Nr. 14$■» ZH. Jahrgang Ausgabe � Nr. 74 Bezugspreis: S;eritIiSl)rL60.— JH., monotl. 20,—®. Itci ins Saus, voraus zahlbar. Poil- de«ig: Monatlich ZV,— M. cinichl. Au- ftrUunzsgebithr. Unter Kreuzband tilr Deutschland, Danzig, Saar- u, Meinel» vediet, sowie Westpolcn, Oesterreich u. Lu�emdurv St.— M., liir da» übrige Ausland 72.— M. Dostbestellungen nehtnen an Bclalen, Dänemarl, Eng- land. Estbland, Finnland, Frankreich, Holland, Lettland, Lureniburg, Oester- reich, Schweden. Schweiz, Zschecho- Slowake! und Ungarn, Der.Vorwärts" mit der Sonntagsbeilage„Volt und Feit", der Unter- kaitungsbeilags.Heimwelt" und der Vellage.Siedlung und Kleingarten" erscheint wocheniäglich zweimal. Sonn- tags und Montags einmal. Teleqramm-Adrcsse: »Sozialvemolro» Berlin" AbendAnsgabe c GroS• Berlin 40 Pf. auswärts SO Pfennig D Devlinev Volksblatt Anzeigenpreis: Die e t n I p a l t I g e JionvareMezet!, lostet 12.— M„meine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 3,— M.(zu- Lässig zwei fettgedruckte Wortes, lebe» weitere WlUt 2,- M, Stellengesuch, und Schlasstellenanzetgen da« erst, Wort 2,— M.. sedes weitere Wort I�V M, Worte tiber lä Buchstaben zählen für zwei Worte Familicn-An. zeigen sllr Abonnenten Feile S,— M Die Preise verstehen sich einschliesslich Tcucrungszuschlag Anzeigen für die nächste Nummn 'müssen bis. Ahr nachmittags im Haupigelchäsl. Berlin SW 68, Linden» Itraße Z, abgegeben werden. Geöffnet von g Uhr früh bi» Z Uhr nachmittags Zentralorgan der Sozialdemokratifcbcn parte» Deutfcblands m HeSaktion und Expedition: SW öS, iindenftr. 3 Die ewig Unzufrieöenen. Paris, 28. März.(WTB.) In seiner gestrigen Rede im Senat sagte Senator Verenge r: Man müsie feststellen, daß die Reparationskommission jetzt nicht sehr befrie- d i g t habe, trotzdem sie das Rettungsboot Frankreichs sei, wie das Ministerium erklärt habe. Das Land wolle nicht in den Steuern untergehen, sondern es wolle, daß Deutschland bezahle. Hinter dem Vorhang von Papicrmark, mit dem Deutschland sich zu umhüllen versuche, bemerke man doch seine Fabriken in voller Tätigkeit, seinen blühenden Handel, seine wirtschaftliche und militärische Wiedererhe- bung. Aber Deulschlands steuerliche Anstrengung fei dreimal ge- ringer als die Frankreichs und Englands: dos könne nicht andauern. Wenn Deutschland nicht die nötig» Anstrengung mache, müsie man die Pfänder benutzen, die durch den Aersailler Friedensvertrag fest- gesetzt seien. Frankreich erwarte, daß die Reparationskommisfion ihre Pficht erfülle. Die Presse habe von einer deutschen An- le i h e gesprochen, die dazu bestimmt sei, Frankreich zu bezahlen. Di« Regierung möge wohl überlegen, bevor sie den französischen Rechtsanspruch für ein Linsengericht verkaufe, bevor sie die Priorität der französischen Forderungen und die Garantien, die man durch die Obligationen und B besitze, für eine Anleihe opfere, von der Frankreich sehr wenig behalten werde, wohl kaum mehr als 2Vt Papiermilliarden Finanzministcr d e Losteyrie unterbrach den Redner und sagte, zwischen den alliierten Ministern sei hinsichtlich dieser Anleihe nicht» beschlossen worden, die Frage werde von der Reparations- kommifsion geprüft. Bsrenger erklärt weiter, die Reparationskommission könne Pfänder verlangen. Wenn Deutschland sie verweigere, was werde man dann machen? Habe die Regierung diese Möglichkeit ins Auge gefaßt? Man habe es nicht verstanden, Deutschland die erfordersichen Sanktionen aus dem Waffenstillstand aufzuerlegen. Jetzt lache Deutschland über Frankreich. Zwischen dem klaren Geiste Frankreichs, dem von Descartes und Fach, und dem unehrlichen Geiste Deutschlands sei ein Duell im Gange. Es würde für Frankreich kläglich ausgehen, wenn es sich nicht auf der 5)öhe seiner Soldaten zeigen werde, die den Sieg gebracht hätten, wenn es nicht Deutschland zu zwingen verstehe, daß es be- zahle, was es schulde. Die oberschlesische frage. Der in Genf abzuschließende Bertrag zwischen Deutschland und Polen gibt an ilmfang dem Bertrag von Bersailles nicht viel nach. Er ist für Nichtjuristen vielfach unverständlich und wird von einem ganzen Kranz von Ncbenvertragen umgeben, die u. a. den Bank- und Postscheckoerkshr, den Grcnzverkehr der Eisenbahnen, das Knapp- schaftsoermögen usw. betreffen. Diese Nebenverträge werden jedoch zwischen Deutschland und Polen direkt geschlossen, ohne Mit- Wirkung des Völkerbundes und ohne Uebersetzung ins Französische. Nach den Erfahrungen mit anderen östlichen Abtretungsgebieten wird auf Beschleunigung dieser Vertragsabschlüsse zu dringen sein, da in Posen und Westpreußen solche Verträge, z. B. über di« Pensionszahlung, heute noch nicht fertig sind. Für zahlreiche Einzelfragen hatte der deutsche Verhandlungs- führer, Reichsminister a. D. Schiffer, noch besondere Sachver- ständige nach Genf zitiert, und eine Lösung gegen den Willen der Beteiligten ist nicht erfolgt. Ungelöst und dem Schiedsspruch Calonders überlassen sind be- kanntlich die Fragen der Liquidation, der Zuständigkeit, der gemischten Kommission für Minderheitsfragen und drei kleinere SHul- angelegenhciten. Für die Beratung der Liquidationsfrage war infolge der Be- mühungen des Professors van H a m e l eine Grundlage vereinbart: zur Lösung der Frage ist es jedoch bekanntlich nicht gekommen, denn nach fünfmonatigen Verhandlungen hat Polen plötzlich die Unzu- ständigkeit des vom Völkerbund eingesetzten Schiedsrichters behauptet. Was jetzt weiter geschehen wird, muß sich noch zeigen. Jeden- falls wird Oberschlesien noch länger im Zustand der Unklarheit und Ungewißheit erhalten. Unter diesen Umständen war die rasche Ab- reise Schiffers eine Demonstration, die in Deutschland nur allgemein gebilligt werden wird. Minister Schiffer hatte allerdings die Absicht, für die Zeit der Redaktionsarbeiten nach Deutschland zurückzukehren, um dem Reiche Ausgaben zu ersparen. Aber die plötzliche Wendung Polens hat die Abreise beschleunigt. Dieses überraschende vorgehen Polens dürfte schwerlich ge- eignet sein, die gewünschten deutsch-polnischen Izandels- und Wirtjchaftsoerhandlungen in Gang zu bringen. Der örohenöe Arbeitskonflikt in Amerika. Paris, 28. März.(WTP.) Räch einer Haoas-Meldung aus Rem Psrk wird während des Verga'rbelierstreiks die Ge- werkschaft der Entlader sich der Einsuh? englischer Kohle w'.der- setzen, wie„Chicago Tribüne" aus Washington berichtet, werden im Falle eines Dergarbeilcrslreiks in den Vereiniglen Staaten die Bergarbeilor 1» Lauada ebenfalls die Arbeit uiederlegeu. Erkenntnisse. Die„Fmheit"-Redaktion gibt bekannt, daß sie die Kons«» quenzen aus dem Mißtrauensvotum der zentralen jtörper- schaften gezogen und ihre Aemter zur Verfügung ge- stellt hat. Bis zur Neubesetzung der Redaktion führt sie die Geschäfte weiter. Der Konflikt in der USP. hat damit, wenn er auch in anständiger Form ausgetragen wird, sachlich sehr an Schärfe zugenommen. Ob die Bemühungen einer Mittel- gruppe in der USP.. ihn noch einmal zu überbrücken, von Erfolg sein werden, läßt sich nicht sagen. Wenn Spaltungen bereits derart konkrete Formen angenommen haben, so ist es im allgemeinen sehr schwer, einen Rückweg zu finden. Die sachlichen Streitpunkte, um die der Konflikt in der Unabhängigen Partei geht, beleuchtet eine Erklärung der bis- herigen„Freiheit"-Redakticm, die in der heutigen Morgen- ausgäbe der„Freiheit" veröffentlicht wird, und im wesentlichen einer Denkschrift entspricht, die Anfang März den leiten- den Körperschaften der USP. von der Redaktion zugesandt wurde. Danach handelt es sich in der Hauptsache um die Haltung zum Gemeindearbeitcrstreik, zum Kabinett Wirth, zur Steuerfrage, zur Koalitionsfrage und zur Einigungsfrage. In der Frage des Gemeindearbeiterstreiks erachtet die „Frsiheit"-Redaktion ihren Standpunkt dadurch als gegeben, daß der Streik g e g en den Willen der Gewerkschaften und ohne Zustimmung der Gesamtarbeiterschaft inszeniert wurde und daß der Streikbeschluß vor der Fällung des Schieds- fpruches herbeigeführt wurde, der die Hauptförderungen der Streikenden restlos erfüllte. Weiter heißt es in der Erklärung der„Freiheit"-Redaktion: „Eine Pflicht, eine Arbeiterschaft, die ihre speziellen Gruppen- inleressen über die allgemein proletarisch-soziaiislischen stellt, unter allen Umständen zu unterstützen, kann in keinem Falle an- erkannt werden." Die Preßkommission hat diesen Standpunkt der Redaktion gebilligt, der Zentralvorstand ihn aufs schärfste verurteilt. Was die Stellungnahme zum Kabinett Wirth anbelangt, so wirft der linke Flügel der USP. der„Freiheit" vor, daß sie das Kabinett Wirth nicht mit der genügenden Schärfe be- kämpfe. Die„Freiheit" betont demgegenüber die große Be- deuwng der außenpolitischen Lage, die sie als ein Ringen zwischen PoincarS und Lloyd George auf- faßt. Die deutsche Arbeiterklasse habe alles Interesse daran, daß Poincarö nicht zum Siege gelange. Eine Regierung der Rechtsparteien in Deutschland aber würde die Stellung Poincarests ganz außerordentlich st ä r k e n. Was die innere Politik des Kabinetts Wirth anbelangt, so hält die„Freiheit" einen Sturz.der Regierung nur dann für vorteilhaft, wenn alle Arbeiterparteien gegen die Regierung stimmen. Dann sei eine Rechtsregierung nicht zu fürchten. Aber: „Ganz anders, wenn der Sturz der Regierung durch das ganz widernalürliche Zusammenwirken der monarchiskisch-nakionalen Par- keien mit unserer Partei erfolgt. Denn dann werden die Rechts- sozialisten stets darauf hinweisen, daß an den reaktionären Taten einer solchen Regierung wir einen Teil der Verantwortung mittragen, weil erst durch unsere Haltung eine Regierungsbildung ermöglicht worden sei." Ii» der Steuerfrage steht die„Freiheit"-Redaktion auf dem Boden folgender Erkenntnis: „Mit direkten Steuern allein läßt sich das Defizit der nächsten Jahre nicht beheben. Auch die Erfassung der Sachwerte, so unentbehrlich sie ist und bleibt, würde das Defizit allein nicht be- seikigen können. Die Ergänzung durch indirekte Steuern ist aber ökonomisch deshalb vertretbar, weil durch die Beseitigung des Defizits die Kauskrasl des Lohnes sich heben und damit die Belastung durch indirekte Steuern aufgehoben und mehr ais aufgc- hoben werde. Unser? Ablehnung aller indirekten Steuern zwingt aber die Regierung, die auf alle Fälle das Defizit bekämpfen muß, zu dem Versuch, sich nach rechts eine Majorität zu sichern und gibt der Deutschen Volksparlei erst die ZNöglichkeil zu ihren Erpressungen." Das gegenwärtige Steuerkompromiß wird zwar von der „Freiheit" als asozial drückend und finanziell ungenügend" bekämpft, aber sie verlangt eine„beweglichere Taktik" der USP. in Steuerfragen, da es jetzt nicht mehr wie unter dem alten System auf die bloße Propaganda, sondern auf die Ver- wirklichung und Durchsetzung der Arbeiterforderungen an- komme. Was die Koalitionspolitik anbelangt, so erkennt jetzt die „Freiheit"-Redaktion, daß diese eine taktische, keine prinzipielle Frage ist, die je nach den Umständen beantwortet werden muß. „Daß es Situationen geben kann, in denen die proletarischen Interessen eine Zeitlang durch Beteiligung an einer R'gierung, auch wenn sie nicht rein sozialistisch ist, wirkungsvoll vertreten werden können, ist eine Auffassung, die in weiten Kreisen der Partei vertreten wird." Freilich meint die„Freiheit", daß diese Frage zurzeit nicht von Bedeutung sei, weil die bürgerlichen Parteien ein« Koalition mit der USP. ablehnten. Aber auch hier sei eine beweglichere Taktik notwendig Was die.Erinnerung" des Konsistoriums an den Pfarrer Kürschner anbelangt, so finden wir die darin ausgestellten Grundsätze recht dehnbar. Wer urteilt darüber, was„Ueber- treibung, was„oberflächlich", was„aufreizend" ist. Vom Standpunkt eines deutschnationalen Fanatikers sehen solche Dinge sehr viel anders aus als vom Standpunkt eines objektiven Beurteilers. Und soll man z. B. Kon- sistorialrat Richter- Königsberg, der als Hauptredner auf der Tagung der Deutschnationalen Partei Ost- preuhens auftritt, in diesen Dingen als objektiv betrachten? Im Gegenteil, die von diesem Herrn gehaltenen Reden geben Veranlasiung zu der Frage, ob das hohe Konsistorium sich denn auch se l b e r an die von ihm aufgestellten Grundsätze Höst?! I SPD.-Werbewoche!| K Seit vier?ahr- Sie führenüe, K � zehnten ist See // angesehenste| ♦ sozialöemokratisthe Zeitung üer deutschen strbeiter- ♦ 1 sehest.?eöe einzelne Nummer muß in dieser Woche � g von den Parteigenosten zur Werbung neuer Se- g 9 nosten und neuer Abonnenten benutzt werden. Sorgt 9 f. dafür, daß in dieser Woche in den Setrieben und bei g A Euren tzaus» von Hand zu A � nachbarn der ��WartS Hand geht!! � wer verteuert! Die„Deutsche Tageszeitung" will natürlich nicht wahr haben, daß die Lebensmittelteuerung eine Folge des freien Handels, der Zerstörung der Zwangswirtschaft ist. Die Markentwertung ist nach ihrer Ansicht die alleinige Ursache für das Emporschnellen der Lebensmittelpreise. Natürlich stehen die Preise für Lebensmittel mit dem Stande der Mark in innerem Zusammenhang, es fragt sich nur, ob dieser Zusammenhang ein spekulativer oder ein notwendiger ist. Wenn beispielsweise, wie wir das ge- rade jetzt sehen, an der Börse der Dollar in wenigen Tagen emporschnellt und gleichzeitig in den Läden die Preise für Fleisch, Butter usw. ungemesscn in die Höhe gehen, so ist dieser Zusammenhang ein rein spekulativer. Denn auf die Kosten der Aufzucht der jetzt geschlachteten Rinder, Schweine usw. kann doch der Markkurs vom März 1922 nicht vom gering st en Einfluß sein. Die jetzige Verteuerung erfolgt also nicht wegen Erhöhung der Unkosten, sondern aus der Spekulation heraus, daß die aus dem Auslande importierten Nahrungsmittel entsprechend teurer werden. Eben diese Spekulationsgewinne zu beschneiden, war der Zweck der Zwangswirtschaft. Sie konnte die Preise so lange niedrig halten, biswirklicherhöhteErzeuger- kosten eine Preissteigerung erforderten. Der freie Handel dagegen öffnet der Spekulation Tor und Tür, er führt die er- höhten Preise schon ein, noch ehe sie durch erhöhte Produk- tionskosten gerechtfertigt sind. Zu deutsch: Er erzeugt den Lebensmittelwucher. die verleumöer-Kloake. Degen Beleidigung in mehreren Fällen ist vom Landgericht Köln am 17. Juni o. I. der Redakteur Dolfgang Bartels zu Z Monaten Gefängnis verurteilt worden. Ilm IS. Fcbruar 1921 zeichnete er als verantwortlicher Redakteur in der in Köln er- scheinenden linksradikalen Tageszeitung„Sozialistische Re- publik" für einen Artikel„L u m p e n- G a l e r i e". An der Spitz» des Artikels wird von Reichspräsident E b e r t gesagt, er fei der„Repräsentant der Schieberrepublik, Wcinflaschenleerer, aufge- dunsener Platzholter de? Holjenzollern, Landsknecht" und ähnliche, mehr. In ähnlicher Weife zieht der Verfasser dann über die Mi- nister Scoe.ring und H a e n i s ch her. Im März erschien donn ein Artikel„Aus Eberls Küche". Tarin wird dem Reichspräsidenten vorgeworfen, daß er zur Zeit der Lebensmittclrationierung große Mengen Fleisch, Butter, Eier usw. für seinen Haushalt bezogen habe. Während Ebert den Arbeitern Durchhalten bei Marmelade empfohlen habe, habe er an besetzten Tafeln gescsien und dos ge- fressen, was den Arbeitern vorenthalten worden fei. Gleich darauf folgt der Ausdruck„Unverschämter Schmerbauch". Auch für diesen Artikel übernahm der Angeklagte die preßgesetzliche Verantwortung. Das Gericht erachtet« die oben erwähnten Ausdrücke in den Ar- titeln für geeignet, die Person, auf die sich die Ausdrücke bezogm, In ihrer persönlichen Ehre zu kränken. Da der Reichspräsident, so wird im Urteil angeführt, außerhalb der politischen Tcges'ämpfe steht, verdiene es eine besonders harte Strafe, wenn er in derart gehässiger Weise angeriffen und beleidigt wird. Außerdem entspricht es nicht den Tatsachen, daß der Reichspräsident für seinen Privathaushalt größere Mengen Lebensmittel zugewiesen erhalten hat. Diese waren lediglich für Repräsentationszwecke, wie parlamentarische Abende, politische Tees und ähnlich? Vcrnn- ftaüungen, bestimmt. Daß der Angeklagt« nur bestehende Mißstände habe rügen wollen, wurde ihm vom Gericht nicht geglaubt. Gegen das Urteil hatte der Angeklagte Revision eingelegt. Cr führte darin aus, daß nicht vier verschiedene Straftateu, sondcrn nur eine fortgesetzte Handlung vorliege. Dann seien die intrimi- nierten Artikel während des Wahltampfes erschienen, wo jedes Mittel erlaubt sei. Im allgemeinen Interesse könne dabei nicht auf die Ehre des einzelnen fo viel Rücksicht genommen werden wie sonst. Das Reichsgericht verwarf jedoch die Revision als unbegründet. Der»vormittags. Mit dem nationalistischen„Tag" geht es abwärts, selbst die kräftigsten Hetzereien gegen die Schutzpolizei wollen nicht mehr den nötigen Abcnnentenstand herbeischaffen. So sieht sich denn das Blatt gezwungen, zu oerkünden, daß es fortab nur noch einmal täglich als Morgenblatt erscheinen werde. Der„Tag" hat sich also zum„Vormittag" verkleinert. Trotz wiederholter Verschmelzungen hat das Blatt di«se Ent- wicklung genommen. Vor etwa einem Jahre war die schwerindu- striclle„Post" im„Tag" aufgegangen, die ihrerseits wieder die nationalistischen„Berliner Neuesten Nachrichten" in sich anfgenom- men hatten. Aber es ging wie mit Pharaos mageren Kühen: sie fraßen die fetten aus und blieben doch selber mager.— Der teutsche Patriot aber muß sein« nachmittägige Erbauung jetzt aus anderen Duellen schöpfen. Es rieseln ja deren genug, wenn sie auch teil- weise recht trübe sind. Die Königsfrage in Ungarn. Budapest, 28. März.(MTB.) Ministerpräsident Graf Beth- l e n hiett gestern vormittag in der Versammlung der Regierung». parteim in Szegedin eine Red«. Er betonte, daß di« Königs- frage bereits entschieden sei, da die Nation an dem unabhängigen nationalen Königstum unerbittlich festhalte. Man könne die alte österreichisch-ungarische Monarchie nicht wieder zum Leben erwecken. Man spreche von einer Donausöderation und einer föde�alisti- schen Form der alten österreichisch-ungarischen Monarchie, wovor sich Ungarn auch während der Dauer de» K7er Ausgleichs hütete. Man wolle jedoch in Ungarn auch von dem gemeinsamen Zollgebiet der Rachsolgeslaaten nichts mehr wissen. Dies sei mit den wirtschaftlichen Interessen Ungarns unvereinbar. Ungarn werde di« soeben erlangte wirtschaftliche Unabhängigkeit nie mehr preisgeben. Es fei jedoch bereit, mit den Nachbarn ent- sprechende Handelsverträge zu schließen und werde alles aufbieten, den freien Handelsverkehr auf der ganzen Linie wiederherzustellen. Zum Ableben Blafchkos. Verfasser des Nachrufs für Prof. Alfred Blafchko in der gestrigen Abendausgab« war Dr. med. Z a d e k. Zleulrale Vorbesprechung für Genua. Der Schweizer Bund;s- rat beschloß, di« neutralen cachverständig«», die an der Konferenz von Genua teilnehmen, auf den S. April nach Bern zu einer weiteren Vorbesprechung einzuladen. Die Einigungsfrage wird von der„Freiheit" als u«r oberste Ersichtspunkt der Politik bezeichnet. Die Uneinig- keit der Arbeiterparteien erlahme die Kraft derGefamtbewegung. Dies wird eingehend datgestellt. Das Ziel der Einigung stehe der Redaktion unverrückbar vor Augen, das lege aber natur- gemäß der Polemik gewisse Schranken auf. Der Möglich- keit einer Einigung mit der KPD. steht die„Freiheit"- Redaktion sehr skeptisch gegenüber: Dagegen erscheint uns ein solches Zusammenwirken wichtig, wie es durch die Zusammenarbeit der ASP. mit der SPD. in Staat und Kommune in Sachsen, Thüringen und Braunschweig vorbereitet ist und die in steigendem Maße auch die Unterstützung der Kommunisten findet. Das bedeutet weder unmittelbare organisa- torische Verschmelzung, noch schließt es scharf«, sachliche Kritik an der Haltung der anderen Arbeiterparteien aus. Wir haben mit Absieht den Inhalt der Denkschrift möglichst referierend und ohne eigene Meinungssätze wiedergegeben. Wir wollen auch am Schluß nicht besonders hervorheben, in welchen Einzelpunkten sich die Meinung der„Freiheit"- Redaktion mit der unserigen trifft und wo sachliche Ab- weichungen bestehen. Für den aufmerksamen Leser, der die Politik der SPD. in den letzten Monaten verfolgt hat. ergibt sich das von selbst. Ohne weiteres wird er erkennen, daß die Uebsreinstimmung stärker ist als die Meinungsverschiedenheit und daß eine Annäherung der grundsätzlichen Stand- punkte stattgefunden hat, wie man sie vor ein. zwei Iahren kaum für möglich gehalten hätte. Daß die Sozialdemokratische Partei ihren Standpunkt nicht geändert hat, brauchen wir dabei nicht zu betonen, sie hat allein das getan, was die „Freiheit"-Redaktion von ihrer Parteileitung verlangt: Sie hat die s a ch l i ch e n Interessen der Arbeiterklasse über die Agitationsrücksichten des Augenblicks gestellt, sie hat anstatt Propaganda Arbeiterpolitik getrieben. Die Denkschrift der„Freiheit"-Redaktion ist in ihren Gesamt- zügen daher eine glänzende Bestätigung für die Richtigkeit und Notwendigkeit unserer Politik, eine Bestäti- gung, wie sie nur selten eine Partei aus dem Lager einer anderen empfangen haben dürfte. öerechtigte Mahner! In der Abendausgabe vom 9. März veröffentlichten wir unter der Ueberfchrift„Ein verurteilter Hetzpriester" einen Be- richt aus Infterburg über die Verurteilung des Pfarrers Christoleit wegen Verleumdung des Reichspräsidenten. Im Ansehluß daran erinnerten wir an den Verweis, den das oft- preußische Konsistorium dem sozialistischen Pfarrer Kürschner in Melauken erteilt hatte und fragten, ob das Konsistorium nun auch gegen rechts vorgehen würde. Hierzu ersucht uns das Konsistoriuin der Provinz Ostpreußen �um Aufnahme folgender Erklärung: 1. Von einer disziplinarischen Ahndung des Verhaltens des Pfarrers Kürschner ist keine Rede. Insbesondere ist ihm kein„Ber- weis" erteilt worden, weil er den Sozialismus als die Konsequenz neutestamentlicher Ethik bezeichnet hatte. Er ist anläßlich ver- schiedener Zeitungsartikel und öffentlicher Reden, die dazu Ver- anlassung gaben, nur daran erinnert worden, daß er— was wir den Geistlichen gegenüber auch sonst betont haben—, unbeschadet der Freiheit seiner politischen Gesinnung als Geistlicher, um nicht das Vertrauen eines großen Teils seiner Gemeindeglieder zu ver- lieren, verpflichtet sei, in der Beurteilung politischer Gegner s i ch Zurückhaltung aufzuerlegen und sich keinesfalls u n b e- rechtigter Uebertreibungen schuldig zu machen, sowie daß er in seinen kirchengeschichtlichen und exegetischen Urteilen nicht oberflächlich oder gar aufreizend oerfahren dürfe. Z. Gegen den Pfarrer Christoleit, der bereit» seit Oktober 1321 infolge Derzicht» auf sein Amt nicht mehr landeskirchlicher Pfarrer ist, war bereits vor längerer Zeit ein Disziplinarverfahren wegen anderer Verfehlungen eröffnet worden, das dann im Februar 1921 auch auf die Schmähungen der Regierung und der obersten staatlichen Beamten von der Kanzel ausgedehnt wurde. Durch seine Amtsniederlegung hat sich das Disziplinarver- fahren erledigt. Kahler. Zannp Clßler und öie Zeitungsfrau. Ein Erlebnis. In einer kleinen Konditorei, seitab vom Lärm der Großstadt, erscheint an jedem Nachmittag eine alle Frau, die Zeitungen seil- bietet. Ein«? Tag«? kam ich mit ihr in ein Gespräch. Sie erzählt« mir. wie schwer es ist. sich heute mit seiner Familie durch» Leben zu schlagen. Dieser Teil der Unterhaltung ist jedoch anscheineird für sie nur das Präludium, um zu dem Gegenstand zu gelangen, zu dem sie jetzt übergeht. Denn plötzlich oerklären sich ihre Zug«, ihre Augen nehmen einen visionären Ausdruck an, und sie spricht in gänzlich ver- ändertem Tonsall: „Ich war nicht immer das, was ich heute scheine. Sie werden nicht glauben, daß ich einstmals«ine berühmt« Tänzerin gewesen bin, der Könige und Herzöge gehuldigt haben. In Wien lag mir ein alternder Staatsmann zu Füßen. Er wollte mich zu seiner Frau machen. Aber, ich habe ihn zurückgewiesen. Mein« Kunst war mir wertvoller als ein goldener Käfig. Hier, wollen Sie ein- mal sehen, wie ich in meiner Jugend ausgeschaut habe?" Sie nahm ein Bill> aus der Tasche und reichte es mir. Ein Blick überzeugte mich davon, daß es eine aus einer alten Zeitschrift herausgeschnittene Photographie der ehemal» weltberühm- ten Tänzerin Fanny Elßler war. Diese» verbärmte Geschöpf hatte wohl durch Zufall eine» Tages in einem vergilbten Journal etwas über den Lcbensgang der Künst- lerin gelesen, vielleicht wurde bierdurch eine Seite in ihrem Innern in Schwingungen versetzt, die sonst nie geklungen hätte. Dielleicht ahnte sie dumpf, daß in iroendeiner Dornröschenecks ihrer Seele «ine zweite Fanny Elßler schlief. Nur war ihr nie der Prinz er- schienen, der sie zum Leben erweckt hätte. Und nun vollzoa sich an ihr das Wunder der Transfiguration. Do» Ich der toten Tänzerin erwachte in ihr zu einem gespenstischen zweiten Leben. Die veraanqenheit, in die sie sieb hineinträumt, hilft der ver- kümmerten Alien dazu, den trostlosen Alltag ihrer Gegenwart heiter lächelnd zu ertragen. Und jeden Nachmittag lasse ich mir in der kleinen Konditorei von ihr von den Temen erzähl««, da halb Europa ihr zugejubelt und der alte Diplomat Friedrich von Gentz. den sie in„Ienren" umg«ta»st. »m ihre Liebe warb Heinz Michaelis. Beilegung de« Konfsskle» in der Akademie der Künste. Für di« ummende Frühjabrsausstellung der Berliner Atademi« der Künste haben jetzt aul Bitte des Präsidenten Max Liebermann di« Mit- alieder, die gelegentlich des Konfliktes bei der Mitgirederwahl ihr Mandat für die Ausstellungskommission niedergelegt hatten, sich wieder zur Mitarbeit zur Verfügung oeftellt. Das Zustandekommen d«r Ausstellung ist damit gesichert. Die AussteUungskommission de- steht außer Liebermann und dem ersten ständigen Sekretär der Akademie, Professor Dr. Alexander Amersdorfer, aus den Malern Ludwig Dettmann. Otto H. Engel, Franz Eichhorft, Philipp Franck, Arthur Kampf, Hans Loofehen und Max Slevogt. aus ven Bildhauern Fritz Klimfch, Hugo Lederer und Conftantin Starck und der Graphi- kerin Käthe Kollwitz. Die Vorbereitungsarbeiten für die Ausstellung hoben keine Unterbrechung erlitten, der Termin für die Anmeldung der Kunstwerke ist bis zum 3. April, der für die Einlwferung bis zum 8. April verlängert worden. Di- diesjährig« Generalverjammwng d«s veuffchen Zentralkomitee» zur Erforschung und Bekämpfung der Krebskrankheilen wird mit einer wissenfebaftlichen Tagung vevbunden fein, die unter Leitung von Geh.-Rat Prof. Dr. Kalle, dem Direktor des Instituts für experimentelle Therapie, am Sonntag, den 23. April, in Frank- f u r t am Main stattfindet. Die Taqung beginnt vormittags um 10 Uhr im Institut für experimentell« Therapie. Als Vorträge find in Aussicht genommen: Prof. Dr. Cafpori: Betrachtungen über das Krebsproblem, besonders vom Standpunkt der Immunität: Dr. Schwarz: Tumorzcllen und Tumoren: Prof. Dr. Dessauer: Phyfi- kalifch« Gedanken zur Nöntg«ntherapi« der Karzinome: Geh.-Rat Prof. Dr. Seitz: Erfahrungen mit der Strahlendehandlung von Karzinomen und Sarkomen. An den Verhandlungen können außer den Mitgliedern des Deusschen Zentralkomitees olle Aerzte teil- nehmen. Anmeldungen und Anfragen in bezug auf W ahmt na ulw. sind �tn Herrn Press. Dr. Cafpari. Institut für experimentelle Thera- pie, Frankfurt am Main, Paul-Ehrlich-Straß« ii. zu richten. Die Zlonsstadt.„Zion City" ist eine pädagogische, kirchliche und administrotive Autokratie mitten im demokratischen Amerika. Zion City bzw. ihr„Dverfecr", ihr Aufseher, dekretiert und läßt in seinen Schulen lehren, daß die Erde flach ist, daß der Himmel ein« große Kuppel ist, an der Sonne, Mond und Sterne hängen wie Kerzen an einem Leuchter und d«r«n Grundfesten aus einen Wall von Eis ruhen, der die flache Welt umgibt, damit nicht die tollkühnen See- leut« über den Rand der Meere hinweg ins Nichts purzeln. Dii Sonne ist für die Zionitcn ein massiver Körper von 49 Meilen Durchmesser, der nur 3909 Meilen von der Erde entfernt ist. Die Enfftehungsgefchicht« von Zion City im Staat Illinois ist ver- fchroben genug, um diele Kosmoqraphie hervorzubringen. Die Grün- dung geht zurück ins Jahr 1991 und aus John Alexander Dowie, oder, wie er sich selbst nannte,..Elia« III." Elias III. war anfangs der neunziger Jahr« von Zluftralien nach Ehikogo gekommen und hatte sich in knapp zehn Jahren trotz Anfeindung und Verhöhnung »in riesiaes Vermögen erworben, für das er der Stadt wie dem Staate schwer Steuern zahlen mußte. Er ersuchte um einen Steuer- Nachlaß in Ansehung seiner nützsichen Religion, und als ihm dieser abgeschlagen wurde, beschloß er eine eigene Stadt zu gründen, in der, wenn schon einmal Steuern entrichtet werden müßten, diele an ihn zu entrichten wären. Das ist der Entstehungsgedanke von Zion City. Zuerst bestand sie nur au» einer Reklome längs der Eisen- bahn. Dann wurden Zelte und Hütten ausgelchlaqen und bald auch Häuler aebaut und nach Derlaul des ersten Jahre» hotte die Stadl bereits 3999 Einwohner und verschiedene Fabriken in vollem De- trieb. Seither ist sie gewachlen und gewachlen und eine Stadt von mehreren Zehntausend Einwohnern geworden, patriarchalisch geleitet von Dowie und dann von seinem Nachfolger Wilbur Glenn Volioa, auf den das heute in den Schulen Zion Citys gelehrte Welvbild zurückgeht. Zion City ist nicht mehr ausschließlich«ine Stadt nur für Zioniten. Man nimmt auch andere auf, wenn sie sich anständig aufführen und die Zehn Gebote und die paar weiteren befolgen. die Dowie und Boiioa zu den zehn hinzu erlallen haben. Wer diese nicht beachtet, wird hinaustomplimentiert. In dieser Stadt wird nicht geraucht, nicht geflucht, nicht gespielt und nicht getrunken: tief ousgefchnittene Kleider und kurze Röcke sind verboten, so gut nss« Aerzte und Apotheken. Don Zeit zu Zeit tut Zion City das ihre. um in die Zeitungen zu kommen: entweder enffendet sie Missionare nach dem Babylon New Port oder aber die„ilnabhängiyen" und „Ungläubigen", die sich mittlerweile vermehrt haben, suchen, wenn- gleich vergeblich, bei den Gemeindewahlen die Mehrheit zu erlang«« oder der Overfeer Loliva fügt, w-« er es kürzlich wieder tat, einen neuen Baustein zu dem Weltbild für die Zioniten. Zm Flugzeug zum Nordpol. Für die im Sommer 1922 b-gin. nende neue Nordpolexpedition«mundfens find nach der„Umschau" zwei der besten Flieger Norwegen», Leutnant Oskar Omdal und Fliegersergeant Odd Dahl, verpflichtet worden. Damit wird zum ersten Male in der Nordpolforschunq da, Flugzeug- eine Rolle spielen. Der Versuch bietet allgemeines Interesse: fehlt�«s doch noch völlig an Erfabrungen dafür, wie sich im nördlichen Eismeer eine Landung des Flugzeuges gestaltet und ob es Betriebsstoffe gibt, die der dort herrschenden Kälte standhalten können. Die schon 1919 begonnenen Versuche Amundsens, mit seinem neuerdauten Schiff„Maud" östlich von den Neusibirischen Inseln ins Packeis zu kommen, sind mißglückt. Im Sommer 1922 beginnt die neue Ex. pedition. Die„Maud" soll dabei durch die Beringstraße in der Richtung nach den Neusibirischen Inseln fahren, um dann den Kur» nordwärts in die Eismasien zu nehmein Bleibt das Schiff auf seiner Treibfahrt dem Pol fern, so müssen zur Erreichuna des eigentlichen Zieles der Erpedition cindere Mittel in Anspruch ge» nommen werden. Ein» Wanderung nach der Art Nansen« und Ja- hcmnsens ist nicht übermäßig ermunternd, und welch? Verhältnisse eine Schlittenfahrt vorfinden würde, läßt sich nicht annähernd sagen. Amundfen hat sich daher entschlossen, das Flugzeug zu Hilfe zu nehmen, mit dem also, wenn dos Schiff in die Nähe des Pols kommt, ein Flug zum Pole ausgeführt werden soll. Ueber die Art des zur Verwendung kommenden Fitigzetiges steht die Entscheidung noch aus. Omdal würde am liebsten ein Flugzeug vom Hansa. Brandenburq-Tyo, d. h. einen Eindecker von 185 PS. benutzen, der große Tragfähigkeit besitzt und sich leicht montieren läßt. Im Kleinen Schauspielban» finden Mittwoch, Donnerstag und Freitag dieler Woche leine Voichevungen statt, da an diesen Tagen Proben der Hochschule sür Mufil obgebaltcn werden. Bei Alfred Heller. Lursürfteudamm U, findet eine Ausstelluno neuer eir&cittn von Zchmidt-Rottluss statt. Dt« Ausgrabungen bei Schusteneied sWürttiinSerg). die im dar, tigen Moor ichon lo wichtige Ritiichlüsse über die deuttche vorgeichtchtliche Kultur ergaben, baden zu' einer neuen lknldeckuiig gejübrt. Sie legten ein« Plablbaufiedlung der Hallftaitzeit zum Teil frei, die rund»»n einer P-Iijade umgeben ist und inwendig au» Ueinen Hifrn besteht. Muftapha am Nhem? Die„Deutsche Tageszeitung" bringt es in ihrer heutigen Morgenauegabe fertig, die Haltung der Angora-Türken, die zur Revision des Sdrrez-Diktats geführt hat, als nachahmens- wertes Beispiel zu empfehlen. Das geschieht zwar nicht offen, aber doch deutlich genug zwischen den folgenden Zeilen: Warum war dieser Vertrag nicht durchführbar? Und wie haben die Türken die Einsicht von der zwingenden Notwendigkeit einer Vertragsänderung selbst bei ihren, nächst den Griechen, intim- sten Feinden, den Engländern, erreicht? Die Antwort ist recht ein» fach: weil sie keiue Unterwarsungspolilik, keine Polilik grundsätzlicher Dillen'.oslgkkil getrieben haben, sondern durch tatkräftiges, opfermutiges Handeln die Undurchführbarkeit nachgewiesen haben. Noch heute, eineinhalb Jahre nach dem Friedensdiktat von Sövres, hat die maßgebende türkische Regierung in Angora dieses Dokument nicht unterzeichnet. Sie hat sich aber mit dieser passiven Abwehr keineswegs begnügt, sondern mit allen ihr verbliebenen!>bcr neu beschafften Mitteln den Weg aktiven Widerstandes beschritten. Objektiv entspricht zwar diese Darstellung dem geschicht- lichen Tatbestand. Und doch ist eine solch« Aufmachung dieser Ding?, zumal in der jetzigen kritischen Zeit, geradezu u n v e r- a n t w o r t l i ch. weil sie den offensichtlichen Zweck oerfolgt, dem jeder realpolitifchen Erkenntnis baren Durchschnittsleser der„D. T." die Schlußfolgerung in den Mund zu legen:„A ch, hätten wir nur auch so gehandcl t!" Daß die Auflehnung der Angora-Türken gegen Stores nur möglich war, weil Slnatolien einige zweitausend Kilometer von Paris und London liegen, weil europäische Truppen dem mörderischen Klima Cilicicns nicht gewachsen sind und weil darüber hinaus die englisch-französisch-italienisch-griechischen Gegensätze in Kleinafien jede gemeinsame Aktion unmöglich machten,' das alles weiß jeder geschulte Politiker. Aber die Masse vergißt es leicht und deshalb wäre es die Pflicht eines jeden mit Verantwortungsgefühl erfüllten Joun, allsten, bei der Besprecbung eines solchen Themas daran mit allem Nackdruck zu erinnern. Die„D. T." aber begnügt sich damit, ganz beiläufig zu bemerken:„Die geographischen Ver- Hältnisse und andere Umstände haben sie dabei unterstützt." Sogleich aber fährt sie fort: „Trotzdem liegt das eigentliche Verdienst nicht in den nur zum Teil vorteilhaften Verhältnissen, sondern in der Art, wie diese von entschlossenen Männern gemeistert und den allgemeinen vaterländischen Interessen dienstbar gemacht wurden. Nur ein überragender Wille, beseelt von glühender Vaterlandsliebe und unverwüstlichem Glauben an das eigene Volk, tonnt« es wagen, einem seit fast 10 Jahren nahezu ununterbrochen im Felde stehenden ausgesogenen Lande nach drei verlorenen Kriegen neuen Kamps gegen die Forderungen unendlich überlegener Machtstaaten zuzu- mmen." Der hinterpommersche Junker, der Lichterfelder Kadett, der preußische Amtsrichter und die sonstigen Hochpolltischen ge- schulten Durchschnittsleser der„D. T." müssen natürlich daraus folgern, daß, wenn w i r Ludendorff die Rolle des Mustapha übertragen hätten, die Revision von Versailles ebenfalls schon erreicht wäre. Aber wie soll man solche rettenden Taten von Wirth, Rathenau und der hochverräterischen Sozialdema- kratie erwarten! Die können sich ja doch nur„unterwerfen". Schlappschwänze! Der Totenwinkel am Sahnhof. Zwischen dem breiten Anfahrtsplatz vor dem Potsdamer Dahn- Hof und der Zusahrtsstratze zum Potsdamer Ringbahnhof schob sich seit Jahrzehnten bid dicht an die Budapester Straße heran, den Bürgersteig dort sehr verengend, ein Grundstück, das mit einem Zaun aus schwerem Eisenblech übermannshoch umwehrt war. Nie- mandes Blick konnte hindurchdringen. Es war, als ob der Zaun «in Geheimnis abschloß. Der Berliner jedoch kümmerte sich um den Zaun und um das, was hinter ihm lag, gar nicht mehr. Er war den Anblick schon seit Jahrzehnten gewohnt. Nur wenn er ein- mal einen Zug versäumt hatte und gelangweilt um den Bahnhos herumstrich, konnte ihn wohl eine mit Aerger gepaarte Neugier zu der stillen Frage veranlassen:„Warum stellt sich denn eigentlich dieser kalte Eisenblechzaun dem modernen Verkehr In den Weg?" Einstmals barg der Zaun auch ein stilles Geheimnis. Es lag nämlich ein Friedhof hinter ihm, der der Dreifaltigteitsgemeinde gehört«. Als der Potsdamer Bahnhof gebaut wurde, mußte der Friedhof weichen und nur dieses eine schmale Stück blieb übrig, Vor Jahrzehnten konnte man von der Freitreppe des Potsdamer Dahnhof» eine Anzahl eingesunkener und verfallender Gräber sehen, denen ein Dutzend Bäume und Bäumchen Schatten spendete. Im Frühling zwitscherte und sang eine muntere Bogelschar über all dem Vergänglichen. Zlber dann kam die Stunde, in der die Toten ausziehen mußten. Der Eisenbahnfiskue hatte das Stückchen Friedhof erworben, um die einmal doch notwendige Platzcrweiterung durchzuführen. Die Gräber verschwanden, aber die Bäume blieben und die Bogel auch. Eines Tages sah man eine kleine Laube erstehen und der dunkle Erdgrund wurde durch fleißiges Schaufeln umgeworfen. Das war im Krieg, als man auch in der Großstadt jedes Stückchen Erde brauchte. Dann verfiel auch dieses Idyll der Auflösung.- In diesen Tagen nun sah man plötzlich das stille verschwiegene Fleckchen Erde allen Blicken preisgegeben. Die Umrahmung aus Eisenblech war gefallen und seine rostigen Reste wurden abgefahren. Die Bäum« sind mit runden Schutzwanden umgeben worden, dem, der alte Friedhof liegt tief unter dem heutigen Straßenniveau und muß bis zu dessen Höhe aufgefüllt werden. Infolgedessen kann der Bürgersteig an der Budapester Straße endlich verbreitert werden. von dem Ausgang bzw. Eingang der Untergrundbahn wird zum Potsdamer Hauptbahnhof ein breiter Durchgang geschaffen. Der Rest wird mit Rasen angesät werden und mit den Bäumen den einzigen frischen grünen Fleck darstellen, den der Potsdamer Platz aufweisen kann. Ein vergessenes und unzeitgemäßes Alte weicht hier einem besseren notwendigeren Reuen. Nur die Straßenhändler werden trauern, denn ihnen bot der Zaun an der Ludopester Straße die Rückendeckung, die sie brauchten, um den Vorüberstürmenden ihre Waren anbieten zu können. De? höchftmietenzuschlag von"loo Prozent. Wa sind.«eine Reparaluren"? Der Berliner Magistrat wird sich in seiner heutigen Sitzung mit dem vom Oberprästdenten festgesetzten Höchstmietenzuschlag beschäs- «gen. der, wie mitgeteilt, auf 100 Proz. festgesetzt ist. Da durch diesen Zuschlag die sogenannten kleinen Reparaturen abgegolten sind. sei noch einmal darauf hingewiesen, welcher Art diese kleinen Repa- raturen sind. Nach der in letzter Zeit üblichen Rechtsprechung sind kleine Repa- raturen R o h r b r ü ch c in den Wohnungen, Reparaturen an der j Wasserspülung, in Klosetts, Auebesjerung lausender! iWasserleitungshähne, Instandsetzung von B a d e e l n- srichtungen, Ausbesserung an O e f e n und Kochherden, Reparaturen an Türklinken und Füllungen und ent- sprechend kontraktlichen Bereinbarungen Ersatz von Scheiben, die ohne Schuld des Mieters zerbrochen find. Bei allen kleinen ! Reparaturen ist der Hauswirt nur dann zum Schadenersatz ver- pflichtet, wenn nicht eine mutwillige Beschädigung durch den Mieter vorliegt. Slls große Reparaturen gelten Anstrich und Putz des Hauses und des Treppenhauses sowie der Eingänge, Reparaturen dxz Daches und der gesamten Fußböden infolge allzu starker Ab- Nutzung, Ersatz von Holzteilen infolge Schwamm oder Trockenfäule. Bis zum Inkrafttreten des Reichsmietengcfetzes ist der Vermieter allein zur Tragung der durch die Reparaturen entstehenden Kosten verpflichtet.., Zeuöale Waffenschieber. Bor der 11. Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgcrichtsdirektors S ch i e m e k stand heute Termin zur Haupt- Verhandlung in dem schon angekündigten großen Waffenschieber- prozeß an, bei dem zunächst 7 Angeklagte sich zu verantworten haben: 1. Oberleutnant a. D. Kaufmann Karl Teltz, 2. Haupt- wann a. D. Artur v. Unruh, Z. Bankbeamter Robert Blau- d o m, z. Landwirt Paul Möller, S. Geh. Hofrat Richard H ä h n, 6. Kaufmann Hans Schacht aus Stettin, 7. Erbprinz Gottfried von Hohenlohe-Langenburg. Die Angeklagten werden beschuldigt, im 57erbst 1020 gemein- schaftlich nach Inkrafttreten des Eiitwasfnuiigszesctzes ohne Genehmi- ?ung des Entwaffnungskommissars Militärwasfen angeboten zu oben.— Verbrechen gegen§ 1Z des Reichsgesetzcs vom 7. August 1920.— Von den Angeklagten war Hauptmann a. D. o. Unruh nicht erschienen.— Bei der Erörterung der persönlichen Verhältnisse der Angeklagten ist hervorzuheben, daß der Angekl. Teltz vor länge- reu Jahren mehrmals vorbestraft ist; er soll sich unbefugt„Ritt- meister" genannt haben. Der Angeklagt« Hähn ist in Lippe-Det- mold Geheimer Hofrat geworden. Er war seinerzeit in dem großen Prozeß Böhme wegen Schiebungen mit Ein» und Auofuhrschcinen mit angeklagt gewesen, ist aber auf den eigenen Antrag des Staats- anwalts freigesprochen worden. Der Erbprinz zu Hohenlohe-Langenburg ist 2Z Jahre alt, Sohn des Fürsten Ernst zu Hohenlohe-Langenburg und dessen Gattin, einer Prinzessin zu Sochsen-Koburg-Gotha. Er ist seinerzeit willens ge- wesen, mit einem Kleine eine offene Handelsgesell- schaft zu gründen, die nach der Eintragung in das Handelsregister den fandet mit Metallen, Maschinen und Maschinenteilen zum Zweck haben sollte. Aus der Gesellschaft ist schließlich nichts ge- worden. In der bekannten A d l o n- S a ch e, bei dem es sich um das Renkontre mit einem französischen Offizier handelte, ist er als Beteiligter seinerzeit zu 1000 M. Geld st ras« ver- urteilt worden. Gepenwärtig ist er Lehrling bei der Bank in München.— Wie der Vorsitzende hervorhebt, handele es sich nicht um Schiebungen mit Waffen, die vorhanden waren, sonoern mit Wajsen, die nicht vorhanden waren. Di« jetzige Anklage sei nur ein übriggebliebener Ausichnitt ans der ursprünglichen Anklage. E» handele sich um die Verfolgung einer Spur, die letzten Ende» zurück- reicht auf den Legationsrat von Gcbfattel und um ein weitvcrzweig- tes Geäst von Zeugen und Angeklagten. Ein Konsortium von WohnungSschwindlern. Dem Schöneberaer Wohnungsamt ist es durch schnell«» Zu- greifen gelungen, mehreren Wohnungsschwindlern da» Handwerk zu legen. Beteiligt ist nach den bisherigen Feststellungen ein entlassener A n g esst e l l t e r eines Alt-Berliner Wohnungsamtes und ein noch jetzt in einem Alt-Berliner Wohnungsamt beschäftigter A n q e st e l l- t e r, denen e» gelungen ist, zwei noch nicht lange b»im Wohnung»- amt Schöneberg beschäftigte Hilfsarbeiter für diese Geschäfte zu qc-. Winnen. Die Schwindler hatten in Erfahrung gebracht, daß ein? Familie in der L.-Straße in Schöneberg, die dorr seit 1913 in einer S-Zimmer-Wohnung wohnt, ursprünglich lediglich als U n t e rm i eter eingezogen war, ober seit 2 Jahren tatsächlich die Wohnung al» Alleinmieter ben,utzt. Die Schwindler«richieiren nunmehr bei dem Wohnungsinhaber und erklärten, die ,.B e s ch l a g n a h w e der Wohnung" stände bevor. Sie seien aber in der Lage, diese gegen Zahlung einer großen Geldsumme abzuwenden. Der Wohnung?- inhaber lieh sich aus Furcht vor der Beschlagnahme der Wohnung dazu bestimmen, die Geldsumme zu zahlen. Die Schwindler fälsch- ten darauf seinen Mietvertrag, indem sie ihn vordatierten, stempel- ten ihn mit einem beim Wohnungsamt gestohlenen Stempel ab und setzten zwei gefälschte Unterschriften darunter. Das Wohnungsamt setzte sich sofort mit der Kriminalpolizei in Ver- bindung und veranlaßt« die Festnahme der Schwindler. Die Paßfabrik in öer Kcidelstraß?. Als Kunz nach Polen wollte... Ein Millionenschwindler wurde gestern von der Berliner Kri- minalpoligei festgenommen. Ein Kaufmann Karl Kunz, der in Chemnitz einen Handel mit Textilwaren aller Art betrieb, verübte dort Schwindeleien, die schließlich eine Höhe von 1 Vi Millionen erreicht hatten. Jetzt ergriff er die Flucht und war längere Zell spurlos verschwunden. Während die Staatsanwaltschaft von Ehcm- nitz und alle Polizeibehörden ihn suchten, hielt sich Kunz, wie sich jetzt ergab, in Berlin verborgen, wo er unangemeldet einen Unterschlupf erhalten hatte. Seine Ülbsicht, noch Polen zu entschlüp- fen, konnte er zunächst nicht ausführen, weil es ihm an den er- forderlichen Papieren fehlte. Da trm er einen Polen, der sich bereit erklärte. Papiere auf einen anderen Namen und mit den erforderlichen Sichtvermerken zur Einreise zu beschossen. Al» diese Papiere fertig waren, wurde Kunz nach der K e i b e l st r a h e bestellt, wo Kunz die versprochenen Papiere erhielt und dafür 12 000 Mark zahlte. Inzwischen waren dem Flüchtigen ober Beamte der Dienststelle A. 1 auf die Spur gekommen und»ahmen ihn im letzten Augenblick fest. Eine Durchsuchung des Quartiers, von dem aus Kunz den Paß erhalten hatte, ergab, daß dort in jedem Zimmer drei bis vier Parteien hausten und daß von hier aus große Handelsgeschäfte oller Art betrieben wurden. Alle An» wesenden wurden nach dem Polizeipräsidüim gebracht, um sich über ihre Person, ihre Ausenthaltseriaubnis und ihre Beschäftigung au»- zuweisen._ ..Siedlung und Kleingarten', unsere illustrierte Beilage. siegt der heutigen Postauslage bei. Ein neuer Oberslaotianwalt in Potsdam. Der Oberstaat«« anwalt v. K e y i n g e r in Potedam tritt am 1. April in den Ruhe- stand. Zu seinem Nachfolger ist der Oberstaatsanwalt B f a f f auS Landsberg a. d. Warthe berufen. Pfaff war längere Zeit in Ober« schlesien und galt dort als weit rechtsstehend. Wetter für morgen. Verlin nnd Umgegend. Kühl,»imächst noch gröhtenteNS trübe und ellva» nebelig, mit geringen Niederschlagen und mäßigen nordwestlichen Winden. Später langsam aultlarend. Erdbeben in Belgrad. In Belgrad wurde ein starkes Erdtieben verspürt, dos mehrere Sekunden andauerte. Unter donnerartigem Getöse erzitterten all« Gebäude. Die Fußgänger fühlten den Boden schwanken. Die aus den Neubauten beschäftigten Arbeiter verließen fluchtartig die Gebäude. Außer einigen kleineren Beschädigungen an einzelnen Ge- bäuden ist kein größerer Schaden angerichtet worden. Die auf- geregte Bevölkerung beruhigte sich alsbald. Da, letzte Erdbeben in Belgrad ist vor 12 Jahren verspürt worden. Nach einer amtlichen Feststellung beschränkte sich da» gestrige Erdbeben aut Nordserbien. Da, Epizentrum war im Belgrader Kreis. Im ganzen wurden sechzehn Erdschwankungen feismographisch verzeichnet. GewerMtlfwbewegung Tie Berhandlnngen im Mullkutscherftreik gescheitert. Bei den gestrigen Verhandlungen vor dem DemsbilmackNiNgs- kommissar erklärten die Arbeitgeber die Forderungen der Streiken- den als unerfüllbar Im Gegensatz zu den Erklärungen der Tech- nischcn Nothiise gaben die Unternehmer an, daß sie inzwischen 180 Streikbrecher, Kutscher und Fahrer, eingestellt Huben, die z u- s o m m e n mit der Technischen Nothiise die Mülladsuhr besorgen. Die Entlassung der Streikbrecher müsse rundweg abgelehnt werdeii. Schließlich erklärte sich die Wirtschaftegenossenschasl bereit, ein Schied-gerichi anzuerkennen, das über die Ein- stellung der Streikenden entscheiden soll. Die Verhandlungen wer- den am Montag beginnen. Die Transportarbeiter werden heut« abend entscheiden, ob sie mit diesem Vorschlag einverstanden sind, nnd bis Montag warten, oder sofort den Sympathiestreik austiehwen. Tas Betriebsrätegesetz. Nachdem die Neuwahlen der Betriebsräte bereits zum Teil bc- endet sind, ist es notwendig, daß sie sich mit den ihnen gestellten Auf- gaben gründlich vertraut machen. Hierzu bieten ihnen die im Rahmen der Betriebsräteschule stattfindenden Kurs« Gelegenheil. Obgleich diese bereits begonnen haben, besteht i» einzelnen Kursen die Möglichkeit, noch neue Hörer auszunehmen. Diese Kurse finden statt: Kurs C. 6: Donnerstag, nachmittags von 6— b U h r, im Sophien-Lyzeum, Wein Meist er st rnße 10 17, Zimmer 34. Kurs NW. 18: Donnerstag, abends von 8—10 Uhr, Im Friedrich-Werderschen Gymnasiuni, Bochum er Str. 8b, Zimmer 301. Kurs N. 23(für Anfär ger): Dienstag,»ach mittags von 6— 8 Uhr, in der G e m e i n d e s ch u l e, Greisen- Hagener Str. S8, Z i in in e r 3. Kurs N. 24(für issörer mit Vorkenntnissen): Dienstag, abends von 8—10 Uhr, in der Gemeindeschule, G r e i f e n h a g e n e r Str. 58, Z i m m e r 3. Anmeldungen werden im Bureau der Schule, Berlin SO. 16, Engelufer 24/23, 2. Hos I. sowie im Kursus selbst enigegengenonimen. Der Hörcrbeitrag beträgt pro Doppclstunde 1 M „Löhne bei der Heilsarmee." Zu diesen in den Nummern 137 und 140 des„Vorwärts" veröffentlichten Berichten erhalten wir folgende Berichtigung von Herrn R o ch o cz: „Das Grundstück Dresdener Str. 34:35 gehört der„Heilsarmee- Grundstück»-G. m. b. H.", welche mit dem.Hauptquartier der Heils- armee nichts zu tun hat. Das Hauptquartier desindei sich in der Gertraudtenstraße. Die Verwaliung des Grundstücks Dres dener Str. 34/36 ist mir als Generalbevollmächtigtem und Treuhänder übertragen und ich habe die Pflicht, den jährlichen Verlust, der zurzeit 150— 200 000 Mark beträgt, durch ordnungsmäßige Bewirl- fchaftung nach Möglichkeit zu verringern. Der Verlust ergibt sich daraus, daß die meisten Mieter des Grundstückes Dresdener Str. 34/36 lausende Verlrüge hat, die bereits vor längeren Jahren abgeschlossen sind, so daß zum Teil noch Friedensmieten gezahlt werden. Hier- auf ist um so mehr hinzuweisen, als es sich bei den Mietern teilweise um Großindustriell« handelt, welche mährend der Kriegs- und Nachkriegszeit große Vermöge» erworben haben nnd leicht in der Lage wären, die heute angemessene Miete zu zahlen und sich an der Aufbesserung der Porticrgehälter zu beteiligen, wie dies in sehr vielen Häusern geschieh!. Alle nieine diesbezüglichen Ersuchen find von dem Mieterausschuh, welcher während der Kriegszeit reklamiert war, sowie von den Mietern schross abgelehnt worden. Die in dem Grundstück beschastigten Portiers und Heizer be- ziehen Gehälter von durchschnittlich 600 M. wöchentlich. Die zwei Heizer sind von m i r engagiert und werden auch von m i r entlohnt. Die Portiers P a e tz und Habermann sind außerdem Renten- «mpfänger und dürsten al« solche noch den Bestimmungen des De- mobilmachungsousschusses überhaupt nicht beschäftigt werden. Ich habe sie auf ihre Bitte» hin. uin ihnen«in angemessenes Einkommen zu ermöglichen, weiter bejchöstlg!. Redewendungen, wie sie mir in dem Artikel vom 24. d. M. in den Mund gelegt werden, stnd von mir niemals gebraucht worden. Der Portler V a e tz welcher annähernd 70 Jahre alt ist, hat nicht 9 Kinder, sondern nur eine erwachsene Tochter. Wenn ich den Vertretern des Portierverbandes eine schroffe Antwort gegeben habe, so ist dies deshalb geschehen, weil diese Ant- wort von den betreffenden Herren durch ihr Veryalten, insbefondere ihre Drohungen, herausgefordert wurde. Jä, steh« zur yeilsarmee in keinem anderen Verhältnis wie zu meinen sonstigen Auftraggebern." Jeder Arbeiter stanz gleich, ob Hand- oder Kopfarbeiter, muß eine Zeitung lesen, die seine Interessen im Kampf mit dem Kapitalismus vettritt. Der„Vorwärts" steht seit Jahrzehnten in diesem Ringen der Berliner Arbeiterschaft als Berater treu zur Seite. Des- halb gilt für jeden Arbeiter und Angestellten die Parole: Schaffe dem �Vorwärts" Leser! Sorge dafür, daß Dein Blatt neue Anhänger erhält. Es ist Dein« Waffe, es ist Dein Bollwert gegen die Reaktion. Deine Pflicht ist es. dafür zu sorgen, daß der„Vorwärts" in alle Wohnungen des arbeitenden Volkes, in jede Fabrik und Wertstatt kommt. Er bereitet den Boden, auf dem zukünftige Erfolge wachsen sollen, schasse ihm Abonnenten. Nachstehender Bestellzettel ist auszufüllen und an die Hauptgeschäftsstelle des„Vorwärts", Berlin SW. 68. Linden- ftraße 3,«inzusenden.(In Orten außerhalb Groß-Berlins ist der„vorwärts' bei der Post zu bestellen.) Ich abonniere den„Dorwä.rt«' mit der illustrierten Sonntagsbeilage',. Boll und Zeit", der UnlerhalNingsbeilage „Helmwelt" und der 14tSgig erscheinenden illustrierten Bei- läge„Siedlung und Kleingarten" in Groß- Berlin täglich zweimal frei in. Hau» für 30 M. pro Monat April Name. Wohnung: .Straße Nr. vorn- Hos— Ouergeb.— Seitcnfl Tr. sink»— rechts bet Noch keine NuSzahkung der> neuen Beamtengehälter. Die in die gestrige Abendousgebe des„Vorwärts" übernommen? Rott} eines Korrespondenzbureaus über die Auszahlung der neuen Beamteirgehältcr zum 1. April, hat sich als verfrüht erwiesen. Wann die Auszahlung erfolgt, scheint man im Reichsfinanzmini- sterium noch nicht zu wissen. �_ �ohnabkomuien im Zeitungsgcwerbe. Die im ZdA. zusammengefaßten Angestellten des Eroß-Berliner Zeitungsxcwerbes hatten in einer zu Tausenden zählenden Dersamm» lung über den gestern nachmittag im Schlichttingzausschiifj gefällten S ch i e d s s p r u ch abzustimmen. Kollege Meyer referierte und wies auf die durch die neue Lerhandlungstaktlk der Arbeitgeber zer- schlagencn direkten Verhandlungen hin. Er betonte die Notlage der Angestellter. Die Arbeitgeber stützten sich aus den Spruch des Schlichtungsausschusses vom 26. Januar 1322, der als Bedingung für Neuverhandlungen eine durch imvorhergesehme Ereignisse hervorgerufene Teuerung vorsah, wie Shylock auf seinen Schein. Nachdem sie dann die Forderungen der Angestellten entgegengenommen hatten, brachen sie plbtzlich die Verhandlungen ab und erklärten, kein Gegenangebot machen zu können, da die Forderungen der Ange- stellten weit über das Matz der Teuerung hinausgehen. Der von ihnen angerufene Schlichtungsausschuß entschied nach längerer Ver- Handlung zugunsten der Angestellten, indem er für den Monat März eine Zulage von 20 Proz. auf das Februargehalt und für den Monat April eine solche von 4 0 Proz. zubilligte mit der Maßgabe, am 15. April direkt vor dem Schiich- lungsausschuß erneut zu verhandeln, wenn bis dahin eine merklich? neue Teuerung eingetreten ist. Nachdem Kollege Kruse noch auf die Wichiigkeit der Organisation in längeren Aus- führuiigsn hingewiesen hatte, wurde der Spruch des Schlichtungs- ausschusses gegen vereinzelte Stimmen angenommen. Zum Kampf der Metallarbeiter in England wird berichtet, daß die gestern ausgenommenen Verhandlungen ergebnislos verliefen. Die Untemchnier lehnten den Vorschlag der Arbcitervcrtreter, die Aussperrung bis zu neuen Verhandlungen aufzuschieben, kategorisch ab. Die Lage in der englischen Metallindustrie wird als sehr kritisch betrachtet. Die»ussperrnng der englischen Werftarbeiter scheint Tatsache zu werden. Die Unternehmer beharren auf der Aussperrung, obwohl sich die Arbeiter bereit erklärt hatten, die Frage der Lohnkürzungen einer neuen Abstimmung zu unterbreiten. Di« Aussperrung zieht immer weitere Kreise. Sogar Firmen, die dem Arbeitgeber- verbände nicht angeschlossen sind, werden ihre Arbeiter heute ohne vorherige Ankündigung aussperren. Der Präsident des Arbeitgeber» Verbandes hat!« an die Vertreter der Arbeiterschaft«inen Briet ge» richtet, in dem er ihnen vorschlug, die Arbeiter in den Betrieben der Schisfsbauindustrie, die unter dem schlechten Geschäftsgang leiden, aufzufordern, den vorgeschlagenen L ohnreduktionen zuzustimmen. In ihrer Antwort erklärten jedoch die Arbeitervertretcr, dazu nicht in der Lage zu sein. � Deriand der TSpfer. Donnerstaz c-bend S Udr sugerordrniUKe Mitglied-» Versammlung in den EophiensSIen, Eovhienitr. 17/13. Bericht der Lahntommisswir. Maifeier. Mitgliedsbuch mitdringen, da Adstempelung zur Konirolle. Bcrantw. für den rcdakt. Teil: Araxz Kind». Berlin-Lichierlelde: für Anzeigen: Zh. ILIoite, Berlin. Berlag Borwärts-Berlaz<ö. m. b. S.. Berlin. Druck: Torwarts-Duchdruckerei u. Berlagsanltalt Paul Singer u. Co.. Berlin. Lindeulir. Z. Lebt Rjndkox mit Chroa- ledcr-Efottfe. Orij. Mac-eay vlll dllr noch Men; Trotz ganz enormer Preissteigerung bringen wir unserer verehrten Kundschaft auch jetzt noch eine Reihe ganz besonders hiliiger Angebote. Wegen des groBen Andranges bitten srl» in den Vormittagsstunden zu kommen. Besichtigen Sie unsere 11 Schaufenster. 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