Nc. 1Z»chZY.?ak>??ony Ausgabe iZ Nr.H? BezuqSpreisi Viertelil!hrt.vll.— Z>!., monai!. 2»,— R. frei ms öau», vorau» j>a>>tba� Post» Iwng: Monatlich äO,— M einschl. Su- pellangsgedüiir. Unter Kreuzband lüt fficutfchlano, Danva. Saar- u Meinel- otbtct, sowie Westpoien. Oeslerreich n. Luxembneg St.— M.. liir dos üiirifl« «usland 72,- M. � ostbestell un�en nehmen an Beioien. Dönemart, E»q- land. Esthiand, Finnland. Zranlreich, Holland Lettland Lmembuics. Oesterreich. S-I weden, Schwei». Tjchecho- Slowakei und Ungarn. Der.Vorwärts' mit der Sonntags- beiiage.Volk und Zeit", der Unter- hattungsbeilage.Heimroeif und der Beilage.Siedlung und Kleingarten' erscheint wochentiigllch zweimal, Soim- tag» und Montags einmal. Telegramm-Adresse: »Sozialdemokra! Berlin- Abend-Ansgabe c OroB' Berlin 40 Pf. auswärts 50 Pfennig D r w�w�> Devlinev Nolksdlcltt Anzeigenpreis: Me« I n s p a l t t g e NonuareiklezeN» kostet l 2,— W..klein« SJezetgi'o" da» fettgedruckte Wo« d.— M.< zulässig zwei fettgedruckte Dort»), sedc« wettere Wort SK. Stellengesuch» und Schlasstellenanjeigeu da« erst« Wo« 2,— M., sede» weitere Wort IAO M. Worte über lö Buchstaben iLItlen für zwei Werte. Familicn-Vn- zeigen für llldenneute» geil« M. Die Preise»erstehen sich einschließlich Tcuerungszuschiag. Bnzetgen fbr die n i ch st e Nunnner müssen dl, t'/i Khr nachmittags Im Hauptgeschäft, Berlin TW 68, Linden- straße 8, adgegede« werden. Deöffnet von I Uhr stllh die j Uhr nachmittag». �entralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands RcdoEtion und€xpcdttSon: SN) HK, Lindenstr. Z Redaktion M-ri'iptaN l5ii,S-S7 zhcrnspreclirr. �.�rpilian tvioritzvlao lllSlt— 54 Montag, den 20. März 1922 Vonvärts-Verlag S.m.b.y., EW öS, Lindenstr. Z Krrnitlrrckrr» Verlag,«erpeditio» und Inseraten. »yerittprrrtsrr. Marinplatz I475Z-54 Das Schicksal der Genuese? Konferenz dürfte mitbestimmt werden durch Verlauf und Ergebnis der heute in London beginnenden interalliierten Sachverständigenkonferenz, von der vorausgemeldet wird, daß ihr so ziemlich die Ausschaltung der russischen Wiederausbausrage in Genua vorgeschlagen werden soll. Käme es dazu, daß wirklich nur über die Bezahlung der Schulden Zaren-Bußlands zu reden wäre, nicht jedoch über die Instandsetzung Sowjetrußlands dazu, so wäre das zwar nur konsequent, nachdem die Erklärung der Tat von Versailles als tabu(unantastbar) schon dasselbe Verfahren für die d e u t s ch e Frage eingeleitet hat— ober damit wäre die Genueser Kon- ferenz von vornherein um positive Erfolgmöglichkeit gebracht. Die R e p a r a t i o n s k o m m i s s i o n hat am Freitag die angekündigte Entscheidung noch nicht gekällt und tritt heute wieder zusammen. Es heißt nach wie vor. daß sie Deutschland einen Zahlungsausschub unter Einführung genauer Finanzkontrolle gewähren werde. Schließlich versammeln sich heute auch in Genf Wirtschaft- liche Sachverständige des Völkerbundes. Inzwischen hält Lloyd George in Ericcieth Be- ratungen mit dem Schatzkanzler usw. ab und arbeitet Material für Genua aus. Die neutrale Vorkonferenz. Ueber den Meinungsaustausch, der in Stockholm zwischen den Vertretern der sechs neutralen Staaten Europas, nämlich der drei skandinavischen Länder, der Schweiz, Holland und Spanien, über die Genueser Konferenz stattgefunden hat, wurde folgende a in t- liche Mitteilung ausgegeben: Die Unterhaltung, die am Sonn- abend zwischen den schwedischen und norwegischen Staatsniinistern, dem dänischen Außenminister und den Vertretern einiger anderer Länder wegen des Programms für Genua gepflogen wurde, hat gezeigt, daß eine wesentliche Uebereinstimmung in den Ansichten über die dabei berührten Fragen vorhanden war. Ein weiterer Gedankenaustausch, der vor der tvenueser Konserenz notwendig sein dürfte, wird zwischen den'Sachverständigen stattfinden, die die ver- schiedenen Länder zu letzterer entsenden. Neue? Anschlag auf Ostpreußen. Gegen Abschnürnng von der Weichsel. Gegen die drohende Abschnürung vstpreußens von der TBeichH wie sie durch die am tZ. lllärz von der interalliierten Grenztest- sehungskommission seslgcselzle Weichselgrenze eintritt, hat der pro- oinziallandiag cinstiminig folgende Erklärung beschlossen: Der osipreußische provinzialiandtag erhebt den schärfsten Einspruch gegen die von der Interalliierien Srenzseslschungskommission am 1Z. März vorgenommene, dem Friedensvertrag zuwiderlausende Festsetzung der Weichselgrcnze. Er verlangt, daß die Vcichsregie- rung die Annahme dieser ungerechlen Entscheidung ablchnt. Nach dieser Entscheidung sollen die Ortschaiten Jvhannisdorf, Auhendeich, Reuliebenau, Kramersdorf und Kiemfelde sowie der Hafen von Kurcebrack einschließlich des bisher deutschen Zugange» zur alten Fährstelle und der Pegelhascn sowie der Polder an der Minsterkolder Weichselbrücke an Polen fallen. Im übrigen soll die Grenze zwischen Deich und Fluß und zwar 3!) Meter östlich des Deiche» oerlausen. Groß» und Klein-Kolz soll polnisch bleiben. Der deutsche Kommissar hat gegen diesen Beschluß Widerspruch erhoben und die Erklärung adgeoeben, daß weder er ncch seine Regierung diese Entscheidung annehmen. Serliner Konferenz am 2. Die Wiener Arbeiter-Zeilung bringt am Sonntag an ihrer Spitze eine von der Leitung der Znternaiionalen Arbeilsg-meinschakl Sozialistischer Parteien(3. A. S. P.) ausgehende Mitteilung, der wir entnehmen, daß ncch erteilter Zustimmung der Zweiten wie der Dritten 3niernationale die Konferenz endgültig für den 2. April nach Bettln ins Gewerkschastshaus einberufen ist. Die Exekulioe der Zweiten Ünternationale hal die Namen Ihrer Bcrtreler noch nicht mitgeteilt. Die Derlretcr der 3.«. S. p. werden in einer Exekulivsihung am t. April in Benin bestimmt werden. Rom. 20. März.<3ntel.) Die SeichSftsleitung der Sozialistischen Partei hat nach einem Bericht Serratis über die Frank- fnrtcr Konserenz beschlossen, zu der Berliner Konserenz Serraki, Fiorikko und Barationo zu delegieren und sie zu beauftragen, auf der Zusvlmwenkuvft in Berlin iene Rich'Nnien zu verlrclcn. nach denen die Partei seit Kriegsausbruch gehandest hat. Die Partei hatte die Kriegskredite abgelehnt— was jetzt nicht sehr aktuell sein dürlte. In Berlin treten nur die drei Exekutivkomitees zusammen, ober es ist in Frankfurt beschlossen worden, die italienischen Sozialdemo- traten als Vertreter derjenigen Parteien, die zurzeit einer Internatio- nale überhaupt nicht angehören, mit beratender Stimme zuzulassen. Bncharln soll nach„Prarada" die vl-rte russische Tageszeitung in Berlin organisieren und den nach Deutschland einberufenen internationalen Kongreß der moskowitischen Bewerkschastsschädiger vorbereiten. für Genua. Dollar bald wieüer 300! Der Verliner Devisenmarkt zeigte bei Beginn der neuen Woche wieder ein sehr festes Geschäft bei kräftig anziehenden Kursen. Der Dollar schwankte um die Mittagsstunde zwischen 293 und 295. Der Effektenmarkt zeigt bei fester Tendenz im allgemeinen geringe Umsätze. Besonders die berufsmäßige Spekulation sieht sich infolge der anhaltenden Geldknappheit vorläufig nicht in der Lage zu größeren Unternehmungen. Das Publikum kauft allerdings Industricpapiere. Einer besonderen Beachtung erfreuen sich neuerdings die Aktien der T e r r a i n- g e s e l l s ch a f t e n, vor allem diejenigen des Berliner W e st e n s. Die Genfer Verhandlungen. Einigung in der Gcwerkfchaftsfrage. Noch einem offiziösen Bericht rechnet man in Genf, daß die deutsch-polnischen Verhandlungen noch in dieser Woche zum Abschluß j gelangen. Präsident Calonder dürfte voraussichtlich am Dienstag! den vorgesehenen Dermittiungsversuch zwischen den beiden Bcvollmächtigten in den wenigen noch nicht gelösten Fragen vor- nehmen, um dann gegebenenfalls den Schiedsspruch zu fällen. Er beabsichtigt, vor diesem Schiedsspruch eine öffentliche Bollsitzung einzuberufen, um den beiden Abordnungen noch einmal Gelegenheit zu geben, ihren endgültigen Standpunkt darzulegen. Dann wären die deutsch-polnischen Verhandlungen beendet und«s bliebe nur noch die redaktionelle Fertigstellung de» Vertrages. Das nahende Ende der Verhandlungen kennzeichiwt sich auch äußerlich bereits in einem fortjchrcitenden Abbau der deutschen Abordnung. Eine Anzahl deutscher Unterhändler und Sachverstän- diger hat bereits nach Abschluß ihrer Aufgaben Genf verlassen. Auch Ministerialdirektor Sitzler und Assessor Joachim tonnten Gens verlassen, nachdem die letzten siritligen Punkte ln der Getmkschafksfrage gcrcgctl sind. Hier gelang es, den wesentlichen Interessen der Arbeiterschaft Rechnung zu tragen, indem der Grundsatz der Verbindung der Ge- iverkschasleu Oberschlesiens mit dem Zentralvorstand in veotjchland anerkannt und aufrechlerhalten und nur für die Bezirksvorstände eine Vereinbarung getroffen wurde, wonach die Bezirksverbände innerhalb einer bestimmten Frist der Teilung Obcrschlcsien» ent- sprechend sich zerlegen wollen, um somit eine gewisse gesteigerte Selbständigkeit zu«rlzalten. Auch in allen Minderheitsfragen ist vollste Einigung erzielt wor- den, insbesondere hat auch die Frage der Verhandlungs- spräche in den lokalen parlamentarischen Vertretungen eine liberale Lösung erfahren. Die Zulassung der deutschen Sprache in der Provinzialvertretung aller künftig polnisch werden- den Teil« Obcrschlcsiens ist gesichert, wie andererseits auch die polnische Sprache im Provinziallandtag Deutsch-Oberschlesiens zu- gelassen wird. Dagegen konnte noch keine Einigung darüber erzielt werden, ob die gemischte international« Kommission, die auch beut- schcrseit« gewünscht wird, für die Minderheitsfragen zuständig sein soll. Auch in der Frag» der Zuständigkeit der gemischten Kommission für die Aequivalenz der Gesetze, wie die Zuständigkeit des gemisch- ten Schiedshofes für unmittelbare Entscheidungen in gewissen Ent- schädigungsfragen liegt noch kein endgültiges Ergebnis vor. Alle in den Unterausschüssen 1 bis g bearbeiteten Fragen mit Ausnahme der Frage des Verkehrs über Kreuzburg und alle Fragen d«s Unterausschusses 11 sind«rlsdigt und haben zur völli- gen Einigung zwischen beiden Teilen geführt. Daneben sind nur einige allerdings wichtig« Fragen aus den Unterausschüssen 10 und 12 ungelöst geblieben. Wilhelms tzelüentoö. Einem ungeheuren geschichtlichen Irrtum ist der deutschnationale .Tag" auf die Spur gekommen. Die Welt war bisher der Ansicht. daß Wilhelm der Ehemalig« am S. November 1918 nach Holland ousgeknifsen sei. Das stimmt nicht. Cr ist an diesem Tage an der � Spitze eines Häufleins Getreuer beinahe den Heldentod aestor- den. Der.Tag" weiß dies aus einem noch unveröffentlichten Buche, und der ungenannte Verfasser dieses Buches, der aber General ist— und Generäle lügen niel—, hat ein Tagebuch des ehemaligen Kaisers gesehen. Ln diese» Tagebuch hat Wilhelm am S. November geschrieben: Und wenn mir noch einige von meinen Herren treu blei- ben, mit denen kämpfe ich bis zum äußersten, und wenn wir alle lotgeschlagen werden: vor dem Tode habe Ich keine Angst. Auch ließe ich Frau und Kinder im Stich. Das kann ich nicht. 3ch. bleib« hier! Na und?— und dann ist er nach Holland abgedampft. Ü�ir oermuten: Weil Herr v. G r ä f«- Goldsbee nicht bei ihm war, der sich jederzeit für seinen Monarchen in Stücke hauen läßt, aber bis heute merkwürdigerweis« noch aus einem Stücke besteht. Dafür kann aber Wilhelm nichts, daß andere den Mund ebenso voll nehmen wie er, und er«o ist er am 9. November den Heldentod ge- storbeu. Wer'» nicht glaubt, zahlt»inen Taler. 1 was wird aus Lichterfelde? Von gut informierter Seite wird uns geschrieben: Der energische Eingriff des Kultusministers zur Aufrecht- crhaltung der Ordnung in der staatlichen Bildungsanstalt in Lichterfelde ist durch das inzwischen der OeffentNchkeit unter» breitete amtliche Material geradezu erdrückend gerechtfertigt. Kein Zweifel, dieser eine Fall hat die A n st a l t s l e i t u n g. die in Frage kommenden Konferenzmitglieder des Lehrerkolle- giums und den Dezernenten im Provinzialschulkollegium (den durch seine„Oberlehrerzensuren" bekannt gewordenen Oberschulrat Sachse) st ark kompromittiert. Ist damit die Angelegenheit erledigt? Daß ein solcher Fall möglich war, hat tiefere Gründe und diese müssen über die viel wich- tigere Frage, das Weiterbe st ehen dieser An st alt entscheiden. Als vor zwei Jahren das Kultusministerium die aufgelösten Kadettenanstalten vom Reiche übernahm, um sie in I n- ternatsschulen für die Kinder Kriegsgeschädig» t e r und unbemittelter Eltern umzuwandeln, sollte Lichterfelde zu einer Versuch saufbauschule werden. Grundbedingungen hierfür waren: Abänderung der Lehr- Pläne, Erneuerung des Lehrpersonals, neue Schülerschaft, be- schränkte Zulassung der ehemaligen Kadetten streng nach den Aufnahmevorschriften. Diese Bedingungen konnten, zumal nach dem Ausfall der Reichstagswahlen, nicht erfüllt werden, und so war es konsequent, daß der neuberufene Leiter, Genosse Dr. Karsen, bei der Aussichtslosigkeit eines erfolgreichen Wir- kens sein Amt nach zwei Monaten zur Verfügung stellte. Alles war beim alten geblieben, insbesondere war die gesamteKadettenschaft ohne Gegengewicht durch Neuaufnahmen zurückgekehrt. Deren Enttäuschung über die gestört« Laufbahn, ihr vom Eltcrnhause kräftig geschür» t e r Haß gegen den„Judenstaat", ihr künstlich gesteigerte» Selbstbewußtsein, geblendet durch nationalistische Verbildung, ihre in den vergangenen Iahren angesetzte Disziplinlosigkeit. traten aufs krasseste zutage. Was an Tüchtigem, Jugend- echtem, an Ehrgeiz und Charakterstärke in vielen einzelnen lebendig war, wurde unter dem Namen Kameradschaftlich- keit" von den Aelteren(ehemaligen Kadettenunteroffizieren), die teilweise stark überaltert waren, mit handgreiflichem G e» sinnungsterrorismus erstickt. Daß er sich auch noch im letzten„Falle" bewährt hat, beweist der amtlich« Bericht. Diese der Zahl nach fast überwiegenden Primaner hatten vor- her teilweise als Angehörige der Zeitfreiwilligen for- mationen, im Baltikum, bei Roßbach und Ehrhardt (als Kapp-Anhänger) vielfach Wochen und Monate außerhalb der Anstalt verbracht. Landsknechtsgeist. Orgeschgesinnung, Verrohung der Umgangsformen, politische Verwilderung dieser jungen Leute machten selbst den an der Anstalt als Erzieher noch beschäftigten ehemaligen Ossizieren die Arbeit recht sauer. Tatkräftig hetzten von außen der „Bund ehemaliger Kadetten", die völkisch« Presse(besonders Herr Wulle), ehemalige Offiziere, u. a. solche, die in den Ka- scrnements wohnten(einer, der wohl infolge seines a d l i- gen Namens sehr bald ein Unterkommen im Aus» wärtigen Amt gefunden hat, wohnt noch jetzt da und zeigt eine eigentümliche Anhänglichkeit). Die Folge: nationa- listischer Rummel, schwarzweißrote Demonstrationen(der Lei- ter der Anstalt, Geheimrat Harttung. hat doch selbst schon einigemal die nachts dem„Erzengel" angesteckten Fahnen entfernen lassen müssen, also verhält sich's etwas anders, als er in seinem Schreiben an die„Boß" be- bauptet) bei jeder Gelegenheit: Kaisers Geburtstag. Kaifcrins Todestag, Erzbergers Ermordung usw. Dazu Anpöbelung unbeliebter Lehrkräste, besonders linksgerichteter, bis zur ono- nymen und offenen Bedrohung. Der„Fall" ist also nicht von ungefähr. Unterstützt wurde diese Jugend durch ein« völlig ver- fehlte Organisation, die vom jetzigen Leiter und dem Oberschulrat Sachse ausgebaut worden ist. Der Primaner- t e r r o r wurde legalisiert dadurch, daß man nach mili- tärischem Vorbild den Primanern weitgehende Borge sechtenrechte verlieh und die Jüngeren und Reuhinzukommenden(schon durch die Stubenbelegung) ihnen auslieferte. Der Richtkadett gilt nichts und kann sich nur durch Unterwerfung unter den Gesinnungszwang halten. Mancher verschwand nach kurzer Zeit. Geradezu verheerend mußte der starke Wechsel im Erzieher personal wirken. Studienassessoren, vom Provinzialschulkollegium wahllos ge- schickt, zunächst froh, eine entlohnt« Beschäftigung bekommen zu haben, tragen bei übermäßiger Ausnutzung ihrer Kräfte die schwerste Last der Alumnatsarbeit, leben unter einer stark autokratischen Leitung ständig in der Furcht. durch ein freies Wort oder entschiedenes Auftreten ihre Stel» lung zu verlieren. Das wirkt korrumpierend auf Arbeitsfreude und Hingab« an die Sache. Dom alten Unter- richtskollegium, das wie in den Zeiten der Kadettenanstalt alle erzieherischen Schwierigkeiten dem Internat zuweist, werden sie nur als Handlanger betrachtet und genießen dement» sprechend wenig Ansehen bei den Zöglingen. Wenn jetzt die zufällig bei dem Krawall anwesend gewesenen Erzieher büßen müssen, weil sie gegen eine Meute von 400 wildgewor- denen Zöglingen„versagt" haben sollen, geschieht schweres Unrecht. Die ganzen Erziehungsgrundlagen haben versagt, auch das groteske Institut der Hausdamen, die so elwas wie„Familienerziehung" markieren sollten� Schon die Auswahl dieser Damen war höchst bedenklich. A u s g e» wählt vom Deutschen Offiziersbund, meist von Adel, auch durch Protektion(oder ist's ein Zufall, daß eine Schwägerin des Geheimrats Israel und eine Tochter des Mi- nisterieldirektors Iahnte, beide maßgebende Dezernenten im Kulwsministerium, hier unterkamen?), der größere Teil ge» schiedene Frauen, ohne pädagogische Ausbildung, aufgewachsen im hohlen Salongeschwätz, geeignet nur als„Hort der alten Tradition", konnten sie ihre Daseinsberechtigung nur durch das Maß ihrer„Beliebtheit" erweisen. Diese wuchs bei denen, die einigermaßen erwachsene Töchter mitgebracht hatten. Be- liebt machte man sich durch willenloses Nachgeben, besonders in Gesinnungsfraaen, durch fade Unterhaltungen,„verlän- gerte" Abende, Feste und Feiern(zufällig an„nationalen" Gedenktagen), durch Mummenschanz, spiritistischen Hokus- pokus und liquidierte dafür zahllose Handküsse. Machte es eine anders, dann war sie in der Tat„unbeliebt", wie Herr Harttung richtig von der so gemein angepöbelten Hausdame bemerkt. Was bleibt noch Gutes an dieser Anstalt? Selbst eine stärkere Leitung als die jetzige kann die Grundfehler nicht be- seitigen. Vorfälle ähnlicher Art können sich leicht wiederholen. Vielleicht hat der Finanzminister ihren Etat wieder vorgcnom- men, um festzustellen, wieviel Millionen aus den Taschen der Steuerzahler verschwendet werden, um v e r- iassungsfeindliche Staatsbürger auf Kosten der Republik durch gewaltige Armenunterstützung heran- zuzüchten, vielleicht prüft er den komplizierten Berwaltungs- apparat, den Personalaufwand(u. a. 2 Oberstudienräte) in- folge einer überwucherten Bureaukratie, um zu dem unab- weislichen Schluß zu kommen, daß diese Anstalt k e i n e E x i- stenzberechtigung mehr hat, also schleunigst abgebaut werden muß. DaS aufgestörte Wespennest. 3« dieser„vorwärts"-?! itiz vom 16. d. Mts. ersucht uns der Oberstudienrat der Anstalt richtigzustellen, daß die Einrichtung der Reifeprüfung«n der Lichterfeldcr Anstalt nicht erst in den letzten fahren eingeführt ist. sondern seit ungefähr 4 0 Iahren be- i-V~? ir"khmen gern davon Notiz. An der fachlichen Be- urteil,, ng der tortieen Vorgänge ändert das natürlich nichts. Der Haiiptvorstand der Deutschen vo'kspartei des Wahlkreises W-ftfalen-Süd hat dem Kultusminister B o e l i tz in der Lichter- ,el'oer Angelegenheit das Vertrauen ausgesprochen. Em agrarische? Ernährungsministe?? Gerade die Kreise, die bei jeder Gelegenheit über die Not- wcndigkest des Sparens im Reichshaushalt zu reden und zu schreiben wissen, sind durch die sozialdemokratische Anregung. das überflüssige Reichsernährungsministerium aufzuheben, aus dem Häuschen geraten. Mit aller Nabulistik suchen sie nachzu- weisen, daß nicht nur das Ministerium selbst erhalten werden muß, sondern daß nach Hermes auch wieder ein ggrari- scher Vertrauensmann dort einrücken müsse. Die „Tögltche Rundschau" versichert, daß an einen Abbau der G e t r e i d e u in l a g e, wie ihn die Landwirte erstreben, auch i n nächsten Winter nicht zu denken sei, ja, daß sogar die g an zenMachtmitteldesStaates eingesetzt werden müßten, um das Getreide auch zu bekommen. Ein'Minister, der von vornherein von den ländlichen B e r u f s o r g a- n i f a t i o n e n abgelehnt werde, würde an dieser Auf- gäbe scheitern,� schon bevor er angefangen hätte. Das enthält eine glatte Drohung gegenüber jedem Ver- such, ohne einen solchen agrarischen Vertrauensmann auszu- kommen. Dieselben Leute, die sich regelmäßig und„Pflicht- gemäß" über eine angebliche„Nebenregierung der Eewerk- »»,»>.11-11, j�in JTO f y gl vym JHifWWmmif MWimil.imiLM I____________ 1__ mm vom Puchen unö Lästern. von Hans Dauer. Die SichterfUder Primaner haben in Anwendung auf eine Dame die Ausdrücke Hure, Sau und Jn-die-Fresie-hauen gebraucht. Es ist anzunehmen, daß,«enn nicht einmal die Gegenwart der Dame sie davon abhielt, diese Worte zu gebrauchen, diese und andere Vokabeln aus dem Schimpf- und Kraftwartlexikon nicht gerade Seltenheiten in ihr«c Umgangssprache find. Wir wollan nicht philiströs sei in Ein kräftiger Fluch und ein unpo.rlamentarischsr»der meinetwegen auch sehr unparlamentarischer Ausdruck ist keine Schlechtigkeit. Wo wäre der, der noch nie den eigenen Mund»der den de, anderen als Fresie bezeichnet, der noch nie jenes kräftige, sich etwa auf Reise reimende Wort in irgend- welchem Zusammenhange gesprochen oder wo der, der die Tätigkeil der Beischlafsausübung immer so züchtig bezeichnet hätte, wie es eben hier scheinheiligerweise geschehen ist. Na, und wenn es schon solche gibt, dann drängt e, mich nicht, ihre Bekanntschaft zu machen. Es ist aber nicht gleichgültig, wie man, unter welchen Umständen man und wie oft man jene Wörter gebraucht. Und es ist darüber zu sagen, daß gewisi» Tesellschaftsschichten das üble Wort geradezu vereinbarungsgemäß im Auude führen. Am schlimmste» war das beim Militär. Was so ein rechter, echter Leutnant war, der kannte keinen Dreck im Gewehr und keinen Schlamm, in den der Rekrut sich etwa legen mußte, und keinen Schmutz, der an der Kleidüng haftete. Für Schlamm, Dreck. Schmutz hatte er sein Generalwort. Und der rechte Leutnant wandte auch das vulgäre Verb für die Begattungsübung so ungefähr dauernd an. Verblüffend war die Häufigkeit der Anwendbarkeit digses Verbs in seinem Mund. Fast keine Situation beim Exerzieren war denkbar, in dcr er nicht bildlich werden und die Philosophie des Als— ob anwenden konnte.„Sie hängen ja am Reck, als ob Sie... Sie kommen ja angeschlichen, al» ob Sie die ganze Nacht.. Das ging dauernd f». Und es klang dies nie beiläufig hingeworfen, nie bewußt intim, nie schnuppig: es klang dies aggressiv und beleidigend. Es war dies ein Schwelgen,«u, dem Tan klang das verlangen, für witzig gehalten, und der Will», gemein zu«erden. Wer in einer rechte Korpsstudentenverfammlung kommt, kann, um ein weniges»ergeistigt, da» üble Wort ebenso häufig hören. Es wird dies für schneidig gehalten, es zu gebrauchen, für gebildet, neue Möglichkeiten feiner Anwendbarkeit zu finden. Es gehört mit zum Komment. So gut wi« die Wirtin, so gut wie die Kicsewctter- Derse. Den Lichterfetdern darf man insofern gratulieren. Sie scheinen sich ihrer Offizicrsväter und ihrer Korpsstudentenzukunft voll be- wüßt zu sein, ' schaften" zu entrüsten pflegen, halten eine Nebenregie- rung der agrarischen Organisationen für ganz selbstverständlich. Welchen Sinn das Eintreten für den agrari- Minister gegen Volksernährung hat, das sagt die„Tägliche � Rundschau" in der H a n d e l s b e i l a g e der gleichen Nummer. Sie versichert dort, daß die Erfahrungen mit der dies- jährigen Eetceideumlage käme ungünstigen seien, und daß auch für das nächste Jahr eine teilweise Sicherung des Volks- brotes und dessen Preises nicht abgelehnt werden könne. A.b e n inzwischen seien die Kosten dcr Landwirte bei der Erzeugung des Getreides in gewaltigem Maße gestiegen, und das müsse natürlich bei der Kalkulation für eine spätere Umlagelieferung in Rechnung gestellt werden. Die Schlußfolgerung ist also ganz klar: erst muß ein agrarischer Minister da sein, der den Agrariern jeden Preis bewilligt, und dann kann man ja wieder all eine Umlage denken. Wenn ober jetzt das verwaiste Ernährungsministerium wieder dem Wirtschaftsministerium angegliedert und damit dem Sozialdemokraten Schmidt unterstellt würde, so wäre dem agrarischen Profitstreben wenigstens ein Hindernis be- reitet. Und das muß nach deutschmonarchistischer Anschauung um jeden Preis vermieden werden. Die Freiheit im neuen Staate soll für sie nur eine Freiheit zur Aussaugung der Volks- masien sein._ ftgrariscbe Sprengkolonnen. Ein Vorstost gegen die demokratische lycmciiidcvcrfassung. Um maßgebenden Einfluß auf Staat und Gesetzgebung, ins- besondere Wahrung und.Erweiterung der Selbstverwaltung der Gemeinden zu gewinnen, versuchten auch die bis jetzt noch in mehre- rsn verbänden»ertretenen preußischen Landgemeinden einen Zusammenschluß zu einem einzigen Landgemeinde- b u n d. Was bei den deutschen Städten längst geschehen ist. müßte eigentlich bei den Landgemeinden auch möglich sein. Aber weit gefehlt. Die Deutschnationalen und ihr Anhang fragen den Teufel nach dem Wohl Tausender von Volksgenossen. Das hat sich in den letzten Tagen, wo zwei Landgemeindeoerbände das Be- dürfni» fühlten, sich zu einem verbände zusammenzuschließen, wieder in grellstem Lichte gezeigt. Dcr„Preußische Landgcmcindcvcrband" hielt am 18. März in Berlin einen Landgemeindetag ab. Nach Eröffnung der Tagung versuchtm vornehmlich vom Poinmerschen und Dran- denburgischen Landbund etwa 600 besonders aufgebotene Teilnehmer, die gar nicht oder nicht ordnungsgemäß Mitglieder des Landgemeindcverbandes waren, unter Führung eines gewissen Wienstein die Versammlung zu sprengen. Ter ver- such gelang auch. Die Hand im Spiele hatte dabei auch der bisherige Geschäftsführer des Landgemeindeverbandes, Herr K r e p, der alle die Erschienenen nach dem 1. Januar in den Verband aufgenommen hatte, ohne die Neuaufnahmen, wie satzungegemäh bestimmt, dem Vorstand vorzulegen. Ja, er hatte sogar Blankosormulare mit seiner Unterschrift in beliebiger Zalst dem Landbund zur Verfügung gestellt, eigens zu dem Zweck, den Zusammenschluß der beiden verbände, Land» gemeindeverband und Landgemcindetag, zu hintertreiben. Der Borstand des Landgemeindeverbandes hat sofort den Ge- schäftsführer Krep seine» Postens enthoben und die Ge- schäste den Vorstandsmitgliedern Nicke und Lübecke übergeben. Die Landbündler und ihre aufgebotenen Mannen blieben nach Schluß des Verbandstage» noch zusammen und sollen Deschlüsie auf eigene Faust gefaßt haben. Diese Deschlüsie sind ungültig. Bezeichnend ist, wie speziell der Pommers-he Landbund in Schlawe in einem Zirkular a n die Gemeindevorsteher des Kreises auf die Dersamm- lung des Landgemeindeverbandes aufmerksam machte, Zum Zweck der Sprengung sollten möglichst viele Gemeindcvor- st eher nach Berlin fahren. Der Landbund übernahm nicht nur die Kosten der Fahrt, sondern auch die Verpflegung und Ver- gnügungen. So sollte nach dem Schreiben eine gemeinsame Teilnahme an der Aufführung des Films„Fridericus Rex" im Zoologischen Garten stattfinden. Die Herren des Landbuvdes haben sich aber schwer verrechnet. Sie haben mit ihrem wüsten Treiben gerade das Gegenteil erreicht, nämlich den Zusammenschluß der beiden Verbände Aber zum Teufel. Ich bin voreingenommen genug, zu schmun- zeln, wenn ein handfester Arbeitsmann etwa erzählt, daß er heute auf der Suche noch Arbeit war, aber daß es damit wieder einmal .... allo sagen wir hier schon anständig: Essig gewesen sei, es in- folgedesien für ekelhaft finden,«enn neunzehnjährigen Offiziers- söhnchen die Hure und die Sau und die Fresie nur so aus der..., als» aus dem Mund« quillt. „Tristan" in der Valksoper. Im Theater des Westens hörte man sonntäglich eine Tristan-Ausführung, die zu den besten Leistungen der jungen Bclkscper gerechnet werden kann. Dank der Regie Hörths waren die etwas engen Räume der Bühne spielqerecht ausgenützt, und unier der Führung des außerordentlich tüchtigen, tief in die Partiturdichtunq versenkten Kapellmeisters Hoff einten sich Musiker und Sänger der Staatsoper zu fci-rlichem Bund. Besonders der zweite Akt war orchestral und in der Sprechbehandlung muster- Haft. Durch die Enge des Prospekts bekam allerdings das Bühnen- bild gelegentlich etwas Steifes, Unbewegliches. Marke, M'lot, Tristan schienen für sich zu singen, das Orchester in einiger Eni- fernung. Dafür muß um so dringender der Bau des eigenen Hauses für die Valksopcr betrieben werden. Man sah manchen in Ergriffen- heit, in Andacht bei dem größten Werk der leitenden Liebe, man hörte förmlich die Pulse der Beaeisterung und den Atem des Mit- crlcbens bei Leuten, denen die Musik keine Rätsel zu bieten schien. Was spricht mehr für die Würde einer Aufführung, für die Not- wendmkcit einer Volkskunst als solch elementarer Beifall? Frau Kurth, Fra» Arndt-Ober verdienten ihn absolut, V a g e l st r o m als Tristan war erst im 3. Akt ganz frei, ganz Ekstase, voller Schöngesang und Charakter, Bronsgeest warm und bingebend, Braun etwas unbeweglich, dafür aber wundervoll im Sprechen. Alles in allem: dieser Tristan sei der Volksover von Herzen gedankt. K. S. Die„gcreiniglen" Grimmschen Märchen. Während die deutsche Jugend durch die Bekämpfung der Schundliteratur gegen die Aus- wüchse amerikanischer Wildwest Romantik geschützt wird, führen die Pädagogen der vereinigten Staaten in ihrer Weile den Krieg gegen deutsche Iugenddichtung, und zwar haben sie sich Gegenstand ihrer Fürsorge die altelnwürdigen Grimmschen Märchen auserkoren. Nie in der„Deutschen Berleger. Zeitung" erzählt wird,«erden in den Vereinigten Staaten„ernste Anstrengungen gemacht, um gewisie rauhe und grausame Totlachen aus den Märchen der Brüder Grimm zu entfernen, damit die amerikanischen Kinder nicht roh werden. Bei dem neuen internationalen Charakter der Literatur kann das System des Profesicrenaustaufches nur einen kleinen Einfluß haben gegenüber der erschreckenden Wirkung, den unsere Wildwest-Helden in Berlin oerursochen und die„deutschen Helden" an unserem Hfius- lichen Herd ausüben" Für die wohlbchüteten Kinder der guten Häuser mag ja diese Sorge der Pädagogen angemessen sein, aber da das Leben fortfährt, rauhe und grausame Tatsachen zu produzieren, könnte es selbst den „Seidenen" nichts schaden, hiervon wenigstens in Märchenform Kenntnis zu nehmen. - Landgemeindeverband und Landgemeindetag, der am 10. März tm Herrenhause endgültig vollzogen wurde und den neuen Namen trägt: „Deutscher Landgemeindebund". Ein NasLnftüber. Kürzlich haben wir eine„Anfrage" des deutfchvolksparteilichen Abgeordneten M o r a t h hier niedriger gehängt, in der über die Er- nennung des demokratischen Abgeordneten D c l i u s zum Postrat und Presiereferenten beim Rcichspostministerium behandelt und hervorgehoben wurde, daß Delius(vor langen Jahren) die söge- nannte Derwaltungsprüfung nicht bestanden habe. Der Rcichspost- minister erteilt in seiner Antwort dem lieben„Kollegen" Morath jetzt einen erfreulichen Nasenstüber. Er schreibt u. a.:„Der Ober- postsekrctär Delius, auf den sich die Anfrage bezieht, ist lediglich aus sachlichen Erwägungen für die Beförderung zum Postrat ausgewählt worden. Ich halte ihn nach seiner bisherigen Tätigkeit für die Stelle, für die cr in Aussicht genommen ist, für besonders geeignet. Daß dadurch die A r b e i t s f r�e u d i g k e i t der- jenigen Kollegen, die die Vcrwaltungsprüfung mit Erfolg abgelegt haben oder noch ablegen wollen, beeinträchtigt werden könnte, ist nicht anzuerkennen."_ Ein Angriff auf öen �chtftunöentag! Die von der Schwerindustrie finanzierte TU. oerbreitet folgende Meldung: Lei dcr Beratung des Gesetzentwurfs über die Arbeits- zeit gewerblicher Arbeiter wird der Sozialpolitische Ausschuß des Reichswirtschaftsrates, der am Donnerstag und Freitag dieser Woche Sitzungen abhält, verschiedene Sachverständig« anhören über die Frage, ob der gesetzliche Achtstundentag in Deutschland in An- betracht der gegenwärtigen Wirtschaftslage und der Finanzoer» pflichtungcn durchführbar ist. Daß der Achtstundentag durchführbar ist, erhellt wohl genügend aus dcr Tatsache, daß er seit mcltz: als drei Jahren durchgeführt ist. Die Arbeiterschaft wird sich jedenfalls bereithalten, um irgendwelche Anschläge gegen den Achistundentag abzuwehren. Das Schicksal Schleens. Gelegentlich derBreslauerMesse sprach Ministerpräsident Gen. Braun von Deutschlands Zukunft und fuhr fort: In dieser Zuversicht werden wir besonders bestärkt, wenn wir sehen, wie im Vollgefühl der Kraft und der Stärke schlestscher Wirtschaft, wohl zeitweise gebeugt, aber ungebrochen durch den furchtbaren Kriegszusemmenbruch und den schweren Schlag. den die Abreibung des wirtschaftlich so wertvollen, uns allen so teuren Oberschlesiens in ganz besonderem Maße ihr versetzt hat, die Breslauer Kaufmannschaft gleichwohl zu einer so imposanten Messe eingeladen hat. Dieser Wille der alten schlesilchen Handelsmetropole zu neuem Aufstieg und zu neuen Zielen, der darin zum Ausdruck kommt, erfüllt uns mit freudiger Genugtuung. Er beweist uns, daß Breslau sich nicht mit der Rolle dos großstädtischen Mittelpunktes einer industrie- und gewerbereichen Provinz begnügt, sondern üch auch seinen Platz al? wirtschaftlicher und geistiger Mittler zwischen Ost und West wieder neu erringen will. Ich fühle mich ganz frei von kleinlichem preußischen Parti- kularismus, wenn ich sage: Wie Schlesien industriell und gewerb-- lich im Rahmen eines ihm seine besondere Sorgsalt zuwendenden großen Staatswesens zu hoher Blüte und zu bestem Gedeihe» aufgestiegen ist, so wird es auch feine wirtschaftlichen Zukunfts- pläne am sichersten als ungeteiltes festes Glied des preußischen Staatsgefüges erreichen können, mit dem es infolge der glücklichen Ergänzung dcr beiderseitigen Wirtschaft- lichen und geographischen Voraussetzungen so innig verschmolzen ist. Die Rede wurde, besonders bei diesen Ausführungen über das Verbleiben Oberschlesiens beim preußischen Staat mit lebhaftem Bravo aufgenommen. Zum erstenmal seit dem Kriege ist ein deutscher Dampfer in Boulogne eingelaufen:„Antonio Delfiuo" von der Hamburger Süd- Amerika-Linie, von Hamburg nach Buenos Aires. Schon„Cap Polcuio" von der gleichen Gefelllchafr sollte bei der ersten Ausreise in Boulogne anlausen, was ober durch schikanöse Dorschristen dcr französischen Zollbehörde unmögich gemacht wurde.__ Zur Besprechung von Kanners„Kaiserlicher Katastrophen- Politik" in der letzten..Bücherschau" bittet der Resenzent nachzu- tragen, daß durch ein Versehen(nein, aus Raumersparnisgründen. Die Red.) die Polemik gegen Kanners Behauptung von dem Fehlen zweier Dokumente in den Kautskyschen Akten fortgeblieben ist. Der Rezensent meinte, daß Kanner mit Unrecht annimmt, daß Tschirschky über den entscheidenden Ministerrat in Wien unterrichtet gewesen lein muß De, dcr unehrliche» und verschleiernden Politik Berchthclds dem wichtigsten Verbündeten Ocsterrcich-Ungarns gegen- über ist das durchaus nicht anzunehmen. Den fehlenden Rüffel des deutschen Auswärtigen Amtes hat Tschirschky vermutlich, wie ahn- liches im diplomatischen Verkehr üblich ist, in einem Privatbriefe er- halten, den er zu den Akten zu legen nicht verpflichtet war, und den er ,m Interesse seines Ansehens bei den Untergebenen jedenfalls bei sich behallcn haben dürfte. So erklärt sich leicht die Lücke in der sehr verdienswollen Aktensammlung, die in ihrer Bedeutung nicht heruntergesetzt werden soll.— ad. br. Der Luftverkehr in Rußland. Die russische Sowjctregiorung hat einem deutschen Konsortium die ausschließliche Lerechligung ertei.t, Luftverkehrslinien zwischen den wichtigsten russischen Stödten ein- zurichten. Bereits in kurzer Zeit wird ein regelmäßiger Flugzeug- verkehr zur Beförderung von Post und Passagieren zwischen Peters- bürg und Moskau aufgenommen werden, sodann zwischen Moskau und Kiew. Auch ein Luftdienst Petersburg— Berlin ist in Aussicht genommen. Werkstätten zur Herstellung von Flugzeugen sind in Moskau und Petersburg errichtet worden: der Betrieb steht unter Leitung einer neugegründeten russisch-deutschen Gesellschaft. Splelplaiiitnbcrung. In den K a m m e r s p i e I e n wird vom Montag»b ollabendl ch S-bnivterS.?l u a t o l- gespielt.— Die Premiere vom .'eleinen Schololadenmädchen» im«leinen Theater ist aus Mittwoch verschoben worden. Tie AnSsteNnng dcr Akademie der Künste,«m Pariser Platz 4, „«uö 5ilt- und 9ifu•Vfilin* wild um kinc Woche bis Sonnlaq. den 2L. Mörz, einjchlietzlich»etlängert. Sie ist täglich von 10— 5 Utzr zugänglich. „Tie Junge Bühne- will in der Zeit de» französischen Schwan» »a» Uiouliüdlnng»- Theater geistiger Dramen fein, huü der aller Art werden sich zu einer neuen Eemeinlchait zulainmenichliecen. 5Ini Sonntag.?. Jlp U, wild.Die„Iirnje Dühne" im Neuen Tbeoter am Zoo mit tzer Nraujsühruni von Arnold Bronnen» Tchauipiel.Patermortz' erbjfnet. Tie Leitung tzor Berliner MuseuulSdaukommissiou hat Kultu»- minister Dr. voetitz titzerniminen. Pildetzrand» K Heinbrunnen, eine monumentale Brunnenanlage mit dem Pater Rhein in der Mitte und Aheintöchtern zu Seiten soll jetzt in Köln o« Kaiser-Wilbelm-Ring ausgestellt»erde» Er wird hier ähnlich wie Hildebrand» Witteldbacher Brunnen in München inmitten von Anlagen stehen. Ein Kongreß ,.Me ischeobildung und LebenZgeftaltung- wird zu Pfing- -\ I. fern Bund entschiedener Schulr-iormcr in Main, verauftaitet. E» soll ein. Versuch sein, einen Akg zur europäischen Kultnrxemeinschasl zu finden. Der Kongreß soll sich über vier Tage erstrecken. T:e Leitung be» Presjeamte» hat Dr. Strecker-Tarmstadt. v»?kunst«rteilt Ortsgruppe Mainz der Cchutrejormer(Mainz, Leibnizstr. 4b). Der Fxveck heiligt ü:e Nittel. Die„Rote Fahne" ist durch unsere Kennzeichnung ihrer doppelten Moral ganz und gar aus dem Häuschen geraten. Statt einer sachlichen Antwort bringt sie einen pöbelhaften persönlichen Angriff gegen ein Mitglied unserer Redaktion, von dem sie kühn und frei behauptet, daß es die Notizen über die Verfolgung der russischen Sozialrevolutionäre oersaßt habe. Ist solch ein Manöver an sich nur als Ausdruck grenzenlosester Verlegenheit zu werten, so wirkt es im vorliegenden Felle dadurch doppelt widerlich, als unser in der„Roten Fahne" angegriffener Redaktionskollege nicht nur an der Ab- fassung der Notizen gänzlich unbeteiligt ist, sondern der wirkliche Versasser mindestens einem Redaktions- Mitglied der„Noten Fahne" genau bekannt ist. Um also überhaupt etwas entgegnen zu können, muß die„Rote Fahne" wider besseres Wissen einen Unbeteiligten zum Verfasser um- lügen. Selbst was sie dann zu sagen hat, ist albern und lächer- lich genug und vor allem— es hat mit der beabsichtigten Hin- richtung der Sozialrevolutionäre nicht das mindeste zu tun. Auch sonst weiß die„Rote Fahne" nur zu lügen, daß wir das Vorgehen der Sozialrevolutionäre mit geheimen Kampf- organisationen, Expropriationen, Attentaten usw. gebilligt und verteidigt hätten. Ist uns gar nicht eingefallen! Wir hoben einzig und allein darauf hingewiesen, daß die Kommunisten dieselben Kampfmittel den Sozialrevolutionären als scheußliches Verbrechen ankreiden, die sie selber noch wäh- rend des Märzausstondes 1921 eifrig angewendet haben. Darauf weiß die„Rote Fahne" nur zu erwidern: Für den„Vorwärts" ist also der Kampf gegen eine S t i n n e s- regierung eins mit dem Kampf gegen eine proletarische Staatsmacht. Der Märzkampf der Kommunisten richtete sich bekanntlich gegen den sozialdemokratischen Innenminister Se- vering und den sozialdemokratischen Oberpräsiden- tcn Hörsing. Aber, um uns bei der üblichen Geschichtsfäl- schungsmetbode der„Roten Fahne" nicht weiter aufzuhalten, stellen wir fest, daß das ehrenwerte Kommunistenblatt jetzt bei Vr Iesuitenmorol angelangt ist: der Zweck heiligt die Mittel. Nur daß die Jesuiten bestreiten, diese verwerfliche Moral zu lehren, während die„Rote Fahne" sich freudig dazu bekennt. 5obnerhohunsten öer OuckfArucker. Die Teuerungszulagen erbosten sich ob 27. März für Berlin für Dersteiratete um 150 M., für Ledige um 154 M., für Gehilfen unter 24 Iahren um 153 bzw. 147 M., um 142 bzw. 135 M. für unter LI Jahre alte Gehiffen und um 120 M. für Ausgclernte. Die Hills- nrbetter erhalten 85 Proz. dieser Löhne. Der Aufschlag für Ma- f-hinensehcr beträgt 10 M. Am 25. April wird erneut über die Löhne verhandelt._ Junl>foz;alNenta?ung. Die Inngsozialisten des Bezirks Magdeburq-Anhalt stielten am 19. März im„Frankenstcim" in Magdeburg ihre zweite Iungsozia- listentagung ab. Aus 30 Orten waren 125 junge Genossinnen und Genollen vertreten, die sich mit den Gegenwarts- und Auknnfts- aufgaben der jungsozialistischen Bewegung, mit organisatorischen und präktisthen Fragen beschäftigten. Als Vertreter der Zentrale Berlin war der Genosse W e g e n e r erschienen. Genosse Voigt wies als Vertreter des Bezirksvorstandes der Sozwldem akratischen Partei des Bezirks Sachsen-Anhalt darauf hin, dall die Bewegung der Iunasozialisten in Magdeburg unter Förde- r-ing der Vartei--ewachsen ist. Den E i g c n b e st r e b u n g e n der Iungsozial'lten ist größtes Verständnis entgegengebracht worden. Uebcrall müssen sich jung und alt oerstehen lernen. Diese Konferenz mag dazu beitragen. lieber die Ku'turaufqaben des Görlitzer Pro- g r a m m s sprach Genosse Henneberg. Er betonte, daß es Zluf- aabe der Jungsozialisten, wie überhaupt der Jugend sei, in die Therr-e des Sozialismus einzudringen, sich mit den Kulturfragen der Gegenwart zu beschäftigen. Danach referierte Genosse (?. R. Müller über Bildungsfragen der Iungsozialisten. Er führte aus: Bildung bedeutet Arbeit, lernen, sich vertiefen in die Geschichte und in die Gegenwart., In der Jugendbewegung ist der Gedanke lebendig geworden, daß die Jugend sich selbst ge- n ü q e, daß sie aus sich heraus ihr Leben und ihre Zukunft ge- stalten kann. Die Jugend wollte von der arauen Theorie, vom Lernen nichts wissen. Das mag für den Festtag genügen, für das Leben aber nicht. Wir brauchen Menschen, die die sozialen, poli- tischen und k"'t"rslten Probleme der heutigen Zeit geistm meistern. Das erfordert Wissen, Klugheit und Geschicklichkeit. Wir haben früher den Anspruch auf Mitwirkung in allen Tingen des Staates, der Wirtschaft und Kultur verlangt, heute ist aus dem Anspruch Verantwortung geworden. Es gilt, neue Rechte auch richtig anzuwenden. Auch die Jungen müssen einmal in Gcmeindcver- trctunoen, in anderen öffentlichen Verwaltungen und als Vertreter einer Klosie im wirtschaftlichen Leben tätig sein, sie müsien Wort- führcr i-nd Verteidiger des Sozialismus sein. Dazu müsien sie geistige Waffen haben, die sich jeder in fleißiger Arbeit schmieden muß. Auch in die kleinste Gruppe kaniz rege,, geistige Tätigkeit ge- bracht werden. Dann können ans den Iungsozialisten Verteidiger und Vork:m?ser für den Sozialismus erstehen, die in den Ge- meinden, in der Fabrik, im öffentlichen politischen Leben einmal wirken und wirken müssen, soll der Sozialismus in Zukunft be- steh-m. Die Aussprache ergab Nebereinstimmung der Debattcredner mit dem Referenten. Genosse W e q e n e r lBerlin) gab einen Ueberblick über die Vewequno der Iunasozialisten im Reich. Seit Bielefeld hat sich die Ortsgruppenzahl erhöht. Es bestehen jetzt 120 Ortsgruppen. Das Organ der Iungsozialisten, die„I u n o s o z i o l i st i s ch e n Blätter" hat eine stattliche Anzahl von Lesern. Die Bewegung geht vorwärt«. lieber die Bewegung im Dezirk Sachsen-Anhalt gab Genosie Lösche Bericht. Im Bezirk bestehen 30 Ortsgruppen, die allerdings organisatorisch wenig Zusammenhang habcsii. Auch hier sind Fortschritt? zu oerzeichnen. In der Aussprache wurde die Haltung der„Junalozialistischen Bläller" kritisiert und ein Antrag anaenommen, der sich gegen die Redaktion wendet.— Die Konferenz nahm einen prächtigen Verlauf. Am Tage vorher sprach in einer öffentlichen Kundoebung der Magdeburger Iungsozialisten Reichstagsprösident Genosie£36« über:„Die Jungen in der Re- publik." Seine Ausführungen, die zu» intensiven Mitarbeit am Bau de» Repubsik aufforderten und den Jimzfozialisten sagten, daß sie sich mehr mit Politik beschäftigen sollten, fanden stürmischen Beifall. Zum deulschen Bskscholler in Wasstlnzsion ist setzt endgültig der Direktor der Kruppwerke, Geheimro.t Dr. Wiedfeldt, in Aussicht genommen. In Washington ist um dos Agrement für ihn nochze- sucht worden. Wiedfeldt, der im 51. Lebensjahre steht, war früher Dortroaender Rat im Reichsomt de? Innern und ging im Jahre 1911 nach Tokio, um als Rotgeber im japanischen Eisenhehnamt zu wirken. Während des Kriege» trat er in das Direktorium der Krupp- werke ein. Marceile Hemnan» ist von seiner Mutt-m au« der jahrelangen Zimückhaltunq in Nancy, wo es mit seinen Eltern während des Krie- ges interniert worden war, abgeholt worden, nachdem die deutsche Botschaft in Pari» da» strittige Pflegegeld cm die Eltern gezahlt hatte. Dem Jungvolk zum Geleit. Die Jugendweihen der Arbeikerschasl. Die Beliebtheit der von der Groß-Berliner Arbeiterschaft durch die SPD. halbjährlich veranstalteten Jugendweihen, die den aus der Schule abgehenden Jungen und Mädeln ein Geleitwort mit auf den Lebensweg geben, ist in an- dauerndem Wachsen. Zu unserer diesjährigen Frühlingsjugendweihe war eine so große Zahl Kinder angemeldet und man hatte daher eine so starte Beteiligung von Angehörigen. zu erwarten, daß die Feier diesmal auf sieben Stellen oerteilt werden mußte. Am gestrigen Sonntag fanden die Jugendweihen statt für Berlin(Lehrervereinshaus und Reue Philharmonie), für Charlotten- bürg(Leibniz-Oberrealschule), für Neukölln(Happoldts Konzertsaal), für Lichtenberg(Cäcilien-Lvzeum): am nächsten Sonntag werden die Jugendweihen für Schöneberg und für Pankow folgen. Wer solche Jugendweihen kennt, dem sagen wir nichts Neues, wenn wir hier feststellen, daß diese in entschiedenem Gegensatz zu kirch- lichen Konfirmationen stehenden Veranstaltungen an Würde ft— n nichts nachgeben. Im Berliner Lehrervereinshaus, wo wir gestern an der Jugendweihe teilnahmen, war der große Saal samt Galerie von einer ernst gestimmten Menge bis auf den letzten Platz besetzt. Harmoniumspicl begrüßte das Jungvolk, dos in feierlichem Zuge den Saal bettat und auf den Ehrenplätzen sich niederließ. Die Weihe- rede wurde umrahmt von musikalischen Gaben, künstlerisch wert- vollen Darbietungen des Meinekeschen Männerchors(M. d.A. S. D.) unter Chormeister Joseph und des Leißnig-Ouartctts. Genosiin Dr. Wegfcheider zeigte in ihrer Rede den Knaben und Mädchen die große Gemeinfchaftder mitHand undKopsSchaf- senden, in die sie jetzt eintreten, und das große Ziel der Er- ringung besserer Bu stände, dem sie zustreben sollen, um die Arbeit der Alten fortzusetzen und zu vollenden. Mit Wahrheit?- tmtt, Hilfsbereitschaft und Willenstraft müssen sie ausgerüstet sein und Treue muß sie starb machen, so daß keine Macht der Welt sie aus der Gemeinschaft losreißen und sie vom Ziel abbringen kann. Genossin Wegfcheider schloß mit einer Mahnung an die Eltern, rechtes Verständnis zu haben für das an neuen Aufgaben und in neuen Formen sich betätigende Stteben der Jugend und auch für ihre Nöte, die ihr nicht erspart bleiben. Zur Erinnerung an den Weihe- tag wurde jedem Kind« eine Buchspende überreicht. Aehnlich verliefen auch unsere anderen Jugendweihen vom gestti- gen Sonntag. Die Weiherede hielten in der Neuen Philharmonie Genosse Haß, in Charlottenburg Genosse Kreuziger, in Neu- kölln Genosse Lohmann, in Lichtenberg Genosse' W i s s e l l. Uoberall wurde die Feier durch musikalische Beigaben verschönt. Das flrbeiter-hallenfportfeft. Der Riesenraum des Sportpalastes war gestern überfüllt. Die Arbeitersportlcr Groß-Berlins hielten ihr erstes Hallen- S p o r t f e st ab und hatten einen Zuspruch gefunden, wie sie ihn sich nicht besser wünschen konnten. Die Hauptkämpfe begannen zwar erst um 5 Uhr, aber bereits um 4 Uhr war jeder noch so enge Steh- platz, der nur einen flüchtigen Blick auf die Arena gestattete, eine ängstlich gehütete Kostbarkeit. Nach dem Kriege wird die Leichtathletik von den Arbeiter- sportlern sehr gepflegt, und so sah man denn auch sehr guteEinzel- l e i st u n g e n und spannende Endkämpfe. Wenn die Namen der Sieaer durch das Sprachrohr verkündet wurden, begrüßte sie jubelnder Beifall. Auch die Turner wiesen vortreffliche Leistungen auf. Größte Anteilnahme wurde den sportlichen F r e i ü b n g e n geschenkt, die als V o r ü b u n g en zum B u n- desfest galten. Die Radfahrer zeigten sich als wahre Künstler, deren Farbsnreigen einen guten Geschmack in ihrer Zu- sammenstcllung verrieten. Einen erfrischenden Eindruck machten die t ä n z e von anmutiger Schönheit tanzten. Schließlich möge noch t ä n z e von anmutiger Schönheit tanztcen. Schließlich möge noch der Athleten mit Anerkennung gedacht werden. Gesunkene Gffiziersmoral. Umgewechselke und verschobene Regimenlspferde. Die umfangreichen Pferdeschiebungen bei der Abwicklung« stelle in Zossen beschäftigten gestern die 2. Strafkammer des Landgerichts II. Wegen fortgesetzten Diebstahls bzw. gewerbsmäßiger Hehlerei waren der frühere Offizier st ellvertreter Henfel und der L a n d- w i r t Weise angeklagt. Der Angeklagte Hensel hotte bei dem gemeinsamen Mittagsmahl der Offiziere den Leutnant Wagner-Hohenlobbefe kennen gelernt, der in ungeheure Spielschulden geraten war und jetzt steckbrieflich verfolat wird. Im Einverständnis mit Wagner trat Hensel mit dem Mitangeklagten Weise in Verbindung, welcher die zu verschiebenden Regimentspferde. kaufen sollte. Wagner ließ nun eine große Zahl tadelloser Militärpferde durch Soldaten, denen irgend etwas oorerzählt wurde, an eine abaelegene Stelle im Walde bringen, wo sie von Weise nach Zuzablung erheblicher Summen gegen alte minderwertig« Klepper ver- tauscht wurden. Die weiteren Anklagepunkte betrafen die im Zluftrage des Oberleutnants Freiherrn von Eroilsheim erfolgten Verkäufe von Militär- Pferden. Diese Fälle ließen sich rdoch nicht mehr aufklären, da von Crailsheim inzwischen in Geisteskrankheit verfallen ist. Vor Gericht wie» Rechtsanwalt Dr Harn) P i n c u s darauf hin, daß Hensel durch das schlechte Beispiel verleitet worden und das Opfer des Niedergangs der Moral in Offi- zierskreifen geworden sei. Für Weise machte Iustizrat Dr. Cohnberg gellend, daß dieser die strafbare Herkunft der Pferde nicht gekannt habe.— Da» Gericht kam zu einer sehr mil- den Beurteilung der Sache, indem es die Angeklagten nur zu je 6 Monaten Gefängnis mit der Aussicht auf b e- dinqte Begnadigung nach Deckung des dem Reich entstände- neu Schadens verurteilte._ Ein„groftzngigcr" Geftiigelfarmer. Die Geschäfte einer„Geflügel-Großfar m", die ihren ! Sitz in Boyern hatte, erregten Anfang Februar d. I. die Aufmerksamkeit der Berliner Kriminalpolizei. Ein Mann namens Gustav Metz pries auf Geschäftsbriefen mit hochtönendem.Vordruck die Er- Zeugnisse seiner„Ersten Deutschen Seslügel-Großfarm" in Stich- l i n g s, Post Heising, an und bestellte für Berlin auch einen eigenen Vertreter. Weil Metz für ein Huhn»an% Jahr nur 22 Mark verlangte, so gingen bei dem Vertreter Massenbestellungen von kleinen Leuten ein. Alle leisteten die verlangten Zahlungen, die bei Somnielbestellungen zum Teil sehr hoch waren, und glaubten, nun bald ihrHubn imStalle oder auch i m-T o p f zu haben. Aber es kam nicht ein einziges nach Berlin. Di« Inspektion S II der Kriminalpolizei stellte nun fest, daß Metz zwar in Stich- ling ein kleine« Anwesen erworben hatte, daß dieses aber bereits zur Zwangsoer st eigerung stand, und daß er selbst ver- l ch w u n d e n war. Während die Staatsanwaltschaft ihn suchte, häuften sich die Anzeigen von Leuten, die Geld angezahlt, aber kein Huhn bekommen hatten, Immer mehr. Jetzt endlich ist es gelungen, den Flüchtigen festzunehmen. 1600 Geschädigte haben sich bi» jetzt gemeldet Metz behauptet nun, daß er ganz un- schuldi'' sei. Er schiebt alle Schuld auf seinen hiesigen Vertreter, I einen Mann namens Opitz, und behauptet, daß dieser die Anzah- ' hingen zwar in Empfang genommen, aber nicht an ihn abgeführt habe. Rur aus diesem Grunde sei er nicht imstande gewesen, die an- gebotenen Hühner zu liefern. Die weiteren Feststellungen werden sich auf die Nachprüfung dieser Behauptung beziehen. Ausgehobcnc Russen. Eine unliebsame Ueberraschung erlebten � in der Nacht zum- Sonntag die zahlreich versammelten Gäste des Weinrestaurants Strelna in der Vrandendurgischen Straße 37. Dort hatten sich Aus- lönder aus dem Osten, Russen, Polen und Staatsange- hörige der ö st lichen Randstaaten allnächtlich ein Stell- dichein gegeben. Der Hauptbetrieb begann dort stets nach Schluß der Polizeistunde. Als Kriminalkommissar F u t h und Obcrwacht- mcister Starote mit Beamten ihrer Abteilung, unterstützt von Mannschaften der Schutzpolizei, um 2 Uhr nachts plötzlich einfielen, war wieder voller Betrieb. Mehr als 80 Personen saßen um kleine Tische, auf denen der Sekt in Gläsern perlte. Der Wirt gab den Beamten an, daß es sich um einen Berein, den„Klub Kur- fürstendamm" handele. Als die sprachkundigen Beamten dann aber die zum großen Teil der deutschen Sprache nicht mächtigen Ausländer fragten, wußten diese von nichts. Bei einer Kontrolle der Pässe stellte sich heraus, daß sich unter den Gästen nicht weniger als 61 Russen, Polen usw. befanden, die alle zur genauen Prüfung ihrer Personalien und ihrer Aufenthaltserlaubnis nach dem Polizeipräsidium gebracht wurden. Die Steuermarken für 1H21. Verlängerung der Adliefernngsfrist. Der große Andrang bei den Steuermarkenannahmestellen, der, wie wir kürzlich im„Vorwärts" festgestellt haben, zu mannigfachen Beschwerden Veranlassung gegeben hatte, veranlaßt nunmehr das Landesfinanzamt Groß-Derlin anzuordnen, daß die Steuermarken und Markenblätter für 1921, soweit sie nicht bis Ende März abgeliefert sind, noch im Laufe des Monats April dieses Jahres von den in den einzelnen Bezirken bekanntgegebenen Annahmestellen entgegengenommen wer- den, ohne daß den Steuerpflichtigen hierdurch irgendwelche steuerliche Nachteile entstehen. Gegen die öugendnerhehung, die zurzeit in der Ausstellung „Deutschland und der Friedensocrttag", Wilhelmstr. 34, betrieben wird, erhebt der Bund entschiedener Schulreformcr, Bezirk Groß- Berlin, Einspruch. So richtig und wünschenswert es an sich ist, daß der heranwachsenden Lugend die unerträglichen Lasten und Härten des Verfailler Friedensoertrages vor Augen geführt werden, so notwendig ist es auch, daß die Belehrungen in fach- lich er und wissenschaftlich einwandfreier Weise erfolgen. Das ist in der Ausstellung in der Wilhelmstraße nicht der Fall. Statistische Zahlen werden in der optischen Darstellung zugunsten Deutschlands tendenziös entstellt, der Bölkerbund und der B ö l'k e r b u n d r a t erscheinen auf Abbildungen als eine Gesellschaft von Räubern und Banditen. Tagtäglich werden die Klassen der Berliner Schulen unter Aus- fall des Unterrichts dorthin geführt und im Geiste der Völker- Verhetzung von chauvinistischen Rednern bearbeitet. Es ist drin- gend notwendig, daß der Minister den Schulen den Be« such der Ausstellung so lange verbietet, bis für eine sachliche und unparteiische Darstellung des Friedensoertrages ge- sorgt ist. In der Zungfernheide überfallen und beraubt. Vor kurzem wurde der Sgern Otto Seemann aus RcgcnSburg in einem G e b ü i cd in der I u n g f e r n h e i d e in der Nähe des Span» dauer SchiffahriSkanalS von Passanten, die lautes Stöhnen hörten, hilflos aufgesunden. Man rnia ihn nach der nächsten Wache der Schutzpolizei, wo er sich nach einiger Zeit erholte. Bei seiner Ver» nchmung gab er an, daß er von zivei Männern»m Feuer gebeten worden sei. Plötzlich habe ihm einer derselben einen Strick um den Hals geworfen, zugezogen und ihn zu Boden geschleudert. Dann habe man ihn in das Gebüicb geschleppt, wo er das Be- wußtsein verloren habe. Die bisher unbekannten Täter haben ihm 12000 M. bareö Geld, seine Uhr und Manschettenknöpfe geraubt und sind dann spurlos verschwunden. Ein vombenaklenkak ist in Tokio gegen den taiser» lichen Palast verübt worden. Der A t t e n t ä t e r, der bei dem Versuch, das Schloßtor zu durchschreiten, durch die Explosion der Bombe, die er'bei sich trug, getötet wurde, ist ein Arbeiter namens F u j y t a. Er habe eine Bittschrift bei sich getragen, in der er Klage darüber führte, daß die Regierung das allgemeine Wahlrecht ver- weigere. Flugzeuglandung auf der Zuglpihe. Der Münchener Flieger- Hauptmann H a i l e r führte am 19. März seinen Plan aus, eine Flugzeuglandung auf der Zugspitze zu unternehmen. Zwei Fluggäste nahmen an dem Fluge teil. In den Morgenstunden war Hauptmann H a i l e r in Schleisheim bei München aufgestiegen, um Mcll Ubr vormittags landete er glatt auf dem Schnee- ferner, 500 Meter unterhalb des Gipfels der Zugspitze. Wetter für morgen. Berlin nnd Niiiqegcnd. Einrn» feiler, überwiegend bewölkt mit wiederholten Niederschlägen und frischen nordioeslllchcn Winden. Groß-öerliner parteinachrichten. 5. fttei» griedrichsha!». Stute«bend 7>/, Uhr Sitzung der geitung-Ioninlisikn bei Dauer Srotze Frantfurler LIrabe 1. 51. tifct. Cbarlottcndurg. Die Dorstanbebtzung der Abteilung kenn am Dienatag nicht»bgehaven werden, da eine erweiterte Nieisvorstaudssitzung anberaumt ist. Zirngsozlolsiien, Gruppe Köpenick. Heute abend 7 /, Uhr im Ltaatsthrater Vor- tragsadend. Sport. Die Radrennen auf der Olymplabahn waren trotz der sich recht fühlbar machenden Kälte überaus zahlreich besucht. In den ersten beiden Dauerrennen über 10 und 25 Kilometer zeigte Sawall, daß er bereits in guter Berfassung ist. Aus dritter Position einmal an die Spitze gelangt,.verteidigte er diese in beiden Rennen siegreich vor dem gut aufkommenden Bauer. Im dritten Dauerrennen über 40 Kilometer riß aber dann Bauer die Führung an sich. Bis etwa zur Hälfte des Rennen» wies er alle Angriffe des wieder braoourö» fahrenden Sawall' ab. Ein Motordesekt beraubte ihn aber dann seiner Siegeschance, so daß Sawall nunmehr auch das werwollste Nennen unangefochten nach Haufe fahren konnte. In den Flieger- rennen waren der alte Schwab und Otto Tietz die Helden des Tages. Ein Zweisitzer-Fahren gewann die so beliebte Leichtgewicht-Mann- schaft Schulze-Neinas nach schönem Kampfe. Ergebnisse: Paul W e stermeier-Preis, 10 Kilometer: 1. Sawall 8 Min. 26 Sek., 2. Bauer 120, 3. Hahn 510, 4 Nettelbeck 610, 5. Stellbring 720 Meter zurück.— Bru'-o-Kastner-Preis, 25 Kilometer: 1. Sawall 20 Min. 32 Sek., 2. Bauer 610, 3. Stellbrink 950, 4. Hahn 1350, 5. Nettelbeck 7470 Meter zurück.— Preis der Komischen Oper, 40 Kilometer: 1. Sawall 33 Min. 40 Sek., 2. Hahn 130, 3. Nettelbeck 2000, 4. Bauer 3120, 5. Stellbrink 5290 Meter zurück. — Lotte-Werkmeister-Preis, 800 Meter: 1. Schwab, 2. Kops, 3. Stolz, 4. Schöllner, 5. Krahner.— Sascha- Gura- Preis, Zweisitzerfahren über 4000 Meter: 1. Schulz-Neinas, 2. Schröder-Henfch, 3. Krahner-Petri, 4 Techmer-Packebusch.— Wilhelm-Hartstein-Prei», 4000 Meter: 1. Otto Tietz. 2. Packebusch, 3. Hiepel, 4. Tcchmer, 5. Petri. OewerWhojwbeVegung Zur Frage der Handwerkerlehre. Eine Jnteivellalion der Neichsregierung über ihre Stellung- «ahme in dieser Krage, die von den bürgerlichen Parteien de» Reichstags(mit Ausnahme de« Zentrums» eingebracht worden ist, wird im Laufe dieses Monats im Reichstage am Behandlung tomme». In dieser Interpellation wird daraus hingewiesen, daß der ReichSverband des deutschen Handwerk« sich gegen die Beseiti- gung des.ErziebungSverhällnisieS' in der Handwerkerlehre wendet und daß er proieniert gegen die Versuche einer tarisvertragllchen Regelung deS LehrlingSwesenS. Bei der Besprechung dieser Interpellation werden von den Rednern der sozialistischen Parteien die Fragen deS Jugend- schutzes und LehrlingSrecht» überhaupt behandelt be- bandelt werden: besonder? wird von ihnen dargelegt werden, daß zum Wohle der Jugend sowohl wie auch der beruflichen Ausbildung eine sofortige Aenderung der Gewerbeordnung nötig ist, die mit ihren veralteten Bestimmungen den Innungen und Handwerkskammern heute durch nichts mehr begründete Sonderrechte auf dem Gebiet de» Schlichtungswesens einräuint, Der Mitwirkung der Gewerkschaften mutz endlich freie Bahn ge- schaffen werdeiv_ Carl Laux t Am 18. Märr starb im Alter von 52 Jahren unser Genoffe, der Postassistent Carl Laux. Der Verstorbene war seit 15)10 I. Borsitzender des ReichSverbandeS Deutscher Post- und Telegraphenbcamten. Aus kleinen Anfängen heraus hat er die OrganiiationSbewegung der unteren Post- und Telegraphenbeamten, oft unter den schwierigsten Berhältniffen zu Zeiten PodbielSliS und ÄiäikeS emporgesührt. Zählt der Verband doch mehr als 150 000 Mitglieder. Seit 1318 war tt Mitglied der Sozialdemolratcn Partei Teutschlands, und ihm ist es vor allem zu danken, datz die giotze Anzahl der Postbeamten beginnt, sich einzufügen in die gewerkschaftliche Front aller Arbeltnehrncr. Streik der LandschaftSgärtner. In einer überfüllten Versammlung der LandschaftSgärtner am Sonniag vormittag in Haberlands Festsälen wurde in geheimer Abstimmung einslinunig beichlofien, deute früh in den Streik zu treten. Nachdem dieser Beschlutz bekannt wurde, haben einige f firmen, darunter die Firma Spaeth, die Forderungen der Arbeiter- chaft unterschriftlich anerkannt. Weitere Vcwllligimgcii sind zu erwarten. Die zu den neuen Bedingungen Arbeitenden führen einen von der Organisation ausgestellten grünen Ausweis. Wer nicht im Besitz de« Ausweises ist, mutz als Streikbrecher betrachtet werden. Angestclltcntarif der Berliner Metallindustrie. Die ständig weiter steigende Teuerung bedingt auch in der Ler- liner Metallindustrie neue Verhandlungen über die Gehälter der Angestellten. Auf Antrag des AfA-Ortskartells finden die VerHand- lungen mit dem Verband Berliner Metallind'.fftriellcr am D i e n s- tag, vormittags 10 Uhr. im Verwaltungsgebäude des VBMJ. statt. Der Zahntechniker-Beruf. Der Verband deutscher Dentisten(Gehilfenorganisation) schreibt uns: Zur bevorstehenden Schulentlassung möchten wir nicht ver- säumen, die Eltern darauf hinzuweisen, daß der Zahntechnikerbcrnf gegenwärtig überfüllt ist, daß 60 Proz. der ausgelernten Techniker ohne Stellung und Erwerb find und daher noch Gehälter von SOO bis 1000 M. monatlich gezahlt werden. Nähere Auslünfte er- teill Dentist Biber, Berlin SO. 26, Admiralstr. 12. Lohnbewegung im Papier- und Pappengrosthandel. Der Arbeilgeberverband im Berliner Papier- und Pappengrotzhandel macht VerhanMuiigen über die Lohnfrage davon abbängig. datz der Deutsche Transportarbeiter- verband eine slüriiiliche Erllärang abgeben soll, mit den anderen Arbeitgebeivereinigungen dieser Branche leine sür jene günstigeren Lohnvereinbarungen abzuichlietzen. Der Deutsche TranSport- arbeilerverband bat eine solwe Erklärung abgelehnt mit der Be- gründung, datz ihm nicbt zugemutet werden kann, nur mit dem Arbeitgeberverband allein ein Lohnabkommen zu treffen, da seine Mitglieder auch bei anderen als nur Arbeitgeberverbandtfilmen in Frage tommen. Eine stark besuchte Versammlung wieZ eine solche Zumutung zurück: sie erwartet, datz trotz der Ablcbnung der Ar- beilgeberverbaAD, um den ArbeilSfrieden nicht zu stören, ein Lohn- abkommen treffen wird. Mit dem Verein Berliner Vaviergrotz- Händler wurde verbandelt, jedoch ohne annehiiibareS Resultat. Zur Enticheidung aller Streitfragen soll der SchlichtungSauS- schütz Grotz-Berlin angcruien weiden. Einmülig kam zum Ansdriick. datz, wenn nicht die Arbeitgeber Horb noch einlenken, der Kampf mit aller Schärs« gesührl werden wird� Kommunistischer Sieg im TranSportarbeiterderband. In der außerordentlichen Mitgliederversammlung der Sektion 8 des Deutschen Transportarbeiterverbandes(Lebens, und Genuß- Mittelbetriebe) am H. März nahmen die Mitglieder zum zweiten Male Stellung zu der Neuwahl der Sektionsleitung. Die erste Wahl am 2. März ist von der Bezirksverwaltung für ungültig erklärt worden, da Fehler bei der Auszählung gemacht wurden und deshalb l Proteste gegen die Gültigkeit der Wahl eingegangen waren. Braun, ' der in der ersten Versammlung al» 1. Sektionslciter gewählt wurde, forderte die Versammlung auf, eine Neuwahl nicht vorzunehmen, sondern die erste Wahl zu bestätigen. Nach längerer Aussprache einigte man sich auf eine Neuwahl. O r t m o n n begründete den Beschluß der Verwaltung und er- klärte, daß die Bezirksoerwaltunq auf Grund des Statuts keinen anderen Standpunkt einnehmen könnte. Brauns politische Rich- tung habe bei der Beschlußfassung überhaupt keine Rolle gespielt. Lediglich der Umstand, daß NichtMitglieder bei der Wahl anwesend waren und bei der Auszählung sich Unstimmigkeiten ergaben, habe die Verwaltung zu ihrem Beschlüsse veranlaßt. Es ginge nicht an, die Beschlüsse der Funktionäre einfach beiseite zu schieben und so denselben ein Mißtrauensvotum auszustellen. M a r s ch k e trat den Ausführungen Ortmanns entgegen und verlangte, daß der Haupworstand dem Selbstbestimmungsrecht der Mitglieder mehr Rechnung trage. Während der Ausführungen der folgenden Redner wurde die Versammlung wiederholt so unruhig, daß ihre Fortsetzung in Frage gestellt schien: doch gelang es dem. ver- sammlungsleiter, die Ruhe wiederherzustellen. Braun wandte sich dann in längeren Ausführungen gegen die gegen seine Person gerichteten Angriffe. Er oerlangte ebenfalls das Setbstbestimmungsrecht der Mitglieder. Räch Schluß der Diskusston wurde beschloffen, über die zur Wahl Stehende« nicht einzeln abzustimmen, sondern en bloc, und zwar über die von den Funktionären gemachten Borschläqe und über die in der ersten Versammlung Gewählten. Die Abstimmung ergab für die Liste Braun 382 Stimmen, sür die Liste Schultz 183 Stimmen. 14 Stimmen waren ungültig. Mithin sind die Kandidaten der List« Braun gewählt. Wenn die„Rote Fahne" in ihrer Nr. 129 diese Wahl als einen„kommunistischen Sieg im Tronsvortarbeiterverband" feiert und von einer SPD.-Liste und einer KPD.-und USPD.-Liste spricht, so muß dem entgegengehalten werden, daß von einer Partei- liste keine Rede sein kann. Die von den Funktionären aufgestellte Liste Schultz enthiell ein Mitglied der SPD. und je drei der USPD. und der KPD. Die Liste Braun enthielt vier NSP.- und fünf KPD.-Mitglieder. Die Vorschläge zu dieser Liste sind erst in der Versammlung am 2. März gemacht worden. Da nach der Parteizugrhörigkeit über- Haupt nicht gefragt wurde, kannte die große Mehrzahl der Dcrsamm- lungsbesucher die politische Einstellung der Kandidaten überhaupt nicht. Bon einem kommunistischen Sieg im Deutschen Transport- arbeitervcrband kann als» keine Rede sein. SPV.-Arbeiler und.Angestellte Israel A.-G� Briher Straße. Dienstag L> z Uhr im.Kottbuser Krua". Kottbuier Sir. 19, Versammlung aller auf dein Boden der SPD. stehenden Arbeiter und Angestellten. Stellungnahme zur BetriebSiatswabl. Parteibuch und, Vorwärts". Outttung legiiimim. Tarifvertrag im Eintelhandel allgemeinvcrbindstch. Der am 13. Oktober v. I. abgeschlossene Tarif für die vausmännischen Angestellten de, Einzelhandels Groß-Derl'.n ist vom Reichsarbeitsministeriimi für allgemein verbindlich erklärt worden, desgleichen der G-Haltsnachtrag vom 24. November, ob 1. November v. I. Dadurch sind auch die Angestellten des Einzelharedels, deren Arbeiweber recht dem Apbeitaebervcrband angehören, berechtigt, Tarifqehälter bzw. Nachforderungen zu boanfpruchon. Diesbezüglich« Anträge sind einzureichen beim Organisationrfwremj, Zentralverband der Angestellten, Ortsgruppe Groß-Lerlin, SW. 61, Bollc-AMancc-Str. 7/10. 3n der sütdeukschen Te- lilinduskrie fordern die Unternehmer weiterhin die 45stündig« Wochenarbeitszeit, während die Arbeiter an den bestehenden 46 Stunden festhalten. Mit der gebotene» Lohn- erhöhung von 2,20 M. pro Stunde für erwachsene Arbeiter und 1,50 M. für erwachsene Arbeiterinnen gegenüber den im Februar gebotenen Löhnen, einer Erhöhung von 27 bis 23 Proz. sind die Arbeiter einverstanden, allein die Unternehmer machen diese Zulage von der Verlängerung der Arbeitszeit auf 48 Stunden abhängig. Nebenbei hat der Verband süddeutscher Textilindustrieller beantragt, daß im sozialen Ausschuß der Rcichsarbeitsgemeinschaft in aller- kürzester Zeit über die Einführung der 46-Stunden.Arbeitswoche in der gesamte« deutschen Textilindustrie verhcmdell wird. Der M-tailarbeiterstrcik im Rhein-Maingau ist beendet, da die Urabsiimmimg im Metallarbeiierverbond eine statutarische Mebrbeit für die Annahme deS VerbandlungSergebnisieS erbrachte. Die Arbeit wird am Montag wieder aufgenommen. Ein amerikanischcr Bergurbciterstreik wird seit Wochen zum 1. April angekündigt. Wie jetzt TU. berichtet, habe die Leitung der Bergarbeitergewerkschasten den Strcnkbefehl für den t. April bereit» umzearbeitet, der sich auf etwa 600 000 Bergarbeiter in den Stein-' und Braunkohlenbergwerken erstrecke. Der Arbeitsminister hob« er- folglo» seine Dcrmittlung angeboten und auch die Einladung des Präsidenten Harding zu einer Lotalkonserenz sei von den Bergleuten abgelehnt worden. Die Regierung laffe den Zechenqeselischaften völlig freie Hand. Es feien so reiche Kohlenvorrät« vorhanden, daß der Standpunkt der Zechengesellschaften mit oder ohne Streik durch- dringe. Wirtschaft Zur Lage der Schiffahrt. Während wir unmittelbar nach dem > Kriege durch die Inanspruchnahme großer Getreidcfrachten ein fabelhafte» Aufsteigen der Frachtraten zu verzeichnen hatten. sind wir gegenwärtig längst von dieser Höhe herunter, und heute verzelchnen wir Frachtsätze, die unter der Grenzlinie liegen, die wir vor dem Kriege kannten. Nur die deutschen Reeder können noch erfolgreich die Konkmrenz aufnehmen, da ihnen bei Uebernahme ausländischer Frachten der ungünstige Stand der dem- schen Valuta zustatten kommt Die Folge ist, daß unsere Schiff- sahrtsgesellschasten in ihren Eeschäftsüberschüjsen fast durchweg ein recht gutes Ergebnis zeitigen und wiederum ganz beachtliche Dioi- denden zur Ausschüttung bringen, die uns beweisen, daß die deutschen Reedereien die Situation günstig ausgenutzt haben und auch durch den Ersatz für die Schäden finanziell stark gestützt wurden. Zum Wiederaufbau der an die Entente abzuliefernden Handelsflotte ist den Reedereien, wie bekannt,«in Betrag von 12 Milliarden Mark zur Verfügung gestellt. Ein erheblicher Teil der Entschädigung kam den deutschen Werften zugute, um den Wiederaufbau der deutschen Handelsflotte zu ermöglichen. Das Tempo für diesen Aufbau unserer Handelsflott« ist so beschleunigt, daß im Jahre 1328 die letzten Reträge herausgegeben würden. Hören diese Zuwendungen auf, so steht zu befürchten, daß die Werften von der mißlichen Lage der internationalen Schiffahrt sehr stark in Mit- lcidenschaft gezogen werden und daß dann die etwa» anormale«knt- wicklung unseres Werftbetriebes, die weit über das Maß des Erfcr- derlichcn hinausgeht, erst zum vurchbruch kommt. Schon jetzt würde für die Werften die Situation recht ungünstig liegen, wenn nicht durch umfangreiche Reparaturbauten vom Ausland, die in Deutsch- land am billigsten ausgeführt werden können, die Lücke ausgefüllt wäre, die durch verminderte privat« Aufträge an Neubauten entsteht. Der Aussicht»™« der Rhein— Main— Donau-A- G. In einer autzerardentlichen Generalveriammlung der Rhein— Main— Donau« A.-B. wurde die Verdoppelung des Aktien lapitals und die Ausgabe von neuen Scbuldverichreibuiigen als notwendig erklärt. Dazu wird mitgeteilt, datz stcb die Banken bereits zur Uebmiabme dieser neuen Emission bereit erklärt baben. � Der erweiterte Auisicbtsrat setzt sich jetzt folgendermaßen zusammen: 11 Vertreter der R e i cki§ r e g i e r>r n g, 8 der b a y e r i s c!> e n Re- gierung, je 1 Vertreter der b a d i s ck e n, tbüriiigiicvcn und hessischen Regierung, 1 Vertreter der Großstädte, 8 Vertreter der sonstigen öffentlich-rechtlichen Verbände, 9 verireier der Banken. 15 der Industrie und de« Handel?, 3 der ElellrizitälSlvirischaft, B der Schiffahrt, 8 der Lanvwirischaft und 4 der Arbeiterschaft. „Tbe HagotzQite Chemical works Limited". Die Chemische Fabrik Mertti«& Co. in Hugohnue ist unier Mitwirkung de? Grafen Henckel von Donners marck in eine Aklieiigesell'chaft mit dem Eitz» in London nnigewandcli woidcn. Die neue Geicllichast firmiert„Ptze Hugohütte chemical works Limited". Die Bc- aründer der Fabril Max Mcitli«. und Hermann Wittel), sind zn Direktoren der»kiiengesellschast ernannt worden.— Hugohütte liegt in dem an Polen fallenden Teil Oberschlesien«, wo jetzt eine plan- mätzige Politik der.Uebcrircmdung" industrieller Nnternebmungen belrieben wird, um die Werke dem sranco-polnischen Einflutz zu entziehen. kayitalaufnchme im Brau- und Sprikkonzern. Die Inteeeffen- gemeinschaft Ostwerke A.-G.(früher Breslauer Spritfabrik). Schultheiß. Patzenhoscr Brauerei A.-G. und C. A. F. Kahlbaum A.-G. gibt zur Stärkung ihrer Betriebsmittel 300 Mil- lionen Mark Teilschuldverschreibungen ans, und zwar jede Gesell- schaft 100 Millionen Mark, die mit 4—5 Proz. verzinst werden. Am die elsässtschen Kaiiloger. Die französische Kammer lehnte bei der Distusl:»» über die elsüsstlchen Kalilager einen sozialistischen Antrag auf Verstaatlichung der Gruben ab. Sie oerwarf auch den Rcgierungsantrag auf Verpachtung der Gruben. Drei Gesellschaften beauftragte die Regierungskommission, ein neues Pro- jekt auszuarbeiten._ xrraniw. für den redakt. T-il! Fran, jtlal,,. P-rlin-LiSU-rf-ld-: für An. «iqcn: Ttz.»l»««. B-rli». Vkriag Psrwörts dorla, s. m. d. s.. L-rlin. Druck: Dorwärts-Diickldruckerei u. V-rlaa-aiiftali Paul Cingrr u. Co., B-rlia. LlNdriiftr. 3. .AJlJtWJBIimSMI.".'.l» Kalkarmst des Körpers tst die Ursache vieler Echwachezustäade beugt vor! Maimu In Packungen von 90 und 45 Tablette» in Apotheken uns Drogerien erhältlich.— Aujliärenve Broschüren kostenlos durch Johann«. Wülfing, Benin SW4S. Ariedrlchsir. 234 M. 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