Nr. 124 �3�. Jahrgang Ausgabe V Nr. 62 Bezugspreis: Si«rteliäl>r!.W.— M., nwnatl. Zfl,— M. Icet in» Saus, voraus zaiildar. Postbezug i Monalttch AI.— M„ cinschl.-zu- stellungszebiilir. Unter Kreuzband iiir Deutlästand, Danzig, Saar- u. Memet- gediet, fowic Westvolen, Ccfterttiii) u. Luxemburg dt,— M,, tür das tibrige Ausland 72,— M, g'.ostdestellunaen nehmen an Belgien, Dänemarl, Lüh- land, Finnland, Frankreich Sollend, Lettland, Luxemburg. Oesterreich, Schweden, Schweiz, Tichecho-Slowaket und Ungarn. Der„Lorwäris" mit der Sonntagsbeilage.Volk und Zeit", der Unter- haitungsbeilage �eimwell" und der Beilage„Siedlung und Kiciugarten" erscheint wochcnläglich zweimal. Sonn» tag, und Montag» einmal. Teleqramm-Wresse: »Sozialdcmokra» Ucrfln" Abend-Ausgabe c QroB- Berlin 40 Pf. «uswSrts 50 Pfennig D Devlinev VolKsblAkt SlnzeitsenpreiS: Die einspaltige NonvaretllezetI« lostet 12,— M.„SlclBe lilitje! jon" das settgedruckte Wort M.(ju- ILsslg zwei settgedruckte Worte), sebe» weitere Wort 2,— M, Elelleirgesuch» und Echlafstellenanzeigen das erst« Wort 2,— 5Dt, lebe» weitere Bort 1,50 M, Wort» iiber 15 Buchstaben zählen filr zwei Wort«. Familien-An- zeigen für Abonnenten Feile Sil. Die Preise verstehen stch einschließlich Tenerungezuschlag. Anzeigen wr die nächste Arrmnier muffen bis<>,, Ahr nachmittag» im Hauptgeschäft, Berlin SW W, Linden- straffe 5, abgegeben werden. DeSffnet von 9 Uhr srüh bis 5 Uhr nachmittag». Zcntratorgan der Sozialdcmokratifcbcn parte» Deutfd�lands Neüattion und Expedition: SW cS, Linöenstr. Z it-e-rnftire-rJii'f• Nrdnktlon«.'lortstvlan 151»5— 97 »ßcrnipreaifr. Viotiwia« 11753-54 Dienstag, den 14. März vorwärt»,verlag G.m.b.H., SW H8, �indenstr. Z - Verlag, Ikxvediti»» und Inseraten- �erniprcrycr.„bteiiung Morinpla» 11753-54 Genua vor öem Scheitern? /... Liopö Georae gibt öas Spie! auf� � Paris. 14. ZNäcz.(EE.) Die„Chicago Tribüne" cr- klärt heule, daß die Ablehnung der Dercinigten Staaten, an der Konferenz von Genua teilzunehmen sowie die Forderung Rußlands. Sachverständige an den Beratungen der intcr- alliierten Saäzverstöndigen in London teilnehmen zu lasten tfiche unten), die Aussichten auf das Zustandekommen der Konferenz außerordentlich verringert haben, fo daß man damit rechnet, daß diese überhaupt nicht zusammentreten werde, p o i n c a r 6 habe sich endgültig entschlossen, der Konferenz nicht beizuwohnen und folge somit dem Beispiel Amerikas, das die Konferenz gleichfalls nicht beschicken wird. Diese Haltung der französischen Regierunz erkläre sich aus zwei Tatsachen: Erstöns glaube Frankreich nicht daran, daß die Konferenz wirNiche Erfolge haben könnte. Zweitens laste es die Reise Millerands, die cr im April und Blai nach Algier und ZRarokko unternehmen! wird, unpassend erscheinen, daß zu gleicher Zeil auch der TUnisterpräsident das Land verloste. Das Blatt möchte übrigens auch erfahren haben, daß sich L l o y d G e o r g e bereits mit dem Gedanken vertraut mache, daß die Konferenz >?n Genua nicht zustandekomme. Cr wäre damit einverftan- cn. daß sie bis zum herb st verschoben würde, weil dann - ihr Aussicht bestünde, daß die Bereinigten Staaten, sobald '-unial die Berkräac der Wasliinctoner Konserenz ralisizierl 'nd, cm Wiederaufbauwerk Europas doch teilnehmen werden. Wafstineton besieht auf Neparetionsanteii. New Bork.»4. ZUärz.(BJTB) Der wcifhwg'oner Korre- i ' TiKcnt der(offiziösen)»Astsclaled Preß" oernininit von zu- gändizer S kelle, daß die amerikanische Regierung nicht beabsichlige, -fre Zustimmung zu einer Verteilung der deu.schen Reparation»- 'cfilongen zu geben, ohne sich ih.en Anteil daran zn sichern. Aus CHrnS der Bedingungen des Waffenstillstandes blieben die amerikanischen Truppen im Rheinland aus ausdrücklichen Wunsch der Regierungen der Alliierten, und einer Wieder- "rstettung der Amerika dadurch entstehenden Ausgaben wurde aus- ücklich zugestimmt. Die Regierung ist außerordentlich nach- i cki t i g gewesen und suchte sich mit den alliierten Regierungen in« -Lßter Harmonie auseinanderzuiehen. Die jüngste Forderung an die auswärtigen Zllinister der Alliierten wurde nur erhoben, weil Berichte an, Europa anzeigten, daß die Alliie-len nicht geneigt seien, auf die Vereinigten Staaten Rücksicht zu nehmen. Aber die Regierung der Vereinigten Staaken ist willens, auf ihren Rechten auf Grund der Bedingungen des-Was5e�''i"''s!mdes zu beharren. Sowsctrunland als„Alliierter"? Paris. 14. Mörz.(DTR,)„Petit Parisien" teilt mit, daß T s ch i t.s ch e r i n durch einen Funkspruch aus Moskau gestern' ossizicll verlangt habe, daß die Sachverständigen der russischen Re> � gicrung an der vorbereitenden technischen Konferenz der a l l l i» i e r t e n(!) Sachverständigen am 20. März in London teilnehmen. Ucbcr die Antwort sei noch nichts- beschlossen worden. vonöerl?p �beobachte?� in Genua? London, 14. Marz.(WTD.)„Daily Telegraph" meldet aus Washington, daß die Vereinigten Staaten auf der Konferenz von Genua ihre Interessen inoffiziell schützen lasten werden. Auf Ersuchen des Präsidenten harding werde der vormalige Präsident der National City Dank, Frank Vanderlip, als inoffizieller „D e o b a ch t e r" für die Vereinigten Staaten an der Genueser Konferenz teilnehmen. Frank Vanderlip, der am Sonntag von Amerika abgefahren sei, werde Ende der Woche in London ein- tressen. TaS Internationale Arbeitsamt eingeladen. London, 14. März.(MTB,) Der diplomatische Berichterstatter der„Daily New»" schreibt, der italienische Minister des Zlus- wärtigcn. Schanz er. habe den Vegicungen, die d.ie Genueser Kenserenz veranstalten, den Lorschlag gemacht, die Wirt- schaftk» und die Finanzkommission des Völkerbundes zu ersuchen, Vertreter nach Genua zu entsenden, und zwar drei Wirtschaftz- und drei Finanzvertreter, die das gesamte in Betracht kommende Nachrichtenmoterial, über das die Kommission verfügt. mitbringen sollen. Das gleiche werde für das Internationale Arbeits- emt vorgeschlagen. fiein Kriegsvcrbrecher-Nummel in Genna. London. 14. März.(EP.) Auf die Frage eines Abgeordneten, ob auf der Konferenz von Genua auch die Frage der deutschen Kriegsbeschuldigten zu? Sprache kommen werde, antwortete Shamberlain im verneinenden Sinne. Tie Burcans warten... Rom. 14. März.(EE.) Baron Avezzana. der General- sckretar dcr Konferenz ron Genua, hat sich bereits nach dort b e- geben, um die in dcr Esnsulia gelegeneu Bureaus der Konferenz zu iib»r« achen. Curzon amtsmuüe. London, 14. März.(WTB.) Der Parlamentsberichlecstalker der„Daily Rems" schreibt, gestern seien Gerüchte im Umlauf ge- wesen, daß Lord E u r z o n die Absicht habe, aus Gesundheilsrücksichten zurückzutreten. Von Lord Curzon nahestehender Seite werde erklärt, er werde für den Augenblick im Amte bleiben, damit sein Rücktritt nicht als eine Folge des Streiks, der durch den Rücktritt M o n t a g u s entstanden fei. angesehen werbe. Sobald dieser Streit jedoch endgültig erledigt sei. werde Curzön die erste geeignete Gelegenheit ergreifen, um zurückzutreten, da er der Ansicht fei. daß seine Gesundheit den Anforderungen des Amtes nicht mehr gewachsen sei._ Die große Aussperrung in England. London, 14. März.(Intel.) Aus Anlaß der Aussperrung der 400 000 Mechaniker hat die Arbeiterschaft verschiedener Industrie- Zentren, die nicht Mitglieder des Mechaniterverbandes sind, dt« Aus- rufung des Sympathiestreiks beschlossen. Die Föderation der Unternehmer hat ihren Mitgliedern in einem Geheimzirkulav empfohlen, diejenigen Arbeiter, die aus dem Mechanikerverband aus» treten, nicht auszusperren. Dagegen sollen alle jene unorganisierten Arbeiter, die den Sympathiestreik erklären, sofort entlassen werden. 5)eut« werden die Verhandlungen zwischen den Vertretern der Arbeiter und der Unternehmer der Schifsswersten wieder auf- genommen. Die Verhandlungen haben den Dorschlag der Unter- nehmer. die Löhn« auf 26 Schilling in der Woche zu reduzieren, zum Gegenstand._ Große Schlacht bei Johannesburg. London. 14. März.(WTB.) Wie aus Johannesburg ge- meldet wird, ist seit Sonntag früh im Randgebiet eine große Schlacht mit den aufständischen Bergleuten im Gange, die Streit- kröft« der Regierung sind im Begriff, die Aufständischen einzuschließen. 2200 von ihnen wurden gefangen genommen. Benoni, Dunswart und andere vrisiba�", wurden von den Regierungstruppen ge- i*' men._ SoziaUftisch-katholischss Gününis. Gegen den FascismuS! Rom. 14. März.(Intel.) Zwischen den sozialistischen und katholischen Organisationen der Provinz Ereniona wurde ein gegen die fascistische Reaktion gerichtetes Bündnis ab- geschlossen. In dem Vertrag wird darauf hingewiesen, daß die g?> werkschaftlichen Freiheiten am heftigsten von den Fascisten bekämpft werden, die die wirtschaftlichen und moralischen Errungenschaften dcr Arbeiter bedrohend Die Fascisten verhindern auch durch ihre Gewalttaten die Ausübung der öfsenilichen Mandats Die Tätigkeit der Behörden, welche die verletzten Rechte wahren sollen, sei un- genügend und fehl« bisweilen ganz, daher sei ein gemeinsames ge- schlossenes Vorgehen der verschiedenen Eewerkschastsorganisationen geboten. Dcr Vertrag ist unterzeichnet von den sozialistischen und katholischen Gewerkschaften sowi� von vfsiziellen und inoffiziellen Vertretern der sozialistischen Partei und der katholischen Volkspartei dcr Provinz Cremona. Dieses Abkommen soll vor seiner Unter- Zeichnung die Zustimmung des allgemeinen italieni» schen Gcwerkschaftsbundes erhalten haben, so daß dieser Vertrag allgemein als der erste Versuch einer engeren sozialistisch- katholischen Verständigung angesehen wird. Rom, 14. März.(Intel.) In einer Unterredung mit dem Mit- arbeiter des„Secolo" erklärte der Sekretär des Allgemeinen Ge- werkschaftsbundcs im Namen der übrigen Sekretäre und der Mehr- hcit des Borstandes, daß der Bund bereit sei, die roten Gewerk- schaften sowie die katholischen Organisationen in einer Front zu vereinigen. Die Organisationen sollen gemeinsam den Kampf zur Verteidigung des bestehenden Wahlrechts und der sozialen Errungenschaften der Arbeiter gegen die Fascisten führen. tzauffe am Devisenmarkt. DieHäusseamBerlinerDevisenmarkt nahm heute einen stürmischen Charakter an. Die Umsätze sind un- gewöhnlich groß. Besonders tritt die Industrie als Käufer auf. die ihre Rohstoffversorgung auf Monate hinaus sicher- zustellen sucht. Es kommen besonders diejenigen Gewerbe- zweige in Betracht, die auf der Leipziger Messe große Aufträge erhalten haben, so z. B. olle Teile des Textilgewerbes und der Metallindustrie. Der Dollar hatte um die Mittagsstunde bereits einen Kursvon274 erreicht. Auch am Effektenmarkt geht die Aufwärtsbewe- gung weiter, doch hält hier die Geldknappheit noch immer an. Diese Erscheinung steht ebenfalls mit der allgemeinen Er- höhung des Preisniveaus und dem starken Kavitalbedars der Industrie im Zusammenhang. der Sesiegte unter Siegern. 0. L. Rom, den 10. März 1922. Die Tatsache der Solidarität der wirtschaftlichen Interessen aller europäischen Nationen kommt offenbar den einzelnen Ländern nur in dem Maße zum Bewußtsein, als sich für sie die N o t der b e s i e g t e n B ö l k e r direkt in greifbare eigene Not umsetzt. Die ungeheuren Scharen seiner Arbeitslosen und das Stocken seiner Ausfuhr haben es dem britischen Weltreich klar gemacht, daß der heutige Tiesstand der Mark seine eigene Industrie lahm legt: in kleinerem Maßstabe erfährt die Schweiz ähnliches. Unter all denen aber, die mittelbar von den unheilvollen Folgen von Versailles getroffen sind, steht Italien zweifellos in erster Linie: es ist der Besiegte unterdenSiegern. Es hat, wie unlängst die„Tribuna" schrieb, den Krieg ge- wannen, aber den Frieden verloren. Und daher darf es nicht verwundern, wenn die tragische Erwürgung des deut- schen Wirtschaftslebens gerade in der öffentlichen Meinung Italiens einen Widerhall der Entrüstung findet, den die offi- ziell gebotene Rücksicht auf Frankreich nur teilweise zu dämpfen vermag. Beachtenswert ist in dieser Hinsicht ein Artikel ihres Korrespondenten Maffia Maffi, den die„Tribuna" vom 10. März bringt. In ihm ist die Bitterkeit und Hoffnungslosig- keit dargelegt, mit der Deutschland heute den Verhandlungen von Genua entgegensieht: „Ich weise— schreibt der Korrespondent— auf eine tiefernste Erscheinung hin, die sich bisher nicht fühlbar machte in diesem Lande, dessen Bevölkerung nach dem Friedensschluß fieberhaft, zähe, intensiv zu arbeiten begonnen hatte, wie kein anderes Volk in Europa: auf die beginnende Mutlosigkeit, die sich aus der Feststellung ergibt, daß nunmehr jeder Kraftaufwand unnütz ist, weil kein Aus- blick, kein Licht, kein Hoffnungsschimmer mehr bleibt, weder für den nächsten Tag noch für die ferne Zukunft. Zum ersten- mal in der Geschichte Deutschlands sind Unternehmer und Arbeiter derselben Ansicht, wenn sie sagen:„Wozu sollen wir uns plagen und arbeiten wie Lasttiere? Zu welchem Zweck? Weder für uns nach für unsere Kinder kommt etwas dabei heraus. Da ist es schon besser, die Arme zu kreuzen. Schlimmer als es ist, kann es nicht werden. Europa und die Welt werden schon merken, was es bedeutet, wenn die deutsche Arbeit von der Erde verschwindet." Der Korrespondent weist auf die Folgen hin, die dieser Seelenzustavd für das wirtschaftliche Leben des ganzen euro- päifchen Kontinents haben würde und zählt dann die An- zeichen auf, die nach seiner Ansicht für dieses plötzliche Nach- lassen der Zuversicht und Widerstandskraft im Deutschen Reiche sprechen: 1. die Tendenz zur Aussöhnung und Ver- schmelzung der Rechten und der Linken: 2. das Streben der Arbeiterschaft, die von der Diplomatie nirb�' mehr erwartet, nach einer neuen europäischen Vereinigung Arbeiter, wel- ches Streben, dem Korrespondenten zufolge, seinen ersten und vorläufigen Ausdruck in der Zusammenkunft von Frankfurt und in dem Eisenbahnerstreik gefunden hätte: 3 die G o e t h e- W o ch e, als einer ideellen Heerschau der Solidarität aller Klassen des deutschen Volkes. Ueber diese Kundgebung fährt dann der Autor fort: „Wenn ein Volk, das sich von überwältigenden äußeren Kräften zermalmt fühlt, sich nicht einer haltlosen krampfhaften Verzweiflung überläßt, sondern sich in der Stunde der tiefsten Niedergeschlagen- heit um die Gestalt des größten Mannes seines Stammes schart, als um das ideale Sinnbild der Unzer st örbarteit seines Schlages, und wenn an dieser Aeußerung eines inneren Bedürf- nisies Fabrikarbeiter und Unternehmer, die politischen Machthaber der Republik und die Vertreter des vergangenen Reiches, wenn Adlige und Landarbeiter, Kricgcrwitwen und Studenten, Jnter- Nationalisten und Nationalisten, die Katholiken der Rheinlande und das protestantische Preußen einmütig teilnehmen, so bedeutet das, daß dieses Volt an einem apokalyptischen Wendepunkt seiner ungeheuren Not angelangt ist, vor einer Krise seines uner- träglich gewordenen Daseins steht: in dem Augenblick, wo sich alle Kräfte sammeln, ehe sich die Bitterkeit Bahn bricht in einer unwider- ruflichcn Entscheidung, die zum Besten und zum Schlimmsten führen kann. Und dieser Masse von Millionen Menschen, die beim Herein- brechen der Katastrophe zum Tempel ihrer Gottheit und ihres Glaubens eilt und in dem gemeinsamen Unglück die verlorene Ein- heitlichkeit wiederfindet, wird man nicht länger mit ausweichenden Phrasen und mit diplomatischen Formeln antworten können, wenn sie fragt: wie lange noch?" Maffio Maffi hat deutsche Sachverständige über die deutsche Wirtschaftslage befragt und von allen die Antwort erhalten, daß das Lähmende in Deutschlands Lage vor allem aus der Unbegrenztheit der Ententeforderun- gen herrührt, aus der völligen Unklarheit über das, was man morgen fordern kann, so daß das schon Geleistete keinen Schritt vorwärts darstellt, keinen Ansang, keine Stufe einer, wenn auch nod) so langen Leiter, sondern nur Danaidenarbeit und Sysiphusplcge. Und zu dieser psychologischen Lähmung gesellt sich die materielle, die sich aus der Unmöglichkeit ergibt, Waren zu liefern, ohne Rohmaterialien kaufen zu können. Der Artikel, von dessen eindringlichem Pathos wir einige Proben gegeben haben, schließt mit dem von deutscher Seite gemachte« Borschlage, einen Teil der deutschen Wiedergulmachungsliefe- � rungen nach Rußland zu senden als Maschinen. Eisenbahn- ! mateml und ähnliches, um die russische Produktion zu heben; den Betrag für diese Lieferungen soll dann Rußland in. Form .von Konzessionen an Frankreich zahlen, was für Frankreich den Vorteil hätte, einen seiner Gläubiger wirtschaftlich lei- stungssähig zu machen. Für Deutschland läge der Vorteil in der Maglichkeit. einen weiteren Teil seiner Wiedcrgut- machungsschuld in Waren leisten zu können, was freilich zur Voraussetzung hat, baß man ihm den Erwerb von Rohmate- rialien erleichtere. Das Wesemlichste des Ärtikels, der in einem der am meisten ernstzunehineirden bürgerlichen Blätter erscheint, liegt aber nicht in den konkreten Vorschlägen, an denen ja Heber- sluß ist, sondern in dem G e i st e, in der klaren Erfassung der ungeheuren Katastrophe, die sich in Deutschland vorbereitet siir ganz Europa. Und Italien ist, zu seinem Unglück, besser in der Lage als irgendein anderer Staat der Entente, diese Katastrophe heute schon zu empfinden als ein bevorstehendes Schicksal, das nicht unterscheidet zwischen Siegern und Besiegten. Heute kanst man in Italien für 7 oder 8 Lire 100 Mark. die vor dem Kriege 12l Lire kosteten. Wie soll Italien, ohne Kohlen und ohne Eisen, mit deutschen Industrieortiteln konkurrieren? Wie soll es sie sich nur vom Leibe halten im eigenen Lande? Wer ersetzt ihm die mitteleuropäischen Ab- nehmer seiner landwirtschaftlichen Produktion? Es ist allbe- kannt, daß Italien bei der Nohstosfverteilung vergessen worden ist; seine Verbündeten haben es mit großer Aufmerksamkeit und Konsequenz bei der Beuteverteilung übersehen.„Italien ist militärisch Sieger geblieben," schreibt der römische ..Messaggero" von, 10. März;„ist aber wirtschaftlich ent- ? r ä f t e t aus dem Kriege hervorgegangen. Es ist in ihn hineingeschleudert worden ohne Bemessung seiner Opfer, unter der Fahne eine« nationalen Befreiungskampfes und am Friedenstage hat man es wehrlos und gefügig der fremden Hochfinanz und Großindustrie ausgeliefert, die gleich in der Politik der Alliierten die Oberhand gewannen". Dasselbe Blatt spricht gar von der„Tragödie von Der- iailles" als einer Tragödie Italiens! Wie in Zeiten der Epidemien oder elementarer Katastrophen die schwächsten Or- ganismen am ersten erliegen, so empfindet Italien— das wirtschaftlich einem jungen im Wachstum stehenden Orgonis- mus zu oergleichen ist— die Anomalie der europäischen Wirt- schaftslage mehr als irgendein anderer Staat aus der Gruppe der Sieger. 5)eute hat das Land nach offizieller Statistik 608 000 Arbeitslofe und die wirtschaftlich« Stauung hat schon zurLähmungeinesdergrößtenBanlinstitute des Landes geführt, mit entsprechendem Rückschlag aus die Konsumfähigkeit; aus der Arbeitslosigkeit folgt der Lohn- abbau, trotz Hochbleibens der Preise, also weitere Einschrän- kung des Konsums: der alte unheilvolle Kreis. Für Italien ist es heute zu spät, um seine Friedens- politik zu revidieren:„Die Welt ist weggegeben": auch haben die stärkeren Verbündeten nach beendetem Kriege wenig Jnter- essen für italienische Bedürfnisse gezeigt. Und so kommt es ganz von selbst, daß heute Italien, nachdem e« fast mit leeren Händen aus Versailles zurückgekommen ist, die Rückkehr zu einem halbwegs normalen Wirtschaftsleben in Europa im eigenen Interesse anstrebt, aus einer wirtschaftlichen Soli- darität mit den Besiegten, die tatsächlich von der Entente durch ihre„Löwenpolitik" geschaffen worden ist. Freilich hat bei dem letzten Kurssturz der Mark und der deutschösterreichischen Krone die italienische Lire zum erstenmal nicht das Schicksal der niederen Valuta geteilt, sondern bat sogar km Februar dem englischen Pfund, dem Schweizer Frank und dem Dollar gegenüber wesentliche Fortschritte gemacht, trotz der Ministerkrls«. Dieses Verhalten der italie- ichen Valuta, das, wie gesagt, noch nicht beobachtet wurde, wird in Fachkreisen auf ein Abkommen mit den Vereinigten Staaten zurückgeführt, die große Kontratte über die Lieferung halbfertiger Produkte abgeschlossen haben sollen, deren Fertig- stellung der zahlreichen qualifizierten Arbeiterschaft Italiens LebenSe ReklameMilöer. Bon Hans Bauer. Veipziq hol wi«d«r einmal sein« Messe gehabl. Ich glaube, sie hat ihre Existenzberechtlgimg auch diesmal glänzend erwiesen. Sie ist immer noch der beste Konjunkturbaro- «eter und das vollständigste Austagefenster deutscher Arbeit. Man kann sie nicht entbehren. Die äußeren Formen aber, unter denen sich eine Leipziger Messt abspielt, sind ekelhast. Daß die innere S:adt kaum ein Musik« und Wemiokal auszu- meistn hat, in dem nicht aus Wunsch agrarischer und anderer Dick- bäuche«in patriotisches Lied nach dem anderen aus jene brutale, bolzige Weise hernntergejohlt würde, die der Gesinnung der Kra- k-eter entspricht, gehe noch hin. Nazi-onales Radauojrtuostntum gibt es in Leipzig schließlich auch sonst. � Daß Mcßansichtskorstn zu Tausenden getaust werden, deren Geschmacklosigkeitsgrad Seürsche Wort« nicht zu kennzeichnen ver- inöqen, ist auch nicht das Schlimmste. Auch außerhalb der Mcßwoche wtr'o hierzulande der prinzipiell« Unterschied zwischen der Erotik eines Felicien Rop» und ber eine» Kinoplakates vsrkannt. Nur an den Meßtagen indessen demonstriert die leibhostig« Geringschätzung des Menschen durch sich selbst. Da steht am Neumarkt einer in«inen braunen Momrel ge- mummt und mit weißem Bart beklebt, der auf eine Schuhcreme auf- merfforn macht. Ihm nähert sich ein Zug von Männern, die mit ihrer bauchig grünen Papphülle und chrer maulähnlichen Kopsbedeckung an Frösche erinnern sollen und die Illusion durch Quak- laute noch zu erhöhen sich bemühen. Der Gruppe folgt ein federbusch- gezierter Indianer, dem die Bräunung-bi» zum Kragenrande nicht erspart geblieben ist. Ein anderer markiert einen Neger und Hot sich mit Gutralin beschmieren lassen. Ein junger Mann und«in Mädchen inrmen Hochzeitsseute. Müssen Arm in Arm marschieren, müssen sich verliebt anschauen. Wieder einer muß Kaspar sein, muß ge- scheckte Hosen tragen und Grirnasstn schneiden. Mitmenschen bleiben stehen. Lächeln— wünschen, daß sie sich niemal» KV Mark ans dies« Weise oerdienen muffen—, schreiien weiter. Was sind hier diese Arbeitsjostn? Vervollkommnet« Reklameschllderl Material, du» durch Dra» pierung de» gewohnten Anblickes, den der Mensch bietet, aus die Herrlichkeit von Schuhcrem« und Pflaumenmusläpsen aufmerksam machen muß. Lebendige Ware. Ve frisiert wird und gegen Honorar Innerliches zu überwinden hat. Zuerst iß. der Hosenbügler, kann die Froschmaste, zuletzt sin«?, der in dieser für jenen Ehre«inleaen soll. i Aber•• wttd nur dt« menschlich« Ehre eingelegt. Arbeit geben soll. Wie dem auch sei; die italienische Valuta hat sich im Februar besser gehalten, als dies durch die offiziell bekannten Tatsachen gerechtsertigt erscheint und diese Haltung, die schon zu lange währt, um sich als Börscnmanöoer er- klären zu lassen, muß in einer tatsächlichen Stärkung der Wirtschaft ihren Grund haben. Wenn diese Stärkung, wie es scheint, in keiner Weise den Ententemächten zu danken ist. so kann sie dazu dienen, Italien in Genua Rückhalt zu geben. Italien ist gegen die Erdrosselung der mitteleuropäischen Produktion, aus Selbsterhaltungstrieb. Es braucht Mitteleuropa als Produ.zenten und als Konsumenteck. Daß sich in der öffentlichen Meinung lebhafte Strö- mu ngen zugunsten Deutschlands geltend machen, ist bekannt; daß diese Strömungen im Einklang stehen mit immer klarer ins Bewußtsein tretenden Interessen muß ihnen Krast oerleihen. Man muß nun abwarten, wie weit der sranzösisch« Gegendruck Italien von der Verfolgung seiner eigenen lebenswichtigen Belange abzuhalten vermag. Das Steuerkompromiß und Sie öeßtzenöen. Nach dem Urteil der Kritiker von links soll das Steuer- komprorniß nur die verbrauchenden Massen belasten, während der Besitz frei ausgehen soll. Umgekehrt finden die Kritiker von rechts nur das Schicksal der Desitzenden beklagenswert, die ganz ungeheuerlich belastet würden. So stellt jetzt H e l s f e r i ch im roten„Tag" eine Statistik auf. in der er die Desitzbelastung in Deutschland, England und Frankreich vergleicht, wobei er zu diesem Ergebnis kommt: Es ergibt sich, dcß die deutschen Steuern bis hinaus in die höchsten Stufen ein Mehrfaches d«r Belastung in Frankreich und England ausmachen, ja daß bei den hohen Stufen die Häufung von Ver- mögen»-, Kapitalertrags- und Einkommensteuer dos gesamte Einkommen auszehren, schließlich sogar beträchtsich mehr als da» gesamte Einkommen beanspruchen. Solange die Zuschläge für die neue Vermögenssteuer gelten, also mindesten» für die nächsten IS Jahr«, sind also die großen vern'.Sgen geradezu steriflsierk; von einer gewissen Höh« an wird nicht nur Ihr voller Ertrag expropriiert. sondern darüber hinaus»in Teil ihrer Substanz. Die Ersüllungsfanatiker, die über dies« Belastung hinaus fehl die Zwangzonleihe erzwingen, und denen auch dies» nur ein erster Schritt aus dem Wege weiterer Expropriation Ist. mögen ein ein- ziges Land unter der Sonne nochweisen, dessen Steuersystem auch nur annähernd in dieser Weis« den Besitz belastet! Helsserichs Darstellung sei zwei verschiedenen De- völkerungskreisen zum Nachdenken empfohlen: Einmal den vielen kleinen Leuten unter dem deutschyationalen Anhang. Was sagen die dazu, daß ihr Führer nur über da« Schicksal der„armen Reichen" Tränen vergießt, während er die Berbrauchssteuem noch nicht hoch genug findet? Dann aber auch den Arbeitern, die sich vorreden lassen, die Sozialdemokratie habe bei ihrer Aufgabe, die besitzenden Klassen zur Tragung der Reichslasten mithcranzuziehen, voll- ständig oersagt. Ganz so schlimm kann e» doch nicht sein, sonst würde man von rechts her nicht solche Iammerlaute zu hören bekommen._ Um Sie neuen Reichs-ftrbeiterlöhue. Der.Sozialdemokratisch« Parlamentsdienst" meldet: Die Verhandlungen über die Arbeiterlöhne zwischen Reichs- regierung und Spißenorganisationen sind noch nicht zum Abschluß gekommen. Bon der Regierung wurde ein« Zusammenstellung an die Verhandlungskommission de? Spitzenverbänd« übergeben, die die Stundenlöhn» für die über 24 Jahre allen Arbeiter erhöhen will, um 2, vv M. in Lohngruppe l, um 2,60 M. in Lohngruppe II, um 2,70 M. in Lohngruppe lll, um 2,00 M. in Lohngruppe IV, um 2,50 M. in Lohngruppe V, um 2,40 M. in Lohngruppe VI und bin 2,30 M. in Lohngruppe VII. In Ortsklasse U sollen die Mehrbeträge sich abstufen zwischen 2.80 M. und 2,20 M., in Ortsklasse C zwischen 2,40 und 2,10 M., in Ein geologisches Kartenwerk von Deutschland. Di« Preußische Geologische Landesanstalt plant, neue geologische Uebersichiskarten Herauszugeden, die ganz Deutschland umfassen sollen. Die erste er- schienene Karte ist die der Provinz Brandenburg, und sie zeigt bereits den hohen Wert dieses neuen Unternehmens. Da« Ge. bist der Kart« ist begrenzt durch die Städte Magdeburg, Stettin, Senftendera und Filehne und umfaßt 75 000 Quadratkilometer. Di« neuen Forschungsergebnisse sind besonders bei den Ablagerungen der Diluoialzeit berücksichtigt, die ja den weitaus größten Teil bedecken. Di« Verbreitung der Grundmorönenlandschast, der Erdmoränenzüg« der verschiedenen Eiszeiten und die Südgrenze der letzten Vereisung ist genau festgelegt. Die Gliederung der eiszeitlichen Ablagerungen erfolgt« in petrographijcher, stratigraphischer und morphologischer 5)insicht. Die Karten, die ein sehr erwünschtes Hilfsmittel für den Unterricht an höheren Schulen und zum Selbststudium sind, werden alle Strebungen unterstützen, die der Geologie eine wichtige Roll« in der Heimatkunde einräumen. Raben stlmlliea in Berliner Straßen. Diese schwarzen Freunde de» freien Felde« und der Wälder gehören zu den Rariläten unter der Vogelwelt, die sich im Straßennetz und in den Park» Berlins tummelt. Spatzen und wieder Spatzen sind es hauptsächlich, die mit ihrem braunschmutzi.zen Kleid bei den Droschkenständen, wo etwas Hafer für sie abfällt, und mitten in den Straßen, wo wiederum vferde die Wohltäter dieser fleincn Frechdachse werden, sich kraft ihrer lauten Organe wichtig machen. Wenn man da aber plötzlich Raben zwischen diesen befiederten Pennbrüdern mit würdig nicken- dem Gang hin und her stolzieren sieht, ist man ein wenig erstaunt — die» Bild der blauschimmernden Schwnrzröcke auf dem Zement- vflaster Berlin» ist doch ein zu unaewiihnliches. In der U h l a n d> st r a ß e und auch in der K a n t st r a ß e kann man zwei Raben- familien, die hier dauernd ihren Wohnsitz aufgeschlagen haben, täg- lich beobachten. Wenn man ihr Geschrei zum ersten- und auch zum zweitenmal durch das offene Fenster hereinschallen Hort, glaubt man nattirllch, es feien voniberziedende Raden, die sich eine Weile aus den Dächern ausruhen. Aber Morgen für Morgen, besonder» in der ersten Früh«, wenn es eben dämmert, hört man dies« ungewohnten Stimmen Nur rech« selten lassen sie sich auf da» Pflaster zu dem Spatzenoolk herab. Man sieht fast nie, daß sie irgendwas verzehren, und begreift kaum, wie diese vielsröß« aus der Degelweli. die aller- dings in ihrer Nahrung ja nicht zu wählerisch sind, sich hier zu er- halten vermögen. Gewöhnlich sitzen sie in dem orchitektanischen Zierrat d«'- Fassaden hoch oben unterm Haurgesims und starren in philosophischer Ruhe auf die Stadtbahn, die Fuhrwerke, die Elek- Nischen, die Lumpensammler, die ihre Wägelchen zurechtstauen, die eleganten Damen und die Straßenseger und Sprengwagen bedächtig hinab. Plötzlich erwacht aber einer in der stillen schwarzen ver- sammlung, stößt einen Schrei au« und wirft sich auf seine Schwingen — gleich alle unter Geschrei hinterdrein. Stets fliegen sie zusammen — sie haben Familiensinn, das muß man ihnen lassen. Außer dieser Rabenkolouie kann man eine zweite in Friedenau in der 3? t n g- st r o ß e beobachten Dort Kaden sie sich in einem kleinen Vorgarten um das Baisin eines Springdrmwzns angesiedelt, das sie als Lade» anstatt benutzen. Oester sammelt sich ein schaulustiges Publikum vor dem vitter an und ergötzt sich an den munteren Tieren. Natürlich Ortsklasse v zwischen Z.60 und 2 TO., in vrtsklofs« E zwischen 2,50 und 1,90 TO. Ein« Verständigung konnte bisher noch nicht her- beigesührt werden, weil die bei Annahme dieser Staffelung ein- tretende Spannung den Gewerkschostsrertretern zu groß er- scheint. Außerdem ist auch die Zulage selbst nach TOeimmz der Aerhandlungekommission noch zu niedrig. Durch die Hinzu- rechttimg der den Beoniien gewährten Frauenzulage müssen sich die Sätze noch um 40 Ps. pro Stund« erhöhen. Die Beratungen zwischen Regierung und Berhandlungskvmmission der Gewerkschaften wurde heute 12 Uhr wieder aufgenommen. Die Neuregelung der Beamtengehäkter wird sinngemäß der Aufbesserung der Beamten entsprechen. Ueber die näheren Einzei- Heiken werden noch Verhandlungen statffinden. Vie Kflpd. spaltet sich. von der Sozialdemokratischen Partei spaltete sich»vr sechs Jahren die USP. ab, von dieser spaltete sich der Spartakusbund, der sich in die KPD. oerwandelte und in Hall« die USP. abermals spaltete. Aus der KPD. und den noch links fallenden Trümmern der USP. wurde die VKPD. sBereinigte Kommunistenporte!» ge- bildet, die sich nach einem Jahre abermals spaltete in die KPD. und die KAG.(Leviten). Jetzt spaltet sich die KAG., ein Teil will zu der USP� ein Teil zur KPD. zurück. Inzwischen hatte sich link« von der KPD. eine KAPD.(Kam- inunistische Arbeiter-Partei Deutschlands) gebildet. Buch diese ist nunmehr in den S p a l t p r o z e ß eingetreten. Am 5. und 6. März tagte der Zentralousschuß dieser Gruppe, wobei es zum Kampf zwischen der Zentrole und der Berliner Organisation lam. Der Zentralausschuß„siegte" mit den Stimmen von Kiel, Dresden und Stettin, die, wie die„Komm. Arbeiterzeitung" verrät, zusammen noch keine 200 Mitglieder haben. Die Berliner rächten sich dafür, indem sie die Anhänger der„Bonzen" vom Zentralousschuß, die sie zart- fühlend auch al»„R e o o l u i i o n s s ch i e b e r" bezeichnen, aus ihrer Organisation ausschlössen. Auch in Frankfurt a. M. sind tlusschlüsse erfolgt. Es gibt also jetzt zwei KAPD., von denen jede die Anhänger der anderen hstiousschmeißt. Da» Ganze ist gewiß nur da» Kinderspiel«ine» kleinen Grüpp- chens. Ein Sathrspick nach der Tragödie. Aber wird nicht cuci an ihm der heulende Wahnsinn, die Schande, dos Elend der ganzen Spaltungstreiberei ofsenbar? Alle diese Gruppen und Grüppcheri, die wie die Infusorien im Wasseriropsen herumschwirren, so daß man sie nur noch durch da» Mikroskop sehen kann, haben das allein richtig« Rezept gefunden, die Arbeiter vom Kapitalismus zu be- freien. Es gibt kein Ende, solang» nicht jeder Proletarier für stch selber seine eigene Partei bildet oder solang« nicht die Arbeiterschaft mit diesem ganzen Schwindel energisch Schluß macht. Die Zilmzensur. Im Houptausschuß des Reichstages wurde heute der Haushalt de» Relcheministeriums de« Innern verabschiedet. Zur Debatte stand zunächst der Haushalt des Reicbeam:«« lür Lande:- aufnähme. E« wurden verschiedene Abstriche beschlossen. Abg. Dr. L o e w« n st e i n(U. Ssz.) nahm gegen die Neber- sührung der Druckerei In den Privatbetrieb Stellung. Eine vom Redner beantragt« Resolution, die Druckerei baldmöglichst wieder in vollem Umfang« zu übernehmen und ouszugestalten, wurde ange- nommen.— DI« übrigen Etotsposten dieses Kapitels wurden be- willigt, ebenso die Auegaben für die chemisch-technische Reichsanstalt. Sei der Beratung über die Filmoberprüsunasstell« wurde ein Anrrez de» Berichtersrarter» Dr. Schreiber(Z.) angenommen, der ein« Revision des Lichtspielgesetze» fordert.— Sioatssekretär Schulz führte au», daß die Revision des Lichtspielgesetzes b-rei:, erwogen werde. Was die Zensur anbelange, so seien LbSZ Filme geprüft und 90 Filme, d. h. 2,5 Proz. der Filme verboten warben. — Auch«in zweiter Antrag Dr. Schreiber(Z.), die Arbeiten t(r Reichsfilmstelle als Referat im Reicksministeriu« de» Innern zu er- ledigen, fand die Billigung des Ausschusses. Die russische HNfeakkioa des Inlernativnale» Kewerkschastx- bundes(Amsterdam) hat nach dem Stande am 15. Januar 1922«inen Wesamtertrog von 1 812 795,51 J* holländische«bilden ergeben. Der Anteil Deutschlands beträgt 5 387 057 TO. Die Sammlungen werden fortgesetzt. werden ihnen hin und wieder klein« Bissen durch da« Gitter zugr- morsen, was sie mit dankbarem„Kräh" begrüßen. Gleich wird die derbe Kralle geschickt auf da» Wurstendchen. die Brotrinde, den Aviel oder wa» ee'nur sein mag, da» ihrem Magen zugedacht ist, gesetzt und der kräftige schwarz» Schnabel haut hungrig darauf«in. Possier- lich ist«» anzuschauen, wenn so«in Rad« eine Ruß unter der Krall« Hot. Er wackelt und knabbert ja lange damit herum, aber zum Schluß versteht er doch, mit erstaunlichem Geschick dem Kern beizu- lcnnmen. Beginnt aber einer zu baden, dann befällt gleich all« die Bodelust. Mit einer«»wissen Borsicht indes halten sie sich ganz am Rand« der kleinen Wasserfläche und werfen nur mit den unter- tauchenden Köpfen die blitzenden Spritzer über da» schillernde Ge- fieder. Fällt aber einer vom Rand des Bassin» ins Wasser hinein, flattert er mit tödlichem Entsetzen ov« dem gefährlichen, fünf Zenn- met»? tiefen Element heraus. A. X. Irland und der Schvlfllm. In keinem Laitt» findet der Fil« alt Unterrichtsmittel so starle Förderung wie in Irland. Die irische Regierung Hot. wie wir der„Lichtbilb-Bühne"«ntnehmen, dem Kultusministerium ein««igen, Abteilung für Kinowesen angeglie'oert. die all« Schulen des Landes mit Lehrsiiryen versorgen und Wander« kinobelriebe ins in die kleinsten Dvrs«? einrichten soll. Tabak and Arterienverkalkung. Di« Erstarrung der vrierien- wände wird meist nur als imausbleiblich« Nter-erfcheimmg angesehen. Es gidt ober auch Gisie. die schon In jüngeren Jahren ztt einem Sprödwerden der Gesäsie führen können. Uufcr diesen Giften ist das verbreitest» der Tobak. Starkes Rauchen bringt in vielen Fällen Gefäßverkalkung. Ein« vorüberflehende Verengerung der Arterien mit Erhöhung des Blutdrucks erfolgt schon beim Rauchen von 2 mittelschweren Zigarren oder 8 Zigaretten. Die Anfälle von Herzangst treten bei Rauchern 43mal so häufig auf. ol» bei Richr- raurbern. versuch«, die mit Tabakauspüssen oder dem Tabakrauch bei Tieren angestellt würben, haben ein« stark« Veränderung der ftauvtschlogeder ergeben. F, ist daher schon aus rein gesundheitlichen Erwägungen dringend zu wün'chen, daß ber unmäßi« Tabakgenuß wieder eingeschränkt werde. Erfreulich ist, daß in dieser Richtung di« Jugend entschlossen vorangehen will, indem sie ze�ltt. daß man auch ohne Zigarette sich seine» Lebens freuen kann. Zudem ist der Tabak ein entbehrlich«, Genuhmittel. das unsere Tributp flicht an da» Ausland um viel« Milliarden erhöht. «olkibübne. Thealer a« Vülomt>l«tz. Wt«,n«ttfanku*,»»» Frau lHeleue ssehbmer wirb in der ieuttae« Nsrüelluna der„Slattt*" Fräulria Vesnir D n» o l nem Druisthen Tbeater bif*pf: her Krau Zeh» «pteten. Die übrig« Besetzung iit dl« d«r ifrjtaiisüirung. Stc»es Bslraeheatee. Di« Srtiaussübrunq von Paul Surf*.Berie. »6o r t d Sä a l d« n. Ludwig eidner verailttaket l« der Isalerl« Ferdinand Möller, Potsdamer Str. titt«,«in««uSstellung leiner neuen Berk» SS werben«emülbe. Handjetchnungm und Rabiernngen gezeigt. beabsichtigte Gbftruktion. ScHjon bei der Veraiung des Lranniuzeinmoiwpslgefe�e- � ueriuchicn die Kommunisten, durch fortgesetzte Obstruktion das Gesetz zu Fall zu bringen. Da anzunehmen ist. daß bei der kommenden Steuerberatung die komniunistische Fraktion die begonnene Obstruktion fortsetzen wird, werden sämtliche Mitglieder der sozialdemokratischen Reichstags- s r a k t i o n ersucht, sich für die kommenden Wochen keines- wegs zu Versammlungen zu verpflichten, sondern vollzählig im Reichstage zu erscheinen. Latzsws blutjagö. Das Echmurgericht beim Landgericht f in Derli* wird sich«m' fommrtben Tonnabeul» mit einem Nachlpiel zu den spariatus-Un- ruhen im März 131!) zu beschäftigen haben. Zwei Offiziere des Frei- korP» Lbtzow, der jetziAe Dersichcrungsinspektor Leutnant a. V. Sieg- «und C ze talla aus Raumburg imd der Rittergutsbesitzer Ritt- � «eister o. V. Wilhelm v. O e r tz e» aus Berlin«erden sich»egen der Erschießung des Rentners Abrahamsshn aus der F>olzmarktstr. 61 und des Klempner nteisters Wall mann ou« der cholzmorktstr. S zu oerantmorten Hab?!,. Die Anklage wirft dem Leuwant Ezekalla Totschlag und dem Rittmeister v. Oertzen Anstiftung zu diesem verbrechen vor. Rittmeister b. Oertzen«oar damals Führer der 1. Schwadron des Freikorps v. Lützow, das zur Unlerdrückung der Spartakus-Unruhen m verlin herangezogen war. Leutnant Czekolla war Offizier in dieser Schwadron, die im Restaurant Belvedere an der Jonnowitz- brücke untergebracht«or, und für Aufrechierhaitvng der Ordnung in de? dortigen Gegend Sorge zu tragen hatte. Aus Grund verschiedener anonymer Anzeigen, daß aus den Häusern Holzmarktsir. S und 61 auf die RezierungÄruppen geschossen worden sei, wurden beide Ge° eäude am IS. Mchz 1919 durch ein Kommando ber 1. Schwebron unter Führung de« Leutnants Czekalla nach Waffen durchsucht. Bei dem Klempnermeister Watlmann, der drn Besitz von Waffen obge- stritten hotte, wurde ein geladen« Revolver und«in französisches Militärgewehr mit Munition, sowie Eierhandgranaten, bei dem Rentner Abrahamsohn, der ebenfalls vor der Durchstichung den Besitz von Mafien verneint hatte, im Keller in der Waschmaschine zwei peladen« Revolver gefunden. Daraufhin wurde Abrohamsohn im Hof de« Hauses Holzmarktstr. 01 und Woklmann im Exerzier- hausderAlexanderkaserne durch die von Czekalla geführte Truppenobteilung erschossen. Leutnant Ezekava berief sich später ots Rechtfertigung für die Erschießungen auf die Anweisungen s.'Ines vorgesetzten, de» Rittmeisters o. Oertzen, die viel schärfer gelautet hätten, al« der bekannte Roste-Befehl, nach dem jede Person, die i m Kampfe gegen Regieningstruppen mit der Waffe in der Hand betroffen werde, zu erschießen sei. Der Roste- Befehl selbst habe ihm nie vorgelegen. Die Erschießung Wallmanns Hab« er a u s de n direkten Befehl f-eine» Rittmeisters vornehmen lassen, der ihm angedroht habe, n würde ihn selbst üb« den Haufen schießen, iveim er den Beseht nicht ausführen würde. De? tzohenzollernprszesi. Es wurde hier schon die durch die Telegraphen-Union verbreitet« Erklärung des Rechtsbei stände« Eitel Friedrichs erwähnt, in der alle Berichte über die zeugeneidliche Aussage der Prinzessin als Verleumdung bezeichnet werden. Die Meldun- gen sind in englischen Blättern bereit» ausführlich gebracht worden, bevor sie ihren Weg in die deutsche Presse fanden. Rechtsanwalt Awerdunk-Potsdam, der Rechtsbeistand, fügt dem erste» Dementi »cch folgende Erklärung hinzu: Der Berlin« Korrespondent de» ..Daily Expreß" habe sich in den Tatsachen geirrt. Die Frau Eitel Friedrichs habe die behaupteten Beziehungen zu Plettenberg nicht zugegeben, sondern entschiede» in Abrede gestellt. Auch Rechtsanwalt Bahn, der Prozeßbevollmächtigte d« auf Scheidung klagende« Frau». Plettenberg, gibt eine ähnliche Er- klarung ab. Die»Boss. Zig." erinnert im Zusammenhang mit diesen Skandalnachrichten an«inen Preßprozeß, der im Zuni 1904 vor dem Landgericht in Braunschweig stattgefunden hat. Damals war der Chefredakteur der»Braunschweigischen Lande ezeiiung", Dr. Sierk», wegen Beleidigimg der Herzogin Sophie Charlotte von Oldenburg leben der fetzigen Prinzessin Eitel Friedrich) angeklagt. Sein Verteidiger beantragte damals die Vernehmung des Freiherrn v. Plettenberg in Washington und der Herzogin Sophie Eharlott« selbst. Er behauptet« damals schon, die Herzogin habe Herr« v. Plettenberg»herzliche und innige Neigung geschenkt". Da, sei der Grund gewesen, webhalb Plettenberg»ach Washington»ersetzt worden sei. Aufgefallen sei auch, daß der Großherzog von Oldenburg im Mörz 1304 nach Washington gi- reist sei, wo er drei lag« geweilt und sedenfall» ein« persönliche Unterredung mit Herrn». Plettenberg gehabt habe. Das Gericht lehnte jedoch jede Beweiserhebung ab und»er- urteilt« damals den Redakteur zu vier Monaten Gefängnis, die er prompt absitzen mußte. Der Scheidungsprozeß Pleifcnberg findet feKstverstöndkich unter Ausschluß der Oeffentlichteit statt. Die»ernehmungen können deshalb nicht öffentlich kontrolliert«erde» und infolgedessen bleibt alle» Klaffchnrigungen freier Spielraum. Die ganzen Intimi» täten haben für die Allgemeinheit ja auch nur soweit Zntereße, als es sich um Angehörige des einst herrschenden Hauses handelt, die der Ueberlieferung nach als Muster von Sitte und Sittlichkeit ausgegeben wurden. Aber schon dt« Tatsache für sich, daß die Frau v. Pleiten- derg ihr« Scheidungsklage auf die Behauptung vom Ehebruch mit einer Hohenzollernftau gründet, ist geeignet, die Hohlheit dieses künst- lichen Ruhmgebüudes aufzudecken. Preußens hanöelsetat. Fm Preußischen Landtag wurde cim Dienstag IS Uhr die zweite Beratung de» Handels- und Sewerbeetat, beim Abschnitt„Mi- nisleruim.�j. j,ct deutsche Wirtschaftsleben leidet unter den schweren Losten de» DersaUler Friedensvertrages. Wir bedauern. daß die schon Erfolge aufweisende Erfüllung, ooiittk des Kabinett» Wirth immer wieder von Kreisen gestört wird, die den Krieg und sein« Folgen herbeigeführt haben. Aber auch die kam- munutischen Kreise stören ebenso wie die kapitalistischen die Wieder- gutmächungsorbeit. Des Wiesbadener Abkommen mit seinen Liefe- rung-oerbänden ist leider ausgegeben worden. Da» neue Ab- kommen hat die o v l l i g freie Wirtschaft eingeführt, wo- bei die Sewerkschosten Vicht den geringsten Einfluß haben. Da» Deutsche Reich wird bei dem Fehlen jeder stoat- lichen Kontrolle sehr übervo'r teilt werden. In erster Linie werden die Steuerzahi« zu büßen haben. Mir bitten den Handels- minist«, darauf hinzuarbeiten, daß zu dem System d« Lieferung»- »«bände unter staatlicher Kontrolle und Mitwirkung der Gewerkschaften zurückgekehrt wird. Do» Unttrnehmertum hat sich von den Fesieln staatlicher Kontrolle befreit und einem schrankenlosen G e w> n n st r e b e n hingezeben. Besonderv begünstig anird.» diese» Streben durch Wi enormen Bolulasturz der letzten Jahre. So ge- lang es der deutschen Industrie, bie rnlantischen Kreise für Inland»- Produkte den Weltmarktpreisen naherzubrstigen. Die Folg« ist ein« [ lmgehtüre Teuerung, die nicht»lir bei den Wart» eingesetzt hat, ! die an» ausländischen Rshstofsen hergestellt werden. Auch die ein» ! heimischen Agrarprodukte sind gewaltig in den Preisen aesttegen. Wir hätten gewünscht, daß das Reich mit dem Abbau der Zwangs- wirfilhoft gemärt ei hätte. Räch der Aufhebung der Zwongswirt- scher st hat sich kos Unternehmertum geroZe aus den Dirffchastz- gebiete», wo der staatliche Einfluß auf die PreiszestaUung verschwunden war. ein P r i v a t m» n o p o! geschassen. Da? beweisen die Zustünde aus dem Zucker markt. Da? ist ein ungeheurer Terror gegen die arbeitende Besokkerung. Nicht die Eisenbahner. sondern die Unternehmer haben heute die Hand an der Gurgel d?» Staates. lSehr wahr!) Die Steigerung der Kohtenpreise ist zum Teil unter staatlicher Mitwirkung und Duldung geschehen. Die Eisenpreise und Baustosf- ! preise sind ins Ungeheure gestiegen, flir die Zementvreise sogar i aus da? Sechsunddreißigsache seit 1314. Reuerdings hat das Zement- syndikat befchloffen, holländischen Zementabnehmern eine Preis- er Mäßigung von ZS auf 28 Gulden zu gewähren. Das macht bei der heutigen Valuta eine Differenz von ungefähr ilOOO SR. pro Zentner! Man versucht dadurch die ausländische /(«menimdi.'strie zu schmachen und selbst konkurrenzfähig zu werden. Wie ein Mitglied de« Sundikat« selbst sagt, wird diefe Maßnahme bewirken, daß die Versorgung des deutschen Baumarktes mit Zement für die Zukunft unmöglich wird. Ueberbaupt erstickt die deutsche Industrie in den eigenen Gewinnen. So hat z. B eine Zieoelei in Langensalza mit einem Atlienknpital von IZOOOO M. einen Jahres- gewiim von 220 000 M. erzielt. Gegenüber Hirsen Riesengewinnen müssen wir sagen, daß endlich die schon lange von der Arbeiterschaft. gestellten Forderungen erfüllt werden müssen. Gerade auf dem Wirischaftsgebiele muß Wandlung geschaffen werden. So hat die deutsche Arbeiterschaft schon vor der Revolution die Schaffung von sogenannten Bezickswirtschasisräten gefordert, in denen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vertreten sein sollten. In dem vorläufigen Reichs- wirtschastsrot haben wir heute einen Ansatz, d« aber noch sehr kümmerlich ist. Wenn der Abg. Leidig gestern erklärt hat, daß die Aeußerung des Handelsminist«» in den Kreisen de» Handel« und Gewerbes eine große Bewegung hervorgerufen habe, wonach die Handels- und Handwerkskammern feiner Anficht nach paritätisch zusammengesetzt«erden müßten, so müsien wir uns fragen: Wer sind denn diese Kreise? Gehören zu diesen Kreisen nicht auch die Arbeit«? Den Handelsminister möchte» wir bitten, daß er gerade in dies« Frage nicht nachgibt. Cm Maiblumenkauf. Halt«an e« für möglich, daß ein ehrbarer Aersi»« Markt- hallenhändl«, der ununterbrochen seit 27 Sohren seinen Stand betreut und seine Kundschaft bedient und sich in den 27 langen Jahren noch niemals etwas hat zuschulden kommen losicn, plötzlich so hart gegen dos Strafgesetzbuch anrennt, daß man ihn nttt einem Auclst- Hausparagraphen fast drei Jahre long erschrecklich bedroht? Run. möglich Ist ja in unserer Zeit allerlei, aber wahrscheinlich ist et doch wohl nicht, daß ein guter, vewahrtcr und eingeführter Markthallen- Händler wissentlich fo etwas tut. Und ein Händler, der mit den duftenden und lieblichen Maiblumen handelt, wohl schon gor nicht. Aber d« Blumenhändler Hermann ZechgolsN, der feinen Em- und Berkaussstand fett 27 Jahren in der Berliner Markthalle i» der Lindenstraß« hat und der sich des besten Ansehen» und Vertrauen» aller Käufer erfreute, mußte es sich gefallen lassen, daß fast drei Jahre lang ein unwürdiger Verdacht auf ihm lastete. Seine Spezialität waren Saisongeschäfte. Maiblumen Haupt- sächlich. Er oersorgte jahrelang sowohl die großen Hotels wie auch di« einfachen Straßenhändl« mit den Kindern der Flora. Wer Blumen in die Lmdenhall« bringt, findet reißenden Absatz. Im Mäch INI?, also rund vor drei Jahren, trat ein jung« Mann an den Stand de» Z. und bot dem Händler mehrer« hundert Stiele Mal- blumen an. Z. fragte nach dem Preis, aber nicht nach der Aerkunft. Beide wurde» handelseinig und Z. bezahlte den damals üblichen Preis. Sticht gering war dos Erstaunen de» alten Blumenhändlers. als er nach ein paar Wochen eine Anklage wegen gewerosmäßiger Hehlerei zugestellt erhielt. Die Maiblumen stammten nämlich, wie d« Konkurrenzneid«uebaDowern konnte, von«ine« Diebstahl aus der Käegerschen Gärtnerei in Werder. Rachdem die Diebe«mittelt und oon der Potidmn« Ettaf- kammer abgeurteilt worden waren, mußte sich jetzt nach bald drei Jahren der Blumenhändler Z. wegen schwere? Hehlerei verantworten. Der Angeklagte, der noch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten war, machte den Potsdamern Richtern recht drastisch klar, daß ein Ber- lincr Händler, zumal in einer Markthalle, es niemals wage» dürfte, bei einem Blumenangebot zu fragen:„Bind die auch nicht gestohlen." Die Beweisaufnahme führte dazu, daß selbst der Staatsanwalt die Freisprechung gegen den Angeklagten beantragen mußte. Da» Gericht erkannte auch demgemäß. Fast drei Jahre hat de» Wert„Zuchr- haus" wie ei» Damakleslchsert üb« de» Händler geschwebt. Ob das«irklich nötig war? vsr eise?«eue* Srotprekseehöhlms. RÜSgamg dss Sansv«, etz««arf«»freie« TebüS. In der kommende» Woche Herden die Preise für markenfreies Gebäck in Groß-Berlin»bermol« heraufgesetzt werden. Die weiße Schrippe soll anstatt 70 nunmehr d» Pfennige kosten. Die Böcker- innungen haben ferner den Antrag gestellt, di« Preise für da» auf Marken zu liefernd« Brot heraufzusetzen. Ein ZSOS-Sramm-Aiarken- best(bisher 20SÜ Gramm) soll et«« 14 JB. ersordern.— Die Bäcker begründen die Rotwendizkeit der Srotpreio«höhunz einmal mit der Erhöhung der Kohlenpreise und der Hefepreis«, die gestern um 4 M. pro Pfund heraufgesetzt worden sind. Weit«, um die Gewerbesteuer abzutasten, die jetzt bei jedem Sack Mehl 7,Z0 M. beträgt, die also jede» Brot mit etwa 12 Pfennigen belastet. Die große Menge ist heute»ich' mehr m der Lage, morkensreie» GebSS abzunehmen, und fo ist, wie statistisch festgestellt««den konnte, der Bedarf selbst großer Bäckereien von 10 bis 12 Sack Weizenmelsi in der Woche bis auf eine» halben Sack zurückgegangen. Dagegen steigt der Konsum an Rortenbroi von Tag zu Tag. Seien- über der gleichen Zeit des Bormonats arten fetzt in den Berliner Bäckereien 1200 bis 1S00 Sack N-rkenmehi!«ehr verarbeitet. „Ttieder«it dem ReichKtMiefengxsefj"; so habe», wi« uns aus Lrserkreffe« mitgeteilt wird, Aufschrift«« auf Schildern gelautet, die am Sonntag in dem Demonstration»- zug der von dem Kartell de» gewerblichen Mittelstandes veranstalteten Mittel st ondskundgebung herumgetragen wurden. Es ist ebenso merkwürdig wie unverständlich, daß sich di« viele» Kleinhand- werker, Schneider, Schuhmacher, Barbiere usw., die doch selb« wohl kaum Hausbesitzer sind, so ins Schlepptau einer geradezu hond« «erker. und kl« in tz««« r b es e i n dl i che n G r u n d b e- sitzerbewezvuß mhmen leffeu. Denu hinter dem ganzen Rummel steht doch«i«d« einmal da» Hyxgihekenbanken-Großkapitol. Die Teagöüie einer$tau. Den eigenen Btaan in der Notwehr erschoffen. Dos furchtbar» Ende ein« Ehe spielte sich gestern abend In der Wohnung des Kriminaidettiebeassistenten Paul 35 nick« in der Steinmetzstraße iS ab. Jänicke.«iu Mann von<3 Jahren, kam öfter betrunken nach Haus« und fing dann mit seiner Frau und seiner Tocht« Händel ern. Zu Unrecht beschuldigte er beide, daß sie sich auf der Straße umherttieben. Auch gestern abend kam es wird« zu so einem Auftritt. Ale Jönicke sich jetzt nach heftigen Vorwürfen in seiner Trunkenheit auf seine Frau stürzen wollte, er- griff diese seine D i e n st p i st o l e, die geladen aus dem Benito lag und gab einen Schuß auf den Dürenden ab. Die Kugel traf den Mann in die Brust und durchbohrte die Lunge. Er brach t» t zusammen. Ein Arzt, der gleich gerufen wurde, kannte nicht mehr hellen. Die Leiche wurde beschlagnodnn und noch dem Schallhause gebracht. Frau Jönicke wurde aus der Polzeiwache verhört und nach Feststellung des Tatbestandes, auch durch Zeugenvernehmungen, wieder entlassen._ Sine sehr überflüssige Aut-steAung. Die Ausstellung„Deutschland und der Fried«»»- vertrag", veranstaltet von der Liga zum Schutze der deutschen Kultur, sollte vom Staate verboten«erden. Wir haben durch chauvinistisch« Agitation dieser Art schon genug auhcnpolinsche Echwiengkriien gehabt. Die Zahlen und statistischen Tabellen auf den vielen Plakaten, die in der Ausstellung Höngen, mögen zum Teil richtig sein. Aber sie sind au» dem Zusammenhang her- ausgerissen und geben ein völlig einseitiges Bild. Ob man die deutsch« Kultur dadurch schützt, daß man tindische, fratzenhafte Bild« von Wilson oder vom Bölkerbund ausstellt, mag wohl mehr als zweifelhafl erscheinen. Weit schlimmer noch sind die Bar- träge, die inhaltlich sehr oberflächlich, aber um so mehr chauvinistilch sind. Geradezu himmelschreiend ober sind Bilder, aus den»« z. B. dargestellt wird, wie gefesselte deutsche Arbeiter von schwarzen Soldaten mit Kvlbenstcihen weitergetrieben werden. Die Ausstellung ist stark besucht, besonder» natürlich von Schul«» höherer Lehranstalten. Ein« derartige Veranstaltung kann un» auch im Hinblick auf die Konferenz in Genua nur schaden und nittß das Mißtrauen der Entente gegen die deutsche Republik erhöhen. Schiedlich— friedlich. Die in der Bevölkerung leider zu wenig bekannt« und gewürdigte Einrichtung der Schiedsmänner, di« sich mit der Schlichtung bürgerlicher und st r a f r« ch t- licherRechtsstreitigkeljenunierAusschluhderT-- richte befaßt, bot auch im Jahre 1921 im Bezirk Eharlottenburg ihre erfolgreiche Tattgkeit ausgeübt. Von 110 Füll««, in denen die Schiedsmann« de« Bezirks zur Schlichtung bürgerlicher Rechtestreitig- feiten angerufen wurden, könnt«-. ZZ Streitfälle durch Ber» gleich erledigt werden. Wesentlich höher ist die Zahl der B e l e i d i- g u n g e n und Körperverletzungen, die den Schied»- männern vorgetraoen wurden. Sie betrug im ganzen 180?. Hier« von wurde., 380 Füll« durch Sühneversuch mit Erfolg«riedigt. S?D.-E!k?rnbeiräke Greß-Verlin. D« Kursus ist verlängert! Mittwoch. IS. März, abend» 7� bis Ö Uhr, bespricht im Sopbienlnzeum, Weinmeistsrstr. 18/17, Genosse Schröter an einem 7 Abend den „Rerchsschulgesetzentwur f". Auch Parteigenossen und Go- nussinnen, die bisher»icht cm Kursus teilgenommen hoben, sind willkommen und haben unentgeltliche» Zutritt. Di« Obleute sind besonder««ingeladen. Sprech st und« für Elternbeiräte Freitags von 6—7 Uhr im Jugevdfelrelariet, Lindenstraße 3, II. Hof l. 2 Tr. IDeSUtdje Schale Lichienbera. Die Anmeldungen zur Einschulung werden am Mittwoch, den 15. März, nachmittags von 2— 4 Uhr, in den Schulen«ntgegegenommen. Fetieaordnaag da fkädlisihen Fach- und Isrtbildrmgsschulen. Beginn de» Schuljahre»: Montag, den 3. Aprii lM. O st e r s« r i e n: Schuffchluß Sonntag, den U April. Schulanfang Donnerstag, den 20. Aprll 1922. Pfingstferien: Schulichluß Donnerstag den 1. Juni 1022. Schnlanfang Freilag, den S. Juni 10??. Sommerferien: Schulschluß: Sannabend, den 8. Juli 1922- Schulanfang: Sonntag, den 13. August 192? Herbst- f e r i c n: Schulschluß: Donnerstag, den 23. September 1922. Schul- ansang: Senntag, den 3. Ottober 1922. Deihnachtsferien: Schulschluß: Sannabend, den 16. Dezember 1922. Schulanfang: Mittwoch, den 3. Jwular 1928. Schluß de« Schuljahres, 28. März 1923. AnfangdesneuenSchuljohre«: 11. April 1923. Das Senrmnhalbsahr Hot 18 Wachen. Des Winterhalbjahr Hot 22 Wochen. D« Unterricht fällt aus a« ZS. Mar(Himmelfahrt) unk am 22. Rvsember(Vußtng). Der Aückgavg de» Berliner Fremdenverkehr» von IIS SSV Fremden im Januar auf!'8 711 im Februar'st im wesenllicke»«IS Wirkung des Eisenbahnerstteikä z.» bezeichnen. Diese Wirkung bat hat sich gleichernmßen auf den Inland«- wie auf den Auslands« derlebr erstreckr. An der Spitze des ÄueländerverlehrS ericbrint, wie die Zentralstelle iCr den Fremdenverkehr Grotz-BerltnZ mit- teilt, wieder S ch>o e d e n mit tdtzl. e» folgt Dänemark mit 1 189. Oesterreich mir 1081, Holland mit 107Z. Rußland mit 1005, Amerika mit 732, Rorwegen»ntt 705, England mit 631, Polen mit 014. Frankreich mit 424. Ungarn mit 418, die Schweiz mit 377.� Nu« den B a l k a n st s a! e n kamen 875 Gäste, au? Belgien Z72. au» Italien AB, Spanien 128, Asien 134 Fremde. Der Verein der Freidenker für Feaerbestnkkuntz ersucht un» mit Bezug auf die Notiz über die Kündigung de« zweiren Ter- sitzenden und de« zweiten SchriflstiSrrrt um di« Aufnahme folgend« Berichtigung: Parteipolitit ist bisher im verein nicht getrieben worden.— Die Zahl der Bor st and Z« Mitglieder lind Revisoren beträgt IS. Davon sind nrätt nur »tvei. wie ei im Artikel beißt,(endern sechs Angehörige der SPD.— Die erwähnten zwei Borstandsmitglieder find ausdrucklich mit ihrer Zustimmung gnghilfS weise zur Erledigung bestimmwr Arbeiten beschäftigt werden, da sie seinerzeit arbrtt«l»« waren.(H ist beiden in der zweiten Hälfte Januar mitgeteilt worden, daß diese«uShiliSweiK Beschäftigung End« Februar aufhört. Alis nichr. wi« c» im Artikel heißt, nur 14!ägige Frist. Einspruch hat niemand erhob«».— Der Borstand de? SSereinS ist nicht berechtigt, BorstandZ- mitglied« fest anzusteklen. die« ist Sache der Generalveriammlung. Nach unseren Jniormationen wurde am 20. Januar die Kündr» gunq de« 2. Vorsitzenden bis Mitte Februar auSgelprochen: auf den Einspruch de? Ettkilndigten hin wurde»iese Frist bt« Ende Februar verlängert. Da sich die Generalvemmmlnng wahrscheinlich mit der Angelegenheit noch beschäftigen wird, ist sie für uvS damit zunächst erledigt. I'uiere JngeiihweiLe». Sir welle« deraui hin. dgft die Jugendweihen i« Ib.»teil Bankiw. Svjeum«Sffchftr.. und!1. und IS. Kreitz Lchäneberg, Hehkmeü-rn'chule. Telziaer Str. 48—58, erst um Sonn- tax, den 2S. Slörz stattfinden. Wetter für morgen. B-rlrn nntz tkwKrgentz. Trocken,»her»ieliech»slklz bei stifffen westlichen und nvrbftf'üich?« Winden. Rächt« leichterer Frost, auch an» B»ze ziemlich kähl. Afluzberkehr Land»»— Verls«, L« 13. April soll der Flugverkehr zwischen Lgndon und Amsterdam, d« während d« Wintermonat« einzestM war, wieder ausgenommen werden. Ein Fokker-Eindeck« soll jede» Morgen 10.80 und nachmittag« 2 Uhr von London nach Amsterdam abgehen. Es find Unterhandlunge» im Sange mit deutschen unh dänischen Fluggesellschaften, um diesen Berkctzr nach Homburg, Berlin und Kopenhagen auszudehnen, und zwar hofft man, den Fahrplan so aufzustellen, daß die Reise von London noch Berlin in einem Tage ausgeführt werden kann. 7vo finden die olympisch«, Spiele fiettl? Di« Stadt Pari» hat et abgelehnt, die olympische-i Spiele in ihren Mauern zu vet» airstalten. Der Abgeordnete Herr! st, Bürgermeister von Lqcm. hat nun dem olympischen Komitee vorgeschlagen, die olympischen Spiel« in L y o n zu veranstalte«. Sswerkschaftsbewegung TeuerungSauSglcichzulage im VcrsicherungSgcwerbe. Vom Zentralverband der Angestellten wird uns geschrieben: In zer gestern im Reichsarbeitsministcrium zwisck)en den Vertrags- Parteien unter Vorsitz des Herrn Ministerialrats Hausmann statt- aehiibten Besprechung wurde vereinbart, dasi am Dienstag, den 21. März, ein S ch lichtungsausschuß darüber befinden soll, ob die Voraussetzungen für«in« Neuregelung der Gehälter noch vor Ablauf der vertragsmäßigen Kündigungssrist(SO. April 1922) gegeben sind. Im Fall« der Bejahung dieser Vorfrage hat die mate- rielle Regelung durch Parteiverhandlungen, eventuell durch ein weiteres Schlichtungsverfahren zu erfolgen. Aus der NcichsversicherungSaustalt. Die Angestellten der Reichsversicherungsanstalt erklären zu der -serichtigung des Direktoriums im gestrigen Abendblatt des„Vor- wärts": 1. Der Betriebsrat ist vor Erlaß der Verfügung, betr. die Ve- fugnisse der Diensiftellenleiter, nicht gehört worden. Der Betriebs- rai hat sich bei den Verhandlungen über die Neuregelung der Be- soldung n i e auf den Boden gestellt, daß den Dienststsllcnleitern die Vorgesetzteneigenschast verliehen werden müsse. Es wurde stets nur davon gesprochen, die Stellen der Gruppe 9 mit Beamten zu besetzen, denen Aufsichtsbefugnisse zuständen. Die Ver- fügung, in welchem Umfang und in welcher Art diese Aussichts- befugnisse zu regeln waren, mußte somit nach Z C6 des Betriebsräte« gefstzes unter Mitwirkung des Betriebsrates Zustandekommen. In- zwischen schwebt hierüber Streit bei der zuständigen Stelle des Reichswirtschaftsrates. 2. Die Erledigung der laufenden Arbeiten nimmt eine Arbeits- kraft voll in Anspruch. Eine besondere Arbeitsleistung von 279 Stun- den ist nichts anderes als Mehrarbeit. Das würden auch die Mit- glieder des Direktoriums zugeben, wenn sie selber diese Mehrarbeit leisten müßten, anstatt sie nur anzuordnen. Für die Arbeitsteilung innerhalb der Anstalt ist das Direktorium verantwortlich, zumal Borschläge aus der Beamtenschaft unbeachtet blieben. Der Betriebsrat war nicht nur zu hören, sondern zur Mit- Wirkung heranzuziehen. Auch geheimrätliche Instanzen sind ver- pflichtet, den gesetzlichen Bestimmungen Rechnung zu tragen. Im übrigen handelt es sich hier darum, die Interessen der Versicherten wahrzunehmen. Es ist notwendig, daß diese von dem Tatbestande Kenntnis elhalten. Es handelt sich um folgend« Arbeiten: 1. Anlage neuer Arbeitgeberkonten, 2. Anlage neuer Berstchertenzwis�enkonten und um Z. Ausfertigung der Untcr'agen für die an die Derficherten ab- zusendenden Konrenauszüge(Bcitragsmeldungen). Diese Arbeiten müssen neben den laufenden Geschäften erledigt werden. Die Erledigung dieser Geschäfte erfordert jedoch die restlose Ausnutzung der Dienflstunden: sie liegt im dringenden Interesse der Bersicherten. Die in diesem Jahre erforderlichen außerordentlichen Arbeiten müssen deshalb außerhalb der Dienststunden erledigt werden. Jeder Kontenführer hat durchschnittlich 500 Arbeitgeber mit 2500 Bersicherten zu bearbeiten. Es handelt sich hier um Mindest- zahlen. Ein« erhebliche Anzahl von Kontendienststellcn hat einen größeren Umfang. Die oben angegebenen Arbeiten erfordern folgende Zeiten: Zu 1.: 20 Stunden(für jedes Konto 2% Min.). Zu 2.: 83 Stunden(für jeden Versicherten 2 Min.). Zu 8.: 155 Stunden(für jede Beitrazsmeldung 4 Min.) 269 Stunden(rund 270 Stunden). Die Beamtenschaft hatte vorgeschlagen, für die Erledigung aus- reichende Termine anzusetzen und eine Vergütung für jede Stunde zu zahlen: sie war auch bereit, die Arbeit gegen eine pauschale Be- rechnunq von insgesamt 2000 M. zu leisten. Auch die vcrantwort- liehen Referenten der einzelnen Gruppen haben versucht, in diesem Sinne zu wirken und die Berechtigung dieser Forderung zum aröß- ten Teil anerkannt. Die Angestellten beauftragten aus ihrer Mitte Sachverständige, die im Verein mit dem Betriebsrat dem Vräsidenten in dieser Richtung Vorschläge machen sollten. Dom Präsidenten wurde diese Forderung abgelehnt und die Sachverständigen nicht an- gehört. Das Direktorium beschloß nur, den auf den 31. März gesetzt Termin sür die Erledigung dieser Arbeiten aus den 15. April zu verlegen. Uebcr die festgesetzte Vergütung von 1250 M. hinaus- zugehen, wurde abgelehnt, da diese Ausgaben für Dsrwaltungskosten nicht zu rechtfertiaen feien. Schon jetzt ist es vorgekommen, daß Angestellte an ihrer Ar- beitsstells infolge der Ueberlaftung zusommengebrock'en sind. Andere ziehen Frau und erwach'cne Kinder heran, um nur den Termin ein- halten zu können, weil sie sonst befürchten müssen, keine Entschädi- gung zu erhalten. Denn-mch der ergangenen Verlüqung wird die Entschädigung von 1250 M(hiervon sind noch die Steuern und die daheim gemachten Ausgaben für Licht und Heizung abzurechnen) nur demjenigen gezahlt, bei dem nach vorgenommener Revision fest- gestellt worden ist, daß nicht nur die aufgeführten Arbeiten erledigt find, londern n"ch sonst keinerl?' RüSständs vorliegen. Die Angestellten der Anstalt hoben bisher jede Arbeit geleistet, denn st« dienen den Versicherten. Sie können nicht annehmen, daß es in der Absicht die'er Versicherten liegt, einseitig auf ihre Kosten Ersparnisse berbeizufül/ren._ Die neuen Liil-ne der ZMlernrbeiter. In einer Versammlung der Kellerarbeiter,-arbeiterinnen, Kut- scher und Kraftwagenführer au? den Wein�'xßhandlungen sowie Likörbetrieben in Vökers Fsstsälen am Sonnabend berichtete L i e b e n o w vom Transportarbeiterverband über die Lohnverhandlungen mit dem Arbeitgeberverband der Getränkeindustrien und ver- wandten Gewerbe E. V. Gefordert war ein Lohnzuschlag von 30 Proz. Nach längeren gegenseitigen Auseinandersetzungen wur- den schließlich für die Monate März und April zugelegt: für Ar- beiter 125 M. pro Woche, für Frauen 100 M. und für Jugendliche 75 M. In der Diskussion wurde hervorgehoben, daß diese Zuschläge keineswegs genügen. Die Festlegung auf zwei Monate sei von zu langer Dauer, da die Preise für Lebensmittel und Bedarfsartikel geradezu sprunghaft in die Höhe schnellen und von Anschaffungen irgendwelcher Art, obgleich sehr nötig, keine Rede sein kann. Ein- zeine Redner traten für den sofortigen Kampf ein, da nur auf diese Weise höhere Zugeständnisse von den Arbeitnehmern zu erreichen seien. Gegen diefc Ansicht wehrte sich die Verhandlungskommission, die die Interessen der Arbeiter nach jeder Richtung hin wahrge- nommen hat. In der Abstimmung wurde das vorstehende Angebot mit großer Mehrheit angenommen.(Gedruckte Exem- plare der Vereinbarung sind im Verbandsbureau, Engelufer 24/25, Zimmer SS, gegen Vorlegung des Mitgliedsbuches zu haben.) Alsdann wurde die Beitragsfrage erörtert und den Delegierten der örtlichen Generaloersammlung empfohlen, für die Beitrags- erhöhung zu wirken. Gleichzeitig wurde auf die heute m dem- selben Saal stattfindende Versammlung der Sektion VIII— Nah- rungs- und Genußmtttel— hingewiesen. geniroloerB nd der Malchin!?«» nnd S-Izer. FreUaz, abend, S Uhr,»Steue Pbilhaimunie", Kiwenicter Str. 97 98. Ve'sammwnq aller in den EieUrquätsrier'en bcichäiliatcn Maschinisten, Heizer und Seiufspenoften. Borlraa des(Senogcn Vallmerhaus Uder feine Ruglandreise; der ,e?i» Schied,wruch im Sleichsarde»»- Ministerium! Lohnvcrhandiuniicn dci der M.T.W.; Dch edsspruch Illr die Hach- an» Uniergrundbahn. Es ist Pfli-Iü eines jeden einielnrn Kollegen vilnltlich su erscheinen. — Dranchenoersammlung, chemische Industrie, Freitag, abend» 5 Udr. im Lokal von Aug. Reier, Lichtenberg. Hauptitr. 90.— Brauereien abend» 5 Uhr bei Schulz, Eiijadetdstr. ZO. Gartenlokal. Bezirk, Versammlungen. Donnerstag abend 7 Uhr: Edarlottenburg, bei Werner. Walllir 5S; Neukölln. Kassun. Erkstr. 8; Weddtng im Lokal Liesensir. 12; Schönhauser Borsiadt, Schönrori, Danziger Sir. US. Freitag abend 7 Uhr. Bernau >. Mark, Gcweriichaftsha,!,, Lokal von Grunewald, Caauffeeilrage Eiie Kaiserstragc: Sonnabend abend? Uhr Lichirnderg, Dijriiljer, Diirielsir SS: Schonederg, Kopanke, Ersenacher Sir. t>3: abend!>>/, Uhr Oranienburg, im Resiaurant»Zum großen Kur'Urst". Inh. Aug. Pibchei, KijnIgsaUec Eike KutnUrsiensirahe: abend 7 Udr. Evandau. Windt. Pichelsdorker Str. 5 Steglitz. Element, DUppelstr. 7; abend, 8 Uhr: Teltow. Praller, Lichterieldc-Ost, Bismarckpwtz; abend 7 Uhr: Eöpenick, Stipvckoht. Schönlinder Str. 5; Moabit, Ball. Berlin, Ztoltocler Str. 17. Beranlw. sür den redall. Zeil: Franz KliiH» Jerlin-Lichterselde: Illr An» zeigen: Zh. Glocke, Berlin. Verlag Borwärt». Verlag G. m. d. H., BerUn. Druck: Lorwäris.Blichdruckcrei u. Berlaqsanltali Paul Singer u. Eo.. Berlin. Lindcnstr. 3. leih aifei 9 claiiar billig! ilcht Rindbox mit Chrorn- Icder-Elnsalz Orig.Mac-cay Wir bring n urserer verehrten Kundschaft trotz enorm großer Piciss'eigerung eine Reihe fabe haft illirer An-ebote Wegen des groSen Ändraoges bitten wir io den Votm ttagssienden zn Kommen. Besichtigen Sie unsere 11 Schaufenster. Vetkauiszeil 8V1— 7 Uhr. fÜUlü�e AMSlieiGl, Kreils Form, Derbyschnitt Wer-SliOIiSliefe!, besonders bequem und breit 30� � CG0dy8Sr W6!t«Cht Boxkalt u. ccnt Chevrcau wo eine spuze l-oirti........... Meiss InisinlieD, S ohne moderne Slofieinsäize, die neue spitze oder runde Form, _ in groCer Auswahl billig, ca. 20 diorltn_ Turnschuhe und Sandalen bsShg. 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