Nr. 145 ♦ ZH.�akrgtMg flusgabe A Nr. 73 Sonntags-Ausgabe c 1 Mark ) Bezugspreis: 53i«rttIiäf)rL60,— ÜJL, monatl. 20,— R. frei ms Saus, voraus zahlbar. Post- tozug: Monatlich 2«,— M., einschl. Au- stellunqsgedlll>r. Unter Kreuzband lUr Deutschland, Danuy. Laar- u. Memel- «lediet, sowie Beftpolen. Oesterreich u Luxemburg St.— M., sür das übrige Ausland 72,— M. Poitdestellungen nehmen an Belgien, Däncmari, Eng» land, Esthland. Finnland. Franlrcich. Kolland. Lettland. Luremburp. Oester- reich. Ecbweden. Schweiz. Tschecho- Slowakei und Ungarn. Der.Vorwärts- mit der Sonntags- deiiaqe.Boll und Zeit", der Unter- b-ltungsbeilage �etinwelt- und der Beiloge.Siedlung und Klewgarten- erfcheini wockeniäglich zweimal. Sonn- tags und Montags einmal. Telegramm. Adresse: «Sozialdemokrat Dcrliu- V-w/ Devlinev Vol�sblÄtk AnzcigenprciS: Die elnsvalttg« Nonvareillezell« kostet 12.— M.„Kleine Anzeigen- das fettgedruckte Wort 3,— 331.(zu- lässig zwei seitgedruckte Worte), sedes «eitere Wort M. Stellengesuche und Sck>Iass!ellenanzeigen das erst« Wort 2,— M., sedes weitere Wort 1,50 M. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familien-An» zeigen für Abonnenten geile 0.— M. Die Preise verstehen sich einschließlich Tcuerungszuschlag. Anzeigen für die n S ch st e Nummer müssen bis Ahr nachmittags im Hauptgefchäst, Berlin EW 58, Linden» ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 3 Uhr früh bis s Uhr nachmittags. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Neüaktion und Expedition: 6tD68, Lindenstr. Z SorntHt-ixItor- Redaktion Morihplat, 151515—97 »yernfpreaier. Expedition Moripvlah 1I75Z— 51 Sonntag, den 26. März 1922 Vonvarts-Verlag G.m.b.H., Sw H8, Lindenstr. Z - Verlag, v-xvedition und Iuicraten» Moritipla« 11755-5.1 Schiffers �lbjchieö von Genf. Genf, 25. März. Vor seiner Abreise erklärte Reichsminister a. D. Schiffer dem Sonderberichterstatter von MTB. u. a.: Der Zwischenfall, der plötzlich von polnischer Seite hervor- gerufen wurde, ist um so bedauerlicher, da der größte Teil des Vertrages vollendet ist. Diese Einigung wurde im allgemeinen wie im einzelnen den Interessen der oberschlesischen Bevölkerung ohne Beeinträchtigung der Beiäfsinteressen gerecht, soweit dies überhaupt auf Grund des Beschlusses vom 20. Oktober möglich ist. Dieses Ergebnis wurde in ununterbrochener, engster Fühlungnahme mit allen beteiligten wirtschaftlichen und sonstigen Jntcressenkreisen erreicht. Das gilt u. a. auch für die Regelung der Gewerkschaftssrage, die selbstverständlich, entgegen gewissen tendenziösen Angriffen, nicht zu einer Zerreißung der Bande zwischen den oberschlesischen Organisationen und den Zcnlralorganisationen sührle. vielmehr bleiben trotz der neuen örtlichen verhältnisie die oberschlesischen ver- bc.nde Teile der deutschen Gesamlorganisotionen. Ich brauche kaum zu erwähnen, daß gerade diese Abmachungen unter stärkster Mit- Wirkung und mit Zustimmung des Arbeitsministeriums, wie auch der deutschen Gewerkschaften getroffen wurden. Wir alle, nicht nur ich, auch meine Mitarbeiter, die mit vor- bildlicher Einmütigkeit und Hingabe mir zur Seite standen und be» kanntlich allen großen politischen Parteien angehören, wir haben oft mit Selbstüberwindung, und, ich darf wohl wiederholen, m i t blutendem Herzen an den für Deutschland so schweren Auf- gaben gearbeitet, vor die uns die aufgezwungene Teilung Ober- fchlefiens gestellt hat und uns dabei selbstverständlich bei voller Wahrung unserer Interessen, wie der Vertragetext zeigen wird, stets vom Geiste der Versöhnlichkeit leiten lasten. Ich bekenne mich trotz gewister Vorwürfe, die mir deshalb gemacht wurden, ausdrücklich zu diesem Geiste, da dies vaterländische Pflicht gegenüber Ober schlesien war. Heute, da ich mich zur Rückkehr nach Deutschland entschließe, wird wohl niemand bezweifeln, daß unsere Versöhn lichkeit nicht unbegrenzt war, aber sie wird auch überoll den Beweis erbringen, daß uns Deutsche jedenfalls keine Schuld trifft, wenn für das unglückliche Oberschlesien, das den Genfer Schiedsspruch als Voraussetzung zur inneren Beruhigung sehnlichst erwartet, neue Enttäuschungen und Folgen entstehen. Ich will allerdings nicht vergessen, daß Präsident C a l o n d e r in dankenswerter Weife sein« Bemühungen fortsetzt, um ein« Wieder ausnahm« der Verhandlungen herbeizuführen. Sollten dies« Be» mühungen Erfolg haben und ein« tragbar« Grundlage schassen, so werde ich mich natürlich den neuen Derl)andlungen nicht entziehen und nach Genf zurückkehren. Scheitern sie aber, nun, so werde ich erst zu einem Schiedsspruch zurückkommen, den der Präsident bekanntlich bei allen strittigen Fragen fällen muß/ Prophet Llopd George. weichfelüörfer-EntscheiSung aufgeschoben. Berlin, 25. Mörz. swTB.) Die votschaslerkonserenz in pari» hat beschlosten, die Ausführung des Beschlusses der Grenzkommistlon in der Weichselsrage vorläufig auszusehen und zu- nächst die Grenzkommission um Mitteilung der Gründe zu er- suchen, die zu ihrem Beschluß geführt hatten. Alsdann wird sie prüfen, ob die deutsche Dexa tat. in angehört werden soll. Lenin und Genua. Bern. 28. März.(MTB.) Der Bundesrat hat beschlossen, dem Ansuchen der Sowjetregierung entsprechend, den Delegierten Sowjetrußlands für d« Konferenz zu Genua die Durch» reis« durch die Schweiz zu gestatten. Es ist ihm eine länger« Liste unterbreitet worden, an deren Spitze Lenin steht. Außerdem werden auch Tschiffcherm, Litwinow, Krassin und andere bekannte Persönlichkeiten der Delegation angehören. Die Sowjetregierung hat sich allerdings Aenderungen der Liste vorbehalten. Roch dieser Meldung hält die Sowjetregierung an der persön- kichen Teilnahm« Lenins an der Genua-Konferenz fest. Inwieweit die Serüchte über ein« ernstlich« Erkrankmrg Lenins mit den Tat» fachen übereinstimmen, kann nicht kontrolliert werden. Schwedischer Protest gegen Moskau. Stockholm, SZ. März.(Eigener DraHlbericht.) Die schwedische Sozialdemokratische Partei hat einen telegraphischen Prolest gegen die von der Sowjetregierung beabsichtigte Blutrache an den Sozial- revolutionären nach Moskau geschickt. Kammermehrheit gegen ßascisten. Rom. 25. März.(Intel.) Für den Antrag Mazzoni-Modi» gliani(Soz.), der die Gewalttaten der Fafcisten ernstlich rügt, stimm- ten 200 Abgeordnete. 72 dagegen, während sich 110 Abgeordnete der Stimme enthielten. Für den Antrag stimmten u. a. die Sozia- listen, die Kommunisten und einige Deputierte verschiedener Gruppen. Dagegen stimmte die Rechte, der größte Teil der Demo traten und ein Teil der K a t h o l i k e n(!) Die übrigen Demokraten und ein Teil der Katholiken übten Stimmenthaltung. Auf ewe Anfrage der Pressevertreter nach der Abstimmung erklärte Genosse Treoes, daß es früher oder später doch noch einmal zu einer Verständigung zwischen Sozialisten und Katholiken kommen werde. Ein Ausruf der Fascisten sagt, daß sie sich den auswärtigen Dele» gationen in G e n u a. die russische Delegation mit einbegriffen, gegen» über loyal verhalten würden. Da aber zu ihrer Kenntnis gelangt sei, daß die Revolutionspartei aus Anlaß der Ankunft der russischen Delegation Demonstrationen veranstalten wolle, so würden sie ebenfalls in entsprechender Weise vorgehen und gemäß ihren Beschlüssen vom 9. Februar handeln.— Diese Beschlüsse sind voller Drohungen gegen die russische Delegation und besonder« gegen die sie begleitende Schutzmannschaft, die mau �m M e ere Z u«»» saufen� droht._ lich, daß sich gewisse Kreis« ousschlleßlich von einer kleinen Gruppe von Polizeioffizieren, denen das Verständnis für die außenpolitischen Verpflichtungen sowie für die polizeilichen Notwendigkeiten zu fehlen scheint, unterrichten lassen. Was die taffächlichen Ausführungen des Artikels betrifft, so ist es unrichtig, daß während des Eisenbahncrstreiks viele Fälle von llnbotmäßigkeit vorgekommen feien. Geldsammlungen für die Streikenden sind festgestelltermaßen von keinem Verband vorge- nommen, sondern nur von einem Oberwachtmcister in Berlin aus eigenem Antrieb erfolgt. Wegen dieses Falles ist das Erforderliche veranlaßt worden. In Hannover sind keine Streikgelder gesammelt worden.— Unter den im Ministerium des Innern beschäftigten Polizeioffizieren befindet sich nicht nur ein Mitglied eines Ver» bandes, sondern Mitglieder der verschiedenen Polizeibeamtenver» bände, wogegen bei der Dereimgungsfreiheit der Beamten nichts eingewendet werden kann. Eine Bevorzugung irgendeines Ver- bandes hat nie stattgesunden, im Gegenteil zeigen die Erlasse mit aller Deutlichkeit, daß die Verbände auf das ihnen zustehende Gebiet beschränkt sind. Was die Disziplinargewalt der Führer der For- matioiwn betrifft, so ist dem Angreffer entgangen, daß seit der plan- mäßigen Anstellung der Schutzpolizeibeamten die früheren für die im Angestelltenverhältnis befindlichen Angehörigen der Sicherheitspolizei erlassenen Vorschriften nicht mehr aufrecht zu erhalten waren, ins- besondere war es nach§ 19 des Disziplinargesetzes vom 21. Juli 1852 unzulässig, den Führern die Befugnis zur L erhängung von ! Geldstrafen zuzuerkennen. Den in dem Artikel erwähnten Miß- ständen kann nur durch besondere Borschriften des bevorstehenden Schutzpolizeibeamtengesetzes begegnet werden: tatsächlich sind sie in dem Entwurf berücksichtigt. In demselben Gesetz wird das Anstellungsverhältnis der Beamten geregelt. Der Gesetzentwurf hat bekanntlich inzwischen das Staat sminifterium passiert und liegt dem Staatsrat zur Begutachtung vor. Die frühere Em- bringung war nicht möglich, da ein preußisches Schutzpolizeibeomtsn» . gefetz die vorherige Herausgabt eines Reichsrahmengefetzes zur Vor- ' Aussetzung hat, das erst jetzt im Entwurf ausgearbeitet worden lst. Die Unterbringung und Bekleidung der Schutz- pvlizeibeamten konnte deshalb noch nicht befriedigend gestaltet wer- den, well die bedrängte Finanzlage des Staates und der Ge» meinden, dann ober auch die Unsicherheit der endgültigen Ge. stall ung im Hinblick aus die noch schwebenden Verhandlungen mit der Interalliierten Militärkontrollkommission im Wege stand. Be- kanntlich beziehen sich diese u. a. sowohl auf die Uniformierung als auch auf die Orte, in denen die Schutzpolizei untergebracht fft. Die yetze geaen Sie Schutzpolizei. Die.Freuz-Ztg/ veröffentlichte jüngst unter dem bezeichnenden Titel..Die Schutzpolizei vor dem Zusammenbruch" einen tendenziösen Artikel, der wieder einmal in der gewohnten reaktionären Manier die Schutzpolizei als gänzlich unzuverlässig, bolschewistisch unterwühlt usw. hinzustellen suchte. Andere reaktionäre Blätter druckten diese Ausführt, ngen mit Wonne nach. Hierzu schreibt der amtliche preußische Pressedienst: „Von deutschnationoler Seite sind wieder einmal un- gerechisertigte scharfe Angriffe gegen das Ministerium de- Innern und den Leiter de» Polizeiwesens. Ministerialdingent Dr. Ad t Eg« gerichtet worden. Es ist im höchsten Maße bedauer» Eine zweite Marcelle heymann. Di« die.Münchener Zeitung' mitteill. wird, wi« seinerzeit die kleine Marcell« Heymann, auch die Tochter einer Frau Fischer aus Fürstenfeld-Bruck bei München als Pfand in Frankreich zurückgeholten, teei' die Mutter das angelaufene Pflegcgeld infolge des Valutaunterschiedes nicht zahlen kann. Nach den Erklärungen der Mutter toll das Kind gut untergebracht, auch die Forderungen der Pflegeeltern sollen an sich nicht unbillig sein. Bisher bei den Behörden unternommene Versuche zur Herausgabe des Kindes waren erfolglos. Die englische Presse veröffentlicht, offenbar auf höhere Weisung, Auszüge aus einer Denkschrift, die Lloyd Georg« am 25. März 1919 der Friedenskonferenz in Versailles überreicht hat. Mittlerroeile ist das Buch des früheren italienischen Ministerpräsidenten Nilti„Das friedlose Europa' deutsch im Verlag der Franksurter Sozietätsdruckerei erschienen, das den vollständigen Text jener Denkschrift enthält. Sie enthüllt uns zweierlei: erstens, daß der f r a n z ö s i s ch- e n g l i s ch e Gegensatz in der Friedensfrage sich nicht erst im Lauf der Jahre herausgebildet hat, sondern daß er von Ansang an besteht, und zweitens, daß das imperialistische Frankreich gleichfalls von Anfang an seinen stärkeren Willen gegen jenen Englands durchgesetzt hat, wie das ja auch jetzt noch der Fall ist. Die englische Theorie, die in der Denkschrift Lloyd Georges dargelegt wird, beruht auf drei Hauptpfeilern. Der eine ist die Fordsrung, daß bei der Grenzregulierung nicht mehr Deutsche von Deutschland losgerissen werden dürften, als unbedingt erforderlich ist. Der zweite besteht aus dem Grundsatz, daß die Abrüstung nur dann erfolg- reich sein kann, wenn sie nicht Deutschland allein auferlegt, sondern wenn sie allgemein durchgeführt wird. Der dritte stellt den Standpunkt Englands in der Entschädig ungs- frage dar, der von Lloyd George folgendermaßen dar« gelegt wird: Wenn Deuffchland mtterfch reibt, dann verpflichten wir uns, ihm den Zugang zu allen Rohstoffen und allen Weltmärkten zu gleichen Bedingungen zu verbürgen und unser Möglichstes zu tun, um Deuffchland zum Viederausbau zu verHelsen. Wir können es nicht verstümmeln und gleichzeitig oerlangeu, daß es zahlt. Schließlich: wir müssen Bedingungen aufstellen, deren Durchführung eine ihrer Beranlworlung bewußte deutsche Regierung auf sich nehmen kann... Es muß ein Bertrag sein, der Deuffchland in der Ueberzenguug stärkt, daß es fähig sei, die ihm miserleglen Berpstichtungen einzuhalten. In allen diesen drei Punkten ist Lloyd George dem stärke- ren Willen Clemenceaus unterlegen. Nimmt man dazu, daß Lloyd George gleichfalls vergeblich für die Ausnahme Deutsch- lands in den Völkerbund plädiert hatte, so wird das Bild der Niederlage, die die englische Politik in Versailles erlitt, vollständig. England hat schöne Theorien produziert, aber es hat nichts durchgesetzt. Im diplomatischen Ringen zwischen England und Frankreich ist England stets der schwächere Teil geblieben, denn was in Versailles begannen wurde, das wurde beim Londoner Finan.zdiktat, bei der Entscheidung über Ober- schlesien und jetzt wieder bei der jüngsten Entscheidung der Re» parationskommission fortgesetzt. Leute, die immer gleich mit moralischen Erklärungen bei der Hand sind— sie sind darum selber nicht immer die Mo- ralischsten— haben daraus den Schluß gezogen, daß Deutsch- land von England zwar mit Ratschlägen zur Nachgiebigkeit versehen und mit schönen Versprechungen gefüttert, aber schließ- lich immer wieder genarrt worden sei. Diejenigen, die ihr „Gott strafe England" aus der Kriegszeit beinahe schon zu einem„Gott segne England" umgewandelt hatten, nähern sich schon wieder der Theorie vom„perfiden Albion". In Wirklich« keit handelt es sich aber nicht um ein vorsätzliches Jmstich- lassen, sondern um ein tatsächliches Versagen. Nicht der Glaube an die Ehrlichkeit der englischen Absichten verdient aufgegeben zu werden, wohl aber der Glaube an die englische A l l m a cht. ie Tat hoch die Kleinstaaterei! Die.Lippische Landeszeittmg' wendet sich in schärffter Form petzen die Gerüchte von irgendwelchen An- schlußoerhondluntzen. Lippe denke nicht daran, seine staat- liche Selbständigkeit preiszugeben, und es liege auch nicht der ge- ringst« Anlaß dazu vor._____________... Die Tatsachen, die durch den Krieg geschaffen wurden, sind Auswirkungen der Gewast. Frankreich hat zwar mir durch die Hilfe Englands und Amerikas die Kraft gewonnen, Deutschland zu widerstehen und es schließlich zu schlagen, aber nach Beendigung des Krieges zogen England und Amerika re Machtmittel vom europäischen Kontinent zurück, während Frankreich mit den seinen auf chm oerblieb. Das Ergebnis war die militärische 5)egemonie Frankreichs auf dem Kontinent, und gegenüber dieser brutalen Tatsache blieben die moralischen und wirtschaftlichen Kräfte, die die onglo- amerikanische Welt gegen sie in die Wagschale werfen konnte, ziemlüb bedeutungslos. Dazu gesellen sich die inneren Schmie» riakeiten des englischen Weltreichs in Irland, Aegypten. In- dien. Sie kommen dem Plan des französischen Imperialismus, feine militärisch�iiplomatische Herrschaft in Europa und dar- über hinaus zu befestigen, so entgegen, daß man in England vielfach sogar die Miturheber dort vermutet, wo man die offenbaren Nutznießer erkennt. In Frankreich wiederum hegt man die Vermutung, Deutschland wolle den englisch-französischen Gegensatz frukti- fizieren und bemüht sich darum, ihn zu schüren. Die beste Widerlegung des Verdachts, daß Deutschland Urheber dieses Gegensatzes fei. liegt in der Denkschrift Lloyd Georges vom 25. März 1919 und der aus sie erfolgten Antwort Clemen- ceau-Tardieus. Zu jenem Zeitpunkt destanden englisch- deutsche Beziehungen überhaupt noch nicht, und trotzdem liegt der Gegensatz klar zutage. Denn in ihrer Antwort geben Clemenceau-Tardieu dem englischen Premierminister deutlich zu verstehen, daß England es sehr leicht habe, Frankreich Eni- Haltsamkeit zu predigen, nachdem es seinen eigenen Appetit im d en deutschen Losönien unT der deukschen Flotte befriedigt habe. England habe sich unwiderrufliche Worteile gesichert, während es Frankreich mit widerruflichen abspeisen wolle Hierin liege„eine Ungleichheit, die das Risiko in sich trägt, schlechten Einfluß aufdieBeziehun- gen der Alliierten untereinander nach dem Kr lege auszuüben, die wichtiger sind als die Be- Ziehungen Deutschlands zu ihnen". Dieser offenkundige Gegensatz zwischen England und Frankreich im März 1919 war sicher doch nicht von Deutsch- land verursacht, das damals sein Vorhandensein kaum ahnte. Aber auch heute wäre es gründlich falsch, wenn wir auf diesen Gegensatz spekulieren wollten, denn auch wir können unmög- lkli wünschen, daß er auf die Spitze getrieben wird. Wie immer der Llusgang wäre, sein Austrag würde auch für das deutsche Volk eine Leidenszeit in sich schließen, die es bei seinem jetzigen Zustand gar nicht ertragen kann. Wenn man sagt, daß Engländer und Franzosen heute scharfe Abneigung gegeneinander empfänden, so können w i r das aus eigenem Augenschein nicht bestätigen. Wir haben Engländer und Franzosen in Frankfurt a. M. an einem Tisch beisammengesehen und haben uns darüber ge- freut, wie gut sie sich untereinander verstanden. Und dabei sind die Franzosen, die nach Frankfurt a. M. gingen, in Wahrheit viel bessere französische Patrioten als die Clemenceau, Tardieu und Poincar6, die dem Idol einer französischen Ge- waltherrschaft nachjagen, während jene durch ein Netz mora- lischer Einflüsse lind gerechter Verständigungen Frieden und Sicherheit ihres Vaterlandes festigen wollen. Die Lösung, die wir Sozialdemokraten für die Wirren Europas suchen, heißt nicht England mit Deutschland gegen Frankreich oder, nach verblichenen kontinentalpolitischen Re- zepten, Deutschland mit Frankreich gegen England, sondern sie heißt: England, Deutschland und Frankreich zusammen für den Wiederaufbau der Wirtschast ünd der europäischen Kultur. Wir wünschen nicht, daß die Prophezeiung Lloyd Georges vom 25. März 1919 Wahrheit werde, die lautet: Nehmt Deutschland seine Kolonien, schraubt seine Heeresmacht auf eine Polizeitruppe herunter, verringert seine Marine auf ein Fünftel, was auch geschieht, wenn es sich durch den Frieden von; 1919 ungerecht behandelt fühlt, wird es stets Mittel und Wege finden, um an seinen Unkerdrückern Vergeltung zu üben. Wir wünschen nicht den vorläufigen Triumph und die � schließlich, sei es auch erst nach langer Zeit, eintretende Kata- strophe einer französischen Politik, die in Deutschland den nationalistischen Geist züchtet und zugleich alle Völker Frank- � reich entfremdet. Was wir als Freunde einer dauernd' friedlichen Entwicklung Europas wünschen, das ist eine ver-! stärkte Aktivität jener überall, auch in Frankreich wirkenden Kräfte, die mit den Waffen des Geistes ihren Sieg über eine Politik suchen, die zum allgemeinen Verderben führen muß. Ein öeutschnationaler Vertrauensbruch. In der vorletzten Sitzung des Auswärtigen Ausschusses stand das sog. Bemelmans-Abkommen über die freien Sachlieferungen zur Diskussion Da die Regierung den Wortlaut dieses noch nicht endgültig abgeschlossenen Vertrages vor der Veröffentlichung unbedingt schützen wollte, war nur je einem Abgeordneten jeder Fraktion ein Exemplar eingehän- digt worden. In dem Ausschuß wurde aber, insbesondere von deutfchnationaler Seite, an sich nicht ohne Berechtigung, ver- langt, daß jedem Ausschußmitglied Gelegenheit gegeben werde, sich in aller Ruhe mit dem Text des Vertrages zu beschäftigen. Die Regierung entsprach diesem Wunsch und ließ samt- l i ch e n Ausschußmitgliedern eine Kopie zustellen, die als vertraulich gekennzeichnet war. Zu einer Beratung im Ausschuß ist es noch nicht gekom- men, da inzwischen die Note der Reparationskommission ein- traf. Aber jetzt findet man den Text in zwei deutschnatio- nalen Blättern,„Tag" und.�Tägl. Rundschau" wörtlich abgedruckt. Die vorläufige Nichtveröfffentlichung entsprach einer mit dem Bertragskontrahenten getroffenen Vereinbarung. Durch die Veröffentlichung gegen alle Abrede hat sich die deutschnatio- nale Presse abermals als rücksichtslose Schädigerin der Landes- interesien erwiesen. Man muß sich die Frage vorlegen, ob vertrauliche Verhandlungen und Vorlegung von vertraulichen Schriftstücken in einem Ausschuß, in dem Deutschnatio- nale sitzen, überhaupt noch möglich sind. Wilhelms Matra�enburg. Aus dem mehrfach erwähnten Buch des Generals von Eisenhardt-Rothe werden weitere Auszüge über den 9. November 1918 in Spa bekannt. Sie ergeben ein Bild der vollendeten Kopflosigkeit im Großen Hauptquartier. So zeigt folgende Schilderung den erlauchten Komödianten in einer seiner letzten Posen: „Der Kaiser selbst wohnte bekanntlich in der Villa Fraineuse, in der bei den beschränkten Raumverhältnissen außer ihm nur zwei Flügeladjutanten untergebracht waren. Zwischen drei und vier Uhr nachmittags erteilte der Kaiser dem Generaladjutanten v. Gontard den Defehl, dieses Quartier für die Unterbringung auch des übrigen militärischen Gefolges, also der Generäle und anderer Offiziere aus der nächsten UmgebKng des Kaisers vorzubereiten. Makratzen sollten ausgelegt werde«. Proviant herangeschafft und für die herbeischafsung von Wasseu und Munition sollte Sorge ge- tragen werden. In den umliegenden Häusern wollte man das Sturmbataillon Rohr, das seit Anfang November nach Spa gelegt worden war und das als besonders zuverläsiig galt, unterbringen. Dem Befehl begann man tatsächlich nachzukommen. Das Abend- essen wollte der Kaiser im Hoszuge einnehmen und dann zur Villa Fraineuse zurückkehren, in der man sich gegebenenfalls ver- leidigen könne. Dieselbe Ansicht äußerte der Kaiser den Flügel- adjutanten Graf Dohna, Hirschfeld und von Jlsemann gegenüber. Aber auch diese heldenhafte Verteidigung unterblieb, weil man in der Eile gar nicht darüber nachgedacht hatte, gegen wen man sich eigentlich verteidigen wollte! Irgendein Kan- tinengerücht behauptete, daß„zehntausend Matrosen von Aachen her im Anzug gegen das Hauptquartier seien. Von den dort versammelten Hofgenerälen usw. wurde mangels jeg- licher Kriegserfahrung dieser Bericht trotz seiner ofsensuhtlichen Unwahrscheinlichkeit geglaubt. Wilhelm hat also nacheinander alle Heldenposen einge- nommen: Er hat in seinem Tagebuch geschworen, den Hel- dentod zu sterben, er hat nach Berlin telegraphiert, daß er bei der Truppe bleibe und als König von Preußen nicht ab- danke, er hat sich schließlich nach dem Rezept Kleists im „Prinzen von Homburg" wie der Bey von Tunis in seiner Behausung verbarrikadiert.— und ist schließlich, als er alle schauspielerischen Möglichkeiten der Situation ausgekostet hatte, still und bescheiden nach Holland abgedampft. Für die Byzantiner aber bleibt er der„Heldenkaiser". Zreie oder Awangsanleihe? In ihrem ersten Morgenblatt von heute behandest die „Frankfurter Zeitung" die Frage, was letzten Endes die Ant- wort der Reparationskommission zu bedeuten hat. Sie schreibt: Ist sie lediglich ein Produkt trockener Fachmenfchen oder der polltische Ausdruck eines endgültig zum Siege durchgebrochenen politischen Willens, der uns über demütige Unterwerfung schließlich zu vernichten trachtet? Dann gäben auch Verhandlungen wenig Aussicht. Verhandlungen sind gleichwohl das erste, was uns jetzt obliegt. Denn wir müssen uns klar werden über das, was wir wollen und können— und was wir nicht können und nicht wollen. Die Reparationskommission fordert neben der Zwangs- anleihe die Auftreibung von öll Milliarden neuer Steuern. Selbst wenn dies gelänge, würde es die Reparationszahlungen noch nicht ermöglichen. Denn es bleibt die Unmöglichkeit der Beschaffung der dafür nötigen Devisen. Vorstellbar wäre dagegen, daß man statt der einen Goldmilliarde, die die Zwangsanleihe bringen soll, eine (freie D. Red.) Anleihe von rund 2 Goldmilliarden schüfe, die teils Im Inland w/d teils im Ausland abzusetzen wäre. Durch die Steuern wären dann für diese Anleihe nur die Zins- und Amortifationsbeträge, also im Jahre 12l> bis 149 Millionen Gold- mark aufzubringen. Und das wäre möglich. Es wäre auch möglich, diese Steuern in Formen zu machen, die trotz der Schwankungen des Markkurses den Eingang des vollen Goldbetrages sicherstellen. Aber dieser Erfolg ist nur zu erzielen, wenn das Ausland den anderen Teil der Anleihe nimmt. Die Reparationskommission möchte sich anscheinend die äußere Anleihe für die Mobilisierung der beut- schen Gesamtschuld vorbehalten. Das geht nicht. Wir brauchen Kredit für dieses Jahr und wir vermuten sehr, daß die Mobilisierung erst dann möglich sein wird, wenn die Völker draußen für eine wirk- lich vernunftgemäße Regelung des Gefamtproblems der deutschen Reparation und der internationalen Verschuldung reis geworden sein werden. Soweit der Vorschlag dem Ziele dient, möglichst bald einen größeren Betrag zur Bezahlung aufzubringen und internatio- nale Garantien für eine freie Anleihe zu schaffen, scheint er uns wohl der Erwägung wert. Jedenfalls würde er eher zu ! einem Ziel führen, als die unhaltbaren finanzpolitischen For- derungen der letzten Rote. Allerdings ist die Frage der steuerlichen Deckung des Zinsendienstes noch gänzlich ungeklärt. Selbst die 120—149 Millionen Goldmark, die für ( Zinsen notwendig wären, sind nicht aus einem Etat aufzu- bringen, der immer wieder durch neue Wellen jder Geldentwertung über den Haufen geworfen wird. Die Schwierig- leiten werden sich nur überwinden lassen, wenn sich die Entente zu dem ernsthaften Willen aufrafft, neue Wege der Zusammen- arbeit der Nationen zu weisen und endlich einmal von der Politik der Drohungen abzurücken. Dann aber muß sie zu- nächst anerkennen, daß das angeblich aus eigener Kraft zahlungsfähige Deutschland erst großer ausländischer Kredite bedarf, um seine Produktion so steigern zu können, daß es auf die Dauer an dem Wiederaufbau der Welt mitwirken kann._ $o der Lebensmlttelwucber! Der Reichslandbund hat an sämtliche maßgeben- den Regierungsstellen folgendes Telegramm gesandt: Obgleich der La.dwirtschaft für das kommende Erntejahr die | völlige Aufhebung der Zwangswirtschaft in Aussicht gestellt war, haben sich in der letzten Ernährungskonferenz die Vertreter der Länder für Getreide- und Kartoffelbewirtschaftung ausgesprochen Die Landwirtschaft fühlt sich hierdurch aufs schwerste getäuscht und ist aufs höchste erregt. Sie ist einmütig willens, sich der erneuten Ein- führung der Zwangswirtschaft geschlossen und mit ollen Mitteln entgegenzustellen. Hepp, Rösicke. Wenn die Herren Agrarier sich„getäuscht" fühlen und �„erregt" sind, was soll da erst die konsumierende B e- völkerung von sich sagen, die man mit der Behauptung getäuscht hat, daß Aufhebung der Zwangswirtschaft billige Lebensmittel bedeute und die dann für die„freien" Kartof- feln das Hundertfache des Friedenspreises hat zahlen dürfen?! Wir glauben, daß hier ganz andere Ursache zur Erregung vorliegt._ ! Oerter„enthüllt". Aus Braunschwelg meldet WTB.: Sepp Oerter richtete erneut Angriff« gegen die Mitglieder des braun- schweigischsn Gesamtministeriums, denen er ähnlich« Vergehen vor- wirft, wie diejenigen, deren er geziehen wurde. Wie die„Braun. schweigifche Landeszeitung" erfährt, hat da» braunschweigilchc Etaatsministerium die Einsetzung eines parlamentarischen Unter- suchungsausschusses in meser Angelegenheit beantragt. Personalveränderungen in der Reichswehr. Mit dem 31. März scheiden aus dem Reichsheere aus: die Generalleutnants Ritter und Edler o. Broun, bisher Chef des Personalamts der Heeresleitung, und v. Preisnitzer, bisher Kommandeur der 2. Kavallerie-Division in Breslau. An ihre Stelle treten als Chef des Pexfonalamts der Generalmajor H o y e, jetzt Ehef des Truppen- amts, und als Kommandeur der?. Kavallerie-Divijion der General- major Haffe, jetzt Jnfanterieführer der 3. Division in Potsdam. Nachfolger des Generalmajors Hoye als Ehef des Truppenamtes wird der Oberst und Abteilungschef im Reichswehrministerium Haffe. !Uoöe. Bon Karl Ernst. Ueber den ersten Teil dieser Tragödie kann ich mich nur ver- mutungsweise äußern. Die erste Szene hat sich wahrscheinlich im Schlafzimmer des Dr. Otto Kruse abgespielt, die folgenden in ver- schiedenen Modebäusern. Hierbei hat sich durchaus nichts Ungewöhn- liches ereignet, die Vorgänge gestalteten sich vielmehr— äußerlich betrachtet— nach den ehernen Gesetzen des Althergebrachten, ge- wissermaßen nach der Schablone: sie müßten eigentlich als alltäglich angesehen werden. Und doch hatten sie in den Asfoziationsbahnen des Dr. Krufeschen Gehirns, das bis dahin mit bewunderungswllr- diger Präzision gearbeitet hatte, einige Aenderungen der Linien- führung erwirkt. Die Eindrücke aus der Umwelt stürmten ohne den Umweg über die gedankliche Kontrolle sofort in die Gefühlsbahnen, so daß sein Oiemüt überlastet wurde. In seinem Bekanntenkreis begann man ihn wegen seines melancholischen und zuweilen auf- geregten Wesens interessant zu finden. Vorgestern abend bat er mich um meine Unterstützung in der Angelegenheit, die ihn in diesen beklagenswerien Zustand gebracht hatte. „Sie müssen mir helfen. Sagen Sie"— hier wurde fem Ton unvermittelt gehetzt—„sagen Sie mir um des Himmels Willen, welches ist der Unterschied zwischen einem Trotteur- und einem Lauf- Hut, was versteht man unter Erepe Georgette, Tagal-Bolero und Mateiot, unter beige, gepaspelt und plissiertem Randoolant, was ist eine Unterkrempe, ein Revers und Liseret? Aber ich will Ihnen lieber der Reihe nach erzählen. Sie wissen, meine letzte sprachwissen- schaftliche Arbeit ist preisgekrönt worden. In meiner Freude ver- sprach ich meiner Frau ein Geschenk nach ihrer Wahl. Es enttäuschte mich nicht etwa, daß sie sich im Hinblick auf den Frühling«Garderobe wünschte. Das Weib ist nun mal anders eingestellt als der Mann. Mein Fehler war, sie bei ihren Einkaufsoersuchen zu begleiten. Zu- nächst wurmte es mich, wie sie auf die abgeleierten und offenbar zum xten Male wiederholten Phrasen des Vorkäufers prompt hin- einfiel. Rein,„hineinfiel" ist nicht das richtige Wort. Es scheint mir, als ob jeher Modehändler mit der Frau inniger harmoniert als der eigene Mann. Wenigstens find die beiden in geheimem Einoerftänd- Nw. Sie sprechen eine Sprache, die ich nicht verstehe. Ich zerbreche mir den Kopf, wo und bei welcher Gelegenheit die Frauen all diese Ausdrücke lernen wie aufgeschlagene Hüte, angeschnittene Aermel, Homespun und dergleichen. Wenn ich irgend etwas zu bemerken wage, schleudert mir der Verkäufer einen solchen Fachausdruck ins Gesicht, und ich stehe als Trottel da. Wozu hat mich meine Frau überhaupt mitgenommen? Schön, ich mache keine Einwürfe mehr. Sie oerhallen ungchört. Aber ich habe nicht einmal Gelegenheit, sie anzusehen. Kaum bat ihr der Händler das Kleidungsstück angezogen, klebt sie am Spiegel fest. Sie hat keine» Blick für mich, für die Umgebung, sie sieht sich von vorn, von hinten, von der Seite, und saugt ihr eigenes Bild ein. Ich glaube, wenn in diesem Augenblick ein Brand aus- Krocht, kümmerte jie sich, nicht darmn� �—■,. � Was ist das für eine unheimlich« Gewalt, die Mode, gegen die wir Männer ohnmächtig find? So gern ich Musik höre, packt mich doch zuweilen ein Grauen vor ihrer Macht. Wir find ganz ahnungs- los, da schlagen ein paar Akkords unsere Seele in Fesseln. Aber in der Musik gelteck die ewigen Gesetze der Kunst, in der Mode da- gegen wird von Drahtziehern, die irgendwo ungreifbar im Hinterhalt lauern, das Empfinden willkürlich gemodelt. Was heute begeistert, ist morgen abgetakelt, häßlich, abgeschmackt. Vor den Verkäufern habe ich Angst. Wie machen sie das? Sie treten für die jeweilige Mode mit heiliger Ueberzeugung ein. und müssen demnach ihr Innen- leben alle Vierteljahr umkrempeln. Helfen Sie mirl Kommen Sie mit! Sie sollen entscheiden, ob ich übertreib«, ob ich überreizt bin." Was nun folgte, empfand Dr. Kruse als einen Kreuzzug. Die Frau wollte einen modernen Mantel haben. „Das steht Ihnen entzückend, meine Gnädigste. Das Modernste vom Modernen. Donegal-Raglan mit Steppnähten." sagte der Ver- käufer. Dr. Kruse blickte mich unsagbar traurig an. „Der Stoff? Prima, prima. Hat etwas Strich, trägt sich aber großartig. Gewiß ist es Wolle. Reine Wolle kann es für den Preis natürlich nicht fein." Ein strafender Blick aus vorwurfsvollen Augen traf den ge- quälten Ehegatten. „Dreiviertel Wolle, sonst Garn, können Sie mehr strapazieren als Wolle. Hat auch viel weicheren Fall. Wolle ist für den Sommer viel zu schwer." Verzweifelle Geste des Dr. Kruse. Die Frau: „Da stört mich nun wieder dieser Winterhut. Man müßt« erst einen Uebergangshut haben." „Oder was sagen Gnädigst» zu diesem Modell? Ganz moderner, echt englischer weiter Schnitt. Die reizende neue Echlüpferform. Einen herrlichen warmen Ton hat die Farbe, richttge Sommersarbe. Noppen. Das ist was Lebhaftes für den Sommer. Der Mantel ist fesch." Ganz bescheiden flüsterte mir Dr. Kruse seinen Eindruck zu. Er müfle an einen Mehlsack mit Stiefeln denken. Aber die Gegner hatten es gehört und sielen vereint über ihn her. Den Trumps spielte der Verkäufer aus: „Geschmack? Ein solcher Mantel, wie Sie ihn anhaben, mein Herr, zeugt nicht gerade von Geschmack." Kleinlaut entschuldigte sich Dr. Kruse, er hätte ihn vor fünf Iahren geerbt. Als die Frau die formlosen Stümpfe, die Aermel darstellen sollten, begeistert als Gedicht bezeichnete und den Mantel kaufte, sagte er nichts mehr. Wenige Stunden später schnitt er sich mit einem Rasiermeffer die Kehle bis an den Wirbel durch. Er meinte, den Glauben an den Wert der Frau verloren zu haben. In Wahrheit hatte er den Kullurfaktor Mode unterschätzt: er war ihm nicht gewachsen. Hans Thoma an den preußischen kuliusmlnlster. Altmeister Hans Thoma bot an bin preußischen Kullu»m!nister Dr. Voelitz in Erwiderung seine« Schreiben« anläßlich der Eröffnung der Hon». Thoma-Ausstellung in der Berliner Raffmalgalerie folgende Ant- wort gerichtet: „Euer Exellenz danke ich herzlich für den freundlichen Brief, » toelchem Sie Wik Ihre Anteilnahme a» momem tünftlerifchen Schaffen, wie es jetzt in der Hans-Thoma-Ausstellung in der Ratio- nalgalerie in einer großen Anzahl von Bildern zu sehen ist, zum Ausdruck bringen. Wenn man dieser Sammlung eine Benennung beilegen will, welche so ungefähr ihr Wesen bezeichnen soll, so scheint es mir, daß keiner der gangbaren Kunstparteinomen dazu passen will und auch in meiner ungewöhnlich langen Schaffenszeit nie dazu passen wollte, so daß in der Mitte der siebziger Jahre mich ein be- rühmter Münchener Kritiker den nicht talentlosen Erfinder der sozialdemokratischen Malerei nannte, dessen Bilder an Häßlichkeit mit den Alldeutschen und mit dem Franzosen Courbet wetteiferten. Ich habe meine Figurcnbilder immer mit sachlichem Ernst gemalt und nicht mit der Absicht, dem gebildeten Sonniags- Publikum im Kunstverein Spaß zu machen. Daher kommen Miß. Verständnisse, die man aus sozialpolitischen Gründen zu oerstehen suchte. Mit Politik hatten und haben meine Bilder nichts zu tun Und weil ich auch nie daran dachte,„deutsche" Bilder zu machen� gerade deshalb glaube ich. daß man mein künstlerisches Schaffen unbedenklich deutsch nennen kann. Meine Bilder kommen aus dem Zwang einer deutschen Seele hervor— dos ist das Band, welches ihre Bielgestnltigkeit zu einer Einheit verbindet. Wenn nun ein Künstler, der durch Jahrzehnte hindurch abseits und in der Stille verborgenen Schaffens das Gefühl gewonnen hat. daß auch er in seiner Stille im harmlosen Schaffen etwas beigetragen hat zur Erkenntnis echten deutschen Wesens, darf er sich fcbon diesem Froh. gefübl ein wenig hingeben, besonders wenn er dreiundachtzig Jahre überschritten hat, wo Frohqefühl nickt mehr in Hochmut übergehen kann. Seit das Unglück über Deutschland hereingebrochen ist und auf ihm lastet, haben wir uns gewöhnt zu sagen: Armes Deutschland! Aber wir wollen doch auch wieder hie und da ausschauen, da werden wir sehen, daß man das deutsche Volk auch„reich" nennen kann en edlen Gütern, die kein Feind uns nehmen kann. Es sind Güter, die Gott selber der deutschen Seele anvertraut hat, damit sie dieselben hüte. Güter, die Gott selber braucht, wenn er sein Menschenvolk regieren will.— Am Schlüsse bitte ich Ew. Exzellenz, die Nachlässig. keit meines Schreibens zu entschuldigen; in meinem halbqelähmten Zustand fällt mir dieses oft schwer, und doch wollte ich Ihnen für Ihren warmherzigen Brief so persönlich wie möglich danken." � Erhöhung der Pibllolheksgebühre«? Durch die Presse geht die Nachricht, daß der Berliner Magistrat beabsichtige, die von den Lesern der Stodtbibliothek sowie den Stadtbüchereien in Charlotten- bürg, Neukölln, Schöneberg, Spandau, Steglitz und Wilmersdorf zu zahlende Jahresgebühr von 10 Mark auf 20 Mark zu erhöhen und außerdem für jeden entliehenen Band 30 Pfennig zu erheben. Wenn fckon die vom Berliner Magistrat verfolgte Spar- Politik, die den Bibliotheken kaum die nötigsten Mittel für die An. schalfung von Büchern und Zeitschristen läßt, diese Anstalten unaus. weichlich dem allmählichen Verfall entgegenführt, so ist die Herauf. setzung der Leihgebühren ganz besonders dazu angetan, auf die Bs. Nutzung der Büchereien lähmend zu wirken und die Volksbildung damit auf da» schwerste zu schädigen. St ist nicht einzusehen, wie sich der Magffttat angesicht» der fortgesetzten Steigerung der Bücher. preise, die es dem Arbeiter wie dem Mittelstand« verbietet, auch nur das notwendige Material zur Fortbildung und geistigen An- regung käuflich zu erwerben, zu einer derartigen Maßnahm« ver« stehe« kam», Soll die Benutzung de» öffentlichen Bücher»!« wirk« .--r**.'».1 I Nr. V4S ♦ 39. Jahrgang 1. Seilage ües Vsrwärts Sonntag, 2H. März 1922 Eozialöemokratisthe Werbewoche. Don Dienstag, den 23.. bis Freitag, den Zt. März, findet in allen Betrieben eine Agitation für die Partei und den„Vor- wärts" statt. Von Montag abend K Uhr ab wird in den weiter unten angegebenen Lokalen das Agitationsmatcrinl ausgegeben. Jeder Beirieb besorgt sich das Material aus der am nächsten liegen- *>en Berteilungsstclle. Im Lause des Montags müssen sich die Ge- nassen in jedem Betrieb verständigen, welcher Genosse das Ma- terial abzuholen hat. Jeder Genosse, der Material abholt, muß sich legitimieren. Dienstag und Mittwoch muß jeder Parteigenosse versuchen, in semer nächsten Nachbarschaft aus den Reihen seiner Mitarbeiter neue Parteigenossen und neue „Vorwärts"- Leser zu gewinnen. vlenstag und Mittwoch finden nachmittags i'A Uhr für unsere Mitglieder und Anhänger Versammlitngen statt. Diese Versammlungen müssen von unseren Genossen und den auf dem Boden der SPD. stehenden Arbeitern und Anzestell- tcn direkt nach Schluß der Arbeitszeit vom Betrieb aus besucht werden. In den Versammlungen werden von parteigenössischen Ministern und Reichstagsabgeordnetcn Vorträge über die poli- tische Lage gehalten. Versammlungslokal« sind: Ticnstag: Deukscher Hof. Luckaucr Skr. 15. Vergnügungspark Zungsernheide, Tegeler Weg. Neukölln, Klletns Feslsäle. Hasenheide 13. Tempelhof. VMhelmsgarten, Berliner Skr. 4g. Lichkenberg. tTÄcilien-Lyzeum. Bakhausstr. 8. Tegel. Restaurant Zell, Hauptstraße. Wildau. Sasttio. 7 Uhr. Mittwoch: Kronen-Brorierei. Alt- Moabit 49. pharus-SSle«. Müllerstr. 142. Spandau.(Honcordia-Säle. Klostersir. 13/15. Zklariendors, heublein Nächst., Dorfstr. 1. Redner sind: Otto Braun, Giebel CM. d. R), ch a r t l e i b lM. d. R.). H-»/i l m o n na si«rer oder direkt an das Bezirksferretariat, Linden- strah« 3, 2 Hof 11 Tr., weitergemeldet werden. Parteigenossen, an die Arbeit! Jeder einzelne bekunde seinen Ehrgeiz.'durch Gewinnung mindestens eines neuen Genossen und neuen"Abonnenten. Der Ausbau und die Stärkung unserer Partei und unserer Press« über alles! Der Bezirksvorstand der SPD. Berlin. »• Di« Ausgabestellen für das Agitationsmaterial: verlin-Milte: Bürgerhaus. Alte Schönhauser«>tr. 23/24; Tiergarken: Schmidt, ZSicletstr. 17; w-dding: Schade, Kösliner Str. 9; Prenzlauer Tor: Burg. Prenzlauer Allee 189; Ariedrichshaln: Schuckert, Rüders- dorfer Str. 3; hallefches Tor: Wolf, Gräfestr. 26 und Bezirksverband, Lindenstr. 3. 2. Hof ll; tlharlotkenburg: Reiner, Wilmersdorfer Str. 21; Spandau:..Volksblatt", Potsdamer Str. 48: Schöneberg: Will, Marrin-Luther-Str. 69; Tempelstof: Englisch,..Bürgergarten". Berliner Str. 163; Neukölln: Schittler, Donaustr. 118, und Kußki, Herniannstr. 73; Köpenick: Müller. Alten Markt 8; Lich'enberg: Sick«, Rittergutstraße Ecke Möllendorffstrahe; Weißensee: Gampe. Lichten- berg-r Str. 8; Relnickendorf-Osl: Lindstädt, Residenzstraße; Reinicken- oorf-wesk: Strauß. Scharnwebcrstr. 109; Tegel: Scha'oe, Berliner Straße Ecke Pfalzstraße; Borsigwalde: Heider, Ernststraß«._ Lehren eines Kampfes. Von Paul M 0 t 0 g. Fragen wir einmal nach den Ursachen, die den Streik der Mit- glieder der Reichsgewerkschaft Deutscher Eisenbahnbcamten und -anwärter herbeigeführt haben, dann wird ohne weiteres klar, daß eine derartige plötzliche Entfesselung des Unwillens unmöglich von etlichen„skrupellosen" Führern verursacht werden tonnte, daß viel- mehr das Feuer einer ungeheuren Unzufriedenheit' und Erregung unter der Asche lange geglimmt haben muß, bis es zum Ausbruch kam. Im alten Obrigkeitsstaate haben die Beamten auch nicht im Wohlstand gelebt. Doch heute muß man von einer Verelendung, namentlich der unteren Beamtenschaft, sprechen. Dem rapiden Steigen der Lebensmittelpreise sind im Laufe der Jahre die Oie= Hölter in immer größeren Abständen nachgehinkt. Während des Krieges haben gerade die Eisenbahner bereitwilligst fast Übermensch- liche Dienstleistungen vollbracht in der Hoffnung auf baldigen Frieden und bessere Tage. Der Friede kam, aber die besseren Tage sind ausgeblieben. Waren die Beamtenfamilien schon während des Krieges an Kleidung und Hausrat völlig zunickgekommen, so sind ihre Verhältnisse nachher anstatt besser nur noch erbärmlicher ge- worden. Kam es einmal zu Verhandlungen mit der Regierung über Teuerungszulagen, dann wurden diese so lange hinge- zogen, daß die endlich erreichten Zulagen von der nächsten Teue- rungsibelle erbarmungslos überholt wurden. Der einzige Gewinn seit 1918, den die Beamtenschaft buchen konnte, war die Einfüh- rung des Achtstundentages und das Koalitions- recht. Der gewerkschaftliche Zusammenschluß war für sie alle die einzige Hoffnung. In der Zeit, als kurz nach dem Kriege der Eisenbahnbetrieb zusammenzubrechen drohte und als er stur durch die freiwillige Uebernahme erhöhter Dienstleistungen durch das Per- sonal einigermaßen aufrechterhalten werden konnte, hat man die Beamten- und Arbeiteroertreter der Eisenbahnergewerkschaften als willkommene Helfer und Retter bei der Verwaltung mit offenen Annen empfangen. Als die Krisis aber überwunden war, versuchte man schleunigst das ehemalige Verhältnis:„Hier Vorgesetzter, dort die Leute" wiederherzustellen. Die Gewerkschaftsvertreter wurden möglichst ausgeschaltet. Schließlich kam der unglaubliche und in der ersten Aufmachung vollkommen undiskutierbare Entwurf eines Sonderarbeits- zeitgefetzes für die Reichs« isenbahn. Ueber diesen Entwurf ist viel Zeit in informatorischen Besprechungen vertrödelt worden. Es sind auch von den Beamtenvertretern gewisse Zuge- ständnisse gemacht, die von der Masse der Beamtenschaft mit ge- teilten Gefühlen aufgenommen wurden. Die Vertreter des Reichs- oerkehrsministeriums aber wollten keinerlei Verbesserungen ihres Referentenentwurfs, der noch die Dienstdauervorschriften von 1912 in den Schatten stellte. Sie gingen sogar dazu über, nach ihrem noch nirgends genehmigten Entwurf bereits Dienstpläne aufzustellen. Soweit war also die Beiseite- schiebung der Beamtengewerkschaften gediehen. Nebenher ging bei jeder Teuerungsaktion der Beamtenschaft eine Lügen- und Legenden- Propaganda der bürgerlichen Presse. Man rechnete den Beamten die Gesamtmilliardensumme dieser Forderungen vor, ohne hinzu- zufügen, daß diese Forderungen noch jedesmal um die doppelte Milliardenzisfer hinter den Beträgen zurückgeblieben waren, um welche die gesamte Beamtenschaft im Laufe der Zeit durch die Geldentwertung geschädigt wird. Diese unehrliche Propaganda benannte z. B. während der Streiks für die Lokomotivführer ein angebliches Gehalt von 49 699 bis 39 999 M. für täglich etwa 3 Dienststundcn. Dagegen muß konstatiert werden, daß ein Lokomotivführer mit Frau und Kind nach 22 D i e n st j a h r e n ein durch Kassenbeleg Nachweis- bares Jahreseinkommen von 39 412 M. am 1. Januar d. I. bezogen hat. Noch toller ist die Behauptung von dem famysen dreistündigen Dienst. Wenn ein Schnellzug auf der kurzen Strecke Berlin— Halle heute ungefähr 3 Stunden Fahr- zeit braucht, so ist damit die notwendige Arbeitszeit seines Loko- motivführers noch lange' nicht beendet. Die sogenannte„V or be- r e i t u n g" einer Lokomotive vor der Abfahrt, das Oelherbeischaffen, das Apparate- und Lagerölen und das Regeln des Feuers nimmt bei den modernen großen Schnellzugslokomotioen allein2Stunden in Anspruch. Nach Beendigung der Fahrt ist die Lokomotive mit neuem Kohlenvorrat zu versehen, der Wasservorrat muß ergänzt : werden und die Maschine muß in allen ihren komplizierten Teilen i auf etwa eingetretene Schäden nachgeprüft werden. Die vorge- fundensn Mängel müssen entweder sofort vom Personal abgestellt oder, wenn das nicht angängig ist, der Reparaturwerkstatt schriftlich gemeldet werden. All? diese Arbeiten nehmen also bei einer Schnell-- zugslokomotive, welche kurze Strecken befährt, mehr Zeit in An- spruch als die Fahrt selbst. Die dann noch vom Lokomotivpersonai geforderte Zeit der „Dienstbereitschafi" kann unmöglich als Nichtstun bewertet werden. Das widerspräche dem ganzen Sinn des Achtstundentaggedankens, daß dem Arbeitnehmer nicht mehr als 8 Stunden seiner Zeit zu- gunsten des Arbeitgebers entzogen, die übrigen 16 Stunden aber ihm sür Erholung, Schlaf und Familienleben garantiert werden sollen. Das ist der Kern des Achtstundentages. Kann mich mein Arbeitgeber während der 8 Stunden, die ich ihm zur Verfügung stehen muß, nicht voll beschäftigen, braucht er vielmehr während eines kleinen Teiles dieser Zeit nur meine dienstbereite Anwesen- heit, dann muß er auch diese Zeit mitbezahlen. Sonst würde er mich um meinen Arbeitslohn und um nzeine Freizeit prellen. Das Ar- beitszeitgesetz verlegte die Bereitschaftsstunde außerhalb des Achtstundentages. Welche Erregung innerhalb der Beamtenschaft vorhanden war, das beweist die völlige Wirkungslosigkeit der Verordnungen des Reichspräsidenten, des Berliner Polizeipräsidenten sowie des Auf- rufes des ADGB. und der mit ihm verbündeten Organisationen. Daß der Streik einen politischen Charakter getragen habe, glaubt in einsichtsvollen Gewerkschaftskreisen kein Mensch. Hätten die politi- schen Parteien sich schon srüher mit der Not und den berechtigten Wünschen der Beamtenschaft beschäftigt, dann wäre dieser gewaltige Streik nicht ausgebrochen. Deshalb räume man endlich einmal in der Parteipresse mit den abwegigen Gedanken auf, daß einige Führer im Vorstand„die Urheber" des Streiks waren. Erfreu- licherweise ist es in den letzten Tagen gelungen, den Rcichsverkehrs- minister Groener angesichts des von seinen nachgeordneten Stellen inszenierten Rachefeldzuges der Maßregelungen auf einen tragbaren Boden zu bringen. Zur Erreichung der Wirtschaftlichkeit des Eisen- bahnbetnebes und zum Aufbau der Volkswirtschaft ist es unbedingt erforderlich, daß ein gegenseitiges Vertrauensver- h ä l t n i s zwischen Staat und Beamtenschaft erhalten bleibt. Vorträge, Vereine unü Versammlungen. Achtung! Tapezikrcr! Heute morgen SM> Uhr Persammlung aller Tape- ltierer lind Näherinnen im>->cwerIschaftkchauS. Saal 4. Bericht oon den Verhandlungen. Pünktliches Erscheinen unbedingt crsorderlich. .lunliionäre der Berliner Metallindustrie. Tie im ZdA. organisierten Be- triebosunleionäre beteiligen sich an der AsA-szunllionäroerlaminiung. Montag abend 7 Uhr in der Pahcnhoscr Brauerei, Landsberger Allee 24. LollzähligeS Erscheinen ist undedingl erforderlich, da eine besondere Versammlung der ZdA.-Funltionärc nicht slallfindet. Zentrnlverband der Angestellten. Fachgruvve Metall. Mitropa. 27.»nd 28. März, abends T/j Uhr, Versammlung sämllichec gewerblichen Arbciincbmer im Roscnlhaler Hos. Roscnihaler Sir. n/12. Tcutschrr Traiioporlarbcitcr.Vcrband, Srttion II, Wruppc aourngrtulschcr. Montag abend 7 Uhr im Englischen Hof, Alerandcrflr. 27e, Allgemeine Vcr sammlung. Bericht der Lobnlommisston. Das Erscheinen aller ZcluonSmit glieder ist dringend erforderlich. Mitgliedsbuch mitbringen und bordeigen.— Textildranchc. Bctriebsrälc und Lnnllionärc auS dem Tenil-Elrobbandel. Montag nachmittag 5» Uhr Schulanla Hinter der Garnisonkirche, e/eue eiriedrich straße: äufzerst wiwlige Sivnng. Ohne Bncd und»arte lein jjutritr.— GlaS. und TeddichrtinigungSdranche. Mittwoch nachmittag 4 Uhr: Gr-He Versammlung im Englischen Hof«Sicher Saal), Alexandersir. 27h. Berich'. der Lobnkommission. AsA-Mitglieder der sSrsundhritsinduftrle! Tienstag abend 14« Ubr im „Weihen HochzeilSsaal" der. Sonhiensäle". Sopbienstr. 17/18, AfA-Milgliede*- verlammlung der GesundbeitSindustrie, in welcher»der das Ergebnis der Ichieii Tarisverbandlung berichlet und gleichzeitig dazu Slcllung genommen werden soll. ES ist Pflicht aller AsA-Mitglieder, zu erscheinen. Mitglied; buch und AfA-Auswcis legiiimicren. Allgemeiner freier Angestclltendund. Qrtskartcll Aroh-Bcrlin. Bcntralvcrband der Maschinisten»nd Selzer. Dienstag abend 7 Uhr bei Schulz, Elisabctbllr. 3V. Brauchonversammlnng sämllicher Hohvclriebe. Bescheid des DcmobilmachungskommissurS. ES ist Pflicht, pünktlich zu er- scheinen.» Die OrlSderwalinng. Achtung! Vbleute der Aeiwngsdruckereien! Mittwoch vormittags 10 Ubr bei Henning. Alexandrincnfw. 44, wichtige Besprechung. Das freigewcrllchaslliche Clugendlamll deranstajtel Mittwach abend 7 Uhr in der Schulaula deS UbNnilchen GhomastumS, Jnsellir. 2�— 5, eine Beriamm- lung mit dem Thema:„Krilil deS preuhischcn Bernssschulwesens".(Porschläge für eine durchgrcisende Um- und Neugestaltung.) Referent: Dr. Herrina. Delegierte des IngendlarlellS und gewerlschastliche Jugcndsnnttionäre mllilen unbedingt erscheinen. Auch interclsiorle erwachsene lSewerlschaslsfunMonSro sind eingeladen. Mitgliedsbuch legitimiert. Gewertschastslommisston. Piichbinder. Mittwoch nachmittag 4M- Ubr in den üemral-Aesttälen. Alle Iakobstr. 32, Versammlung aller in Buchdruclercicn Beschästialen. slonnuiare über das ne»e Lohnabkommen werden dort ausgegeben. Tie Branchcnlcitting. * stieichsbuud der striegsbeschädlgten. Bezirk Südosten Z. Montag abend 7 Ubr in der Schulauig de, 4ä. Gemeindeschnle. Reichenbcrger Slr. I3l, Wanatsversammlung. Justizrat Fränlel spricht über das Thema:.Du sollst nicht täten'. (Schluß de» redaktionelle» Teil».) opFscHmenr »Bei ■„»efopo-UkerÖtto»««■ Frankf> and EUddbSodo. Tlteafer, LldUspide usw. Zum 25. Male: Palestrina 6 Uhr Scbaaspielbaas UnpazivagabDitdiis Fi, Unr Deotsch. Tbeat ?>/,: Louis Ferdinand Prina von Preußen T'j! C yrano r. Bergerac »iontat?1/,; Cvrtno von Bergerac Kammerspiele 2>/,! Der Welbsteutel 8 Uhr: Anatol Montag 8: Anatol 6r.Schanspielh. (Karlstrade) 2'/«: Danton« Tod 7",: Orpheus In der Unterwelt Montag T/t: Dantons Tod Theater L d. KOniggratz.Str. z Uhr: Erdgeist Täglich 7J0 Uhr: Die wunderlichen Oe» scblchten d. Kapellmeistern Kreisler Komödienhaas 3 Uhr Fuhrt Ins Diane Kur noch 6 Aufführung. |�_ 7 30 Uhr: **«1, mit Maria Orska Job. Rleraann Ralph Art. Roberts Eoanabend i 1. Male: Qretchen Groteske tron Davis u. LlpschOtz mit Erika Clfissner, Ralph Artur Roberts, BUIler, Engl, Reissig, Lehndorlf. behmer, Jünger, Elzer, Bauer. Lunet, Vierow, Benda, Sailen Berliner Tbeat. 3: Letzter Walzer tjo Einer von unsere Leut' Carl Clcwlox. Oscar Sähe, Leonb. itaskcl, Melitta Kieler Residenz Theat. Täglich V/t Uhr: Eine Frau ohn. Bedeutung Trieieh, Bertens. Korff, Sandrock, Schindler Kleines Theater Heute 4 Uhr kleine Pr.: Der Olab Täglich 8 Uhr: Das kleine Sekekoiaienmidehen Carola Toelle, Schönfeld, Alhers, Bendow Trianon-Tbeat. Heute 4 Uhr kl. Preise: Mein Freund Toddy Täglich 8 Uhr Der Vulkan Lastap. ▼. Ludw. Fulda Eugen Borg, Olga Limburg, H. Junkermann Velksbflline Theater am BUlowplatz 7/.uhr BieKattev lessing-Theat. Heute und morgen 7 Uhr: FAUST Dienstag?>/,: Flamme Mittwoch u.Donnerat 7: Paust Freitag?>/,: Flamme Sonnab. u. Sonntag 7; Paust Montag 7'/»: Flamme DeutsehesKiliistler-Tl! Allabendlich VI, Operetten-Oastspiel: Oer golxige Verschwender (Max Adalbert) Cenlral-Theator �rDas Detekllrasdel Deutsehet Opernhaut 7 uhr: lohengrin Friedr.-Wilhelmtt. Tb. uhr: Dreitnäderlbaiis Intimes Theater 8 U.; Bubi will nicht I Die Peitsche und ,.2 4U.: Die Spelunke usw. Klein. Schautpielhaui v/t u.: Reigen LutUpielhau* 3Vi Uhr: Nachtasyl s uhr: DerWerwoll Metropol-Theater 3: Er u. seine Schwester 7'/, Uhr: DI Neues Operetten-Th. 8 uhn Lady Chic Neues Operettenhaus Schönebg., Hauptstr 144 3',, Uhr. Pelzkßnigin 8: Di« blond. Mädels vom Lindeohof Neues Theater am Zoe 7v, uhr Scampoio Neues Vslkstheater 11V,: Urauli. Ferse« phone. 7'/,: Heuchler SchTlIer-Th. Charlbg. 3 U.: Ein Wlntermäretaen Phyliis «Uhr: SchloSpark-Th Steglitz SchloBstr. 4s Kleines Hanai Heute n morg 7»/, Uhr Qrolies Haut 7v» u: Volksfeind Thalia-Theater 3: 0 schöne Zeit, e teLL T/t Uhr: Die Herren von und zu...1 Theat. am Nollendorlpl. 3V,: Vetter aus Dingsda Die Ehe Im Kreise Theater des Westena 3>/.: Erste Liebe gold.Zelt u.'2Der Tanz InsGiiiek Tb. i d. Kommandant Str « uhr: Bnnbnry Wallner-Theater 3V« Uhr: Nlxcbcn u�DieSpItzenkönigiii Walhalla-Theater Z Uhr: Lobeng TV» Uhr: Dienstag, 28. März 500. jtoffuhrung: Die frinzessm von Tragant Admirals- Palast: -ohengrin Don Ces esar TdealerysleDs (RoscTheotcrl J'l, Uhr: Sneewittchen 7'/. Unr: Für tot erklärt PAdperp/ IDir. Jam. Klein| [Letzter Monat| Die große Revue lerken der Welt! 1 Bruno Kast«ier| 1 Sascha Gura 1 Wllh.Hartsteiiil I Franz Gross Paul Westernejar latti Wsrtneister 1 Herta Richter| 1 Erna Albertl Casino-Theater Lothring.Slr.37 Tagl.7»/4 Die neue Berliner Posse samilieGäaseklein Vorher: Lachende Liebe G es-Posse m. d. neuest Schlager.Bummellrotl' 3V|U.: Nachttelegramm Admirals Baiast Nachmittag J1/, und abends 7', Uhr: FotoristlseiL Karneval Die Prinzessin T.Trtgant Im Oespensterschioü Morgen 7'i, Uhr: Die rot. Sebnho Walhalla«Theater 2. OperagdWpUi «panfofl. 28,«dz, na* 2. MpzH, nachmittags 2 Upr pünktlich: Lohengrin SRafHalifchc Leitung Prot. R-b.«znffclt Mnig Heinrich. Vbolf Schäpfit» 1 com Lohengrw.... Paul Hausen I Deutsch. Elsa....... Cmmp Zimmermann f Opern- Heerrnfer.... Jacques Bilk) hau» Drtnib......(Zmmi) Trent o-b. Solfsop Wen Teramunb.... Eduard Habich n. d. Staatsoper VoSstümliche Preise.* i&ek»- Ross-DeDtseti. Theater ÜErMcgel' QoltzstraBe 9 Nollendorf 1613 Anfang SV» Uhr Voretellagg illtlxsdllck! SONNTAG. Q.APRIL MITTAGS 11 Vi UHR , �TAATSTFfEATXBL OPKltNHAXTS PREMIERE «. AkD~ JPXXdM "WAJWMBldES MlMyiEldKAHRT CHTSIARTltiVrTMAMM >on ORCHItTKM a-DC« CNORJ l OMA «IMTKK PKRSÖMtICHER tKIlUNC» PROE DR. MAX m�CHlIsUATO« M4RGAREIf SCHLEGEL THEODOR. LOOE HER.M. VALECNTIM NARCuARETE SCHfllM BAUT« M>0«i»TAVK MAU«R TERRA nisM �Cu. rioioDRSAN CuAD HERMINE ETERLER ESTHER HAG. AN ER NET DCRNBDB.Cs FRITZ RICHARD RHOTOGQ. Stettiner h tt n c e v Nachm. halbe Pr. pa I a r fa Llcut. spiele Petsdaner flbaß« 19 Edtt iEjHifrilltr. 2. Woche Der Qroäfilm der Prana Der!5eseoer!ols! Vorstellungen: itrktajt Ev, L>>/, 1. S.BIlL(t/a fi1/» L 6v» I. TamrUtf Q-2 Itn Tneat a. Kottb.Tor SeLSRong. 18072 Tdgi. t'ijUhtu. Sta. nachm. 3 U. 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Sin lleinc».<>and» buch üder die Lithographie, da» ,ilm Führer durch die Ausstellung teitimmt ist. versagt»m SiazI. FtudläodevÜt bei Lruu» SaKerer in Verlin sind aber auch der Ansicht, daß die belgtsche Regierung sich nichts vergeben hätte, wenn sie dieselbe Entrüstung über die Untat ihrer eigenen Beamten an den Tag gelegt und gegen sie dieselben Schritte unternommen hätte. Schärferer Kurs im Rheinland! Die Rheinlandkommission hat den„Fränkischen Kurier' in Nürnberg für drei Monate vom 1. April ab verboten, weil er die Sicherheit der Besatzungstruppen durch einen in Nr. 121 vom 13. März 1922 erschienenen Artikel gefährdet haben soll. Ferner hat sie die„Hessischen Neuesten Nachrrchten" m Dorm- stobt für drei Monate vom 10. März ab unter der Beschuldigung verboten, daß die Beröffentlichung de? Zeitung lediglich ein Mittel darstell«, um das von der Rheinlandkommission gegen das Darm- städter„Tageblatt" ansgesprochene Verbot zu umgehen und unwirt- scnn zu machen. Die Rheinlanbkommission Hot auch die Veranstaltung von Ilm- zügen oder von sonstigen öffenllichen Kundgebungen unter freiem Himmel aus Anlaß von Bismarcks Geburtstag im Interesse der Sicherheit der Besatzungstruppen verboten. Di« Interalliierte Kommission hat mitgeteilt, daß die Ange» hörigen des Befatzungsheeres der Rheinlandkommission, die noch der früheren Entscheidung von der Zahlung der Luxus- steuer noch Z 15 des Umsatzsteuergesttzcs vom 24. Dezember 1919 ganz befreit werden müssen, wenn sie die betreffenden Gegenstände unmittelbar beim Hersteller kaufen, das Recht auch dann genießen sollen, wenn sie die Gegensiänd« in Zweigniederlassungen einer Fabrik an anderen Orten kaufen, selbst wenn diese Fabrik im unbe- setzten Gebiet liegt. Rakowskp über Genua. Der einstige Führer der rumänischen Sozialisten Rokowsky, der in den letzten Iahren zum Präsidenten der ukrainischen Sowjet- republik avanciert ist und zu den Hauptdelegierten Sowjetruß- lands für Genua gehört, ist in Verlin eingetroffen. Rokowsky hat sich nun einem Mitarbeiter der.Vossischen Zeitung" gegenüber über die beabsichtigte Randstaatenkon- f e r e n z in Riga, die aus russisch« Anregung hin für den 28. d. M. einberufen wurde, ausgelassen. Auf der Tagesordnung dieser Zusammenkunst, an ter außer Sowjetrußland auch die bal- tischen Staaten und Polen teilnehmen sollen, stehen u. a. folgende Fragen: die Schulden der zaristischen Regierung, der Wechselkurs, Transportfrogen, die Wiederherstellung von Südosteuropa und die lleberwachung der sowjetrussischen Grenzen. Zu dem letzten Punkt führte Rokowsky folgende« aus: „Unsere Erfahrungen im Kampf der letzten vier Jahre haben uns Vorsicht gelehrt. Im Frühjahr des vorigen Jahres hatten wir die Revolte von Kronstadt, deren offensichtlicher Zweck nur war, den Handelsvertrag, den wör mit England unterzeichnen wollten, zu sabotieren. Im Herbst vorigen Jahres hatten wir die Invasion von Banden in Karelien und in der U k r a i n e. Es waren dies organisierte Banden, die von zuständigen Stellen in Finnland. Polen und Rumänien gefördert wurden. Mr haben unzweideutige Beweise, daß man angesichts der Konferenz von Genua ähnliche Anschläge ans un» vorbereitet. Wir können ein solche» Verfahren unmöglich dulden, und wir mußten uns gegen diesen Bandenkrieg schützen, indem wir an unseren Grenzen Barrieren gegen ihn errichten. Gleichzeitig aber erklären wir unsere Bereitschaft und unsere Geneigtheit, um unseren guten Willen und unsere friedlichen Absichten darzutun, mit samt- lichen Randstaaten zu verhandeln und mit ihnen Maßnahmen zu vereinbaren, die geeignet scheinen, die lleberwachung unserer Grenzen zu gewährleisten.' Es ist durchaus richtig, daß einzelne Nachbarstaaten Sewfetruß- lonks, namentlich Polen und Rumänien, in der Vergangen- heit eine aggressive Politik gegen die Moskauer Regierung betrie- ben haben und es ist keineswegs ausgeschlossen, daß die eine oder die andere der Westmächte ihre Hand dabei im Spiele hatte. Ob ober die Kronstadter Matrosenrevolte auf solche Einflüsse von außen zurückzuführen ist, darf wohl bezweifelt werden. Wenn morgen eine Aufruhrbewegung irgendwo in Sowjetrußland ausbrechen würde, so braucht« man darin keineswegs die Hand des Aus- landes zu vermuten, vielmehr dürfte lediglich die innerpoli- tische Spannung die Ursache einer solchen Bewegung sein. Hat die Sowjetregierung wirkliche„unzweideutige Beweise' feindseliger Absichten irgendeines ihrer Nachbarn, dann heraus damit! Bis dahin ober gebieten auch unsere Erfahrungen mit den Bolschewikt gegenüber solchen Behauptungen«in gewisse. Maß von Vorsicht: die Sowjetregierung, die die V e r g e w a l t i- gung der georgischen Volksrepublik auf dem Gc- wissen hat, darf sich nicht darüber wundern, wenn man sich ihren Anklagen gegenüber etwas skeptisch verhSlt. Ueber die jüngste Entscheidung der Reparation?- kommission sagte Ratowsky u. a.: „Ich sehe darin nur einen netw Beweis der mwermeidlichen S ch wierigkeiten und Widersprüche, m welche sich Sieger und Besiegt« dieses letzten imperialistischen Weltkriege» unvermeidlich begeben haben.... Man sieht in diesem Schrist« slllck den Druck der mittleren und kleineren Bour- geosie Frankreichs, der man goldene Berge verlprocken habe, denen gegenüber die realen Milliarden sich verflüchten wie eine Fata Morgan«.... Diese Not« der Reparationstommission gibt nur ein Argument mehr in die Hände derjenigen, die stets wiederholen, daß die Wiederaufrichtung Europas, ebenso wie die Wiederherstellung Frankreichs sich nur auf dem Wege einer internationalen Vereinbarung bewerkstelligen lassen. Es ist durchaus notwendig, daß früher oder später dle ganze Weit diese Ueberzeugung. die sich gebieterisch ausdrängt. sich zu eigen macht. Uns russischen Kommunisten wirst man vor, daß wir das wirt- schaftliche Leben Rußlands desorganisiert haben. Dem- gegenüber können wir unsererseits die Kapitalisten Europos und Amerikas, die doch unerhört« Reichtümer zu ihrer Versiigung haben, die Frage entgegenhalten: Va« habt Ihr In diesen vier Jahren des Frieden» getan, vm die wellprodukticm zu organi» sieren?' Diese Retourkuffche, so berechtigt sie an sich auch sein mag, ist aber keine Entschuldigung für die furchtbaren Sünden der Dolsche- wiki. Di« Argumentation:„Jawohl, wir hoben alles kaputt ge- macht, ober Ihr habt auch nichts wiederaufgebaut," darf nicht über die Taffachen hinwegtäuschen, daß sich die Bolschewikt al» die Gründer eine» neuen, goldenen Zeitalter, hingestellt hatten und daß fie, nicht nur in ihrem Land«, mit einer Brutalität sondergleichen gegen olle diejenigen vorgegangen sind, die nicht auf ihr Evangelium schwören wollten. Die größte Sünde der Bolschewiki ist es vielleicht, daß sie tie letzte Macht, die sich nach dem Kriege der kapitalistischen Anarchie hätte entgegenstellen können, nämlich dt, international« Arbeiterklasse, gespalten und zerrütet haben._____ flnfer Ciptomofpn, WTB. mekdek: Legoklonssekrekär«. D. Kuno T i e m o n n ist gestern vom Schöffengericht in Eharlotten- bürg wegen Beleidigung eines Beamten de» auswärtigen O 1500 M.«elbstrafe«nertM�ed». -i. Machtprobe der Metallgewaltigen. Di« Kämpfe, die den Arbeitern der Metallindustrie in Boyern, Württemberg und dem badisch-pfälzifchen Rheingebiet aufgezwungen wurden, erheischen die Aufmerksamkeit der gesamten deutschen Arbeitnehmerschaft. Einmal ist es die groß« Zahl der in Süddeutschland streikenden und ausgesperrten Metallarbeiter, die weit über Hunderttausend hinausgeht, weiter aber das Kampfobjskt und die Taktik der Unternehmer, die diesem Kampf» ein besonderes Gepräge geben. Die„Arbeitgeberzeitung" behauptet,„ine verschiedenen Metall- arbeiterstreiks, namentlich in Siiddeuffchland sollten von dem Deut- schen Metallarbeiterverband offenbar planmäßig zu einer großen allgemeinen Bewegung zusammengefaßt werden. Diesen Absichten sind die bayerischen Metallindustriellen setzt zuvorgekommen, indem sie die Aussperrung der gesamten Arbetterschast beschlossen". In gleicher Weise wird durch die bürgerlich« Tagespresse oersucht, die Oeffenttichkeit über dies« Bewegung irre zu führen. Die Arbeit- geber, die die Verlängerung der wöchentlichen Ar- beitszeit von 46 auf 48 Stunden zur Bedingung von Derhand- lungen machen, erklären ganz harmlos, das sei doch kein Grund, einen derart schweren Kampf zu entfesseln. Ist das wirklich kein Grund, dann müßten die Unternehmer von ihrer Forderung ab- lassen, nachdem sie bereits die 4-lstündige und 45stündige Arbeitszeit auf 46 Stunden verlängert haben. Da die verkürzte Sonn» abendarbeitszeit beibehalten werden soll, würde es sich bei Ein» führung der 4S-Stunden-Woch« um eine Verlängerung der täglichen Arbeitszeit an den übrigen fünf Wochentagen um je 24 Minuten handeln, um drei Minuten je Stunde. Es ist ein alter Grundsatz m den wirffchastlichen Kämpfen, der auch von den Arbeitgebern in der Regel anerkannt wurde, daß bestehende günstiger« Lohn- und Arbeitsbedingungen nicht verschlech- te r t werden dürfen. Abgesehen davon, daß die Arbeitszeit in Süd- deuffchland von jeher kürzer war als in Norbdeuffchland, fft zu beachten, worauf bereits in einem Ueberblick über den Kampf in Württemberg hingewiesen wurde, daß die Arbeiter täglich zwei Stunden für die Wege von und zur Arbeitsstelle aufwenden müssen. Dies trifft teilweis« auch für die übrigen süfcbeutschen Gebiete zu. Ein Teil der Arbeiterschaft wohnt auf dem Land« und Hai sich hier auf Feld- und Garienwirffchast mit eingestellt, worauf er bei den verhältnismäßig geringen Löhnen in der Metallindustrie Süd- deutschlands nicht ohne weiteres verzichten kann. Daß unter diesen besonderen Umständen die Arbeiterschaft auf den Vorteil einer um zwei Stunden kürzeren Arbeitszeit nicht ohne weiteres verzichten will, liegt klar auf der Hand. Würde sie durch das Vorgehen der Unternehmer zu diesem Verzicht genötigt, dann ist noch sehr die Frage, ob in den um je drei Minuten verlängerten Arbeits- stunden mehr geleistet wird als vordem. So wichtig auch dieser Streitpunkt ist, den die Unternehmer vom Zaun gebrochen haben, so fft er doch nicht der einzige, um den der Kamps sich dreht. Nicht minder wesentlich fft die 2 o h n» frag«. Man machte die Verhandlungen über die unbedingt not» wendigen Lohnregelungen von der Einwilligung in die 48-Sttmden» Woche abhängig, in Bayern wie in Württemberg. Die Schiichtungs» stellen fällten Schiedssprüche fiir die 48ftündtg« Arbeitszeit, bie von den Arbeitern in Urabstimmungen mit überwältigender Mehrheit abgelehnt wurde. Aber auch hinsichtlich der Lohnzulage genügten dies« Schiedssprüche dm Anforderungen der Arbeiier in keiner Weis«. In'dem ganzen Vorgehen und Verhalten der Metallindustriellen liegt System.' Sie kennen den Widerstand, besonders der süddeuffchen Arbeiter gegen die Arbeitszeitverlängerung sehr wohl und nützen ihn zum Lohn�ruck aus. Führt ihr« Mochtpolittk in Süddeutschland zum Erfolg, dann beginnt der„Abbau" aus der ganzen Linie über den, Main. Di» Zeit unerhörter Lebensmittelt«, wrung, der Tiefstand unserer Valuta scheint den Metallgewaltigen offenbar geeignet, um einmal die Arbeiterschaft durch Stockprügel auf den Magen mürbe zu machen, womöglich ihre Organisation finanziell stark zu schwächen, weiter aber um ein« Reihe von Kleinbetrieben aufzu« saugen, deren Inhaber sich durch das Aussperrungsdiktat vor den Wagen der Großen spannen lassen, der über sie hinweggeht. Der Kampf gilt nicht allein den Metallarbeitern und nicht nur ln Süd- deuffchland. sondern der gesamten deutschen Arbeiterschaft, die sich zur Abwehr bevcithalten muß._ Reichswirtschastsrat und Zeitungsnot. Ii, feiner Beratung der Eingabe des Derein« deuffcher Zeitung«» verlege? über die bedrohte Lage der deutschen Presse wurde der wirt- schaft-politische Ausschuß des vorläufigen Rcichswirffchaft-rats von dem Reichswirtschaftsministerium aufgefordert, über folgende Fords- rungen ein Gutachten auszuarbeiten: „1. Sperrung der Ausfuhr für Zellstoff und Papier. 2. Beschlagnahme der Ausfuhrgewinn, bei Zulassung der Ausfuhr. 3. Ueberwachona der Preisbildung. 4. Einsührung einer Zwangswirtschaft vom Rohstoff bis zul Fertigsabrikat, angefangen beim Holz." Das Reichewirffchaftsministerium betonte dabei, ein« solch« Zwangswirtschaft käme nur in Frage, wenn sie mit großer Mehrheit vom Parlament angenommen würde. Dann aber müsse sie auch voll durchgeführt werden und vom Holz bi« zum Papier alles umfassen. Der Papierbezug der Zeitungen müsse dann kontingentiert werden. Der wirffchaftspolttische Ausschuß setzt« daraufhin»wen Ar« beitsausschuß zur Abfassung dieses Gutachten««in. Auffallend war, daß tein Zeiaungsverleger an den Beratungen de» Reichswirffchaftsrat» teilnahm. Und»war b». gründet man in Verlegerkreisen dies« im Hinblick auf die große Rot der Zeitungen eigenartige Enthalffamkeit damit, daß man nicht an drei Stellen, nämlich im Reichswirtschaftsministerium, im Reichswirt» schaftsrot und im Reichstag gleichzeitig über die gleiche Angelegen- heit verhandeln könne. Außerdem verspricht man sich keinen Erfolg davon, weil dle Zeitungsverleger im Reichswirtschastsrat nicht stimm» berechtigt oertreten seien. Daß diese Begründung nicht stichhaltig ist, geht schon daran» hervor, daß die Regierung gerade dem Reichswirt« s ch a f t s r a t die für ihr« Stellungnahme wichtigen Fragen vorg« legt hat. Es wäre deshalb Pflicht der Zeitungsverleger gewesen, sei es auch nur gutachtend, an der wichtigen Sitzung teilzunehmen. Wenn auch das Zeitnngsgewerbe al» solches nicht Sitz und Stimm« im Reichswirtschaftsral hat, so ist es doch durch Persönlichkeiten darin oertreten, die jahrelang im Zeiwngsgewerbe leitend tätig gewesen sind und ferner durch die Besitzer einer großen Zahl von Zeitungen. zu denen bekanntlich auch Hugo Stinnes gehört. Es wäre sehr wich- tig' festzustellen, inwieweit gerade dies« letztere Art von.Keitungs» besitzern" an der Papierteuerung beteiligt ist. E» war also not» wendig, daß gerade w dem wirffchastlichen Gutachterparlament die Meinung der Zeitmigsoerlsg» zur Geltung lam. Konnte doch durch ihre Abwesenheit der Anschein entstehen, als stünde«« um die Zeitungen noch nicht übermäßig schlimm. Denn daran besteht kein Zweifel, daß sich die Lage der Presse noch verschlechtern tniÄ •en» Ä t 1« illfc GeVerWostsbewegung Für Jugendschutz! Gegen die Z�-Stunden-Wuche! �eut« finden im ganzen Reich Deinonstrationsoersammlungen der werktätigen Jugend statt, in denen für den Ausbau der Jugend- schutzbestimm ungen und gegen die drohende Einführung der hchStunden-Woche Stellung genommen wird Der Gesetzentwurf über die Regelung der Arbeitszeit stellt eine Berhöhnung!o«c arbeitenden Lugend dar. Statt den Iugendschutz weiter auszubauen und bestehende mittelalterlich anmutende Gesetzesbestimmungen zu beseitigen(Aüchtigungsrecht), will man die Rechte der arbeitenden Jugend durch die Ausdehnung der Arbeitszeit noch schmälern. Die Arbeiterschaft weiß, daß eine solche Entrechtung der Jugend das Anzeichen der drohenden Gefahr auch für die Erwachsenen ist, des- halb erkennt sie die Wichtigkeit dieses Protestes. In Berlin fand bereits am 1. März«ine Iugcndkundgebung flott.' veranstaltet vom Ortsausschuß der Arbeiterjugend-Organi- satianen, die als Auftakt für die heutigen Demonstrationen im Reich anzusehen ist. Dabei war die arbeitende Jugend Berlins aus- marschiert und hatte in einer imposanten Versammlung noch einem Referat des Reichstagsabgeordnetrn Schreck«ine Entschließung gefaßt, worin sie von den moßgebenchm Stellen in Staat und Reich mehr als bisher einen Schutz ihrer elementaren Rechte fordert, insbesondere gesetzliche Maßnahmen zur Erweiterung des Jugend- schutzes und eine neuzeitliche Regelung des Lehrlingswesens. Ferner fegte sie Verwahrung ein gegen ein« Verlängerung der Arbeitszeit und verlangt« größere wirtschaftliche Freiheiten.„Die arbeitende Jugend Berlins stellt sich rückhaltlos hinter die Forderungen des Reichsausschusses der Arbeiterjugend-Organisation.m und verpflichtet sich ihrerseits, mit aller Kraft dafür einzutreten." Es ist zu erwarten, daß diese Kundgebungen der Jugend nicht ungehört verhallen und eine weiter« Beschränkung der Iugendrechte verhindern werden._ Tie neuen Berliner Metaliarbeiterlöhne. Nach dem Schiedsspruch, den der Schlichtungsausschuß beim Reichsarbeitsministerium am Freitag gefällt hat, beträgt der Stundenlohn von morgen ab für die unier 18 Jahre alten jugendlichen Streif in der Damenwäsche-Fabrikation. In einer außerordentlich gut besuchten Mitgliederversammlung am 24. März in den Sophieniälen ist von den Arbeitnehmern, nachdem die Fabrikanten die Schiedssprüche ab- gelehnt haben, der Streik mit großer Majorität beschlossen worden. Während der Frist, welche von Amts wegen gewährt war zwecks Stellungnahme zu den Schiedssprüchen, haben die Fabrikanten ihre Arbeitnehmer mit allen demagogischen Mitteln bearbeitet, um die- selben vom Streik fernzubalten. Sie versuchten, einen Keil zwischen die Arbeitnehmer zw treiben, indem sie den BetriebZarbeiteriunen erklärten, daß sie nur kür die Heimarbeilerinnen streiken würde», Iva? natürlich nicht der Wahrheit entspricht, denn den Schiedsspruch für die B e t r i« b S a r b e i t e r i n u en haben die Fabrikanten ja ebenfalls abgelehnt und dafür niedrigere Angebote gemacht. Kollegen und Kolleginnen in den Bekrieben, übt Solidarität! Auskunft erteilt das Zentralstreilburcau, Sebostianstr. 87/88. Achtung, Sauarbeiter! Wir weisen unsere Mitglieder für die heulige Wahl der Der- bandstagsdelegierten nochmals darauf hin, daß nur die vom vor- stand offiziell herausgegebenen Stimmzettel gültig sind. Mitglieder, die sich an dem kommunistischen Treiben gegen den Verband be- teilige», stellen sich damit außerhalb der Organisation. Deukscher Vauarbeiterverband. Vorstand de» Zweigvereins Berlin. Arbeiter M. von 14 bis 15 Jahren. �. 6.60 » 15, 16,... 7.10 , 16, 17.... 8.— » 17„ 18„••• 0. Arbeiterinnen M. von 14 bis 15 Fahren.». 6.80 , 15» 16 m... 6.70 . 16, 17.... 7.80 , 17, 18,... 7.80 Der Einstellungslohn für die Arbeiterinnen ist um 10 Pf. die Stunde geringer. Die tarifmäßigen Löhne der männlichen Arbeiter über 21 Jahre werden in allen Klassen u m 2, 7 5 M. die Stunde, der Arbctter unter 21 Jahren um 2,50 M. die Stunde erhöht. Die tarifmäßigen Löhne und die Akkordbasen der Arbeiterinnen der Gruppe B lll und P. IV werden um 2,25 M. die Stunde erhöht. Die Löhne, Atkordbaien und Stundenzuschläge der übrigen Ar- deiterinnen betragen 70 Proz. der Löhne der Arbeiter. Die L« i st u n g s z u s ch l ä a e für alle über 18 Jahre alten Ar- bester werden von dreimal 10 Pf. die Stunde erhöht auf je dreimal 80 Pf. in der ersten 25 in der zweiten, 20 in der dritten und 15 Pf. in der vierten und fünfte» Lohnstufc. Die Akkordbasen brtraqen für über 18 Jahre alte Arbeiter: 14,85 M. in der ersten, 14,45 M in der zweiten, 14,05 M. in der dritten, 13,75M. in der virrten und 13,45 M. in der fünften Klasse. Für die U e b e r g o n g g z e i t bis zur Umrechnung der Akkorde erhalten die Arbeiterinnen außer ihrem Aktordvcrdienst 2,25 M. t'sten Lohnzuschlag die Stunde. Alle Akkordarbeiter, die bis zu 5 Proz. über ihre alle Akkordbasis verdienten, erhalten den vollen Auschloq von 2,75 M. bzw. 2,50 M. die Stunde. Die Stundenzu- stilläge bei den übrigen Akkordarbeitern werden durch Vereinbarung der Parteien entsprechend festgesetzt. Die bisherige Kinderzulage wird— wie schon berichtet— um 30 Pf. die Stunde erhöht. Der Schiedsspruch ist einstimmig gefällt. Bis zum 31. März haben die Parteien zu erklären, ob sie annehmen oder ablehnen. Am Montagabend, 7 Uhr, im Kriegervereinshaus. Chauflee- straße 94, wird eine gemeinsame Versammlung aller Funktionäre aus den Betrieben des Verbandes Berliner Metallindustrieller, soweit die Funktionäre einer dem Metallkartell angeschlossenen Gewerkschaft angehören, zu dem Verhandlungsergebnis Stellung nehmen. Schietzsspruch für die Berliner Grofjschlächterei. Das Einigungsamt des Berliner Gewerbegerichts hat gestern einstimmig einen Schiedsspruch gefaßt, durch den ein Streik der Gesellen auf dein Zentralschlachthof vermieden wurde. Die Wochenlöhne wurden festgesetzt für März auf 920 M. für Gesellen über 20 Jahre, aus 710 M. für die unter 20 Jahren, auf 510 M. für Junggesellen und für Kutscher aus 760 M. Für Helfer, die durch den Arbeitsnachweis vermittelt wurden, wurde für März ein Tagelohn von 215 M. und für Helfer, die nur einen halben Tag beschäftigt werden, aus 140 M. festgesetzt. Für die übrigen Helfer gelten die Löhne vom 25. April ab. Den Parteien wurde außerdem empfohlen, falls die Teuerung in erheblichem Maße fort- schreite, über eine Lohnregelung für April alsbald in neue Ver- Handlungen zu treten. Dem Vernehmen nach haben die Arbeit- nehmer den Schiedsspruch bereits angenommen. Der Solidaritätsstreik im Transportgewerbe. Der Beschluß der Generalversammlung des Transportarbeiter- Verbandes scheint durchgeführt werden zu müssen. Es sieht so aus, als wenn die gesetzlichen Schlichtungsstellen dem Beschlüsse nicht oie Bedeutung beilegen, die er verdient. Man glaubt offenbar, daß der Beschluß nicht ernst gemeint sei. Demgegenüber ist ober festzustellen, daß der Transportarbeiter- verband im Laufe des gestrigen Tages mit seinen Funktionären überall Fühlung genommen hat und olle Vorbereitungen getrofsen morden sind, um den S o l i d a r i t ä t s st r e i k aufzunehmen. Wenn Groß-Berltn durch die Arbeitseinstellung im gesamten Iransport- gewerbe in ein« größere Bedrängnis gerät, so ist dies eine Folge der Unschlüssigkeiten unserer gesetzlichen Schlichtungsausschüfle und des Arbeitsministeriums, die in der Beilegung dieses Streites offen- bar versagt haben. Der Vorsitzende des Schlichtungsausschuffes, Geh. Regierung?- rat Schlüpmann, äußerte sich dahin, als ob ein Müll« kutscherstreik überhaupt nicht mehr bestehe, sondern durch eine Bekanntmachung der Direktion am schwarzen Brett beendet sei. Der Herr ist der Ansicht, daß der Betrieb mit anderen Arbeitern völlig besetzt und die Technische Nothilfe nicht mehr in Tätigkeit se�. Es muß daher festgestellt werden, daß diese Auffassung völlig irrig ist. Der Streik besteht immer noch und die Technische Nothilfe ist noch in vollem Umfange in Gemeinschaft mit den angeworbenen Arbeits- willigen mit den Müllabfuhrarbeiten beschäftigt. Solche Aeuße- rungen zeigen nur, wie wenig man über den Ernst der Situalion und von dem Stand des Streits unterrichtet ist. Erklärlich wird dieser Irrtum des Schlichtungsausschußvorsitzenden nur dadurch, daß er seine Informationen von dem Direktor der Wirtschastsgenoflen- schaft Berliner Grundbesitzer erhallen hat. Die Arbeiterschaft verlangt gebieterisch, daß unsere republikani- schen Behörden die größte Unparteilichkeit an den Tag legen und daß die Steuergroschen der Arbeiter nicht dazu benutst werden, um f auf ihre Kosten Einrichtungen zu unkerhasten, die geeignet find, ihr die Früchte wirtschaftlicher Kämpfe zn rauben. Es wird verlangt, daß der Berliner Polizeipräsident und der Minister des Innern zu prüfen hoben, ob der Schutz, den sie der Wirtschaftsgenoflenschaft bisher ongedeihen ließen, noch weitere Berechtigung hat. Nach Lage der Derhältnifle muß verlangt werden, die Technische Nothilfe sofort zurückzuziehen und den polizeilichen Sicherheitsschutz in vollem Umfange aufzuheben. Weitere Beschlüsse in der Angelegenheit werden die Funktionäre heute vormittag. 9V- Uhr. in den Zentralfestsälcn. Alte Jakobstr. 35. fassen._ Neue Lohnbewcflung im Gnftwirtsgewerbe. In drei Versammlungen der Hotel-, Restaurant- und Eafeange- stellten, die in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend tagten, wurde über die vom Zentralverband eingeleitete Lohnbewegung berichtet. In den Germania-Sälen gab Paar den Bericht. Die Angestellten haben eine Erhöhung der Löhne um durchschnittlich 40 P r o z. ob 1. April gefordert, und zwar 43 Proz. auf die Wochen- löhne von 300 bis 400 M., 40 Proz. auf die Löhne über 400 bis 500 M. und 85 Proz. auf die über 500 M. hinausgehenden Löhne. Außerdem haben die Vertreter der Angestelltenschaft eine bedeutende Erhöhung der G a r a n t i e l ö h n e für die Kellner verlangt, die heute etwa 2000 M. betragen. Sie sollen auf ungefähr 2600 bis 2800 und 3000 M. festgesetzt werden.— Die Arbeitgeber haben sich entschieden gegen die Erhöhung der Garantielöhne erklärt, wie auch gegen eine Erhöhung der bei ihnen in Kost und Logis stehenden weiblichen Angestellten, da bei diesen die Teuerung gar nicht in Frage komme. Deshalb hätten sie keinen Anspruch auf eine Zulage. (Als ob nicht Wäsche, Kleidung und dergleichen ebenfalls von der Teuerungswelle erfaßt seien!) Die Arbeitgeber verteidigten ihre ablehnende Hallung auch mit dem Hinweis auf die den Gehilfen und (Gehilfinnen gewährten 10 Proz. von der Einnahme, die ihrer Mei- nung nach wie„eine gleitende Lohnskala" wirken.(Das also war des Pudels Kern!) Der Zentraloerband hat nun die Entscheidung durch den Schlichtungsausschuß des Reichsarbeitsministeriums be- antragt. Die Verhandlung soll am 28. d. M. vor sich gehen. Arbeikswissenschaftliche Besprechungen. Der Lehrgang, der durch Lichtbilder und Fübrungen ergänzt wird, beginnt Montagabend 8 U h r in der Aula des Leibniz-Gnmnasiums, Mariannenplatz. Hörerkarten zum Preise von 10 M.(für Arbeitslose unentgeltlich) werden im Bureau der Schul« ausgegeben, doch kann die An- meldunq auch im Kurse selbst erfolgen. Betriebsräteschul« der Freigew. Detriebsräiezcntrale für den Wirtschaftsbezirk Groß-Berlin. SPD.-Holzarbeiter. Donnerstag, 6'/-Uhr, bei Krüger, Engel- nfer 24, Sitzung der Verwaltungsmitglieder, Kommissionen, Funklio- näre der Bezirk« und Branchen. Achtung, ANlqlleder des Bauarbeikerverbandes in Charlotten- bürg! Der Bezirk ist ausgelöst. In den nächsten Togen wird ein Bcaustragter des Vorstandes vorsprecben, um jedem Mitglied Ge- legeuheitn zu neben, noch erneuter Anerkennung der Verbands- satzungen und Wahrung aller Recht«, die Mitgliedschaft fortzuseken. Die lokale Kassierung fällt fort: die Beiträge werden den Mit- gliedern durch Hauskassierer abgeholt. Sollte wider Erwarten ver. sucht werden, mit falschen Marken in den bisherigen Lokalen weiter zu kassieren, so machen wir darauf aufmerksam, daß es nicht im Auf- trag« des Bauarbeitcrverbandes geschieht. Klno-Vorfübrer der Deutschen /silm-Gewertschast. Durch ve- schluß'der Tarifkommission der Vorführer. Wirtschaftsblind und Theaterbesitzer-Verein, betrögt der Teuerungszuschlag 15 Broz. für jede Stufe. Er ist bei dieser Lohnzahlung schon auszuzahlen. verant!». fflr den redakt. Teil: grnn, NlSh». BeiIin»Li.'S.. Berlin. Druck: VorwSrts»Duchdruckerei u.Berl«neanslalt Vaul Singer u. To., Berlin. Lindenstr. I. Hierz» 4 Bril-nen. ärztlich empfohlen bei: Sicht Rheuma Ischias Grippe Hexenschuß Nervenschmerzen. Togal stillt die Schmerzen und scheidet die Harnläure aus. In alle» Apotheken erhältlich. Best. 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Bezirk, Treptow. ii.») 5m IZ.Groß-Berliner Dei'walwngsbezrrk, i>er d>en Namen Treptow fahrt, sind die früher selbständigen Gemeinden Treptow, O b ersch ö n e w e j de, Niederschöneweide, Johannisthal, Adlershof und Alt-Elienicke und der Gutsbezirk Wuhlheide vereinigt worden. Der Bezirk umfaßt 4049 Hektar und steht damit unter den 20 Bezirken an zehnter Stelle: er hat insgesamt rund 99 000 Einwohner(Treptow 30 000, Oberfchöne- weide 25 000, Adlershof 12 000). Di« Dezirkshauptverwaltung befindet sich in dem sehr schönen und geschmackvollen neuen Rathaus, dos sich die ehemalige Landgemeinde Treptow noch vor dem Kriege in der Neuen Krugallee zu Treptow erbaut hat. Doch hat die Ver- waltung durch die Einrichtung örtlicher Dienststellen dafür gesorgt, daß die Einwohner der früher selbständigen Gemeinden ihr« ort- lichen Angelegenheiten nach wie vor in den alten Ortsteilen vor- nehmen können. vom grünen Treptow zu üen Schornstelneu. Uebersieht man die äußer« Gestaltung der verschiedenen Orts- teil«, so läßt sich ein größerer Gegensatz, als wie er zwischen Treptow einerseits und den übrigen Teilen andererseits besteht, kaum denken. Der auch gortenarchitektonisch einzigartige Treptower Park und der prächtige schattenreiche mit Spielplätzen versehene Plänterwald mit seiner reizvollen Spreeuferpromenade sind einig« von den wenigen Erbstücken des alten Berlins, die wert in die Zukunft hinein ihren sozialen hygienischen und schönheitlichen Wert behalten werden. Verläßt man dann in der Höh« von Baumschulenweg den Plänter- wald, um nach einigen Minuten bei der Kuhnheimschen chemischen Fabrik in dos Nieder- und Oberschöneweider Jndustrierevier zu geraten, dann spürt man mit quälender Deutlichkeit die Gegensatz« unserer Zeit. Baumschu-enweg als Wohnort weist keine Besonder- heitcn aus, Niederschöneweide wird in seinem westlichen Teil von der Industrie vollkommen beherrscht. Erst weiter östlich beginnen die Wohnquartiere und spreeauswärts'die Heinistätten der Rudervereine und die bekannten Stätten sonntäglicher Tonzeslust und Lebensfreude an der Oberspree: Hasselwcrder, liysshäuler, Cafe Sedan. Neplunshain. Auch Oberschöneweide zeigt die übliche miet- kasernenmäßige Bebauung. Pfälzerkolonie und Kolonie Tuschkasten. Auf der anderen Seite der Bahn liegt Ivhannisthal, das in seinem alten Teil noch vielfach ganz ländliche Bebauung ausweist. Eine erst 1753 gegründete Psälzerkolonie, wurde der Ort früher von Berlinern gern« als Sommerfrische benutzt. Als 1909 zwischen Johannisthal und Adlershof der ganze riesige Wald deni nicht minder riesigen Flugplatz<800 Morgen) weichen mußte, veränderte sich auch das Ortsbild. Das Cedröhne der Motoren verscheuchte die Sommerfrischler. Heute erstrecken sich zwischen Bahnhof Johannisthal und Adlershof die weitgestrrcktcn niedrigen Anlagen der zahlreichen Flugzeugwerke, die sich jetzt notwendigerweis« haben umstellen müssen und sich vorzugsweise mit der Reparatur von Eisenbahnwagen beschäftigen. Unsreudig in seiner ganzen Anlage und Ausbau wirst Adlershof, dessen Bewohner fast ausschließlich aus Arbeitern besteht, dessen bauliche Anlage aber ebenso ausschließlich durch die nur von Prosit- interessen geleiteten Wünschen der Haus- und Grundbesitzer erfolgt ist. Eine kleine Genugtuung genießt man, wenn man durch die zumeist häßlichen und gleichgültigen Straßen des Ortes geht: dos schönste und ausfallendste Geschäft mit blitzenden Spiegelscheiben ist die Filiale der Konsumgenossenschaft Groß-Perlin. Bon dem etwas hoch gelegenen Bahnhof Adlershof kann man sehr gut den letzten Teil des Bezirkes, das auf den Abhängen'des Teltowplateous gelegene All-Glienicke überblicken. Ganz am Süd- rond tauchen die roten Däcljer des städtebaulich bemerkenswertesten Gebildes des Bezirks, der Genossenschaft Garlenvorsiadl Falkenberg auf. der seinerzeit ob der satten Buntheiten der Farben, die ihr erbauender Architekt Bruno Taut den ein wenig gleichförmigen Fronten der Häuser verliehen hatte, von den spottlustigen Berlinern sehr bald der Name Kolonie Tuschkasten angehängt wurde. Ein s weiterer Rundblick vom Bahnhof Adlershof belehrt darüber, daß es leider mit der Waldherrlichkeit in diesem Teil Groß-Berlins wohl bald endgültig vorbei sein wird. Die einst riesengroß« Sölluische Heide ist so gut wie ganz verschwunden und das Bezirksamt hat hier die wichtige Aufgabe, mit zäher Kraft für die Erhaltung der noch vorhandenen geringen Waldbestände einzutreten. Das große Prosekt eines Spiel- und Sportplatzes in der Wuhlheide ist bereits vor kurzem an dieser Stelle behandelt worden. Die soziale 5ürforge. Für den inneren Aufbau und Ausbau des Bezirkes ist in diesem vorzugsweise von Arbeitern bewohnten Viertel das Schul- wesen und die soziale Fürsorge von besonderer Bedeutung. Nach der letzten Erhebung sind im Bezirk insgesamt 12 026 Dolksschul- ») Siehe auch Nr. 133 des„Vorwärts' vom vorigen Sonntag. I stnder. im# zwar 6140 Mädchen und 5886 Knaden vorfanden, die in 23 Schulen unterrichtet werden. An höheren gibt es zwei Real- gymnasien(Treptow und Oberschöneweide), zwei Lyzeen(Baum- schulenweg und Oberschöneweide), eine Realschule und«in« höhere Mädchenschule(Adlcrshos). Diese Schulen werden von insgesamt 2460 Schülern und Schülerinnen besucht. Daneben bestehen Pflicht- sortbistmngsschulen in Oberschöneweide, Treptow und Adlershof. Außerdem bestehen in sämtlichen Gliedgeineinden des Bezirks Hilss- schulen für schwachbesähigte und zurückgebliebene Kinder. Di« SSuglingsfürsorge wird durch 5 Beratungsstelle», in Treptow, Niederschöneweide, Oberschöneweide, Adlershof und Mt-Glienicke ge« fördert, während 3 Lungensürsorgestellen mit ärztlichen Beratern und Schwestern bedürftigen Lungenkranken unentgeltliche Zuschüsse an Stärkungsmitteln gewähren und ihnen Leibwäsche, Bettwäsche, Bettstellen und Zuschüsse zu Heilkuren zur Dersügung stellen. Der Bezirk verfügt auch über ein Sinder erholungsheim in Sarlshage» mi der Oberspree. An Bädern sind vorhanden«in privates Lust- bad In Treptow, ein siädiisches Wannenbad in Iohanniskhal, zwei städtische Freibäder an der Spree(Adlershof und Oberschöneweide) und drei privaie Flußbäder(zwei in Treptow, eins in Niederschöne- weide). Ueber ein eigenes Krankenhaus kann der Bezirk—«ine schwere Unterlassungssünde der alten landgemeindlichen Kirchturms- Politiker— leider noch nicht verfügen. Jugendheime befinden sich in Treptow, Baumschulemneg, Nicderschöneweide und Zldlershof, eine Jugendbücherei mit Lesehalle in Treptow und eine Sinderlese- Halle in Baumschulenweg. In Trptow sind außerdem besonders bemerkenswert der Spree- tunnel der Straßenbahn, der bis vor kurzem einzige seiner Art in Berlin(die Nordsüdbahn Hot den zweiten fertiggestellt), die Stern- warte mit dem Kiesensernrohr, das ein Objektiv von 110 Zentimeter Durchmesser hat, die Urnenhalle des Berliner Vereins für Feuer- bestattung mit der Asche des Dichters Otto Erich Hartleben. Als Kuriosität sei die aus einer Spreeinsel liegende, einer schottischen Ruine oerblüssend geschickt nachgebildete künstliche Ruine erwähnt. Am End« der Kiesholzstraße in Niederschöneweide(die übrigens die in Groß-Berlin noch nicht vorhandene Merkwürdigkeit von 430 Hausnummern ausweist) liegt der Friedhos der ehemaligen Gemeinde Treptow mit einem stark benutzten Krematorium. In Oberschönc- weide imponieren die gewaltigen Baumasscn der AEG.-Kabelwerke und der Transsormakorenfabrik. Eigentümlich ist es auch, daß sich hier mttunter in den Arbeiterquartieren eine große Anzahl religiöser Sellen wie Baptisten, Adocntisten, Methodisten,„Christen, die sich im Namen Jesu versammeln", usw. befinden. Ein Bund der Ueberkonfessio» nellen will hier ein Haus der lleberkonsessiouellen errichten. Dar Waldfriedhof von Adlershof weist ein schlichtes aber eindrucksvolles Gemeinschaflsgrabmal für 15 in dem Kapp-Putsch erschossene Arbeiter aus. • Das äußere und innere Bild dieses Bezirks ist also vollkommen anders als im 14. Bezirk Neukölln. In Neukölln ein« ursprünglich gewaltige Eigenstadt, die alles Hinterland magnetisch an sich heran» holt. Hier«ine Anzahl kleiner ehemals selbständiger Gemeinden, die in kommunaler Hinsicht ein eigenes Gesicht nicht aufweisen. Wirtschafilich und kulturell hing und hängt alles von Berlin ab. Der Anschluß bzw. Zusammenschluß mit Berlin, jetzt endlich vollzogen, war schon längst notwendig, in Treptow um so eher, als der weit» aus größte Teil des Gemeindeareals der Stadt Berlin gehörte. Eigensinn und Kurzsichtigkeit der bürgerlichen Gemeindeverwaltungen hat hier viel hintangehalten. Möge es nun dem starken Einschlag der Arbeiterschaft m der Verwaltung gelingen, bessere Zustände zu schassen,.■_ Die preise klettern! Eine Woche liegt wieder hinter uns. Eine Woche unheimlicher Dollarsteigungen. Die Preise am Lebensmittelmarkt haben einen Grund, u mlustig weiter in die Höhe zu klettern. Die Hausfrau oerlernt das„Staunen" in der Markthalle und wenn sie wirtlich „staunt", meint der Händler: Was wollen Sie, der Dollar... Die Frage der Ausnutzungsmöglichkeit des Dollarsteigens wird von den Produzenten jeden Tag untersucht und die Lebensmittelpreis« bekommen so die„richtige Richtung". Die Naturbutter ist längst eine Luxussache für uns geworden. In der Woche vom 12. bis 18. März kostete Naturbutter zirka 48 bis 52 M. Am Montag und Dienstag behielt sie ziemlich den alten Preis, während sie am Mittwoch ansing zu„klettern". Der Donnerstag und Freitag brachten weitere Dollarsteigungen und so tonnt« man am End« der Woche feststellen, daß die Butter um 15 M. das Pfund gestiegen war. Aehnlich sieht es bei der Mar- garine aus.Hier zog das Pfund um etwa 6 M. an. Die Fleisch» preise gingen natürlich auch mit. Das Rindfleisch stieg um etwa 3 M., Kalbfleisch um 4— 5 M. Wie mitunter die Fleischpreise„reguliert" werden, zeigt auch ein Beispiel aus der letzten Zeit. An einem Tage waren auf dem Zentraloiehhos 10000 Schweine aufgetrieben. Wären diese Tiere in Berlin geblieben, hier abgeschlachtet und den Verbraucher» zugeführt worden, so hätte ohne Zweifel der Fleischpreis im Klein-i Handel fallen müssen. Die 10 000 Schweine sind nicht in Berlin geblieben, sondern zur Hälfte angeblich nach Oberschlesien verkaust worden, während die Produzenten glaubten, daß si« mit ihre» Lieferungen gerade der Bevölkerung Berlins zu Hilfe kämen. Gee wisse Aufkäufer zahlten, wie uns von kundiger Seite mitgeteilt wird, auf einen Preis von 30 M. für das Pfund Lcbensgewicht noch 2 bis 3 M. drauf, aber nicht um die Tiere nach dem sleischbedürf« tigen Oberschlesien zu schaffen, sondern um sie nach Polen zu oerschieben. Ferner wird gemeldet, daß nach Mitteilung des Oberpräsidiums der„A n g e m e s s e n h e i t s p r e i s" für Kartoffeln aus 150 M. der Zentner vereinbart worden ist. Jede Ueberschreitung dieses Preises ist Wucher. Die Hausfrau weiß nicht, was sie damit anfangen soll. Denn in der Wirklichkeit des täglichen Lebens kümmert sich um diese Festsetzungen kein Mensch. Die Kleinhändler fordern und erhalten ohne weiteres 225 bis 250 M. und noch mehr für den Zentner. Würde jeder, der über den Angemessenheitspreis fordert, angezeigt, so hätten sämtliche Strafgerichte Berlins nur noch mit Kartoffelwucherprozessen z» tun. Aber es gäbe dafür auch nicht eine einzige Kartoffel zu kaufen. Balula und Ausverkauf. Um dem Ausverkauf an das Ausland in Zeiten des Dalutar rückgonges zu steuern, wurde die Außenhandelskonttolle eingeführt� 15] Die Macht der Lüge. Roman von Johann Bosen. Aber jetzt hatte er keine Ruh« mehr, weder Tag noch Nacht. Sowie er nur den Bauern traf, fragte der gleich:„Hast du dir's noch nicht überlegt?" Sicher hatte er fünf Jahre bel Haarstad gedient, und sicher hatten Haarstad und er oft unter vier Augen gesprochen, aber.,. aber... kratzte er sich oft- mals am Tage hinterm Ohr. Er besprach die Sache mit seiner Frau, und die sagte auch, er müßte stch's überlcgem Und Sören Kvikne überlegte es sich Tag und Nacht, weil doch die ganze Angelegenheit jetzt von ihm abhing. War es vielleicht damals, als Haarstad und«r... nein, nein, damals war's nicht. Nein, wenn überhaupt, dann mußte es damals gewesen sein, als sie zusammen den Wagen an- malten. Haarftad strich die Deichseln und er Räder und Wagenkasten. Sie standen im Sonnenschein hinter der Scheune. Und diese Szene, wie sie den Wagen anstrichen, trat ihm immer lebhafter ins Bewußtsem. Und so wurde es ,hm allmählich ganz klar, werrn ihm Haarftad schon absolut einmal die Geschichte anvertraut haben sollte, dann mußte«s damals gewesen sein, und wenn er sich's richtig überlegte, war es gcmg bestimmt bei dieser Gelegenheit. Als er dann eines Tages Herluffen erzahlte, er habe es sich jetzt richtig überlegt, konnte er nicht begretfen. warum der Bauer so überaus freundlich wurde. Denn Herluffen sagte, er wäre für heute frei, er könne zu Wangen gehen und sich als Zeugen anbieten. � Der Eerichtstermw rückte näher. Und fe näher er kam. um so unruhiger wurde Norby. Er hatte immer noch keinen Ausweg gefunden, und er begann zu fürchten, daß er über- Haupt keinen finden würde. Denn wie er sich auch wandte und drehte, er rannte immer mit der Stirn gegen seine eigenen Behauptungen. Und dieft Behoupwnqen. die sich die Leute zu eigen gemacht hatten, und die mit Post und Eisenbahn in der Welt umherfuhren, waren zu einem Wesen geworden, mächtiger al» Norby selbst. Sie waren wie ein Kind, da» dem Vater über den Kopf gewachsen ist— sie trieben ihn immer weiter und zwangen und drohten ihm. daß er dabei bleibe. Aber zur Verhandlung wollte er nicht. Denn da muyte er unter Eid aussagen. Und so weit war es nun doch nicht mit chm gekommen, daß er fein« Seele verfchworeo wollte.. „Ich bekomme wieder meine alle Gicht," sagte er zu seiner Frau, als er sich eines Nachts unruhig hm und her wälzte. Ueber der Gemeinde schien ihm eine verdächtig« Ruh« zu liegen, trotz seiner Anstrengungen. Eine Ruhe, als lägen sie auf der Lauer. Er selbst wollte von nichts anderem mehr reden, als von dieser Geschichte, denn er dachte an nichts anderes mehr und er wurde erst ruhig, wenn andere ihm zu hörten und so nicht zum eigenen Nachdenken kamen. Aber eine neue Lüge verlangt immer wieder eine neue als Beweis, und diese wieder eine neue. Er mußte stets auf der Hut sein, sich nicht zu versprechen, er hatte Angst, er könne sich im Schlaf verraten,— und wagte bald kaum mehr zu schlafen Aber Tag für Tag kam das Verhör heran. Und unwill- kllrlich suchte er nach Mitteln, sich doch zu behaupten, wenn er trotz allem dorthin mußte. Aber was er sich jetzt ausdachte, vor Gericht auszusagen, wurden ja nur wieder Lügen. Und Norby scheute wie ein Pferd, das nicht über eine unsichere Brücke will. Er wollte zurück. Er bekam Angst. Und das war er nicht gewohnt. Nie philosophiert man so gern, als wenn man einen heimlichen Kummer Hai Weil er nicht von dem sprechen kann, was ihm am nächsten liegt, wählt er etwas Aehnlichss. Und als er eines Tages hörte, daß ein Bekannter m der Gemeinde plötzlich gestorben war, lies es ihm kalt über den Rücken. Denn eine Stimme in ihm sagte:„Der nächste bist du, Norby I" Am selben Abend, als sie schon im Bell lagen und das Licht ausgelöscht hatten, gähnte er tief und sagte schläfrig:„Ist es nicht sonderbar, daß wir Menschen, die doch jeden Augenblick sterben können, nichts anderes zu tun haben, als einander Böses zuzufügen?" Marit seufzte und strich ihre Docke glatt:„Ach ja." sagte sie.„so ist's schon." „Und wenn man ehrüch sein will, muß man sagen, daß Verbrecher auch nicht schlechter zu sein brauchen, als man selber." Marit antwortet« noch einer kleinen Pause:„Nein, wer bereut, wird auch Gnade finden." Es war so still zwischen den kurzen Sätzen. Die Winter- nacht war still und dunkel, und ab und zu sauste der Wind um das Haus, daß es wie ein ersterbendes Heulen klang. Und in dieser Todesstimmung und der dunklen Nacht sah Norby wieder die Gemeinde— seine Gemeinde. Aber diesmal waren alle Menschen gleich, all« waren bereit, zu sterben, alle waren sie frierende, blasse, leidende Wesen, gegen die man gut sein mußte. „Weißt du, worüber ich nachdenke, Marit?"' ».Nein," kam es schläfrig. „Nämlich— wenn wir etwas richtig Schlechtes tun, so ist es nicht gesagt, daß mit unserem Tode auch die Folgen unserer Tat aufhören. Es ist gut möglich, daß sie leben bleiben und noch lange Zeit Schaden anrichten." .Hm." „Aber kannst du mir sagen, wie ein solcher Maim dann Ruhe im Grabe finden kann?" Marit meinte, dazu reiche unsere Vernunft nicht aus, und drehte sich auf die andere Seite. Aber der Alte lag weiter schlaflos und sah eine lange Reihe von Nachkommen Wangens vor sich, die alle von dieser Ge- chichte noch Schaden hatten... Konnte er dann im Himmel itzen und selig sein? Da lag er und sah-.. und sah... bis hm der Angstschweiß kam, daß er überhaupt diese Nacht kein Auge zutun könne. Er oerstand, daß er irgendwie krank sein müsse. Vielleicht ein Herzfehler. Und dann— gerade, wenn er vor Gericht stand und die Hand zum Schwur erhob— dann geschah's. Dann stürzte er zusammen. „Herr Gott, sei meiner Seele gnädig!" Endlich richtete er sich im Bette auf und zündete vorsichtig ein Streichholz an. Gott dewahre— schon zwei Uhr, und er hatte noch nicht geschlafen. Aber als er wieder versucht, ein. zuschlasen, geht ihm auf, wie schwer es ist, ganz ehrlich und redlich ein Unrecht wieder gutzumachen. Er lag mit geschlossenen Augen da und sah das Ganze vor sich. „Wenn du es auch wieder ganz gutmachen willst, aller Norby, dann nützt keine Vergebung des Herrgotts und Ge» fängnisstrafe. Die falsche Beschuldigung würde doch irgendwo wetterleben. Und wenn du auch dafür aufkommen könntest? Wäre es damit getan? Nein. Du müßtest jeden Schaden wieder gut machen. Der eine hat die falsche Nachrede vielleicht vergessen, der andere darüber gelacht, aber der dritte erinnert sich daran und läßt es eines schönen Tages Wangen spüren. Aber wenn du auch dafür aufkommen könntest? Wäre es damit abgetan? Nein. Dann war noch immer zu bezahlen. was Wangen all die Zeit gelitten hatte, in der die Leute ihn für schuldig hielten. Konnte das bezahlt werden?— Nein. alter Norby, nein!" Und unwillkürlich schüttelte er den Kopf. wie er so mit geschlossenen Augen dalag. Wi« konnte er da Schlaf finden? Aber am nächsten Tag« nahm er sich zusammen und fuhr hinauf ins Gutbrandstal, wo er große Wälder besaß und wo seine Leute beim Holzjchlag waren. Er mußte fort. Er "e verö-sse»...(K°Äl«ßung folgte die federn Exporteur vorschreibt, welche Waren er ausführen darf, welchen- Mindestpreis er nehmen muß und in welcher Währung die Zahlung zu leisten ist. Durch die Außenhandelskontrolle werden ober nicht erfaßt die Einzelhandelsaeschäftc, die in Waren des tag- lichen Bedarfs an die in Deutschland weilenden Ausländer abgeben. !5s ist bekannt, wie lej plötzlicher Lalutaverfchlechterung die Nach- frage der Ausländer in den Kaufhäusern geradezu stürmisch wurde, so daß der chand-?! selbst sich gegen den Andrang wehrte und Waren nur in kleinen Mengen abgab. Daß es auch Geschäfte gibt, die sich über die Gefahren des Ausverkaufs hinwegsetzen, dafür bringt der„Konfektionär" soeben ein paar Beispiele: Eine bekannte Berliner Schuhfirma, die gleichzeitig Textilien führt, er- wies nach einem zuoerlässigen Bericht ihrer Auslandskundschaft folgende„Gefälligkeit": Ein Holländer hatte ein Kleid gekauft. Dieses wurde, um als gebraucht zu gelten, von der Firma mit g c- tragenen Schweißblättern versehen. Ein ähnlicher Fall wird uns von einer anderen großen Berlin«? Schuhfirma bc- richtet. Diese Firma verkauft ohne jeden Anstand an Ausländer große Mengen Schuhwerk, in einen, Falle fall es sich um 10 Paar gleichzeitig gekaufte Schuhs handeln. Wir fühlen uns fast versucht, an unsere Leser die Prcisfrag« zu richten, wie jener Ausländer die 10 Paar Schuhe ohne Aussuhrbewilligung ins Ausland gebracht hat. Mst Recht fordert das Textilfachblatt energische Abwehrmaßnahmen gegen diesen gänzlich unkontrollierten Ausverkauf der Waren zu Schleuderpreisen. Es wäre in der Tat notwendig, daß die Regierung Vorkehrungen trifft, um zu verhindern, daß die Perschleudmmg deutscher Waren an valutastarke Aus- länder weiter um sich greift und die Teuerung noch schärfer zu- nimmt. Hochflut üer Schwurgeckchte. Die Moabiter Stvfrichter sind in der letzten Zeit vor außer- ordentlich schwere Aufgaben gestellt. Nachdem jetzt längere Zeit hindurch fünf Schwurgerichte— ein Fall, der noch nie vorgekommen war— getagt hotten, beginnen am morgigen Montag wieder drei nepe Schwurgerichte, und zwar, da die Moabiter Straf- richte r nicht ausreichen, unter dem Vorsitz von Land- gerichtsdirektoren und Nichtern, die sonst nur an den Zivilgerichten tätig sind. Das unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Maeder tagende Schwurgericht hat sich neben einer Mordsache gegen die Schlosser Mar und Emil R o h d e mit mehreren Betrugs- und Schieberprozessen zu beschäftigen, von denen sich einer gegen den Kaufmann Clemens Wild, den Akquisiteur Georg Reinhard l.ebeasmkttelprekse cker �VoLkie. Zufuhr: Fleisch reichlich, Geschfift etwas lebhafter. Fische ansreichend, Geschäft ziemlich rege. Obst und Gemüse schwach, Geschäft still. » In der Voche vom 19.— 25. März galten in der Zentralmarkthallo folgende Kleinhandelspreise: Schweinefleisch 28—32 M. Rindfleisch 51—32 IT., ohne Knochen 32—33 31. Kalbfleisch 22—35 51., Kamraelfleisch 28-30 M. Liesen 41 bis 43 31. Schelllisch 6—11 M. Seelachs 5 31. Oorsch 4—5 M. In Eis: Schleie 25 iL, Hechle 15— 16 31. Aale 20— 45 iL Lebende Barsche 16 M, Karpfen 25-30 iL Bleie 12-14 3J. NalurbulterSe bis 61 iL Margarine 30—10 M. Schweineschmalz 38-43 M. Eier 3..-,0 M. das Stück. Reis 7—12 M Eiernudeln 16 M. Buchweizengrütze 11 iL Erbsen 7,50—10 iL Weide Bohnen 7,50—8 iL Wirsingkohl 6—7 iL Weidkohl 5—6 M. Roseneohl 11— 12M. Blumenkohl 10— 16 iL der Kojit. Spinat 3—6 M. Zwiebeln 5—7 M. Zitronen 1,20—2 M das Stück. räucherter Schinken 48 31. Geräucherter Speok 40—43 iL iPulon 4o o« 48 M. Hühner 81— 48 iL Gänse 30-50 31. Schollen 10-12 M. Flundern 5—7 iL Rotzungen 7— 14. Weizenmehl 8,50— 10 iL Roggenmehl 6,oO AI. Backobst: Aprikosen 60 31., Aepfel CO 31., Hirnen 40 iL, Pflaumen 20-22 31. Gemiselites 16—24 31. Kartoffeln 22—23 M. 10 Pfund. Aus der Arbeit an den Kindern. Der verband Dcuisckier Kindel horte hat seine diesjährige Mit- gliederversammlung in Charlottenburg im Festsaal des RaihauieS am S. und 6. April. Aus«ulaß dieser Tagung veranllaltel der Charlottenburger Bcrein Jugendheim zusammen M't einigen andern Organisationen im Schloß Charlottenburg eine Ausstellung für Schulkinderpflege, die bereits gestern erotznet wurde und bis 0. April dauern soll. Die Ausstellung gewähr! lehrreiche Einblicke in die Arbeit der Kinderhorte. ,n die Bor- kehrungen, aussichtslose Schulkinder in der unterrichtsfreien Zeit zu betreuen. In übersichtlicher Anordnung werden die einzelnen Ge- biete der Schulkinderpflege gezeigt, nicht nur die Anleitung zur Betätigung»n Spiel und in Handarbeit, sondern auch die Korper- pflege und die Ernährung. Die hübsche» Erzeugnisse des Schaffens- iriebcs der Horliiuder icien besonderer Beachtung cmpfohlem Den Eltern kann die Ausstellung manchen dankenswerten Anschluß geben. Sie ist täglich von 10-S gegen 3 M. Eintrittsgeld geöffnet. Kaubüberfall in üer WohnunA. Der Täler unerkannt entkommen. Ein schwerer Raubüberfall wurde gestern nachmittag cm der ..„8 c I m v v..... r. 25 Jahre alten Arbeiterin Johanna B o r t s p i e ß In der B r u n o w- n,l�rTialt 5 III ,? u r Groß-L.ch er elde j straße 31 zu Tegel oerübt. Die Frau war auf dem Nachhause- Mb. V W? Ns'.w.-.d.t-b?«i-!!?"».' I-w»»°-n-°» w- Haus Brunowstr. 31, In dem sie wohnt, begleitete. Als der fremde 17. nttb».«BL 7-4 Uhr Mi Rntz-y, BtCITelet Str.«. Thrm«„»o»«Sl» litzer Programm". Referent Robert Fendel. � � �. 24. und?5. Abt. 7 Uhr bei-Auberger, Fricdcberger Str. 1. Thema:„Unsere Bildungsbestrebungen". Rsfcrentin Genossin Todenhaaen. � 26. Abt. 7� Uhr bei Wichmann, Weißenburger Etr. 1. �)cma:„Die Wohl» 27. Str. 53. Th-m« „Plattdeutsche Dichter mit Rrzitatwnen". Rcserciit Genosse Bartels. Gast« willkommen.....„ 28. Abt. 7H Uhr im Zimmer der Schul- Schönh-ns-r Wee 156». Thema: „Kunstgeschichte". Zieferent Dr. Schitttc. es. Abt. 7 Uhr in der Schule Scn-f-ld-rstr. 0, Dersammlung. Thema:„ZZoh. nungsnot und Wieterfchntz". tsteserent Winkelmann.. 31.«6t. 734 Uhr bei Goldschmidt. Swlpischc Str. 36..Thema:„Neligion, Sozialdemokratie und Schule". Äeserent Genosse Krcntziger. 34.«bt. 7'., Uhr bei Burmeister. Gadiner Str. 21. Thema:„Mime Erlebnisse im Orient". Referent.Heinrich Bierbücher.„.—, 33. Abt. 714 Uhr bei Schonack, Somariier-. eck- Rigacr Strasse. Thema:„DtS Ehe im Spiegel der Staatsrechts". Rcfcrcntin Genosstn Scherbenhuber. 37.«bt. 714 Uhr bei Seeland, Hausburgstr. 3. Thema:„Frauen und Sc ichlcchtskrankhcitcn".____.. 42.«bt. 714 Uhr bei Hälfe. Bergmannstr. 6». Thema:„Wochnerinnensürsorge". R-screntin Frl. Dr. Tburnau. �- 43.«bt. 714 Uhr bei Wolf, Gräfestr. 2«. Thema:„Franenkrankheiteir". Re,c r.'nt Sr. Glaser.„ �, 47.«bt. 714 Uhr bei Änhnert, Mu-kaner Str. 12, ecke Pllchlcrnrasse. Thema: „Die Frau und der Sozialismus". Referent tzarl Liitkc. Gleichzeitig Bei» trogskaisternng.„BorwärIs">Leser und Gäste wivkommen. 68. Abt. Halcnice. 8 Uhr bei Schwöb. Paulsborner, S-kc SSweidnitzer Straf.-. Thema:„Die Frau und die kommende Gcfctzesrcform". Ref. Dr. Bernstein. 78.«bt. Schöncberg. 7>4 Uhr im stlassenzimm°r 14 der Demeindeschuie Feurig. straße S7. Re,cr-nt Dr. Sommerfeld Uber„Allgemein- medlzuiilch- und „Ans hngienische Fragen".. 82. Abt. Steglitz.« Ubr bei Thiel. Aldrecht.. Sit Ringstrasse. Thema: der Geschichte der Arbeiterbewegung"..... Neukölln. 93. Abt. 714 Uhr bei Sinzck, Moreschstr. 1. Thema:.�oziolver. flchernng". Referent wenosse Arndt. Gäste willkommen.— 94.«6t, 7� Uhr bei Toubel. Weisestr. 73. Themc:„Die� Teuerung und ihre Ur- fache». Referent Genosse Kietzmann. Käste willkommen.—»>. Abt. 714 Uhr bei Krieger. Lessingstr. 8. Thema:..Deutsche Litcrawr /S-'nrich Heine)". Referent Genosse Darmdrchcr. Anschl'.egcnd gemutliatcs Bei- fammenfein. Gäste willkommen.— 96. Abt. Uhr bei gillmer, Roomt- strass« 57. Referent Genosse Hummel über..Gesundbeitsicugnis vor der Kh-fchlicssung". Eäst« willkommen.— 97. Akt. 714 Uhr bei Autzil, Leine strass- I, hellerer Franenabend. Gäste willkommen. 4M.«bt. Treptow. 714 Uhr bei FS-k-l. B-Uchd-, Eck- Ki-fholzstrasse. Thema: „Die Lcbensmittclverforgung im Bezirk". Referent Genosse Strieder. 192. AbL Taumschulenwcg. 714 Uhr bei Hast, Baumschulenstr. 72. Thema: „Die soziale Stellung der grau im Orient". Zieferentin Erna Biistng. 183. Abt. Oderschöneweibe. 71-4 Uhr im gcichensaal der Schul« geppeliNstratz«, Reuler-Abenb.. 10». AbL ssöpeniik. 714 Uhr bei Müller, Aller Mar« 8. Thema:„Das Gör. litzer Programm, 2. Teil". Referent Genosse Grwin Marguardt. 137. Abt. Reinickendorf- West. 714 Uhr in der Schul« Biktoriaalle- 37. rhem« „Die politische Lage". Referentln Gertrud Hanna, M. d. L. Uebermorgen. Dienstag, den 28. März: Oranienburg. Vesfentlich« Versammlung abend» 8 Uhr I» SchStzenhan». Thema!„Warum fordern wir die weltliche Schule?" Rrferent Se- 4� Hoste lireutziger. Die Wahloereine der Umgebung werden besonder» brechen zu beschäftigen. In einem Tötschlagsprozeß gegen den 21jährigen Lehrling Walter A l b i n, der auf feine löjährige „Braut" geschossen hat, wird u. a. der Mediziualrat Dr. S t 0 e r m e r über die Psyche der Jugend„von heute" und deren mehr als eigen- artige Auffaffung von Liebe und Ehe ein Intereffantes Gutachten erstatten.— Vor dem Schwurgericht des Landgerichts I werden ebenfalls mehrere große Verhandlungen stattfinden. Dagegen findet, wie von anderer Seite fälschlich mitgeteilt worden war, die Ver- Handlung gegen den Frauenmörder Großmann noch nicht statt, so daß die massenhaft einlaufenden Gesuche um Einlaßkarten zum Zuhörerraum verfrüht und vergeblich sind. Die Ilucht aus üer Staütvogte!. Durch Jtof und Sorgen der Versuchung erlegen. Die Aufsehen erregenden Vorgänge im Stadtvogtei» gefängnis, über die seinerzeit berichtet wurde, beschäftigten gestern die 4. Strafkammer des Landgerichts l. Die auf v orsätz. liche Gefangenenbefrelung und passive Bestechung lautende Anklage richtete sich gegen den Strafanstaltsoberwachtmeister Karl M i cku l, während sich der Schneidermeister Emanuel Brüske Ivegen aktiver Bestechung zu verantworten hatte. - Mickiil stand seit 21 Jahren Im Staatsdienst und war zu- letzt im Stadtvogteigefängnis tätig, wo damals ein Kaufmbnn Fisch Untersuchungshaft saßen. Fisch versprach dem Mickul 6 0 0 0 0 M. für den Fall, daß dieser ihn aus dem Gefängnis ennpeichen ließe. Nach kurzem Sträuben willigte Mickul ein und ließ, als er den Dienst an der Pforte versah, den Gefangenen durch einen N e b e n a u s g a n g ins Freie entkommen. Auf die versprochenen 60000 M. hat er nur 300 M. erhalten. Als dieser Vorfall unter den Gefängnisinsassen ruchbar wurde, richtete eine An- zahl von ihnen an Mickul eine Art Ultimatum mit der Forderung, sie gleichfalls unverzüglich in Freiheit zu setzen. Kurz fÜr?c Slnftaltebircftion einen Brief mit fingierter Unter- schrift, in dem alles verraten wurde. Mickul hatte sich, wie in der sofort eingeleiteten Untersuchung festgestellt wurde, auch dazu her- gegeben. Briefe des Angellagtsn Brüske gegen Entgelt aus dem Gefängnis hinauszubefördern.— Der Gefängnisarzt Dr Hirsch betonte das Vorliegen einer durch Not und Sorgen bedingten nervösen Erkrankung. Das Gericht ließ es trotz 2** Skywere des Falles bei einer Eefängnisstrofe von 1 I a h r 6 Monaten bewenden, rechnete die Untersuchuiigshaft von S Monaten voll an und billigte dem Angeklagten eine Be- �„ lLnt® 5 � Zu. Der Staatsanwalt hatte 2 Jahre Gefängnis r!,re- Ehrverlust beantragt. Der zurzeit eine zweijährige Zuchthausstrafe verbüßende Brüske, der von Rechtsanwalt Preuß verteidigt wurde, wurde zu 1500 M. Geldstrafe verurteilt. was sinö»Luxushunöe�! Die neue H un d est- u e r or d n u n g. die von der Stadt- verordnetenverfammlung in zweiter Lesung angenommen worden ist. aber noch eine dritte Lesung zu bestehen hat. sieht auch eine vonderbesteuerung der Luxushunde vor. Für ge- wohnliche. Hunde beginnt der neue Steuersatz mit 300 M. für einen Hund, für Luxushunde aber sind beim ersten Hund 1000 M festgefetzk, beim zweiten Hund 1500 M., beim dritten Hund 2000 M. beim vterten und jedem weiteren Hund 3000 M. In den Kreisen der Hundebcsjtzer hat diese Condcrbesteuerung große Beunruhigung hervorgerufen. Es wird darauf hingewiesen, daß für Minder- bemittelte eine Hundersttuer von 1000 M. ganz unmöglich sei. Da» wird stimmen! aber Minderbemittelte halten keine Luxushunde. Zweifel bestehen bei den Hundebesitzern darüber, was als Z rS./.*'v? t gelten soll. Doch der Stadtverordneten- beschluh hat das genau festgesetzt. Zu den„Lurnshunden" zählt er belgische Griffons. Seidenpintscher«Maltheser, Havanescr. Bo- loflneser), chinesische Palasthunde fPekinesen). japanische Palasthunde lTjchin oder Ehin), Kmq Charles, Blenhein-Ruby-Spaniels. Affen- pintfcher, Schipperke, Aorkshire-Terrier, alle Zwerghunde(Zwerg- rattler. Zmergspitze usw.). französische Bully, russische und italienische Windhunde und Mopse. Demnach wären z. B. Bernhardiner. Neu- fundlander. Doggen. Boxer. Schäferhunde. Spitze. Dobermann- pmtscher, Rottweiler Pudel, Bluthunde. Schotten, Airedaleterrier. Schweiß- und Borstehhunde, Pointer, irische und englische Setter, Teckel. Foxterrier. Dachshunde, schwarze Fieldspanlel und alle Jagd- Hunde keine„Luxushunde" im Sinne der neuen Steuerordnung auf diese Betsauttnlung tzingewiesen. sie in ihve Wohnung begleiien wollte, wies sie ihn zurück, ließ ihn stehen und ging allein hinauf. Kurze Zeit daraus klopfte es. Zur Ueberrafchung der Frau stand jedoch der Mann vor ihr, den sie unten abgewiesen hatte. Er drängte die Arbeiterin in die Stube zurück und schloß die Tür hinter sich ab. Nachdem er zunächst ver- g e b l i ch den Versuch gemacht hatte, sein Opfer zu vergewalti- gen, ergriff er ein Beil, mit dem die Frau gerade Holz zer- kleinert hatte, und schlug damit auf sie ein. An Stirn und am Hinterkopf schwer getroffen sank die Frau besinnungslos zu- lammen. Der Unhold ergriff dann einige umherstehende Sachen. nahm diese an sich und eilte davon. Hausbewohner bemühten sich um die Ueberfallene und brachten sie zur Unfallstation. Der Räuber war Inzwischen unerkannt entkommen. 1200 Mark für ein Zwanzigmartstück. Der Ankauf von Gold sür das Reick durch die Reickt-banl und Post«rlolgt in der Woche vom 27. März bis 2. April 1V22 zum Preise von 1200 Mark für ein Zwanzigmarlstück. 600 Mark für ein Zehnmarkstück. Für die ausländischen Goldmünzen werden ent- sprechende Preise gezahlt. Der Lnkauf von Neichssilbermünzen durch die Reichsbani und Post erfolgt vom 27. d. Mts. bis auf weiteres zum Llsachen Betrag des Nennwerte?. Gefaßte Mehldiebe. In zwei Dampfmüblen in der Schlesit'chen und in der Stromstraße waren seit längerer Zeit starke Unterichleife in Mehl bemerkt worden, ohne daß man die Täter seststelleu konnte. Als gestern eine überraschende Kontrolle ausgeübt wurde, konnte man mehrere Diebe festnehmen. Einer trug nicht weniger als fünf Beutel auf dem Leibe, die zusammen SO Pfund Mebl enthielten. Im Ganzen sollten 8 Zentner entführt werden. Die Ertappten wurden von den Beamten festgestellt, gegen alle wird daS Straf- verfahren bei der StaalSanwalischaft eingeleitet werden. BezirksbiltmngSauskchni! Grosi-Berlin. Die neue Adresse deS ve- ,irksbildungsgu«i»uss-S l.ruiel: LlndenNr. 3. 2. Hof. 2 T r e v p e n. Ziniwer 8/g. T-Ieplioii: Moritzplatz 12 108/10.— Sonntag, den 80. April. nachmittags 3 Ubr, Im Neuen B 0! k S I b e a t e r. KSpeglcker Str. 68: .Schüller Uio!»i". Komödie von Arnold Küdier. Karte» a 10 M. einlchl. Kleiderndlage und Tbealerzettel im Bureau des BejirlSbiitumgiausschusies, llindenstr. 8, S. Hei, 2 Tr.. Zimmer 8, und hei den BildungsauSichugmitt gliedern der Kresse Tiergaxien. HallescheS Tor. Charlottenburg, Spandau, Neulllll» und Tegel. Brotkartenstichwert. Kn der Woche vom 27. Mir, bis 2 April darf Brot und Mebl nur ans die Brottarie al gegehen und entnommen werde», deren Abschnitte daS Stichwort.Wtchsmädel" tragen. Groß-Serttner partewachrichteiu Zeikungskommisflon(Drosj-Berlln und Spediteure der ZZ. Monlag, den 27. Mär,, abend, 7 Uhr. im Jugendheim. Berlin, eindenstr. Z. 2. Hos>. III. Wegen der Wichtigkeit dieser Sitzung ersuchen wir um Erscheinen auch der Zohiabeaddezirkskommijfions. Mitglieder. ivü.tipoch B-jitUots. ». Jhet»«Ilw-'»d»kf.»-r'«,. den 27. DlZ-t. gemltllchc««rffa»»«»- »-, G-»»Issnn-n»°i P'-P-r. L-fft-inisch«, Ecke«-si-Iir-e Stt-tz». Re8>tnt»on«n und S»fannvoriragi!. Gän,' wisstamm«». �. 13.«-->». Montag, den 27.«Sr,. 74«h-, Fralti- »orf. S-ucno-hrdt-nstg-tzände, zim»°» 1«.— sttmmluNa» 4, Ri-i, B"nifo>»» Weeg,«ienitag, tzc» MS«,•"kj. llfcnnj de» Nriiavo-ssantzc», d»» Äbl-tiunzsoo-ssönd» und der L-tt-»»no �elsrc d�-r I«nd-rgrupp»U im Lotet aioiuge» NIanse, Etting«» t. Suia �tic'ttfftedsin. SIen«tog, den 28.•»««. pünktlich 7 llh», funktionärfltznng in Lchmibt« S-scllli�st-hau«, Zrnchtfi». 36,. agcro-dnung: 1. Bortrag de, R«ick>»inzsatg-»rbnelin Richard Fischer»b,r„Die SicUang der Sozisld-I»»--»!,» inacrh-lb d-- Rcpublil". 2. Slelniricu. Erscheinen all» FunMon»»« somi» Ar» g-ardn-ten Ist Pslicht. 49.«ii. ZNorgen. Monlag, den 27. März: 7 116» tri Satzeck,«leranhtinenftr. 137, Abrechnung her Beiirkewssrer. 56. Abt. Ebarlottcnburg. Den Genossen zur R-chricht, dass die Einäscherung des Genossen ÄorÄa im Krematorium Gerichlssrosse nachm. 4 lilit ktailfindet. SS, Abt. Mariendois. 714 Uhr in der 2. Gemrindeschule, fläutEittasse, Fun?- tionzrsttzung. Urichelr.en aller Funktionäre erjorperttch und Pflicht. 187. Abt. Blt.»ii«uicke. 8 Uhr bei«iingenkcrg, Grüneuer Str. 29, FnnktlvnSr. sstzung. Erscheinen unbedingt notnendig. 123. Äbt. Weissensce. 8 Uhr Sitzung de» Abteilungaoorstanbe» bei Stärk», Eharlotienb:raer Str. 8. ':if«i......... Arbeitsgemeinschaft soziallcmokratlscher Schier«ad S-h-»Inaen Gross-Berlin». 7 Uhr wichtige Eeschästositzung �im vtabihan«, Eingang 1, Nlosserstrasse. tzimmer 339. Taaesardnung! 1. Anträge sür�HambUtg. Zn»s!»lialisten. Arbeitaau wichtige Sitzung.(U. nähme jut Siagdeburiier 5.«bt. 8 Uhr im Bürgerheim, Alte Schönhauser Str. 28/24, Sitzung mit den Bezirlsfährern. Abrechnung der verlausten Marten und Ablieferung der 42.«bt.'�sir�üh"' Abrechnung der«ezirksfllhrer bei Bog!», Mittenwald er Strasse 16. Statistitlarten mitbringen. 51.«bt. Eharlottcnbura. 714 Uhr bc, Sck,ellbach,«önizin-EIrfabeq�tr. 8, Borstandssstzung mit den Gruppenführern und flafiicrcrn. $1.«bt. Fricbcn-u. 714 Mitglicderpersainmlung im Ratskeller, Lauterplatz. Thema:„Wirilchafisfraarn". Referent Genosse Sari Kruse. 8.«reis. Manncrchor H-ll-fchc» Tor: 714 Uhr nächste U-bung-stuud» im Netnc» Saal des Luifen-Theater», Reichenberger Strasse. Frauenveranstalkungen: 3.«it. Die Frauen treffen sich um 714 Uhr bei flcOgm, Engelufer 23. Tages. ordnung! Bortrag der Ecuofsin Alm- Frltsch. Besprechung über die Reu. wählen und sonnigen Beranslallnngen. Erscheinen unbedingt notwendig. 28. Abt. 7>i Uhr bei Pose,«oloniesirasse. Thema:„Die erste deutsch- Revolu. tion". Referenlin Hedwig KieseL„. �,. 38. AbL 7>4 Uhr bei Behrendt. Üiebigstr. 24. Thema: international« und Botterbund". Referent Kurt Wegner.« � 9L Abt.«eulölln. 714 Uhr bei Mäuseler, Mllnchener Str. 28. Th-m-:„Er. «iebnngefragen". Referent Rektor Base.— 138. Abt. R-iniScadorf Ost. 714 Uhr bei Lindssedt, Ressd«n»str. 1A>sl21. Tbema: „Gesunde und geschmackvolle Frauenklcidung". Resercnitn Ilse Müller» O-strcich. » 88«bt. SchZneber«. Sotnilag, den t. April,»bend» 7 Uhr, in der Aula de» '......'" hänebcrg. Rubrnosttassc, Lichtbildervortrag iliemus in der Karikatur und die Karikatur H-lmholtz-Realgnmnasium-, Schön-d-tg. Rubrnostrassc, Lichtbildervortrag mit öl Lichtbildetn:„Der Sozialismus in der Karikatur und die Karikatur im Dienste des Sozialismus". Vortragender Genosse Wendel.� Eintritts- karten» Z.Sil M. sind bei den Funktionären der Abteilung 4Ü haben eventuelle Ueberschuss fficsst dem Baunerfonds zu. Der Die Not der Zeit, die sich in einer ungeheuren Entwertung der deutschen Marf ausprägt, hat auch eine besondere Not der Zeitungen im Gefolge. Durch die wahnsinnigen Preissteigerungen für Papier und alle anderen Materialien ist es für jede Zeitung, die nicht vpn den Millionen der Schwerindustrie genährt wird. außerordentlich schwer geworden, sich durchzuschleppen. Ganz besonders leidet unter diesen Zuständen die sozio» sistischo Presse. Sie hat nicht wahllose Millionen Mark hinter sich, die sie in das Faß ohne Boden schütten könnte. Sie muß deshalb besonders dringend an die Treue ihrer Leser und an deren M i t h i l s e appellieren. Die Sozialdemokratie ist in steten harten Kämpfen groß geworden. Das stille Wirken der Arbeitsbienen für die Partei des schaffenden Volkes Hot sie groß gemacht trotz aller Erschwernisse. Diese Treue der Mitkämpfer wird auch jetzt nicht dulden, daß die sozialdemo» kratische Presse, die Wortführerin im Kampfe um eine lichtere Gegenwart und eine hellere Zukunft, in dem großen Strudel der Valutaspekulationen Schaden leidet. Gerade jetzt ist die esnsigste und unablässigste Werbearbeit jedes Genossen nötig, um der Sozialdemokratie durch weiteste Verbreitung ihrer Presse den Einfluß zu sichern, dessen sie bedarf, um im Kampfe um die Ausgestaltung unseres poli- tijchen und sozialen Lebens siegreich zu bleiben. Ans Werk, Genossen! Werbt neue Mitstreiter! Gewinnt neue Leser für den »vorwärts"! Nachstedender Bestellzettel tst ausguMe« wid em die Hauptgeschäftsstelle des„Vorwärts", Berlin SW. 63. Linden- straße 3, einzusenden.(In Orten außerhalb Groß-Berlins ist der„Vorwärts" bei der Post zu bestellen.) Ich abonniere den„Vorwärts" mit der Illustrierten Sonntagsbeilage„Volk und Zeit", der Unterhaltungsbeilage .Helmwelt" und der lllögig erscheinenden illpstrlerten Bei- läge„Siedlung und Kleingarten" In Groß Berlin 4 täglich zweimal frei ms Haus sür 30 M- pro Monat April Name< Wohnung 20 UT. Strafe für oerbokenes Rauchen auf der Eisenbahn. Eine Sirafe sür verbotenes Rmicken sühn die NeichsSabn am l. April ein. I» Nichtraucher» und Frauenabieileii darf selbst tnh Zustimmung der Mitreisenden nicht geraucht, auch dürfen t'olcke Aö- teile und die Seitengänge der Wagen, in denen das Rauchen unter» sagt ist. nicht mit brennenden Zigarren. Zigaretten oder Tabaks- pfeifen bettet»» werden. Wer dem zuwiderhandelt, hat dann ZV M. zu entrichten. Zugoitdweihe ln Defiow. Sonntag, den 26. Man. vormittags I B,t«"• U.«ottw, de,»en.ssln 10 Uhr, im«Weißen Schwan". Margarete Walkotte spricht i ll. Abt. 714 Uhr hei Richter. Penncp-itzstr. 27. Thema:„F:aur!>.krankhe:t-n< Gedichte. Am Harmatum: Musikdirektor. W e inre'S. s-l-cede- u. W�uNKW'Str.ls«»« S«. u. SfcMi SA» «§ncsse�Solg»»tr.e>�.»ü mtC m***»tmssk � beitvaueschuss! 7 Uhr im Vorwärtsgehäube. Lindensie. 3,> (U. a. die Einzelheiten der Osiertresfahrt. Stelluntz.. _______... Zdeburaer«esolntio» und«um Berhalten der Reichaau».! fchussoertreter.) Alle Mitglied», de» Arbeil», und Rei-beaueschusses werden »ukg, fordert,»»»ischeiu«.—»ie Arbeitofleni-inschaft Au, den(«chtoss) tut«n Montag cu». Jrauenverilnstaltungen: -Straße Nr.. vorn— Hos— Luergeb.—©ellcnsl..— Tr. llnks— rechts bei........,,. m» fir.145 ❖ ZH. Jahrgang 3. Seilage öes vorwärts Sonntag, 2S. März 1922 wie man mich begraben wollte. Don Tobias Pemberlein. Man weiß ja, wie das kommt. Meine Frau sagte„Dussel" zu mir und mittags kochte sie gelbe Erbsen mit Cornedbcef. Da soll man nicht lebensmüde werden, besonders ich, der ich die typische Emp- findlichkeit großer Männer an mir habe. Zllso starb ich. Das geschah auf dem Kanasofapee, dauerte drei Minuten und vollzog sich ohne jedes Eeräulch. wie eben vornehme Leute zu sterben pflegen, bei denen es noch nicht zur üblen Gewohn- heit geworden ist. Nach zwanzig Minuten kam meine Frau ins Zimmer.„Jetzt schläft er ichon wieder," sagte sie und ging wieder hinaus. Du wirst dich wundern, dachte ich und schickte mich an, zu verwesen. Nach einer Stunde stand die ganze Familie wehklagend um mich herum. Meine Frau warf sich mit herzzerreißendem Schluchzen auf meinen Leichnam. Dann sprang sie auf und schrie: ,£ Gott, die Milch!" und rannte nach der Küche. Der älteste Schwager meinte, ich sei «in guter Kerl gewesen und ihm paßten meine gelben Stiefel. Die Schwiegermutter sagte zu der frischgebackenen Witwe:„Er ist hinter deinem Rücken gestorben, das würde ich ihm nie verzeihen." Meine Frau antwortete mild:.Laß ihn doch, du weiht doch, wie er war..." Schließlich hatte sich meine Frau soweit gefaßt, daß sie die Re- daktion des„Borwärts" anrufen konnte. Der Redakteur war sehr aufgebracht.„Wann ist er denn gestorben?" „Es kann eine reichliche Stunde her sein..." „Es ist eine Rücksichtslosigkeit, kurz nach Redaktionsschluß zu sterben: für einen Journalisten geradezu unverzeihlich, chat er denn wenigstens den Nachruf geschrieben? Luch nicht? Ich werde ihn unter„Lokales" verarbeiten lasten: wenn ihm das nicht paßt, soll er sich an die Preßkommission wenden. Mein herzlichstes Beileid!" Noch am selben Tage wurde ich in die Leichenhalle gebracht, wo schon fünf andere frisch Gestorbene lagen, alles anständige und zu- vorkommende Leute. Wir wählten einen Betriebsrat und gründeten einen Gcselligkeitsverein„Jenseits 1922", der sich hauptsächlich die Verbreitung aufklärender Literatur auf katholischen Friedhöfen zum Ziel setzte. In den Morgenblättern fand ich folgendes Inserat: Heute mittag haucht» unvorbereiiet unser vielvertannter, uno rechlicher Mann, Pater, Sohn. Bruder, Mitarbeiter, Genosse, Gläubiger und Schuldner, Schriftstellereibesiher Tobias pemberlein Inhaber der Berliner Mietselnigungs-Medallle im Älter von 25 Jahren, 10 Tagen und 7 Stunden seinen schwer- gepritsten, reinen Atem aus. Gin treuer Mensch hat ausgchdrt M schlage»! Wir werden ihn nicht so leicht»ergcsirn l Paula P mbrrlein usw. Poal« Atoll. Redattlon de,»Dorwärt,�. R-ich,au»sch»h k.Lte!e,Sdmig»n Gläubiger Kartell. ltameradeuveret» ehemal. 5 1 er. Site stt. Pereill junger Männer. Paztfisrlich. Patalaita Orchester. Verdd. prolet Aonorieuzlichter.«adtndranath Tagore Das Inserat gefiel mir und ich sah erwartungsvoll dem Tag meiner Beerdigung entgegen. In der Nacht, die diesem weihevollen Tage voranging, spaltete sich unser Derein„Jenseits 1922" in drei chälften, deren erst« auf dem Boden der gegebenen Tatsachen, die zweite auf kultureller Grundlage im Sinne Pestalozzis stand, wäh- rend die dritte als Prinzip hochhielt, was wir immer schon gesagt hatten. Ich selbst stand einem Untersuchungsausschuß zur Borberei- tung der Wiedervereinigung vor. Vormittag kam der Sarg. Er sah ziemlich schofel aus und war an den Innenwänden mit Küchenspitzen ausgekleidet. Im Deckel stand, mit Zimmermannsbleistift geschrieben, die rätselhafte Inschrift: „Im Wald und aus der cheide, da such ich meine Freude. Inklusive Teuerungszuschlag 163 M. Lützow 1389." Um elf Uhr kamen die ersten Leidtrogenden. Es waren die nächsten Angehörigen. Meine dicke Schwägerin childe hatte ihr Schwarzseidenes angezogen und lispelte, unter Tränen lächelnd: „Wie reizend ist er gestorben, und wie niedlicki wird er begraben!" Dann gingen alle hinaus ins Freie: denn schon wurde in der Ferne der Massenschritt der anmarschierenden Kondolenzbataillone vernehm» bar. Zwei Friedhofsarbciter erschienen und einer von ihnen meinte: „Donnawetta, setz ham wa de Sargnägel in de Sakristei liejen je. losten— hol se ma, ick jeh inzwischen uff de Retirade.. Jetzt packle mich die Angst. Noch war es Zeit: blitzschnell faßte ich einen Entschluß. Ich sprang aus dem Kasten, langte mir einen Zugang von gestern, einen an Unterernährung eingegangenen chaus- besitzer, sackte ihn in meine Lade und legte den Deckel drüber. Kaum hatte ich noch Zeit, im Dunkel der Halle auf der Bahre meines Stell- Vertreters vorschriftsmäßige Haltung einzunehmen, da kamen schon die beiden Friedhofsbrüder mit den Sargnägeln zurück und ver- nagelten den Hausbesitzer. Nunmehr erschienen sechs handfeste Männer, alte Freunde vom Wedding, die„mich" hinaustrugen. Ich ging vorsichtig hinter ihnen her und sah, wie draußen die Menschen- menge das Gchüte abnahm und sich in Viererreihen hinter meinem Sarg anschloß. Weil ich einsah, wie störend meine Anwesenheit auf die Feierlichkeit der Handlung wirken könnte, folgte ich den Letzten des Zuges in einem Abstand von hundert Metern. Am äußersten Ende des Friedhofes war ein Grab für mich ausgeworfen, ich sah von weitem, wie„ich" langsam in der Grube verschwand. Erheben- der Gesang des Liedes„Wenn wir schreiten Seit' an Seit'..." klang zweistimmig herüber, und jetzt packte mich selbst die Rührung so stark, daß ich weinen mußte. Als der Gesang verklungen war, ergriff mein Freund Chamcmbcrt das Wort zu einer letzten An- spräche an den für immer scheidenden Tobias Pemberlein. Der Wind trug mir abgerissene Sätze herüber. „.. stiller und sanfter Mensch... Vorkämpfer alles Guten und Schönen... die Welt ist ihm viel schuldig geblieben(hier machte sich vereinzelter Widerspruch aus dem Kreise der Andächtigen deutlich bemerkbar)... ragender Geist... bitte ich Sie zum Schluß, einzu- stimmen in den Ruf: Unser unvergeßlicher Pemberlein, er ruhe sanft— sanft— sanft!" Nachdem die brausenden Sanftruf« verhallt waren, traten alle ans Grab und warfen Dreck nach„mir", darunter manche, die das schon bei Lebzeiten an mir geübt hatten. Doch Tote sollen nicht nach- tragend sein, ich verzeihe ihnen. Bald kehrten alle um und die Verwandtschaft sowie der engere Freundeskreis sockten in eine Gastwirtschaft, um eine kleine Nach- trauer zu genehmigen. Der W'.rt jener Kneipe, die den Namen „Zur letzten Zähre" führte, rieb sich gerade vergnügt die Hände, als ich die Gaststube betrat. Meine Hinterbliebenen waren in anregende Gespräche und Getränke versunken und beachteten mich nicht. So gelangte ich ungesehen ans Bui»ct, ließ mir einen doppelten Stein- Häger eingießen, hob das Glas und brüllte der fröhlich gastierenden Gesellschaft entgegen: „Prost Mahlzeit!" Was nun folgte, läßt sich nicht beschreiben. Nur soviel sei ge- sagt: wenn ich einmal endgültig sterbe, glaubt es mir kein Mensch. Zrühlingsanfang. Don Hans Klabautermann. Nach dem mieffen Ivinier spriehen Knospen im Lenz. Vögel piepen. Triebe ziepen am Stenz. Man kennk's. 's Blau verpolke» keine Wolken, kein Nor! wind zischt. Sonnenglukea sollen fluten? Ich merke nischl. Im Betriebe war' die Liebe, wär's nicht so kalt abends im Wald oder im park. So'n Lenz ist mir schnuppe. pardeng. süffe Puppe. Ein Zentner Koks kost' sechzig Mark. Zilmschau. „Verfilmter„Tasso". Im MarmorhauS zcigtc man einen italienischen Prunkfilm„?er erste Kreuzziig". Tnfso».BcsreitcS Jeruialem' und die„Rinalbo*» Tichlunr geben Ben Simcrglund. Bei allen teilinsünden. die je an Werken der Weltliteratur begangen wurden— diese Tünde wider den heiligen Gleitt einer Dichtung war eine Tadlünde. Wer sich von dem Aufgebot einer viel- tausendlöpfigen Masse nicht blenden lieh, der muhte verärgert dieser saden Peroveiung solgcn. Wie hier illomanlil zur Zauberpossc degradiert wu'de,- daS ist nicht mebr Kitich. da» ist läppüch. Sin Bratei-Zpag In vhantnsie, verlassener Ohnmacht. Kommt dazu, daß die Italiener im Mm nicht die geringste schauspielerilche Diszirlin zeigen und mit ungedeucr lomischcr Patbctik in den lllufnabmeapparat hinein gestikulieren. Die Schlachlenizene. die Kämvie um sZerusalem. zeigen ein immerhin beachtenswertes Geschick des römische» Regisseurs K u a z z o n i und einen sicheren Blick sür Licht- effclle. Wo der Film nur prunten will, wird er töricht und ungenießbar. Man atmete aus. al« man von diesem Befreiten Film Jerusalem— befreit war. p—s. Ein neuer Tchwedenfilm läuft seit Freitag im NT. Rollendoifplatz. ES ist ein Filmschauspiel in jilnj Allen von Selm a Lagertösutid nennt sich»Rosen im Herb st'.' Die Handlung ist einlach und ohne öuhere Spannungen, aber siuniällig, erwöimend und voll des Vorzuges der schwedischen FUme. reis und ohne Manier gespielt, wuber und sicher gearbeitet zusein. Freilich: an die Regie Mauritz StiUerS reicht die von Ivan Hedauist nicht heran, die RcnZe Björling kann sich mit Karin M o I a n d e r nicht messen und auch der männliche Haupt- darsieller dieses Filmes hält keinen Vergleich mildem einzigen Lars H a n I o n ans, mit dem sich die SvcnSka Biograscnlheatern die Well erobert— doch bnS Spiel ist gut und auch die Ausnahme löhl keinen Tadel zu.— Neben diesem Schauspiel ist auch Charlie Chaplin als Anxwandcier vertreten, lein grotesker Humor cntfcsielt Lachstürme wie immer, obwohl er immer der Gleiche ist, sieht man sich an seiner Komik nicht satt.— Ferner ist ein naturwissenschattlicher Film der Ufa-Kultur- abteilung»Insekten die in» Wall er gingen' wegen seiner ausgezeichnet gelungen Aufnahmen von Wasserkäscrn nicht genug zu loben.' A. Z. »TaS Diadem der Zarin" im Ta u e ntz ie np al a st ist vom Titel bis zur letzten Szene ocrfiimter Hintertreppenroman, jedoch hat«Z die gcjchickte Regie R. Lo ew en stein s verstanden, den reichlich auSge- ichövsten Stöfs de» KriminalsilmS anschaulich und gcnlcsibar zu gestalten. Kern der Handlung: ein verschuideter ruisischer Fürst bringt einem Juwelier ein kostbare» Diadem zur Reparatur, läßt sich bescheinigen, daß eS mit einer angemessenen Summe versichert ist, um cS dann stehlen zu lasten. Die bildmäßigc Wirkung ist im allgemeinen gut, doch wirken die auf Bilder übcrkovierten Titel recht störend. Karl Auen, Rudolph Klein- R b o d e n. Harry Lamb ertz-Panls en und Alwin Neust sowie LiliF lo br Ipicllen flott und trugen weseullich dazu bei, daß das Publikum Bestall zollt«. Vorher lies der ganz auf dl- Besriedigung der Schaulust eingestellte Film»Amerikanische Aristokratie«, in dem die Schicbcrmorai lustig verspottel wird und der Douglas FairbaneS Gelegenheit zum Zeigen seines sabelhaslcn artistischen Könnens gibt. ms. »Die Dame in Grau« zeigte sich in der Saalburg. Die gehört zu jener Filmserie, in der S h i v e st c r S ch ä j j e r sich als Nobody pro« duziert. ES wurde ein echter, rechter Detellivsllm, vollgepiropst mit Hand- iungen und Uebcrraschnngen und einer Spannung, die stcIS mit Aktschlust dem Publikum neue Rätsel ausgibt. Mit Morden wird nicht gegeizt, ein Selbstmord tomint auch vor, daneben siebt man flott galoppierende Indianer und Goldgräber in Kalifornien. Milhin feiert die ganze Abenlcucrromantik, die sriiher in Fünspsennigheilen Mit grellsarbigem Umschlag verzapst wurde, ihre Auserslebung. Wenn man Sylvester Schäster in anderen Rollen gc- sehen bat. findet man ihn diesmal belanglos. Lili D o m i n i c i spielt mit Puppengesicht und schönen Kleidern eine„himmlisch sühe' Oaitin, während Walter D o e r r y mit zwingender Dämonie den Buckligen zu gestalten weist.— Mit grösiler Anicilnahmc. ersüllt von der Sucht, dabei gewesen zu lein, versolgten die Zuschauer Programmnummer 2, die Radrennen auf der Bühne, und übcrlchültelcn die strampelnden, wadcnkrästigcn»Helden von der Pedale' mit Bestall. s. b. Sport. Ausfall der Treptower Radrennen. Die Direktion der Radrennbahn Treptow hat infolge der lalten Witterung die für heule angesetzten Nennen abgesagt. Die Nennen sind ganz ausgehoben; jür den nächsten Renntag am S. April wird cm neues Programm ausgestellt. Arbeitersport. Arbclter.tzlthlctcn.Bund, t. RttlS. Montag abend 7 Uhr bei Behrend, Manteuffilstr. HS, Borstiindekonfercnz, zu der jeder Verein einen Bcrtreter zu entsenden hat._ Jugenüveranstaltungen. verein Vrielter-Iugend»roh-Berlin, SD. SS, Lindenstr. Z, 2. Hof, i Tr». Telephon Moriyplatz 121 08-121 10. Heule, Sonnlag. den 2(5. März: Südwesten. Frühlingofeitr im Jugendheim Lindenstr. z, 2. Hof, 8 Treppe», Vestcbeud aus- Ziezilotwnen, Aolvrache, Lieder» zur Laute, Han?. Sack?. Schwant und Vallatänzc».(Eintritt 1,50 LR. Anfang 0 Uhr. Morgen. Monlng. den 27. März: vanmschulrnwcg: ZugenSheim ckrnststr. IS, Bortrag:.«Schund in Kunst und Literatur".— Hetmoloif: Jugendheim Gemeinbcfchule Roonstrok«, Mitglied erver» sannnlung.— Ltrgiist.Friclxnan! Jugendheim Osfenbacher Str. 5», Portrag: „Warum müssen wir uno freigewertschafilich organisieren?' älme 6 u. 9 3TiU. mit Triedenskauteebuk 5 Jahre schriftl. Garantie. Zahnziehen mit Betäubung bei Bestellung von Gebissen gratis. Kronen r. 30 Mk. an. Spez.: Zähne ohne Gaumen. Keine Luxuspreise. ahn-Praxis Katvani, teiger Strajta 1. für Herren-u. Damen-Bekleidung beste Fabrikate, groSe üiisiahl�rkaii nelermg Stoffe Koch& Seeland»; Gortraudtenstr.. ße 20—21. H. 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Da.vn oermochte auch die gestern ein- getretene Besserung des Markstandes wenig zu ändern. Die Notierungen der gestrigen Börse lagen immer noch über den hoch- sten jemals bei früheren Valutakrisen erzielten Kursen, sie stellen gegenüber dem letzten Wochenende eine Verschlechterung von mehr als 12 Proz. dar. Ein Vergleich mit früheren Notierungen ergibt für die wichtigsten Devisen das folgende Bild: am 14. 1. 100 ki oll. Tulden 665B 1 Pfd. Sterling 1 Dollar... 100 französ. Fr. 100 Scknveiz. Fr. 100 ischecki. Kr. 100 österr. Kr. abgestempelt 762 180 1493 3511 298 6,48 21. 1, 7243 843 200 1623 3896 345 25 2. 8491 976 222 1990 4341 893 4. 3. 9540 1114 252 2294 4900 411 18. 3. 10664 1242 283 2597 5614 486 5,88 4,38 4,58 4,12 25. 8. •12188 1411 321 2917 6284 589 4,28 Die lebhaften Kursschwankungen, die im Laufe der Woche statt- sanden, spiegeln sich in den amtlichen Devisennotierungen nur in einem geringen Maße. Während der Dollar im freien Verkehr an einzelnen Tagen um 15—30 M. im Preise schwankte und zeitweilig 350 erreichte, zeigt eine Gegenüberstellung der amtlichen Notierungen für den Dollar und das Pfund Sterling an den einzelnen Wochen- tagen folgende Kursbewegung: 20.3. 21.3. 22.3. 23.3. 24.8. 25.3. 1 Dollar.. 304,69 238,21 304,19»26,76 331.16 321,17 1 Pfs. Sterl. 1303,05 1202,70 1341,15 1446,05 1446,05 1411 05 Auch in dem gedämpften Licht der amtlichen Devisenkurse spiegelt sich die ungeheure Beunruhigung, die die Finanzforderungen der Entente und ihre politischen Folgen über die deutsche Wirt- schaft herausbeschworen haben. Wieder ist der größte Tiefstand der Mark unterschritten worden, und die Erfahrung hat bisher gezeigt, daß nach solchen Stößen eine durchgreifende Erholung der deut- schen Kaufkraft im Auslande in immer weitere Ferne ge- rückt ist. Wieder steigen die Rohstoffpreise und die Preise aus- ländischer Lebensmittel, aber auch die inländischen Getreidepreise des freien Verkehrs in einer beängstigenden Weise. Die Folge ist neben der Minderung der Lebenshaltung, die den breiten Massen aufgezwungen wird, daß auch die Rohstoffeinfuhr für die Industrie sehr erschwert wird. Der ungeheure Bedarf der Industrie an Be- triebrkapital, der sich daraus ergibt, kann leicht dazu führen, daß die Ausnutzung der augenblicklichen günstigen Kon- j u n k t u r auf die größten Schwierigkeiten stößt, und daß ein er- heblicher Teil der großen Aufträge nicht zur Erledigung kommt. Tritt das ein— und die Gefahr ist keineswegs von der Hand zu weisen—, so wird die finanzielle Leistungsfähigkeit Deutschlands noch weiter herabgedrückt, als das schon jetzt infolge der unsinnigen Reparationspolitit der Entente der Fall ist, und die Reparation-- kommission hat mit ihren Drohungen nur das Gegenteil von dem erreicht, was sie erreichen wollte. «krhShung der ZSlle auf 6000 proz. de» vorkriegZbetrage». Das Aoldautgeld out ffölle wird mit?8irk»ng vom 1. April ab bis auf weitere» auf 5900 festgesetzt. Die Erhöhung entspricht noch nicht der in letzter Zeit erfolgten Valutaverschlecdterung. Sie bringt die Einfuhrzölle auf den sechzigfachen Vorkriegsstand— eine neue, schwere Belastung der Verbraucherl Auslösung der Reichsstelle für Zement. Ein Schreiben des Reichs- wirtschaftmiristers an die Beteiligten gibt bekannt, daß mit Ablauf dieses Monats die Reichsstelle für Zement aufgelöst wird. Das Reichstommissariat für Zement bleibt bestehen, und die bisher von der Re-chsstelle für Zement bearbeiteten Aufgaben wer- den ab 1. April 1922 durch das Ministerium erledigt. Der Bei- rat der Reichsstelle, der den Namen„Beirat für Zement- Wirtschaft" erhält lin ihm sind Arbeitgeber und Arbeitnehmer, sowie Handel, Verbraucher und Behörden vertreten), soll auch weiter- hin zu den wichtigen Fragen der Zementwirtschast Stellung nehmen. Zur Lage der Reichsbahn. Unter diesem Titel hat das Reichsverkehrsministerium eine Schrift herausgegeben, die das wichtigste Material zur Beurteilung der Leistungen der Eisenbahn vor und nach dem Kriege enthält, und zum Vergleich auch die finanziellen Verhältnisse der Eisenbahnen des Auslandes heran- Zieht. Die Schrift bringt neben vielen statistischen Angaben auch graphische Darstellungen über die Tätigkeit der Bahnen und der Werkstätten. Zu der hart umstrittenen Frage, ob die Werkstätten wirtschaftlich arbeiten, wird festgestellt, daß die A r b e i t s l e i st u n g des einzelnen Arbeiters im Durchschnitt den F r i e- d e n s w e r t erreicht, in einzelnen Abteilungen die Friedensarbeit überholt hat. Das übrige Material ist an Hand der amtlichen Ver- öffentlichungen von uns zu einem erheblichen Teil mitgeteilt worden, es findet sich hier in übersichtlicher Darstellung geordnet. Die Schrift ist im Berlage von Hans Robert Engelmann, Berlin, er- schienen und zum Preise von 15 M. käuflich. Auf der Leipziger TNeste haben mindesten? 155 000 geschüft' liche Besucher geweilt, davon 32000 ausländische. Die krostlose Lage der Tvellschifsahrt wird durch folgende Meldung der Agence Havas aus London gekennzeichnet: In den 36 Haupt- Häfen Großbritanniens liegen Handesschisfe von insgesamt zwei Millionen Tonnen, die keine Fracht erhalten können. Davon sind 1 900 000 Tonnen englisch. In den Vereinigten Staaten ist die Lage noch schlimmer, da dort fünf Millionen dem Staate gehörige Tonrien Schiffsraum— von einer Gesamttonnage von 12)6 Millionen Tonnen— ohne Fracht verbleiben. In dieser Zahl sind die im Besitz von Prioatreedereien befindlichen Schiffe nicht mitgerechnet. Die Teuerung in Men. Nach den Mitteilungen des Bundes- amtes für Statistik über den Ernährungszustand Wiens im März ist, namentlich infolge der Stabilisierung des Kronenkurses, die Teue- rungswelle zum Stillstand gekommen. Trotzdem sind bei einigen Lebensmitteln, vor allem bei rationiertem Schwarzbrot, Rindfleisch und Kartoffeln, die Preise weiter gestiegen. Setzt man die für Januar 1921 berechnete Aufwandszifser mit 100 fest, so ergibt sich für die Verpflegungseinheit im März 1922 die Indexzahl 1457, für die vier- köpfige Familie die Inderzahl 1517. Sowjetkurfe. Wie die„Jswestija' au» Moskau berichten, hat da? Volkskommissariat für auswärtige Angelegenheiten den Kurs des Sowjetrubels für den 20. März folgendermaßen festgesetzt: 1 Pfund Sterling.. 2 550000 Sowjetrubel 1 Dollar..... 580 000, 1 Frank...... 54 000, ■ 1 tschechische Krone.. 9 900, 1 deutsche Mark... 2 050, keine deutsche Industrieausstellung in Moskau? Die Presse beschäftigt sich in der letzten Zeit mit den aus Moskau kommenden Meldungen über die von der Sowjetregierung genehmigte Voran- staltung einer deutschen Industrieausstellung in Moskau. Eine der neuesten Meldungen besagt, die Sowjetregierung lege Wert darauf, daß nicht nur einzelne Maschinen und Objekte ausgestellt werden, sondern daß ganze Fnbrikeinrichtungen für einzelne Produktions- zweige zur Schau gebracht werden. Der Deutsch-Russische Verein E. V. teilt uns dazu mit, daß in den beteiligten und maß- gebenden Wirtschaftskreisen Deutschlands von einem Plan einer der- ortigen Ausstellung n i ch t s b e k a n n t ist. Im November v. I. äußerte man sich auf«ine vom Obersten Volkswirtschaftsrat er- gangene Anregung grundsätzlich dahin, daß bei Erfüllung vcrschic- dener, namentlich bezeichneter Voraussetzungen, die Veranstaltung einer begrenzten Maschinenausstellung in Moskau im Sommer d. I. unternommen werden könnte, wohlbemerkt, falls mit den Vorarbei- ten sofort begonnen würde. Da seitdem jedwede Nachrichten cus Moskau— bis auf die dieser Tage aufgetretenen— ausgeblieben sind, kann die Veranstaltung auch in dem. bescheidensten"Ausmaß für dieses Jahr nicht mehr in Betracht kommen. Bekannllich erfordert die Vorbereitung für derartige Veranstaltungen unter normales Verhältnissen längere Zeit, um so weniger kann— angesichts der schweren Transportlage Rußlands— eine Ausstellung in Moskau in so kurzer Zeit einigermaßen befriedigend zur Ver- wirklichung gebracht werden. Teure Kolonien. Die französische Regierung schreitet mit bewußter, rücksichtsloser Politik zur Ausbeutung ihrer Kolonien, die sie mit handelspolitischen Maßnahmen— Zölle, Einfuhrverbote usw.— Zwingt, Produkte anderer Länder auszuschließen und nur Waren aus dem Mutterlande zu beziehen. Die jüngst veröffcnt- lichten Angaben über den Hand'lsverkehr Algeriens zeigen, daß die französische Politik dieses Ziel bald erreicht haben dürfte: an die Stelle von Waren, die früher aus anderen Ländern bezogen wurden, treten jetzt die französischen. Frankreich muß jedoch die koloniale Eroberung teuer bezahlen. Der Referent für He«reswesen erklärte jüngst im französischen Parlament, daß zur Sicherung des kolonialen Besitzes in Tunis, Algerien, Marokko, Syrien usw. 409 090 Soldaten, zum großen Teil Eingeborene, gehalten wer- den müssen. Dem französischen Steuerzahler wird es zum Trost von zweifelhaftem Werte gereichen, daß die Farbigen mitunter auch gegen Deutschland verwendet werden. s�lis See Partei. »Iungsozialistische Blälker". Mit Anfang Aprll beginnt ein neues Quartal für die Zeitschrist der Iungsozialisten. Die Schrift ist inzwischen in die Post- zcitungsliste eingetragen worden. Alle Bezieher und Inter- essenten der.Lungsoziolistischen Blätter" werden daher ersucht, die Zeitschrift durch die Post zu beziehen und bei ihrem zuständigen Postamt zu bestellen. Gleichzeitig mit der Bestellung ist auch der Äbonnementsbetrag für das ganze Quartal mit 10,50 M. bei der Post zu bezahlen. Es können selbstverständlich sowohl einzelne Exemplare wie Sammelsendungen durch die Post bestellt werden. Das gleiche gilt für die vom Zentralbildungsausschuß ferner herausgegebene Kinderzeitschrift„Ä i n d e r l a n d". Auch sie kann von jetzt an durch die Post bezogen werden, was im Interesse einer einfacheren und pünktlichen Expedition dringend erwünscht ist. lSchliih de« redattioaelei» Teil».) TofÄ Kinllra Hellere Spiele, FrledrlchslniBe Ecke Lelpzicer Straße iiluUI* ImlC Iildllu Tä"lich 2 Vorstenunijen,nachmitiaiZs4Vj, abends T'/j. „VomW'Ausgahesfeilen «wie Geschäftsstellen der Zeitung,-$ IgzxiMN'AlMSilMe Südwest! Cinbenstr. 8, n. Sei Slrofte 516, SoHOlaefdiält. Beatcum-•Ztfetflt. 114. am flop. «Besten: Stegliger Elr. tn. ad« öfinel von 4—» Uhr. Sübcui SättDolbfitaie»2,». b. oon fr-fl Uhr.- Prinzenftr öffnet oon 9—8 Uhr. Osten: Markussir. DS.«eöffnet butset Platz 4. JBebff net oon parterre.— Aerusalemer it.©ebftnel Bon 9—8 Uhr. lagDcbucgec Straße. De- (Sneifcnauslraße.(BcSffnel 31, Hof rechts parv Ge- oon 2—8 Uhr.— Peters- ' Uhr. «twostemV vauptzer Pilätz"l4"u>?' Blausächse, gobelfuchfe, Sealmäntel, Bibermän- tel zur Hälfte des bis- herigen Preises. Rie- fenlager, Gelegenheiten. 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Derbanbs- und Branchenangelegenheiten. 4. Derschiedene». Die 5?crirouett?m5nncrfoitffte«s findet um 6 Uhr, die KontmisfionStihung um Ii 5 Uhr Im Simmer{) statt, Ohne Miigiiebsbuch kein Zutritt! TW? In Anbetracht der WiS'igkeit der Tages- orbnunq ist vollzählige» und piinitliches Erscheinen ' die Pflicht aller Kollegen. Am Freuag ver- starb nach langem. schweremLeiben unser lieberSohn und guler Bruder ll30b Hüll! Mllke im Alter vonLLIahren Dies zeigen tief- ! beleilbt an »tlo.AIIKt undFrau, j | tranz und Gertrud. Beerdigung Dien»- l I tag. naätm 2>/« Uhr, l i Marleuborfer Weg. Dienstag, den 28. MSrz. naehm. 4'/? Ahr. in der Echulaula de» b«Hilter- Lyzeums, Panb stratze, ESe Boltgerflratze: Branchenversammlung aller iu der Geld schrankin dustrse de- schäfliglen Sollegen. Tagesorbnnng: I. Bericht Lber die Berhandiung der Tarlikammiflion. 2. Eiellung nähme zur Taritkllnbigung. 3. Branchenangelegem Helten und Berichiebene». KjSJ Ohne Miigiiebsbuch kein Zutritt. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung wirb es allen Kollegen, besonders denen der Klein- betriebe nie Pflicht gemacht, diese Versammlung zu besuchen und recht rege dafür zu agitieren. 3kll. lUdUüsÜl!. , Am2l d M. verstarb I S imolge Uugtiickslaüs i | uniec tilenoffe, der j ] Souimänn Hei ni. ßfeSepecS Ujr- uicem Itieckuil ,©nendtetung allen- I tag. nachrn 41, Uhr, I im Rtematotium ffie- jnchtittafic. 1122b| j Zahlreiche Beteiti- | guug erwartet ! Sie Abteilungslrltg. Mlllmoch, den 29. Marz, abends 6'. Ahr, im Sitzungssaal des Verbandshauses, Linien siratze 83, 5ö: Versammlung aller in der h S r I e r e i befchSfliglen Kolleginnen und Kollegen. Tagesordnung: Stellungnahme zur llmgruvvteruiig der in den HSeiereiabieMungen befchö lio'en Kollegen(siehe Tariivertrag vom 4. Mai lS2i. Sruvpe 2?a: Härterei) Vef Laut Deschluh der veiwaliung sind die in den Härtereien beit äuigten Kollegen alsUnlee- aruppe der B: au che ver Werkzeugmacher zugeteitt; Braachenvertreler: Kollege Ki-ops, LinienUr 83 85. 115, lZ VI« Ortsverwaltung UMiidsr iWsIIzcheitemidsiilll tmulbiDjutelle Balg DenMitgliedernzur! 1 Nachricht, datz unser f I Kollege, der Ma- s schuienarbeiter Otto Fucbs Birkenllr. 8. am 23 d M. gestorben ist. Die Einäscherung I findet am Dienstag, I den 23. März, abend» I 7 Uhe, im Äremnlo-I num Berlin, CDericht- strotze, statt. 115,131 Ferner starb unser 1 Kollege, der Putzer MoolMop? Draudenzer Str. 14,1 am 2-1. d M. l DieBeerdigung findet I am Mittwoch, den s 29. Rlärz. nachm. i', Uhe, von der Leichenhalle des Zen- irai-Fiiedhofe» in Feiedrlchsseide aus statt. iilke idkW ikilsllkeal Rege Beteiligung erwartet vis 8kIiics«a»B>Z. lMe Gebisse eucti zerbr.. ranls pro Zahn Mk. 25.- Plaiin-, Gold- u. Silber- bruch Tasespreise Imm teT- a a Leipz.Str. 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