Nr.20239.Jahrgang Ausgabe B Nr. 100 Bezugspreis: Bierteljährl. 90,-, monatl. 30, frei ins Haus, Doraus zahlbar. PoftBezug: Monatlich 30,-, einschl. Su ftellungsgebühr. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- u. Memel gebiet, fowie Defterreich n. Luxemburg 64.-M., fiir das übrige Ausland 82, M. Boftbestellungen nehmen an Belgien, Dänemart, England, Efth land, Finnland, Frankreich. Holland, Lettland, Luxemburg, Defterreich. Schweden, Schweiz. Tschecho- Slowakei und Ungarn. Der Borwärts" mit der Gonntagsbeilage Bolt und Zeit", der Unter haltungsbeilage Heimwelt" und der Beilage Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Gonn tags und Montags einmal Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin" Abend- Ausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt Groß- Berlin 50 Pf. auswärts 60 Pfennig Anzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillezetle toftet 12- M. Aleine Anzeigen" Bas fettgedruckte Bort 3,- M.( zuläffig zwei fettgedruckte Worte), fedes weitere Wort 2, M. 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Während in italienischen Kreisen bezüglich der Verhandlungen mit Rußland ein optimistisches Empfinden vorherrscht, fehlt dieses Empfinden bezüglich des Abkommens über den Burgfrieden, dessen Abschluß, wie man fürchtet, schwieriger fein wird, als der des Abtommens mit Rußland, obwohl an feinem schließlichen Gelingen nicht gezweifelt wird. Eine Rede Robert Cecils. Vorwärts- Verlag 6.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Verlag. Expedition und InferatenAbteilung Meritplatz 11753-51 Reichsbank- Autonomie. Bon K. L. Ruge. Ende März erhielt die deutsche Regierung von der He Genna, 29. April.( Sonderbericht des Sozialdemokratischen mit dem die Mächte die Geger vorschläge Rußlands beantworten und Parlamentsdienstes".) Die Pariser Reise Barthous ift das der ruffischen Delegation wahrscheinlich heute übermittelt werden parationskommission die bekannte Note, welche verlangt, daß verschoben worden, bis die Fertigstellung des an die Ruffen zu wird, folgendermaßen stizziert: Es wird in dem Memorandum der bis zum 31. Mai verschiedene neue Geseze vom Reichstag richtenden Fragebogens- vielleicht tommt man heute endlich dazu Grundsatz der herabsehung der Kriegsschulden zuge angenommen werden. Eines der wichtigsten davon ist die - erfolgt ist. Eine Milderung des Konfliktes zwischen Barthou und laffen und innerhalb gewiffer Grenzen die Berpflichtung der Deutschen Reichsbant. Abänderung der bisherigen Berfaffung der Poincaré bedeutet diese Verschiebung feinesfalls. Bringt Barthou We ft mächte, die die Expeditionen Koltschats, Denitins und Dementsprechend haben in der ruffischen Angelegenheit nicht nach Hause, was sein Chef dif- Wrangels subventionierten, anerkannt, für den durch diese Expedi- Reichsregierung und Reichsrat einen Entwurf aufgestellt, melfiert hat, sondern handelt abermals nach freiem Ermessen, wie es ihm tionen herbeigeführten Schaden Ersatz zu leisten. Ferner wird cher die Leitung unseres Zentralnoteninstitutes unabhängig die Situation gebietet, dann ist eine Verschärfung der Gegen das Memorandum eine Formel vorschlagen, die, ohne die wirtschaft machen soll. Man verspricht sich anscheinend von der Handvon den Einwirkungen des Reichskanzlers und der Regierung jäke nicht ausgefchloffen. Selbst innerhalb der franzö- lichen Grundfäße der ruffischen Sowjetregierung zu berühren, doch lungsfreiheit des Reichsbankdirektoriums einen wirtschaftspolifischen Delegation macht man fein Hehl mehr daraus, daß zwischen das in Rußland angelegte ausländische kapital völlig tischen Erfolg in der Richtung, daß die bisherige unbegrenzte Barthou und seinem Auftraggeber ernsthafte Meinungsverschieden sicherstellen wird. Es soll in dem Memorandum nichts ent: Notenausgabe durch den dann wahrscheinlich eintretenheiten bestehen, und daß diese Gegensätze trotz aller dringenden Ar- halten sein, was Rußland zu demütigen geeignet ist, und die Unter den Einspruch des Reichsbankpräsidenten zum Nutzen unferer beiten der Konferenz eine Reise nach Paris notwendig machen. handlungen sollen auf der Grundlage des gegenseitigen guten Willens Volkswirtschaft eingeschränkt werden würde. Der HaushaltsUebrigens erfährt man jeht, daß der Entschluß des franzöfifchen abgeschlossen werden. Delegaflonsführers tein ganz freiwilliger war, sondern in Regierung nach Möglichkeit entzogen zu sein, ebenfalls nad plan des Reichsbankdirektoriums wird, um Einwirkungen der der geheimen Kavinefisfihung in Paris fein Erscheinen mit zwei neuen Richtlinien unter grundsäglicher Mitwirkung des Reichsbankdirektoriums festgelegt werden. Der Präsident der Reichs bank soll aber nach wie vor Lebenslänglich Eine Note Poincarés an Lloyd George. angestellt sein, also in der Dauer seiner Amtstätigkeit nicht Paris, 29. April.( EE.) Der„ Chicago Tribune" zufolge hat beschränkt werden, um politischen oder handelspolitischen EinPoincaré durch Vermittlung der französischen Abordnung in flüssen nicht ausgesezt zu sein. Wir haben also in dem ReGenua dem englischen Ministerpräsidenten eine furze Condon, 29. April.( WTB.) Lord Robert Cecil erklärte stehen, daß zukünftig der Präsident und die Mitglieder des gierungsentwurf unter Autonomie der Reichsbank" zu verpersönliche Rote überreichen laffen, in der er erklärt, daß er in einer Rede, der Fehlschlag der Genueser Konferenz würde ein fehr Reichsbankdirektoriums in ihrer Position sowie in ihrer finan erstaunt und verärgert sei, da er entdecken mußte, daß der ernstes Ereignis fein. Lloyd George sei zum großen Teil verant ziellen Lage unabhängig von der Reichsregierung sind. Für englische Ministerpräsident die in Boulogne feierlichst gegebenen Ber wortlich für den vor drei Jahren geschlossenen Vertrag von Berden, der die Berhältniffe fennt, bedeutet das, daß eine bisher sprechungen breche oder umgehe, und das Reparationsproblem in failles. Das Zusammenwirten zwischen Frankreich bereits geübte Gepflogenheit jest gefeßlich fanktioniert werden Genua erörtern laffen wolle. Auf dem Quai d'Crfan erklärt man, unb England fei von grundlegender Bedeutung für den Frieden foll, aljo mit anderen Worten: an der bisherigen Handhabung daß es zum erstenmal geschehe, daß ein französischer Ministerpräft Europas. Jebe wirklich ernste und bauernde Entfremdung wird nichts geändert! dent so energisch zu Lloyd Geerge spreche. Falls Barthou nach zwischen Großbritannien und Frankreich würde verhängnis. seiner Rückkehr nach Paris melden sollte, daß Lloyd George Doll sein, nicht nur für England. Zu diesem Regierungsentwurf hat der Reichswirtauf dem Zusammentritt des Obersten Rates beharre, erCecil sagte, er sehe vollkommen ein, daß der für das weitere buzenten und Konsumenten wahrzunehmen hat, ganz wesent schaftsrat, der in der Hauptsache die Interessen der Profcheine die weitere Teilnahme der franzöfifchen Abordnung an der Zusammenwirken zwischen Frankreich und England zu zahlende lich abändernde, und zwar wirklich neue Borschläge gemacht. Ronferenz zweifelhaft, und ebenso zweifelhaft fei eine Rüd Breis zu hoch werden könnte. England wolle vor allem Frieden, Der Reichswirtschaftsrat glaubt, daß eine wirtschaftspolitische tehr Barthous nach Genua. Die franzöfifche Bolitit geht und es bestehe darauf, daß die britische Regierung und die Re- Selbständigmachung der Reichsbant nur denkbar ist, wenn weiterhin darauf aus. daß der Versailler Bertrag vollkommen durch gierungen jedes Landes, mit denen sie zufammenwirte, fich von einer zufünftig bei der Bestimmung der Distont- und Wirtschafts geführt werden muß, während man Lloyd George verdächtige, daß Politik leiten lassen, die friedlichen Zielen mit fried- politik der Reichsbant die maßgeblichen Fattoren er die Revision des Bertrages beabsichtige. lichen Mitteln nachstrebt. Wenn die Genueser Konferenz unter der deutschen Volkswirtschaft gehört werden. dem Böllerbund und vom Völkerbund einberufen wäre, so wäre Es sollen infolgedessen dem sogenannten Bankfuratorium, das die Atmosphäre auf der Konferenz eine beffere gewesen. Zu dem einer staatlichen Aufsichtsinstanz bei privaten AktiengesellGenua, 29. April.( Sonberbericht des Sozialdemokratischen deutsch- russischen Uebereinkommen erflärte Cecil, erschaften entsprechen würde, neben dem Reichskanzler der Barlamentsdienstes".) Gestern abend trat die Redaktionstommiffion fönne nicht umhin, zu glauben, daß das Uebereinkommen der erste Reichsfinanzminister und der Reichswirtschaftsminister angedes ersten Ausschuffes zusammen, um nach einer gemeinsamen Basis Schritt sein fönnte zur Rückkehr zu der internationalen Politit hören, dazu noch weitere sechs Mitglieder, von denen drei der für den an die Ruffen zu richtenden Fragebogen zu suchen. Die vor dem Kriege und zu einer Gruppenbildung unter den Reichsrat wählt und drei der Reichspräsident nach Anhörung Sigung verlief abermals ergebnislos. Ob es gelingen wird, Mächten. Lloyd George habe mit Recht gefagt, daß diefes unverdes Reichswirtschaftsrates ernennt. Ebenso foll bei der Wahl in der zu heute vormittag einberufenen neuen Sigung eine Eini- meidbar wäre, wenn Deutschland und Rußland in einer beftimmten des Reichsbankpräsidenten der Reichswirtschaftsrat zu einer gung zu erreichen, erscheint fraglid). Weife behandelt werden. Cecil bedauert es sehr, daß man Deutsch neuntöpfigen Wahltommiffion drei Mitglieder ent Genua, 29. April.( Reuter.) In gewöhnlich gut unterrichteten land und die Länder Rußlands nicht bereits in den Völkerbund auf- senden, so daß der erforderliche Einfluß des Wirtschaftspartaitalienischen Streifen wird der Inhalt des Memorandums, genommen habe. ments sichergestellt würde. Außerdem sei in Zukunft die Hälfte der Mitglieder des Zentralausschusses, der bei der Gegen die Neutralisierung der Rheinlande. au stellen, zumal fie bie für die drei oben erwähnten Zivilpersonen Reichsbank etwa den Aufsichtsrat einer privatwirtschaftlichen stellen müßte. Ich lenfe Ihre Aufmerksamkeit auf den Umstand hin, Aktiengesellschaft darstellt, von der Generalversamm Die Vertreter der Zentrumspartei, der Sozialdemokrati- baß tie einquarfierten Militärpersonen den Zivilpersonen vorgehen. Iung der Reichsbantattionäre auf Grund von schen Partei, der Deutschen Volkspartei, der Deutschnationalen Infolgedessen hat Frau B. die Bett-, Tisch- und Toilettenwäsche, die Vorschlägen des Reichswirtschaftsrates zu wählen. Die andere Bolkspartei und der Deutschdemokratischen Partei haben in sie den drei Personen geliefert hat, umgehend zur Verfügung des Hälfte wird nach bestimmten Richtlinien aus den Aktionären ihrer gemeinsamen Tagung in Königswinter am 27. April Hauptmanns Blanchardt zu stellen. Sie wollen die betreffenden durch Wahl entnommen. folgende Entschließung gefaßt: Zivilpersonen entsprechend benachrichtigen( Wohnungsamt und| Frau B.). Keine Einigung in der Ruffenfrage. 9 Die neuerdings von Ententemächten angeblich geplante Neu= tralisierung der Rheinlande würde mit den Gefühlen Das Schriftstüd trägt die Nr. 8302 der belgischen Ortsund Ueberzeugungen der Rheinländer in dentbar fchroff stem Widerspruch stehen. So sehr die Besetzung der Rheinlande uns tommandantur. Duisburg gehört bekanntlich zu den Orten, trifft und belastet auch um den Preis einer Berminderung oder die auf Grund der sogenannten Santtionen, nicht auf Grund Burüdziehung der Besatzung würden wir von unserer Treue zum des Versailler Vertrages militärisch besetzt worden sind. Die Deutschen Reich nicht um Haaresbreite weichen und auf die Rechtmäßigkeit dieser Befehung wird deshalb in der Bevöl3ugehörigkeit zu Preußen nicht verzichten. Von einer Aenderung der staatsrechtlichen Verhältnisse ist auch in wirtschaftlicher Beziehung eine Besserung nicht zu erwarten. Der wirt. schaftliche Niedergang im Saargebiet liefert dafür den schlagendsten Beweis. So halten wir aus nationalen und wirtschaftlichen Gründen am Berbleiben der Rheinprovinz am Reiche und in Preußen einmütig und unweigerlich fest. Wäsche für den Herrn Hauptmann! Aus Duisburg erhielten wir fürzlich von dritter Hand die Abschrift eines Schreibens, das der belgische Orts fommandant( gez. Hanneuse) an die Stadtverwaltung gerichtet hat, und das wir in seiner ganzen Schönheit hier wieder geben: ferung niemals anerkannt. Um so schwerer wird die Drangfalierung empfunden, wie sie aus diesem Schreiben der Orts fommandantur spricht. Nicht genug, daß das Land mit Mi litärpersonen überschwemmt wird, die deutsche Bevölkerung muß auch noch für die ganzen Familien der Herren Offiziere und manch sonstiges Anhängsel sorgen. Besonderen Wert legt der Reichswirtschaftsrat auf den im Gefeß festgelegten Saz: „ Die Grundsäte für die Handhabe des Noten ausgaberechts werden vom Reichsbankdirektorium nach Anhörung des Reichswirtschaftsrates festgelegt." Wir sehen aus den Beschlüssen des Reichswirtschaftsrats, Wirtschaftsparlamenten, daß die Autonomie der Reichsbank nach seiner Auffassung in erster Reihe eine wirtschaftlich größere Bewegungsfreiheit erfordern würde. Die Einflüsse der bisher allein maßgeblichen Stellen, wie Reichsregierung und Generalversammlung der Aktionäre, hätten zurückzutreten und dafür seien mehr als bisher die wirtschaftlichen Instanzen heranzuziehen. Trotzdem fönnen uns weder der Regierungsentwurf noch die Berbefferungen des Reichswirtschaftsrates, die übrigens Die Teuerung in Oesterreich. von der Generalversammlung der Reichsbankaktionäre, anscheinend aus Sorge um eine Verringerung ihrer eigenen Wien, 29. April.( WTB.) In der gestrigen Sitzung des Machtbefugnisse, glatt abgelehnt wurden, zufriedenstellen, da Finanz ausschusses protestierten die Sozialdemokraten gegen diese Vorschläge das uns durch die Geschichte gegebene Beidie Berordnung des Finanzministeriums, wodurch die 3ollsäge spiel der Bant von England nicht genügend würdigen und vom Siebenhundertfachen auf das Tausendfa che ihrer Friedens berücksichtigen. Wirtschaftspolitische Autonomie setzt voraus, beträge erhöht werden, indem sie darauf verwiesen, daß durch diese daß der bisher vielfach unter einem Behördenzwange eingeFrau B... hat erklärt, daß sie nicht in der Lage wäre, Bett, 3ollerhöhung die bestehende Teuerung geradezu unerträglich werde. fchränkte ta ufmännische Einfluß mehr heraustritt. Tisch und Toilettenwäsche für den Hauptmann und GeneralstabsIm weiteren Verlauf der Sigung verlangten die Sozialdemo- Die Bant von England tennt an der Spize ihres Institutes, chef Blanchardt und seine Familie( 5 Personen, 1 Dienstmädchen im fraten Aufklärungen vom Ernährungsminister wegen der Fleisch das völlig unabhängig von der Regierung und ihren Einmir ganzen) zu stellen. Ich habe den Hauptmann Baron v. Calvaert versorgung, die sich durch die von der ungarischen Re- fungen ist, nur Kaufleute und nicht Juristen als Direktoren, zu Frau B. zwecks Feststellung gefchickt. Frau B. hat diesem gierung erlassene Ausfuhrsperre für die Wiener Bevölkerung und zwar hat dort der Präsident, Gouverneur genannt, nur Offizier mitgeteilt, taß in ihrem Hause 2(?) Berfonen untergebracht fatastrophal gestaltet habe. Man müsse zu Repreffalien gegen ein Jahr die Leitung und tritt dann in das sogenannte werden, wovon drei auf Grund der 3wangsrationierung. Ungarn schreiten. Der Vertreter der Großdeutschen schloß sich dem Schazkomitee, welches entscheidende Stimme in allen wichtigen Sie wäre nicht in der Lage, für Hauptmann Blanchardt die Wäsche Antrage an. Fragen hat, über. Um zu vermeiden, daß die Macht und der Dieses Schreiben, in dem Genosse Radbruch spricht von der „tiefen Sorge um unsere Rechtspflege, die durch leider nichtnurvsreinzelteFehlgriffe in politischen Prozessen in Gefahr ist, immer mehr Boden im Boll zu verlieren"— dies Schreiben hat die„Rote Fahne" bis heute ihren Lesern unterschlagen. Statt dessen pickt sie zwei Worte heraus, die sich auf die pflichttreue Arbeit der Richter in n i ch t politischen Prozessen beziehen, ein Verfahren, das einer direkten Fälschung gleichzuachten ist. Alles natürlich, um die„Einheitsfront des Proletariats" herzu- stellen!_ Das Lanö„Sotokuöien." Die Auseinandersetzungen im Preußischen Staatsrat über seine verfassungsmäßigen Befugnisse und die daran ge- knüpften Kommentare der Rechtspresse haben der Pressestelle des Preußischen Staatsministeriums Veranlassung zu einer Richtigstellung gegeben. In dieser Richtigstellung wurde aus- geführt, daß die Preußische Staatsregierung sich keineswegs weigere, dem Staatsrat ihre Gesetzentwürfe zur Prüfung vor- zulegen. Zur Debatte stehe aber die Frage, ob ein Gesetz da- durch verfassungsrechtlich ungültig werde, wenn einmal„in- folge eines technischen Versehens" ein Gesetzentwurf n i ch t an den Staatsrat gelange, ehe er dem Landtag zugehe. Diese Ausführungen geben der„Täglichen Rundschau" Anlaß zu folgenden höhnischen Bemerkungen: Wir trauen zwar den Regierungsmännern von heute mancher- lei zu, aber für derartig naiv in gesetzgeberischen Dingen hätten wir sie wirklich nicht gehalten. Eine Regierung, die hochpolitische Ver- fassungsprobleme derartig behandelt, ist wohl auch in Botokudien noch nicht dagewesen. Dieses„technische Versehen" mutz leider als politisches Kuriosum der preußischen Geschichte festgehalten werden. Welche Perspektiven eröffnet das Wort! Seine positive Unwissenheit in preußischen Dingen hat hier dem SOprozentigen Blatt einen bösen Streich gespielt. Denn der Fall, den der Preußische Pressedienst sehr milde ein „technisches Versehen" nennt, ist tatsächlich einmal in Preußen vorgekommen. Aber die„B o t o k u d e n r e g i e- r u n g", der das Versehen unterlaufen ist, das Etatsgesetz dem Staatsrat nicht vorzulegen, war die von der„Täglichen Rund- schau" sonst hochgepriesene— Regierung Stegerwald. Wir kondolieren! der Spuk üer»Einheitsfront". In jeder Ausgabe der„Roten Fahne", morgens und abends, ist jetzt in großen Lettern von der„E i n h e i t s- front" zu lesen, und immer wieder werden die Arbeiter, besonders diejenigen, die den Parteien der 2. und Internationale angeschlossen sind, aufgefordert, ihre Führer zum Abschluß der Einheitsfront zu drängen. Inzwischen stellt sich aber heraus, daß im k o m m u- nistischen Lager selb st alles andere als eine Ein- heitsfront in der Beurteilung dieser Frage vorhanden ist. In der Moskauer„Prawda" hat sowohl Lenin wie der unvermeidliche S i n o w j e f f ein Urteil über die Berliner Konferenz der drei Internationalen abgegeben. Beide stimmen in dem Grundgedanken vollkommen überein, nämlich daß die kommunistischen Unterhändler bei dieser Konferenz— an ihrer Spitze K. R a d e k— die Vereinbarungen mit den beiden anderen Internationalen zu teuer bezahlt hätten. Trotzdem er die Haltung von Radek und Bucharin nicht für richtig hält, will Lenin jedoch das Wkommen nicht zer- reißen, vielmehr darauf sehen, daß die kommunistischen Unter- Händler das nächstemal„tun st gerechter manö- v r i e r e n" müssen. Um diese Haltung ganz begreifen zu können, muß man sich qergegenwärtigen, daß Lenin von den Anhängern der Zweiten und der Wiener Internationale dauernd als den„Bevollmächtigten der Bour- g e o i f i e", den„aufrichtigsten Freunden der Bourgeoisie", als„bürgerlichen Diplomaten" spricht und erklärt, daß diese,„wie auch die Herren Paul L e v i, S e r- rati usw. die kun st gerechtesten Bevollmäch- tigten der Bourgeoisie und die Leiter chres Ein- flufses sind". Lenin will aber nicht, daß man sich mit diesem Wissen zufrieden gibt, sondern bezeichnet als Auf- g a b e der Einheitsfront, daß die Kommunisten„i n d i e verschlossene Behausung eindringen, in der die Vertreter der Bourgeoisie die Arbeiter bearbeiten." Was Lenin noch verhältnismäßig sachlich ausdrückt, das wird bei Sinowjeff entsprechend vergröbert. Er erklärt,„alle Bestrebungen der Bourgeoisie und der S o z i a l i st e n, die ihre Helfer sin d", seien auf die Niederlage der Ar- bester in den ökonomischen Kämpfen gerichtet. Die Taktik der Einheitsfront habe deshalb eine so große Zukunft, weil sie unabhängig sei„von dem Grad v o n F r e ch h e i t u n d Heuchelei dieses oder jenes Führers der 2. und 2�. Jnter- nale". Er bezeichnet diese Internationalen, mit denen die Ve- auftragten der Moskauer Exekutive unterhandelten, ausdrück- sich als„Führer feindlicherpolitischcrParteie n". Dann zeigt er, wie die Kommunisten die Einheitsfront auf- zufassen haben: Jede Sektion der kommunistischen Internationale wird durch die Tat zeigen müssen, was sie zu machen versteht, um die Massen auf ihre Seite zu bringen und die sosialdemokraiischen Aührcr zu entlarven.... Die Berliner Konferenz verpstichlet die kommunistischen Parteien keinesfalls, ihre Polemik gegen die Berröler der Arbeiterklasse abzuschwächen.... Beweist durch die Tat, daß Ihr es versteht,... dieSozialoerrüler so zu geißeln, daß jeder Eurer Pfeile sie richtig trisst.... Die Taktik der Einheitsfront ist die Mo- bilisotion der Arbeitermasien gegen die Kapitalisten. Und gegen die Kapitalisten heißt auch gegen die Sozlalocrrötcr.... In der„Roten Fahne", die diese beiden Artikel zum Ab- druck bringt, wird gegen sie in einer Weise polemisiert, die man wohl nicht mit Unrecht auf Radek zurücksühren kann, der ja immer noch in Deutschland sich aufhält und durch die Kritik der Moskauer Obersten sich in erster Linie getroffen fühlen dürste. Es wird den beiden Moskauern gebührend der Text gelesen, allerdings indem man sich vorsichtigerweise an die Adresse der— deutschen Arbeiter in den Fabriken wendet. Da heißt es z. B., diese kommunistischen Genossen glaubten häufig, es genüge bei einer Kampagne, eine Resolution in einer Betriebsoersammlung annehmen zu lassen und alle angenommenen Resolutionen in der Presse als Erfolge zu buchen. Aber mit der Annahme einer Resolution und selbst mit der e i n st i m m i g e n Annahme sei n o ch gar nichts geschehen. Außerdem: Diel« Genossen machten sich das Leben leicht: Im Betriebe beschimpften sie ihre Sollegen, die anderen Parkeien angehörten, oft als Sozialverräter und Menschmvisten, zeigten ihnen unverhohlen ihre Verachtung, weil sie nicht derselben Auffassung sind wie wir und erweiterten die Kluft zwischen sich und ihnen. Das kam sehr oft vor und war eine miserable Art der Agikalion, die man keineswegs als besonders kommunistisch ansprechen kann, die man vielmehr, wenn man höflich ist, als reichlich ungeschickt be. zeichnen muß." Man vergleiche mit dieser Kritik an der„ungeschickten Agitation" die P e r l e n v o n B e s ch i m p f u n g e n, die wir oben aus den Artikeln von Lenin und Sinowjeff wiedergaben. Man wird dann leicht finden, gegen wen diese spitzen Pfeile gerichtet sind. Unsere Genossen werden in nach- ster Zeit wahrscheinlich noch öfter die kommunistische„Ein- heitsfrontparole" hören. Sie können darauf sehr kurz und treffend mit der Bemerkung antworten, daß die Komm.inisten die Einheitsfront bis jetzt noch nicht einmal in ihrem e i g c- n e n Lager herzustellen oermochten. Sie sollen also uns ungeschoren lassen. Kein Zusammentritt ües Reichstags. Der Aeltcstenrat des Reichstages war heute versammlet, um über den Zusammentrit des Reichstages zu beraten. Er beschloß, vorläufig von der Einberufung des Plenums abzusehen. Ende nächster Woche wird der Aeltestenausschuß wieder zusammentreten und weitere Beschlüsse fassen. Der Hauptaus schuh wird da- gegen am Z. Mai in der Beratung des Etats fortfahren. maßgebliche Einfluß jahrzehntelang in derselben Hand liegt, scheint es nicht unberechtigt, daß man den Präsidenten, ghnlich wie die Bürgermeister deutscher Städte, aus eine b c- schränkte Anzahl von Jahren, vielleicht 10 oder 12, wählt und ihn dann mit seinen Ersahrungen in das Direk- torium zurücktreten läßt. Gleichfalls außerordentlich wichtig wäre es, festzulegen, daß die kaufmännische B o r b i l- d u n g für den Präsidentenpostcn und für mindestens die Hälfte der Mitglieder des Reichsbankdirektoriums gefordert würde, um die wirtschaftliche Seite bei der neuen Regelung zu unterstreichen. Es muß auf alle Fülle auch dafür gesorgt werden daß der Einfluß unserer Arbeitnehmer- und Verbraucherorganisationen in einer Frage, die hauptsächlich den Handel und die Gesamtwirtschaft angeht, gesetzlich gestärkt wird, damit es diesen ebenfalls möglich ist, zu entscheidenden volkswirtschaftlichen Fragen, in die das Zentralnoteninstitut eingreift, Stellung zu nehmen. Daß man übrigens ohne wesentliche Aenderung des Versailler Friedens- Vertrages in absehbarer Zeit nicht zu einer Verminderung unseres Banknotenumlaufes wird kommen können, stellt ja das kürzlich veröffentlichte Sachverständigengutachten der So- zialisiernngskommission selbst fest. Vom Standpunkt der Arbeitnehmer und Verbraucher ist besonderer Wert darauf zu legen, daß eine einzelne Person nicht für zu lange Jahre entscheidenden Einfluß auf die Reichs- dank erhält. Wir müssen vielmehr, eingedenk der Tatsache, daß wir in einer demokratischen Republik leben, darauf hin- wirken, daß die tüchtigsten und sachkundigsten Männer an entscheid en der Stelle, also in diesem Falle an der Spitze der Reichsbank stehen. Diese müssen aber auch für den Fall, daß andere Gesichtspunkte auftauchen und große volkswirtschaftliche Neuorientierungen notwendig wer- den, durch neue Männer ersetzt werden können. Vor allem dürfen wirtschaftliche Fragen nicht in erster Reihe jurissisch vorgebildeten Beamten zur endgültigen Bestimmung über- lassen werden.____ verlogene �etze. Solange das Reichsrmnisterium der Justiz in Händen von bürgerlichen Demokraten oder Volksparteilern war, hat in der kommunistischen Presse kaum je ein persönlicher Angriff gegen den Reichsjustizminister gestanden. Seitdem aber ein Sozialist das Reichsjustizministerium oenvaltet,< ist bei den Kommunisten ein wüstes Geschimpfe und Getobe gegen Genossen R a d b r u ch an der Tagesordnung. Mit welcher Verlogenheit man dabei zu Werke geht, dafür bringt die„Rote Fahne" in ihrer heutigen Morgenaus- gäbe gleich zwei Belege in einem einzigen Satz. Ein Gefangener, der im Loger Kottbus-Sielow untcrge- bracht'ist, macht Mitteilung über dortige Mißstände, die selbst- verständlich, falls die Schilderung zutrifft, schleuniger Abhilfe bedürfen. Die„Rote Fahne" aber heult dazu: Verantwortlich für die schmachvollen Zustände in den deutschen Gefangenenlagern ist der sozialdemokratische Reichs- j u st i z m i n i st e r Dr. R a d b r u ch, der erst dieser Tage als er- gebener Lakai der Bourgeoisie die Unverfrorenheit besessen hat, in einem Schreiben, dos er anläßlich der von der„Deutschen Liga für Menschenrechte" gegen die Justizschande einberufenen Proteswer- sammlung an seinen Parteifreund Kuttner richtete, von der „pflichtgetreuen rechtschaffenen(I) Arbeit deut- scher Richter" zu sprechen. Natürlich weiß die„Rote Fahne" ganz genau, daß die preußischen Gefängnisse nicht dem Reichsjustizminffter, sondern dem preußischen Iustizminister Herrn am Zehn- hoff unterstehen, während der Reichsjustizminifter gar k ei n e Befugnisse hat, hier einzugreifen. Aber warum Herrn am Zehnhoff angreifen? Er ist ja Zentrums- mann! Einen bürgerlichen Minister anzugreifen, das lohnt den kommunistischen„Einheitsfrontlern" nicht. Noch widerlicher ist es mit der tendenziösen Verdrehung des Schreibens, das Genoffe Radbruch der Proteswer- sammlung gegen die Mißstände in der Justiz übersandte. >'________________________....______ jujh Lob der Theorie. Von Hans Bauer. Goethe hat seinem Mephisto in den Mund gelegt, daß alle Theorie grau, grün jedoch des Lebens goldener Daum sei. Seitdem behauptet jeder Spießer, wenn er nicht weiter kann, daß erstens ein- mal Goethe(und nicht nur eine seiner Gestalten) jene Ansicht ver- treten habe und zweitens fälscht er den Sinn jener Worte insofern um, als er der Theorie nicht das Leben, sondern die Praxis gegen- überstellt und von dieser behauptet, daß sie den unbedingten Vorzug vor der Theorie zu bconspruchen habe. Da spricht man zum Beispiel über den Pazifismus und argu- mentiert und argumentiert.... lind zum Schluß sagt jener:„Ge- miß, sehr nett! Aber die Praxis, lieber Freund!" Oder man spricht vom Sozialismus. Und hört zum Schluß: „In der Theorie nimmt sich das ja ganz gut aus, indesien..." Welchem..indessen" sich der bekannte Sauerteig anschließt. Und immer wird dabei getan, als sei alle Theorie nur Halb- fertigkeit, Naivität, Verstaubtheit. Immer wird das so hingestellt, als ob es dos Wesen der Theorie sei, zu irren. Vor diesen Praxis-Wiiterichen muß die Theorie endlich einmal in Schutz genommen werden. Es ist nicht nur unsinnig, die Praxis über die Theorie zu stellen, es ist schon unsinnig, die Praxis der Theorie gegenüberzustellin. Praxis ist transformierte Theorie, Substanz gewordene Gcdankenreihe, ist in die Well der Erscheinung verlängerte Welt des Geistes Es gibt nichts, das wohl in der Theorie, nicht aber in der Praxis stimmte. Stimmt etwas in der Praxis nicht, dann hat es eben auch schon in der Theorie nicht gestimmt. Eine Brücke stürzt nie ein, obwohl ihre Tragfähigkeit theoretisch richtig berechnet mar, sondern immer nur, weil in der Theorie ver- schieden«? nicht mit einbezogen gewesen war. Ein« Praxis stimmt immer nur deshalb nicht, weil sie die Versinnlichung einer»nvoll- kommenen Theorie war. Es gilt, die Theorien zu vervollkommnen. Wir brauchen allent- halben mehr und nicht weniger Theorie. „Wissen Sie, ich bin Praktiker!" Das ist ja nur die bequeme Ausrede derer, die eine mangelhafte Theorie haben. ?!eue Erfolge der Syphilis-Forschung. Während bisher die An- ficht vorherrschte, daß gewisse Nervenkrankheiten wie Tabes erst nach Jahren, als Spätfolge der Syphilis auftreten, haben die in neuester Zeit gemachten Untersuchungen der Rückenmarkskanalflüssigkeit, des sogenannten Liquors, zur überraschenden Entdeckung geführt, daß bereits am Ende des ersten oder im Verlaufe des zweiten Jahres nach der erfolgten syphilitischen Ansteckung Reizzustände der Gehirn- häute und des Nervensystems nachweisbor sind. Nach einer Mit- teilung des Wiener Syphilidologen Finge? weift die Liquorunter- suchung bei Syphilitikern bereits in 75 Proz. aller früheren Sekun- därfälle die verhängnisvollen Veränderungen im Gebiet« des Zentralnervensystems auf. Dieser Befund ist um so beachtenswerter, als er sich nur in 10 Proz. der Fälle durch ksinische Zeichen offen- bort, in 9v Proz. der Fälle ober klinisch symptomlos verläuft und auch mit negativer Blutprobe(nach Wassermann) einhergeht. Diese Feststellungen des Wiener Gelehrten find neuerdings von Dreyfuß- Frankfurt a. M. bestätigt worden, der die Beobachtung gemacht hat, daß Syphilitiker mit positivem Liquorbefunde fast ausnahmslos an aktiver, mehr oder weniger rasch fortschreitender Nervensyphilis leiden, die sich bald zur Tabes oder Paralyse fortentwickeln kann. Prof/ Dreyfuß, der als Augenarzt sich großen Ansehens erfreut, hat nämlich seit Iahren das Schicksal seiner Kranken verfolgt, bei denen sich als Frühsympiom der Nervensyphilis kein anderes Zeichen als eine Störung der Pupillentätigkeit gezeigt hat. Es ergab sich hier- bei, daß innerhalb einer Beobachttingszeit von mir 9 Iahren nicht weniger als 66 Proz. der Kranken, bei denen die Rückenmorkskanal- flüffigkeit positiv syphilitisch war, an Tabes oder Paralyse erkrankt waren. Eine Feststellung, die um so bedeutungsvoller ist, als Drey- fuß zugleich bei diesen Kranken einwandfrei festgestellt hat, daß von der Gesamtsumme seiner liquorpositiven Kranken fast ein Drittel eine negative Wassermann-Behandlung aufgewiesen hat. Ein Resultat, das auffallend die oben erwähnte Beobachtung von Finger bestätigt, daß die Durchführung der Blutprobe nach Wassermann allein nicht genügt, um die Verheerungen des Syphilisgiftes im Organismus in ihrem vollen Umfange festzustellen. Hans waßmanns Gastspiel im Schiller-Theater. Bon Shake- speare bis zu Kraatz und Real ist für Herrn Waßmann ein etwas lebensgefährlicher Absturz. Er macht ihn aber mit guten Absichten, weil er der Sommersaison des Schiller-Theaters auf die Deine helfen will und zu diesem gastfreundlichen Zweck den„Hochtouristen" dieser beiden Schwankfabrikanten auswählte. Das ist weder menschen- freundlich noch kunstfceundlich, aber es wirkt stellenweise Zwerchfell- erschütternd, wie Waßmann seine Rolle herunterspielt. Er hat ein Lebemann zu sein, der sich äußerlich für einen strengen Alpinisten und Reiseschriftsteller ausgibt und so bei seiner Ehegattin und den heiratslustigen Töchtern in tausend Schwierigkeiten gerät. Waßmann verfügt über ganze Stapel von Humor, obaleich er diesmal den Thielscher und Thomas ihre Rollen nur nachspielt. Er wird recht gut unterstützt von den Damen Anneliese Würtz, Gertrud Selle, Cläre Neufeld und prachtvoll von dem breiten, saftigen, durchaus bergechten Herrn Czimeg. M. H. Die Verwandlung des bolschewistischen Theaiers. Das Theater- leben in Moskau befindet sich gegenwärtig in voller Blüte. Es steht gleichzeitig im Zeichen einer tollen Heiterkeit, die einen scharfen Gegensatz zu dem namenlosen Elend der von der Hungersnot heim- gesuchten Gebiete bildet. Auch im Tbeaterweftn konimt eben die Wendung zum Ausdruck, die Lenins Politik in wirtschaftlicher Be- Ziehung genommen hat. Wie bekannt, wurden die Theater von den Bolschewisten nationalisiert. Das Theater diente nur der Propa- ganda für die Ideen des Bolschewismus. In dieser Beziehung ist jetzt ein vollständiger Umschwung eingetreten. Die Theater sind wieder entnationalissert worden, und der Zuschuß der Sowjets ist in Wegfall gekommen. Heute werden wieder Karten gegen Be- zahlung verkauft, und es ist jedermann gestattet, Theater zu gründen und nach seinem Willen zu leiten. Di« Folge ist, daß in jüngster Zeit Dutzende von neuen Theatern in Moskau eröffnet wurden. Ihre Zahl übersteigt bereits die Ziffer 56, und alle diese Schauspiel- Häuser sind Abend für Abend überfüllt. Die politische Note ist voll- ständig aus dem Spielplan verbannt. Man will heute lachen und gibt deshalb ausschließlich das heitere Lustspiel. Die Eintrittspreise sind außerordentlich hoch. Aber die neuen Reichen tragen keine Be- denken, das Geld für einen heiteren Abend auszugeben und wahrend die Damen in unmöglich kurzen Röcken in den Logen Platz nehmen, brüsten sich die sie begleitenden Kavaliere mit Krawatten in den schreiendsten Farben. Es ist ein Publikum, das absolut keine künst- lerischen Ansprüche stellt, das aber für sein teures Geld reichlich auf sein« Heiterkeitskosten kommen will. Ein Werk über dos wolgadentschtum. An der Wolga hungern Hunderttausende von Menschen. Eine große Sammlung„Brüder in Rot" ruft unsere Landsleute zur Hilfeleistung auf. Jeder Tag ist gewonnen, an dem die Spenden früher in die bedrohten Gebiete fliehen, da den Aermsten der Armen Brot und Saatgut zur Felder- bestellung zugeführt werden kann. Wir müssen ober nicht nur helfen, wir müssen uns auch geistig mit unseren deutschen Brüdern an der Wolga etwas mehr beschäftigen. Ein Buch, das in Kürze und Boll- ständigteit über die Geschichte und Bedeutung des Wolgadeutschtums berichtet, ist das im Ausland- und Heimat-Berlag(Stuttgart, Neues Schloß) erschienene Werk von Dr. Gerhard Bonwetsch, selbst einem Sohn des Wolgavolks, über„Die Geschichte der deutschen Kolonien an der Wolga". Hier wird die Gründuna der Kolonien 1762 bis 1796 geschildert, die Entwicklung und die Blüte- zeit dargestellt, die große Aussiedelung und der Niedergang der Kolonien bis in die Kriegszcit hinein lebendig und wirkungsvoll beschrieben. Das Werkchen kostet 5 M. geheftet, und 8,75 M. gebunden.-Es ist in einer Sammlung von wissenschaftlichen Arbeiten über das Auslonddeutschtum erschienen, die das Deutsche Ausland- Institut herausgibt. Grstauffübrnnge» der Woche. TienSt. TScater i>-z Selten� � .st a r e w i t l ch N l e x e j."— Trianontde-iler:.M o r a 1' Fr, it. FchauspielhauS:.Napoleon" von G> abbe.— Knnstlcrtheater: ,M a n kann nie wissen." llronia-Vorträge. Tonnt.. 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