRen-knucl», SiseevsUder. viel, Kupfer, Platin usw.* saust zum Engrospreise Schsrnow. Lange Str. X». am Schlesischeu Bnhnhoss »Uofssleili Osten Grlurdteg SS lalllt Tagespreise für fiHUfer, Messing m, Zink etc. P'cket. Niteffer, ÜSlfHf« Uerschwinden sehr schnell. wenn men edendg den Scheu:« v, Zueker', Patent- Z4edlzliial-8ekk» eintrocknen läßt, Schaum erst morgentz dblpeschen v, mit Zuekooh» Creme«achstreiche«. sZirotz« drtlg- Wirkung, o, Tausenden bestätigt. In nKeu»tpothek,, Drogerien, Harfilmerie. u. Friseurgeschästen ertzältltch. SK öG»i alier VSMÜMMS Stfick Mark 19.— UebaraH h habe« KOPP& JOSEPH, BERLIN W 50 Potsdamer Strale 122 Verealtiifigslelle Berlin N 54, LinlenstnDe 83 BS. «ischSstzzeit seit vorm. 9 Uhr Di« nachm. 4 Uhr Telephon: Amt Norden«S.1, 8Z4, bZZ,«SS. «-i"unn! KllgMWtlhe. M't..nn! Zreiia«, von 10. MUrz, nachmiilog» S Uhr, im Ile!>l»enb«rger Hof, Äcichenbergsr Straße 147 � Versammlung aller SlrMfer und Arbcllcrlnnen. die in den betrieben des Berliner Kunst- gewerbes beschäftigi sind Toqe«ordn>ing: I Stellungnahme i>il den bevorltchendcn Lohnverhandlungen. 2. Dielussion NM- Mitgliedsbuch tegitimieri. In ilnbetrachi der wichtigen Tagesordnung ist volizShItgr» Erscheinen Pflicht. Il.t/Z Achtuna? Achtung?_ Slraiiset Duo fieMniieoe. Oounetstag den 9. Mürz, abends 7 Uhr. bei Sachse, Lindower Elroßc Versantmlnug aller Stemmer und Kesselschmiede. Tagesordnung: Stellungnahme zum Schiedospruch. OV Pflicht lebe» Kollegen ist e», zu er» scheinen Auch die Rachischicht muh zur Stelle sein. Sie Aommilsionsmitglicdcr treffen sich dort DI« Ortsvereoallaagl. um k Uhr. Betanntmochung. Der Konsum-, Pro- dnktio- und Sparverein g-HI-ndors und Umg. e. S m b. ist durch Beschluß der tveneraioer. fammiung vom 27. Juni tglllaufgelilstworden und fordern wir hierduich die «llländiqer auf, sich bei der Genossenschaft zu meiden. ivZkid' Berttn-flehtendors, den 4. Mo.', U2i.■ Die LInuiaaloren des Konsum-, Produktlr- u. Sparveretns Zehlendorl und Ving., e. 0. m. b. H. Ioh. strcWcr. «.Paarmann. A. Kutter. LvnWiüciiZskle «Mkt ti!n" 6!« roxi Iwr.laA.FarH.M und je�Hchem KchrauU, d©islnftjii*rt und greift die Heut nicht an. Cberail•rhllilfch« lÖlsl-Qs». m.b.H.] j Boriin-Obertohüneureido Ostendjir»«« 14. j Tel. Obechw. 35S. I MWg' ftaotentaffe öet MlMlZNNlig zu Berlin Bekanntmachung Der am 26. April 1921 vom stassenauslchuß de- fchlofleue und am 7. Febr. 1922 vom Dorsland abgeänderte 1». Nachtrag zur Satzungsänderung betr. die Zz 4» und 59 ist vom Obeeversicherungs- am» Berlin genehmlgt und mit dem 14. Februar 1922 in.straft getreten Ebenfalls ist der in der Porstandssttzung am 22. November 1921 n»d am 13. Dezember 1921 vom Kaflcnausschuß d» schioflene 11. Nochtrag ur Satzungsändenlng >e!r. die 29. 2Sa und 42 mit Ausnahme des 7<2 am 22. Februar 922 vom Obervcrflche» rungsaml Berlin ge- nehmigt. Die Aende- Nina ist bereits mit dem 6. August 1921 in strait getreten. 163,3 Berlin, den 7. März 1922. Der Vorstand Otto Kronau, Porf WUliLlndemann.Cchrstf. gklslrovrell' lasse mim. SeschSftslokal Reuwllu, Weichfelstraße 8, Bekanntmachung. - Auf Grund der De- st�mmungen der Wahl- ordnung geben wir hier- mit in dezug auf die aus- geschriebenen Wahlen zum Vorstand der Allge- meinen Ortstranlcntasse Neutblln folgendes be- kannt: Der eingereichte Wahl- oorfchtag tur die Vertretet der Versicherten, begin- nend mit dem Namen August Tesmer, Wiß- manuftr.lu.und endigend mit dem Rainen Franz Schnitz, Britz. Chaussee. siraße 101 a, ist als einziger Wahloorschiag der Versicherten eingegangen. Der Wahlvorschlag ent- hält 6 Vertreter und 12 Ersatzmänner. Der eingereichte Wahl- Vorschlag derArdeitgedcr. beginnend mit dem Na- men Alfred Schliißter, Vrrliner Str. 93, codi. gend mit dem Namen StegtsmundPalinkiewicz, Kcrmannstr. 221, ist als einziger Wahloorschiag der Arboilgedcr ringe- angen. Der Wahloor- chiag enthält drei Ver- ireter und sechs Eriaa- Männer. 163/2 Die in beiden Wahl- Vorschlägen auigelithrten P-rionen gelten ai« gc- wählt. VI« sste den Z0.M ficj 1932 anberaumte« XDohlen roccOer. hiermit ausgehoben. Die Wahioorschläge sännen von de» Wahl- berechtigten im stassen- losal Weichseis, r.Sssideai. -assage 12. ii. Etage). LsMktllM M L'/- dl!? "» A--f>-,•* s Cluppsfifenfi BES E. I M C,(sertraut),skv Sff 19, leipziger Str. 74, Dönhoffplatz j HHMgaawjüiw« awe»——— i !{pHdc u/nrt9 ftA Iii Das(eitgedruckieWon 3.— M.(zulässig! j JCUtra ItlUl la.Uu Irl. 2 fettgedruckte Worte). Stellengesuche[ ! und Schlafstellenanzelgen das erste Wort(fettgedruckt) 2.00 M..I I jedes weitere Wort IJOM. 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