Nr. 166 ♦ Z�.�akrgang flusgabe£$ Nr. SZ Bezugspreis: WeNeljährUg».— i>L monail. 30,— St irei ine»aue, voraus zahlbar. Poit- besug; Monatlich 30,— M»mtdjl.-lu- strunn-t-zrdiibr. Unter Rtcmbanö tür TeuiichlanS, Dantig. Saar- u Mrniet- ardirt. sowir Wrltoolrn, Orltrrrrich u. Luxembnr,, 6t,— M.. ür Oos iidriqr Ausland 82.— M, 8 ostdrstcllungrn nehmen an SBelaien, Danernart. England, Esthtcnd, Finnland Zrantreich. Hailand, Lettland, Luremdurg, Oelter- reich. Schweden, Schwei», Tlchecho» Slowalet und Ungarn. Der.Vorwärts' mit der Sonntagebeilage.Volt und Zeit' der Unter- haitungsdeilage.Sieiimoelf" und der Beilage.Siedlung und Kleingarten' erscheint wocheniäghch»weiinal. Sonntage und Montage einmal. Telegramm-Adresse: «Sozialdemokrat verlln" AvendAnsgake c Groß. Berlin SO Pf. auswärts 60 Pfennfg D rf> Verliner Volkslrlskt AuzetgcnprctS: Site e> n l v a 1 1 1 g e Nonnareilleretle koktet>2— M.Utelne Anzeigen' das teitgedruchtr Wort 3,- M. i»n- ILkfig»wei ieilgedruchte Wottel, ledm «eitere Wort 2,— M Stellengesuche und Schlaiklellenanzeigr» da« erste Wort 2.— M..|eöe» weitere Dort 1.60 M, feoete Uber 15 Buchstaben zählen für zwei Worte szamil-en-An- , eigen für Adonnenten geile 6,— M. Die Preise verstehen sich einschließlich Teuerungszuschlug, Anzetgen fllr die nächlte Stummer müssen dt» 4'/) Uhr nachiniltag» im Hauptgeschäft. Berlin SW 68, Linden- ftraße 3. abgegeben werden.(Becffnet •an 9 Uhr früh dt» S Uhr nachmittag», Zentfalorgan der Sozialdcmohrattfchen Partei Deutfchlanda Neöaktion und Expedition: SW SS» Lindenstr. Z �.-niiimre-elte-r- Skrdnkrion Morilipla«, lSltkii— V7 zßerilfprt txicr. Moritzplav 11753—51 Freitag, den 7. April 19SÄ vorwärt«»Verlag H.m.d.h., SW öS, Eindenstr. Z Seertttttre-efie-r• Bering, kfrvrdttion und Inirraten- «bkeilu»« Morinplay 11755-51 Sie Not öer Zeitungen. Im Reich-tag wurde heute der Antrag Lobe(Soz.) beraten, der von den Vertretern aller Parteien mit Ausnahme der Kommunisten unterzeichnet ist. Danach wird die Reichsregierung ersucht, mit mög- lichster Besch'eunizung einen Geselzentwurf vorzulegen, durch den der Not der Zeitungen auf wirtschaftlichem Gebiet wirksam gesteuert wird. Abg. Löbe(Soz'.) begründet den Antrag. Gestatten Sie, daß ich Ihre Aufmerisamkeit a-us ein paar Minuten auf eine schlimme Krise lenke, die zwar schon oft hier im Hause und in vielen anderen dellischen Parlamenten besprechen ist, die aber doch nicht den Grad der Beachtung findet, den sie gerade bei uns Parlamentariern finden müßte: Die Not des Zeitungsgewerbes. Eine kurze Notiz, die Ihnen vielleicht allen nicht entgangen ist und die in den letzten Tagen durch die Zeitungen ging, beleuchtet wie ein grelles Schlaglicht die Lage. Sie lautete: In den letzten drei Monaten sind 170 deutsche Zeitungen und Zeitschriften eingegangen. (Hört, hörtl) Wenn auch unser Wirtschaftsleben auf einer ungesun» dei� Grundlage immerhin noch floriert, so sind 170 deutsche Zcitun-, gen" bereits eingegangen. Wer ist es, der diesen Todeskampf führt? Zuerst sind es die kleinen und mittleren Provinz. b l ü H e r, politische Organe, lokale, bodenständig« Blätter, die zum Teil auf eine lange Vergangenheit zurückblicken. Ich darf daran erinnern, daß dieser Tage der Tod des„ßmibaner Tageblattes" in seinem 150. Jahrgang« gemeldet wurde, und in der Großstadt mögen diese Zeitungen winzig, dürftig erscheinen: für ihren Bezirk und an- gepaßt ihrem Leserkreise bilden sie ein Stück des geistigen und poli- tischen Lebens ihrer Leserschaft.(Sehr richtig!) Die Opfer der Zci» tungen sind gefallen, während der Papierprcis von 20 Pf. im Feie. den auf 7,80 M. im März dieses Jahres gestiegen ist. Dom März bis April steigt aber der Papierprei» weiter von 7,80 auf 12 M. (Hört, hört!) Die Zeitungen werden erliegen, wenn wir nicht ein- greifen. Wir müssen uns die Frage vorlegen: Gibt es ein Mittel dagegen und wenn es kein Mittel gibt, was wird dann? Wenn nicht, dann ist es nicht nur die Provinzpresse, die ihren Unter- gang findet. Ein großer Teil des Volkes verliert dann seinen Zu-! sammenhang mit dem Volksgonzen, beschränkt sein Interesse am i öffentlichen Leben, versinkt in eine gcwisie politische Apathie. Ueber-' Haupt geht der Resonnanzbodcn, den die Behörden und die Regierung! für ihre Maßnahmen, den das Parlament für seine Arbeiten haben muß, verloren.(Sehr richtig!) Aber nicht nur die kleine Presse, auch die größere kommt an die Reihe. Wir sind zusammen gewesen mit Vertretern der angesehensten deutschen Zeitungen. Di« Vertreter der Zentralorqone großer Parteien haben uns mit frap- pierenden Zahlen das Schicksal belegt, das diese Zeitungen erleiden müssen. Gewiß werden diese Zeitungen nicht alle eingehen. Aber die einen werden ihren Charakter ändern und die anderen werden verkümmern. Die großen deutschen Zeitungen, die Sie ja alle kennen, von Frankfurt und Köln angefangen, von Magdeburg, Leip- zig und Berlin nach Königsberg und Breslau, sie schrumpfen zusammen, müssen ihren politischen, künstlcri'chen Teil ein- schränken, sie müssen den Lesern das Werivollsi»? entziehen. Aber die anderen— und das ist das Schlimine— werden zu Rebenbetrieben fremder Gewerbe ausgekauft von industriellen Konzernen.(Sehr wahr!) Diese Zeitungen, die ich oben erwähnt habe, deren politische Selbständigkeit, deren Eigenart unser Stolz in Deutschland gewesen ist, werden nicht meyr Sieprä- sentanten selbständiger politischer Gruppen sein, sondern als An» hängsel von Interessengruppen auftreten. (Der Redner spricht bei Schluß des Blattes lort.) Eine hchreöe poincares. Wir find daran gewöhnt, daß in der französischen Kam- nter über den deutschen Militarismus und Deutschlands Bös- Willigkeit die verwunderlichsten Dinge er, zählt werden. Wir sind bereits derart daran gewähnt, daß wir diesen sich ständig wiederholenden Crgüssen nur noch mit den Gefühlen der größten Langeweile gegenüberstehen. Es gehörte deshalb so» zusagen mit zum Programm, wenn bei der gestrigen Schluß- debatte über die Dienstzeit in der französischen Kammer die obligatorischen Märchenerzähler wieder auf den Plan traten. Etwas Farbe bekam diese Debatte nur durch die Rede des Herrn P o i n c a r 6, die— am Vorabend der Konferenz von Genua— alles übertrifft, was bisher an leichtfertigen und böswilligen Anklagen gegen Deutschland vorgebracht wurde. Soll man auf die einzelnen Punkte eingehen? Soll man fragen, wo in aller Welt auf deutschem Boden militaristische Kund- gedungen stattgefunden haben, soll man daran erinnern, daß Frankreich soeben erst den Vertrag von Sövres wie einen Fetzen Papier behandelt hat, während Deutschland seinen Berpslich- tungen in einer Weise nachkommt, die selbst den verantwort- liehen Staatemännern Frankreichs des öfteren Worte Der An- erlennung abgerungen hat. Aber das ist es gerade, was Herrn Po'incarö wurmt, das ist es, was ibn an die Stelle seines Kollegen Briand treten hieß, lind so wäre denn jedes Wort einer Entgegnung vergebliche Liebesmühe. Poincnrös Ausführungen erinnern an die große Rede seines Vorgängers in Washington, als es galt, in der Ab- rüstunHsfrage Farbe zu bekennen. Diese Rede, die mit den Mitteln der plumpe'ten Lüge arbeitete, hat Frankreich mehr als alles andere die Freundschaft der Vereinigten Staaten gekostet. Es scheint, daß Poincarö der traurige Rubm seines Vorgängers nicht schlafen läßt, es scheint, daß PoincarS in sttenra dieselbe Rolle spielen möchte wie Briand in Washington. Die Delegierten Frankreichs in Genua werden nicht das Recht der freien Entscheidung haben, sie werden im Gegensaß zu allen anderen Delegierten lediglich die südlichen Horchposten jenes Militärapparatcs sein, deren östliche Horchpostcn am Rhein sitzen. Und das ist gut so. Eine reinliche Scheidung der Geister. ist vollzogen und das Spiel kann mit offenen Karten beginnen. O Paris. 7. April(WTV.) In feiner gestrigen Rebe in der Kammer erklär!« Ministerpräsident P o 1 n c a r e zum Schluß zur Begründung der ISmonaügen Dienstzeit: llch sage, daß wjr gezwungen sind Rücksickst zu nehmen aus den Geisteszustand Deutsch- lands. wo sich die militärischen Kundgebungen häufen, wo eine Pro- paganda entfaltet wird, selbst bis In die Rheinlande, wo eine Pro- paganda der De-leumdung und der Lüge(!) gegen uns. gegen die Belgier und gegen den Friedensvertrag. Die Ausführung des Fri«bensoertraa«s sicherstellen und unsere Sicherheit garantieren, da- sind die Pflichten, denm sich keine französisch« Regierung«nt- Ziehen kann. Ich will nicht Äe Voraussetzung ins Auge fasten, daß wir eines Tages für die Verteidigung unserer Recht« alleinstchen werden. Wir hoffen wohl, daß der trvue Beistand unserer Alliierten uns niemals schien wird. Wer die Geschichte und die Geographie zwingen uns ständig die gefährliche Last auf, Vorposten zu stehen. Wenn wir nochmals angegriffen würden, könnten wir dann unser« Mobilisation ohne wirkungsvolle Deckung vornehmen, damit wir nicht den Nutzen der Besetzung des Rheinlandes verlieren und damit unser Land nicht nochmals besetzt wird. Vcr- oessen wir auch ferner nicht, daß wir auch im Elsaß,«in« Grenz« gegen Deutschland haben, viel schwächer als unsere Grenze im Norden, die aiio auch soli'c« Deckung erfordert lln 15 Jahren, selbst vorher, wird Deutschland hossenklich endgültig enlwassnet sein, aber heute ist es da» nicht. Zum Schluß sagt« Poincare: In diesem Augenblick leistet Deutschland der Reparationskommission Widerstand und sucht die Alliierten zu- trennen. Diese Haltung beweist uns, daß da» Reich � sein« Niederlage nicht annimmt und seine Unterschrift ver- leugnet. Gestern haben wir im Rheinland ein Dokument de- schiagnahmt, das ein« Beleidigung und ein« Herausforderung für unser« belgischen Freund« und ihren König ist. In Deutschland bis nach Eisaß-Lothringcn hat man ein« sogenannt« Erklärung der drei Verbrecher Briand, Lloyd George und Poincare verteilt, die ihre Missetaten, ihr Verbrechen eingestehen, nämlich die Verletzung des Friedensvertrages. Das ist stark. Anl�ce Fribourg ruft dazwischen: Man hat ein« niedrige Kampagne gegen die schwarzen Truppen veranstaltet. Poincare bemerkt« dazu, das sei vollkommen richtig, und forderte zum letzten Mal« auf, der Regierung die Möglichkeit zu geben, so stark zu sein, um eventuell die notwendigen Garantien zu nehmen. Schorfmachertöne auch in öelgien. Brüsicl, 7. April(WTB.) Meldung.der Agence Belg«. Wäh- rend der Debatte über Einnahmen und Ausgaben des Staatshaus- � Halts in der Kammer antwortet« Minister des Acußeren I a s p a r aus die Wort« mehrerer Redner: Es ist nicht wahr, baß wir Gewalt angewandt haben, um Deutschiand zum Zahlen zu zwingen. Deutschland hat, nachdem es den Vertrag unterzeichnet hatte, fein« Schuld am Kriege geleugnet und sich erst zum Zahlen enlschlosten, nachdem wir ihm gezeigt haben, daß hinter der Gerechtigkeit unserer Sache nötigensalls d!« Mach� stand, wir stehen nicht einem Volke gegenüber, daß seine Verpflichtungen einhält: denn venlsch- land denk! henlc nur daran, wie e» die Ergebnisse unsere» Siege, in Frage si'llen kann. Um etwas von ZMiIsch'and zu erreichen, genügt nicht Sanftmut. Deulfchland muß fühlen, daß ihm nötigen- falls die Gerechtigkeit durch die einigen Völker aufgezwungen werden kann.(Anhaltender Beifall rechts und im Zentrum.) fibfcbwachung des Dollars. An der heutigen Berliner Börse machte die Ermattung des Devisenmarktes weitere Fortschritte. Dollarnoten wurden um die Mittagsstunde mit 238— 300 gehandelt. Am Effektenmärkte war die Stimmung etwas freundlicher, das Geschäft jedoch sehr gering. j Mutterschaft. von Klara Bohm-Schuch. Gestern wurde bei der Beratung des Etats für das Mini- sterium des Innern der sozialdemokratische Antrag verhan- delt, der verlangt, daß die uneheliche Mutterschaft einer Beam- tin kein Grund zu ihrer Entlassung sein darf. Er wurde ab- gelehnt, ein demokratischer Bermittclungsantrag dem Rechts- ausschuh überwiesen. Zunächst also wird die Sittenrichterei über die beamtete Frau weitergehen. Nach Z 128 der Ver- sassung ist zwar die Beamtin dem männlichen Kollegen gleich- berechtigt und nach Artikel 119 steht die Mutterschaft unter dem besonderen Schutz des Staates, aber um die Verfassung kümmern sich viele Leute in der deutschen Republik nicht. Das sollte eigentlich Beraniassung sein, daß die Volksvertretung, daß die Regierung und ihre ausführenden Organe sie um w mehr beachten, aber man beruft sich in den Ministerien und in den bürgerlichen Parteien des Reichstags auf ein Beam- tenrecht aus dem Jahre 1873, auf die Moralanschauung wsi- ter Volkskreise usw. und beschließt— verfassungswidrig. Doch die erregten Debatten, die gestern den Reichstag eine Stunde in Spannung hielten, gehen nicht nur die Beamtinnen an, sondern darüber hinaus alle Frauen. Es handelt sich bei dieser Auseinandersetzung nicht mehr nur um die ungeheure Ungerechtigkeit und Härte, die in der Brotlosmachung der beamteten unehelichen Mutter liegt, sondern es handelt sich um die rechtliche und sittliche Wertung der Mutterschaft überhaupt. Hat jede körperlich und seelisch gesunde Frau das Recht Kinder zu haben? Das ist die Frage, die zur Entscheidung steht. Und sie muß beant- wortet werden, klipp und klar, von den Parteien sowohl wie von den Frauen insgesamt. Der Nutzen der gestrigen De- batte ist diese Klärung. Wir bejahen die Frage im Interesie der Menschlichkeit, im Interesse der Sittlichkeit, im Interesse des Staates. Die hei- ligste Kraft im Menschen ist die Schöpferkraft und die Natur rächt mit eiserner Konsequenz ihre Vergeudung an den Men- scheu selbst. Der stärkste Trieb alles Lebenden ist der Fort- pflanzungstrieb— hörte er auf, so würde es das Ende alles Bestehenden bedeuten. Darum gilt es, Schöpferkraft und Fortpflanzungstrieb im Menschen rein und gesund zu erhal- ten, wenn sich die Menschbeit weiter und höher entwickeln oll. Morolgesetze sollen helfen, innere Bindungen zu stärken, aber sie sollen nicht den Schöpfertrieb unterbinden wollen. Sonst werden sie unmoralisch, eine Sünde gegen die Natur, töten sie. was rein und mit im Menschen ist. Es ist eine unnatürliche und danim unmenschliche Moral- ouffassung, die Massen gesunder Frauen das Recht auf Mutter- fchaft abspricht. Gegen diese Feststellung webren sich zwar die bürgerlichen Parteien, und dennoch ist sie richtig. Wenn diese Kreise die Mutterschaft in der Ehe wohl anerkennen, sie außer- halb dieser schützenden Familiengemeinschaft aber ächten, sie als Fehltritt, oder wohl gar als Schande bezeichnen, so sprechen sie damit Millionen von Frauen das Urteil, kinderlos bleiben zu müssen, weil nicht alle sich verheiraten können. Vor dem Krieg schon mar ein Frauenüberschuß vorhanden: im Krieg haben Millionen blühender Männer dos Leben verloren' und damit genau soviel? Mädchen und Frauen die Möglichkeit der Ehe und des Muttcrglückes in der Ehe.— Dazu kommen die verkrüppelten Opfer des Krieges, die zur Ehe nicht mehr sähig sind und die wirtschaftlichen Berhältnisse, die die Gründung von Heim und Familie immer mehr erschweren. Das sind die harten Tatsachen und es ist Feigheit und Lüge, sie nicht zu sehen, ihre Folgerungen nicht anerkennen zu wollen. Der Krieg ist der große Zerstörer und Umwerter aller Werte ge- wesen, damit müssen wir uns abfinden, auch in unserer Moral» ouffassung. Indem wir die Achtung vor der Mutterschaft als solcher verlangen, dienen wir einer neuen und höheren Sittlichkeit. Mufterwerden ist das heiligste Erlebnis einer Frau, um ein reineres Ziel als der Geburt eines neuen Lebens kann das eigene Leben nicht eingesetzt werden. Vor der Frau, die be- wüßt Mutter geworden ist, die zwischen Leben und Tod um ftcue? Leben gerungen hat. sind die Hüllen der Urewigkeit gefallen. Soviel Schmerz und soviel Glück hält das Leben niemals mehr in einer Schale. Und danim darf niemand ki'r.imen und fragen: Hast du alles ehelich oder unehelich er- lebt?— Das ist Pharisäertum und am schlimmsten dann, wenn es von ehelichen zu unehelichen Müttern zum Ausdruck kommt. Diese Klassifizierung der Mutterschaft fällt ja in ihrer Entwürdigung auf uns ehelichen Mütter und das müssen wir olle empfinden lernen. Unsere Mutterschaft soll man anerkennen, aber man soll sie nicht herab- würdigen zu der gesetzlich sanktionierten Zeugung. Mit dieser Auffassung werden wir die Ehe nicht zerstören. sondern festigen. Die Ehe, die nicht nur ein R e b e n e i n- a n d e r l e b e n in der häuslichen Gemeinschaft ist. sondern dieLebenskameradschaftzu zweien, aus der neue, bessere Glieder der menschlichen Gesellschaft kommen sollen. Daß alle gesetzlich geschlossenen Ehen heute eine solche hohe Ge- meinschaft sind, werden auch die hartnäckigsten Verfechter alter Moroiüberliesenuigen nicht behaupten wollen. Daß es aber einmal so werde, danach streben wir. Zu erreichen ist dieses hohe Ziel nur durch die Erziehung zu wahrer Sittlichkeit, die .es ablehnt, das Werden des Menschen mit Lüge zu umhüllen. In unseren Kindern muß eine starke Verantlvortlichkeit gegen sich selbst und ihre Mitmenschen und gegen ihre einstigen Kin- der wachsen, damit sie Körper und Seele bewußt rein erhalten und sich nicht unwissend beschmutzen und verlieren. Wenn unser Staat in seiner jetzigen Form bestehen und sich weiterentwickeln soll, dann brauchen wir verantwortungsvolle Menschen; Menschen, die ihre Pflichten gegen die Allgemeinheit kennen und erfüllen. Dazu aber ist notwendig, daß Staat und Allgemeinheit auch die natürlichsten Rechte des einzelnen Men- sehen anerkennen.— Es ist in unserer Zeit wirtschaftlicher Not für alle, die vom Ertrag ihrer Arbeit leben müssen, nicht leicht, Kinder zu haben, und alle ehrlichen Menschen müssen auch hieraus die'logischen Konsequenzen ziehen. Wenn aber eine Frau den Mut und die Verantwortung besitzt, sogar außer der Ehe Mutter zu sein, so müßte sie höchsten moralischen und recht- lichcn Schutz genießen. Kautskps Ruf zur Einigkeit. In der„Freiheit" antwortet K a u t s k y auf die Kritik, die C r i s p i e n an seinem im„Vorwärts" veröffentlichten „Offenen Brief" geübt hat. Er setzt auseinander, daß er mit rechtsgerichteteu Tendenzen in der SPD., wie sie sich nach seiner Meinung in Görlitz geäußert hätten, nicht einverstanden sei, aber er sieht auch in ihnen kein Hindernis für die s ch l e u- n i g e Einigung, die, wie er nachweist, von C r i s p i e n und Ledebour bekämpft wird. Er fährt dann fort: Nach dcm Gesagten liegt klar zutage, wo die wirklichen Gegner der Einigung heute zu finden sind. Die Zentralleitunz und ihre Freunde erklären freilich, diese Gegner seien die Mehrheitssozialisten. Diese machten jede Einigung unmöglich durch ihre Koolitions- p o l t i k und ihre Steuerkompromisse. Aber die Sache liegt umgekehrt: der wahre Gegner der Einigung ist nicht derjenige, der sie ablehnt, solange die Gegenseite in der Frage der Koalition?- Politik und der Steuerpolitik anderer Meinung ist als er selbst. Wer die Einigung davon abhängig macht, daß in diesen Fragen völlige Uebcreinstiniung herrscht, vertagt die Einigkeit auf den St. Nimmerleinstag. Denn in solchen Fragen wird es immer Differenzen innerhalb des sozialistischen Proletariats geben. Die Einigung ist nicht durch völlige Uebereinftimmung in diesen Punkten zu erreichen, sondern nur dadurch, daß man die geeinigte Partei in einer Weise organisiert, daß in ihr Platz ist für Gegner und Anhänger des Steuerkoinpromisles und ähnlicher Erscheinungen. Welche von beiden Auf- fassungen dann wirklich befolgt wird, hängt davon ab, welche von ihnen die Mehrheit findet. Aber die Propagierung der einen wie der anderen Auffassung innerhalb der Partei muß möglich sein.' Was die USP. aus Anlaß ihrer Verschmelzung mit der KÄT. proklamiert habe, sei nicht Einigung, sondern Zerschla- gung der rechtssozialistischen Partei.' Kautsky macht dann interessante Bemerkungen darüber, wie man den Wert solcher Kundgebungen, in der USP. selbst beurteilt: Man hat darüber gespöttelt, daß ich derartiges ernst n e h m e.. Sollten die Ausruse der Zenlralleitung wirklich nur Hetze- nsche Floskeln sein ohne crnslhaslen Hinlergrund, dann allerdings hätte ich ihr in diesem Punkte Unrecht getan und bitte sie um Vcr- zeihung. Daß ich den Ausruf der Zentralleitung als eine wohl über- legte Kundgebung austaßtc, hinter der der feste Wille stand, ihren Inhalt durchzusetzen, war der eine Umstand, der der Sprache meines Offenen Brieses ihre Schärfe gab. Dann nimmt Kautskq die abgesetzte„Freiheit"-Rcdaktion gegen die Zeutrallcitung kräftig in Schutz. Durch das Gegen- gewicht, das sie der Zentralleitung bot, habe sie dem Ansehen der Parrei gedient. Er sagt dann weiter: 3ch stehe auf dem Skandpunki, daß das Znkcrefle des Proletariats die sofortige Einigung verlangk und daß zwischen SPD. und ZI SPD. keine Differenzen mehr vorhanden sind, die groß genug wären, um eine Fortdauer der Spaltung zu rechlserkigen. Srpans§e!özug gegen Oarwin. Seit Monaten tobt in verschiedenen Staaten Nordamerikas ein verzweifelter Kampf der Dunkelmänner aller Richtungen gegen die Lehren der Naturwissenschaft. Man fühlt sich geradezu in das Mittel- alter zurückversetzt, nur daß diesmal der Kampf nicht mit Daum- schrauben und Scheiterhaufen geführt wird, sondern höchst modern mit Massenversammlungen, Reden, Resolutionen, Zeitungsartikeln, Anträgen in deit gesetzgebenden Versammlungen. An der Spitze des Kampfes steht William Bryan, der seit mehr als zwanzig Iahren als wiederholter Präsidentschaftskandidat bekannte Politiker. Im Staate Kentucky waren das Unterhaus und der Senat be- reits mit einem Gesetze beschäftigt, das bei 50 bis 1000 Dollar Geldstrafe oder entsprechender Gefängnishaft verbot, in den staatlichen oder sonst mit öffentlichen Geldern unterhaltenen Schulen die Eni- wicklungslchre, den Darwinismus, Atheismus, Agnostizismus oder irgendeine Art von Unglauben zu lehren. Nur mit einer Stimme Majorität erklärte sich die Senatskommission gegen diese„Ellis Bill", vor das Plenum kam sie nicht mehr, weil die Session vorher schloß. In Kentucky ging die Bewegung von einigen Sektenpricstern aus, die sich zur Unterstützung Bryan kommen ließen. Bryan hielt dann große Berfamnzllingen ab und trommelte Abgeordnete und Senatoren zusammen. � In Oklahoma wirkt die Baptist Association in demselben Sinne, in Texas sind es die sogenannten südlichen Baptisten. Das Moody- Bibclinstitut von Chicago verteilt viele Taufende von Bryons Broschüren, die Zeitungen werden mit Artikeln angefüllt, die den Un- glauben bekämpfen, Inserate kündigen weitere Schriften über die große Gefahr an, die dem Staate und der Gesellschaft von der Lehre Darwin» drohen. Man sieht, die Agitation arbeitet mit all den bewährten dema- gogifchen Mitteln, die in Amerika zu Hause sind und die sich z. B. bei der Alkoholbekämpfung so glänzend bewährt haben. Wir wären geneigt, über die ganze Geschichte die Achseln zu zucken, aber die angeschene populärwisjenschastliche Zeitschrift„Science" saßt die Gefahr durchaus ernst. Fünfzig Prozent unserer Mitbürger, sagt sie, haben die Intelligenz reiner Kinderl Da kann man sich vorstellen, welche Verwüstungen durch eine skrupellose Hetze angerichtet wird. Diese Einschätzung der amerikanischen Volksbildung durch ein hoch- stehendes Organ ist übrigens in mehr als einer Hinsicht interessant. Als Probe sei eine Stelle aus einem Artikel der„New Jork Times" angeführt, der Bryan selbst zum Verfasser hat.„Wenn die Atheisten Atheismus lehren wollen, warum bauen sie da-nicht ihre eigenen Schulen und stellen eigene Lehrer an? Wenn ein Mann glaubt, Affenblut in den Adern haben, so mag er das seinen Von dieser lleberzeugung aus stehe ich beiden Parteien gleich nahe, kann ich mit jeder von ihnen für die große, gemein- same Sache wirken. Wohl gibt es Mitglieder der SPD., deren An- schauungcn in schroffstem Gegensätze zu den meinen stehen— und gegen solche Mitglieder, nicht gegen die ganze SPD., richtet sich der größte Teil meiner eingangs erörterten Aussührungen über Görlitz. Auf der anderen Seile gibt es nicht wenige ZNitglieder der SPD., die mir sachlich weil näher flehen als etwa die Zentralleitung der USP. Eine scharfe Trennung? linie zwischen den beiden Parteien einzuhalten, ist mir daher nicht mehr möglich. Und es scheint mir, daß eine allgemeine Gewöhnung an diese Praxis der einzige Weg sein wird, die Einigung herbeizuführen. Wenn der Partikularismus der Führer sich als ein Hindernis defstii erweist, was dringend notwendig ist für die Gesamtheit, dann bleibt nichts übrig, als der Einigung der Orga- nisationen vorauszueilen durch die praktische Einigung auf dem Wege gemeinsamer Zusammenarbeit der Genoszen beider sozialdemokratischen Parteien zu gemeinsamen Zwecken. Kautsky schließt mit der Bemerkung, die Einigkeit werde zu den vielen welthistorischen Fortschritten gehören, die sich vollziehen über die Köpfe der offiziellen Führer hinweg. Raöek für Mäßigung. In kommunistischen Kreisen hat es offenbar Staunen her- vorgerufen, daß die 3. Internationale jetzt auf einmal so sehn- süchtig die Einheitsfront mit jenen sucht, die sie sonst Judasse, Sozialverräter, Stinnes-Knechte, Steuerräuber usw. usw. zu titulieren liebt. Darum schreibt R a d e k in der„Roten Fahne" zum Abschluß der Berliner Konferenz u.a. folgendes: „Es unterliegt keinem Zweisel, daß die Zurückhaltung der Delegation der Kommunistischen Internationale aus viele unserer Genossen wie ein Zurückweichen wirken wird. Die Delegation wußte das�— Aber sie mußte sich sagen: wir sind die Vertreter der Kampftenoenzen des Proletariats. Der erfolgreiche Kampf des Proletariats ist unmöglich ohne feine Einigung für die Verteidigung der nächsten Interessen des Proletariats. Das Prsleiariat wird sich nicht nm die sammeln, die am schärfsten über die Dergingenheit sprechen oder am schreiendsten die Forderungen des Heuligen Tages aussprechen. Es wird sich nm die sammeln, die am entschiedensten seinen Willen zum einheitlichen Kampf äußern. Es wird die Par- tsien beurteilen nicht nach dem, was sie sagen, sondern nach dem, was sie tun. Und darum war unsere Zurückhaltung, war unsere Mäßigung die schärfste Farm des Angriffes auf die Zweite Internationale. Unsere Mäßigung hat gezeigt, daß wir die Einheitsfront nicht als eine Parade für einen Tag auffassen, son- dern als einen zähen Kampf um die Aufrichtung und Bewährung der Einheitsfront. Je ruhiger, je besonnener wir das den Arbeitermafsen auch in der Zukunft zeigen werden, desto mehr werden alle Angriffe der Zweiten Internationale gegen die Einheitsfront des Proletariats abprallen, die die Losung der Kommunistischen Inter- nationale in der gegebenen historischen Situation ist." Radek will seinen Lesern einreden, daß die Sozialdemo- kratie eine Gegnerin der„Einheitsfront" sei, während doch jedermann weiß, daß die Sozialoemokratie gar nichts anderes will, als die sich wirklich bildende Einheitsfront gegen die Moskauer Zersplitterung schützen. Im übrigen mögen sich die paar deutschen Kommunisten, die es noch gibt, seine Lehren hinter die Ohren schreiben und lernen, sich so zu benehmen, wie es ihrer tatsächlichen Bedeutung entspricht. Dann wird die Einheitsfront in Deutschland sehr bald verwirklicht sein. Greußen oöer öas Reich. In der Dreslauer„Volksmacht" nimmt der Führer der baye- rischen Sozioldcmokratie, der frühere bayerische Innenminister, Ge- nosse Auer, zu der umstrittenen Frage der Neugliederung des Reiches Stellung. Er wendet sich gegen die formal-juristifche Behandlung der Fragen der Reichseinhcit, durch die die finanzielle Erdrosselung der Länder und Gemeinden nicht gemildert werden kann. Eine solch einheitliche Leitung des Reiches, wie wir sie un- bedingt brauchten, sei auf die Dauer nicht möglich, wenn der Kom- plex Preußen unangetastet bleibe. Kindern zu Hause beibringen oder sie in Atheistenschulen schicken: warum soll man ihm gestatten, anderer Leute Kinder als Affen zu behandeln? Wenn wft den mosaischen Schöpfungsbericht verteidi- gen, der Mensch hat kein Affenblut, sondern ist durch besonders Schöpfung von Gott geschaffen, so verteidigen wir den Gott der Juden und der Heiden, den Gott der Katholiken und der Protestan- ten. Der Glaube an ein höchstes Wesen ist für die Zivilisation ebenso unentbehrlich wie für die Religion.... Man erschüttert den Glauben an Gott, bestreitet die Kraft des Gebetes, leugnet das Leben nach dem Tode, macht Christus zum bloßen Menschen, die Bibel zu einem Fetzen Papier. Das Christentum schreit nach Schutz gegen diese seine schlimmsten Feinde!" Bezeichnend für die Nsrhältnisie und für die Unberechenbarkeit der Wirkungen ist es, daß allen Ernstes die Männer der Wissenschaft auf solche Salbadereien antworten. Krügers Paradcbllder in der Rakionalgalerie. Nach Bemüh- zingen, die über ein Jahrzehnt dauerten, ist es jetzt Direktor Justi gelungen, die beiden berühmten Paradebilder des Altberliner Meisters Franz Krüger vom preußischen Finanzministerium, dem Verwalter des k-Kscrüchen Besitz«?, zur Aufstellung in der Galerie zu erhalten. Soeben fand das eins Bil\ die Parade Unter den Linden, seinen Platz im Lorroum des Treppenhauses. Auf An- regung der Galcrieleitung hatte sich der Kaiser bei einem Zusam- mentreffen mit dem Zaren diese beiden Bilder, die Krügers Kunst auf der Deutschen Iahrhundertausstellung von 1900 mit vertreten hotten, erbeten, und so trafen sie kurz vor dem Kriege in Berlin ein, verblieben aber im Berliner Schloß. Die beiden Krüger- Bilder werden nun in der Nntionalgalerie den Mittelpunkt der Berliner Malerei vor Menzel abgeben. 1824 erging der Auftrag an den erst 27jährig«n Künstler, den seine Pferds, Jagden und Bildnisse beliebt gemacht hatten, die Truppenschau von 1822 zu malen. Fünf Jahre hat Krüger daran gemait. Kulturgeschichtlich und als Kunstwerke sind die Bilder von großer Bedeutung. Szenen der Paradespielerei des biedermcier- lichen Absolutismus sind hier mit der höchsten Sorgfalt abkonterfeit und so zu getreucsten Zeitdokumenten geworden. las militärische Gepränge hat der Meister durch einen kunstvollen Wechsel von Be- leuchtuitg unter dem sich bedeckenden Himmel und vor allem durch die großen Bolksgruppen d«s Vordergrundes belebt. Hier erscheint„ganz Bertin" zu Fuß, zu Wogen, zu Pferde, in der Gruppe der Künstler leuchten die Köpfe Schadows, S$inkels, Rauchs und Wachs hervor: im Wagen steht der Liebling der euro» päischen Bühnen, Henriette Sontag, neben dem dämonischen Pa- ganini. Und vorn zwischen den scheuenden Pferden grüßt der all- bekannte Theatersriseur Warnicke, läuft der Schusterjunge, der da- bei sein muß.fncr in den Gruppe", die Krüger aus eigenem Willen dem Abtrage hinzufügte, vollendet sich leine sachliche. geistig Titid malerisch lebendige Kunst. Als zweite Parade, die noch nicht aufgehängt werden konnte, hat Krüger fast ein Vierteljahr- hundert später die Truppenschau im Potsdamer Lustgarten gemall. Man müsse sich darüber klar sein, daß bei der heutigen Größe Preußens aus den Verhältnissen selbst eine weitgehende Milbestim- mung der Reichspotitik ditkch preußische Instanzen sich ergebe, auf die die Reichsrcgierung wegen der Durchführung ihrer Maßnahmen besondere Rücksicht nehmen müsse. Es träte gelegentlich eine Per- Mischung der Kompetenzen ein, aus der sich eins Undurchsichtigkeit der Verwaltung und eine Aussichtslosigkeit aller Bemühungen um demokratische Kontrolle ergeben. Man wisse manchmal nicht mehr, wofür der Rcicheinnenminister, und wofür der preußische Minister die Verantwortung trage, zumal ja die Größe des preußischen Per» waltnngsgcbietes eine halbe Autonomie der Provinzen notwendig mache, und so das Gewirr der Instanzen sich noch vermehre. An sich sei es ein großer Fortschritt, daß allzu kleine Flecken von der Länderkarte verschwinden: aber Auer kann im Gegensatz zu Braun und Severing nicht wünschen, daß dieser Fortschritt erziell wird durch ein Aufgehen dieser Länder in dem unorganisch gewor- denen Gebilde Preußen. Ein solches Aufgehen würde das lieber- gewicht Preußens nur verstärken und damit alle geschilderten Ge- fahren noch vergrößern. Nur eine organische Neugliederung des Reiches könne die Beseitigung der durch dynastisch- Interessen ge- schaffenen Kleinstaaterei bewirken,.ohne für die Reichseinheit vcr- mehrte Gefahren zu schaffen. Die Zerlegung Preußens in autonom deutsche Länder sei keine Aufgabe für heute und morgen, aber ein Ziel für übermorgen, das man schon bei den heute notwen- digen Entscheidungen berücksichtigen müsse. Der Kampf gegen die Partikularisten für den Gedanken der Dezentralisation der deutschen Einheitsrepublik muß nach Meinung Auers verlorengehen, wenn mit dem Dualismus zwischen preußischer und Reichsvcrwaltung die hau- figen Hemmungen und Mißstände verewigt werden. Die Relesierten in Lichterfdöe. Bon der Liste der 41 relegierten Primaner an der staatlichen Dildungsanstalt in Lichterfelde sind Zwei sofort wieder ge- strichen worden, weil sich ihre Unschuld herausgestelll Hot. An der Nelegierung der übri�ct�ZZ hält das Kullusministenum fest. Auflösung öer KflS. im Reichstag. Von den 15 Mitgliedern der K o m m u n i st i s ch e n Arbeitsgemeinschaft haben heute 12 ihren Uebertritt zur USP.-Fraktion erklärt. Drei sind nicht mitgegangen, und zwar Berthele, Maltzahn und Reich. Da der 2lbg. Brühl aus der USP. ausgeschieden ist, beträgt der tatsächliche Ge- winn der unabhängigen Fraktion elf Abgeordnete. Lebhaste Debatte im Seamtenbirnö. In der heutigen Vormittagssitzung ging die Aussprache über das Streikrecht der Beamten weiter, wobei'der Streik bcr Eisenbahn- beamten in den Hintergrund trat. Die verschiedenen Autfassunaen darüber, ob das Streikrechl zu Lohnkämpfen oder nur im äußersten Falle zur Verfechtung der Vcamtcnexistenz gebraucht werden dürfe, ergeben sich aus der Stellung der einzelnen Beamten- gruppen. Den höheren Beamtenschichten wird zum Vorwurf gemach:, daß sie für die Existenzfragen der unteren Beamten nickst das rechte Verständnis haben. Menne erklärt:, ein« Cinizung sei nur denkbar aus der Grundlag« der Solidarität. Cr trat für die Unter st ützung der Gemaßregelten ein und jor- derte eine Umlage zu deren Gunsten. Wieder eine demokratische Zeitung verschluckt. Die bisher demo- kratische„Barmcr Zeitung" ist mit dem l. April zur Deutschen Volkspartei übergegangen.'Sie erscheint täglich zweimal unter dem Titel„Deutsches Tageblatt für Berg und Mark". Der Eisen- und Stahlwaren-Industricbuitd in Elberfeld läßt seine Zeitung dem „Deutschen Tageblatt" beilegen. Sir Joungcr, der Wortführer der unentwegten enalischcn Kon- servativen, erlitt am Donnerstag im Unterhause einen w ch l a g a n- fall. Am Abend besserte sich sein Zustand.'Jounger ist 71 Jahre alt. Zwangsanleihe in Griechenland. Die griechische Rationalver- sammlung hat mit einer Mehrheit von 3 Stimmen das Gesetz über eine Zwangsanleihe angenommen. Der Entwurf erleidet eine Abänderung dadurch, daß der Z i n s f u ß auf 6.'S Proz. hcrablefetzt wird. Die Obligationen werden auslvsbar sein. heimische Heilkräuter. Die Not des ganzen deutschen Volkes zwingt»jeden einzelnen dazu, seine Bedürfnisse einzuschränken und vor allem, jeden Einbaus vom Auslande her zu vermeiden. Hier- bei denken wir nicht etwa nur an die vielen entbehrlichen Genuß- mittel und Luxusartikel, wie Weine. Tabak, Parfümerim und Scidenfloff«. sondern auch an Arzneimittel, deren Wert außer allem Zweifel steht, die wir aber doch durch andere einheimische Mittel zu ersetzen bestrebt sein müssen. Durch Aufklärung und plan- mäßiges Zusammenarbeiten ließ« sich hier gar viel erreichen. Es sind hohe Summen, die wir für ausländische Arzneisloffe, wie Rizi- nusöl, Caccara, Ipekakuanha, Senega und viele andere, ja auch für Kamillen, ein« bei uns heimische Droge, zahlen müssen. Don dieser Tributpflichtigkeit ans Ausland können wir uns teilweise frei machen! Wir müssen die heimischen Heilkräuter iy der eriordcr- lichen Menge anbauen oder, soweit sie wild vorkommen, sammeln. Wir müssen sodann aber auch die fremden Drogen daraufhin an- sehen, ob sie nicht durch heimische Drogen vollwertig ersetzt werden können. Gerade nach dieser Richtung hin wird durch die Forschungen der pharmazeutischen Laboratorien gewiß noch_tnel Gutes geleistet werden können. Der Ansang ist gemacht. So hat ein Hamburger Chemiker festgestellt, daß die Extrakte von Schlüssel- blmnen und Veilchen denen von Senega und Ipekakuanha in der Wirkung gleichzusetzen sind. Wir müssen also diese beiden ouslän- bischen Arzneistoffe als entbehrlich ansehen, und es liegt nur an uns, ob wir aus solchen Tatsachen die entsprechenden Schluhsolgecungen ziehen wollen! „Der Cicerone", die bekannte Halbmonatsschrift für Künstler, Kunstfreunde und Sammler, erscheint neuerdings in einer äußer. lich und innerlich veränderten Aufmachung. Das Format ist nicht unwesentlich vergrößert, Text und Bildtafeln sind voneinander ge- trennt und es sollen auch farbige Reproduktionen als Beilagen vcr- öffentlicht werden.„Der Cicerone" dient in erster Linie dein V:r- ständnis der neuen, im Werden begriffenen Kunst, aber er behan- delt auch Tbcmen alter und ältester Kunstaebiete, soweit diese dem modernen Menschen naheliegen. Zur Förderung des<öammcl- wesens sind die Beilagen„Der Büchersammler",„Der Graphik- sammler" und„Der Kcramiklammler" bestimmt. In besonderen Listen werden regelmäßig die Ergebnisse aller wichtigen Kunst- und Bücherverstcigerunqen veröffentlicht. Alles in allem kann man sagen, daß„Der Cicerone" zurzeit die vielseitigste, reichhaltigste und am besten informierende Kunstzeitschrift ist, die in deut'cher Spreckie erscheint.(Verlag Klinkhordt u. Liermann, Leipzig. Preis 30 M. bzw. 35 M.— mit Versteigerungsergebnissen— für das Vierteljahr.) Toi Walhalka-Zkheater zzlb! Donntag S Uhr die letzte Nuffiibrung der Oper„Lobengrin- mit Kammersänger!» Marcella Rodder als Elia. Raul Hcinlen als Lohcngrin. abtr-bi 7 Udr einmaliges Ealspiel„Die Wallüre". Beide Vorstellungen zu volkSiümlicheu Prellen. Wissenkcbaftliche Prüfung des OtkulttSmuS. Ruch die lo-eniisch- psychologische lociellschast in Hainburg bat jept einen JtuSfdjii'j zur Prüfung oktultiilucher P&änomcne eingesetzt, dem Medianer ivlc Pros. Vcogandt und Pros. Schaeser sowie einige Iurislen angebören. Der von der Ber- liner viychologilchcn Meiellichait zu dem gleichen Zweck eingesetzte PrüsiinaS- guZjchug hat vom Ergebnis seiner Arbeiten bisher noch nicht» hören lagen. Die Antwortnote im Ausschuß. Im Auswärtigen Ausschuß des Reichstages wurde heute vormittag vom Staatssekretär Simson der Inhalt der deutschen Antwort auf die Reparationsnote vorgetragen. Auch der Reichskanzler und der Außenminister Dr. Rathenau äußerten sich über die Antwort. Bon den Ab- geordneten sprachen Helfserich, Eothein, Dernburg, Stinnes und Dauch. Es ist noch unbestimmt, ob die Antwort bereits heute an die Reparationskommission abgeht. Zur Sie Neichsemheit. Atünchcn, 7. April.(Eigener Drahtbericht.) Genosse Dill lehnte in der Landtagsdebatte über den Etat des Ministeriums des Aeußeren namens der Partei die Mittel für die bayerische Gesandtschaft beim päpstlichen Stuhl und das Gehalt des Ministerpräsidenten ab. Bayern dürfe keine selbstän- dige Außenpolitik treiben. Das Ministerium des Aeußeren fei völlig überflüssig. Die Erklärung des Ministerpräsidenten über die Auswärtige Politik und die Mitwirkung Banerns an dieser begrüße auch die bayerische Sozialdemokratie. Trotzdem sehe er sich zu der Frage veranlaßt, welche Beziehungen heute noch bestünden, zwi- fchen bayerischen Polizeibeamten, den Nationalsozia. l i st e n und gewissen Geheimorganisation- n. Die Acußcrung des Ministerpräsideten, die Spitzel bedienten sich der Linksparteien als Zuträger, müsse er für seine Partei entschieden zurückweisen. Die Sozialdemokratie habe noch wie vor ein gewisses Mißtrauen gegen den-Ministerpräsidenten. Noch in keiner seiner Reden habe er ein Bekenntnis zur Republik abgelegt. Die Agitation der bayerischen Deutschnatio- nalen sei geradezu ungeheuerlich. Hier habe das freimütige Be- kenntniz des Ministerpräsidenten für die Reichseinheit und die Tatsache, daß endlich einmal wieder im bayerischen Land» tag ein verantwortlicher Staatsmann die Bcrleumdungen gegen verantwortliche Reichsministcr zurückgewiesen habe, wohltuend ge- wirkt. Scharfen Protest müssen wir erheben gegen die Umtriebe des bayerischen Ordnunasblockes, der in einem Aufruf verlange, daß sich Bayern„von Berlin unabhängig mache". Da aber der lBirtschaftsbedarf in Bayern nicht ausreiche, müsse es sich, so heißt es in dem Aufruf, an eine Großmacht anschließen, die die Lieferung der fehlenden Existenzmittel gcwähr'cistot. Diele Groß» macht könne nur Frankreich sein. Man entschuldige sich damit, daß die R h e i n b u n d f ü r st« n seinerzeit ebenso gehan» dclt hätten. Tatsächlich seien in diesem Sinne inoffizielle Verhandlungen mit französischen Vertretern geführt worden. Die bayerische Arbeiterschaft werde alles daransetzen, diesen Verrat an der Reichseinheit mit allen ihr zu Gebote siehenden Mirteln zu oerhindern. Empfang beim Reichsprästöenten. Zum gestriqen Abend hatte der Reichspräsident die Vertreter der Wissenschaft und Politik zu sich geladen. Etwa 1S0 Zerren waren erschienen, u. a. die Minister Rathenau, Köster»nd Boelitz, der Staatssekretär Heinrich Schulz und Reichskunsüvart Redslcb: aus der Gelehrtenwclt: die Professoren Harnack, Nernst, Riehl, Cuncw. Eduard Meyer, Rubens, Haber, Luders, Stumpf, Kahl, Ludwig Justi: von Künstlern, Dichtern und Presseleuten: Arno Holz, Fulda. Peter Behrens, Bechstein, Eorinth, Orlik, Anforge, In» tendont Ießner, Wegener, Kerr, Osborn u. a. Im Laufe des Abends bielt Harnack einen feinen und klugen Vortrag über die Nächstenliebe im Urchristentum, Zl n s o r g e spielte Beethoven und der Reichspräsident wies in ernsten, eindringlicher Worten auf den Zweck des Abends hin: eine intime, persönliche Fühlung- nähme zwischen den Männern der praktischen Politik und den Re- Präsentanten des deutschen Geisteslebens anzubahnen. Belgien. Der Staatsminister Woeste, Führer der katholischen Partei, ist gestorben. Polens Unrecht. Die litauische Regierung hat der englischen Regieruno eine Note überreichen lassen, in der sie gegen die Annexion Wilnas durch die Polen protestiert. Obstruktionsspielerei im Rathaus. Die gestrig« Stadtverordnetensitzung, über deren Schluß unser im heutigen Morgenblatt gebrachter Bericht noch nichts melden konnte, endete wieder in sinnloser Obstruktion. Zu dem Ma- gistratsantrag auf Verpachtung des Gutes Tasdorf er- liärte Genosse Brolat, im Gülerbetrieb müsse mehr Wirt- I ch a f t l i ch k e i t erreicht werden, aber bei dem zurzeit hohe Zu- fchüss« ersordernden Gut Tasdorf sei einslweiten die Vcrpach- rung nicht zu umgehen, und man könne zustimmen, da dcc in Aucsicht genommen« Pächter fachliche Tüchtigkeit und Verständnis für Arbeiterinteressen habe. Nachdem Ausschußüberweisung abgelehnt worden war, wollte Vorsteher Dr. Caspar!, der ein« jetzt zur zweiten Beratung einlaufend« Wartmeldung des Kommunisten Dörr als verspätet ansah, sofort über«inen Abänderungsantrag Lohmann abstimmen lassen. Es kam zu einem stürmischen Auftritt— der Kommunist Schumacher schrie dem Dorsteher zu:„Sie sind ein Schurke!"— und die Kommunisten samt den Un° abhängigen verließen dann den Saal, so daß bei der ohnedies zu vorgerückter Stunde schon schwachen Besetzung die Abstimmung De- schlußunsähigkeit ergeben mußt«. Gewonnen ist mit dieser Obstruktion nichts, st« wirkt nur wieder als Zeitvertrödelung, denn die in der nächsten Sitzung zu wiederholende Abstimmung wird zroei'ellos die Genehmigung der Gutsoerxochtung bringen. Zeitvertrödelung ist überhaupt in der Stadtverordneten- Versammlung von der äußersten Linken zum Prinzip erhoben wor- den. Hierzu gehört auch die in dem Sitzungsbericht unseres Morgen- hlattes erwähnte Verschleppung der leider notwendigen Tarif- erhöhungen, über die infolge Widerspruchs der Kommunisten g-gen sofortige zweite Beratung nun erst in der nächsten Sitzung weiter verhandelt werden kann. Der Unabhängige Dr. Wcyl war der Bater dieses Lerschleppungsgedankens, dessen Aus- führung bei der diesmaligen Mehrheitsgruppierung das Ergebnis der Abstimmung über die Deckungsvorlagen nicht beeinflussen konnte und nur eine demagogisch« Geste bedeutet hätte. Er. und sein« Unabhängigen besannen sich nachher eines Besseren, aber den von ihm preisgegebenen Einfall griffen die Kommunisten auf, die ja jeden Unsinn gern mitmachen. öö'rfentaumel öer kleinen. Eine Mahnung zum Zusammenbruch der TVo-Ve-Co. Man schreibt uns von unterrichteter Seite: Der Zusammenbruch der Wo-B«-Co., vor deren Verwaltungsgebäude sich ähnliche Szenen wie bei dem Zusammenbruch von Klonte und Köhn abspielten, wird nicht der einzige dieser Art bleiben. Es werden bei einer eintretenden Stabilisierung unserer Wirtschast sich ganz ungeheure und noch viel schlimmere Szenen abspielen müflen. Vor kurzem ging durch den Handels»?,! einiger Tageszei- tunoen«ine Notiz, daß beim Registerrichter eines Berliner Amts- gerichts die Eintragungen einiger Dutzend Aktien» GesellschaftenvoneinunddenselbenPersonenan- gemeldet wurden. Die Eintragung dieser Aktien-Gesellschasten, deren sede ein anderes Unternehmen fein sollt?, wurde abgelehnt. Es. gibt eine ganze Reihe sogenannter.Bankgeschäfte" und Firmen, die sich speziell auf diekem Gebiet betätigen. So wird von einem kleineren sogenannten Bankgeschäft erzählt, das durch derartige Transaktionen im letzten Jahr über 4l) Millionen Mark verdient haben soll. Augenblicklich herrscht noch der Börsentaumel und es werden wahllos, ohne nachzuforschen um was für Unter- nehmen es sich handelt, Aktien gekauft, die einem von einem guten Bekannten, der den„Tipp" wieder von einem guten Bekannten bekommen hat, empfohlen wurden. Ein erheblicher Teil dieser Grün- düngen sind nur daraus berechnet, von den Dummen, die nicht alle werden, Gelder herauszuholen. Es ist höchste Zeit, daß sich Be- Hörden, Handelskammern und Börse, epcrgisch mit derartigen Grün- düngen beschäftigen, bevor wieder Tausende armer Menschen ihre Spargroschen verlieren. Denn vornehmlich sind es leider kleine Handwerker, Geschäftsleute, Beamte, Angestellte und auch Arbeiter, die von dem heutigen Börsentaumel mit sortaerissen worden. Eines schönen Tages werden sie dann am Grabe ihrer Hofsnungen stehen. Hier gilt es ganz besonders zu warnen, und die Warnung kann nicht oft und laut genug geschehen._ !Norö in Tempelhof. Ein Straßenbahnschassner in seiner Wohnung erschlagen. Ein Kapitalverbrechen wurde heute im Hause Kaiserin- Augusta-Str. 74 in Tempelhof entdeckt. Hier wurde in seiner im ErdgcHoß des Vorderhauses befindlichen Wohnung der Straßcnbahnschaffner Emil T e s ch k e tot aufgefunden. Um 8 Uhr morgens detrat ein Gaskassierer das Haus, um die fälligen Beträge einzuziehen. Bei Teschke fand er keinen Einlaß. Eine Nachbarin, die ebenfalls in dem Hause wohnt, blickte durch das Fenster in die Wohnung Teschkes und sah dort den Mann mit Kopfoerletziungen regungslos am Boden liegen. Die sofort benachrichtigte Polizei stellte bei Teschke. der 56 Jahre alt ist und aus Wittkow im Kreise Deutsch-Krone stammt, den bereits einge- iretenen Tod fest. Der Kopf wies an der Stirn Verletzungen auf, deren Zlrt noch untersucht werden muß. Sie rühren offenbar von Schlägen mit einem Hammer her, der im Zimmer aufgefunden wurde. In dem Raum selbst herrschte große Unord- nung. So waren Stühle umgeworfen, was daraus schließen läßt, daß zwischen dem Mörder und seinem Opfer ein h e f t i g e r K a m p f stattgefunden hat. Die Uhr Teschkes lag unter dem Schlafsofa. Der Mörder hat nach der Tat die Wohnungstür von innen verschlossen und ohne Zweifel seinen Ausgang durch ein Fenster genommen, das man nur angelehnt fand. Zur Aufklärung des Verbrechens wurde der M o r d b e r e i t s ch a s t s d i e n st der Kriminalpolizei unter Leitung des Kriminalkommissars Trettin nach dem Tatort entsandt. Ein Verunglückter, der gesucht wird. Das Amtsgericht Mitte beschäftigt sich zurzeit mit einem selbst im Berkehrsleben Berlins seltenen Fall. Am 27. September vorigen Jahres wurde gegen 10¥j Uhr abends an der Haltestelle der Straßenbahn Ecke Warschauer Straße und Stralauer Alle«in etwa 40 jähriger Mann von einem schnellsayren- den Personenkraftwagen zu Boden geworfen. Er wurde ü e- wußtlos von Passanten auf den Bürgersteig getragen. Seine Persönlichkeit ist nicht bekannt. Deshalb konnte über die Verletzungen nichts ermittelt werden; die Helfer haben ver- mutlich die Nummer des davoneilenden Kraftwagens nicht erkannt. Aus diesem Grunde ist wohl die Anzeige von dem Verletzten unter- lassen worden. Aber die Fahrgäste einer Elektrischen haben die Nummer des Autos feststellen können. Sie konnten aber weder den Berletzten finden noch ermitteln. Es wird angenommen, daß er schweren Schaden erlitten hat. Deshalb werden Zeuaen dös Bor falls aufgefordert, sich beim Amtsgericht Berlin-Mitt«, Alt- Moabit 11, zu den Aktenzeichen 135. D. 129. 22. zu melden. „Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrist, liegt der heutigen Postauflage bei. Da» neue Gewerkschaslshau» de? Allgemeinen Deuticken Ge- werksckaitsbundeS soll nicht in Treptow, sondern laut„Bauwelt" aus dcm Grundstück Wall-, Ecke Insel st raße in Berlin entstehen. Mit dem Bau ist die.Bauhütte"(sozialisierte Baugesell- ichastj beaustragt worden. INilllonenbeule von Geschäskseinbrechern. Für Millionen Mark Werte fielen Einbrechern in der vergangenen Nacht wieder in die Hände. Fassadenkletterer erbeuteten in dem K o n f e k- tionsgeschäft von L e v n n in der S ch ü tz- n st r. 3 4 für eine balbe Million Voile- und andere Stoffe, andere Geschäftseinbrecher bei der Firma Scheimonn in der Charlotten st r. 17 Seiden- stoffe. Hier haben sie eine Wand durchbrochen, um in die Geschäfts- räume hineingelangen zu können. In beiden Fällen n uß das ge- stöhlen« Gut. auf dessen Wiederbeschaffung höhe Belohnungen ausgesetzt sind, mit einem Fuhrwert weggeschafft worden sein. Mit- teilungen zur Aufklärung nimmt Kriminalkommissar Poppe im Zimmer 91 des Berliner Polizeipräsidiums entgegen. Ein Landstraßenräuber wurde von der Kriminalpolizei in Steglitz unschädlich gemacht- Es ist ein 26 Jahre alter Martin P a n k o w s k i, der sich wohnungslos umhertrieb und die Land- straße in der Gegenv von Lankwitz, Steglitz und Lichter- f e l d e unsicher machte. Der Verhaftete räumte alles ein und gab auch mehrere Ueberfälle zu, die der Polizei gar nicht angezeigt worden sind, weil die Uebersallenen sich entweder zur Wehr geletzt, oder den Angreifer durch Hilfcrvse oerscheucht hatten. Alle Ange- fallenen, die ohne Verlust davonkamen, werden ersucht, sich bei der Kriminalpolizei in Steglitz zu melden. Ein Fernsprechgebührenschwindler treibt in den letzten Tagen im Bereiche des Fernsprechamtes P f a l z b u r g, insbesondere in den Häusern am Hobenzollerndamm, Kaiserallee usw. sein Unwesen. Er zieht die vierteljährlich fälligen Fernsprechgebühren(die Grundgebühr für April— Juni und die Gesprächsgebühren für Dezember— Januar) auf Grund von Quittungen ein, die n i cb t von der Telegraphen- Verwaltung ausgestellt worden sind. Das Formular für die Quit- hingen ist kein amtliches. Kennzeichnend für die Fälschung der Ouittunq ist besonders, daß der Abdruck des Tagesstempels fehlt, der zur vosien Gültigkeit der Quittung unbedingt erforderlich ist. Das Reichspostmufeum bleibt am Sonntag, den 9, April, wegen einer im Lichtbofe staltfindenden Erinnerung sseier an die fünfundzwanziqjähriqe Wiederkehr des Todestages Heinrich von Sie- phans, des ersten Generalpostmeisters des Deutschen Reiches, für die Oeffentlichkeit geschlossen._ Weif et Börsenaeschälte machte... Prager Blättermoldungen zufolge hat der deutsche Abgeordnete Dr. H a h n r e i ch den Abge- ordneten Dr. Lodgman zum Duell gefordert, weil er be- schuldiat wird, als Mitglied einer deutschnationalen Burschenschaft mit Börsianern Geschäfte gemacht zu haben. Die gleiche rücksichtslose Haltung gegenüber den Geschäfte- machern wäre auch Wulle und seinen Freunden zu empfehlen. Sie werden dann ausgiebig Gelegenheit haben, sich so lange gegenseitig zum Duell zu fordern und hoffentlich auch richtig totzuschießen, bis von ihrer ganzen Clique zum Segen Deutschlands nichts mehr übrig bleibt. Grsfi-Serliner parteinachrichtea. a>. Abt. kl oute ff r«laß 8 Ubr bot Wickimann. Welkenburyor Sir. 1, Sitzung siwii- iilyrr ffunltionürr, Beiriebs»erirauen»ieut« und Eitornbeiriite. ?uflenöveranflto!tunaen. Bcttin Aibtitct-Zug-nd Stotz-Bttlin, SD. 88. Lind«,'it. J, Z. Aas,! Zrp, Tclcpho» Matitzplatz 121 08—121 10. ßeltzenjre. Aruit Fteiiag, im Jugendheim. Ledigenheim, WoeiS-Ptomenade, Batitag: �roeck und giei« de» Vereine Arbeil erjugend." Gewerkschastsbewegung Slrbeitsgerichte und Schlichtungsausfchüffe. Mit diesem Thema befaßic sich die vom Ausschuß der Berliner Gewerfichaftskommission zu Donnerstag abend nach Wittes Festsälen in der Sedaslianstraß« einberufen« Versammlung der Ge- werbe-, Kaufmannsgcrichts-, Jnnungsschiedsgcrichts- und Schlich- tungsausschußbeisitzer. Schröder behandelte das Thema auf Grund des Entwurfs der Schlichtungsordnung und dem geplanten Arbeitsgerichtsgesetz In dem Anrufungszwang, den Bestimmungen und der Konirolle über Streikbeschlüsse, sowie der Wartezeit zwischen Streikbeschluß und Strcikbeginn erblickt Redner eine Gefahr für die Führung künftiger Lohnkämpfe, wo- gegen die Arbeiterschaft einen Äbwehrkamps einleiten müsse. Eine Bevormundung und Reglementierung, wie sie die Vorlag« vorsieht, könne sich die Arbeitnehmerschaft nicht bieten lasten. Die Unter- nchmer würden dann erst recht Vcrschieppungspolitit betreiben und Rechtsanwälte als ihre Vertreter schicken. Der beim Arbeitsgerichtsgeseß vorgesehene Zloparat könne weit einfacher aufgebaut werden. Man habe die Absicht. das Arbeitsgericht den ordentlichen Gerichten anzugliedern und suche' dies mit Sparsamkeitsrücksichten und Bereinheitlickmng der Rechtsprechung zu begründen. Diese Gründe seien nicht stichhaltig, das Verfahren bei den ordentlichen Gerichten aber außerordentlich kostspielig. Man fühle sich stark genug, reaktionäre Pläne durchzuftihren, die Rechte der Arbeitnehmer zu beschrär.k-en. Die Arbeitnehmer- schaft dürfe sich nicht überrummpeln lassen und müsse zur Abwehr greisen, um sich ihre Zukimstsmöglichkeiten nicht untergraben zu lassen. Die gefaßt« Entschließung erhebt schärfsten Einspruch aeqen die beabsichtigte Eingliederung der Arbeilsaerichie in die ordentlichen Gerichte, die das- End? der. sozialen Rechtsvrech'.'nz bedeuten würde. Das Reichsarbeitsministerium trenne mit voller Absicht, den Vorschlägen des 4. Deutschen Richtertaqes und des 32. Deutschen Juristentages folgend, die beiden Ansstrak'vngen unseres sozialen Lebens, um rein konstruktiv die Doraussetznng einer Einqliedrung in die ordentlichen Gerichte zu schaffen. Es zer- stört damit auch die Doraussetzuna für die Errichtung einheitlicher Arbcitsbehörden unter demokratischer Selbstverwoltuna. Demgegenüber fordert die Versammlung den Ausbau der bestehenden Kaufmann s- und Eewerbegerichte zu allgemeinen Ar- beitsgerichten. Di« Kosten sind von Reich. Land und Gemeinde zu tragen. Den Arbeitsgerichten ist. wie beim Gewerbe- und Kauf- Mannsgerichtsgesetz, die Schlichtung von Arbeitsstreitiqkeiten zu übertragen. Der im Gesetzentwurs über die Schlichtungsordnung vorgesehene gewaltig« und kostspieltg« Derwaltungsrat kann vollauf erspart werden. Die Versammlung erblickt in dem vorliegenden Gesetzenttourf die größte Gefahr für die gelamte deutsche Arbcitnehmerschaft und fordert dies« zum schärfsten Abwehrkampf aus Schiedsspruch für die Zigarettenindustrie. In dcr Sitzung des SchlichlunpSauk-schusieS am Montag fehlten die Vertreter der Unternehmer wiederum. Ter SchlichiungSouS- schuß hat darauihin von seinem Recht, auch in Abwesenheit der Parteien zu verhandeln, Gebrauch gemacht und einen SwiedSipruch aefällt. der in den Haupistreiipunkten den Angestcllien Recht gibt. Nach dem Schiedsspruch soll der bisherige M a n t e l t a r i f bis 30. Sepiember 1322 verlängert werden. Die neuen Gehalt- iätze sollen rückwirkend ob 1. Februar gellen und erstmalig am lö. April kündbar sein. Die Gehälter betragen 2000 M. Anfangs- geholt der Gruppe I bis 4500 M. Ciidgchalt der Gruppe IV. Ferner bestimm! der Schiedsspruch, daß Maßregelungen aus Anlaß de« Streiks nicht vorgenommen werden dürfen. Die Angesielllen haben sich diesem Schiedsspruch unterivorfen und die Verbindlich- keitserklärung beim DemobilmachungSkommisiar beantragt. Soviel bekannt geworden ist. haben die Arbeitgeber den Schiedsspruch abgelehnt. Am Sonnabend finden beim DemobilniachungSkommissar die kontradiktorischen Verbandlungen zwecks Entscheidung über die VerbindlichkeitSerklärung statt. Der Streik geht inzwischen mit unvermindeter Heftigkeit weiter. „Revolutionäre" Bauarbeiter. Auf der Baustelle Rennbahn, Hoppegarten, war es zu Diffe« renzen zwischen einem Steinträger und einem Polier gekommen. die zur Entlassung des Steinträgers führten. Daraufhin wurde am andern Morgen die Arbeit eingestellt. Dcr Bauführer kam des» halb in die Bude, um zu verhandeln, wobei drei Mann gegen ihn tätlich wurden. Ein Maurer schlug ihm mit der Wasserwage über den Kopf. Unter diesem Zwang der Berhältnisse wurde die Ent» lassung des Steinhägers rückgängig gemacht und die Arbeil wieder aufgenommen. Der Steinhäger Hörle jedoch mittags mit dcr Ar- beit auf, da er ander« Arbeit gefunden Hatte. Ueber Sonntag schickte der Bauführer dem schlagfertigen Arbeiter die Entlassung. Am �Montag wurde die Arbeit nicht aufgenomnien. Da die Beleg- schaft vergeblich zur Wiederausnahme der Arbeil aufgefordert wurde, ist die gesamte Belegschaft entlassen worden. In der„Roten Fahne" wird nun die Sache so dargestellt, als sei die Arbeit eingestellt worden,„um die Akkordarbeit zu verhindern". Und iveil der Vertreter des Bauarbeiter» Verbandes„die scharfe Auseinandersetzung" nicht billigen konnte, wird ihm nachgesagt, er habe sich auf die Seite der Firma, gestellt. „Der Fraktionsvorstand" der Kommunisten aber maßt sich einfach das Recht an, über den Bau die Sperre zu verhängen, wodurch zum Ausdruck kommt, daß sich die kommunistische Bauarbeiter- fraktion bereits als Sonderorganisation etabliert hat. Angestellte der chemischen Industrie! Nach Verständigung mit den Fachgruppen-Oblcuten haben wir auf Grund des Abstimmungsergebnisses das am DienSiag, den 28. März 1322. getroffene Abkommen iinterzeicbnet. Dementsprechend gelten die Gehaltssätze ab 1, März bzw. 1. April 1922. AfA-Ortskartell Berlin. Srisss im englischen INelallarbeiterkonsllkl. Die gestrige Zu» sammenkunft zwischen dem Derhandlungskomitee und den Unter- nehmern verlief ergebnislos. Nach einstündiger Besprechung wurde mitgeteilt, daß die Lage noch unverändert sei. Das Verhandlung»- komitee forderte die Einsetzung eines Schiedsgerichtes, was jedoch von den Unternehmern mit der Erklärung o b- gelehnt wurde, sie könnten auf die verlangt« Lohnverminderung nicht verzichten. Das Verhandlungskomitee hat den Arbeitsministcr nochmals um Einsetzung einer Untersuchungskommission gebeten, doch erNärte dieser, daß er, ehe er auf diese Forderung eine Antwort erteilen könne, mit den Vertretern dcr Unternehmer verhandeln müsse. Da» Lehrlingswesen im Schornslelnsegcrgewerbe. Ter preußische Handelsminister bat die GültigkeiiSdoner der von ibm am 20. Februar 1919 aus Grund deS§>28 Abs. 2 der Eeiverbeordmmg mit Geltung bis zum Sl. März erlassenen Anordnung über die Höchst- zahl von Lehrlingen im Schornsteinfegergewerbe auf drei Jabre, bis zum 31. März 1925, verlängert. Tieie Anordnung schreibt vor, daß der einzelne Schornsieiusegermeistcr nicht mehr a>» einen Lehrling ballen oder neu einstellen darf.— An iolchcn Verordnungen seht es noch für eine ganze Reihe von Kleingewerben. Seutscher Weekmelster-BeeSand. Versammwtig aller Werlmeister w der Aul- gndiilim Sennabend 8 IUit im Nesiaiuani Branden dutg. kltalauee Straße 8.— Vetsammluna aller Wcrlmeiiiet und lechnischen AngelieNien in der Zi aar eilen- Induiiri« am Sonnadend"»3 Uhr im NeNauranI Neue Schleuse. Am Milhiendamm. B-raniw. für den redatt. Teil: ffran, Müh, Berlin.Lichlcrfeld«! für An- jeißcn: Th. tolailt, Berlin. Veriag Vormäria-Lerlag Ä. m. b. H.. 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