Nr. 154 ♦ ZH.�ahrgaag Ausgabe B Nr. 77 Bezugspreis: Si£rttI:ährL6ü,— M., monatl. 20,— M. frei ins£>a;i5, voraus zahlbar, Poli- b?i,ugi Monatlich 20.— M, einschl. gu- stellunqsgedühr. Umer»reuzband für- Deutschland, Danzig, Eaar- u, Memel- aebiet, sowie Westpolen, Oesterreich u. Luxemburg öl,— M., für das übrige Llnsland 72.— M. dlostbestellungen Lehmen an Belgien. Dänemarl, Eng- land, Esthland, Finnland, Franlreich. Holland, Lettland, Luxemburg. Oester- Leich. Schweden, Schweiz, Tschecho- Elowalei und Ungarn, Der„Borwärts� mit der Sonntagsbeilage„Poll und Zeit", der Unter- Hmtungsbeilage.Leimwelt" und der Beilage.Siedlung und Kleingarten" erscheint wochenläglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adreste! �Sozloldemotrot Berlin- Abend-Ausgabe c SrvK.�LrNn«S Pf auswärts SO pssnnög ) Verlinev Volksl>l»li Anzeigenpreis: Die e l n f p a I t t g e Nonrarelllezelle kostet 12,— M,.Kleine Anzeigen" das fettgedrurlre Wort 3,— M.(ZU- löistg zwei fettgedruckte Worte), sedes weitere Wort 2,— M, Slesieugesutb« und Schlasslellenanzetge» das erste Won 2,— M„ ledes wettere Won IJiO M, Worte über lö Buchstaben zählen für zwei Worte Familien-?ln- zeigen für Abonnenten Zeile fi,— M, Die Preise verstehen{ich einschließlich Teuerungezulchiag Anzeigen Mr die n ä ch st e Ntlmmer müssen bis 4Vi Uhr nachmittag» im Hauptgefchäit. Berlin EW Ki, Linden- strahe 3, abgegeben werden. Geöffnet von S Uhr sriih bis 3 Uhr nachmittag» NO Zentralorgan der Sozialdemokrat! fehen partei Deutfchlands Ueöaktion und Expedition: SW HS, Sindcnftr. 5 aos-nidirrrftfr- Ncdafiion Moristpla« ir>lse5— 97 ,zer»,pren,cr. �xp�dition Motihplav li7»:t— üt Freitag, den 31. März 19ÄÄ Vonvörts-Verlag O.m.b.h., SV) H8, Lindenstr. 3 Fernsprecher: �brlng, ObxlnrbitiDii und Inseraten- Alteflnng Morinplast Großer Mbeiterwahlsieg m Englanö. London. 31. März.(EP.) Bei der gestrigen Ersatz- mchl in Ens! L e i c e st e r wurde der Kandidat der Arbeiterpartei. Banton, mit 14 082 Stimmen gegen 8 7 10 Stimmen für den Koalitionsliberalen Marlow und 3 S 2 S Stimmen für den unabhängigen Liberalen Allen gewählt. Die Koalition ertitl somit eine neue Nied erläge. * Die volle Bedeutung dieses neuen Erfolges der englischen Arbeiterpartei geht erst aus einem Vergleich zwischen dem gestrigen Wahlergebnis und den Stimmenzahlcn bei den all- gemeinen Wahlen im Dezember 191?, den sogenannten Khakiwahlen, hervor. Damals siegte in Leicester-Ost der Koalitionsliberale Hewart mit 18 924 Stimmen. während sein einziger Gegenkandidat, der Arbeiter- p a r t e i l e r Banton es nur auf 6697 Stimmen brachte! Es hat demnach in diesen drei Jahren eins vollständige politische Umschichtung der Wählerschaft statt- gefunden. ASquith-Liberale gegen Lloyd George. London. 31. Mar,.(WXS.) Die Partei der unab- hävgigca Liberalen wird am Montag folgenden Gegen- an trag gegen das Vertrauensvotum fiir die Regierung einbringen: Die Kammer bedauert die Einschränkung der Der- handlungsgcgenstände in Genua; sie billigt ,wor die Itbhaltung der Konsenmz, weigert sich ober, der Regierung bezüglich der Koiiseren, ihr vertrauen auszusprechen. Nachträgliche Polemik über S?a. London, 31. März,(WTB.) Unterhaus. In Erwiderung auf eine Anfrage erklärte Chomberlain, die Berichts über die vor 5lvei Tagen abgehaltene Geheimsitzung des franzSfi- Ich sn Senats enthielten eine Entstellung der Tatsachen. In Wirklichkeit hätten sich die Ereignisse folgendermaßen abgespieit: Iur Jähre 1920 hebe der Oberste Rot deutsche Kohlensackuerständige nach Spa berufen, die erklärt haben, der Hauptgrund für die unzureichen- d n Kohlenlieferungen sei die schlechte Ernährung der deutschen Bergleute. Di« alliierten Sachverständigen hätten di« Berechtigung dieser Erklärung e i n st i m m i g anerkannt. Der Oberste Rat habe darauf aus Lloyd Georges Attvrag beschlossen, daß die Alliierten Deulschland für den Ankauf von Lebensmitteln für die Bergleute ein« Summe vorschießen sollten, die dem Unterschied zwischen den tatsächlich für die deutschen Kohlenlieserungen g: leisteten Zahlungen und dem in England üblichen Ausfuhrpreis d;r Kohlen entsprechen sollte. Dieses Abkommen habe sich auf einen Zeitraum von sechs Monaten erstreckt und seine Ergebnisse seien ge- wesen, daß die Forderungen der Rtparalion-kommission beinahe vollständig erfüllt wurden, und daß die Kohienkris« in Frank- re-ch eine Erleichterung erfuhr. Da- britische Schatzamt habe ent» gegen den vetöffentlich-n Behauptungen keinerlei Borteile erzjelh im Gegenteil habe Großbritannien sich bereit erklärt. Deutsch- land Vorschüsse zb gewähren, ohne daß irgendwelche Kohle noch Eng- land gestiesert wurde. Am Mittwoch hat!« in einer geheimen Sitzting des sranzösischcn Senats der frühere Finonzmiuister des Kabinetts Mill-rand, Franko!- Marsal, gegenüber Angrissen der Dudgetkommiision wegen des angeblichen zu weitgehenden Entgegenkommens der französischen Dtteoation in Spa eine Darstellung der damaligen Ereignisse ge- geben aus der hervorgehen sollte, daß die Entschlossenheit Mille- rand-' zwar Lloyd Georg« zum Nachgeben veranlaßt hätte, daß aber England sich schließlich bei der Regelung der Kohienftage finanzielle iL ortet le gesichert hätte._ Nachspiel zur Wahl Martps unü Saöinas. Zweidrittelmehrheit gegen Amnestie. Paras. S1. März.(Intel.) In der gestrigen Kammersitzung inter- peMerte der Kommunist C ach in den Ministerpräsidenten über den noch von dem Kabinett Briand eingebrachten Amnestie ent- murf Er trat für die Behandlung dieses Entwurfes in der näcbsien Kammcrsistimg ein und forderte von dem Ministerpräsiden- ten' gemäß dem Willen de- Volkes die Freilassung von Marty und Dodina, die am letzten Sonntag wiederum zu Stadtverordneten gewählt worden waren, aus dem Gefängnis. Poincare erwiderte, daß die Regierung das Amncstieprcjekt Briands aufrechterhalte und unterstütze, doch könne sie der Entschei- düng der Kammer nicht vorgreifen. Zu der Forderung auf Freilaffung von Marty und Badina erklärte Poincare, daß hierfür eine, obendrein ungesetzliche Wahl, zum Stadtverord- neten nicht genügen könne. Die Regierung werde die Entscheidung der Kammer über die Amnestievorlage abwarten und dann auch hierüber eine Entscheidung fällen. Eachin stellte den Antrag, die Amncstieoorlagc noch vor d e n v st e r f e r i e n zu beraten. Der Antra, wurde mit Zweidrittelmasorität abgelehnt. Die Amnestievorlage dürste nunmehr schwerlich vor den Sommerferien zur Verhandlung kommen. öaperische.Bißpolitik". Zur Charakteristik Tr. Heims. Genua. Die Reichsregierung hat sich in einer gestern nachmittag im Reichstag abgehoiten'en Äabinettssitzung m>t der Frage der Zusammensetzung der deutschen Delegation für Genua beschäftigt. Es steht jetzt fest, daß folgende drei Minister als Hauptdelegierte nach Genua fahren werden: der Außenminister Dr. R a t h e n a u als Delegationsführer, der Reichswirtschaftsistinister Genosse Robert Schmidt und der Reichsfinanzminister Dr. Herme s. Sie werden begleitet von Staatssekretär v. S i m s o n, Ministerialdirektor v. M a l tz a h n und Geheimrat Ritter für das Auswärtige Amt, Staatssekretär Dr. Hirsch für das Reichswirtschafts- Ministerium und Staatssekretär Dr. Schröder für das Reichsfinanzmintsterium. Dazu kommen noch eine Anzahl von Wirtschaft- lichcn Sachverständigen, deren endgültige Liste noch nicht feststeht. Es gilt jedoch als sicher, daß als Vertreter der Gewerkschaften Genosse Rudolf Wissel! für den ADGB., der frühere preußische Ministerpräsident S t e g e r- w a l d für die Christlichen und der demokratische Reichstags- abgeordnete Erkelenz für die Hirfch-Dunckerfchen Gewerk- schaften nach Genua fahren werden. Am heutigen Vormittag ist das Kabinett unter dem Vorsitz des Reichsprä si- d e n t e n erneut zusammengetreten, um die endgültige Desegationsliste zusammenzusetzen, die. einschließlich des Hilfspersonals, etwa 89 Personen umfassen dürfte. Laut„D. A. Z." sind im Auswärtigen Amt besondere Maßnahmen zum Schutze der Deutschlands demnächst durch- reisenden fremden Delegatwnen besprochen worden. O Tschitscherin, der m Riga mit der sowsttrussischen Dele» gation eingeltossen ist, äußerte dem Sonderberichtetstotter'des „Manchester Guardian" gegenüber sein« Beunruhigung über die Haltung der italienischen Regierung, Wenn die russische Dcle- gation nicht in Genua, sondern 30 Meilen davon«nisernt in R a p p a l l o untergebracht werde, so müsse sie �.'den Tag in Zl u t o- mobilen auf der einzigen Berbindungsstraße zwischen Roppallo und Genua, die besonders für Mordanschtäge geeignet sei, nach Genua fahren. Angesicht- der Drohungen, die bereits durch Sawinkow und die russischen Monarchisten ausgestoßen worden seien, würde es viel- leicht für die Sowjetdelegation unmöglich fein, nach Genua zu gehen, wgnn sie täglich auf der Straße Rappallo—-Genua Spieß- ritten lausen müsse, L i t w i n o w erklärt« in einer Unterredung mit demselben Be- richterstatter, gewisse Bericht« über die Vorkonferenz'der Sachver- ständigen in London, die in der französischen Presse txrröstent.'icht wurden, seien nicht ermutigend für den Erfolg der Konferenz. Es werde anscheinend immer noch versucht, die Angelegenheit Ruß- land- zu regeln, ohne'die Herren des Hauses zu befragen. Litwinow erklär!« außerdem, ein Friedensvertrag mit Rußland sei nicht nötig, da kein form eller Kriegszustand geherrscht habe, Rot- wendig sei nur die Mederherstelltmg normaler Beziehungen, Interalliierte Vorkonferenz? Einer TU,-Meldung aus Poris zufolge berichtet der„Petit Parisien", daß vor der Eröffnung der Konserenz von Genua zwischen den Alliierten eine Vorkonserenz stattfinden werde, in der über verschiedene Punkte, die bis jetzt noch nicht aufgeklärt seien, verhandelt werde. Lloyd George habe mit dem italienischen Außenminister am letzten Montag sich hierüber ausgesprochen. „Petit Pariüen" nennt zwei Fragen, die mai� noch vor Beginn der Konferenz regeln müsse: einmal die Verpflichtung der Konferenzteilnehmer, sich jeden Drucks gegenüber ihren Nachbarn zu enthalten, da noch nicht bestimmt sei, welche Form' man dieser Verpflichtung politischen Charakters geben soll.-Es sei gefährlich für die Alliierten, sich zu der Konferenz zu begeben, ohne sich über diesen Punkt geeinigt zu haben. Die zweite Frage betreffe die Tagesordnung: Mit welchem Gegenstand fall die Konferenz ihre Arbeiten beginnen. Amerikas vesahungskostensorderung. Der Pariser Ausgabe der „Chicago Tribüne" zusolze haben die belgische und die französische Regierung den amerikanischen Anspruch auf Kostenersatz für das BesatzungsHeer in einer Note an Amerika grundsätzlich ge- billigt._ dollarfturz auf 305. Die Hauste am Devisenmarkt hat einen schweren Stoß er- halten. Der Dollar wurde heute mittag mit 393 angeboten. Die Käufe der Industrie und des Handels haben stark nach- gelassen, so daß die Spekulation, die sich noch in den letzten Tagen ä In Hausse engagiert hatte, heute zu Abgaben schreiten mußte. Der Rückschlag am Devisenmarkt sowie die im allge- meinen unklare wirtschaftliche und politische Lage rief auch am Effektenmarkte eine starke Zurückhaltung hervor. Die Kurse waren größtenteils niedriger. Wer die jetzige Taktik des monarchistischen Separatismus in Bayern verstehen will, der muß die ganze ,.H c i m"tückll der Kahrschcn Politik des Jahres 1919/29 kennen lernen. Der Beleuchtung dieser Politik dienen die folgenden Zeilen. Im September 1919 hat der bayerische Volkspcrteiler Dr. Schltttenbauer die m o n a r ch i st i s ch- s e p a r a- t ist i j ch e Propaganda des Grasen Bothmer, des früheren Leiters der Bayerischen Königspartei, mit größter Ent- schiedenheit abgelehnt. Diese Haltung der Bayerischen Volkspartei hinderte Herrn Dr. Heim durchaus nicht, in enge Verbindungen mit den Separatisten Bothmer und 2 o r t e n zu treten. Zu Beginn des Jahres 1929 waren Berichte über das Techtelmechtel Heims mit militari st isch- gesinnten einflußreichen Franzosen in die deutschen parlamentarischen Kreise gedrungen, und um Mitte Januar 1929 hielt im Deutschen Reichstag Dr, W i r t h, da- mals Führer der bodischen Zentruinspartei, Herrn Dr. Heim vor, daß er auf dem Münchener Zentrümsparte'tag: für Bayern dos Recht auf eine Volksabstimmung über die Rcichsverfassung beansprucht und mit den Franzosen gegen den Willen der Reichsregierung ver- haydelt habe. Am<3. Februar 1929 umschmeichelte Dr. Heiin in der> Münchcner Generalversammlung des chrift- lichen Bauernvercins die Franzosen in charakleristischer Weife und bot ihnen„unsere Hilfe" im Kampfe gegen dos bolschewistische Rußland an. Er machte Frankreich förmlich gegen die deutsche Republik scharf, die übertriebene z e n t"r a- listifche Politik des Reiches, so betonte er, rejze Frankreich auf, das in einer Vereinigung aller Macht in Berlin eine Gefahr für die Zukunft erblicke. Der Zentralismus fei um so gefährlicher, weil er ein sozialistischer sei. Im Februar 1929 trug der Kapp-Putschist Hauptmann B e r t h o l d dem Dr. Heim in Regensburg die Uebernahmc der Regierung an. Heim hielt nach den Aufzeichmingen des Derthold eine Verständigung mit Frankreich für möglich. Zwei Tage vor- her war schon ein Vertrauter Heims, der Rsgierungsrat Ankenbrand in Würzburg in einer Unterredung mit Berthold für eine Verständigung mit Frankreich und für eine L'o slösung Süddeutschlands von Norddeutsch fand eingetreten. Zlnkenbrand befür- wartete die Bildung eines norddeutschen und eines süddeutschen Blocks, zwischen denen eventuell sogar eine Zollgrenze bestehen könnte. Am 14. März 1929 erzeugte der Berliner Kapp- Putsch in München eine sörmliäie Revolte der Reichswehr, der Zeitfreiwilligen und der höheren Bursaukratie gegen die Regierung Hoffmann. Der General v. Mühl erklarte, nicht mehr die Sicherheit der Regierung verbürgen zu können. Di? Sozialisten in der Regierung traten zurück und Dr Heim beförderte seinen Günstling K a h r auf den Minister- präsidenten-Sessel und diktierte ihm förmlich sein Pro- g r a m m. Kahr trieb infolgedessen seine berüchtigte„R i ß"- Politik. Bayern schuf sich weiter als Stütze seiner weißblauen Politik eine kraftvolle Einwohnerwehr ustd Herr v. Kahr drohte mit der förmlichen Trennung vom Reich, mit dem „R i ß", wenn„Berlin" auf die Auflösung der bayerischen Einwohnerwehr bestehen sollte. Zugleich verwandten sich Heim und Bothmer bei einflußreichen Militär- und Zivilpersonen Frankreichs für die E r h a l t u n g d e r E i n- wohnerwehr. Graf Bothmer rückte zum förmlichen Ad- jutanten Dr. Heims auf Im April wurden sehr viele ver- bindende Fäden zwischen dem mllitaristiscken Frankreich und dem„Riß"-Bayern K a h r- H e i m s gesponnen. Der„Königsbote" Bothmers war besonders über die ,.Riß"-Rede des Herrn v. Kahr beglückt. Er meldete triumphierend, Dr. Heim habe auch die Meinung, daß es unter Umständen notwendig werden würde, daß der Süden sich auf eine Zeit von einem bolschewistischenRorden abkapseln müsse. Dr. Heim hetzte am 18. Mai 1929 in geradezu unver- antworllicher Weise in der Buchloer Generalversammlung des' christlichen Bauernversins gegen die Berliner Regierung. „Und wenn in Berlin", so polterte er,„erst der S a u st a! l losgeht, werden wir in Bayern uns trennen und sorgen, daß das Haus bei uns sauber bleibt, und so lange warten, bis die„oben" wieder vernünftig werden. Dann werden wir u n s e r e Rechnung stellen wie Roske im April 1919, und unsere bayerische Selbständig- keit zurückerobern." In den schwärzesten Farben malte Heim nun die b o l- schewistische Gefahr in Deutschland. Norddeutsch- land wurde von ihm als völlig dem Bolschewismus verfallen dargestellt Auf dem Parteitage der Bayerischen Volkspartei. der kurz nach dem Wahlsieg dieser Partei 1929 zusammentrat. wetterte Heim leidenschaftlitsi gegen den Ballonmützen- Zentralismus, den Deutschland zurzeit besäße, und Iber sich als eine Gefahr nach innen und außen erweise. fytr sprach.yeim nach Paris hinüber. Französische Generalei rechneten im Sommer 1S20 auf bayerische Hilfe bei dem als» �«./„ m....._... nahe bevorstehend betrachteten Kriege mit Sowjet'! � Rechtspresse kochen alle Gefühl« der Enttau- u ß l o n d Um diese Zeit äußerte ein französischer General- schung. Verärgerunaund Wut über den Verlauf der gestrigen major auf der Fahrt von Mainz nach Wiesbaden:„Vei der, Reichstagssitzung. Wenn der..Tag" keifend über den Reichs- konunenden Auseinandersetzung zwischen uns und dem Bvlschc- j tag herfällt und über„parlamentarische Altweiberpsyche" �""~ 1---—------ hysterische Geblaff der Rechtspresse zehnma' w-.smus mag Deutschland neutral sein wollen. Bayern zetert, so gibt das « i ch t es ill ganz westlich orientiert. Anfang Luni 1920 hatte Dr. Heim eine wichUtje Be- ferechung mit einer von ober st er französischer Seite bevollmächtigten Pe-rson. Es Unterhandlungen, nicht bloße Unterhaltungen, denn mehr Anlaß, von einer journalistischen Altweiber- psyche zu reden. Interessant ist übrigens das Verhalten der angeblich„fünfzigprozentigen" Presse, die nach,.hren eigenen waren Angaben den Standpunkt„der beiden Rechtsparteien" ver- Heim tritt. In dem Augenblick, wo die Deutsche Volkspartei nicht galt als Leiter der auswärtigen Politik, mehr den Deutschnationalen Gefolgschaft leistet, entpiippt sich Bayerns, und fein zeitweiliger Adjutant Bothmer be- diese Presse als hundertprozentig— deutsch national! eiferte sich, den Franzosen die Meinung beizubringen, daß! Zwei Tendezen lassen sich rn der Rechtspresse unterschei- Heim in der Tat der eigentlich regierende Mann in Bayern< den. Die eine Richtung hofft immer noch auf den Ausgleich fei. Immer schärfte Bothmer dem Dr. Heim ein. man müsse mit der Deutschen Volkspartei und sucht diese zu entschuldigen. sich unter Vermeidung des gewöhnlichen Instanzenwegs mit indem sie sich daran klammert, daß die Annahme des An- den führenden Männern Frankreichs direkt verständigen; denn »m Quai d'Orfay fei man ebenso verknöchert wie in der Wilhelmstraße. In den Unterhandlungen Heims mit Frankreich dürften der„preußifch-deutfche Zentralismus", die Notwendigkeit einer föderalistischen Gliederung Deutschlands und die„bolsche- wistisch« Gefahr" eine besonders bedeutsame Rolle haben. Dieser reichszerstörende„Föderalismus", der die Wiedererweckung des alten Bundesstaates, das Recht der Einzelstaaten, ihre Staatsform selbst zu bestimmen, eigene auswärtige Politik zu treiben und über eigene Militärkontin- gente zu oerfügen, anstrebte, wurde in das Bamberger Programm der Bayerischen Volkspartei aufgenommen (18. September 1920). Vergeblich waren die Anstrengungen des Abg. Linus Funke in Bamberg, die Beratung dieses Programms jujxrschteben, nachdem cher Abg. Dr. Heim, wie der in seiner Schrift trags Marx kein Vertrauensvotum für das Kabinett Wirth gewesen sei. Zu dieser Richtung gehört die„Kreuz- Zeitung", bei der der Haß gegen Wirth alle anderen Momente niederschlägt. Sie bringt folgendes geniale Rechenkunststück zuwege: ,• Zentrum, Demokratie und Sozialdemokratie möchten den Antrag «nem Vertrauensvotum stempeln. E» bleiben dann für Wirth noch 188 von 872 abgegebenen Stimmen. Die„Tägliche Rundschau" windet sich in gräßlichen Ver- legenheitskrämpfen, spricht von„bedauerlicher Ver- w i r r u n g in den nationalen Reihen" und behauptet, daß der Gegensatz zwischen Deutschnationalen und Deutscher Volks- Partei„lange nicht so schwer" war, als er gestern erschien. Der Antrag Marx sei keineswegs ein Vertrauensvotum gewesen: Deshalb muß der Versuch«wer solchen Auffasiung schon jetzt bayerisch« Volksparteiler Karl Schirmer „Süd und Nord" schreibt,„geheimnisvolle Andeü-�mit größter Deutlichkeit zurückgewiesen werden. tun gen über„allenfallsige„außenpolitische Wir-! Weit stärker ist jedoch in der Rechtspresie die Richtung k u n a e n" gemacht hatte, wenn„die Sache von der Hand vertreten, die jetzt den Moment für gekommen erachtet, um gewiesen würde". Und Schirmer setzt hinzu— und damit die national! st ische Agitationsmeute gegen die beleuchtet er die ganze hinterhältige bayerisch-französische Deutsche Lolkspartei loszulasien. Den Reigen führt die Politik Heims:„Abg. Dr. Heim hat in der Rolle des„Deutsche Tageszeitung", die von einem„politischen Gaukel- Außenministers da und dort mit Franzosen spiel", von„List und Tücke" redet, um dann schmerzerfüllt verhandelt, und ist wohl des Glaubens geworden, daß zu konstatieren: ein E i n i «hen a u f d e r e n Wünsche auf ein f ö d e- ) gegliedertes Deutschland, den feindlichen Druck erleichtern werde." Nach diesen Verhandlungen Heims mußten die Franzosen den bayerischen„Außenminister" Heim als ihren Doppelver Aber der wesentliche Punkt des gestrigen Ergebnisses Ist doch der Umstand, daß es die Stimmen einer nationalen Partei waren, die der Reichskanzler für sich gewonnen hat. Damit ist von n a t i o na1« r Seit« die Billigung eine? Politik aus- gesprochen worden, dl« bisher von Mißerfolg zu Mißerfolg kündeten gegen das zentraliftifch« rote Preußen und das noch �™ n. S�den fcs fcutfcwn Hräfti� 33üIt<5'DOr Vergewaltigung de. Feinde, sich beugt, die auch in Bayern Heim-Kahrs gegen Sowjetrußland. Am 4. August 1920 berichtete die gut informierte„München-Augsburgcr Abend- zeitung" über französische Durchmarschpläne durch Bayern. In einem Bericht hieß es:„Der Generalissimus rechnet mit Bayerns wohlwollender Haltung im Falle des fertig geplanten Durchzugs durch Deutschland nach Polen." In diesen Tagen drohender Zerstückelung Deutschlands schrieb Herr Massingham in der englischen Zeitschrift„Nation' ihrer letzen Erklärung gegenüber der Enlent« bereits den Keim zu neuem Umfall gelegt hat, die endlich nach wnen stet« nur allzu gern in da» Fahrwasser der radikalen Linken einlief. Di« Folgen der gestrigen Haltung der volksparleilichen Fraktion werden sich aber auch für die eigenen Reihen bemerkbar machen. Noch schärfer schreibt die„Deutsche Zeitung" über die Stellungnahme der Deutschen Volkspartei: Ein Meisterstück der Unklarheit und Unent- von dem auf„die Trennung zwischen Bayern und Preußen"! chi«*>«n h« i t, die von je her ein Kennzeichen der Siresemann- gerichteten Ziele Frankreichs. Die pazifistischen Propagandisten lHe» Politik war. in diesem Augenblick aber zum Verhängnis E. D. Morel und A. Ponsonby verfaßten einen Appell an die � deutschen Volkes werden muh. englisch« Arbeiterschaft, in dem sie vor den„Tausenden von �ber getreu feiner Stellung als„Kommunist der französischen Agenten" warnten, die„überall im Rhein- Deütschnationalen hat das Blatt Maurenbrechers auch für gebiet und in Bayern separatistische Bewegungen schürten", diese scharfen Tadel, weil sie durch ihr Angebot, für den Heute ist Dr. Heim offen mit seiner separatistisch-mon- ersten Satz der Resolution zu stimmen,„drauf und dran »nchistischen Politik hervorgetreten— mit einer Polstik, die waren, ihre eigene Opposition zu erwürgen". durchaus nicht von sehr einflußreichen Mitgliedern der Der„Lokal-Anzeiger" vergießt blutige Tränen über die Bayerischen Lolkspartei gebilligt wird. Einen Erfolg Mißklänge auf der Rechten, fein Verlagsbruder, der„Tag". kann diese Politik erst dann haben, wenn sich die ehemaligen keift und schmäht über den Reichstag: französischen Bundesgenossen Heims, diese begeisterten Lob»! Wir sollen unser« alten Führer zur Größe o« r fluch en, unsere redner de»„Föderalismus"— für Deutschland, der wert- Kinder umherziehen, unser« Männlichkeit abschwören. Wir sollen »ollen Ratschläge des„Bauerndoktors" bedienen. Jedenfalls— mit einem Wort— verlumpen. Das ist bei der Auslese des müssen wir in den Tagen offen halten. des„Poincarismus" beide Augen Volkes, bei den 4(54 Reichsboten, eher zu erreichen, als draußen | bei den ganzen öl) Millionen. Sein Echo findet dieses Gekreisch bei der„Roten Fahne", > die, uin mit Paul Levi zu reden, der Bettgenossen- schaft mit den Deutschnationalen immer noch nicht überdrüssig ist, sondern das Kabinett Wirth„mit der Schlinge derer um Stinnes am Hals" gerettet sein läßt. Was der Rechtspresse Verrat und Umfall der Volkspartei ist, ist der„Roten Fahne" Beweis, daß„das schwerindustrielle Scharmachertum Trumpf ist". Denn verschieden spiegelt sich die Welt in Menschenköpsen._ Postgebühren und Seamtengehälter. Im Hauptausschuß des Reichstages wurde am Freitag der Postetat weiter beraten. Reichspostminister Gies» b e r t s trat zunächst den törichten Gerüchten entgegen, wonach die Postbeamten um ihre Bezüge zu fürchten hätten, weil die En-- t e n t e die weitere Auszahlung der Gehälter oerhindern wird. Die Postverwaltung kann von dem Mehrbedarf infolge der Besoldungs- und Lohnerhöhungen 500 Millionen INark durch Mehrertrag aus den laufenden Gebühren und 5d0 Millionen Mark aus Er» f p a r n i s s e n aufbringen. Es bleibt dann aber immer noch ein mehrfaches Milliardendesizil. Zur Ausgleichung dieses Defizits müßte der Brief von 2 aus 3 M. gesteigert werden, und es wären dementsprechend auch die übrigen Briefpostgebühren zu erhöhen. Der Ortsbriefverkehr bedarf der Schonung, ebenso der Paketverkehr in der Nahzone. In der Fern- zone dagegen muß deshalb eine Steigerung eintreten, weil die Eisen- ! bahn mit ihren Tarifen sehr stark in die Höhe geht. Ein« Steigerung für Tlegrammgebühren pro Wort von 1 auf 1,50 M. ist unbedingt notwendig. Ebenso ist eine Stelgerung der Zernsprechgebühren in ! dem Umfang geplant, daß zu dem jetzigen Gebührenaufschlag auf di« gesetzlichen Fernsprechgebühren von 80 Proz. ein nochmaliger Aufschlag von bO Proz. genommen wird Aus allen diesen Steige- rungen ergibt sich eine jährliche Mehreinnahme von rund 4 Milliarden Mark. Aus den gestrigen Beschlüssen des Hauptausschusses ergibt sich ein weiterer jährlicher Mehrbedarf von 114 Milliarden Mark, der nur durch weitere Steigerung der geplanten Gebühren- erhöhungen zu gewinnen ist. Als Ausgangspunkte dieser Steigerung muß ebenfalls die Fernbriefgebühr dienen, und zwar muß dann diese Gebühr statt auf 3 M. aus 4 M. bemessen werden. Beim Telegramm wäre eine Steigerung über den Satz von 1500 M. für das Wort zurzeit nicht möglich.— In der Aussprache warnte u. a. Abg. Stückten(Soz.) den Minister vor einer allzu scharfen Steigerung der Posttarife, weil dadurch der Verkehr erdrosselt werde. Der Minister muß noch mehr Gewicht auf Ersparnisse legen. Abg. S t e i n k o p f(Soz.) beklagte sich darüber, daß ein Teil der höheren Postbeamten keine regelmäßige Dienstzeit einhalte. Abg. Bender(Soz.) fragte, ob das Reichspostmi...sterium ein Be- trieb zu wirtschaftlichen Zwecken sei oder eine dem Gemeinwohl dienende Verkehrsanstalt. Im letzteren Fall würden dann die An- gestellten der in den Ziffern 1 und 2 des fj 66 des Betriebs- rätegesetze» enthaltenen Dorteile und Rechte verlustig gehen. Das Reichsarbeitsministerium und Reichsjustizministerium hat sich in dem Sinne geäußert, daß es sich bei der Post um einen Betrieb zu wirtschaftlichen Zwecken handelt. Das Kabinett hat die entgegengesetzte Ansicht vertreten. Reaktion im Finanzministerium. Vor ungefähr einem halben Jahre brachten wir mehrere Notizen über skandalöse Vorgänge in der dem Finanzministerium unter. stellten Postüberwachungsstelle, wo die Hohenzollern- und Fürsten- brief« vollkommen kontrollsrei waren. Der Angestellte L i n d i g, der diese» Treiben aufdeckte, wurde von der Geheimratscliqu« und dem deutschnationalen Betriebsrat suspendiert. Sechs Monate zahlte man, um Aufsehen zu vermeiden, das Gehalt, in der Hoffnung, L. würde von selbst gehen. Allen Aufforderungen, ein Verfahren ein- zuleiten, kam man nicht nach. Erst als L. zum Betriebsrat gewählt werden sollte, kündigte man schnell, um ein g«sährliches Subjekt, das für die Republik einzutreten wagte, loszuwerden. In dem nun«ingeleiteten Schlichtungsverfahren kam nach siebenmaliger Verhandlung jetzt unter einem Unparteiischen ein UrteU zustande. da» die Kündigung für ungültig erklärt» und die Wiederein. stellung bestimmt. Sämtliche Behauptungen, die die monarchistischen Geheimräte und der deutschnationale Betriebsrat gegen L. aufge- stellt hatten, wurden als unbegründet erklärt.— Wird L. nun wieder eingestellt werden? Meine Zunkenstation. Von P a u l ch e n. Ztach Sdeninstimm enden Aussagen meiner Bekannten bin ich •in leidlich netter Kerl, und ich selbst muß dieser Feststellung bei- Pflichten. Aber kein Mensch ist vollkommen. So habe ich außer dem bekannten Fehler, die Tinte nicht halten zu können, noch einen zweiten: Ich leide an einer gaurisankarhaften Neugierde. Ich bin das, was man an der Watertant« einen„Pottenkieker" nennt. Alle« muß ich wissen. An der Zimmerwand, die an die Wohnung unserer Nachbor»l«ute grenzt, habe ich schon die ganze Tapete durch- gehorcht. Sobald auf der Straße etwas los ist, renne ich hin, und wenn es auch bloß eine Hundehochzeit ist. Auf di» Dauer aber genügte mir diese Wald- und Wiesenneugier nicht mehr. Ali vor einem Vierteljahr mein« Tante Male ge- starben war, erbte ich ihren Strumpf und da war allerhand drin. Ich beschloß, meine Neugier aus technisch vollendeter Basis zu beftiedi. gen, indem ich mir einen Mann suchte, der nicht nur ew technisches Seni» war, fondern auch eine treu« Seele, mit der man Pferd« Pehlen gehen tonnte. Daher d«r Name Fritze Weber. «r baut» mir eine Funkenstation w» Klosett. Dazu brauchte«r dr»i Tage. Zuerst stellte er die Elemente auf. dann «inen vierzylindrigen Kuhschwanzmotor, ferner einen B.-W.-K. 18: 29: 19, einen Verstärker mit Ruttentlammerung, drei Felkesche Röhren, zwei Fußschweißantennen mit autogener Nabelspreizung >md»ine» Funkenspritzer Marke Breitensttäder. Von den Strese- ««mnschen Pendelschwingern, oen Hochspannungswürsten und dem mit ZOOO Umdrehungen in der Minute arbeitenden elektrosanatischen sstapfkuchen ganz zu schweigen. Abond« um sieden Uhr war die Station in Butter und wir «achten d«n ersten versuch, ver Napftuchen begann zu rotteren und der Kuhschwanzmotor grunzte wie ein Schwein. Halb acht Uhr hatten wir Nauen in der Leitung. Bwwwww— sssss— bwwwww— ttttt— ksch— ksch... Fritz« Weber la, ab:„Hund frißt Hund..." Ich sah am Code nach. Da» hieß:„Sie Derbandlungen zwischen Schonpass« und Schimeck sind im vollen Gange.." Gleich darauf kam ter Eiffelturm w Paris. Er berichtete, daß die Verhandlungen zwisch-n Schimeck und Schimpasst noch nicht begonnen hätten, aber... Nunmehr meldete sich New Dork und brachte den Vollbericht der Verhandlungen zwischen Schon- passe und Schimeck. Zum Schluß kam Moskau:„An alle in Hall«! Alles ist alle. Vorsicht— Falleil" Wir wurden unruhig, leider zu spät. Da» Berlin»? Polizei- Präsidium hatte Lunte gerochen und di« Sipo stürmte, in Achterreihen ausgeschwärmt, da» Klosett. Fritze Weber wurde ver- haftet, trotzdem er sich durch seinen Jagdschein einwandfrei aus- mies. Ich entzog mich dem gleichen Schicksal dadurch, daß ich ins Klosett sprang und die Spülung zog. Hiermit protestier« ich öffentlich gegen diesen Rechtsbruch und erwarte, daß man mich aus meiner auf die Dauer unerträglichen Situation befreit, widrigenfalls ich mich genötigt sehen würde, da» Forum de, Dölkerbunde» anzurufen! Bode» Museumsprogramm. Im nächsten Hest der Seemannfchen „Kunstchronik" entwickelt Wilhelm v. Bode fein Programm für die äußere und inner» Gestaltung der Berliner Museen. Er tritt vor allem dafür ein, daß der Dahlemer Bau nicht für Magazin- zwecke, sondern für die asiatischen Kunstsammlungen verwendet werde. Die Mehrkosten, die dadurch verursacht würden, seien durch Verkauf von Dubletten bequem zu decken und anderen Museen wür» den au» dieser Mahnahme wesentlich« Bortcile erwachien. Da» Völkerkundemuseuin brauchte seine Schau- und Studien- sammlungen nicht meilenweit auseinander zu legen und da» Kaiser-Friedrich- Museum würde von der jetzigen Ueber- lastung befreit werden. Bode macht dann detaillierte Vorschläge für die Neueinrichtung des Kaiser-Friedrich-Museums. Die italieni- schen Gipsabgüsse und Originalplastiken sollen in den Räumen de» Untergeschosse» plaziert werden, die gegenwärtig von den islamitischen Kunstwerken besetzt sind, und da» Obergeschoß sei der Gemäldegalerie einzuräumen. Den Schluß der Bodeschen Ausführungen bilden scharfe Angriffe gegen die Reubouleitung der Messcl-Museen— Angriffe, deren Berechtigung wir im einzelnen nicht kontrollieren können und auf die wir näher eingehen wollen, wenn die beteiligten Pe- Hörden und Personen sich dazu geäußert haben. Gibt n Schlaflosigkeit? Die Klag« über Schlastosiakelt ist sehr häufig zu hören, aber der Arzt wird st« stet» mit großem Zweifel aufnehmen. Das betont der Fr«iburg«r Psychiater Hoch« in«inem Aufsatz der„Deutschen Medizinischen Wochenschrift".„Schlaflosig- keit im Wortsinne ist, abgesehen von schweren Psychosen, etwa» äußerst Seltenes", sagt Hoch«,„und dl« Kranken pflegen auch, wenn man die völlige Abwesenheit von Schlaf anzweifelt, bald«inzu- lenken und Einschränkungen zu machen. Bei den Angaben, auf denen die schlaflosen Patienten schließlich stehen bleiben, darf der Arzt getrost noch eine Korrektur anbringen. Um von Schlaflosig- keit sprechen zu können, muß man schon die ganze Rächt hindurch eine Uhr. die auch die Viertelstunden schlägt, bewußtermaßen ge- hört haben, fehlt eine solch, exakte Kontrolle, so passiert e» leicht, daß die wachen, vielleicht durch längere Bewußtlosigkeit vonein- ander getrennten Zeisstrecken sich unmittelbar zu berühren scheinen." Das Schlafbedürfnis ist viel größeren persönlichen Schwantungen unterworfen, als man ollgemein annimmt. Es gibt ein« Lebenskurve, nach der es langsam sinkt:„Der Fötus schläft 24 Stunden, da» Neugeborene nur um s» viol weniger, als die Zeit d«r Nohrungsaufnatsme erfordert, und mit zunehmender psychischer Ansprechbärkett sinkt die tägliche Schlaszeit, um sich bei Erwachsenen auf etwa 8— 9 Stunden einzustellen. Greise kommen mit weniger aus, unter Umständen mit 4— 5 Stunden." Im ganzen haben Blutarme und bleiche Menschen mehr Schlaf nötig als die rosigen und elastischen; so mancher leistet sich aber auch einen„Luxusschlaf" über das Notwendige, und viele schlafen durch. schnittlich ihre 10 Stunden, wobei der Mittagsschlas gleichwertig mit dem Nachtschlof zu rechnen ist. Dabei muß man aber beben. ken, daß Schlaf und Schlaf nicht dasselbe ist. Di« experimentell« Psychologie hat in bezug auf die S ch l a f t i e f« zwei verschiedene Typen festgestellt: ten des gesunden Schläfers, der rasch einschläft, sehr bald eine höchst« Schlaftiefe erreicht und nach 1— 2 Stunden langsam in flacheren Schlaf gerät, bi» ein Aufwachen in erfrisch. tem Zustande stattfindet. Der ander« Typ ist der des««rvöseu Schläfers, der schwer einschläft, manchmal erst gegen Morgen, di, Schlaftiefe erreicht und dann müde und unerquickt in den Tag«in. tritt. Ob ein bestimmtes Schlafquantum, da» nach'der Wnge und Tiefe de» Schlafes berechnet wird, für den Organismus genügend ist. ergibt sich daraus, ob dabei die Fähigkeit zu normalen Tages. leistungen und subjektiv«» Wohlbesinden vorhanden sind." Ueber die aussehenerregende Erfindung der beiden dänischen In» genieurc Johnson und R a h b e k sind verschiedene phantastisch« Nachrichten durch die Press, gegangen. E» hieß, daß eine magnetische Anziehung zwischen Metallplotten und Steinen entdeckt sei. Wir finden zum erstenmal in der.Umschau" ausführlichere Angaben, die die Bedeutung der Entdeckung ins rechte Licht setzen und ihre prot- tische Auswertung erkennen lassen. Der glückliche Gedanke der beiden Dänen besteht darin, daß sie zwischen zwei Metallflöchen eine dünne Platte aus Schiefer oder Achat bringen, die die Elektrizität nur schlecht leitet. Infolgedessen ist es möglich, die beiden Metall- platten an hochgespannte elektrische Ströme anzuschließen, ohne daß ein Durchschlag erfolgt. Die Steinplatte bildet einen Halbleiter, der einen ganz geringen Elektrisstätsausgleich gestattet. Daraus ist e« auch zurückzuführen, daß die Metallplatten, wenn sie unter Strom gesetzt sind, von dem Schiefer stark angezogen werden. Wie Direktor Dr. Rottqordt von der„Huth-Gelellschaft", di« die Erfindung aus. wertet, mitteilt, hat dieselbe zum Bau ganz neuartiger Schnellmrrse. schreiber und Lautsprecher Veranlassung gegeben; auch gewinnt sie große Bedeutung für das Niederschreiben drahtloser Telegramm«. Besonders wichtig ist die Möglichkeit, Morsezeichen, die in einem Tempo von 2000 Buchstaben in der Minute von Königsberg in Ber. lin ankommen, aufzuschreiben und gleichzeitig auf die Frankfurter Leitung weiterzugeben.— Für die laute telephonische Uebcrtragunq, z. B. von Reden oder Musikstücken für einen großen Zuhörerkreis' erwartet man ebenfalls große Fortschritte aus der dänischen En». deckung._ Im Renen VolkStbrater wird zurzeit eine bieder reib nicht an{, gelüdrle Komödie oon Sirnold Kübler»Schüller Aiolo»- ein. studiert. Die Tilrlrolle wird von Hann« Fischer geipielt werden. Srnlt Friedrich lpricht Sonntag, den 2 Ap'.il. abend« 7'l, Nbr zun» letztenmal In der Aula der Soptzien-Schule, Weinmeislerillabe Hin revolnlioiiär«, aiitimililmistilchc Dichlungen nach Ireier Wahl dez P u b l i l u m«. Da» Quartett der»vaterlandslosen Delellen' fiii„t ,DoIl«Iiedcr-. Karten in der Vorwäris-Vuchhandlunq, Lindenfirab« 3 und an der Abendlajje. Um öie Weichselöorfer. Preußischer Landtag, 124. Sitzung, Freitag, den 31. März, 12 Uhr. Auf der Tagesordnung steht die deutschooltsparteiliche grotze Anfinge über die Festsetzung der Werchselgrenze durch die Interalliierte Ecenzfestfetzungskommi'ston. Abg. Lmvtn(D. Vp.) begründet sie und protestiert gegen den ©maltatt der Entente. Ministerpräsident Braun: Das Preußisch« Etaatsministerium fühlt sich eins mit der durch die Eitfcheidung der Interalliierten Grenztommission schwecbrtroffe» nen ostpreußischen Bevölkerung und in der enischiedenen Ablehnung die'es erneuten Bergswaliigungsversuches. Der Ministerpräsident weist im einzelnen nach, daß diese Entscheidung mit dem an sich unhaltbaren und undurchführbaren Versailler.?riedensdiklal in Widerspruch steht. Sie verweist auf die Gefahren, die diei« widersinnig« Grenz- seslletzunq für die Sicherung der Marienwerder Weichsel-Niederung bedeu-t. Die Grenzfestsetzungskommifsion hat in ihrer Entscheidung vom_13. März anaeordner, dnß das an Po'en abzutretend« Gebiet «ndgüitig am 31. März 1921 vormittags 19 Uhr offiziell an Polen ü_b c ig c b e n werden foll'«. Auf den einmütigen Protest oller Be- völteringsfchichten Ostpreußens ohne Unterschied ihrer Parteistellung, dem sch auch dos preußische Staatsmini st crium und die R'ichsmaierung angeschlossen haben, hat die Dotichafterkonserenz am?i� März beschlosien, die Ausführung des Grenzsestfegungs- befchlifses vorläufig auszusehen und Zlnächst die Kommission um Mitteilung der Gründe zu er» suchen die zu ihrem Beschluß geführt haben. Wenn dieser De» ststluß auch keinen Anlaß zu übertriebenem Optimi». mus geben darf, so steht dach zu hoffen, daß die interalliierten Mää,.«in« so offensichtlich« Berletzung d«r Bestimmun- gen dz Persailler Vertrages nicht werden gutheißen können. Zu- dem zuß auch unseren«hemaliaen Kriegsgegnern die Erkenntnis «iniral ausdämmern, daß es ein Widersinn ist, dem deutschen Volke fortsetzt schwere unerträglich« Krieoslosten aufzuerlegen und glcichntig Maßnabmen von der Art dieser Grenzfestsetzung seine wirtseastliche Kraft und Leistungsfähigkeit zu schwächen und ,u untergraben. Jedenfalls wird die preußische Staats- reqieung auch weiterhin nicht unversucht lasten, um eine den Inter- estender ostpreußischen Bevölkerung oerecht werdend« Lösung her- beizrühren und all« ihre zu Gebote stehenden Mittel einsetzen, um der' mer bedrängten Bevölkerung in ihren wirtschaftlichen Nöten zu hvn und sie gegen jede Bedrohung zu schützen.(Lebh. Beifall.) Kür Georgien. ""�Der parlamenlarifch« Klub der polnische« foziasistifchen pvrlei hat bW Regierung ersucht, sich auf der Genuese? Konferenz zu bemühen, der Äepii*llk Georgien, der die Sowjets die Un- abhSneigkcii gercmbt Hilten, auf divlomalifchem Wege zur B e f r« l- nag von dem bolschewistischen 3 och z> verhelfen. Au« Keidelberg oeht uns ein Aufruf der Auslandsvertreter der sszialdemokrotiichen Jugend Georgiens zu. der die Arbeitersuaend der ganzen Welt zur moralischen Unterstützung der brutal unter- drückten und grausam verfolgten Kameraden in Georgien auffordert. Jum Fall Barh werden wir um folgend« Mitteilung ersucht! Ein Teil der Recbtspreste bat bei dem Abg. Fries, für den Dartz unberechtigt die Unterickwift in der Eintragungslist« geleistet bat, »ieTI»i cht nicht ahne Absicht die Porteibezeichnung(KPD.) »»rtgelasten. Da wir im preußiscben L-md.taq auch einen Abqe- «r�nechn Fries lSieaen) als flefcbätztes Mitglied der Sozialdemo- kratilchen Fraktion zählen, so ist aus der Fnrtlostung der Partei- hjzeichnun* hier und da eine Personenverwechsluno ent- starten. Wir stellen deshalb ausdrücklich fest, daß der sozialdemo- kratischg Lardtagsabgeordnete Fries(Siefen) mit dem kommunisti- fchen Sieilbstoasabgeardneten Fries(Köln) außer der zufälligen Namensglcichheit nicht da» geringste zu tun hat. Der norwegilche Landtag Hot einen Gesetzentwurf über die Zwangsschiedsgerichrsborkeit bei Arbeitskon- H i k t e n anaenammen. Die B er treter der Bauernpartei stimmten zusammen mit den Linkssozialisten und den Kommunisten dafür. Was nun—? Nach der Deckvngsverweizerung. In der Stadtverordnetenversammlung ist es gestern dem Unabhängigen-Führer Dr. W e y l gelungen, fein« „Arbeiterpolitik' durcbzufetzen. Dem Magistrat sind die Mittel, die er zur Durchführung de» Schiedsspruches über die Arbeiterlöhne sowie zur Deckung anderer Ausgaben der Werke fordern mußte, verweigert worden. Nur ein Teil der vom Magistrat beantragten und vom Ausschuß gebilligten Tarif, und Gewerbesteuererhöhungen fand im Plenum ein« Mehr- heit und tonnt« zum Beschluß erhoben werden. Abgelehnt wurden die Erhöhungen der Strahenbohn. und Gas- t a r i f e. die demnach dis auf weiteres unverändert bleiben. Gegen die Erhöhungen stimmten mit den Deutfchnationalen und anderen Bürgerlichen die Kommunisten, denen sich die Unabhängigen an- schlcssen. Der Magistrat hatte die«ms Grund de« Schiedsspruches ent- stehenden Mehrbezüge der Arbeiter und Angestellten in den Wert- verwalt'ingen und in der Kämmereioerwalhinq für Februar und März ig2? auf 74'/,« Millionen, für da» neue Rechr.ungssahr April 1922 bi, Mörz 1923 aus 451'/,» Millionen berechnet, die weiteren Mehrausgaben durch Steigerung der Preise von Materialien. Strom und so weiter auf etwa 1S3K Millionen, das sind zusammen über S89?L Millionen Mehrausgaben. Dazu kam der Fehl- betrag nach der vorigen Deckungsvorlaae mit reichlich 281'/», Millionen, so daß diesmal etwa 971",» Millionen zu decken gewesen waren. Demgegenüber wurden die Mehreinnabmen aus den Erhöhungen gelchätzt bei den Elettrizitätstarifen auf 58 Millionen, bei den Gastarifen auf 70'/,. Millionen, bei den Wasiertarifen lO� Millionen, bei den StraHendaHntarifen auf 276 Millionen, bei der Gewerbesteuer auf 150 Millionen, im ganzen auf 564'/,» Millionen, so daß von den oben nachaewiesenen 689?4 Millicknen Mehrausgaben immer noch 406'/»» Millionen als Fehl» betrag ungedeckt geblieben wären. Nachdem die Tarif- erhöhung bei Gas und Straßenbahn abgelehnt worden ist, erhöht sich der Feblbet?««uf 70"u Millionen und 276 Millionen, zu- famm-n 346',. Millionen, so daß der G e sa m t s e hl b« tr a g auf 753'/,. Millionen steigt. Nebenbei bemerkt:..nur so hoch belauft er sich, wenn die Geldentwertung nicht fortschreitet. die Matemlpreife nicht weiter steigen und die Löhn« nicht weiter erhobt werden müsien....,«.-,, Was fall nun geschehen? Leute, wie Dr. Wenk und seine Gefolgschaft, machen sich darum kein« Sorge. Do, Verantwortungsgefühl, das ibm und seinesgleichen ab- geht, hat den Unabhängigen im Magistrat nicht gefehlt. Dort haben ste sämtlich für die Tariferhöhungen aeftimmt. Als gestern der unabhängige Stadtrat Brühl die Erklärung verlesen wollte daß Dr. Weyl» Borgehen nicht von Berantwortlichkeit«. bcwußtsein bestimmt wird, sondern lediglich vom Agitation»- bedürfnis diktiert ist. mußte er sich von seinen Partei- genossen anpöbeln lassen. Wir wiederholen: Wa» soll nun 9 e' ch s h e n? Der Magistrot wird es nicht dahin kommen lasten wollen. daßerausMangelanMittelndieAuszahlung der Lohnerhöhungen verweigern muß. Es wird ihm "HM»» feine Ausbau See Preisprüfungsstelle. Fragen der Reorganisation. Es hat sich herausgestellt, daß die Preisprüfungsstelle mit den ihr zur Verfügung stehenden Kräften die Aufgaben der Preis- Prüfung mir im besch ei denen Umfange zu erfüllen in der Lag« war. Zu diesen Aufgaben, die nur Persönlichkeiten erfüllen können, die unabhängig und unbestechlich dastehen, und die über große wirtschaftliche Kenntnisse verillgcn müssen, stehen der Preis- Prüfungsstelle eine Anzahl ch i l f s kr ä f t e zur Berfügung, die gc- gedcnenfalls nicht nur die allerkleinsten Geschäfte, sondern auch Großbetriebe ausreichend zu prüfen in der Lage fein sollen. Bis jetzt haben die Preisprüfer nur kleine Geschäfte kontrolliert. und zwar daraufhin, ob in den Geschäften die polizeilichen Vor- fchriften(Preisoushänge usw.) vorhanden sind.. Diese Tätigkeit wird auch von Beamten der Wucherpolizei ausgeführt. Die zuständigen städtifchen Stellen haben sich nunmehr mit dem Poli- zeipräsidenten in Verbindung gefetzt und gebeten, diese ganz? Tätigkeit, die vorwiegend polizeilicher Art ist, allein in die chond zu nehmen. Die Preisprüfungsstelle soll sich der Aus- gäbe widmen, die Preisgestaltung und die Preisermiitlung zu kon- trollieren. Dazu gehören auch Preisprüfer, die wirtschaftlich und kaufmännisch besonders vorgebildet sind, und ferner Sachverständige aus den verschiedensten Warenasbieten, die vollkommen unabhängig dastehen. Es bleibt auch die Frage der K o st e n für ein gualifi- ziertes Svezialperfonal bei einer solchen Reorganisation der Preis- prllfungsstell« im obengedachten Sinne zu prüfen. Denn es kämen auch Sachverständig« aus den verschiedensten Warengebieten in Frage, die ledialich im Interesse der Allgemeinheit zu wirken hätten. Der Magistrat hat beschlossen, diese Fragen der Reorganisation der Preisprüfungsstelle einem Ausschuß zu überweisen, zu dem sämtliche beteiligten Dezernate Vertreter entsenden sollen. Der Preis der Kartoffeln aus städtischen Gütern. Der Verband Deutscher Kartoffel-Interessenten E. D. Berlin teitt folgendes mit: „Das vom Magistrat herausgegebene„Gemeindeblatt der Stadt Berlin', Nr. 11 vom 12. März d. I., teilt mit: Für die städtischen Verwaltungen kostet je ein Doppelzentner Kartoffeln für den Monat Februar 1922: 84�75 M. Diesen Preis zeigt die Deputation für Güter und Forsten an. Während der qleichen Zeit war der amtliche Richtpreis je Zentner auf 120— 135 M. festgesetzt. Wenn nun de? Magistrat diesen Richtpreis um durchschnittlich etwa 100 M. je Doppelzentner überschreitet, so muß man sich fragen, ob das nicht die schlimmste Preistreiberei bedeutet, um so mehr, als der Preis ja von den städtischen Gütern gemacht worden ist, die der übrigen Landwirtschaft auch sonst als Muster hingestellt werden. Die Land. Wirtschaft mußte sich mit Recht sagen, wenn solches am grünen lzolze geschieht, dann ist der einzelne Landwirt, der die städtischen Geld- quellen nicht hinter sich hat, berechtigt, einen noch höheren Preis zu oerlangen.— Der Berliner Magistrat wird nicht umhin können, sich tzierzu zu äußern._ Diebstähle auf BestcNunz. F«rtß«setzt« Diebstähle, die bei einer vktlengeselkschast verübt wurden, sind jetzt aufgeklärt und die Täter oerhaftet worden. Di« Gesellschaft fabriziert ärztliche Instrumente. Zu ihrem Personal ge- hörten auch 2 Lehrling« namens Max Manfred und Willi Müller. Diese standen, wie die Kriminalpolizei jetzt feststellte, gemeinsam in Verbindung mit einem Reisenden Mar Müller, der Instrumente dieser Art oertrieb und einen großen Kundenkreis befaß. Müller macht« besonders gute G«schäft«, weil er flott und früher lieferte als die Fabriken, bei denen man direkt bestellte. Dabei war er billiger als alle anderen. Das Geheimnis, wie er das fertig brachte, wurde jetzt aufgedeckt. Müller hatte die beiden Lehrlinge verleitet, der Aksten-Gesellichoft fortgesetzt Instrumente für ihn zu stehlen. So hatte er die Ware bereits zur Hand, wenn die Kunden sie bei ihm bestellten. Die Sumip«. um die auf dies« Weis« die Aktiengesellschaft geschädigt wurde, gehen in die Hunderttausende. Alle drei wurden verhaftet._ «Bof( und Zeil", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Ein Schulsirelk in Spnkendors im kreise Teltow, der bereits am 22. d. M. ausgebrochen und bis zur Stunde noch nicht beigelegt ist, hat nicht nur in den Kreisen der Sputendorfer Elternschaft, son- dern auch in denen der umliegenden Ortschaften leblzafte Erregung hervorgerufen. Der sich jahrelangen allgemeinen Ansehens er- freuende Lehrer Weichert, zugleich Angehöriger der SPD., sollte nach kurzer Befristung aus seiner Eputendorser Tätigkeit hinweg nach Klafter Zinna bei Luckenwolde versetzt werden. Als Demonstration aegen diese den entschiedenen Wünschen des größten Teil« der Elternschaft entgegenstehende Versetzung haben die Sputendorser Eltern ihre Kinder— übrigens gegen den Wunsch des Lehrers Weichert— in den Streit treten lassen. Nach unserer Information ist die Regierung bemüht,«inen Ausgleich zu finden. «ebelter- Nnglrrbund Berit« nnb Nmqegend(?. B. Sonntag, den 2. April, vorm. pilnltl. 9 Ubr, im„Reichskastno', Berlin. Neue König- ftrahe S« tgrotzer San». BunbeSgeneralversammlung. Ohne Bunt eSauewel» kein Eintritt. Tagesordnung: Berichte de» Do, stände«. Antröae, Neuwahl de« gesamten Dorstandc». Erscheint vollzählig und pünktlich._ Wetter für morgen. Berlin und Nmgegend. steitireite etwa» ailsklarrnd, jedoch über- wiegend trübe und lübl mit welleren Niederschlägen und schwachen, zwischen Südost und Südwest schwankende» Winden. Grost-Serliner Parteinachrichten. n». UrtellBBg, tickstruderg. Sonn«df*b, den 1. April, 7V. Uhr. Filnklionörschung del Siele, MöUendorlslr. 42 B-nira? de» Genossen Dr.Smrm: Di« Emwicilung DeirtschlBBd» zum tiPiialiststchen St»«t. \ A n< nur übrig bleiben, schleunigst in einer neuen Vorlage träge aus Bewilligung der ihm verweigerten Mittel zu wiederholen. Die Schwestern ölaözeck gestorben. Aus Lissabon kommt die Nachricht, daß dort die beiden be- rühmten zusammengewachsenen Zwillinge Rosa und Josephs Vl ad zeck im Alter van 43 Iahren gestorben sind. Der Tod der beiden Schwestern erfolgte in einem Abstand von 15 Minuten. Di« Nachricht dürste auch heute noch in Derlm, das die!« zu- sammengewachjen« Schwesternschaft oft genug bestaunt hat, Erinne» rungen hervorrufen. Die Schwestern waren als Kinder normaler Eltern in Böhmen geboren, zusammengervochsen in der Hüftengegend und»,n gemeinsamen Lebenssäften zehrend. Sie hatten die ganze Welt ße'ehen und waren von allen Völkern bestaunt worden, vor etwa 12 Jahren erschienen st« In Berlin und olle» macht« sich auf, um van diesem unglücklichen und bedouernswerten Naturwunder in Eastans Panoptikum emen Blick zu erhaschen. Noch etwas geschah, um auch die Erinnerung an Berlin bei den Schwestern Bladzeck selbst bleibend zu gestalten. Die ein« der Schwestern, Rosa, wurde hier Mutter und genas eines gesunden Knaben, der das Interesse der gesamten ärztlichen Welt in hohem Maße erreg». Da» Kind soll sich in günstigster Weise entwickelt haben und heute noch leben. Wie gemeldet, erkrankt« in Lissabon, wo sich die Schwestern zuletzt zur Schau stellten, Josephs an einem schweren Leiden. Di« Aerzte, die für das Leben der Erkrankten fürchteten, woll'en Rosa retten und schlugen ein« Operation zur Trennung der Schwestern vor. Rosa versagte ihre Einwilligung und starb, wie die Meldung besagt, in Treue an den zweiten Teil ihres Selbst, 15 Minuten nach ihrer Schwester.____ � GewerMastsbewegung Lohnverhandlungen der Holzarbeiter. In einer überfüllten Versammlung der Vertrauensleute und Betriebsräte des Deutschen Holzarbeiterverbandes am Mittwoch- abend in der Brauerei„Köniqstadt' berichtete Böse über das Er- gebnis der Verhandlungen mit den Arbeitgebern. Die Forderung der Arbeitsrvcrtreter ging dahin, auf alle bestehenden Löhne ein- heitlich einen Zuschlag von 35 Proz. zu gewähren Die erste Bcr- Handlung verlief im Sande und auch bei der zweiten Verhandlung weigerten sich die Arbeitgeber zu bewilligen. Nach weiteren lang- wierigcn Verhandlungen ist von den Arbeitgebern folgendes Zuge- ständnis gemacht worden: Ab 1. April sollen sich die tariflichen Löhne für Facharbeiter um 28 Proz., die Tariflöhne aller übrigen Kategorien einheitlich l'm 25 Proz. erhöhen. Hiernach würden sich die tariflichen Stunden- löhne für Facharbeiter über 22 Jahre auf 20.80 M. stellen(bisher 15.25 M.). Die Facharbeiter im Alter von 20 bis 22 Iahren würden 19,50 M., von 18 bis 20 Iahren 17,45 M. und die 16 bis 18 Jahre alten 14 M. erhalten. Hilfsarbeiter 15,30. 11.85 und 10 M., Facharbeiterinnen 13,45, 11,10, 9,95 und 8,45 M., Hilfsarbeiterinnen 11,05, 9,95, 8,50 und 7,10 M. Für Arbeiter, die bereits einen Lohn von 16,30 bis 17 M. haben, soll die Stundenzulage 4,50 M betragen. Für Akkordarbeiten und Montagearbeiten war eine eingehende Regelung vorgesehen. In der anschließenden Aussprache wa-en die Redner überwiegend für Ablehnung dieses Angebots. An der Forderung eines Stundenzufchlages von 35 Proz. müsse festgehalten werden. Bei der folgenden Abstimmung wurde das Angebot abgelehnt und gegen wenige Stimmen beschlossen, auf dem Stunden Zuschlag von 3 5 Proz. zu bestehen. Ferner wurde beschlossen, eine bessere Entlohnung der Lehr- l i n g e zu fordern. Schließlich wurde noch einer Resolution zugestimmt, welche von den Führern der SPD. und dem ADGB. eine klare unzweideutige Antwort auf die Frag« verlangt, wie sie sich zu dem Achtstundentag stellen. Begründet wurde die Resolution damit, daß im Reichs- wirtschastsrat Kaliski eine Stellung zum Achtstundentag ein- genommen habe, die Befremden errege, und daß auch vom ADGB. eine klare Erklärung über feine Stellung� zu der Frage nicht vorliege. Sauerzap wandte sich gegen einen etwaigen Versuch, diese Angelegenheit demagogisch für Porteizwecke auszuschlachten. Der „Vorwärts' habe sich klar und unzweideutig gegen jede An- tastung des Achtstundentages erklärt.(Die von dem Ausschuß des Allgemeinen Deutschen Gewerkichaftsbundes beschlossene Erklärung für den Slchtstundcntaq in Rr. 151 des.Vorwärts' hat wohl seosn Zweifel behoben. D. Red.)_ Löhne bei der Mitropa. DI« bei der Mitteleuropäischen Schlaswoerenffeftlllchaft beschäftigten Angestellten nahmen in zwei gut besuchten Versammlungen am Montag und Dienstag den Bericht über da» Eraebnis ihrer Lohnverhandluerpen entgegen. Es wurde berich'et. daß die Dir-ktivn der„Mirropa' die Forderung einer Nochenilicken Zu'ao« von 150 M abgelehnt hat. In den Verhandlungen im Reichsorbeitsministerium boten die Unternehmervertreter 5. 8 und schließlich 10 Proz. Zu- lag«. Dieses Angebot lehnt» die Tarifkommission ab. Infolge der eigenartigen De'riebsverhältnisse und der Kürze der Tarifzest kam es in vorioar Woche zu einer Einigung. Für März betraaen die Wochenlöhn« für: Oberkellner 260 M.' Abte!!- kellnec 520 M., Wagenkellner und Silbe rimtzer 470 M.. Köche 585 M.. SCchttimädchcn 370 M. Kraftfahrer 720 M.. Ku'fcker 710 M., Putzer. Logerarbeiter und Wäch'er 700 M., Arbeiterinnen 5?s> M. und Oberputzer 80 M. mehr. Zu diesen Löhnen kommen beim Be- dienungsoorional Prozent« vom Umsatz und für Oberkellner'A Proz. Mankogclder. Reinemachefrauen erb-al/en 6.50 M. pro Stunde, Schaffner 1600 M. vro Monat. Nach einer m'»giebia«n D'skussion wurde dem Lobnabkommen zugestimmt. In einer Resolution wird von den Orvanisa'ionen verlangt, umgebend mit neuen Forderungen bei der Direktion der„Mitropa' vorstellig zu werden, um den Angestellten ein besseres Auskommen zu sichern. flsordernnq der Berstarbeiter dcS Saarstebiets Der Verband der Bergarbeiter Deutschlands und der Gowerk- verein christlicher Bergarbester haben an die Regierungskommisston des Saargebiets den Antrag auf?lufhebung der Kohlen- st euer gestellt. Di« Kohlensteuer stelle ledialich eine Produktions- steuer dar, deren Hauptträger die Bergarbeiter selbst seien. Vor allem erregt die Art der Verwendung der Äoh'ensteuer große Miß- stimniung unter den Bergarbeitern, weil nach der alluemein herrschenden Auffassung der Ertrag dieser Steuer mit zur Deckung des Defizit» bei Post und Essenbahn im Saargebiet verwendet wird. Dieses Defizit belies sich im lebten Berichtsjahr auf 16 2�5 000 Frank, bei einem Kursstand von 30 M. für 1 Frank also auf 487 650 000 M. Es wird bebauptet, daß der letzte Lohnabbau durch einen Abbau der Kohlensteuer hätte vermieden werden können. Durch die Be- seltigung der Koblensteuer wäre entweder die Saarkohle um 7 Frank oder um 210 M. pro Tonne billiger geworden, was der Industrie und den Derrbaucherkreisen zugute käme, oder aber d i« Entlohnung der Bergarbeiter könnte um diesen Betrag ausgebessert werden.__ Technische Nothilfe im Müllkntscherstreik. Wir erhielten folgende Zuschrift:„Zu der Meldung des„Vor, wärts' in der Abendausgabe des 28. März 1922 über den Müll- kusscherstreik, in der gesagt war: „Im Gegensatz zu den Erklärungen der Technischen Notbilse gaben die Unternehmer an, daß sie inzwischen 180 Streikbrecher- kutscher und-fobrer einaestellt haben, die zusammen mit der Technischen Notbilse die Müllabfuhr besorgen', erklärt die Houvtstelle der Technischen Nothilfe nochmals nusdrück- lach, daß in sämtlichen vier von der NotHilfo b e- dienten Depots kein Zusammenarbeiten von Not- hilf»- und anderen Arbeitskräften stattgefunden hat' Damit dürfte der Widerspruch zwischen den Slngaben der Tech, nischen Nothilfe und denen der Vertreter der Wirtschaftsgenofien- schast zugunsten der T. N. geklärt sein. Der Arbeitgeberverband In Mannheim richtete einen Ausruf an die Arbeiter, eine nochmalige Abstimmung über den Schiedsspruch zu fordern, da ein einziger Streiktag für die Metallarbeiter in Mannheim-Ludwigshaken einen Verlust von 3,5 Millionen Lohn- ausfall bedeute. Da auch die� Unternehmer bei einem Streik nichts profitieren, sollten ste sich erst einmal überlegen.' was s i e zu einer Nerständiqunq beitragen können. Ihre Millionenziffer dürste der Arbeiterschaft kaum imponieren, und auf Ratschläge der Unter nehmer kann ste nichts geben, solange es an dem nötigen Entgegen- kommen fehlt. Der Sohlevarbeiterstrelk in Amerika hat in den Bergwerken von Ohio und Illinois bereits eingesetzt. Morgen soll der Streit in allen Bergwerken der Bereinigten Staaten beginnen. Der italienische Hafenaibcitcrs'relt ist beendet, nachdem der Ministerpräsident mit den Gewnkschaitövcrtrctcin oerbandelt und ein Ministerrat Maßnahmen zugunsten.der Hasenarbeiter be- schlössen bat. Vrr-ntw. fUr den redalt. TeN: Kram, NlSd» B-rlin-Licht-rfeldr: Nlr An. juinen: TP. Alotfr, Berlin. Brrlag Borwitrls-Perlag G. m. b. S.. Berlin. Druck? Bormart». LuchZ rucker», u. BrrlagaantzaU Laut Sinflec u. Do„ Berlin, Linden str. 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