Pv. 398. Erscheint tätlich außer Montag«. Preis pränumerando: Biertel- jährlich 3,30 Mark, monatlich 1,10 Rk., wöchentlich SS Pjg. frei tn s HauS. Slnzelne Nummer 0 Pjg. Sonntags- Nummer mit llluftr. Sonntag«-Beilage„Neue Welt" toPsg. Post-Abonnement: ».ZoMk. pro Quartal. Unier Kreuz- band: Teutschland U.Oesterreich» Ungarn 2 Ml., für das übrig» Ausland 3 3Jlf.pt.® onat. Singelr. In der Post- Zeitung«- PreiSIift» kür i»»« unter Nr.»«l». 11. Jalfrg. Jnfertions-G-bühr beträgt für dt« fünfgefpaltene Pelttieile oder deren Baum«0 Psg-, für BsretnS- und Verfaniinlungs- Anzeigen so Psg. Inserate für die nächste Nummer müssen bi« 4 Uhr Nachmittags tn der tSppedition abgegeben werden. Tie«rpedttton ist an Wochen- ragen bis 7 Uhr AbendS, an Sonn- und Festtagen bis s Uhr Bor- mittag« geöffnet. Hern sprechet: Amt l, 3.1 r. 150«. ?rlcgra»i m- Adresse: »Koslaldemokrat Kerllu!' VeMner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Aedaktion: sv.lg. Aeutö-Straße z. Honnnltenb den 32. Dezember 1894. HFpedition: 8V.l9, Aeutö-Straße z. rdeiter! Uarteigenossen! Trinkt kein lioykottirtes Kier! Dio Vlcike geplntzk. Als vor fast einem halben Jahrhundert— am 2. Tczcmber 1851— Louis Bonaparte, der zweifelhastc Reffe seines Onkels, der verrufene Held so vieler übel- riechenden Abenteuer, seinen„Etaatssircich", d. h. die Re- volution von oben machte und die von der Juni- schlacht erschöpfte Republik meuchelte, da klatschte das ganze monarchische Europa, obgleich schwärmend für„Religion, Citte und Ordnung", dem mein- eidigcn Hallunkcn begeisterten Beifall. Aber die alten Tynaslicn, die sich auf ihre„Legitimität" etwas zu gut thatcn, vergaßen doch über ihrer Bewunderung des Per- brcchens nicht, daß der Verbrecher nur ein„Emporkömmling" war, nud daß der„Ludergcruch der Revolution" ihm an- haftete, wie Friedrich Wilhelm IV., der geistreichste und redegewandteste der Hohcnzollcrn einst, ehe er dem Wahn- sinn verfiel, von der deutschen Kaiserkrone gesagt hatte, als das Franksurtcr Parlament sie ihm auf dcln Präscntirteller darbor. Ter„Emporkömmling" setzte den Beifall des mon- archischcn Europa in klingende Riiinze um, und warf den lcgitiniistischen Nörglern einen Stein in den Garten: das Rationalitäten- Prinzip— den E i n b e i t s- st a a t auf nationaler Grtindlage, mit Beiseite- setzung des verzopften LegitimirälSprmzips. Erfunden hat er weder das Wort noch die Sache. Das russische Zaren thum hatte für seine auswärtige Politik, und namentlich zum diplomatischen Hausgebrauch gegen die Türkei, das Rationalilätenpruizip schon seil den Zeiten der großen Zarin und größeren Metze Katharina II. aus Lager, und es auch weidlich angewandt. Bonaparte, der zwar kein Genie war, aber einen stark ausgebildeten Tiebssinn hatte, und die Regierung des reichen Frankreich als einen organisirtcn Raub betrachtete, hatte keine Lust, sich in diesem einträglicheil Geschäft stören zu lasse», und er vervollkommnete sei» Nationalitäts- prinzip nebst dem nationalen Einheitsstaat so sehr, daß es ihm bald eine vortreffliche Waffe ward. Am meisten standen ihm im Weg die Dynastien von Rußland und von O e st e r r e i eh. Ter ersteren, vcr- trete» durch den Zaren Nikolaus, bis dahin anerkannten Obcrsürsten der Fürsten des europäischen Festlandes, machte er den Standpunkt klar in dem K r i m t r i e g, den das französische Kaiserreich an der Seite Englands führte. Und eines kleinen Tnodezstaatcs, von dem damals die Welt kaum etwas gehört hatte, nnd den niemand für voll nahm: P i e m o n l. Als im Jahre 1854 der kleine breit- schnltrige Rothkopf mit der Königin Viktoria und dem JäntUlcfmi. lNachdruik verbolin.s Fbtt Exil. � Roman von G e o r g e s R e n a r d. Antorisirtc Uebersetznng voir Marie K u n e r t. Kaum war der Zug in den Bahnhof eingelaufen, so sprang er aus dem Wagen, umarmte Lucien, vertraute ihm seilte Mutter an, überließ ihm die Sorge für das Gepäck und warf sich, ohne eine Minute länger zu warten, in einen offenen Wagen und ließ sich auf's Gerathewohl umherfahren. Er empfand das Verlangen, die ganze Stadt zu durchstreifen, wieder auf ihrem Pflaster zu wandeln, die Lust einzllathincn, sie sich wieder zu eigen zu machen, sich in das Leben der Weltstadt zu stürzen. Zur großen Vcr- wunderung des Kutschers, der niemals einen solchen Fahraast gehabt hatte, ließ er sich nach allen vier Ecken von Paris fahren. Er wollte sein früheres Hans wiedersehen und fuhr zu diesem Zwecke durch das lateinische Viertel. An jeder Straßenecke flatterten ganze Schwärme von fröhlichen und traurigen Erinnerungen vor ihm alif. Ter alte Boulevard St. Michel, den er so oft entlang gegangen mar, hatte sich garnicht verändert. Er überraschle sich dabei, wie er die jungen Leute beobachtete, deren Gesichter ihm bekannt vorzukommen schienen. Fast hätte er den Hut vor ihnen gezogen; es drängte ihn, mit den Passanten Brüderschaft zu machen. Nachdem er aus dem ver- zauberten Schlosse Tornröschen's entflohen war, konnte er sich nicht vorstellen, daß acht Jahre, die für Paris acht Jahrzehnte bedeuteten, über ihm und den Ucbrigen dahin- geranscht waren. Aber was war aus den alten, bau- „Kaiser" Napoleon bei Ausbruch des Krieges in den Straßen Londons herumfuhr, da erinnerte liian sich erst, daß dieser kecke Gernegroß der Sohn jenes Karl Albert war, der 1.848 einen Versuch gewagt hatte, die italienische Nationalbcwcgnng in seine Tasche zu stecken, jedoch durch die österreichischen Grenadiere hieran ver- hindert nnd zur Abdanknng gezwungen worden war. Nnd die Klügeren reimten sich damals schon allerhand Zukunfts staatliches zusammen. Auf der Balkanhalbiusel mit den Rumänen und Serben, bis hinein nach Ungarn, nnd ganz besonders in etalien wurde stark in Nationalitätsprinzip und nationalem inheitsstaat gemacht. Und Oesterreich merkte bald, daß diese Natioualilätsbcwegung keine platonische Prinzipien rciterei war, sondern daß sie Methode hatte und eine Spitze. In Italien nutzte Viktor Emanuel, Karl Albert's Sohn, die Krimlorbccreit gut aus. Die neue Beivegung hatte in C a v o n r einen Kopf gefunden: einen Mann, schmiegsam, gewandt, reich an Ideen, unerschöpflich an Hilfsquellen, und mit dem Talent, die widersprechendsten Mcuschennatnren an sich zu ziehen und sie zusammenarbeiten z» lassen. Er gc wann nnd pflegte Verbindungen mit Garibaldi und Mazzini— er fürchtete die Revolution nicht: sie sollte ihm Vorspanndieilst leisten. Jnzivischcn hatte das Nationalitäten-Prinzip mit dem Einheitsstaat sich auch in einem anderen Land eingenistet: in Preußen. Ter„Staat des deutschen Berufs" nnd das„unter der preußischen Spitze(Pickelhaube) geeinigtc Teiitschland" hatte schon lange in preußischen Regierungs Köpfen gesplikt. Seit dem Baseler Frieden, der nächstens(am 5. April 1895) seinen Ivojährigen Geburtstag hat, und in dem Preußen durch Preisgebung der schönsten Pro- vinzen Teutschlands an den„Erbfeind" seinen„deutschen Bc ruf" so glorreich offenbart hatte, waren— mit Ans- nähme des kurzen Zwischenspiels der sogenannten „Freiheitskriege"— die strebsamen preußischen Politiker stets gern gesehene Gäste in Paris und in den Tnilericn. Und bei den Verhandlungen des Pariser Friedens— 1856—, der den Krimkrieg beendigte, trat Preußen bereits mit ähnlichen An sprächen hervor, ivie das Königreich Picmont. Hinter den Koulisscn ward tüchtig gesponnen nnd gewoben. Ter erste Streich des„Emporkömmlings" hatte Ruß- land getroffen— der zweite war O e stc r r e i ch zugedacht. Oesterreich mußte isolirt werden; dazu brarichte man das strebsame Preußen. In Paris ward mit Garibaldi, mit Kossnth nnd anderen..Rcvolntionärcn" konspirirt, nnd Ver- treter des strebsamen Preußen halfen die Suppe mitkochen. Ter Krieg gegen Oesterreich brach 1859 los. Für Italien wurde die nationale Einheit unter dem Hans Savoyen fälligen Häusern geworden, welche die Rne Sousflot ver- unzicrt hatten? Tas Pantheon erhob sich vor ihm würdig und überwältigend in seiner majestätischen Größe. Tas erinnerte ihn daran, daß die verflossene Zeit nicht ein leerer Traum war. Im Garten des Luxembourg waren neue Wege entstanden. Und dort oben am Fenster eines Zimmers, das ihm einst gehört hatte, sah er die Vorhänge flattern, die ihm zuzurufen schienen: Tn bist hier nur noch ein Fremdling.— Nicht ohne Bitterkeit gedachte er da der Worte des Dichters, die für alle die geschrieben sind, die kein Zuhause mehr haben: „Mein Haus sieht mich an nud kennt mich nicht mehr. Tann stieg er zu den Quais hinab, schickte ans der Ferne dem Jnftizpalast einen freundschaftlichen Gruß, be- trachtete mit gepreßtem Herzen die Trümmer des Rcchnnngs- Hofes, die noch von dem Bürgerkrieg erzählten, und als er die Seine überschritten hatte, wandelte er stolz die in ihrer Art einzige Triumhhallc» der Champs-Elysees hinan, wo die Kastanienbäume, die in Paris zweimal im Jahre blühen, und schneller wachsen, als die Bäume im Walde, aus dem dichten Grün schon ihre früh erblühten weißen nnd rosigen Thyrslisstäbe hervorstreckten. Danach trollte Rene die Boulevards entlang schlendern, die schon anfingen, sich zu beleben. Ein Sonnenstrahl, der die Wolken durchbrach, ließ plötzlich den feuchten Asphalt, die Fensterscheiben der Kioske und der Geschäfte, die vielfarbigen Packete auf de» Wagen schimmernd aufleuchten, und in dem Hin nnd Her der Passanten, dem Gedränge der Omnibusse, dem Tohmvabohu der Zcitnngsvcrkäuscr, in dem betäubenden und doch lustigen Lärm dieses menschlichen Anieisenhausens war er einen Moment wie trunken; Thränen traten ihm in die Augen, während seine Lippen lächelte». Er blieb stehen, um einen großen Strauß Anemonen aus Nizza von einer jeuer fliegenden proklamirt. Das strebsame Preußen ließ trotz der Bund«»« pflicht Oesterreich im Stich, und erst als dieses besiegt am Boden lag, schickte es sich zur Hilfeleistung an— auf dem Papier. Oesterreich war jedoch so vernünftig, auf die papicrne Hilfe sich nicht zu verlassen— es schloß Friede, die Lombardei abtretend. Nun war der Stein im Rollen. Die italienischen Kleinstaaten wnrden innerhalb der nächsten anderthalb Jahre weggefegt, und am 17. März 1861 ließ Viktor Emanuel sich zum König des geeinigtenJtalien ausrnsen. Es fehlte zur Vollständigkeit blas noch Venedig, das im Besitz Oesterreichs geblieben war und ein Theil des Kirchenstaates, der dem Papste verblieben war. Das glückliche Gelingen in Italien erregte natürlich Appetit in dem strebsamen Preußen. Ein gewisser Herr Otto von Bismarck tauchte 1862 in Paris auf und gehörte bald zu den Vertrauten des Kaisers Napoleon, dem er in das Bad nach Biarritz folgte. Hier im verschwiegenen Kabinet und auf einsamen Gängen wurde mit dem„Erb- feind" der geheime Vertrag zur Herstellung der „deutschen Einheit" geschlossen. Ganz im Geiste des Baseler Friedens: Vergrößerung Preußens— Ver- kleinernng Deutschlands. Ein Theil des linken Rhein- nfers einschließlich der Saarbrücker Kohlengruben, auf die es Bonaparte speziell ankam, sollten an Frankreich fallen, das sich dafür verpflichtete, Preußen nicht zu stören und ihm den Rucken zu decken, wenn es bei erster Gelegenheit über Oesterreich herfalle. Tas Jahr 1866 brachte die Erfüllung des geheimen Vertrages von Biarritz. In Teutschland nannte man die Zerreißung Teutschlands„nationale Einhcitspolitik". Der brave Johann Jacoby aber, der dem Sieger im beut- scheu Bruderkrieg die Indemnität für den Verfassungsbruch nicht gewährte, rief im preußischen Abgeordnetenhaus aus: „es ist sehr die Frage, welche S ch m a ch d i e größere, die v o n O l nni tz o d e r d i e v o n B i a r- r i tz." In Ol mutz war wenigstens kein deutsches Gebiet dem Landcsfeind ausgeliefert worden. Mit der bismarckschen deutschen Nationalpolitik, die in Biarritz von Bonaparte aus der Taufe gehoben ward, haben wir uns hier nicht zu beschäftigen. Sie kopirte das italienische Muster, nur daß sie aus dem Cavour'schen ins Bismarck'sche übersetzt war. Cavour hatte viel krumme Wege zu waudelu, er mußte viel lügen und heucheln— aber er war ein Mann der neuen Zeit, deren Ideen er verstand nnd auch zu verwirklichen trachtete. Er wollte demokratisch regieren und verachtete den Gedanken der Ge- waltpolitik nach Innen.„Mit d e m B e l a g e r u n g s- Ztistand kann jeder Esel regieren"— Verkäuferinnen zu erstehen, die im Frühling durch die Großstadt fahren. So beglückwünschte er sich selbst zu dem Feste seiner Heimkehr. Bei seinem planloseil Umherstreifen überraschte ihn«ine Veränderung in der Physiognomie der ihn umgebenden Menge, die er nicht gleich nennen konnte; plötzlich fand er sie. Ja, es war die geringe Anzahl von Soldatcnuniformcn; die Boulevards waren bisher in seiner Phantasie noch immer von Soldaten und Offizieren belebt wie zur Zeit des Kaiserreichs und des Krieges. Sollte er in dieser Seltenheit der Tressen, der Käppis nnd der Epaulettcs ein glückliches Resultat der republikanischen Regierung sehen?-- Er begab sich jetzt nach den Fanbourgs. Sie waren so geblieben, wie er sie stets gekannt hatte, düster, verräuchert, winunelnd von elenden Gestalten, sie bildeten noch immer den unsauberen Gürtel der elegantesten Stadt der Welt. Auch die Republik schien hier nicht mehr Licht und Wohlstand verbreitet zu haben. Ein Hagelschauer, von heftigen Windstößen be- gleitet, prasselte plötzlich hernieder: Rens schauderte zusammen, von der Kälte durchrüttelt, aber auch plötzlich von einer Traurigkeit übermannt, die ihm wie eine böse Vorbedeutung schien. Er fühlte, wie der Schnee der Enttäuschungen auf seine blühenden Hoffnungeil fiel. Doch der Platzregen hörte sehr bald aus, und als er nach drei- stündigcr Pilgerfahrt an der Thür Lucien's ankam, strahlte die Sonne am Himmel und in seinem wieder heiter ge- wordenen Herzen. Es war eines jeuer Hoheit, düsteren Häuser i» der Rue Menilmoutant, die wie Kasernen aussehen. Herr Lucien Morlct? fragte er. Geradeaus, dort hinten im Ergeschoß, wurde ihm ge- antlvortet. scwte er eines?ac>s. Bismarck, ein verbohrter Junker, hat die modernen Ideen nie begriffen, er suchte sie blos für seine Zwecke zu mivcrthen und fälschen— er hat über- banpt nie� staatsniännische Ideen, geschweige denn ein staalslnännischcs Programm gehabt. Mit skrupelloser Gewalt und roßtänschcrischcr Banernschlanheit glaubte er die Welt regieren zu können. Und ein Vicrteljahrhundert hat er's auch getrieben— bis der Kladderadatsch kam. Einstweilen nur für seine Person. In Italien ist der Kladderadatsch für das System gekommen. Das Nationalitäten-Prinzip und der Einheitsstaat haben dort Bankrott gemacht und den Bankrott herbeigeführt. Durch die nationalen Phrasen geblendet, tamnelte Italien 33 Jahre lang im Irrgarten herum— ans dürrem, steinigem Boden, wie hypnolisirt nach der Fata Morgana stierend, die ihm die herrlichsten Bilder vorgaukelte: Ruhm, Reichthum, Freiheit, allgemeines Wohlbefinden. Da plötzlich ist die Fata Morgana verflogen: hungernd und pcllagrakrank liegt das italienische Volk geknebelt am Boden, rüttelt an seinen Fesseln und verflucht den Einheits- staat, der ihm die Knechtschaft aufzwang, und das letzte Mark ans den Knochen preßte— verflucht die Frevler, die ihm Ketten gegeben statt Brot, und die sich bereichert haben von seinem Schmeiß.--- Die Blase ist geplatzt. C r i s p i, der unter den Bc- weisen seiner Schuld erdrückte Toppelpanamift, der entlarvte Urheber unzähliger Frcvellhaten, sitzt nicht im Zuchthans — er fitzt, mit eiserner Stirn trotzend der ösfcntlichen Meinung, trotzend dem öffentlichen Gewissen,— er sitzt ans dem Ministersessel, macht sich breit auf seinem Ministersessel, klammert fich an den König, beschmiert die Monarchie mit dem Schmutze der Panama- Kloake und schlägt den Takt zu dem Konzert, das die d e u t s ch e Ordnungspresse im Namen der Religion, Ord- nting und Sitte zn seinem Lobe angestimmt hat; Ehre sei Crispi dem Fälscher, dem Abtrünnling, den» Be- stochenen! Ehre sei ihm! Denn Alles, was er gethan hat, hat er gelhau für Religion, Sitte und Ordnung!" Wir wollen das Konzert nicht stören. Was ist von diesen gesinnungslosen Sumpskrötcn anders zu erwarten? Wir nehmen einfach Akt von der Thatsache, daß ein Theil der deutschen Presse, und gerade der, welcher den Feldzng gegen die„Umsturz- Parteien"„für Religion, Sitte und Ordnung" führt, sich jetzt für den meineidigen Millionendieb und dreifachen Ehe- brccher sCrispi warm ins Zeug legt und ihre Zornpseile gegen Giolilti richtet, der dem Schurken die Maske vom Gc- ficht riß.*) Crispi selbst, seine Mitschuldigen und seinsWerk, über- lassen wir ihrem Schicksal. Die Nemesis hat ihre Arbeit begonnen sie wird ihres Amtes walten. Und an wem ist dann die Reihe? Volttitrhe TUbcvIMit. Berlin, den 21. Dezember. Eine Ncichslottcrie. Ucber die Unsittlichkeit der Lotterien ist schon soviel gesprochen und geschrieben worden und so wenig und stichhaltiges dagegen vorgebracht worden, daß für einen Staat, der den Kampf für Religion, Sitte und Ordnung ernstlich will, der Verzicht ans diese unlantcrc Einnahmequelle selbstve» ständlich sein müßte. Aber die Miquel und Posadowsky denken nicht daran. Unter dem ruhnireichen Finanzregime Miqnel's wurde die Zahl der Loose der preußischen Lotterie bedeutend vermehrt und nun soll noch die Ausgestaltung der preußischen zu einer Reichs- lottcrie unter mäßiger Entschädigung der mit Lotterien beglückten Einzelstaaten in Erwägung gezogen werden. Abgesehen von den allgemeinen Gründen, die gegen diesen Plan sprechen, mich als besonderer Einwaild hervorgehoben *) Tie„Rheinisch- Westfälische Zeitung", das Organ der Baare, Stumm und Konsorten spricht von einem G i o l i t t i- Skandal. Aehnlich sprach dieses Blatt früher von einem Fusangel-Skandal, weit Fnsangel die Schienenflickereien und fonstigeu Bochmnereien des Vaare aufgedeckt hatte. Er ging durch einen langen Flur, dann über einen Hof, dann kam ein zweiter Gang, der an dem Gitter eines Gärtchcns endete. Er stieß die Thür auf und trat ein. Einige dürftige, hochaufgeschossene Sträucher, zwei oder drei Primel- und Tnlpenbeete, ein Minialnrraseuflcck und im Hintergründe ein kleines zweistöckiges Haus, das ans dem grünen Rahmen hervorlugte und den Eindruck eines in Paris vergessenen Stückchens Provinz machte,— das war das Nest, in dem Lucien hauste. Und dieser versteckte Ziifluchlsort mitten in dem stark bevölkerten Viertel, drei Minuten von der Fabrik entfernt, in der er arbeitete, rings von hohen, häßlichen Gebäuden umgeben, konnte für das Sinnbild seiner ganzen Existenz gelten. Sein Leben war friedlich, zurückgezogen, einfach bnrger- lich, der umgebenden Menge nahe und doch von ihr getrennt. Lucien hatte sich seit dem Beginn seiner Laufbahn ganz in den Kreis seiner Bcrnfspflichten eingeschlossen. Seine Gewissen- haftigkeit trieb ihn, sie regelmäßig zu erfüllen und seine Klugheit, nicht darüber hinaus zu gehe». Da er als In- genieur eine Zwischenstellung zwischen den Arbeitern und den Unternehmern einnahm, hielt er darauf, sich beiden Theilen gegenüber kühl und korrekt zu verhalten. Die be- stehenden Zustände faßte er als Thatsache» auf, die zu ändern er keine Lust hatte. Unfähig, eine schlechte Handlung zu begehen, war es ihm andererseits auch nicht möglich, sich durch irgend eine Einmischung in die Angelegenheiten anderer zu kompromittiren. Er betrachtete die Politik wie eine Art chemischer Manipulation, die, wegen ihrer Gefähr- lichkeit, nur von einigen Spezialisten ausgeübt werden durfte und folglich den Leuten, deren Handwerk sie nicht war, verboten werden müßte. Mit all' diesen Eigenschaften, dazu höflich, freundlich, verbindlich, wenn es ihm möglich war, gehörte er zu jenen Durchschnittsmenschen, die als Räder im gesellschaftlichen Mechanismus vortrefflich funktioniren. Wie er ein guter Beamter war, so war er auch ein guter Gatte geworden. Er hatte zu dem Zeitpunkt, den er sich festgesetzt hatte, nach allen Regeln des Herkommens ein junges Mädchen geheirathet, das weder reich noch arm, weder hübsch noch häßlich, weder geistreich noch dumm war; und in dieser wohlüberlegten Verbindung fand er ein ruhiges, stilles Glück, das— wie sein ganzer Charakter— gerade die goldene Mitte inne hielt. In einer Zeit und werden, daß in das lotteriereine Süddentschland dann auch der Spielteufel Einzug halten wird.— Rcichscinunlimen. Für die Zeit vom 1. April 1894 bis zum Scbluü des Monats Novemver 1894 find im Deutschen Reich von Einnahmen(einschließlich der kreditirten Beträge) an Zöllen und gcnieinschafilichc» Verbrauchssteuern sowie von anderen Ein- nahmen zur Naschreibung gelangt: Zölle 263 495 402 M.(gegen denselben Zeitraum des Vorjahrs+ 24559814 all,), Tabaksteuer 6633875 M.(-)■ 105 958 9JJ.), Zuckersteuer 56 978 830 Mark(+ 7 704 889 Mark). Salzsteuer 29 697059 M.(+771933 M.), Maischbotllch- und Branutivein» materialsteuer 3 218 572 M.(—493 371 M.), Verbrauchs- abgäbe von Branntwein und Zuschlag zu derselben 34 653 756 M.(+ 1 783 387 M.). Brausleuer 17 515 650 M. (—Ml 166 M.), UebergaugSabynbe von Bier 2 373 307 M. (— 16 529 Dl.); Summe 464 463 450 M.(+ 34 219365 SR.). — Spielkartenstempel 897 903 M.(+ 7265 M.), Wecbsel- slempelsleuer 5 467 495 M.(+1312®}.), Stempelsteuer für: aj Werlhpaviere 5 655 451 M.(+ 3 705 652 M.). b) Kauf- und sonstige Anschaffuugsgeschäite 9 914 979 M.(+ 4 566 150 M.), e) Loose zu: PrivaNotierien 1 483 427 M.(+ 237 923 M.), Staatslottcrien 5 329 149 M.(+ 1 084 713 Dl.). Post- und Telegrapheuverwaltuug 175 154 886 M.(+ 8 341 713 M.), Reictis-EisenbahmVerivaltung 43 266 000 M.(+ 817 000 M). Die zur Reichskasse gelaugte Ist- Einnahme abzüglich der Ausfuhrvergütuugeu und Verwaltuuaskosien beträgt bei den »achbezeicbncten Einnabmen bis Ende November 1894: Zölle 231 090 859 M.(+ 24 868 504®!.), Tabaksteuer 8 515 408 Dl. (+ 448 145 Dl.), Zucker, leuer 54 052 232 AI.(+ 5 122 778 Dl.), Salzsteuer 26 899 447 Dl.(+ 347 47t M.). Maischbollich. und Brauntweiii'Malerialsteuer 9 046 539 M.(+ 293 886 M), Ver- brauchsabgabe von Branntwein und Zuschlag zu derselbe» 69 344 542 M.(+ 269 772 M), Brausleuer und Uebergauge« abgäbe von Bier 16 801 160 M.(— 183 936 M.); Summe 415 850 247 Dl.(+ 31181118 3)1.).— Spiellarten-Slempel 769 834 M.(+ 4189 M).- Enquete über daö Handwerk. Das preußische Staatsmittisterium soll sich demnächst mit dem Antrage zu beschäftigen haben, der Bnndesrath möge eine Erhebung über die Verhältnisse des Handwerkerstandes im ganzen Reiche veranlasse». Wenn dieser Antrag zur Annahme ge« langt, darf darauf gerechnet werden, daß die Erhebung bereits im Frühjahr, unabhängig von der Bernfszählnng, ins Werk gesetzt werden wird.— Weitere Tnrchlöchcrung der Sonutngsruhe. Tie Köller'sche„Verl. Corr." schreibt: Von verscbiedeucu Seiten hört mau Klagen, daß die Stunden, in welchen die Gewerbeireibeudeu Sonntag?, iusouderbcil au ken Sonntagen vor dem Weihuachisicste, ihre Läden offen ballen dürfen, zu kurz bemessen seien. Man glaubt, daß die Re- gicrung in der Lage sei, die Verkauseslunden auezudeiiueu, übersiehl aber dabei, daß für die Sonntage vor Weihnachten die längste Dauer, während welcher die Geschäfte offen sein dürfen, auf zehn Stunden durch Gesetz festgestellt worden ist.— Rur wie diese zehn Stunden zu legen find, unterliegt der Bestimmung der Be- Hörden. Nun ist außer Zweifel, daß für gewisse Kategorien von Handelsgeschäften(Lebensmittel) die Morgenstunden zur Aus- u b»ng ihres Gewerbes unentbehrlich find, und es liegt anderer- seiis auf der Hand, daß für andere Geschäfte(Luxussachen, Morewaare», Tabakhandliingen ec) die Morgenstunden nur von geringem Werths sind.— Es wird daher in Erwägung zu nehmen sein, ob nicht für die verschiedenen Verkaussgeschäfle unter Berücksichtigung ihrer eigenartigen Verhältnisse durch Festsetzung verschiedener Stunden, in welchen das Geschäft an den Soiinragen betrieben werden darf, Abhilfe geschaffen werden kann. Wenn diese Erwägungen auch für dieses Jahr wegen der Kürze der Zeit uu.niöglich noch zu einem Resultate führen können, so nird doch für die Znkunst eine Regelung der Angelegenheit, welche den verschiedenen Vcr- hältniffen der Gewerbelreibenden möglichst Rechnung trägt, in Aussicht zu nehmen sein.— Bnndesrath. Zur Ergänznng unseres Berichtes über die letzte Sitzung des Bimdesrathes ist das folgende nach- zutragen: Ten zuständigen Ausschüssen wurden überwiesen der Eni- wlirf eines Gesetzes wegen anderweiter Ord- nung des Finanzwesens des Reichs, und der Entwurf eines T a b a k st e u e r- G e s e tz e s. Ter Vorlage, betreffend die Abänderung der Bestimmungen über die Einziehung der für die Jnvalidiläls- und Alters- Verficheriing der Seelente zu eiitriehtendeii Beiträge, der Vorlage. betreffend die Jnvaliditäis« und Alters- Versicherung farbiger Seeleute im Verkehr mit westasrikaMschen in einem Lande, Ivo es weder Ungerechtigkeit noch Elend gegeben hätte, wäre Lucien ein Mnslerbürger gc- wesen. Er empfing Rene herzlich, zeigte ihm sein kleines Besitz- thuni, setzte ihm seinen Lebensplan auseinander, erzählte ihm, wieviel er verdiente, und was er, je nachdem das Jahr gut oder schlecht war, bei Seite legen konnte, erklärte ihm, daß er sich zwei Kinder wünschte, und daß er sich zur Ruhe setzen wolle, sobald er das sechzigste Jahr erreicht habe. Während des Frühstücks riety er ihm, sich von nunan auch an das Positive zu halten, sich zu ver- Heirathen, sich eine sichere, bescheidene Stellung zu gründen und für seine alten Tage etwas Geld zurück zu legen. Was konnte man mehr wünschen? Frau Lucien Morlet, eine kleine, brünette, rundliche Erjcheinuiig mit tadellosen Manieren und Ansichten, die durchaus wohl- gelitten waren, nickte znm Zeichen ihrer Billigung hin und wieder mit dem Kopfe oder warf ein kurzes Wort in die Unterhaltung, als wenn sie überhaupt nicht ahnte, daß man gegen diese Quintessenz an Weisheit etwas einwenden konnte. Frau Messant stimmte begeistert mit den Ansichlen ihrer Wirlhe übcrein, und dankte ihnen dafür, daß sie ihrem Sohne ein so gutes Beispiel und so vortreffliche Rathschläge gaben. Sie hege die Hoffnung, sagte sie, daß er sein Glück machen werde so gut wie ein anderer, daß er ans den Lektionen der Vergangenheit Nutzen ziehen und sich nicht mehr mit Dingen beschäftigen werde, die ihn nichts angingen. Frankreich würde schon ohne ihn vorwärts kommen. (Fortsetzung folgt.) Georg Honfsen. Professor Georg Haussen in Göltingen ist am Tonners- tag dieser Woche im 56 Lebensjahre gestorben. Hanssen war einer der bedeutendsten deutieben Rationalökonomen. Aenßerlich eine stille, bescheidene Geiehrtennatur, nie ansprucksvoll in die Oeffemlicfckcit tretend»nd nach Popularität haschend, wie andere lebend» und todte Volkswirthschastler, darum auch beim großen Publikum so gut wie gar nicht bekannt, ist er als ein Haupt- Vertreter der neueren, auf geschichtlichen Forschungen aufbauenden sogenannten h i st o r i s ch e n Schule der nationalökonomischen Wissenschaft zu betrachten. Georg Hanssen wurde 1809 zu Hamburg geboren; er Häsen, den Ausschußanträgen, betreffend die Verwendung von steuersreiem Salz zur Weizeustärke-Fabrikation und betreffend die Ausfertigung von Musterpäsien für künstliche Zähne, sowie dem AnsschußaMrage zu dem Entwurf eines Naciiirags znm Arzneibuch für das Teuiiche Reick— wurde die Zustimmung ertimlt. Außerdem wurde über die Wiederbesetznng der bei verschiedenen Disziplinarkammern erledigten Stellen, sowie über«ine größere Zahl von Eingaben Beschluß gefaßt.— Ter preußische Landtag. Als Einbernfniigsiaa fitr die beiden Häuser des Landtages ist, nach der Köster fchen „Verl. Korr.", vorläufig Dienstag, 1ö. Januar 1895, in Ans- ficht genommen, N ach Wahl znm preußischen Laubtage. Bei der henkigen Landtags-Ersatzn ahl im 3. Wahlkreise des Regierungsbezirks Lüneburg(Fallingbostel-Soliau) wurde nach amtlicher Fest- nelliing Hofbesitzer Turlnch-Grindan(Parteistellung unbekannt) mit 72 von 140 abgegebenen Stimmen geivähll. Landralh Heiiirichs-Fallingbostel(freikonservaliv) erhielt 68 Stimmen.— Zuui Fall Liebknecht. Eine weitere Strafverfolgung des Abg. Liebknecht nach Schluß der Reichstagssesston soll, wie die„Berliner Börsen- Zeitung" mittheilt, seitens des Staatsanwalts nicht erfolgen. Tie Regierung sei durch die nati onallibcralc Resolution wegen Erhöhung der Disziplinar- gemalt des Präsidenten vollauf befriedigt.— Daß dieser Böttcher so schwer von Begriffe» ist! Schreibt er da wieder in seiner„Nationalüberaleu Corre- spondenz": Berlin, 20. Dezember. Die Herren Singer und Liebknecht bemühen sich vergeblich, durch gelegentliche allgemeine Versiche- rnngen die Thaisache zu verheimlichen, daß sie in naiionaler tin st cht weit mehr deutschscindlich als inlernalional gesinnt sind. obald zwischen dem Valerlande und dem Auslände Vergleiche anzustellen sind, wird dem deutschen Arbeiter ausnahmslos Deutsch- land als das hassenswürdigne Land hingestellt. Selten aber ist dieS mit ein cm soicbcn Ansgebot von schamlosen Unwahrheiten geschehen, wie in einer Btsprcchiing des schweizer Tabakuioiiopol- Projektes im„Vorwärts". Dieses Blatt rekiamirl die Urbeinr- schast des Plans als eine Rudmeslbat für die schweizerischen Cczialdcmokralen, es besireiiet die Sachlichkeit der Gegner des Moi opols und hat nur Worte des Hohns für diejenigen, welche von einer Veruichtnug der schweizerischen Tabak- und Zigarren- iiidnstrie gesprochen hallen. Bei uns und gegenüber einer nicht im enlkerntesien so einschneidenden Tabalbesteuerungs< Reform, wie eS das Monopol ist. ist bekanntlich Lasier und Volisverrath, was in der Schweiz höchste demokratische Tugend ist. Der „Vorwärts" will feine Partdiiahine gegen Deutschland mit fol- gender Schliibbemerlnng erklären: „Es versteht sich von selbst, daß die Stellung der Sozial- demokralie znm Tabalmouopol in einem demokratischen Staats- wesen, wie eS die Schweiz, wo die Konholle des Volkes groß, die Absicht sozialpolitischer Resormen ernst ist, eine andere sein muß, wie im Tentschen Reick, wo die Mehreinnahmen nur(!) zur Stärkung des volls eindlichen Militarismus dienen, wo man dem Volke sozialpolitische Reformen blos verspricht(!), dafür aber die Kucbelimg des freien Morles stets im Auge hat. Daraus crllärt sich die entgegengesetzte Stellung der beiden Bruder- Parteien zu den Alonopolplänen." In der Schweiz wird allerdings angestrebt, einen Tbcil des Ertrages des Tabakmonopols für die Kranken- und Unfall- Versicherung ansznweiiden. Aber es wird erst angestrebt: in Deutschland hingegen ist die staatliche Kiankrnmsicherung mit Bcilragezwang für die Arbeitgeber sei! mehr als zehn Jahren, die Uiisailversicherung mit ihrer ausschließlichen Belastung der Arbeitgeber fast ebenso lange eingeführt, und das Reich hat ans seinen Mitteln für Alters- und Invalidenrenten bereit? Di tzeude von Dlitiionen hergegeben,»m diese Siin wen binnen nicht langer Zeit auf einen jähilicken Züsch.. v von über 60 3llilliouen steigen z» lassen. Die Schweiz schreitet mit schwachen Ansängen in den Spuren Teutschlands einher— in der soziaideinokralischen Darstellung ist das Deutsche Reick aber doch dasjenige Land, wo man blos„verspricht" und die Mehreinuahiue»„nur" zur Slärknug des Nlililarismns verwendet. Ob Menschen, die sich mit solchen Lugen an die O-ffenllichkeit wagen, jemals zu erröihen vermocht baden? Over ivellcn die Heuen Singer und Liebknecht etwa geltend machen, sie hätten„den Umständen nach nicht annchmen" können, daß das von ihnen über die deutsche Sozialgesetzgebung Vorgebrachte erdickiei sei, in der Absicht, das Tcuische Reich verächtlich zu machen? Kann denn dieser böttchernde Sozialistentödtcr und sozialistentödtende Böttcher gar mcht einsehen, daß es einen Unteischied macht, w c m man das Geld bewilligt? Welcher Vater ivird seinem Sohne Geld geben, wenn studirte in Heidelberg und wurde, nachdem er kurze Zeit Privat» dozent in Kiel gewesen war, 1834 Rath beim Gencral-Zoll- departemenl in Kopenhagen. 1837 erhielt er eine ordenUiche Professur für Nolionalökonomie in Kiel. 1342 verlauschte er diese mit einer gleichen Siellni g i» Leipzig. 1348 folgte er einem Rufe nach Götuiigen. Von 1860 bis 1869 lehrte Haussen an der Berliner Universität. Zugleich war er hier Mitglied des preußischen statistische» Bureaus. Seil 1869 ging Hanssen wieder, seiner Neigung folgend, zur Universität Göttin gen, bei der er Senior der philosophischen Fakultät war. HnnssenS Hanptgebiet sind stets agrarhistorisch« Forschungen gewesen, auf welchem Gebiet er der neueren Nalionalökonoinre die Wege gewiesen hat.— Anzuerkemien ist besonders, daß er fast der einzige war, der zur Zeil des grau- samste» M'ä.chesterthums in Deuifchland, zur Zeil der Faucher, Braun, Oppenheim. Bamberger, Schirlze-Deliyich zc.. wirklich wissenschaftlich arbeitete, undeeinfiußt von dem Taumel des ,.!aik8er faire et laisser aller" jener fünfziger und sechziger Jahre, von dem Tanz ums goldene Kalb, den die Kausleute und Fabrikanten tanzten, und dessen Schönheilen und dessen Roth- wendigkcit die erwähnten„Gelehrten" begründeten und i» ein System zu bringen wnßlen. Haussen hielt sich abseits von diesem Getriebe. Er arbeitete auf anscheiuend bcdeuiunaslosem Gebiet«, und er hat doch goldene Schätze des Wissens gehoben. Sein Blick schwerst« weit zurück in die deutsche Urzeit. Im Anschluß an die Forschungen dänischer Gelehrten über die perrnanische Vor- zeit, an die Berichte der Römer Caesar und Taertus über Germanien erkarrrite er jene srühene Benutznngsweife von Feld und Wald unserer Vorsahren, die nicht auj dem Privat- ergentbur» der einzelnen, sonder» auf dem Gemein- e r g e n t h u m der Gesammtheit beruhie. Er steht somit in der Reibe jeuer Gelehrten, die— im Gegensatz zu jenen National- Ökonomen. die die heutige kapitalistische Wirchichafis- weise bei A dam»nd Eva degirrucn und beim jüngster, Gericht endigen lasse»— auf das früherere kon nruiiiiche Gemeinschaslsleoen der Menschen hingewiesen und somit den Grund für die späteren Forschungen auf diesem Ge- iet gelegt habe». HanssenS Hauptwerk sind sein«„ A g r a r- historischen Abhandlungen", aus verschiedenen in frühere» Jahren von ibm reröffentlickteii Aiissätzer, zusamineu» gestellt und 1880 und 1884 in Buchform erschiene».— Das Stndinm dieser Bücher ist noch heuie sür jeden. der sich mit dem Urkommuiiismus und der germanischen Vorzeit beschästigen will, unerläßlich. Jeder, der ernste, ein Menschenalter währende Gelehrten-. arbeit zu würdige» weiß, wird den Namen Georg HanssenS in Ehren hatten. ■'ft weiß, daß derselbe es blos zu Zwecken gebraucht, die der Dakcr nicht billigen kann? In der Lage' eines solchen Vaters sind wir Eozialdeniokralen bei Eeldbewillignngen der Rcichsrcgicrung gegenüber. Wir wissen, daß sie das Geld zu militärischen, das heißt unserer Uebcrzengung nach zu kultur- und sreiheitsseindlicheu Z>v ecken gebrauchen will. Und deshalb bewilligen iv i r i h r keinen Pfennig. Ja, wäre es eine demokratische Regierung, wie die der Schweiz— eine Regierung, die dm Willen des Volks nicht entgegen handeln kann, dann würden wir ihr unier � Umstanden vnd unter gewissen Voraussetzungen nicht blos das Tabaksmonopol bewilligen, sondern sogar das Militärbudget. Hat Böttcher endlich kapirt? Im übrigen lasse der Herr sich gesagt sein, daß die schweizc. rischr Aibeiterschntz-Gcsctzgrbung, die er so über die Achsel ansieht, zehnmal besser ist als die deutsche, und daß wir für das eine schweizerische Fabrikgesetz und die Koalilions- mit tausend Freuden unsere gmuc vielgerühmte Fabrikgesetzgebung hingeben, und noch alle anderen„Arbeitergesetze" nachwerfen.— Dr. 2T. Vencdix. Die»Norddeutsche Allgemeine Zeitung" stellt sich todl und thut, als ob wir ihr ncnlichcs Dementi gläubig hingenommen hätten. Wir haben ihr aber gesagt, daß wir uns kein Zk für ein U vormachen lassen, und wir haben den Herr» A. Benedix, Staatsanwalt a m L a n d g e r t ch t B e r l i n I, n i ch t losgelassen. Seit drei Tagen schweigt die„Norddeutsche" hartnackig. Wir können aber nicht schweigen. Nachdem durch das Schweigen der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" zu- gegeben ist, daß der famose Artikel in Nr. 577 der »Norddeutschen Allgcm. Zeitung" von Dr. A. Benedix, Staatsanwalt am Landgericht Berlin I, versaßt i st, haben ivir ans eine T h a t s a ch e ans- merksam zu machen und eine Frage zu stellen. Gegen jenen Artikel ist von der„Vossischen Zeitung" wiederholt der Vorwurf einer literarischen„Fälschung" erhoben worden; und die„Vossische Zeitung" hat für ihre Anklage auch schwerwiegendes Aiaterial beigebracht. Das ist die T h a t s a ch e. Und unsere Frage: Wird der Verfasser jenes Artikels gegen die Redaktion der„Vossischen Zeitung' Klage erheben?— Kulrmoun's Urthcil über die U m st u r z v o r l a g e, das auch wir auszugsweise zur Kenntuitz unserer Leser gebracht haben, hat ihm den Zorn der„Nat.-Lib. Korr." eingetragen. Das offizielle Blatt der Fraktion Drehscheibe schreibt nämlich: Wiederholt schon wurden in der Presse Bemerkungen des Landgerichlsraths Kulemann in Brannschweig, der einmal eine Legi- laturperiode dem Reichelag augehßrie, gegen die national- liberal» Partei ansgennyt. Co jetzt wieder ein Artikel, in welchem er die Umsturzvorlage als unnötblg und deshalb schäd- lich bekämpfl. Herr Uulemann mag formell noch zur national- liberaien Partei sich rechnen, er steht aber in den meisten Fragen vollständig vereinsamt da und seine Aeußerungen finden längst keine Beachtung mehr. Ja das»vor anders, als Herr Kulemann in Broschüren, Büchern und Zeitungsartileln für die Verlängerung des Sozialistengesetzes eintrat. Sobald er anfängt, wirklich liberal zu denken, setzen ihm die Nationalliberalen den Stuhl vor die Thüre.— Ten Csclsfusttritt erhält Lenß genau so wie früher Slhlwardt von der„Staatsbürger- Zeitung". Mit keinem Worte wird in dem Organe der Antisemiten darauf hingedeutet, daß daS Motiv des Meineides kein Unehren- Haftes war.— Ter Sozialismus eines Konservative». Die kou- servative Weltanschauung umfaßt ein sehr weites Gebiet. Sie reicht von den egoistischen, arbeiterschindenden, spiritus- brennenden Junkern Ostelbiens bis zu dem weitgehenden Staatssozialisuius der Adolf Wagner und Rodbertus, und unter Umständen noch darüber hinaus. Solcher konservative Staatssozialismus wird jetzt wieder in der„Konservativen Monatsschrift" vorgetragen, in der es heißt, daß man mit den Reformen und nicht mit den Polizeigesetze u beginnen solle, daß sich die Hilfe nicht auf die Ausnahmefälle der Krankheit und In- valtdiläl, nicht ans die wenigen Jabre des Alters, sondern in erster Linie auf die vielen Jahre der Kraft er- strecken solle. „Weil aber alle Eingriffe des Staates, heißt es dann weiter. in dicPrivatindiistrie, alleRegleMentirung ibrerLebensdediugmigen fast»othwendig den Ruin derselbe» bedeuten, so bleibt nur übrig eine Verstaatlichung derjenigen einzelwirld- schastlichen Prodnktionsmiiiel, die sich ihrer ganzen Natur nacd für einen Gemeiubetrieb eignen Zanächn ka»» durcb eine» Feder- strich und mit sehr geringer Entschädigung der gesammte Berg- bau für Regal erklärt und damit den, heillosen Zustand geivehrl werden, daß einzelne Großlapitalisten den uneulbrhr- lickne» Nationalbesitz für Schleuderpreise in das Austaud verschicken. Es farni die Bier», B r a n u t iv e i u-, Tabak- und Streichhölzer-Jndustrie monopolistri werden. Co- dann kann der Staat die ungeheure» Papier Massen, welche die Burcaukratie verbratlchi. selbst sabnztren, die Lokomotiven und Wagen, die Schienen und Drähte, die er für seine Transport- Monopole braucht, im Gemeinbelrieb an- fertigen. In jeder Provinzial- und Kreisstadt kann eine Staats- d r u ck e r e i bestehen. Wenn nun überall in diese» Industrien — und ihre Zahl kann leictl bedenleud vermehrt werden— die Arbeiter nicht, wie bisher als H e l o l e n, die ma» nach Belieben mit knizer Knndigunpssrist abschiebt. sondern wie die Glieder der anderen Stände als fest angestellte Beamte mit knappem, aber erträglichem Gehalt anfliflilli werden, so lönneu hier schon Millionen von Menschen aus der Hoffnungslosigkeit. die sie der S o z i a l d e l» o k r a l i e in d i e A r m e t r e t d I, in bescheidene, aber(tesicherte Existenz versetzt werden. Und sie können besonders- das ist die Hauptsache— aui diese Weise und nur auf diese Weise der furchtbaren Geisel des Arbeiter» staut es, der A r b e i l s l o s i g i e i t, einrückt werden." Tos ist dock der S l a a t s s o z i a l i s in u s, wie er im Bncke steht. Wir Sozialdemokraten haben mit derlei Eoziolismus natürlich nichts zu lhuii. Denn dabei bandelt es sich nicht um Befreiung vom politischen Druck, nicht um wirkliches w i r t h s ch a f t l i ch e s Wohlbefinden der Volksmassen, sondern um Motto- polisirting einer Anzahl von Betrieben, um die Gewalt der herrschenden Machthaber zu stärlen, um ihnen größere Mittel zu verschaffen, um eine größere Zahl von Arbeitern bei dürftigster Lebenslage als sogenannte„Beamte" voll- ständig in die Gewalt zu bekommen. Mit solchem Sozia- lisnius kann die Sozialdemokratie nichts zu thun haben. Wir kämpfen um einen anderen Soziatismus! Wenn übrigens der oben zilirle konservative Politiker meint, durch eine solche Mouopolwirlhschaft der Sozial- hemokratie etwas abgraben zu können, so irrt er doch ge- waltig. Wir erinuern nur daran, daß die kleinen Beamten der heutigen Etaatsmonopole, der Eise n b ahn, der Post:c., in Massen der sozialdemokratischen Partei an« gehören, wenn sie es auch freilich bei der politischen Bedrückung, unler der sie leiden, nicht laut sagen dürfen.— Znni MeiiteidSstrozef; gegen �rau Schnutz. Aus dem Gcrichtserketmtmß, das heule vorliegt, ersehen wir, daß die unglückliche Frau vorgestern, am zweitletzlen Tag der Prozeßverhandluua, den Eid geleistet, und mit ihm bekräftigt hat, daß sie mit Lenß keinen verbotenen Umgang gehabt habe. Ans dem Schluß-Plaidoper des Staatsanwalts geht aber hervor, daß die Schuld des Angeklagten Lenß und folglich auch der verbotene Umgang„durch erdrückenden Indizienbeweis" schon vor dem Gestäuduiß des Lenß und der Frau Dr. Schmitz erwiesen war. Unter solchen Umständen verstehen wir es nicht, wie Frau Dr. S ch n u tz überhaupt vereidigt werden konnte. Das öffentliche Rechtsgefühl heischt gebieterisch eine Aufklärung.— Tas österreichische Sll'geordiietciihtiits nahm den Gesetzentwurf betreffend die S o n n t a g s r n h e an, so- wie die Resolution, betreffend die Sonntagsruhe der P r i v a t b e a m t e n und B e d i e n st e t e n.— Christenthnm und Monarchie nehmen unsere Kämpfer für Religio», Ordnung und Sitte immer zusammen in den Mund. Was werden sie min sagen, wenn sie erfahren, daß das leitende Organ der ungarischen UltramoUtanen, der„Magyar Allatu", unter Berufung auf eine Bulle Pius IX. koifflatirt, daß alle an der Volirung und Sanklionirung des Zivilehe-Eesetzcs Be- thriligten exkoimnitnizirt seien. Ein ungarischer Kanonikus wirft in dem Blatte die Frage auf, ob der König nach den bekannten Vorfällen in das Gebet eingeschlossen werden könne, was der„Magyar Allaiu" verneint.— Retterin Bombe. Aus Rom wird gemeldet: Heute Abend platzt» in der Straße Maria dei siori eine schwach gefüllte Petarde, ohne Schade» anzurichten. Tiefes Vömbchcn wird die Aufmerksamkeit von dem Schtmitzc, der ans dem Panaminosunipfe an Crispi hängen geblieben ist, nicht ablenken.— Entwurf einer russische» Bersaffniig. Aus Rußland erhirlmt wir ein umsasseitdes Matiuskrtpl, das den Titel„Entwurf einer russischen Verfassung" trägt und i» 14 große Abschnitte mit 9iZ Paragraphen zerfällt. Danach sott an der Spitze der Verfassung der Zar»ttd der„Seiusty Sobor" (Allgemeines Parlament) als außerordenlln'.x Vertretung dei russischen Volkes stehen. Die beständig futigirenden Organe bilden die Regierung auf der einen Seile und die Kammer det DepMirlen für das ganze Reich und die Landlage für einzelne Gebiete. Sowohl die Kammer wie auch die Landtage sollen auf grund des allgemeinen geheimen und diteklen Wahlrecl Is gewählt werden, für die Kammer ein Depu- tirler aus je llliOOOO, für den Landtag auf je 7S(K)t) Bevöile- tuttg, mit 5 Rubeln Ttüleii für je eine Sitzung. Der ganze Etil- wurs stammt allem Anscheine nach ans den liberalen Kreisen, beztehntigswetse aus den Kreisen der bekannten Partei der Volks- recttke, was iibtigens auch aus der Einleitung zu ersehen ist, die lautet: Das ruinsche Volk steht te zwei Frage»: I. ob RiiBlaiid einer Aersasiung bedarf? L ob eine Verfassung in Rußland möglich ist? Tie erste Frage ist nur der Form naei eine Frage; sie ist sowohl iitr den Zaren wie für die höheren Regiernngeorgane gelöst nttd nur die bureau- kratische Routine und Lüge zwn gt sie zum Schweigen; sie ist weiter für die Gesellschaft, die Eemstiros(die Selbsiverwalttntgs- t örper der Gouvernements), die Presse und endlich für die Revoinkionäre eine gelöste Frage, dn die Ilttzusriedeitheit mit der Willkür und Unterdrückung und die Sehnsucht nach Freiheil und Gerechtigkeit ganz deutlich hcrr otirttt. Sehr bald werden alle von einer Bersosiung zu sprechen beginnen, weil alle schon jetzt von ihr denken. Fürst Melschersky wird seine Verfassung vor- schlagen, die Herren Witte und Erwoloff die ihrige, Herr Pobe- donoezew seinerseits auch eine. Aber in unserem Valerlande isttveder eine Adels-, noch eine Bourgeois-, noch eine kllrilale Verfassung möglich, da das Mittelalter bei uns keine Elemente inr eine Adels- oder klerikale Verfassung zurückgelassen hat und für eine Bourgeoisvcrfassung ist der Kapitalismus in Rußland noch nicht genug mächtig, das ganze russische Volk seinem Joche zu unter n erfen: Die russische Verfassung soll sich nicht auf einzelne Klassen stützen, sondern ans reine» Idealen für das allgemeine Wohl hervorgehen, sie soll sich ans i»abhängige Gerichte stützen und durch dieselben gesichert sei». Für die Atisarbeilrnig einer solche» Verfassung habe die russische Jnlelltgenz zu sorgen.— Rnssische Polizeispitzel im AitSlattde. Wie bekanni. wurden im Frühling V.J. in Rußland mäste» haue Verhaftungen und Haiisinktinngen vorgenrmmen, um hauptsächlich der seit dein Jahre 1891,92, also seit dem Jahre der großen Hungersnoth, sehr beinerkear zugenommene»„konstitutionalen Bewegung" ent- gegei zutreten Nachdem die Gesängnisse von Petersburg, Moskau und anderen Elädivn überfüllt wäre», glaubte man mit dein nördlichen Theil Rußlands fertig gewesen zu sein, und man beickioß, das südliche Rußland, Pole» und Kaukasus in polizeilicher' Beziehnug vom Norden aus zu be- arbeiien. Dieses Gebiet wurde unter die Obhut des Gendarnigeiieral N> wiyiy von Kiew gestellt. Wie aus einem uns zugegangenen Geheimakt zu ersehen ist, wurde eine hieraus bezi gliche Bersügung aus Petersburg dem General Nowitzki) am l. Juli d. I. zugesandt. General Nowitzky in einer dcrienigen Männer, die die russisch» Poiireiwirthschasl unter Alexander Iii. berühmt gemacht hat. In Moskau repräsentirt dieses Schrcckenssystcm ein gewisser Herr Berdjaew; Petersburg erst eute sich lange Zeil eines ähnliche» Herrn, Sndeiki», bis er endlich von seinem eigene» Milarbeiler Tegajen u» Jahre 1885 ermordet ward; iii LdestawaresEtrelnilow, de» dasselbe Schicksal ereilt General Nouitzly beschränkte sich nicht ans das ihm zugewiesene Gebiet und suchte seine Thängkeit auch auf das Anstand auszu- dehnen. Eine eigenhändige Instruktion Nowitzky's au seine Agenten i» Galizien. die uns zu Händen kam, enthält 12 Punkte, wonach sich die Agenten zu nchte» habe». Sie konstalirt die immer mehr zunehmende revolutionäre Propaganda sowohl im Jnkande wie auch im Auslände seitens der polnischen, uirainopbilen und sozialdeinolratlsche» Organiiaiione», iyre Verbindungen mit den G>sinnungsgenosst» in Rußland und nennt dann 25 russische Emigranten, die Nowitzky„in seinen Häi de» haben» öchtt". Wie plump selbst ein solcher Herr wie Aoivitzkv seine Sache führt, ist schon aus dein»inen Umstände klar, daß, obgleich seine Instruktion vom Oktober dieses Jahres herrührt, unter den Lö Emigranten Leute angeiührt sind, von denen einige nicht mehr am Leben sind, die andere» seste An- siellungen im Anslande und somit vorläufig ketne Lust nach der Heimatb haben, die dritten enMtch gar keine Emigrante» nnd so harmlos sind, daß sie erst jetzt ans der Liste über die innen bei etnaiger Rückkehr»ach der Heimatb bevor- stehende» Annebmlichkeiten ersuhren. Ter To» in dem die Agenten ersucht» erden Verschiedenes mit/tutbeilen und milzuthun, ken»jeichnet die ganze Frechheit des soziaiisteniödierilchei. Generals: „Als neugieriger und wissenslnsiiger Mann möchte ich über dies und dies(es tolgen verschiedene polnische revoiulioiiäre Gruppen in Lemberg nnd Kiakau) Anskmist haben." Einer der„Ion- spirativen" Briese schließt: Sie werden zum großen Tank ver- pflichten den für Sie immer bereiten W. Nowitzky. Lißki, Lewa« schowsky.(Wohnsitz des Generals.) Eriistgemeiitte �nedensverhaudliltigen zwischen China und Japan sollen im Gange fein.— Sparsamkeit i» EgUPten. Wie aus Kairo gemeldet wird, beamrayie der gesetzgebende Rath nach Prüfung des Budgets auf das Reservoir- Piojekt zu verzichten, dir Oklupalionsarmee zu vermindern und die Steuern herabzusetzen.— VQvlclinettlaviMxos. Prtttlonen an den Reichstag. DaS erste Vcrzeichnlß der beim Reichstag eingegangenen Petitionen, das die Journal- nummern I— I4G0l enthält, ist veröfseiitlicht worden. Einen breiten Raum nehmen ein die Peiiiionen um Einführung eines Zolles aus Qnebrachoholz, um Bewilligung einer Mililär- Invaliden- Pension, um Gewährung etnes Ehrensoldes an die Veteranen aus dem Kriege 1870—71 und um Aushebung des Jmpsgesetzes oder Beseitigung des Impfzwanges. Z)ci»:keiNk»ckii.'t>Zirott: Eine Parteivrrsammlung in Düsseldorf nahm den Bericht des VerkrauensmannS über dessen Thätigkeit entgegen. Ans demselben ging hervor, daß die Parteigeschätte ein wesentlich günstigeres Resultat geliefert haben, als mi Jahre vorher; der Versainmluiigsdesuch war im allgemeinen ei» regerer; die be- dentendften rednerischen Kräsit konnten auf ihren Agitations- touren berücksichtigt werden und auch in finanzieller Beziehung ünd weilans günstigere Ergebnisse erzielt ivorden. Auch der Aus- schwung, den die„Tribüne" in diesem Jahre nehme» konnte, kommt theilweiss auf Rechnung eines besseren Znsammen- schlusse? der Genossen am Orte und einer erhöhten Opferwillig- keit derselben. Die bisherigen Vertrauensleute Helbing und Huhu ünd auch für das nächste Jahr mit der Fortführung der Partei- geschäste betrank worden und das fast einstimmig. Zum rheinischen Parleitag wurden 3 Delegirte gewählt. •» Die„Nmst»rz"vot'lasie droht— heißt es in einem sehr teitgemäßen Mahnwort an die Parteigenossen in der„Leipziger Volkszeiiung". Wird sie Gesetz— was bei der jetzigen Zu- .fnmmensetzuiig des Reichstags keineswegs ausgeschlossen ist— dann heißt es ans der Hut sein. Wenn ivir auch als Partei für die ohnmächtigen An« strengnngen unserer Gegner nur Hobnlaehen und Verachtung haben, der einzelne von uns vermag sich manche Verlegenheit nid Schererei vom Halse zu hatten, wenn er es an der noih- wendigen Vorsicht nicht fehlen läßt. Diese besieht nun vor allem darin, daß man in Zeiten wie den jetzigen jeden Tag auf den Besuch der Polizei gefaßt sein muß und deshalb sehr gut lhut, alle auf die Partei und den Verlehr mit den Genossen bezüglichen Echristslücke, Briefe, Abrechnungen ic. so zu beseitige«, daß die liebe Polizei bei ihrem eventuellen Besuche »ichls davon vorfindet. Zwar wissen tvir, daß im Besitze unserer Genossen sich nichts findet, was da?. Licht de? Tages zu scheuen hat. Zeichnet sich doch gerade unsere Partei dadurch ans. daß sie alle ihre An- gelegenheiten im Lichte vollster Ocffentlichkeit und vor aller Welt ordnet und regelt. Aber wir sind durch die Eriahrung gewitzigt. Das Jahr>873 hat uns gelehrt, daß jede Zeile eines Genossen, an eine» Parteifreund gerichtet, den Vorwand m den langwierigsten Untersuchungen und Nachforschungen für die Polizei und Staaisaimütte geben kann; deshalb räume man diese Zeiten beiseite, wenn sie auch noch so unschuldigen Inhalts sind. Wer diese heute mehr als je gebotene Vorncht milerläßl, macht sich eines Vergehens gegen sich selbst und gegen die Partei schuldig. Deshalb Parteigenossen, seid vorsichtig und auf der Hut! lind in die Aera des Teminziantenthnms und der Majestäts- beleidigungs-Prozesse inögen, wir wiederholen es, die Genossen chre Uribeile über Personen und Ereignisse in möglichst vor- sichtiger Weise äußern und sich jedes politischen Gespräches mit allen ihnen nicht als ganz zuverlässig bekannten Personen ent- halten. Denn die Niedertracht gehl um und die Schurken kommen zur Ehre der staatserhaltenden Thätigkeit. Wenn dies überall geschieht, dann sehen wir wohlgerllstet und frohen Mulhs der Zukunst entgegen. Mögen die Gegner .inch ausbrüten was sie wollen, die Sozialdemokratie wird siegen trotz alledem und alledem. «» Bei den GemeinderathSwahlen in Hilb er s d ork bei Chemnitz erhielten die 2 sozialdemokratischen Kandidaten von 273 abgegebenen Stimmen 214 und waren somit gewählt. In einer Miiiicheiter Parteiversammlung erstattete der Aertraueiismanii Genosse Schmitt Bericht über seine Thätigkeit im verflosieiien Jahre. Stach demselben haben iin Laufe des vergangenen Jahres 29 giößere PaNeiversammlungen statt- gefunden, davon I! in München nnd 18 auf dem Lande. Es gingen ein in Summa 1836,77 M., die Ausgaben betragen >883,72 M., so daß ein Defizit von 46,95 M. zu verzeichnen ist. aas aber durch die Eingänge der letzten Wochen als gedeckt er- scheint. Als Berlranenslente werden die Genossen Schmitt und Knieriem gewählt. *» Polizeiliches, Gerichtliches te. Wegen eines Artikels unler der Spitzmarke: Aachener Spitzel im„Aachener Volksblatt" wurden der Verfasser und Verleger und der Redakteur des Blattes wegen öffentlicher Be- leidigling vom Landgericht Eiberseld zu je 4 Monaten Gesüngniß verurtbeitt. Das Blatt wird in Solingen gedruckt und nach Aachen geschickt; der Gerichtsstand in Solingen ist auch damit begründet, daß die Solinger Polizei- bebörde ein Psiichtexemplar bekommt, sowie, daß Solingen der Wohnort des Redakteurs ist. Der Sirasantrag ist mm gestellt vom Landgerichlspräsidenten von Aachen wegeid Be- icidigung sämmllicher richterlicher Beamter des Landgerichts Aachen und vom Polizeipräsidenten von Aachen wegen Beieidt- guiig der Polizeibeamien Aachens. Die Angeklagten bestritten die gnständigkeit des Polizeipräsidenten zum Stellen des An- träges, da der Vorwurf, den Spitzel Huber gedungen und be- schenkt zu baden, bloß gegen den Polizeikoinmissar Mönig in Aachen gerichtet sei, der der dortigen politischen Polizei vorstehe: dieser aber bade keinen Antrag gestellt. Tie Polizeidirektton sei nach der Revision gar nicht beleidigt, sonder» blas Mönig, daher wurde die Rechtsgiitigkeit de? gestellieii Sirasaniraaes angefochten; desgleichen murde auch die Zuständigkeit des Gericht? bekänipst. Ter Reicheanmalt hielt nur die Rüge wegen des Strasantrages für bedenklich. Da cs in Aacden eine besondere Abtbeilung für politische Polizei wobl schwerlich geben werde, wie z. B. in Bellt», so könne mit den Worten des Gericht?, die politische Polizei sei beleidigt, nur gemeint sein die Polizeibehörde in 'Aachen in ihrer Funktion als Vertreterin der politischen Polizei. Aebnlich liegt dcr Fall wegen Zuständigkeit des Landgerichts- Präsidenten bei Stellung des Sirasantrags wegen Beleidigung der Rickiter. Keiner der damaligen Aachener Richter sei mehr im Amte. Der Antrag sei aber geitcllt wegen Beleidigung sämmr- lichcr Richter des Aachener Landgerichts. Die letztere Rüge fübrte zur Aushebung de? Nrtbeils. — Freigesprochen wurde Genosse Eichhorn, Re- dalleur der„Sachs. Arb.-Ztg.". Er war seiner Zeit angeklagt worden, durch den Leitartikel„Bankkrach" in Nr. 38 genannter Zeitung der Sckiule vorgewoisen zu haben, daß sie die Aufgabe habe, die Kinder zu verdummen, um sie gegen die Sozialdemokratie immun zu machen, dadurch aber Staats» emrichtungen verächtlich gemacht zu haben. Genosse Eichhorn rvnrde in der ersten Verhandlung von der zweiten Siras- kammer auf Grund von§ LI des Preßgesetzes wegen Fahrlässig- teil zu 100 M. Geldstrafe verurtheill. Er batle die Verant- wortung für den Artikel abgelehnt, weil er dessen Aufnahme nicht bewirkt halte und auch nicht verhindern konnte. Auf ein- gelegte Revision verwies das Reichsgericht die Sache an die Vorinstanz zurück und ans den erneuten Zeugenaussagen ergab sich, daß Genosse Eichhorn thalsächlich mit dem fraglichen Artikel absolut nichts zu schaffen gehabt. Er mußte deshalb frei- gesprochen werden. — Als sozialdemokratischer Redakteur war der Zigarrenmacher Wilhelm Banmberg in Zeitz eine Zeit lang a» dem dortigen„Volksboten" lhätig gewesen. Am LS. und 30. Januar erschienen in jenem Blaue zwei Artikel, welche sich mit der Person des Kriminalkomuiissars Zillmann aus Berlin beschäftigten. Tiefer Beamte, der die bekannnten Unterschleise von Hain burger Schaffnern eriniitell halte, war anck i» Thüringen auf verschiedenen Bahi, strecke» in Verkleidung thälig gewesen, um nach etwaigen strafbare» Handlungen von Schaffnern zu forschen. In den beiden Artikeln waren verschiedene Ausdrucke enthalten, in denen die Gerichte eine Beleidigung Zillmann's erblickten. Ein Redakteur der„Thüringer Tribüne" in Erfurt, welche diese Artikel zuerst veröffentlicht hatte, ist wegen Beleidigung Zill- mann's verurtheill und seine Revision vor einiger Zeit vom Reichsgerichte verworfen worden. Auch Bauniberg wurde wegen des gleichen Vergehens verurthcilt und zivar vom Landgerichte Rauinbnrg am 30. Juli zu 3 Monaten Gefängniß.— Seine Revision, welche Verletzung der§§ 185, 186, 73 und 193 des Str.-G-B. und des Z 20 des Preßgesetzes rügte, wurde heule gleichfalls vom Reichsgerichte verworfen. — Verboten ivurde in Pegau eine Versammlung, in der über„Gesellschaftliches oder Privaleigenthum?" referirt werden sollte. — Koi, fiszirt wurde die Nr. 101 des Allcnburger „Wähler" vom Mittwoch, den 19. d. Mts. Gesunden wurden 423 Exemplare. Die Beschlagnahme geschah auf Veranlassung des Staatsanwalts, und zwar soll eine Stelle i» einer Theater-Rezension gegen den§130 des Str.-G.-B. (Aufreizung) verstoßen. Wir können die inkriniinirte Stelle zwar vorläufig nicht zum Abdruck bringe»,, könne» aber in derselben beim besten Willen nicht verstehen. wie der Thatbcstand des Aufreiznngsparagraphen darin gefunden werden könnte. Tie Stelle sagt nur, daß es seiner Zeit dem Landgraf Ludwig dem Eisernen, von dem das besprochene Theaterstück handelt, gelungen sei, den Trotz der adeligen Raubritter zu brechen und Ruhe lind Frieden im Lande wieder herzustellen. Soziale LlebevNTzk. Die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter und Arbeite- rinnen in Teutschland. Nach den Berichte» der Gewerbe- Inspektoren waren im Jahre 1893 in Fabriken und in diesen gleichstehenden Anlagen, die den Gewerbe- Zlussichlsbeamte» (Fabrikinspektoren) unterstellt sind. 219 871 jugendliche Arbeiter im Alter von unter 16 Jahren(gegen 220 174 im Jahre 1892) beschäftigt und zwar im Alter von unter 14 Jahren 3730 Knaben(1892: 7426) und 2181 Mädchen(1892: 3913), im Arbeiter von 14 bis 16 Jahren 140 693 Arbeiter (1892: 139 513) und 73 265 Arbeiterinnen(1892: 69 322). Die Fabrikarbeil von Kindern ist nach diesen Zahlen seit 1892 wieder in erheblichem Maße zurückgegangen, nämlich llm48pCl.; hauptsächlich gewiß infolge der neueren gejetzlichen Bestimmungen über die Beschäftigung ron Kinder». Verbällnißmäßig am zahl- reichsten finden Kinder Verwendung in der Textilindustrie mit 28,0 pCt., in der Industrie der Steine und Erden mir 20,9 pCt. und in der Industrie der Nabrungs- und Genußinitrel mit 12,4 pCt. von der Gesammtzahl aller in Fabriken beschäftigten Kinder.— Die Zahl der Arbeiter zwischen 14 und 16 Jahren hat feit dem Jahre 1892 um 2,5 pCt. zugenommen. Von ihnen waren 27,0 pCt. in der Textilindustrie, 11,7 pCt. in der Industrie der Steine und Erde», 11,4 pCt. in der Metall-Verarbeitung beschäftigt.— Unter den im Jahre 1893 beschäftigten 616 620 erwachsenen Arbeiterinnen waren 249 200 oder 40,4 pCt. 16 bis 21 Jahr, 367 411 ober 59,6 pCt. über 21 Jahr alt. 305 175 oder 49,5 pCt. der Gesanuntzahl waren in der Textil- Industrie. 84 876 oder 13,8 pCt. in den Gewerben für Rahrungs» und Genußmittel beschäftigt. Die Ucscheinigung, daß sie, vorbchaltlich der Höhe des Krankengeldes.den Anforderungen des§75 des Krankenversichernngs- Gesetzes genügen, ist nachstehenden Krankenkassen eriheill worden: Allgemeiner Kranken- und Sterbeverein(E. H.) zu Breithardt, Aelteste Riuteler Unterstützungskasse für Zigarrenmacher und Sortirer(E. H.), Maler und Lackirer-Ziranken- und Slerbekasse zu Hannover und Linden(E. H.), Kranken- und Sterbekasse zu Oberrodenbach(E. H.), Krankenkasse für die Gemeindebesirke Fahrland. Nedlitz, Krampnitz, Sakrow, Ferbitz, Kartzow, Satz- korn und Marquardt, Krnnken-Unterstützungs-Kasse des selbst- ständigen Ortsvereins(E. H.) in Finsterwalde,„Concordia", Kranken- und Sterbekasse der Bäcker- und Konditorgehilsen(E. H) in Elberfeld, Krankenkasse für das Kirchspiel Nienstedten(E. H.) Tie Fabrikation von K r i e g s w e r k z e u g e n r e n t i r l s i ch. Im Jahresbericht der berühmten„Rheinischen Metall- waaren- und Maschinenfabrik", auch Palronenfabrik genannt, heißt es, nachdem gesagt ist, daß zur Ausdehnung des Geschäfts- betriebes das Aktienkapital um 690 000 M. erhöht worden ist, weiter:„Es verbleibt ein Gewinn von 1018 215,35 Mark. Der Reservefonds ist mit 22 600,73 M. zu doliren» wo- mit die statutarische Höhe von 240 000 M. erreicht wird. Statntenmnß'ge Tantieme an den Aufsichtsrath 39 629,78 Mark. Vertragsmäßige Tantieme an den Vorstand 21466,12 Mark. Es wird vorgeschlagen, die verbleibende» 934518,72 M. wie folgt zu verwenden: 28 Prozent Dividende auf das dividendenberechtigte Aktienkapital von 1 710 000 M. 473 000 M. Dolirung des Dispositionsfonds mit weiteren 400 000 M. Vor- trag des Nestes auf neue Rechnung 55 718,72 M." Für die arbeitsucheuden Wanderer tritt eine Petition ein, welche der„Christliche Verein deutscher Arbeiter" zu Wernigerode an das preußische Abgeordnetenhaus abgeben lassen wird. Es werden in derselben die Ursachen dargelegt, welche die große Masse der Arbeitsuchenden aus die Landstraße ireibt. Zur Beseitigung der Nothlage werden nur Pallialivmitlelchen in Vorschlag ge- bracht, als Naturalverpstegungsstaiionen, Wanderarbeilsslätten, Herbergen zur Heimalh u. s. w.„Außer Arbeil, Obdach und Brot bieten sie Schutz vor schlechter Gesellschaft und eine menschenfreundliche Behandlung niit einer siitlich-religiösen Ein- Wirkung, wie sie in einer solchen Lebenslage besonders nölbig ist." — Ob die Anwendung des Gummischlauchs in den Herbergen zur Heimath auch zu einer christlichen Behandlung gehört, wissen wir nicht, menschlich ist sie jedenfalls nicht. Die Thatsache, daß die Arbeit in den Wander- Arbeitsstätten zur Lohndrückerei führt, haben die Petenten wohl auch nicht bedacht. Die überseeische AuSwanderuna aus dem Deutschen Reich über deutsche Häfen, Antwerpen, Rotterdam und Amster- dam war auch im dritten Viertelsahr 1894 sehr gering. Es ver- ließen nur 9862 Deutsche die Hemiath gegen 24 334 im gleichen äeitraum des Vorjahrs. Seit Beginn des laufenden Jahres bis nde September sind im ganzen 31 102 Personen ausgewandert fgegen 71853 im gleichen Zeitraum 1893 und 92 956 in 1892. Arbeiterrisiko. Wie die„Fraukfurter Zeitung* mittheilt, ist in Sachsenhausen ein Neubau«ingestürzt Gegen 25 Arbeiter wurden verschüttet. Feuerwehr und Soldaten sind mit den Nettuugsarbeiten beschäftigt. Eine spätere Nachricht besagt, daß einer der Arbeiter todt, zehn mehr oder minder schwer verletzt aus den Trümmern herausgezogen worden sind. Eisenbahnfortschritt i« Württemberg. Mit kühnem Griff führte Württemberg im vergangenen Jahre die zehntägige Giltigkeil der Retourbillcl», die Fahrscheinhefte und vierzehn- lägige» Passepartout-Karten ein. Man hatte sich den Anschein gegeben, als ob das lediglich ein Geschenk an das Publikum dar- stelle, während sich jetzt herausstellt, daß dadurch die Einnahmen sich steigerten und die Eisenbahn Hauptknsse einen günstigeren Abschluß machen kann, wie im vorigen Jabr. Bei uns in Nord- deuischland werden die Neberschüsse erzielt durch Bahnsteigsperre, hohe Tariie und schließlich durch die Entlassungen von Arbeitern.— Außerdem soll, wie wir schon berichte: haben, in Württemberg vom 1. April 1393 im Güierverkehr vollkommene Sonntagsruhe eingeführt werben. (ßezuerKftUoNUMes. Achtung, Kürschner! Wie Euch bekannt, befinde» sich die Kollege» der L i n d n e r s ch e n Fabrik(23 an der Zabl) in R ö t b a(Sachsen) seit dem 27. November im Abwehrstreik. Die Veranlaffnng dazu gab eine 20— 40prozenlige Lchnreduktion seitens des Unternehmers. Tie wuderkvllen Einigungsversuche, um die Sache aus friedlichem Wege beizulegen, sind an dem hart- näckigen Widerstand des Herr» L i n d n e r gescheitert. Wollten die Kollegen nicht. daß die gesalinnten Zu- richtereien von der Leipziger Umgebung i» Mitleidenschaft gezogen wurden, so waren sie gezwuiige». gegen den An- griff Front zu inachen. 26 der Ausständigen sind organisirl, davon 16 Berheiraidete mit 41 Kindern. Es ist daher unsere Pflicht, den Zuziig nach Röiha fern zu halten, sowie mit aller Kraft die Streikenden zu uulerstützen. Wir ersuche» res« halb die Kollegen, da>vir jetzt vor dem Feste stehen, die Listen gut zirknliren zu lassen und dieselbe» jeden Soiuiabeiid Abend und Sonning Barnntlag im Restaurant Merlins, Laildwehr- straßeil, abzulieicru."Die O rt s v e r w a l l u n g Berlin. I. A.: Aug. Peters. ZriZug von Tischlern ist sernzuhalte» nach Berlin (Pianofabrik vou Görs u. Kallmann, Arudtstr. 84), Karlsruhe (Hosmöbelfabrik von Reutlinger u. Ko.), Pforzbeini(Weihl's Möbelfabrik), Bulmke bri Gelseiikicchen(Laar»ia«ii's Werkstätle), Itzehoe(Wistphal'sche Möbelfabrik), Luckenwalde(Billig's Werk- statte), Weißcnsee(Springer's Werlställe); von Tischlern und Stellmachern nach Güstrow i. M.(Mcckleiibilrgische Waggonfabrik); von Tischlern und Treckslenr nach Schmoll» S.-A. (Trommler's Reaulateursabrik), Goslar(Pfeil'sche Möbelfabrik), »nd M.-Gladbach(Kambet's Werkstäite); von Drechslern»ach Laulerberg(Fabrik Hillegeist) und Harzburg(Schulze's Holz- bearbeilungsfabrik). Ter nationale Bergarbeiter-Kongreß in Essen wird sich u. A. mit eiuem Beschluß des Knappschaslsvorstaildes zu be- schäfligen baden, der gcgenivärlig im mcstlichcn Kohlenrevier unter den Bergleuten große Erbitleruiig hervorruft. Bekannilich ist einer Anzahl Jiivaliven, die als Kainpmanii und Genossen gegen die Kilappschaflskasie klagten, vom Reichsgericht sowohl die Invaliden- als a»ch die Altersrente zugesprochen worden. Ter Vorstand, der zur Hälfte ans Bergwerks-besitzer», zur Hälfte ans Arbeitnehmern bestellt, hat indessen beschlossen, denjenigen Invaliden, die in gleichnn Vcrbältniß stehen, wie Kamp- mann und Genoffe»,"die Allszahlling der Rente zu verweigern, sodaß diese nun alle erst einzeln de» KIngewcg bcschreile» niüffe». Ebe diese Klage» erledigt sind, können unter Umständen Jahre vergehen, viele der Invaliden werden bis dahin vielleicht längst in Noch uliigekonimen sein, so daß sie niemals in den Genuß der Rente gelangen. Daß eine solche Haiidlnngsiveise gegenüber Ar- bciiern, die im Dielisie der Kapilalisten ihre Gesundheit und Arbeitskraft geopserl haben, uiigeheuer vcrbiller»»l»ß, ist selbst- verständlich,»nd wird dazu beiiragen, wieder eine Menge Berg- lente ins Lager der Sozialdemokratie zn treiben. Wäre es nicht z» lhiln um arme nothleidende Proletarier, nns könnte das nn- gerechte Vorgehen des Knappschaslsvorstaildes ganz recht sein. Eine gräßliche Polizciattacke, so schreibt man uns unterm 19. d. M. ans Aiiisterdam. kündigt das Eingreise» der Be- Hörde i» die LohnbewcglNig der Aiiisier damer Tiamailtarbeilcr an. In einer nni Abend des 17. Tezeniber abgehaltciicii, vou iiiehr als 5000 Personen besuchten Versammlnug der Diamant- arbeiter,»vlirde milgetbeikt, daß bei einigeii Arbeilgebern»och immer unter dem kürzlich vereinbarten Lohnlarif gearbeitet wird. Eine Resolution wurde angenommen, worin bellmder wurde, daß die Vereinsvorstäude mit einer Kommission der Juweliere einen iicueii Lohnlarif ausarbeiteu werde», daß man sich jedoch am nochsteii Morgen zlisamincnsiiidc» werde, nm sich zu den Fabriken zu begeben, wo der jetzige Tarif nichl gehandhabt wird und zu vcrilichcn. entweder die Arbeit- gcber eines besseren zu belehren, oder die Arbeiter zur Ärbeitseinstellinig zu veranlassen. Und thatsächlich fand sich am Dienstag Morgen eine große Anzahl Tiamautarbeiler aus dem verabredeten Platze ein. Als man nun in der V e r w e r st r a ß e mit einige» Arbeilgcber» unterhandelte, erschien plötzlich eine große Polizeimacht ans der Bildfläche, die, ohne die übliche und vorgeschriebene Warnung vorhergehe» zu lasse», zu gleicher Zeil von zwei Seilen mit blaiiieii Waffen ans die ruhigen Manisestaiite» cinhieb. Mehrere Personen wurden erheblich verletzt. Die Erbittcruilg ist groß. Uns kann dies alles nicht wunder nehmen. ES wundert uus vielmebr, daß die Bourgeoisie nicht schon viel eher zn ihren Gewaltsmitteln gegriffen hat.— So haben den» doch die provokatorischen Rede» der Schreihälse nach Ausnahmegesetzen in der zweiten Kammer etwas ge- fruchtet. GevirftkSrBeikuug. Gegen den Redakteur deS„Vorwärts" Hugo P ö tz s ch gelaugten beute vor der Strafkamiiier des Loudgerichts I zwei Anklagen wegen Beleidigung durch die Presse zur Verhandlung. In der Niinniier des„Vorwärts" vom 28. Juli d. I. erschien ein Artikel mit der Ueberschrift„Das � Beschwerderecht der Soldaten". Es wurde darin erzäblt, daß ein Feldwebel der Erfurter Garnison sich vielfache Mißhaudliiiigeii seiner Unter» gebeiien habe zu schulden konimen lassen. Die Gepeinigten hätten lange geschwiegen, bis sie endlich� Anzeige erstattet hällen. Diese Anjeigen seien indessen ans Rücksicht gegen den Feldwebel unierdrückt worden. Der letzlere habe seine Mißhandliingen fort- gesetzt, bis er endlich vom Gesckick ereilt� und zu einer Arrest- strafe vernrtbeilt worden sei. Der betreffende Offizier, der die irüheren Anzeigeil uiiterdrückl habe, sei verabschiedet worden. Ter Angeklagte halte den Beweis der Wahrheit angetreten. Ans den Aussagen der in Erfurt vernommenen Zeugen ging bervor, daß der Inhalt des Artikels insofern aus Wahrheit beruhte, als der Feldwebel Münscher, der beim Bezirkskommando in Erfurt beschäftigt war, wiederholt einen ihm»»tergebenen Sckreiber gemißhaudell hatte»nd deshalb durch kricgs- gerichtliches Erkenutniß zu 20 Tagen Miltelarrest verurlheilt ivorde» war. Staatsanwalt M ü l l e r II führte aus, daß der Verfasser des Artikels beabsichtigt habe, den gemeineli Soldalen vor Auge» zu führen, daß sie rechtlos seien, während die Beweis- ausnähme gerade das Gegenlheil ergeben habe. Er be- aiitrage eine Gesängnißstrafe von vier Monate». Ter Ver- lbeidiger, Rechisanwäli Heineinann, plaidirle für eine Geldstrafe. Genoffe P ö tz s ch machle geltend, daß die Tendenz des „Vorwärts" oder seine Parteizligehörigkeil nicht, wie der Slaals- anwalt meine, als straserschwerend in's Gewicht fallen dürfe, ein Tendenzurtheik dürse e!» Gericht nicht fällen, sondern habe zu richten nur nach den Handlungen, ohne Ansehung der Person. Gerade die sozialdemokratische Presse richte sich ihrer ganzen Tendenz nach am allerwenigsten gegen Personen, sondern gegen die Jnstilulionen, gegen das System. Das gehe auch aus dem unter Anklage stehenden Artikel hervor, der nicht die Offiziere, sondern das militärische System angreife. Außer- dem komme strafmildernd in betracht. daß der Artikel der „Frankii-rler Ztg." entnommen sei, welche stets gut unterrichtet zu sein pflege. Ter Gerichtshof erkannte nach dem Antrage des Staats» aiiivalls auf vier Monate Gefängniß. Im zweiten Falle war ein Artikel beanstandet, welcher am 23. Juli d. I. im„Vorwärts" erschien. Es war darin mit- gethcilr, daß zwei Polizeibeainte.»velche vom Leipziger Gericht wegen Mißhandlung im Amte zu Strafe verurlheilt und aus dem dortige» Dienste e»llaffen worden seien, wieder eine Zlnstellung bei der Polizeibehörde in Chcluniy gefunden hätten. Nachdem der Verfasser dies Verfahre» kriiisirt hatte, schloß er mit der Frage, wo die Sicherheit des deutschen Staatsbürgers bleibe, wenn eine' Behörde derartige Personen zu Hülern ver öffentlichen Orb- iiuiig uiacke. Das Polizei- Anir zu Chemnitz stellte Strafantrag wegen Beleidigung, da die Mitlheilung völlig unwahr sei. Durch die Beiveisausnahnie wurde festgestellt, daß zwei Schutz- leuie in Leipzig ihren Abschied genoinmen hatten, weil sie in einer Strafsache als Zeugen nicht beeidigt wurden und der Staatsanwalt erklärt halte, daß sie wissentlich die Unwahrheit gesagt. Sie hatten sich dann um Einstellung in den Polizeidienst nach" Chemnitz gewandt, wurden auch von dem Chemnitzer Polizeihaupliiianii. der früher in Leipzig angestellt war, dem dortigen Polizeiamt empfohlen und zur Einstellung jvorgemerkt. Ter eine hatte bereits eine Prüfulig abgelegt und es war ihm vom Chemnitzer Polizeihauplmann erklärt worden, daß seiner Anstellung nichts mehr im Wege stehe. Es erschien bann im Leipziger„Wähler" und im„V o r iv ä r t s" die inkrrininirte Notiz und den zwei Gesuchslellern wurde mitgetheilt, daß nian von ihrer EiiisteUung Abstand nebnie. Einer der fraglichen Beamten wurde jedoch zunächst in Leipzig wieder angesteUt und ist jetzt Schutzmann i ii B e r l i n; der andere wandle sich ebenfalls um Anftellullg als Schutzmann nach Berlin, ivurde aber vor kurzem abschlägig beschicdcn. Der Staatsanwalt führte aus, daß für den Inhalt des in Siede stehenden Artikels auch nicht die geringsle ldal'äcd- liche Unterlage vorhanden sei. Er jührle auck hier die„Tendenz des„Vorwärts"" als besonders strafoerschärsend ins Feld und beantragte auch in diesem Falle vier Monate Gefängniß. Ter Vertheidiger Rechtsanwalt Dr. Herzfeld nahm Ge- lcgeubeil, die letzteren Ausführungen des Staatsanwalts energisch zurück zu weisen. Die Tendenz des„Vorwärts" sei in diesem Falle eine lobenswerthe gewesen. Er hahe durch die Notiz verhindern wollen und verhindert, daß Beamte. deren Vergangelibeil nicht ganz makellos sei, in den Dienst der Cheniiiitzer Polizei gestellt wurden. Allerdings sei dem„Vor- wärls" ein Jrrthnm insofern unterlaufen, als nicht jene wegen Mißhandlung ciitlaffenen Schutzleute, sondern die in dem be- lreffendei» Prozeß als Zeugen als unglaubwürdig bezeichneten Cchutzlrute sich nach E h e m n i tz gewandt baben und zwar »ich! dort, wohl aber in Leipzig und Berlin angestellt worden seien. Ei» solcher Jrrthnm sei bei eine», Zeilungsuntcrnehmeii sehr leicht möglich und verzeihlich; er beau- irage eine gerii ge Geldstrafe. Das Urlheil lautete auf zwei Monate G e s ä n g in ß. Die preußische Veamtenforsche verleugnet sich auch im Bahnbetriebe nicht. Am Abend des 6. September begleitete, nach der Charlottenburger„N. Z.". der Rentier Johann Joseph Kaiser, Spandauerstr. 5 wohnhaft, eine Anzahl Bekannier und Freunde nach dem Bahnhofe Westend und blieb, als seine Gesell- schafl bereits in den Waggons saß, vor der Billelkontrolle stehen und rief, als der Zug äbsuhr:„Grüßt zu Hause." Der Fahr- kartenslbafsner Fischer sagte zu Kaiser, er solle nun auch nach Hause gehen, was Kaiser zu der Erwiderung veranlaßte. daß er das machen könne wie er wolle und aus weitere Bemerkungen des Fischer sich zu der Aeußerung hinreißen ließ:„Sie sind wohl besoffen!" Es eiilspanii sich ein weiterer Wortwechsel. im Verlauf dessen der Angeklagte den Schaffner mit einem Regenschirm geschlagen hat. Der diensthabende Stalionsassistent versuchte den Kaiser nach dem Thore des Bahnhofes zu führen, lliid hierbeihatderSchassnerFischer, der nach- g e l a ii f e n war, den Kaiser mit seiner Koupir» zange ans den Kopf geschlagen, so daß dieser blutete. Hierbei soll Kaiser nochmals mit dem Regen- schirm geschlagen haben. Der Gerichtshof verurtheilte Kaiser wegen Beleidigung zu 5 M. Geldbuße event. 1 Tag Gefängniß und wegen Mißhandlung des Schaffners Fischer zu 15 M. Geldbuße event. 3 Tagen Gesängiüß. Aus der Zitadelle in Magdeburg befinden sich, der „Magdeburger Zeitung" zufolge. zur Zeit noch 19 Feuerwerks- schüler in Haft; die übrigen sind, wie schon mitgetheilt, in ihre Heimathsgärnisonen eiitlassen worden. Diese 19 dürften wohl am meiste» bei den strasbaren Vorgängen in Berlin bethciligi sein und demgemäß auch wohl bestraft werden. Die freigelassenen Feuerwerksschüler wurden durch Begleitmannschaften von der Zitadelle nach dem Balmhof geführt. Es ist ihnen mitgetheilt worden, daß ihnen das Urlheil verkündet werden soll, wenn sie bei ihren Truppeiilheilen eingetroffen sein werden. Die Feuer- werksschüler sind wieder in ihre Truppeutheile eingereiht; viele von ihnen werden nicht weiter dienen. GcsellschaftSstützeu. Tie Strafkammer in Güstrow ver- urtbeilte nach viertägiger Verhandlung den Direktor der ver- krachte» niecklenburgischen Viehversicheruiigs- Gesellschast, Mar«. wegen Betrugs und Untreue zu l'/e Jahre Gesängniß, 2 Jahre Ehrverluß und 1500 M. Geldstrafe. Die Mitangeklagten Direkloren Speiiilhof lnd Hinrichs wurden freigesprochen. In der bürgerliche» Welt macht ein an Pikanterien reicher Prozeß einiges Aussehen, der gegen den„Hypnotiseur" Czyuskl geführt wurde. Der kluge Mann soll einer Baronin v. Zedlitz„Liebe suggerirt" und ihr in Oesterreich eine falsche Trauung vorgespiegelt haben. Tie Anklage lautete auf Ver» brechen gegen die Silllichkeit und andere Delikte. Das Schwur- aericht sprach den Hypiiolise»r Czynski von der Anklage des Siillichkeilkverbrecheils frei, venirlheille ihn jedoch wegen An- stistiiiig zlii» Vergehen gegen die öffeniliche Ordmnig uiid wegen Urkundensälschnng zu drei Jahren Gefängniß und sünsjährigem Ehrverlust unter Aurechliiiug von sechs Monaten Unlersuchnugs» hast und Annahme mildernder Uuiständ». Depephen; (Wolff'S Telegravben.Vurean.) London» 21. Dezember. Das„Reuier'sche Bureau" meldet aus Tienlsin von heute, die chinesische Regieruiig habe schließlich nach längerei» Bedenken und Widerstreden beschlossen, eineil Be- vollinächtiglen für die Friede»sverhalldlu»gen nach Japan zn entsenden. Die kaiserliche Verordnung in dieser Hinsicht werde demnächst erwartet. (Deveschen-Vnreau Herold.) Brüssel, 2l. Dezember. In Grarnmont hat der Ausstand der Zündholz-Aibeiter weitere Ausdehnung genommen. Der Streik ist jetzl allgemein. Rew-Uork» 21. DezeniberM Einer Meldung ans Montreal zufolge haben sich daselbst gestern 5000 Arbeitslose versannnrlt, die eine revolutionäre Kuiidgebung veranstalteten. Unter den Temonstranien trat erst Ruhe ei», als der Bürgeruieistcr ver- sprochen hatte, alles zu thnn, ihnen Arbeit zu verschaffen. Hierz» zwei Beilage«». Verantwortlicher Redakteur: I. Dierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin LW., Beuthstraße 2. 1. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur. 298. Sonualirud, de» 22. Dezeuider 1894. 11. Jahrg. Arbeiter! Uarteigenossen! Trinkt kein boukottirtes Bier! ZlOttsttlts Bier lltitrn: vrauerei Carlsbcrg, Friedrich Reicheukron, C h n r- l o t t e n b» r g. Brauerei Wilhrlmshöhe, E. Lehmann, Verl in. Brauerei Pichelsdorf, Direktor Hoffmann. Mniichcuer Brauhaus» Aktien-Geseltschast, Berlin. Süddeutsche Brauerei, Karl Kintz u. Ko., Berlin. Brauerei Müggelschlöstche», Friedrichshagen. Nordsteru�Brauerci, Berlin. 3iathcno»ver Exportbrauerei- Niederlage. Jnh. Max Dcnnhardt, N.W., Hannoverschestr. 18a. Tel. III. 8178. Schlosfbrauerei, Fürsten walde. Niederlage bei Franz Heiser, I�l., Liesenstr. 5. Bürgerliches Brauhaus(in Firma Müller), Frank- f u r t a. O. Niederlage Greifsivalderftr. 228. Phöuix-Brauerei, C. Radon, Lichterfelde. Brauerei Jagdschlöszchc», E b c r s w a l d e. Niederlage E d n>. R e n t e r, Swincmnndcrstr. 45. Brauerei Tivoli, Strausberg. Niederlage Brauerei Louisenstadt, Alte Jakobstrahe 9. Louiseu-Braucrei, Bcllermannstr. 71a/72. Brauerei Königs- Wusterhausen, Niederlage Reichen- bcrgcrstraße 33. Brauerei Tanz, Freienmalde a.O. Vertreter: W.Marten, 17., Gartenstr. 152. Bürgerliches Brauhaus, Luckenwalde. Niederlage Grift. Spieker uiarrn, Krautstr. 48, Tel. VII, 1487. Export Brauerei G r a b o rv a./O. bei Stettin. Nieder- läge Marl he», Bcllermannstr. 6. Brauhaus Hohcu-Schönhause» bei Berlin. Boilkottüt(inii die Menden, km Ning Aktien-Brauerei Friedrichshain, Berlin. Aktien-Branerei-Gcsellschast Friedrichshöhe, vorm. Patzen- hofer, Berlin. Aktien-Äranerei-Gesellschaft Moabit, Berlin. Aktien Gesellschaft Cchlohbrancrei Schöncberg, Schöneberg. Bcrgschloh-Brauerei, Akticn-Gesellschaft, Berlin. Berliner Bockbrancrei, Aktien-Gesellschaft, Berlin. Berliner Kronen-Branerei, Aktien-Gesellschaft, Berlin. Berliner Unions-Brauerei, Berlin. Böhmisches Brauhans, slommaudit-Eesellschast aus Aktien, A. Kiioblancb, Berlin. Brauerei Oswald Berliner, Berlin. Brauerei Julius Bötzow, Berlin. Brauerei Borussia, Aktien-Gesellschaft, Niederschönweide bei Johannisthal. Brauerei Gambrinus, Aktien-Gesellschaft, Charlottenburg. Brauerei Carl Gregory, Berlin. Brauerei F. Happoldt, Berlin. Brauerei Königsladt, Aktien-Gesellschaft, Berlin. Brauerei Psefferberg. vorm. Schneider u. Hillig, Berlin. Brauerei A. Werm, Berlin. Bürgerliche Brauerei, Berlin. Bürgerliches Brauhans, Otto Müller, Berlin. C. Habel's Brauerei, Berlin. Gebrüder Josly, Berlin. Norddeutsche Brauerei, Aktien-Gesellschaft, Berlin. Echnltheih' Brauerei, Aktien- Eeieltschast, Berlin, Abth. I Schönhauser Allee. desgl. Abth. II Tivoli. Brauerei Schweizergarten, Berlin. Spandanerberg-Brauerei, vorm. C. Bechmann, Westend bei Charlottenburg. Dereinsbrauerei Nixdorf. Versuchs- und Lehrbrauerei, Berlin. Vikloria-Branerei, Aktien-Gesellschaft, Berlin. Germania-Brauerei, David u. Martin, Berlin. Brauerei Stralau. Kerüner LolmUiste. 1. Wahlkreis. Röllig, Neue Friedrichstr. 44. 2. Wahlkreis. Zubeil, Liodenstraße lvL. Specht, Markgrafenstr. 23. Kratz, Schönleinstr. 6. 3. Wahlkreis. Möhriiig.Admiralstr. l8a. Tutzauer, Admiralstr. 38. Schneider, Aunenstr. 16. Wie necke. Alte Jakobstr. 83. Deigmüller, Alte Jalobsir. 48a. Lange, Louisenslädtisches Konzerlhaus, Alte Jakabstr. 37. Schmiedet's Fest säte. Alle Jakobstr. 32. A r m i» hallen, Kommandanten- strahe 20. O r a n i e n h a l l e n, Orainenstr. öl. S l e h m a n n, Melchiorstraße 15. 4. Wahlkreis(Osten). Nebelin, Langestraße 108. Tempel, Langestr. 6S. Niest, Weberstr. 17. Bolz m a n n, Lichtenbergerstr. 16. Heise, Lichlenbergerstr. 21. Fiebig, Große Franlsurterstr. ü8. Breuer, Große Franksnrierstr. 74. Buh, Große Franksurterstr. 85. A l b r e ch t, Menielerstr. 67. Witke. Andreasslr. 26. E l y s i n m, Landsberger Allee 40/41. G ö b e l, Landsberger Allee. F e i n d t, Weinstr. II. Robert Schneider, Proc-lanerstraße. Geiellschaftshaus, Rüdersdorserstraße. K ö n i g si a d t-K as i n o, Holzmarklstr. 72. K e l l e r, Kvppenstraße. Freischütz, Fruchlstraße. 4. Wahlkreis(Süd-Osten). Ullrich. Waldemar- straße 75. Tobernein, Marianmnsiraße 31,32. R a u, Skalitzerstr. 126. H o s f m a n n, Oranienslr. 180. Sanssouci, Kotlbnserslr. 4a. Roll, Adalberlstr. 21. S a u e r m a n n, Adalberistr. 8. Henke(Renz), Naunynsir. 27. 5. Wahlkreis. Brüning, Rosenthalerstr. 12. Neu- mann. Linienstr. 19. Meißner. Lrnienstr. 142. B u tz k e (Seeseld) Genadierstr. 33. 6. Wahlkreis. Jägerhaus. Schönhauser Allee. B r ö l i g, Schönhauser Allee. Kelle. Schönhauser Allee 28. ch n e i d e r's Gesellschaftshaus, Belsorterstraße 14 S t ü m k e, Ackerstr. 123. N e u m a n n, Tonballe, Pasemalker- straße 3. H ü b n e r. Swinemündersir. 35. N o a ck' s F e st> ä I e, Brunnenstr. 16. G r ü n d e l, Brunnenstr. 138. F e i tz, Brnnnenstr. 196. Behlitz, Bergstr. 12. Reichert, Müller- slraße 7. Kolberger Salon, Kolbergerstraße. W i l k e. Hochstraße. Kranz, Viktoriagarlen, Badstraße, Gesund- brunnen. H o ch st a d t- K a s i n o, Gerichtsstraße. Viktoria- Salon, Perlebergerstr. 13, Moabit. Wedding-Kasino. Schüler, Seestr. 30. Obige Saalbcsitzer stellen der Arbeiterschaft ihre Säle un- entgeltlich zur Verfügung. Alle Zuschriften, die Lokalfrage betreffend, sind an den Unterzeichneten zu richten. Die L o k a l k o m m i s s i o n. I. A.: C a r l S ch o l z, Wrangelstr. 32. Lolrsles. Die Sprechstunde wird heute von 12 bis 1 Uhr Mittags abgehalten. Zur liebe» TLeihnachtszeit wachsen nach altem Her- kommen in bürgerlichen Blättern die Wohlthätigkeitsmärchen wie Pilze empor. In den holdselige» Heucheldusel, in den die Tinten- knlis der Ausbcuterorgane vvrschrislsmäßig verfallen, spielt wie immer, so auch in diesem Jahr der alte Herr wieder die traditionelle Zielle, der arme Mädchen von der Slraße aufliest, sie in ein großes Geschäft führt und sie dann neu- geileidet mir freudestrahlendem Antlitz entläßt. Das liebliche Märchen hat dieses Jahr»ur insoweit eine zeitgemäße Abänderung erfahren, als der selbstlose und aus keinerlei E»t- gelt versessene Wohlthäter nunmehr als B r a u e r e i d i r e k t o r bezeichnet wird. Es fehlt zwar die Erklärung in dem dies- jährigen Märchen, daß der Herr Direklor ans solche Weise die B r u- t a l i t ä t sühnen wollte, mit der er am 16. Mai d. I. das auf ihn enisallende Kontingent verheiratheter Brauerei-Arbeiter ans die Straße gesetzt hatte, aber für jede», der zwischen den Zeilen zu lesen versteht, liegt diese Schlußfolgerung klar zu tage. Wir begrüßen es daher mit Gcnuglhuung, daß die bürgerliche fresse wenigstens in der Weihnachtssabel anerkennt, daß die oppeldezimirung schuldloser Branerci-Arbeiler eine That war, die einem nicht ganz verrohte» Menschen schwer aus dem Ge- wissen lasten muß. Und abernials das nasse Jahr. Im„Berliner Börsen- Konrier" lesen wir:„Seitens der Direltion des Böhmischen Brauhauses, Kommaudilgesellschast aus illktieu, wird uns mit- gclheilt, daß die Dividende für das jetzt ablausende Geschäfts- jähr erheblich geringer ausfallen wird, als pro 1893, da die Gesellschaft durch die Ungunst der Ver- h ä l t n i s s e zu leiden Halle. Wir haben bereits in unserer Morgennummer vom II. d. M. eine Schätzung, welche uns aus Dresden zuging und auf 9 pCt.(gegen 12 pCl. pro 1893) lautete, gegeben. Mitgegangen, mitgehangcn, Herr Knoblauch! Die Berliner Arbeiterschaft laßt nun einmal nicht mit sich spaßen. Zur Lokalliste. W. Becker, 5toppenstr. 56, schänkt wieder Boykottbier. Desgleichen schänken Zinnow, Swinemünderstr. 15; Wegen, Wollinerstr. 14; Cchultze, Putbuscr- und 3!a»»»lersiraßen- Ecke, und Trcbesius, Stralsunderstr. 41, Boykotibier. In Koch's Konzerthallen, Müllerstr. 167, wird neben boykoltfreiem Bier auch Boykoitbier ausgeschänkl. Aus Pankow wird uns von zuständiger Seite zur Veröffeiillichmig mitgelheilt, daß die Ge- rächte, die über den srüheren Baubudiker Fischer, jetzt Brehme- straße, ausgesprengt sind, ans Unwahrheil beruhen. Fischer führt nur boykotlsreics Bier. Zui« Beste» der anögesperrten Brauerei-Arbeiter ver- anstallet der Arbeiter- Gesangverein F r e i h e i t s k l ä n g e II am zweiten Weihnachtslage, Vormittags II Uhr, eine Matinee in Echneider's Salon, Velforterstr. 15. Der gute Zweck, sowie das interessante Programm, welches der Verein darzubieten ver- spricht, wird gewiß zu einem zadlreiche» Besuch anregen. Gleichfalls wird der Gesangverein N o r d iv a ch t zum selben Zweck am zweiten Feiertag in Dieichel's Lokal, Müllerstraße 7, eine Malinee abhalten. Auch hier wäre ein zahlreicher Besuch erwünscht. An die Parteigenossen des t«. Berliner Reichstags- Wahlkreises. Dem Beschluß der Partciversammlnng in Moabit, der dahin geht, de» Vertrieb unserer Partei- Zeitungen und Literatur in eigener Regie zu übernehme», haben sich auch die übrigen Bezirke des 6. Wahl- kreises angeschlossen. Tie Parteigenossen werden daher auf- gefordert, eifrigst sür die P a r t e i- S p e d i t i o n e n zu agitircn; einerseits um der K i n d e r a u s b e u t u» g entgegenzutreten und de» Frauen einen angeinessenen Lohn zu gewähren, anderseits, um die Verbilligung des„Vorwärts" und eine weitere Verbreitung unserer Parteizeitungeu und-Literatur herbeizuführen. Tie Kommissionen, welche mir der Durchführung dieses Planes beaustragt sind, geben hiermit bekannt, daß am I. Januar 189» in allen Siadtiheilen des Kreises die Speditionen eröffnet werden. Für Schönhauser V o r st a d l sind die Genossen 51 a r I Mars. 3!heinsbergerstr. 32; sür stj o s e n- l h a l e r Vorstadt und Gesundbrunnen Genosse W i l h. G a ß m a n n, Grünthalerstr. 67; sür Oranienburger Vor- stadt und Wedding Genosse Emil Stolzen bürg, Wicsenstr. 14. als Spediteure bestellt. Alle Bleldungen von Zeitungs-Austrägern, sowie sonstige Anfrage» sind für die S ch ö n h a u s e r V o r st a d t an Genossen L i ez k e, Schwedterstr. 33; sür Ros entHaler Vorstadt und Gesundbrunnen an Genossen H e l b i g, !>!ngenerstr. 23; sür W e d d i n g und Oranienburger Vorstadt au Genossen Stolzen bürg, Wiesenstr. 14. zu richten. Abonnements sür die Partei-Speditionen nehmen außer den obengenannten Spediteuren die folgende» Kon»»issions-B!il- glieder entgegen: Brüß, Lolhringersir. 41; Leutenmeyer, Weinbergsweg 8; Liezke, Schwedterstr. 33; Augusti», Kastanien-Allee 11; Emil Schmidt, Trcsckowsir. 24; Pescdel, Hochmeisterstr. 13; Kulicke, Pappel-Allee lOSa; Bnchholz. Wörlherstr. 39; Schensch, Schönhauser Allee 53; A. Krzyzauowski, Swinemünderstr. 43; Dietrich, Schwedterstr. 29, v. 4 Tr.; C. Jahnle, Putlbuserftr. 44, v. 2 Tr.; St. Marziller, Gricbenowstr. 8/9, v. 3 Tr.;£>. Nälher, An- klamerstr. 44, pari.; Bormel, Stettincrstr. 36, 1 Tr.; H. Raschle, Hochstr. 32, Laden; Brinkmann, Prinzen-Allee 67, v. 2 Tr.; M. Kiesel. Rammlerstr. 26, Stfl. 2 Tr.; Freiberger, Fennstr. 35, v. I Tr.; Bergemann. Müllerstr. 10/11; Tauschet, Erenzstr. 4; Gieshoit. Boyenstr. 40; Gleinert, Müllerstr. 7; Marten, Garten- straße 152; Blosseld, Hnssuenstr. 22; Lenzner. Chansseestr. 60; I. Psarr, Pnttlitzstr.S; G. Schmitz. Havelbergerstr. 37; O. Hempel, Lübeckerstr. 16. NahrnngSmittel-. Kontrolle im November 1894. In Berlin sind im Monat November im ganzen 371 Proben von Nahruugs- und Genußmitteln chemisch untersucht und 65 davon beanstandet worden. Die Beanstandungen betrafen Butter. Schmalz, Provenceröl, Citronenöl, Milch, Thüringer Wurst, amerikanische Scheibcnäpfel, Weizengries. Roggenmehl, Choko« lade, Cichorie, Ingwer, Macisblülhe, Himbersast, Spirituosen, Essig und Wein. Auffallend zahlreich waren die Beanstandungen von Thüringer Wurst, von Scheibenäpfeln und von Cichorie. Letztere wird neuerdings wieder stärker unrei» in den Verkehr gebracht. Größere Thüringer Firmen senden jetzt mehrfach ihren Abnehmern Plakate zu, auf denen die Thatsache künstlicher Färbung mitgelheilt wird. Dies geschieht, weil, wie die be- treffende» Firmen behaupten, dauernd eine Farbe, wie sie das Publikum liebt, ohne künslliche Färbung der Wurst nicht gegeben werden könne, andererseits die Färbung völlig unschädlich sei. Unter den amerikanischen Scheibenäpseln waren von 10 Proben 7 zinkhaltig, doch nicht in dem Maße, daß eine nachtheilige Wirkung hatte vermuthet iverde» können. Von 50 Bntterproben wurde» 5 als thcils Margarine, theils mit Margarine gemischt beanstandet. Ucber daö städtische Obdach bringt die„Voss. Zeitung" eine vergleichende Zusammenstellung der Besuchsziffern von Ollober bis Mitte Dezember der Jahre 1393 und 1894, welche zeigen soll, daß der Zudrang in diesem Winter erheblich ge- ringer sei als im vorigen. Danach befanden sich Personen im Familie»- Obdach im nächtlichen Obdach Oktober November Oktober November 1693 557 530 20 853 36 093 1394 499 414 18 047 24 396 Am 14. Dezember früh befanden sich im Familie»- Obdach im nächtlichen Obdach Familien Köpfe Personen 1893 51 161 2045 1894 23 70 1095 Aus diesen Zahlen crgiebt sich allerdings eine bedeutende Abnahme. Es fragt sich, wie sie zu erkläre» ist. Dem Versuch, sie aus milderes Wetter zurückzuführen, scheint die„V. Z." von vornherein vorbauen zu wollen, indem sie hinzufügt, 1893 seien die Wiltcrungsverhältnisse nicht ungünstiger gewesen. Das trifft nun leider nicht zu. Jedermann weiß, daß 1893 der Winter früher begann als 1894. Nach Beobachtungen auf der land- wirthschasilichen Hochschule, die in den Wochenberichten des „Statistischen Amts der Stadt Berlin" mitgelheilt sind (für 1894 vorläufig nur bis 8. Dezember), sank 1393 das Thermometer schon am 7. November unter Null, und die Kalle hielt auch gleich bis zum 14. an, mit einem Minimum von 5Vio Grad am 11. November. 1894 war es um diese Zeit noch recht hübsch warm. Das Tbermometer sank erst am 27. November zum ersten Male unter Null und stand dann bis zum 5. Dezember abwechselnd darüber und darunter, aber niemals tiefer als 2 Grad. 1893 befanden wir uns um diese Zeil schon in einer zweiten Külteperiode, die am 21. November vegann und mit mehrfachen Unterbrechungen bis tief in den Dezember hinein reichte. Im ganzen stand das Thermometer bis zum 8. Dezember 1393 an 21 Tagen, aber 1394 nur an 7 Tagen uuter Null. Die Luftfeuchtigkeit war 1893 in dem fraglichen Zeilraum keinesfalls geringer als 1894, und der Wind hat sogar häufiger und meist stärker teblascn als in diesem Jahre. Alles in allem war die Witterung in diesem Herbst und zu Beginn des Winters milder als im vorigen Jahre. Es kömtte also sehr wohl sein, daß die Wirkung dieses Witternngsunterschiedes sich bereits in den Besuchsziffern des Obdachs bemerlbar macht. Wir möchten der Witterung jedoch selber keinen allzu großen Einfluß zu- schreiben. Wir wissen sehr wohl, daß der chronische und den Sommer über sich noch einigermaße» latent hallende Nothstand. unter dem die Arbeiterbevölkerung leidet, in manchen Wintern zu furchtbarer Höhe anwächst und namentlich die ungelernten Arbeiter schaarenweise in das Obdach treibt. Aber die Witlerungs- unterschiede sind nicht groß genug, um die bedeutenden Unter- schiede zwischen den Besnchszisfern von 1893 und 94 völlig zu erklären. Auch die Warnung des Magistrats vor„planlosem Zuzug" kann noch nicht so stark gewirkt haben,— wenn sie üver- hanpr schon gewirkt hat. Namentlich kann sie die November- Frequenz noch nicht so erheblich beeinflußt haben. Dagegen halten wir es eher sür wahrscheinlich, daß die Verwaltung des städtischen Obdachs, die schon über das vergangene Jahr von einer„strengeren Handhabung der Geschäftsordnung" und von deren Einwirkung auf die Frequenz des Obdachs zu berichten wußte, in diesem Jahre noch strenger verfährt, um die Frequenz noch mehr herabzudrücken. Es mehren sich die Anzeichen dasür, daß diese merkwürdige Art, den Nothstand zu bekämpsen, alt- gemein in der städtischen Verwaltung Platz greifen soll. Was damit eigentlich bezweckt wird, läßt sich natürlich nur vermnthen. Aber die Wirkung dieses Verfahrens ist die, daß das Nothstands- bilv, soweit es sich aus de» Ergebnissen der städtischen Verwaltung zusammensetzt, in Zukunft erheblich günsliger er» scheinen muß, als es lhatsächtich ist. Diejenigen, welche etwa fürchien, daß dieArbeiterbcvölkerung Berlins sich durch ihre�er- lreter wieder einmal an die Kommunalbehörden wenden könnte. nm ihren berechligie» Forderungen Ausdruck zu verleihen, werden mit dieser auf Schönsärberei hinauslaufenden Wirkung zufrieden sei». Bielleicht wird man auch den oben erwähnten Artikel der „Vossischen Zig." von solchen Gesichlspunkten aus zu betrachten haben; und dann verstünde man auch, woher das Blatt die Idee erhalten haben mag, mit so auffälligem Eifer nachzu- weisen, daß der Zudrang zum städtischen Obdach geringer ge- worden ist. Zur EinverleibungSfrage schreibt die„Charlottenburger Neue Zeit": Der Magistrat von Berlin hat in einem An- schreiben an den hiesigen Magistrat das Gesuch gerichtet, ihn, die Einzelheiten des Standes der Kommune Charlottenburg mit- zulheile». In dem Schreiben ist erwähnt, daß es sich um die Einverleibung Charloitenburgs in Berlin handele, daß jedoch von letzterer lediglich diejenigen Theile unserer Stadl betroffen werden sollen, welche von der Ringbahn begrenzt sind, also mit Ausschluß von Westend zc. Der hiesige Magistrat hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, über die verlangten Einzelheiten keine Antwort zu ertheile», da Berlin auf seinem allen Standpunkte beharre und nur einen Theil Charloitenburgs einzuverleiben ge- denke— während sich Charlottenburg ebenfalls aus sein bisher behauptetes Prinzip stütze: Entweder ganz oder gar nicht. Bon der ungeheuren Wassemenge, die Berlin verbraucht, machen sich wohl nur wenige eine klare Vorstellung. Der Magistralsbericht berechnet die im letzten Jahre verbrauchte Wassermenge auf über 4IVz Millionen Kubikmeter. In einer Zeil, wo mit den Millionen und Hundertmillionen nur so herum- gen'vrfen wird, wenn es sich nin geivisse Zwecke handelt, die nicht �miner und nicht überall als volkeihümlich gelten, geht das Ver- ständniß für so enorme Ziffern beinahe verloren. Neben dem- jenigen, was der erwäbnte Verwaltuiigsberickt über die ver- brauchte Wassermenge miklheilt, sind»och einige Angaben in demselben vorhanden, welche wenigstens ahnen lassen, daß dieser gewallige Betrieb der Wasserwerke auch Arbeiter gebraucht. Eine Diiltheilung über die Zahl der beschäftigten Arbeiter, über die Arbeitsdauer und die Hohe der Löhne, ob und welche Vor- thcile mit einem größeren Dienstalter verknüpft sind, darüber enthält der Bericht nichts, sondern diejenigen Angabe», die notb- wendig gemacht werden müssen, erscheinen so geschickt gesormt, als sollten ste alles verhüllen, was über die Arbeitsverhältnisse irgend welchen Aufschluß geben könnte. Da finden wir bei den einzelne» Zweigen der Einrichtung, z. B. bei den Betrieben der Wassermesjer, der Telegraphen, der Werke, die Angabe der Ge- sammtlöhne durchgängig in Verbindung mit anderen Ausgabe» angegeben; so z B.„Neparaturen, Materialien und Löhne", oder „Instandhaltung der Leitungen, Elemente, Materialien und Löhne" oder„Lichte, Malerstöcke, kleine Materialien und Löhne". Daß die Zahl der Arbeiter, die bei de» städtische» Wasserwerke» beschäftigt werden, nicht gering sei» kann, ergiebr sich aus den nicht unbeträchtlichen Posten, welche bei den einzelnen Betriebszweigen als Beiträge für die Unfall-Bersicherung, sowie für Alters- und Jnvaliditätsversicherung aufgeführt sind; da finde» fich einzelne Summen von 4VK M.. 64 M.. 1149 M. 6957 M. u. s. w. Hier- nach muß angenommen werde», daß Hunderte von Arbeitern in dem Betriebe der Wasserwerke beschäftigt sind. Die Grundsätze, auf denen der Arbeitsvertrag beruht, sind mit keiner Silbe au- gedeutet, obwohl sie doch die Aliehrheit der Berliner Steuerzahler mindestens ebenso sehr interessiren würden, wie die genaue An- gäbe der Wassermenge, welche die einzelnen Springbrunnen ver- brauchen, unter denen der Schloßbrunnen mit 168 099 Kubikmeter obenan steht. Auch die Millheilung, daß zur Reinigung des „Alten Fritzen-Tenlmals" 164 Kubikmeter Wasser nölhig waren, ist dem Kuratorium der städtische» Wasserwerke wichtiger erschienen, als die näheren Angaben über die Lohn- und Bcschäsliguugs- Berhältnisse ihrer Arbeiter,-vielleicht fühlt die Verwaltung, daß sie ihren Betrieb noch nicht genügend zur„Musterirerkstall" ent- wickelt hat und mit ihren Einrichtungen namentlich noch hinter manchen staatlichen Musterwerksiätten zurücksteht, was allerdings viel sagen will.— Für die Zukunft wird daraus zu halten sein, daß diese Mittheilungen, die inan heule in dem Bericht vermißt, nicht wieder fehlen; hoffentlich bedarf es hierzu keines besondere» Beschlußes der vorgesetzten städtischen Behörden; die Sache ist eigentlich selbstverständlich oder sollte es doch sein. Der Stand der SaiidluiigSgehilfeu. so lesen wir im „Geschäftsfreund", der hier erscheinenden Konfekrions-Zeitung, bringt der Sozialdciuokralie zahlreiche rcdemächtiqe und agitations- lustige Leute, es ist das aus mehr als einem Grunde erklärlich. Zu dieser ausnahmsweise vernünftigen Ansicht gelangt das Blatt gelegentlich einer Betrachtung über die Arbeitszeit der Angestellten im Handelsgewerbe, in der es u. A. heißt: „Bereits ist die Erfahrung gemacht worden, daß bei verkürzter Arbeitszeit mehr geleistet wird und daß die Zahl der Krankheilstage zurückgeht." Ganz richtig. Wenn aber zum Ende der fragliche Artikel dahin auskliugt, daß der Prinzipal seinen Angestellten als Weihnachtsgabe eine Verkürzung der täglichen Arbeitszeit— im Sommer ivähreud der stillen Zeit gewähren soll, so halten wir es denn doch praktischer, wenn eine Reduktion jetzt schon, in dieser Zeit der 18— 29stündigen Arbeilsdauer eintreten wurde! Welchen plausiblen Grund will man eigentlich dafür angeben, daß in diesen Tagen das Personal in einer Anzahl von Geschäften sich bis in die späte Nacht abrackern muß, während Hunderte und Taufende arbeitswilliger Hände gezwungen feiern? Wer giebt darauf eine Antwort? Anr Berhiitting von Unglücksfällen auf den Straßen giebt der Polizeipräsident bekannt, daß bei eintretender Winter- glätte die Bürgersteige, Granitbahuen und Rinufteinbrücken mit Sand, Asche oder anderem abslunipfendem Material bestreut »Verden müssen. Das Streuen hat so zu geschehen, daß ivähreud der Stunden von Morgens 7 bis Abends 19 Uhr der Entsteh»» g geiahrbringender Glätte vollständig vorgebeugt wird. Bei ver- ursachten Körperverletzungen kann nicht nur auf Grund des Reichs-SIrafgesetzbuches gegen Zuwiderhandelnde eingeschritten werden, sondern von den verletzten Personen können die Haus- besitzer auch zivilrechtlich wegen Entschädigung in Anspruch ge- »ominen werden. Die heutige kapitalistische Uuternthiiiennoral spiegelt sich farbenprächtig wieder in dem Schlußpaffus einer Betrachtung, welche das Unternehttierorgan, die„Musikinstrumenlen-Zeilung", den gegenwärtig in der Musikinstrumenieubranche stattfindenden Lohnkämpsen widmet.„Streiks", so meint das Fachblatl.„sind ein ziveischueidiges Sckiverl, welches den Träger oft mehr verletzt, als es dem Gegner Schaden tbut." Nicht eliva um die Arbeiter zu belehren führt die„Musikinstrumenlen-Zeilung" diesen von den Arbeitern längst begriffenen Satz an, nein, um sie einzuschüchtern. Es ist ein frivoler Hinweis auf die Uebermacht des Kapitals, denn das Fachblatt äußert sich weiter:„Was wollen die Arbeiter mache», wenn die rvenigen Monate, in denen die Fabrikanten vollauf zu lhun habe», vorüber sind und die flaue Zeil beginnt? Können sie sich beschweren, wenn der Arbeitgeber so viele von ihnen, als er nur immer entbehren kann, entläßt und brotlos macht, oder, um sie zu bcschästigen, die Löhne stark rcduzirt?" Nun, ein derartiges Vorgehen der Fabrikanten sind die Arbeiter leider schon gewöhnt. Der Profit geht ja den Herren Unternehmern über alles. Den kleinen Ge- winuverlust, de» sie dadurch erleiden, daß sie den Arbeitern in der Zeit des flotten Geschäftsganges, wo dieselben gebraucht werden, eine Lohnai�sbesserung auf deren Andrängen gewähren müssen, suchen sie wett zu machen durch Arbeilerenllassuugen und Lohnkürzungen in der„flauen" Zeit. Können sich die Ar- bester darüber beschweren? Das heißt mit anderen Worten: Die Arbeiter habe» sich eine solche Behandlung selber zuzuschreiben. warum streiken sie! Für die Frechheit, in der flotten Zeit den Unternehmern einen kleinen Theil ihres Prosits abzujagen, werden die Arbeiter in der flaue» Zeil mit der Huugerpeiliche gezüchtigt. Das ist Unternehmerinoral!„Gleiches Reckt jür alle!" ruft das Kapitalistenblatt.„Rufen die Arbeiter zum festen Zusammenhallen aus, so dürfen sie sich nicht wundern, wenn die Fabrikanten ein gleiches thun; bindet sie gleiche Roth, so umschlingt und einigt die Arbeilgeber dasselbe Band. Darum bedenkt, was Ihr lhiil! Mag auch die Zeit augenblicklich einen günstigen Moment des Angriffs bieten, so gilt derselbe doch nur einer schon verlorene» Sache, deren Konsequenzen sich rächen werden." Jawohl, gleiches Recht für alle! rufen auch die Arbeiter. Gebt ihnen dieselbe Koalilionssreiheit, wie die Unternehmer sie besitzen, und die „Musikinstrumeuten-Zeituug" kann sich ihre Drohungen ersparen. So aber weiß sie sehr wohl, daß die Arbeiter die Koalilions- sreibeit nicht wie die Unternehmer besitzen, sie weist hohnlachend auf deren Uebermacht hin und fragt: was wollen die Arbeiter machen? Diese Uebermacht dazu zu benutzen, die Arbeiter brutal niederzuhalten und von der Erringuug der Erfüllung ihrer be- rechtigten Forderungen abzuhalten, dait ist kapitalistische Unternehmer-Moral. Ucber die Ncberfüllnng des st ä d t i s ch e n Kranken- Hauses im Friedrichshain wird in dem Verivaltunas- berichl dieser Anstalt für 1893/94 noch lebhafter Klage gejührl als in den srnheren Berichten.„9343 Personen, die ansgcnommen sein wollten,(heißt es im Bericht für 1893/94) sind zlirückgewiesen, weil ärztlicherseits die Behandlung derselben im Krankenhause nicht für nolhwendig erachtet wurde, auch wegen zeitweiser Uebersüllung der dicsseiiigen Anstalt." Wieviel davon aus letzterem Grunde abgewiesen werden mußten, ist leider nicht angegeben. Aber an einer anderen Stelle des Berichts heißt eS:»Die erhebliche Steigerung der schon weiter vorn erwähnten Abweisungen (9343 Personen gegen 1519 im Vorjahre) dürste beneisen, daß wegen Platzmangels auch solchen Personen die Ausnahme ver- sagt-verde» mußte, die der Anstalisbedandlnng wohl be- durften." Es wird dann weiter als„im Hinblick auf die Gesund- Heilspflege kaum angänglich" bezeichnet, durch verinehrte Ent- lafiungen weitere Plätze zu gewinnen, da schon jetzt aus jeden Kranken der inneren und Jsolirabtheilung durchschnittlich nur 18�/» Verpflegungslnge kämen. Tie Ausnahme könne aber that- sächlich nur durch weiteres Herunterdrücken der Gesamml-Turch- schnitlsziffer der Verpflegungstage, die in 1893/94 die noch nicht dagewesene niedrige Zahl von 99�/j ausweise, gesteigert werden. An einer dritten Stelle wird dann noch eininnl mit dürren Worten erklärt, daß,„lediglich um Platz zu schaffen, mehr Patienten halb krank hätten enilafsen-verde» müssen", als ihnen, ihre» An- gehörige» niid der Verwaltung lieb gewesen sei. und daß das für 1893/94 sogar in erhöhten- Maße zutreffe. Diese Klagen beweisen, daß die städtische Verwaltung an die Frage der Ein- richlung eines vierten städtischen Krankenhauses v-el zu spät Heraugegangen ist. Die Direktion der Neuen Berliner Pferdebahn- Gesellschaft hat beim Magistrat jetzt ebenfalls den Antrag genelll, mit ihr über die Einrichiung von Bahnen bei elektrischem Hochleitungsbetrieb in Verhandlung zu treten. »Für Reisende mit Tragelasteu". Gelbe Schilder mit schwarzer Schrift tragen jetzt die Wagen der dritten Klasse, die ans solchen vierter Klasse in den Vorortzügen hergerichtet sind. Tie Ausschrift lautet:„Für Reisende mit Tragelasteu". Tie letzte» Nachtwächter Berlins werden als Neujahrs- geschenk am I Januar 1895-h-e Kündigung aus dem Tie,-st erhalten, und zwar werden 173 Mann von diesem Schicksal be- troffen werde». Jusgesamml gab es vor der Reorganisation des Nachlwachtwesens 513 derartige Beamte, von denen nur 393 fest angenellt waren. Von den letzteren hat sich der größte Theil peusioniren lassen, während die oben erwähnten 173 Beamten später in städtische Dienne übergehen werden. Tie 199 nicht fest ai gestellt gc-veseuen Nachtwächter, die zu überuchmen die Stadt keine Verpflichtung hat, und deren Enlschädiguiigsklage gegen de» Magistrat ziemlich aussichtslos erscheint, sind von der Wi-lhschaftsgenoffenschafr des Berliner Grllndbcsitzerbundes als Privat-- achter engagirt worden. Tie Uebernahme des Nacht-vachtdienstcs ersordert ein Mehr von 999 Mann Schutzleute für ganz Berlin. Durch Eintheilung der verkleinerten Konlrollreviere sind für den ständigen Patrouillen- gang statt 513 jetzt ca. 799 Manu erforderlich, die den Nachtdienst auf den Straßen Berlins auszuüben haben. Ein entsetzlicher ltnqlückSfall hat sich am Freitag Bor- -niltag kurz nach neun Uhr in der Lederwaaren« Fabrik von C. Z e-i d e r, Alcxaudrinenstr. 95, zugelragc». Ein fünfzehnjähriger Knabe Otto Hoch war mit der schwierigen und für jugendliche Arbeiter u n st a l t h a f t e n Arbeit des Schmirgelns der Trans missions-Welle betraut worden, und zwar hatte er die Arbeit zu machen, während die Welle in Bewegung-var. Der»in- glückliche junge Mensch wurde von dem Riemen er- saßt und in so entsetzlicher Weise zugerichtet, daß er schwerlich mit dem Leben davon komme» wird. Ihm wurde die Schädcldecke abgehoben, serncr ist er an den Rippen arg be- schädigt und außerdem ist ihm ein Arm völlig zerschnieliert worden. Man beförderte den Verletzten in hoffnnngsloscm Zu- stände in ein Krankenhaus. Von den Arbeitern der Fabrik, in der ein junges Menschenleben derart vernichtet worden ist, werde» vielfache Klagen über Mißstände laut, so daß es hohe Zeit wäre, daß der G e>v e r b e- I n s p e k t o r, der seit etwa einem halben Jahr die Arbeilsstäne nicht besucht habe» soll, einmal eine sehr gründliche Besichtig nng vor- nähme. Eine Blutthat ist am Donnerstag Abend in Plötzcnsee von überraschten Einbreckern verübt worden. Bei dem Gastwirth Häßlein„Zur Reichspost" am Rollwege in Charlottcnbuig waren am Donnerstag Abend gegen II Ubr vier Diebe durch ein kleines Fenster von der S-raße aus in den Keller gestiegen und hatten mit der aus 7 Schinken und ebensoviel Speckseiten bestebende» Beute die Straße wieder erreicht, als sie von dem Nachtwächter Nilier bemerkt wurden. Auf sein Noihzeichcn eilte der 59 Jahre alte Gemeindediener Ziegler herbei. Den vereinte» Kräften beider Bramtcn gelang es, zwei der Einbrecher zu er- greisen und zu fcsseln. Tann faßte Nitter den drillen, und Ziegler setzte dem fliehenden vierten»ach. In dieser Zeit gelang es den beiden Gefeffelieii, sich frei zu machen lind ihrem von Nitter erarifie-u» Komplizen zu Hille zu kommen. Nilter wurde durch Meffcisticke am Kopfe verletzt. Jetzt kam Z-egler, seinem bedrängten Kollegen zu unterstützen. Tie Einbrecher wandte» sich gcgcn ihn, und einer von ih-icii brachte ihm vier Messerstiche in den Kopf bei. Ziegler brach zu- snuiinen, halle aber noch die Krasl, seinen Re- volver auf einen der Verbrecher abznsenern. Ob er getroffen hat, muß dahrngestellt bleibe». Dann-var Zicgler bald anscheinend infoige von Verblutung eine Leiche. Ter Thalort befindet sich z-vische» dem Plötza-seer Sc! uthause und dem Kvuigsdamm; eine große Blutlache bezeichnet die Stelle, wo Ziegler»iede-gestochei- wurde. Er batie zu seir.eni Schutz stets einen großen Hund bei sich; auch dieser bat einen Messer- stich erhalten. Allem Anschein nach hat das Thier seinem Herr» Hilfe geleistet und eincii Einbrecher geb-ffeu, denn es sind Fetzen von Zeug gefunden worden, die äugen- ichei-ilich von dem Hin te" aus einem Beinkleid heraus- perissen wurde». Die Thäler sind, iiachdein sie die beiden Be- amten kanipsur.n-hig gemacht hatten, leider eiilkommen. Tie Char- lottenbiirger Kriminalpolizei hat die Ermillelniigslhäligkeit auf- genommen. An Beweisstücken find ein großes Tolchmesser, ein ut, eine Mütze und ein Brecheisen von den T-eben aus dem ampfplatze zurückgelassen worden. Ziegler war seit etwa zwanzig Jahre» im Gutsbezirk Plötzensee als Gemeindediener, Todten- gräber und Nachtwächter angestellt. Zu der Bluiihai wird»och-veiter gemeldet, daß nicht weit vom Tbatort entiernl sich der Oberinspektor Jüngel ans der Strasansialt, der Fabrikant Liebe und� der Lehrer Thöns aus dem Heimwege befanden, als der Wäckier Ziegler den Schuß abgab und gleich darauf die Hilserufe erlöuei, ließ. Da nun in Plötzensee die Petroleum- Laternen fnihzeilig ausgelöscht werden, so war bei der Finsterniß die Sachlage nicht gleich zu übersehen. Alle drei Personen liefen aber dem Schall nach und traten Z-egler noch lebend an. Sie belenchteleii ihn mittels Streichhölzer; er erkannte den Oberinspektor und äußerte:„Ich bin in den Hals gestochen, ich sterbe." Tan» trafen noch 4 Soldaten und andere Männer am Tbatorte ein, und Herr Jüngel ließ aus der Strasansialt de» Dr. Pflüger und den He-lget-lsen Rast holen. Obgleich beide sofort erschienen, war keine Hilfe mebr nölhig: Ziegier war gestorben. Tie Leiche wurde aui einem Schlächter-vngei- nach dem Kirchbofe gebracht,-vo er lange Jahre seines Amtes gewaliet hat. Zieglcr hinterläßt außer der Ehefrau eine I7jährige Tochter, einen Idjähngen Sohn und ein Techier-Zwillingspaar von>3 Jahren. Außer der tödtliche» Verletzung, die durch das rechte Ohrläppchen in die Schlagader drang, sind noch 4 Stiche durch die Mütze gegangen. Nitter glrnibr, daß er einen der Belheiligle» mit dem Säbel in das Gesicht geschlagen habe. Ter Getroffene ist durch den Hieb zu Boden gestreckt worden und scheint erheblich verwundet zu sein. Es liegt die Bermuthung nahe, daß die Spitzbuben, denen zweifellos die Tödtung des Nnchtivächters zuzuschreiben sein dürfte, dieselben sind, welche unlängst den Raubaniall ans de» pensionirlen Gefängniß-Oberinspeklor Homulh ausgcsührt haben. Tie Stelle jenes tlebnfallu liegt dicht bei jenem Gasihause, in welchem der jetzige Diebstahl stattgefunden hak. Einen der Tyäter sucht man pol-zeilicherseits in einem Zuhälter,-velcher erst vor einiger Zeit aus dein Zentralgefängniß am Plötzensee entlassen worden ist. An der Stelle, an-velcker der Kampf zwischen dem Wächter und seinen Mördern stattgefunden hat, ist außer einem Haarbüschel, welches vom Kopfe des Wächters stammt, ein weißes Taschentuch gefunden worden, dessen zu einem Mono- gramm verschlungene Buchstaben sich mit dem Namen des be- treffenden Zuhälters deckte. Tie Urania giebt an, heutigen Sonnabend vor dem Weih- nachtsfest ihre letzte Vorstellung. Sonntag und Montag bleibt das Institut geschlossen. Von Dienstag, dem ersten Feiertage an wird das neue Ausstattungsstück„Durch alle Wellen" das Repertoir in der Festivoche beherrschen. Die Sammelliste 757» für die ausgesperrten Brauerei- Arbeiter ist verloren gegangen. Man wolle die Liste anhalten und sie bei Endrikalis. Schulstr. 113, v. 2 Tr., abgeben. Wie sich die Moral hebt. In der Grenadierstraße be- standen bis vor lurzei» 14 Lokale mit Damenbedingung. Ihre Zahl ist bereits auf fünf gesunken. Ei» Wucherer, der in der Alten Jakobstr. 92 wohnhafte Renk. er Marchclski,-st spurlos verschwunden. Gegen ihn wnrde seit einem halbe» Jahr eine Untersuchung geführt, die soweit gediehe» war, daß er am Mittwoch Morgen vervastet werden sollte. Als die Polizei in der Wohnung ankam, fand sie das Nest leer. Vom Tode ereilt wurde in seinem Berufe der Abfuhr- kuischer Johann Nchring aus der Kirchhofstr. 9. In der ver- wichenen Nacht sank er auf seinem Wagen plötzlich todt zu- sammen. Ein schwerer Unglücksfall hat sich am Dienstag Vor- -niltag in der Wohnling des Maurers B er atz im Hause Vi rgerstr. 16 zu Britz zugetragen. B. hatte früh Morgens seine drei Kinder im Alier von 7, 3 und 2 Jahren in der Wohnung eingeschlossen. Gegen 9 Uhr Vormillags ertönte in der Wohnung plötzlich eine laute Detonatioii, die Fenster fielen auf die Straße und dicker Pctroleumqualm drang ins Freie. Während die freiwillige Feuerwehr benachrichtigt wurde, drangen Nach- bar» in die brennende Wohnung mid retteten die Kinder. Ter 7 Jahre alle Knabe hat sich durch das Fenster ins Freie gerettet, die beide» Mädchen sind aber schwer verbrannt. Das 9jährige ist bereits im Krankenhause Bethanie» genorben, d. s andere liegt schwer trank darnieder. Für die Eutstehunz des Feuers giebt es nur die eine Möglichkeit. Unter diversen Sachen, welche auf dem sinstere» Korridor hingen, staud� eine mit drei Liter Petroleum gejüllte Kanne. Die Kinder mögen nun etwas gesucht, dabei Streichhölzer angezündet haben und der Kanne z» nahe gekommen sein. Gegen den Vater, der wahr- scheliilich der Arbeitspflicht folgend, seine Kinder schweren Herzens allein lassen mußte, soll nun Anklage erhoben werden! Polizeibericht. Am 29. d. M. erschoß sich ein Mann in seiner Wohn-ing, in der Neuen Hochstraße.— Auf dem Luisen- städtische!- Kirchhose, Bergmai, nstr. 48—59, wurde Mittags die Leiche eines neugeborenen Kindes ausgefunden.— Vormittags wurde ei» angeblicher Geschäftsreisender in einem hiesigen Hotel und Nachmittags ei» Hauseigenthümer in seiner Wohnung, in der L>»ie»straöe, erhängt vorgefunden.— Am Schöneberger Ufer wurde Nachmittags ein Mann durch eine Droschke überfahren und im Gesicht imd am Arm bedeutend verletzt.— A» der Ecke der Bülow- und Göbenstraße fiel beim Verlassen eines Pferdebahnivagens eine Frau hin»nd erlitt eine schwere Verrenkung des Fuß- gcleuks.— In der Huttenslraße wurden Nachmittags mehrere Personen durch einen großen Hund gebissen und zum Theil erheblich verletzt.— Aus den Stufen des Denkmals aus dem Kreuzberge wurde ein Kausinann mit zerschiuetlertem Schädel ausgesunde,> und nach dem Krankenhause am Urban gebracht, -vo er bald darauf starb.— Nachmittags und in der Nacht zum 21. d. Mls. fanden in der Pappel-Allee 26 und Burgsdorsstr. 5 Tachstuhlbrände vo» ziemlich bedeutendem Umfange statt. WittcruiigSübersicht vom 21. Dezember 1804. Wetter-Prognose für Sonnabend, 22. Dezember»804.Z Ziemlich trübes Wetter mit Niederschlägen, mäßigen nord» westlichen Winden und wenig veränderter Temperatur. Berliner Wetlerbureau. Gevicklks-�eikung. Gewerbegericht. Aroeiter und Arbeiterin nen haben kein Pfäu dungsrecht an Gegen st ände», die ihren Arbeilgebern gehören. Diesem, auch vom Gewerbe- gericht veilreleneu Grundsatz steht die Rechlsa,-schauung weiter Volkskreise gegenüber, daß ma» zur Sicherung seines wohl- - erdienlen Lohi'es den- im Punkte der Lohnzahlung lässigen Arbeit- geber ungenirt etivelchcs„Eigeiitdum" desselben vorenihalien dürfe. Mehr als eininnl ist es infolge dessen zu Konstlkieu vor dein Gewerbegericht gekommen, die nicht immer>» einer Weise gelöst wurden, welche die betroffene» A r b e i t e r desriedigle; im Gegentheil mußte» dieselben meist für de» Mangel an Kennt- iß der„Rechtslage" büße». Verbältnißmäßig gut kam die Näherin G. davon, gegen weiche der itonfektions-Cchneidermcister Nathan aui Zablung von nicht weniger als 99 M geklagt Halle, weil sie ihm wegen einer alte» Restsorderung vo» 29,49 Mark secks Kinder- Mantel vorenthielt. Bei der Weigerung, an Naiban die aus seinen Stoffen und mit einen Zulhalen sertiggestellten Mäntel abzulieser», dachte die Beklagte an nichts weiter, als daran, wie sie ai» besten»nd schnellsiei'. zu dem sauer verdienten rückständigen Lob» gelangen könnte. Nach einigen vergeblichen Versuchen, ohne Auszahlung desielben an die Bc klagte vo» dieser die Mäntel zu bekommen, schrieb Nathan ihr eiiieii eingeschriebenen Brief, worin er ihr andeimslellle, enlneder die sechs Stücke gegen de» ent- p r e ch e-i d e-- Lohn abjuliefern, oder aber dieselben zu be- Halle» und mit 15 M. pro Stück-hm zu vergüten. Als trotzten- Fräulein hartnäckig erst de» alte» Rest von 29.49 M. verlangte, reichte Nathan die Klage ein. Die Beklagte erhob n-»>- ihrerseits Widerklage auf Zahlung jener Summe. Ter Vorsitzende der zuständigen Kammer I. belehne die letztere. daß sie kein Recht gehabt hätte, die iviäntel zurückziibebalteit,»nd daß sie deshalb sür den Schade» auskommen müßte, welcher dem Kläger dadurch entstände» sei. Ei» Vergleichkvorschwg fand beim Kläger, welcher die 29,49 M. der Beklagten schuldig i» sein zugab, deshalb Anklang, weit es«st eines weiteren Termins b»dürft hätte, um seinen©diohen genau festzustellen. Er ver« pflichtet« sich zur Zahlung der alten Schuld, die Beklagte zur sofortigen Herausgade der Mäulcl. Das mildere Gesetz in beircff des dem Wirtbe zustehenden lmte>.iio»srect)ts, welches in solche» Fällen Anwendung findet, wenn der Mielbsverirag nach dem l. Juli d. I. abgescNIossen wurde, gelangle gestern zum ersten Male vor der zweiten Straf- kammer des La>>dg«richls I zur Anwendung. Eine arme Frau war„gerückt". Sie hatte ihre wenigen Hal'seligkeiten mit- genau. men und dem Wirthe dadurch die Möglichkeit ge- noiumeu. sich für die ihm noch zustehende MieiHe an den Sachen schadlos zu halten. Im Termin erklärte der Wirth sich bereit, den Strafanirag zurückzunehmen, es wurde ihm aber bedeutet, daß dies nach dem öieseye nicht zu- lässig sei. Ter Slaatsauwali beantragte drei Mark, das zulässig niedrigste Straimaß. Der Gcrichisbos kam aber aus gruud des neuen Gesetzes zu einer Freisprechung. Es steht danach dem Wirihe ein Zurückhaltungsreckt an den zum Leben noihivendigsteu Sachen nicht zu und da die Angeklagte nur ein Bell, einen Tisch, zwei Stichle, einen Spiegel und einiges 5>üche>igeläth besessen und mitgenommen halte, so erachtete der Gerichlkhoj diese Sachen seitens des Wirlhes nicht für pfändbar. Mit der Frage, ob die Bczeichnnng„Denunziant" eine Beleidigung ist, hatte sich die achte Slraskammer am Land- geriet t I zu befassen. Der Beklagte, Dr. Biielhe, steht mit icinei» ehemaligen Verleger, dem Buchhändler Häsgen, nicht aus dem besten Fnße, und nachdem ihn der letztere in einer Slraiiache durch drei Instanzen vergeblich verfolgt Halle, sendetc Tr. Mielhc eines Tages einen Brief an Häsgen mit der Anischrist:„Ten, Denunzianten zurück". Wegen dieses Wortes strengte Häsgeu die Privatklage an, und das Amtsgericht hielt auch eine Bcleidigniig für vorlieget. d und erkannte auf 30 M. Geldstrafe. Hiergegen legte Tr. Mielhe Beru'ung ein. Tie Slraskammer lchloß sich jedoch dem Vorterrichlcr an, hielt cbknsalls den Ausdruck„Teuuuziaul" für beleidigend und verwarf die Be- rufuiig. An und für sich sei ja die Ansschrifl erklärlich, und ma» käune nicht in allen Fällen verlnugeu, daß die Bezeichnung An- tragsuller jc. gewählt werde. Da aber im Volksmunde unter einem Tenunziante» immer eine Person gemeint sei, der ein gewisser Makel anhaste, da der Ausdruck auch im allgcmeinen«ine geringschätzige Bedeutung habe, so sei hier eine Bcleidigniig vor- liegend. Tie Bestrafung des Ansdruckes ändert natürlich, vom vorliegenden Fall abgesehen, nichts an der Thalsache, daß ein Denn, ziant ein Teuunziant bleibt. Die Wiederausuahme des sirasrechtlichen Versahrens gegen den Nefereudar Schwabe in der vielbesprochenen Revolver- assäre mit dem Pferdcbahnschafsuer Berg ist von dem Ersten SlaatZanwali zum zweite» Male endgillig abgelehnt worden. WaS eiu Abzahliiiigögeschäft eittbriilgt. Wegen Konkurs- Vergehens in der F orm des übermäßige» persönlichen Aufwandes, Hazardirens, unordentlicherBnch- führ u n g und unterlassener Bilanzzichung stand gestern der Kaufmann Konrad Wachs mann vor der 9. Straskauuner des Landgerichts I. Ter Angeklagte halte sich seiner Zeit nach Amerika entfernt und erst nach einem Jahre von dort hierher »irückgekehrt, um sich dem Gerichte zu stelle». Er war seiner Zeit eine in Sport- und Spielerkrcisen bekannte Persönlichkeit. Er hat im Jahre I8S5 von dem bekannten Abzahlungs- I t t in a n n das große Abzablungsgeschäst Alexanderstr. 24 gekauft und mit dem Kaufmann Max Ladewig zusammen betrieben. Letzterer hatte lOVOOM. baar eingeschossen und als er 1891 ans- trat, wurde ihm außer seiner Einlage noch ei» Baarverdienst von 75 000 M. ausgezahlt. Seitdem betrieb Wachsmann das gut gehende Geschäft allein. Am 10. März verkaufte er das Geschäft, welches in der letzten Zeil stark zurückgegangen war, für den Preis von 250 000 M. an zwei seiner bisherigen An- gestellten, Krelschmar und Levtzsohn, welche keine Baarmiuel besaßen und das Kaufgeld in Akzepten binterlegten. Am 14. März 1893£jab er vor, eine wichtige Reise nach Königsberg machcn zu müssen. Seine Schwester, die ihn zum Bahnhose begleitete, wunderte sich zwar, daß Königsberg vom Lehrler Bahnhofe aus erreicht werden solle, sie ließ sich jedoch beruhigen und erhielt des Räthsels Lösung erst später, als sie erfuhr, daß der Angeklagte thalsächlich»ach Amerika gegangen war. Vor seiner Abreise halte er seinen giechl- beistand, den Rechtsanwalt M i ch a e l is brieflich benachrichtigt, daß er sich in das Ai sland begeben habe, weil er die So, gen und Qualen nicht mehr ertragen löune. Er hatte gleichzeitig Akzepte in Höbe von 204 000 M überschickt und gebeten, einen Vergleich mit den Gläubigern anznbahilen. Letzlerer kam auch zu stände. Der Verkauf des Geschäsls an Krelschmar und Levysohn wuide rückgängig gemacht und»nier der Garantie eines Schiragers tes Angeklagten wurde ein Vergleich aus der Gruudlage von 45 pCl. hergestellt. Tas Geichäfl soll a» und für sich ein durchaus lebenssahiges gewesen sei»»ud so lange der'Augeklagte alle seine Kräile für dasselbe einsetzte, auch prospcrirl haben. Die Anklage wirft dem Angeklagten nicht vor, daß er darauf onsgegange» sei. seine Gläubiger zu bennch- tbeiligen, sie macht aber scincii Leichtsinn und seine Spielsnchi für das sckliiniue Endergebniß verantwortlich. Er war ein ständiger Besucher der Rennplätze und da er auf die Outsiders zu spekuliren pflegte, kaufte er bei jeder Nennnummer 5 bis 0 Tickets zu 10—20 M. Er soll an manchen Reuntageu reckt viel verloren haben. Er war ferner ständiger Gast bei dem .sour Lxe, der allsountäglich in der Privalwohnung des Herr» Jltmann— damals in der Hohenzollerustrabe— abgehalten wurde. Die Gäste waren fast durchineg leideuschastliche Spieler. Wachsmann selbst stand in dem Rufe eines schneidigen Spielers und betheiligte sich lebbast a» den: Spiel. Er wurde nicht vom Glück bcgünftigl und soll an verschiedenen Abende» 500— 1000 M. verloren haben. Er war auch ein großer Freund der Lotterie und kaufte jährlich eine Unzahl Lcole zusammen, miethele auch solche an den Ziebungslagen. Einen Lolteriegewinn. der ihm einmal in Höhe von 12 000 M. zufiel. bar er in acht Tagen im Spiel wieder verloren. Er hat sich aucb au Spielabenden belheiligl, die hier in einem Cafe abgcdalle» wurde» Tie Anklage führt serner an, daß er seiner Schwester eine Aussteuer von 20 000 M. gezahlt und seiner Mutter ein Erbbegräbniß für 7—8000 M. gebaut, eine Konfek- lioneuse unterhalte» babe ic. ze.— Nach deni Gutachten des gerickulichen Bücherrevisors Tir. Solomon sind die Bücher des Angeklagten ungenügend geführt und gaben kein Bild von der Veruiögenslage. Ueber ei» Kassenmauko von 82 300 M. fehlt jeglicher Aufschluß, ein Privatkonto fehlt gänzlich, hin und wider sind 1000—1200 Mark auf den Namen des An- gellagten gebucht. Tie Anllage gehl von der Ueberzrugmig aus, daß der Angeklagte in verhältuißmäßig kurzer Zeil 100 000 Mark für Sport und persönlichen Aufwand verbraucht habe. Ueber de» Umsatz war aus den Büchern garinchis zu ersehen Ter Angellagte selbst gab diesen auf zirka 350 000 M. mit zirka 20 pCl. Nettvgewi»» an. Er behauptete, daß er seiner Spiel- lust nur so lange gesröhnl babe. als seine Einnahme» glänzende waren. Er habe für 50 000 M. jährliches Einkommen Steuern bezahlen müssen. Als junger, lebenslustiger Mann„habe er das Geld nicht vertragen können". Der Rückgang seines Geschäfts falle mi r t ein im Jahre!89I begonnenen Pi eßseldzug gegen die Abzahlungs- geschäste zusammen. Er habe seit 1891 auch nicht medr gespielt. — Ter Staatsanwalt beantragte«Monate Gefängniß. Die Rechlsai ivälte Dr. Fr. F r i e d m a n n und Tr. Löwen. stein bekämpften im wescnllichen den Borivurf des übermäßigen Auiivandes. indem sie daraus hiuwiese», daß dieser große Aufwand nur bis zun, Jahre 1891 reiche und der Augeklagte bis dahin kolossal» Einnahmen Halle. Als dieselben geringer ivurden, habe er auch von Sport und Spiel gelassen.— Ter Eerichiehos erlanul« den Auaellaglen im Slune der Vertheidigung nur des einfachen Bankrotts schuldig und verurtheilte ihn zu drei Mo- naten Gefängniß. Zivilgericht und Militärgericht. Der Gendarm H ö p p n e r ist, wie berichtet, durch Urlheil der 5 Zivilkammer Landgerichts II zu Belli» am 16. Oktober ds. Js. zur Zahlnng von 310 M. nebst Zinsen an die Klägerin, die„Rationale Kranken- und Sierbekasse der Droschkeiikulscher und Berufsgenofen, E. H. Nr. 75", und zur Tragung der Kosten des Rechtsstreits veruriheilt worden. Die Klage wurzelt in der Mißhandlung des Droschlenluischers Ernst Swulze durch den Gendarm Höpvner am 3. Juni 1892 vor der Schloßdrauerei zu Scköi.ebcrg. Das jetzt vorliegende Erkeunlniß in der vorgedachten Klagesache wirst mancherlei interessante Streiflichter aus die vielbesprochene Säbel- assäre, welche nochmals zur gerichtliche» Uniersuchung gelaugle. In dem Erkenntnisse heißt es u. a.: „Ter Zeuge, Restaurateur Scharner, hat bei seinen ersten Veruehmnngen vor der Polizei und dem Gericht nur ausgesagt, Schutze habe Beklagten, der ihn iorlsühren wollte, nach der Seile gedrängt. Wenn Scharner bei seiner Vernehmung vor dem MilUär- perrchi, die erst ca. ein Jahr später— am 4. August 1893— erfolgle, noch argegebe» Hai, Schulze sei mit vorgehaltenem Arm in zweifellos drodender Weise auf Beklagten losgegangen, so konnte ans diese Angabe Gewicht nicht gelegt werben, weil der Zeuge sich bei seiner ersten Vernehmung im Juni und Ollober 1892 seiner Wahrnehmungen zweifellos bester entsann als ei» Jahr später. Bei jener ersten Vernehmung bat aber Schanrer von einem Vorgehen des Sct nlze auf Beklagte»„in drohender Weise" nichts gesagt, vielmehr augegebe», er habe, weil er ca. 30 Schritte eul lernt und es zieinlich dunkel war. die Vor- gänge zivischen dem Beklagten und Schulze nicht genau wahr- nehmen können. Der Ze> ge fügte bei seiner Bern- llmung vor dem königlichen Eck öfsnigcrichl II zu Berlin am 8. Lklober 1892 ausdrücklich Hinz», er bade nicht wahrgenommen, daß Schulze den Höppner angegrisjen habe. Es hat nun allerlings auch noch der Zeuge Sck.link ausgesagt, Schulz sei„mit ai.i- gehobenem bezw. vorgehalltnem Arm" ans den Beklagten zu- gegangen. Allein der Zeuge hat gleich bei seiner ersten Ver- riehmnng noch angegeben, dies sei geschehen, als Schulze vom Beklaglen mehrere Schläge mit dem Säbel erhalte» hatte. Schlink entsinnt sich auch jetzt noch, daß Schulze zu dieser Zeit seiuai Hut nicht mehr auf hatte. Unter diesen Umstände» aber mnß die Meinung, welcke Schlink vor dem Militärgericht geäußert hat. er habe die Haltung des Schulze für eine aggressive an- gesehen, als irrig erachtet werden. Wenn Schulze, nachdem ihm turck Säbelhiebe der Hut vom Kopse geschlagen ivar, die Arme in die Höhe hielt, so liegt die Annabme weit näher, daß er dies gelhan, um seinen Kopf vor Verwundungen zu schützen. Daß er als Wafsenloser den bewaffneten Bellagien augreisen wollte, ist nicht anz»»eh»ie», wie denn ja auch lhalsächlich der Angriff nicht ersolgt ist. Das Vorwärtsgehen des Schulze kann ebenso u-ohl ein Vorwärtstaumeln gewesen sein; ei» solches wäre, da Schulze Hiebe auf den Kops und Hut erhalten halle, s.hr leicht erklärlich. Es ist in keiner Weise erwiese» oder auch nur irgend glaubhaft gemacht, daß Schulze den Beklagten thätlich angegr iffen hat oder daß Beklagter Veranlassung halte, einem drohenden Angriff durch Gebrauch seiner Masse zuvor zu komme». Es ist serner auch nicht dargetha», daß Beklagtor, während er Schulze abführen wollte, von einer Menschenmenge in bedroh- licher Haltung, deren Augriff er zu fürchten hatte,»nigeben war. Scharner und Schlink habe» zivar vor dcm Militärgericht die Ansicht geäußert, es würde ohne das energische Vorgehen des Beklaglcn zu gefährlichen Exzessen gekommen sein, allein diese Meinung enlbebrt der thaisächlichen Grundlage. Daß eine größere Menschenmenge herumstand, sagen weder die genannten, noch andere Zeugen. Auch über Drohungen, die etwa seitens umstehender Personen ausgestoßc» worden, erhellt nichts, es hal vtclmchr Holdhcii» glaubhail angegeben, Schulze und Beklagter bälle» ganz frei dagestanden. Roch alledem war davon auszugehen, daß leiner der Fälle dar- gelha» ist, in welchen nach§ 28 der Jnstruklion vom 30. De- zcmber 1820 sich Gendarmen ihrer Waffen bedienen können. Es ist gegen Beklagten weder Gewalt noch T h ä t l i ch k e i t verübt worden, und noch weniger hat es der An- Wendung der Waffe bedurft, um den ihm angewiesene» Posten zu behaupten. Es hat auch Schulze sich seiner Verhaftung nicht„mit offener Gewalt" widersetzt Sträubte er sich bei seiner Absührung, so lag jedenfalls ein solcher Widerstand nicht vor, daß er nur „mit bewastneter Hand" Überwunden werde» konnte. Seitens des Militärgerichts ist bezeichnender Weise das s. Z. gegen den Gendarm Höppner eingeleilcke Strasversahren ein- gestellt worden. VerlmmnUmgim. Der sozialdemokua tische Berein für Stralau-RummelS- bürg dielt am 18. Dezember im Lokal des Herrn Vowinkel eine öffentliche Versammlniig ab.„Die soziale Frage aus tem Lande", lautete das Thema, über welches Tr. Lux in einer interessanten anlegenden Weise sprach. Redner sellilderl die Bc> deulung der Lnndogiialion für die Sozialdemokratie und giebt im Anschluß daran eine Kritik der sozialen Verbäluiss« der landwirthschasilechen Bevölkerung. Tie Diskussion, an der sich Ritter, A l s ck» e r, W e i g e l, Oehlking. Pr a hm s cd isser, Frau Sprung und andere betäeiligleu, bewegte sich im Sinne der Ai-esühruuge» des Referenten. Unter Verschiedenem wnrten die Adressen des Kassirers und des Bibliothelars bekannt gcoeben und zum Anschluß a» de» Verein soure zur fleißigen Benutzung der Bibliolhek aufgesordert. Ter Kasstrer H en t e wrhnt Rummclsbnrg. Göthestr. 7 I. und »imml jeden Abend Beitriltserklärungen entgegen. Tie Bibliothek verwaltet Genosse Rosenkranz, Rummelsburg, Lessing- straße 28, Hos part. Der Verband der i» HoszbearbeisnngS-Fabrikcu und ans H o l z p l ä tz e» beschäftigten'Arbeiter und Arbeiterinnen(Filiale II) lagle am 18. Tezcmber. Vor Eintritt in die Tagesordm�ng ehrte die Versammlung i» der üblichen Weise das Anlenken des verstorbenen Kollegen Wilhelm Heutze. Ten ersten Gegenstand der V- rsanimlung bildete ein Referat des Genossen Sassen dach über das FreimanerlHnm. Hierauf ging die Versammlung,»ach einer kurzen Diskussion über den Vortrag zur Erledigung der gewerkschaitlichen Angelegenheiten über. Ter Vorsitzende theill mit, daß die Gencralversamtulung zu Weihnachten in Bremen stall- finde! und spricht den Wunich ans, daß der Telegirte möglichst für tas Weiterbestehen der Organisation wirken möge. Tie Ad- rcchnnng vom Siisiuugsftst, die sodann verlese» wird, ergabt eine Einnahme von 67.50 M. und eine Ausgabe von S6,IV M., niilhin einen Ucberschuß von 31,40 Dl. Arbeitsnachweis, Bibliolhek und Verkehrslokal befinden sich bei Petlersoh», Veleranenstr. 21. Ter Verein zur Wahrung der Juteresseu der Gast- und Lchanttvirthe hielt am 14. Dezember in Echöneberg enie Versammlung ad. Nach einem Vortrag des Sladtverordnele» Wille über die Roth, vendigkcit der Organisation, gelangten mehrere geichästlicke Angelegenheiten zur Erledigung, in denen es sich besonders auch um die Verstöße gegen den�Bierboykotl handelte. Zeiske, Dlilglied des Vereins Berliner Gaftwirths- gcbilfen, macht daraus aufmerksam, daß die Gastwntbe früher einen Beschluß gesaßi, nach welchem sich die Mitglieder ver- pflichleten, ihre Arbeuskräfle aus dem kostenlosen Arbeitsnachweis des Vereins der Gastwirthsgehilsen, Aunenstr. 16, zu entnedmen, leider aber werde verschiedentlich dagegen verstoßen. Neumann und Liedle führen au, daß sie m»t dem nachgewiesenen Personal stets zufrieden waren. Wilke wünscht diese Angelegenheit näher untersucht und ioll der Vorstand und die nächste Versammlung sich damit beschäftigen. Tie nächste Versammlung findet bei Henke, Naunynstraße 27, statt. Schluß tft/s Uhr. Tie Freie Vereinignug der Van- und gewerbliche» Hilfsarbeiter dielt am 16. Dezember in Iiixdorf eine Versa»»»- Iniig ab Zur Erledigung stand zunächst die Wahl eines ersten Schriftführers und Expedienten für den„Arbeiter", Heide Posten wurden dem Mitglied H ohen see übertragen. Ein Antrag des Mitgliedes Heine mann, ans der Vereinskasse keine Unter- stüyuiigen zn gewähren, sondern nur sreiwillige Sammlungen zu diesem Zwecke zu benütze», gelangte nach längerer Debatte zur Annahme. Die weiteren Gegenstände der Verhandlung waren mehr interner Art. Rixdorf. In der Mitgliederversammlung des Teulschen Holzarbeiler-Verbandes, die am 16 Dezember tagte, sprach Ge- nosse Rohr lack über:„Tie Wideesprüche der gesellschaftlichen Pflichten mit den Naturgesetze»". Da man von einer Diskussion über das Thema absah, so gelaugle» in den weiteren Veihand- lliiigeii einigen Vereinsangelegendeiten zur Besprechung. Mehrere Redner sprachen ihr Mißfallen darüber aus, daß immer noch von einige Kollegen boykoltirles Bier getrunken wird. Zum Schluß wird auf den Streik in der Pianosabrik von Görs u. Kallman» hingewiesen und' die Mitglieder ersucht, den Zuzug ftruzuhalten. Die nächste Versammlung findet am 20. Januar 1895 statt. Wollersdorf. Am 16. Dezember d. I. sprach hier Genosse Keßler iu einer öffentliche» Versammlung über das Thema: „Der Kamps gegen den Umsturz." Nach einer kurzen Diskussion über den beifällig aufgeuomnienen Vortrag stimmte die Ver- sanimlung einer Resolulio» zu, die ihr Einverständuiß mit dem Resereureii bekuudele. Hieraus uifterbreiieie der Verlrauetismaun Habel der Versammlung die Abrechnung. An Einnahme ist zu verzeichne» 76,85 M., die Ausgabe beträgt 32,95 M., milhin ist ein Tesizil von 6.1«> M. vorhanden. Das Amt eines Ver- traueusmanries übertrug die Versammlung de» Genosse» Neu- mann uud wählte zu Lokalkommisiions'Mitgliedern die Ge- nosse» Kraus. Erkner; Herzog, Woltersdorf und Reich, Rüdersdorf. Weisteusee. In einer Versammlung des Arbeiter-Bildungs- Vereins, die hier am 17. Dezember tagte, hielt Herr M. Canitz einen Vortrag über„die Natnrheilkuiide". Einen weiteren Gegen- stand der Verhandlung bildete die Reorganisation des Vereins. Diese Aiigclegenheir evurde dahin erledigt, daß der Vorstand er- mächtigt wurde, sich geeignete Personen heranzuziehen, UM die Reorganisation in die Wege zu leiten. VerttttiMzfes. Eine telephvuische Vorbiudung zwischen England und Holland soll hergestellt werden. Die niederländische Regierung hat das Projekt bereits genehmigt. Eisenbahn auf die Jungfrau. Ter schweizerische Nativnalraih hat ebenfalls die Ertdeilung der Konzession für dc» Bau einer Eisenbahn von der Kleinen Scheidegg über den Eiger und de» Mönch ans die Jungfrau, einen Berg von 4167 Meter, an Guyer-Zeller genehmigt. Dviekkalten ütv Vedttkkion. Wir bltte» bei jeder Ans.aA« eine Ehislre(Zwei Bnchllabe» oder ein« Zahl) aiizuaeden, unier der die Aulwort erthklli werden soll. Die Sprechstunde wird heute von 12 bis 1 Uhr Mittags abgehalten. K., Reicheubcrgerstraste. Die Berusung ist richtig eingelegt. O. I. 100, Köpenick. Ter Vertrag muß gestempelt sein, ist aber auch nicht ganz korrekt. Wir raihen Ihne», zu einem Rechlsanivalt damit zu gehen. M. F. S. Tie Beivilligung des Armenrechts bat aus die Verpflichtung zur Erstattung der dem Gegner erwachsenden Kosten keinen Einfluß. Kiesel. Name ist ganz unleserlich. C. N. 120. Falls es sich um einen Gastwirth handelt, würde er Ihnen hastbar sein, sosern Sie nicht eigenes Ver- schulden trifft. W. K. P. Die Erben hasten allerdings der Stadt. O. A. 1869, Wenn Sie sich Ihrem Vorgänger gegenüber verpflichtet haben, die MietHe zu bezahlen, so haften Sie diesem seihstverständlich daiür, zumal Sie ja auch thatsächlich die Wohn- räume bezogen haben. V. 21. Die Klage gehört vor die ordentlichen Gerichte. M. P. 04. Sie müssen den Sachverhalt genauer darlegen. M. H. 400. Menden Sie sich an das Gericht mit der Bitte, Ihnen Theilzahlungen zu gewähren, die Sie dann aber pünkllich einhalten inüssen. B. P. 14. Machen Sie ein Gesuch an die zuständige Behöide. G. K. Danzig. l. Es kommt ganz darauf an, welch« Ver- wandle der Verstorbene hinterlassen hat und ob ein Testament vorhanden ist. 2. Rein. M. W. K3. 1. Die Este zwischen einem wegen Ehebruchs Geschiedenen und seinem Mitschuldigen ist verböte». 2. Mit jeter andere» Person kann sich der wegen Ehebruchs Geschiedene mheiralhcn. S., Vranilschweig. Der Betreffende wird gut thun, Be- rufung einzulegen. Jnzivischen wird die bisher festgestellte Rente weiter gezahlt. R. R. 400. Ja. Dviefl»aNen dev Sxpedikiott« Für die ausgesperrten Brauer ginge» ferner ein: Gesammelt aus dem Vergnügen des Gesangvereins„Völker- srühling" durch Barth 5,80. Bicrprozente ans der Sarg- lischlerei Ziegelstraßc 30 7,—. Bei einer Geburtslag�-ier gesammelt bei Richter, Lcipzigerstrnße 53 durch Bartsch 0,45. Aus Crimmitschau 100,—. Bierprozente von Nitz aus der Beusselsir. 4,—. Fideler Schasskopp bei Conrad 8,—. Tischler- Werkstatt Martens, Tburnistr. 53, 9. Rate 10, 10. Bon den Glas- arbeilern Stralau's 50,00. Zur Weihnachts bescheeruug für die Kinder der ausgesperrten Brauerei- Arbeiter gesammelt von den Schleiiern in Martinickeuielde 12,75. Uebers chuß v. ringfreiem Bier Spaudauerstr. 30, 2. Hof, 22. Woche 4,10. Von den Arbeitern und Arbeiterinnen der Werkstatt im Kon- feltionshaus„Solidarität", Oranienstr. 173, 3. Rate, 9,—. Gesaminelt bei Hübner, Grünstr. 19, 4.35. Von den Möbel- polirern und I Tischler der Equitz'schen Möbelsabrik, Frank- furterstraße 125, 12. Rate 4,— Konzert am 1, Dezember im vlysinm, arrangirl von den Gesangvereinen Fr. Männer- chor Nordwest. Glück zu, Lyra II, Snrene, Weddinger Harmonie und Treue und Einigkeit. Vorl. Abr. 90,—. Spandauer grüne Ii»ge» 14. Rate 15,— Ertrag einer Amerik. Auktion einer Echten bei fidelen Buchdruckern Etraßburgs 8,14. Fiusterwalde durch Winkler(32.12 freiwill. Beiträge, 10.— vom Gewerlichaftslartell) 42,12.. Von organisirlen Buchdruckern in Hage» i. W. 9,95. Gürtler von O. Lundershausen 1,75. Durch Wagner 4,—. Buchdruckerei I Balte 1,50. Theaterverein „Proletarier" 6.—. Landsmanuschaft der Schleswig- Holsteiner zn Berlin, dritte Rate. 10,—. Hundert Billels ä 50 Pf. und 10.— von E. B., Oranienstraße. Nickard Bock, Böttcher 8.—. Rcschke, Markgraseudamm 1,—. Innere Putzer, Bau Nürnbergernr. 7, Ii,—. Ges. bei Kollmann, Liesenftr. IS, 1.55. Iserlohner Geinerkschasien 80,75. Summa 460,31 M. Bereits qurtlirt 830,46 M.; in Summa 1290,47 M. Für de» Jnhalt der Inserate nber> nimmt die Redaktion de»» Publikum gegenüber keinerlei Pcrautwortnug Theater. Sonnabend, den 22. Dez. Gpernl>an». Die Walküre. Schanspiellian». Der Königsbote. Die Philosophin. Pentsüie» Tlirater. Die Weber. Lesstng- Tlieater. Gbismonda. Kerlin er Theater, �kaäamo Laus 6öns. Friedrich- Milhelmstädt. Theater Geschlossen. Kestdrnz- Theater. Der Unter präfekt. Vorher: Vila Vielliebche» AchiUer- Theater. Prinz Friedrich von Homburg. �le»e» Theater. Der kleine Mann <>�heaterUnterd»»Liudri«. Boccaccio Kelleallianre-Theater. Das Wunder Horn. Erntrai-Theater. O! diese Berliner. Adolph Grnst-Theater. Keine Vor stellung. Aleranderplah- Theater. Kabale und Liebe. Htational- T.lreater. Ein Modell Vorher: Die Wucherer von Berlin Relchvhallentheatrr. Spezialitäie» Vorstellung. American- Theater. Spezialitäten Vorstellung. Apollo» Theater. Spezialitäten Vorstellung. Kaukmann'o Narist«. Spezialitäten Vorstellung. Parodie- Theater. Spezialitäten Vorstellung Sehiller-Theater. (Wallner-Theater.) Valluer- Theater Strasse. Konuabend, de» 22. Dezember: Zum I. Male: Prinz Friedrich von Komburg, Schauspiel in 5 Akten von Heinrich von Kleist. Konntag, den 23. Dezember, Nach- mittags 3 Uhr, Vorstellung für die städtischen Volksschulen: Der Menonit. Abends ö Uhr: Krieg im Frieden. Plontag, den 24. Dezember: Keine Uorltellung. Dienstag, den 25. Dezember, Nach», 3 Uhr; Prinz Friedrich von Ko« bnrg. Abends 8 Uhr: Krieg in« Frieden. tlstionsl-llieater. Grobe Franksurtcrnraüe 132. Gastspiel des Fräulein Lertha Rother. Ein Modell. Posse in 1 Akt von Eugen Prüde ns. Vorher: Iis Wücherer v. Berlin. Volksstück mit Gesang aus deni modernen Berliner Leben in 4 Akten von kirnst Vieleld. Musik v. Adolph Wiedecke. Regie: Max Samst. Kassenöffnung GVa Uhr. Ans. 7>/e Uhr. Morgen: Gastspiel deS Frl. Lertha Rother: El» Modell. Vorher: Die Wucherer von Kerlin. Montag: Geschlossen. Dienstag, den 2S., Mittwoch, den 26., Donnerstag, den 27. Dezember: Abend-Vorsteliung. Mm, iiicgiirjtin Her Mcn. Grosses Ausstattungsstück mit Gesang. Mittwoch, den 23. Dezember er.. Nachmittags 3 Uhr: fßF" Volks-WorsteSlung. Wilhelm Teil. Donnerstag, den 27. Dezember ct., Nachmittags 3 Uhr: Volks- Vorstellung."90 Kabale und Liebe. Centrai-Theater » lte Jallobstrast- Dr.»0. Zum 114. Male: O. ditse Vkrliner! Große Posse mit Gesang»nd Tanz in 6 Bildern von Julius Freund. Musik von Julius Einödshoser. Anfang �z8 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntag, den 23. Dezember: Erstes Wiederauftreten von Linil Thomas. Zum 115. Male: 0| diese Berlinerl (Bielefeld— Emil Thomas). Adolph Ernst-Theater Wegen Dorberritung: Keine KorsteUnng. Am 1. Weihuachtsfeiertage: Zum 1. Male: Ein fideles Corps. Große Gesangsposse mit Tanz. Nach dem englischen„A Gaiety Girl" von Jonas Sidney, frei bearbeitet von Eduard Jacobson und Jean Kren. Ter Vorverkaui zu den drei Feiertagen findet vom Sonntag, den 22. d. M. ab an der Theaterkasse von 12—2 Uhr statt. Passajie-PanoptiGuin. Ki mlde Wciber EiflHöMjoiiiCD. KStxeWM, neueste Illusion. Lss�sn's Eanoptihum. EiiAll8eji6 iVliuionetteii. Illusioiis-Clll'ousse!. 8tettiner Sänger an allen 3 Weihnachts- Feiertagen: ili „Sanssouci" Cottbuserstr. 4a. Anfang 7 Uhr. Entree 50 Pf. Jede» Abend neues Pro- l MMN. Circns Renz Carlstrasse. Sonnabend, de» TL. Dezember er., Abend« y/e Dhr: Gala- Vorstellung TJo Ml En. (Beim Jahreswechsel in Peking). |ja(F~ Neue Musikeinlagen. Poa ma, (großes Ponuyspringeu). Slußerdem: 4 arabische Vollblnt- Schimmelhengste(Fahneupferde), in Freiheit vorgeführt v. Herrn R. Renz. Das©chiifpferb Beautifnl, hierauf: das irrländ. Springpferd Blitz, geritten von ran Rc.nz-8tark. Liberalor, ostprenß. �appheugst i. d. hohen Schule, ger. v. Herrn R/Renz. Austreten der Reil- knustler Wassiiiains, Passio u. Fraueon:. Mr. Keller,«nermchb. Handcquilibrist. Major Burk, amerikanische Original- Miliiär-Erercitien. Der beliebte Klown und Slngust Mr. Davater Lee eic. Sonntag, de» Äll. Dezember: Eine Vorstellung Abends 7l/i Uhr: Tjo Ni En. Montag, den 24. Dez., Nachm. 2 Uhr: Große Matinee bei ermäßigten Preisen. Tjo Ni En. Die Abendvorstellung jnllt aus. D i e n st a g(l. Weihnachts-Feiertag) und Mittwoch(2. Weinachls-Feier- tag)jr z»»ei groste Festvorstelinnge» Nachmittags 4 Uhr». Abends 7l/2 Uhr. Fr. Renz, Koiuuiissionsrath. Circns C. Schumann. Friedrich Karl-Ufer. Täglich Abends T'/z Uhr: Texas Jack's American Prairie Life-Siiow. Illnsirationen aus dem amerikanisch. Plantagen- und Prairieleben. Armin-Hallen Koimuaudmiteustraße Nr. 20. Lille und Pkrtiusziiiiiiier I von Ätt— MX) Perkanen. gW Erklärung. Mein bisherigerGeschäslsführer, Herr l-udvoig Sokrsder, hat mit dem heutigen Tage seine Thäligkeit in meinem Hanse aus. gegeben und erlischt damit auch se nr bevollmächtigte Per- tretnug. 287M Berlin, den 20. Tezeinber 1894. Franz Renz, Königl. Kommissionsratb. Direktor des„Zirkus Renz". 25 Empfehle Stck. Cigarre» I M.. 1v0 von 3.50 M. au, eig. Fabrikat, rein amerik. Tabak. Rippe» a Psd. 35 Pf., 2 Pfd. 65 Pf. C. Wolsdorf� Wasserthor-Straße Nr. J40. Allen Freunden und Genossen die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann und unser guter Vater, der Buchbinder Amandus Schirrmeister, im 40. Lebensjahr nach langen, schweren Leiden am 20. Tezbr.. Mittags 12 Uhr, sanft entschlafen ist.— Die Beerdigung findet am Sonnrag, Nachm. 1 Uhr, von der Leichenhalle des St. Thomas- Kirchhofes statt. 1699b Die trauernde Wittlve nebst Kinder». Allen Genossen, Freunden»nd Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere gute Mutter Eanline Dimmick, geb. Fuchs, am 20. Dezember, früh G'/s Uhr, nach kurzem, aber schwerem Leiden, an den Folgen der Entbindung, verstorben ist. Varl Otmmicie, n. Kindern. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23. Dezember, Nachm. 2 Uhr, vom Trauerhause, Urban- slraße48. ans, nach dem Kirchhof derHl. Kreuz-Gemeindein Marien- dorf, Feldstrabe, statt. WaUvereill für den viertel! Perl. Reilhstligs- Wahlkreis. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Zahlstelle des 98. Stadtbezirks (Kassirer Genosse Treptow) von Denner, Mantenffelstrabe 19, nach Manteuffelstr, 95, zu Gastwirth Schulze, verlegt ivorden ist. 280/5 Der Vorstand. Achtung! Freie Vereinigung derSteneotypeurenud Galvanoplastiker Berlins und Umgegend Sonnlag, den 30. Dezember, Abends 7 Uhr, bei Röllig: 112/16 Versammlung. T.-O.: 1. Geschäftliches. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Verschie- dcnes. Zahlreichen Besuch erwartet Der Borstand. Verein der Arheiterinnen nn Pllfh- nnd Steiiidrnok- Schuellpressen. Allen Milgliedcrn die traurige Nachricbt, daß die Mitbegründeri» unseres Vereins, unsere Kollegin Lran Rauline Dimmick, geb Puchs. am 20. Dezember, früh 6V2 Uhr, nach kurzem, aber schwerein Leide» verstorben ist. 1697b Die Beerdigiing findet am Sonn- t g, den 23. Tezemher, Nachm. 2 Uhr, vom Tranerbause, Urban- straße 48, aus, nach dem Kirch- hose der Gemeinde zum Hl. Kreuz in Mariendorf. Feldstraße, statt. Um zahlreiche Betheiligung der Mitglieder ersucht Der Dorstand. Allen Freniiden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann Wilh. Nieke, am 19. Dezbr., früh 6 Ubr, verstorben ist. sI700b Die Beerdigung findet Sonnabend, Nachm. 2 Uhr, von der Leichenhalle des Neuen Michaels-Kirchhofes, Marien- dorf, ans statt. Wwe. Dielte, Görlitzerstr. 62. W-Krallkeilkillse d. Zchneidtr ii. Zchiltidttmeil nnd»erw. Ketverbe zu Kerlin. In der Bersaimulungs- Anzeige in Nr. 249 soll es nicht Mittwoch, den 28. Dez. sondern Freitag, den 28. Dezember heißen. Kl WeilMWMeilktil für Kinder von 7-14 Jahren eignet sich hervorragend: Wärcheiibiich | für dieKinder deSPioletariats. 160 Seiten mit 5 Buntbilder», clegaiit gebunden Preis I Mark. Zu beziehe» durch alle Partei- Buchhandliinge», Ziolporteure und Zeilungs-Spediteure, sowie vom Verlag Raus Baaks, Eiiy-Passage. Anton Boeker's Restaurant, Naniiynstr.78, Verkehrslokal und Arbeitsnachweis der Musikinsirumenten-Arh elter. GemüiHlicher Familien- Ansenlhalt. Vereinszimmer. Franz. Billard. Darziiiiil. Speifen nnd Getränke i!W Kein Ringbier. Arbeiter-K ildnngs schule Sonntag, de» 23. Dezember, Abend» 7 Zlstr, iu den Oranieiihalleu, Orainenstr. St(am Moritzplatz): WK" Versammlung.-HSU ..Die heilige Inqn'ifitio»« Die Versammlung wird piinktlioh eröffnet. Entree 10 Pf. Damen und Herren als Gäste ivillkomuien. Nene Mitglieder werden ailsgenommen. Nach der Versamnilung: Geselliges Beisammensein und?anz, arrangirt von den Schülern. 1676b Ffluml- und Mildljeil-Bildvngsvtrein des(irdfileiidfii Volkes für Kertin und Almyegrnd(Fl ialr Kord). Km Sonntag, den 28. Dezember, Abends 5 Ubr, im l-okaie des Herrn Gründet, Brunnenstrasse No. 188: IV" Uereius-Versammlnng."Mß T a g e s» O r d n n n g: I. Vortrag des Genosse» Sobiipklin über:„Die Frau im Dienste kirchlicher und kapilalistischer Interessen-. 2. Diskussion. 3. Aufnahme »euer Mitglieder. 4. Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten Tellersammlung. Gäste haben Zutritt. Stach der Versammlung gemütbliches Beisammensein mit Tanz nnd Verloosnng von Gegenständen von unserer verstorbenen Torkämpferin Agnes Wabnitz. 120/13 Der Vorstand. f preisgekrönt(Beweis: 2v Medaillen zur An- ficht), S-20M.(Unitausch gestaltet, also jedes Stisiko ausgeschl.) Großzücht. und Versandtgesch. Rndolph, Kotlbuserstr. 14. VsgellMdlW, wZsgste'�nnd billigste, Srraußbergerstr. 14. 800 Wald- vögel von 50 Pf. 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Die Kollegen der Piano-Fabrik von Görs ö Kallmann haben infolge Maßregelungen und Lohnforderungen die Arbeit nieder- gelegt. Zuzug ist strengsten» fernzuhalten. 198/13 vis Lohnkommiiiion. Idjtinifl, TWItl! Zuzug n. d Kita, eumöbel-Fabrik von Osbsn Springery Generalstratze 8, Meisten see, ist unbedingt fern zu hatten. 143/13* Die Kontrollkommission. Der Arkeitsnachweis des Fchiiercins bleibt vom 23. Dezember 1394 bis 2. Januar 1895 geschlossen. NB. Die Adressen- Ausgabe findet dann wieder Naunynstr.78 bei Rohr, Abends von 8—9t/e und Soiinlags Vorm. von 10— I I>/z Uhr. an Mitglieder sowie an Nichlmitglieder unentgeltlich statt. Die ArbcitsvermittluugS- Kommission. 193/16 Frau verl. den Tag. Meld. Forster- traße 39, Seilenfl. 4 Tr. r. ll694b 1 Klavierspieler verlangt Beruhard Wanzlik. Rixdorf, Jägerstr. 12». Stellung sucht als Expedient, Buchhändler oder Kor- rektar ein Parteigenosse, der bereits längere Zeil iu einem Parteigeschäft thälig war. Suchender ist ledig und würde event. auch als Hissredakteur arbeiten. Antritt I. Januar 1395 oder später. Offerten unter VI. S. 28 an die Exped. des„Vorwärts" erbeten. Verantwortlicher Redakteur: I. Dierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Mar Badiua in Berlin. SW.. Beutbstraße 2. 2. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Gecickks-Ueituug. Gewrrbegcricht. Snusdiener des Handclsgewerbes gehörten zum Gesinde, und eiverbegericht sei infolge dessen für Forderungen derselben an ihre Chefs unzuständig, behauptele«in„gesetzeskundiger" Vertreter der Firma Urbach u. Löwenstein, gegen welcher der Hansdiener B. beim Gcwerbegericht auf Zahlung einer Lohn- enlschädignng klagte. Artikel KS des Handels-Gesttzbnches, ans den sich der weise Herr berief, bestimmt jedoch nur,„es habe hinsichtlich der Personen, welche bei dem Ge- uiebe des Handelsgewerbes Gesindedienste verrichten, bei den für das Gesinde- Dienstverhältnist geltenden Be- stinnnungen sein Bewenden". Das Gewerbegericht betrachtet deshalb u. a. alle die Hausdiener als gewerbliche Arbeiter im Sinne der Gewerbc-Ordnnng, welche direkt im Handelsbetriebe thätig sind, indem sie Arbeilen ausführe» wie das Packen, das Forlschaffen bestellter Maaren rc. Der Kompelenzeinwand der Beklagten war somit zurückzuweisen. Die Beklagte hatte weiter eingewendet, der Kläger habe ihren Vertreter ini Geschäft grob beleidigt und die Entlassung desselben sei daher berechtigt. In den Worten:„Dann müßten Sie gerade einen Vogel haben", welche einen Streit zwischen dem Kläger und dem Vertreter der Beklagten abschlössen, sah letztere die grobe Beleidigung. Die Aenßerung bezog sich auf die von dem„Vertreter" ausgesprochene Be- sorgniß, daß erunversehens aus einer gefüllten Spiritussiasche trinken könnte, die zu seinem Aerger in inniger Gemeinschaft mit Wasser- gläsern ans einem Tadlet stand. Ursache des Streites war die Auf- f orderung des noch jungen, erst kürzlich bei der Beklagte» ein- getretenen Vertreters derselben, der Hausdiener solle nicht mehr, wie er es wahrend seiner 2>/ejährigen Thätigkeit bei U.u.L. gewöhnt worden war, die ominöse Flasche auf das bewußte Table: stellen. Dieser, durch die Beweiserhebung festgestellten Umstände willen hielt die Kammer VII die angeführten Worte des Klägers nicht für eine grobe Beleidigung, sondern für eineim Unmuth hingeworfene Aenßerung, die nicht die Entlassung nchlsertige. Tie Beklagte wurde verurtheilt. Bei der Entscheidung berücksichtigte das Gericht, daß der Attentäter es nicht mit dem Chef selbst, sondern mit einem jungen Manne zu thun halte, der jenen während seiner Abwesenheit vertrat. Kein guter Geruch ging von einem Prozeß ans, der die Kanimer V beschäftigte. In der Wasserihorsiraße existirt eine Broncewaaren-Fabrik von Behrendt u. Co., in welcher sich kein Kloset befindet.„Haben wir kein Kloset, so doch einen Eimer", dachten der Chef und seine Arbeiter und handelten danach. Zwei Lehrlinge» fiel die schöne Ausgabe zu, den vorsüudfluthlichen Apparat nach dem Hof zu trage» und dort jedesmal zn reinigen. Diese Thätigkeit. welche nicht, gerade angenehm sein soll, inißsiel den jungen Leuten schon lauge, da sie bei ihrer Verrichtung immer von eigeuthümlichcn Gefühlen übermannt wurden. Eines schönen Tages verschworen sie sich mit der Erlaubuiß ihrer Väter zu gcmeiniamen Torgehen; sie weigerten sich, nochmals als Expedienten des tragbaren Klosets zu fungiren. Ihre sofortige Entlassung war die Folge. Sie klagten nun, vertreten durch die Väter beim Gewerbegericht auf Zahlung einer Ent- schädigung. Dem Vorsitzenden, Asiessor Buls, gelang eS nach längerer Verhandlung, die Parteien zu vergleichen. Der Beklagte verpflichtete sich, jedem der Kläger lö M. zu zahlen und in die Auslösung der Lehrverhältnisse zu willigen. Zur K o m p e t e n z s r a g e. Für die Entscheidung ge- werblicher Streitigkeiten, die vor ein Gcwerbegericht gehören, ist dasjenige Gewerbcgericht zuständig,„in dessen Bezirk die streitige Verpflichtung zu erfüllen ist". Diese im ß LS des Gcwerbegerichts-Gcsetzes enthaltene Be- stimmung ist immer noch so wenig bekannt, daß häusig vom Gcwerbegericht Berlins Klagen abgewiesen werde» müssen, weil Berlin nicht der sogenannte Erfüllungsort der strittigen Verpflichtung war beziehungsweise ist.'Der Maschinist A. hatte ebenfalls geglaubt, beim Berliner Gewerbe- gericht gegen die Firma Ohrenstein u. Koppel klagen zu können, in deren Betriebe zu Tempelhof er thätig genesen war. Obgleich die genannte Firma, welche Eisenbahnbauinntcrialien fabrizirt, in Berlin domizilirt ist, wurde Kläger doch unter Hinweis auf den tz 25 des Gewerbegerichts-Gesetzes wegen Uuzu- ständigkeit des Berliner Gewerbegerichts abgewiesen, weil er in dem Tenipelhofer Betriebe seiner Arbeitgeberin auch den Lohn erhalten hatte. Uebrigens kam in der Verhaud- luug ein Erlebniß eines anderen ehemaligen Arbeiters der Firma O- u. K. zur Sprache, welches u. a. beweist,»vi« sehr auch der sein Stecht suchende Arbeiter die Form zu beachten hat. Der Betreffende hatte die Firma beim Amtsgericht II beklagt, daS an sich für Forderungen aus Prbeitsverhällnisscn in Tempel- Hof, wo lein Gewerbegericht besteht, zuständig ist,»venu eben dort die Verpflichtungen zu erfüllen»varen. Er wurde einfach deshalb abgewiesen, weil er gegen die Firma„Ohrenstein «. Koppel in Tempelhof" geklagt hatte und nicht gegen „Ohrenstein u. Koppel* inl: Berlin", wo die Firma nur eingetragen ist. Ter Mann mußte also nochmal beim selben Gericht, nun aber gegen O. u. K.»n Berlin klagen.— Traurig ist es, daß eine derartige Firma sich auf den Maugel ihrer Passiv- legitimation beruft, wenn sie dazu nur der Verstoß eines Ar- beiters gegen bloße Formalitäten berechtigt. Das Reichs-Versicherungsamt betrachtet nach einer kürz- lich gefällten Entscheidung Einkünfte, welche ein Arbeiter aus der ihm unterstellten Fabrikskautine bezieht, nicht als solche, die bei der Berechnung einer eventuellen Unfallrente zu berücksichtigen sind. Ter betreffende Rekurskloger ivar Maschinist in einer Tampfziegelei und halte vom Leiter' derselben die Er- laubniß erhallen, der Kantine für die beschäftigten Arbeiter vorzustchen. Aus der Kantine hatte er ein Jahres- «inkommen von etwa 140 Mark, welche Summe der Kläger dem jährlichen Arbeitsverdienst zugerechnet»vünschle. Besonders begründete er diese Forderung damit, daß er als älterer, tüchtiger Maschinist nicht für den ihm gezahlten geringen„Anfängerloh»" gearbeitet hätte,»venn ihm nicht der Verdienst aus der Kantine zugeflossen wäre. Das R eichs- Bersicherungsamt wies den Rekurs des Klägers hin- sichtlich der gewünschten Erhöbung des von der Berussgenossen- schast angenommenen Jahres-Arbeilsverdienstes ab, indcin es sich auf einen sogenannten„Turchschniltssatz" berief, der das Resultat einer Umfrage bei verschiedenen Ziegeleibesitzern:c. ist. Da? Kanltnenergebniß könne nicht, sührte der Vorsitzende aus, mit in belracht gezogen werden, wenn auch der Betriebsleiter zur Erziclung desselben die Gelegenheit geboten habe. Das Halten der Kantine sei eine besondere Thätigkeit, welche mit der Arbeit im Betriebe nichts gemein habe, und »«en Erträgniß sehr veränderlich sei; je nachdem gute oder schlichte Waare den Abnehmern geliefert werde, steige oder sinke j. B. der Verdienst des Kanünenhalters.--- Eine weiter« Forderung des Klägers, den ihm vom Schiedsgericht zu- gesprochenen Rentenprozentsatz zu erhöhen, erkannte das Reichs- Versicherungsamt an. Dersaittittlunge»». Tos neue antisemitische Programm. Nach Verbüßung seiner Strafhast hielt der Abg. Ahlwardt am Abend desselben Tages, an dem er aus dem Gefängnisse entlassen war, eine Revue über seine Getreuen ab, vor denen er sein neues Programm ent- wickelte. Angesichts des Umstandes, daß die darin niedergelegten Grundsätze die Basis für die Taktik der Antisemiterei in der Zn- knnst bilden sollen— andernfalls lhut Ahlwardt nicht mehr mit — wollen»vir den Lesern einige von den Heilsivahrhciien, die mchtigstei», unterbreiten. Das alle Programm, so führt der Rektor aus, der sich anscheinend immer mehr in seine Messias- rolle hineinlcbt, ist»»iznlänglich; mer die Masse», geiviunen »volle, muß mehr bieten als die Sozialde»no- kraten. Wenn es nicht gelingt, so betont er mit erhobener Stimme, die Arbeiter von der Sozialdemokratie abzubringen, so ist der A i» t i s. e»» i t i s n» u s verloren, der Mittelstand allein ist schon zu schivach»nd zu sehr ausgesogen, um das anli- semitische Prinzip zum Siege zu führen.(!) Drei Fragen leiten ihn: 1. Was hat der Einzelne von» Leben zn verlangen? Auf diese, soivie auf die anderen„großen" Fragen antivortete Herr Ahl- »vardt im wesentlichen mit einem Gemengsel rnis Proudhon'schen, Schopenhauer'schen und Dühring'schen Zitaten; der letztere be- sonders— das»st für ihn der einzige,»virlliche Denker. Also Frage I: Alle Mensche» haben durch ihre bevorzugte Stellnug vor de» Thieren aiich Anrecht an höhere Genüsse; die Gegenwart ist schlecht, denn nur wenige genießen. II. Warum ist das Lebensglnck nicht für alle zn erreiche»? Ans den sächsischen Slenertabelle» hat A. herausgefunden, daß die„Be- sriedigung der Bedürfnisse" sehr ungleich vor sich geht. Nach der Menge der Produkte zu urlheilez»„könnte jeder das Toppelle verzehren". Und warum geschieht das nicht? Das römische Recht und der Einfluß der Jude» tragen die Schuld. Nun»reist der Redner nach, daß das so kvlnnie» »mißte, weil die Römer„eigentlich nichts waren als Räuber- banden" und die Juden keine menschlichen, sonder» nur»hicrische, raubthierarlige Eigenschaflcn haben Die Trennung zivischen Mcnich und Thier, so erklärt der große Gelehrte, ohne eme Miene zu verziehen,»st nicht länger haltbar, man nmß zwischen Menschen und Inden unterscheiden, die letzteren lönnen»mr zn den Halbmcnschei» gerechnet»verde». Wenn er früher die Junker angegriffen, erktärt der Redner, so seien dmnit nur die Bastarde der korrumpirlei, Junker und Juden gemeint, die de» größten Theil des Nationalcigenthnins jetzt in Händen haben Der Begriff des Eigcnlhnnis sei nicht»veiter ausziv dehnen als die Arbeit darauf ein Recht gebe. das, was darüber hinausgehe, sei Geiv alte igen thun»(Un- ruhe in der Versammlung; Zwischenruf: Doch keinen Sozialis- mns!)„Nein," antwortet Sl. erregt:..ich beschneide nur das römische Recht". Unter der Frage III: Warum sind die Versuche zur Lösung der sozialen Frage bisher gescheitert? wird nalür- lich wieder der Satz variirt: Tie Jude»» haben schuld. Wenn Lassalle, der sich blos die Ideen Louis Blanc's angeeignet hat, und Marx, der sich auf dem„falschen Boden" bewege, daß Kapital aus Geld entstehe, nicht gekommen wären; dann wäre die soziale Frage, die, wie der Redner tief ausalhmcnd per- sichert,„allerdings" nicht so leicht zn losen sei, dach schon er- ledigt. Lebhaften Widerspruch fand der Rektor aller Deutsche» während der Verlesung der S4 Artikel seines Pragramms, als er die„U e b e r f ü h r u n g der g r o ß e» B e t r i e b e i n d e r I n d u st r i e»i n d L a n d w i r l h s ch a s t in d e n G e- m ein b e si tz" befürwortete. Tie Besitzer, fügt er tröstend hinzu, solle», soweit fieNichljnden sind, entsprechend entschädigt werden. Für Handel und Gewerbe will A. unbeschränkten Kredit und den Beamten lebenslängliche Anstellung gewähren.(Stürmisches Bravo von alle» Seilen.) Der Professor Förster versicherte seinem„lieben Ahlwardt" in der Diskussion, daß er im großen und ganzen mit ihm durch dick und dünn gehen wolle. Von anderer Seite wurde bemerkt, daß man danach nichts fragen dürfe, wenn auch„einzelne" antisemitische Abgeordnete nach rechts abspringen würden. Gegen die radikale Sozialdemokratie, das war das Leitmotiv aller Reden, kann nur als Gegengift der radikale A n t i s e nr i t i s n: u s helfen. In der Freien Vereiniffiing der Bauarbeiter sprach am g. Dezember Genosse Th. Glocke über„Klassengegensätze und Klasseniampf". Nach der Versammlung fand ein gcmüthliches Beisammensein zum Besten der ausgesperrten Brauerei- Arbeiter statt. Der Ueberschuß im Betrage von 31,30 M. wurde der Koinmission der Brauer und Brauerei- Hilssarbeiter über- gebe».— Die nächste Versammlung findet am 13. Januar 1LSS, bei W i l k e, Andreasstraße 26, statt. In einer öffentlichen Versammlung der Maurer, die am 15. Dezember tagte, reserirte Herr Ma nasse in einem bei- fällig ausgenoinmcnen Vortrag üoer das Thema„Aberglaube". Von einer Diskussion wurde allseitig Abstand genommen, aber der Wunsch ausgesprochen, von dem Referenten einen zweiten Vortrag über das Thema zu hören. Taniit schloß die Ver- sammlung und folgte nunmehr ein gemüthliches Beisammensein. Tie Freie Vereinigung der Graveure und Ziseleure hielt am 18. Dezember eine Versammlung ab. In derselben wurden die zur Generalversammlung eiiigelanfenen Anträge: die wöchentlichen Beiträge aus IS resp. 20 Pfg. zn erhöhen und die Unterstützung bei Arbeitslosigkeit auf 9 resp. 12 und 10 M. fest- zusetzen, bekannt gemacht. Des schwachen Besuches halber wurde von einer vorherigen Besprechung dieser Anträge Abstand ge- nommen. Die Antrage, wie im kommenden Jahre die Agitation entfallet werden soll,»vird dahin beantwortet, daß seitens des Vorstandes„och kein bestimmter Beschluß vorliegt, sondern derselbe erst die Stellung der Generalversammlung zu obigen Anträgen abwarten, und dieser Versammlung dahin- ?ehende Vorschläge»nachen wird. Des weitere» wurde die Be- auntmachung des königl. Kunstgewerbe-Museums über die in der Zeit von Januar bis März stallfindenden Vorträge verlesen und besonders auf den amDonnerstag, den 17. Jan., beginuenden Vortrag „Die graphische Knnst und ihre Technik", aufmerksam gemacht. Nachdem noch zum regen Besuche des am 3. Weihnachts- Feier- lag stattfindende» Familienabends, sowie zur strikten Durch- führung des Bierboykotts aufgefordert wurde, erfolgte Schluß der Versammlung. Die Generalversammlung findet am Dienstag, den 8. Januar, statt. Eine öffentliche Versammlung für Hilfsarbeiter und Arbeiterin»««» fand am vergangenen Sonnlag in Glienicke bei Adlershof statt, und war trotz des schlechten Wetters auch von Frauen sehr zahlreich besucht. Genosse Jahn schilderte in seinem Referat über„die Nothwendigkeit der Organisation" die Entwickelung der Arbeiterbewegung und die wirthschaftlichen Kämpfe bis auf die Gegenwart unter besonderein Hinweis auf die Umsturzvorlage. Die Nothivendigkeit der Organisation für die i» der ganzen Umgegend von Schönwcide, Adlershof, Köpenick. Spindlersfe'ld, Glienicke»c. in so großer Anzahl»vohnenden Fabrikarbeiter»vurde auch von den an der Diskussion theil- nehmende» Arbeitern Arndt, T i e k und Schüler betont und zum Anschluß an den bereits bestehenden„Verein für Hilfs« arbeiter und. Arbeiterinnen" aufgefordert, bezw. die Gründung einer Filiale � für Glienicke, R n d o»v und umliegende Ort- schasten empfohlen. Da genannter Verein namentlich nach dem verunglückte»» Streik der K u h n h e i m' schen Arbeiter in jener Gegend eine rührige Agitation entwickelt und dauernd an Mit- gliederzahl zunimmt, so hatte auch diese Versammlung den Er- folg, daß die Gründung einer Filiale beschlossen und zu dem Zweck eine Kommission geivählt»vurde, welche die weitere Agitation in jener Gegend in die Hand nehmen»vird, um nach und nach sämmtliche Arbeiter der Organisation zuzuführen und dadurch bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen zu erzielen. Ausgelöst»vurde am IS. Dezember die Versammlung des Arbeitervereins in Pankow. Der Referent Genosse B i l z sprach über die Umsturzvorlage und gebrauchte im Lause seines Rescrais mehrmals die Bezeichnung„Schandgesetz" für das ehemalige Sozialistengesetz. Diese Charakterisirung schien nun dem überivacheudeu Beamten garnicht zn gefallen, denn er verlangte von dem Vorsitzenden, daß dieser dem Redner eine Wiederholung der Vezeicknilng verbiete. Der Vorsitzende venvies dem gegenüber den Beamten auf seine Befugnisse, erscheine ihm etwas bedenk- lich, so»nöge er sich dies noliren. Hierauf erklärte der Beamte, er iverde, wenn es so fortgeht, thun, was ihm zustehe, nämlich auflösen.— Als der Referent bald darauf»vieder die Bezeichnung „Scbandgesetz" auf das oben benannte Gesetz anivendete, löste der Beanite die Versammlung auf. A»gkN,«iiir Krniilie»- und StrrticNaf» 6»r W«ta»avt>eit«v(Eingelr. SUfst. 2S, Hamburst), Filiale Berlin 5. Sonnabend, den 2a. Dezember, Abends 9 Ubr, bei Diele, Lolhrinaerstr. 07: Milglieder-Versammlung. igrrei» Hertiuer Kchiruiniacher. Sonnabend, den 32. Dezember, AbendS 9 Uhr, bei Nöllig, Neue Friedrtchstr. 44: Sitzung. Arbeiter- Hild»»l>»sch»i-. 2. und 4. Sonnabend im Monat, Abend? ex— i&ff Ubr: Nord-Schule, Müllersir. I7va, und S üd-O s»-S ch u le Waldeniarfir. 14: Naturerlenntniß. I. und 9. Sonnabend im Monat, Abend« er— ivx Uhr: Ttslutir-Uebungcn. Bei allen Unterrichtsfächern werden neue Dbeilnchiner, Damen und Herren, jeder Zeit aufgenommen. Arbeiter Sänaerbiind Kerl,»»»»d zi,»(irar,>d. Vorsitzender Ad. Neumann, Paiewallerilr. s. Alle Aenderungen im AereinStalender sind zu richten an Friedrich Kortum, Manlcuffelslr. 49, v. 2 Tr. Sonnabrud, Abends 9— II Uhr: Ucb>mgSslunde»nd Ausnahme neuer Mitglieder.«Sesangveret» IZSineralda, Tilfiierstrave 82 bei Häniele.— tSiiüne Eiche, vitxdors, Hcrinannstr. 48. VNe Herrsurthsirabe, bei HclekauS.— Lurania, Lands- bergcr Allee 150 bei Koebcl.— Sanges-Echo, Naunnnstr. 86, bei Zubeil. — chlu et zu, Pascwalkerstr. 3 bei Ncumann.—«Scsundbrunner M ü n u e r ch o r, Prinzen- Allee 10 bei Bergmann— Männer-Eeiang- oerein Liedcrkranz in Brandenburg a. v. Havel, Msngert'S BoltS- garten, Bergsir. s.— W-saugve> ein Sänger Hain, Reichenbergerstr.»6, bei Hosiman».— Deutsche Eiche II, Brandenburg a. d. Havel, Hauptstrahe, Winters Salon.— Frisch a ui I, FrtedrichSberg, Ruinmelsburgersrr. 93 bei Emil Neuinaun— Sangerluft. Luckenwalde, Beelttzerstr. 34 bei Otto Schulze.— Mkuner-Sesangverelu Fortschritt, KöniaSberaersirabe 2» bei L-ichnitz— Hand in Haud II, FrtedrtchSbirg, Friedrich Karlür. Ii bei Emil Hetnecke. Knud der geselligen Arbeitervereine Kertin» und Ilmgegend Alle Zuschrislcn, den Bund der geselligen Arbeilerveretue betrefsend sind zu richten an: P. Eent, Adalbertftr. 95. Hoiliinbeiid: Geselliger Bercin Deutsche Eiche, Nillersir. 97 bei Bauer.— Theater- vcretn L essiug, Bluiueuslr. 46 bei Darmuschat(jeden 3. und 4. Sonn- abend). »-»sang-, Sur»- nnd gesellig« Zfereine. Sonnabend. Turnverein Fichte(Mitgl. d. Teulsche» Arb.-Turnerb.) turnt heute: l. Mä»ner-Abth, Friedenslr. 97.— S. Männer-Abth. Boeckhslr. 31.— 3. LehrliugS-Abth. Slaiitzerilr. 66—66.— Eeinischter Chor iSletchhett, Abends 9 Uhr. Zwinglistrahe Ca im Reslaurant. Milglieber werde» daselbst aufgenommen.— Bühucnverband Normania, jeden lctzie» Sonnabend im Monat Sitzung bei G. Leichnih. flonigSbergersir. 26.— Prioal-Theaier-Eesellschast Schiller, Sitzung Abds. 9 Uhr bei Linke, Putlbuserstr. 24. Nach der Sitzung: Fidelilas. — Privauheaier-Eesellschast Toni, Sonnabend ox Uhr bei Zuleger, Swine- iniindeistrabe>41.— Thcalcrveretn Lustige Brüder ll, Sitzung jeden Conr.abend, Abends 9 Uhr, bei Reichelr, Hasenhaide Nr. 46/47.— Tbealeraesellichafl Immer Lustig, Abends 9 Uhr, Sitzung bei Riihl, Ehorinerstr. 59.— Vergnügungsklub Ostend, Sitzung Abends 9 Uhr i», Restaurant Nudolf, Kraulstrabe 6.— Äeseiliger Aibetter- Verein Prolciaria, Sonnabend»ach dem t. und 16. jeden Monais, Abend« 9 Uhr bei Sommer, Grünstrabe 21.— Nauchtlub Blaue W o l k e II, Sitzung jeden Sonnabend 9 Uhr im Restaurant F. Steuer, Weinstrabe 22.— Nauchtlub Dornröschen, jeden Sonnabend, Abends 9 Uhr, bei F. Kiüger, Fennsiraße 6.— Slalliub Blaue Bio» se, jeden Sonnabend bei Wulttc, Graiidenzerslr. 2.— SkalUlid Revolution, Sitzung jeden Sonnabend 9 Uhr bei Lankeil, Grünauerslrabe 27.— Zitherliud „Erika", jeden Sonnabend Abend nx Uhr Uebung bei Kobmann, Zimmer- strabc 22. Aufnahme neuer Mtlgtieder.— VcrgnügungSverein Alpen- Veilchen, jede» Sonnabend xio Uhr Sitzung bei Ruppin, Blumenftr. 49. vani.lt Korening Kreja, Oraniensirasso 51, Modeafien liver Lördag Kl. 9. Bcsi'igende ere velkonine. Danske Aviser lindes i Lokalei. Deutscher sonaldemotirntischer Zeselitub i» Pari». Rue St. Honore 314 Case du Lion de Belsorl. Jeden Sonnabend össentllche Ber» saimnluug: reiche Bibliolhcl, Zeiiungen, sranzösischer Unterricht. Koudo». Ter einzige hiesige sozialdemolratische Verein Londons, der alle, von Karl Marx und Friedrich Engel« 1846»ittbegriindet« iio mmnntst t sch e Arbeiter-Bild ungsvereln bestndet sich nach wie vor 49 Tolteilham Street, Tottenham Court Rd., W. London. Besuchszeit derschieticncr Museen»nd sonstiger SeheuSIviirdigkeiten. Alte« und Neue« Museum am Lustgarten. Besuchszeit täglich, mit Ausnahme des Montags in den 6 Winlerinonate» von 10— 6 Uhr, in den 6 Sommerinonalcn vo» 0—3 Uhr: Sonntag« im April- September 12 bt« 6 Uhr. Oltober und Mär, 12-5 Uhr, November und Februar l2—» Uhr, Dezember und Januar 12-3 Uhr(Uncntgelllich).— Die Natichr. al- g a l l e r i c in der MuseumSstrabe. Besuchszeit Wochentag« vo» 10—3 Uhr iMonlags ailsgeuommen). Sonntag« im April— Seplember von 12 bis 6 Ubr, im März und Oktober 12—6 Uhr, Februar und Noveillber 12 di« 4 Uhr, Januar und Dezember 12—3 UhriUnentgelliich).— K un st g ewer b e- Museum, Prinz Albrechtstr. 7. Geöffnet an den Wochentagen(Montag« ausgenommen) im Sommer von 9—3 Uhr, im Winter von 19-3 Uhr. Sonntag«, April- September von 12—6 Uhr, Oltober und März>2—6 Uhr, November und Februar 12—4 Uhr, Dezember»nd Januar 12—3 Uhr(Unenr- gettltch).— Museum für Völkerkunde, Köntggrätzerstr. 120. Besuch«- »eil wie im Kuusigewerbe-Museuin(Nnenlgeltltchj.— H y a t e u e- M u s c u in, Klosterstr. 35. Besuchszeit Sonntag« wie im Kunstgewerbe-Museum. Auber- dem Dienstag« und Freilag« von 10—3 Uhr(Unelitgettlich).— Museum für Naturlunde, Jnvaltdenstr. 42. Besuchszeit Sonnlag« wie im Kunst- aelverbe-Muscum. Außerdem MonlagS und Sonnabend« von ll-3 Uhr.— Museum s ü r deutsche Volkstrachten und E r z e u g n i s s e d e s H a u s g e>v e r b c«, Kloster str. 36. Jeden Tag mit Ausnahme de« Mittwoch« von II— 2 Uhr geöffnet. EtiilrillSgcld: Erwachsene 60 Pf., Kinder 26 Ps., Vereine Sounlag« lo Pf.— R e i ch« p 0 st- M u f e u m, Letpzigerstr. 16. Ge- öffnet Sonntag« 12—2 Uhr. Montag«, Dienstag«, Donnerstag«, Freitag« von Ii— 2 Uhr(Unentgelllich).— Ralhhau«, Königstraße,«eoffnel läglich außer Donnerstag und Freitag von 11— z Uhr(Unentgeltlich). AuSstchrsihurm 6v Pf.—« u n st a u s s> e l l u n g d e« V e r e i n s B e r l i» e r Künstler Wilhelmstr. 92. Sonntag« 11—2 Uhr, Wochentags 10—4 Uhr. 60 Ps. Enlree. — Sternwarte, Enckeplatz Sa. Mtliwod)« und Sonnabends von 9 bt« li Uhr Vormittag«.— Urania, Wiffenschastliche« Theater. Sternwarte. Jnvaltdensir. 67—«2. Geöffnet von 6 Uhr Nad»niilagS bis 10X Uhr Abend« Entree 60 Pf. Zuschlag für Thealer vo» 60 Pf. bt« 2 M.— itl q llarium Schadowslr. u. Geöffnet von 9—6 Uhr. Entree Sonntag« 60 Pf., ,» jedem letzten Sonnlag im Monat 26 Ps.— Casta»'« Panoptikum, Friedrich- straße. Geöffnet lo— 10 Uhr. SiniritiSpret« 60 Pf.— Pgrsaae Panoptikum 10-10 Uhr. Etnlrillspret« 50 Pf.— Marine' Panorama. Am Lehrter Bahnhof. Sonnlag« von 9—9 Uhr. Enlree 50 Ps.— N eap el-Pan orama am Bahnhos Thiergarten, zwei neue Dioramen:«alakomben des KapnztnerklosterS zu Palermo und VesuvauSsdru Sonntag« 26 Pf. Eintrittspreis. Da« Panorama ist bis x? Uhr Abends zu beflchtigeu.— Zvologif cher Garten, Lützowufer. Sonntag« eo Pf.— B 0 r f t g'««arten m i t P a l m e n h a u«, Alr-Moabtt s«-», Eintrittspreis 60 Pf. Nhml aiH Gllilmiltt« in solidester Ausfuhrung Uhrmacher, gegründet 1877, 63, Oranienstrasse 68. i lt., zwischen Kommandantenstr. u. Moritzplatz. Bitte auf die Hausnummer zu achten!!! Wiillt SWchtt Remontoir-Utteil. zlickrl-Rrmotttoir.Utzreu........... 7,50—12 M. 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