Nr. 167» ZH. �akrgong Busgabe A Nr. 84 Bezurzspreis: ?!iertelf8hrl.9ü.— aJL monati. 30.—°N. Itei ns Bous, voraus jaiilbac. Poll- fcewg:-Jionatlid! 30,— ü. emidjl. �u- ftelUuiasgfbühc. Unttr Kreuabanb tüt Deutschland. Dtmvg, Saar- it. Meniel» oebtet, loune SBfitpolen, Oesterreich u. Luxerridura St.— M..>ür das iibriae Tusland 32.— M, 2chstbestestunqen nebmen an Beiaien. Drneniart. Sag» land, Eststchnd. Zinntand, Franlreich, HoUand, Lettland Lurenidurg, Oester» reich. Schweden. Schweiz, Tlcheclio- Elawaiei und Ungarn. Der.Borwärrs" nii! der Sonntag» beiiage ,DaU und Zcir der Unter- haitungsbeilage �eintwelr' und der Beilage.Siedlunq und Kleingarten� crjcheinl wochentäglich zweimal. Sonn» tags und Montags einmal. Telegramm-Adrestei «Sozialdemokrat SerNa- Morgen Ausgabe c 1 Hark ) r* Devlinev Volksblntt Zll:.,t,isle»Vrciö: Die e t u l o a t 1 1 g- rHonvaretilezell» kostet>2.— M �Steine Anzoigen- da» icllgedruckte Won 3,— M.(zu* ISistg zwei ilitgcdnntte Wonest lede» weitere Wort 2,— M Si/IIrngeiuch» und SchlalireUcnanzeigen das erst» Won i.— 3)1., ledes weitere Work I SS M Worte Uder lö Buchstaben zählen für zwei Worte Fanillieii-Au- zeigen fllr Abonnenten Zeile K.— M. Die Preise bersteiten sich einschließlich Teuerungsziischlag, Anzeigen tvr die n S ch st e Nummer miisten bis Ahr nachmittag« im kianptgeschält. Berlsti 2W KS, Linden» straßc 3. abgegeben werden. Keöffnet oon 2 Uhr früh bi» 5 Uhr nachmittag». Zentralorgan der Sozialdemokrat» fchen parte» Deutfchlands Neöaktion und Expedition: EM öS, Lindenstr. ö - Siedaktion Morrvplat, lSluS-»? ,iserii,4,rr n,rr. �„(.„hion Moritzplav ll7SZ—»« Sonuabeud, den April Vonvärts-Verlag G.m.b.H., EN> H8, Lindenstr. 3 - Sicrlag.ed>>i»u un» Jnscraten» zilrrttiprrnirr. Morittplirl» II?»»-»« was Sachverjkänöige sagen. Teuerungszulage für Kriegsopfer Ende November 1921 hal der 19. Ausschuß des Reichs- � �..,., � � tages sich sehr eingehend mit den Forderungen der Kriegs- Glde und KlfUttes, dte ninir Itadt ÖJCIIUCI geladen tllld. beschädigten und Hinterbliebenen aus Erhöhung der Teuerungszulagen nach 8 87 des RVG. beschäftigt Zürich. 7. April. sWTS.) Der pariser Korrespondent der wie möglich festzuhalten, wo er am besten aufrechterhalten werden � Öie 2jnträqe Öer Regierung zur Berücksichtigung über- .Reuen Zürcher Zeitung" berichtet über eine Unterredung die er kann oder ob man darauf hinzielen soll, allmählich den Wert des �scn. Damals wurde vom Reichsarbeitsmin.slcrium geltend mit Professor Gide, einer allgemein anerkannten Autorität aus Wech,elkurses des Landes zu heben, was eine Verzögerung der v c: Reaeluna der Teuerungszulagen nach 8 87 volkswirtschastlichcm G-blet hatte. Der französische Rationalökonom Stabilisierung bedeute. Keyne- schreibt, er persönlich sei der An- � �s RVG die in den lebten Monaten in stärkerem Maße in bezeichnete es als großen Achter, daß man die Vorschläge eines ficht, es sei wichtiger, d.e Wechselkurse festzulegen AnaM genommene U?na ner ennu ng tark hemmen direkten Wied- rausbaues durch Deutschland nicht als sie zu verbessern und fährt fort, die Deflation sei nur Se und m.ßerdem wü?den dicimigen RentVn.'Mpsänaer beiu-iteu aeurülk babe. Der Wiederauibau wäre au» diesem Weoe bei Ländern anaebrackt. die bcffen könnten, ihre Borkrieas-iJold-.............. iri..,.-. beizeiten geprüft habe. Der Wiederaufbau wäre auf diesem Wege bei Ländern angebracht, die hoffen könnten, ihre Borkriegs-Gold' rascher und billiger vor sich gegangen, tiinsichllich der höhe der Parität bald wiederherzustellen. Dies könnte gesagt werden von Rcparationszahlen gibt Gide der Kritik seines englischen Kollegen Großbritannien, Holland, Schweden, der Schweiz und Spanien, Keynes recht. Ohne einen internationalen Schuldausglcich jedoch von keinem anderen europäischen Lande. könne Deutschland seinen Verpflichtungen nicht nachkommen. Ferner Für das finanzielle Prestige Frankreichs mache es einen ausgeschaltet, deren Rente noch nicht nach dem neuen Recht festgestellt, also gerade der Teil, der einer Teuerungszulage am dringendsten bedürfe. Aus diesem Grunde hat die Reg�e- rung durch einen Erlaß des Reichsarbeitsministers vom MTÄ'TS.TiC � sehung. die er nicht als wirlschaftlick) ansehen könne, desgleichen Goldpfund, für I t a l i e n, ob die Lira auf 75 oder 100 für das Gold könne er den französischen Vorwürfen gegen die deutsche Steuer- pfund stabilisiert werde. Keynes regt an, daß die Länder, deren Politik keinen Glauben schenken. Er verwies darauf, daß es gesetzliche Zahlungsmittel einen Goldwert haben, der um mehr als bei den heutigen verwirrten Geldverhältnissen Europas kaum mög- 20 Praz. im Vergleich zu ihrem Wert vom Jahre 1311 gefallen ist, lich fei, einen genauen vergleich zwischen den Steuerlasten der Wiederherstellung ihrer Währung auf der Vorkriegsgoldwert- Rationen zu ziehen. Schließlich kam er auf die G)nueser Konserenz hgsiz 7,� versuchen möchten. Alle Währungen müßten so bald wie zu sprechen, in deren Programm er das Reparallons- möglich gegen Gold zu einem festen Satz austauschbar sein. Der Problem vermißt. Die Schuld dafür liege vor ollem bei Goldumlauf müsse verringert werden, da Europa Amerika, das durch seine Hallung die Wöglichkcll des Gelingens der jein ganzes Gold als Reserve gegen Wechselkursschwankungen ge- Konferenz verringert habe. brauchen werde. Professor Gides Autorität wird ihn davor bewahren, Mitglied Keynes schreibt, er sei der Ansicht, es werde schwer sein, die jener vollmachtlosen Delegation zu sein, deren Jnstruicrung durch Währungen der zahlreichen Nachbarn Deutschlands wiederherzu- Herrn Poincare das französische Kabinett soeben bestätigt hat. stellen, solang« die deutsche Mark Schwankungen ausgesetzt sei. Reichskanzler Dr. W i r t h ist gestern abend nach Freiburg i. B.(jr glaubt auch nicht, daß bei einem Wiederaufleben des Handels gereist, um seine Mutter zu besuchen, und fährt von dort mit der � Frank und die Lira ihren augenblicklichen Wert behaupten deutschen Vertretung nach Genua. können. Es wäre ratsam, den Versuch unverzüglicher Umsetzbarkcit Lloyd George und Poincare hatten gestern in Paris im Zug � folgende Länder zu beschränken: Großbritannien, eine einstündige Unterredung. Frankreich, Italien, Belgien, die skandinavischen Länder, Spanien, *,„„, Holland, die Schweiz und die Tschechoslowake!. Die anderen Länder London. 7. April. fWTB.).Manchester Guardian bringt unter sganten mit der Zeit zur Teilnahme daran zugelassen werden. Die der Ueberschrift„Die Stabilisierung der europäischen„�en Geldwerte in diesen Ländern müßten auf der Finanz. nr> � mr»— L..•»(X\*_!_...'______'. Jr. einen ausführ- Wechselkurse— ein Plan für Genua lichen Artikel von Keynes. Keynes schreibt darin, er sehe augenblicklich kein« andere Lösung der Stabilisierung als durchführbar an, als die der S ch a s s u n g des Goldstandards in so vielen Ländern wie nur möglich. Zu der Frage, ob Stabilisierung oder Deflation vorzuziehen sei, führt Keynes aus, es gebe kein einziges europäisches Land, desfsu läge des Landes fußen, damit das Risiko eines Zusammen- bruchs so gering wie möglich sei. daß bestimmte Zuschüsse an einen Teil der Rentenempfänger schematisch gewährt wurden. Der mit Wirkung vom 1. August 1921 ergangene Erlaß verordnete die Gewährung van Tcue- rungs-»ischüssen an a l l c Beschädigten, deren Erwerbsfähigkeit um 5(1 oder mehr Prozent gemindert ist. Daneben wurden Teuerungszulagen für die Hinterbliebenen gewährt. Die Zulagen betn'gen monatlich für Beschädigte, die im Er- werbslcben stehen, 39 Rt für solche, die nicht im Erwerbs- leben stehen, 39 bis 75 M., außerdem sül jedes Kind monat- lich noch 15 M. Die Voll- und Halbwaisen erhielten 15 M., die erwerbsunfähigen Witwen 49 M. und jeder Elternteil 15 Mark. Ueberstieg das Einkommen eines Bcrsorgungsbe- rechtigten den für ihn in Betracht kommenden 5)öchstsag der Erwerbslosenunterstützui'g, so wurde nur der Zuschuß ge- währt, der für im Erwerb Stehende festgesetzt war. Die nach vorgenanntem Erlaß gewährten Teueningszu- schüsse sind durch weiteren Erlaß des Reichsardeitsministers vom 1. Dezember 1921 in der Weise geändert worden, daß mit Wirkung vom 1. Oktober 1921 nur noch Tcuerungszuschüsse an nicht im Erwerb stehende oder an solche Beschädigte gewährt werden, die neben der Rente ein Einkommen bis zu vier Dritteln der Höchstsätze der Erwerbslosenunterstützung beben Durch diese A: a?di..lnq gingen jämtliche Schwerbeschädigten und die im Erwerb stehenden Kriegerwitwen, deren Einkommen mehr als vier Drittel der Erwerbsiosenunterstützung beträgt. mit Wirkung vom 31. Dezember 1921 des ihnen gewährten Teuerungszuschusses wieder verlustig. Die nach dem Erlaß vom 1. Dezember 1921 chen nicht im Erwerbsleben Stehenden gewährten Teuerungszuschüsse haben mit Wirkunz vom was Moskau fordert. Gutheistung deS Putschcrfokgs. Der Korrespondent des sozialistischen„Daily Herald", der Regierung klargelegt habe, ob sie die Politik verfolge, die Währung mit der sowjetrusstschen Delegation gereist ist, erfuhr von de- Landes zu heben oder sie zu stabilisieren. Es werde schwer T sch i tscherin. daß die russische Delegation folgende Forderun. 1. ein»'B e r d 0 v v e l u n a-rsabren sio be. sein hier einen Fortschritt zu erzielen, bevor die beiden Probleme gen stellen wird: 1. Die russische Revolution muß anerkannt werden,'�arz 1921" n« eNahrem«le be voneinander geschieden seien. Augenblicklich sei die Stabilisierung 2. Da- russische Wirtschaftssystem soll unter der Kontrolle der, für dw Monate Marz un� der volkstümlichste Weg! die Politik der Leiter der Staats- Sowjets bleiben. 3. Das soziale Werk der Revolution muß unan-! l�t�ner Mwborung � danken Europas strebe jedoch nach Des s.e rung der getastet bleiben. Der Korrespondent fügt hinzu, daß Tschitscherin �ut 189. M., für Schwerbeschädigte� mit emer Mmderung der W e ch e l k u r s e. Anhänger der allgemeinen Abrüstung ist und daß er in Genua Keynes ist der Ansicht, man müsse für sedes Land gesondert Entschädigung für die Intervention der weißrussischen Armeen entscheiden, ob es besser fei, den Wechselkurs dieses Landes so bald fordern wird. Sozialdemokratie und Technische Nothilfe. In der gestrigen Reichstagssitzung wurde auch über die Unterstützung der Technischen Nothilfe beraten. Dazu gab die sozialdemokratische Fraktion durch den Genossen Hermann Molkenbuhr folgende Erklärung ab: Die sozialdemokratische Fraktion hat im vorigen Jahre gegen die für die Technische Nothilfe geforderten Mittel ge- stimmt, weil sie der Auffassung war, daß die Technische Nothilfe durch Maßnahmen überflüssig gemacht werden muß, die die Gewerkschaften zur Verrichtung der Notstandsarbeiten in lebenswichtigen Betrieben satzungsgemäß zu treffen haben. Sie glaubte damals erwarten zu dürfen, daß bis zur Vorlegung des wie sie das Recht haben, sich gegen die Technische Nothilfe zu wehren, die ihrer ganzen Gestaltung nach in sich die Tendenz trägt, den S t r e i k b r u ch zu schützen. Die sozialdemokratische Fraktion hält daran fest, daß die mit den Spitzenorganisationen der Gewerk- schaften zu treffenden Vereinbarungen über den Begriff der Not-! geprüft?'ob d'ie'TeuerungSM dem�Ver Erwerbsfähigkeit um mehr als 89 Proz. 299 M. und daneben, wenn sie für Kinder zu sorgen haben, für jedes Kind 69 M., für erwerbsunfäbige Witwen 169 M., für�ine Halbwaise 89 Mark, für eine Vollwaise 190 M., für ein Elternteil 199 M. Nach der am 20. Februar 1922 eingetretenen Brotpreis- erhöhung und der damit verbundenen Preissteigerung der un- entbehrlichsten Bedarfsartikel hat der 19. Ausschuß des Reichs- tages am 19. März d. I. sich erneut mit der Frage der Teue- rungszuschüsse beschäftigt. In dieser Sitzung wurde die Frage standscirbeiten in unzweifelhaft lebenswichtigen Betrieben und über> �m der Gesetzgebung geregelt werden ds« Leistung der Notstandsarbc-t-n ,n solchen Betrieben die Tech- sagten. Der Ausschuß entschied sich für das Letztere und for- nischs Notbiise überflüssig machen müssen. � i derte die Regierung auf, alsbald einen diesbezüglichen Gesetz- Die Erklärung schließt damit, daß die sozialdemokratische entwurf vorzulegen in der Annahme, daß der Gesetzentwurf Fraktion für die in den diesjährigen Etat in Kapitel 21 an geforderte Summe stimmt, aber die unter„einmaligen Aus- gaben" geforderten Mittel ablehnt. Sie will mit dieser Ab- so zeitig vorgelegt würde, daß seine Verabschiedung vor Ostern noch möglich ist. Nun hat das Reichsarbeitsministerium am 4. April— neuen Etats-in E in° erst ä n d n i- Zwischen den Gewerkschaf- � jST'roeTt crTVuT n g/derHechnstchen Nothilfe j IZ 1 q Äffi" ten und der Reichsregierung darüber erzielt werden würde, wie bei Konflikten in lebenswichtigen Betrieben zwischen den Interessen der Allgemeinheit und den Interessen der ihr Streikrecht ge- brauchenden Arbeiter ein beiden Teilen gerecht werdender Ausgleich zu finden ist. Vereinbarungen dieser Art sind leider bisher nicht zustande gekommen. Das hatte zur Folge, daß die Regierung auch im ver- gangenen Jahre den Einsatz der Technischen Nothilfe im Interesse der Allgemeinheit mehrfach für unerläßlich hielt, weil nach ihrer Auffassung nur so großer Schaden abgewendet werden konnte. Die sozialdemokratische Fraktion verkennt nicht, daß sich die Regierung gewissermaßen in einer Zwangslage befand, wenn sie die Technische Nothilfe einsetzen zu müssen glaubte. Die sozialdemokratische Fraktion hofft aber, daß die Berhond- langen, die zurzeit in den Gewerkschaften über die bei Arbeits- konilikten in lebenswichtigen Betrieben zu treffenden Maßnahmen geführt werden, bald ein Ergebnis zeitigen, das auf der einen Seite die Interessen der Allgemeinheit wahrt und auf der anderen Seite verhindert, daß unter dem Decknamen„Notstandsarbeiten" Anord- nungen getroffen werden könnten, die die Interessen der Streikenden schädigen, ohne der Allgemeinheit zu nützen. Die sozialdemo- kratische Fraktion ist der Ueberzeugung. daß die Gewerkschaften ebenso sehr den guten Willen haben, wirkliche Notstände zu beheben, ist, die ihrer Auffassung nach im Interesse der Arbeiter zu einer dauernden Einrichtung niemals werden darf. Drohungen gegen Sie Srotgetreiüeversorguny den Mitgliedern des 19. Ausschusses den Gesetzentwurf zur einstweiligen Kenntnisnahme übermittelt. Der Gesetzentwurf ist inzwischen an den Reichsrat gegangen, und erst, wenn er verabschiedet ist, kann der Reichstag dem 19. Ausschuß die Vorlage überweisen. Nach dem vom Reichsarbeitsministerium Bei der gestrigen Besprechung der landwirtschaftlichen Körper- vorgelegten Entwurf sollen die bisherigen Teuerungszuschüsse schaften mit dem neuen Reich-ernährungsminister Professor Fehr � entllch erhoht werden Ausgenommen davon sollen fem: über die Brotgetreidebewirtschaftung gaben diese eine Erklärung � Beschndlgte deren Erwerbslah.gke,t um wen.ner als 59 Proz. ab. in der es heißt, daß die Wndwütschaftlichen Organisationen in-, �mmdert.st: Witwen, d.e weder erwerbsunfShig, noch einer folge der Ungerechtigkeiten bei der Durchführung der Getreide- erwerbs.mfah.gen Wckwe qle.chgeste lt smd! Personen, d.e un- Umlage de- Jahre-»921, die eine starke Erbitterung hervorgerufen von Di-nstbeschadlgung. led, glich aus Grund ihrer Haben, außerstande seien, die Landwirte zu einer, nochmaligen Ab- M.l.tardwns zeit versorgt sind(Kapttulanten): Personen aus lieferung von Umlagegetreide zu bewegen. Die Landwirtschaft � r- � t>0m Dezember 1929 Anlehne eine Umlage in jeglicher Form ab. Andererseits erkenne sie � voonoung siaoct.. die Notwendigkeit der Beschaffung einer Brotgetreidereserve an und Dcr Teuerungszuschuß soll betragen monatlich 459 M. schlage daher die Heranziehung der landwirtschaftlichen Genossen- far einen Schwerbeschädigten bei einer Mmderung der Er- schaften zur Bewältigung dieser Aufgabe vor. werbssahrgkeit nm mehr als 89 Proz.!'320 M. für einen _ Schwerbeschädigten bei einer Minderung der Erwerbsfähig- Mirnm*«.(Ar TW«„m,nfÄ„nrr«nh"tnnrtnh«, feit um höchstens 80 Proz.: 320 M. für eine W i t w e: 169 M. Mm«;.mh Ä für eine vaterlose Waise: 299 M. für eine elternlose stl)Uss6 11510 JcotttanD5maftnQi)men TMr UntßrjtiitMnci oon Jicntcrt® ot>-: r..-ioa orw c.»• � of., r. rr empfänqern aus der Invaliden- und Anqestelltenverflcherunq wurden �. tlk d- s Außerdem soll auf Antrag des Abg. 5)och(Soz.) im Hauptausschuft des Reichs- jeder SchWerbeschadlgte, wenn er für Kinder zu sorgen hat, tage? insgesamt drei Milliarden 800 Millionen bewilligt. I für jed e s K in d 199 M. erhalte»». Ferner sollen erhallen: Empfänger eines Uebergangsgekd'es?§ 82 RDG.f» monatlich S2g M>: Empfängerinnen einer Witwenbeihilfe mo- natlich 32V M.; Empfänger eines Hausgeldes(Z 13 RVG>) während der vollen Kalendermonats der Heilbehandlung, auch wenn eine geringere Minderung der Erwerbsfähigkeit als 5v Proz. festgestellt ist, monatlich 32V M.; wenn Hausgeldempfänger für Kinder zu sorgen haben, für jedes Kind 1V0 M. Diese Zuschüsse fallen nach dem Entwurf fort, wenn mit dem Einkommen die Höchstsätze der Erwerbsloscnunterstützung u m mehr als zur Hälfte überschritten werden. Der 19. Ausschuß hat sich am 4. April mit dem vorläufig übermittelten Gesetzentwurf sehr eingehend beschäftigt und nach längerer lebhafter Aussprache festgestellt, daß der Eni- wurf nach den bereits dargelegten Umständen vor Ostern lei- der nicht mehr vom Reichstag verabschiedet werden kann. Diese Tatsache darf also keinesfalls Veranlassung sein, falsche Schlußfolgerungen zu ziehen. Gewiß, die Kriegsopfer können der Meinung sein, daß der Reichstag unter allen Umständen noch vor Ostern das Gesetz hätte beschließen sollen, aber an- dererseits werden die Kriegsopfer nicht verkennen, daß es ge- wiß nicht in ihrem Interesse gelegen hätte, wenn der Reichstag das Gesetz durchgeprüft und in der letzten Stunde vor der Vertagung verabschiedet hätte. Um aber den besonders Hilfsbedürftigen die ungeheure Teuerung erträglich zu gestal- ten, hat der Ausschuß eine Entschließung angenommen, die die Regierung ermächtigt, auf dem Verwaltungs- wege sofort die bisherigen Teuerungszuschüsse wesentlich zu erhöhen und dem Reichstag bis spätestens den 15. Mai 1922 «inen neuen Gesetzentwurf vorzulegen, der dann vom Aus- schuß alsbald beraten werden soll. Im Ausschuß ist mit Nach- druck gefordert worden, daß die Teuerungszuschüsse nicht erst bei einer Svprozentigen Minderung der Erwerbsfähigkeit ein- setzen sollen: auch sei die in Aussicht genommene Regelung für die Hinterbliebenen nicht befriedigend. Die Organisation der Kriegsopfer, die in den letzten Tagen mit dem Reichs- arbeitsministerium verhandelt habe, verlange eine Teuerungs- zulage für alle Rentenempfänger und außerdem die Beibehal- tung der besonderen Teuerungszuschüsse für besonders Be- dürftige, wie das durch die Neuregelung des Dezembererlasses geschieht. Inzwischen hat die Regierung Zeit, auch über die finan- zielle Auswirkung der vorliegenden Wünsche eine Aufstellung zu machen— der Regierungsentwurf würde 5 Milliarden Mark erfordern— damit der Reichstag bei seinen Beratungen auch darüber volle Klarheit hat. Luöenöorff hat geschwiegen! Am 13. Dezember 1921, während in Leipzig der Iagow- Prozeß verhandelt wurde, erschien an leitender Stelle des „Vorwärts" ein Artikel mit der Ueberschrift„Hochver- räter Ludendorf f". In dem Artikel waren die wich- tigsten Bcweismomente zusammengefaßt, die der Leipziger Prozeß für eine aktive Beteiligung Ludendorffs am Kapp-Unternehmen erbracht hatte, der Artikel begann und schloß mit den Worten: Der Generalquartiermeister a. D. Erich Ludendorfs ist des vollendeten Hochverrats über- führt. Mit Absicht war diese Formulierung so scharf und ein- deutig gesaßt, daß sie zweifellos beleidigenden Cha- rakter trug, falls die darin enthaltene Behauptung unwahr war. dagegen keinen beleidigenden Charakter, falls sie die Wahrheit aussprach. Damit sollte Herr General Luden- dorff vor die Wahl gestellt werden, entweder die Anschuldi- gung des Hochverrats auf sich sitzen zu lassen, oder uns in einem öffentlichen Gerichtsverfahren Gelegen- beit zu geben, feine Rolle während der Kapp-Tage bis ins letzte zu beleuchten. Vor� diese Wahl gestellt, hat Herr Ludendorff es vorgc- zogen, die Anklage des Hochverrats auf sich sitzen zu lassen. Die zur Stellung eines Strafantrages erforder- Sei öen verlorenen. Don Alwin Rath. Mein Schirm? Erschrocken bleibe ich stehen und starre in meine leere Hand, auf die die dicken Regentropfen mit der plötzlich losbrausend-n Heftigkeit des Berliner Frühling-wetters niederklalfchlen. Wo ist mein Schirm? — Wo hott« ich ihn doch noch? Zuletzt war ich am Leipziger Platz auf dem TelegraplMamt. Zwanzig Menschen drängen sich in dem engen Kästchen, und jeder hat nach meiner Annahme meinen Schirm in der Hand. Aber, kaum einer hat«inen— die übrigen starren in das Regengeprafsei nach draußen, haben hier Zuflucht gefucht. Kurz entschlossen klappe ich den Rockkragen über die Ohren hinauf, und voll Grimm über meine unsägliche Vergeßlichkeit, die mich fast täglich Handschuhe, Spazierstöck« und solche überflüssigen Kinkerlitzchen kostet, denen ich doch nicht entsagen kann— nur durch Verlieren ohne Ende— so ganz still in mich hinein ergrimmt, lasse ich mich von dem Regen durchweichen und trotte gemächlich durch Lokale, Cafes. Zigarrenläden. Kaufhäuser, Buchläden. Consiserien: .Rein Schirm bleibt verschwunden. Ueberall eifriges Suchen, eifriges Schulterzucken— er bleibt verschwunden. Wenn er nicht ein so schönes Andenken an die ebenfalls ver- regnete Hochzeitsreise wäre, könnte man ihn ja fahren lasten— aber so? Es ist schon Abend geworden über das Betrübnis, ich bin schlapp, wie es sonst nur so ein verregneter, zugeklappter Schirm ist. Jeder im Cafe hat fetzt«inen solchen Schlappier in der Hand— ich {ehe jeden durchbohrend an— und so naß bin ich wie jeder dieser '-chlappiers. Der Kellner schielt neben mir auf das Sofa—, ich schiele auch hin, und sehe«in kleines Rinnsal sich hinten ins Polster ergießen. Nun ja... Es ist schon Abend— das Fundbureau wird geschlossen sein— also ausharren bis zum nächsten Tag. Am nächsten Tag— ist«in Sonntag. Am nächsten Tag gehe ich dem Verlorenen nach wie der Hirt -n der Bibel dem verlorenen Schaf. Ob ich ihn überhaupt noch wiederfinde? Ob ich nicht das Schaf bin, das ich noch suche? Ergeben wandern meine Füße von Fundbureou zu Fundbureau. Es gibt sehr viele, sehr weit voneinander liegende Fundbureaus in Berlin. Endlich werde ich von allen Seiten zu den Stodtbahnbögen am Schlesifchen Bahnbof gesandt.. Aber hier fürchte ich. säst mich selbst zu verlieren! Welches Chaos von ungleichartigsten Gegenständen! Welche Vergeßlichkeit! Berlin— welche Vörgeßlichkeit! _ Di« ersten Gedanken sind dos, die mich überfallen, die ich nicht mehr verlier« beim Anblick, der iechs und mehr bis obenhin oollge- pfropften mächtigen Böden, die wie ein AlttrvSel en gros anmuten. Ich vergesse ganz meine Vergeßlichkeit über die der anderen, staune nur über die Großartigkeit dieses Unternehmens, das aus- schließlich von Lieferanten wider Willen seine Ware bezieht. Ich steh« kopfschüttelnd vor Dingen, die ich gar nicht mehr vergessen kann, Dinge, die man freilich täglich im Munde führt— und anderen viel delikateren Sächelchen. Aber die liegen nicht so offen zu Tage. Der Beamte, der Interesse gewahrt, läßt heimlich«inen Blick hineintun w die Lachkabinette der Vergeßlichkeit. ltche Frist ist vor mehreren Wochen abgelaufen. Herr Ludendorff hat keinen Strafantrag gestellt, er hat nicht geklagt. Er hat, mit anderen Worten, nicht den Mut gehabt, die Frage seiner Beteiligung am Kapp-Unter- nehmen zum Gegenstand einer Gerichtsverhandlung zu machen. Wir stellen hiennit öffentlich fest, daß General Ludendorff den Vorwurf des Hochverrats stillschweigend eingesteckt hat. «.Ich bin ein Preuße../ Wir haben bekanntlich Ueberfluh an schwarzrot- goldenen Flaggen. An jedem Festtage der Republik wogt über den Dächern und aus den Fenstern ein einziges schwarzrot- goldenes F l a g g e n m e e r. Da ist es durchaus verständlich, wenn sich nun die preußischen Behörden zusammentun, um eine Ver- mehrung der republikanischen Reichsflaggen mit dem ihnen eigenen Weitblick zu verhindern. Das S t a a t s m i n i st e r i u m ist verhältnismäßig unschuldig daran, es hat am 16. Dezember vorigen Jahres einen durchaus ein- wandfrcien Beschluß gefaßt, der folgendermaßen lautet: „Geflaggt wird mit schwarzweißen Fahnen. Die alten preu- ßifchen Wappenfluggen sollen vom 1. Februar 1922 ab nicht mehr verwendet werden. Sofern ein zweiter Flaggenmast vorhanden ist oder sonst die Möglichkeit besteht, an gleich- w e r t i g e r Stelle eine zweite Flagge aufzuziehen, so ist neben der schwarzweißen Fahne die schwarzrotgoldene Reich sflagge zu hissen." Die„Möglichkeit" dürfte bei fast allen behördlichen Gebäuden vorhanden sein, und so war zu hoffen, daß überall das ver- haßte Schwarz-Rot-Gold neben der„alten Prcußenfahne" feine Stätte finden würde. Aber das Staatsministerium denkt und die „nachgeordneten" Behörden lenken. Aus Sparsam- keitsrückfichten" sollen die neuen Flaggen einheitlich beschafft werden, aus denselben„Sparsamkeitsrücksichten" ist der„Dedarf" möglichst niedrig zu bemessen, und aus denselben„Sparsamkeits. rücksichten" wird einstweilen(und in alle Ewigkeit) nur der Bedarf an preußischen Flaggen gedeckt.„Fehlanzeige ist nicht erforderlich." Da die preußischen Behörden sich die fchwarzrot- goldenen„zweiten" Flaggen weder aus den Rippen schneiden können noch die Beamten sie aus ihrer eigenen Tasche bezahlen werden, so ist damit der Beschluß des Staatsministeriums 6e k�ctc, sabotiert. Die preußischen Amtsgebäude flaggen noch der Melodie: „Ich bin ein Preuße, will ein Preuße fein!" Die Reichsflagge ist ihnen Hskuba, wenn sich das Staatsministerium nicht etwa ent- schließen sollte, seine nachgeordneten Behörden nachdrücklichst darauf hinzuweisen, daß Sparsamkeit am falschen Platze vom Uebel ist.___ ,3u Gegenülensten gern bereit"'. Ein vorenthaltener Brief in der Hermes-Affäre. Zur Angelegenheit Hermes veröffentlicht die SK. ein Schreiben, das nach ihrer Behauptung bei den Akten des Reichsministeriums für Ernährung sich befindet, aber trotzdem dem Untersuchungsausschuß des Reichstages vorenthalten worden ist. Das Schriftstück hat folgenden Wortlaut: Winzerverband für Mosel, Saar und Ruwer. Trier, den 23. Mai 1921. Herrn Geheimen Ministerialrat Joffe, Berlin, Hochwohlgeboren! Angeschlossen überreiche ich, der mündlichen Absprache gemäß, ein Gesuch an den Herrn Minister um Zuteilung von Weißzucker mit der Bitte, gütigst dahin wirken zu wollen, daß der Preis nicht allzu hoch berechnet wird, damit der Verband in der Lage ist, etwas an dem Zucker zu gewinnen. Wir brauchen für die Errichtung der wissenschaftlichen biologischen Station voraussichtlich viel Geld, und die Quellen, die uns zur Verfügung stehen, fließen sehr spärlich. Ein Verdienst an dem Weißzucker käme uns also überaus zustatten. Zu Gegendiensten herzllch gerne bereit, zeichnet hochachtungs- voll und ergebenst gez. Faust. Daß Schirme in dicken, fetten Bündeln zu Haufen da sind, ist erklärlich. Meiner?— Ja, ja... so viele, so viele— ober meiner? Daß Stöcke, Hüte, Bakeie, Bücher, Bilder, Rotizbiöcke, Mäntel usw. usw. zahllos wie die vergeßlichen Köpfe da sind, ist erklärlich— weniger aber, daß Posaunen, Tuben, Drehorgeln und sowas hier schon monatleanq vergebens auf die Musikanten warten. Kinder- wagen vereinsamt vor Langeweile in den Ecken herumgähnen, Kröchen hier vergeblich auf ein zweites Wunder harren— wie wären sie sonst hergekommen?— Und vollends rätfethast ist es: daß ein künstliches Bein hierher seinen Weg finden kann, um von den Müh- salen des Menjchendienstes auszuruhen. Mit um so tieferem Verständnis läßt man femen Blick über die nicht zu zählenden Eheringe schweifen, die sich aus verschiedensten Schicksalen heraus zusammengefunden haben. Wie Lachen und Tränen funkelt es über den runden Dingelchen weg. Nicht weit davon fühlt man noch einmal so recht, daß man hier im Hmis« des Berge siens weilt. Uhren über Uhren sind da zusammengehäuft,«in- fache Slahluhren, kostbarste, goldglitzernde dorm, dünn wie«in« Oblate. Alle haben das Ticken rcrgefstn, jede vergaß es zu einer anderen Zeit. Nach den verschiedensten Richtungen hin stehen die kleinen blauen, silbernen und goldenen Zeigerzünglein. Nach den verschiedensten Richtungen möchte mich der freundliche Beamte noch mit seinem Rat schicken— aber ich Verzicht«, nachdem ich Beispiel« einer viel größeren Resignation vor mir gesehen habe, und wünsche ihm nun aufrichtig ein« gui« Reis«... „Der Evangellmann".� Das Deutsche Opernhaus brachte eine alte, im rechten Sinne volkstümliche Oper, Wilhelm K i e n z e l s„Evangelimann", in anständiger, sauberer Monier heraus. Die Musik hat in ihren Vorzügen all ihre Fehler versteckt, die beide gleichzeitig offenbar werden: melodische Süß«, gleichmäßige Instrumentation, Charakteristik ohne Erregung, leitmotivische Fertig- keit, die zuerst packt, im Verdehnen der Akte aber unpersönlich wird. Wir sind 25 Jahre vom Wert entfernt, das im ersten Bild nach italienischer Oper schielt, im zweiten und dritten äußerst stark vom mittleren Wagner beeinflußt ist. Stimmung, düster« wie tänzerische ist drin, alles ein bißchen sehr zerfließend und lang, aber der Ab- fchstiß hat dramatische Kraft. Das Ganze eine Rummern-Oper, «ine dramatisch lähmende mit viel Tränen und viel Sentimentali- töten. P a b s d o r f versagte leider gerade bei der berühmtesten Nummer, dem Sang de? Evairgeiimannes„Selig sind, die Der- folgung leiden", sonst wußte er Loben und Leiden so natürlich wie möglich zu geben. Sehr eindrucksvoll im Spiel H o f b a u e r als bürgerlicher Scarpia, etwas unsicher Meto Seinemeyer, ruhig und gefetzt die Dilmar-Honfen, sehr spitzig Schöpf! in. Die Nebenrollen waren gut befetzt. Zander führte das Orchester mit viel Freude am Klang und Gesang des Werkes. K. S. .Die Soziologie der modernen Kunst" war das Thema eines Vortrages, den Dr. Paul Mahlberg in der Liga Junge Republik hielt. Nicht nur das geschaffene Kunstwerk selbst, sondern auch das Kunstscßaffen als lolches fei soziologisch zu betrachten, d. h. den Gesetzen der Gesellschafisordnung unterworfen. Anderer- feits ist— nach Dr. Mahlbergs Ausführungen— die Kunst auch selbst gesellschaftsbstdend, indem in ihr der Formendrang und die Wetter meldet die SK., daß den Redakteuren der„Frei, Heft" die angekündigte Verleumdungsklage des Herrn Hermes bis heute noch nicht zugegangen ist. Smeets un) Tirarü. In einer Entschließung, die am 12. März von den Delegierten der„Rheinischen Republikanischen Lolkspartei"(SmeetsI) des Be- zirks Koblenz gefaßt und der franko-belgifchcn— pardon interalliierten Rhein landkommifsion unterbreitet wurde, forderten die Berfaffer Behinderung und strengste Kontrolle der preußischen Be» Hörde und Gerichte, Ausweisung aller Beamten, die nicht geborene Rheinländer sind, NichtVerhaftung Smeets, Schutz seiner Partei und versicherten die Kommission ihrer Treue. Ein zeitgemäßes Preßgesetz. Affen, 7. April.(WTB.) Der Nationalrat nahm das neue Preßgesetz an, daß u. a. auf folgenden leitenden Gedanken beruht: Schutz der Jugend gegen die Gefahren der Schmutz- und Schund- literatur, weitgehende Beschränkung der polizeilichen Beschlagnahme, Unzuläsfigkeit des objektiven Verfahrens in Fällen, wo die subjektive Verfolgung möglich ist, Befreiung des Redaktionspersonals von der Verpflichtung zur Zeugnisablegung über die Urheberschaft von Zei- tungsnachrichten. Der Berichterstatter Abg. A u st e r l i tz(Soz.) hob u. a. die Bestimmung hervor, wonach auch der Eigentümer der Zei- tung in seder Rummer vermerkt werden müsse. Mit dieser Bestim- mung soll jedem klar sein, wer wirklich hinter einer Zeitung steht, damit die Zeitungen, die in der Hörigkeit des Kapitals stehen, nicht mehr inkognito auftreten können. Ein staatliches Weingut für Mönche? Der Landtag hat gestern einige USP.-Anträge auf Streichung von Geldern für Pferderennen in namentlicher Abstimmung mit nur 19 und 4 Stimmen Mehrheit abgelehnt. Das vcranlaßte das Zentrum, weitere Abstimmungen vertagen zu lajsen. Nach Annahme der Aenderung des Diätenqesetzes(Entschädigung um 1599 M. erhöht, Abzüge für Fehltage 159 M.) berichtete Minist'r Wen- dorff, daß bei Neuverpachtungen der Domänen wesentsiche Er. höhungen der Pachtpreise erzielt wurden. Zum Teil wird die Pacht auch in Naturalien enrrichtet. Das Verlangen des Zentrums, Te le des Klosters Eberbach an einen Orden abzugeben, lehnt der Minister ab, weil der Staat dieses wichtige Weingut behalten müsse. Er sei in dieser Auffasiung besonders bestärkt worden, nach. dem ihm Herr Herold verraten habe, daß sie zunächst einen Teil des Klosters wünschten, aber darüber hinaus den Wunsch hätten, das ganze Kloster für ihren Orden zu bekommen. Nachdem noch Iürgensen(USP.), Kilian(KPD.) und Westermann(Dem.) einige Stunden lang zum Domänenetat gesprochen hatten, ging das Haus kurz nach 4 Uhr in die Osterferien. Die pazifislilche veläiiqung der Geistlichen. Im Landtag ist an die preußische Regierung folgende Anfrage der Unabhängigen ge- richtet worden: Ter Superintendent Ranck zu Berlin-Schöneberg bat dem in seiner Superintendantur tätigen Pfarrer B l e i e r zu C'-ar- lottenburg untersagt, Vorträge außerhalb seiner Gemeinde zu halten. Ein anderer Pfarrer derselben Gemeinde dagegen ist zu Vortrags- reisen beurlaubt. Dieser Pfarrer ist Abgeordneter und gehört der Deutschen Volkspgrtei an: Pfarrer Bleier ist Sozialist und tritt öffentlich für den Weltfrieden und die Versöhnung der Völker ein. In einem Schreiben vom 29. März 1922 gewinnt es der Super- intendent Raack über sich, dem Pfarrer Bleier über dessen Bortrans- tätigkeit so zu belehren:„Ich habe je länger je mehr den Welffrieden und die Dölkervcrsöhnimg, wie Sie sie auffassen und öffentlich ver- treten, für schlechthin unvereinbar mit dem wahren Christentum m-d ■ mit der auch von der christlichen Ethik geforderten männlichen Würde und Selbstbehauptung halten müssen." Was gedenkt das Staats-. Ministerium gegen den Herrn Superintendenten Raack zu tun? Er geht nach Amerika. A w a l o f f- B e r m o n d t. der sie- kannte Abenteuerer aus dem Baltikum, der am lU. März mit Erlaubnis der preußifcben Regierung nacb Berlm zurückgekehit war und fällchlicherweise in Verbindung gebracht wurde mit dem politt- scheu Morde an Miljukow. bat am Donnerstag abend Berlin wieder Verlasien»nd sich nach Hamburg begeben, von wo er bekanntlich nach Amerika auszuwandern beabsichtigt. Ob ibm dieie Absicht gelingt, ftebt allerdings noch dahin.— In Deutschland darf dieser monarchistische Abenteurer und Verschwörer auf keinen Fall länger geduldet werden. Sehnsucht einer ganzen Zeit- und Wcltanschauurrgsepoche zum Aus- druck kommt. So sieht der Vortragende die Äunstanlchouungs- kämpfe, die feit 1919 um den Impre sionismus einfetzien, als«in- leitende Vorboten eines neuen Zeitalters an. Unter ungeheurer Spannung der Geister vollzogen sich jene Kämpfe der Kunftanschau- ung: sie enlsprangen einem Sichern de isfühlcn zu sich selbst und den Dingen der Umwelt. Der Expressionismus, die Form der modernen Kunst, die aus diesen Kämpfen sich losrang, ist«ntroeder musikalisch orientiert,«in Sichausströmen in zueinander abgestimmten Farbentönen,» wie das zunächst die«xpr« sionistischcn Werke der deutschen Künstler zeigten: oder der Expressionismus betätigt sich im Kubismus, in dem die Dinge unter einer neuen Perspektive im eigentlichen wie im übertragenen Sinne dieses Wortes erscheinen. In beiden Erscheinungsformen aber sind die Gegenstände von Grund auf solidarisch, d. h. sie gehen im tiefsten Innern immer wieder zusammen. Der Untergang des Vürgerlums, den wir Heu!««rlebcm leitet«ine neu« Epoche der Weltanschauung ein. In der Kunst aber machten sich die Vorwehen des gewaltigen gesellschaftlichen und sozialen Umschwunges bereits se-t mehr als zehn Jahren bemerkbor. Nelsons ewige Pension. Im englischen Unterhaus kam man kürzlich im Lauf der Verhandlungen wieder einmal auf die oft er- örterte Frage der„ewigen Pensionen" zu sprechen. Gelegenheit dazu bot der Etatspoften für Lord Nelsons Pension, die schon aus dem Grunde keine Alltäglichkeit ist, weil die lebenslänglich« Rente von 5999 Pfund Sterling im Jahr nicht Nelson selbst zugute kam, sondern auf seinen Bruder und dessen Erben überging. Die Familie hat im Lauf der Jahre aus dieser Staatspension eine Einnahme von mehr als einer halben Million Pfund Sterling bezogen. Trotzdem diese ewigen Pensionen von den englischen Staatsmännnern stets bekämpft worden sind, wurden sie bis zum Ende des 19. Jahr- Hunderts anstandslos ausgezahlt. Erst im Jahre 1887 ging man daran, sie durch einen festen Betrag abzulösen, und auf diesem Wege wurden auch bereits 339 Pensionen für die Summe von 527 933 Pfund Sterling kapitalisiert. Aber die Relson-Pension besteht weiter und ist heute die älteste der ewigen Pensionen. Im Jahre 1821 wurde, wie hier bemerkt sein mag, der Herzog von St. Albans, dessen Familie seit den Togen Jacobs II. eine Staatspension er- hielt, mit 18 335 Pfund Sterling abgefunden. Aerzttlche Sprechstunden in der Kirche. Szenen, wie sie bisher in einer Kirche kaum gesehen wurden, spielten sich kürzlich in der St. Andrews-Kathedrale in Aberdeen ab, wo der Gesund- beter I. M. H i ck s o n erschienen war, um von seiner Heilsmission öffentlich Probe abzulegen. Lange vor Eröffnung des Vortrags war die Kirche bis auf den letzten Platz gefüllt. Rund 359 Kranke halten sich eingefunden in der Hoffnung, durch das Auflegen der Hände des Heilsapostels von ihren Leiden befreit zu werden. Bevor er zu der Prozedur schritt, verlos er die Zuschriften von Pattenten, denen es ihr Gesundheitszustand nicht gestattet hatte, sich persönlich einzu- finden. Darunter befand sich auch ein Kabelteleqramm der Ange- hörigen des Dekans von Washington, besten Frau an Influenza mit schweren Komplikationserscheinungen daniederlag. Nachdem er jede einzelne Zuschrift verlesen hatte, wobei er sich begnügte, den Vornomen des Absenders mitzuteilen, sprach Hicklon für jeden kranken Bittsteller ein kurzes Gebet. Daran schloß sich unter Mit- Wirkung der Gemeinde eine Befchwörungszeremonie für dte Tochter €the überflüssige Gesanötschast. Wenn wir auch nichls für die Herren Bolschewik, übrig haben, deren ganze„positioe* Leistung die Zerreißung der Arbeiterklaffe und die weitere Stärkung der Reaktion durch die Taten von Spartakus, Bela Khun und der Münchener und sonstigen Räte. Wüteriche war, so muß vernünftigerweise doch anerkannt werden, daß die Bolschewik! heute in Rußland und der Ukraine die einzige staatliche Macht sind, mit der Deutschland zur Förderung der beider- seitizen Interessen arbeiten kann. Diese Tatsache wird von dem amtlichen Deutschland neuerdings auch für die U k r a i n e an- erkannt, in der ja gleichsalls alle Anstürme der französisch und polnisch protegierten Pelljuratruppcn usw. so endgültig zusammen- gebrochen sind, daß sogar Polen diese Aktion aufgegeben hat. Ein Zeichen dieser deutschen Anerkennung der ukrainischen Sowjet» regierung ist die Entsendung des Legationsrats Heye(der als Generalstabsoffizier seinerzeit die Friedensverhandlungen in Brest- Litowsk unseligen Angedenkens mitgemacht hat) zur Wiederaufnahme der Beziehungen nach Charkoff. In Berlin aber existiert noch immer eine Gesandtschaft der Petljuraschen„Ukrainischen Volksrepublik" mit dem„Ministsriel- residenten" Smal-Stozki, und sie stellt noch immer Pässe aus, die freilich außer von Frankreich von keinem Lande anerkannt wer- den. Im übrigen soll sich der Herr Ministerresident damit be- schäftigen, in Warschau und Berlin für ein bewaffnetes Ein- greifen in die Ukraine zu arbeiten, womit er allerdings nur in Emigrantenkreisen vom Schlag« der Awalosf-Bermondt und der ?tabokoffmörder Eindruck machen dürfte. Wenn Deutschland nun die offiziellen Beziehungen zur Sowjet- Ukraine aufnimmt, wäre es nur konsequent, für schleunigen Abbau der Smal-Stozkischen Gesandtenherrlichkeit zu sorgen. » Nach einer Havasmeldung aus New?)ork wurde Donnerstag abend der Weißgardistengeneral S e m e n o w bei seiner Ankunft in Washington verhaftet wegen privater Unterschlagungen in Ostsibirion 1919. Semenow ist jedoch noch am gleichen Abend gegen eine Kaution von 25 000 Dollar freigelassen worden. Um öle Note /lrmee. Auf dem Kongreß der einzigen in Rußland erlaubten Partei, der Konnnunisten, fordert« ein Teil der Kongreßteilnehmer, in Uebereinstimmung mit dem Standpunkte Lenins, eine Herab- fetzung der Roten Armee zur Verminderung der Ausgaben. Dem- gegenüber bestand Trotzki darauf, vorläufig eine Armeestärke von 116 Millionen beizubehalten, stellt« jedoch für später, falls das Frühjahr ohne Bedrohung für den Frieden verlaufe, eine Kürzung des Armeebeftandes in Aussicht: ferner forderte Trotzki eine Be- freiung der Armee von den Pflichten des Frachten» und Eigentumsschutzes, da dies die Disziplin schädige. Die soeben vom rumänischen Senat beschlossen« Annexion des strittigen Befsarabien ist keine Förderung des Friedens mit Sowjetrußland, das übrigens in einer Note angekündigt hat, gegen aus Rumänien kommende Banden vorgehen zu müssen, wobei das Betreten rumänischen Gebiet» unumgänglich werden könne. » Der KPR.-Parteitag hat laut„Prawda" beschloffen, im nächsten Jahre keine neuen Mitglieder in die Partei aufzunehmen. Die „Arbciteropposition" wurde mit Ausnahme von Schljapnikoff, 2llexondra Kollontai und Medwedjew ausgeschlossen. Das Zentralkomitee setzt sich folgendermaßen zusammen: Andrejew, Bucharin, Dzcrzinski, Frunse, Jaroslawski, Kalinin, Kamen«fs. Kcrctkoff, Lenin, Molotow, Ordschanikidse, Petrowski, Radek, Nakowski, Rudsutak, Rnkoff. Sapronow, Smirnow, Sokol- nitow, Stalin, Tomski, Trotzki, Tschubar, Selenski. Sä der wiener wonarchislendemonslrakion wurde auch der ehe- maliqe Erzherzog Rainer Salvator verhaftet und wegen polizei- widrigen Benehmens zu einer Geldstrafe von 1000 Kronen ver- urteilt. Die„Wiener Arbeiterzeitung" bemerkt dazu, daß er nur deshalb nicht ausgewiesen wurde, weil er den Gesetzen der Republik Gehorsam gelobt hatte. einer Frau, die nach den Mitteilungen der Mutter an einer geistigen Erkrankung litt, die darauf schließen lasse, daß sie vom Teufel be- sessen sei. Im Mittelschiff der Kirche saßen eine Anzahl Männer und Frauen, die durch ihre Bewegungsunfähigkeit gehindert waren. sich dem Heilsapostcl zu nähern. Hickson schritt deshalb vom Altar in das Schiff hinab und legte jedem einzelnen der Sitzenden die Hand aufs Haupt. Auf die Aufforderung an die dazu Fähigen, näher an den Altar heranzutreten, dauerte es keine fünf Minuten, b» der Altar von einem Haufen knieender Patienten umgeben war. Eine Anzahl Damen und Herren der Gesellschaft walteten als Helfer und Ordner ihres Amtes, und zwei Studenten der Medizin und die Oberschwester des Aberdcener Krankenhauses nahmen sich der großen Zahl der Patienten an, die ohne Unterstützung nicht zu gehen vermochten. Hickson legte jedem einzelnen die Hand auf, und nach- dem er sich aus den ihm übergebenen Zetteln über die Natur der Krankheit unterrichtet hatte, sprach er ein Gebet um Heilung. An dem Akt der Handauflegunq beteiligten sich auch zwei Geistliche der Kirchen der Stadt, deren Gebete in die Worte ausklangen:„Möge Gott das Werk der Heilung, das er heute für Deine Seele und Deinen Leib begonnen hat, segnen und zu glücklichem Ende führen!" Die Versammlung umfaßte oll« Stände und Berufsklasscn. Neben einem Arzt der Stadt sah man Handwerker, Blinde, Taubstumme, Kinder und auf dem Arm getragene Säuglinge. Die seltsame Heils- Versammlung wird noch drei Tage lang fortgesetzt werden. Bombensichere Kriegsschiffe. Eine für die künftige Seekrieg. führung wichtig« Mitteilung machte dieser Tage der Staatssekretär Amery von der englischen Admiralität. Cr teilte mit, daß die neuen im Bau befindlichen englischen Kriegsschiffe durchgehend mit einem Schutzsystem ausaestattet werden, das sie mit absoluter Sicher- hcit gegen Luftangriffe und gegen Torpedoexplosionen bis zu einer Tiefe von 20 Fuß unterhalb d«r Wasserlinie schützt.— Wenn die Sprenqstoffindustrie nicht schleunigst ein Gegenmittel gegen dieses Schutzsystem von oben und unten findet, droht die Gefahr, daß die Seekriegführung jedes intimeren Reizes entkleidet wird. Tie staatlichen Museen veransloltcn vom 20. bi? 2K STvriT an? An. fof? des Archäologischen Serien sursus für Ltbrer und Lehrerinnen höherer Lcbranllallen iolpende V o r t r ä n e. ,nm Teil mit Ltchtb'Iderli: 1. 20. April 12'/, Ubr mlUap». Prof. Dr. Schubint: Ter pertönliche Stil in Schritt und epttichc sPaptnuSsommluiig, Nkuc? Mulrum. 11 Tr.). 2. 20. April, 7V, lldr vbtnd?. Dircltor Schäfer: Da? ägyptilche Bildui?(Hotlanl dt? Kung. gewerbemichuinS, Arinz-Albrechl-Str. 7a). 3. z,.«tpril, 71/, Ubr abend« ©cfteimrot Eduard Meyer: Pctiönlichkeit und Prophelie(Söisaal de? K'mst. gewerbemuleum?). 4. 22. April, 7'/, Ubr abend?. Direllor Negling: Das Porträt auf Münzen(Höranl de« Kunstgewerbemuseums).&. 24. April. 7'/, Ubr abends, Eebeimrat v. Wilamatritz: Da» lileraiiiche Vortrat in der antiken Literatur(Hörsaal des KunstgewerbemuIeumS).«. LS. April, 7'', Ubr abends, Gelieimrat v. Wilomowitz: Die Individualität der antilen Schristslellcr(Hörlaal des Kunstgewerbemuseum?). 7. 20. April. 7'/, Ubr abend?, Kusta» Dr. Neunebaiier: Do» griechische und römische Bildnis (Horiaal des Archäologischen JnstituIS der Universität).— ES b.rben in relchlänttem Umfang auch Personen Zuirllt, die nicht am KurlnS tellnebmen, vfNfss.Löinng von EintriltSlarten ,u je S M.(die ganze Reibe l8 M.,. für die oanze Reibe sowie sür Einzelvorträge find vom �t. atnl ad beim Kastellan dcS Alten Museums am Lustgaiteu und für emzeivortrage auch an dem belrefl enden saalemgange>/, Stunde vor Be» gm« des Vortrags zu haben. Reichstag m Der Neichstag ist gestern abend nach einer der langen, ermüdenden Sitzungen, die in der letzten Zeit zur Gewohnheit geworden sind, bis zum 2. Mai in die Ferien gegangen. Auch diese letzte Sitzung war mit langen Reden ausgefüllt, die meist nur wenige Zuhörer hatten. Eine Ausnahme bildete die An- spräche, die Genosse Lobe als Abgeordneter zur Begründung eines interfraktionellen Antrages über die N o t der Z e i- t u n g auf wirtschaftlichem Gebiete hielt. Was er sagte, sollte ein Weckruf nicht nur an die Regierung, sondern an das ganze deutsche Volk sein, dessen Preßfreiheit in größerer Ge- fahr ist, als viele ahnen. Aus der Antwort des Staatssekre- tärs Dr. Hirsch konnte man allerdings nicht viel Hoffnung auf die Möglichkeit wirksamer Maßnahmen gewinnen, die der erwähnte Antrag bis zum Wiederzusammentritt des Reichs- tages als Gesetzesvorlage fordert.— Ohne Aussprache wuri- eine Novelle zur Reichsversicherungsordnung angenommen, die die Eingliederung der Heimarbeiter in die Krankenversicherung bringt. Abgeordnete aller Par- teien dankten der greisen deutschnationalen Abgeordneten Frau B e h m, die sich seit Jahrzehnten für dieses Ziel ein- gesetzt hat, durch freundlichen Beifall. Bei der fortgesetzten Beratung des Haushalts des Reichs- Ministers des Innern gab es lebhafte Reden über und gegen di« Schutzpolizei und die Technische Nothilfe. Der preußische Minister des Innern, Genosse Severing, griff in die De- batte ein und führte je einen deutschnationalen und einen deutlchvolksparteilichen Kritiker gründlich ab. Bon der Reichsregierung w'rde die Borlage einer Denk- fchrist über die gleitende Gebaltsskala der Be- a m t e n gefordert. Petitionen wurden erledigt, und schließ- lich, eine peinliche Notwendigkeit die Diäten der Abgeordneten entsprechend dem gesunkenen Geldwert erhöht. Dann ging das Haus in die Ferien. Bei seiner Wiederkehr wird es die Reform seiner Geschäftsordnung als grundlegende Arbeit für olle weiteren zu erledigen haben. Die Abgeordneten verlassen den Reichstag diesmal mit dem allgemein drückenden Gefühl, ein Stück Niedergang des Parlamentarismus miterlebt zu haben. Die schwatzschweifige Bielrebnerei der Kommunisten bat nicht auf alle Parteien in dem Maße, wie es der Fall sein müßte, als abschreckendes Beispiel gewirkt. Man sebnt sich nach kurzen Reden und Gegenreden, nach fach- licher Konzentration und parlamentarischer Selbstdisziplin. Auch der skandalöse Zeittotschlag mit den unzähligen kleinen Anfragen, deren jede dem Reich 710 M. kostet und zu deren Verlesung die Anfragenden oft gar nicht zur Stelle find, heischt energische Rekorm. Das demokratische Deutschland braucht eine Volksvertretung, die sich die volle Achtung und Beachtung des eigenen Volkes sowie des Auslandes zu sichern versteht. Es bandest sich hier nicht um Geringes, geradezu um eine Lebensfrage der deutschen Demokratie. »• • Abg. Döbe(Svz.) führt, nachdem er die Gefahr des Ueberganges der Zeitungen cm kopitalkräffige Jnteresscntengrupven frstgsstellt hat, weiter aus: Es wird dann diejenige öffentliche Meinung fabriziert werden, die man zu haben wünscht.(Lebh. Zustimmung.) Auch fremdes, ausländisches Kapital dringt in wachsendem Ma,;e in das Zeitungsgewcrbe ein. Es entsteht die Gefahr, daß die dcut- fchen Zeitungen zum Diener fremder ausländischer Interessen werden, well die Verleger nicht in der Lage waren, ihren Betrieb weiter zu führen. Diese Entwicklung scheint mir schwere soziale, kulturelle und nationale Gefahren in sich zu bergen, vor denen der Deutsche Reichstag sein Auge nicht oerschließen darf.(L'bH. Zustimmung.) Es muß sich eine Regierung und ein Parlament finden, die die Trag- weite dieser Entwicklung übersehen und ihr Einhast tun. Es ist u. a. vorgc'chlagcn worden ein« Auslandssvcrre für deutstbes Pap:°r. Die Fabrikanten behaupten aber, der Anteil an der Ausfuhr fei gering und die Industrie sei dauernd darauf angewiesen. Dennoch muß die Frage untersucht werden. Es wurde weiter davon gc- sprachen, die hohe« Auslondsgewinne der Zellstoff- und Bapicrindustrle für die deutschen Zeitungen nutzbar zu machen. Die Fabrikanten sagen, ein Gewinn sei nur bei dem jetzigen Dollarstande vorhanden, werde dieser um 30 M. niedriger, dann könne von einem Gewinn nicht mehr geredet werden. Auch diese angezweifelte Behauptung muß untersucht werden. Es wurde auch vorgeschlagen, dem Uebel durch die. ö f f e n t l i ch? Bewirtschaftung zu begegnen. Wir kennen deren Mängel, ober in allen Parteien haben sich Männer dafür gefunden, und wir werden solche Maßnahmen zu vrllsen haben. Auch an den kleinen Mitteln dürfen wir nicht vorübergehen, z. B. an der Versetzung des Papiers in eine andere Tarifklasse bä der Eilcnbahn. Aber einen der wesenllichsten Teile der Gestehungskosten des Papiers bildet das Hol.,. Solana« uns die großen Waldungen in Rußland und Polen nicht erschlossen sind, muß Für- sorge getroffen werden, daß dieses wicbtiaste Rohprodukt für das Papier unter erträglichen Preisen der Fabrikation zugeführt wird. nach der Ansicht Sachverständiger könnte dadurch der Preis des Pa- piers um 2 M. für dos Kilo herabgesetzt werden. Wir weisen die Reichsrcgierung und die Landesregierungen nochmals auf die Folgen hin, die ein Zusammenbruch unseres Zeitungsgewerbes haben muß. Wir erheben unsere Stimme, um sie zu warnen vor dem Untergang eines Stück Volkstums, das wir für eine spätere Zeit erhalten müssen.(Lebh. Beifall.) Staatssekretär Dr. HlrstH: Die Reichsregierung ist der Meinung, daß ein« vielgestaltig«, überall weit verbreitete Tagespresse eine kulturelle Notwendigkeit ist. Den jetzigen Gefahren gilt es im Rah- men des Möglichen zu begegnen, insbesondere auch wegen der ganz besonders schwierigen Lage der deutschen Presse in den besetzten Ge- bieten, die große nationale Interessen zu wahren hat. Die Reichs- reaierung ist bereit, die Möglichkeit der verlangten gesetz'ichen Maßnahmen zu prüfen und sie schnellstens zu fördern. Inzwischen ist sie bereit, die verwaltungsmäßig möglichen Maßnahmen, iusbe- sondere aus dem Gebiete der T a r i s p o l i t i k und der.Heranziehung von Auvlandsgewinnen zur Verbilligung im Inlands schon vor Einbrinaung der im Antrage aefordert«n Vorlage vorzunehmen. In erster Linie muß dir wirtlchastliche Selbsthilfe stehen, und, wo diese nicht ausreicht, sind Reichsrcgieruna und gesetzgebende Körper- schaffen im Rahmen der wirtschaftlichen Möglichkeit bereit, dahin zu wirken, daß die Presse auch künftighin in der Lage sein wird, ihre wichtigen Aufgaben in einer Weis« zu fördern, welche die Eigenart ihrer bisherigen Entwicklung wahrt und erhält. Der Antrag Löbe wird daraus einstimmig angenommen. (Lebhafter Beifall.) Zu Beginn der Sitzung haite der Reichstag die Genehmigung zur Strafverfolgung dcr Abgg. Simon-Schwaben(Soz.), Körner (Dnat. Dp), Mehrhoff(U. Soz.)»nd Dietrich(Dem.) versagt und verabschiedet« dann die Gesetzentwürfe über die Versorgung dcr in- folge des Londoner Ultimatums entlassenen Soldaten: über die Aenderung von Geldbeträgen in dcr Unfallversicherung: über Aende- rungen der Rcichsoersicherunosordnung. wonach jetzt auch die H e i m- arbeiterinnen in die Kranken-, Invaliden- und Unfallversiche- rung einbezogen werden, und über Wochenhilfe und Wochenfürforge. id Pressenot. Noch Annahme des Antrages Löbe wird der Etat des Ministe- riums des Innern bei der Gruppe Polizei und Technische Nothilfe fortgesetzt. Abg. Berendk(Dnat. Vp.) führt Zersetzungserscheinungen in der Schutzpolizei zurück auf die Tätigkeit der Polizetverbün.de. Ein Antrag der Deutschen Volkspartei will dem Freistaat Sachsen die Zuschüsse für die Schutzpolizei so lange vorenthaffen, bis das Kommissarwesen dort beseitigt ist. Ein kommunistischer An- trag will für Bay«rn die Zuschüsse streichen, so lange, bis die Münchener Mörderzentralen aufgehört haben zu existieren. Abg. Auffhäuser(U. Soz.): Trotz des Drills wächst de! der Schupo das Bewußtsein, zum Proletariat zu gehören. Die Tech- nische Nothilfe ist völlia überflüssig. Die wtreikenden haben die Notstandsarbeiten in letzter Zeit selbst besorgt, während die Tech- nische Nothllfe noch immer versagt und großen Schaden ange- richtet hat. Sächsischer Gesandter Dr. Gcadnauer bezeichnet es als zutreffend, daß in Sachsen zwölf Regicruugskommissare der Schuhpollzei zugeteilt worden sind. Die Auswahl der Lehrer für den staatsbürgerlichen Unterricht erfolge lediglich nach pädagogischen Gesichtspunkten, ein« Prüfung ihrer Parteizugehörigkeit erfolge nicht. Ein Antrag Schreiber(Ztr.) will alle parteipolitisch«» Tendenzen in der Schutzpolizei ausschließen. Preußischer Minister des Innern Severiug: Wenn Herr Berendt unter dem System Abegg, dos er hier so getadelt hat, verstanden wissen will, daß die preußische Regierung bemüht ist, aus der Schutzpolizei«ine Bcamtengruppe zu machen, die bestrebt ist Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten, so bin ich mit dieser Auslegung einverstanden. Wenn er aber meint, dieses System stände im Widerspruch zu den Staatsnotwendigkciten, dann muß ich ihm sagen, daß er von der Tätigkeit und der Einrichtung der preußischen Schutzpolizei absolut nichts versteht. An der Fluk» tuation unserer Polizei, die ziemlich groß ist, trägt die unverankworkliche Verhetzung. die die Herren von der Deutschnationalcn Dolkspariei treiben, die unmittelbare Schuld. Wenn wir heute aus dem Vollen schöpfen könnten, dann würden die demagogischen Unterstellungen und Per- hetzungen Deutschnationaler keinen Erfolg haben. Wie die Heran- ziehung der Polizeioerbände zu den Borberatungen über das Polizei- gefetz die Disziplin stören könnte, ist mir unerfindlich. In den Dienst- betrieb hat sich allerdings keine Beamtenorganisotion einzumischen. Gefühle lassen sich aber nicht kommandieren. Die Schutzpoli-e! ist angereizt durch die deutschnationalen Flugblätter und durch Artikel in der„Deutschen Tageszeffung", in denen man ihr sagt, daß sie zu gering besoldet sei. Darauf verlangte sie eine andere Eingruppie» rung. Wir können es unter den heutigen Verhältnissen nicht verhindern, daß sich Polizeibeamte nach besseren Stellungen im Pri- vatdienst umsehen. Die Einrichtung der Zivilkommissare geht auf die Abmachungen mit den Gewerkschaften anläßlich des Kapp- P u t s ch e s zurück und hat überaus Wertvolles geleistet. Sobald einigermaßen normale Perhällnisse eintreten, werden sie in den normalen Beamtenapparot«ingefügt werden müssen. Nach einer Rede Kochs(Dem.) sagt Reichsminister des Innern Dr. üösfer: Die Zivilkommissare der Schutzpolizei abzuschaffen, bin ich weder verpflichtet noch berechtigt. Ich kann der Landespolizei nicht Vorschriften machen, mit welchen Methoden sie Ruhe und Ordnung aufrechterhalten will. Dos Reichsrahmengesetz für die Schutzpolizei ist fertig. Die Technische Nothilfe ist eine Hilfskonstruktion, um Schäden dieser Uebcrgangszcit zu reparieren, sie soll nur bei einem wirklichen Notstand eingesetzt werden. Der war bei dem letzten Berliner Streik in hinreichendem Maße vorhanden. Wenn die Tech- nische Nothilfe Streikbrecherarbeit verrichtete, haben wir immer einen dicken Strich dadurch gemacht. Was Notstandsarbeiten sind, ist schwer zu bestimmen, weil sich die Gewerkschaften mit der Technischen Nothilse darüber noch nicht verständigt Hoden. Die Gomerkichasten sollten den Arbeitern die Ding« klar machen. Der Minister des Innern Hot nach dcr Pcrordnimg des Reichspräsidenten das Recht. die Nothllfe einzusetzen, wenn die Arbeiter es ablehnen, Noffffmds- arbeiten zu verrichten. Wie die Technische Nothilfe nichts mit einer Strcikbrccherorganisation zu tun hat, so auch nicht mit dem Militär. Wir müssen di« Gefahr vonneiden, daß die Tcchnische Nothi'fe ohne jede staatliche Einwirkung, ohne jede staatliche Lenkung und ohne parlamentarische Kontrolle ausgebaut wird zu einer Streikbrecher. oroanisation des Prioatkapitals. Die Nothilfe wird dann cm End« haben, wenn dos Verantwortungsbewußtsein wieder in jedem Staats- bürger vorhanden ist(Beifall.) Hierauf folgte die an anderer Stelle wiedergegebene Erklärung der SPD.-Fraktion. Abg. Thomas lKomm.) häll eine Dauerrede.«Abg. H 3 l l e i n bringt ihm neues Material hinaus. Rufe b. d. Soz.:„Höllein ist Tcchnische Notbilse!" Heiterkeit.) Abg. Dr. Moses(U. Soz.) bestreitet, daß durch den letzten B«r> liner Generalstreik in den Krankenanstalten lebensgefährliche Zu» stände hervorgerufen worden seien. Abg. Dißmann(U. Soz.) bezeichnet die Stellung der Sozial» demckralen zur Technischen Nothllfe al» im Widerspruch zu der Hol» tung der Gewerkschaften stehend. Die Anträge der Kommunisten auf Streichung aller Ausgaben für Polizei und Technische Nothllfe werden abgelehnt. Weitere Ab» stimmungen bleiben zweifelhaft und worden ausgesetzt. Der Rest des ordentlichen Etats wird danach bewilligt. Bei den einmaligen Ausgaben fordert Abg. Becker(Soz.) eine bessere Fürsorge für die Flüchtlinge aus Obcrsckstesien unter Hinzuziehung von Porionen, die mit dem Volke in engerer Fühlung stehen. Das Rote Kreuz habe versagt und sei lediglich eine Zufluchtsstelle für Offiziere. Minister Dr. KSffer stellt fest, daß dos Reich praktisch mit dieser Sache nichts zu tun hat. Die Ausgaben worden bewilligt. Das Diätengesctz für die Abgeordneten(monallich 5000 M.) wird angenommen. Präsident Löbe: In den nächsten Tagen wird die Konforenz von Genua statt» finden, die das große Problem des wirtschaftlichen Wiederaufbaus dcr Welt behandeln soll und an der zum erstenmal Dcrtreter der deuffchen Republik als gleichberechtigte Berater teilnehmen werden. Ohne überschwengliche Hoffnungen zu hegen, wünschen wir der Konferenz von Genua guten Erfolg, ober niemand unter uns wird sich verhehlen— ich darf das hervorheben im Hinblick auf die Konferenz, die vor einigen Tagen in diesem Hause stattgefunden hat—, daß das Ziel der wirtschaftlichen Gesundung nicht erre-cht werden kann, solange man um das Z e n t r a l p r o b l« m herumgeht(Be!» fall) und nicht auch zur Erörterung stellt die Erleichterung der un- geheuren Reporotionslasten und die Revision des Vcrsaüler Friedens. (Lebh. Bravo!) Die Tage, die vor uns liegen, sollen allen Gliedern unseres Volkes Gelegenheit geben zu ein paar Tagen der Erholung, aber dies« Erholung wird beeinträchtigt durch di« Sorge um die ständig wachsende Teuerung. Wir rufen den Staatsmännern zu, daß sie bei ihrer ernsthaften Arbeit sich beeilen mögen, damit die Verzweiflung der Völker uns nicht in neue Katastrophen führt.(Leb hafter Beifall.) Nächste Sitzung nach Ermessen des Präsidenten, jedoch nicht nach dem 2. Mai.— Schluß 9 Uhr. Gewerkstbaftsbewegung Mantcltarifv ertrag der städtischen Arbeiter. Zn der Frage des am 1. Juli d. I. in Kraft zu setzenden neuen Mantcltarifvertrages der städtischen Arbeiter sind unter dem IZorsltz des Bürgermeisters Ritter die schwebenden Berhandlunqen der Parteien gestern zu einem gewissen Abschluß gelangt. Bei Beginn der Tarifverhandlungen wiederholten die Arbeitnehmer ihren bereits schriftlich eingereichten Antrag auf Lohnerhöhung. Der Magistrat erklärte, er könne zur Lohnsrage, sei es durch Bcrhand- lung oder vor einem Schiedsgericht, nur dann Stellung nehmen, wenn gleichzeitig der Manieltarifvertrag zu Ende verhandelt würde. Die Lohnfroge blieb strittig. Die weitere Verhandlung des Manteltarifvertrages wurde dann beendet. Die meisten Fragen der Abänderungsvorschläge des Magistrats wie der Arbeitnehmer sind von den Parteien uberein- stimmend für strittig erklärt. Zur Entscheidung über die Streit- punkte soll vom Neichsorbeitsmimsterium in allernächster Zeit ein Schlichtungsausschust eingesetzt werden. Die Parteien kommen darin überein, die Frage des Aufbaues der tariflichen Löhn« nicht vor den Schlichtungsausschust zu bringen, sondern durch weitere Verhandlungen der Partr.'n zu vereinbaren. Die Banknnsteftellten zu den Tarifverhandlunqe». Die große öffentliche Versammlung die der Allgemeine Verband der deutschen Bankangestellten zu Donnerstag nach der Brauerei Königstadt einberufen hatte, bildete den Auftakt zu den neuen Ver- Handlungen um den Reichsmanteltarif im Bankgewerbe. Der Re- ferent E m o n t s führte u. a. aus: Bei dem kommenden Kampfe handele es sich nicht nur lim eine Erhöhung der Gehälter, sondern auch um ideelle Forderungen, so in cllererster Linie um das Mit- bestimmungsrecht in den Betrieben. Die restlose Wiedereinführung der äSstündigen Arbeitswoche sei zu fordern. Bei der fortschreiten- den Geldentwertung müssen Monatsgehälter, nicht aber Jahres gcsamtcinkommen und Gratifikationen, die nichts weiter als einen gewissen Sparzwang bedeuten, vereinbart werden. Auf die Stunde umgerechnet ist den Bankangestellten der höchsten Ge- Haltsklasse bisher ein Lohn von IS, 22 Mk. gezahlt worden. Wenn ein Gewerbe imstande ist. bei der Lohnzahlung mit der zunehmenden Teuerung Schritt zu holten, so ist es das Bankgewerbe. Gleicher Leistung muß gleiche Bezahlung gesichert werden. Die neuen För- derungen betreffen eine lOOprozentiqe Lohnerhöhung und eine Teue- rungszulage von generell 6000 M. jährlich in der Ortsklasse— In der Diskussion gaben die anwesenden Mitglieder des-Reichsbei- rates und die Gaubeamwn des Verbandes anschauliche Bilder von der Lage der Bankangcstelltenschaft in ihren Bezirken. Eine Resolution wurde einstimmig angenommen, wonach die Versammlung einmütig hinter den Forderungen steht, die der All- gemeine Verband der Deutschen Bankangestellten zur bevorstehenden Revision des Reichstarifvertrages aufgestellt hat. Die Versammelten find bereit, zur Crringung menschenwürdiger Lohn- und Arbeits- bedingungen in den Kampf zu treten, falls der zu erwartende Schieds- fvruch ihren berechtigten Lebensnotwendigkeiten nicht Rechnung trägt. Sie fordern die gesamte Kollegenschaft auf, sich bereits jetzt auf alle Eventualitäten vorzubereiten in der Erkenntnis, daß nicht die vor- bnndene Not, sondern nur die in der solidarischen Aktion ruhende Macht der Arbeit das Unternehmertum im Bankgewerbe veranlassen wird, der Arbeit im Bankqewcrb« ibr Recht werden zu lasten. Eine anscheinend von nationalistischer Seite beabsichtigte Ver- sammlungsstörung konnte im Keime erstickt werden. Die Reichskarifoerhandlungen im Bankgewerbe haben gestern im Reichsarbcitsministerium begonnen. Vor Eintritt in die VerHand- lungen fand eine längere Debatte über den Antrag des Gewerk- schaftsbundcs der Angestellten(GdA.) statt, als Tarifkontrahent in das Reichstarifverhältnis aufgenommen zu werden. Der Schlich- i tungsausschuß beschloß auf Antrag des Allgemeinen Verbandes der deutschen Bankangestellten und des Deutschen Bankbcamtenvereins, die Teilnahme des GdA. abzulehnen. Ebenfalls wurde der Antrag � des Rcichsverbandes der Bankangestellten, ihm einen Beisitzer im Schlichtungsausfchuß einzuräumen, abgelehnt. Alsdann wurde in; die Verhandlungen eingetreten, die heute beendet sein sollen. Wie der Allgemeine Verband mitteilt, bestehen zwischen den Forderungo.i � der Dankangestelltenorganisationen und dem Standpunkt des Reichs Verbandes der Bankleitungen noch große Differenzen. Kommunistische O.uertrelbereien unter den Landarbeitern. Die Union der Kopf- und Handarbeiter, sowie die KPD., Abteilung Land, verbreiten unter den Landarbeitern Aufrufe und Rundschreiben zwecks BorbereitungeinesLandarbeiter- st r e i k s. In den Ortsgruppen dcsDeutfchenLandarbeiter- Verbandes werden unter Umgehung der Verbandsorgane Ur- abstimmunqen vorgenommen, um eine Mehrheit für einen Land- arbeitcrstreik zu bekommen. Die Kommunisten maßen sich damit Rechte und Befugnisse an. die Sache des Vorstandes des DLV. sind. Auch haben sich Kommunisten schon mit dem Aebcitsminister in Per- binduug gesetzt, um eine Aussprache mit ihm herbeizuführen. Der'Neichsarbeitsnlinister hat, wie die Arbeitgeber, Verhond- lungen abgelehnt. Der Deputation fehlt für ihre Tätigkeit jeder recht- liche Grund. Für die Verhandlungen über die Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen mit den Zentralbehörden und den Arbeit- geberorganifationen ist für die freigewerkschaftlich organisierten Landarbeiter allein der DLV zuständig. Die kommunistischen Or- ganisationen sind politisch-propagandistische Vereinigun�n, von denen sich der Vorstand des DLV. unter keinen Umständen sein Handeln vorschreiben oder gar aufzwingen lassen wird. Lassen sich die Landarbeiter durch die Kommunisten in einen Streik treiben, dann lehnt der DLV. jede Verantwortung für die etwaigen Folgen ab. Mit aller Bestimmtheit muß zum Ausdruck gebracht werden, daß die Landarbeiter, die ohne Beachtung der Verbandssatzungen zum Streik auffordern oder ihn fördern, sich außerhalb des Ver- b a n d e s stellen. Der Verband wird unweigerlich alle sich aus den Dingen ergebenden Konsegnenzen ziehen. Für Verbandsschädlinge, die leichtfertig und gewissenlos die Kollegen zu wilden Streiks aufputschen, ist kein Platz in den Reihen des DLV. Wilde Streiks werden nicht unterstützt: daran Beteiligte erhalten keine Streikunterstützung. Deshalb müssen die Landarbeiter vor leichtfertigen und übereilten Schritten gewarnt werden. Einigung im Papier- und Pappengrosthandcl. Die Lohnbewegung der T-aniporiarbeiier im Beiliner Papier- und Pappengroßhandel hat nach wowenlange» Verhandlungen ihre» Abschluß gefunden. Eine überous stark belnchie Versammlung nahm den Bericht der VerhandliliigSkommiisioii entgegen, die eingehend alle Schwierigkciien klarlegte. Der Schiedsspruch dcS SkblichlungS- auZschuffes vom 27. März konnte nicht angenommen werden, da er nur eine Grundlaae zu neuen Verhandlungen bot, die denn auch am 3. April vor sich aingen. Der Verein Berliner Papiergroßbändler hat sich bereit erklärt, die in Frage kommenden Lohnsätze als für sich verbindlich anz»- erkennen, lo daß damit wieder eine einheitlich? Enilohnung kür alle Transportarheiter im Berliner Papier- und Pappengroßhandel ge- währleistet ist. Nach eingebender Diskussion wurden die neuen Lobrrlötze. die ab' t. Mär, rückwirkend Gellung haben, gegen eine starke Minorität angenommen. Die neuen Lobnvereinbarunacn sind geaen Mitgliedsausweis im TranSportarbeiterverband, Engelufcr 24 23 II, Zimmer 31, in der Zeit von 8—6 Uhr ,u haben. Verband der Buchbinder und Papierverarbciter. Heute von 12—5 Uhr nachmittags ist die Urwahl der Dele- gierten zum 14. VerbandSiag. sowie der Delegierten zum 11. Gewerk- schatiskongreß. Es ist Pflicht aller Milglieder, sich an dielen Wahlen ,u beteiligen. Die OrtSverwaltung. Die SpD.'Mkglieder wählen Oiste 1! Wivtfdyaft Bindung der Eifenprelse. Als zu Beginn des vorigen Jahres die rückgängige Konjunktur einsetzte, sind die Eisenböchstpreise außer Kraft gesetzt worden. Der Eisenwirtschaftsbund hat darauf von sich aus dem Reichswirtschafts- minister die Ermächtigung erteilt, nötigenfalls wieder Höchstpreise einzuführen. Ais in dem vergangenen Herbst die Wellen der Kon- junktur wieder hochgingen, haben die Arbeitnehmer im Eisenwirt- schaftsbund einen entsprechenden Antrag eingereicht: da er aber nur die Stimmen der Arbeitnehmer fand unb auch einzelne staatliche Verwaltungen dagegen waren, ist er mit Stimmengleichheit abge- lehnt worden. Statt dessen wurde in mühseliger Arbeit ein großes System von Richtpreisen ausgearbeitet, aber an der Frage der Kon- trolle ist der ganze Entwurf gescheitert. Die Arbeiter haben schließ- lich ihre Mitarbeit eingestellt. Infolgedessen herrscht jetzt tatsächlich beim Eisen freie Wirtschaft, nur geregelt durch außerordentlich hoch- gespannte Preise des Stahlbundes, die keinerlei Verbindlichkeit haben. Ein Vorstoß der Arbeitnehmer auf Wiedereinführung von Höchstpreisen steht in naher Aussicht. Butter schwer verkäuflich! Der Butterkonsum hat merksich nach- gelassen. Vorhandene Lüger konnten nicht geräumt werden, so daß die Nachfrage trotz regen Besuches der Berliner Butterauktion merk- lich nachließ. Die Preise sind um 3 M. gewichen. Die bisherige Spannung zwischen Margarine bzw. Schmalz und Butter mußle eine wesentliche Einschränkung des Butterverbrauches notwendiger- weise nach sich ziehen. Die gestrigen Notizen bewegten sich zwischen 64— 68 M. je Pfund netto, frei Berlin, einschl. Verpackung und Verkaufsgebühren. Eine belgische Rheinschiffahrksgesellschast. Belgien beabsichtigt, eine belgische Rheinschiffahrtsgesellschaft zu gründen und will zu diesem Zweck die Dampfer von vier belgischen Gesellschaften ver- wenden, die beschlagnahmt wurden, weil die Mehrheit des Kapitals deutsch war. Außerdem sollen die von Deutschland gemäß des Friedensvertrages ausgelieferten Schiffe hinzugenommen werden und 50 von der englischen Regierung übernommene Leichter und Schlepper, die augenblicklich in Ostende liegen. Die Flotte der Ge- sellschaft würde etwa 175 Fahrzeuge mit einem Raumgehalt von 360 bis 1500 Tonnen umfassen. Die Flotte soll vor allen Dingen in den Dienst des Kohlentransports aus dem Ruhrgebiet nach Ant- werpen gestellt werden._ Sport. Kesselschmiede«nd RcichSiverke Spandau. Gestern abend erhielten wir durch Rohrpost von der Ortsver- waltung Berlin des Deutschen Metallarbeiterverbandes den Bericht über eine am Montag, den 3. April, abgehaltene Bronchenver- fammlung der Kesselschmiede, die sich mit den Differenzen zwischen den bei den Reichswerken in Spandau beschäftigten Kesselschmieden und der Betriebsleitung befaßte. Der Bericht für den„Bor- w ä r t s" wurde nach 4 Uhr zur Post gegeben, nachdem ihn„F r e i- h e i t" und„Rote Fahne" in ihren gestrigen Abendausgaben bereits veröffentlicht hatten. Der Bericht besagt, die Kesselschmiede der Reichswerke in Spandau hätten vor längerer Zeit wegen ungenügender Bezahlung gekündigt. Nach Bcileguna der Differenzen durch den Metall- arbciterverband seien die Kündigungen von der Betriebsleitung(?) zurückgezogen worden. Da diese jedoch einen der Kesselschmiede nicht weitcrbeschäftigen wollte, beharrten die Kesselschmiede auf ihrer Kündigung, worauf die Betriebsleitung auch die Kündigung gegen den mit Entlassung bedrohten Kesselschmied zurücknahm. Nach Ablauf von 12 Tagen wurde sämtlichen Kesselschmieden von der Betriebsleitung qekündiqt. Diese erblicken darin eine Matz- regelung, Di« Versammlung beschloß, den Betrieb der Spandaucr Reichswerke durch Kesselschmiede solange zu meiden, bis die Ge- kündigten wieder eingestellt werden. Verhandlungen im süddeutschen MetaNarbciterstreik. Die Unternehmer hotten die Vevbindlichkeitserklärung des am 27. März in Karlsruhe für die Metallindustrie Mannheim-Ludwigs- Hafen gefällten Schiedfvruchcs beim Reichsarbeitsministerium beantragt. Der Reichsarbeitsmmister hatte daraufhin zu gestern Ber- treter der beiden Parteien nach Berlin geladen. Nach mehrstündigen Auseinandersetzungen wurde beschlossen, am I Mittwoch die Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter der ge- samten süddeutschen Streikenden in der Metallbranche nach Hei- delberg einzuberufen. Dort soll noch einmal eine Aussprache über die Verlängerung der Arbeitszeit von 46 auf 48 Stunden pro Woche, über eine durchgreifende Erhöhung der Löhne und ein« Ver- besserung der Beziehungen der Manteltarifverträge stattfinden. Die Aussperrungen in Dänemark beendet. Aus Kopenbagen wird gemeldet, daß die große Aussperrung, die vier Wochen gedauert hat, gestern beender wurde, indem in den Versammlungen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer der Vorschlag der staailichen Schlichiungsbehörde angenommen wurde, die Arbeit am Montag wieder aufzunehmen. SPD.-ünorrbremse. Heute abend 8 Uhr in der Schulaula Marktstrahe, Versammlung aller Mitglieder und Anhänger der SPD. Betriebsratswahl. Ueber die Acbettszeil in der Tcxlisindustrie wurde am Donners- tag in Südbayern eine Urabstimmung vorgenommen. Wie nicht anders zu erwarten, hat sich die Arbeiterschaft ksiit über- wältigender Mehrheit gegen die 48stündize und für die 46stün- dige Arbeitswoche ausgesprochen, wie sie bisher bestanden hat. Deutscher BeNeidungsarbclterverband. Damen-, Nindenniintel, itostüm- konfektion: Branchcnversammlung Mittwoch Uhr in der Schulaula Wein- meifterstr. 16/17. Bericht von den Bcrhandlungcn wegen einer neuen Teue» rungszulage. Deutscher Trans?o?tarbeiter»erband. Gruppe Fett« und Oele: Gruppenver. sammlung Sonnabend 6 Uhr in Wistes Festsiilen, Sebastianstr. 39. Bericht Uber die Behandlung vor dem Schlichtungsausschuk.— Branche üb, Glas und Keramik: Sonntag vormittag 16 Uhr bei sseyfara, Mclchiorstr. 16, auhcrordent» liche Eruppenvcrsammlung. Unsere Lahnbewegung. Die Radrennbahn Drrptow wartet am kommenden Sonntag mit einem gut gewählten Piogramm ans. Im F r>> b I i n g e p r e i s be- aiibuicht vor allem das Zusammentreffen von Saldow und Sawall er- böhtcs Interesse. Aber auch die weiteren Teilnehmer Avpclhans und der Australier Roß dürften laum zu unterschätzende Gegner stellen. Die Fliegerrennen babcn ebenfalls eine gute Besetzung gesunden. Hahn, Hofimaiw, Gcbiiidcr Tictz, Pawte, Häuster, Tcchmci und viele andere haben sich in die Meldelistc civgeli agcn. In einem 3(1-Kilometer-Punlte« jähren dürste es demzufolge zu recht scharfen Kämpjen lommen. Arbeitersport. Märkische Spiclvereinigung, Bezirk Groß. Berlin. Fußballspiele am 9. April, nachmittags<>,1 Uhr: Wacker— Sparta sErcrzierplatz, Schönhauser Allee), Pankow 66— Askania lPantow, Andreas-choscr-Platz). RUftig-Vorwärts— Stralau sNeukölln, gortuna-Platz), Wcißensce— Minerva(Weißcnsee, Rennbahn), Lichtenberg, Abt. 2— Froh-Arei(Lichtenberg, Stadion), Rowawe»— Frisch-Frei (Rowawes, Park Babelsberg), Nordiska— Borussia(Kristiania-, Eck« Ecesiraße), Fichte-Süd— Spandau(Tcmpclhoscr Feld, Einsame Pappel), Fichtc-Südost— Britannia(Vaumschulenweg, Köpenicker Landstraße), Kickers— Lichtenberg, Abt. 1 lTempelhof, Kaiscr-Wilhelm-Straße), Ficht« 9— Velten(Reinickendorf, Thuncr Straße), Siemensstadt— Hertha 12(Sicm-nsstadt), Fuftballring— Ruthe- now(Moabit, Sickingenstraße). Charlottcnburg— Arminia(Tharlottcnburg, Kevlrrsiraße), Reinickendorf— Frlkcnhage»(Reinickendorf-W,, Auguste-Bittoria- Allee), Rord— Hansa(Oranienburg, Börscnklaucr Allee), Eintracht— Viktoria (Oranienburg), Tegel— Hennigsdorf(Tegel, Eemcindcvlatz), Potsdam— Brandenburg a. d. Havel(Potsdam, Bornstedtcr Feld). Vorher finden die Spiel« der 2. Mannschaften statt. Vornüttaas 10% Uhr Spiele der Alt-Jugendmann- schaften Fllrstenwelde— Nordiska(Fürstenwalde, Braunstorfer Straße), Ten» ionia 09— Hansa(Kristiania-, Schwedenstraße), Bernau— Reinickendorf(Bernau, Basdorfer Straße), M, S. E.�Fichie 9(Tempelhof, Kaisrr-Wilhrlm-Straße), Brandenburg— Rowawes(Lichtenberg, Hauffilroßc). Ruderricgs des Turnvereins Fichte. Das Anrudern findet am Sonntag, den 9. April, statt. Sämtliche Boote trcsscn bis ZhlO Uhr vormittags am Birtenschlag, gegenüber Korollnenhvf, ein. Nachm. von 6 Uhr an Frühlings- ball in Grünau, Restaurant Buchholz, Friedrtchstr. 27.— Nächste Riegensitzung am Mittwoch, den 26. April, in Berlin, Grünauer Str. 17, bei Reinle. Vorträge, Vereine unö Versammlungen. Bund h-imottreurr Ostpreußen, Bczirksaruvpe Norden. Mitglied ervarsamm- lung mit gemütlichem Beisammensein am«. April, S Uhr, im Lokal Steinbeck, Eaudysir. 16. Allgemeinde. Osier- und Ingendseier Sonntag, 9. April, nachmittags 5 Uhr, Potsdamer Str. 126, gentralinstitut. Frstandacht Dr. Bruno Wille. Eintritt frei. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag vormittag 11 Uhr Im Rathau», König- straße. Bortrag der Frau M. Krifche:„Sexuelle Erziehung und Schule". Aar- monium: Abcndlied(Schumann). Pappelalle« 15, vormittag» 11 Uhr, Vortrag des Herrn Dr. M. Brie:„Sitte und Recht".— Gäste willkommen. s Beraniw. für den redalt. Teil: Franz Klüh» Bcrlin-LIchtrrfclde: für An. zeigen: Tl». Glocke, Berlin. Verlag Borwärls-Berlag G, m. b. H„ Berlin, Druck: Lorwärts-Buchdruckerei u. Lerlaasnnitalt Paul Singer u. Co., Berlin. Lindenstr. 3. Hierzu 1 Brtlaae M. SCHULMEISTER KOTTBUSER TOR Elegante fertige Herren-Anzüge M.tSIS.-, M.1875.-, M.2150.-. N.22S5.- Mittwoch, den 12. Aprils um 10 Uhr vormittags: ERÖFFNUNG unserer 127. Verkaufsstelle BERLIN W9, Linkstrasse 13 Warten Sie auf unser Inserat am Dienstag und benutzen Sie das ganz überraschende ErÖffnungS- Angebot! ROMEO Schuh'Aktiengesellschaft Nr.1S7�Z�ahrgasg Seilage öes Vorwärts SensabenS, S.fiprU t�22 Das Geheimnis öes �Stists'. In der Nordhäuser GVG.-Kautabaksabrik. Der Kautabak oder, wie er im Sprachgebrauch gern genannt wird, der Priem oder Stift, gehört zu den ältesten Sünden der Menschheit. Die Nordhäuscr Chronisten, die die Geschichte ihrer Priem- und Schnapsstadt schreiben, datieren die Erfindung des Kau- tabaks nicht viel nach der Erschaffung des Menschen und vor der Entdeckung des Alkohols. Die Bedeutung des Priems in der Gegen- wart läßt sich auch von anderer Seite her erkennen. In der schönsten Gegend Nordhoussns, nach dem Gehege zu. einem prächtigen hüge- l-gdn Waldpark, stehen eine ganze Reihe„Pi-iem"-Bi!Iem Sie sind die Resultate jahrzehntelanger, gut rentierender Kautabakfabrikation. Das kann nachdenklich stimmen. Der ominöse Stift ist doch offiziell eine rein proletarische Angelegenheit. Vorauf es ankommt. Die Herstellung des Kautabaks hat während des Krieges einige Wandlungen durchgemacht. Der Kleinbetrieb, der heimliche Reben- betrieb, der nicht immer saubere Pfusch- und Schmuggclbetrieb(er baute sich nicht selten auf.freiwillig" zu ihm kommenden Abfällen und Ueberschüsien an Rohmaterialien und Zwischenfabrikaten der Kautabakfabriken auf) wurde durch eine eigenartige.Erlatz"wirtschaft im Großbetrieb ergänzt. In Rordhausen haben wir alten sozial- demokratischen Boden, es spiegelt sich auch darin wieder, daß hier schon vor Jahrzehnten die Tabakarbciter eine Genossenschaft grün- deten und eine eigene Sautabakfabrik einrichteten. Das Wagnis ge- lang. Heute ist diese Kautabaksabrik in Rrrdhausen ein gesundes Glied in den vielen Produktionsbetrieben der Eroßeinkaufsgenosfen- schaft Deutscher Konsumvereine oder, wie man kurz lagt, der GEG. Kommst Du auf dos Grundstück der Rordhäuscr Kautabaksabrik der dann fallen Dir zuerst die Sauberkeit und die Leere des Hofes auf. Das ist verständlich, denn der.Stift" verträgt weder als Fertig- sabrikat noch als Rohprodukt irgendeine Lagerung im Freien. Seine richtige Herstellung und Pflege ist ja beinahe eine Art Kunst, die mit«inigen Geheimnissen verquickt ist, so ähnlich wie die Herstellung wertvoller chemischer Fabrikate, deren Rezepte sich die Entente während des Krieges unter vielen Mühen beschafft hat. Das Cha- rakteristikum des Nordhäufer GEG.-Bctriebes ist die systematische Pflege und Durchbildung eines eigenen Kaulabakrezeples. Die Verwertung nur bester Materialien, von denen wohl mancher, der nicht .stiftet", der Auffassung ist, daß sie auf anderem Wege als durch das Medium des Kautabaks viel gründlicher ihrer natürlichen Ver- wertung zugeführt werden können, ist dafür ein Beweis. Jene Ver- äcbter werden das Im besonderen denken, wenn sie die schönen TJsr- räle echten Jamaika-Rums sehen, die, vor Monaten und Jahren ein- gekauft, des Momentes harren, da sie, im Bewußtsein ihres hohen Wertes, in die Sauce hincinwandern, die vom fertigen Stift mit Behagen aufgesogen wird. vom ölatt zum Strick. Das Rohmaterial der Kautabakfabrikation, der Kenkucky-Tabak. kommt aus dem Hamburger Zentrollager der GEG. in den riefen» halten kVsinalfäsfern, die etwa 14 Zentner wiegen, sofort nach Ein- treffen in den geräumigen Tabakkcller. Hier liegen ganze Reihen von Faßriesen, in ihrem Bauch das Material für eine Jahres- Produktion und mehr, hier harren sie der Dinge, die da kommen sollen. Mit dem Oeffnen des Tabakfaffes beginnt ein raffiniertes System der Behandlung dieses wertvollen Rohmaterials.. Frauen streichen die zusammengepreßten Blätter glatt, damit sie ohne Falten liegen. Dann geht man dem Tabak mit scharfen Messern zu Leibe, er macht Reinlgungs-, Wasch- und Trocknungsprozesse durch, die ihm auf Minute, Temperatur und Fcuchtigkeitsmenge genau vorge- schrieben sind. In der Zwischenzeit ist in anderen Räumen in ge- waltigen Kupfcrkesieln ein geheimnisvolles Gebräu zustande ge- kommen. Hier wird an der Hand des änastlich gehüteten Fabrik- geheimnisies aus zwanzig und mehr Gewürzen und anderen Zu- taten der Saft gekocht, in dem sich der aufbereitete Rohtabok sättigt. Es duftet in dem Kochraum tatsächlich wie Tamarind«, Johannis- brot, Ambra und Veilchen. Die Entscheidung, nach w a s es nun eigentlich duftet, ist bei der Fülle der Ingredienzen, die da verbraut werden, nicht ganz einfach. Vielleicht riecht es auch nach Glyzerin und Rum. Profailche Menschen behaupten rücksichtslos, wie sie gegenüber der Poesie des Genusses nun mal auftreten, das fei alles ein Irrtum, es stinke einfach. Sic haben aber nicht recht. Sobald sich das aufbereitete Rohmaterial und fein Badcexlrakt getroffen haben, beginnt für den Tabak zum zweitenmal ein komplizierter Weg, auf dem er allen möglichen Wandlungen und Verwandlungen unterworfen ist. Er steigt z. B. wieder in kupferne Keffel, aus denen die Luft hcrausgepumpt wird und vermählt sich erneut mit würzigem Saft: gewaltige gläserne Ochsenaugen ermöglichen dem neugierigen Menschen von außen zu beobachten, wie er sich dabei benimmt. Ehe der Kautabak aber diesen Prozeß durchmacht, hat er seine Gestalt grundlegend gewandelt. Aus Plätterbündeln ist er zu Z, 4, 5, S.?, ja 1Z INillimeter starkem Tau geworden, er hat die Spinnerei passiert. Gesponnen unö gewickelt. Das Wort„Spinnerei" erscheint dem Laien in Verbindung mit der Herstellung von Kautabak komisch. Es gilt aber nicht etwa nur im übertragenem Sinne. Wirklich und tatsächlich: der Kautabak wird gesponnen. Im Spiunsaal drehen sich viele Spindeln. Von langen Tischen her, an denen paarweise ein Spinner und eine Hilssarbeiterin mit flinken Händen sich beschästigen, verwandeln sich die einzelnen Blätter des Tabaks in elastische Seile, die flott zu gewaltigen Rollen anschwellen. Die Seilbündel der verschiedenen Kautabaklorten wan- d�rn zuletzt in eine Abteilung, wo ihnen mit scharfen Messern der Garaus gemacht wird, sie zerfallen in kurze Stücke und kommen in die Hände der Wickler. In einem Moment'st der„Siift" hier zu einer lustigen kleinen gedrehten Wurst geworden, in großen Küsten rückt er in den Packraum. Hier sind es Mädchen, die ihn säuberlich in Pergament«inpacken und kortonnieren, banderolieren und fertig machen. Obenauf in den Kisten, sorgfältig verpackt wie ein Medizin- fläschchen, liegt für den Großkonsumenten eine bestimmte Quantität der aus dem geheimnisvollen Hausrezept gebrauten Sauce. Sie dient dazu, den Kautabak im Laden für den Kleinverkauf frisch und würzig zu erhalten. » Es ist verständlich, daß die genossenschaftliche Eigenproduktion von Kautabak noch nicht den Markt beherrscht, obwohl sie dazu be- rechtigt wäre, da es die breiten Massen des Volkes sind, die ihn kaufen. Es wird zwar auch im Betrieb der Nordhäuscr GEG.-Fabrik der sogenannte, nur nach wenigen Millimetern Durchmesser rechnende „Offizierstift" angefertigt, er kommt aber mit dem 12-Millimeter- Priem, der nach Bayern und in die Rhön geht, doch nicht mit. Die Kautabakproduktion des Nordhäuser GEG.-Betriebes steigt fortgesetzt. Es sind viele Hunderttausende an Stiften der verschieden- stcn Sorten, die allmonatlich von hier aus verschickt werden. Zum Schluß ein guter Rat des Chronisten. Wenn Du schon die heimliche Sünde unserer Urväter, die früher die Blätter deutscher Eichen und Buchen kauten oder rauchten, wegen erblicher Belastung in Dir nicht hast ertöten können, dann stifte nicht kapitalistisch, sondern genossenschaftlich. Dienste öes Kindes. Dem Nndcnkcn des Kinderarztes Hugo Neumon«. Gestern waren LS Jahre verflossen, seit in Berlin O. auf dem Grundstück Blumenstr. 97 Dr. Neumanns �K inderhau s", ein« Stätte hygienischer und sozialer Fürsorge sur Kinder, eröffnet � wurde. Als Privatmann schuf Neumann uneigennützig unter Her- gäbe semer Mittel dieses Haus, von dem ein« FW« des Segens für arm« Kinder und für ihre beglückten Mütter ausgegangen ist. Neumanns Wun'ch war, dem kränklichen Kinde des Minder- bemittelten eine von der Geburt bis zur Schulentlassung reichende Für'org« zuteil werden zu lassen, und diesen Gedanken hat er nach Kräften zu verwirtlichen sich bemüht. Sein„Kindsrhaus" dien!« , nicht nur der Krankheitsbehandlung, sondern mehr noch � der K r a n k h e i t s v e r h ü t u n g. Um diese zu ermöglichen, wurde auch wirttchas'iiche Hilfe gewährt, deren Rotwendigkit Neumann von vornherein erkant«. Ein großes Verdienst hat dieser wahr« Menschenfreund sich um die unebelichen Mütter und ihre schutzlosen Kinder erworben, indem er In seinem Hause ein« Untcrtunstsstätt« l für hilfsbedürftige Wöchnerinnen schuf. D i e erste Säuglings» ! s ü r s o r g e st e l l e, die in Berlin eingerichtet wurde, fand ihr Heim in Neumanns„K i n d e r h a u s". Zur Ausbildung von Säuglings- fürforgerinnen, von Krankenpflegerinnen für Kinder, auch zur Unienveifung von Müt ern in der Säuglings- und Kleinkinderpsleg« richtete er Kurs« in seinem„Kinde.Haus" ein. Mit unermüdlichem Eifer warb er dafür, daß Mütter ihre Säuglinge selber stillen und chncn in(er Muttermilch das wirksamste Mittel gegen Erkrankung und Siechtum darreichen. Seine Poliklinik für innere� Krankheiten» kür Augen-, Ohren-, Nasen- und Halslsidcn, für Jnsektioris- und Hautkrankheiten, für Chirurgie, für Sprachstörungen hat Tausenden von Kindern Hilse und Heilung gebracht. Im Kur- und Land- aufenlhalt suchte er schwächliche Kinder zu kräftigen, damit sie wider» standsfähiger gegenüber den Gesundheitsgefahren wurden, denen das Großstadtkind ausgesetzt ist..... Als Dr. Hugo Neumann im Jahre 1912 starb, hinterließ er fem „Kinderhaus" als Stiftung für arme und kränkliche Kinder seinen Freunden und Schülern, die es selidem in seinem Geiste weitergeführt haben. Gestern hatten sie im Vürgerlaal des Ratlzausts sich vereinigt zu einer Gedenkfeier, die so schlicht und anspruchslos war, wie er selber es stets gewesen ist. Berthold Ncumann als Vorsitzender des„Vereins Dr. H. Neumanns Kinder- baus", Frau Klara Birnbaum als Leiterin der„Kinderhaus"- i Verwaltung, Schulrat Dr.' Buchenau als Pädagoge, S�d'rättn Weyl ! als Leiterin des Berliner Jugendamtes und andere Re'ner zeich- neten das Bild des Verstorbenen, den Tausende von Müttern in dankbarer Erinnerung bewahren. Selgische Maraarkne. Wieder ein Schwindel mit falschen Einfuhrschslnen. Ein Riesenschwindel, durch den eine französisch-belgische Firma um ca. 2 Millionen Mark geschädigt worden war, liegt einem um- fangreichen Strafprozeß zugrunde, welcher vor dem Schwurgericht des Landgerichts III stattfand. Angeklagt wegen Betruges und öffentlicher Urkundenfälschung waren der Kaufmann Emil Clemens, der Reklameakquisiteur Georg R e i n h a r t und der Rechtsanwalt Dr. Julius Pächter. Es handelte sich um die Beschaffung von Einfuhr- scheinen für 150 Tonnen Margarine im Werte von 3 Millionen Mark. Der Amerikaner Ferner, der diese Scheine haben wollte, war der Vertreter der Firma Lesdains in Belgien. Reinhart erbot sich, die Scheine„auf Grund seiner Beziehungen zum Reichs- schatzministerium" auf gesetzlichem Wege zu besorgen. Nach den Ver- einbarungen sollte Neinhart 80 000 M. erhalten. Für die schriftliche Niederlegung der erforderlichen Abmachungen wurde Rechtsanwalt Dr. Pächter ausersehen. Zur Beschaffung der Scheine wandte sich Neinhart an Clemens. Zwischen beiden soll besprochen sein, daß man bei der Affäre viel Geld verdienen könne. Clemens lieh sich zunächst einen falschen Stempel des Reichsverwertungsamtes an- fertigen, beschafste sich Vordrucke für Freigabe, füllte sie aus und stempelte sie. Da Ferrier die Einfuhrbewilligung für echt hielt, zahlte er die erste Rate niit 49 999 M. aus und im Bureau des Pächter kam das verlangte Schriftstück über die Abmachungen zu- stände. Pächter erhielt 49 999 M. zu treuen Händen von Ferrier. Die Ware wurde schließiich an der Grenze beschlagnahmt. In- zwischen hatte Pächter von den 49 999 M. schon 89 999 M. an Rein- hart ausgezahlt, während dieser nach den Vereinbarungen nur auf vorläufige Erhebung von 5999 M. ein Anrecht hatte. Nach der An- klage soll der Schaden des Lesdain 35 999 M. betragen. Pächter hat aus eigenem Antrieb dem Lesdain mehrere tausend Mark vergütet. Clemens ist im ollgemeinen geständig, Reinhart machte allerlei Winkelzüge. Dr. Pächter wies alle Annahmen der Anklage, als ob er mit den beiden Angeklagten unter einer Decke gesteckt habe, mit der größten Entschiebenheit zurück. Die Vergütung des Lesdain aus eigenen Mitteln, erkläre sich daraus, daß er einsah, als Treuhänder einen Fehler gemacht zu haben, indem er, dem Gewaltmenschen Reinhart nachgebend, diesem vor der Zeit die über 5999 M. hinaus» gehende Summe ausgezählt habe. Uebrigens sei dem Lesdain ein Vermögensverlust überhaupt nicht erwachsen, da die in Betracht kommenden Beträge aus einem sogenannten toneii perdu eines belgischen Margarinekonzerns stammten und Pro- pagandamittel darstellten._ Beschlagnahmter Zucker. Gestern nachmittag wrrrden auf dem Schlesischen Bahnhof durch die Abteilung IV des Polizei- Präsidium 5K Zentner Zucker beschlagnahmt, die allem An- schein von einer Frau Wiihelmine G. aus Frankfurt a. d. Oder ver- schoben werden sollten. Der Zucker wurde aus der Dahuhos-wache sichergestellt und später von der Abieilung W abgeholt. 26] Die Machk der Lüge. Roman von Johann Rojer. Wangen war so blaß und abgemagert. Sein Hals unter dem Kragen war so dünn geworden, und sein Hinterkopf so groß. Der Rücken war ganz merklich gebeugt. Der Aermste!, Wenn er jetzt wenigstens gestehen wollte! Nie hätte es Frau Tbora von Lidarende einfallen können, an ihrer Auffassung von Wangens Schuld zu zweifeln, während sie jetzt hier saß und ihn bedauerte. Diese ihre Ueberzeugung hatte von Ansang an eine Reihe schöner, menschlicher Gedanken in ihr erweckt, darum dachte sie nie darüber nach, wie sie eigent- lich zu dieser Ueberzeugung gekommen war. Diese Anschauung� hatte sie dazu gebracht, ein Opfer bringen zu wollen, zum Bei- spiel eines von Wangens Kindern zu sich zu nehmen, und eine Anschauung, der man Opfer bringt, wird einem nicht nur zur Gewißheit, sondern sie wird einem auch ganz persönlich lieb. «in moralischer Wert. „Armer Wangen," dachte sie.„Gott weiß, ob all das nicht zu guter Letzt ein schlechtes Erbe vom Vater her ist. Aber dar- aus nehmen die menschlichen Gerichte keine Rücksicht. Die sind unbarmherzig." Und in ihrem Innern erstand eine neue Ge- fellschaftsordnung mit einem anderen Gerichtswesen. Als erster Zeuge in der Angelegenheit wurde Knut Rorby aufgerufen. Jetzt war der Augenblick gekommen, vor dem ihm einst so gegraut hatte. Jetzt sollte er hinein und aussagen, daß er für Wangen die Bürgschaft nicht unterschrieben habe. Aber als er den Gang entlang schritt, war er in der Er- regung eines Spielers, der gute 5larten in der Hand hat und ungeduldig ist, ans Ausspiel zu kommen. Er war ganz beschäftigt von dem Gedanken, um alles in der Welt nur nichts zu vergessen. Als er die Türklinke anfaßte.! hörte er eine ferne Stimme:„Kehr' um! Roch ist es Zeit!" Aber die Stimme war allzu weit.—„Hast du etwa die Witwe geschädigt?" sagte eine andere Stimme, und das rief in ihm! den Wunsch hervor. Wangen eins draufzugeben. Beim Ein-! treten hob er die Schultern etwas, wie es seine Slrt war. wenn d]61," Augen auf sich gerichtet wußte. Der erste, auf den sein j jolitf fiel, war Wangen auf der Anklagebank, und als ihre � Augen sich einen Moment begegneten, wuchs in dem Alten l eine dumpfe Wut auf. Er erinnerte sich all des Schlechten, das Wangen ihm nachgesagt hatte.„Wart' dti nur," dachte er. Auf dem Wege zur Schranke sah er sich die Pastorin und Frau Thora zunicken, und das ermunterte ihn sehr. Als er bemerkte, daß nicht der Amtsrichter selber, sondern nur sein Assessor das Verhör leitete, fühlte er sich gekränkt. Den konnte der Amtsrichter zu unbedeutenden Sachen schicken. Aber heute galt es Knut Rorby. Und als der junge Mann mit dem Kneifer und dem schwach keimenden Bart ihn ermahnte, die Wahrheit zu sagen, hätte der Alte bald gelacht.— Der Dreikäsehoch wollte Amtsrichter spielen! Er hatte ge- hört, daß am letzten Samstag abend derselbe junge Herr betrunken war, daß er nicht mehr auf den Beinen stehen konnte, beim Advokaten Basting! Aber da saß ja auch der Basting, dieser Armenhäusler, und machte ein Gesicht wie ein dreimal Weiser! War er schon heute hervorgekommen, um Wangen zu helfen? Der Narr! Na, vor dem Gerichtshof mußte man freilich Respekt bekommen. Das Verhör begann. Es wurde Rorby so leicht, zu ant- worten, gerade weil dieser Basting da wie auf der Lauer lag. Ja, auf der Lauer hatte er auch damals gelegen, als er versucht hatte, Rorby aus dem Bankdirektorium herauszudrängen und sich selber hineinzuschieben. Dieser Wicht, der wegen der Armen- steuer gepfändet wurde und froh war, wenn man ihm eine Rechnung über zwei Kronen einzuziehen gab. Der wollte sich Knut Rorby gegenüber auf die Lauer legen!— Ob der vielleicht dem Einar... „Szerr Wangen behauptet, sich deutlich des Ortes erinnern zu können, an dem die Unterschrift vor sich ging," sagte der Assessor. „So. dann kann ich vielleicht auch erfahren, wo das war?" sagte Rorby treuherzig. Der Assessor wandte sich an Wangen.„War es nicht im Grand Cafö?" Wangen stand auf. Und feine Augen strahlten ebenso warm jetzt, als er sagte, es wäre im Grand gewesen, wie vor- hin, als er feine Unschuld beteuerte. Für Rorby war dieser Anflug von Komik willkommen und er antmortete mit voller Ueberzeugung:„Das Schriftstück habe ich nicht unterschrieben." Bei diesen Worten hörte er Wangen spöttisch auflachen, und das machte den Alten vor Zorn innerlich kochen.„Ich will dir schon was zu lachen geben/ dachte er.„Wart' mir!" Aber da geschah etwas Rorby ganz Unerwartetes. Der Assessor zog ein Papier hervor und reichte es ihm.„Hier ist das Schriftstück," sagte er.—„Und da steht Ihr Name. Bitte, sehen Sie nach, ob er aussieht wie Ihre Schrift. Sie können za vielleicht die Geschichte vergessen baben?" Einen Moment blickte Rorby aus den Namen, den er selbst geschrieben hatte. Er wirkte wie ein Gespenst. Er wollte ihn nicht sehen. Er blickte zum Advokat Basting, der auf ihn hin- schielte, und das machte ihn vollends rasend, er warf das Papier auf den Tisch und sagte:„Ich brauche es nicht erst an- zusehen! Ich weiß, was ich getan habe!" Aber nun bat Basting um Erlaubnis, eine Frage stellen zu dürfen, stand auf und trat näher an die Schranke—:„Hat Herr Wangen Sie auch nie gebeten, für ihn zu bürgen?" Zuerst betrachtete Rorby die fette, kahlköpfige Person Bastings ein wenig. Er hätte beinahe gelacht oder eine höh- Nische Antwort gegeben. Aber eine Stimme in ihm flüsterte: „Paß auf, daß du dich nicht verplapperst!" Und so sagte er lächelnd:„Mich haben schon so viele gebeten, für sie zu bürgen. Aber ich kann mich doch nicht auf alle besinnen." Und als er wieder von Wangens Seite spöttisches Lachen hörte, ließ er sich hinreißen, noch hinzuwerfen:„Uebrigens hat er mich selber darum gebeten. Denn er lief ja umher und versuchte zuletzt Gott und die Welt dazu zu bekommen." Jetzt, wußte er, lachte Marit. Als er nach einer Weile fertig war, fiel ihm die Erklärung der Witwe Haarstads ein, und er bat, wieder gerufen zu werden, wenn Sören Koikne ausgesagt habe. Draußen blieb er erst ein wenig auf der Treppe stehen und kühlte sich ab, ehe er seine Mütze aufsetzte. Von weit her rief ihm eine Stimme zu:„Du hast gelogen!" Aber sie war allzu weit fort, und in ihm erhoben sich»nächtige Stimmen dagegen. — Hatte er etwa die Witwe geschädigt? Wangens Lachen klang ihm immer in den Ohren, und er mußte wieder denken:„Wart' nur,' dir will ich noch etwas zum Lachen geben!" Seinen besten Trumpf hatte er noch in der Hand. „Das ist auch zu toll," dachte er, während er über den Hof schlenderte—„daß man mit solchem Pack zu tun hat. Man muß sich ja winden und drehen, um davon freizukommen. Aber der Mann soll jetzt auch, Gott verdamm' mich, aus der Ge- meinds heraus." Doch plötzlich blieb der Alte stehen. Da kam ihm ein junger Mann im Ueberzieher und Pelzmütze entgegen. Irrte er sich? Rein. Es war Einar.(Fortsetzung folgt.) I der Sittenprediger als Verführer. Wenn die Schupo ein Auge zudrückt. Ein Großstadtsittenbild von leider nicht ungewöhnlicher Art wurde in einer Verhandlung vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte aufgerollt. Wegen Betruges war der Polizeiunterwachtmeister Georg Müller angeklagt. Bekanntlich genießt die sog. Passage zwischen den Linden und der Friedrichstraße seit Jahrzehnten den zweifelhaften Ruf, den Sammelpunkt für die jugendliche Weiblichkeit zweifelhaften Charakters zu bilden. Eines Tages im Mai v. I. beobachtete ein Fabrikbesitzer S., wie die 15jährige Frieda S). von einer Halbweltdame angesprochen wurde. Mit erheblichem Aufwand moralischer Entrüstung trat der Zeuge dazwischen und verhinderte die geplante„Verführung", was aber die weitere Tatsache nicht aus der Welt schaffte, daß er eine halbe Stunde später in der Ge- sellschaft der H. aus dem Zimmer eines Hotels in der Taubenstraße von dem jetzigen Angeklagten Müller heraus- geholt wurde. Der Angeklagte nahm jedoch von einer Sistierung der Beiden Abstand, da sie behaupteten, keine strafbare Handlung begangen zu haben. Einige Tage später traf der Fabrik- besitzer S. mit dem Angeklagten und einem anderen Sipobeamten zusammen und unternahm mit ihnen eine W e i n r e i s e, bei de? Zechen bis zu 2000— 3000 M. gemacht wurden. Wieder einige Tage später erhielt S. von dem Angeklagton einen Brief, in dem er um ein D o r l e h n von 1000 M. ersucht wurde. Da sich S. in einer nicht sehr angenehmen Lage den beiden Polizeibeamten gegenüber befand, gab er diese Summe her.— Durch eine unvermutet vor- genommene S p i n d e n r e v i s i o n bei der Sipo wurde der Eni- wurf zu diesem Brief gefunden, und die weiteren Ermittlungen hatten die jetzige Anklage zur Folge. Das Schöffengericht brachte in feinen Urteilsgründen zum Ausdruck, daß der Angeklagte durch fein ganzes Verhasten die leider schon so viel zu Unrecht befehdete«icher- heitspolizei außerordentlich bloßgestellt habe, indem er mit einem Manne, mit dem er nur dienstlich bekannt geworden war, und zwar in einer zweifellos unsauberen Angelegenheit, nicht nur Weinzechen machte, sondern noch Geldbeträge von ihm erschwindelte. Gegen das auf 3 Monats Gefängnis lckutcnde Urteil legte Rechts- anwalt Dr. Erich T r e i t e l Berufung ein und bat um Gewährung der bedingten Begnadigung. Das Gericht setzte eine Bewöh- rungsfrist von 3 Jahren fest, nach deren Ablauf bei tadel- loser Führung dem Angeklagten die Strafe erlassen wird. Ein Opfer des Alkohols. Im Haute Kaiserin-Auguüa-Str. 74 in Tempelhof war am Freilag der Straßenbabnickiasinsr Emil Teschke mit Kopiverletzimgen tot aufgekunden. Der Leickcm'mid scheint sich bereits restlos'aufzu- klären. Da der Befund zunächst auf ein Veibrechen ichlietzen ließ. begab sich ein Kommissar vom MoidbereitichaslSdienst, der Gerichts- arzt Prof. Dr. Frankel und der Erkennung-dienst an den Fundort. Die Aufnahme des Tatbestandes ergab jedoch, daß Teichke allem Anscheine nach ein Opfer de? Alkohols geworden ist. Der Mann, der früber schon oit über den Durst trank, war am 3. d. M. enttasien worden. Er ging in eine Wirtschaft, und als er dieie verl'eß, war er stark angetrunken. Wabrichcinlich ist er dann in femer Wohnung infolge des AlkoholgemisscS zusammengebrochen und tot liegen geblieben. Der GerichlSarzt stellte fest,' daß die «Z-r letz ringen an der Stirn und am Auge nicht tödlich sind und wohl von einem Slurz herrühren können. Zur genauen Feststellung der Todesursache wurde die Leiche, nach. dem sie photographiert worden war. beschlagnahmt und zur Ob- duklion nach dem Schauhause gebracht. Tie Beherbergungsstcuer. Ein Stadtverordnetenausschuß hat die neue Be- herbsrgiingssteuerordnung unter Aenderung de? Magistratsoorlage m dritter Lesung angenommen. Es wurden folgende«ätze beschlossen: bei einem täglichen Entgelt bis 250 M. für die Person 15 Proz.. von mehr als 250—350 M. 20 Proz., von mehr als 350 bis 500 M. 30 Proz., und von mehr als 500—800 M. und darüber 40 Proz. Höhere Sa�e wurden nach einer ministeriellen Vsrfüaung nicht genehmigt. Steuerfrei bleibt das Entgelt für ein Zim- rner und die Person bei einem Entgelt bis 15 M. Ein? Differenzie- rrmg zwischen Hotels, Gastwirtschaften, Pensionen, Prwathäusern, Beherbergungsstcllen findet nicht statt. Diese neue Steuerordnung soll zwei Wochen nach Veröffentlichung in Kraft treten. Keine 5?reitoiletten auf den Bahnhöfen mehr. Eine peinliche Neuerung für viele unbemittelie Reisende ist jetzt auf den Berliner Bahnhöfen eingeiührt worden. Die Packter der BahnhofStoiletlen haben es abgelehnt, FreikloleitS zur Ver» lügung zu stellen. Bon gestern an haben die Freiloilelten ihr Ende erreicht und nur noch durch Zahlung von 50 Pf. ist die Be- Nutzung der Aborte gestattet. 3n der brennenden Wohnung erstickt. Bewohner des Haufes H a f e n h e i d e 91, die gestern bemerkten, daß aus einer Wohnung im vierten Stock starker Rauch herausdrang, alarmierten die Feuer- «ehr. Als die Sappeure die Korridortür zertrümmert harten, schlugen ihnen sofort die hellen Flammen entgegen. Nachdem der «rand gelöscht worden war, fand man den Wohnungsinhaber, den 78 Jahr« alten Vetrieb-ingenieur Philipp Pfannen müller, tot am Fußboden liegend aus. Wie sich herau'stellte, hatte Pf. hinter dem Ofen Preßkohlen aufgestapelt, die infolge der sich entwickelnden Hitze in Brand geraten waren. Die sich entwickelnden Gase Hachen dann Pf. betäubt und schließlich getötet. Wordkaken einer Slraßenräuberbande. Gestern nachmittag wurde aus dem Bahnhos Wolfsbain der Kassen bot« der Dereinigten Lausitzer Glaswerke, O est erreich, der in Begleitung eines Ingenieurs eben mit dem Zuge aus Weißwasier angekommen war und eine nur 500 Meter entfernt stehende Loko- motio« besteigen wollte, um Lobngclder nach der Hütte in Tschernitz zu bringen, von vier Räubern überfallen. Di« Derbrecher streckten den Kasienboten durch Revolverschüsse nieder, entrissen ihm die Geldtasche und flüchteten in eine Schonung. Wolfshain ist ein belebter Bahnhof und die Räuber wurden sofort energisch verfolgt. Dabei wurde der Hilfsförster Moser, Vater von vier Kindern, von den Räubern erschossen. Der«in« der Verbrecher wurde angescbosien und mach'« sodann feinem Leben durch Kopfschuß selbst ein Ende: zwei weitere wurden gefangen, der viert« ist entkommen. Der Kasienbot« Oesterreich ist noch am Donnerstag abend seinen schweren Verletzungen erlegen. Gährung und Klärung im Seamtenbund. Streikdebatten am zweiten Verhandlungstag. Lebensmittelpreise cles l'sAes. Zufuhr: Fleisch ausi eichend Geschäft schleppend. Fische reichlicher, Geschäft rege. Obst und Gemüse schwach, Geschäft still. • Am Freitag galten in der Zentralmartthalle folgende Kleinhandelspreise: Schweinefleisch 33—42 M. Rindfleisch 25—34 M, ohne Knochen 35—37 M. Kalbfleisch 24—35,50 M. Hammelfleisch 27—34 M. Rückenfett 48 M, Schnitzel 50 M. Rouladen 38 M. Schellfisch 7—10 M. Seelachs 8,50 dl. Kabeljau 8—10 M. Dorsch 5—7 dl In Eis: Schleie 26— 28 M Hechte 21—28 M. Aale 25—40 dl. Lebende Barsohe 19—20 Zt. Karpfen 25—33 dl. Bleie 14—16 dl. Naturbutter 63—73 dl. Harflarine 30 bis 40 M. Schweineschmalz 49—50 M. Eier 3.75— 4,20 dl. Reis 8—12 dl. Eiernudeln 16 M. Hafergrütze 8 M. Weizengrieß 1t dl. Graupen 9 bis 10 M. Kaffee 96—116 M. Wirsingkohl 6—7 dl. Weißkohl 5,50—6,50 M Rosenkohl 11—12 dl. Blumenkohl 15—24 dl. der Kopf Rotkohl 7.50 bis 11 dl. Grünkohl 3— 3.50 dl. Spinat 4—7 dl. Zwiebeln 7,50 M. Zitron«! 1—2 dl. Wilds Kaninchen 40-45 M. das Stück Puten 18 bis 60 M. das Pfund. Kühner 36—48 M. Qü.ne 24—60 dl. Enten 44 bis 46 M. Tauben 45-48 M. zwei Stück, Im weiteren Verlauf der Verhandlungen spitzte sich die Debatte über die Frage des Streikrechts der Beamten immer schärfer zu Weiler vom Rcichsverband der Kommunalbeamte n ver- langte, daß der Bundestag eine Klärung der Zlnfichten innerhalb der Beamtenschaft bringe. Es habe keinen Zweck, dir tiefen Ritze im Bcamtsnbund künstlich zu verkleistern. Die Schaukelpolitik des Deut- fchen Bcamtenbm.dcs müsse einem fest umrisscnen Programm weichen. Bedaurrlich sei, daß einige Fachgewcrkschaften. wie die Eisenbahner, mit vorgefaßten Ansichten zu den Verhandlungen tämen. In der letzten Bundessitzung hätten sich die f ü d d e u t f ch e n Beamten vor allem für die Unierbeamte n eingesetzt und di-> Besoldungsordnung für unannehmbar erklärt. Dieser Beschluß sei von der Rciibsgewerkschaft der Eisenbahnbeamtsn niedcrgestinunt worden. Das Ziel fei wohl das gleiche, aber die Wege gingen weit auseinander. Redner erhebt Vorwürfe gegen die Regierung und die Parteien im Parlament, die jede Beamtenfordc- rung unter dem Gesichtswinkel betrachteten: Was kostet es? Gegen den Vorwurf, die Beamtenschaft habe die Eisenbahner im Stich ge- lassen, erklärte der Redner: Die Solidarität hört da auf, wo der Terror anfängt!(Lärm bei der Opposition.) Wenn wir uns nicht verstehen können, wollen wir uns lieber trennen! Abgeordneter Bogel von der Rcichspostgcwcrkfchaft bezeichnete Flügels programmatische Erklärungen als eine Lluswcich- rede. Wenn sich der Bundesvorstand im Streik hinter die Eisenbahner gestellt hätte, wäre das ganze Unglück erheblich abgekürzt worden. Bente als Vertreter der Reichsjustizbcamten trat lebhaft für das Slrcikrecht der Bewmien ein. Die Verfassung habe den Beamten das Koalitionsrecht gegeb�i und die Beamtenschast dürfe sich von diesem Rechte nichts rauben lassen. Bundssvorsitzender Flügel: Ich lehne den Lohn st reit nach wie vor a b. Er ist mit der«tellnna der Beamten unvereinbar.(Zuruf: ..Sie kenneu den Hunger nicht!"') Nur im Kampf um feine Existenz darf der Beamte von diesem letzten gewerkschaftlichen Mittel Gebrauch machen. Nach kurzen Ausführungen Händlers vom Bund der t e ch- nischen Angestellten und Beamten, der sich f ü r d a s S t r e i k r e ch t der Beamten einsetzte und die Schaffung einer Einheitsfront der Beamten, Angestclllen und Arbeiler als das erstrebenswerte Ziel bezeichnete, ergriff Menne das Wort: Wir hatten erwartet, daß der Kampf der Eisenbahner hier in den Vordergrund der Beratungen gestellt werden würde, und wollen sehen, was denn nun das Eraebnis der Ans- spräche sein wird. Der Streik der Reichsgewerkschaft war eine Naturgewalt, die die Beamlenschaft bis in ihrem Nefsien kern oufgerüllell hat und deren Auswirkung jetzt zur Entscheidung gebracht werden muß. Es gibt Besoldungsgruppen, die nie einen Existenzkampf führen werden. Der Druck auf die wirtfchafrlich Schwachen wird immer stärker. Wir Beamten sind doch alle nur Arbeitnehmer gegen- über einem Arbeitgeber. Wenn es eine Einigkeit im Deutschen Be- amtenbund, in der Arbettnehmerfront gibt, dann nur auf der Grundlage der Soljdariläl. Man muß eine Klärung darüber schaffen, ob der Deutsche Beamten- bund in seiner Gesamtheit reif dafür ist, gegenüber den notleidenden Beamten unter allen Umständen Solidarität zu beweisen.(Lebhafter Beifall.) Wir hatten auch von den höheren Besoldungsgruppen «olidarität mvariet. Aber man hat in den höheren Gruppen anscheinend kein Borstöndnis fü.' das Gefüb! d.r bre-ten Mulsin. Dann aber sollen sich diese Beamten auch nicht mit uns an'einen Tisch setzen und sagen, sie feien Gewerkschaftler gleich uns.(Sehr richtig!) Darum muß es jetzt einen Trennungsstrich geben zwischen denen, die sich als G e w e r k s ch a f t l e r fühlen, und denen, die das nicht wollen. Eine Brücke zwischen diesen beiden Richtungen gibt es nicht. Wir fordern jetzt Klarheit darüber, ob der Deutsche Bcamtenbimd, wenn es gill, solidarisch für die unteren Bejoldungs- gruppen kämpfen will. Das wichtigste Problem ist augenblicklich die Frage der Gemaßrcgeltcu. Wollen Sie sich damit beschäftigen, wie wir den Gemaßregelten wieder eine Eristenzniöglichkeit verschaffen können? Wir müssen für diejenigen cinstchen, die alles für uns aufs Spiel gesetzt haben. Aber schon hat man in den einzelnen Gruppen Beschlüsse gefaßt. aus dem Deutschen Beamtenbund auszutreten, well eine Gruppe nun den Existenzkampf geführt hat. weil man mit den„Radikalen", die ihre Beamtenwllrde oerletzt hätten, nichts zu tun haben will.(Pfuirufe.) Aber es gibt neben der veamlenivürde auch eine Menschenwürde. Wir können diese Gruppen nicht halten, wir haben sie vorzeitig satt gemacht, aber bevor sie gehen, sollen sie wenigstens in der Frage der Gemaßregelten Solidarität beweisen. Redner fordert eine Pflichtum- läge im Deutschen Beamtenbund für die Kcmaßregelten zu beschließen. Der Deutschs Beamtcnbund war unser Führer im Frieden, im Krieg hat er uns verlassen.(Sehr richtig' bei den Eisenbahnern und Post- beamten.) Konnte die Dundeslcitung sich nicht für uns entscheiden, mußte sie ihre Aemter zur Verfügung stellen. Der bisherige Bundes- Vorsitzende ist für uns unmragbar geworden.(Bewegung, Beifall bei den Eisenbahnern.) Sie haben die Wahl zwischen der Reichs- gewerkschast oder der Bundesleitung. Lassen Sie die Bundesleitung bestehen, so ist für uns der Deutsche Deamtenbund erledigt.(Große Bewegung und Unruhe.) Sie haben von dem Führer der Reichs- gewerkschast sicherlich diese Osfenheit erwartet. Und ich sage Ihnen deshalb weiter: Da wir uns auf die Beamten nicht verlassen können, gehen wir bewußt an die Arbeiter heran, um die Ein- heitsfront zu schaffen.(Bewegung unk Unruhe.) Wir wollen uns von den Gewerkschaften nicht ins Schlepptau nehmen lassen, sondern ols selbständige Frontkämpfer neben ihnen stehen. In der Arbeiterschaft hat man schon seit Jahren aus die Beamten gewartet.. Garantie gegen unüberlegte Heut« und morgen muß in diesem Hause| ratio aber müssen wir uns matum an die Regierung gerichtet. Inzwischen hatte die Regie- rung sich dem Beamtenbund gegenüber zur Verhandlung bereit er- klart. Ich selbst, so erklärte Flügel, fuhr mit dieser Nachricht zur Reichsgewerkschaft, wo man mich in einem Neöenraum ab- gefertigt hat. Ich habe die Vertreter der Reichsgewerkschaft fast flehentlich gebeten, die Brücke zu betreten, die der Beamtenbund der Reichsgewerkschaft gebaut hat. Trotzdem bat die Reichszewcrk» schaft mit 29 gegen 15 Stimmen bei einer Stimmenthaltung be» schlössen, den Streik zu verkünden. Menne hat von den Beamten- gewerrschaften Solidarität verlangt. Aber in jeder Organisation muß vor der Solidarität die Disziplin stehen. Die Reichsgewerkschaft ist in den Streik getreten, ohne ihre Mitglieder durch Urabstimmung zu befragen.(Zuruf:„Das hätte 75 009 M. gekostet!") Flügel: Also, weil eine Urabstimmung viel Geld gekostet hätte, hat man es gewagt, den ersten deutschen Beamtenstreik ohne Urabstimmung in Szene zu setzen.(Stürmisches Hört, hört! bei der Mehrheit. Zurufe:„Ihr wollt ja nur die Situation zuspitzen!') Die letzte Schuld an dem Streik liege beim D-rsaill-r Friedensvertrag. Aber es gäbe auch Mitschuldige, und dazu gehöre die Regierung, das Reichsfinanzministerium mit seiner schwankenden Besoldungspolitik, mit der man jedesmal einen Teck der Beamten» schaft regcimäßia vor den Kopf gestoßen habe. Nacb der Niittaaspause erklärte Thieme von der Reimsgewerk- schaft zu den Ausführungen von Flügel, der Vorstand des Beamten- bundes Hobe der Reichsgewerkschaft ihr Borgehen nicht untersagt, vielmehr gewürdiql und es den übrigen Beamtenorganisationen überlassen, die Reichsgewerkschaft zu unterstützen.(Hört, hört!) Die angeblich zugesaoten Verhandlungen mit dem Reichsfinanz» Ministerium seien in Wirklichkeit nur Besprechungen informatorische Art gewesen. Hätte der Reichsfinanzminister damals tatsächlich Verhandlungen zugesagt, dann wäre es der Reichsgewerkschaft nicht eingefallen, zn streiken. Redner wandte lich dann gegen die Art und Weise, wie die G e- richte gegen die streikenden Eienbahner vorgegangen seien. Hierzu erklärte Flügel, daß das Reichsfinanzministerium die zu- gesagten Verhandlungen aus. einem besonderen Grunde nur als„Be- sprechungen" bezeichnet habe. Die Regierung wollt« nicht unter dem Druck eines Ultimatums Verhandlungen führen. Um«inen Ausweg zu finden, habe man die in Aussicht genommenen Berband- lungen eben nur Besprechungen aenannt. Zur Frage der Maß- regelungen erklärte Flüael noch: Wir empfinden die Verpflichtung. den Reichskanzler gegen ernste Widerstände dahin zu unterstutzen, daß er sein Wort einlösen kann. Hierauf wurden Erklärungen der einzelnen Beamlengrnppen über die Stellungnahme ihrer Organisationen zu den programmati- schen Erklärungen Flügels abgegeben. Für die Organisationen der Derwaltungsbeamten(mit Ausnahme der Gewerkschaft deutscher Verwaltungsbeamten, des Bundes technischer Beamter und des Justizbeamtenbundes) für ins- gesamt mehr als 180 000 Mitglieder des Beamtenbundes, erklärte Rose, daß die Derwaltungsbeamten auf dem Boden der von dem Bundcsvorsitzendcn entwickelten programmatischen Erklärungen ständen. � Für den Reichsverband der Polizeibeamien Deutfchlank« oerlas kültner eine Erklärung des Vorsitzenden, � Polizeimojors Bäcker, wonach die von Flügä aufgestellten Grundsätze als brauch- bare Unterlage für ein Bundesprogramm des Deutschen B-amten- bundes anerkannt werden. Unbeschadet der Stellung des DBB. zum Beamtenstreik nimmt die Polizei eine besondere Skelluvg als Vollzugsorgan der verfasiungsmäßigen Regierung im Volks- stoate ein. Für die Polizeibeamten kann das Mittel der Dieustoer- Weigerung und der unmittelbaren und mittelbaren Unterstützung der Dienstverweigerung anderer Leomtengruppen nicht in Anspruch ge- nommen werden. � Als Vertreter der L e h r e r s ch a f t(165 000 Mitglieder) erklärte Rektor Röhl, daß die Lehrer sich in allen Punkten auf den Boden der programmatischen Erklärung der Bundesleitung stellten. Für die Gewerkschaft deutscher Derwaltungsbeamten, den Bund technischer B« a ni t e n und den I u st i z b e a m t e n (50 000 Mitglieder) führte venle aus: Die programmatischen Er- klärungen des Bundesvorlitzenden sind für uns keine Grundlage für eine gewerkschaftliche Bcomtenpolitik(Beifall und Widerspruch), well wir einen Gegensatz zwischen Lohn- und Existcnzstreik nicht ancr- kennen. Wir erklären uns für den von der Reichsgewerkschaft ein« genommenen Standpunkt � Für den Landesverband Sachsen(15 000 Mitglieder) erklärte derselbe Redner: Die programmatischen Erklärungen Flügels finden an sich unsere Billiaung. Da er aber gleichzeitig das Aktionsprogramm Mennes ablehnt, ist es uns unmöglich, uns für oder gegen Flügel zu erklären.(Schallende Heiterkeit.) Für den Reichsverband der Kommunalbeamtsn Deutschlands, sowie für den Verband der Beamten und Angestellten der preußischen Prooinzialverbände(177 000 Mitglieder) hetonte Ehr- mann, daß fein Berband bereits am ersten Berhandlungstage die Er- klärungen Flügels gebilligt habe. Der Vertreter der Reichsgewerkschaft, Lenz, führt« aus: Sei mit der Bejahung des Existenzstreiks auch der wirtschaftliche Existenzstreik gemeint, dann sei jede Differenzierung unnötig. Wir als beamtete Arbeitnehmer sind unseren Mitgliedern gegenüber ver- pflichtet, wenn es sein muß. auch das letzte Mittel des Streiks anzu- wenden. Auf der anderen Seite müsien wir aber auch unserem Arbeitgeber dasselbe Recht zugestehen wie den anderen Arbeitgebern. Das müssen wir linieren Mito'iedern sauen, damit sie nicbi alaub-n, daß der Beamte ohne jedes Risiko streiken darf. Das ist die beste m---------- Arbeitsniederlegung. Als ultima die Entscheidung fallen über das Schicksal der deutschen Beamtenschaft. Wir wollen Subjekt der Wirtschaftsordnung sein und nicht in ihr untergehen. (Beifall bei den Eisenbahnern und Postbeamten.) Stegmeier, vom Verband der Gemcindebeamten: Mennes Rede war ein Ereignis. Man hörte hier Töne, wie sie der deutschen Be- amtenschaft bisher unbekannt waren, und man muhte eine unqe- heurs Umgestaltung der Beamtenpsyche feststellen. Menne fühlt sich zweifellos ais Messias der deutschen Beamtenschaft: aber über seine Sendung kann man geteilter Meiming sein. Der Redner wandte sich gegen die Reichsgewerkschaft deutscher Eisenbahnbeamtcn, die um eigener Vorteile willen bisher fast immer der gesamten Be- amtenschaft gegenüber die Solidarität gebrochen habe. Menne habe es fertig bekommen, die Reichsgewerkschaft zu spalten, und wolle dieses Experiment hier im großen wiederholen. Menne wolle nichts anderes, als die Diktatur, die man in der Mehrheit hier ablehne. Inzwischen waren Anträge eingelaufen, die forderten, doß nach dm Erklärungen Mennes die anderen Beamtensäulen des Deutschen Beomtenbundcs sofort ihre Stellungnahme zur Frage des Streikrechkes bekanntgeben sollten. Dieser Antrag wurde angenommen. Der 1. Borsitzende Flügel erklärte zu den Zlusführungon Hennes, dieser habe keine Programmrede gehalten, sondern ein Aktionspro» grnmm, eine Art Echlochtplan entwickelt. Er fei Menne dankbar dafür, daß er so klar gesprochen hat. Denn nun wisse man, woran man sei. Flügel ging noch einmal auf die Vorgeschichte des Eisen- bahnerstreiks ein. Es� seien damals noch nicht alle Berhandlungs- Möglichkeiten erschöpft gewesen. Ohne die Stellungnahme der Bundesleitung abzuwarten, habe die Reichsgewerkschaft das II[ t i•, das Slreikrechk unker allen Umständen erhallen. Wir verlangen die Herstellung einer gemeinsamen Front. Für Baden, Hessen, Württemberg, Bayern, Thüringen und die beiden Mecklenburg erklärte Vcidhardt-Mü nchen: Wir stehen auf dem Programm des Bundesvorsitzenden, sowie auf dem Stand- punkt, daß der Lohnstreik für die Beamtenschaft entschieden abzu- lehnen ist. Zur Neuwahl des Dundesvorsstzenden wurde Flügel vorge- schlagen, während die Neichsgewerkschaft deutscher Eisenbahnbeamlen Klein-Münster vorschlug. Ehrmann begründete den Wahlvorschlag Flügels dahin, daß der Bundestag nickst ein« Entscheidung über ein« Perlonenirage zu fällen'habe, sondern daß sicb hier zwei Programm«, zwei Weltanschauungen gegenüberständen. Die Abstimmung ergab dann die Wiederwahl des bisherigm Vnndesvorsißmdm Flügel mit 278 Stimmen, während auf Klein-Münster 140 Stimmen entfielen. 20 Delegierte enthielten sich der Stimme. Flüael erklärte, doß feine Wahl die Entscheidung mar über die Politik, die fortab im Deutschen Beamtenbund getrieben werden soll und die sich gründe auf Kraft und Vernunft, die ober auch ein« Ver- iöhnung dessen bringen soll«, was innerhalb des Deutschen Beamten» bundes versöhnt werden müsse. Nach mehr als andertbclbstündiger Paus« wurde die Sitzung um 7 Uhr wieder eröffnet. Namens des Bayerischen Deomtenbundes aab dessen Vorsitzender N e i dh a rdt- München d!« Erkförunn ab, daß von feiten seiner Organisation im Anschluß an die Wahl Flügels kein Antrag gestellt worden sei, und daß sein Verband«inen solchen Antrag nicht decke. Darauf beantragte der Lorsitzende der Reichsgetverkschast, Nenne, die Sifeun-ß auf Sonnabend zu vertagen, da mit Rücksicht juf die Vorfälle, die sich hier abgespielt hätten, die Äeichzgerverk- Idyaft zu ihren Ent'chlies-unoen mehr Zeit gebrauckvn roärde. Daraufhin wurde die Sitzung auf heute vormittag vertagt. �ugenöveranstaltungen. Le:«!» Lrbclter-Zugcnd Groß.Berlin, SW. CS, Lindcngr. 3, Sclcpfcoa Morisplas 121 08—121 10. S°s, 2 Trp. Achtung, Abtciluaosvorschcndc! Für die Gcacralielsammlsag miisscn die Vo�smläge für den Bciirksiicrsiand»vd die Lnoobe der D-Icciierlca scOic üvträze bis spätsstez» Wittwoch, de» 12. April, ein. gereicht werden. Später können dieselben nicht mehr berücksichtigt werden. Edcnsnlls müssen die Programme bi» zum 12. in de» Hönde« der Echristleitnng sein. Morgen, Sonniag, den 9. April: Harens«: Wanderung Bernau— Liednitzsee� Treffpunkt K Uhr Bhf. Halen. � 7 Uhr Jugend» >— Rildersdorf. ersdorfer Soll» berge. Treffpunkt%1 Uhr Alexanderplatz.— Wcißensce: Wanderung Buch— biorinfee. Treffpunkt 7 Uhr Antonplatz. Am Montag findet im llngcndhcim Lindenstr. 3 eine M-idchenkon» i= feren, statt. Vortrag:„Die Trau im Staat-lebcn". Gleichzeitig Z findet die Wahl der Kandidaten für de» Bezitlsoorstand statt. Me wird das Eonntagsvetler? .�egst? "Oy, H. Co Seftw Wetter holten, meist Richtungen. l>ts Tonntdg tuittag. KIlhl und veränderlich mit wieder- geringen Niederschlägen bei mätzigen Winden aus südlichen Groß-öerliner partelnachrichten. t. Kreie Prenzlauer Berg. Montag, den 10. April, 7 Uhr, im Nelnen Saal der Vötzow-Brau-rci, Prenzlauer Allee, Versammlung aber Parteigenossen und Genossinnen, die in der Kommunaloerwaltung tätig sind, sowie der Bczir.spcrordnctcn, Bilrgerdepntierten, Armcu- kommission-mitaU-der. Schösse» usw. Vortrag deo Genassen»arl Bauer(stellvertr. Bürgermcister). Trfcheinen alle, Parieigenossc» Pflicht. Gäste wwlommen. Heule, Sonnabend, den 8. April: UO. Abt. Lichtenberg. Heute findet die Beerdigung unsere» Genossen Heinrich Lepa in Marzahn statt. Abfahrt Echlcs. Bhf. l.ll Uhr, ab Friedrichsfelde 1.20 Uhr., zahlreich« Bcteilioung wird erwartet. Charlottenburg-Epandau. Bon 5— 6 Uhr juristische Sprechstunde im Jugend- heim Nosiuenftr. i. Bernau. H8 Uhr Gruppcnkonferenz im Elpstum. Thema:„Das Reichsmleten- gesetz". Zlesercni Genosse Winter. Morgen, Sonntag, den 9. April: 20. Abf. Odh Uhr Sitzung der Parteifunktionäre und Betriebsnertrauenslent« bei Pose, Kolonicstr. lä. Wichtige Tagesordnung. 4S. Abt. 0 Uhr Treffpunkt bei Wolf. Forster Str.«1. Wichtig« Tagesordnung. Erscheinen aller Genossen wird«wartet. Znnasoz.aüsteu. Gruppe Schöneberg-F-iedenan: Fahrt noch Kloster Lehnin. Treffpunkt morgens 0 Uhr Vorortdahnsteig Potsdamer Dahnhof. Kruppe Rordbahn. Nachmittags S Uhr Gruppcnkonferenz in Stolpe, Lokal Bergmann. Thema:„Von Versailles bis Genua". Reserent Genosse Tausendschän. Gruppe Liebcnwalder Bahn. Mittags>412 Uhr Gruppenkonferenz in Dasdorf. Lokal Schulz. Tl,-ma: Organisation-» und Tagesfragen. Referent Genosse W. Drügemüllcr. rVXHXvÄlfxwffir Wkwhmi m. SjJ., Q, m mnw. Ojpßv. 1810-a-. ItymY X achruf! Unerwartet starb am 2. April unser | Kollege, Herr Wolfpg Kektor Steltzer | Im 23. Lebensjahre. Wir verlieren in dem Verstorbenen I > einen treuen und äul*er:t bepabten Mit- J I arbeitet, welcher sich durch of'enes 1 ! Wesen unsere Achtung und Verehrung[ I erworben hat. 1 Ein ehrenvolles Andenken bleibt ihm I | kilr al e Zeit gesichert. 25i5 I julgüJllESinogECBäKoüo�ei figrSigniBstS-j ! Äcwl-Me. Ii. ni. iiJ.. Dnaaiswork. Dects�-r tJetaiiartEilärvErbäCi! finnrjcguleid Beilia Den Mitgliedern zui Nadiitdjt, daß unser Kollege, der Schleiier öllZiSV ZgglZslli BeusselstratzellA, am 8. Aprii gestorben ist. Die Veerdignng findet amMomag den 10 April, nachm. «UHr.poii derLeidien- halle des Neuen Ja» hanniskird)hoses in P ötzensee au» statt. Am 4. April starb unlere Kallegm, die Arbeiterin siLLZ IlöglLf HIW, Waldstr. 53. Die?,e«d:gung fiirdet amMontag.den den 10. April, nachm. 3>/, Uhr. von der Leichenhalle des Kird>hores inStahns- darf aus statt. Ferner starb unser Kollege, der An» ich Mg er Hans Faulikat Malmöer Str. 26, am 5. April. Die Einäscherung findet am Mniwoch. den 12. April, nach mittags 3'/, Uhr, im Krematorium Bei lin. Deridititraße. Natt. ldks üllm hwUnte! Rege Beteiligung erwartet 1168 Dir Ortsperwaltung SelillüVEfllzÄ Sefüli !?!>. llS.kdl. Uldtendz. Den Parteigenossen :ur Kenntnis, das, der Gen., Bezirlssührer gemr.l.e?2 Lenbachstr. 13 am Dienstag, den 4. April, unerwartet am Herzschlag per» Horben ist ldm'.einen Jntleriksn! Beerdigung heule Sonuabend, nachm. V«2 Uhr, aus dem üadtisch. Friedhof in Marzahn. Absahrtad ! Schles. Pahnh. sWrie» !-euer Bahnsteig) 1.14. s adFriedrichsfeldel.20. Um, ahlreid)« Betet» I llgung wird ersucht Die Abt.»Leitung M.SKMM garantiert rem 9amm- aarn, schwarz und grau, serner Jumper u. Iacten, Wolle in herrlich Farben 5 ändler. 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April 1033, abends 7 Uhr: Norden: Swinemünder Sir. 65. Wedding: Müllerstr, Ecke Triltstr. Cchulaula der I8Z.r|gS. Gem-Sch. Osten: Fruchlstr. Z6a. Frerschlltz. Lichtenberg: Scharnweocrstr. 66. Südoiten: Staiitzrr Sir 51/32, Südwesten: Lonkwitzstr 5. Weste»: Cteinmetzstr. 35a. Adlershof: Heldigslr. Zieit. KauL Gesnndvrnmie,»: Prinzenallee A. Nordwesten: Emdener Str. 56,Sorgatz Nordosten: Wiusstr. 12, Argendi. W-ltzensee: Friedrichstr., Ecke Streu» ltrahe. Reit. Weber. RenkZlln r Prinz-Handscry-Str 3. Friedrichsha: en: Friedrichstr. 12L Tempelhos: Betliner Sir. 111, Reit. Schlemdach. gchleudors: Potsdamer Str. 23, Rest. Micklri. TicnStag, den 11. April 1933: Wilmersdorf: Vsolzburger Str, Ecke Güutzelstr., Restaurant(7 Uhr) Eharlottenbiw/: Sailohstr 45. Bohne(3 Uhr) 132/3 Mitgliedsbuch legitimiert. Kahlreichen B„uch erwarket Die Orlsverrvoltnng. Aus Amerika ca 500 Stück Lederwcslcri, gebraucht, jedoch cut erhalten, mit Wollfutier.. ä Mk. 135.- I7ö.- 225.— ca. 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April, nachiuilloa»«'/, Ahr. in ffllieflngs OaOialon, Wasscriorstr. 68; Allgemeine Versammlung der auf Zinn, Zink und Blei bcschästiglen Kollegen und Kolleginnen. Tagesordnung; 1 Die Lohnverhstltnisse in unseren Betrieben. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 116/7 Die Ortsncrioaltnng. KUSeKsZiKSN kautl höchstrahlend LsvtZ-ldt Irspy. LeuLZSlr.lv (Laden nahe Splttelmarkt) V.— ii...............■■— � Eorh-u.Rolirniobel Big. Fabrik, stets hervorrag. Neuh. Gr. Ausw. Bill. Preise. EdmundVoßtzBIn-Neakolln Berliner St. 14, NäheHcrmann- platz— Tel.: Neukölln 2264 Reparatur, sämtl. Korbwaren WM roch zu billigen Preisen solange Vurrat reicht Bürgerliche Wohniinpelnriclil W3linz!n'.iii..8cli!afz!iniii., SptlSEdmHcrrenzüni, Bunte Küchen Einzelne Mobcl Liefere auch n. ausw Laserung; kostenl. HHäbel-Golm Gp.FfanklBrterStP.S8 j Min. t. Alexanderpl Fil.Badstr.47, 48 5 Alin.T.tihi.Gesundbr. Platin. Brillanten etc. allerbüclisle TaiEPreise! C. 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