Nr. 182 39.Jahrgang Ausgabe B Nr. 90 Bezugspreis: Bierteljährl. 90,-, monatl. 30,-. frei ins Haus, voraus zahlbar. Postbezug: Monatlich 30,- M., einschl. Zu ftellungsgebühr. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- u. Memelgebiet, sowie Westpolen, Defterreich u. Luremburg 61, M., für das übrige Ausland 82, M. Postbestellungen nehmen an Belgien, Dänemart, Eng. land, Esthland, Finnland, Frankreich, Holland. Lettland, Luxemburg, Defter reich, Schweden, Schweiz, TschechoGlowakei und Ungarn. Der Vorwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Zeit", der Unterhaltungsbeilage Seimwelt" und der Beilage Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonn tags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin" Abend- Ausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt Groß- Berlin 50 Pt. auswärts 60 Pfennig Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezetle toftet 12, M. Kleine Anzeigen" bas fettgedruckte Wort 3,- M.( zu. lässig zwet fettgedruckte Morte), jedes weitere Wort 2,- M. 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Die Situation ist fritisch! Die BeV. Sch., Genua, 18. April.( Eigener Drahtbericht.) sich in noch schwebendem Konflikt befindet und dessen Zusam kanntgabe des deutsch- russischen Vertrages hat eine starke Emmenschluß mit Deutschland die größte Sorge Frankreichs ist, pörung bei den Ententemächten hervorgerufen. Noch in den auf Einladung der italienschen Regierung einen Ausflug nach bei. Da die linksstehenden Franzosen von einer UngeschicklichAm Ostersonntag hatten die ausländischen Journaliſten trägt natürlich zu der Erregung der französischen Delegation gestrigen Abendstunden traten die einladenden Mächte zu- Rapallo unternommen. Friedlich saß die internationale Ge- teit sprechen, die sich noch bitter rächen werde, kann man sich fammen, um über die Situation zu beraten. Um 12,30 Uhr sellschaft auf der Veranda des Hotels Bristol und betrachtete ungefähr denten, wie sich die Poincaristischen Kreise äußern: verlautete als Ergebnis: Sämtliche Arbeiten der das in der Bucht von Santa Marguerita zum Schutz der Jlloyalität“ und„ Erpressung" sind noch die gelindesten Aus Konferenz werden ausgesetzt, bis der Sowjetdelegation vor Anker liegende italienische Linienschiff drücke, und es wird sogar hartnäckig das Gerücht verbreitet, 3 wischenfall geklärt ist." " Comte di Cavour". Niemand ahnte, was ganz in der Nähe daß hinter dem deutsch- russischen Friedensschluß auch eine Wir wolfen gegenwärtig nicht untersuchen, ob eine Ron- im Hotel Imperial zur gleichen Zeit sich abspielen sollte. Erst deutsch- russische Militär fonvention stede. Das ist natürferenz der Gleichberechtigten von einem Teil der Konferenz- im Laufe des Nachmittags plagte die Bombe. lich glatter Unsinn. teilnehmer ohne Auftrag gewissermaßen vertagt werden kann. Der Abschluß eines Vertrages, durch den der endliche Deutschland hat keinen Anlaß, unnötige Schärfen herbeizu- Friedenszustand zwischen dem Deutschen Reich und bei Barthou zurückkehrten, gaben sogar das Stichwort von Einzelne Berichterstatter, die vom Presse empfang führen, sondern wird im Gegenteil bemüht sein, zur Beilegung der russischen Sowjetrepublit wieder hergestellt einer Kriegserklärung Deutschlands an die gedes sogenannten Zwischenfalls sein möglichstes zu tun. Keine wird, hat plößlich eine Situation geschaffen, die man zum famte Entente" aus oder von einem neuen Brest- Litowst, durch Macht ist rechtlich in der Lage, die Reichsregierung an dem mindeſten als ernst bezeichnen fann und die sogar, wenn man das Deutschland versuchen wolle, den Alliierten ihr Verhalten Abschluß eines Wirtschaftsvertrages zu hindern. Deutschland zahlreichen Stimmen aus dem alliierten Lager Glauben schenhat in Genua nur von einem Recht Gebrauch gemacht, das fen darf, das nahe Auffliegen der gesamten Konferenz be- gegenüber Sowjetrußland zu diktieren. Sie stellten das Aufihm weder auf Grund des Versailler Vertrages noch sonst eines fürchten lassen müßte. Diese Wendung wirkt ebenso über- fliegen der Konferenz als totficher hin und gaben der Meinung Dokuments verwehrt werden kann. Der Inhalt fämtlicher raschend wie der Vertragsabschluß selbst. Das Gebot der des Obersten Rates in diesem Sinne beschließen würde. DemAusdruck, daß die für Dienstag vormittag einberufene Sigung Communiqués der Entente, die auf den deutsch- russischen Ber- Situation heißt: Kaltes Blut bewahren und die Dinge ohne gegenüber muß allerdings betont werden, daß das von der trag Bezug nehmen, erwedt übrigens auch den Eindruck, daß Schönfärberei, aber auch ohne übertriebenen Pessimismus zu franzöfifchen Delegation am späten Abend herausgegebene man Deutschland diese Rechte nicht streitig machen will. Der betrachten. Diesem Zweck soll der folgende Bericht dienen, der Communiqué bei aller Schärfe der darin enthaltenen Vorfogenannte 3wischenfall" wird aus angeblichen for die Entwicklung in den letzten Stunden schildert. malen Verfehlungen fonstruiert. Diese werden darin würfe gegen Deutschland in seinem Ton und in seinen SchlußDie deutsche Presse war auf heute mittag 12 Uhr in das folgerungen erheblich gemäßigter flingt. gesucht, daß unsere Delegation versäumte, die Entente in Quartier der deutschen Delegation, das Hotel Eden, zusammenGenua von ihrem Borhaben in Kenntnis zu sehen, und sich er- getrommelt worden und erhielt Kenntnis von dem, was sich Nun liegt es auf der Hand, daß die Franzosen, die seit laubte, einen Sondervertrag zu schließen, während das Pro- ereignet hatte. Der Text des Bertrages wurde ihr noch vor- Monaten alles getan haben, um die Konferenz zu fabotieren blem Rußland die Konferenz allgemein beschäftigen soll. enthalten, weil man irrtümlich glaubte, daß am Dienstag und mit diesen Bemühungen bisher wenig Glück hatten, nunSonderbarerweise erhebt dieselbe Entente diese Vorwürfe, die morgen nur wenige Blätter in Deutschland erscheinen würden. mehr den Zeitpunkt für gekommen halten, einen Borstoß zu eine ganze Woche mit den Russen verhandelte, ohne die Als aber drei Stunden später die ausländischen Berichterstatter unternehmen. Sie wollen offenbar die mehr oder minder deutschen Delegierten hinzuzuziehen oder zu im Theatro Carlo Felice versammelt waren, zirkulierte bereits scharfe Misstimmung der Engländer und Itaunterrichten. Auch von den Ententedelegierten sollte man an- der Inhalt des Vertrages von Mund zu Mund, bald fogar liener ausnutzen. In Wirklichkeit ist aber die Handlungs. nehmen, daß sie von dem Interesse Deutschlands an der ruffi fein Tert von Hand zu Hand. Die deutsche Delegation hatte weise der deutschen und der russischen Delegation völkerrechtlich fchen Frage unterrichtet wären. Was Deutschland zum Bor- ohne Einvernehmen mit dem russischen Pressebureau gehan- zweifellos ganz einwandfrei. Das gaben auch die Franzosen wurf gemacht wird, hat die Entente selbst seit Tagen getan, belt. Und während die deutsche Bresse erst am Abend das letzten' Endes zu, wie fich auch aus Inhalt und Ton ihres ohne daß sich Deutschland darüber aufgeregt hätte. Trotzdem Abkommen erhalten sollte, wurde es bereits mittags im Presse- Communiqués ohne weiteres schließen läßt. aber bleibt die Frage bestehen, ob die deutsche Delegation nicht bureau der Sowjetdelegation vervielfältigt und verbreitet. Es ist bezeich nend, daß ein Absatz des offizieöfen Communiqués, der diese dennoch mehr Rücksicht auf die außenpolitische Gefamtiage hätte nehmen tönnen, ohne deutsche Interessen Die Wirkung der Nachricht auf sämtliche Delegations- rechtliche Korrektheit in 3weifel zu ziehen versuchte, vor der Beantwortung erst möglich ist, wenn die Regierung diesen loſe Ueberraschung, in der nur die Franzosen die Gleichgülti- Berhaltens- aber wenn schon der Streit auf dieses Gebiet gezu schädigen. Natürlich ist das eine sehr heifle Frage, deren freise war ganz ungeheuer. Die anfängliche grenzen- Herausgabe noch schnell gestrichen wurde. Auch ist der Hauptvorwurf der Alliierten gegen die Deutschen der des illoyalen Schritt begründet hat. Wie dem aber auch sei, am wenigsten gen martierten, wich langsam einer sehr großen Erregung, ja lenkt werden soll, so fällt dieser Vorwurf in erster Linie auf hätten eigentlich die Ententestaaten ein Recht fich zu empören fogar Entrüstung. Zufriedenheit und Zustimmung ist bisher die Alliierten selbst zurück. Diese sind es gewesen, die über Dinge, an denen sie die Hauptschuld mit tragen. auf alliierter Seite, natürlich außer bei den internationalen Welche Lösung die Situation erfahren wird, ist unbe und bei der Richtung Nitti zu finden. Die italienischen Re- tung Deutschlands verhandelten, und zwar über Dinge, Kommunisten, eigentlich nur bei den italienischen Sozialisten seit Freitag mit den Russen allein und unter Ausschalftimmt. Eine allgemeine Auflösung der Konferenz erwartet man vorläufig feinesfalls. In Kreisen der deutschen Dele- gierungsfreise sind verstimmt, vielleicht nur, weil sie in dem die Deutschlands Interessen wesentlich berührten, namentlich gation vermag man faum zu glauben, daß die Ententestaaten Bertragsabschluß eine Gefährdung der Konferenz erblicken. die Anwendung des Artikels 116 des Versailler Vertradie Verantwortung für einen endgültigen Abbruch der Be- Doch auch bei den Engländern ist man wenig erbaut, zu- tionsleistungen gesichert werden sollte. Man mag diesen Arges, durch den Rußland ein Anteil an den deutschen Repararatungen übernehmen. Die allgemeinen Aeußerungen der mal ihre eigenen Verhandlungen mit den Russen nicht beson- titel als eine Fiftion betrachten. Tatsächlich enthält er aber maßgebenden französischen und englischen Delegationsmit. ders gut stehen. Der Gegensatz zwischen ihren Auseinanderglieder über den Vertrag rechtfertigen diese Auffassung. Sicher- sehungen mit Tschitscherin und der vollendeten Tatsache des doch die Möglichkeit, Deutschland zu zwingen, Naturalleistunlich wird der heutige Tag schon eine Entscheidung bringen. deutsch- russischen Lebereinkommens ist gewiß nicht geeignet, sie gen, wie z. B. Lokomotiven, landwirtschaftliche Maschinen Die deutsche Delegation wird noch heute neue Fühlung besonders freundlich zu stimmen. Es bleibt nur die Frage, usw. a Conto der Reparationen, d. h. ohne Bezahlung, an nehmen. Was uns not tut, ist weitgehende Zurückhaltung der ob sie nicht wenigstens unter der Hand von der Abficht Deutsch Rußland zu liefern. Die Alliierten sind es also, die Geist und Deffentlichkeit, insbesondere der Heimat. Der sogenannte lands und Rußlands, ein Separatabkommen zu schließen, vor- 3weck der Genua- Konferenz zum erstenmal durchbrochen 3wischenfall" fann nur in seinem Geburtsort beigelegt mer her unterrichtet waren. Deutscherseits wird mit haben, als sie zu der Methode des Obersten Rates zurückkehrden. Das sollte man in Deutschland trotz aller parteipolitischen aller Bestimmtheit erflärt, daß die mas Deutschlands, mit Rußland jene Verhandlungen zum Abschluß ten. Ihre Erregung ist begreiflich, aber das formelle Recht Gegensätze nicht vergessen. gebendsten englischen Stellen von der TatDer französische Justizminister Barthou äußerte sich fache des nahen Abschlusses unterrichtet wor- zu bringen, die schon seit längerer Zeit schweben, steht ebenso über den deutsch- russischen Vertrag u. a.: Auf jeden Fall schafft schluffes ihnen überraschend gekommen sein kann. Jedenfalls Deutschlands erblicken, so mögen sie nicht ganz im Unrecht sein. die des AbGegenzug das Aber sie haben diesen Gegenzug selbst provoziert, und sie gruppierung der Interessen. Durch die Art und wird heute überall behauptet, auch von einer neutralen BerVorbereitung des Vertrages ist auch ein neues Tei fönlichkeit, die Deutschland durchaus günstig gesinnt ist und sind, wie mir wiederholt versichert wird, vor den Folgen einer lungsprinzip geschaffen worden. Das Abkommen ist enge Beziehungen zu der englischen Delegation unterhält, daß Handlung gewarnt worden, die dem System des Obersten ein politisches Manöver mit dem 3wed, die allgemeine Unord- loyd George ganz besonders empört gewesen sei. Auch Rates glich. Im übrigen steht aber das moralische Recht benung(!) zu stärken. Die Völker Europas sehen wieder einmal hat sein Pressechef Sir George Creek bei dem Empfang der fonders vom Standpunkt der internationalen Arbeiterklasse bei dieser Gelegenheit, was von der Loyalität der Deutschen englischen Preffe außerordentlich scharfe Worte gebraucht, wie ebenso zweifelsfrei auf deutscher Seite. Es ist letzten Endes zu halten ist. Frankreich wird auf keinen Fall seine Kalt- fchlechten Glaubens"," Schlag gegen die Konferenz" usw. richtig, daß durch den Vertragsabschluß ein starker Druck auf blütigkeit verlieren und seine bisherige Haltung nicht ändern. Die englische Bresse wird jedenfalls in den nächsten Tagen Sowjetrußland ausgeübt wird. Das Beispiel Deutschlands die Ententemächte bei ihren eigenen Verhandlungen mit Es wird von den Russen die grundsätzliche Anerkennung zeigen, ob die Empörung echt ist und den Absichten der eng- zeigt der Welt, wie man mit einem ruinierten Staate, wie der Schulden und der Wiedergutmachung der be- lischen Regierung entspricht. Am aufgeregtesten sind naturgemäß die Franzosen. schlagnahmten Güter verlangen, ohne die es weder eine öffentman mit einem zusammengebrochenen Volke verkehrt, wenn liche noch eine private Moral gibt. Ohne diese Bedin. Und es ist Pflicht der Objektivität, zu verzeichnen, daß die man Frieden und Wiederaufbau wirklich will. gungen wird mit den Russen nicht verhandelt wer- links stehenden Franzosen, mit denen ich Gelegenheit hatte, den. Wenn schließlich die Konferenz von Genua dazu dienen die Situation zu besprechen, das Vorgehen Deutschlands auf Aus dem amtlichen Tert des zwischen der deutschen Regierung foll, daß die Nationen sich gegenseitig vor den Schäden der das schärfste tadeln. Man wirft der deutschen Delegation vor, und der Regierung der russischen sozialistischen Föderativen Sowjetanderen schützen müssen, dann fann man schon von vornherein die Gelegenheit dieser allgemeinen Konferenz, die dazu be- republik am 16. April 1922 zu Rapallo abgeschlossenen Vertrages versichern, daß eine solche Haltung ein ernstes Hindernis sein stimmt war, gemeinsame Vereinbarungen und Beschlüsse, geht hervor, daß Artikel 1 Absah 2 und Artikel 4( und nicht, wie wird für die Wiederherstellung der Aera der Eintracht und zustandezubringen, dazu benutzt zu haben, um ein Separat- es in der Morgenausgabe hieß, Artikel 1 bis 4) erst mit der Ratifides Friedens. abfommen mit einer anderen Macht zu schließen. Und daß tation in Wirksamkeit treten. Bemal " Eine englische sleußerung. Genua, VJ. April.(EP.) Wenn man die Erklärungen, die der englische Pressechef C r e e l k bei der heutigen Besprechung mit eng- tischen und ausländischen Journalisten zum deutsch-russischen Vertrage abgegeben hat, als Auffassung der offiziellen englischen Kreise an- nehmen kann, so ergibt sich daraus eine scharfe Verurteilung des Ab- kommen?. In schärfster Weise bezeichnet der englische Pressechef den Vertrag als illoyal und als eine Herausforderung Europas. Ob durch das Abkommen der Vertrag von Versailles- durchbrochen worden sei, erscheine noch nicht ganz klar. Diese Frage müßte erst juristisch geprüft werden. Einen Bruch der in Cannes eingegangenen Verpflichtungen stelle das Abkommen jedenfalls dar. Aber es sei ein Bruch aller Voraussetzungen, unter denen man nach Genua gekommen sei. Der englische Pressechef bestreitet kategorisch die Auffassung, als ob Lloyd George um das Zustandekommen des Abkommens gewußt habe. Was die Wirkungen des Abkommens für die Genuefer Konferenz anbelange, so erklärte der englische Presse» chef, daß man diese noch nicht voraussehen könne. Es sei nur dies zu erklären, daß sich die Deutschen über die Tragweite dieses Schrittes nicht klar geworden seien. Die allgemeine Lage werde durch das Abkommen mit den Russen nicht berührt werden. Aus diesen Erklärungen kann ohne weiteres herausgelesen werden, daß man englischerseits die Verantwortung auf die Schultern der Deutschen abwälzen will. Trotz dieser Erklärungen des englischen Pressechefs muß auf den Widerspruch hingewiesen werden, der zwischen ihnen und den Aeußerungen Lloyd Georges be- steht, der sagte, daß die Angelegenheit wohl zu Aerger Anlaß gebe, sonst aber kein Anlaß ist, eine Störung der Konferenz herbeizuführen. Es ist aber bei dieser Aeußerung Lloyd Georges darauf aufmerksam zu machen, daß diese vor dem Zusammentritt der Vertreter der ein- ladenden Mächte gefallen ist, und daß es wohl möglich ist, daß die Aeußerung des englischen Pressechefs ein Niederschlag der in der Sitzung der Alliierten vorherrschenden Stimmung bedeuten könnte. In der französischen Presse wird erzählt, daß die französischen Dele- gierten im Laufe der Nacht endgültige Instruktionen aus Paris er- warten. Jedenfalls verstärkt sich der Eindruck immer mehr, daß das Abkommen die stärkste B e l a st u n g s p r o b e für die Konferenz bedeutet. London, 18. April.(EP.)„Daily Telegraph" schreibt: Die Meldung vom Abschluß eines Vertrages zwischen Deutschland und Rußland ist der f r a p p a n t e st e Z w i s ch e nf a l l, der sich bis jetzt in Genua ereignet hat. Der Zweck, den die Bolschewisten verfolgen, ist natürlich der, die Mächte zu zwingen, sie ohne Vor- behalt anzuerkennen, wie es die Deutschen getan haben. Das Ab- kommen beweist, wie verschlagen die russischen Delegierten sind und wie sehr die Deutschen es an Vorsichtigkeit fehlen lassen. Das Verhalten dieser Mächte wird nur das Mißtrauen der anderen Möchte gegenüber Deutschland noch vermehren, das Mißtrauen, das immer die herrschende Note der französischen Politik gegenüber Deutschland war. Der„Daily C h r o n i c l e" sagt: Ob es sehr taktvoll war, den Vertrag jetzt abzuschließen, mag dahingestellt bleiben. Es wird viel Geschrei darüber erhoben werden. Aber vernünftiger- weise kann man keinen Anstoß nehmen. Es werden keine neuen Grundsätze aufgestellt, und diplomatische Beziehungen, wie sie der Vertrag anbahnt, bestehen bereits zwischen der Sowjet- regierung und vielen Regierungen, die in Genua vertreten sind. Die gegenseitige Streichung aller Forderungen zwischen Deutschland und Rußland erscheint als der einzige denkbare Weg, wo beide Länder insolvent sind. Ruhigere Strömungen. Genua, 18. April.(EP.) Die italienische Delegation widersetzt sich entschieden einer vorzeitigen Aufhebung der Konferenz infolge des deutsch-russischen Vertrages. Auch Lloyd George mahnt nach reiflicher Ueberlegung zur Vorsicht, da man wahrscheinlich vom rechtlichen Standpunkte aus den Deutsch?» nicht verbieten könne, sich mit Rußland direkt zu vereinigen. Es fragt sich nur, ob die Abmachungen den Wiedergutmachungen des Fruiedensvertrages nicht widersprechen oder die Interessen anderer Staaten berühren. Als der italienische Ministerpräsident de Facta von den überraschenden Vorgängen auf der Konferenz Kenntnis er- Was halten Sie von Japan!' Von Hans Bau er. Als es uns draußen manchmal dünkte,«s stehe nicht gut um uns, und als dies dunkle Gefühl durch nichts zu beschwichtigen war, hob unser Unteroffizier zuweilen den Zeigefinger, legte die Stirn in Fallen, blickte uns an, wie einer, der im Besitz eines Geheimnisses ist, und sagte dann magisch nur dieses«ine Wort: Japan! Wir wußten nie recht, was damit gemeint fein könnte, schöpften aus diesem Wort aber immer ein gewisses Vertrauen. Ja, freilich doch: Japan! Das war jenes Land, da» ein starkes Land war und ein gewitzigtes und fuchsteufslsschlaues Land. Japan: ja— ei Potz: da hotte man doch gelesen, daß Japan es auf Amerika absah«. Und wie nun, wenn morgen nachmittag so gegen halber drei ernstliche Verwicklungen eintreten! Unabsehbare Folgen hätte das gezeitigt. Amerika hätte sich sofort aus dem Krieg« zurückge- zogen. Frankreich wäre daraufhin..... Ja: Japan. Ja, fteilich: Japan. Japan hat während des Krieges seine Krallen kaum gezeigt. Aber was da noch alles bevorstehen mag! Ueber Amerika lesen wir täglich in den Aeiwngen. Amerika besteht aus Herrn Harding, dem Dollarkurs und den Wolkenkratzern. Rußland aus Lenin, einer Hungersnot und der Roten Armee. In- dien aus Tagore und der Weishell des Morgenlandes. Frankreich, England, Italien: das ist auch alles klar. Nur eben dieses Japan! Japan hat eine Armee von drei Millionen Mann, einen Schiffs- park von 57 Geschwadern, 74 technische Hochschulen, 504 Universitäten. Wissen Sie, was in Japan augenblicklich vorgeht? Wissen Sie das eigentlich? Sie werden kleinlaut! Ferner: Wissen Sie, auf wen Japan sich vor dem Ablauf von zweimal dreißig Tagen stürzen wird? Wissen Sie. mit dem es ein heimliches Bündnis hat? Ich weiß das alles auch nicht. Und übrigens: Jenes mit den Soldaten und Schiffen und Schulen: das ist mehr eine Mutmaßung von mir, oder gar nur eine mutmaßliche Möglichkeit. Aber: Sagen Sie selbst: Japan! Was wäre in Japan nicht möglich! Fragen Sie meine Mutmaßungen an Ihren Stammtisch und geben Sie sie als Gewißheiten aus. Man wird brummeln: Ja freilich— Teufel, Teufel!— Ei, ei: dies Japan! Mit den euro- päischen Ländern locken sie keine Katze aus dem Sack. Die Leute sind ja so gescheit, so politisiert. Aber fragen Sie sie oerhalten. lauernd, langsam, so von ungefähr, so mit der Hand am Kinn: Und was halten Sie von Japan? s hielt, ist er am Montag mit dem Schatzminister Peäno sofort nach Genua zurückgereist, um heute, Dienstag, den Borsitz der Konferenz wieder zu übernehmen und nach den verheißungsvollen Aussichten der ersten Woche eine Sprengung der Konferenz zu verhindern. Genua, 16. April.(EP.-Sonderbericht.) Die Absage der heutigen Kommissionssitzung durch den französischen Präsidenten Colrat darf noch nicht als Symptom für den bevorstehenden Abbruch der Kon- ferenz angesehen werden. Wenn nicht alle Anzeichen ttügen, so sieht es bereits heute morgen so aus, als ob die Katastrophe sich in eine E pi s o d e verwandelt habe: man sieht schon deutlich, daß von ver- schiedenen Seiten alle Anstrengungen gemacht werden, d i e1 Situation zu retten. Die Franzosen haben die gestern nacht erwarteten Instruktionen noch nicht erhalten. Bemerkenswert ist, daß gestern nacht noch einmal die Lage eine außerordentlich? Zu- spitzung erfahren hatte dadurch, daß die Franzosen die Mit- teilung verbreiten ließen, bereit zu sein, ihre Kofferzu packen. Aus dieser Mitteilung wurde in Presse.kreisen die Folgerung gezogen, daß heute mit dem Abbruch der Konferenz zu rechnen sei. Diese Anzeichen haben sich bis jetzt noch nicht verwirklicht. EnglanS unö Italien vorher unterrichtet. Paris, 18. April.(EE.) Der Berichterstatter der„Chicago Tribüne" in Genua erhielt von einem Mitglieds der beut- schen Abordnung folgende Erklärung: Der Vertrag mit Ruh- land wurde Sonntag unterzeichnet. Wir bestreiten, daß wir ver- schiedene Noten von Lloyd George ober von sonst jemand empfangen haben, worin erklärt worden sein soll, daß unsere Handlung als „Vertrauensbruch" angesehen werde. Die Verhandlungen mit den Russen begannen bereits in Berlin vor 14 Tagen. Wäh- rend Lloyd George und die anderen Nationen in seiner Villa ver- handelten und die deutschen Delegierten ausschlössen, kamen die Russen zu uns und boten uns die Wiederaufnahme der Der- Handlungen an. Mr stimmten zu und informierten die Engländer und Italiener. Als der Verkrag fertig war, wurde er den Engländern bekanntgegeben, heute unkerrichlelcn wir die Engländer und Ikalie- ner neuerdings, weshalb wir die lleberraschung Lloyd Georges nicht verstehen. Die Stimmung in Frankreich. Paris, 18. April.(WTB.) Die französische Presse ergeht sich zum Teil in heftigen Ausdrücken und vertritt im großen und ganzen aus Slnlaß des deutsch-russischen Vertrages den Standpunkt, daß der Vertrag den Grundsätzen, die in den Resolutionen von Cannes enthalten sind, wenigstens was die Anerkennung der Schulden und die Ausgleichung der Privatschäden anbetrifft, wider- spreche. Der„Petit Parisien" schreibt, es fei noch zu früh, die Folgen dieses unangenehmen Ereignisses vorauszusagen: zumindest scheine es nunmehr schwierig, Deutschland zu dem p o l i t i- schen Unterausschuß von elf Mitgliedern zuzulassen, der dazu berufen sei, die russische Frage zu regeln. Es fei aber nicht un- wahrscheinlich, daß das Ergebnis noch radikaler fei, und daß die Genuefer Konferenz gezwungen sei, sich aufzulösen. Lloyd George habe noch dieser Tage angesichts der Haltung der russischen Dele- gierten daran gedacht, daß es vielleicht nötig sein würde, es zu einem sensationellen Bruch kommen zu lassen. Bei der großen Gereiztheit, in der er sich gestern abend befunden habe, wäre es wenig überraschend, we in er der erste sei, der die Ereignisse in vollem Uebereinkommen mit den französischen Delegierten beschleunige. Wohin aber auch der Weg führen werde, die Tat Deutschlands werde, selbst wenn man ein Mittel finde, die Dinge zu regeln, auf die Kon- ferenz und auf die europäische Lage die Wirkung einer w e s e n t- lichen Umstellung haben. Das„Echo d e P a r i s" vertritt den Standpunkt, daß nunmehr Deutschland in Europa nicht mehr allein stehe, um dem Verlangen Frankreichs Widerstand zu leisten. Ruhland aber könne, um die Tür zur europäischen Gemeinschaft zu erzwingen und das während seiner langen Isolierung verlorene Gebiet wiederzugewinnen, nun- mehr auf einen Beistand zählen, von dem es hoffe, daß er immer mächtiger werde. Die russisch-deutsche Gruppierung, die seit Ende des vorigen Jahrhunderts bis etwa zum Jahre 1890 auf Westeuropa gelastet habe, bilde sich wieder. Wie damals be- drohe sie zunächst Polen: sie bedrohe aber auch die kleinen Staaten, die aus Rußland und Oesterreich hervorgegangen seien. Das Blatt hofft, daß es Barthou mit Hilfe der Weisungen Poincares Sie werden die Ohren aller auf Ihrer Seite haben. Man wird die Problematik Ihrer Frage anerkennen. Man wird bekennen, hier durchaus im Düftern zu tappen. Flüstern Sie dann düster und schwer: Wissen Sie, was vorgestern im Jen-Tsin-Fun beschlossen worden ist? Keiner wird das Illusionäre dieses Wortes durchschauen. Alle werden Ihren Weitblick bewundern, Ihre Einstellung auf wahrhafte Weltpolitik, Ihr Denken in Kontinenten. Ziehen Sie bei Ihrem Stammtischgespräch Japan in die Debatte! Tain fing tsad sema japaia! Spekulieren Sie in Japanern. Zum finüenken an petermann. Hundert Jahre sind verflossen, seit denen der Bahnbrecher der Georgraphischen Wissenschaft, Augustus Petermann, das Licht der Welt erblickt hat Geboren' am 18. April 1822 in Bleicherode bei Nordhausen, besuchte er die Geographische Kunstschule in Potsdam und tat sich hier durch seine Leistungen auf dem Gebiete der Karto- graphie so hervor, daß er schon mit dreiundzwanzig Jahren nach Cdinburg berufen wurde, um an der englischen Bearbeitung von Berghaus' Physikalischem Atlas mitzuwirken. In London, wohin er bald übersiedelte, entfaltete er eine großartige Tätigkeit, nament- lich durch Verwertung der zeitgenössischen Forschungsreisen, beson- der» in Afrika, ließ im Athenäum zahlreiche Artikel erscheinen und verfaßte Landkarten, die ihm großen Ruhm eintrugen. Nach Deutsch- land zurückgekehrt, trat er in das Geographische Institut von Justus Perthes in Gotha ein, wurde 1854 dessen Vorsitzender und redigierte die von ihm herausgegebenen„Mitteilungen". Seine Leistungen auf dem Gebiete der Erdkunde, welche ja gerade in Deutschland lange Zeit allzu sehr vernachlässigt worden war. weckte förmlich epochemachend. Seine Schriften und gar erst seine Karten brachten völlig neue Gesichtspunkte. Die Forschungsreisenden, namentlich die, welche Afrika und die Arktischen Gegenden zum Ziel erkoren hatten, stützten sich in erster Linie auf seine Berechnungen und holten sich oft von ihm Rat und Hilfe. Weit über Deutschland hinaus fanden seine Werke Ehrung, und sein Buch der Vereinigten Staaten wurde 1875 von den Behörden der Union als das beste anerkannt. Leider war sein Lebensabend kein glücklicher. Körperliches-Leiden und trübe Erfahrungen in der Häuslichkeit trieben ihn am 25. September 1878 zum Selbstmord._ Eine merkwürdige Speisekammer. Die Klasse der Würger unter den Vögeln ist durch den seltsamen Trieb ausgezeichnet, ihre Beute aufzuspießen. Doch wußte man bisher nur von den Raubwürgern, das sie warmblütige Tiere erlegen; von dem viel schwächeren rot- rückigen Würger war das bisher wenig bekannt. Von der seltsamen Speisekammer, die sich nun solch ein rotrllckiger Würger angelegt hat. erzählt Walter Banzhaf im neuesten Bericht der Frankfurter Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft. Er beobachtete in seinem Garten das Nest eines Würgerpärchens auf einem Mira- bellenbawn und stellt« fest, daß diese Vögel eine große Menge heute gelingen möge, die französische Sache zum Triumph zu führen. Das„Journal" schreibt. Wie oft seit der Vergewaltigung Belgiens sind wir nicht durch die Fehler unserer Gegner gerettet worden! Soll uns auch diesmal ein plumper Irrtum der deutschen Psychologie aus dem Wespennest von Genua heraus- ziehen? Als Lloyd Georgs vorschlug, die Männer von Berlin und Moskau auf dem Fuße völliger Gleichberechtigung in Genua zuzu- lassen, fei ihm sicherlich nicht der Gedanke gekommen, daß diese neuen Elemente die Freiheit der Verhandlungen beeinträchtigen könnten. Kapp in Saßnitz verhaftet. Stekk in. IS. April.(MTB.) Gestern nachmittag Z Ahr ist Dr. kapp, von Schweden kommend, in Saßnitz eingetroffen und beim Verlassen des Fährschiffes auf Grund des seinerzeit erlassenen Steckbriefes verhaftet worden. Er ist sodann mit dem Zug über Stralsund— Verlin nach Leipzig gebracht worden, wo er in das Untersuchungsgefängnis des Reichsgerichts eingeliefert wurde. fibbau üer Kontrollkommißionen. Am zweiten Ofterfeiertag wurde dem Auswärtigen Amt eine> Note über die künftige Durchführung der militärischen Versailler Bestimmungen überreicht. Danach st eilt die Luftfahrkon- trollkom Mission am 5. Mai ihre Tätigkeit ein. Die Bestimmungen zur Unterscheidung der zivilen und der verbotenen militärischen Luftschiffahrt sind festgesetzt und werden in der Ncte mitgeteilt. Die Ucberwachung der Einhaltung dieser Begriffsbestim- münzen soll durch ein alliiertes Earantiekomitee erfolgen, das g> ringcrcn Umfang als die Luftfahrkommission haben wird und dessen Kosten die alliierten Mächte ttagen. Dieses Garantiekomitee soll. wie in Aussicht genommen wird, bis 1925 in Tätigkeit bleiben. Ferner teilt die Note mit, haß ein entsprechendes Garantie- komitee nach Erledigung der dringendsten Forderungen in bezug auf das Landheer eingesetzt werden soll und ein gleiches für die Mo- rine. Die interalliierte Marinekontrollkommis- sion werde in nicht zu ferner Zeit ihre Tätigkeit ab- schließen. Kongreß öer Unabhängigen Arbeiterpartei. London, 18. April.(EP.) Gestern wurde in Nottingham der Kongreß der Unabhängigen Arbeiterpartei eröff- net. In der Eröffnungsrede griff der Delegierte W a l l h e a d die Politik Lloyd Georges an, dessen Mangel an Großmut es zuzu- schreiben sei, wenn Europa in einem Chaos sich befindet. Er kriti- fierte dann die unersättliche Geldgier der englischen Kapitalisten, die den englischen Arbeitern seit einem Jahre für 400 Millionen Pfund Sterling Gehaltsverkürzung auferlegt hätten. ?nöuftriel!e Mobilisierung in Zrankreich! Paris. 18. April.(Intel.)„Humanite" will aus zuver- lässigster Quelle erfahren haben, daß General Payeur, der Vorstand der Kriegsmaterialfabriken, an alle in Frage kommenden Bettiebe ein vertrauliches Schreiben gerichtet habe, aus dem unzweideutig die Tatsache einer„industriellen Mobilisierung" Frankreichs als Vorbereitung für einen nahen Krieg hervorgehe. Die Menge der von den Betrieben herzustellenden Munition ist der„Humanite" zufolge recht beträchtlich und übersteigt bei einigen Betrieben die von ihnen im Jahre 1918 geliefetten Mengen. Die„Humanite" weist im voraus jedes Dementi zurück und richtet an die Regierung Poincare die offene Frage, ob sie entschlossen sei, ihre Armeen auf Deutschland zu werfen, falls dieses nicht die von der Reparationskommission gestellten Bedingungen in der vor- geschriebenen Frist erfülle. Aus der„Freiheit"-Redaktion. Felix Stöfsinger erklärt in der „Leipziger Volkszeitung", daß er nicht in der Redaktion der„Frei- heit" oerblieben ist. Er hat sich aus politischen Gründen mit der gesamten Redaktion solidarisch erklärt und ist ebenfalls zurückgetreten. Dollar etwa 285. Mäuse erlegen und sie in merkwürdiger Weise aufspeichern. Das Männchen benutzte nämlich als Speisekammer einen modernen Drahtzaun, der etwa 100 Meter vom Nest entfernt war. Dort waren eines Tages auf einer Strecke von rund 20 Metern 9 junge Feld- mäuse aufgespießt, und zwar meist durch den Kops. Fast allen Tieren war der Schädel zertrümmert. Es zeigte sich, daß der Würger die Mäuse fast nur nachmittags fing: ausnahmsweise brachte er auch größere Exemplare von Feldmäusen. Die aufgespeicherte Beute wurde nur selten ganz verzehrt: vielmehr schrumpfen die Mumien allmählich zusammen. Seine Mahlzeit begann der Würger am Kopf und verspeiste zunächst das Gehirn, augenscheinlich sein Lieb- lingsessen, manchmal nur dieses. Der Zaun war die eigentliche Speisekammer des Würgers: an anderen Stellen der Umgegend fand man nur ganz selten einmal 1— 2 Mäuse an einem dürren Aestchen aufgespießt. Niemals wurden aufgespießte Käfer festgestellt, obwohl der Vogel diesen eifrig nachstellte; teils trug er sie ins Nest. teils verzehrte er sie gleich selbst. Diese Mäuse-Speis«kammer hielt der Würger nur so lange, als Junge im Nest waren. Ein Museum für Sinderspielsachen. Seit kurzem besitzt Mos- tau unter den Errungenschaften der in einer Sowjetkommission zentralisierten Kunstverwaltung, die mit besonderem Erfolge sich der Museumspflege widmet, auch ein Museum für Kinderspielsachen. Das Kinderspielzeug ist dort, wie Dr. Philipp Schweinsurlh im .Kunstwanderer" schreibt, in historischer Entwicklung ebenso wie nach der Technek dargestellt nach seinen Beziehungen zu Erscheinun» gen des öffentlichen Lebens ebenso, wie nach dem Gesichtspunkt, ob sie von Erwachsenen für Kinder oder von Kindern selbst zum eigenen Ergötzen angefertigt sind. Exotische Puppen und alte Puppen stehen mit nationalrussisclven Volkspuppcn zusammen, von denen man gern glauben will, daß sie außerordentlich sind. Die primitive Phantasie- kraft, das künstlerische Geschick des russischen Volkes hat man ja von jeher inmitten von Schmutz, Tiefstand und der Verelendung bewun- dern können. New Jorks Völkergemisch. Nach dem soeben veröffentlichten Ergebnis der Volkszählung im Jahre 1920 beträgt die Zahl der ir? New Port lebenden Ausländer 4 294 629. während die der einge- borenen New Porker nur 1 164 834 ausmacht. Es gibt in New Jork mehr Russen als beispielsweise in Warschau, da ihre Zahl mit 994 556 angegeben wird. Die italienische Bevölkerung der Stadt besteht aus 802 893 Personen und übertrifft damit die Bevölkerung Neapels um mehr als 100 000 Köpfe. Den nächsten Platz unter den Europäern behaupten die Jrländer mit einer Gesamtzahl von 637 744. Außerdem bewohnen New Park eine halbe Million Oester- reicher, Ungarn und Deutsche. Bis dahin stand Rußland hinter Deutschland zurück, heute aber ist die Zahl der in New Park lebenden Russen nur um 170 000 Köpfe kleiner als die der eingeborenen amerikanischen Bevölkerung._ Eine Vorlesung auS Dantes Tivina CTommedia, in der Ilm« dichtung von Siegsried v. der Trenck. findet am 27., abends 6 Uhr, in der Neuen Kirche(Deutscher Dom, Gendarmenmarlt) Natt. Karlen zu 5 Mark beim Küster der Neuen Kirche, Kronenstratze 70, und im Eicheu- dorjjhauS, Charlottenstrahe 52. Ein Türken- Doppelmord in der Uhlandstraße. Anscheinend wieder politische Motive. • Die Täter geflüchtet. Bluftaten französischer Soldaten. Am ersten Osterfeiertag wurde der Schlosser Browiek in Gleiwig von einem französischen Soldaten ohne Grundbeschossen. Drei Kugeln verwundeten ihn derart schwer, daß er in hoffnungslosem Zustande ins städtische Krankenhaus eingeliefert werden mußte. Im Hüttengasthaus Friedrichshütte wurde der Arbeiter Wollnick von einem Berlin ist wieder der Schauplah eines schweren politischen Ver- einer Absuchung des Tatortes wurde eine Mordwaffe gefunden. franzöfifchen Soldaten erschossen. Nach der Tat entfloh der Solbrechens geworden. In der Nacht zum heutigen Dienstag, gegen Unmittelbar an der Türschwelle des Hauses Uhlandstraße 48 fag eine dat auf einem Rad in der Richtung Morgenrot. 12½ Uhr, wurden der am 3. August 1878 geborene frühere General- amerikanische Mehrlade pistole, 9 Millimeter, mit dem Aufgouverneur von Trapezunt, Djemal Azmy Bey, der in der druck S. Savage Arms Corps Utiela N. Y. U.S.A., Kal. 380 auf der Ueberfall auf einen Geldtransport. Mehrere Banditen überUhlandstraße 47 wohnte, und der am 17. April 1875 geborene Pro- einen und dem Ausdruck Patent 1905, November 21, 9 Millimeter fielen in einer abgelegenen Straße in Ruda den Post: feffor Baha Eddin Chakir, der in der Grolmannsfr. 22 wohnte, auf der anderen Seite der Laufschiene. Außerdem wurden noch ein wagen, hielten den Beamten den Revolver vor die Brust und von zwei Landsleuten vor dem Hause Uhlandstr. 47/48 durch Nacken- weiteren Ermittelungen führten auch zur Festnahme zweier brecher in einem Grundstück und entflohen dann. Bei einer fofort Magazin mit Projektilen und eine Zigarettenspitze gefunden. Die raubten 450000 Mart. Ihre Beute versteckten die Ver schüsse auf der Stelle getötet. Den Mördern gelang es Personen, die sich während der Tat in der Nähe aufgehalten vorgenommenen Haussuchung wurde von der Gemeindewache der infolge einer sich dem Attentat anschließenden Schießerei durch haben, eines Russen, der nur wenig Deutsch spricht, und eines verborgene Geld wieder aufgefunden. die hierdurch entstandene große Aufregung zu entkommen. Auf Deutschen. Sie wurden zur Feststellung ihrer Persönlichkeit zunächst ihre Ergreifung wurde eine Belohnung von 50 000 mart in Gewahrsam genommen, um durch Nachforschungen zu ermitteln, ausgefeht. ob sie mit dem Berbrechen irgend etwas zu tun gehabt haben. Die Feststellungen der Kriminalpolizei. Ueber diese neue politische Bluttat, die sich wie die Ermordung Talaat Paschas auf offener Straße vor vielen Augen abspielte, erfahren wir folgende Einzelheiten: Djemal Azmy Bey wohnte seit drei Jahren mit seiner Familie, seiner Frau und drei Söhnen von 18, 20 und 22 Jahren, in dem Hause Uhlandstr. 47, Professor Baha Eddin Chatir mit seiner Frau und zwei Kindern in der Grolmannstr. 22. Beide Familien sowie die Witwe des ermordeten Talaat Pascha nahmen gestern abend an einer Familienfeier teil, die der frühere General gouvernur von Beiruth A z my Bey in seiner Wohnung Uhland straße 80 veranstaltete. Die Feier hatte um 12 Uhr ihr Ende erreicht und die Teilnehmer brachen gemeinsam auf, um ihre Wohnungen aufzusuchen. Auf der Straße gingen fie in fleinen Gruppen. Boran die beiden Frauen mit ihren Kindern. Dann folgten Djemal Azmy Ben und Professor Baha Eddin Chakir, die die Witwe des ermordeten Lala at Pascha in ihre Mitte genommen hatten. Aus einer Türnische des Hauses Uhlandstr. 47 waren plötzlich zwei Männer herausgetreten. Von hinten wurde dann zunächst die in der Mitte gehende Witwe Talaat Bascha gefaßt und zurückgerissen. Fast im gleichen Augenblick ertönten zwei Schüsse. Djemal Azmy Bey brach auf der Stelle lautlos zusammen, Professor Baha Eddin Chatir taumelte noch einige Schritte vorwärts, um dann auch zu fammenzubrechen und in einer großen Blutlache bewußtlos liege. zu bleiben. Die Frauen und Kinder der Ermordeten verfielen in Schreiträmpfe. Da außerdem noch von der anderen Straßenfeite mehrere Schüsse abgegeben wurden, so entstand eine so gewaltige Aufregung, daß es den beiden Mördern und ihrem Helfershelfer gelang, davonzulaufen und zu entkommen. Wäh rend zwei in der Richtung nach der Ludwigkirchstraße bzw. dem Ludwigkirchplatz zu entfame 1, floh der dritte in der Richtung der Schaperstraße. In der Ludwigkirchstraße versuchte der Schantwirt Kugel, der gerade sein Lokal geschlossen und die Schüsse gehört hatte, einen der davonlaufenden Männer zu verfolgen. Er mußte davon aber Abstand nehmen, da dieser, als er sich verfolgt fah, zwei Schüsse auf ihn abgab. Ergebnislofe Verfolgung der Täter. Die schwere Bluttat versetzte die sonst um diese Zeit fo ruhige Uhlandstraße in große Aufregung. Aus den benachbarten Häusern stürzten die Bewohner aus dem Schlafe an die Fenster und auf die Straße, und eine benachrichtigte Streife der Schuhpolizei nahm zuerst die Verfolgung der Mörder auf, die aber bereits fpurlos verschwunden waren. Der Schaurias des Verbrechens wurde abgesperrt und die Leichen der Erschossenen, nachdem ein inzwischen erschienener Arzt bei beiden den Tod festgestellt hatte, am Tatort belassen. Beide hatten, wie die Beficytigung ergab, aus allernächster Nähe Nadenschüsse erhalten, durch die die Wirbelfäule zerschossen und der fofortige Tod herbeigeführt worden war. Während Kriminalbeamte des Reviers mit den Beamten der Schuhpolizei für Absperrung des Tatortes Sorge trugen, war unterdessen die Abteilung la des Berliner Polizeipräsidiums von dem Verbrechen unterrichtet worden. Nach Aufnahme des Tatbestandes wurde die Ueberführung der Leichen nach dem Schauhause angeordnet und fogleich die Ermittelungen nach den Tätern in die Wege geleitet. Die Feststellungen ergaben, daß bereits beim Dunkelwerden von der Bförinersfrau des Hauses Uhlandstraße 47 zwei Männer beobachtet worden waren, die sich in der Nähe des Hauses aufhielten. Bei Der Schulstreik in Neukölln. Wild gewordene Schulreaffionäre. 11. Abt. Groß- Berliner Parteinachrichten. Mittwoch, 19. April, 7%, Uhr, Lofal Berger, Levezowstraße: Wichtige Konferen, der Funktionäre einschl. der Elternbeiräte. Sport. Die Resultate der Sonntagsrennen zu Mariendorf find infolge ständig wiedergegeben. Bom dritten Rennen ab tragen wir sie hiermit nach. ( 3. Mins), 2. Agi( Hm. Schleusener), 3. Heideroje B. Toto: 17:10. B. 11, 4. Rennen.( Preis von Höflein). 1. Gest. Lindenhofs Jola River 13, 16. Ferner: Erzellenz( 4.), Tello, Clärchen M., Heidemann, M. P. Ueberlegen 15-10 29. 5. Rennen.( Hengste Prüfungspreis). 1. C. Brandts U. 9( J. Mills), ong Carl, 3. Grbgraf. Toto: 46:10. PL. 17, 14, 25. Ferner: Long Onward, Mac Gregor, Fung Bergfried, Durchbruch, Barde, Mackensen, Gilzug. Leicht 2-3 Lg. Nach ben bisherigen polizeilichen Nachforschungen handelt es sich führung einer armenischen Blutra che. Die Täter gehören, zweifellos um ein politisches Verbrechen, um die Durchwie man annimmt, einer armenischen Geheimorganisation an, die in Amerika ihren Sitz hat und deren Ziel es ist, die eines technischen Versehens in der heutigen Morgenausgabe nicht vollfrüheren führenden Personen der türkischen Kriegspartei zu ermorden. Vor ungefähr acht Wochen waren die Ermordeten bereits mit der Abteilung la des Berliner Polizeipräsidiums in Verbindung getreten und hatten darauf aufmerksam gemacht, daß diese armenische Geheimorganisation in Amerika fich zum Ziel gesetzt habe, die in Deutschland lebenden früheren führenden Persönlichkeiten der türfischen Kriegspartei zu ermorden. Ihr erstes Opfer fei Talaat Bascha geworden, doch sollten nach ihm auch andere Führer ums Bedrohten wurde von der Abteilung Ia beschlossen, besondere BorLeben gebracht werden. Bei einer gemeinsamen Beratung mit den fichtsmaßregeln zu treffen, um derartigen politischen Verbrechen hier vorzubeugen. Eine ganze Reihe sich hier aufhaltender türkischer Staatsangehörigen wurde auf ihre Stammesabkunft geprüft und auch ein besonderer Ueberwachungsdienst verschiedener verdächtiger Personen eingerichtet. Die Ermittelungen erstrecken sich in erster Linie jetzt darauf, festzustellen, wo die Mörder gewohnt haben. Sicher haben sie nach der Ausführung des Mordplanes ihre hiesigen Wohnungen nicht wieder aufgesucht. Wer diesbezügliche Wahrnehmungen gemacht hat, wird ersucht, sich unverzüglich bei der Abteilung Ia des Berliner Polizeipräsidiums zu melden. Die weiteren Ermittelungen am Tatort haben, wie uns mitgeteilt wird, zu wichtigen Feststellungen geführt. Außer der Batronen und Munitionsschlitten, fowie, wie mitgeteilt, auch eine amerikanischen Mehrladepistole wurden noch verstreut umherliegende Bigarettenspike gefunden. Diese hat zweifellos einem der Täter gehört. Es ist eine zerbrochene, wahrscheinlich zertretene Spiße aus weißem Horn, mit einem schwachen Knochenmundstüd. Zwischen beiden Teilen ist als Berzierung ein roter Streifen einge seßt. An der Spize ist fie angebrannt, ein Zeichen, daß sie benutzt worden ist. Die Gerüchte, daß die Ermordeten Berwandte des früher bereits erschossenen Talaat Pascha sind, der eine fogar ein Bruber, bestätigen fich nicht. Djemal Azmy Ben war 25 Jahre lang Generalgouverneur von Trapezunt, Baha Eddin Chakir Ben Profeffor der Medizin. Er war mit Talaat Pascha zusammen leitendes Mitglied der Union et Progres", des deutschfreundlichen türkischen Komitees. Während des Krieges war er Offizier und nach dessen Beendigung mit Djemal Azmy Ben zusammen nach Deutschland gefommen. Noch im Laufe des Vormittags erließ der Chef der Abteilung Ia Oberregierungsrat Weiß im Auftrage des Polizeipräsidenten eine amtliche Betanntmachung, in der auf die Ergreifung der Täter eine Belohnung von 50 000 mart ausgeschrieben wird. Diese werden hiernach wie folgt beschrieben: schlanke, schwarzblonde, mittelgroße Leute im Alter von etwa 25 bis 30 Jahren. Der eine trug einen dunklen Anzug mit ebenjolcher Sportmüße ( Marinemüße), der zweite einen grauen Anzug ohne Mantel, der dritte einen grauen Mantel und rotbraune Schuhe. Mitteilungen, die auf Wunsch vertraulich behandelt werden, nimmt Kriminalkomissar Weigel im Zimmer 264 des Berliner Bolizeipräsidiums entgegen. 6. Rennen.( Diterpreis). 1. 5. Hensels Josef( A. Freundt), 2. Pracht2-12g. Leicht mädel, 3. Manfred. Toto: 46:10. Bl. 21, 28, 16. Ferner: Monarchiſt( 4.), Manteufel, Libanon, Belt, Fafner Woodline, Kufertrud, Crocus. fträters Amorette( F. Schmidt), 2. Kusa Dillon, 3. Gudrun II. 7. Rennen.( Stuten- Prüfungspreis). 1. Geft. Briefen u. H. Breiten. Toto: 16: 10. 1. 14, 17. Ferner: Feuerwehr, Ehrengabe, Dünaburg. Leicht 1 Lg. müller), 2. Dolomit, 3. Gibtochter. Toto: 71:10. 1. 27, 28, 50. Ferner: 8. Rennen.( Ehrengabe- Rennen). 1. Stall Marhofs Lorbeero( WeidTrautenschön, Friedensfürst, Matador I, Erdmann, Aktionär, Künstler, Nil, Cladium. Kampf Kopf 3 Lg. 9. Rennen.( Bergfried- Nennen). 1. Geft. Lindenhofs Sphinglandtochter( Raupper jr.), 2. Doppelfänger, 3. Normanne. Toto: 57:10. 1. 16, 24, 22. Ferner: Hindenburg II, Young Condilet, Dehmann, Walfisch, Handstreich, Faltenbahn, Mars III( als 2. disqu., 80 Proz. der Plazwetten zurüd). Berhalten 6-4 2g. Gewerkschaftsbewegung 25. Verbandstag der deutschen Werkmeister. Abänderungsvorschlag des sozialen Brogramms hat der Berbandstag Dem vom sozialpolitischen Ausschuß des Verbandes gemachten zugestimmt. Grund der Beschlüsse zu den vorliegenden Anträgen unterzogen Die Verbandssatzungen sollen einer Neuregelung auf werden. Der bisherige Verbandsvorsitzende Leonhardt wurde wiedergewählt und Buschmann zum zweiten gleichberechtigten Vorsitzenden gewählt. Berlin verlegt werden. Eine sozialpolitische Abteilung soll nach mehr als verdoppelt, der Verbandsbeitrag auf 30 Mart Die bisherigen Unterstützungssäge werden monatlich festgefeßt. Die Debatten ließen den Willen erkennen, weiter die gewerkschaftlichen Ziele des Verbandes zu verfolgen. Als Tagungsort des nächsten Abgeordnetentages wurde Rothenburg o. b. 2. bestimmt. Der Verbandstag wurde Ostermontag mit einem Aufruf zu neuer tatkräftiger Arbeit für den Werkmeisterverband geschlossen Arbeiter! Angestellte! Betriebsräte! Betriebsräte und Funktionäre! Eure Aufgabe ist es vor allem, die Meist eure Kollegen auf die Kurse der Betriebsräteschule hin! Kollegenschaft aufzuklären über den Wert wirtschaftlicher und arbeitsrechtlicher Kenntnisse. Werbt in den Betrieben für den Besuch der Betriebsräteschule! Berschafft euch so die notwendigen Fähigkeiten, um in den bevorstehenden Kämpfen eure Interessen wahrnehmen zu fönnen. Der Lehrplan des in der zweiten Maiwoche beginnenden Zwischenlehrganges der Betriebsräteschule ist ausgestaltet worden. mischung sich noch andauernd zu überlegen schienen, was eigentlich Durch Burze, drei bis fünf Doppelstunden umfassende volkswirtaus ihnen werden sollte, sah man viele hervorragend gezogene Raffe- chaftliche und arbeitsrechtliche Kurse ist allen freihunde. Die einzelnen Rennen nahmen einen sehr inter- den Betriebsräten) die Möglichkeit gegeben, sich Kenntnisse und Vergewertschaftlich organisierten Arbeitern und Angestellten( nicht nur Der aus Neukölln in der vorigen Woche bekanntgewordene Beressanten Verlauf. Etliche waren so start besetzt, daß sie in ständnis dieser Gebiete zu erwerben. Unterrichtsverzeich fuch eines Schulstreits erstreckt sich nur auf die 37. Gemeindeschule, zwei Läufen zum Austrag tamen. Einige Hunde waren renn- unt die bisher in dem Doppelschulhaus am Mariendorfer Weg untergefieggewohnt, das äußerte sich zuweilen in einem Wegbeißen der Schulverwaltung bildet die lediglich aus schultechnischen Gründen ge- Ronkurrenten und dem bewußten Vorlaufen in Zielnähe. Mit troffene Maßregel, die tonfeffionelle 37. Schulte nach dem größter Aufmerksamkeit folgte die Zuschauerschaft dem HürdenDoppelschulhaus in der Knesebeckstraße zu verlegen und die rennen, das wirklich reiche Abwechselungen bot. Schon beim Hinbisher dort untergebrachte weltliche 5. Schule für Knaben in führen zum Start mußten einige Drückeberger vom Führer die frei werdenden Räume am Mariendorfer Weg übersiedel einfach über die Hürde geworfen werden und nachher verstanden sie au laffen. In dem Gebäude anden 6. ochule für Mädchen, die in weltliche 5. Schule zu ihm schon Räume hat. Das Gebäude in der Knesebeckstraße beherbergt noch eine katholische Schule, so daß die dorthin verlegte fonfessionelle 37. Schule vor den„ Gefahren" der Weltlichkeit sicher ist. Um so mehr muß man sich wundern, daß für den Schul streif, wie die Vereinigten Elternbeiräte der weltlichen Schulen Neuköllns uns melden, die christlich- unpolitischen", d. b. bracht war. Den Anlaß zu diesem Widerstand der Eltern gegen die reaftionären Elternbeiräte werben. es dennoch meiſterhaft, fich in die Büsche zu ſchlagen und. Line durch den Zuschauerraum den Weg zum Besitzer zu nehmen. An dere wieder flikten wie Gummibälle über die Hürden und zeigten Springleistungen, die beachtenswert waren. Eine Mufit fapelle füllte die Bausen aus und dem siegenden Hund wurde ein Tufch dargebracht, den der Vierfüßler auf seine Weise auch verdient hatte. Die Elternbeiräte der weltlichen Schulen richten Glück im Unglüd. Gestern nachmittag tenterte auf der an alle aufgeflärten Eltern die dringende Mahnung, fich nicht irreführen zu lassen und sich nicht zu helfern der Oberspree bei Treptom das Segelboot des 20 Jahre alten TechSchulreaktion herzugeben. Den schultechnischen Gründen der Um- niters auß, wobei die drei Insassen ins Wasser fielen. schulung hat weder die Bezirksschuldeputation( einschließlich Bürger- Bwei Beamte der Schugpolizei Treptow ruderten in einem Boote liche) noch die Regierung sich verschließen können. Alle gegenteiligen zur Urfallstelle, und es gelang ihnen, im Verein mit dem Führer Behauptungen in der Presse und en Anschlagfäulen sind demagogische eines anderen Ruderbootes die drei mit den Wellen ringenden PerBahlpropaganda für die kommenden Elternbeiratswahlen. Die fonen zu retten. Elternbeiräte der weltlichen Schulen berichten uns auch von einem am Vorkommnis, das so recht zeigt, welches Geistes Kinder bei ihren malto wiat an der Ede der Friedrich- und KochIn einen Untergrundbahnschacht stürzte der vier Jahre alte Hans Geanern zu finden sind. Als die weltliche 5. Schule die ihr zuge straße beim Umherflettern an dem Gelände der Baustelle der wiesenen Räume am Mariendorfer Weg übernehmen zog sich Verlegungen wollte, waren diese in einem Zustand, als ob Vandalen darin Untergrundbahn hinein und gehaust hätten. Bänke, Katheder, Schränke waren zerbrochen, die opfe zu. Ein Wachtmeister der Schußpolizei schaffte den Knaben Tintenfäffer fast alle zerschlagen oder an die Wände geschleudert wor- nach der Rettungswache am Tempelhofer Ufer, von wo ihn dann die Das sind Früchte christlicher Erziehung". Bei benachrichtigten Eltern abholten. den bevorstehenden Elternbeiratswahlen müssen alle frei- Brandstiftungen. Zwei Jungen, der 8 Jahre alte Bernhard M. benkenden Eltern die Schule von der Herrschaft der Reaktionäre be- aus der Garde- du- Corps- Straße und der 11jährige Eduard M. aus freien, indem sie an allen Schulen für die gemeinsamen Listen der SPD., der USPD. und der KPD. stimmen. Ein Tag der Hunde. ben. Charlottenburg, steckten gestern einen an der Ecke der Königin- Elisabeth- Straße und dem Spandauer Berg stehenden mit eu bela denen Wagen mutwillig mit Streichhölzern in Brand. Obgleich die Feuerwehr sofort herbeigerufen wurde, brannte der Zum Tag der Hunde gestaltete sich der Ostersonntag im Sta. Bagen mit seiner Ladung vollkommen aus. Der Schaden beträgt dion Lichtenberg. Dort wurde ein Hunderennen ver- etwa 4000 m. Die beiden Schüler wurden zur Wache geführt anstaltet, das für viele Sportliebhaber eine starte Anziehungstraft und festgestellt. Der 39 Jahre alte Arbeiter N., der gestern abend anstaltet, das für viele Sportliebhaber eine starke Anziehungskraft betrunken nach seiner Wohnung in der Waßmannstraße zurückausübte. Der Gesamteindruck war ein wirklich sportsmäßiger. Dieser tehrte, fette mit Streichhölzern seine WohnungsRennbetrieb geht bekanntlich ohne Toto vor sich. Die Zuschauer einrichtung in Brand. Hausbewohner riefen alsbalb die waren allesamt Hundefreunde. Doch waren auch die Hunde selbst Feuerwehr herbei. Während die Feuerwehrleute den Brand löschten, im Zuschauerraum zahlreich vertreten. Ein didwolliger, gutmütiger wurde n. der Frankfurter Schupowache zugeführt. Hofhund wurde verschiedentlich für ein Schaf gehalten. Ein Schäfer hund sprang vor lauter Begeisterung zur eigenen Freude über alle ihm erreichbaren Einfassungen und einer Bulldogge schien es offen= bar durchaus unbegreiflich, warum sie nicht an einem Rennen teil nehmen konnte. Während etliche Bastarde allerfeinster Promenaden Wetter für morgen. Berlin und Umgegend. Zeitweise etwas aufflarend, aber noch über. wiegend trübe und fühl mit wiederholten Regenfällen und mäßigen nordwestlichen Binden. nisse sind bei allen Verbänden erhältlich. Sör erfarten werden im Bureau der Freigewerkschaftlichen Betriebsrätezentrale, Berlin SO. 16, Engelufer 24/25, 2. Hof, 1 Tr., ausgegeben. Der Hörerbeitrag richtet sich nach der Länge der einzelnen Kurse und beträgt pro Borzeigung ihres Arbeitslosenausweises unentgeltlich. Doppelstunde 1 Mr. Arbeitslose erhalten Hörerfarten gegen Die Deutschnationalen gegen die Landarbeiter. Der Schlichtungsausschuß Groß- Berlin fällte am 17. März 1922 in einer Lohnstreitsache der städtischen Gutsarbeiter mit dem Magiftrat einen Schiedsspruch, der den Gutsarbeitern eine Lohnerhöhung ab 1. Februar d. J. zubilligt. Der Magistrat und die Arbeitnehmer haben dem Schiedsspruche zugestimmt. Der Magistrat hat die für Februar fälligen Beträge als Vorschuß gewährt. Die Auszahlung der für März und April fälligen Löhne machte er abhängig von der Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung. lung am Dienstag, abend mit dieser Angelegenheit. Die Torlage wurde nach Verständigung mit den Parteien in erster Lesung verabfchiedet. Die zweite Lesung und damit die Verabschiedung scheiterte an dem Widerspruch der deutsch nationalen Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung. Alle Bemühungen der Stadtverordneten und der Magistratsmitglieder, die Deutschnationale Partei von ihrem Widerspruch abzubringen, waren vergeblich. Damit ist die 2 uszahlung der am 1. März 1922 fälligen Löhne verhindert worden. F Sal Protest gegen technische Nothilfe. Am Karfreitag tagten in Rahl a. M. die Vertreter der Gewertschaftskartelle Aschaffenburg, Frankfurt a. M., Offenbach, Darmstadt und Hanau zusammen mit der Streifleitung der Bergarbeiter der Zeche Gustav", der Bezirksleitung der Bergarbeiter und den Vertretern des Gewerkschaftsbundes der Angestellten. Nach einem Referat von Göttmann wurde nach eifriger Diskussion, an der sich u. a. Pohl Aschaffenburg, Miesbach Frankfurt a. M., Blaß von der Bezirksleitung der Waschinisten und Heizer und Schwind Hanau beteiligten, eine Resolution mit 23 Stimmen bei einer Stimmenthaltung( Bertretung Protest erhoben gegen die unter Bruch der Verfassung durch die des Christlichen Gewerkvereins) gefaßt. Es wird darin schärfster bayerische Regierung eingefehte tedynische Nothilfe und Sipó: den Vorstand des ADGB. auf, auf fämtliche Arbeiterparteien und Die anwesenden Gewerkschafts- und Kartellvertreter fordern die Bertreter der Arbeiterparteien im Reichstag, sowie auf den preußischen und bayerischen Landtag einzuwirken, damit die technische Nothilfe, die sich zurzeit zu einer staatlichen Streitbrechergarde herausgebildet hat, sofort beseitigt wird." Von den Bertretern aller Arbeiterparteien im Reichs- sowie den einzelnen Landesparlamenten wird erwartet, daß fie die Frage der Beseitigung der technischen Nothilfe in ihrem Parlament unverzüglich aufrollen und auf feinen Fall noch einen Pfennig zur Erhaltung oder Fortführung diefer organisierten Streifbrechercrganisation bewilligen", " Rentralverband ber Hotelangeftellten. Betriebsräte und Bertrauensleute! Morgen Mittwoch, vorm. 10 Uhr, im Rosenthaler Hof", Rosenthaler Str. 11/12 Bezirt Schöneberg, Mittwoch, nachts 1 Uhr, bei Storbed, Schöneberg- KantinenDonnerstag, vorm. 10 Uhr, Rosenthaler Hof. Rofenthaler Straße 11/12; Bezirk 3: und Rasinoangestellte; Donnerstagabend 6 Uhr, Klubhaus, 8iegelftr. 2; Bezirt 7: Freitag, nachts 1 Uhr, in den Augufta- Bittoria- Sälen, Lutherstr. 32. Kampfder Bekleidungsarbeiter in den Vereinigten Staaten. Der amerikanischen Arbeiterpresse entnehmen wir ten Bericht, daß der am 4. November 1921 proklamierte große Streit der Be fleidungsarbeiter, an dem mehr als 60 000 Arbeiter beteiligt waren, mit einem Sieg der Arbeiterschaft geendigt hat. Am 25. Ottober 1921 war in einer Sigung des Schutzverbandes für das Bekleis Berantw. für ben rebatt. Teil: Franz Klühs. Berlin- Lichterfelde; für An. zeigen: Th. Glocke, Berlin. Berlag Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Druck: dungsgewerbe"( Cloak, Suit and Skirt Manufacturers' Protective" Borwärts- Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin, Lindenstr. 3. Association), an der zirka 300 Verbandsmitglieder teilnahmen, be= chflossen worden, daß Erefutinfomitee zu beauftragen, allen angeschlossenen Geschäften vorzuschreiben, ab 14. November an Stelle bes Wochenlohns den Stücklohn einzuführen und ohne Rücksicht auf die bestehende Vereinbarung mit dem Interkontinentalen Damenschneiderbund" eine radikale Revision der Arbeitsbe= dingungen vorzunehmen". Als Grund wurde ungenügende Arbeitsleistung in den Werkstätten angegeben. Die Gewerkschaften machten daraufhin bekannt, daß sie tiefes Borgehen als eine Kriegserklärung betrachten und sich gegen die Einführung des Attorblohns, die eine Rückkehr zur schlimmsten Form der Ausbeutung( Sweating- System") bedeute, unter Anwendung des Generalstreits zur Wehr sehen würden. Die Löhne und die 44stündige Arbeitswoche waren durch einen im Mai 1919 abgeschlossenen Tarifvertrag von dreijähriger Gültigkeitstauer festgelegt. Die Arbeitgeber machten sich durch ihren Beschluß also des Rontrattbruches schuldig. CALMON -REIFEN QUALITÄT KEINE REKLAME! Gewinn- Auszug Der Der Fall wurde denn auch dem Gericht unterbreitet. Die Ge wertschafter hatten es nicht unterlassen, wiederholt ihre Bereit willigkeit zur Annahme einer Vermittlung zu betonen. Das gerichtliche Urteil gegen die Arbeitgeberorganisation bestimmt die Wiederaufnahme der Arbeit zu den vor Streifausbruch gültigen 19. Preuß.- Südd.( 245. Preuß.) Klassen- Lotterie Bedingungen. Die Arbeitgeberorganisation hat sich hierzu bereit erklärt, unter Vorbehalt der Einlegung einer Berufung gegen das gefällte Gerichtsurteil. Rechtsverbindlicher Tarifvertrag für Apothekenbetriebe. Das zwischen dem Deutschen Transportarbeiterverband und dem Berliner Apothekerverein am 18. Januar 1922 getroffene Abkommen wurde am 20. März 1922 für rechtsverbindlich erklärt. Alle gewerblichen Arbeitnehmer, welche bei Nichtmitgliedsfirmen des Berliner Apothefervereins beschäftigt sind und die in dem Lohnabkommen festgelegten Lohnjähe nicht erhalten, werden aufgefordert, fich beim Transportarbeiterverband, Berlin SD., Engelufer 24/25, 3immer 31, mit dem Mitgliedsausweis zu melden. SPD.119.4. Lichtenb. Am Mittwoch, den 12 d. M., verstarb der Genosse Karl Rahn BETES DE GARDEN Teilzahlung Garderobe Rittergutstr. 24 Beerdigung am Mittwoch, den 19 nachm. 24, auf demZentralfried hof in Friedrichsfelde. Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Abteilungsleitg. 4/3 Maßkorsetts und Reparaturen Fr. L. Bungartz Neu ölln, Boddinstr. 31 Fernsprecher: Neukölln 2354 S für Damen, Herren und Burschen sehr preiswert infolge großer, alt.Lagerbestände hei bequemen Ratenzahlungen H. Tyra& Co. 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