V V Nr. 12H» Zch. Jahrgang /wsgabe B Nr. HZ VezugSprciS: Vikrtkljähil.so,— M.. monatl. A,— M. I?ti ins Haus, voraus zahlbar.?o!t- dr.iug: Mouailich U.— M. einlchl. Zu- slrüunzsgebühr. Unter Kreuzband llir Deutschland, Danzrq, Saar- u. Memel- aediet, sowie Westpolen. Oesterreich u. Luxeniburq St,— M., iitr das iibriae Answnd 72,— M.?.osrdefteNun«en nehmen an Belgien, Danemart, Eith- land, ffinnlanb. Frankreich. Holland, Lettland, Luxemburg, Oesterreichs Lchweben, Schweiz. Tichecho.Slowa!ei »nd Unaarn. Der„Vorwiirte" mir der Sonntag»- beilage.Boll und Zeit", der Unier- haitungsbellage.Heimwell" und der Beilage.Siedlung und Kleingarten" erscheint wocdeniiiglich zweimal, Sonn» tags und Montags einmal. Telcaramm-Adresse: »Sezlakdemokrol vcrlla- Abend-Ausgabe c o?Qa-ss?»n ss ph auswärts 50 Pfennig D rf> Verlinev Volktsblskt AnzeinenpretS: Di«» t n sp a Itig e RonvareMezetle kostet l?,— M..t-lsln» iUSzeigan- das feltgedrixkie Wort Z.- Bl.(zu- lässig zwei seitgedruciie Wvrtel. lebe» weitere Wort M. Stellengesuch» und Schlasstellenanzetgen da» erste Wort 2,— M., sedc» weitere Wort IL» M. Worte iiber lb Buchstaben zählen siir zwei Worte. Familien-?!»- zeigen siir Abonnenten Feile/,!lhr nachmiitog, im Hauptgeschäft, Berlin SW W, Linden- straße 3, abgegeben werden. Deoffnet von S Uhr trllh bis S Uhr nachmittags. Zentvalovgan der Sozialdemokratifd�en Partei Deutfchlands Neüaktisn und Expedition: 0S?6S, Lznöenstr.Z Rrdaktion Moriitvlaft IBl».»—»7 tzyernfprrcyer. am6i,;0n Diorihplaft ll7s»-st Mittwoch, den IS. März ISS» Englanös Reparationsplan. P a r I». l5. ZNärz.(WTV.) Das Loucheur nahcstchcnde.Peiii � Journal" beiprlchl heute den Dorjchlag Sir vasil Dlacketls zum neucn Reparallousplon. Das vlatt widerspricht der gestrigen Behauptung der.Thicago Tribüne", om l. Januar 192Z habe die Forderung an Deuksckzland nur 105 Milliarden Goldmark betragen. Die im Eni- wurs vorgesehene Summe betrage 110 Milliarden. Die Sategorie der Schuld, die durch hie sogenannten.schlosenden Obii- gationen" gedeckt werden scll, sei mit 65 Milliarden angegeben. Die zweite Sategorie, zu deren Z a h l u u g sich Deutschland in einem roch näher festzusetzenden Zeitpunkt verpsilchtcn sclle, betrage 4 5 Mit- liarden Goldmark. Jeder Glciubigerstaat werde sofort er- klären, in welchem Verhältnis er Soldzahtungen und vaturotliefc- rungen wünsche. Die Borschlüge der verschiedenen olliicrien Nationen hinsichtlich der Verteilung würden der Prüfung und der Entscheidung der Reparationskommisfion unter- liegen. Die von jeder Regierung verlangten Goldzahlungea mutzten von Deutschland innerhalb von 5 Jahren beglichen werden, und zwar durch eine internationale Anleihe. Das Moratorium für 1922. esndon, 13. März.(MTB.) Zu der bereits kurz gemeldeten bevorstehenden Entscheidung der Neparalionskommission crfährt der Pariser Berichterstatter der„Mormng Post" noch, datz sehr bald eine Mitteilung erwartet werden könne über die Art d e z i Moratoriums, das Deutschland für seine Reparationszahlun- gen für dieses Jahr erhalten solle und bezüglich der von Deutschland dafür zu leistenden Bürgschaften. Die Reparationstommisston«erde Deutschland wahrscheinlich; Art Moratorium gewähre», durch das die Lasten, die in den am S. Mai letzten Jahres gefaßten Beschlüssen festgesetzt wurden, durch eine weitere Last ersetzt würden, llnzweiselhaft werde die Repa- rationskommission scdoch darauf bestehen, datz die Alliierten eine wirksame Kontrolle über die deutschen Finanzen erholten. In Pariser amtlichen Kreisen werde es mehr und mehr für wahrscheinlich geholten, datz die so oft gemachten Dorschläge über Flüssigmachung der deutschen EchuL» durch größere internatio- nal« Anleihen, die durch gewisse Hilfsquellen des Deutschen Reiches, wie Bergwerte, Eisenbahnen, Zölle usw., sicherzustellen wären, früher oder später verwirklicht werden. Was jedoch auch immer geschehe, die Rcparationskommission werde zweifellos fest- setzen, daß— soweit Bezahlungen für das laufende Jahr in Be- tracht kommen— die Gewährung irgendeiner Art von Mora- torium vollkommen abhängig fein werde von den Bürgschaften, die Deutschland gebe, und den Finanzresormen, die es durchführe. 5rankre!chs Schulden an fimeriea. Bemerkenswert ist eine Erklärung Poincares, die in einigen französischen Zeitungen veröffentlicht wird. Danach hat Frank- reich nie daran gedacht, die Bezahlung seiner Schulden an Amerika z» v c r w c i g e r n. Es sei bedauerlich, daß Loucheur durch seine letzten Veröffentlichungen den gegenteiligen Eindruck erweckt habe Der französische Botschafter in Washington sei angewiesen worden im Namen der französischen Regierung eine entsprechende Erklärung abzugeben. Es fei bedauerlich, daß Loucheur nicht seinerseits einen ähnlichen Schritt unternommen habe. Frank- reich werde selbstverständlich dankbar sein, wenn die Ver- einigten Staaten ihre Forderungen aufgeben sollten, denke aber nicht daran, in dieser Richtung bei den Der- einigten Staaten oorstelliq zu werden. Wie die„Chicago Tribüne" aus Washington erfahren haben will, wird die Behandlung der amerikanischen Ersatzforderung durch die Konferenz ocr alliierten Finanzministcr wahrscheinlich die Zurückziehung der amerikanischen Truppen am Rhein beschleunigen und möglicherweise sogar die Einstellung jeder amerikanischen Besetzung zur Folge haben. Frankreich und das'Semelmann- Abkommen. In den letzten Tagen haben zwischen deutschen und f r a n- zgsischen Vertretern Besprechungen stattgefunden, die den Zweck verfolgten, grundsätzlich zu prüfen, ob und unter welchen Vor- aussetzungen das sogenannte Bemelmann-Abkommen (freie Sachliefcrungcn) mit dem Wiesbadener Abkommen sich ver- einigen und auf den Wiederaufbau Nordfrankreichs anwenden lasse. Eine abschließende Stellungnahme sowohl der deutschen wie der französischen Regierungzvertreter liegt bisher noch nicht vor. Die französischen Vertreter reisen heute wieder nach Paris ab. Englanös fchieichenSe Krise. London, 15. März.(WT2.) Eine gestern im Unterhaus abge- hallene Versammlung von konservativen lind u n i o n i st i- schen Mitgliedern des Unterhauses, die einberufen war. um eine Entschließung anzunehmen, durch die die Führer der Parteien „in ihrer Entschlossenheit, zu dem Premierminister zu stehe n", unterstützt werden, hatte nicht den beabsichtigten Erfolg. Tie auf der Versammlung in voller Stärke anwesenden „Unbeugsamen" erklärten, daß sie einen Sieg davongetragen hätten, da die geplante Entschließung nicht zur Abstimmung unter- breitet wurde und die Erörterung ohne ein greisbares Ergebnis auf unbestimmte Zeit vertagt worden sei. In dem über die Versammlung von den Veranstaltern heraus- gegebenen Sitzungsbericht heißt es, die allgemeine Stimmung der Versammlung sei jeder Aktion sehr abgeneigt gewesen. Es fei so gut wie keine Neigung bemerkbar gewesen, die Koalition aufzulösen, und keinerlei Wunsch, den unionistischen Führern die Unterstützung zu entziehen. Im Zusammenhang damit weist„Daily Telegraph" darauf hin, datz die Frage des Rücktritts des Premierministers noch immer in der Schweb« fei. In gut unterrichteten Kreisen herrsche die Ansicht vor,„daß nach seiner Rückkehr aus Erlckith alles möglich sei" Mit diesen Worten werde die Notwendigkeit der Auf- rechterhaltung der Einigkeit der unionistischen Partei dauernd ge- predigt und es werde zugegeben, daß der Tag bald kommen könne, an dem die Führer vor die Ausgabe gestellt würden, eine zeitweilige konservative Regierung zu bilden. „Daily News" erblickt in dem Ergebnis der gestrigen Ver- sammlung der Konscrvotiven und Uniomstcn eine„Revolte der Torys" und einen„Triumph der Unbeugsamen". Das Gros der unionistischen Parlamentsmitglieder habe damit der Koali- tion gekündigt„Daily News" fragt: Was wird jetzt Ehamberlain tun und was wird Lloyd George tun? Keiner von beiden könne es sich ohne Einbuße an Autoritär leisten, die Weigerung dieser Ver- sammlung von konservativen Parlamentsmitgliedern, der Koalition und ihrem Führer ihr Vertrauen zu bezeugen, unbeachtet zu lassen. Die gestrige Versammlung iei das Geständnis, datz die Torys der Koalition überdrüssig seien. Der„D o i l y T e l e g r a p h" bemerkt, die ursprünglich geplante Entschließung sei nicht zur Abstimmung unterbreitet worden, obwohl sie zweifellos hätte angenommen werden können, und zwar gegen eine Minderheit von etwa 50„Unbeugsamen". Man habe sedach eine endgültige Spaltung der Partei verhindern wollen. In anderen englischen Blättern hält man n für sicher, datz dir Einheit innerhalb der Kanservallven nach dieser Tagung wiederher- gestellt fei und datz die ll n i o n i st e n der So all klon damit »ndgültlzden Rücken gekehrt haben. pariser Meldungen wollen wissen, datz infolge der krisenhaflcn Ausströmungen in England die Konserenz von Genua aus unbestimmte Zeil vertagt werde. Die Lage in Süöafrika. London, 15. März.(Intel.) Aus Johannesburg wird gemeldet, daß die Arbeiter noch immer die Stadt Fordsburg besetzt halten, ohne sich durch die. Drohung mit dem Bombardement der Stadt ein- schüchtern zu lassen. Die Kämpfe dauern noch immer an, haben aber nach den letzten Erfolgen der Regierungslruppen nicht mehr eine so große Ausdehnung wie früher. An die Stelle der großen Gefechte treten immer mehr unorganisierte Teilkämpfe. Die Stadt Braktown wurde von den Regicrungstruppen ein» genommen. Es wurden Massenverhaftungen vo» Ar- beitcrn vorgenommen. Die Räume der Gewerkschaften wur- den geschlossen. Im Parlament von Kapstadt kam es zu stürmischen De- betten. Die Verkreler der Arbeitcrschasl erklärten, daß der Streit nur durch die Aufbietung der Truppen und öas Ultimatum des Genetals Smuls einen rrvolulior.ärcn Eharakler cehallen habe. Der Arbciterdeputierte Poybell legt« eine Resolution vor. in der die Re- gicrung für die Hcraufbeschwörung des Bürgerkrieges verantwortlich erklärt und aufgefordert wird, unverzüglich Verhandlungen mit den Revolutionären einzuleiten. Von den Vertretern der Regierung wurde erwidert, datz Verhandlungen unmöglich seien, bis sich die Aufrührer ergeben hätten._ Atempause an üer 6oefe. Die Devisenkäuse der Industrie und des Großhandels waren heute infolge der gestrigen starken Kurssteigerung weniger dringlich. Man erwartete in den interessierten Kreisen, daß die Reichsbank eingreifen würde, um der sprung- haften Steigerung der ausländischen Zahlungsmittel ent- gegenzuwirken. Jnfolgedesien bewegte sich der Dostarkurs bei Eröffnung der heutigen Börse auf einet Basis von etwa 268. Im weiteren Verlauf trat jedoch starke Nachfrage hervor. Um die Mittagsstunde war bereits wieder ein Kurs von 272 erreicht. An den Effektenmärkten legt sich die Spekulation zurzeit eine gewisse Zurückhaltung auf, da man von weiteren Krediteinschränkungen spricht. Die Kurse der Spekulations- papiere waren durchweg etwas niedriger. Das Publikum setzte jedoch seine Käufe in Industricpapieren fort. Der Krieg in Sleinafien. Ein« HavaSmeldung anS Angara bestätigt den Wiederbeginn der Kampftätigleit an der türtisch- griechischen Front. Vonvärts-Verlag G.m.b.H., SM 63, Linüenstr. 3 • Trrlaz. Spedition iiild Jnikreiirn. »yrrniprrlrier. Morisplao 11753-5« prager vermittiungspolitik. Von Rudolf Jllvvy. Prag, 12. März. Die Tschechoslowakei, im Herzen Europas gelegen, ist schon von der Natur dazu geschaffen, eine Bermittlerrolle zwi- schen den einzelnen Staaten zu spielen, insbesondere aber den Berkehr zwischen dem Westen und Osten Europas zu ver- Mitteln. Aus diesem Grunde verhält sich die Tschechoslowakei auch gegenüber der Lösung der r u s s i s ch e n F r a g e nicht so ablehnend wie Frankreich und nähert sich eher dem Stand- punkte Englands. Das Bestreben der jetzigen Regierung geht dahin, einen nationalen Frieden im Inlands zu schaffen und nach außen hin in ein gutes Einvernehmen zu allen Staaten zu treten, mit denen die Tschechoslowakei gemeinsame Inter- essen hat. Man ist in Prag bemüht, Gegensätze zu mildern, Streitfragen zu schlichten und dort, wo es möglich ist, ver- mittslnd einzuwirken. Der einzige wunde Punkt ist das Berhättnis zu Ungarn. Die Magnaren entfalten noch immer eine rege m o n- archistifche Propaganda, die auf die Rückgewinnimg der verlorenen Gebiete hinzielt, und sie trachten die slowaki- schen Klerikalen für sich zu gewinnen. Solange in Budapest keine demokratische Regierung ans Ruder kommt, wird die Tschechoslowakei in kein freundschaftliches Verhältnis zu Un- garn treten können. Dagegen ist das Verhältnis der Tschechoslowakei zu den anderen Nachbarstaaten gut. Auch zu Deutschland. Die Tschechoslowakei ist an der Zukunft Deutschlands sehr interessiert, da ihre wirtschaftliche Situation mit der Deutsch- lands eng verknüpft ist. und es ist nicht ausgeschlossen, daß sie einmal in die Lage kommen wird, zwischen Deutschland und der Entente zu vermitteln. Denn der Tschschoslowakei kann es nicht gleichgültig bleiben, wenn chr nördlicher Nachbar einem avmäblichen wirtschaftlichen Ruin entgegengeht. Der sinkendeKursderdeutschen Reichsmark unter- gräbt immer mehr die Erportfähigkeit der tschechoslowakischen Industrie, und je mehr die tschechische Krone gegenüber der deutschen Mark steigt, desto mehr Fabriken in der Tschecho- slowakei müssen ihre Betriebe schließen, desto mehr nehmen Arbeitslosigkeit und soziale Kämpfe zu. Der Kohlenstreik im Vormonat wurde neben anderen Ursachen auch durch die Be- hauptung der Unternehmer veranlaßt, daß sie durch die Ent» wertung der deutschen Valuta sehr geschädigt sind und infolge- dessen die Arbeiterlähne herabsetzen müssen. Die Tschechoslowakei war der erste Staat, der Oester- reich die helfende Hand reichte. Aus der jetzigen englischen Anleihe erhält Oesterreich von der Tschechoslowakei eine halbe Milliarde tschechischer Kronen. Dieser Kredit wird voraus- sichtlich die Staaten der Großen Entente dazu führen, das Rettungswerk für Oesterreich endlich doch in Anqrisf zu nehmen. Die Tschechoslowakei hat ungemein viel Berührungs- punkte mit Oesterreich, und Wien ist eine Ourchgangsstadt für die tschechoslowakische Industrie, deren Erport speziell nach �em Südosten noch immer über Oesterreich gebt. Wenn die Entwertung der österreichischen Krone noch fortschreiten sollte, wäre ein wirtschaftlicher und politischer Zusammenbruch Oesterreichs unvermeidlich, was anfangs völlige Anarchie und hernach eine mehr oder minder monarchistische Reaktion zur Folge hätte, durch welche Eventualitäten die Interessen der tschechoslowakischen Republik sehr bedroht wären. Die Kleine Entente, die als Vollwerk gegen die Rückkehr der Habsburger und einen Angriff seitens Magnariens gegründet wurde, verfolgt nur defensive Zwecke. Die Tschecho- Kvwakei und Jngoslawien sind in ihren Bestrebungen einig. Das Band mit Rumänien ist zwar noch locker, festigt sich aber allmählich. Mit Oesterreich verbindet die Tschechoslowakei der bekonnte Vertrag van Lana. M i t P o l e n wurde zwar keine politische Konvention abgeschlossen, da es immer genug Streit- fragen gibt, welche geregelt werden müssen(jetzt z B. die Frage der Abtretung der strategisch wichtigen Jaworzina an Polen), das Verhältnis bat sich jedoch seit der' Lösung der Teschener Frage sehr gebessert. Auch dürfte es bald zum Ab- schluß eines Wirtschaftsvertrages mit Polen kommen. Prag wächst zum Mittelpunkt eines neuen Staatengebildes heran, welches das Schicksal Europas mitzubestimmen haben wird. Um nach austen hin gefestigt zu sein, wird die Kleine En- tenie trachten müssen, auch eine Konsolidierung der inneren Verhältnisse der einzelnen Staaten herbeizuführen. Die politische und wirtschaftliche Lage in Jugoslawien ist sehr traurig, der Zustand Rumäniens verzweifelt. Die Wirtschaft- liche Lage der Tschechoslowakei gleicht dagegen der der West- staaten. Die Tschechoslowakei brauchtdringend nationalen Frieden und ein ruhiges Znsammenleben der einzelnen Nationen� damit sich dann die wirtschaftliche Struktur des Staates, insoweit es äußere Einflüsse zulassen, festige. Auch hier vollzieht sich ein Wandel zum Besseren, da die jetzige Regierung daran geht, den nationalen Streit nach Möglichkeit zu beseitigen. Die Rückgabe des Ständetheaters, die Berufung der Deutschen in die Landesverwaltungskom- Missionen und andere Anzeichen der kommenden Annäherung fccr beiden Nationen Mehren sich> Es scheint daher fogaif, daß eine neue tschechisch-deutsche Regierungskoa- l i t i o n im E n t st e h e n begriffen ist, welche die jetzige Koalition aller tschechischen Parteien ablösen würde. Die bür- gerlichen Parteien in beiden Lagern suchen zwar einen natio- nalen Friedensschluß zu verhindern und die Gegensätze zu ver- schärfen, ihre Bemühungen werden jedoch hoffentlich ohne Er- folg bleiben, denn das Volk sehnt sich schon nach Ruhe. Die tschechoslowakische'Sozialdemokratie bemühte sich be- reits mehrmals, eine gemeinsame Kampffront mit der deut- schen Sozialdemokratie in der Tschechoslowakei zu bilden, die Gegensätze waren jedoch bisher leider zu groß. Außer der verschiedenen Stellungnahme zu den einzelnen Fragen schei- terten diese Versuche hauptsächlich daran, daß die deutsche So- zialdemokratie als Oppositionspartei viel freiere Hand hat, als die tschechische, welche in der Regierungskoalition vertreten ist. Es ist jedoch trotzdem anzunehmen, daß es bald zu einer A n- Näherung der d e u t s ch e n S o z i a l d e m o k r a t i e an die tschechische kommen wird, was auch bei der jetzi- gen Sachlage nicht nur wünschenswert, sogar auch dringend notwendig ist, denn nur so kann man dem bereits geeinigten tschechifch-deutschcn Kapitalismus, welcher sich immer dreister und ungestümer gebärdet, mit Erfolg entgegentreten. D i e deutschen Sozialdemokraten werden sich an der Regierung beteiligen müssen, falls sie nicht wünschen, daß an ihrer Stelle die deutschen Agrarier in die Regierung eintreten und diese dann den Kapitalismus noch stärken. Eine einheitliche proletarische Kampffront aller sozio- listischen Parteien der Tschechoslowakei muß ehestens geschaffen werden, sie allein kann die Offensive des Großkapitals ab- wehren. J schen Revolution von IsiMOtz und vom März 1917 waren. Die ; Berichte von zwei Spitzeln, die sich nach ihren eigenen Angaben als erste zur Ermordung Lenins, Sinowjews usw. angeboten haben und dadurch offenbar der„Roten Fahne" besonders glaubwürdig und sympathisch sind, genügen ihr, um die ganze Partei in unerhörtester Weise zu verdächtigen. Dabei macht sich besonders schön der Vorwurf, daß die Sozialrevo- lutionäre von Ludendorlf Geld angenommen hätten. Eine wirklich erstaunliche Leistung im Munde der Intimen von Lenin und Trotzki. die seinerzeit unter LudendorffsSchutzin plombierten v-Zug-Wagen durch Deutschland reisten, um die russische Revolution in das bolfche- wistische Chaos zu führen, und die sich zu diesem Zweck großer Geldmittel bedienten, die ohne Zweifel aus Kreisen des deut- schen Militarismus gespendet waren. Tiefer kann die Heuchelei nicht herabsinken. Wenn die Kommunisten zur Ermordung ihrer Opfer noch die gewissenlose Verleumdung und Ehrabschneide- r e i hinzufügen, so kann dies nur den Protest aller anständigen Sozialisten verdoppeln. Das russische Beispiel aber gibt auch für Deutschland eine Vorstellung, wie die„Einheitsfront des Proletariats" nach kommunistischen Wünschen aussieht. Schärfsre Sefteuerung öes ChaMpagners. Es ist roahr! Tre„Rote Fahne" bestätigt die beabsichtigte Hiumorduttg der Sozialrevolutionäre. Der Protest der sozialistischen Parteien gegen die beab- sichtigte Hinmordung der sozialreoolutionären Führer in Ruß- land hat die„Rote Fahne" in begreifliche Aufregung versetzt. Leugnen kann sie allerdings den Tatbestand nicht, sondern muß zugeben:" Es ist wahr. Das ganze Zentralkomitee und die anderen verantwortlichen Führer der Sozialrevolutionären Partei ■Autzlands sind v e r h a s t e t. Sie sind dem Obersten Revolutions- tribunal zur Aburteilung übergeben worden. Dafür benutzt das ehrenwerte Blatt eine ganze Seite, um die Sozialrevolutionäre mit dem zu verdächtigen, was sie in ihrem eigenen Jargon„Wsißmannsche Spitzelberichte" nennen wurde, nur daß es sich in diesem Spitzelberich't um die Tscheka handelt. Wenn sie über die ganze Seite fragt„Wer sind die Sozialreoolutionüre?", so mag eine solche Frage wohl nötig sein für ihre Leser, die erst seit 1918 etwas von Sozialismus geHort haben. Die seit Jahrzehnten organisierten deutschen �bciter. die klopfenden Herzens die russische Revolution von 190o/06 erlebten, und den Heldenkampf der Sozialrevolutio- nare gegen den Zarismus kennen, haben nicht nötig, sich über die Sozialrevolutionäre belehren zu lassen, und sie haben nur ein verächtliches Lachen, wenn die„Rote Fahne" auf ihre Frage die Antwort erteilt: Die Sozialrevolutionäre verdienen nicht nur nicht den Namen Sozialisten, sondern sind überhaupt keine politische Partei. Ein Häuflein gewissenloser Abenteurer, das sich mit jedem Weißgardisten und mit jedem g e m e i- nen Verbrecher verband, das im Kampfe mit der Somfet- regierung vor keiner Lüge und vor keiner Gemeinheit zurück- schreckte. Daß dies„Häuflein gewissenloser Abenteurer", das nach der Raten Fahne" überhaupt keine politische Partei sein soll, den Wahlen zur russischen Nationalversammlung im Jahre 1918 dieHälftesämtlichcrStimmen erhielt, braucht ein Leser der„Roten Fahne" nicht zu wissen. Ebensowenig, daß diese Sozialrevolutionäre, die sich„mit jedem Weiß- gardisten verbinden", die f ü h r e u d e Partei in der rufst- Die sozialdemokratische Rcichstagsfraktion beschloß, zwei Gesetzentwürfe zur schärferen Besteuerung des Schaum- meines einzubringen. Der � erste Cesegentwurf verlangt, daß die Steuer für edle Schaumweine von 12 auf 59 M. die Flasche erhöht wird und für die Beerenschaumwcine von 3 auf 19 M. Der zweite Gesetzentwurf verlangt, daß die Schaumweine unter die Weinsteuer fallen, so daß auf den Verkaufspreis noch 19 Proz. für Weinsteuer hinzukommen. Der finanzielle Mehrertrag dieser Steuer wird aus 5 9 9 bis 699 Millionen Mark geschätzt. nichts wissen wollen, sondern den Minister Doeliß anrufen, daß er die Radau- und Spektakelmacher wieder in Gnaden aufnehme. Dazu liegt nicht der geringste Anlaß vor. Die jungen Leute sind schon zu Haenischs Zeiten ein paarmal ver- wart und auf die Folgen ihres Treibens hingewiesen worden. Der Minister hat ssier zu zeigen, daß es eine Staats- autorität auch gegen rechts gibt. Neue Eisenbahnfahrpreise. LichterfeLöe. Verlin. 15 Zll.Lrz. MTB.) Die Preis welle, die zurzeit durch Deutschland geht, läßt auch die Reichsbahn nicht unberührt. Die starke Steigerung der Sohlenpreise und damit aller Material- preise wird nach den bisherigen Schätzungen allein die sächlichen kosten der Reichsbahn für das Rechnungsjahr 1322 um rund 1 Z Milliarden erhöhen. Die in Aussicht genommene Er- höhung der Echälter und Löhne und eine der höhe nach noch nicht feslslehende Vermehrung der persönlichen Kosten im Gefolge haben. Die Reichsbahn muh daher, wie jeder Wirtfchaflsbetrieb. dem- nächst zu Tariferhöhungen übergehen. Die Zahleizanzabcn, die in einem Berliner Abendblatt vom 14. März über die Höhe der der Reichsbahn im einzelnen er- wachsenden Ausgaben und über die Höhe der beabsichtigten Tarif- steigerung enthalten sind, sind nicht zutreffend. Sie beruhen nicht auf amtlicher Information. Die Angelegenheit befindet sich noch im Stadium der Vorbereitung. Bestimmte Beschlüsse konnten schon deshalb noch nicht gefaßt werden, weil die Beratungen über die Er- höhung der Arbeiterlöhne erst heute zu Ende gehen. Sobald dos Ergebnis der Beratungen bekannt ist, wird die Oefsentlichkcit um- gehend informiert werden. Die Rechtspresse erhebt über die Entlassung der Primaner an der ehemaligen Lichterseldcr Kadettenanstalt ein großes Geschrei und versucht mit tendenziös gefärbten Be- richten die Vorgänge als harmlos hinzustellen. Dabei e n t- hüllt sie aber wider Willen Dinge, die erst mit voller Deut- lichkeit zeigen, wie hier systematisch in politisch-reaktionärem Sinne gehetzt und gearbeitet wurde. So erfährt man aus dem„Lokalanzeiger", daß außer der nationalistischen Feier am 18. Januar auch eine Kaiser- g e b u r t s t a g f e i e r am 27. Januar veranstaltet wurde. Und zwar fand diese Feier im Heim einer Hausdame v. Schwanewede statt, die wegen dieser Sache gekündigt worden ist. Der„Lokalanzeiger" will sich freilich die mehr als pennälerhafte Ausrede aneignen, daß es sich nicht um die Ee- burtstagfeier für den Kaiser, sondern für einen Primaner gehandelt hätte, der am selben Tage Geburtstag hatte! Die Ausrede scheint aber dem Blatt selbst zu dumm zu sein, denn drei Zeilen später erwähnt es, daß aus der Feier„H e i l D i r! im Siegertran z" gesungen und im Anschluß daran ein Hoch auf das Geburtstagskind ausgebracht wurde. Daß ein Primaner mit„Heil Dir im. Siegsrkranz" gefeiert wurde, ist uns bisher noch nicht vorgekommen. Wegen der Entlassung der Frau v. Schwanewede kam es nun zu einer förmlichen Rebellion gegen eine andere Haus- dame, die für linksgerichtet gehalten wurde, wobei selbst nach den Berichten des deutschnationalen„Tag" sich„üble Szenen" abgespielt haben. Die Dame wurde von den ehemaligen Kadetten mit dem„Kadettentllsch"„Raus-Rusen", unflätigen tT..'..... r... f-,.. T.« L f* /*»*,"Ta»A /A r �. S*!. mm*. v. Kaehne erhält Schutz ... denn er fühlt sich bedroht. Der Schloßbesitzer vcn Petzow, Herr o. Kaehne. hat. wie die Korrespondenz B. S. meldet,— unter dem Hinweis, daß er und feine Familie sich nach Abgabe sämtlicher Schuhwaffen bedroht suhle, die zuständigen Behörden ersucht, für den nötigen polizeilichen Schutz im Petzowcr Revier, das bisher zu dem Bereich des Landjägerpostens in Glindow gehörte, Sorge zu tragen. Da sowohl der Landrot von Zauch-Belzig wie auch der Amtsvorsteher von Petzow dieses Gesuch Kachnes befürworret haben, und da ferner zu berücksichtigen war, daß auch alle Petzower Eutsangestcllten ihre Waisen abgegeben haben, hat der Regierungspräsident in Potsdam der Errichtung eines besonderen Landjägerpostens in Petzow zugestimmt. Es ist doch sehr auffällig, daß die gleichen Behörden um den Schutz des Herrn v. Kaehne sofort sorgfältig bemüht sind, die jähre- lang nichts getan haben, um die w i r k l i ch b e d r o h t e B e v ö l k c- rung gegen die Schießhelden auf Schloß Petzow zu schützen! Monarchisten-Elöoraöo Sapern. Der ungarische Legitimistenführer L e h a r, der bekannllich wegen seiner Teilnahme am letzten K a r l- P u t s ch in Ungarrr steckbrieflich verfolgt wird, hält sich, wie die„llng. Korr. aus absolut zuverlässiger Quelle erfährt, zusammen � mit seinem Adiutanten Oswald seit geraumer Zeit in einem kleinen£>rte Bayerns auf. Er wird dort von den Behörden geduldet und ist vollkommen unbewacht und unkontrolliert, obwohl man seinen Namen kennt und obwohl er ohne Paß die bayerische Grenze bei Mähring heimlich überschritten hat. Schimpjworten usw. beebrt, bei Tisch verließen die jungen, "--- � f �--! Leute in ehrverletzender Art die Tafel, an der die Dame sah. zu dem eingestandenen Zweck, nicht mit ihr an eine m Tisch zu sitzey. Das sind nur ein paar Ausschnitte aus dem nationa- listischen Treiben. Es ist sehr bezeichnend, daß dieselben Blätter, deren zweites Wort die„W iederherstellunq der Staats- autorität" ist, in diesem Fall von der Staatsautorität gar Hitlers Revision verworfen. Das Reichsgericht hat die Revision des früheren Gerichtsasiessors und Oberleutnants Hans ch i l I e r, der am 18. Dezember 1921 vom Schwurgericht beim Landgericht I Berlin wegen Mißhandlung des verstorbenen Füsiliers chelmyake zu K Msnatcu Festungshast verurteilt worden war. verworfen. — Herr Hiller ist für seine barbarisch: Menschenquälerec immer noch mehr als billig davongekommen. Selbst das Oberkchegsgerichc hatte gegen ihn auf eine Gefängnisstrafe von 2 Iahren er- kann». Es bedurfte erst ziviler Richter mit ihrem Untertan. gsi ersterbenden Respekt, was Uniform trägt oder je getragen hat, unr in der Mißhandlung eines Sterbenden eine achtbare muitartzche Schucidigkeit zu sehen. Der Fall Hiller-H-lmhak- wird, obwohl er keine gerichtliche Sühne gefunden hat, für alle Zeiten em ch a n d- mal des alten Heeres bleiben. Srik ftißt Ensrgs-Piüen. Bon Tobias Pemberlein. CFirtf Ehamembert gibt eins Zeitschrift heraus, übrigens eine häufige Angewohnheit junger Leute. Als ich ihn gestern besuchte, glupschte er traurig vor sich hin. „Eirik," sagte ich,„ermanne dich!" Er� ermannte sich aber nicht.„Rede," fuhr ich fort,„was ist los? Steuern? Liebe?" Er schüitc'te das melancholifch-edle Haupt und ich erfuhr üingfam, aber sicher, daß einer einen Artikel über ihn geschrieben hatte, den er als gehässig emafand. Ich ließ mir den Artikel zeigen und muß sagen, daß er allerdings ein starkes Stück war. Bor allem wurde in dem Machwerk behauptet, Eirik trage den Scheitel auf der falschen Seite, für einen Mann wie Eirik, der so viel auf sich hält, ein schwerer Schlag in das Kontor. „Du mußt zu dem Kerl hingehen," sagte ich,„der dir das an- getan hat und ihn hinler die Ohren schlagen." Eirik sah mich hilflos an.„Jawohl," hetzte ich weiter,„du mußt ihm Saures geben, damit er für alle Zeiten weiß, daß mit dir nicht gut Kirschen essen ist." „Ach nein," meinte Eirik,„das kann ich nicht, wirklich nicht..." „Warum denn nicht? Bist du feig?" „Das— das verstehst du nicht!" „Was heißt das nun wieder! Bange bist du, mein Junge, und läßt dir ungestraft Dinge sagen, die einen Fidschi-Jnsulane? aus der Haut jagen würden." «Ich bin nicht bange, Tobias, aber ich— ich habe keine Energie. Sie ist weg, dahin. Ich kenne mich selbst nicht mehr. Wenn du mich einen Hund oder einen Iltis nennst, so sitze ich hier und kann nichts dagegen machen. Ich bin schlapper als schlapp. Der Strom ist alle." „Donnerwetter," meinte ich,„das ist ja ein bedenklicher Fall. Was machen wir denn da?" Dann aber wußte ick? Rat. Ich ging in die Apotheke und holte Dr. Bumtollers„Energo-Pillen", die, wie mir das Fräulein an der Lademasse versicherte, in der izauvllache aus Schnupftabak, Elektronen, Schießpulver und Rizinusöl bestehen. Eirik nahm und aß. Einige erwartungsvolle Sekunden ver- strichen. Dann ging es los. Der Teufel hole Dr. Bumtoller! Eirik fletschte die ihm zur Berfügung stehenden Zähne und schrie: „Tobias, reich' mir die Joumalje!" Er meinte den Artikelschreiber. Weil ich den nicht bei der Hand hatte, riß er eine Axt aus dem Vertiko und türmte. Ich hinterher. Am Markte trat ihm ein Schutzmann entgegen. Eirik hatte ihn im Bruchteil einer Sekunde zermanscht. Die Tür zur Wohnung des verhaßten Knaben zerschmetterte er mit der Axt. Im Flur aber sagte er:„Tobias, wo hast du die Pillen?" „Die sind zu Haufe auf deinem Schreibtisch.. „Ich bin schon wieder schlapp.. Da kam der Inhaber der Wohnung. Er hatte das mit den Pillen gebärt. „Herr," sagte ich,„Sie sind ein selten dämlicher Hund..." Er lächelte.(Was hatte er für einen gemeinen Spitzbart!) „D. b. d. d. h. k. P.l," sagte er sonst. Eirik glotzte nur melancholisch. „Was heißt das?" schrie ich. „Das wissen Sie nicht? Ich will es Ihnen verraten: Doof bleibt doof, da helfen keine Pillen!" Ob der Mann recht hat? Die alle Bauakademie in Gesohri Gerade in diesen Tagen, die wieder einmal dem Andenken Schinkels gewidmet sind, geht aus einer Antwort des Finanzministcrs über die Vermietung der alten Bauakademie am Werderschen Markt erneut die große Gefahr her- vor, in der sich Berlins bau künstlerische Denkmäler gegenüber dem Erweiterungsbestreben der Banken und Eeschästshäuser befinden. Es sei nur daran erinnert, daß im vorigen Jahre die Tiskontogesell- schaft Unter den Linden das hübsche keine„Holländische Palais" zur Erweiterung ihrer Geschästsräume„mieten" wollte und daß es nur dem Sturm aller Kunstircunde zu verdanken war. wenn aus diesem Plan nichts geworden ist. Die Ausstellung der Akademie der Künste „Alt- und Neu-Berlin zeigt den Berlinern von heute, eine wie herrliche Galerie von echtderlinischen Baudenkmälern der ganze Straßenzug Unter den Linden darstellen würde, wenn wir in der Rsichshauptstadt so etwas wie eine Tradition und Ehrfurckt vor den großen Denkmälern der Derganyenheit hätten. Diesem Mangel an geschichtlichem Empfinden darf'Schinkels alte Bauakademie, diese klassische Backstein- und Terrakotiaschöpfung, nicht zum Opfer fallen. Schon jetzt ist der schöne Bau. wenn auch nur zu einem kleinen Teil, entstellt: an der Ostseite ist über dem Kellercingang dos große Schild einer Gefchästsfirma in dem üblichen häßlichen Schwarz mit Goldbuchstaben angebracht, das zu dem Schinkelbau paßt wie die Faust aufs Auge.'Gegen dieses Schild muß Einspruch erhoben und verlangt werden, daß es so rasch wie möglich entfernt werde. Schon dies kleine Zeichen einer„Verncschüitlichuna" der alten Bauakademie beweist, wohin es mit diesem Schinkebbau kommen würde, wenn eine Großbank ihren Einzug in ihn hielte. Erhöhung der Bibliokheksgebühcen. Bei der Erneuerung der Bibliothekskarten zum 1. April erwartet die Benutzer der prcuhi- scheu Staatsbibliotheken eine Erhöhung der Leihgebühren. Sie be- tragen jetzt 29 M.(vor einem Jahre 5 M.) für das Halbjahr, 69 M. bei Ausländern mit Ausnahme der Oesterrcicher und der ehemaligen Reichsanaehörigen deutscher Rationalität. Auch die Benutzung der Lesesäle ist nicht mehr aebührenfrei: die Monatskarte tostet 2 M., die Haibjahreskarte S M. Beim Auskunstsbureau der deutschen Bibliotheken ist die Gebühr für den Buchtitel jetzt statt 19 Pfennig 1 M. Max Poensgen-Alberkq gestorben. In der Nacht zum Mittwoch starb in K i e l der Intendant des Städtischen Theaters Genosse Max Poensgen-Aldertn plötzlich an den Folgen einer Herzschwäche. Alberty, der ein Llcer von 47 Jahren erreichte, ist in Düsseldorf ae- boren. Er entstammte einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie. Nachdem er den akademischen Beruf mit dem künstlerischen vertauscht hatte, begann er seine Laufbahn vor 25 Jahren in Lübeck, von dort ging er nach Graz, später noch Frankfurt o. M., Prag und xresden. In Dresden wurde er Nacbsolger des Direktors Eduard Lichow. Von dort aus wurde er als Leiter der städtischen Bühne nach Kiel berufen. Genosse Alberty war eine außerordentlich intensive Ar- bei'skraft. Er hat das Kieler Theater aus einem geschäftlichen in ein künstlerilches umgewandelt. Seine Tätigkeit als Theatertrilikcr der„Dresdener V o l k s z e i t u n g" und als Wanderlehrer des Arbeitcrbildungsausschusses ist bckanr. handgreifliche kieuschhnk. Bei der Aufführung einer komischen Revue in Verona erregte kürzlich ein Schauspieler das Mißver- gnügen einiger Zuschauer durch eine Bemerkung, die sie unsütlich fanden. Während man sich aber in solchen Fällen in Ländern von kühlerer Gemutsar: damit begnügt, den Hausschlüssel in Aktion zu setzen oder im Notsall den Brunner anzurufen, stürzten die Söhne Italiens auf die Bühne, warfen die Kulissen durcheinander und verfolgten die fliehenden Schauspieler. Während auch das Publikum entsetzt da? Weite suchte, entspann sich, da eine Anzahl von Personen aus dem Zuschauerraum Partei für die Bühnenkünstler ergriff, in dem Thco.t»'r eine solenne Keilerei, die bedenkliche Formen annahm und erst ihr Ende erreichte, als die Polizei erschien und Gerechte wie Ungerechte zur Wach« schleppte. Thermosflaschen auf Schienen. Auf Rädern gehende Thermas- flaschen, die so groß wie Eisenbahnwagen sind, bilden die neueste Art, auf die in Amerika Milch befördert wird. Diese Flaschen um- fassen jede 12 999 Liter, und die Temperatur der darin aufbewahrten Milch fallt in acht Stunden höchstens um 11- Grad. Diese Milchtanks, die auf Schienen innerhalb der Eisenbahnzüge befördert werden, ver- kehren zwischen West- Farmington in Ohio und Pittsburg. Sie wer« den mit größten Sorgfalt gefüllt und nach der Entleerung desinfiziert. Man spart durch die Beförderung in solchen Riesengcsäßen sehr viel Milch, die bei dem Füllen in kleinere Kannen verloren geht. Auch kie Erhaltung der Milch ,m besten Zustand wird dadurch gefördert und überhaupt die hygienische Behandlung erleichtert. Die Thoina-?lnsitellu!ig In der N a t I o n a l g ai e ri e Ist um zwei erlesene Schöpfungen dc-Z McisterZ bereichert worden: Em Gockcl-Bild von t 363, aus leinen Lehrjahren, als er, wie tS in seinen Erinnerungen bciyt, im Begriffe stand, einrn Namen als.Hübnermaler' zu bekommen, und eine Schwarzwaldlandlchast aus dem Jahre 1900. Von dem Katalog der Ausstellung ist eine kleinere Ausgabe, ohne die Einleitunzen und Ab- bildungen. I ü r ö M a r k hergestellt worden. In der„Tristan und Jsoldc-'.Auffiihrung. die die Große V o IkS o p c r am kommenden Sonntag nachm. 2 Uhr im Tbeatcr de» Westen» gibt, singen Fritz Voaelslrom(LandeSlheoter Dresden! und Melanie Kurl(Staatsopers die Tilelparlien. Spielleitung: Franz Ludwig Ho'th(Slaalsoper). musUatische Leitung: Anton Hotz(von der Melio- politan-Oper, New Dort). Trutichland aus der Kunftansstrllung in Beuedig. Auf der drei' zebnten Internationalen Kunstausstellung Bencdtgs, die Ende April er* öffnet wird, erscheint Drulilbkand wieder in seinem allen Pavillon. Wie im.Cicerone' mitgeteilt wiid, werden an hervorragenden Künstlern Max Licbcimann, Sienogt, Corintb und Kakoichka vertreten lein; eine SonderauslleUuna dielet Egger-Lienz, und außerdem wird eine Ausslelluug von Werken Böcktins beabsichtigt. .. a.■ J �Zttch Cachm gäbt 50. ? a N«. 15. Mü-i.(X5XB.) Der aus ITiOsTcu zvrückgefehrke Allhrec der französischen Sommunisien, Abgeordneter ZI7arccl C a ch i n. gibt heute in der„£j u m a n i t e" zu, dich die Sowsetregie- rur.g die fran-ösischcn üemmunisten ausgesordcrt habe, bei Psincare anzufragen, ob feine Regierung bereit fei. endlich die Beziehungen zu Sowjctrußland aufzunehmen. Es fei verlang! worden, dcch die französische Antwort dem Vertreter der Sowjelmifsion in Berlin übermittelt werde. Paris, 15. Blärz.(EiXB.) Gestern hat der Abgeordnete Ehrlich(Ralienaler Block) eine Interpellation eingebracht, durch die er Auskunsl verlangt über die Art der Verhandlungen, die durch Vermiltlung der französischen Komunistischen Partei Poincarö mit der Sowzetregiernng gepslogen haben soll. » Tuch die„Note Fohnc" gesteht die Tatsache einer Unter- redung zwischen einem Mitarbeiter Cachins und PoincarH im Austrage SRadefs ein. Wir lassen es dahingestellt, ab diese Fühlungnahme wirklich nur durch einen Mittelsmann erfolgte: das wäre auch an sich belanglos. Wir möchten nur bemerken, daß das Pariser Telegramm des„Manchester Guardian", in dem vor etwa zehn Tagen diese Dinge zum ersten Male zur Sprache gebracht wurden, von einem direkten Schritt Cachins bei Poincarö erzählte, bei dem es Poincarö gelungen wäre. Cachin davon zu überzeugen, daß die Anklagen der „humanitH" gegen ihn in bezug auf seine Mitschuld am Kriegs- ausbrach unberechtigt wären. Diese Version ist keineswegs unwahrscheinlich, denn die erste Zusammenkunft zwischen Nadel und Cachin erfolgte in Berlin Cnde Januar und Cachin fuhr damals, unmittelbar vor Ausbruch des deutschen Eisen- bahnerstreiks, nach Paris zurück. Cr hat sich erst später— Ende Februar— wieder nach Moskau zu der Sitzung der erweiterten Exekutive begeben und hat sich dort noch ein z w e i- t e s Mal mit Radek getroffen. Die nunmehr auch von den Kommunisten zugegebene Aktion durch einen Mittelsmann (Paul Louis) scheint danach die zweite dieser Art zu sein bzw. die Fortsetzung der ersten. Die„Note Fahne" versucht nun in langen und gewunde- neu Ausführungen, die an sich höchst eigenartige Tatsache der Demarche Radeks bei Poincarfi zu rechtfertigen. Vorerst aber glaubt sie, mit einem Satze einen Anklogepnntt erledigen zu können, der nach unserer Auffassung entscheidend ist: nämlich die Behauptung, daß die„jzumanitö" im Zusammen- hang mit dieser Aktion ihre Angriffe auf Paincarö eingestellt hat. Sie schreibt lediglich dazu:• „Diese Behauptung ist nunmehr(?) als falsch und ten- denziös erwiesen.(?!) Mit keinem Worte war in der Aus- spräche von Fragen des Klassenkampfes innerhalb Frank- reichs die Rede. Mit keinem Worte wurden irgendwelche Zusicherungen gegeben oder irgendwelche Folgerungen gezogen." Dieses„nunmehr erwiesen" ist köstlich! Wodurch„erwiesen."? Etwa durch das erste Dementi Frossards in der „fjumanit6", dessen Vrelcgenheit zwei Tage später aus dem Geständnis desselben Frossard klar hervorging. Oder meint die„Note Fahne" wstklich daß es noch einen Menschen in Deutschland, selbst in den Reihen der KPD. gibt, dem das bloß: Wort eines kommunistischen Blattes genügt? Erwiesen ist vielmehr, daß die Angriffe auf Poincar6 im Monat Februar tatsächlich eingestellt wurden. Diese Tatsache ist nicht mehr aus der Welt zu schaffen und als Beweisstücke dafür dienen etwa vierzig Nummern der „5V.'manit(?", die zwischen dem 1. Februar und dem 10. März erschienen stnd. Auch wenn die nunmehr entlarvte„chumanit<;", um ihr Manöver zu vertuschen, ihren Fcldzug gegen den Ministerpräsidenten mit Erlaubnis von Radek jetzt wieder auf- nehmen sollte, steht das Faktum ihres„Burgfriedens" mit Voincar6-la-Gi:erre in der Zeit dieser aufgedeckten„Aktion" doch fest. Was für jämmerliche Argumente die„Rote Fahne" ins Feld führt, um diele Aktion zu rechtfertigen, mag man aus folgender Stelle ihres Artikels ersehen: „So stlbstve, ständlich es ist, daß die Kommunisten im beut- schon Parlament zu Radbruch oder zum preußischen Justizminister gehen, um die F r c i l 2 s s u n q d e r p o l i t i s ch e n G e f a n q e n e n vom ihm zu verlangen, so klar ist es, daß die französischen Kommunisten im Parlament von. ihrer Regierung eine unzwei- dentige Stellunanahme zu Sowjetrußland fordern. Durch die Erklärung in der.chumanitd" ist dieser Schritt offen vor den Augen der Arbeiterschaft klargestellt. Nur Gegner des Proletariats und Feinde Sowjetrußlands können hieraus Agitationsstosi zu einer Derleumdungskampogne finden." Die Geschmacklosigkeit dieses Vergleiches zwischen einem sozialdemokratischen Minister einer Regierung, die vierfünftcl der deutschen Arbeiterschaft in den großen politischen Fragen hinter sich Hot, und dem Herrn Poincarö, der in der ganzen zivilisierten Welt und vor allem in Frankreich selbst(siehe die Rummern der„Humanit«?" in der zweiten Fanuarhälfte!) zum Symbol der arbeiterfeindlichen, nationalistischen Reaktion geworden ist, spricht von einem besonderen moralischen T i e l it a n d. Wenn aber ein kommunistischer Führer oder sein Mittelsmann zum Genossen Radbruch oder zu einem anderen sozialdemokratischen Minister gehen und ihm Forde- rungen unterbreiten würde mit dein Versprechen, bei etwaiger Erfüllung die Angriffe gegen ihn einzustellen, so würde er in weitem Bogen zur Tür hinausfliegenl Aber weder Cachin, der einstige Kriegsreisende der französischen Regierung, noch Paul Louis, der einstige Auslandsredakteur des clemen- cistiichen. Petit Pannen" sind aus Poincarös und Millerands Arbeitszimmern hinausgeworfen worden. Uni» die Angriffe gegen sie sind auch eingestellt worden! Krifen!öftmg in Gefterreich. Wien. 15. Mörz.(Eigener Drahtbericht.) Die Regierungskrise scheint so gelöst zu werden, daß sie einfach links liegen gelassen wird und die Regierung Schober weither besteht, allerdings ohne eine wirklich tragfähige Mehrheit. Die Großdeutschen, die trotz ihrer Kleinheit den Sturz der Regierung betrieben, haben in einer Sitzung mit Befremden zur Kenntnis genommen, daß sich ausländische Einflüsse auf die Bildung der Regierung gel- tcnd machen: sie seien aus diesem Grunde nicht in der Lage, sich mit den Vorschlägen weiter zu besaßen, die unter dieser Einwirkung der Regierung gemacht worden seien. Die ausländischen Einflüsse sind— der englische Kontrolleur P o u n g, der das Berbleiben Schobers oerlangt haben soll. Die ihm zugeschriebene Erklärung, daß von dem eng- lischen Kredit nichts ausgezahlt würde, bevor nicht die Parteien sich auf ein gründliches Reformprogramm geeinigt hätten, hat Joung entschieden dementiert. i Em Kehle?. Der Herausgeber des extrem-nationalistischen„Pepolo d'Itcilia" und Führer der Fajcistcnbewegung Mussolini, der in Berlin weilt, ist, wie er seinem Blatte berichtet, vom Außenminister Dr. Rathenau zu eincr längeren Unterredung empfangen worden. Wir denken keineswegs engherzig über die Pflichten eines Außen- Ministers und wissen, daß es manchmal schwer ist, Unterredungen mit bekannten Ausländern abzulehnen, zumal sie meist mit Emp- fchlungen ihrer Regierungen oder diplomatischer Vertreter versehen sind. Dennoch halten wir es für einen Fehler des Außen- iwnisters, daß er diesen Mann empfangen hat, der, abgesehen da- von, daß er vier Jahre lang der Kriegshetzer Italiens. war, jetzt der Führer einer Bewegung ist, die Hunderten von italienischen Sozialisten das Leben gekostet hat und die Ermordung von Ar- bcitern, das Anzünden von Gewerkschastshäusern usw. nach wie vor betreibt. Wir glauben, dag Dr. Rathenau bei einer nachträglichen Betrachtung dieser Dinge einsehen wird, daß er als Mitglied einer Regierung und als Führer einer Politik, die sich in erster Linie auf das Vertrauen der deutschen Arbeiterschaft stützen, einen Kon- takt mit dem Todfeind des italienischen Proletariats nicht haben durfte, dessen Sympathien für das deutsche Volk tausend- mal wichtiger und nützlicher sind als der lobende Artikel, den Mussolini im„Pepolo d'Jtalia" Rathenau gewidmet hat. hausfrausnssrgen. Die rapide Preissteigerung der letzten Wochen geht immer mehr in ein Galopptcmpo über. Der Preis ist dem Lohn bereits um ganze Runden voraus, und die Leidtragenden sind vor allem die Haus- stauen, die die Strcckmethode des Wochcnbudgsts jetzt kaum mehr auf auskömmliche Mahlzeiten ausdehnen können. Sie sind am Ende ihrer Kraft., Gemüse, außer teuren Steck- und Mohrrüben zweifelhafter Güte, ist nirgends mehr aufzutreiben. Blumenkohl ist in ganz gc- ringen Mengen am Markt, aber fast unerschwinglich. Spinat lastete heute 8 M. das Pfund und verschwindet schnell, obwohl diese Ware sehr viel zu wünschen übrig läßt. Gehocktes Rindfleisch ist kaum noch unter 30 M. und gehocktes Schweinefleisch nur noch für 40 M. das Pfund zu haben. Eisbeine, die früher 25 Pf. das Pfund kosteten, sind heute nur noch für 25 M. das Pfund zu erstehen. Anderes Fleisch, Wurst und Schinken sind noch wesentlich teurer. Sauer- kraut, früher 5 und 7 st' Pf. das Pfund, hat einen Preis von 2 bis 3 M. erreicht. Dementsprechend sind auch die Preise sür alle Hülsen- früchte gestiegen. Um den Zucker reißt man sich bei einem Preise von g— 10 M. Kartoffeln sind noch immer unsichtbar. Man kann 250 M. bieten und erhält vielleicht— Schweinekortasfeln oder an- gefrorene, kaum genießbare. Eier sind wieder im Preise gestiegen, und zwar auf 3,20—3,50 M. das Stück. Jetzt wird auf das Frühjahr gehofft und auf das neue Wachsen in der Natur. Eine Hoffnung, aber eine kärgliche. Wohin mit öor Steucrkarte! Zum Zweck der St-ucrmorkcnbcrechnung haben die Bezirke bekanntlich aujgcssrdert, die Eteuermarke» für 1921 abzuiiestrn. Aus allen Etadtteiten gehen uns lebhafte Klagen darüber zu, daß das Publikum stundenlang aus Abfertigung warten muß. Obwohl einzelne Bezirke die Steuerkarlen in eigens dazu bereitgestellten Räumen entgegennehmen, scheint zurzeit gänzlich cuszeschlossen, daß mit Ablauf des Monats olle Lohn- und Gehalts- empsönger ihre Korten abliefern können. Was machen aber die- jenigen, die erst gegen 5 oder noch später nach Hause kommen und jeden Weg ollern besorgen müssen? Sie können wochenlang vergab- lich auf Äbfertiaung warten, weil Hunderte vor ihnen da sind. Es gibt nur zwei Wege: Entweder wird die Frist zur Ablieferung ver- längert, oder man sorgt für eine flottere Handhabung bei Abjerti- gung des Publikums. Uns ist bekannt, daß z. B. in Neukölln ein einziger Beamter einen Steuerbczirk bear- b e i t e t. Haltlose Zustände bestehen auch bei den Steuerzahlstellen, wo die Steuerrückzahlungen stattfinden. Auch dort stundenlanges Warten. Da die Acmtcr von vornherein genau wußten, welche An- zahl von Steuerzahlern für sie in Betracht kommt, so ist es unerfindlich, weshalb in dieser primitivsten Organisationsfrage nicht recht- zeitig ausreichende Vorkehrungen zur" raschesten Abfertigung der Steuerzahler getroffen worden sind. Die notieiöenöe Straßenbahn. Das i>is Maierial- und Skromoerteuerung ausmacht. Die dringlichen Magistratsoorlagen über die neue Erhöhung der Tarife für Gas, Elektrizität, Wasser und Straßenbahn sind der Stadtverordnetenversammlung zugegangen. Ausführlicher be> gründet der Magistrat seinen Antrag, den Preis der Straßen- Kahnfahrt von 2 aus 3 M. zu erhöhen. Die vom Magistrat gegebene Ausstellung zeigt, mit welchen An- teilen die Lohnerhöhungen und mit welchen die Material- und Stromoerteuerng an den Mehrkosten der Straßenbahn beteiligt sind. Die Lohnerhöhungen nach dem Schiedsspruch vom 7. Marz, dem die Stadtverordneten erst noch zustimmen sollen, be- losten die Straßenbahn sür Februar und Marz mit 15 820 000 M., für das neue Rechnungsjahr April 1922 bis Mörz 1923 mit 96 720 000 M., zusammen mit 112 510 000 M. Außerdem bleibt aus dem jetzt zu Ende gehenden Rechnungsjahr April 1921 und Marz 1922 nach ein bedeuiender Fehlbetrag, der natürlich nicht nur auf Löhne zurückzuführen ist. Die Erhöhung des Fahrpreises am 1. Dezember auf 1,50 M. und am 4. Februar auf 2 M. konnte nur teilweise die Mehrausgaben decken, die infolge der sprunghaften Markentwertung und der allge- meinen Steigerung der Materialpreise und Löhne unerwartet entstanden. Vom 1. Dezember ab stellten sich die Mehr- ausgaben auf 145 Millionen, bis Cnde März wird ihnen ober vor- aussichtlich nur eine Mehrcinnahme von 67 Millionen durch Fahr- Preiserhöhung gegenüberstehen, so daß 7 8 Millionen u n g e- deckt bleiben. Wegen weiterer Steigerung der Laustofspreise und der Löhne und wegen der Verzögerung in der Genehmigung der letzten Deckungsvorlage wird befürchtet, daß der Fchlbctrag bis Ende März sogar auf annähernd 100 Millionen anschwillt. Doch dürfte infolge der günstigen wirtschaftlichen Arbeitsentwicklung der Straßenbahn der Betriebsverlust im endgültigen Rechnungsabschluß wesentlich geringer sein. Die Steigerung der Preise wich- tiger Baustoffe beträgt sür die kurze Zeit vom Dezember bis Mörz schon wieder durchschnittlich 60 Prozent. Für das neue Geschäftsjahr April 1922 bis März 1923 werden gegenüber dem einst- weilen erst im Entwurf aufzestellren Haushalivlan, der den Stadt» verordneten noch gar nicht vorgelegt ist, folgcnoe VI ehrausgaben entstehen: Löhne 94 Millionen, Gehälter 9,5 Millionen, Material 72 Millionen, Strom 55 Millionen, Bcrkehrssteucr 16 Millionen, sonstige Unkosten 10 Millionen, zusammen 256,5 Millionen. Hier j beträgt das Mehr an Löhnen und Gehältern zusammen 1 0 3,5 Millionen gegenüber einem Mehr von zusammen 127 Millionen für Mareria! und Strom. Die durch Verkchrsumstellungen erreichte Steigerung der Wirtschaftlichkeit wird Ersparnisse von 60 Millionen(ringen, von denen ober 25 Millionen schon in dem Haushaltplan berücksichtigt sind, so daß nur noch 35 Millionen Ersparnisse bleiben und die Mehrausgaben sich von 256,5 nur auf 221 5 Millionen ermäßigen. An Mehreinnahmen werden aus der Fahrpreiserhöhung auf 3 M. unter Berücksichtigung > der Abwanderung von vermutlich 16 Proz. der Fahrgäste 276,4 Mil- fionen erwartet. Das geht über die obigen Mehrausgaben um rund 55 Millionen hinaus, aber dieser„Ueberschuß" reicht nicht im ent- ferntesten aus zu der unbedingt notwendigen Erneue- rung der Gleise und Wagen. Hierzu fordert der Haushalt- plan für das neue Geschäftsjahr noch 264,5 Millionen, aber die nötigen Mittel können vcrlaufig nicht zur Verfügung gestellt werden. Um dem drohenden Verfall varzubeugen und d i e Betriebssicherheit nicht zu gefährden, sollen mit den 55 Millionen wenigstens die o. l I e r d r i n g e n d st e n Arbeiten ausgeführt werden. Die Fahrpreiserhöhung auf 3 M. wird also wieder noch nicht ermöglichen, bei der Straßenbahn die Schäden gutzumachen, die in der Kriegszeit unter der Herrschaft des Prioatkapitals durch Verwahrlosung herbei- geführt worden sind.' Lcichcnteilfund im Ttöftenscc. Der Fund eines menschlichen Beines, der gestern abend in der Nähe des Freibades Stößensee gemacht wurde, wird aus Spandau gemeldet. Es handelt sich um das Bein eines Mannes, das cm Gesäß abgetrennt worden ist. Ober- und Unterschenkel und Fuß sind vollständig vorhanden. Am Bein be- fanden sich noch ein grauer Strümps und ein schwarzer Schnürschuh. Der Fund wurde beschlagnahmt, mit seiner Aul- klärung Kriminalkommissar Dr. Ricmann vom Berliner Polizei- Präsidium beaustragt._ Eine halbe Sfiiüion Lohnzelöer unterschlagen. Ein aufgespürter Schlupfwinkel in der Diefsenbachstrajze. Mi! eincr halben Million Mark war der Schichtmeister Roman Baron durchgebrannt, der auf einer Grube bei Beuthen angestellt war. Gestern gelang es der Berliner Kriminalpolizei, de» Dielgefuchten festzunehmen. Die Babnhossstreise war ihm auf die Spur gekommen. Baron eignete sich Mitte November v. I. zusammen mit einem gewissen Stamke, mit dem er aus der. Blei- scharleygrube bei Beuthen beschäftigt war, eine halbe Million Lohn gelber ap und beide verschwanden damit. Stamke, der in Berlin Bescheid wußte und Verbindungen hatte, brachte den Schichtmeister hier unter und fuhr dann nach Oberschlesien zurück. Die Kriminalpolizei erfuhr von seiner Rückkehr, spürte ihn auch in Beuthen auf und veranlaßtc dort schon vor längerer Zeit seine Fest- nähme. Baron aber blieb seitdem spurlos verschwunden. Wie jetzt festgestellt werden konnte, hatte er sich einwandfreie Papiere auf den Namen Blaczek verschafft. Unter diesem Namen wohnte er zu- nächst in der E ch i v e l b e i n e r und dann in der D i e s s c n b a ch- st r a ß e. Er lebte sehr zurückgezogen und trug sich mit dem Plan, sich in Berlin mit dem erbeuteten Gclde eine Existenz zu schassen. Zunächst wollte er einen Z i g a r r e n l a d e n ausmachen. Er hatte auch bereits ein Geschäft gekaust und darauf 5000 M. ange- zahlt, machte dann aber den Kauf rückgängig, um einen Schank- betrieb zu erwerben. Dazu bam er aber nicht mehr. Die Bahn- streife der Kriminalpolizei ermittelte seinen Aufenthalt in der Diefsen'bachstraße und nahm ihn dort fest. Es ergab sich, daß Baron 170000 M. einem Schoufpicter in Zoppot in Verwahrung gegeben hatte. Bei diesem wurde der Betrag auch noch qefunden und beschlagnahmt. Auch die 5000 M., die Baron aus das Zigarren- geschäft angezahlt hatte, wurden für die geschädigte Grube sicher- gestellt._ Die Anordnung in der kirchensteuerlichen Buchführung treibt die allcrselt'amstcn Blüten. Bon einem Heizer Jacob H.. der evangelisch geboren, aber seit 25 Jahren aus der Lan- d e s k i r ch e ist, geht uns dos Original einer Steuerveranlagung der jüdischen Gemeinde zu Berlin N. 24. Oranienburger Str. 29, vom 28. Februar 1922— Reg. III, Nr. 36— zu, in der der Be- tressende auf Grund seiner Veranlagung zur Reichseink-ommensteuer für 1920 in Höhe von 1230 M. für die Jüdische Gemeinde mit einem Steuersatz von 104,85 M. sür das Steucrjahr 1921 veranlagt worden ist. Diese fortgesetzte Belästigung von Leuten, die schon seit Jahren nichts mehr mit den Kirchen zu tun haben, sollte doch endlich eiirmal aufhören. Der Entwurf des Gesetzes zur Bckämpsung der Geschlechislrauk- Heiken wurde in einem Vortragsabend der„politischen Arbeitsgcmein- schast der Frauen Groß- Berlins" einer kritischen Würdigung unterzogen. Die Nednerinnen, Dr. med. E o a Moritz und Genossin Dr. Adele S ch r e i b e r- K r i e g e r, nehmen vor allem gegen die Reglementierung Stellung, die sie als«in ungeheures Unrecht gegen das weibliche Geschlecht bezeichneten. Im oorüegenden Gesetzentwurs sei die gcsordcrte Behandlung der Kranken ein großer Vorteil. Die Gesundheit des einzelnen darf eben nicht als Privatsache betrachtet werden. Doch ist die Meldung und das Erfassen der Geschlechtskranken zu lehr in das Belieben des ein« zelnen gestellt. Es wurde scharf Stellung gegen das Kur- p f u s ch e r t u m und die annoncierenden Aerzt« genommen, die nur auf Gelderwerb und Gewinn hin ihre Tätigkeit anpreisen. Bei den Behörden aber müßten alle nur erdenkbaren Garantien der Diskretion gegeben fein, falls über Geschlechtskranke Meldungen erstattet werden. Wenn die Anzeigepflicht jedes Geschlechts- kranken durchgeführt wird, lritt sehr leicht die Erjchültcrung des Ve r t ra u e n s v s ckh ä l t n i ss e» zwischen Arzt und Kranken ein. Bleibt aber die Auswahl der Anzuzeigenden bestehen, so trissl sie wieder nur die Prostituierten. Die Vorbeugung ist van außerordentzicher Wichtigkeit und die ganze Wucht der sozialen Ar- beit muß hier einsetzen. Der Prozeß wegen der Millionenschsebungen bei der Reichs- lreuhandgesellschafk lnicht den NcichSioerlen) in Spandau endete mit der Verurteilung von dreizehn Angeklagten. E» handelte sich um die Verschiebung von optischem Heeresgerüt im Werte von ca. einer Million Mark. daS unter falscher Flagge als IlmziigSgiit aus dem Lager der NeichSlrcllhandgcsellichaft in dem ehemaligen Feucrwerktlaboraiaii, im herauSgcschmiiggelt worden war und verschoben werden sollte. Nach längerer Verkandliing erlaniitc die Strafkammer des Land- gcrichts III gegen die Hauptangcllagtcn Kinkel und Perle- iv i tz auf je ein Jahr Gefängnis und drei Jabre Ehrverlust, gegen acht Aiigellaglc auf je neun Monate, gegen drei Angellagte auf je zwei Monate Gefängnis lind gegen den Angeklagten Gastwirt Schröder auf Frei- s p r e ch u n g. SoziolisniiiS und ZlUoholsrage. Der Slibcitcr'Mltineitten-Vmid Fat für F.eilag. den 17. März. 7';. Uhr. in der Sophienlchiile. Weinmeisler- [trnfic 16(17, eine ösjentliche v o lk s o er l a m»I l II n g einberufen. In dieser Versammlung, die gleitzellig von der SPD., der NSPD.»nd der Gcwerkichaltslvmmission veratislallei wird, wird Genosse Dr. H o l i t s ch e r, Abgeordncler der sozialdemokratischen Zlibeiterpariei in der Tichechoslvwalei. einer der erilndlichstcn Kenner der Alkoboljrage, über die Pezieb'.ingeii Zwilchen.AllohoiiSmuS und kUassenkanipI" iprechen. lieber daSielb- Thema ipricht Genosse Dr. Holiilcdcr am Tonnersiaa. den 16. Nörz, in Spandau, im Festjcal der Obenealschnle, Mollke- Ecke Fiiedrichstrahe. MuttcrschuIkurS. Im Auguste- Viktoria-Ha uS, Cbai- loltenburg, Frankenstratz««am Strasjenbabnboi Westend) beginnt»in 23. Mär, d. I. ein Kurs siir Müller nnd Mädchen, in dem all das theoretisch und praliisch gelehrt werden wird, was eine Frau von der Pflege und Ernährung des SäuglmgS wissen mich. Der Kurs umsaht 4 Doppel. stunden, jeweilig Tonnerstags von 3— S Uhr. Es wird grohcr Wert aus praktische Iledungen am lebenden Kinde gelegt. Einichrcibegebllhr sür den GcsamiturS 50 M. Meldungen im Bureau der Anslall. Wetter für morgen. Slerll» und Ikingegend. Zeilweise heiter, jedoch außer mittags ziemlich lnbl und veränderlich bei mähigen nördliche» Winden. Keine er- heblichen Niederschläge. Groß-öer!iner partemachrichten. 7. Kreil CharlottenSurg. Freitag, den 17. März, abend» 8 Ahr, Sitzung aller in der Bohlfahrtspileg» täl.gen ibeiwsseji und Eenossinucii im Rochaus« Hitzunzszimmcr 1. GsWerMmstsbewegung DaS erste Gewerbe» m»d HandelSaufsichtSamt. E-it Jahrzehnten verlangen die Angestellten staatlich« lieber" wachungsorgane, ähnlich den Gewerbeinspektoren. Eine Verfamm- wng der deutschen Gewerdeaufstchtsbeamten hat sich ebenfalls ein- sehend mit beji Angestclltenfchntzfragen befaßt und ist einmütig zu dem Entschluß gekommen, den Landesregierungen— die heute noch die Träger der Gewerbeaufsicht sind— dringend zu empfehlen, sn Stelle der bisherigen Eewerbeaufsichtsbezirk«„Sewerbs» und Handclsauffichtsämter" zu schaffen, in denen neben den Gewerbe- raten auch ein H a n d e i s i n f p« k t o r für die speziellen A n g e- st ellteninbe reffen wirken soll. Das erst« derartige Amt ist nun in Württemberg ge- schaffen worden: eine Verordnung der Staatsregierung besagt, daß dos bisherige Gewerbeaufsichtsamt fortan die Vezeichnung„Ge- «erbe- und f) Zu- la?«n für örtliche Montanen sollen von 1.18 M. auf 1.50 M. uro Stunde, für ausevärtige Montagen von 55 M. auf 71 M. pro Tag! erhöht werden. Nötigenfalls soll die verwattung ermächtigt sein, die � Forderungen der gegebenen Wirtschaftslage anzupasien. In der ausgedehnten Diskussion wurde den Vorschlägen der l Ortsverwaltung im wesentlichen zugestimmt. Verschiedentlich gern entgegennehmsn werbe. Man möge khr diese— ha nach den Referenten«ine Denkschrift»erfaßt werden soll«— in dieser Denkschrift überreichen. Ob es unter den derzeitigen eigenartigen Ver- hältniffen im Reiche möglich fein werde, alle Wünsch« zur Erfül- lung zu bringen, losie stch nicht im voraus feststellen. Wir alle sind von dem Wunsch beseelt, in unserem Vaterland« endlich ein Hau» zu zimmern, in dem wir glücklich wohnen könnten. Und ich»er- steh« wohl ihre erbitterte Stimmung darüber, daß bei ihnen, die sie über Gut, Blut und Leben zu wachen haben/ die Sorge vor der eigenen Tür stehen soll. Zlber wir stehen im ganzen Reiche harten Tatsachen gegenüber, mit denen wir rechnen müssen.(Lebhafter Beifall.) Die Versammlung schloß mit der einstimmigen Annahme einer Resolution, die einen Protest gegen die Anstellungs- und Ver- sorgungsrcigelung enthält, wie sie in dem Entwurf zum Reichs- rahmengcsetz vorgesehen ist und die Eingliederung in das geltende Beamtenrecht fordert. Nur so könne dem Volke eine im Geiste höchster Staatsgestnnung tätige Schutzpolizei er- halten werden. Der Entwurf des Reichsverbandes der Polizei- beamten biete eine Grundlage zu befriedigender Regelung. Sondergesetze, wi« da» Reichsrahmengesetz, die den Polizeibeamten die Grundlagen ihrer Existenz entziehen, lehne die Beamtenschast mit aller Entschiedenheit ab._ Theorie und Praxis. Zn den Gewerkschaften können tie Kommunisten den Mund dtnguugen in Kauf zu nehmen. Und das nennen dann die Führer der Arbeitgcb«r„ordnungsmäßige Verhältnisse, die jedem Arbeit- samen die Möglichkeit geben, sofort Arbeit zu erhalten". Es wird höchst« Zeit, daß auf solche Fischerei im trüben di« pasiend« Ant- wort gegeben wird. Di«» r g.a n i s i« r t« n Friseurgehiifen wer. � den dies« in der Versammlung am Donnerstag, abends ! 8 Uhr, im„Logenhaus", Linienstr. 121, geben. Doppelbeschäftiizung von Beamten. Uns wird folgende fast unglaubliche Mitteilung gemacht: Bon den Beamten der Reichsschuldenverwaltung in der Oranienstraße hat ein sehr großer Teil derselben(Militär- anwärter) noch eine zweite Beschäftigung bei verschiedenen Danken und in Privatgeschäften angenommen Vorab in der National- dank, Vehrcnstraße, machen diese Beamten zweiten Dienst in Ueberstunden und treten so als Lohndrücker in diesen Betrieben aus. Sie arbeiten dort nach ihrem Dienst bis nachts 11 und 12 Uhr. Diese Beamten laufen Sturm dagegen, daß auch sie jetzt acht Stunden bei ihrer staatlichen Behörde arbeiten sollen, was ein nor- malcr Mensch kaum aushalte. Dabei aber arbeiten sie heimlich noch vier bis sechs Stunden extra. Wo sie am meisten und am eifrigsten arbeiten, wäre leicht festzustellen, zumal sie bei den Banken wirklich arbeiten müssen, da man sie sonst laufen läßt. Im Amte aber sind sie angestellt. Den Achtstundentag sind sie nicht wert. Sennin- und ClettT». über die„Bonzen" und deren rvigen. Sieht man stch aber ihren eigenen Unternehmungen belehrt,"daß diese Herrschaften liebigen Angestellten»ergehen, Bremspolittt nicht weit genug auf die Tätigkeit der Kommunisten in an, wird man sehr schnell darüber noch autokratischer bei ihnen miß- Jf als es die kapitalistischen Unter- j nehm er tun." Bet der Bereinigung Internationaler Berlags-Anstalten sind als ! Geschäftsführer Herr R e m m e l e und Fräulein W o l f st e i n tätig. Zwischen der„DSVA" und dem Zentralverband der Angestellten ist ! ein Tarifvertrag»bgeschlosien, der die Bestimmung vorsieht:„mäh- rend einer Krankheit, Hast»der Schwangerschaft darf keine Kündi- gung ersclgen". Als nun bei der letzten(?) Svoltung der KPD. einige bei der„VHVA" tätige Angestellte zur KAPD. übergingen, wollte man diesen Paragrophon schleunigst aus dem Tarifvertrag entfernt wissen. Man berief die Angestellten zu. einer Versammlung ein. Herr Remmei« appellierte eindringlichst an die Partei- d i s z i p l i n der Angestellten, und stehe da, es wurde der Beschluß gefaßt, den Passus„während einer Krankheit darf keine Kündigung erfolgen", zu streichen. Da abar nicht dos Personal der„DIVA", sondern der Zentral- aerbo.nd der Angestellten Tarifkontrahent ist. verlangte man von diesem, sich mit der Verschlechterung des Vertrages einverstanden zu erklären. Wir bätten nun einmal sehen mögen, welches Geschrei di« Remmcle und Wolfstein erhoben hätten, wenn es dem ZdA. ein- gefallen wäre, in irgendeinem x-beliebigen Vertrag«ine derartige Verschlechterung gutziihecßen. Aber was tun die Weisen der KPD? Sie erklären, die Ange wurde aber auch beantragt, weiteraehende Forderungen zu erheben. Schließ- llch wurden die genannten F o r d er u n g e n gegen wenige Stimmen.,.,.,„*,■,r bis abends 7 Uhr, Mittagspause wird nur während zwei, oft ouck nur anderthalb S'unden gegeben. Sonnabend, währt die Arbeitszeit sogar noch eine Stund« lSnocr. Und va» nennt«an dann Jnwehaltung der oesetzlichen Bsrschriftenl � Ein treffendes Beispiel ist die Betri«bs»rdnung der Firm». Gärtner, K r o n e n st r. 18, die uns vorliegt:..Ge'chäfKLssnung 1 8 Uhr morom». Ilm die'e Zeit bat sich ieder Anflzstellt« umgekleidet an feinem Platz zu befin'oen. Schluß 8X Uhr. Jedoch ist die bis dahin«ngsfanam? Bedienung obn« Ertraentschädigung fertigzustellen. welches aber soöt-stens bis 7 Uhr zu geschehen hat. Da ein Ber- lassen des Geschäfts nicht immer möglich ist, so ist für Frühstück und i Vesper je Vt Stund« gedacht.. die aber nicht regelmäßig sein ! kann. Tischzeit von 1�12 bis 1 Uhr, 12H bis 2 Uhr u'w.(also ! 1 Stunden)."— Bon 8 Uhr bi» 7 Uhr, weniaer 1� Stunden Mitwgvpause sind Sli Stunden. Rechnet man die„gedachten ijanhlimgen beim Demobilmocbunoetoinmisslir. Os ist noiwcndig, daß alle Rollesen»rschetnen. Mi,,N»b»buch oder-l-rte legitimiert. Neu-ufnohmea »m Saaleinian».— Die Scendjenleitun,. Wivt(ä)a& Rußlands Autzenhandelspolikit. D're sowsetamtliche Mostauer„Jswestija"»cröfsenilicht eine Unterredung mit Krassin, der sich sehr ausführlich über di« Bedin- gungen äußerte, unter denen«in Handelsverkehr Ruß- lands mit kem Auslands stattfinden könne. Er führte aus: „Die Einführung eines freien russisch-ausländifchen Handels ist Sanz ausgeschlossen. Ein solcher Handel kann bei dem gegenwärtigen iustand Rußlands nicht erlaubt werden und wird nicht erlaubt werden. Der Sowjetstaat muß das Außenhandelsmonopol unbedingt in der Hand haben. Würde er seine Kontrollrechte auf- geben, so würden sich dieselben Folgen zeigen, die sich in Deutsch. land und Oesternich gezeigt haben, ein Ausverkauf des Landes zu Schleuderpreisen. Bei dem Warenhunger, der in Rußland herrscht, würden die russischen Verkäufer und Käufer vollständig vom Ans- landskapital abhängig werden und damit auch die Staatsgewalt in finanzielle Abhängigkeit vom Ausland bringen. Ein Staat kann auf das Aus.enhaudelsmoncpol nur verzichten, wenn er einen tadel- los funklioniercnden Zoll- und Steuerapparat hat, wie wir ihn heute nicht haben. Im übrigen aber bedeutet die Monopolisierung des Außen- Handels durchaus nicht die Aussässießung der Privatwirtschaft. Das P r i v a t t a p i t a l soll an dem Außenhandel teilnehmen, aber dem Staat muß die Regulierung des Handels und die Sicherftcllung der Staotsintcressen vorbehalten bleiben, weil bei der Konkurrenz, die sich einzelne russisch« Unternehmungen beim Außenhandel machen müßten, oller Gewinn, der etwa zu erwarten ist, verloren gehen würde. Ebensowenig kann dos Kon'missariot für Außenhandel dem privaten ausländischen Kapital freie Wirtschast in Rußland zubilligen und ihm erlaube!,, russische Rohstoffe auszuführen und als Gegen- lcistung den R.ssen schlechte Auslandswarcn zu liefern. So würde sich dock der Handel abspielen, wenn der Staat ihn nicht überwacht. Ein russisch-ousländischcr Handelsverkehr ist überhaupt nur möglich, wenn dazu nur die größten und soltdesten ausländischen Firmen herangezogen werden und zwar in der Form von sogenannten ge- mischten Gesellschaften, deren Kapital von Rußland und »om Ausland g?st«llt wird. Die gesotzsschen Untcrla-'M für die Dil- dung solcher Gcscllschasten sind geschaffen. Des Kommissariat für Außenhandel wird Sitz tm Direktorium dicfer Gesellschaften haben und sie kontrollleren können. Es wird durch feine KapitolbÄelligung automatisch an allen etwaigen Gewinnen aus dem Handelsverkehr beteiligt sein. Wir glauben bestimmt, daß des Auslandskepital auf diese Bedingungen eingehen«ird, sobald es erst begriffen hat, daß die Hoffnung, es könne in Rußland frei schalten, unerfüllbar ist." Es ist selbstverständlich, daß die gemischtwirtschaftlichen Außen- handelegc'ellschaftcn der Tätigkeit des Prioatkapito.ls weiten Spiel- räum lassen und so die tatsächliche Kontrolle des Staates über ten Außenhandel stark einengen._ Scrcmtm. für den redalt. Seil: gram-llLd» Bertin-Sichterselde; Mr«n. jeiqcn: SS. Omde, Sceün.»etlcg Sotmätts.SeelaB®. m. b. 6... Serlm. Denck: vorwärts. Duckdruckerei u. VprlaqsnnstiN Paul Linaer u. Co.. Berlin. LindenNr. 8. Entwurf liegt zurzeit noch den Ländern vor.«cm»raunschweig. b�ben Anhalt und Hessen ist er abgelehnt worden. Der Preußische Land» tag wird sich in nächster Zeit mit ihm zu beschästigen haben. Redner de» Abends waren H a n i s ch- Dresden und General- sekretär Dr. F r a n ck e. Beide mrterzogen den Entwurf einer ab- fälligen Kritik und traten entschieden für Eingliederung de? Polizeibeamten in die Beamtenrechte«in. Nach IZjähriger Dienstzeit sei der Polizeibeamt« nicht medr in der Lage, sich noch einen anderen Beruf zu suchen und das Warten auf eins Zivilanstellung biete ihm keine ausreichende Sicherheit für die wirt- schaftliche Existenz. Die Militärmacht erscheine wenig geeignet, in erforderlichen Fällen die Aufgaben der Schutzpolizei zu über- nehmen. Die einseitige Ausbildung des Offizier» beim Militär lasse ihn den Dingen in vielen Fällen nicht unbefangen gegenübertreten Die beste Abwehr gegen den Entwurf werde ein« starke, geschlossene Organisation sein, die auch eine feste Stütze für die Durchsetzung der Forderungen bilde, Wenn die Organisation zu einer Urab- stimmung aufgerufen werde, müsse die Abstimmung geschlossen in einer Richtung erfolgen. Die Ausführungen der Redner fanden lebhaften Beifall. kln der Diskussion beteiligten sich mehrere Landtagsabgeordncte. Genosse B u ch w i tz lM. b. C.) erklärt«, daß die sozial- demokratische Fraktion die Wünsch« der Polizeibeamten Bei den„oedachten" Pausen denken wir uns aber, daß diese meist nicht innegehalten werden. Ein anderes Beispiel ist ein Arbeitsvertrag der Firma Trost, Nürnberger Str. 88. Di«!« stellt aar all« gesetzlichen Vor- schrfften auf den Kopf und beginnt wie folpt:„In Erwartung, daß sich der Geschäftsgang wieder hebt und die Leistungen den Anforderungen entsprechen, wird Herr.... ver« s u ch s w e i s e eis beteiligter Mitarbeiter für olle geschäftlichen Arbeiten eingestellt."— Also unter zwei Doraussetzungen wird der Arbeitnehmer als„beteiligter Mitarbeiter"„versuchsweise" eingestellt. Die Bezahlung für den„Mitarbeiter" ist 278 M. sowie ein stark verklausuliertes Prozenisystem vom Berkaus. Gegen- seiiige Kündigung findet nicht statt. Für«inen beteiligten Mit- arbeiter ist natürlich so etwa» nicht nötig, dafür«ber um so mehr 'die Berpflichtung, daß„durch Unvorsichtigkeit entstandener Schaden ersetzt werden muß." Di�er Passus gibt dem Arbeltgeber jederzeit Gelegenheit, seinem Mitarbeiter«ine Schadenersatzrechnung aufzu- setzen, die denselben eventuell fest'epen kann, so daß er schließlich noch dankbar sein muß, überhaupt weiterarbeiten zu dürfen. Solche Derträge werden leider immer noch aus Unkenntnis und dem Bedangen nach Arbeit unterschrieben. Die Not zwingt die Friseurgehilfen, nur um Arbeit zu erhalten, die kaum höher bezahlt wird als die Crwerbslosenunterstützung ist, diese und ähnlich« De- Gewin n-Auszug 19. vrcuß.-Slldd.(24.';. Prcuß.) «. Klage. t. LieSnn,»!-, KlaFen-Lottcri« I«. Mär, lsez. Söur l*6e creoamr Mummet(int> jtoei o>e>ch hohe»ewwne gefolln� ueb.(not tc einer ou! 0,e Lose nietrfwr Mummer In ten betten aitlelhmren I unt> II Cbae Smitx»ttboine. 5b ber SornuUagttleHnBi nmtbm Ocroinne 8btt 409 Kart(jfjojra: 2 IB 50000 M 231 16 2<<«OOO>1 209714 t u 3000 U 51604 92657 109617 205«8« 2« in 1003 X 04597».34« 1.8D7T 134(30 140320 15849« 177835 21033« 2197:7.47268 5n bet ReUmtrtesljleSun» ttnerbm lewinne übet 409 Wart stiegen: t Bn!«»0 M ,03154 4 zu 5000. M 18149 184:98 14 tn 3000 M£9978 79747«3948 94504 13792» 200632 295084 24 Itt 100U M 28063 44234 54608 126077 134142 164936 190183 247691 26321» 4769:3 331473-90963 Sie in dem vnrftehenden Eewlnn-NnSzug nicht enidalienen niedrioereu Gewinne sind au» Den Lifte« iu ersehen, die bei den staatltSen LotUtle-ttimiebmern lut nncnigelNichrn v inficht««»liegen. Eitt UlMer-W yenraltanislslli l-rili 2 54, UnNitrcSe U CS. ©efchäftejett»on»«er..» Übt bl« nachm. 4 Uhr Selennsn:«mtTtotbcn 833, 884, 835, 83«. CotincT»fof. ten IS. 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