Tr. 185 39.Jahrgang Ausgabe A nr. 93 Bezugspreis: Bierteljährl. 90,-, monatl. 30,- m. fret ins Haus, voraus zahlbar. Postbezug: Monatlich 30.-M., einschl. Bu ftellungsgebühr. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- u. Memel gebiet, fowie Westpolen, Defterreich u. Luremburg 64- M., für bas übrige Ausland 82,- M. Bostbestellungen nehmen an Belgien, Dänemart, England, Efthland, Finnland, Frankreich. Holland. Lettland, Luremburg, Defter reich, Schweden, Schweiz, Tschecho Slowakei und Ungarn. Der„ Borwärts" mit der Sonntagsbeilage Bolt und Zeit", der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und der Beilage Giedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonn tags und Montags einmal Telegramm- Adresse: Sozialbemofcat Berlin" Morgen- Ausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 1 Mark Anzeigenpreis: Dte etaspattige Nonpareillezetle foftet 12,-. Aleine Anzeigen" bas fettgedrudte Wort 3,-2( 311läffig zwet fettgebrudte Worte), fedes weitere Wort 2, S. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort 2, W., jedes weitere Wort 1.50 M. Morte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Familien- Anzeigen für Abonnenten Zeile 6,- M Die Preise verstehen sich einschließlich Teuerungszufchlag. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4, he nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden Straße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachmittags Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Redaktion und Expedition: SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Redaktion Morisplay 15195-97 Expedition Morinplay 11753-54 Donnerstag, den 20. April 1922 Die Krise in Genua. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenste. 3 Fernsprecher: Berlag, Graedition and InieratenAbteilung Morisplat 11753-54 Die Internationale der Arbeit. " Zum 3. Internationalen Gewerkschaftsfongres in Rom. V. Sch. Genua, 19. April.( Eigener Drahtbericht.) Die Morgenstunden erschien ein Abgesandter der italienischen nalen Gewerkschaftsbundes( Amsterdam) zusammen. Als In Rom tritt heute der dritte Kongreß des InternatioLage ist nach wie vor ernst und sehr verzwickt. Während des Regierung bei Rathenan zur Besprechung der Situation. Dieje Vertretung von 24 Millionen freigewerkschaftganzen Tages wurde zwischen den einzelnen Delegationen Besprechung wurde durch einen Telephonruf Lloyd lich organisierter Arbeitnehmer aus zwanzig verhandelt, doch war das Ergebnis bis zum Abend ziemlich Georges, der Rathenau persönlich bat, fich bald zu einer perfön- Ländern darf dieser Kongreß mit Recht die Aufmerksamkeit negativ. Die für Bormittag erwartete deutsche Gegenlichen Besprechung einzufinden, unterbrochen. Dem Wunsch des eng- aller Arbeitenden in Anspruch nehmen. Sein Wort wird in ertlärung war am Abend noch immer nicht überreicht lischen Ministerpräsidenten leisteten Dr. Wirth und Rathenau den Hauptstädten der Welt gehört werden. Es wird auch und wird, wenn überhaupt, frühestens morgen vor sowie Frhr. v. Maltzahn sofort Folge; zuvor Sprach Rathenau in Genua vernehmbar sein. mittag bekannt werden. Man gewinnt den Eindruck, daß noch bei dem italienischen Außenminister Schanzer vor. Die Bedie Engländer einzusehen beginnen, daß ihr Vorgehen sprechungen mit dem englischen Ministerpräsidenten dauerten drei Deutschland noch galt: Solange das Wort des Genossen Bömelburg für und insbesondere die Aeußerungen von Lloyd George und Stunden. Inzwischen erwartete Tschitscherin im Edenhotel die eins", hatten wir internationale Sozialisten- und ArbeiterBartei und Gewerkschaften sind feiner nächsten Umgebung gegen Deutschland viel zu scharf Rüdkehr des Kanzlers und des Außenminifters, um gleichfalls die fongresse, d. h. folche der sozialistischen Parteien und Gewerkgewesen sind; sie verfolgten offenbar den Zwed, die Franzojen Lage zu erörtern. Ein endgültiges Ergebnis haben fämtliche Be- fchaften gemeinsam. Mit diesen gemeinsamen Tagungen bei der Stange zu halten und durch die Schärfe der eigenen sprechungen bisher nicht gehabt. Zurzeit erfolgt eine neue 3u- waren jedoch nicht alle ausländischen Gewerkschaften einverSprache ihnen den Vorwand, die Konferenz zu sprengen, am mentunft mit cloyd George, der eine weitere Er- standen. Während die französischen Gewerkschaften zum wegzunehmen. Nun hat aber der englische Premierminister örterung unserer Regierungsvertreter mit Tschifferin folgen wird. Millerandismus" in ftarfem Gegensaß standen, hatten die damit weit über fein Ziel hinausgeschoffen und kann nur Heute abend 10 Uhr freten die deutschen Sachverständigen amerikanischen Gewerkschaften mit dem Sozialismus schwer zurück. Seitdem aber die Franzosen merken, daß England auf die Beilegung des Zwischenfalls hinwirft, haben zu einer Besprechung zusammen. Eine Antwortuote wird überhaupt noch wenig Berührungspunkte. So entstanden die Fe wieder die Rolle der Unversöhnlichen übernommen. jedenfalls nicht vor. Donnerstag an die Alliierten abgeben. Anregungen auf Veranstaltung eigener internationaler. GeBarthou erklärte heute abend, er stelle die Frage sehr einfach: Der Entwurf ist bereits fertiggestellt. Das Bestreben Cloyd Georges, mertfchaftstongresse. Wenn sich insbesondere der entweder Zurüfziehung des Vertrages von Rapallo oder Ende den Zwischenfall, ohne den Arbeiten der Konferenz zu nahe zu der Konferenz. Die Belgier haben eine Kompromißlösung fommen, beizulegen, ist unverkennbar. Auch die Italiener arbeiten angeregt, daß nämlich der deutsch- russische Vertrag einstweilen in gleichem Sinne. Deutschland hat natürlich allen Grand, in der als zurüdgezogen angesehen werde und daß Deutschland erst gleichen Weise alles zu tun, um bestehende Meinungsverschiedennach der Konferenz von Genua das Recht haben solle, mit den heiten aus der Welt zu schaffen. Auf jeden Fall ist jedoch zu beRuffen abzuschließen. Man würde 3. B. als Borwand vor rücksichtigen, daß der Bertrag nicht rüdgängig zu machen ist, über schieben, daß der Vertrag sowieso seine Gültigkeit erst nach Formalitäten jedoch gesprochen werden kann. der Ratifizierung durch den Reichstag befäme. Ein ähnlicher Bermittlungsvorschlag wurde von englischer und italienischer Seite gemacht, boch antwortete Barthou heute abend gegen 8 Uhr auf Anfragen von französischen Berichterstattern, wie er sich zu diesem oder jenem Borschlag stellen würde, katego= risch, er würde an der Konferenz nicht wieder teilnehmen, che nicht ein fait nouveaux( eine neue Tatsache) geschaffen wäre. Er fügte hinzu, daß er sich auf die Frage des einstweilen zurüdgezogenen Bertrages nicht einlassen fönne, entweder sei Der Bertrag ganz oder gar nicht zurüdgezogen. Inzwischen fagen die Kommiffionssitzungen weiler. Heute vormittag bzw. nachmittag traten Unterausschüsse der Transporttommiffion, der Finanzkommiffion und der Wirtschaftskommiffion 3ufammen. Genua, 19. April.( BTB.- Spezialbericht.) Die Stimmung in den Kreifen der deutschen Delegation ist durchaus ruhig und fest. man hält den deutschen Standpunkt, wonach der Vertrag mit Ruß land weder gegen den Friedensvertrag von Bersailles noch gegen Wie sich die deutsche Delegation zu diesen das Londoner Memorandum verstoße, für jo völlig einwandfrei, daß Vorschlägen stellt, ist unmöglich zu erfahren. Man hat durch er fich bei ruhiger Ueberlegung auch in den Kreisen der übrigen aus nicht die Absicht, die Sache durch Hartnäckigleit zu ermächte durchseßen muß, wenn die Aufregung des ersten Augenblics schweren und würde wohl auf jeden annehmbaren Vorschlag erst nachgelassen hat. Man neigt daher zu der Ansicht, daß mit der eingehen, allein ein folch annehmbarer Vorschlag steht allem geftrigen Note das leßte Wort noch nicht gefprochen Anschein nach noch nicht in Aussicht. Man ist fich wohl be sei, und daß die Unterzeichner selbst im Interesse des ungestörten wußt, daß sich Lloyd George in schwieriger Lage befinde, die und fruchtbaren Fortganges der Konferenz einen Ausgleich finden er allerdings durch seine sprachlichen Uebertreibungen erheb werden. fich erschwert hat, und man hat fein Interesse daran, seine Die Genueser und Mailänder Breffe bespricht heute Bersuche, über diese Lage hinauszukommen, zu durchkreuzen, den deutsch- russischen Vertrag in bedeutend ruhigerem Tone. Man aber man denkt auch nicht daran, das Entgegenkommen bis fucht die geftrigen heftigen Aeußerungen über das Vorgehen Deutsch. zur Rapitulation zu treiben. Im übrigen ist die einstweilige lands abzuschwächen und hebt das Bestreben Italiens hervor, auf die Außerfraftfehung des Vertrages eine Angelegenheit, die nicht Ententebelegationen mäßigend einzuwirken. Auf keinen Fall dürfe allein Deutschland, sondern auch Rußland betrifft, die Konferenz eine Störung oder gar eine Unterbrechung erfahren. und die Russen, die im Laufe des heutigen Tages zum erstenmal aus ihrer bisherigen ironisch- gleichgültigen Haltung herausgegangen sind, zeigen sich plöglich recht unge halten über die Krise. Sie fönnen sich um fo leichter den Lurus der schlechten Laune leisten, weil sie ja in der ganzen Angelegenheit von der Entente bisher mit Glacéhandschu hen angefaßt und als verführte Unschuldslämmer bezeichnet wurden. Am Abend war zwischen den Russen und Deutfchen wieder eine Besprechung. Es ist natürlich anzuneh men, daß sie der Klärung der Frage gegolten hat, ob sich die Russen mit irgendeiner Form des Entgegenkommens in bezug auf den Vertrag einverstanden erklären würden, doch ist hierüber von der deutschen Delegation durchaus nichts zu er fahren. Bon allen Delegationen ist es wohl die deutsche, die am besten das Verhandlungsgeheimnis den eigenen Berichterstat tern gegenüber hütet. Corriera della Sera" bringt Einzelheiten über die Sigung, in der unter Vorsitz Schanzers die Note an Deutschland redigiert wurde. Danach habe Schanzer zum Ausdrud gebracht, daß es ihm nicht opportun scheine, heftige oder beleidi gende Worte in die Note aufzunehmen. Er verstehe den Unwillen der englischen und französischen Delegierten, halte es aber für nötig, der Note eine Form zu geben, die eine Berständigung zu laffe. Im weiteren Verlaufe der Diskussion, in der die Bertreter Belgiens, Japans, Jugoslawiens, Rumäniens und der Tschecho= slowakei den englisch- französischen und der Vertreter Bolens mit einigen Einschränkungen den italienischen Standpunkt vertraten, gelang es Schanzer, seine Anschauung durchzufeehn und die Note in eine gemäßigtere Form zu bringen. Die Aktion der Neutralen. Genna, 19. April.( EP.- Sonderbericht.) Bon der schwedischen Delegation werden die schon seit einigen Tagen geplanten Bor. stellungen bei dem Außenminister Schanzer für das möglich ft baldige Zusammentreten des Unterausschusses ter po titifchen Kommission bestätigt. Mit dieſent Schritt sind die beiden Mitglieder der Neutralen im Unterabsschuß, Bundesrat Motta und Ministerpräsident Branting betraut worden. Rußlands Antwort. Beim heutigen Bresseempfang der russischen Dele gation äußerte sich Ratowski sehr scharf über die Ententenote an Deutschland. Er erinnerte an die Worte de Factas in feiner Eröffnungsrede, wonach es feine Sieger und teine Besiegten, sondern nur Gleichberechtigte in Genua geben würde. Nur die gesamte Konferenz hätte daher das Recht gehabt, zu entscheiden, ob eine einzelne Macht die Bedingungen der Konferenz verlegt hätte. Das Dokument Genua, 19. April.( Intel.) Morgen vormittag wird die ruffi trage aber lediglich die Unterschriften der großen und der fche Delegation ihre Antwort auf das Memorandum der fleinen Entente, sowie Polens und Portugals. Damit hätte Londoner Sachverständigen in der politischen Kommiffion überretfich der Siegerblod von Bersailles wieber geschen. Wie wir erfahren, wird die Antwort der russischen Delegabildet und über die anderen Delegationen zum Richter tion genau ihren Standpunkt zum Londoner Ultimatum in Form eines Gegenmemorandums präzisieren. erhoben. Beratungen, mit Lloyd George und Tschitscherin. Rufisch- amerikanische Sonderverhandlungen. Genua, 19. April, 6 Uhr abends.( Sonderbericht des So- Genua, 19. April.( EP.- Sonderbericht.) Wie wir aus zuverzialdemokratischen Parlamentsdienstes.) Eine Cöfung des fogenann- lässiger Quelle vernehmen, schweben zwischen der russischen Sowjet ten„ 3wischenfalls" ist bisher noch nicht erfolgt. Die Absicht der delegation und amerikanischen Finanzleuten neben der Konferenz von deutschen Delegation, schon heute die Note der Entente zu beant- Genua Berhandlungen wegen der Ausbeutung der ruffiworten, fonnte bisher durch die fortdauernden Besprechungen, die schen Petroleumquellen durch amerikanische Gedem Zwischenfall" galten, nicht erfüllt werden. Schon in den feltschaften. 9 um die internationale Verbindung der Gewerkschaften hochverdiente Sekretär der gewerkschaftlichen Landeszentralen, Genosse Carl Legien, gegen die Anregungen wandte, so geschah es mit Rücksicht auf die gewerkschaftsfeindliche Gesetzgebung in Deutschland und vieler anderen Länder, der gegenüber eine politische Abstempelung der Gewerkschaftsbewegung verhütet werden mußte. Die Bertreter der gewerkschaftlichen Landeszentralen beschränkten sich daher auf die Abhaltung internationaler Konferenzen. In der Zeit vom Jahre 1901 bis zum Jahre 1913 wurden deren acht abgehalten; die neunte Konferenz war für San Franzisto im Jahre 1915 geplant. Anstatt einer engeren Verbindung mit den Gewerkschaften der Vereinigten Staaten, wie sie damit beabsichtigt war, hat der Weltkrieg leider eine größere Entfremdung bewirkt. Den immer noch stark unter dem Einfluß Samuel Gompers stehenden amerikanischen Gewerkschaften ist die neue gewerk. schaftliche Amsterdamer Internationale zu radikal geworden. Den Machthabern in Moskau aber ist diese radikale Amsterdamer Internationale nicht radital genug, jolange sie nicht das Babanquespiel der Weltrevolution mitmachen will. Amerifa wird mit der Zeit aus seiner Reserve gegen Europa wieder heraustreten. Rußland aber, das heute dem internationalen Rapitalismus alle erdentlichen Konzeffionen macht, wird auch den Amsterdamern" die Konzession vernünftiger Einsicht machen müssen. Aus der lofen, seit 1902 bestehenden Berbindung durch ein internationales Sekretariat wurde im Jahre 1913 ein Internationaler Gewerkschaftsbund mit dem Sig. in Berlin und dem Bundespräsidenten Legien. Den faum begonnenen Aufbau riß der Weltkrieg zusammen und verfeindete auch Die Arbeiterklasse der friegführenden Länder untereinander. Erst allmählich fonnten die zerriffenen Fäden im Juli 1919 auf dem Gewerkschaftstongreß zu Amsterdam, wo seit No: nember 1914 eine neutrale Filiale des alten Bundes unter der Leitung von Oudegeest bestand, wieder geknüpft werden. Dem Amsterdamer Kongreß folgte im Dezember 1920 ein Rongreß in London. der die letzten Reste des Mißtrauens beseitigte und unsere Gewerkschaftsinternationale wieder aftionsfähig machte. Als die letzte Borstandssitung des Internationalen Gewerkschaftsbundes vom 22. bis 24. Oftober 1921 in Genf den Beschluß faßte, den nächsten internationalen Gewerkschaftsfongreß zum 20. April 1922 nach Rom einzuberufen, fonnte sie nicht wissen, daß der Gewerkschaftsbund dabei gleichzeitig Gelegenheit haben werde, in Genua vom Standpunkte der einfachsten Forderungen der Gewerkschaften aus zu den wichnehmen. Die leise Befürchtung, als ob das Konzil der Retigsten weltpolitischen Fragen unmittelbar Stellung zu gierungsvertreter in Genua die Verhandlungen des Gewerk fchaftstongresses in Rom in den Schatten drängen werde, hat fich als unbegründet erwiesen. Im Gegenteil, die Stellungnahme des Kongresses der gewerkschaftlichen Arbeitnehmerinternationale zu den weltbewegenden Problemen wird sich auf der Grundlage der Genueser Berlegenheitsverhandlungen nur am so deutlicher abheben. Der Bericht des französischen Bundes) über den Wiederaufbau Europas wird Gewertschaftsführers Jouhaug( 1. Bizepräsident des zeigen, wie wenig hierzu bisher trotz aller Verhandlungen gefchehen ist, wie viel noch getan werden muß und fann, wenn nur erst der gute Wille dazu sich auf allen Seiten durch gerungen und der fapitalistischen und nationalistischen Sabotage des Wiederaufbaues ein Riegel vorgeschoben ist. Die auf der Konferenz in Genua von vornherein verpönte 2 b. rüstungsfrage, die Kriegserklärung des internationalen Proletariats gegen den Krieg wird in Rom durch den Bericht des Bundessekretärs Edo Fimmen aufgerollt und gründlich behandelt werden. noch deutsche Gebiete unter der Fuchtel des ausländischen Schon aus der Tatsache, daß heute Militarismus stehen, der von unserem Marke zehrt, leiten wir die Berechtigung zu der Forderung ab, daß die Ab rüstung allgemein erfolgen muß. Doch selbst wenn dieser Druck im eigenen Lande von uns genommen würde, hätten wir nicht minder Ursache, die Abrüstung zu fordern, weil die Pulverfässer des„bewaffneten Friedens" auch in anderen Län- dcrn eine stete Explosionsgefahr darstellen, gegen die es keinen wirksameren Schutz gibt als ihre Beseitigung. Von unmittelbarstem Interesse für die Arbeitnehmer- schaft der ganzen Welt ist das Thema, das der Belgier Mertens(2. Vizepräsident) behandeln wird: die inter» nationale Reaktion, die sich sinnfällig im Kampfe gegen den Achtstundentag darstellt. Der Acht- stundentag bedeutet die Wiedergeburt der im Weltkriege dezi- mierten, verkrüppelten und verkümmerten Menschheit. Das Proletariat hat seine Errungenschaft mit Blut und Gut un- endlich teuer erkauft. Der wieder zu Kräften gekommene Kapitalismus will diese Errungenschaft auf jeden Fall be- seitigen. Er wittert Gefahr seiner Position. Die Annahme, die Einfübnmg einer längeren Arbeitszeit könne dos wirt- schaftliche Chaos lichten oder auch nur wesentlich dazu bei- tragen, ist falsch, mag sie rein profitlichen Absichten, mag sie theoretischer Spintisiercrei entstammen. In Rom aber dreht es sich nicht um rein akademische Erörterungen, sondern es handelt sich dannn, die geeignetsten Mittel und Wege zu finden, um den Anschlägen aus den Achtstundentag wirksam zu begegnen. Die im Kampfe steheirden Arbeiter in England, ,in Süddeutschland, wie die Arbeitnehmer aller Länder, für die der Kampf um den Arbeitstag aktuell ist. blicken mit be- sonderer.Spannung auf die Beschlüsse des Kongresses. Wir erwarten"kein Wunder, das sich in Rom vollziehen soll. Wir dürfen jedoch neue Anregungen erwarten und ein- heutige Mahnljngen an die Unternehmer aller Länder, den Bogen nicht zu straff zu spannen, und a n d i e Regierungen, sich weniger als Sachwalter des Kapi- talismus zu betrachten, denn als Vertretungen des Volks- ganzen, dessen bedeutendsten Teil in allen Ländern heute die sozialistischen Gewerkschaften bilden.. Der Tagung des Kongresses folgt eine Konferenz von Vertretern- der Internationalen Berufs- sekretariate mit dem Bureau des Internationalen Ge» werkschaftsbundes, auf der die organisatorischen Beziehungen sowie die beiderseitige Zusammenarbeit, namentlich im Hinblick auf die Aktion gegen Krieg und Militarismus, beraten werden. Zugleich wird eine größere Einheitlichkeit in der Zusammensetzung und Aktion der einzelnen Berufssekretariate erstrebt und zum Schlüsse die Auswanderungsfrage erörtert. Wir wissen, daß auf dem Kongreß von Rom, unter den Vertretern der arbeitenden Schichten,«in größeres Maß gegenseitigen Vertrauens vorwaltet, als das in G e n u a der Fall ist, wo die Vertreter der Regierungen hauptsächlich um hie Interesien des Kapitals feilschen. Schon dieses größere Maß von Vertrauen gibt uns die Zuversicht, daß die Be- schlüsse von Rom ein einheitlicheres Gepräge tragen werden, als die von Genua. In dieser Zuversicht wünschen wir dem Internationalen Gewerkschaftskongreß einen vollen Erfolg seiner Arbeit! Der Wahrheit Sie Ehre. Die„Freiheit" versichert in ihrer gestrigen Abendausgabe. daß ihr ein Kommunist lieber sei, als ein Rechts- sozialist! Sie gibt damit der Wahrheit alle Ehre. Den Berliner unabhängigen Arbeitern aber, die in ihren Gewer?- schaften oft gemeinsame Listen mit den Sozial- demo traten gegen die kommunistischen Schreihälse aufstellten, wird diese Klassifizierung durch die neue politische Leitung der„Freiheit" einigermaßen über- raschend gekommen sein. Um so mehr, als ja der jetzige Chefredakteur der„Freiheit", Wilhelm D i t t m a» n, nur im Protokoll des USP.-Parteitags von Halle 1920 nachlesen l braucht, wie e r und seine Freunde damals die Kommu- Gutenbergs 42Aeilige Sibel. Gegen den vom Deutschen Buchgowerbemufeum in Leipzig beabsichtigten Berkauf der Bibel Gutenbergs an das Ausland muß die ganze deutsche Nation energisch Einspruch erheben. Es ist unverständlich, wie Männer, die sich zu den führenden des graphischen Gewerbes zählen, überhaupt aus den Gedanken kommen kannten, dieses einzig dastehende Kultur- bokument aus der Zeit der Erfindung der Buchdruckerkunst veräußern zu wollen. Die Gutenberg-Bibel ist Eigentum des ganzen deutschen Volkes und dem Deutschen Buchgewerbeverein bei Uebcrlassung der Klcinmschen Sammlung zu treuen chönden übergeben worden, um sie dadurch der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Schon allein die Absicht eines Verkauf« dieser Bibel muß. dem Ausland einen ngenanigen Begriff von dem Ehrgefühl des deutschen Volkes geben. Oder sollte es nur ein Bluff sein, um vom Staat oder privaten Spendern die sehlenden Mittel für da» geplante Museum«Buch und Schrift" zu erhalten? Unverständlich ist es überhaupt, daß man m Leipzig während eines Krieges, dessen Ausgang und Ende nicht abzusehen war, den Bau eines neuen Museums beginnen konnte, ohne sich die dazu nöligen Mittel?.u sichern Wenn jetzt bei der Verarmung von Staat und Volk die Schaffung dieses Museums nicht verwirklicht werden kann, sollte man den Bau anderen Kulturzwecken dienstbar machen, eventuell für die Messe, die sowieso unter Platzmangel leidet, oder ihn an den Staat verkaufen und die daraus gewonnenen Mittel in anderer Weise zur Hebung des deutschen Buchgewerbes oerwenden. Reichen in Leipzig die Ausstellungsräume z. B. des Buchgewerbe- Hauses für die graphischen Wertstucke nicht mehr aus, so überweise man sie te.hweis? anderen deutschen Druckstättcn, wie Berlin lSchloß- musenm, Siaaisbibliothek), München. Stuttgart oder Mainz, der Ge- burtsstätte der Buchdruckerkunst, die für eine würdige Unterbringung gewiß sorgen würden. Für die Schaffung des Museums«Buch und Schrift" die Mittel aus dem Verkauf der Gutenberg-Bibel an das Ausland zu erzielen, ist ein Attentat auf die Kultur des ßesr. ten deutschen Volkes. Hermann Görnitz. —— � Das Eisengilter. Man schreibt uns: Ich weiß nicht, ob es anderen Leuten auch so geht, wie mir. Es ist«in« Kleinigkeit,«in« winzige Kleinigkeit, und doch erscheint st« mir beachtenswert. Also tolgend.'s: So oft mich im Sommer mein Weg über den Leipziger Platz führt, befällt mich ein Gefühl der Beklemmung. Rechts und links von der Straße dehnen stch weite Rasenflächen aus, drei, ästige alt« Linden werfen mit ihrem Bläiterdach kühle Schatten, das Grün leuchtet, man sehnt lich nach Erfrischung. Aber der Zugang Ist ge- sperrt, ein Eisengittcr wehrt mit tausend Lanzenspitzen das Betreten der grünen Oase. Hier, mein Fvermd, sollst du nicht«twas träumen, hier ist der Verk«hr die Hauptsache, der Verkehr, die Gottheit der neuen Großstädte. Berlin, wie es gewesen ist, die Stadt der Paraden, der Polizcivcrbote, der- seelenlosen Ordnung(„ich warn« Neugierige") tritt vor dick-, hin. Denke etwa nicht, daß du ein Mensch bist, daß du in stillenr Sinnen ein« Weil« müßig gehen darfst, daß der Lüidendust dir gehört. Er ist Eigentum des Fiskus, und du, gut gedrillter nisten einschätzten und— wie er und seine Freunde von ihnen eingeschätzt wurden! Jetzt haben sie sich wiedergefunden und machen gemein- same„Einheitsfront"-Demonstrationen. Die KPD.-Leute lachen sich ins Fäustchen. Und würden noch mehr lachen, wenn auch Sozialdemokraten ihnen dabei auf den Leim kriechen würden. Wit hoffen aber, daß sie sich dabei ver- rechnen._ Die tzelöen üer Monarchie. Die deutschnationale„Breisgauer Zeitung" in Freiburg hat dieser Tage den Versuch gemacht, dem Zentrum aus einer von einem bayerischen Monarchisten. geschriebenen Broschüre „Wir Katholiken und die moderne revolutionäre Bewegung" zu beweisen, daß der Katholik ein Monarchist sein müsse. Die „Freiburger Tagespost", das dortige Zcntrumsblatt, be- streitet das und sagt, die katholische Kirche lasse jedem volle Freiheit in bezug auf die Staatsform. Dann fährt sie fort: Der Vorwurf, der dem Zentrum gemacht wird, es habe seine Grundsätze bei der Revolution verleugnet, trifft in erster Linie die Konscrvatioen und die Nationalliberalcn. Wo blieben diese Helden, als in München und Karlsruhe der König und der Großherzog vor der Revolution fliehen mußten? In Karlsruhe war der Groß- herzog von seinen Anhängern völlig verlassen, der demo- kratische Abgeordnete 5)aas und der Zentrumsminister Trunk waren die einzigen, die es wagten, dem Großherzog mit 89 Mann der Wache zu Hilfe zu eilen, die ganze Schar der Höflinge war«wie vom Sturm zerstoben". In München war der Verlauf der Revolu- tion ein ähnlicher. Wo blieben da die Tausende von Ossizicren, die damals in der Residenz anwesend waren, wo die«prinzipienfesten" Monarchisten, die heute den Mund wieder so voll nehmen? Heute, wo die Gefahr vorüber ist, kommen sie wieder aus ihren Schlupfwinkeln hernor und fallen denen in den Rücken, die in jahrelanger Arbeit es verstanden haben, die Gefahr zu bannen.„Die Treue gegenüber dem monarchischen Gedanken war doch bei vielen, allzuvielen ein leerer Wahn", schreibt der begeisterte bayerische Monarchist,«besonders in der Zeit vom 5. November 1918 ab", könnte man hinzufügen. Es ist uns interessant, aus unverdächtigem Munde be- stätigt zu finden, daß es in München und Karlsruhe auch nicht anders war als in Berlin. Kahrbaperische Kinöerfürsorge. München, 19. April.(Eigener Drahtbericht.) Gegenüber den Dementis bürgerlicher Blätter über die Zustände in der Erziehungs- anstatt Neuherberg bei München, bringt die„Münchener Post7 neuerdings folgende Feststellungen der Untersuchungskommission süt diese sich der besonderen Fürsorge des Herrn v. Kohr erfreuenden� PrügÄanstalt: Es fehlt vollkommen an ärztlicher Uebcrwachung und Fürsorge. Die körperliche Züchtigung wurde im Ucbermaß mit einem ungeeigneten Instrument vollzogen. Die Kost war keineswegs menschenwürdig. Die Unterrichts- und Erziehungs- tätigkeit in der Anstalt liegt vollkommen im argen. Die Kinder wurden tagtäglich zu einer 9h- stündigen Arbeit gezwungen. Ein Tiroler �Nieöerschönenfelö". München, 19. April.(Eigener Drahtbericht.) In Inns- brück ist, unbeachtet von den bürgerlichen Telegraphenbureaus, ein großes Aufsehen erregender Prozeß soeben zu Ende gegangen, der geradezu haarsträubende Prüzelszenen und Mißhandlungen der Gefangenen des Jnnsbrucker Landesgerichtsge- sängnisses zutage förderte. Trotz der übereinstimmenden Aus- jagen über die Schwere der Ausschreitungen innerhalb dieses Tiroler „Niederfchänenfeld" wurden die Beschuldigten zu lächerlich ge- ringenStrafen verurteilt, so daß sich unser Jnnsbrucker Partei- blott zu einem scharfen Protest veranlaßt sieht. Der Oberinspektor erhielt fünf Tage, die fünf beteiligten Aussoher 24 Stunden Arrest! Srestinski, der Vertreter der russischen Sowjetrepublik in Berlin, ist in Berlin eingetroffen und hat feine Amtstätigkeit wieder auf- genommen.. Arbeitsmenfch, wirst die schnurgerade Heerstraße des Erwerbs ord- nungsgemäß durcheilen an den beiden langweiligen Feldherren vor- b«i, denen allein ein wenig Raum im Grünen beschieden ist. Fort mit diesem sinloscn empörenden Eisengitter! Die Stadt soll es als Alteisen verkaufen. Legt Weg« an, setzt Ruhebänke, pflanzt Blumenbeete, die das Auge ergötzen. Wenn dies« Rosen- flächen von ausruhenden Menschen belebt sind, wird der Platz ein glücklicheres Aurlehen haben als fetzt, wo ihn ein Spalier gegen dos Volk schützt. Denn er gehört dem Volk, gehört uns, wir wollen ihn im wahrsten Sinne besitzen. Früher fand man es vornehm, wenn ein Raum gegen das Eindringen der Plebs gesichert war. Die Zeiten haben sich geändert. Wir haben manches Eisengitter be- seitigt. Warum nicht auch dieses? P. G. Ateiiersorgen der künsllerschaft. Infolge der Bedrängnis, in der die Künstlerschaft für ihr« Ateliers sich befindet, ist von dem Ver- treter des Reichswirtschaftsverbandes bildender Künstler im Reichs- wirtschaftsrat ein Antrag Jwlrn Ausschuß für Siedlung?- und Woh- nungswesen gestellt worden. Der Alitrag ersucht die Regierung, bei Regelung des Wohnungsbaues und Miererschutzss die Arbeitzräume der bildenden Künstler eventuell durch Ausnahmebestimmungen zu berücksichtigen. Die Gemeinden sollen gegebenenfalls unter LeihUfe der Regierung durch Zuschüsse die Neuerrichtung von Künstlerateliers ermöglichen. Vor dem Kriege waren diese Räum« verhältnismäßig billig, da sie meist in den damals für Wohnungszwecke verbotenen Dachgeschossen errichtet waren. Jetzt nach Freigabe der Dachgeschosse zum Wohnen sind die Künstler in ständiger Gefahr, von zahlungs- träftigeren Mietlustigen aus ihrem Atelier verdrängt zu werden. Mindestens ein Achtel der Künstler ist in Berlin überhaupt ohne Atelier. In anderen Kunststädten liegt es nicht besser. Der Antrag verweist in seiner Begründung aus die Befruchtung und Anregung der künstlerischen Tätigkeit für weite Gc- biete von Industrie und Handwerk, für Konsektion, Mode-, Möbel-, Textil-, Tapeten-, Papier-, usw. Industrie, Rrklamewesen, Theater, Kino. Di« Anregungen gehen von Ausstellungen und Reproduktiv- nen aus, die den Künstivm oft keinerlei Einnahmen bieten sondern ihnen noch«rl)«bliche Opfer auserlegen. Um so mehr sollten die Ver- tretungen der Wirtschaft dafür sorgen, daß den Künstlern die äußere Arbeitsmöglichkeit erhalten bleibt. - Wassilis Kandinsky, der Vorkämpfar der absoluten Malerei, ist nckch mehrjährigem Aufenthalt in seiner russischen Heimat wieder nach Deutschland zurückgekehrt, wo er vor dem Kriege lebte und wo sein Buch„Das Geistige in der Kunst" damals d!« breitest« Wirkung hatte. Seit der Revolution von 1917 hatte Kandinsky von der Sowietregierupg das Amt eines Vizepräsidenten der Akademie für Kunstwissenschaften inne und als�slcher über die Kimstankäufe, die sämtlich vom Staate ausgingen, zu bestimmen. Kandinsky wird demnächst in Berlin über die Kun st Verhältnisse in der Sowjetrepublik sprechen und gleichzeittg«ine Ausstellung setner neuesten Arbeiten veranstalten. Das Kino in der Schule. Wie der„Lichtbild-Bühne* aus Sofia geschrieben wird, hat der bulgarische Kultusminister eine Verfügung erlassen, nach der jede Schule mit einem Vorführungsapparat ausgestattet werden soll, damit den Schülern regelmäßig Filmvor- fiihrungen geboten werden können. Kapp bleibt in tzast. Leipzig, 19. April.(Eigener Drahtbericht.) Die in der Leip- z ig er Universitätsklinik vorgenommene Untersuchung Kapps hat er- geben, daß er an einer schweren Augenkrankheit leidet, die eine Operation notwendig macht. Kapp wird unter Ausrcchterhal- t u n g der Untersuchungshaft einem Krankenhaus überwiesen wer- den. Man rechnet damit, daß schon in nicht allzu ferner Zeit der Prozeß gegen ihn beginnen wird. Urabstimmung öer GemeinKearbeite?. Eine Funktionärversammlung des Lohnkartclls für die©e> meindebetriebe Groß-Berlins, die am Mittwoch in der Bockbrauerei tagte, nahm Stellung zu dem im Reichsarbeitsministerium gefällten Schiedsspruch. P o l e n s k e schilderte den Verlauf der Deehand- lungen mit dem Magistrat und teilte den Spruch des Schieds- gerichts(veröffentlicht im„Vorwärts" vom lö. April) mit. Alle strittigen Fragen des Mantcltarifs zu'erledigen, ist dem Schieds- geeicht nicht möglich gewesen, es ist den Parteien überlassen worden. sich über die noch zur Erledigung stehenden restlichen Punkte zu einigen.— Das M i t b e st i m m u n g s r e ch t tonnte im wefent- lichen aufrechterhalten bkciben. Vor Kündigungen niuß der Bs- triebsrat gehört werden. Bei Widersprüchen haben die Verwaltungen binnen 14 Tagen den Schlichtungsausschuß anzurufen. Familienbeihilfen werden in bisheriger Weise weiter- gezahlt. Die E i n k o m m e n s g r e n z e soll bei Kindern a u f 40l>0 M. erhöht werden. Neu eingeführt wird eine ärztliche Nachuntersuchung. Vorhandene bessere Arbeit»- bedingungen sollen bestehen bleiben. Die neuen tariflichen Bedingungen sollen für die Zeit vom 1. Juli 1922 bis 31. März 1924 gelten. Binnen zwei Wochen nach Fällung des Spruches sollen sich die Parteien über Annahme oder Ablehnung erklären. Redner bemerkte, daß der Spruch nicht be- friedige, er habe eine Enttäuschung gebracht. Nach eingehen- den Beratungen glaube die Mehrheit der beiden Körperschaften. Lohnkartell und Tarifkommission, jedoch die Annahme des Spruches befürworten zu können. Sie schlagen eine Urabstimmung in den Betrieben vor. In der Aussprache wandten sich fast alle Redner mit mehr oder minder großer Schärfe gegen den Schiedsspruch. Eine Resolution, die der Versammlung unter einigen Vorausjetzungen die Annahme des Schiedsspruches in der_ Urabstimmung empfiehlt, wurde abgelehnt. Dann wurde die llr- absiimmung gegen 1 Stimme beschlossen. Sie soll bis Mittwoch, 1 Uhr. erledigt sein. Wie Lagodzinski mitteilte, muß nach dem Beschluß der Versammlung die Abstimmung unter Hin- weis auf den Streik stattfinden. Vor Schluß der Tagung wurde noch ein Antrag für den Ge- werkschaftskongreß angenommen, der sich scharf gegen die Technische Nothilfe ausspricht und den Ausschluß solcher Mitglieder aus den freien Gewerkschaften verlangt, die an dieser Art Nothilfe beteiligt sind._ Die�Moröserie in