Nr.200 39.Jahrgang Ausgabe B Nr. 99 Bezugspreis: Bierteljährl. 90,-, monatl. 80, frei ins Haus, voraus zahlbar. Bestbezug: Monatlich 30- M., einschl. 8uStellungsgebühr. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- u. Memel gebiet, fowie Defterreich u. Lugemburg 64- M., für das übrige Ausland 82.-M. Bostbestellungen nehmen an Belgien, Dänemart, England, Efthland, Finnland, Frankreich, Holland, Lettland. Lugemburg. Defterreich. Schweden, Styweiz. Tschecho- Glowatei und Ungarn. Der„ Borwärts" mit ber Sonntags. bellage Bolt und Beit, der Unter haltungsbeilage Heimwelt und ber Beilage Gieblung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Gonntags und Montags einmal SW Telegramm- Abreffe: Sozialdemokrat Berfin Abend- Ausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt Groß- Berlin 50 Pf. auswärts 60 Pfennig Anzeigenpreis: Die einfpaltige RonparetHegelle toftet 12,- Kleine Anzeigen" bas fettgedruckte Wort 3,- M.( 31. Täffig zwet fettgedruckte Borte), jedes weitere Bort 2,- M Stellengefuche and Schlafstellenanzeigen das erite Wort 2, D., jedes weitere Bort 1,50. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Familien- Anzeigen für Abonnenten Zeile 6,- 902 Die Preise verstehen sich einschließlich Teuerungszufchlag. Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 42 Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Sinden. Straße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachmittags Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Expedition: SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Redaktion Morisplat 15195-97 Expedition Morigplak 11753-54 Freitag, den 28. April 1922 Poincarés Verschleppungsversuche. müßten nach seiner Ansicht vollständig von der Versammlung ausge schlossen sein. Bisher hat Poincaré noch teine persönliche Einladung logo Georges nach Genua erhalten. Paris, 28. April.( WTB.) Die Agence Havas meldet: Unter den aus Genua eingelaufenen Telegrammen, die gestern nachmittag dem Ministerrat unterbreitet wurden, befindet sich eins, das befonders die Aufmerksamkeit der Mitglieder der Regierung fesselte. Es ist das Telegramm, in dem Barthou über seine gestrigen BeDer Rabinettsrat trat um 6 Uhr nachmittags abermals zu Sprechungen mit Lloyd George berichtet und dem Chef der französi fammen. Er setzte die Prüfung der Telegramme aus Genua über fchen Regierung Mitteilung macht von der Anregung des britischen die Verhandlungen mit der Sowjetregierung fort. Im Laufe dieser Ministerpräsidenten, den Obersten Rat nach Genua einzube Sigung hat der Rat den Wortlaut eines Telegramms festgestellt, das rufen. Der über diesen Buntt befragte Kabinettsrat gab feine fofort an die Abordnung in Genua gesandt wird. Die Weisungen Zustimmung zu der Haltung, die der Ministerpräsident in dieser dieses Telegramms, die übrigens mit dem von Barthou vertretenen Angelegenheit einnehmen will, und die etwa die folgende sein wird: Standpunkt übereinstimmen, fordern den Führer der französischen Man fann eine Teilnahme des Chefs der franzöfifchen Regie- Abordnung auf, sich an die Bedingungen von Cannes und rung an der Tagung des Oberffen Rates nur in einem der beiden an die im Memorandum feftgelegten Grundsäge zu halten. gestern erwähnten Fälle in Erwägung ziehen. Die Bersammlung Es ist nicht ausgeschloffen, daß heute im Laufe des Tages ein wird entweder in Genua nach der Rüctehr Millerands neuer Ministerrat stattfindet, da der Ministerpräsident die Absicht nad) Frankreich stattfinden, oder in Paris vor diejem Datum hat, feine Kollegen auch über die geringsten Ereignisse, die sich in ( 6. Mai). Ferner fönnen sich die Beratungen des Obersten Rates Genua abspielen, auf dem laufenden zu halten. nicht auf die Fragen beziehen, die gegenwärtig den Reparationsausschus beschäftigen; es ist feine Sache, fich über die Berjchuldeten Berfehlungen Deutschlands gegenüber seinen Berpflich tungen für die Reparationen auszusprechen. Man muß daher über den 31. Mai hinaus warten(?), um unter den Alliierten die Maßnahmen zu prüfen, die durch die Entschließungen hervorgerufen werden könnten, die der Reparationsausfchuß nach diesem Datum im Falle einer regelrecht festgestellten Verfehlung des Deutschen Reiches jaffen wird. Vorwärts- Verlag 6.m.b.H., GW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Verlag, Expedition und InferatenAbteilung Morisplat 11753-54 Politik des Jrrfinns." Als am Donnerstag in der Stadtverordnetenversamm lung Kohlentlaufel und Waffertarife abgelehnt wurden und damit die Ablehnung des Schiedsspruches zu gleich zur Gewißheit wurde, da riefen zwei Arbeiterparteien des Roten Hauses stürmisch Bravo! Dieses Geschehnis beleuchtet bligartig die fast unglaubliche po litische Einstellung der unabhängigen und tommunistischen Fraktionen in Berlin. Schiedsspruch erhöhte Löhne zuerkannt, Löhne, die nur in Seit dem 1. April sind der städtischen Arbeiterschaft durch fümmerlichem Umfange der rasend gestiegenen Teuerung gerecht werben. Bis heute werden noch die Märzlöhne mit Stundensäßen von wenig über 10 M. ausgezahlt, am Donnerstag lief der Termin für die Zustimmung zum Schiedsalle Arbeiterparteien geschlossen dafür gespruch ab. Was hätte man anders erwarten sollen, als daß wirkt hätten, daß möglichst schnell eine Mehrheit für die Annahme dieses Spruches zusammengebracht würde, damit endlich, nachdem auch die Arbeiterschaft selber dem Spruc Lloyd George besteht auf der Reparationsdebatte. Aber weit gefehlt! Am Donnerstag vor acht Tagen prozugestimmt hatte, die erhöhten Löhne gezahlt werden konnten. London, 28. April.( WIB.) Westminster Gazette" be- testierten Unabhängige und Kommunisten gemeinsam gegen richtet aus Genua, die konferenz sei jetzt darin einig, daß die Erdie erste Lesung und machten sie dann durch die satisam be örterung der Reparationsfrage unvermeidlich kannte Urich- Rede tatsächlich unmöglich. Dadurch ist es fei, fie werde nicht länger zulassen, daß die Häupter der Mächte, die erreicht worden, daß die Entscheidung nun so knapp vor die konferenz einberufen haben, jeht während der Konferenz offiziell Toresschluß fallen mußte, daß eine nachträgliche Korrektur die Gefahr unbeachtet laffen, die in den französischen Drohungen ent- einer ungünstigen Zufallsentscheidung überhaupt nicht halten fel. Außerdem werde erklärt, daß in Genua alle Sachver- mehr möglich war. ständigen, die man brauche und die sonst nicht leicht zusammenberufen werden könnten, zugegen felen. Was die Prüfung des deutsch russischen Abkommens mit Bezug auf die bestehenden Berträge anbetrifft, so würde der Ministerpräsident diese zweifellos nicht ablehnen, wenn sie der einzige Gegenstand der Beratungen bleiben und die Einberufung des Obersten Rates an einen Ort und zu einer Zeit erfolgen würde, die für Boincaré annehmbar find. Außerdem würde er mit Genug tuung die Mitarbeit der Bertreter der Kleinen Entente und Bolens zugestehen. Aber die deutschen Abgeordneten densvertrags aufzuwerfen. Exchange Telegraph meldet aus Genua, von maßgebender Seite werde mitgeteilt, daß Lloyd George entschloffen fei, alle Reparationsfragen fowohl bezüglich der Bezahlung als auch der Sanffionen auf der Versammlung der Unterzeichner des Friewie doch im übrigen eine wesentliche Besserung der Berhältnisse eingetreten ist. Es wird den Herren von Interesse fein, wenn ich dazu mitteilen tanr, daß nach einem vorläufigen aus Abschluß für das Rechnungsjahr 1921 die Einnahmen des Reiches was Steuern und Abgaben annähernd 90 Milliarden betragen haben, gegenüber einem Voranschlag von nur 56,6 milliarden ein Mehr um etwa 60 Proz. Und dann die Verhandlung selbst. 3met Arbeiterparteien halten große Protestreden gegen die Deckungsvorlage, die die Mittel für die Lohnerhöhung flüssig machen will, rühren aber feinen Finger, um eine Mehr: heit für die Annahme des Schiedsspruchs zustande zu bringen und flatschen Beifall, als durch ihre Schuld schließlich der Schiedsspruch abgelehnt zu werden droht. Po= litit des Irrsinns" hatte der Sprecher der Unabhängigen dem Magistrat vorgeworfen sollte der Pfeil nicht auf den Schüßen zurückspringen? PT Auf den Beschluß tommt es doch an, auf das Zu Die Reichsfinanzkonferenz. Eine Rede des Reichsfinanzministers Hermes. Würzburg, 28. April.( BTB.) Auf Einladung des Reichsstandebringen einer Mehrheit durch Ueberzeugen und ministers der Finanzen trat heute in Würzburg eine Konferenz Berhandeln. Oder denken die Unabhängigen und Kommunisten wirklich, daß die städtischen Arbeiter von ihren schönen zusammen, an der die Finanzminister aller deutschen Länder und von den größten Ländern auch die Innenminister teilnahmen. Reden über Arbeiterfreundlichkeit satt werden? Oder Auf der Tagesordnung stehen die wichtigen Fragen des Finanzaus bedeutet. Die Einkommensteuer ift daran mit rund 28 Milliarden beiterparteien für ihre Lohnerhöhung gestimmt haben, daß sie zufrieden damit sind, wenn sie wissen, daß die Argleichs zwischen Reich, Ländern und Gemeinden. Reichsminifter beteiligt gegenüber einem Etatanschlag von ursprünglich 12, später ohne fie durchsetzen zu fönnen? Das Stimmen ist Dr. Hermes eröffnete die Ronferenz mit einer Ansprache, in der er 20 Milliarden und die Umsatzsteuer mit faft 12 Milliarden gegenüber doch ein leichtes Ding, fast so leicht oder noch leichter als das nach einleitenden Begrüßungsworten u. a. sagte: einem Etatanschlage von ursprünglich 5,4, später 9 Milliarden. Wenn Gemeinschaftlich wie die Not, die uns verbindet, muß die Arbeit dieses Ergebnis auch zum Teil auf die Geldentwertung zurückzu- Reden oder die schlagenden" Argumente, die sein, in der wir sie bekämpfen. Finanzverfassung und Finanzver- führen ist, so stellen fie andererseits doch einen sichtbaren Beweis neuerdings im Roten Hause als parlamentarische Kampi waltung des Reichs sind durch die Gesetzgebung von 1919 unt 1920 bafür bar, daß die Finanzverwaltung des Reiches nun- mittel eingeführt sind. Aber ist das Arbeiterpolitit? auf völlig neuer Grundlage geordnet worden. Die Neuordnung be- mehr steht und läuft. Man darf hiernach die sichere Hoffnung Unseres Erachtens treibt nur diejenige Arbeiterpartei, die mit gegnete von Anfang an teilweiser Ablehnung und wird noch heute hegen, daß es nicht lange mehr dauern kann, bis auch die letzten allen Mitteln die Annahme des Schiedsspruches durch on manchen Seiten für die Not der öffentlichen Haushaltung in Schwierigkeiten der Umstellung überwunden sein werden. Dann zuſeßen versucht, wirkliche Arbeiterpolitit selbst wenn sie erster Linie verantwortlich gemacht. Wenn ich auch die Entwick- wird auch die Erkenntnis allgemein werden, daß es nicht sowohl ein dabei einmal auf eine mehr oder weniger schöne Rede oder fungen und Gefühle, ous denen solche Anschauungen entspringen, willkürlicher und allseitiger unitarismus als vielmehr die unausdurchaus verstehe und zu würtigen weiß, so bin ich doch der Ueber- meichliche geschichtliche Notwendigkeit gewesen ist, agitatorische Geste verzichten muß. Sollte das die städtische zeugung und habe das auch bereits in meiner Reichstagsrede vom die zu der gegenwärtigen Finanzverfaffung im Reiche geführt hat. Arbeiterschaft nicht einsehen? 20. Januar dieses Jahres zum Ausdruck gebracht, daß es die Wucht An den Grundgedanken dieser Berfaffung zu rütteln, fann hiernach der Tatsachen ist, die auf die Neuentwicklung unaufhaltsam hin. nicht die Aufgabe der heutigen. Beratung sein. Im Ernste denkt heute gedrängt hat. Wie ich damals ausgeführt habe, wird der fast un- auch wohl niemand mehr daran, den Abbau der eigenen Finanzfragbare Drud ter wirtschaftlichen und politischen Lage, der auf verwaltung des Reiches zu fordern oder den Vorrang des Reiches bem Reich und feiner Finanzgebarung laftet, fich notwendig weiter auf steuerlichem Gebiete grundfählich zu beanstanden. Um so stärter fortseßen und auswirken, auch in den Ländern und Gemeinden. Es machen sich die Bestrebungen geltend, die eine Revision des geltenden ift nicht denkbar, daß es anders sei, nicht denkbar, daß es irgendeine Rechtes über Finanzausgleich zwischen Reich, Ländern und Ordnung der Finanzverfassung geben könnte, bei der die Länder Gemeinden in wichtigen Punkten verlangen. und Gemeinden wesentlich anders daständen als heute. Wenn das Reich allein der Träger aller außenpolitischen von Berpflichtungen bliebe und seine Glieber vor dem einzelnen und unmittelbaren Zugreifen von außen bewahren wollte, müßte es notwendig auch die steuerliche Leistungsfähigteit der deutschen Volkswirtschaft in feiner hand vereinigen, d. h. Die Hauptlaft der großen Steuern auf fich ziehen. Es galt, die Steuerkraft des ganzen Boltes einheitlich zu bewirtschaften und dazu wiederum bedurfte es der einheitlichen Verwaltung. Die Dringlich. feit der Aufgabe duldete keinen Aufschub. Denn ihre Lösung muß mit Naturnotwendigkeit zugleich mit der erfolgen. Neugestaltung der Steuergesetzgebung Für beide Maßnahmen stand feine ausreichende Frist zur Berfügung, die eine ruhige Fortentroidlung und Ueberleitung gestattet hätte. Denn die Ereignisse, die Staatsnotwendigkeiten drängten. So war die Ausführung zu einer Beschleunigung gezwungen, wie ihre nachteiligen Folgen nicht ausbleiben fonnten. Es gehört zu den bedauerlichen, aber unvermeidlichen Begleiterscheinungen der Uebergangszeit und insbesondere einer Uebergangszeit mit so schwankenden wirtschaftlichen und politischen Berhältnissen, daß Gefeßgebung und Verwaltung sich erst allmählich eingespielt haben und daß Lär.der und Gemeinden erst im Laufe dieses Sommers er fahren werden, mit welchen Beträgen an Einkommen und Körperschaftssteuern fie für das Jahr 1920/21 und 1921/22 endgültig zu rechnen haben. Auf der anderen Seite lehrt beispielsweise der Erfolg der msazsteuer und nunmehr auch der Einkommenssteuer, Sollten die Unabhängigen und Kommunisten nicht am Donnerstag doch einen Augenblick stußig geworden sein, als sie sich bei allen entscheidenden Abstimmungen in der alleinigen Gesellschaft der Deutschnationalen befanden? Derselben Deutschnationalen, die durch ihren Entkommunalisierungsantrag gleichzeitig die Art an die Wurzel unserer städtischen Betriebe überhaupt legten? Jedem Einsichtigen war es jedenfalls flar, wessen Bolitif sie in Wirklichkeit betrieben. Sie, die noch am Tage vorher über die volksfeindliche" Politit des Magistrats und unserer Partei zeterten, haben in einer schier unbegreiflichen poli Der den Metallarbeitern in Süddeutschland von den Unter- tischen Kurzsichtigkeit der arbeiterfeindlichen und nehmern aufgezwungene Kampf gegen die Berlängerung der Arbeitszeit um wöchentlich zwei Stunden, der bereits seit acht Wochen im gemeinwirtschaftsfeindlichen Politik der Deutschnationalen den Steigbügel gehalten. Sie haben Gange ist, steht offenbar vor einer entscheidenden Wendung. Verschärfter Kampf in der Metallindustrie. Der Vorftand des Gesamtverbandes Deutscher Me- durch ihre Ablehnung der Deckungsvorlage tatsächlich die tallindustrieller fah fich genötigt, zu der Situation Stellung Annahme des Schiedsspruches verhindert und tragen das zu nehmen und hat am 26. April in Stuttgart folgenden Beschluß polle Maß der Berantwortung für alles, was gefaßt:„ Der Vorstand hat von dem Bericht über die Entwicklung daraus kommen fann der Arbeiterschaft und der Stadt und den jezigen Stand des Streits in der füddeutschen Metall gegenüber. Eine Mehrheit für die Annahme war da, fie induftrie Kenntnis genommen. Die 48stündige Arbeitswoche besteht ist durch agitatorische Starrköpfigkeit gesprengt worden, statt in den weitaus meisten Bezirken der deutschen Metallindustrie. Auch daß alle Arbeiterparteien hier sich in eine„ Einheitsfront" ge die in den füddeutschen Verbänden Bayern, Württemberg und Baden stellt hätten. Und dabei handelte es sich in den strittigen gefällten Schiedsfprüche fordern übereinstimmend die aus allgemein wirtschaftlichen Gründen notwendige 48stündige Arbeitswoche. Der Punkten ausgerechnet um die Wasserpreiserhöhung, Borstand billigt den von der füddeutschen Gruppe vertretenen Stand- die zunächst die Hausbesitzer belastet und gegen die die punkt und die bisher getroffenen Maßnahmen. Er stellt sich ge- Deutschnationalen eben deshalb stimmten, weil sie nicht auf fchloffen hinter die füddeutsche Gruppe und behält sich alle notwendig die Miete abwälzbar sei, und um eine Differenz von 0,1 beim werdenden Schritte vor." Gas.( Die Unabhängigen beantragten eine Kohlenklausel von als Höch st say, nicht etwa als Normal faz für noch er0,4 pro 100 M. Kohlenpreis, die übrigen Parteien hielten 0,5 träglich.) beirren lassen und die Metallindustriellen außerhalb Süddeutschlands Die Metallarbeiterschaft wird fich durch diesen Beschluß nicht merden es sich noch überlegen, wegen der zwei Stunden weitere kämpfe einzuleiten. Dollar mittags 278-232% Um folcher Differenzen willen gefährden Arbeiterparteien die Ruhe in unseren städtischen Betrieben, gefährden sie die endliche Auszahlung der dringend notwendi gen Löhne, gefährden sie aber vor allem auch die Erhol» t ii ii g der städtischen Werke in eigener Negie. Der mangelnde Ausgleich im städtischen Haushalt, die unzureichende Rentabilität der städtischen Betriebe, die durch die Ablehnung aller Tarife herbeigeführt wird, sind natürlich Wasser aus die Mühlen derjenigen, die seit Jahr und Tag daran arbeiten, unsere kommunalen Werke in die Hände des Privat- k a p i t a l s und der privaten Ausbeutung hinüber- zuspielen. Wir zweifeln keinen'Augenblick daran, daß die werktätige Bevölkerung Groß-Berlins das Irrsinnige einer solchen Politik erkennt, daß sie, vor dieselbe klare Entscheidung gestellt, vor der das Stadtparlament steht: Er- höhung der Tarife oder Verkauf der Betriebe an das Privat- kapital? das ganz gewiß harte Opfer der persönlichen Belastung um des höheren Z w e ck e s willen auf sich nehmen wird, daß sie der unabhängig-kommunistisch-deutsch- nationalen Katastrophenpolitik eine klare und unzweideutige Absage erteilen wird. Unsere Partei darf das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, daß sie diese Sachlage klar erkannt und darauf- hin die einzig mögliche Entscheidung gefällt hat, daß sie nicht nur durch schöne Reden ihre Arbeiterfreundlichkeit bewiesen hat, sondern daß sie den leider nun gescheiterten Versuch unternommen hat, praktische Arbeiterpolitik zu treiben durch eine Zusammenfassung aller der Parteien, denen nichts an einem Chaos in Berlin gelegen ist. Sie wird diese Politik auch jetzt in zwölfter Stunde trotz der Enttäuschung des Donnerstags weiterbetreiben, und sie hat soviel V e r- t lauen in die politische Einsicht der städtischen Arbeiterschaft wie der gesamten werktätigen Bevölkerung Eroß-Verlins, daß sie einer solchen Politik Verständnis ent- gegenbringt, daß sie zu unterscheiden weiß zwischen schein- barer und zwischen wirklicher Arbeiterpolitik. Kommunale Rechtsbolfchewisten. As Chemnitz wird uns geschrieben: Die Rechtsparteien regen sich immer über die Schuldemvirtschaft auf, die Reich, Staaten und Gemeinden treiben, und sehnen sich nach „geordneten Zuständen". Wie wenig ernst ihnen dies Verlangen nach einer guten Finanzpolitik ist, haben sie vor einigen Tagen in Chemnitz bei der Beratung des Haushaltplans durch Rat und Stadtverordnete gezeigt. Der Haushaltsausschuß hatte in vielen und langwierigen Sitzungen fieberhaft gearbeitet. Mit den ver- schiedenstcn Acmtern hatte man unterhandelt. Schließlich war es gelungen, den Haushaltplan so aufzustellen, daß sich Ausgaben und Einnahmen die Wage halten. Zurzeit ist Chemnitz außer Kassel die einzige deutsche Großstadt, die den Haushaltplan fürs neue Rechnungsjahr ohne Fehlbetrag abgeschlossen hat. Hierüber hätten die Stadtverordneten, die der Deutschnationalen und der Deutschen Lolkspartei angehören, ihre helle Freude haben können. Das war jedoch nicht der Fall. Ihre Sprecher wandten sich zunächst gegen zwei Ansätze für die Ge m e i n s ch a f t s s ch u l e und gegen den Posten von 500 000 M., der zur unentgeltlichen Lieferung der Schreibe- und Rechenbücher an sämtliche Bolksschüler eingesetzt war. Dann beeurtvagten sie, die 20 Millionen Mark zu streichen, welche die vor eviigcr Zeit beschlossene sogenannten soziale Abgabe einbringen MI.(Jeder Unternehmer hat 1 Proz. von der Summe, die er für Löhne und Gehälter ausgibt, als städtische Steuer zu bezahlen.) Da- durch, daß die Vertreter der Rechtsparteien gegen diese 20 Millionen stimmten, zeigten sie zunächst, wie wenig ihnen an einer Balanzie- ining des.Haushaltplanes und an geordneter Finanzwirtschaft gelegen ist. wenn ihr Geldbeutel einmal etwas geschröpft wird. Aber es kam noch bester! Als die Anträge der Rechtsparteien von den Sozialdemokraten, den Kommunisten und den Demokraten abgelehnt worden waren, verlas der Vorsitzende der deutsch- nationalen Stadtverordnetenfraktion eine Erklärung, daß seine 'Parteigenosten nunmehr gegen den ganzen Etat stimmen würden. Die gleiche Erklärung gab der Sprecher der Deutschen V o l k s p a r t e i ab. Dabei rechnet« die Recht« auf Unterstützung von der äußersten Linken. Es waren nämlich auch einige kommu- nistischen Anträge abgelehnt worden: und die Kommunisten pflegen Steglitzer Schloßparktheater. .Balduins Hochzeit" von Wilhelm Krag. Dos Stückchen des norwegischen Derfasters zeigt in einer ganzen Reihe von Szenen eigene, vom konventionellen Theaterhandwcrk wohltuend abweichende Physiognomie. In der derb naturalistischen Komik, mit der im ersten und im zweiten Akte das Verhältnis der beiden einstigen Seemannsvogabunden geschildert wird, steckt eine gute Dosis wirklichen Humors, der liebevoll den wunderlichen Zick- znckwegen menschlicher Narrheit nachgeht, gutmütig lachend inmitten arg moralischer Verkommenheit noch immer Züge freundlich drolliger Naivität aufspürt. Einer der beiden Schnapsgesellen, Simon Sörensen, ist nach reich, wenn auch nicht eben rühmlich bewegtem Leber in den Hofen einer kleinbürgerlich behäbigen Ehe eingelaufen und wird von seiner besteren Hälfte, die gleichfalls manches auf dem .Kerbholz hat, obendrein ob seiner Vornehmheit und Feinheit noch besonders angestaunt. Die guten Kleider, die er auf dem Leib trägt, das saubere Stübchen mit dem Ausblick auf den Hafen, die stets gefüllte Flasche, in fest verschlossener Truhe wohl verborgen, verleihen ihm das Bewußtsein ur angreifbarer Respektabilität. Aus K«rle in Lumpen, wie er selber einer war, schaut er mit voller Verachtung herab. So will er auch den Stromer Balduin, der bei ihm vor- spricht, sofort entrüstet vor die Tür setzen, bis er in dem Fremden leinen einstigen Mittumpanen entdeckt. Diverse Schnäpse bei der Feier dieses Wiedersehens erwärmen in ihm mehr und mehr die entschlafenen kameradschaftlichen Gefühle. Immer zum Komman- dieren aufgelegt, kommt ihm die Idee, an diesem passiven, einfältig dummen Burschen die Erzieherrolle zu übernehmen, ihn vermöge einer heiratslustigen Witwe gewaltsam auf die gleiche Höhe der Ge- sittung, die er selbst erklomm, zu befördern. Welch' vergnügliche Aussicht, wenn der ihn dann als Nachbar auf seinen kleinen Extra- touren. die er sich im Geheimen immer noch erlaubt, wird begleiten können! Die Kur, die er dem armen Balduin im Grunde ganz gegen dessen Willen anaedeihen läßt, ist in dem Stückchen höchst ulkig aus- gemalt Die Pointen, durch die vorzügliche Darstellung der Herren Drescher und D i t» r i ch wirksamst unterstützt, riefen stürmisch« Heiterkeil hervor. Insbesondere D i t t r i ch s phlegmatischer, unter den ungewohnten neuen Pilichten seufzender Balduin war von un- widerstehlicher und überzeugend echter Komik. Schade, daß nach so vcrhcißunasvollen originellen Ansätzen dann die Erfindungskraft versagt! Zu einer über das Detail des Zuständlicher. hinausgehenden Entwicklung, die mit einem organisch motivierten und zugleich über- rascher.den Komödientrumpfe abschließt, hat es nicht gereicht. Bei d-r Verlobung und bei dem Hochzeitsfest des neuen Bärchens greift firc-g zum Nötbehelfe verlegener, ganz äußerlicher Possentricks— Die Aufführung selber verdiente alles Lob. Auch die beiden Frauensiguren kamen im Spiele Rosa Wohl- g e m u t h s und Gertrud L o e w e s lebendig amüsant heraus. Die Milicufärbung wurde durch das hübsche Zimmerchen im See- mannsstil stimmungsvoll ergänzt. Conrad Schmidt. in solchen Fällen, wo sie in Einzelheiten ihren Willen nicht durchsetzen können, ebenfalls das Ganze abzulehnen. Mit den acht Kommunisten zusammen hätten die Vertreter der Deutschnationalen und der Deut- scheu Volkspartei im Stadtverordnetcnkollegium die Mehrheit gehabt. Aber die Kommunisten taten der Rechten diesen Gefallen nicht. Sie stimmten dem Haushaltplan zu, der damit gegen 23 Stimmen an- genommen wurde. Das löste stürmischen Beifall und ziemliche Heiter- keit aus. Die Vertreter der R e ch t s p a r t c i c n in der Chemnitzer Stadt- verordnetenverfammlung aber haben damit bewiesen, daß sie b o l- schewistischer als die Kommuni st en fein können, wenn es an ihren Geldbeutel geht! „deutsche Justiz/ Zu einer Massenkundgebung gegen die sich häufenden unver- ständlichen und aufreizenden Urteile der deutschen Strafjustiz kam es am Donnerstag abend anläßlich einer von der Deutschen Liga für Menschenrechte in der Neuen Welt in der Hascnheide veranstalteten Protestversammlung, die den über S000 Personen fassenden Ricsen- saal bis auf den letzten Platz füllte. Die Versammlung bekam dadurch eine besondere Note, daß von den fünf Rednern vier Juristen, also gewiß die sachkundigsten Beurteiler der vorhande- neu Mißstände waren. Von den einzelnen Rednern wurden die bemerkenswertesten Fälle von Fehlurteilen der letzten Jahre, die zu der im Volke herrschenden Empörung geführt haben und zum Teil aus den Zeitungen bekannt waren, noch einmal der Oeffentlich- keit vorgetragen. Unter den Anwesenden bemerkte man sehr viele mittlere und untere Justizbeamte. In seinen einleitenden Worten wies Hellmut von Ger- lach auf die Tatsache hin, daß die Französische Liga für M e n s ch e n r e cht e, die Vereinigung aufrichtigster und ehrlichster französischer Friedensfreunde, heute bereits über 100000 Mit- g l i e d e r zähle. Der Redner lehnte auch die Vorwürfe ab, die man dem Reichsjustizminister über die deutschen Justizverhältnisse mach«. Die eigentlichen Gegner aller durchgreifenden Reformen feien die Gehcimräte, die aus. der alten Zeit übernommen werden mußten. Wir haben zwar eine Republik, aber außer den Arbeitern sehr wenig Republikaner.(Beifall.) Als erster Redner sprach Kammergerichtsrat F r e y m u t h und erörterte die Gründe des im Volke vorhandenen Miß- trauens gegen die gelehrten Richter. Die Unabhängig- keit der Rechtspflege wird keineswegs durch ihre Kritik gefährdet und die Richterorganisation sollte sich solcher Kritik gegenüber nicht aufs hohe Pferd fetzen. Die Richter von heute sind noch die des alten Systems, die beherrscht waren von den drei Gesichtspunkten: Der Einstellung gegen die Sozialdemokratie, von der Kriegspsychose und des Obrigkeitsrichters. Be- schämend sei, oaß in der Kriegspsychose Rechtsgelehrte von Wellruf, wie Professor Zietelmann-Bonn und Professor Gierke, Gedanken verbreitet haben, die dem wahren Rechtsgesühl Hohn sprechen. Als ein Mittel zur Besserung der Zustände von heute be- zeichnete der Redner nicht die Wahl der Richter, sondern die ver« mehrte Heranziehung des Laienelements nach ge- rechten Grundsätzen. Als zweiter Redner sprach Jgnaz W r o b e l, der in äußerst spitzer und scharfer Weise den„Betrieb in der Iustizfabrik Moabit" glossierte. Er schloß seine Ausführungen mit dem Bekenntnis, daß es mit dem Vertrauen des beut- scheu Volkes in eine unpolitische Justiz ein für allemal vorbei sei. Die Bevölkerung habe die Ueberzeugung aewonnen, daß die politischen Urteile der letzten Zeit gar keine Justiz mehr seien, sondern Rache und Vergeltung für den S. November. Dr. Gumbel, der Verfasser der auch häufig im Parlament zitierten Schrift„Zwei Jahre Mord", erläuterte an einer graphisch dargestellten furchtbaren Statistik die Fülle politischer Mord«, die seit 1918 von Reaktiv- nären gegen Republikaner begangen worden sind, ohne ihre Sühn« durch unsere Justiz zu finden. Als letzter Redner sprach Genosse Kuttner, M. d. L. Er brachte zunächst folgendes von dem Reichsjustizminister Genossen Dr. R a d b r u ch an ihn gerichtetes Schreiben zur Verlesung: „Werter Hienosse Kuttnerl Es ist Ihnen bekannt, warum ich der heutigen Versammlung fernbleibe. Seien Sie bitte trotzdem über- zeugt, daß ich ihr große Bedeutung beimesse und ihren Ergebnissen ernste Beachtung schenken werde. Ich teile mit Ihnen die tiefe Sorge um unsere Rechtspflege, die durch leider nicht nur vereinzelte Fehlgriffe in politischen Prozesien in Gefahr ist, immer mehr Boden im Volte zu verlieren. Aber ich weiß Sie auch darin mit mir einig, daß Sie die Beurteilung, die für zahlreiche politische Prozesse gelten mag, nicht über dieses zwar Werkbund-Ausstellung in Nordamerika. In Newark, der Haupt- stadt des Staates New Jersey, ist in der vorigen Woche eine von vielen Mitgliedern desDeutschenWerkbundes beschickte Ausstellung eröffnet worden, die sich Ende Mai auf die Wanderschaft durch Amerika begeben wird, um im Spätherbst in New Port die letzte Station zu machen. Von der Washingtoner Regierung aus ist versprochen worden, dem Unternehmen so viel wie möglich zu Helsen. Der Eindruck der Beranstaltung wird, wie wir der Seemannschen „Kunstchronik" entnehmen, im großen und ganzen als sehr günstig bezeichnet. Der Katalog enthält 1100 Nummern, von denen man allerdings vielleicht 100 bis 150 missen könnte. Das deutsche Buch- g e w e r b e ist die vollständigste Abteilung und wird sicher Eindruck machen, denn Leistungen, wie sie dort gezeigt werden, gehören zur- zeit noch in Amerika zu den Unmöglichkeiten. Auch die Puppen- schau ist recht vollständig und kann wohl nicht übertroffen werden, auch nicht von anderen europäischen Ländern, von Amerika zu schweigen. Bon der Veranstaltung ist ein zweifacher Nutzen zu er- warten: sie wird dem deutschen Kunstgewerbe ein neues Betütigungs- feld erschließen und der Befestigung der deutsch-amerikanischen Be- Ziehungen dienlich sein. Ernst Toller über„prolekarische Kunst". Ernst Toller hat soeben eine dreiaktige proletarische Tragödie„Die Hinkemanns" be- endet. Dem Buch ist diese„Anmerkung zur proletarischen Kunst" vorgesetzt:„Auch die proletarische Kunst ist im Tiefsten ollumfassend — wie das Leben, wie der Tod. Es gibt eine proletarische Kunst nur insofern/ als für den Gestaltenden die Mannigfaltigkeiten prole- tarischen Seelenlebens Wege zur Formung des Ewig-Mensch- lichen sind." Heilung durch den Film. In Neath in Wales wohnte ein Kriegs- teilnehmcr, der infolge eines im Felde erlittenen Ncrvenchoks die Sprache verloren.hatte, einer Kinovorstellung bei, bei der ein Stück aus Wild-West vorgeführt wurde. Der Mann regte sich dabei so sehr auf, daß er aus dem Theater geführt werden mußte. Im Freien angelangt, fiel er in Ohnmacht. Als er wieder zum Bewußt- fein kam, hatte er die Sprache wiederaefunden.— Ein sehr merkwürdiger Fall. Sonst pflegen sich am Kino nur die beteiligten Unter- nehmer und Schauspieler gcsund zu machen. „Glühwürmchenbeleuchkung." Professor Newton Haroey von der amerikanischen Princeton-Univerjiiät will nacki eingehenden Studien über die Lichtquelle der Leuchtkäfer, Parasiten, Krusten- tierchen und anderer Olganismcn ein Verfahren entdeckt haben, das ihm gestattet, diese Quelle zur Erzeugung eines dauernd brennen- den, kalten Lichts zu benutzen. Die lichtentwickelnde Substanz wird zu dem Zweck in Wosscr aufgelöst und in eine Flasche gefüllt. Sie erscheint in einem dunklen Raum wie Wasser, das mit blauer Flamme brennt. Man kann bei diesem Licht bequem lesen. Der Leuchtstoff, der glüht, ohne Hitze zu entwickeln, stammt von einem Krustentier von der Größe einer Fliege, das aus Japan kommt. Der Stoff unterscheidet sich in nichts von dem, der den Glühwurm und die Feuerfliege auszeichnet, der foulendes Holz zum Glühen brinot und Fleisch, dns lange Zeit im Kühlrcum aufbewahrt wurde, phosphorcs- zieren läßt. Der Stoff wird„Lucifcrin" genannt. Das von seinem Stammorganismwa loegelöste„Luciferin" verliert seine Leuchtkraft. wichtige, aber doch verhältnismäßige schmale Gebiet hinaus verall- gemeinernd auf das ganze breite Feld unserer Straf- und Zivilrechts- pflege, auf die pflichtgetreue, rechtschaffende Arbeit deutscher Richter erstrecken werden." Kuttner beleuchtete im Anschluß hieran die politischen Tendenz- urteile und stellte fest, daß sich die Richter in der Mehrheit immer noch als Hüter des alten Obrigkeitsftaatcs fühlten. In dem anderer- seits bestehenden Republikanischen Richterbund haben die von dem Geist der neuen Zeit erfaßten Richter ihre Organisation gefunden. Mit starken und eindrucksvollen Worten wies Genosse Kuttner schließlich daraus hin, daß es nicht allein auf die Justiz und die Richter, sondern auch auf das Volk ankomme. Di« Ge- famtheit müsse sich zum Anwalt der Bedrückten machen. Einige sich wie Betrunkene gebärdende Krakeeler versuchten die Ausführungen des Genossen Kuttner zu stören, doch bewies der starke Schlußbeifall, daß die Versammlung sich seinen maßvollen und sachlichen Aus- führungen anschloß. Nach Beendigung der Reden wurde einstimmig eine Ent- schließung angenommen, die den Reichsjustizminister ersucht, seine ganze Kraft für die schleunig« Beseitigung der in Bayern herrschenden politischen Ausnahmezu- stände gegen die linksgerichteten politischen Gefangenen einzusetzen. Der sehr reichliche Reinertrag dcr Bersnmmlung geht an die Nieder- schönefelder Gefangenen. Eine Tellersammlung ergab 1541 M. Lügen ües alten Regimes. Neue diplomatische Dokumente im Eisner-Prozeft. München. 27. April.(Eigener Drahtbericht.) Der Prozeß um die„Schuld lüge", wie sie die Münchener Rechtsprechung genannt hat, die Beleidigungsklage Fechenbach gegen Coßmann, hat die Drahtzieher der Mllnchener alldeutschen Propaganda neuerdings schwer belastet. Die Vernehmung des Legationsrats v. Chapius von der Bayerischen Gesandtschaft in Berlin gestaltete sich zu einer völ- ligcn Entlastung Kurt Eisners von der ihm unterstellten Fälschung des Lerchenfeldschen— richtiger Schönschen— Berichtes. Eisner war bei seiner Anwesenheit in Berlin ehrlich erstaunt, als er erfuhr, daß der Bericht nicht von Lerchenfckd, sondern vom Freiherrn von Schoen stammt. Uebrigens ergab der heutige Verhandlungstag, daß es in dcr wilhelminischen Diplomatie üblich war, sich eine„doppelte Buch- führung" zu gestatten, d. h. neben dem amtlichen Berich: private Insormationen weiterzugeben. Einen derartigen Bericht ließ der Vertreter des Privatklägers heut« verlesen, um den Beweis zu er- bringen, daß der bayerische Gesandte in Berlin dem bayerischen Ministerpräsidenten klar die Anweisung erteilt hat. wie man im höheren Interesse zu lügen habe. Die bayerische Regierung ist dieser Anweisung, wie ein Artikel der„Staatszeitung" beweist. prompt gefolgt. Es handelt sich um ein Schreiben des bayc- rischen Gesandten Grasen Lerchenfeld an den Ministerpräsidenten in privater Form, ohne Aktenzeichen und Nummer, vom 9. Dezember 1914. Der wesentlichste Inhalt ist folgender: Das französische Gelb- buch erwähne eine Unterredung zwischen Hertling und dem stanzö- fischen Geschäftsträger. Nach dem„Matin" hätte Hertling zu dem Geschäftsträger gesagt, daß ihm das österreichische Ultimatum bekannt sei, das Auswärtig« Amt habe aber allen Staaten gegenüber daran festgehalten, daß das österreichische Ultimatum vor seiner Ucberreichung nicht bekannt gewesen sei. Run sei dem bayerischen Gesandten aus den Akten bekannt, daß Graf Hertling durch den Bericht des französischen Geschäftsträgers hierüber unterrichtet fei. Dieser habe aber in seinem Bericht darauf hingewiesen, daß Deutschland behaupten werde, es sei von der österreichikchen Aktion ebenso überrascht worden wie olle anderen Mächte. Dabei müsse es selbstredend bleiben, und es müsse daher auf alle Fälle be- stritten werden, daß Graf Hertling um den Inhalt des Ulti- matums bereits wüßte. Es müsse als selbstverständlich hingestellt werden, daß Graf Hertling den französischen Geschäftsträger auf den Ernst der Loge aufmerksam gemacht habe, es fei ja möglich, daß sich der Unterstaatsseknetär Zimmermann dieser Unterredung mit Schoen nicht mehr erinnere und daß man den Bericht Schoens über- Haupt ignorieren könne. Es würde sich trotzdem empfehlen, jede Kenntnis in Abrede zu stellen. Eine Richtigstellung solle in der„Bayerischen Staatszeitung" erfolgen. Diese„Richtigstellung" in der„Bayerischen Staatszeitung" wurde prompt ausgeführt. Der Vertreter des Privattlägers stellte fest, daß Graf Lerchenfcld die Authentizität des Berichts in einer Unterredung mit ihm nicht in Zweifel gezogen Hab«._ Der 1. Mai ist auf Ministerratsbeschluß Staatsfeiertag in der Tschechoslowakei. gewinnt sie jedoch wieder bei Eauerstoffzusuhr, doch wird sie wiederum herabgedämpst, wenn es längere Zeit der Einwirkung des Sauerstoff» ousgcsetzt bleibt. Professor Haroey hat nun ein Verfahren ausgearbeitet, das eine intermittierende Souerstoffein- Wirkung urd damit die dauernde Erhaltung dcr Leuchtkraft armög- licht. Empfindliche Thermometer, die in die mit„Luciserin" gefüllten Flaschen gebracht wurden, zeigten eine Temperatursteigerung von weniger als einem Tausendstel eines Prozents. Professor Haroey gibt allerdings zu, daß die Erfindung im gegenwärtigen Stadium ihrer Entwicklung praktisch noch ohne Wert ist. Alalsang von Südgeorgien. Seit vielen Jahrzehnten ist der Walfang ein besonders einträgliches Betätigungsfeld der norwegischen Seeleute gewesen. Freilich sind die Norwegen nahe gelegenen nordischen Gewässer in starkem Maße abgcsischt, und das Wal- sischsängergewerbe drohte ganz zu erliegen, als von unternehmungs- lustigen Kapitänen im kernen Süden neue ergiebige Iagdgründe entdeckt wurden. So ist die Insel Südgeorgie n�im südlichsten Teile des Atlantischen Ozeans, die neuerdings als Schauplatz dc? plötzlichen Todes des Südpolarforschcrs SKakleton viel genannt wurde, der Stützpunkt norwegischer und auch oraenlinischer Wal- fangunternehmuugen geworden. Von 1910 bis 1920 sind über 40 000 Wale hier verarbeitet worden, die einen Gesamtwert van etwa 50 Millionen Dollar darstellten. Während man in den ersten Jahren hauptsächlich den verbältnismäßig kleinen, aber leicht zu er- legenden Buckelwalen nachstellie, wandte man sich dann den größeren Finnwalen zu und ist jetzt bei der größten, ober in weit geringerer Zahl vorhandenen Walart, dem bis 31 Meter langen Blauwal, angelangt. Die Zeit, in der auch in diesen aba«- legenen Gewässern die Wale beinahe ausgerottet scin werden, scheint somit nicht mehr fern zu sein. Schon vor hundert Iahren. 1800 bis 1820, war Südgeorgien der Schauplatz rücksichts- loser Raffaier, als die Pelzrobben oder„Seebären", die sich dort zur Fortpflanzunqszeit versammelten, zu vielen Tausenden(in der „Saison" 1800 bis 1801 allein 11 2000) hingeschlachtet wurden. Die neue Ausbeutungspericde scheint dank den modernen Mitteln der Raubjagd noch rascher vorübergehen zu sollen als die erste. Tie Große Volksoper Berlin vervssicbtcte neben fcranz n. Hoehlin fen jetjifirn eisten Kopellweistcr de? Brcölnuer StadttheatcrS, Tr. Einst Pinctoii»�, als pleichgeftellten eilten Kavcllmeiilcr. Im Neuen Tliealer am Zoo linden am 4. und ö. Mai»wei riiilisch« Taiizatende statt. Während dieser beiden Tage aastiert da? Neue Tbeater am Zoo mit„Scamoolo- im Eiohcn HtrnS des SchlostparktheaterZ Steglitz. Neudruck von Menzels FriedrichS-Holzichnitten. KuglerS .Kelchichte Friedrichs des MroSen" mit den Holsschnitten Menzels ist jetzt mit den Oriainalstöcken deZ M-isterS an den Verlag von E. Zl. Seemann ilbergeoanaen. DaS berühmte Werk. daS in feiner originalen tzorm seit einem Menschenalter nicht mebr gedrurkl worden ist, soll nun zu Weihnachten in der urlvrünglichen Schönbeil der ersten■Jlrillage, von Menzels Originalstöcken gedruckt und mit den noch vorhandenen, nach Menzels Zeichnung geichniitenen Stcmveln gebiinden, wieder erschemen. Feuerbcßa Illing in Japan. D.r« erste mit einem elektrstchen VcrbrennnngSihstcin anSaeilatIcte Krematorium Japans ist zu Oiaka erbau! worden. ES wird der öffenilichcn Benutzung zugesiihrt werden, sobald die osfizielle Genehmigung der Regierung erteill ist. N Fruchtlose Arbeit. Kenntnis erhielt. So auch jetzt wieder im Falle eines Millionen. einbruchs am Hohenzollerndamm. Gewerkschaftsbewegung Die Ablehnung der Deckungsvorlage im Stadtparlament. Dort hatten Einbrecher in einer Villa für mehr als eine Aus der gestrigen Stadtverordnetenfigung, die nachts um 1 Uhr den Tätern bald auf die Spur und nahm fie feft. Es sind wiederholt Million Tafelsilber gestohlen. Die Kriminalpolizei fam Der Fabrikarbeiterverband im Jahre 1921. endete, haben wir in der heutigen Morgenausgabe( Hauptblatt) noch vorbestrafte gewerbsmäßige Einbrecher, ein Anton Bartschat Wohl keine der dem Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbunde das Ergebnis kurz gemeldet: die in der Gesamtabstimmung erfolgte aus der Habsburgerstraße und ein Baul Kirschte, der nur zum angeschlossenen Organisationen hat innerhalb ihres Verbandsgebietes Ablehnung der ganzen Deckungsvorlage. Zu unserem ausführ Schein in der Usedomstraße eine Besohlanstalt betrieb. Die Ein. so viel unterschiedliche und weitverzweigte Arbeit zu verrichten wie licheren Bericht über den ersten Teil der Sitzung( Morgenausgabe, brecher hatten das Silberzeug sofort nach der Altonaer Straße zu der Fabritarbeiterverband. Nicht nur, daß seine Mitgliederzahl ihn Beiblatt) sei hier nachgetragen, daß dem im Ausschuß zustande ge- einem gewissen Brettaf gebracht, der wegen Buchmachen und zur zweitgrößten gewertschaftlichen Arbeiter. tommenen Kompromiß auch die kleinen Fraktionen der Demo- Hehlerei schon mehrfach bestraft ist. Brettaf hatte es wieder weiter organisation Deutschlands erhoben hat, was naturgemäß fraten, der Wirtschaftsparteiler und des Zentrums durch Mich a befördert an einen Bigarrenhändler Henschel in der Kaiferin- Augufta eine imense Arbeitsleistung bedingt, es erfordern die ihm angehören elis, Müller Franken und Reder ihre Unterstügung zu Allee, dessen Haupteinnahmen in Ein- und Verkauf von Golt und den verschiedensten Industriegruppen auch eine sach- und fachkundige fagten. Die Sachlichkeit der Verhandlungen schien nur Knüppel- Silber bestand, das er in einer Schmelze hinter seinem Laden„ ver- Interessenvertretung für die betreffenden Arbeiter, die eine genaue Kunze nicht zu passen, der durch den herausfordernden Ton seines Hohenzollerndamm ohne Rücksicht auf seinen Kunstwert 3er Arbeit die Arbeiterschaft in seinem Berbandsgebiet für die Gewerfarbeitete". Bei ihm wurde auch das foftbare Silberzeug" vom Kenntnis der jeweils in Frage kommenden Verhältnisse voraussetzt. Der Verband der Fabrikarbeiter hat in ausbauender und schwieriger wichtigtuerischen Geredes die Linke zu Protesten veranlaßte. Als er schlagen, mit großen Scheren zerschnitten und eingeschmol= mit seinem„ Gefühl für die Arbeiter" prahlte, brand- zen. Die Schmelzung ergab mehr als einen halben 3entner schaftsbewegung reif gemacht und fast restlos organisiert, er hat bei markte ihn ein zwischenruf: Stinnes Knecht!" Auf die Be Feinfilber. Die noch warmen Barren brachte Henschel, um sie einer den in Frage kommenden Industriegruppen Tarifverträge einge mertung 3ubeils( U. Soz.):„ Dann müßten Sie nicht Stinnes etwaigen Entdeckung durch die Kriminalpolizei zu entziehen, führt, die den Arbeitern und Arbeiterinnen Arbeitsbedingungen geum Geld bitten!" schimpfte er:„ Es ist eine Lüge, wenn schleunigst zu Verwandten in verschiedenen Stadtgegenden. Hier bracht haben, wie sie denen anderer Berufe oder Industrien in nichts jemand behauptet, ich hätte jemals direkt oder indirekt Herrn fanten die Kriminalbeamten sie wieder und beschlagnahmten sie für nachstehen. Aus fleinsten primitivsten Anfängen heraus hat es der Verband zu einer achtunggebietenden Organisation gebracht, mit Stinnes um Geld gebeten. Herr Zubeit, wenn Sie das sagen, find den Eigentümer. Für die ganze Beute zahlte der Schmelzer dem der das Unternehmertum als mit einer macht zu rechnen gezwunBermittler Brettat 70 000 m. Brettak zog sich eine VermittlergeGie ein Lügner." Ob er einen Ordnungruf erhielt, war in dem bühr von 20 000 m. ab und händigte den beiden Einbrechern 50 000 gen ist. Mart aus. Diese kleideten sich vom Scheitel bis zur Sohle neu ein und veranstalteten Zechgelage, die den Rest ihres Beuteanteils bis auf 5000 m. zusammenschmelzen ließ. - er!. Lärm nicht zu verstehen. $ Die Abstimmung über die Magistratsvorlage mit den vom Ausschuß empfohlenen Menderungen war eine zeitraubende Aufgabe, weil mehrere Fraktionen noch weitere Abänderungsanträge eingebracht hatten. Nur eine Auswahl der Beschlüsse fann wiedergegeben werden. Ein Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, die Beschränkung der Geltungsdauer des Manteltarifs und der Verein der heutigen Postauflage bei. barung über das Mitbestimmungsrecht zu streichen, wurde gegen die Stimmen der drei Linksparteien abgelehnt. Der Ausschußantrag „ Bolt und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt lich und 188 732 gleich 27,67 Broz. weiblich. Zahlstellen hatte der Die Abfahrt der Kölner Sänger. Am heutigen Morgen um cuf Geltungsdauer bis 31. März 1923 wurde dann zum Beschluß 7.55 Uhr haben die Kölner Gäste Berlin im Sonderzug verlassen. erhoben. Mit einem Antrag, der für die Straßenbahnverwaltung Auf dem Lehrter Bahnhof hatten fich zahlreiche Mitglieder ,, eine neue Betriebsform unter Heranziehung des Privattapitals" des Berliner Lehrergesangpereins und der Liedertafel eingefunden, forderte, blieben die Deutschnationalen allein, auch die Demokraten tie den scheidenden Kölner Freunden das Geleit gaben. Beide Chöre stimmten nicht zu. Ein Antrag der Demokraten, die Ueberfüllung brachten dann furz vor der Abfahrt noch ein Lied zum Vortrag, in der Straßenbahnwagen durch schnellere Wagenfolge zu mildern, das auch ein Teil der rheinischen Sänger mit einstimmte. Der Abmurde einstimmig angenommen. Einstimmig wurde dem Aus- fchied, zu dem sich auch Vertreter des Magistrats eingefunden hatten, schußantrag zugestimmt, daß die Straßenbahntarifgestaltete sich zwischen den Berliner Bereinen und ihren Gästen erhöhung zurzeit abzulehnen" ist. Weiter wurde ab überaus herzlich. Unter lebhaften Hochrufen der Zurückbleibenden gelehnt die Erhöhung des Gaspreises und des und Dantesworten der Kölner für die Aufnahme in Berlin ſetzte afferpreises, dagegen mit ganz fnapper Mehrheit an fich der Zug tann in Bewegung. genommen die Erhöhung des Elettrizitäts= Zusammentritt des neuen Teltower Kreistages. Der am 12. Fepreises. Unabhängige und Kommunisten verbrüderten sich bei bruar, nach der Ungültigkeitserklärung der vorjährigen Wahl, neu diesen Abstimmungen mit den Deutschnationalen. paritätischer Beteiligung der Stadtverordnetenversammlung bei Ber- gewählte Teltower Kreistag tritt, wie wir erfahren, am Dienstag, handlungen des Magistrats über Tariferhöhungen, über Manteltarif 16. Dai, zu seiner ersten Sigung zusammen. Den fachund Mitbestimmungsrecht fand eine Mehrheit aus den drei Links- lichen Hauptgegenstand der Tagesordnung bildet der Haushaltsparteien samt den Demokraten. Zugestimmt wurde auch dem Ver- plan. Während der vorjährige Kreistag eine sozialistiche Mehrlangen nach baldigsten Magistratsvorschlägen zur Hebung der Wirt- heit von einer Stimme aufwies, ist im neuen Kreistag Stimmen schaftlichkeit der Betriebe und zur Beschaffung von Erneuerungs- gleichheit vorhanden. Den 15 sozialistischen Kreistagsabgeordneten mitteln. In der Gesamtabstimmung fiel dann die ganze durch ſtehen 15 bürgerliche Abgeordnete einschließlich 2 Demokraten gegenobige Beschlüsse veränderte Vorlage, die jezt von den drei Linksparteien gebilligt, aber von allen bürgerlichen Barteien verworfen wurde. Hiermit ist auch dem Schiedsspruch bis auf weiteres die Zustimmung versagt. Eine von der Deutschen Volkspartei beantragte dritte Lefung wurde für zulässig erklärt, gegen den Widerspruch der Deutschnationalen, Unabhängigen und Kommunisten. Danach machte aber die so zugespiẞte Opposition, ihren Abmarsch aus dem Saal beginnend, die Bersammlung beschlußunfähig. Der Berliner Stadthaushalt 1922 . über. Wetter für morgen. Berlin und Umgegend. Ein wenig fühler, bielfach beiter, aber noch unbeständig mit einzelnen Regenschauern und ziemlich frischen südwestlichen bis westlichen Winden. Das Geschäftsjahr 1921 ist für den Verband erfolgreich und 37 061 und erreichte damit einen Stand von 681 971 Mitgliedern. Das fruchtbringend gewesen. Die Mitgliederzahl erhöhte sich um bedeutet gegenüber dem Vorjahre eine Zunahme von 5,75 Proz. Bon den 681 971 Mitgliedern find 493 239 gleich 72,33 Broz. männ Verband am Jahresschluß 624 in 16 Gauen. Eine große Anzahl von Mitgliedern, nämlich 70 275, trat infolge Arbeitswechsels zu anderen Gemertschaften über, während 58 579 a us anderen Verbänden zum Verband ber Fabritarbeiter famen. Tarifverträge bestanden am Jahresschluß 925 für 9193 Betriebe mit insgesamt 707 242 Beschäftigten, worunter 499 411 Bers bandsmitglieder, davon 125 722 weibliche Mitglieder. In 1013 Fällen wurden zu 452 Tarifverträgen Nachträge abgeschlossen. Der Streit machte sich in 358 Fällen notwendig, um den gestellten Forderungen Nachdruck zu verschaffen oder um Verschlechterungen abzuwehren, die die Unternehmer herbeiführen wollten. An den Lohnkämpfen waren 126 274 Mitglieder beteiligt. Das Vermögen des Berbandes vermehrte fich um rund 17 400 000 202. und betrug am 31. Dezember 1921 rund 36 121 000 2. Das entspricht einer Bermögenszunahme von 24.6 Broz. Die Gefamteinnahme der Hauptkasse erreichte die Summe von 70 700 000 Mart, die Gesamtausgabe rund 53 300 000 m. Danon wurden verausgabt für Streifunterstübung 15 605 991 m., für Gemaßregelten unterstüburg 74737 M., für Kranten= unterstüßung 5672 646 m., für Arbeitsiofenunterft ügung 4 166 835 M., für Reiseunterstügung 32 070 m., für Umzugsgeld 73 188 m., für Notlageunterstütung 349 889 Mart, für Sterbegeld 525 224 M., für Rechtsschuß 128 411 M. Diese Summen zusammengenommen ergeben eine Ausgabe für die oben genannten Unterstützungen in der Höhe von über 26% Millionen Mart; das bedeutet gegenüber dem Jahre 1920 ein Mehr von rund 16 Millionen Mart. Wahlen der Betriebsräte zum Aufsichtsrat. Wir ersuchen alle Betriebsräte von Unternehmungen, bei denen ein Aufsichtsrat besteht, unverzüglich, bis spätestens 30. April, die BeKatastrophale Preissteigerung in Oesterreich. flellung des Wahlleiters vorzunehmen und protofoliarisch festzulegen. Die Preissteigerungen in Wien haben eine fatastrophale Ben. Mit diesem ersten Schritt ist die Wahl eingeleitet und von seiten der dung genommen. Nachdem das Fleisch bereits bis auf 4200 Unternehmer fönnen Schwierigkeiten wegen verspätet eingeleiteter Kronen das Kilo erhöht ist, wird nunmehr der Preis für ein Wahl nicht gemacht werden. Weitere Auskünfte über die Vornahme Brot auf 740 Kronen erhöht. Ein kleines Stück Weißgebäd der Wahl usw. werden in der Sprechstunde der Freigewerkschaftlichen foftet 46 Stronen. Gleichzeitig wird die Erhöhung für die oberist der Stadtverordnetenversammlung foeben zugegangen. Die End- Schlesische Kohle vorgenommen; ein Rilo oberschlesische Rohle kostet Betriebsrätezentrale, Engelufer 24/25, 2. of I, Montags und 3iffer beträgt 11 723 Millionen, der Anleihebedarf hat sich von 70 Kronen. Zu diesen Erhöhungen tommen noch die Erhöhungen Freitags von 4-7 Uhr erteilt. 733 auf 254 millionen ermäßigt. Die Ueberschüsse der zentralen der Bosttarife sowie der Telephontarife und ab 1. Mai eine be Werte haben sich von 176 auf 302 millionen erhöht. Die Vorlage beutente Erhöhung aller Wohnungsmieten. Auch die iener Zei rechnet mit einem Gemeindeanteil an den Reichssteuern und weite- tungen erhöhen nunmehr den Preis auf 76 Kronen für die Sonnren Reichs- und Landeszuschüffen von zusammen 1950 Millionen. tagsausgabe, 70 Kronen für die Wochentagsausgabe und 20 Kronen Hierzu tritt der bisherige Anteil an der Reichsumsatzsteuer( 5 Proz.) für die Abendausgabe. mit 192,5 millionen. Es follen ferner gedeckt werden 1,456 milliarden durch Belastung der Realsteuern mit 1397,17 Prez. der slaatlichen veranlagten Grund- und Gewerbesteuern. Außerdem erstrect fich die Vorlage auf die Bewilligung und Besetzung der für 1922 eingestellten neuen Stellen und die Zins- und Tilgungsfäße für aufgenommene Darlehen. Wer die alten Zeiten für schöner hält." Wie die Schwarzweißroten werben, zeigt ein Flugblatt, durch das der Deutsche Jugendbund vor furzem die ,, national gesinnte Jugend" Karlshorsts zur Gründung einer Orts. gruppe einlud. Der mit einer Raiserfrone geschmüdte" Aufruf redet folgendermaßen auf die Kameraden und Ramerabinnen" ein: 3hr kennt alle den gegenwärtigen Tiefstand unseres deutschen Baterlandes. Das Kaifertum ist gestürzt, Zwietracht ist in unser Bolf eingezogen, machtlos ist das Reich ein Spielball fremden Willens. Undeutsche, fremdrassige Hochverräter, die ihre größte Freude über den dummen Michel, der sich die glorreiche" Revolution vom 9. November ruhig gefallen ließ, empfanden, find an all diesem schuld. Wer die alten Zeiten jedoch für fchöner hält, wird beschimpft, mit Handgranaten beworfen oder durch Maschinengewehrfugeln zerlöchert, vielleicht auch wegen Beleidigung des republikanischen Bolfsempfindens" mit Zuchthaus bestraft." Die Kaiserfrone paßt zu dieser Klage um den Sturz des Kaisertums, deren Gegenstück die Wut über das Gelin. gender Revolution ist. Neu ist, daß schon, mer die alten 3eiten für schöner hält, burch Maschinengewehr= fugeln zerlöchert" wird. Wie muß es in den Köpfen von Leuten aussehen, die den Mut haben, so etwas mit ihrer Unterschrift zu decken! Auf was die Schwärmerei für die alten Zeiten" hinausläuft, lehren die folgenden Säße des Aufrufs: ,, Trotzdem wollen wir, die nationale Jugend, uns nicht erschrecken lassen, sondern uns furchtlos und treu zu den alten Farben Schwarz- Weiß- Rot bekennen. Wir haben die Pflicht, die Erinnerung an Kaiser und Reich, an Macht und Größe hoch und heilig zu halten. Doch die Erinnerung und das Träumen allein nüßt uns gar nichts Bielmehr müssen wir arbeiten, uns heranbilden zu Männern und Frauen, die zielbewußte Arbeit zum Wohle und zum Wiederaufbau des Baterlandes zu alter Macht und Größe leisten können. Wir missen, daß auf unseren Schultern die Zukunft des Vaterlandes liegt, die Zukunft eines neuen Bismard- Reiches, eines neuen deutschen Kaiserreiches." Also die Schwarzweißroten wollen nicht träumen, sondern ielbewußte" Arbeit tun, von der sie die Aafrichtung eines ,, neuen deutschen Kaiserreiches" erivarten. Können die oben mitgeteilten Säße auf denkende Menschen anders mirten als wie eine Ermunterung, die republikanische Staatsver= faffung zu beseitigen? Unterzeichnet ist der Aufruf von der Bundesleitung, vertreten durch zwei Personen, deren eine ein 2 mtsge= richtsrat Sterling ist. Wohlgemerkt: ein Amtsgerichtsrat, d. h. ein Gesetzeswächter! Tafelfilber in der Schmelze. Wie wertvolles Diebesgut an den Mann gebracht wird. Heimliche Metallschmelzen spielen in der Einbruch- und Diebstahlschronik Berlins eine immer größere Rolle. Millionenwerte an tostbarem Silbergeschirr lagen in der letzten Zeit wiederholt schon im Schmelztiegel, wenn die Kriminalpolizei von den Einbrüchen! 5. Raffe Gewinn- Auszug ber 19. Preuß- Süds.( 245. Preuß.) Klassen- Lotterie 13. Ziehungsing. 27. April 1922. Auf jebe gezogene Nummer find zwei gleich bobe Getvinne gefallen, und stvar je einer auf ble Lofe gleicher Nummer in den beiden Abtellungen I und II Ohne Gewähr. Nachdrud verboten. In ber Vormittagsziehung wurden Gewinne über 490 Mart gezogen 2 zu 30000 M 54411 2 zu 15000 M 9 023 2 zu 10000 M 247686 34 zu 5000 M 16924 19842 25696 27684 95756 96526 118637 124855 145911 147682 152889 170430 177863 182683 208005 234708 282673 94 zu 30 0 M 8815 13227 16374 18741 19311 19365 35495 42113 86523 72997 75485 95911 1094 29 110803 111265 117362 117.06 120835 127671 138798 139826 157680 163495 16-319 166297 167023 191112 193104 199582 201095 207387 215861 217067 218357 239911 240655 247175 248082 252537 259349 262736 270578 272688 280039 284946 291912 298016 352 zu 1000 M 628 8157 10298 11503 13809 14990 15325 16944 17527 17546 20665 24028 2 544 2598: 26013 28411 26464 27027 31828 324-7 33630 34235 35362 39041 41925 42163 44110 45967 46207 47332 47382 52216 5 389 56440 57241 67348 59047 60048 60351 61993 62605 65977 66091 66728 70:29 7: 205 72723 75420 75757 80640 82378 82741 85441 8705 89420 89578 90556 92031 9: 935 98766 99256 102433 106404 106475 108148 113605 114223 115671 115896 116185 116599 117186 120192 120619 124457 124798 125380 128054 128901 128946 129420 130407 13.990 133937 135005 137001 141577 147011 147844 150166 153119 154098 154269 156451 156788 158-69 158953 162305 164327 165779 168732 168857 172380 174958 177614 178642 180521 181804 182521 183551 184859 187966 19090/ 192280 196463 199891 200780 202610 204223 206311 208618 208758 209246 211098 21 768 213903 216308 217931 218059 219812 220223 220782 22.757 223070 229311 34550 2: 9331 239633 239907 241516 243211 249214 249663 249689 30828 250946 254328 254422 257304 258725 260001 283282 264392 265898 266284 266814 270469 270991 271145 273009 274426 276128 276781 280865 282838 282863 285139 286150 286391 287418 288458 289288 289318 298575 95238 298654 In der Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 490 Mark gezogen: 2 zu 15000 M 7233 16 za 5000 M 5788 55157 113207 156142 198242 246111 262927 274469 108 zu 3000 M 1677 14173 26408 27455 27734 28971 35962 41 32 42354 44258 44999 47469 49584 52466 66741 79045 80762 84968 8: 094 90879 95517 96116 10-025 108578 114000 121240 125311 12 588 129 32 13.710 160267 151035 1567.0 178222 184706 18: 3 5 188829 190822 196191 198630 202 19 209617 218407 221154 231416 241202 25-208 2689.6 27.403 27.628 282769 282892 90761 293042 356 zu 1000 M 1769 2002 3237 4356 4510 6880 7125 7570 10442 18511 15207 15508 19522 19534 20215 21019 22716 23740 23948 24803 258 1.5917 28779 29502 32137 33216 33597 34.55 35541 36407 36787 38200 39067 39891 449 0 48199 47734 48914 50244 50387 50488 52968 63157 53459 53.03 5: 445 67223 58225 59346 59367 66894 61549 66367 75063 75822 78986 78445 79600 80358 80516 8 196 8.853 84000 84974 86949 86585 16818 876-6 89684 90125 95798 95832 97305 103232 103387 10 534 108577 10 757 111007 115301 116192 117-16 117917 11837 118707 120082 12.909 174940 1270 8 127826 128590 1298.4 130014 130096 181044 137.23 139453 140931 144 33 144316 144.68 140% 43.147905 14988 150442 1615 7 160.38 164828 16963 171520 172435 173604 78420 178449 179036 1819 3 18 549 93232. 782 94831 1958.0 2.0464 200767 201753 202988 207351 20 8 3 2.0: 95 211802 211915 2.3251 213582 213740 214656 2.7194 223871 22.590 227.39 228819 228838 230982 231097 233713 234387 236599 2.9 89 241401 243257 2484.5 2490 3 2557+ 7 2562 9 256764 269854 260546 261402 264291 65994 3676-1 2759-6 2.6970 278 88 279453 28.1 0 8.328 284008 285006 285 37 286674 287894 288572 288618 90793 294005 297233 298539 986 6.99285 Die in dem vorstehenden Gewinn- Auszug nicht enthaltenen niedrigeren Gewinne find aus den Listen zu erfeben, die bei Den staatlichen Lotterie- Einnehmern zur unentgeltlichen Ein ficht ausliegen. Maifeier in den Krankenkassen. schaftsbundes hatte die gewerkschaftliche Organisation der KrantenAuf Grund des Beschlusses des Allgemeinen Deutschen Gewerk. faffenangestellten bei dem Vorstand der Krankenkassen den Antrag gestellt, den 1. Mai als Feiertag freizugeben. Der Borstand des Verbandes hat in seiner letzten Sizung ein mütig den Beschluß gefaßt, diesem Ersuchen auf Grund der Stellungnahme der Zentralorganisationen nicht entgegenzustehen. Die Borstände der angeschloffenen Krantentaffen werden ge beten, falls ihre Angestellten mit einem derartigen Ersuchen an sie herantreten, auch ihrerseits dem Verlangen stattzugeben und dafür zu sorgen, daß den Kassenmitgliedern, ebenso den Arbeitgebern rechtzeitig Kenntnis davon gegeben wird, daß am 1. Mai der Dienst in den Krankenkassen ruht. Wir machen hierbei gleichzeitig darauf aufmerksam, daß auch die Angestellten der Anstalt des Verbandes in Berlin C., Alexanderstraße 39/40, beschlossen haben, den 1. Mai zu feiern und daß dem gemäß der Vorstand den Beschluß gefaßt hat, den gesamten Betrieb in der Anstalt an diesem Tage ruhen zu lassen. Wir bitten die Krantenfaffenmitglieder, das obige zu beachten und am 1. Mai weder die Zahlstellen der Krankenkassen, noch das Institut derselben in der Alexanderstr. 39/40 zu besuchen, da sämtliche Räume an diesem Tage geschlossen bleiben. Maifeiern der Holzarbeiter. Bezirk Südwesten und Schöneberg! Die Kollegen des Bezirks treffen fich um 9 Uhr in der Mittenwalder Str. 16 und marschieren geschlossen zum Köllnischen Part, von dort zum Luftgarten. Die Bezirkskommiffion. Maschinenarbeiter, Schneidemüller! Die Maschinenarbeiter treffen sich um 9 Uhr Markusstr. 47 bei Henschler und schließen sich hier dem Zug der Ostbezirke und Klavierarbeiter an. Die Branchenleitung. Wiener Lohnkämpfe. Immer neue Industriezweige werden von der Lohnkampfbemegung erfaßt. So wurden jetzt den Tertilarbeitern die Kollektivverträge gekündigt. Die neuen Vorschläge der Unternehmer sehen Lohnfürzungen von 20 Proz. für Männer, 25 Broz. für Frauen und 30 Broz. für jugendliche Arbeiter vor. Gleichzeitig werden einschneidende Aenderungen des Rahmenvertrages verlangt, die eine erhebliche Verschlechterung der Arbeits: verhältnisse bedeuten. Als Protest gegen diese Maßnahmen der Unternehmer traten am 26. April die Arbeiter der Textilindustrie in einen ein stündigen Demonstrationsstreit. In Steyer( Oberösterreich) tam es vor dem Direktionsgebäude der ehemaligen Waffenfabrit, jezigen Automobil. fabrit, zu erregten Rundgebungen der Arbeiter gegen die weitere Berkürzung ihrer Arbeitszeit und die Weigerung der Fabrikleitung, den Lohn nach der neu aufgestellten gleitenden Stala auszuzahlen. Der Direktor der Fabrik sah sich gezwungen, die Forderungen der Arbeiter der Generaldirektion zu unterbreiten. Infolgedessen wurde von einer weiteren Verkürzung der Arbeitszeit Abstand genommen. Schiedsspruch im englischen Metallarbeiterkonflikt. Chamberlain schlug in der gestrigen Parlamentsfizung die Ein. fegung eines Schiedsgerichtes zur Schlichtung des Konfliktes in der Metallindustrie vor, nachdem beide Parteien im Prinzip die Einsegung eines Schiedsgerichtes gutgeheißen hatten. Die erste Sigung des Schiedsgerichts ist heute vormittag. Berantw. file ben rebaft. Teil: Franz Alühs. Berlin- Lichterfelde; für An. zeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin, Lindenstr.& Sensation! Noch ift es geit, folange Borrat reicht Möbel außergewöhnlich billig zu laufen. Besuch lohnend. Augen auf! Neugebauer Ungeachtet der noch immer steigenden Lederpreise bietet sich Ihnen bei uns Gelegenheit, Schuhwaren erstklassiger Qualität zu staunend billigen Preisen zu kaufen Achten Sie genau auf unser selten günstiges Angebot! M. 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