klr. 125» ZH. Jahrgang Ausgabe Nr. 63 BczvgSprciS: 9uit(l](UvtL60�— XI, mcnatL Ä>,— St> (tti>n» Saus, vorauz soliliior. Po?t- hssug: Sior.ailid) 20,— Ä.«Witt. Au» sr>,llunq»gebü!,r. Uuler»reuzband Kt Senftdilanö, Dan»>g. Saar- u. 3Jfntl- gebiet,(ociie Wektvolen, Oesterreich u. fujemburg 31,- XI, iür da» Cbnge Ausland 72,— M, Toftbetteuungm »ehmeu an Belgien, DuNemart, Eiih» laud, Finnland. Fraulrelch) Lollond, Lettland, Luxemburg, Oelterrcich, Schireden, Schwei», Tichecho-Slowakei und Unzarn. Ser.Borwärts" mit der Sonntagsbeilage„Volk und Zeit", der Unter- hattungsbxilage ,§e>mwell" und der Beilage„Siedlung und Kleingarten" «scheint wocheniäglich zweimal. Sonn» tag» und Montags einmal. ?elegranrm-?ldrelse! »Sojlaliicmottal Berlin" Morgen Ansgabe (7CPfennis") Devlinev Dolltsblntk SHajefdctiOTfioi: #ie e i tt f p« l t'ig e Z!»naareill'-e0e tollet 12.— JR toisc'�c" das- f�tgeGrnedte-Tuzt ü.— Zt. i«a- läTf.g jwft(»ttgeifiitc ÜSirte). icbee Weitete Wert® Stedengr uche und echUmsOntan) eigen da» er-.e Bett%— SK., ifb« wette:» TSicrt li'So SR. Worte Uder lf>?uei"-ab.di gpblm Mr zwei Warte. faaiillen-jlH- zeigen fixe tlbaementea Aeile*,— 3L Die lgreif» Verstehen sin, ernichUeßach TeuerungePtschlih,» Anzeigen Mr dir»ich sie Rummer »illsen bl» g'/z Ahr»«chmitteg« im Hauptgeschilt. Scrli* SA«8, Linden- ftrohe h, adgegebe» werde». SebfTnet »»na Ul)r früh dl» 5 Uhr n»ch»tittag». z f u V Zcntratorgan der Sozialdemokrat» fdun parte» Deutfcblands Reüaktton und Expedition: SV 68, Lindenstr. Z - Redaktion M-ritsplatt 13»»5-97 �ttrinyrcoter. �p�ition Moritzplati 1175:»— 54 v»rwärt»-v«rlas S.m.d.k., Sw 6t,£iHdcn{h» 3 Jt'i»t-»e Jt»ri»etii»r• Aerln«.(RtHrdtfip* u«> Juieraten- tVcrHYprrojcr. B()WillII|( U7»3— 54 Pomcate und Kommunisten! Paris. 14. ZNürz.(Eigener Drahtbericht.) heute gibt die kommunistische..H-lmanits" nun endlich zu, dast Marcel C ach in tehthin in Berlin einen Zlustraa von Radck angenommen hat. für Sowjetrustland mii�er sranzösischen Regierung, also mit P o i n c a r e, in Verbindung zu treten. Der Gencralsekrelär der Kommunistenpartei A r o s s q r d stellt nach lagelangen» Drängen der sozialistischen und aewerkschast- liehen Presse in der„humanitä" den Sa6)vcrhait folgender- »nahen dar: Badek habe sich, wie es natürlich fei, in Berlin S o rg e n darüber gemacht, unter rvelchen Bedingungen die Gsnua-Konferenz zusammentreten sollie. Der Haltung Frankreichs habe er besondere Bedeutung beigemessen. Er habe Cachin gebeten, der französischen Regierung mitzuteilen, dajz er es begrusten würde. n>enn er sich mit einem ihrer diplomatischen Agenten über die Stellung Rußlands über eine etwaige Wiederaufnahme der wlrtschastüchen und politischen Beziehungen zu Frankreich unterhalten könnte. Lochia habe sich darauf beschränkt, Poincarä durch einen Wittels- mann das Angebot Rädels zugehen zu lassen. Das fei alles. Das GenrerkZchaftsblatt„Periple" erklärt in seiner ZNiit- wech-1Norgenausgabe. es fei in der Lage, den Ranien des Mittelsmannes mitzuteilen, den Arossard noch verschweigt: Es handele sich um den Auslandsredakteur der„humar-its" Paul Louis. Das Geständnis Frossards erregt in Paris grast e s Aufsehen, auch innerhalb der Kommunistischen Partei. Die verkai'ket, werden bei den Kommunisten Stin»n»en laut, die eine Mast reg elung Eachins oder aar seinen A»:ssHluß aus der PartÄ verkangeiu A!it besonderer Spannung er- wartet man die Erklärungen Eachins, der heule in Begleikung von Da»»iel Renault, van der Sihung des erweiterten Exekutivkomitees der Dritten Internationale- znrückkchrend, wieder in Paris eingetroffen ist. Soweit die Meldung unseres Pariser Korespondenten. Wir haben bereits in unserer Sonntogsausgabe darauf hinge- wiesen, welche höchst zweideutige Rolle nicht allein Cachin, sondern auch die gesamte Parteileitung der sran,zösischen Kom- munistenpartei und ihr Zentralorgan, die„hurnanitch in dieser Angelegenheit spielen. Mit welcher Unverfrorenheit die französischen Gesinnungsgenossen der„Roten Fahnc"� schwin- deln, geht aus dem Wortlaut des ursprünglichen Dementis von Frossord hervor, das wir aus der Nummer der„humanitö" vom 11. März entnehmen: „Unsere Gegner wissen sehr wohl, daß in einer kommunistischen Partei wie der unserigen niemand dos Recht besitzt, die Organi- scition ohne deren Zustimmung festzulegen, und sie kennen Marcel Eachin gut genug, um zu wissen, daß er einer derartigen kommu- mstischcn pslichkergesienheit unfähig ist. Wir würden Cachin be- leidigen, wenn wir auch nur ein Wort mehr darüber verlieren wurden." Es scheint nun. dost manche französische Kommunisten, eben weil sie Cachin sehr gut kennen, ihn einer derartigen Handlung für durchaus fähig halten, denn der Krach scheint in den Reihen sogar des kommunistischen Partcivorstandes im vollen Gange zu sein, zumal es notorisch ist, wie ein einfacher Blick in die„Humanitä" der letzten drei Wochen lehrt, daß die wüsten Angriffe auf PoinccrH plötzlich wie durch ein Wunder in den Spalten des Kommunistenorgans aufgehört haben. Sollte es am Ende bei den französischen Kommunisten zu einer Spaltung zwischen„Poincaristen" und„Antipoincaristcn" kommen? Einen weiteren Bettrag zu dieser Affäre liefert ein Brief des sozialistischen Abgeordneten und Rechtsanwalts Jules Uhry an L6on Blum, den der„Populaire" vom 12. März veröffentlicht. Darin heißt es u. a.: „Einerseits hat mir mein Freund, der kommunistische Zlbgeord- »ete(unk ebenfalls Rechtsanwalt. Die Red.), Andre Berthon, im Lustizpalast ausdrücklich, und zwar keineswegs unter dem Siegel der Verschwiegenheit erklärt, daß Cachin im Auftrage von Rädel Dokumente ausgehändigt hat und auf diese Art zum Bindestrich zwischen der S-wjetregicrung und dem Ministerpräsidenten ge- worden ist. Anduersetts hat mir eine ander« führenk« Persönlichkeit der Kommunistischen Partei versichert, daß der Genosse P a u l L o u i s ebenfalls als Mittelsmann verwendet worden sei, um Dokumente zu überbringen, die M i l l e r a n d und Poincare überreicht wurden. Em sehr lebhafter Zwischcnsall habe sich deswegen im kommunisti- schen Zentralverband ereignet." Der hier ebenso wie in unserem Pariser Drahtbericht als Mittelsmann bezeichnete Paul Louis ist über- Haupt eine Nummer für sich. Denn er führt seit Jahren ein ganz eigenartiges Doppelleben, das so sehr im Widerspruch mit den deutschen und vor ollem den sozioldemoratischen Begriffen»wn politischem Anstand steht, daß man vielleicht an der Nichtigkeit der nach- stehei»ücn Mitteilungen zweifeln wird. Indessen handelt es sich um lauter Tatsachen, die in politischen französischen Kreisen längst bekannt sind. Paul Louis war nämlich vor dem Kriege Auslands- redakteur des großen kapitalistische»» Boule- v a r d b l a t t e s„Petit P a r i f i e n". Er hatte diese Stellung auch während des Krieges inn« und betrieb darin jene scharfmacherische, nationalistische, annexionistische Bis-ans-Ende-Politik, die von ihm verlangt wurde. Eigen- tümer und Chef des„Petit Parisien" war der Zeitung?- Magnat und Senator Jean D u p u y, der als Minister dem Kabinett Elemenceeu angehörte. Daß die Auslands- Politiker der bürgerlichen Pariser Presse ihre regelinäßigen Subsidien vom Qua» d'Orsay seit jeher beziehen, der für diese Zwecke über ganz enonne Geheimfonds verfügt, ist all- gemein bekannt. Während aber Herr Paul Louis als Re- daktionsmitglied des„Petit Parifien" im Dienste Clemenceaus stand, schrieb er zugleich im sozialistischen �Populaire" unter dem Ps«»>donym„P h.§ d o n" sehr scharfe Entresilets gegen die Gewaltpolitik der Entente und gegen die Fortsetzung des Krieges ins Uferlose. Nach dem Waffenstillstand behielt er seine beiden Stellungen, rechtfertigte pormittaas iin„Petit Parisien" die Versailler Bedingungen mit demselben Eiser, rnit dem er sie abends im„Populaire" brandmarkte. In einem Punkte blieb er sich indessen treu, nämlich in der maßlosen Beschimpfung der deutschen Sozialdemokratie, die er als Elemencist ebenso zu verleumden oerstand, wie als Bolschewist. Dieses Doppclleben nahm e r st nach den Wahlen vom 16. November 1919 ein Ende. Ucber die Gründe seines Ausscheidens aus dem Redattionsstab des „Petit Parisisn" ist uns nur so viel bekannt, daß es nicht frei- willig erfolgte. Nun lrcuer u» den Redattionsstab der, �huinanitH" ein und schreibt seitdem unter dem wahren Namen Paul Louis(nebeirüei bemerkt, heißt er in Wirklichkeit anders, und zwar ist er ein Namensvetter des Gründers der hiesigen „Kommunistischen Arbeitsgeineinschaft") regelmäßig Auf- sätze über außenpolitische Fragen. Die verlogeire Art, wie er darin die deutschen Berhältnisse, besonders die deutsche Sozialdemokratie, behandelt, ist um so verwerflicher, als er, krast seiner großen Sachkenntnisse, wider besseres Wissen handelt. Inzwischen ist er Bolschewist bis in die Knochen geworden, was ihn aber nicht h'mdert, regelmäßiger Pariser Mitarbeiter des l in k s b ü r g e r l i ch e n„Progrds d& Lyon" zu sein. Außerdem schreibt er noch für die— Berliner„Rote Fahne".' Es wird nach alledem niemand wunder nehmen, wenn außer Cachin gerade dieser„Kommunist" als Mittelsmann zwischen der Sowjetregierung und dem Scharsmccherpaar Millerand-Po!ncar6 auserkoren wurde. Man kann sogar be- haupten, daß er zu dieser Rolle geradezu prädestiniert war. Hilferufe gegen Moskau. Arbeiterführer in Lebensgefahr! Die bolschewistische Regierung hcu gogenwärtig in Moskau 47 Mitglieder der Partei der Soziairevslutionäre, darunter das ganze Z« n t r al k o w i t e e der Partei, dem Gericht des i Obersten Tribuualo itderzcben. Das Eericht soll ans Srnnd lüg- nerischer Aussagen«die wahr« Rolle der Partei der Sozia- , listenrevolutionär« während des Dürgerkriezes und deren Kampfes- ! Methoden gegen die Sowjetmacht prüfen", uin auf dies« Weise„die Verbrechen der Partei der Sozialistcnreoolutionäre gegen di« prole- tarische Revolution festzustellen". Anläßlich dessen nimmt dos Auslandskomllee der Partei der Sozialistsnrevvlutionäre in einer längeren Zuschrift„An die sozialistischen Parteien oller Länder"— die uns zur Verfügung gestellt wurde— Stellung gegen das Eowjetsystein und kennzeichnet nochmals dessen Taten gegen die Arbeiterschaft. Mit Entschieden- heit wird zunächst der bolschewistischen Partei das Recht abgestritten, den Okwderumsturz„Proletarische Revolution" zu nennen. Die bolschewistisch« Panel sei die erst« gewesen, die den Bürgerkrieg begann, indem sie eine in ihrer Mehrheit sozialistische Regierung mit Gewalt stürzt», später die konstituierende Rationawersammlung davonjagte und sich ununterbrochen Gewalttätigkeiten gegen die Mitglieder der Partei drr Sczialijtcnrevolutionäre er j laudte. So wurde insbesondere das Parteiverinöge»» beschlagnahmt, die Varkeiorganijaklon zerschlagen, die Parleivcesse inhibiert, eine große Anzahl von Parteimitgliedern ohne Grund erschossen oder Ins Gefängnis geworfen. Angesichts dessen— und das betont der Aus- ruf ausdrücklich— hat die Sozialistenrevolutionäre Partei es da- mals als ihr gutes Recht betrachtet, mit der Waffe in der Ichand denen Widerstand zu leisten, die mit Hilfe bona- � partistischer Methoden eine brutale Parteialigarchie auf- zurichten suchten. Dennoch aber habe ssch die Partei damals,«i« auch später, bereit erklärt, dem Bürgerkrieg innerhalb der Arbeiterdemokratie ein .Ende zu machen, ober nur unter der Bedingung: allgemeine Neuwahl in die Sowjets, geheimes Wahlrecht, lFreiheit des Wortes, der Presse und der Wahlagi- Station, sowie die Berpflichtung seitens aller soziallstischen Parteien, sich den Beschlüssen der neugewählten Sowjets in allen strittigen Fragen zu unterwerfen, einschließlich der Frage über, das Schicksal der konstituierenden Nationalversammlung. Auf dieses Angebot gingen die Bolschewisten nicht ein, erklärten aber aus eigener Initiative, ihr Verhallen der Sozialistenrevolutin- nären Partei gegenüber zu ändern und sie„probeweise" zu legali- � sieren. Aber auch bei diesem Akt kannte die herrschende Macht nicht 1 der Versuchung widerstehen, diese angebliche Legalisirrung in eine niederträchtige Polizeifalle zu verwandeln. Zehn | Tage, nachdem die Soziallstenrevolutionäre Partei ihr legales tag- ' liches Organ herausgab, wurden plötzlich Massenverhastungen in der Kundgebung Ser Zeitungsverleger. Der Berein Deutscher Zeitungsverleger hatte zum Montag, den 1Z. März, nach Weimar eine außerordentliche Generalversammlung einberufen, in der insgesamt 1827 deutsche Verleger und Heraus- geber der Zeitungen aller Parteien und Richtungen vertreten waren. Die allgemein« Einmütigkeit der Versammlung und' der gemeinsame Wille zur Aufbietung aller Kräfte fanden ihren Ausdruck in der ge- schlossenen Annahme einer Kundgebung, in der es u. a. heißt: Das Zusammenbrechen der Zettunzen hat erst mit einer Reihe in der großen Oeffentlichkeit weniger be- achteter Einzelfälle begonnen: es schreitet weiter. Schuld daran ist vor allem eine nur dem Namen nach freie Wirtschaft, bei der in Wirklichkeit die deutsche Presse der rücksichtslosen Preisdiktatur der Syndikate ausgesetzt ist. Die Papierfabrikanten schicken sich an, den Preis, der schon im Januar auf das Fünfunddreißigfache des Friedenspreises gestiegen war, für di« nächste Zeit ouk das Fünfzig- bis Sechzigfache des Friedenspreises zu erhöhen. Das übersteigt alles, was selbst in diesen Zeiten der Teuerung dagewesen ist, wenn man bedenkt, um welch« Mengen Druckpapier es sich handelt und welche enormen Ge- winne aus dem Holzstoff, dem Zellstoff und dem Papier heraus- gewirtschaftet«erden. Diese Lasten sind nicht mehr zu erlragen. Auf der Persammlung in Weimar sind über die Zustände in zahl» reichen Zntunaei» aller Art und über verzweifelte Rettungsversuche erschütternde Tatsachen bekundet worden. Es steht zu befürchten, daß von heute auf morgen Stillegungen großer Betriebe eintreten. In letzter Stunde erheben die Herausgeber der deutschen Tageszeitungen ihre warnende Stimme angesichts einer Gefahr, di« nicht nur eine große Gruppe von Privatunternehmungen bedroht, sondern eine Einrichtung des öffentlichen Lebens, von deren Un- entbehrlichkcit und dringender Notwendigkeit man sich vielleicht leider erst überzeugen wird, wenn es zu spät ist. Schon vermag di« deutsche Presse fast keine Auslandsvertreter zu unterhalten. Schon reiscn geschäftige Agenten von Ort zu Ort, um nicht nur große, sondern selbst mitllere und lleinere Zeitungen zu fetten" auf etn« Weise, DU sie in die Hörigkeit unbekannter Mächte und fremdländischen Kapitals bringen wird. Sckwn wird die öffentliche Meinung auf eine gänzlich unkontrollierbare Weise beeinflußt durch Massenfabrikation von sertiggesetzten, für billigstes Geld gelieferten Artikeln und ganzen Zeitungsplatten gleicher Art, die das deutsche Schrifttum und die Freiheit der deutschen Meinung, die Meinungsbildung überhaupt, unterdrücken. Wir fordern die Reichsregierung, den Reichstag, di« parla- mentorischen Körperschaften in den Landen» auf, an die Stelle der Beteuerungen ihrer hohen Meinung von der Presse und der plato- nischen Einsicht in die Dinge di« Tat treten zu lassen. Wir fordern slrengsie Maßregel» dazege». daß dl« deutsche Presse gebt,»den ausgeliefert wird einer gre»zenl»sen Preiatreidrre» und Mono- polwirtschast auf dem Gebiete de» Holzes, der kohle, aller vor- Produkte d« Papiers. Wir fordern die Sperrung der Ausfuhr von Papier vnd ZeSstoff, solange nicht das Papier für die deutsche Presse zu erträglichen Preisen sichergestellt ist. Wir fordern ferner die Aufhebung und künftige Lnterlcssung jeder Sonderbofianernng der Presse. Die Zeitungsleser machen wir darauf aufmerksa«, daß die Be- zeigS- und Anzeigenpreise, die in den Zeitungen für den 1. April an- gekündizt werden, ausnahmslos nicht einmal die Kosten des Papiers decken und daß daher für sämtliche Zeitungen«ichte übrig bleiben kann, als auf diesem mißlichen Wege bis zum Zusammenbruch weiterzugehen oder die Stillegung bereits zum 1. April vonunehmen in den Fällen, in denen die ungeheure Btlast»ngsprode nicht einmal mehr«uf Woche» auezuhalte» ist. » Wir freue» uns des klaren Bekenntnisses zur geregelten, also zur Zwangsbewirtschaftung, insbesondere des Papiers. Wir fürchten nur, daß bei ernsthaften gesetzlichen Maßnahme» in dieser Richtung, die wir aus vollem Herzen unterstützen wollen, die Einigkeit der 1527 Zeitungsoerleger schwerer zu sicher» ist als bei der»bigen Kund- gebung. Parle! vorgenSminen mit Sein offensichtlichen Zweck, die Partei durch diesen plötzlichem, U ebersall gänzlich zu liquidieren. Bon dieser Zeit ab bis zum gegenwärtigen Augenblick müssen die Sozialistenrevolutionäre ein illegales Leben führen, obwohl die formale Legalisation der'Partei niemals aufgehoben wurde. „Unter diesen Umständen'."— so heiht es dann in der Zuschrift —„ist es in der Tai u n g e h>' u e r l i ch. wenn die herrschende Par- lei nun oersucht, wegen der Teilnahme an dem läng st beendig- ten Bürgerkrieg einen p olitischen Prozeß zu inszenieren und den durch die Legalisation mit unserer Partei längst liquidierten Rechtsstreit mit uns zu erneue, n. Wir brandmarken diesen Akt als einen Akt der doppelten Treulosigkeit. Wir erklären, daß das geannte Gericht kein Gericht, sondern ein n i e d'e r t r ä ch- r i'g e r Gewaltakt ist, und daß unsere Genossen dort nicht als Angeklagte, sondern als Stläger auftreten werden. Unsere Genossen schmachteten bis jetzt in den Gafsingnisscn ohne Verhör, ohne Gericht, einige von ihnen schon seit dem Jahre 1918." Zun, Schluß der Zuschrift fordert die Partei der Sozialistenrevolutionäre die Bolschewiste.a zu einer offenen Aus ein- a n d e r s e tz u n g auf. Sie sch&igt die Organisation eines Gerichts vor, das aus den A«rtret-rn der drei internationalen Vereinigungen der sozialistischen als auch der kommunistischen Parteien bestehen soll. In bezug auf die Kommunisten in ganz Europa wird noch die Erwartung zum Ausdruck gebracht, daß sie aus Jnteresie an der Wahrheit(!?) die gerechte Forderung untsrKützcn und verhindern, daß inzwischen irgendwo in einer Folterkammer ein neues Verbrechen, ein neues Attentat gegen die Menschlichkeit erfolgt. Das Schreiben ist unterzeichnet von Sensinow, Rubano- witsch, R u s s a n o w, S u ch o m l i n und T s ch e r n o f f. « Die Auslandsvcrlrdur.g der sozialdemakralischen Arbeitspartei Rußlands(Menschewiki) hat folgendes Telegramm an die Zweite Internationale in tondon und das Exekutivkomitee der Arbeils- gemeinschast sozialistischer Parteien in Wim, gesandt: Am 20. März werden in Moskau zahkreickie Mitglieder des Zcntralkomiices der sozialrenolofier-ären Partei vor ein Ausnohmcgcricht gestellt unter der AnNoge. im Inhre ISIS an Terroraaschlägen gegen Lenin»nd andere Dolschewislensuhrer teilgenommen zn haben. Die Bo'.sche- wislen beabsichtigen durch die Auffrischung längst vergessener Episoden des Bürgerkrieges eine neue Terrorperiode zu eröffnen. Zahlreiche tzlnrichtungen sind zu befürchten, wir fordern beide sozialistischen Internationalen und alle angeschlossenen Parteien aus. ungesäumt und in der energischsten Meise einjugreiscn. um dos drohende Zerbrechen zu verhindern. Rur durch fosorlige und tatkcöflig« Aktion kann das Leben einer Reihe hervorragender russischer Sozialisten gerettet werden. Isire hinmordung durch die bolschewistische Regierung würde die Herstellung einer Einheitsfront nicht nur in Rußland, sondern auch in Europa unmöglich machen. Auslandsverkrekung der sozialdemokratischen Arbesterpartci Ruhlands. R. Abramowitsch. Th. Dan. Z. Markow. tzermes unü ber tVmzerverein. Die Meldung der PPN., daß der in der Weinangelegen- heil des Ministers Dr. Hermes vielgenannte Winzerverband für Mosel, Saar und Ruwer außer der Sonderzuweisung von 8l)00 Zentnern Zucker im Jahre 1920 noch erhebliche f i n a n- ziellc Unter st ützungen durch das Reichsernährungs- Ministerium bezogen haben sollte, war von diesem mit Ä,t- schiedenheit dementiert worden. Das Ernöhrungsministerlum gab bekannt, daß nirgendwo eine derartige Unterstützung fest- .gestellt und auch kein Anhaltspunkt für eine solche gefunden worden sei. Demgegenüber behaupten die PPN. in bestimmter Form, daß beim Reichsaus schuß fürOele und Fette, der dem Reichseniädrungsministerium angegliedert ist, ein Fonds von 300 000 M. zur Bekämpfung der Schädlinge be- stehe. Aus diesem Fonds habe der genannte W i n z'c r v e r- band im Frühjahr 1920 auf Antrag ö0 000 Mark e r h a l- t e n. Wir registrieren das einstweilen, ohne irgendwelche Schlußfolgerungen.daraus zu ziehen. An sich wäre ja eine derartige Zuwendung an einen Winzerverband nach der Zwecksetzung des Fonds nicht auffällig. Merkwürdig er- schiene allerdings, daß das Reichsernährungsminifterium bei Ausgabe seiner Erklärung diese Tatsache, falls sie zutreffen sollte, übergangen hat. In der SK. wird eine Rechnung aufgemacht, wonach auf den vom Winzeroerband für den Minister Hermes gelieferten Weinen allein 2506 Mark an Steuern gelegen hätten, während der Kauf- preis nur 891 Mark betragen habe. Falls der Wmzervcrbanh die Sendung richtig versteuert hat, so hätte er nichl nur keinen Gegen- wert erhalten, sondern darüber hinaus» noch 1615 Mark Voraus- lagen an Steuern für den Empfänger gehabt.— Wir nehmen an, daß die gerichtliche und parlamentarische Untersuchung auch diesen Punkt klären wird. Awangsanleihe oöe? Sachwertbelaftunss. Die„Frankfurter Zeitung" schließt sich in einen, Lcit- artikel dem Gutachten des finanzpolitischen Ausschüsse? des Reichswirtschastsrates an, der die Aufnahme einer Zwangs- anlcihe für wirtschaftlich äußerst bedenklich hält. Sie bemerkt dazu u. a.: Die Zwangsanleihe«erde der Aufgabe, noch eine Kreditauf- nähme von etwa 2 Milliarden Grldmark im Inland und im Ausland möglich zu machen, nicht gerecht. Das schlimmste sei, daß der Ertrag zu einem grcßen Teile nicht der Reichskasse zugute käme, sondern entweder einfach zerstört oder in die Tasche anderer glücklicherer Privaten geleitet würde. Nach der Einführung der Anleihe an der Börse würde die Anleihe schnell sinken, die Anleihe- empfänger würden also enorm geschädigt werden, während kauf- kräftige Kapitalisten in der Hoffnung auf schalere Zeiten sie billig kaufen könnten. Das Blatt schließt: Wir wollen hosten, daß man durch die Einzelberatung der Zwangsanlcihe schließlich dock) noch zu besseren Met h od c n, besser für die Reichsiinonzen und besser für die Steuerzahler, sich gedrängt sehen wird." Auch wir halten e'ne stärkere Heranziehimg der Sach- besttzer zur Steuer für viel wirksamer als die Zwangsanleihe, die unseren Forderungen nur zu einem Teil gerecht wird, ober eine dauernde Erleichterung der Reichsfinanzen kaum bringen kann. Die Ausführungen des demokratisch:,, Blattes richten sich unmittelbar an diejenigen Führer der bürgerlichen Par- teisri, die eine Erfassung der Sachwerte mit allen Mitteln bekämpft haben._ Primaner und ffausöame. Maffcnrclegation in der ehemaligen Kadcttenanstalt. An der staatlichen Bildungsanstolt Lichterfelde, der ehemaligen Kadettenanstalt sind über 59 Primaner, darunter eine Anzahl, die dicht vor dem Abiturium standen, plötzlich entlassen war- den. Die Schuld an diesem Vorkommnis tragen offenbar die gleichen nationalistischen Hetzer, die schon zu der Zeit, als noch Genosse Karsen Leiter der Anstalt war, mit ollen Mitteln die jungen Leute nationalistisch aufzuputschen stichten. Diesmal war der Aus- gangspvnkt eine nationalistische Feier, die am 18. Januar von einer Anzahl ehemaliger Kadetten veranstaltet wurde. Hierbei kam es zu Konflikten mit einer der in dem Internat tätigen Hcnisdamcn, die von den Primanern für politisch linksstehend gehalten wurde. Im weiteren Verlauf kam es am 16. Februar zu einer Art P a l o st- r e v o l u t i o n, bei der die Primaner gegen die Hausdame vorgingen, und es wäre wohl sogar zu Tätlichkeiten gekommen, wenn nicht ein jüngerer Lehrer und zwei Schüler die Dame in Schutz genommen hätten. Auch so hagelte es unflätige Schimpfworte, und der unerträglichen Szene wurde mit Mühe ein Ende bereitet. Bald darauf wiederholte sich eine ähnliche Szene in einem der Zimmer, die von den Primanern bewohnt werden. Darauf griff die Behörde ein und entsandte zwei Herren aus dem Provinzial- ' schulkollegium und dem Kultusministerium zur Untersuchung. Aus Grund der von diesen Herren getroffenen Feststellungen erfolgts dann der Entlassungsbescheid. Die jungen Leute, deren Zukunft dadurch zum Teil schwer ze- schädigt ist, mögen sich bei den nationalistischen Hetzern, die die staatliche Bildungsanstalt Lichterfelde als ihre Domäne betrachten, dafür bedanken. Daß diese ihren Opfern nunmehr andere Hilfe als ein paar Redensarten spenden werden, glauben mir allerdings nicht. die Beratungen über öas flrbeitszeitgeletz. Die zmifchen den Vertretern der Spitzenorganisationen itoltgs. fm-denen Dorberatungen über das Arb-itszci-gesetz swd noch nicht zum Abschluß gekommen. U eberein st immung besteht aber darin, daß an der achtstündigen Arbeitszeit. nichts geändert werden dari. Das allgemeine Arbeits- zeitgcfetz dürfte noch viele Monate auf sich warten lassen, dagegen besteht die Aussicht für das Eifenbohnperfonal zu einer provisorischen Regelung zu kommen, wenn zwischen den Spitzenorganisationen und gleichzeitig auch mit dem Verkehrsministerium eine Verständigung herbeigeführt werden kann. D'e Reichsgewerkschast, die vor dem � Eis-nbahnerstreik gegen eine provisorische Regelung war. lcheint jetzt � ihren Protest auszugeben und an dem Provisorium mUberalcn zu , wollen. Sollte es zu einer Sonderregelung für das Eisenbahnperso- � nal kommen, so ist für die Gewerklchosten Voraussetzung, daß die � Vorschriften im Einklang stehen mit den in dem allgemeinen Gesetz zu erwartenden Festsetzungen. Erklärung betr. Arbeitszeit der Eisenbahner. Die unterzeichneten Spitzenorganisationen der Eewerkschasten er- klären, daß die in der Tagcspresse vom 1�. März 1922 veröstenilichte Berichterstattung über die Sitzung betr. Arbeitszeit der Eisenbahner nicht den Totsach-'n ent'pr'cht, und daß sie dieser Veröstentlichung fernstehen. Berlin, den 11. März 1922. Allgemeiner Deutscher Gewcrkschastsbund. Deutscher Gowerkschasts- bund. Deutscher Teamtenbund. AiA-Vund. Gcwertschastsring (Hirfch-Duncker). Ergebnis öer Reichslohnverhanölungen. Die am Dienstag im Reichsverkehrsministerium forlgeführle» Verhandlungen über die Neuregelung der Lohnverhäliiüsse für die im Reichsdienst stehenden Arbeiter brachten folgende Lohnst.-iac- rungen: Für die 24 Jahre alten Arbeiter ..._... Tie neuen Smndenlöhne Steigerungen in der LrtMlone A 1 .. 2,00 M. .. 2.80. .. 2.70, .. 2 70. ... 2 65, 2 00 in der 1. Lohngruppe o 3. 4. 5. 6. 7. benagen nuumcbr 12,55 Vi. 12,25. 11,95, 11,63, 11.40. 11.13. Ii-. In den Ortsklassen B, C, D und Tr vermindern sich die Löhne in jeter Gruppe um 50 Pf. Zu den Löhnen kommt für d e Verheirateten noch die Frauenzuloge in Höhe von 40 Pf. pro Stunde und ferner in den Orten mit Ueberteuerungszuschlägcn der Ueber- teuer, mgszuschlog. Für die unter 24 Jahre alten Arbeiter werden in der Lohn- gruppe 7 folgende Mehrbeträge pro Stunde gezahlt: für den 15 jährigen Arbeiler »» 18„» I I IS I 19 " 20 I I 21 I I .. 22. vn 24 Exegese. Von Fritz Müller, Chemnitz. Laie: Nun, Herr Pastor, was sagen Sie denn zu dem Ein- bruch bei Ihrem Amtsbruder in N.? P a st 0 r: Was soll man dazu sagen? Es hat eben eine starke Entsittlichung unseres Volkes stattgefunden! Das kommt daher, daß der rechte Klaube— Laie: So war meine Frage nicht gemeint. Ich wollte Ihre Ansicht darüber hören, ob es recht ist, daß ein Geistlicher soviel Papiergeld und soviel Gold- und Silberknünzen in seinem Schreib- lisch aufbewahn! P a st 0 r: Gestohlen hat er das Geld ganz gewiß nicht, und durch Schiebergeschäste ist es ebenfalls nicht erworben. Sie wissen doch ganz genau, daß die Frau meines Zlmtsbruders aus einer wohl- habenden Familie stammt. Laie: Ich verstehe nicht, warum manche von den Herren Geistlichen bei der Wahl ihrer Lebensgefährtin so sehr darauf achten, daß sie auch mit„irdischen Gütern" gesegnet ist! P a st 0 r: Ich möchte Sie ersuchen, mit Ihren Bemerkungen etwas vorsichtiger zu sein. Meine Frau ist auch nicht ganz unbe- mittest! Laie: Das weiß ich. Ich verstehe nur nicht, wie sich das mit dem verträgt, was Sie von der Kanzel verkünden! P a st 0 r: Ich möchte aber sehr darum bitten, derartige— Laie: Ich wollte Sie durchaus nicht kränken! Aber in der Bibel steht doch:„Sammelt nicht Schätz-, die Rost und Motten fressen!" Sie haben neulich so schön darüber gepredigt: und heute finden Sie nichts dabei, wenn jemand Papiergeld, Gold- und Silber- münzen hamstert, und wenn man eine reiche Frau heiratet! Pastor: Das oerstöhr durchaus nicht gegen die Lehren der Heiligen Schrift! Laie: Nun hört aber alles auf!! P a st 0 r: Bitte, keine Aufregung! Haben Sie schon einmal einen Hundertmarkschein gesehen, der verrostet war, oder ein Gold- stück, das die Motten fressen?! Nun also! Laie: Entschieden verstehen Sie Spaß, Herr Pastor! Aber wie stellen Sie sich denn zu dem Spruch, den Sie neulich auch mit- erwähnten:„Es ist leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als daß ei» Reicher in den Himmel komme"? P a st 0 r: Mein lieber Freund, dieses Wort dürfen Sie nicht wörtlich auffassen! Mit„Nadelohr" ist nicht das Loch in der Nadel gemeint, sondern eine kleine Pforte in der Mauer. Laie: Da geht aber ein Kamel auch sehr schwer durch! P a st 0 n Ich war noch nicht zu Ende. Außerdem aber kann man das griechische Wort lonidoz auch mit„Schiffstau" wiedergeben. Laie: Ein Schiffstau geht demnach sehr leicht durch eine solche Pforte. Also ist es für einen Reichen ein Kinderspiel, ins Himmel- reich zu kommen?. Dank' schön für diesen Trost, Herr.Pastor! Prof. Rernst an der Schhe der Physikalisch. lechnischcn Reichsanstalt. Wie die Dena erfährt, fand am 8. und 9. März ein» Kuratcriumssitzung der Physikalisch-technischen R-ichsanstolt statt, in der u. 0. darüber verhandelt wurde, auf welche Weise die Anstalt trotz der finanziellen Notlag« des Reichs auf ihrer wisienschastlichen Höhe gehalten werden kann. Die Tagung hatte insofern eine be- sondere Bedeutung, als der langjährige Präsident der Reichsanstalt, Prof. W a r b u r g, mit Rücksicht auf sein hohes Alter zum 1. April sein Amt niederlegt und von diesem Zeitpunkt ab der Rektor der Berliner Universität, Prof. N ernst, die Leitung der Anstalt— bis zum 15. Oktober neben feinem Rektorat— übernimmt. Staatssekretär Schulz vom Reichsministerium des Inncrn würdigte in einer Abschiedsrede die außerordentlichen Verdienste Marburgs als Reichs- bcamter und als Gelehrter und begrüßt« gleichzeitig Prof. Rernst, dessen Persönlichkeit dafür bürge, daß die Reichsanstalt unter ihm ihre hohe wissenschaftlich« Bedeutung behalten und noch weiter stet- gern werde. Aus dem Leben Gandhis. Mohamdas Karamtschaud Gandhi, der Führer d«r indischen Ausstandsbewegunz. der jetzt von den Eng. länder» verhafter worden ist, gilt in den Augen seiner Millionen von Anhängern als Heiliger und Prophet. Er begann den Auf- stand unter dem berühmt gewordenen Namen der„Nou-Coopera- tion" im Jahre 1893 in Südafrika zu predigen, wohin er von seinen Religionszenosscn berufen worden war, um sie in ihrem Kampf um ihre Recht« gegen die Europäer zu unterstützen. In Indien trat er gleich nach dem Kriege aus. wobei er die in Südafrika erprobten Methoden in einem ahnlichen Konflikt anwandte. Er verpflichtete seine Anhänger aus das Gelübde der„Soiyagroha", dcs passiven Widerstands. Dieses Gelübde forderte den Widerstand gegen alle Gesetze unter Ausschaltung jeder Gewalttätigkeit gegen das Leben und das Eigentum, sowi? die Fortsetzung dieses Widerstands bis zur Erlangung von Home Rule für Indien. Die gegen die Genossen- schnften gerichtete Bewegung nahm allmählich die Form des„Harlal" a», unter dem der Indier den Boykott der Geschäfte und des Han- d«ls mit den Europäern versteht, während das Gelübde der„Satya- groha" zur Verweigerung der Steuerzahlung verpflichtet. Gandhi verkündet- ten ersten ernsthaften„Hartol" in Delhi im März 1919 als Antwort auf die Annahme von Gesetzen, die tie Grundlagen für die Anwendung von Waffengewalt zur Unterdrückung von Auf- ständen schufen. Dieser„Ho.rtal führte zu schwerer Erschütterung der Gesetzmäßigkeit und Ordnung, und di« Unruhen breiteten sich rasch über den größrei' Teil von Britilch-Indien aus. Seitdem hat es Gandhi noch des öfteren mit dem G-waltmittel ter„Hartais" versucht. Um die Aussichten auf Erlangung des Home Rule zu ver- bessern, verband lich Gandhi, der«in Hindu ist, mit den mohammedanischen Heißspornen, die es England nicht vergessen, daß es der zusammengebrochenen Türkei vernichtende Friedensbedingungen auf- geladen hat. Doch wurde Gandhi nicht müde, die mohammedanischen Agitatoren, an deren Spitze di« Brüder Ali standen, von gewalt- tätigen Schritten abzuhalten. Ungeachtet dieser Mahnung versuchten es die Brüder, die indischen Soldaten zur Desertion aufzureizen, was ihnen Bcrhaftung und schwere Gesängnisstrase eintrug. Gandhi wurde in dem Dorfe Gudscharat.in der Präsidentschaft Bombay im Jahre 1869 geboren.. Sein Dater war der Chef der Vermgltung einer der kleinen Eingeborenenpaaten. Nachdem er sich m Indien für die juristische Laufbahn vorgebildet Hatte, ging Gandhi nach England, um an der Londoner Universität und in der Rechisanwnlts- Praxis seine juristische Bildung zu vervollständigen. Länder, die von Briesmardcn leben. Wenn Deutschland nicht so ein großes Land wäre, dann könnte es auf das probate Mittel verfallen, mit dem sich manch» kleinen Länder über alle- Finanz- schwierigkeiten hinweghelfen. Wir würden dann einfach immer neue Serien von Postmarken ausgeben und auf diese Weise nicht nur unser Beamtenheer, sondern auch noch die Reparationskosten bezahlen. Leider acht das aber bei uns Nicht so leicht wie bei den Papuas oder in Indien, wie in Liechtenstein oder Jamaika, oder wie sonst noch die kleinen Ländchcn heißen, die von Briefmarken leben. Die Tangonjiko-Kolonie, die früher zu Deutsch-Ostasrika gehörte, hat, seit sie unter englischer Verwaltung steht, die Hälfte aller ihrer Ein- nahmen dureb Briefmarken erzielt, die sie on Sammler verkaufte. Di« Posibehördcn der Cayman-Inseln in Wsstindien beuten die Briefmarkensammler in ähnlicher Weise aus. 1901 gab dieses be» triebiome Ländchen 40 verschiedene Serien von vorläufigen Marken mit Ucbcrdruck aus, jede Serie zu 120 Marken, und diese Marken stiegen allmählich um das ZOOmche ihres Auftruckwertss. In einem Zeitraum von 9 Iahren erzielte das Postamt von Papua einen Reingewinn von 5515 Pfund aus dem Markenverkauf, nachdem olle Ausgaben für die öff-ntliche Verwaltung von diesen Erträgen bezahlt waren, und eine neue Morkenausgobe in Labuan brach,« einen Gewinn von mehr als 3000 Pfund. Es gibt Ländchen, des die Bricfmarkenindustr'.e auf streng geschäfllicher Grundlage de. treiben. So Hot z. B. die kleine Republik Liechtenstein diesen wich» tigen Zweig des notionolen Handels— Briefmarken sind dort der ! einzige größere Exportartikel— in die Hände einer eigenen Geftll- fchaft gelegt, die in Salzburg ihren Sitz hat. Em Staat in Indi-n druckt immer neue Marken und verkauft dann die auß»r Kurz g». setzten Ausgaben zu einem Preise von 50 Proz. mehr al, d«? Am. druckswert. Die einträglichsten Geswäfte werden mit allerlei„Irr- 1 tümern" und„Besonderheiten" gemacht. So waren bei der 1916 ausgegebenen 3-Psnny-Kriegsmarte von Jamaika bei einer Anzahl Marken durch ein Versehen in dem Ueberaruck das S weggeblieben. � so daß statt„War Staw.p"„War tamp" dasloyd. Jede Marke ohue S ist heut« 12 Pfund wert, während die gewöhnlichen 1 Schilling kosten. Daß man b»i solchen Irrtümern dem Zufall etwas„nach- hilft", ist nicht verwunderlich. Ein Plann, der van seine,» Blut lebt. Ein Wohltäter der Menschheit, der in 12 Fällen sein Blut zur Transfusion bei Schwer- kranke» hcrgegebc 1 und neu» Menschenleben dadurch gerettet Hot, ist ein Londoner Arbeiter, D. W. Tibble, der jetzt für seine Ver- dieizst« mit einer goldenen Medaille ausgezeichnet wird. Dieser Mann, der wegen seiner hervorragenden Eignung zu Transfusi-ns. zwecken von verschiedenen Londcner Krankenhäusern beschäftigt und natürlich auch bezahlt wird, ist 38 Jahr« alt und sieht durchaus nicht etwa sehr kräftig oder sehr btutvoll aus. Er wurde zunächst einmal unter 400 Bewerbern ausgewählt, um sich ftin Blut abzapfen zu lasten, dabei wurde feine Eignung erkannt. Er hat im ganzen schon acht Liter Blut abgegeben und unter anderen da» Leben einer reichen Amerikanerin gerettet, di« dafür dem London-Hosuilal 100 000 Dollar stiftet«. Die Mrkung öer amerikanischen JorAerung. London. 14. März.(DTD.) Der Sonderberlchkersiatter des „Manchester Guardian" in London schreibt zu dem a m e r i k a- nischcn Ersuchen um Bezahlung der Kosten sür das amerikanische Vcsahungsheer, die Aktion der Bereinigten Staaken werde in amtlichen britischen Kreisen angesehen als ein Versuch, das gz. samte?. cparationsdurcheinander in Europa ad absurdum zu führen. * Dacis. 14. März.(C?(5.)**?m Verlauf der Fortfeßunz der Dcbatto übrr die Militärrcformen bekannte sich der sozialistische Ab. geordnete Mistral als Anhänger der achtmonatigen Dienstzeit. Vor dem Kriege habe Frankreich mit der dreijährigen D i e n st- zeit 7Z6 000 Mann unter den Fahnen behalten. Heute aber seien es 800 000 Mann. Mit der ISrnonatigen Dienstzeit käme man aus 600 000 bis 700 000 Mann. Hiervon mären Z7Z 000 Mann Vürger- scldatcn. der Rest wären farbige Kolonialtruppen und freiwillig Weiterdienend«. Darin liegt vom republikanischen Standpunkte aus eine Gefahr. Denn dadurch werde eine Bcrufsarmee ge- schaffen, die zum Eingreisen bei Konflikten im Innern und für ferne Expeditionen oerwendet werden könnte. Mistral führt die Entschei- dung der Vereinigten Staaten, Anspruch aus Ersatz ihrer Boiatzungs- krsten zu erheben, auf die gegenwärtige Politik Frank- reich? und auf die Haltung Frankreichs in Washington zurück. Es hohe fick) gezeigt, dah der Krieg ein schlechtes Geschäft sür Sieger und Besiegte sei. Es müsse die allgemeine Abrüstung nicht nur D-chtjchlands, sondern auch Frankreichs oerlangt werden. Mistral wünscht, daß vor dem Eintritt in die Aussprache über einen Vorantrag abgestimmt werde, wonach mit den Alliierten Be- sprcchungen eingeleitet werden sollen,, um die Abrüstung Euro- p a s zu organisieren. Die Antwort an Amerika. Paris, 14. März.(EE.) Die amerikanische Denkschrift, die Boyden vorlegte, wurde von den Finanzministern Frankreichs, Englands und Italiens mit einem Memorandum beantwortet, worin es heißt, daß die Finonzininister von der Erklärung Amerikas Kenntnis ge- nommon hätten. Es sei in das Finanzabkommen der Alliierten vom ll. März die Bestimmung aufgenommen worden, daß den Rechten Amerikas Rechnung getragen werden solle und daß die Finanzminister diese Angelegenheit nicht zu behandeln hätten, weil diese unter die Zuständigkeit der Regierungen falle. Mit diesen möge dann die amerikanische Regierung in Verhandlungen eintreten. Jinanzkontrolle! Paris, 14. März. sEC.) Die Entscheidung der Reparation?- kommissien über die von Deutschland im Zahre 1322'zu bewirkenden Zahlungen ist als unmittelbar bevorflehend anzusehen, lieber die Stellungnahme der Reparationskommission zu dem in Eanres ge- schafsenen Zahlung» plan verlautete bisher noch nichts Genaues. Es sieht aber fest, daß die Reparationskommission aus jeden Fall Kontrollmaßnahmen von größter Dragweite für die deutschen Finanzen einzuführen beaniragen wird. Ferner wird sie Borschläge sür die Ausgaben der internationalen Anleihe machen. Tic Tagesordnung für Genua. Rom, 14. März.-nendem Ball zum Beilen bc- dnistiaer armenischer Studenten in Berlin. EintriltSlarten an der Theater- taste Dertbcim. Leivziger Ptad: be! Bote& Bock, Leipziger Str. 17 und Tauentzicnslr. 7. und an der Abcndlasse. (-ine AnSftelln»« juni, italienischer Knnsi, u. a. Arbeiten von Boccioni. Devero, Sosstei, Prampolwi. wurde im(stravhischen Kabinett I. B. Neiimavii, Kursür slendamui WZ. erös'iict. Glcichzcilig sind plastische Arbeiten von Dczsö BotroS Birman autgestelltr .Volksbühne. Zeitschrift für soziale Kiinstpfleae." von dieser. im Austrage deS Berliner Vereins.BoltSbLbne» herausgegebenen, sstr den »ngewöhnjich niedrigen Bezugspreis von jährlich nur Ist M. eihätnichen. vornehm auSgestatteien Zeitschrift ist toeben Heft i deS II. Jahrganges erschienen, d-i entbäit eine Keihe von Szenen ans einem noch unver- östenllichtcn Drama Karl Srbger« und eine R-ch- interessanter Bei. trüge von E. R e sl r i c p t- über Ptanwirtschast. JuliuS Bad über Individuum und SorsaiiSmnS, John SchitowStt über die Grenzen deS KuustcrlebenS, Hau» L o b e d c über die Entwicklung der heutigen Bsthiiensorm. HanS R-imann über Kritit usw.— Bestellungen süld an den Derlag, Berlin L0 11, Köpcnicker Str. 68, zn richlen. Der Reichstag hat gestern die zweite Lesung des Etats des Rcichswchrministeeiums fortgesetzt. Abg. Säzöpslin(So-.): Wenn wir allem bei 1gS8 Leutnants 1322 Hauptleute, 68.? Stabsoffiziere und Obersten und 42 Generale haben, wenn auf 83 Mann ein Hauptmann, auf 148 Mann ein Stabsoffizier, aus 2ZS3 Mann ein General kommt, das ist eine Ausstattung, die weder im alten Heers üblich war noch mit den neuen Erfordernissen und den dienstlichen Bedin- gungen in Einklang steht. Da und dort kommen immer wieder Er- scheinungen und Ereignisse vor, die un;weife!haft bedenklich sind, die zu unterdrücken eine gebieterische, nationale, aber auch eine mili- tärische Pflicht des Ministers ist. Ich erinnere nur an die De- monstrationen gegen die Republik bei bestimmten Gelegenheiten. Unverständlich ist mir ein Erlaß, der den Angestellten und Arbeitern im Rcichswehrministerium und bei militärischen Be- Hörden verbietet, daß fle Kameraden und Kollegen zum Beitritt zu wirtschaftlichen Organisationen auffordern. Dos geht dem Mi- ttisterium gar nichts an, die Koalitionsfreiheit besteht doch. In den Kasernen, Lesesälen und Bibliotheken einzelner Truppenteile sind sozialisiiscie Zeitungen so gut wie gar nicht vorhanden. Dxr Reichs- wehrminister hat uns im Ausschuß gesagt:„Ja, das liegt daran, daß vermutlich di? sozialistischen Verlage die Zeitungen nicht in die Kasernen schicken." Ich richte deshalb die Ausforderung an di- sozialistischen Verleger. oh 1. April an di« ihnen naheliegenden Truppenteile 1 bis 3 Exem- plare der Zeitungen zu schicken. Dann wollen wir sehen, ob ni6)t wieder einzelne Befehlshaber versuchen, das Auslegen dieser Zei- tungcn zu verhindern. Wir haben mit allen Truppenteilen Fühlung genug, um kontrollieren zu können. Klagen über schlechte De- Handlung sind nicht häufig, aber daß sie überhaupt kommen rönnen, ist recht unangenehm. Es ist einfach ein Skandal, wenn auch heute sich Sadisten in der Anne« befinden, die ihre Untergebenen mißhandeln. Wenn heute Reichswehrsoldaten niefit soviel Mut aufbringen. einem Borgesetzten, der sie tätlich beleidigt, entgegenzu- treten, so gehören solche Leu:- nicht in die Reichswehr. Mit einem gewissen Mut von unten herauf läßt sich nach oben hin manche Besserung erzielen. Der Reichswehr- minister Hot mehrfach gesagt, daß die Reichswehr eine wirklich zu- oerlessige Stütze der Verfassung sei. Wir sind einstweilen noch etwas vorsichtig und nehmen an, daß es sich um einen starken Glauben des Ministers handelt. Das Ofsizierkorps ist, mit ganz geringen Ausnahmen, zum größten Teil moitarchistisch. Man hat es sich an- gelogen sein lassen, Osftziere, di- sozialistisch gesinnt waren oder sich öffentlich zur Republik bclonnten, beiseite zu schieben. Das Oifizier- korps hat aus die Mannschaften starken Einfluß, und es ist nicht unbedenklich, wenn wir wissen, daß das Offizierkorps in der Haupt- fach- monarchistisch gesinnt ist. Gegenüber manchen Uebertreibungcn in der Presse und in Bersammlurgen, wo die Reichswehr als eine so fürchterliche Gefahr eines moyarchistischen Putsche- betrachtet wird, will ich doch auch ganz offen sagen: Ich unterschätze natur- gemäß die Gefahren nicht,"die eine Organisation von 100 000 kräftigen Männern, die in der Hauptsache ollein im Besitz von Waffen ist, bilden muß. So stehen die Dinge aber heute in Deutschland nicht mehr, daß man mit hunderttausend Mann das Reich und die heutige Verfassung umstürzen könnte. Der Ilmstand, daß heut« die deutsche Arbeiterklasse in drei oder vier Lager gespalten ist. sollte niemand zu dem Glauben verlditon, daß es möglich sein werde, eines schöne» Tages der Republik an den Kragen zu gehen. In jenem Moment, wo der Republik Gefahr droht, wird sich die deutsche Arbeiterschaft wieder in völliger Geschlossenheit und Einheit zum Schutz der Republik in die Front stellen. Wenn da und dort beim Militär Putschgodanken aufkommen, so sind zu einem großen Teile diejenigen im Volte daran schuld, die durch chr Verhalten solche Noiguimen pflegen. Ich wünsche Zwischen Reichs- wehr und Volk ein reibungsloses Verhältnis Mit dem, was wir an militärischer Ausrüstung haben, ist es gar nicht denkbar, einen Krieg vorzubereiten. Trotzdem werden andere Auffassungen, besonders in Frankreich, gehegt, und ein- Wenge der Ententenvton dienen dem Zweck, im Ausland- den Glauben auf-ufrischen, als ob gtan von Deutschland einen Revanchekrieg zu befürchten habe. Es mag in Deutschland einzelne Leute, vielleicht auch kleine Gruppen geben, die sich mit solchen Phantastereien abgeben. Das ist aber doch nicht das deutsche Volk. Ich bin überzeugt, daß lief bis in die erwerbs- tätigen bürgerlichen Kreise hinein der Gedanke nach einem Revanchekrieg nicht besieht, und die deutsche Arbeiterklasse denkt nicht daran, würde sich auch nicht dazu mißbrauchen lassen, einen Krieg vorzubereiten oder ihn durchzuführen. In das Kapitel des Schikanierens mit Roten und Forderungen gehört auch die neueste Rote des Generals Rollet über die Arlillerieübungen. General Rollet weiß doch, daß mit den rund 230 Donnerbüchsen, die man uns für das Feld- Heer gelassen hat, ein Angriffskrieg wirklich nicht vorbereitet werden kann. Da alle Bolk«r Europas heute noch unter der schweren Rüstungslast leiden, müssen wir gegen solch« rüstungssördernde Schikanen auch hier im Reichstag Protest erheben. Im übrigen bitte ich den Minister weiterzuarbeiten, um die Reichswehr so durchzuorganisieren, daß sie das ist, wofür sie ge- schaffen wurde. Er wird, unsere Unterstützung haben, wenn er diesen Weg unerschrocken geht, aber unserem Widerstand begegnen, wenn er in dieser Arbeit und in der Erfüllung dieser Ausgaben nachlassen würde.(Beifall bei den Soz.) Invalidenversicherung der Soldaten. Dem Reichstag ist soeben der Entwurf eincs Gesetzes über die Invaliden- und Angestelltcnoersicherung der Soldaten zugegangen. Der Entwurf sieht vor, daß Soldaten der Reichswehr nach Antrag- stellung bei ihrer vorgesetzten Dienstbehörde in die Invaliden- Versicherung wie in die Angestelltenversicherung aufgenommen werden können. Das Heilverfahren wird den vor- sicherten Soldaten während ihrer Zugehörigkeit zu- Wehrmacht nicht gewährt, da dieies während der Dienstzeit Sache der Wehrmacht ist. Dafür hat die Versicherungsanstalt ßpr Wehrmacht einen entsprechen- den Betrog zu vergüten. Die Begründung des Gesetzes geht davon aus, daß noch Ablauf der zwölfjährigen Dienstzeit nicht für alle Wehrmachtsangehörigen Aussicht auf eine Bcamtenstellung besteht, da die Kriegsbeschädigten und die Angehörigen der Schutzpolizei die gleiche Anwartschaft haben. Aus diesem Grunde werden sich eine große Anzahl Soldaten pri- vaten Berufen�zuwendeii müssen, sie würden dann erst in vor- gerücktem Lebensalter mit ihrer Versicherung beginnen können und die Verteile nicht haben, die anderen Berussairgehörigen aus einer frühzeitigen Versicherung erwachsen. Die Versicherung der Soldaten bleibt jedoch ein« freiwillige. �• Di« Berwaltung eines Hospitals hott« von einem in das Hospital aufgenommenen.V e t er a n e n die Abtretung der Kri.gs- teilnehmerbeihilf'en verlangt und die Beihilfen an sich zahlen lassen. Dieser Fall gibt dem preußischen Minister de? Innern Deranlassung, in einer neueren Verfügung auf die Unzulässig- keit einep solchen Verfahrens hinzuweisen. Di« Kriegsteilnehmer- te im Reichstag. Abg. Heile(Dem.): Die Reichswehr ist heute eine zuverlässige Schutztruppe für die Republik geworden, unbeschadet der Tatsache. daß in ihrer Führung noch nicht all- Leute von dem G-' danken der demokrauschsn Republik durchdrungen sind. Die allgemeine Wehr» Pflicht ist eine grunddemokratische Einrichtung, und wir wünschten, daß ihre Wiedereinführung möglich wäre. Wir wünschen u!e oll- gemeine Volksbewoffnung nicht, weil wir einen Revanchekrieg planten, sondern weil wir mit der Möglichkeit einer Notwehr rechnen müssen. Abg. Ersing(Z.): Nach Zlufhebnng der militärischen�Geirchts- barteit muß auf eine schnelle Aburteilung militärischer Straftaten besonders großer Wert gelegt werden. Der Erlaß gegen den Reichs- wirtschastsverband deutscher Berufssoldaten traf das Richtige. Wir halten die Reichswehr für ein zuverlässiges Instrument zum Schutze Ser Republik. Abg. v. Gallwih(Dnat.): Die Heeresverwaltung steht zu sehr unter der Einwirkung der Entente. Durch den Erlaß, der das Uniformtragen einschränkt, sind die alten Offiziere verlegt worden. Der Erlaß verstößt gegen den Schuß wohlerworbener Rechle, der durch die Berfassunz gewährleistet ist. Abg. Brüninghavs(D. Bp.) protestiert dagegen, daß die Inier- allüerte Militärkommission sich jetzt auch noch in unser? Dienstoor- schrifien einmischt. Wir wollen keine Revanche, sondern unser Recht. Abg. Künstler(U. Soz.): Die Reichswehr ist zur Verteidigung völlig unfähig und daher überflüssig. Stammen die 80 000 Ist. des Generals Epp für den„völkischen Beobachiee" aus einem Fonds der Reichswehr? Die Offiziere der Reichswehr dienen der Republik nicht aus lleberzeugung, sondern aus Zweck- Mäßigkeit. Sie bleiben im Heer der Republik in der Hoffnung auf die zHjcderkehr der früheren Zeiten.(Beifall äußerst links.) Reichswehrminister Gefzier: Die Haltung der Unabhängigen ermöglicht es immer wieder den reaktionären Kreiien, uns Schwierigkeiten zu machen. Von all den Geheimorganisationen, die hier vorgetragen winden, bleibt gar nichts übrig. Die Behauptung, es beständen Beziehungen der Reichswehr zum Verband notionalgesinnter Soldaten, ist ohne den Schotten eines Beweises. Würde der Beweis erbraotzt, so würde ich sofort einschreiten. Die 60 000 M. hotte General Epp nach seiner Angabe von einer literarischen Vereinigung, deren Vorsitzender er früher gewesen ist! gefallen kann mir die Sache auch nicht. Mit Interesse sehe ich dem Material des Abg. Künstler über Soldaten- Mißhandlungen entgegen. Es wird höchstens Klatschereien und Ge- schichten enthalten, die wir schon öfter erlebt hoben. Schenken Sie dem Heere Vertrauen. Das Heer gehört keiner Partei, sondern dem Vatcrlande und sieht seine Ehre darin, dessen ruhige und sichere Entwicklung sicherzustellen.(Lebhafter Beifall.) Abg. Wendelin Thomas(Komm.): Diese Rede zeigt den Geist von Potsdam, der erhalten bleiben soll. Erst nack Erringung der pslitisahen Macbt des Proletariats werden wir ein Volksheer haben. Das Ministergehalt wird bewilligt. Angenommen wird eine Entschließung, wonach diejenigen, die sich den Anspruch auf das Eiserne Kreuz erworben haben, es n o ch erhalten können. Mittwoch 2 Uhr: Fortsetzung.— Schluß"48 Uhr. * ssfilm, Tchupo und Technische Nothilfe. Im Houptousschirß des Reichstages wurde der Etat der Fikm- Obervrüsungsstelle beraten. Auf eine Anlxagc, wieviele Filme von der Zensur verworfen worden seien, teilte Stoatssekreiär Genosse Schulz mit, daß er nur die Zahlen der Berliner Filmprüfstelle zur Hand lzabe. Diese habe im Lahre 1021 J5Zö Filme mit einer Länge von ZV: Millionen Meter geprüft und 30 Filme verworfen. Für Zwecke polizeilichen Schutzes, d. h für Zuwendungen an die P o l i z e i tr u p p o n der Länder, sind 1616 000 000 M. in den Reichshaushalt eingesetzt. Der Berichterstatter Schreiber(Z.) be- nutzte dieses Kapitel, um lebhafte Kritik an angeblichen Zersetzungs» erlcbeinungen in' der sächsischen Landespolizei zu üben. Die Disziplin sei erschüttert. Die Schupo gehe in Sachsen Wege, die dos Zentrum nicht mitmachen könne. Die von dem Redner borge- tragenen Einzelfälle zeigten, daß sich seine Besorgnisse gegen sozio- listische Einflüsse in der sächsischen Polizei richteten.— Der Deu'sch- nationale, Abo. Derndt, unterstützte diese Kritik lebhaft und unter- ncbm einen Vorstoß gegen die politischen Zivilkommissare in der Schupo.— Genosse Müller- Franken erwiderte den Vorrednern, daß man, wenn man die Polizei der Länder hier zur Debatte stelle, sich nicht auf Sachsen beschränken dürfe, sondern vor allem auch di« Verhältnisse in Bayern heranziehen müsse. Reichsminister Genosse Koester erklärte: Die politischen Kommissare hätten sich bewährt. Die deutschnationale Entschließung auf Beseitigung der Zivilkommissare wurde abgelehnt. Zur Unterhaltung und Durchführung der Technischen R o t h i l f e sind 33,7 Millionen Mark in den Haushalt eingesetzt. Der Haushaltsausschuß nahm dieses Kapital nach kurzer Aussprache an. Genosse Müller-Franken erklärte, daß unsere Partei zustimme, weil sich leider gezeigt habe, daß die Einsetzung der Technischen Rothilf« notwendig gewesen sei; jedoch lehnten wir eine Erweite- rung der Technischen Rothitse und ihrer Ausgestaltung zu einer dauernden Einrichtung a b. Der diesjährige Gewerkschastskougrejz werde sich mit der Frage beschäftigen. Wir wünschten Vercinborun- gen zwischen Gewerkschaften und Regierung, die die Technisck'z Rothilfe überflüssig machen könnten. Die Technische Rothi.'fe dürfe nicht zu einer Streikbrecherorgonisation werden. Im übrigen werde im Plenum des Reichstages über diese Frage noch zu sprechen sein. beihilsen dürfen den Empfangsberechtigten gegen ihren Willen nicht vorenthalten werden. Aus diesem Grunde sind auch etwaige Abtretungscrklärungen rechtsungültig. Zu dem Angriff auf den französischen konsulalsbeemlen D u b i l l e t in Leipzig haben die Ermijtliiiigeii der Palirei ergeben, daß der KonsiilalSiekrelär. der sich mir der Tochter seiner Wirtin aus dem Heimweg befand, zunächst mit einem, später mit mehreren anderen„Herren" wegen der Dame„Differenzen" hatte, in deren Verlauf der KvnüilatSlekrcrär mir dem einen Teilnehmer, anicheinend einem Skandinavier, in Tätlichkeiten geraten ist: Alkohol! Vernehmung des Lolschaslcrs von Bergen durch den Anler- suchungsausschuß in München. Der partanicnlariscbe NnteriuchungS« aussckrnß zur Pnisuug der Kiiegsschuidfrage, der unter Vorsitz deS Unabhängigen Abg. Dr. Bieitscheid steht, wird sich am Sonnabend nach München begeben, um dort den deutschen Botschafter am Vatikan von Bergen, der hierzu eigens von Rom nach München reist, über die F r i e d e n S a k t i o n des P a p st e s zu vernehmen. Das veberallerungsgeseh ist gültig. Vor dem NeickiSgenckt wurde gestern über die von verscbieoenen Beamten cingclcilete An- iechtungSklage gegen das preußische AlicrSgrenzengcsetz verhandelt. DaZ NeichSgenchi hat die Anfechtung des Gesetzes abgewiesen. Herr Paul vaecker. Chefredakteur der„Deutschen Tageszeitung", führt in einem Schreiben an uns Beschwerde, weil wir unlängst seinen Namen bei einer Auszählung alldeutscher Politiker genannt haben, die heute Anklagen erheben, weil das deutsche Volk nach dem November 1918 nicht mehr weitergesochten hätte, ober selber nie- mal» an die Front gegangen si.rd.' Aus dem Schreiben des Herrn Vaecker entnehmen wir, daß er durch eine» schweren Sturz vor dem Kriege in dem Grade körperlich geschädigt worden ist, daß er für eine Frontverwendung nicht mehr in Betracht kam. GsVerGhostsbsVegung plenarverfammlung öer öerliner Gewerksth ästen. Em Wsittsj«t»5«d«urie im Ge«erkschaft»hau» die Si-eit» zmeima!»«rkagte Vlexorversimmiung der Ortseuzschüsie des EDST- uxd der EfE. fsrrgesejir. Zu»ächft»urd« die Eiskussis» über die letzte>, Streik» weitergeführt. Erster Zkedner war A»ebel»»« DEN., der die Vrexz» streitizkeije» eis ei»«efetttlühe» Mo«e»t zur Schädiau»» der Gewerkschaften bezeichnet«. Ei» freigewerkschaftlicher Verband dürfe dem anderen die Mitglieder nicht abjagen. L ä g e r beantragt, die zur Deschlußfassuna»nrftegende« Nicht» limen zunächst den Mitgliedern der Geroercschafien zur Beratung und Deschließung zu unterbreiten. Vollmerhaus: Krenzstreitigkeiten werden auch durch die Schaffung von Jndustrieoerbänden nicht ganz aus der Welt zu schaffen sein, aber sie können durch Verständigungen beschränkt werden. Die letzten Streiks waren kein Gewinn für die Gewerkschaften, und sie waren auch nicht revolutionär. Eber sie haben erreicht, datz viele, die mit ganzem Herzen dem Sozialismus zugetan sind, sich verärgert zurückgezogen haben. Bei den letzten Kämpfen kam in verschärfter Form das Bestreben zum Ausdruck, sie auf das politische Gebiet hinübcrzuspielen. Bei der Beurteilung eines Streits sollte man nicht allein das egoistische Ziel im Aug« behalten, sondern auch die Folgen des Kampfes für die Allgemeinheit. Die aufgestellten Richtlinien enthalten nichts, was gegen die gewerkschaftlichen Inier- essen spricht. Ihre Annahme liegt auch im Interesse der Gesamtheit der Berliner Arbeiterschaft. Re'inefeld will den Z 5 der Richtlinien abgeändert wissen. Bezüglich der Notstandsarbeiten sei zu sagen, daß der Organisation die Entscheidung darüber zustehen müsse, was als solch« anzusehen sei. P o l e n s k e erklärte, daß er gegen den§ 13 der Richtlinien Bedenken habe. Die Bestimmung, daß Lohn- und Tarifkartelle nicht befugt sein sollen, über den Streik allein zu entscheiden, gehe zu weit. Ziska wies die Andeutung Knebels entschieden zurück, daß die Stellung des Metallarbeiteroerbandes bei dem letzten Streit von dem Bestreben getragen worden sei, Mitglieder für sich zu gewinnen. Redner verbreitete sich auch über die Frage der Technischen Nothilfe und wies hierbei auf die Tatsache hin, daß sich in verschiedenen Organisationen Mitglieder befinden, die im Nebenberuf der Technr ist» befwetzere»«endet sich die Entfchkieyung dagegen, daß in de« Gesetzentwurf über die Arbeitszeit der Angestellten der B e- griff der Arbeitsbereitschaft auf die Angestellten in offt- n«n Verkaufsstellen angewandt und damit diesen Angestellten von »»rnherein der Lchtstundentaz genommen«erden soll. Die Konferenz fordert ei» einheitliche» Arbeitszeit- g« f e tz, das alle Arbeitnehmer— Arbeiter, Angestellte und Beamte — umfaßt, eine gesetzliche Regelirag»„ Urlaub, Sonntagsruhe und Sechsuhrladenschluß umschließt u«d den Achtstundentag gewährleistet. Beendeter Strei? der Mashschuh«acher. Der Streik wurde durch Vergleichsverhandlungen zwischen dem Verein Berliner Maßschuhmachermeister und dem Zentraloerband der Schuhmacher am 9. März beendigt. Die abschließenden Vcr- Handlungen waren am 7. März. Ueber das Ergebnis hatte die Ar- ' POSTABONNENTEN' wefcße aticß im Höchsten Mo traf Wert auf eine regef- mäßige ZustelTung des. Vorwärts' fegen und eine UnterBredung in der Zusteffung nidt wünsdien, müssen die Erneuerung des Postßezuges in den Tagen vom 15- Bis 2o. d. M. Bei dem zuständigen Postamt vorneBmen. Die Beste ffung Bann für das 2. VierteP jaßr afs aud für den Monat Aprif alfein erfofgen. Der Bezugspreis Beträgt einsdfießfid Zusteflungs' geBüßr 3o MarB für den Monat. * Vorwärts-Verfag G. m. B. H.« beiterschaft in der Vollversammlung der Streitenden am S. März zu entscheiden. H ö r tz berichtet«, daß die Verhandlungen sich äußerst schwierig gestalteten und an der Frage der Ferien zu scheitern drohten, da die Ferienbedingungen nach den Borschlägen der Arbeit- geber verschlechtert werden sollten. Die Arbeitgeber machten als schen RLthilfe angehören. Sache der Gewerkschaften sei es, ob sie letztes Angebot folgende Vorschläge: Vis zum 31. März soll der solche Mitglieder in ihren Reihen dulden wollen. Auch darüber Schiedsspruch des Schlichtungsausschufses �Grofj-Berlin vom 17. Fs- müßten die Gewerkschaften sich einig sein, daß eine gewisse bruar gelten, wonach eine Erhöhung des Wochcnverdienstss um Grenze notwendig erscheine, um das wirtschaftliche Leben durchschnittlich lOS M. eintreten wird. Ab 1. April 1922 wird sür aufrechtzuerhalten.- 1 alle Akkordarbeiten eine Stückzeit festgesetzt: die Anzahl der ge- Nach einem Schlußwort Orimanns wurden bei der folgen- leisteten Tarifstunden wird mit dem jeweiligen Stundenlohn multi- den Abstimmung sämtliche Anträge, die eine Abänderung der j pliziert. Der Stundenlohn beträgt ab 1. April 192? 17 M. für neue Richtlinien bezweckten, ab g e l e h n t und dann die Richtlinien� Arbeiten und IS M. für Reparaturen. Der M i n d e st w 0 ch e n- in der vorliegenden Fassung mit großer Mehrheit angenommen»! lohn wird auf SIS M. für männliche und öötz W,. für weibliche Ar- Vor Schluß der Versammlung verlas der Vorsitzende Sabath beiter festgesetzt. Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt 48 Stunden. ein Telegramm, laut dem die russischen Sozialrevolutionäre Gocz,' Für die Furnituren«erden 19 Pro;, des Gesamwerdiensts? als Gondelmann, Timosjew. Rako, Fedorowitsch, die von der Sozial- j Entschädigung bezahlt Di» Ferien find wie bisher auf sieben Ar- revolutionären Partei Rußland» als Delegierte nach Derlin ent- beitstage bei dreimonatiger Karenzzeit bemessen. Der ab 1. April sandt werden sollten, zusammen mit 47 anderen Sozialrevolutionären ja vereinbarende Tarifvertrag soll cns einem Hauptvertrag mit«in- am 29. Ntärz vor einem bolschewistischen Tribunal abgeurteilt wer-! jähriger tZülttgkeitsdauer und einem Zusatzvertraae, welcher monat- den sollen. Die Kommunistische Partei Rußlands wolle eine schlind- tich kündbar ist, bestehen. Zur endgültigen Festsetzung der Stück- lilbe und gewalttätige Abrechnung und einen möglichen Mord de- � zeiten und der redaktionellen Ausarbeitung der Tarifbestimmungen mänteln.! soll eine Unterkommisfion eingesetzt werden. H ö r tz empfahl der Gegen einen solchen Gewaltakt werde» die Arbeiter aller Län- Versammlung die Anna h m e der vorliegenden Vorschläge. Die der zum Protest aufgerufen, und insbesondere wurde der ADGB. � Abstimmung ergab ein« große Mehrheit für die A n n a h m e. Da ersucht, seine Stimme zu erhehen sür die Freilassung der wegen die Arbeitgeber am gleichen Tag« den Lorschlägen der Berhand- ihrer politischen Ucberzeugung Eingekerkerten. Sabath erklärte, lungskommission ebenfalls ihre Zustimmung erteilten, wurde die daß die deutschen Sozialisten gegen dieses Gericht der Gewalthaber Arbeit auf der ganzen Linie am 9. März nach einem sechswöchigen Rußlands schärfsten Protest einlegen müßten. Die Sozialrevolutio- mustergültigen Kampf wieder aufgenommen. näre würden unter der bolschewistischen Regierung schlimmer als unter dem zaristischen Regime behandelt. Die Gewerkschaftstom- Mission stimmte den Ausfuhrungen Sabatbs zu. ,)tL,luul DW � . Zum Schlüsse wurde mitgoteiit. daß die sozialistischen Parteien mit der�Stellungnohm« zur B-tricbsräkewahl. Der Vertreter beschlossen, den 1. Mai in dwsein Jahre durch Aroeusruhe zu feiern. fccr z-zy erklärte sich für eine(Einheitsliste. Die SPD. er- T.er ADMR morde einen enilnredienhen Sluirm erwl SN..vT'____.•_/____ o.tj._____ Iii.__ Tie„Einheitsfront" in der NE den wesentlich erhöht. Ueber die Arbeitsgerichte berichtete Schröder(Derlin). Dazu wurde ein« Entschließung angenommen, die die Erhaltung und den weiteren Ausbau der bestehenden Arbkitsgerichte fordert und die im Gesetzentwurf geplante Lngliedkrung an die ordentlichen Gerichte verwirft. Einstimmig»urde ferner ei»e Entschließung angenom» men, die sich aufs schärfste gegen die»oin Reichsar- bettsmini st erium aufgestellte» Sesehenkwürfe über die Arbeiiszeii wendet, die»ach ihrem Inhalt nicht die Erhaltung, sondern die Be. seitigung des Achtstundentages bedeuten. klärte sich mit einer gemeinsamen Liste einverstanden, wenn nach dem Grundsatz der Parität dabei verfahren werde. Die Kommu- nisten erklärten, eine eigene Liste aufzustellen. Sie betrach- teten die Rechtssbzialisten als eine gelbe Organisation, mit der sie nicht zusammengingen. Die USP. ltber lehnte eine Parität mit uns ab. In einer»»n de» vbleute» einberufene» Betriebsversammlung am 10. März stellte der Kommunist König die Sache so dar, als hätte die SPD. eine Einheitsliste mit der KPD. abgelehnt. Diese sei für eine Einheitsliste. Während ein Kommunist bemängelte, daß zu der Dersammlung nicht auch die Unorganisierten eingeladen waren, beantragte sein Genosse Koch, die Rechtssozialisten hätten den Saal zu verlassen. Gegen diese Unverschämtheit wandte sich«in ehemaliger Kommunist F., so daß es bei der guten Absicht blieb. Genosse Stein verwahrte sich entschieden gegen die Angriffe auf die SPD. Er erklärte sich für eine Einheftsliste, ebenso ein Ver- treter der USP. Peschlossen wurde auf Antrag der Bertrauensleute, eine„Einheitsliste" der KPD. und der USP. aufzustellen, d. h. die SPD. von diesem Pündnis auszuschließen.— Bezüglich der Mai- feier erklärte» die Kommunisten, die SPD. hätte beschlossen, den 1. Mai nicht zu feiern. Stein erinnerte die Kapedisten daran, daß sie an„ihrem Reoolutionstag, am 7. November, gearbeitet haben. Ein Beschluß iiher die Art der Maifeier wurde ausgesetzt. Zum Schluß beantragten die KPD.-Leute den Ausschluß des Der- liuer Polizeipräsident e» Nichter aus dem Metoll- arbeiterverband. Zu« Ttrgik der Tapezierer. Ave Bauarbeiter, Maler us«. bitten wir. auf etwa zu berricknende Kleberarbeiten zu achten. In dem generell ge- führten Tapeziererstreik find die Kleber mit einbegriffen. Wir bilten, uns alle Fälle, wo gearbeilet wird, zu melden, da diese Arbeit Streikarbeit ilt. Die Onsverwaltung des Sattler» und TapeziererverbandeS. Der Müllkutscherstreik. Die Wirtschaftsgenossenschaft versucht mit allen Mitteln, Arbeits- willige zu gewinnen, um mit diesen ihren Betrieb in Gang zu bringen. Di« zweifelhaften Element«, die sich dazu anwerben lassen, kommen zum großen Teil aus dem Asyl. Nach einer kurzen Gast- rolle ziehen sie es vor. der Arbeit wieder Valet zu sagen, da sie ihr nicht im geringsten gen ochse» sind. Ihre Leistungen sind winzig und stehe» t» keinem Verhältnis zu den bohen Kosten. Die Zahl der in Betrieb gesetzten Gespanne schwankt von 39 bis 50 täglich, während vor dem Streik zirka 150 ,» Tätigkeit««rem Jetzt stnd 39 auf den Depots in Moabit und in der Bautzener Straß« mit Nothelfern besetzt. Auf den Depots in der Warschauer Str. 4S bzw. Mühlen- straße 4'5, Grcifswalder Str. 92 und Weißensee. Sedanstraße, ar- betten etliche Streikbrecher Die Wagen sind, soweit sie im Betrieb stutz, mit 3 und 4 Arbeiismilligcn bzw. Ncthelfern besetzt. Den Arbeitswilligen werden 750 M. pro Woche gezahlt. Led-enkr man, daß die Streikenden laut Tarif gehalten waren, zu 2 Mann täglich 3 Fuhren zu fahren, die Nothilfe aber und auch die Arbeitswilligen unter dem Schutz dv Sipe mit 3 Mann am Wagen durch- schnittlich täglich � bis V: Fuhre leisten, wird man begreifen, daß trotz der hohen Kasten die Höfe nicht sauber werden. - Auch die vcn der WG engagierten kleinen Fuhrunter- n e h m« r: Berta Grote, Eisenbahnstr. 20, Albert Drei- zehner, Waldemarstr. 33, Herrn Pank«, Rigaer Str. 31, P 0 h l. Melchiorstr. 32, Zimmer. Köpenicker Str. 151, Karl Liebe, Neichenberger Str. 31, und Karl Mohr, Fricdrichstraße, die als Arbeitswillige ihre Gespanne selbst bedienen, werden die Arbeit nicht bewältigen können. Es zeigt sich aber deutlich, daß die Klagen der WG., höhere Müllabsuhrgebühren könne der Hausbesitz nicht tragen, ! unbegründet sind. Hier wirst die Geschäftsleitung mit dem Geld« herum, wie man es nicht für möglich halten sollte. Wenn es darum aeht, den Arbeitern erworbene Rechte zu nehmen und sie unter die Botmäßigkeit der Direktion zu zwingen(was aber nicht glücken wird», dann ist Geld in Hülle und Fülle vorhanden. Nur der krasse Herrenstandpunkt der WG. ist es, der den Frieden verhindert. Würde die Genossenschaft ihren eigenen Arbeitern den Lohn zahlen, den die Arbeitswilligen erhalten, wäre der Streik schon längst vergessen. Weil sich ober die Arbeiter dem Diktat der Di- rektion nicht fügen wollen, müssen die Bürger Berlins alle die Unannehmlichkeiten, die durch dos Anhäufen des Mülls auf den Höfen entstehen, hinnehmen. Arbeiter, übt Solidarität, unterstützt die Müllkutscher in dem ihnen aufgezwungenen Kamps, werdet nicht zu Verrätern. meidet die Arbeit bei der Wirtschaftsgenossen- schaft!_.» Die«m»gesperrten Glasarbeiter bemerkten in einem Bericht in Nr. 114 des„Vorwärts":„Der Deutsche Transport- arbeiterverband soll angehalten werden, sich mehr um die Interessen seiner durch ine Aussperrung betroffenen Mitglieder zu lümmern." Dazu schreibt uns die Sektion I des Transportar- beiteroer.bandes: Unser Verband, der an der ganzen Aus- sperrung mit 25 Mitgliedern beteiligt ist, ist ebenso wie der Zentral- verband der Gloser weder als Tarifkontrahent zugelassen noch in der Streikleitung vertreten. Die Mitglieder unserer Organisation haben vvmerstenTagederAussperrungandie satzungs- mäßige Streikunterstützung erhvlten. Darüber hinaus ist ihnen ein Mietzuschuß bereits einmal gewährt worden und wird ihnen, falls die Aussperrung weiter anhält, ein weiterer Zuschuß gezahlt wer- den. Der Transportarbeiterverband ist nicht Tarifkontrahent, kann also auch zu einer schnelleren Beilegung des Konflikts nicht beitragen, weil der Arbeitgeberverband jede Verhandlung mit ihm wie mit dem Zentralverband der Glaser ablehnt. Der Transportarbeiterverband hat aber darüber hinaus für die bei ihm organisierten Ausgesperrten alle Wege beschritten, um deren Rechte sicherzustellen. Der Deutsche Transportarbeiterverband hat sich also seiner ausgesperrten Mitglieder mit aller Kraft angenommen und denselben jede Unterstützung gewährt. Tin Teil der Ausgesperrten ist bereits«nderweitig in Arbeit gebracht worden. Deutsche» Trini»v«rtolb»iter»«blzeoh>iai>dels. Heu:« Mittnioch abend 1 Uhr in den Zentral-Fesisilen, Alte Iatodstr.«2, sraße Branchenversamm- lim». Bericht van bei Lohnverhanblung.— Handel-urroeiter aus allen Betrieben der Echuhfabriten und des Schuhgrabhanbels. Donnerstag nachmittag ü Uhr bei Wirte, Poftür. SS, Trubpenversammlung.— Handelsarbeiter aus allen Betrieben bes Bodenledei'. Fell- und Läutegroßhairdels. Donnerstag abend 7 Uhr bei Witte, Poststr. 2g, b'iuvpcnversaminlung. Verbaud dee Buaibinder uu» P»»ier»er»eb«ite,. albern-, Mappen- und Salanterie»aeeirbra»ch«. Dannerstag nachmittag S Uljt im Goal 2 des Ke- rvertschastshauses, Engeluser SS, Bertrauensiniinner-Erhnng. Di« Dnrchiilh. rnng des Lohnablominens. BollzShliges Erscheinen errvartrt die Branchen- leitnng. kl«ntr»>»erband der«agestellten. Fachgruppe Reich. Dannerstag abend TZs Ubr Mitallcderpersammlnng in der Renen Bhilhaemonie,»öpeuickrr Strafe Rr.»»-»7._ Vortrage, vereine und Verlammwnnen, Nitieroercin de« Sreh-Brillner Westen». Dm Iii. Mörz, abend» S Ilyr, spricht in der Aula der Diltaria-Lnisen-Tchule, Wilmersdorf, Uhlar.d» und Eafieincr Straße Ecke, Rechtsanwalt Dr. Eaezel Uber das neue Reichsmiele»- geletu i.Was bringt es den Mietern an Lasten und Defahr-N?". Berliuer Geselischast iergesorbnnng: Herr Rrof. Dr. Fri-dberger-Sreisswald o.(ä.:„Hygienisches aus einer kleine» Stadt". Kaste willkommen! Sriefkasten öer Redaktion. M. It. Vogen de« Pflegekindes wenden Sie sich an dos BerNne? Waisen» hau«. Alt« Iakobftr. 33. Dort werden Sie wohl auch die Adresie des Bundes erfahren können.— E. L. 45. Wenn die Einzahlungen aus jedem Jahre immer erst am Jahresende auf Zinsen gegeben würden, und zwar zu 4 Proz., wären Kapital und Zinseszins bis zum Ende des IV. Jahres auf rund 1 3o8 500 Mark angewachsen.__'_ Derantw. für den redatt. Teil: Frau» Klühs. Berltn.Lichterfelde; für An. zeigen: Th. Glocke, Derlin. Perlag Bsrwärts-Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Psrwärts-BuchSruckereiu.Berlaasanttalt Paul Singer u. Co., Berlin- Lindenftr. 3, Hierzu 1 Vellage. Wiederaufbau heißt: Deutsche"Wertarbeit fördern. Fahren Sie nur eine Bereifung, die ihren Wert durch die Praxis bewies, also (Sütinental Cord* Reifen % ü Ii w 1 9*/ Vi 5pczialitäf LGalcw-sky ö-Cb. Breslau-Berlin-Danzig. Gegp. 1044- Za haben in allen einsehldgigen Oeechiften. Nr.125�ZH.?ahrgang Beilage öes Vorwärts Mttwoch, 15. März 7�22 Die unersihwingliche Wohnungseinrichtung. Was man für den schlechtesten Hansrat aufwenden mutz. Ein Helm;u haben, das ist die Sehnsucht vieler. Und diejenigen, die eins besitzen, die es verstehen, sich heimisch einzurichten, und sei es auch mit den bescheidensten Mitteln, dürfen sich mit Recht glücklich schätzen. Zlber es ist heute unendlich schwer, sich eine solche Zufluchts- stätte zu schaffen. Die meisten kaufen sich nur noch das Allernot- wendigste, behclfen sich mit Kisten und Brettern, und versuchen dann langsam, unter großen Mühen und Entbehrungen ihren 5)ausrat zu vervollständigen. Wenige nur sind in der Lage, sich van vorn- herein in ein warmes Nest setzen zu können. Für weite Kreise dürfte die Feststellung interessant sein, welche Summen aufgewendet wer- den müssen, um ein einfachsten Ansprüchen genügendes einwand- freies Heim herzurichten. vie Küche. Wer geringe Mittel?.ur Verfügung hat, wird mit der Be- schaffung einer Küche und eines Schlalzimmers vorlied nehmen müssen. Der Preis für eine einfache Küche, bestehend aus Küchen- schrank, Tisch, zwei Stühlen, einem kleinen, äußerst primitiven Küchenrahmen und einem Topfschrank schwankt zwischen 2700 und 4000 ZNark. vor Beginn des Krieges hott« man-ine solche Küche für 76 bis IM) Mark erhalten können. Das entspricht also einer Preissteigerung von 400g Proz. Noch vor anderthalb Jahren kostete die Küche etwa 700 Mark. In dieser Zeit ist sie also fast sechs- mal so teuer geworden. Zur Küche gehört natürlich auch öeschirr. Und wer, um es zu kaufen, unvorbereitet in die Geschäfte geht, wird von der Höh« der Preis« überrascht sein. Kostet doch ein einfacher Porzcllanteller, für den man früher 25 Pf. zahlte, in manchen Ge- fchäften 10 Älark, Fayenceteller sind allerdings schon für 3,50 Mark das Stück erhältlich, was in Anbetrocht der minderen Qualität als außerordentlich hoch bezeichnet werden muß. Für eine Abwaschmanne darf man 170 Mark bezahlen, eine einfache Kasseemühle kostet 50 Mark, ein emaillierter Kochtopf ohne Deckel mstllerer Größe 30 ZNark. Eine Waschwanne mittlerer Größe aus Zink, die früher für 15 Mark zu haben war, kostet heule 510 Mark. Also wiederum eine Preissteigerung von mchr als dreitausend Prozent. Und wenn maiz ganz bescheiden ist, wird man für die Einrichtung der Küche mindestens 1500 Mark aufwenden müssen. Im allgemeinen kann man damit rechnen, daß eine gute Küchchwusstattung 2000 bis 2500 Mark, also so viel wie die billigsten Kücheninöbel, erfordert. Das Schlafzimmer. Für ein Schlafzimmer, bestehend aus zwei Bettstellen mit Ma- trotzen, zwei Nachttischen, einem Schrank, einer Waschtoilctt« und zwei Stühlen, muß man mindestens 7300 Mark anlegen. Dann sind die Möbel aber nur aus Kiefernholz gefertigt. Wer größere An- sprüche stellt und glaubt, auf eichene Möbel nicht verzichten zu können, muß schon 12�00 Mark anwenden. Dafür wird dann aber auch die Woschtoilette mit der bekannten Marmorplatte geliefert. Besonders billige und doch gut gearbeitete und in künstlerischer Hin- ficht einwandfreie Möbel fanden wir bei der Gemeinnützigen Hausrat G.m.b.H.. Königm-Augusta-Straße 21. Glatte, einfache For- wen, gute Verteilung der Maßverhältnisse zeichnen diese Möbel aus. Die Gesellschaft wurde mit Unterstützung staatlicher, kommunaler und privater Stellen gegründet, um Minderbemittelten die An- schaffung guter Möbel, eventuell im Abzahlungsoersahren. ohne Preisverteuerung, zu ermöglichen. Leider ist die Geldentwertung s» rasch vorwärts geschritten, daß die Löhne mit ihr nicht gleichen Schritt holten tonnten. Und so ist auch der Hausrat dieser gemein- nützigen Gesellschaft sür viele der Minderbemittelten unerschwinglich teuer geworden. vie Seite«. Die Ausstattung des Schlafzimmers erfordert weitere groß« Ausgaben. Ein Stand Betten kostet heul« mindestens 3000 Mark, eine' einfache Waffell'-ltdecke 200 Mark, für«in Laken, das früher ILO Mark kostete, muß man heute 130 Mark bezahlen. Iür einen veckbeklbezug und zwei Kopfkistenbezüge find mindestens 550 Mark ,u erlegen. Dabei ist die Ware sehr minderwertig. Das Billigste llt noch lange nicht das Preiswerteste. Das Unangenehme ist nur der Mangel an den zum Erwerb des Besseren nötigen Mitteln. Ueberleyen wir nun, falls wir uns mit dem Billigsten begnügen wollen, was ein« Küche und ein Schlafzimmer kosten:_ Külbenmöbel........ Kückenaujstattung..... zirka Schlafz'.mmcrmöbcl...... Betten........... Bettwäsche,...... zirka 2T00 M. 1500, 7 000. GOOO. 1 800. zusammen 10 30U M. Sür 19 300 ZNark Ist aber erst dos Allernolwendigste beschasft. und wer in rine derartig ausgestattete Wohnung einzieht, wird als- bald das Mangelhafte eines solchen Heimes empfinden. Da sind dann noch Hunderte von Gegenständen zu besorgen, die hier nicht !in einzelnen aufgeführt werden können, die auch oft genug durch besondere häusliche Verhältnisse auch durch Geschmack und Gewohn- hcit, bestimmt werde». Wenn der Wäscheschrank gefüllt werden soll, muß wiederum ein kleines Permögen zur Verfügung stehen. Kostet doch allein ein Siubenhandtuch zirka 60 ZNark,«in Küchen- Handtuch 25 bis 30 Mark, und für ein einfaches Wischtuch werden sogar schon 13 Mark gefordert Die Familie eines Erwerbstätigen kann nur bestehen, wenn die Frau praktisch vergnlagt ist. Sie wird bestrebt sein müssen, selbst zu schneidern oder doch zum mindesten die Kleidung der Familie selbst zu reparieren. Dazu braucht sie eine Nähmaschine, deren Anschaffungspreis sich so um 3000 Mark bewegt. Dem Glücklichen schlägt zwar keine Stunde, aber deshalb wird man doch eine Uhr im Hause nicht entbehren mögen. Aber schon ein ein- facher, grob gearbeiteter Wecker, der früher sür 3— 4 Mark zu hoben war, kostet heute 125 Mark. Einfacher Nesielstosf für Gardinen kommt das Meter auf etwa 69 Mark. Wer sich damit begnügt Vor- hänge in halber Fensterhöhe anzubringen, braucht mindestens 3 Meter, muß also in diesem Falle sür ein Fenster 207 Mark aus- geben. Wer sich richtige Gardinen anschaffen will, muß mindestens 450 Mark für ein Fenster aufwenden. Man darf daher annehmen, daß die Ausstattung einer Einzimmerwohnung mit Küche aus min- dcstens 25 000 Mark zu stehen kommt. Zur Anspruchsvollere. Der Vollständigkeit halber mögen auch noch die Preise für Wohn- und Herrenzimmer angeführt werden, denn schließlich ist es ja wünschenswert, daß jeder fein Heim io reich wie möglich aus- stattet. Ein Wohnzimmer, bestehend aus Tisch, 6 Stühlen, einem Sofa und einer Anrichte, kostet 10 060 Mark. In etwas einfacherer Aus- stattung etwa S000 Mark. Für ein Herrenzimmer wird ein Schreib- tisch, 1 Bücherschrank, 1 Schreibtischstuhl, 1 Tisch und 2 Stühle ge- liesert. Auch hierfür sind mindestens 7680 Mark aufzuwendcn. Eine Zweizimmerwohnung ist mindestens auf 35 000 ZNark ein- zuschätzen. Die angeführten Preise mögen im einzelnen unterschied- lich sein, im allgemeinen werden aber bei Neuanschassungen die hier angegebenen Sunimen unter Voraussetzung größter Bescheidenheit gezahlt werden müssen._ Nach Srafllien? Was uns Qbcrst Gälzer-Netto, brasilianischer Bundes- i kommissar, kürzlich in der Handelshochschule eröffnete, war nicht ' sehr schmeichelhaft. Brasilien ist nicht die Domäne deutscher Ein- | wcmderung. Nimmt man die Durchschnittsziffer der letzten hundert Jahre, so stehen die deutschen Einwanderer an dritter Stelle, berück- ! sichtigt man nur die Nachkriegszeit, dann nehmen wir erst den � sechsten Plötz ein Folgen des Krieges und der Valuta. Italiener und Portugiesen stehen als Kolonisten durchaus im Vordergrund. Verständlich, wenn man berücksichtigt, daß Brasilien ursprünglich eine portugiesische Kolonie war, daß also der romanische Einschlag hier der maßgebende ist. Zu denken gibt es, wenn man erfährt, daß die Einwanderung aus Italien gerade in den letzten Jahren eine sehr überwiegende Bedeutung gewonnen hat. Uebervölkerung auch . hier: ober eine gesunde Möglichkeit und ein gesunder Wille, sie in ersprießliche Bahnen zu lenken.— Wie steht es nun mit den beut- schen Einwanderern? Sind sie willkommen, sind ihre Aus- sichten günstig? Es ist notwendig, zu unterstreichen, was Herr Oberst J Gälzer-Netto über diese Frage mit dankenswerter Offenheit sagte. l Nein, ein großer Teil der Elemente, die nach dem Krieg her- > überkamen, erwiesen sich als unbrauchbar, Leute, die von Ackerbau nichts verstanden, Kriegsspreu teils, teils Leute ohne den starken Willen und die Kraft zum Durchhalten. Merken wir uns das: Brasilien braucht lediglich kerngesunde und erfahre u e Ackerbauer. Wer in seinem Heimgärtchen einmal eine reiche Ernte fei-rn durfte, hat sich damit noch keinen Freibrief nach vrasiilien erworben. Uebcrhaupt dieser Freibrief: wer seine und der Seinen Ucbcrsahrt nach Brasilien nicht bezahlen kann— und die Kosten hierfür dürften pro Kops augenblicklich in die Zehn- tausend« gehen—, der sollte seinen 5>cfsnungen vorläusig ein Sicher- h«itsschloß vorhängen. Kann der Auswanderungslustige allerdings diese Kosten tragen und darüber hinaus nachweisen, daß er ein erfahrener Ackerbauer ist, dann stellt ihm die brasilianische Regie- limg ein sehr beträchtliches Stück Land und ein gesundheitlich ein- wandsreies Eigenheim zur Bersügung. sie unterstützt ihn mit Vieh, Saaten, je halbmrnatlich mit sreicn Arbeitskräften' und der Anfang zu einem neuen Leben kann gemacht werden, dos nach etwa zwanzig- jähriger mülzfeliger Arbeit meist reichen Segen bringt. Ob nicht auch zur Lancwirtschaft geeignete junge Leute, die willens sind, die Lasten ihrer Ueberfahrt drüben ab- zuarbeiten, von der brasilianischen Regierung herangezogen werden sollen, das ist eine Frage, die noch einer Regelung zwischen der deutschen und der brasilianischen Regierung bedarf, einer Rege- lung, die hoffentlich im Interesse dieser jungen Leute nicht allzu lange aus sich warten lassen wird. Tie Linicnnnderungen bei der Ttrafteubahn. Wie schon mitgeteilt, werden ab 16. März eine ganze Reihe Linienveränderungen bei der Berliner Siraßcnbahn in Kraft treten. Linie 51 wird vom Kailerplatz bis zur Grunewaldstraße, Ecke Martin-Luthcr-Stroße, zurückgezogen und mit der einen Hälsie über Wariburgplatz, Loburger Siraßc, Hauptstraße, RubenSstraße bis zum Aiigusie-Vikloria-Krankciihanse, mit der anderen Hältre a!Z Linie 15 1 über Wartkurgplatz, Mühlenstraße, Tcmpelbofer Straße. Sachsendamm, Albionstraße bis Siedlung Lindenhof geiübrl. Linie 6 0 wird ans der Rubensstraße herausgenommen und über Hauptstraße, Nheinstraße, Caarstraße, LnouSsiraße, Bismarckstraße bis Sieglitz, Bergstraße, gejübrt. Linie 61 wird bis zum Wart- burgplatz verkürzt. Linie 7 1 wird über Grunewaldstraße, Ber- liner Siraße, Kaiserallee bis Friedenau, Friedricb-Wilbelm-PIatz verlängert fSonntagS verkehrt die Linie nur zwischen Herzberge und Spittelmarkt). Linie 8 7 wird bis Schleiiiche Brücke zurück- gezogen und dafür Linie 88 bi» Ringbahnhof Treptow verlängert. Ein neuer Grupen-Prozeß. Die Spiritisten treten in Aktion. In der Angelegenheit B r u p e n hat die Familie Grupen nun beschlossen, durch R.-A. Dr. P u p'p e dos Wiederaufnahmever- sahren zu betreiben. Nebenher lausen die Recherchen nach dem Verbleib der Frau Gr.upen fort. Ende dieser oder Anfang nächster Woche soll wirklich die in Aussicht gestellte spiritistische Sitzung mit einem geeigneten Medium stattfinden. Die Idee, mit Hilfe eines Mediums die Spuren der Frau Grupen aufzufinden, ist, wie der Derleidigcr betont, schon während der K l e p p e l k- dorfer Mordverhandlung entstanden: die Sache sei auch durchaus ernst zu nehmen, denn in dem Heidelberger Prozeß wegen der Ermordung der beiden Bürgermeister fei man durch die An- gaben einer Hellseherin auch auf die richtige Fährte gekommen. Auf jeden Fall gibt es ein neues Ssnsatiönchen, und wenn auch der Verteidiger behauptet, die Sache sei durchaus ernst, so wird es wohl'außerhalb der okkulten Kreise kaum jemand gehen, der dos spiritistische Theater im Hinblick auf die unschuldigen Opfer in dieser Mordaffäre nicht al» eine ziemliche Geschmacklysigkeit ansieht. Eine teure Autofahrt. Vor einigen Tagen hat ein Berliner Schlächtermeister auf der Fabrt vom Kaiser-Wilbrlm-Platz'in S-döneberg nach Berlin, Eberiystr. 21. in einer Krafidroi-ble ein kleine» in Z e i t u n g S p a p i e r gewickelte? Paket liegen lasten, in welchem lich 57000 Mark, bestehend aus Hundert-. Fünfzig» und Zivanzigmarlslbeinen, befanden. Ter Krafl- droschkcns,"ihrer wird gebelen, da» Geld bei der Kriminalpolizei deS PolizeiamlS Friedrichshain. I. Bezirk, Geoigenlirchstr. 1, abzu- geben. Glcichzeiiig werden diejenigen Personen ersucht, sich zu melden, die gesehen haben, wie ein großer, korpulenter Herr in der betreffenden Nacht zwischen 111, und 12 Uhr auf dem genannten Platz eine Krafldroschke bestiegeü hat. 61 Die Macht der Lüge. Roman von Johann Dojer. Er wollte zuerst zur Küchentreppe, um den Weibern gehörig den Kopf zu waschen, aber mitten auf dem Hof drehte er plötzlich um:.iEntsteht daraus wirtlich eine Schweinerei, dann mußt du es ja doch auf deine Kappe nehmen," dachte er. —„Schließlich bist du doch noch der Herr im Hause." In den Wald kam er heute nicht mehr. Dagegen fuhr er in den Stall und drohte dem Pferdeknecht, ihn fortzujagen, weil eins der jungen Pferde schlecht gestriegelt war. Dann tauchte er plötzlich in der Scheune auf, gerade, als die Leute sich ein Ruhestündchcn gönnten,— und da bekamen die ihr Teil. Endlich stürmte er in sein Kontor und setzte sich hin, um einem ordentlichen Teil seiner Schuldner Mahnbriese zu schreiben. „Natürlich wirst du Strafe zahlen müssen, vielleicht mußt du einen Widerruf in die Zeitung setzen." sprach es in ihm. während er da schrieb.„Aber das ist eben der Dank, den man hat wenn man solchem Pack Hilst. Unfriede im Hause, Ecld eingebüßt, und dazu sich vor den Leuten lächerlich gemacht und an seinem Ansehen verloren.. Die Türe öffnete sich und zu seiner größten Verwunderung Sie�blieb' hochaufgerichtet und steif stehen, schob das Kinn vor und fing mit bebender Stimme an:„Ja. natürlich, du willst das alles vor mir heimlich holten. Aber jetzt frag' ich dich, ob du ihn beim Amtmann anzeigen willst oder nicht!" Knut fuhr auf und blieb vor ihr stehen, die Hände auf dem Rücken und die Beine gespreizt.. ..Beim Amtmann?" sagte er und musterte sie über ferne Brille hinweg, die er beim Schreiben trug,—„nein, ich bin doch nicht ganz verrückt!" Aber Marit war von vornherein schon aufgebrocht, weil er mit dem Abendmahl nicht Wort gehalten hatte, und nun argwöhnte sie dahinter wieder etwas. Sie machte einen Schritt vorwärts.„Willst du etwa nicht?" Und ihre Stimme zitterte noch mehr. Der alte Bauer begann zu schnaufen. Jetzt, in seinem Zorn, wirkt« ihre Bevormundung zugleich lächerlich und auf- reizend. Das konnte ihm nie einfallen, dieser naseweisen Person, die da stand, zu beichten. „Was willst du überhaupt hier?" sagte er, warf den Kops zurück und musterte sie durch seine Drille. „Ich will, daß du zum Amtmann gehst!" „Scher dich raus! Ich will jetzt zum Himmeldonnerwetter meine Ruh' haben!" Aber da lachte sie höhnisch:„Ja, natürlich, du willst lieber bezahlen und bezahlen, und wenn deine Kinder zuletzt im Hemd rumlaufen sollen! Und dann kann jetzt jeder Betrüger deinen Namen gebrauchen. Du blechst ja!— Oder.. und dabei lachte sie wieder höhnisch und maß ihn vom Kopf bis zum Fuß. —„Vielleicht hast du doch unterschrieben. Paß aus, du-bist schuldig!" Dies„schuldig" klang, als verdächtigte sie ihn eines Mordes oder Raubes.— Er wurde blutrot, konnte kein einziges Wort herausbringen, er schnaufte und focht mit den Armen in der Luft umher— und schließlich warf er sie zur Tür hinaus. Eins gute Weile darauf hörte er Schevengeläut auf dem Hofe, und wie er hinaussah, war's Marit, die wegfuhr. Aha. Also fingen sie jetzt schon an. die Pferde aus dem Stall zu holen, ohne ihn überhaupt noch zu fragen.„Bald wird sie mir auch noch die Hosen wegnehmen." dachte er und begann hin- und herzntrippeln, wie er es an sich hatte, wenn er vor Wut inner- lich kochte. Nach einiger Zeit hört« er das bekannte Klingeln zurück- kommen. Er schaut« nicht hinaus. Er legte sich auf sein Leder- sofa und schloß die Augen. Gleich darauf kamen bekannte Schritte den Gang her, die Tür ging auf. es war Marit. Aber der alte Bauer blieb mit geschlossenen Augen liegen. Ohne weiteres begann sie, indem sie ihre Haubenbänder aufknotete:„Du bist natürlich imstande und wirfst mich noch einmal zur Tür hinaus. Aber dein Eigentum, das kannst du nicht schützen, darum muß ich es. Das soll nicht so hingehen, so wahr ich die Frau hier bin. Und jetzt bin ich beim Amtmann geweien." Knut richtete sich langsam auf und schob die Decke beiseite. Er starrte sie an. Er machte den Mund auf und starrte sie an. Endlich fuhr er sich einmal mit der Hand durch den Bart, strich sich über den kahlen Schädel und sagte in unheimlich ruhigem Tone:„Ach was, du bist beim Amtmann gewesen, Marit?" „Allerdings, wenn keine Männer da sind, müssen die Frauen die Hosen anziehen," antwortete sie.„So ganz arm war ich nun mich nicht, als ich nach Norby kam. und das darfst du doch wohl nicht alles vor die Hunde gehen lassen." Knut wurde ganz blaß, aber er strich sich nur wieder über den Kopf und durch den Bart und oersuchte zu lachen. SchlimNrer konnte man den tüchtigen Knut Norby nicht treffen, der ihr Vermögen ungefähr verdoppelt hatte. Aber Marit fand es nun für sehr angebracht, hinaus- zugehen, wenn sie auch die Türe ganz ruhig hinter sich zumachte und mit langsamen, bestimmten Schritten wegging. Knut blieb sitzen und strich sich noch ein paarmal über den Kopf. Zum erstenmal in seinem Leben dachte Norby daran, seiner Frau nachzulaufen und sie durchzuprügeln. Jetzt war ja doch der Frieden im Hause zum Teufel. Er stand auf und begann grübelnd umherzugehen, die Daumen in die Weste gehakt. Ab und zu blieb er stehen, als wolle er sich klar werden, ob das alles nicht ein Traum war, aus dem er aufwachen könne. Aber da draußen standen die Häuser an Ort und Stelle und waren rot angestrichen, und«ine Krähe ließ sich über das schräge Dach gleiten und hinterließ eine Furche im Schnee— und da hing Johann Sverdrup über seinem Schreibtisch, und da stand er selber und hatte noch die Sachen für den Wald an. Nein, es mußte doch wahr sein, daß seine Frau dein, Amtmann gewesen war.,. aber diese Ge- schichte... Ihm war, als würde der Boden unter ihm unsickzer, das Kontor wurde ihm zu eng, und er mußte in die große Eckstube, wo er wieder anfing, die Hände in den Taschen, hin- und her- zu gehen und zu grübeln. Hier gab«s Mahagonimöbel, große vergoldete Spiegel und andere Herrlichkeiten, aber es kam jetzt Norby vor, als gehöre es ihm nicht länger. Immer wieder blieb er stehen, als dächte er:„Bist du's, Norby, oder bist du's nicht?" Er blieb am Fenster im hellen Wintertag stehen und sah in den halboerschneiten Garten hinaus. Aber er sah nicht die Bäume da draußen, er sah,— er sah sich selbst da über den Hang fahren, vom Amtmann geholt fürs Zuchthaus wegen falscher Anklage. Plötzlich drehte er sich um und trollte zur Tür, aber die Hand an der Klinke, blieb er wieder stehen. Zu seiner Frau zu gehen und die Wahrheit zu sagen, das war ihm jetzt platter- dings unmöglich. Erstens einmal, weil er viel mehr Lust hatte, sie durchzuprügeln, dann, weil er gar nicht wußte, wie sie solch eine Ausklärung aufnehmen würde. Sie konnte ja einfach vor Wut ohnmächtig werden darüber, daß sie wir närrisch zum Amt geeilt war, aber sie konnte auch auf Schlimmeres ver- fallen. (Fortsetzung folgt.). Tpreugkörpcr Explosion in«pandait. Ter tndbündler. L» der Gemeindevertretung von Zerpenschleuse am Finowkanal im Kreise Risderbarnim gab es kürzlich eine interessante S t e n e r d e b a t t e, die auf die Agitation�- Methoden des Landbundes ein Helles Schlaglicht warf und mit der blamablen Niederlage eines Landbimdlers endete. Ln dem Landbündlerorgan für Riedcrbnrnim vom 26. Februar dieses Jahre-- war unter der Spitzmarke„W i e kommen E i n- k o m m e n st« u e r b e s ch c i d e z u st a n d e" mitgeteilt worden, daß der Waldarbeiter Wilhelm Sutraw als Mitglied des Steuer- ausschusses von Zerpenschleuse geäußert habe, daß sich die Ein- wohner dieses Ortes erheblich zu niedrig eingeschätzt hätten, daß er sie viel Häher veranlagt habe und daß der Staat viel Geld sparen könne, w-nn er beim Finanzamt angestellt sei. Ein Landwirt habe sich mit 3999 M. eingeschätzt, er habe ihn auf 17 099 M. gebracht, während die Ehefrau dieses Landwirtes als Hebamme mit 19 999 M. veranlagt worden sei, trotzdem sie nur bei 39 Geburt m Hilfe geleistet Hobe. Zum Schluß empfiehlt das edle Agrarierblatt S. anzuzeigen und aus dem Steuer- ausschuß zu entfernen.— In der Sitzung der Gemeinde- Vertretung wurde der Ortsvorsitzend« des Landbundes, Böhm, der ebenfalls Mitglied des Steucrausjchusses ist, als Ur- Heber dieser Notiz festgestellt, die insofern nicht der Wahrheit cnt- sprach, als der erwähnte Landwirt nicht mit 17 999 M.. sondern nur mit 7999 M. veranlagt wurde, während die Hebamme sich über- Haupt nicht eingejchätzt hatte. Aus diesem Grunde wurde sie mit 19 099 M. veranlagt. Schließlich stand ihr das Recht der Reklama- tion zu. Die Folge dieser Feststellungen war. daß von der SPD.-Frak- tion gegen Böhm der Antrag auf seinen Ausschluß aus dem Steuerausschuß gestellt würde. Er zag es jedoch vor, selbst seinen Austritt zu erklären. Die Hetze des Landbundes gegen einen ihm Unbequemen ist in diesem Falle nicht geglückt, da die Sozial- deinokra-tcn in der Gemeindevertretung von Zerpenschleuse die Mehrheit haben. Jedoch läßt dieser Vorfall Rückschlüsse zu, wie es in den Gemeinden aussehen mag, in denen die Freunde des Landbündler die Macht haben. Verhaftung betrügerischer Bankbeamten. Ei» Bank- beamter, der durch Fälschungen bei seiner Bank noch und nach zwei Millionen unterschlagen hatte, wurde in Köln verhaftet. Das gleiche Schicksal ereilte einen anderen Bankbeamten, der durch Scheckfälschungen seine Firma um 199999 Mark hintergangen hatte. Aufhebung der Hundesperre. Die Vorschrift, daß Hunde in den Bezirken vor Polizeiämter 1—-VI(Mitte, Tiergarten, Wedding. Prenzlauer Tor, FriedrickiSbaiir und Halleickies Tors»nd XVin bis XX(Weißensee, Panrow und Reinickendorfs festgelegt fange- kettet oder eingesperrt) oder an der Leine geführt werden müssen, ist aufgehoben. ES bleibt jedoch der M a u kk o rb z w a n g bestehen. Lrankenkasssnwahl In Niederbarnim. Sonntag, den 19. März, finden die Wahlen zur Nieder baniinrer Krankenkaste statt. ES ist Pstickt jedeS organisierten Arbeiters, der Mitglied der Kaste ist, iein Wahlrecht auszuüben. Auch sozialistische Arbeit- g e b e r müssen an der Wahl teilnehmen, da auch eine freie Arbeitgeberliste aufgestellt ist. Die Liste der ireien Arbeit- geber ist Liste Bt Ernst Knätschke, Bernau; die der Arbeitnehmer ist List« 1 der freie» Gewerkschaften: Rühle, Metallbrenner. I-ebensmittelpreise 6es l'axes. �ululie: LiseliS reiepHeb, Geschäft rege. Fleisch ausreichend, Geschäft ziemlich lebhaft. Objc und Gemüse schwach, Geschäft etwas reger. Handelspreise: Lebende Schleie 21-21>1. Plötzon 12-13 df. Karpfen 26-27 M. In Eis; Aale 35— 40 M. Hechte 12—14 M. Flundern 8 51. Dorsch 4.75—5 51. Grüne Heringe 6—6.60 51. Geräucherter Schinken 40 M. und Speck 32—33 51. Schweirefleiseh(Schullerblatt und Bauch) 25—26 51. Kalbfleisch 20—28 51. Hammelfleisch 19—23 51. Fiindfleioch 20— 22 51. ohne Knochen 22—25 M. Kieler Sprotten 22—28 51. Räucherheringo 3,23—3.50 51, das Stück. NaturbuHer 45—55 51. Margarine 26—35 51. MaisgrieS 5 M. und WeizengrieE 9—11 51. Kalte 64—76 51. Kartoffel mehll25I. Halermahl U M. Linsen IS 51. Grünkohl 2— 2.50 51. Spinat 5 51. Sellerie 5-6 51. Zwiebain 6—7 51. Eßäpfel 8-12 51. EBbirnen 10-12 51. /luflösung dct 21 S. Gemeinüesthule! Die Berliner Kemeindeschulverwaltung trägt sich mit dem Ge danken, die 218. Mädchen-Gemeindeschule am Petersburger Platz aufzulösen. Begreiflicherweise ist die Elternschaft durch- diese Nachricht in Unruhe versetzt worden, und in einer vom Elternbeirar sofort einberufenen Versammlung hat sie gegen die beabsichtigte Maßregel entschiedenen Prolest erhoben. Eine einstimmig angenommene Resolution erklärt unter anderem; Die Elternschaft, in Gemeinschaft mit Lchrerkollsgium und Elternbeirat, verpflichtet sich, mit allen gesetzlichen Mitteln dafür einzutreten, daß die geplante Aufläsung der 218. Gemeindeschule nicht zustande kommt. Die seit langem in einem Miethause untergebrachte Schule soll, wie wir an zuständiger Stelle erfahren, einer gewerblichen Unter- richtsanstalt weichen, dem hauptsächlich zur Ausbildung von Ma- fchinenbauern dienenden sogenannten ,.G e w e r b e s a a l". Seine Unterrichtsräume hat er in der benachbarten Straßmannstraße, er bedarf aber längst und immer dringender einer Erweiterung. Die 18— 2Sjährigen Schüler des Gcwcrbesaales sitzen gräßtenteil in Kiassenzimmcrn und auf Bänken die für Kinder bestimmt sind. Auch eine Erweiterung der Uebungswerkstätten täte dem Ge- werbesaal not. Die Schulverwaliiing ist der Ansicht, daß gerade für diese. Unterrichtsanstall das Fabrikgebäude, das bisher als Heim für die 218. Schule gedient- hat, sehr geeignet sei. Sie hält die Auslösung der zurzeit in mittlerer Stärke besetzten Ge- meindeschule und die Verteilung der Kinder auf die umliegenden Schulen zwar für ein Uebcl, aber für ein kleineres als die Schädigung der gewerblichen Unterrichtsonstalt; die ohne die geplante Erweitc- rung ihrer Räume ihren Zweck nicht mehr erfüllen könnte. Die Eltern sind allerdings der Meinung, daß— wie die in ihrer Ver> sammlung angenommene Resolution sagt— es keine Gründe gibt, die eine Auflösung von Schulen rechtfertigen können. Werden Räume für eine besondere Schulart gebraucht, so dürse es nie auf Kosten anderer Schularten gehen, namentlich nicht auf Kosten der Volksschule, der Grun-dlage für die Einheitsschule. Wahrscheinlich wird der auf den Gewerbcsaol als Unterrichts- stätte angewiesene gewerbliche Rachwuchs mit derselben Entschieden- hcit fordern, daß seine Interessen berücksichtigt werden. Leider ist in den Jahren vor dem Kriege, wo die Stadt Berlin noch Geld hatte und neue Schulbauten zu erschwinglichen Preisen aus- führen tonnte, die schon damals notwendige Fürsorge für den Gewerbesaal vernachlässigt worden. Das sind Unterlassungssünden des Berliner Kommu- nalfreisinns, der für dos Fach- und Fortbildungsschulwesen ebensowenig drüber hatte, wie für das Bolksfchulwesen. Aus der sozialdemokratischen Sladtverordneiensrakkian. Ge- noste Hetz ich old und Genaue Schuld! haben ihre Stadt- verordne n Mandate niedergelegt, weil sie Bezirks- nadträtc sind. Für sie treten Genosse B e t h g c und Genosse Dr. Witte in die Stadtverordnetenversammlung cm. Grofi-Serliner partesnachrschtea. = 1. ftrei*. Mitte. Sonnccstug, den 15. äRät�, Tu Uhr, Mitaliebcraei- sammlung in bot Aula des Realgymrauums, Weinmcistrrfti. ts. W Thema!..Tie Wirkungen bee Rcichsmieteugesekea-. Res. Senaffe Winter. Gäste könne» durch Mitglieder cingeiührt-merden. W 17. Rtcts. Lichtenberg. Elternbeiräte, Echulausschubmitzliebee und Leh- rer der Arbeitazemeinschalt. Donnerstag, den 15. März, 7 Uhr, Sitzung im Ziachau«, Zimmer 23. heute. Mittwoch, den 15. März: 24. Abt. Elternbeiräte! Ab 5 Uhr Ausgebe wichtigen Malcrlals durch den Obmann bei Winzer. Ehristburger, Ecke Winsstrohc.(Snippenfithrer und Verteiler, besonders Frauen, wrrden gebeten, zur Einteilung recht zahlreich zu erscheinen. 57. Abt. Gruncmalb. 8 Uhr Mitgliederversammlung im Restaurant Lindencck, Hubcrtusbadcr Str. 8., Thema;„Das Eärlitzer Programm"'. Rescrcnti» Hedwig Wochenheim. 183. Abt. Duchhotz. 715 Uhr bei Kachne, Berliner Str. ZS, Generalversamm- luna. Neuwohl des Vorstandes. 135. Abt. Reiniaeuderf.Ost. 7U Uhr Sitzung des enacren Vorstandes bei Lindstcdt, Neiidcnzstr. 120—121. De: Iugendausschutz ist gleichfalls geladen. Morgen, Donnerotag. den 1ö. März: 29. Abt. 7 Uhr bei Burg, Prenzlauer Allee 189, wichtige Sitzung der Partei- funktianiirs. <3. Abt. 7 Uhr Sitzung sämtlicher Funktionäre, Betriebsnertrauensleule und Ettcrnbciräle bei Minnig, Lonsitzer Str. 15. Bezirtspthrcr, die ausgcfAt- ten Berufskarten niitbringen. 93. Abt. Reolölln. 7'.- Uhr bei Lämpe. Lcssingsrr. 15. Konferenz der Funk. tianäre und Bctricbsvcrtranenslente. Wichtige Tagesordnung; Abrechnung. 15«. Abt. Johannisthal. 7>.h Uhr Mitgliederversammlung im Bürgeraarten. Tagesordnung: 1.„Unsere Arbeit im Bezirksamt". Ref. Stadtrat wkeucr. 2. Etlcinbriratswahl. 3. Maiscicr. Pünktliches Erscheinen aller Mitglieder Pflicht. 132. Abt. Blankenburg. 8 Uhr Zghlabend bei Klug. Darfstratze. Thema: „Dos Pautfentche crchnlprogranrm". Ref. Gen. Erwin Marguardt. Iungsazialiste». Gruppe Schäncberz. 71h Uhr bei Eratz, Sedanstr. 17. Vor- Alle jungen Parteigenossen sind herzlichst willkommen.— Gruppe Britz. 7 Uhr im Jugendheim t Rathmiss. Vorlrog;„Die ANoholfragc". Referent Studicnrat Gen. Mommcr.' Gäste willkommen. Frauenveranstaitungen: 32. Abt. Ehaelottenburg. 7U Uhr bei Bade. Kais-rin-Anguftc.TLce S2. Thema: „Revolutionäre Dichtungen". Ref. Heinrich Bierdllcher. » Deutscher Arbeiter-Abstinentenbund. Freitag, den 17. Mörz, 7>7 Uhr, sin. det in der Aula der Sophieufchule. Dcinmeistcrstr. 15—17. eine äffentllchc Versammlung statt, in der Genosse Dr. Halitschcr tAbg. der Gz. Arbeiterpartei der Tschcchcsiawalci) über:„Sazialismus und Alkohotf-aae" svrcchen wird. Dtr fordern die Genassrn zum zahlrcichen Besuch der Bcrsammlung aus. Jugenüveranftaltungen. verein Arbeltcr-Zugend Groz.Jerll», EW. 58, Lindensk. 3, 2. Hof,! Trp. Telephon Moritzplatz 121 58—121 15. heute. Mittwoch, den 15. März: Lichtenberg. Ingendhrim Paiiaue 10, Distufsionsabend:„Unsere Zeitschriften".— Mahlsbarl. Jugendheim Kemeindeschule Walderseestratze, Bortrag: „Kommunismus".— Prenzlauer Vorstadt. Jugendheim Gemeindclchule Scne- felderftr. 6—7. Forifetzung der Vortraasreihe„Anfangsgrunde des Sozialis- mus".— Stralauer Biertrl. Elternabend in der Aula der Gemeindeschule Sohenlahestr. 19.—«äpenicker Viertel. Jugendheim Äemeindeschule Wrangel- stratze 128, Bortrag:„Jmrressianisnius und Expressionismus".— D-ften. Jugendheim Baugewerkschule Aurfllrstenstr. III, Vortrag:„Geschichte der beut- scheu Arbeiterbewegung".__ SSekterberichk biS TannerStag mittaq. Ziemlich mild, zeitweise emsklamid, jedoch überwiegend trübe mit wiederholten, im Osten teitwetse ergiebigen, im ZSesten schwächeren Niederschlägen bei jrijchcn nordwejtlichen Linden. Der hanöelsetat im Landtag. (Schluß aus der Abendausgabe.) Abg. Lüdemann(Soz.) sfortfahrendj: Der Staatsbesitz und die S l a a t s u n t e r n e b m u n g e n dürfen nicht an Privat- Unternehmer abgegeben werden. Staatsbetriebe brauchen durchaus nicht unrentabel zu sein, das ist ein Märchen. Wenn zum Beweise für dieses„Märchen" auf die Fehlbeträge unserer Verkehrsuntvr- nehmungcn hingewiesen wird, so sieht es in anderen Ländern, in denen sich die Eisenbahnen nicht im Staatsbesitz befinden, ebenso aus. Unsere Staatsbetriebe sind in bczug auf ihre Organisationsfonnen - und Betriebsmethoden sehr verbesserungsbedürftig,(«ehr richtig! bei den Soz.) Unsere Berg- und Hüttenbetriebe müssen energiich umgestellt werden. Sie müssen aus den Fesseln eines buceau- kralischen Fiskalismus befreit und auf die Basis einer modernen kaufmännischen Betriebssührung gestellt werden. Bei der Vergebung von Staatsaufträgen müssen unberechtigte kapitalistische Unternchmergewinne möglichst ausgc- schallet werden. Das kann am besten dadurch geschehen, daß auch diejenigen Betriebe mit herangezogen werden, die es sich zum Grundsatz gemacht haben, überhaupt keine Unternehmergewinne aus- zuschütten, Bauhütten, Produktivgenosscnschasten usw. Das Genostenschaftsgesctz niuß nach der Richtung geändert werden, daß den Genossenschaften die Gelegenheit gegeben wird, für ihre Generalversammlungen das System der Dclegiertenver- sammlung anzuwenden. Bei den großen Genossenschaften sind Eiencralversammlungen in Form von allgemeinen Mitgliederver- sammlungen längst unmöglich geworden.(Sehr wahr! bei den Soz.) Zur Gewerbeaufsicht tnüsten Arbeiter und Anaestellte. ebenso auch Frauen herangezogen werden. Auch im Ministerium müßte eine mit den Fragen der Gewerbeaufsicht betraute Frau ver- treten sein. Ueberhaupt muß der Minister einmal sein Personal einer sehr kritischen Betrachtung unterziehen und eine bessere Zu- sammensetzung seiner Ministerialbeamtenschaft herbeiführen. Der bisherigen unerhörten politischen Einseitigkeit in seinem TNinisterium muß ganz resolut ein Ende gemacht werden. Es ist ein Skandal, daß nicht ein einziger Gewerkschaftler im Ministerium vorhanden ist. Bis vor kurzem hat sein Ministerium zu den absolut s o z i a lt st e n r e i n e n gehört.(Hört, hört!) Andeutungen wie der gestrigen des Abg. Leidig über die Gefahren einer schematischen Durchführung des Achtstundentages darf der Minister nicht nachfolgen. Der Achtstundentag darf unter keinen Umständen durchbrochen werden. Seins Einführung hat es den Arbeitern überhaupt erst ermöglicht, sich nach den Kriegsjahren so wieder aufzurichten, daß sie wieder volle Arbeit leisten können. Die Arbeitskämpfe der letzten Zeit gingen um wahlberechtigte Lohnforderungen. Der eine oder ander« Streik hätte aber ver- mieden werden können, wenn auf beiden Seiten eine bestere Ein- ficht in die wirtschaftlichen Zusammenhänge vorhanden gewesen wäre. Daher ist es zu begrüßen, wenn den Arbeitern in der ersten Deutschen W i r t s ch a f t s s ch u l e die Möglichkeit gegeben wird, eine vertiefte wirtschaftliche Bildung anzueignen. Wir hoffen, daß dieser ersten bald weitere Wirtschaftsschulen folgen werden. Fach- liches Können und tiefe Einsicht in unsere Wirtschaft bei den Ar- beitern bilden das beste Fundament für den Wiederaufbau unserer deutschen Wirtschast.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Nachdem die Abgq. S ch w e r i n g(Z.) und Vrunk(Dnat.) ge» sprachen haben, ergreift das Wort Handelsminister Siering: Unsere Wirtschaft ist nicht mehr von unserem Willen abhängig. Der Weg zur Gesundung ist ein dornenvoller. Er kann nur über die Etappen Genua und die noch folgenden Konferenzen gegangen werden. Mit R u h l a n d wollen wir in ein verträgliches Wirt- schaftsverhältnis kommen. Wir stehen in einer Zeit fortwährenden Steigcns der Warenpreise. Die Erhöhung der Eisenbahn- gütertarife bedeutet eine große Erschwerung der Wirtschast. Im Interesse der werktätigen Bevölkerung bin ich für Aufrechterbal- tung der Z w a n g s w i r t s ch a f t für Brotgetreide eingetreten. Die hohen Kartoffelpreise sind nicht nur auf den Waqeamemgel zurückzuführen. Außerordentlich gestiegen sind in der letzten Zeit die Preise für Bcklcidungsgegen stände, trotzdem kauft nicht nur das Ausland, sondern auch das Inland, weil man eine weitere Entwertung der Mark befürchtet Unsere Konjunktur ist eine«cheinkonjunktur. Wir führen leider keine Planwirlschast. Der Industrie ist vorzuwerfen, daß sie sich bei Lieferungen nicht mehr an die Preise hält, die sie selbst bei Einkauf ihrer Rohstoffe bezahlt hat. Die Frage der paritätischen Zusammensetzung der Hand- werts- und Handelskammern darf nicht politisch betrachtet werden. Auch Handwerker, die den rechten Parteien nahestehen, sprechen sich für ihre volitische Zusammensetzung ans.(Widerspruch reckits.) Die Organisationen der Arbeiter und Angestellten fordern einmütig die Parität. Di« gegen das Wiesbadener und das Bemelmans- Abkommen vorgebrachten Bedenken werden von mir aufmerksamst beachtet. Wir wollen nicht in eine Lage hineinkommen, die uns unangenehm überraschen könnte. Wenn man von einer allzu schematischen Anwendung des Achtstundentages spricht, so ist das zu einem kleinen Teil berechtigt. Ich werde am Achtstundentag festhalten. aber: es muß auch wirklich 8 Stunden gearbeitet«er. den. Die Ausführungen des Abg. Lüdemann über dos HZenofsen- schaftswesen verdienen Beachtung. Ueber die oberschlesischen Der- Handlungen werde ich nach ihrem Abschluß berichten. Nachdem noch die Abgg. lllmer(U. Soz.), Fischbeck(Dem.) und Rogg(Komm.) gesprochen haben, wird die Beratung abgebrnchrn. Das Haus vertagt sich ans Mittwoch 12 Uhr: Wciterberatung, Kleine Vorlagen.— Schluß 5 Uhr. Wirtschaft Schiffahrt und Schiffbau im Jahre lg2l. Der Weltschiffsraum vermehrt« sich bis Mitte 1921 gegen 1914 um beinahe 13 Millionen Tonnen, d. h. um 26 Proz. Die Handelsjchisftonnage der Dereinigten Staaten war Witte Januar 1921 um nahezu 12 Millionen Tonnen größer als im Jahre 1914. Nachfolgend geben wir ein« Zusammenstellung des Lloyds-Re» gisters wieder, in welcher oll« in t*n Jahren 1914. 1920 und 1921 im Besitze Der verschiedeneu Länder der Welt befindlichen Schiss« über 190 Tonnen berücksichtigt sind: -Piene- 1314 1920 1921 tfmage Brntto-Tonnen Bruttn-Tonnen Briitto-Tonnei, Sriliicke...... 21 045 049 20 582 652 22 070 798 Teuticbe...... 5 450 296 672671 717450 Amerikanische... 5 368 t 94 16 949 28« 17 026 992 Nvrwegiiche...« 2 594 722 2 219 338 2 584 058 Französische.... 2319 438 3 245 194 3 652 249 Andere Länder.. 12 392 853 14 544 871 15 924 996 Total 49 089 552 67 314 065 61 974 653 Es ist wahr, daß viele der Schifte alt sind und abgeiakelt werden sollten, und daß andere, die nicht so alt sind, im Frachtverkehr nicht mehr mit Erfolg oerwendet werden können. Doch sie werden nicht abgetakelt tverden, weil es zu kostspielig wäre, st« zu ersetzen. Man sieht also, welche Folgen auch hier die Privatinitialive hat! Während des Krieges haben viel« Schiftahrtsgefellschaften gewolt-ge Vermögen verdient. Der Transport von Munition. Truppen usw'. hat die Nachfrage nach Schisfsraum enorm erhöht. Andererseits log eiii großer Teil der Welttonnag« auf. Ii« reichen Schiftahrtsgefell- fchaften verfolgten nur noch ein Ziel: Sie trachteten noch der Der» ff I fs??«! 17m?, rm mN rtcTTjens GS-' Winne?u erzielen. Zn ter Tat bestand dann auch im ersten Jahr � und während eines Teiles des zweiten Jahres noch dem Krieqe die Möglichkeit, diesen Sclstsssraum vraduktiv zu verwerten. Doch bald stellte sich heraus, was jeder hätte voraussehen können und worauf schon v�n vielen Seilen hinqewie'en worden war- der vorhan- denc Schiffsraum übcrschrit, die Bedürfnisse bei weitem. Selbst wenn der Handel wieder in normalem Umfang eufqenommen würde, wäre man gczwunaen, Schiffe aufgelegt zu lassen, d. h. Kapital läge unproduktiv da. Wieviel schlimmer ist ober die Loge wegen der das wirtschaftliche Leben der Böller Zerstörenden Bestimmungen des Friedensvertrages, der von„klugen" Politikern lm.ter Nichtachtung jeder wirtschaftlichen Kenntnis ausgestellt worden ist, unter dessen Folgen wir nun leiden. Und es sind vor ollem die grojzen Gruppen'der Transportarbeiter und jeiwr. die auf dem Gebiet« der Herstellung von Transportmitteln beschäftigt sind, di« die Folgen dieser wahnsinnigen Bestimmungen am meisten spüren. lstn foloenden aeben wir eine dem„E c o n o m i st" entnommene Ueberficht über die Folgen der Depression in Großbritannien wieder! Mit einem ncrgrößerien Anaebot an Tannage ging ein Rück- gang im Ausiausch der Güler zwischen den einzelnen Ländern Hand in Hand. In Gro.ßbritttn»ien stellte sich die Gesamtheit der im Lause des Jahres 1S21 eingelaufenen und geladen wieder ausge'aufensn Tonnoos nur auf KL Pr a z. derjenigen von 1!HZ. Der Tonnen- gsba't der importierten Güler stellt« sich auf 70 Prcz.. derienige der erportierten Güter auf 26 Broz. und des zummmenoefaßten Im- vo'ts und Exports auf �9 Proz. der ent'preckzendcn Summen des Jahres 1912 Di? gegenwärtig in Frage kommenden Zahlen stellen sich wie folgt dar: Gesamte Tonnage der eingelaufenen und geladen wieder audgelaiirenen Sch'iffe 19!.? 116 634 099 39 92? 999 93 SS4 999 1920' 73 103 900 45 542 099 41 175 900 1921 73 507 000 89 436 000 33 508 000 Import in Tonnen Export in Tonnen Die Fdk a ch'ksas; e sind ffu& ggewaltig gesunken, bms aus nachfolgender Tabelle hervorgeht: Höchste State Niedrigste Rate im Ichre 19-20 im Jahre 1521 Schilling Pence Schilling Pcnee 39 38 130 155 27 13 9 5 6 6 6— 50 20 5— K o b l e: Bon Cardiff nach Niver Plate.'■> Gibraltar........ 52 6 Le Havre......... 60— Erze: Bilbao und Middlesborough Tyne.......... Frachten für Rückfahrten: Bon Kalkutta nach England.. Bon Bombay nach England.. Zeit-Ebarlerung: Für allgemeine Kauffahrteifahrt (12 Monate)....... Selbst mit diesen niedrigen Frachiläßen konnten aber nicht all« Schiffe in den Dienst des Handeis gestellt werden. Denn 659 Schiffe mit 1 117 900 Tonnen liegen allein in britischen Häfen auf. Natur- lich blieben diese Verhältnisse nicht ohne Einfluß ouf den Schiffsbau. Zahlreiche Zlusträge sind zurückgezogen worden. Der Schiffsbau der ganzen Welt(Demschland ausgenommen) ging fest März 1920 stark zurück: damals waren noch 7 727 257 Tonnen im Bau, im Dezember 1921 daqeae» nur 4 457 993 Tannen, worunter sich 400 900 Tonnen Schiffe besinden, deren Fertigstellung unterbrochen wurde. Die Arbeitgeber des Auslandes beklagen sich darüber, daß die Arbeiter in den Schiffswerften nicht bereit sind, fick> enorme Lohn- Herabsetzungen gefallen zu lasten. Doch sie wissen so gut wie fed-er andere, daß die Lage des Schiffsbaues uichl besser würd-e ols sie jetzt ist, auch wenn di> Löhne wesentlich herabgesetzr werden. Das Heilmittel ist nicht auf dem Gebiets des Lohnes zu suchen. Die Lösung d r Krise ist nur von einem Wiederausblühen des Handels zu«rwariea. Die Wiederbclebuna Oes.Handels kann nur erreicht werden, wenn die Ursachen seiner Lahmlegung beseingt vettert-. 5)1� sTnr Oerrel FrnrtH Ber tfrle* densverträge, internationale Kredit«, Lösung des Valuta» Problems, das sind die Mittel zur Schaffung einer besseren Lage. Die Forderungen der internationalen Arbeiterbewegung stehen im Zeichen des wirklichen Friedens und des Wiederolifboucs der Weit. Die Berücksichtigung dieser Forderungen wird die Krise lösen. Ans der Vollindustrse. Die Bremer Wollkämmerei, die mit einem glänzenden Jahresabschluß auswartet(30 Proz. Dividend«, dev Reingewinn ist sechsmal so hoch wie im Vorfahr), macht in ihrem Rechenschaftsbericht folgende bemerkenswerte Mitteilungen über den Geschäftsgang des letzten Jahres: Di« Versorgung mit deutscher Steinkohle war ganz unzureichend. Nur-durch Verwendung von Braunkohlenbriketts und durch Zulauf englischer und«me- rikanischer Steinkohlen war es möglich, unseren Betrieb ununterbrochen aufrechtzuerhalten. Auf den Wollmärkten gingen die Preise unter dem Druck des großen Angebots weiter zunick und erreichten im April ihren tiefsten Stand. In der zweiten Jahres- n � � � uivu1 fiel«.)"." i j i c t)• si-H1*-;4-■Uuyi'S.uj das Geschäft durch die fortwährenden Währungsschwankungcn und im Herbst durch den plötzlichen Sturz der Mark außerordentlich er- fchwcrt wurde, ließen die Preis« für Kammzcug dem Zugmacher doch «inen angemessenen Nutzen, wodurch uns große Lohnznweifnnpen zuflössen. Wir konnten infolgedessen bereits Mitte ces Jahres eine zweite Schicht und von November ab in der Kreuzzucht-Abteilung ein« dritte San cht einlegen.?,l,f diese Weis« gelang es uns, die Erzeugung auf die durchschnittliche Höhe der Vor- kriegszeit zu steigern und ein befriedigendes Ergebnis de; Kämmereibeiriebes zu erzielen. Auch in der neu in Betrieb g:- nommenen Tuchwollwöfcherei haben wir nach und nach in drei Schichten arbeiten lasten, lieber die Entwicklung des kommenden Geschäfisfahres läßt sich nichts Sicheres voraussagen. Di« Aussichten für unser« Beschäftigung hingegen sind günstig.' j| sparen Sic durch Gebrauch des sslbsltäiigen Waschmiiiels„Pcrsil". jagr* a.Ohne Chlor oder schädliche Bestandteile! X01]r II« wäscht«Rd bleicht sieschzeitig 'Geld bei nur einmaligem kurzem Kochen Alleinige Fabrikanten: HENKEL«B. CIE., DÜSSELDORF, euch der Henkers Weich- und Bleich-Soda. oooexoocaococxgocaooooooacoooooannnc THealer, Liöitsplels asw. o eoxxxiooooexxxxiOcoocxoavjoocD.rxteomre Gpernbaus Volüs&üüne Fidelio Theater am Bülowpiat, 7«/, Uhr tt/t Uhr; L'filiOl I. Teil Schaiispleilians LunsjazivacstuDiiii ünr Beatsch. Theat. Jucith Donn. P,z■ Judith Haannsrsiiißle 5: Anstel Donnerst. 7 U. z. 1 Male. Der Vcrtrflg v. Nizza Gr.SciiaiiSiJielb. (Karlsiuße) T1/,: Orpheus in der Unterwelt Dorm n,'2r Orpheus in der Unterwelt Theater 1. d. HcQlggrätz.Slr. läßlich 7..iö Uhr: Die wunderlichen Geschichten d. Kapeil- mcsstcrA Kreisler" Lesslng-TIieat. Heute und morgen ; Uhr; FAUST (Dorsch,(jrüning, Jaaninss, Loosi Freilag 7V, f Flamme (Dorjch) Sonnab. u. Sonntag 7; Faust Montag->/,. Flamme (Dorsch) Komödienhaus . 7 30 1. irUs |lf„ 7 30 Uhr: >£e38 mit Maria Orska Joh. Riemann Ralph Art. Huberts ßeriiner Theat. 7 30 Einer von unsere Leut* Carl ClewJng, Oscar öabo, Leonh. Muskel, Melitta Klefer ßesideazlheat. Täsiich T's Uhr; Eins Fraa ohn. Beüöütung Triescb. Amstäot. Bei: ter.s, Korff, Sandiock, Schindler A lacendiich 7/., Operenen-Gastspiel: &cr seizäge Verschwender (Max Adalbert) Trlanon-Theat. «Uhr; Elga Donnerst. 7 Ü. z. 1. Male: Der Vulkan TÄ Eng. Burg, O. Limburg, unkermann Schneiderissen, T. 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S Ahr Vollversammlung aller in den Wagen- n. karasserlesabriken beschäftigten Kollegen und Kolleginnen In»oetera Z-rftsafen INedrrstrab» ir. Ta-iesorbnuita: I. Bericht über die»«rdaudlong »or dem Schlichtung«att»lenlfmägltd>f.biet.BoIch- KIn nenor Geist erat. fc. F. Erdmann& Co. Bln., KSniggrätzerStr 71 Deutsöisf (imHniutiü! Seriii ®e« Slitglitker* zur Nnchrichl. bag unter Ä.Hegr. ketiahrle jer Felix Sahst Lichtenberg »eichseistr. 12, h. pt. am tfl b. SR. gestorben ist. Die Tincschentng Endet am Mittwoch. den 19. März, nach» mtllago 3 Uhr, im Krematorium Baum- fchulcnmeg, Kieshotj» fttafce, statt ?m 3. h M. starb unser Kollege, der Schlosser OKo Xreutzinger Kürassterstr 15. Sie Einäscherung findet am Mittwoch, den 15. März, ovr» mtttogs 10 Uhr, im Krematorium Saum» schulrnweg statt ferner ist unter Kollege, der Schmied WaldEin. Balschelt Langenbeckstr. 12 om XL d. Sit gestorben. Sie Beerdigung stn» bet am Donnerstag, den 18. Mörz, vor» mittagstv»«Uhr.von der Leichenhalle des stentraltriebhofe» in Zriebrichssetde aus statt llfl8 lön iltM htfllliMl Neae BeleUtgung wirb erwartet. Sie Drt-veewnltung lNii KWÄllIMll >/, Litertlasche «. 37.3» Llterflaocna BvMIlB tV. SO vorzöaliche Qualität m. 72.38 Potsdamer Straße 122 illglrtskrankenkasse lür BerliB-TempelhoL Bekanntmachung. Ttut Stund bot statt» gefunbenen Dahlen fegt fich der«orstanb wie folgt zusammen 1R/7 Herr Paul WBmtr, t. Borfitz enber. , Ernst Artogler, II. Borfibenber, , Erich Timm. «chrittlithrer, , Mag Schwarz, ftello. EchriitiÜhrer, , Ott« Trepplin. Beisitzer. r 8uk»lg fflalttt, Beisitzer, m i) rrann Sieberi, Beifitzcr. , Fr!> Neuuumn. Beisitzer, , Otto' Weiche, Beis Berlin-Ternpelhof, den 10. März 1922. Oer AorslouS. Baut Kdllmer,> Dorfitz. Erich Timm. Schrifis. I Iprlpst Il/nrt? nn A vus i«ltc«drueltlg Wort 3.— M.(zulässig Itlcucs IVtiriÄ.UU m. 2 lettgeiruckt« Worte). 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