Nr. 194 39.Jahrgang Ausgabe B Nr. 96 Bezugspreis: Bierteljährl. 90,- M., monatl. 30,- 2. frei ins Saus, voraus zahlbar. Poftbezug: Monatlich 30,-., einschl. 8ustellungsgebühr. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- u. Memelgebiet, sowie Defterreich u. Luxemburg 61, M., für das übrige Ausland. 82,- M. Vostbestellungen nehmen an Belgien, Dänemart, England, Efthland, Finnland, Frankreich. Holland, Lettland. Luxemburg, Defterreich. Schweden, Schweiz, Tschecho- Slowatei und Ungarn. Der„ Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Zeit", der Unterhaltungsbeilage Seimwelt" und der Beilage„ Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonn tags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: " Sozialdemokrat Berlin" Abend- Ausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt Groß- Berlin 50 Pt. auswärts 60 Pfennig Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezcile toftet 12,- Kleine Anzeigen" bas fettgedruckte Wort 3,- M.( zuläffig zwet fettgedruckte Worte), jebes weitere Wort 2,- M. 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Dem Krach, dreißigjähriges Moratorium und lehnten den Ersatz der Kriegsden der Sonnabend brachte, folgte gestern ein neuer Speftafel, als schulden ab. In englischen Delegationstreifen ist man Ratowski im Auftrage der Sowjetdelegation ein neues Me dagegen der Ansicht, daß es sich bei den russischen Forderungen um morandum vorlegte, das als Spezialantwort auf die ersten Höchst forderungen handele. Bon einem russischen ultifieben Punkte der Londoner Sachverständigent entschrift gelten soll matum fei teine Rede. Es sei gewiß ein ernster Umstand, daß und wesentlich weitergeht als die bekannte Antwort der Ruffen auf die Russen soviel verlangten, aber man müsse Geduld haben, fie das Londoner Gesamtmemorandum. Die Anerkennung der Kriegs- würden schon von ihren Forderungen zurückgehen. Uebrigens lägen fchulden und der Sozialisierungsschäden macht die russische Delega- teine neuen russischen Forderungen vor, es handele sich nur um eine tion in ihrem neuesten Schreiben abhängig von einem lang. Wiederholung einzelner Punkte, die in dem nicht amtlichen ruffischen fristigen Memorandum, das auch die Zinsen einschließt. Memorandum enthalten seien. Eine Anerkennung soll für diejenigen Staaten nicht in Frage fommen, mit denen Rußland sich zurzeit in Grenzstreitigkeiten befindet. Weiter wird u. a. die Rückerstattung aller Immobialwertgegenstände Barthous Optimismus. des ehemaligen Rußland verlangt. Nach einer franzöfifchen Berfion aus Genua: Die Spannung, welche sich gestern in Konferenzfreifen Paris, 25. April.( WTB.) Havas verbreitet folgenden Bericht soll der Vorsitzende der Rommission, der Engländer Evans, darauf bemerkbar machte, trat heute noch deutlicher zutage. Sie wird behin tie Russen, mit denen man nicht verhandeln könne, aufsonders in den Kreisen der Entente und der Kleinen Entente ge gefordert haben, die Sigung zu verlassen. Dieser würdigt, wo der allgemeine Eindruck heute abend zum Optimis. Aufforderung tamen jedoch die Russen nicht nach. Die Alliierten mus neigt. Wenn auch feine offizielle Sigung der Konferenz heute beschlossen Bertagung, um heute ohne die russischen Delegierten zusammenzutreten. Auf Vorschlag Lloyd Georges soll ein Fragebogen formuliert werden, der Bezug nimmt auf die erften sieben Bunfte des Londoner Memorandums über die russische Frage und der von ten Russen eine flare Antwort mit Ja oder Nein verlangt. Es ist taum anzunehmen, daß die russische Delegation den Alliierten ohne weiteres diesen Gefallen tun wird. Tschitscherin und Kraffin wissen felbst am besten, daß sie in Genua nichts zu verspielen haben und stellen deshalb ihre Antwort dementsprechend ein. Aber auch ohne ten ungünstigen Verlauf dieser Verhandlungen fann man noch feineswegs von einem gesicherten Fortgang der Konferenz sprechen und deshalb noch weniger ein pofitives Ergebnis in Aussicht stellen. Der Wunsch, die Beratungen bald zu Ente zu führen, ist allgemein. Die Kommissionen beeilen sich deshalb, ihre Arbeiten schnell zu erledigen, um über zusammenfassende Entschließungen, die zunächst der Hauptfommission und dann der Bolltommiffion vorgelegt werden sollen, Beschluß zu fassen. Je näher man dem Abschluß der Kommiffionsberatungen kommt, desto mehr zeigen sich die Berschiedenheiten der Auffassungen, wurde z. B. um nur einen Fall anzugeben stattfand, so fand doch eine wichtige Privatunterredung zwischen Lloyd George und Barthou während des Frühstücks statt, daß die franzöfifche Abordnung zu Ehren der britischen Bevoll mächtigten veranstaltete. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Berlag. Ervebition und Inseraten. Abteilung Morisplay 11753-54 Arbeit und Seelenkunde. Ein Staatsinstitut für Arbeitspsychologie. Bon Dr. Alfred Beyer. So oft Menschen miteinander in Berührung kommen, treiben sie angewandte Psychologie. Der gewandte Berfäufer, der dem Kunden statt eines Schlipses, den er wirklich taufen will, mehrere andere dazu anhängt, das Warenhaus. das durch die geschickte Anordnung seiner Schaulager Wunschvorstellungen erregt, so daß der Käufer das Haus statt mit der Kleinigkeit, die zu kaufen er tam, mit einem schweren Batet verläßt, der Straßenhändler, dessen wertloses Zeug Absatz findet, weil er das Publikum geschickt beredet, der Schöpfer einer wirksamen Reflame, die einem unwillkürlich einfällt, wenn man einen bestimmten Artikel kaufen will, sie alle danken ihre Erfolge der angewandten Psychologie Schwindelfirmen und Wettkonzerne, ja selbst die für den fünstler würden fangweilig wirten trop objektiv guter Leieinzelnen so gut wie aussichtslose Lotterie leben von der Erzielung rein seelischer Wirkungen. Der Afrobat, der Vortragsftungen, wenn sie nicht sorgfältig berechnend psychologische Wirkungen erzielten. Der Dekorateur, der Rechtsanwalt, der Politifer, der Diplomat find Psychologen, weil sie feelische Wirkungen zu erzielen streben. Selbst Hausmittel und ärztliche Rezepte wirken entsprechend dem Einfluß deffen, der sie verschreibt oder empfiehlt. Die mächtigste Waffe im Verkehr des Menschen mit dem Menschen ist die Seele. Orden, Titel und Amtsgewalt verstärfen rein psychologisch die Wirkung der Persönlichkeit, ja sie tönnen sie voll ersetzen, wie zahllose Köpenifiaden beweisen. Wer also die angewandte Psychologie für überflüffig hält, weiß nicht, welch ungeheure Rolle sie im Dasein spielt. Der Vertreter der Havasagentur glaubt zu wiffen, daß die Su sammenkunft sehr herzlich war. Lloyd George bestätigte zuerst seine Ueberzeugung, daß tein Abkommen in Genua getroffen werde und feine Regelung zum Ziele führen und dauerhaft sein fann, ohne die Entente zwischen Frankreich und Eng. Bis vor furzer Zeit war die angewandte Psychologie ein land, welche gemissermaßen der Schlußstein des europäischen Ge- rein privates, persönlich erarbeitetes Rüstzeug. Aber wie bäudes ist. Unter diesen Umständen haben die Führer der britischen bei allem, was die Kulturmenschheit befigt, ist der höchste und der französischen Abordnung die Prüfung der großen Probleme, Mugen nur zu erzielen, wenn dies Rüstzeug nicht rein zufällig welche der Konferenz vorliegen, unternommen. Sie waren darin und willkürlich durch einzelne, sondern planmäßig von einig, die Notwendigkeit anzuerkennen, daß eine gemeinsame der Gesamtheit angewandt wird. Saltung eingenommen werden müsse. Das ist eine sehr interessante Entschließung, welche einen entscheidenden Einfluß auf die eingeleiteten Verhandlungen haben fann. Amerika und die deutsche Auslandsanleihe. die trotz aller Verhandlungen weiter bestehen. Soweit der Gang London, 25. April.( WIB.) Reuter meldet aus New Yort, der bisherigen Berhandlungen Feststellungen erlaubt, ist nur mit daß Pierpont Morgan die Einladung der Reparationskom wenigen einstimmigen Beschlüssen zu rechnen. Am Montag mission, Mitglied des Ausschusses zur Erwägung der Möglichkeit der im zweiten Unter- Ausgabe einer internationalen Anleihe für Deutsch ausschuß der Wirtschaftskommission über die Sonderbesteue- land zu werden, angenommen hat. Morgan wird Mitte Mai rung ter ausländischen Unternehmer Beschluß ge nach Europa cbfahren. fast. Während Frankreich und Italien die Sonderbesteuerung verlangten, stimmten Japan, England, Desterreich, Deutschland, Spanien werde erklärt, daß unter geeigneten Bedingungen ein beträchtlicher " Times" meldet aus New Dort, von amerikanischen Bantiers und ein weiterer neutraler Staat einem japanischen Antrag zu, der Teil der deutschen Obligationen in Amerita untergebracht werden eine Sonderbesteuerung nur in Ausnahmefällen und auch dann nur fönne. zuläßt, wenn alle Nationalitäten gleichmäßig getroffen werden. Diese geteilte Zustimmung birgt natürlich große Gefahren in bezug Deutsche Anträge im Finanzausschuß. auf die Durchführung der gefaßten Beschlüsse in sich. Unter den Genua, 25, April.( WTB.) Am 24. April fand eine Sigung der heutigen Machtverhältnissen und nach den bisher gemachten Erfah- Unterkommission des Finanzausschusses für Kreditfragen, unter dem rungen muß man befürchten, daß gewisse Staaten die ihnen Vorsiz von Sir Evans statt. Der Vorsitzende wies einleitend darauf unbequemen Beschlüsse der Konferenz einfach nicht halten werden. hin, daß zu den Artikeln 37, 38 des Memorandums von London Eine Bedeutung kann den Beschlüssen also erst zukommen, wenn eine Reihe von Abänderungsvorschlägen vorlägen. Der Artikel 37 den Abmachungen eine Eicherungsflausel beigefügt wird, behandelte die Grundzüge der internationalen Kredit die alle Mächte nicht nur zur Innehaltung, sondern auch zur Durch gebarung. Der Artikel 38 gebe die nähere Bestimmung der für führung angenommener Abmachungen verpflichtet. die Kredite zu stellenden Sicherheiten. Die russischen Forderungen. Bei Pflanze und Tier erforscht die landwirtschaftliche Kultur die für den Menschen nüzlichen Einzeleigenschaften forgfältig und bringt sie durch systematische Züchtung zu einer ertremen Entwicklung. Die Folge ist, daß in dem Produkt der Züchtung eine einzelne Eigenschaft auf Kosten des ganzen natürlichen Charakters der Pflanze oder des Tieres so überentwickelt wird, daß die Stammeltern ihnen nicht einmal mehr äußerlich ähneln. Während man diese sorgfältige wissenschaftliche Kultur anwendet, weil schon die Variations- und Entwicklungsfähigkeit von Pflanzen und Tieren ungeahnte Erfolge zeitigt, geht man unachtsam und gleichgültig daran vorüber, daß die Anpassungsfähigkeit, ja schon die unfaßlich komplizierte und mannigfache Anlage des Menschen eine natürgar nicht abzuschäzende Produktionssteigerung ermöglichte. liche Differenzierung für die Kulturberufe darstellt, die eine Laufenden von Kulturberufen stehen Tausende von natürlich individuellen Leistungsmöglichkeiten gegenüber. Anstatt aber dem Beruf das für ihn spezifisch geeignete Individuum zuden Berufen zuströmen, geleitet durch Zufall, wirtschaftliche zuordnen, fordert die Kultur rein zahlenmäßig Kräfte an, die oder soziale Lage, Tradition oder tatsächliche Unkenntnis der gewaltigen Mannigfaltigkeit der Kulturberufe. meisten gewerblichen Arbeitern stimmen natürliche Anlage mit Bei den dem Beruf und der Betätigung nicht überein. Eine geradezu groteske Verschwendung! Die Arbeit ist der Fluch der Menschheit", solange das Individuum gezwungen ist, sich sein tägliches Brot durch eine Minister Hermes stellte für die deutsche Delegation den An Arbeit zu verdienen, bei der die Leistung durch Organe volltrag, in die Ueberschrift zu dem Kapitel Kredite die Worte aufzu- bracht wird, deren Betätigungstrieb geringer ist, als der anGenua, 25. April.( WTB.- Sonderbericht.) In der gestrigen dort, wo von der internationalen Korporation die Rede sei, durch Organen arbeitet, arbeitet mit Lust und Liebe. Der Sportsnehmen einschließlich langfristiger Anleihen", und derer besser entwickelter Organe. Wer mit gut entwidelten Sigung der alliierten und russischen Sachverständigen, in der die Ergänzung flarzustellen, daß an den wichtigen finanziellen Trans- mann, der Gelehrte, der Musiker und Maler, der Bastler und Frage der Entschädigung für das beschlagnahmte attionen auch internationale Finanzfynditate be Afrobat, der Kaufmann und Handwerker, sie alle finden ihre Eigentum zur Sprache tam, wurde russischerseits erklärt, eine teiligt sein sollen. Er führte hierzu folgendes aus: In Artifeln 37, höchste Zufriedenheit in der Arbeit, wenn ihre Arbeit, das Rückerstattung oder ein Ersatz des beschlagnahmten Eigentums fönnte 38 werde die internationale Rorperation als die Einrichtung be- Umjazzbedürfnis gut entwickelter Organe befriedigt. Unperfönnicht erfolgen, da alles nationalisiert sei. Dagegen verlange Rußzeichnet, die die Kreditgewährung verwirklichen wolle. Die deutsche liche Arbeit ist Fron. Natürlich qualifizierte Arbeiter I and die Auslieferung des Geldes der vormaligen russischen Re- Delegation stelle ausdrücklich nochmals fest, daß die Schaffung jeder und jeder Mensch ist für eine individuelle Leistung geschaffen, gierungen, das sich noch in französischen und englischen Banten be- internationalen Organisation, die sich mit dem Wiederaufbau auch wenn wir dies infolge Vernachlässigung der Physiologie finde. Auf den englischen Einwurf, wie man denn Rückerstattung Europas und insbesondere mit dem Wiederaufbau der wirtschaftlich und Psychologie bisher weder untersucht haben, noch zurzeit fordern fönne, wenn man felbft teinen Ersatz leisten wolle, er schwachen Staaten beschäftigt, seine vollen Sympathien haben. eraft nachweisen können leisten qualitativ hochwertiges widerten die Russen, das sei darin begründet, daß es in Rußland Darum habe auch Deutschland unverzüglich schon im Monat Februar und erzielen den mehrfachen Leistungserfolg ohne fubjektive fein Privateigentum mehr gebe, wohl aber in Engber internationalen Rorporation seine Mitarbeit zur Verfügung ge- Anstrengung mit innerer Zufriedenheit. land und in Frankreich. Die Russen schlugen vor, daß die Alliierten sich an staatlichen Rorporation auf allen Gebieten der europäischen Wirtschaft und der machen in ununterbrochener Reihe im Laufe weniger Jahre Die ständig zunehmenden Anforderungen der Menschheit Aktiengesellschaften mit ihrem Kapital beteiligen sollten, europäischen Finanzen von Erfolg begleitet sein würde. Die zehnte aus seltenen lururiösen Bedarfsartiteln Gegenstände die binnen kurzem gebildet werden würden; Privatattienge- deutsche Delegation glaube aber, daß bei finanziellen Transaktionen des täglichen Bedarfs. Eine rapide Entwicklung der Technik fellschaften seien dagegen in Rußland nicht zulässig. von solcher Bedeutung, wie sie die Lösung der gegenwärtigen war die Folge der gesteigerten Konsumtion. Man verlängerte Der französische Borsigende erklärte darauf, die Diskussion sei Probleme mit sich bringe, auch auf die Finanzgruppen hin- den natürlichen Arbeitstag der in heißen und subtropischen fehr nüßlich gewesen, man verstehe jetzt den russischen Standpunkt. gewiesen werden sollte, denen die Durchführung dieser großen Trans- Gegenden wohnenden Menschen, indem man fie in relativ Für den Augenblid halte er eine Fortsetzung der Erörterung für aftionen entweder in Berbindung mit der internationalen Korpo- fühlere Gegenden verpflanzte, man ersetzte den Menschen durch zwedlos. Die Sigung wurde darauf vertagt mit der Begrün- ration oder unter Umständen auch allein obliegen tönnte. Es er- die Maschine. Und doch ist schon heute der Zeitpunkt zu be= dung, daß die Frage ohne die Ruffen erörtert werden müsse. Morgen scheine nicht gerechtfertigt, diefe Gruppen hier zu übergehen, im Hin- rechnen, an dem alle diese bis zum äußersten ausgenügten mird eine Bersammlung der Sachverständigen ohne die Ruffen abge- blick auf die außerordentliche Rolle, die sie beim Wiederaufbau Maßnahmen eine weitere Steigerung der Produktion nicht halten werden. Europas zu spielen berufen sein würden. mehr ermöglichen. So entstand von selbst der Gedanke einer stellt. Es erwarte, daß die Arbeiten einer solchen internationalen individuellen Auswertung des Menschen, des wertvollsten Betriebsmittcls, über das die Natur verfügt. So erhielt dieser Gedanke seine gewaltige Suggestivkraft, der nur die widerstehen, denen das Problem überhaupt fremd ist. Die angewandte Psychologie hat keine Gegner, denn die große Zahl derjenigen, die mit dem Argument operieren, daß wir früher ohne angewandte Psychologie ausgekommen feien und daß es daher auch in Zukunft ohne sie gehen werde, sind nicht ernst zu nehmen. Ihnen selbst müßte die natürliche Eni- gegnung einfallen, wenn sie wirklich über das Problem nach- gedacht hätten. Eisenbahn, Telegraph und Telephon hat die Menschheit auch nicht entbehrt, solange sie sie nicht besaß, trotzdem aber würde das Volk im Konkurrenzkämpfe der Nationen unterliegen müssen, dem diese oder andere wertvolle Kulturgüter genommen würden. Sofern der Arbeiter der Arbeitswissenschaft mißtrauisch gegenübersteht, tut er dies, weil das berüchtigte Taylorsystem die rein kapita- l i st i s ch e Seite der wissenschaftlichen Betriebsführung kulti- viert hat. Trotzdem muß es zu denken geben, daß sogar die Arbeiter rein kapitalistisch taylorisierter Betriebe wesentliche Zunahmen ihres Arbeitsverdienstes erreicht haben und daß sie sich nach der Arbeit mehr und frischer ihren Lieblingsbeschäfti- gungen hingeben, als Arbeiter anderer Betriebe. Der Arbeiter soll dem für ihn geeigneten Beruf zuge- wiesen werden. Eine genaue körperliche und geistige Unter- suchung muß einen der über 10 000 Kulturberufe als für ihn besonders geeignet und daher auch besonders vorteilhast siir ihn und die Allgemeinheit erscheinen lassen. Aber die Arbeit muß auch dem Menschen angepaßt werden. Die Maschine oder die Anforderungen des Betriebes dürfen nicht mehr als das Feststehende, unabänderlich Gegebene angesehen werden, sondern sie müssen so modifiziert werden, daß die Verrichtung automatisiert werden kann. Die monotone Arbeit ist nämlich das Gegenteil einer Automatisierung. Die monotone Arbeit gibt dem Bewußtsein keinen Inhalt und verlangt trotzdem eine Spannung der Aufmerksamkeit. Anders die Automatisierung: sie schaltet umgekehrt die uner» trägliche Spannung der Aufmerksamkeit aus. Wie beim kompliziertesten natürlichen Akt, beim Gehen oder auch beim Radfahren oder dem Steuern eines Autos müssen die erforder- lichen Betätigungen in der Richtung natürlicher Reaktionen und Reflexe auch im Beruf entwickelt werden. Ueber 30 Betriebe der Metallindustrie arbeiten heute nach wissenschaftlichen Methoden der angewandten Psychologie mit ausnahmslos günstigen Erfolgen. Aber schon stürzen sich ge- wissenlose Existenzen, die eine günstige Konjunktur wittern, auf das Arbeitsgebiet und diskreditieren durch reklamehafte Versprechungen, durch unwissenschaftliche Arbeitsmethoden das so vielversprechende Arbeitsgebiet. Jeder baut sich fein eigenes System, jeder glaubt den allein seligmachenden Rat erteilen zu können, während wieder andere durch mechanische Einpauk- kurse eine fehlende Anlage glauben ersetzen zu können. Nicht Kenntnisse, sondern natürliche Fähigkeiten will die angewandte Psychologie feststellen, nicht dem einzelnen, son- dern ihm und der G e s a m t h e i t soll durch die neue Wissen- schaft geholfen werden. Um einer Entartung vorzubeugen, um eine Sammlung und Wertung aller Methoden zu ermög- lichen, um eine Anregung nach Ergänzung wichtiger For- schungsgebiete geben zu können, um vor allen Dingen eine Be- rückfichtigung wichtiger sozialer Fragen zu garantieren. brauchen wir ein st a a t l i ch e s I n st i t u t, das in engster Fühlung mit den Betrieben und unter Heranziehung er- fahrener Arbeiter, Volkswirtschastler und Gewerbeärzte verhindert, daß sich die praktische Psychologie zu einem Ge- werbe entwickelt, das Selbstzweck wird und dadurch den natür- lich sozialen Charakter der angewandten Psychologie vernichtet. Der aufreibendste Beruf ist der verfehlte Beruf! Die Zahl der Neurotiker, die an ihrem Beruf kranken, ist größer als der Laie glaubt. Darum ist die angewandte Psychologie kein aus- schließliches Mittel zur Hebung des Wohlstandes, sondern diese ist lediglich die angenehme Begleiterscheinung. Im Mittelpunkt dieser Wisienschaft muß die Erreichung i n d i v i» duell geeigneter und für die Gesundheit des einzelnen Arbeiters passender Leistung stehen. Nur dann kann der �tustisibe Reklame. Ems der wichtigsten Gebiete der Kultur ist zweifelsohne die ?liekl die in einen Gegensatz zum jetzigen Bundesvorstand wegen dessen radikal-politifcher Ten- denzen geraten sind. Die Genannten stehen auf dem Standpunkt, daß man auf gemeinnützigem Gebiet auch mit AndersdekikSn- den, also bürgerlichen Abstinenzvereinen zusammenarbeiten kann, während die Bundesleitung jede Zusammenarbeit ablehnt.— Wir haben sachlich gegen das Zusammenarbeiten der verschiedenen ab- stinenten Richtungen gar nichts einzuwenden. Bei den von Katzen- stein genannten Personen besteht auch keine Inkonsequenz zwischen ihrer Haltung im Abstinentenbund und ihrer sonstigen politischen Tätigkeit, während es uns bei Georg Daviosohn natürlich ausfallen mußte, daß er als Abstinent ebenso stritte f ü r ein Zusammengehen mit Bürgerlichen wie als„Freiheit'-Redokteuc strikte dagegen ist. I Roßlanö. Die Steppe breitet ihre Hungerarme. Mütterchen Erde, nimm die Kinder aufl Die kleinen Leichen türmen sich zuhauf— Dort schon verweste, hier noch lebenswarme. Es krampst das Land sich in ersticktem Harme: Erlöser Tod beschleunigt seinen Lauf— Ein wilder Angstschrei gellt zum Himmel auf, Ob sich die Welt, die grausame, erbarme. Wer sind sie, die am Wegcsrand oerderben? Opfer für dich! Ruhlos für deine Rast, Blutend für jene, so die Zukunft erben. Sie nahmen einer Menschheit Sündenlast Aus ihre schwachen Schultern, und sie sterben. Damit d u wieder eine Heimat hast. Helene Scheu-Riesz. Entdeckung von Riesenhöhlen mit Tiermnmien. Höhlen in einer Tiefe von 60 Fuß und einer Ausdehnung von vielen KUometern sind in dem Kostergebiet westlich von Prätoria entdeckt worden, wie aus Johannesburg berichtet wird. Die Erforschung ist mit großen Schwierigkeiten verknüpft wegen der vollkommenen Dunkel- heit der Höhlen,' der Gefahr herabstürzender Felsen und dem LZor- handensein von Spalten. Man stieß zufällig auf diese Riesenhöhlen, die in einem unbewohnten Gebiet 40 Kilometer von der Eisenbahn entfernt liegen. Es wurden verschiedene mumifizierte Körper von Tieren entdeckt, und zwar von Tigern, Affen, Antilopen usw. Auf dem Boden liegen große Mengen von Knochen und Feuer st einwerkzeugen. Die Kapelle als Frachtgut. Ein Amerikaner hat die Trümmer der berühmten, aus dem Jahr« 13S0 stammenden Kartäuserklause von Bell-Croix angekauft, die eine Anhöhe in der Nähe des bei A v i g n o n belegenen Städtchens Billeneuve krönt, und gedenkt die Ruine demnächst auf einem Schiff zu verfrachten, um sie nach den Bereinigten Staaten zu überführen. Das kostbarste Stück dieser Kapellenruine besteht aus einem mit reichem Schnitzwerk versehenen Torbogen, der wahrscheinlich das ursprüngliche Eingangs- tor der verfallenen kleinen Kirche geziert hatte. Trotz den energischen Protesten der Einwohner hat der Käufer eine Anzahl Sachverständi- ger nach Billeneuve geschickt, die den Auftrag haben, für ordnungs» v mäßige Aufnahme und Verpackung der Ruine zu sorgen. Zu diesem Zweck wird jeder einzelne Stein photographiert und numeriert. Hunderte von Kisten stehen bereit, um das eigen- artige Frachtgut aufzunehmen. ?4e«lalerie Eduard 2ch»lte, Unter den Linden 7.�76. dringt in ihrer neuen Ausstellung Kollellionen von irranz Eichborst- Berlin, Edward Cucuel-Münchcn, Ludwig Holelich f. Gotlfr. Riemonn-Marmllist. Ernst Bfannichmidt-Eharlottenburg, Theodor Rocholl-Düssetdorj Mlb AlbcU Hpethmomt- München. »Kaiser poincarS/ Londo«, 28. April.(WTB.) Die Rede Poincares m Dar-le-duc findet in der Presse große Beachtung. Während„T i m e s' schreibt, die Erklärung Poincares sei frei von Rhetorik und Drohungen, nennt„W e st m i n st e r Gazette' die Rede eine an Deutschland gerichtet Drohung. „Daily Herald', das Tageblatt der englischen Arbeiter- partei, überschreibt seinen Leitartikel über die Rede„Kaiser P o i n c o r e" und gibt den europäischen Staatsmännern den Rat, Poincare zu ignorieren und ihren Weg weiter zu verfolgen. Wenn Poincare seine Stellvertreter aus Genua zurückziehen wolle, so sollen sie um Himmels willen gehen, sie seien dort nur eine Plage. Poincare sei eine Gefahr, well er ernst genommen werde. Sobald sein Bluff enthüllt sei, werde er auf- hören, Europa zu verpesten. „Daily News' schreibt, Poincare spricht von der Ent- schlossenheit, Maßnahmen„wenn nötig allein' zu treffen, um Deutsch- lands Kasien zu leeren. Das bedeute, daß er wisse, Groß- brttannien werde ins Ruhrgebiet nicht einmar- schieren. Es bedeute aber auch die moralische Isolierung Frankreichs, die für olle offenkundig sei. Durch die Demo- ralisierung der Verhandlungen in Genua hätten die französischen Staatsmänner dem Ansehen, dem Ruhm und den Aussichten Frankreichs selbst ernstlich Schaden zugefügt. „Daily Chronicle" schreibt in einem„Poincares Säbel' üb erschri ebenen Leitartikel: Die.seltsame Aktion der fran- zösischen Delegation in Genua am letzten Sonnabend, die versuchte, eine neue Krise aus dem alten Material zu erzeugen, von dem jedermann hoffte, daß es erledigt sei, wurde von den in Genua an- wesenden Personen auf das Treiben Poincares zurückgeführt. Dieser Eindruck werde jetzt durch die unglückliche Rede bestätigt, die Poincare gestern in Bar-le-duc hielt. Eine Rede wie die gestrige des französischen Premierministers, die von einem Richtteilnehmer außerhalb der Konferenz gehalten wurde, sei t o t w i e e i n Eisen- stück, das von außen in eine feine Maschinerie geworfen wurde, und bedeutet, daß bei der Person, die es geworfen hat, nicht der Wunsch zu helfen besteht, sondern zu zerstören. Die Drohung mit den Zwangsmaßnahmen enthält die letzte Drohung, daß Frankreich die Alliierten unberücksichtigt lasten und den Säbel allein schwingen werde, wie es ihn in Frankfurt geschwungen hat. Die Alliierten Frankreichs könnten nur antworten, was sie damals sagten, nämlich, daß, wenn Frankreich bei seinem Berfahren gegen- über Deutschland seinen eigenen Weg gehe, es die weitere Unter- stützung Englands nicht erwarten kann. Bereits bei zwei Anlasten ist Frankreich allein vorgegangen: das erstemal, als es in Frankfurt eindrang und dann, als es hinter dem Rücken Eng- lands unter Verletzung klarer Versprechungen den verräterischen Bertrag von A n g o r a abschloß. Wenn Frankreich zum dritten Male versuchen sollte, vom gemeinsamen Wege abzuweichen, so würde die Bereitschaft Englands, mitzuwirken, dies kaum überleben. Das Echo kn Jrankreich. Paris, 25. April.(EP.) Zu der Rede Poincares bemerkt„H u- manite": Die Entente cordiale ist bei dem Zusammen- stoß, der gestern erfolgte, gestorben. Aber morgen wird Eng- lanö, die ewige Beherrscherin der Koalitionen, eine Koalition gegen Frankreich knüpfen, die größte Koalition, die die Welt je gesehen haben wird. Es ist nicht nötig, Sehergabe zu haben, um die nahe Zukunft vorauszusehen. „Oeuvre': Wenn man sich noch damit begnügen würde, Deutschland den Krieg zu erklären, aber um sicher zu sein, die ganze Welt gegen'sich zu haben, beleidige» und bedrohen einige Zeitungen Italien und England. Wir sind also bereit, die Napoleoni- schen Kriege wieder anzufangen, um der Welt zu be- weisen, daß wir nicht imperialistisch sind. Tardie« noch immer unzufrieden. Andre Tardieu findet, daß gestern auch Poincare in Var-le-Duc wie Briand im April 1921 den Deutschen nur g e- r o h t habe, ihnen die Hand an den Halskragen zu legen. Aber r sei nunmehr drei Monate im Besitz der Macht, er habe ver- arochen, die Politik seines Vorgängers nicht mitzumachen. Er habe es dennoch getan: erst habe er das Programm Briands angenommen und jetzt halte er die gleichen Reden wie Briand. Alles kehre wieder. Er glaube anscheinend, daß die öffent- liche Meinung in der Welt den militärischen Demonstrationen günstig gesinnt sei, g ü n st i g e r gesinnt als vor einem Jahre. Er vergißt und will vergessen, daß alle Zahlungen Deutschlands bis zu diesem Tage von den Okkupationskosten aufge- wogen wurden, was eine schön« Ermutigung ist, sie zu erhöhen. Er verliert aus dem Auge, daß die Besetzung des Ruhrgebiets keine Zwangsmaßnahme mehr ist. Er sieht nur eine Sache, die Betonung feiner Kraft: indem er die Gefahr heraufbeschwört, ist es ihm leicht. sie vorauszusagen. Paris. 23. April. Die Rede, die in Bar-le-duc gehalten wurde, kann gewissermaßen als Musterbeispiel für die vielen Reden gelten. die aus Anlaß der Eröffnung der Generalräte in den anderen Departements gehalten wurden. Die meisten Vorsitzenden, fast sämtlich führende Politiker aus Kammer und Senat, haben sich über die Konferenz, über die Rcparationsfrage und zum Tell auch über das noch nicht angenommene Militärdienstgesetz in gleichem Sinne wie Ministerpräsident Poincare ausgesprochen, dessen Politik in'Frankreich und in Genua in Tagesordnungen gebilligt wurde. Außerdem wurde meistens die restlose Anwendung des Versailler Vertrages verlangt und der„Pazifismus' Frankreichs betont. der 7. Nai. Gesetzlicher Feiertag auch in Thüringen. Weimar. 25. April.(Eigener vrahtbericht.) Nach heftigen Rcdekämpscn beschloß der Thüringische Landtag heute vormittag mit allen Stimmen der drei sozialislischen Parteien gegen alle Bürgerlichen, den 1. ZN a i als gesetzlichen Feiertag zu er- klären. Das Gesetz tritt sofort in Kraft. Sühne für petersöorf. Die deutsche Regierung hat auf die letzte Rote der Alliierten wegen der Verfolgung der in der P e t e r s d o r f e r Angelegenheit verwickelten Deutschen geantwortet, daß auch sie eine Sühne für die Bergehen als notwendig erachte, daß aber ihre Be- mühungen zur Ergreifung der Personen bis zur Stunde noch ohne Erfolg geblieben sind. Ein öementiertes Gerücht. Die Meldung eines Berliner Mittagsblattes, wonach die Reise des Staatssekretärs im Auswärtigen Amte, o. S i M s o n, nach Berlin im Zusammenhang mit einer Personalveränderung im Auswärtigen Amte steht, wird von amtlicher Seite de- mentiert. Die voltshochsthule in Gefahr. Berlin will dm Zuschuß hemnlerdrückm? Die seit zwei Iahren bestehende Volkshochschule Berlin hat in dieser kurzen Zeit eine so erfolgreiche Entwicklung gehabt, daß sie überall im Deutschen Reich und auch im Ausland zunehmende Anerkennung findet. Um so mehr überrascht die Nachricht, daß der bisher von der Stadt Berlin geleistete Zuschuß im neuen Rechnungsjahr einge- schränkt werden soll. Infolge der Entwertung des Geldes und der entsprechenden Steigerung des Kostenanschlages der Volkshochschule wären statt der für das letzte Rechnungsjahr gewährten fjOOOVO M. jetzt 996600 M. nötig, aber der Zuschuß soll auf 400000 Mark verringert werden. Gegen diese aus dem Magistrat bekannt gewordene Absicht richtete gestern die Volkshochschule in gemeinsamer Sitzung des Vor- standes und des Ausschusses eine Kundgebung. Der Vorsitzende, Stadtrat a. D. Genosse S a s s e n b a ch, betonte die Notwendigkeit, sich gegen die drohende Gefahr zu wehren. Universitätsprofestor Dr. Merz, der Direktor der Volkshochschule, sprach über die Eigen- ort dieser Bildungsstätte, die Vertreter des Forschertums mit dem Mann aus dem Volke zusammenbringt und im Geiste bester Wissenschaftlichkeit breite st e Schichten der Be- völkerung in eine innere Beziehung zur Kultur zu setzen sich bemüht. Unter ihren jetzt etwa 6000 Hörern sind 80 Prozent mit Volksschulbildung. Die Hörer haben sich zur Per- Koppelung der Hörgcbühr bereit erklärt, aber auch hiermit ist von der auf etwa VA Million Mark sich belaufenden Gesamtausgabe nur ',4 Million gedeckt. Wird dieser Anstalt der Zuschuß gekürzt, so ist ihr der Zusammenbruch sicher, was nicht nur für Berlin, sondern für die ganze deutsche Volkshochschulbewegung ein vernichtender Schlag wäre. Die Stadt hat in ihren Ausgaben von 1921/22 über 136 Millionen für Volksschulen, ziemlich 4 Millionen für Mittelschulen, annähernd 40 Millionen für höhere Schulen, aber nur 600 000 M. für die Volkshochschule. Pro Kops der Bevölkerung macht das für Volksschulen 30,30 M., Mittel- schulen 90 Pf., höhere Schulen 8,82 M., für die Volkshoch- schule 13 Pf. Für die Volkshochschule 996 00 M. wären erst 22 Pf. pro Kopf. Setzt Berlin den Zuschuß auf 400 000 M. herab, dann muß, erklärt Prof. Merz, die Volkshochschule ihre Pforten schließen. Nach längerer Erörterung, in der alle Redner die Absicht der Zuschußkürzung tadelten, wurde einstimmig eine Entschließung angenommen. Sie bittet Magistrat und Stadtverordnete dringend, „nicht durch Sparsamkeit am falschen Ort die Existenzgrundlagen der An st alt zu gefährden'. 996 000 M. sei der Mindestbedarf, wobei der schon im Herbst 1921 aufgestellte Kostenanschlag die allgemeine Preisbewegung und Aus- gabensteigerung nur zum kleinsten Teil berücksichtigt habe. Trotz sparsamster Finanzgebarung können die Volkshochschulen natur- gemäß ebenso wenig sich selbst erhalten, wie andere nicht Erwerbs- zwecken dienende Schulen. Porstand und Ausschuß erwarten, daß die städtischen Körperschaften nicht der Volkshochschule die Mittel versagen, deren sie zur Sicherung ihres Bestehens und gedeihlichen Fortwirkens bedarf. Wie wir übrigens hören, liegt in dieser Angelegenheit ein end- gülliger Magistratsbeschluß zum Haushalt noch gar nicht vor. Die Kölner Sänger in üer Staatsoper. Begrüßungsrede des Reichspräsidenten. Für den Kölner Männergesangvercin wurde in der Staats- o p e r eine umfangreiche Feier veranstaltet. Schillings dirigierte mit bemerkenswerter Freude die Egmont-Ouverwre. Die beiden größten Berliner Männergesangvereine entboten den Kölner Kollegen durch meisterhafte Sangesvorträge ihr? Grüße; besonders der RüdelscheBerein derLehrer zeigte mit dem Vortrage eines außerordentlich schwierigen und schönen Chorwerkes von Neumann, daß die Kölner hier mit einer sehr ehrenvollen Konkurrenz zu rechnen haben. Dann erhob sich Reichspräsident Ebert in seiner Loge und sprach, von einhelligem Beifall mehrfach unterbrochen, warmherzige Worte für das Rheinland. Er dankte den Kölnern und der gesamten rheinischen Bevölkerung im Namen der Staatsregierung für ihr treues Aushalten auch in schwerer Zeit und begrüßte sie als Ueberbringer einer hohen künstlerischen Kultur. Die Rede spielte ferner mit vielem Takt auf die rheinischen Abtrennungsbestrebungen an, die gerade durch dos vorbildliche Treusein der Rheinländer ab- gewehrt worden sind. Nach den Chören sprach noch in Vertretung des Ministers Boelitz Staatssekretär Becker. Und den Schluß der Feier machte das schönste aller Gesangsstücke, die Rede des Hans Sachs aus den„Meistersängern'. Die Lumpenkiste als Diebesversteck. Aushebung eines ganzen hchlernesies. Fortgesetzte Veruntreuungen eines Hausdieners haben in den letzten Monaten hiesige Geschäfte erheblich geschädigt. Jetzt endlich ist es der Kriminalpolizei nach mühevollen Beobachtungen gelungen, den Ungetreuen und feine Helfershelfer am Stettiner Bahnhof zu ermitteln und festzunehmen. Er entpuppte sich als ein erst 14% Jahre alter entsprungener Fürsorgezögling Eharlie Arft aus Hamburg, der hier in Berlin bei einem Pflege- vater wohnte. Das gutgekleidete Bürschchen nahm unter ver- schiedenen Namen bei großen Geschäften Stellung als Haus- d i e n e r an und wurde auch in der Regel sofort a n g e- nommen, weil er sehr nett auftrat und einen durchaus vertrauenerweckenden Eindruck machte. Seine Papiere wollte er stets bald nachbringen. Sobald der neue Hausdiener wertvolle Waren erhielt, verschwand er damit, in einigen Fällen schon nach der ersten halben Stunde. Hand in Hand mit ihm arbeitete ein gewisser Herbert Ladewig aus der Gartenstraße. Die Ermittelungen ergaben, daß Eharlie und fein Freund alles an einen Allhändler Skibbe in der Schlegelstraße verkauften. Als die Beamten mit Skibbe, den sie an anderer Stelle ermittell hatten, sich nach dessen verschlossenem Keller begaben, fanden sie diesen leer. Während sie sich in den Räumen noch umsahen, sprang plötzlich aus einer der umher- liegen de n Lumpenkisten ein Mann heraus, der zu ent- fliehen versuchte. Er wurde gestellt und als ein Händler Tietz« er- kannt. den man schon lange suchte, und der in dem Keller ein sicheres Versteck gefunden zu haben glaubte. In einem Räume neben dem Keller fanden die Beamten noch einen Mann namens Henschkel mit seiner Braut Erna Glinka. Mit Tietze stand wieder«in Hehler Friedrich Papendiek in Verbindung, der in einem Fremdenquartier in der Linienstraße mit seiner Geliebten Anna Biskup ermittelt und ebenfalls festgenommen wurde. Ter Extrazug zum Bockbierfest. Ein Gegenstück zum Eisenbahnerstreik unterlag dem Befinden der Potsdamer Reichsdisziplinarkammer. Am 12. Februar v. I.' wurden der Bahnhofsvorsteher Rats, der Lokomotivführer Schubert und drei Bahnmeister Meyer, Hunthe und B u n« s e vom Bahnhof Templin von dem Gelüste erfaßt an einem Bockbierfest in Fürsten werder teilzunehmen. Tempkin und Fürstenwerder siegen aber 1*4 Stunden Eisenbahnftreck« auseinander und der fahrplanmäßige Abendzug lag den bierdürftigen Herren zu spät. Kurz entschlossen stellte der Bahnhofsvorsteher einen E x t r a z u g zusammen, bestellend aus einer Lokomotive und einem Personenwagen 2. und 3. Klasse. Gegen 7 Uhr abends fuhr er mit den Bahnbeamten, unter Mitnahme von zwei nicht be- amteten Herren, noch Fürstenwerder. Bei Nacht und Nebel, oh-e vcrschriftsmähigen Heizer und ohne die Signale zu beachten, durchraste der Zug die Strecke. In Fürstenwerder wurde bis 3 Uhr morgens gekneipt und dann brachte der Extrazug die Herren wieder nach Templin. Diese Extrasahrt zum Bockbierfest wurde ruchbar. Die zwei nicht beamteten Herren mußten 1700 M. an den Eisen- bahnfiskus blechen und gegen die Beamten wurde ein Difziplinarver- fahren wegen Dienstvergehens eingeleitet. Die Disziplinarkammer sah die Sache etwas milder an und erkannte bei Rats auf Straf- Versetzung und 3000 M. Geldstrafe; die anderen Be- amten kamen mit Geldstrafen in Höhe von 300 bis 3000 M. davon. Noch immer königlich. Das Landgericht Berlin II, Berlin SW. 11, Hallefches Ufer 29— 31, scheint sich noch in den letzten Wochen oder Monaten vor dem 9.;.November 1918 so stark mit Kuverts eingedeckt zu haben, daß es offenibar auf ein Jahrzehnt genug hat, denn uns wird ein solches Kuvert, gestempelt Berlin SW. 11, vom 22. April 1922, vorgelegt, das bald 4 Jahr« nach der Revolution noch den Aufdruck hat:„Absender Kgl. Landgericht II, Berlin SW.11, Holle- sches User 29—31". Die Rückseite des Umschlages weist eine» gleichfalls gedruckten Stempel auf, der die Umschrift hat:„Königl. Preuß. Landgericht II Berlin". Unter solchen Umständen gewinnt die große öffentliche Kundgebung, die die Deutsche Lina für Menschenrechte am Donnerstag, den 27. April, abends 8 Uhr, in der„Neuen W« l t", Hasenheide, gegen die Miß- stände in der heutigen deutschen Justiz veranstaltet, besondere Bedeutung. Genosse Kuttner wird in dieser Bersamm- lung das gesamte schwer wiegende Material, das er anläßlich der Beratung des Justizetats bereits dem Hauptausschuß des Preußischen Landtages unterbreitet hatte, dort auch der w e i- t e r e n Oeffentlichkeit zugänglich machen. Außerdem werden sprechen Hellmut v. Gerlach, Kammergerichtsrat Freymuth, Dr. E. Ä. Gunbel und Dr. Tucholsky. Der Reichsjustiz- minister und die juristischen Abgeordneten aller Parteien sind persönlich eingeladen. Karten 3 M. bei Wert- heim, Bote u. Bock. Gewerkschaftsmitglieder 2 M. Abendkasse. „Fridericns Rex" wieder als Unruhestifter. Am Montagabend wurde in den Konkordiasälen, Andreas- straße 64, der Film„Fridericus Rex" zur Aufführung gebracht. Be. reits gegen 7 Uhr hatte sich ein« große Menge vor dem Hause an- gesammelt, so daß das Ueberfallkommando der Schutzpolizei alar- miert wurde. Es wurden zunächst 3 Beamte entsandt, doch genügten diese nicht, um die immer mehr anwachsende Menge in Schach zu halten. Deshalb mußten neue Verstärkungen der Schutzpolizei ein- gesetzt werden, da inzwischen etwa 300 junge Burschen in den Hos des Grundstücks eingedrungen waren. Den vereinten Bemühungen der Beamten gelang es schließlich, die Menge zu zerstreuen, doch wurde noch«in starker Posten zurückgelassen, der für die Aufrechterhaltung der Ruhe sorgte.— Es wird wirklich hohe Zeit, daß dieser die Bevölkerung aufs äußerste erregende und provozierend� Film schleunigst von der Berliner Filmbühne verschwindet. Fortschreitende Arbeit am Bahnhof Fricdrichftraste. Die Umbauarbeiten am Bahnhof Friedrichstraße gehen jetzt flott vorwärts. Schon vor einiger Zeit ist die vorläufige Ueberdachung des neuen Bahnsteiges fertiggestellt worden. Nunmehr sind auch die ersten Maurerarbeiten an der Nordfront in Angriff genommen wor- den, und zwar zunächst die Arbeiten in der Nähe des neuen Mittel- eingangs an der Nordfront, um die Zugänge zum Stadt- bahn steig alsbald in Betrieb nehmen zu können. Ebenso wird auch der nach Osten gelegene Zu- und Abgang zu dem neuen Bahnsteig und die Schalterhalle im ersten Stadtbahnbogen östlich der Friedrichstraße ausgebaut, um die jetzigen Zustände, den Notzugang zur Stadtbahn usw. möglichst bald zu beseitigen. Dem- nächst wird mit der Aufstellung der Eisenträger begonnen,' die später- hin die Bahnhofshalle tragen werden und die ebenfalls ummauert werden. Schon die bis jetzt fertiggestellten Teile der Nordfront, die mit dunkelroten Glasur st einen verblendet werden soll, geben einen Eindruck, den die gesamte langgestreckte Front nach ihrer Fertigstellung machen wird. Man kann nur bedauern, daß die durch hie Zeitumstände erforderlich gewordene Sparsamkeit eine gleich- artige Ausgestaltung des ganzen Bahnhofs in der gleichen Bauweise verhindert hat. Berkagung eines Raubmordprozesses. Wie noch erinnersich sein dürfte, war am 6. Dezember o, I. der in der Wielandstraße 12 zu Eharlottenib-urg wohnhaft« Gabriel Alexander, der einen Handel mit Pfefferkuchen usw. trieb, von seinem Sohne ermordet und seiner Barschaft von 11 000 M. beraubt aufgefunden worden. Er- mittlungen ergaben, daß der Ermordete zu seinen Botengängen so- genannte„Arbeitslose", die sich im„Cafe Dalles" in der Schön- hauser Straße herumtrieben, benutzt hatte. Diese Spur führte schon nach 2 Tagen zur Festnahme dreier Täter: des Möbelflechters Wehn er, des Autoschlossers S chark o w ski und des Schrift- fetzers Kelischowfki, die sich jetzt vor dem Schwurgericht des Landgerichts III zu verantworten hatten. Die Verhandlung kam nicht zustande und mußte auf unbestimmte Zeit vertagt werden, da die Verteidiger Ladung von weiteren Zeugen beantragt hatten, dem das Gericht stattgeben mußte. Die Zentralstelle für den Karlosselhandel hielt ihre zweite Frühjahrskartoffelbörs« im Lehrervereinshaus ab. Bor- mittags fand im Meistersaal in der Köthener Straße eine allgemeine Kartosseltagung statt. Verbandssyndikus Dr. Arno Schade referierte über das Thema:„Was steht dem deusschen Kartoffelhandel bevor?" Das Ganze klang dahin aus: Nur die freie Wirtschast ist fähig, den Kartoffelhandel wieder lebendig werden zu lassen. Freie Wirtschaft in dem Sinne, daß die„behLMiche Bevormundung" aufhören müsse! Der Grundsatz müsse sein: Restlos freie Wirtschaft und keine staatliche Emmischungl(?) Nachmittags begann die Börse, wobei man feststellen konnte, daß ein Angebot fast gor nicht vorhanden war. Man hatte die Kartosfelgroßhändler oftenbar fassch einge- schätzt, als man ihnen zumutete, das Vergnügen der Teilnahme an dieser Kartoffslwgung mit 30 M. Eintrittsgeld bezahlen zu müssen. Gefrorene Kaninchen. Weniger wegen Fleischmangels als wegen der FZeifchteucrung erscheint bereits allerlei„Ersatz" auf dem Markt. In Warenhäusern, Markthallen und aus Wochenmärkten werden jetzt größere Posten gefrorener australischer Kaninchen an- geboten. Dos Pfund kostet zwar nur 13— 15 M., aber die Ware sieht so schecht aus, daß sie vorläufig nur wenig Liebhaber findet. Fortführung der Ouäkerfpeisung In Neukölln. Werdenden und und stillenden Müttern ist die Möglichkeit gegeben, vom Beginn nächsten Monats ab weiterhin an der Quäkerspeifung wie bisher teil- zunehmen. Anmeldungen hierfür werden schon jetzt im Bureau der Quäkerküche, Bergstr. 35/36, in der Zell von 9 bis 1 Uhr entgegen- genommen. S. Abteilung der Konsumgenossenschaft. Versammlung der Agl- tationSkommission Donnerstag, dem 27. April, abends 7 Uhr, in der Schul- aula, Wattstratze._ Wetter für morgen. Berlin und Umgegend. Ein wenig lühlcr, zeitweise heiter, jedoch überwiegend bewölkt, mit leichten Rcgenfällen und ziemlich frischen westlichen Winden. Schweres Aecgiftungsunglück durch INeihylalkohol. Ein ent- setzliches Unglück hat sich im Homburger Hafen zugetragen. Mehrere beim Löschen eines Dampfers beschäftigte Arbeiter hatten aus einem leckgesprungenen Faß, das anscheinend Alkohol enthielt, ge- trunken. Unglücklicherweise enthielt das Faß Methylalkohol. Bei vielen Arbeitern stellten sich bald nach dem Genuß schwere Bergiftungserscheinungen ein, denen bisher sechs zum Opfer fielen. Einige der Vergifteten starben be- reits auf dem Transporte, andere im Krankenhause. Die Polizei hat eine Untersuchung eingeleitet Gewerkschaftsbewegung Die Beamten am 1. Mai. Der Bezirksverein Berlin des Reichsverbandes Deutscher Bostid Telegraphenbeamten ersucht uns um folgenden Hinweis: Durch den Beschluß des Reichsfabinetts, daß zu der Boltsfeier m 1. Maiden Beamten Urlaub gewährt werden soll, ist uch diesen die Möglichkeit gegeben, an der Bolksfeier teilzuehmen und zu demonstrieren für Bölferfrieden und Bölferversöhnung. Naifeier die Solidarität der Arbeitnehmerschaft eindrucksvoll zu Es ist daher Pflicht jedes Beamten, durch Teilnahme an der efunden. Das Reichsknappschaftsgesetz. In diesen Tagen ist im Reichsarbeitsministerium der Entwurf eines Reichstnappschaftsgefeßes fertiggestellt worden, der dem vorläufigen Reichswirtschaftsrat zur Begutachtung zugegangen ist. Der Entwurf, dem vielmonatliche schwierige Verhandlungen vorausgegangen sind, bezweckt eine von den Bergarbeitern seit langem gewünschte Vereinheitlichung des Knappschaftswesens und Herbeiführung größerer Gleichmäßigkeit in den Leistungen der einzelnen Knappschaftsvereine. An dem Zustandekommen des Entwurfs, der am 1. Januar 1923 Gefeßestraft erlangen soll, haben Bertreter der Reichsregierung, der größeren bergbauteibenden Länder und der Spizenorganisationen der Bergarbeiter mitgewirkt. Neuregelung der Besatzungszulage. Am Montag wurde im Reichsfinanzministerium zwischen den Spigenorganisationen und den Vertretern der Behörde über die Erhöhung der Beiazungszulagen verhandelt. Vorbehaltlich der Zustimmung des Herrn Reichsfinanzministers fam folgendes Verhandlungsergebnis zustande: bis 31. 12. 21 Drteklasse A 225.- Mt. mehr 225.- Mr. 190.B 180. W " " C 135. 155." D 185. " W E 135. " " ab 1. 1. 22 450.- Mt. 370.290. 290.290.6 17 " " PP 155.155.Maßgebend für die Höhe der Zulagen ist das Reichs Drts. tlajienverzeichnis. Die Zulage tritt mit rüdwirten der Kraft vom 1. Januar 1922 für Reichsbeamte und Arbeiter vom vollendeten 18. Lebensjahr ein Jugendliche Arbeiter vom 17. bis 18. Lebensjahr erhalten 50 Proz., Arbeiterinnen 75 Proz. der männlichen Säße. Die Nachzahlung soll mit Beschleunigung erfolgen. Die Gemeindearbeiter zum Arbeitsrecht. In einer Versammlung aller im Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter rganisierten Betriebsräte am Montag abend in den Mufitersälen sprach Sch a um über die neuesten sozialpolitischen Gefegentwürfe, welche teils noch Referentenentwürfe find, teils dem Borläufiger. Reichswirtschaftsrat oder dem Reichstag schon vorliegen. Alls eine Kardinalfrage bezeichnete der Redner die Schaffung eines durchgreifenden Arbeitsrechts. Zur Sicherstellung eines solchen fehle es bisher an einer gesetzlichen Grundlage, denn soweit heute von diesem Recht gesprochen werden fönne, sei es lediglich auf die Demobilmachungsverordnungen gestützt. Der Redner wandte sich dann dem vorliegenden Entwurf eines Arbeitsgerichtgefeßes zu und nahm mit aller Schärfe Stellung gegen die Bestrebungen, den ordentlichen Gerichten die arbeitsrechtlichen Fragen zur Entscheidung zu überweisen. Hier drohe die Gefahr einer rechtlichen Knebelung der Arbeiter, die man entschieden abwehren müsse. Auch mit der schon dem Reichstag vorliegenden Schlich= tungsordnung tönne fich die Arbeiterschaft unmöglich einverstanden erklären, denn sie enthalte sehr bedentliche Bestimmungen. Und der Entwurf für ein Arbeitszeitgefeh müsse nach seinem Inhalt als ein Attentat gegen den Achtstundentag angesehen werden. Bon außerordentlicher Wichtigkeit sei auch die Frage, ob für die Zukunft eine Erwerbslosen- Bersicherung oder eine ErwerbslosenFürsorge geschaffen werden solle. Jedenfalls bedürfe auch diese Frage noch sehr der Klärung. Es sei dringend insbesor dere für die Betriebsräte erforderlich, ein wachsames Auge auf die sozialpolitische Gesetzgebung zu richten und die gesamte Arbeiterschaft aufzuklären, damit die drohenden Schäden rechtzeitig abgewehrt werden fönnten. Schließlich forderte der Redner auf, schärfstens dagegen Protest zu erheben, daß man bestehende Heilstätten mit der Begründung schließe, es fehle an den erforderlichen Mitteln zur Fortführung, während man von dem 6 Milliarden betragenden Ueberschuß der Landesversicherungsanstalten 80 Proz. der Reichsregierung, ohne Zustimmung der Versicherten und der Gewerkschaften, auf 20 Jahre für bauliche Zwede zur Verfügung gestellt habe Lohnbewegung der Portefeuiller. mehrere Bertreter aus dem Reiche, die Gelegenheit hatten, die BerEine weitere schwere Ungerechtigkeit liegt darin, daß manche liner Kollegen fennenzulernen. Sie überbrachten die Grüße der Präsidenten der Finanzämter, die einen agrarisch orientierten auswärtigen Kollegenschaft und mahnten daran, einig und fest zu Steuerausschuß hinter sich haben, die Steuer nach einem bleiben. Weiter wurde die Frage des Ueberstundenunwesens an- Modus berechnen, durch den die größere Steuerlaft auf die Schultern geschnitten. Ein diesbezüglicher Antrag wurde der kommenden des fleinen Mannes in der Landwirtschaft gelegt, die Großen daGeneralversammlung überwiesen. gegen geschont werden. Wie das gemacht wird, zeigt folgendes Beispiel. Der Präsident eines Finanzamtes im Norden der Protralfammelstelle zur Maifeier Am Köllnischen grundbefizer in der Mehrheit waren, festgesetzt, daß die ländlichen Deutscher Holzarbeiterverband, Berwaltungsstelle Berlin. 3 en vinz Hannover hatte mit seinem Steuerausschuß, in dem die GroßPart( Berbandshaus). Die Kollegen der einzelnen Be- leinbetriebe bis zu 20 Morgen nach einem angenommenen triebe oder Branchen sammeln sich zunächst in der Nähe ihrer ArReinertrage von 450 Mart pro Morgen versteuert werden beitsstätten oder an den schon vereinbarten Stellen und gehen dann sollten, da sie ja intensiver wirtschafteten und daher auch dem Acer und marschiert geschlossen um 10 Uhr vom Köllnischen Part besteuert werden, und das stufte sich dann weiter ab bis zu den geschlossen noch obiger Zentralfammelstelle. Der Zug formiert sich höhere Erträge abgewännen als die Großbetriebe. Die Betriebe von mehr als 20 bis 100 Morgen sollten schon entsprechend weniger zum Luftgarten. Kolleginnen und Kollegen! Beigt Eure Großbetrieben von mehr als 1000 Morgen, die schließlich altgewohnte Geschlossenheit, niemand darf fehlen. Die Ortsverwaltung. Die Gewerkschaftsunterkommission des 15. Verwaltungsbezirks beschäftigte sich in der letzten Sigung eingehend mit der Frage der Maifeier. Der Kollege Bom te gab den Bericht von den Berhandlungen mit den Bezirksvorständen der drei sozialistischen Parteien und dem Vertreter des Sportkartells. Da die Unterkommission sich schon im Januar einmütig auf den Standpunkt stellte, den 1. Mai gemeinsam zu feiern, müßte es leicht sein, den Beschluß in die Tat umzusetzen. Es bedurfte aber noch längerer Aussprache, um die Mai- Demonstration am Vormittag in unserem Bezirk ge, schloffen durchzuführen. Als einem Außenbezirk hat uns der Ausschuß der Gewertschaftskommission zugestimmt, daß der 15. Bezirk eine eigene Bormittagsveranstaltung treffen fann. Diefelbe ist am Bormittag 10 Uhr in Niederschöneweide, Kyffhäuser Straße. Die einzelnen Ortsgruppen gehen geschlossen von einem bestimmten Sammelplatz nach dem Versammlungslokal. Die Arbeitergefangvereine haben die Mitwirkung zugesagt, ebenso Arbeiter musikvereine. nur noch mit 150 m. Reinertrag herangezogen werden sollten. Der Zufall wollte es nun, daß sich die Wahl des Kreisausschusses und damit auch der Steuereinschäßungskommission als nicht ordnungsmäßig vollzogen herausstellte und daß bei der Neuwahl die Linksparteien die Mehrheit erhielten. Und nun mußte der betreffende Finanzamtspräsident seine Zustimmung dazu geben, daß alle Kleinbetriebe bis zu 200 Morgen nur mit 150 m. Reinertrag eingeschätzt wurden und daß das Verhältnis dann umgefehrt anstieg und die Großbetriebe mit mehr als 1000 Morgen Land weiter schärfer gefaßt wurden, als es zuvor beabsichtigt war. Leider kommen solch glückliche Zufälle ja nur selten im Leben vor. In anderen Landesteilen liegen die Dinge ähnlich. Die Pächter, Siedler und Kleinbauern müssen daraus lernen, wie überaus wichtig es ist, daß sie mit all ihren Familienangehörigen bei den Kreistagswahlen aufpassen und mur denjenigen Kandidaten ihre Stimme geben, die auch gewillt find, im Interesse der Meinen ihr Mandat auszuüben. Erringen sie im Kreistage und im Kreisausschuß die Mehrheit, dann haben sie auch den ihnen gebührenden Einfluß auf die Besetzung der Steuerkommissionen usw. und können es verhindern, daß die Großen sich einer ungerechten Schonung erfreuen. Groß- Berliner Parteinachrichten. Es wird erwartet, daß alle Betriebe den 1. Mai durch volle Arbeitsruhe begehen. Als Referent wird Otto Ziska in Aussicht genommen. Die Nachmittagsveranstaltungen sollten gleichfalls ortsmeise. gemeinsam ftatfinden; leider wurde festgestellt, daß in einzelnen Orten die Möglichkeit nicht mehr besteht. In den übrigen Orten soll durch Aussprache mit den örtlichen Vorständen der Parteien versucht werden, gemeinsame Feiern zu veranstalten. Lanzvergnügen sollen ausgeschaltet werden. Der 1. Mai soll in würdevoller Weise, wenn möglich in der freien Natur verbracht werden. Zobel berichtete über die Plenarversammlung und die Unterfommission stimmte den vom Ausschuß vorgeschlagenen Richt- or tatt. Die Genossen aus Grünau und Eichwalde werden ersucht, linien über die Führung der wirtschaftlichen Kämpfe einm stimmig zu. In der nächsten Sizung soll zu der Lokalfrage im allgemeinen Stellung genommen werden. Mit dem Hinweis, die furze Zeit bis zum 1. Mai auszunuzen, um eine wuchtige Kundgebung auch innerhalb des 15. Bezirks zu erzielen, wurde die Sigung geschlossen. Die Aussperrung der Hamburger Holzarbeiter hat der Arbeit geberschutzverband in Hamburg und den Nachbarstädten einstimmig beschlossen, und zwar von morgen ab. Als Grund wird angegeben, daß der Holzarbeiterverband den Streit angeordnet habe, ohne daß alle Verhandlungs- und Einigungsmöglichkeiten erschöpft seien. Da auch jezt noch nicht alle Verhandlungs- und Einigungsmöglichfeiten erschöpft sind, begeht der Arbeitgeberschuhverband denselben Fehler, den er dem Holzarbeiterverband zum Vorwurf macht. nunmehr allgemein durchgeführt werden. Die Aussperrung im rheinisch- westfälischen Baugewerbe soll In der englischen Baumwollindustrie sind die Lohnverhandlungen gescheitert. Die Fabriken werden Ende dieser Woche geschlossen. Deutscher Transportarbriterverband. Für Apothekenarbeiter und-arbeiterinnen: Mittwoch, 8 Uhr, bet Witte, Poststraße 29, Gruppenversammlung. Wirtschaft Ländliche Steuerschande. Man sollte meinen, daß die Finanzämter heute vor allem be. noch etwas zu holen ist, und daß dementsprechend der ländliche müht sein müßten, die Steuern möglichst dort zu holen, wo wirklich Großgrundbesitz zum mindesten ebenso start zur Steuer herangezogen werden müßte wie der Kleinbefiz. Daß dem nicht so ist, läßt sich an einigen Beispielen eklatant nachweisen. So wird z. B. in der Provinz Hannover in zahlreichen Kreisen darüber Klage geführt, daß die Bauern von ihrem fultivierten Ded- und Heidelande, das jetzt in vielen Fällen ihr bestes Land sei, immer noch nur wenige Mart Steuern entrichteten, weil diese Ländereien in den Verzeichnissen der Katasterämter noch nicht umgeschrieben sind und immer noch als Dedland versteuert werden. Dagegen müßten die Kleinbauern und Bächter jedes Fleckchen Land, das sie fultivieren, sofort genau angeben und würden dann auch mit dem vollen Ertragswerte herangezogen und vielfach noch mit höheren Reinerträgen abgeschäßt als die großen Landwirte. Das Grundübel ist hierbei die Tatsache, daß wir infolge des Krieges feit dem Jahre 1907 noch feine landwirtschaftliche Berufs- und Betriebszählung gehabt haben, und daß die Großagrarier sich wohl hüten, den wahren Wert ihrer Grundstücke anzugeben und zu versteuern. Es muß daher verlangt werden, daß sich unsere Genossen im Preußischen Landtage für eine alsbaldige Betriebszählung einsehen, damit diesen standalösen Zu unserer Kreistagsabgeordneten fein, überall darauf zu bringen, daß feine Berichtigung der Grundbücher und der Katasterlisten unter Mitwirkung der Gemeindevertretungen vorgenommen wird. damit der Staat zu seinen so dringend benötigten Steuern fommt. Endlich aber muß immer und immer wieder betont werden, daß jede Mogelei auf diesem Gebiete nur durch eine Reform unterbunden werden kann, und die heißt: Besteuerung nach dem ge meinen Wert! Sobald diese Forderung allgemein durchgeführt ist, hilft auch keine Verschleierung des offenbaren Tatbestandes mehr gegen eine gerechte Heranziehung des Grund und Bodens zur Besteuerung, und darum müssen alle Sozialisten sich geschlossen hinter diese Forderung stellen, dann können sie der Zustimmung breiter Die in der Reiseartikel- und Portefeuillerbranche, sowie in der Mappen, Album, und Galanteriebranche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen versammelten sich am Sonntag bei Boeter, Weberstraße, um den Bericht von der legten Lohnverhandlung entgegenzunehmen. Blume berichtete: Unsere Forderungen waren 75 Broz. für die männlichen und 100 Proz. für die weiblichen Kol legen ab 1. April, und zwar gestaffelt ab 1. April 40 Broz., ab 15. April 50 Broz. und ab 28. April 75 Prog. Bulage auf den Mindestlohn. Die Arbeitgeber erklärten sich damit nicht einverständen ein Ende bereitet werden kann. Ferner wird es Aufgabe standen. Der Vorschlag, den sie machten, ging dahin, einen Stunden lohn von 19,75 m. für gelernte Arbeiter über 23 Jahre zu zahlen, und zwar ohne jede Rückwirkung. Dr. Eise, der sich bei den Berhandlungen als Gegner jeder Rückzahlung vorstellte, machte den Borschlag, ab 1. Mai den Mindestlohn auf 21 M. pro Stunde fest zufeßen. Der Stundenlohn von 19,75 m. follte nur als Grundlage dienen, worauf dann ein Zuschlag von 8 Proz. käme. Die Einigung blieb aus und so riefen beide Teile das Tarifamt an. Nach langen Verhandlungen wurde ein Schiedsspruch gefällt, der ats Stundentohn 21 M. und einen Astorblohn von 23,10 M. vor sieht, gleich einer Zulage von 38 Proz. Der Schiedsspruch wurde angenommen. Redner erläuterte den neuen Tarifvertrag in seinen einzelnen Teilen. In der mun folgenden Diskussion sprachen Maffen aus dem Lager der ländlichen Kleinbevölkerung gewiß sein. Brillanten Platin-, Gold-, SilberSachen, Uhren und Ketten kaufe zu höchsten Auslandskursen Eig.Werkstätt. Ank.m.Rückkaufsrecht. 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In der Vormittagsziehung wurben Gewinne aber 490 Mart gezogen 2 za 600000 M234536 6 zu 10000 M 38798 107874 292909 12 zu 5:00 14403 105796 112685 168739 203840 270475 98 zu 3000 M 15470 15884 17235 23562 28802 32889 84569 62557 65327 72779 92157 94920 106098 08824 111850 14887 122325 127882 185000 142290 144367 146984 148 70 159058 181429 167815 175685 17.890 1885 63 191229 194868 197302 200727 200987 207323 2 6767 233021 239033 251410 258552 261374 262838 273018 79798 283023 284836 2 8878 292232 296151 362 z 1000 M 158 6017 10065 12644 16032 22059 24762 27054 31899 82936 34153 84245 34602 35498 36065 37300 89482 41699 43375 45670 47055 49843 49985 51684 52 65 55387 56783 57200 59819 60084 60180 61604 64 66 65277 65806 67379 67472 72571 72622 73567 77494 77695 77741 78748 81027 85478 86602 88150 89671 89819 89930 92056 93185 94445 94730 96576 97175 97836 98188 101601 103388 103894 109416 116537 116830 118203 118688 118831 121750 125107 125305 126907 131545 134078 184488 188903 1414 2 141794 143346 147073 1-7909 152099 156931 169768 159977 160145 160560 162409 1 2544 163019 166266 172777 174876 17 143 177592 180173 180832 181028 182321 182888 183834 184729 188716 190465 192865 193585 194959 197098 19836 201732 203331 204125 204196 207153 207276 210923 211232 212847 213357 221689 222303 223520 226 72 226923 229172 2.0071 231826 234974 236110 236928 237234 237383 241407 242762 243108 243804 244593 246390 247 228 248258 248502 249591 251297 251382 256016 256321 258167 259529 260332 260530 261392 265226 267402 267486 267760 269744 27 572 272117 273662 274527 277704 278112 278619 279245 280066 280487 2821 2 2835 4 283562 284629 285982 287353 288138 280385 290752 291362 291653 292074 297912 298312 298724 In der Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 490 Mart gezogen 2 zu 0000 M 94285 4 zu 15000 M 147198 246199 6 zu 10000 M 13047 44106 258158 12 zu 5000 M 127452 132020 152375 224701 247459 272352 90 zu 30.0 M 35455 38012 39513 48427 61608 54851 68678 64618 68093 88779 98486 114950 121078 1 7364 134091 139663 141859 144816 146968 161 83 167432 188325 173072 177843 190730 193222 20.240 205620 2077 1 209077 210 87 21: 815 216006 220420 227913 230198 235104 242195 245022 249694 256001 259490 272590 275692 296819 346 zu 1000 M 118 737 1494 5908 6682 8290 9756 13929 16220 16351 18218 18349 20433 21726 2.643 23583 24065 24728 25084 28762 29701 31121 31912 33558 35605 42873 44535 45780 60185 67706 67990 70959 72681 73131 75001 78309 79361 79585 79849 79701 79726 81764 83997 84-97 85512 92066 9.165 97343 98870 100571 101389 102169 103516 103531 111420 11.975 11 608 113785 114648 116359 119964 120307 122948 124074 125303 126 92 128952 1 9409 1 9676 131952 133630 1343: 5 137063 137567 138319 139384 140309 141872 143210 144728 145899 146043 148805 149046 150455 1617 3 154122 155648 157280 151279 163738 164579 165716 166295 16-719 167655 170893 175212 178520 181131 181659 182 90 188498 192693 195660 196018 19.058 200009 200190 202749 20 914 205537 206984 210009 213478 214218 217888 220347 221588 225028 225433 225544 2260 8 2: 6743 227327 227996 229188 229646 230927 231400 233454 234658 238312 238341 238756 2396c5 240804 241327 242470 2 8640 250262 250630 252999 253 04 2.9123 259 93 260221 262887 263382 268639 264203 265046 265185 265576 26-567 269947 271070 272802 276177 275956 277594 278642 295919 27 457 279651 282579 266903 287498 288950 289066 289833 289867 294653 Die in dem vorstehenden Gewinn- Auszug nicht enthaltenen niedrigeren Gewinne find aus den Liften zu ersehen, die bei Den staatlichen Lotterie- Einnehmern sur unentgeltlichen Einficht ausliegen. Silber-, PlatinZeitungspapier Gold- Bruch. Mati Alte Metalle gebündelt, kg4,50 Hans. Wein. lumpen flasch.n Hohe Preise Neukölln Befer t, 178 Blaggefch.Reingaden Fernior.: Neuf. 281 StoffReste Haus A. M. Steinhardt 18 Kottbuser Damm 18 Neuheiten für Dr.Scotti Haut.- Kostüme, Kleider Spezial- Arzt Geschlechtsleid. u. Ulster- CoverStahlmatragen Syphilis, Salvarsan- Kur ohne Quecksilb. coats i. 10 Farben. Rinderbetten bir. an Veralt Harnleid., Schwäche. Glänz.Erfolg. Reste für HerrenBerlin, Beusselstr.20 Brio Statal. 30 A fr. Blutuntersuchung. Im ältest.Löser- Instit. Anzüge, Schlüpfer Eisenmöbelfab. Suhl( Th.) 7. Dir.: Löser senior 9-1. 4-8 Friedensqualität. Sonnt. 9-1 Billige Preise.Rosenthaler Str.69,70, aahe Pl.Damenz.separ. u. Quecksilber kauft zum höchsten Ta eskurs Gehlhaar, Waldemarstraße 61. ED. BERNSTEIN Der Sozialismus cinflund jetzt foeben erfchienen PREIS 20 MARK Buchhandlung VORWÄRTS SW 68, Lindenftrabe 2 Restehandly. 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