Nr. 303. Erscheint täglich außer MantagZ. Preis Pränumerando: Viertel- jährlich 3,30 Marl, monatlich 1,10 Sit., wöchentlich 2S Psg. frei in s Haus. Sinzeine Nummer 6 Psg. Sonntags-Nummer mit illuflr. Sonntags- Beilage„Neue Welt" lo Psg. Post-Abonnement: «,3oMl. pro Quartal. Unter Kreuz- band: Deutschland U.Oesterreich» Ungarn 2 Ml., für das übrig« Ausland Z Mk.pr.Monat. Eingetr. in der Post-geitungs- Preislist» sür 1304 unter Nr.»Ol». II. Jahrg. Znsertions-Sebühr beträgt für die sünsgespallene Peiitzetle oder deren Raum 40 Psg., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Psg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis i Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr Abends, a» Sonn- und Festtagen bis o Uhr Vormittags geöffnet. Ferufxrechert Zimt l, Nr. löt>8. Selegraiiim-Zidrelse: „Sojinlöemjjtufit KerliiU' Berliner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Ztt'daktiott: sv.lg. Beutö-Strake 2.| Sonnabend, den 29. Dezember 1894. j ßFpedltion: LV.lg, Nelltö-Straße 3 Auf Grund der in den gestrigen Volks-Versammlungen gefaßten Beschlüsse� ist der Bier-Boykott für Berlin und Umgegend aufgehoben. P arteigen og en! Nach achtmonatlichem Niugea hat der uns durch das Unternehmerthum aufgezwungene Kamps einen für uns höchst ehrenvollen Abschluß gestniden. Dieser Ausgang ist einzig der kraftvollen Thätigkeit der organisirten Arbeiter Berlins zu danken, ohne deren unermüdliche Arbeit und hingebenden Opfermuth es nicht möglich gewesen wäre, den Boykott so wie geschehen durchzuführen und zu beenden. Genossen! Wir halten uns für verpflichtet, Allen, die uns in diesem Kampfe so erfolgreich unterstützt haben, im Namen der Partei hierfür zu danken. Wir haben die Ueberzengung, das; wenn ähnliche Kämpfe in Znknnft nothwendig werden sollten, die Berliner Arbeiter in gleicher Weise ihre Pflicht thnn werden, um die Ehre, die Würde und die Interessen der Arbeiterklasse zu wahren. Berlin, den 29. Dezember 1LS4. k;orl! die SoziAldemolu'Ktie: Die Vvylwtt-Kommission. Kurnpet. Kitpert. Mattutat. Miltarg. Singer. *4*) Die Versülnuilung in Nixdorf mubte auf Vertagung der Boyiott-Aufhebung augeuoiuniei:. der Polizcisiunde ivegeu um 10 Uhr, vor der Beschltifiiassiiiig, vertagt werden.— Im ersten Berliner Wahlkreise wurde eine Nesolution Der neue AnfreiUmgs-Daragraph. Wir habe» die Umsturzvorlage in unsern wiederholtcu Bttra6>t»ngen schon von den verschiedensten Gcsichtspnurtcn ans gewürdigt. Heute soll ciunial der rein juristische zum Worte lomnien, ganz ohne Rücksicht auf die s o n st i g c n Folgen, die es haben muH, wenn man dem Volke die Aiög- Uchkcit entzieht, durch das lebendige oder das geschriebene Wort Kritik an der bestehenden Gesellschaftsordnung zn übe». Stellen wir uns einmal ans den Standpunkt, welchen Herr Staatssekretär Nieberding in seiiler neulichcn Rede eingenommen hat, nehmen wir an, es sei wahr, daß die Machtmittel, welche die Gesetzgebung bietet, nicht aus- reichen, um die heutige Staatsordnung zn schützen und fragen ivir nur: Wird der dem Reichstage vorgelegte Entwurf, selbst von dem Gesichtswinkel der Bourgeoisie ans betrachtet, den Interessen des Volkes gerecht, kann man selbst von dicsem einseitigen Standpunkt ans die Annahme der Vorlage ernst- hast befürworten wollen? Da ist vor allem der ominöse 8 130, der mit schwerer Freiheitsstrafe denjenigen bedroht, der in einer den öffent- lichen Frieden gefährdenden Weise die Religion, die Monarchie, die Familie oder das Eigenthnm durch bc- schimpfende Aeußerungen öffentlich angreift. Hier ist alles verschwonime», vage, dehnbar wie Gummi, der Gesetzgeber verzichtet geradezu darauf, die Thatbeslände, welche er unter Strafe stellt, genau zu umgrenzen, er dankt ab zn guusten des Richters, indessen Ermessen die volle, uneingeschränkte Macht- fülle gelegt ist, der damit gewissermaßen selber zuul Gesetz- geber gemacht ist. Was sind zunächst„ b e s ch i m p f e il d c A e il ß e r u n g e n?" Das geltende Strafgesetzbuch kennt diesen Begriff bekanntlich schon bei der sogenannten Gottes- Feuilleloin l Nachdruck verbotai s Fnr EIcil. 38 Roman von Georges R e» a r d. Autorisirte Uebersetzung von Marie K n n e r t. Ren6, der genau wußte, was er davon zn halten hatte, hütete sich wohl, der Sache auf den Grund zu gehen. Aber er überzeugte sich mehr und mehr davon, daß die Konsine Dubourg der starke Geist der fdamilie war. Er hatte sie dabei ertappt, wie sie ihrem Mann, der sich den Verdiensten seines Kellers mehr als nöthig ividmete, streng verweisende Blicke zuwarf. Er hatte den harten To« bemerkt, in dem sie dem Dieustniädchen ihre Befehle crtheiltc. Er schloß daraus, daß dieses geknickte Rohr auch sehr wohl ein aufrechtes, starkes Rohr sein konnte. Das Gespräch ging allmälig auf die Zukunft des jungen Mannes über. Herr Du bourg meinte, er könnte vielleicht noch andere Preise von der Akademie erhalten. Er schien erstaunt, als er Reuö lebhaft dagegen protestiren hörte, daß man derartige Preisausschreiben gewerbsmäßig ausschlachte. Gewiß, sagte Herr Dnbourg, haben Sie für den Augen- blick Recht. Ihre Freunde, die Republikaner, sind ini Besitze der Macht. Sie müssen sich vorwärts bringen, dekoriren lassen, sich eine gute Stelle verschaffen. Das wird Ihnen leicht gelingen, und dann kann man auch etwas für Sie thnn. In der Familie muß man sich unter einander helfen. lästeruug. Allein eine greifbare, präzise, allgemein an- erkannte Bestimmung desselben zn geben, hat niemand ver- mocht. Die Einen sagen, die Ehreukränlnug beim B c- s ch i m p s e n kennzeichne sich durch eine Rohheit des mündlichen, schriftlichen oder bildlichen Ausdrucks, welche schon an sich die Nichtachtung oder Verachtung därthnt, Beschimpfung decke sich mithin nicht mit dem Begriffe der Beleidigung, erfordere vielmehr einen stärkeren Grad, eine verletzendere Form beleidigender Nichtachtung. Bc- schimpsung sei grobe Bekundung der Verachtung. Andere dagegen behaupten das Gcgcnthcil, sie meinen, daß eine an sich beleidigende Form nicht nothwendig vorausgesetzt werde. So schwankt Wisseuschast und Rechtsprechung rathlos hin und her. Und schließlich hat denn auch das Reichs- gcricht es ganz offen ausgesprochen, daß es im wesentliche« thatsächlicher B e n r t h e i l u n g unterliege, ob die Grenze, an ivelchcn der Ausdruck der Nichtachtiiug zur Beschimpfung werde, im Einzelfalle überschritten sei. Das heißt mit anderen Worten: Da, wo die Weisheit des Gesetzgebers aufgehört hat, soll diejenige des Richters ansangen. Sein souveränes Ermessen eutscbeidct allein über die fundamentalsten Lebeusgüter des Augeklagten. Und doch ist gerade die Aufnahme■ des Merkmals der„Beschimpfung" in den Thatbcstand des§ 130 der Strohhalm, an dem die Motive sich klammern, nm die Annahme der Vorlage der Volksvertretung überhaupt zumuthen zn können. Wir lese» daselbst: Die Fassung des Gesetzes wird die Gefahr einer mißbräuchlichen Anwendung ausschließen. Strafbar soll nur sein, wer die fraglichen Einrichtungen durch be- schimpfende Aeußerungen öffentlich angreift. Fnr Meinungs- äußerungeil, die sich eines in beschimpfende Formen gekleideten Angriffs cuthalten, namentlich also für wissen- schaflliche Untersuchungen, die in den Schranken sachlicher Erörterung bleiben, wird damit kein Hiudcrniß bereitet. Unsere Freunde habe« noch immer Einfluß, wenn es auch nicht so scheint. Man ivird Sie eben protegiren, Vetter. Protektion erlangen, sehen Sie, das ist alles. Frau Niessaut erschöpfte sich in Dankesworten. Es ist doch wunderbar, dachte Renv, wie die repnbli- kailischen Sitten den höfischen gleichen! Doch hatte er nicht Zeit, seine Bctrachtungc,» fortzusetzen. Die Tafel ivnrde aufgehoben, und während die Damen in den Salon gingen, blieben die beiden Herren zurück, um — wie Frau Dubourg sagte—„ihren Laster« zn fröhnen", d. h. sich dem Kaffee, den Likören, dem Rauchen zu widmen. Der Vetter, der durch das gute Essen n»d vielleicht auch infolge der Abwesenheit seiner Frau sehr angeregt war, fing ar von allem Möglichen zu reden. Besonders gerührt sprach er von seiner Tochter. Ein gutes, sehr ivohlerzogencs Mädchen? Sie spricht freilich in Gesellschaft nicht viel, aber man muß sie einmal mit ihrem Papa lachen hören, wenn die Mama nicht da ist. Ein ausgelassenes Mädchen! Gott, sie ist ja so jung. Wenn man bedenkt, daß sie noch im vorigen Jahre ini Kloster war! Das Wort war ihm entschlüpft. Gern hätte er es zlirückgeilommen. Er sah Reue etwas unruhig an und fügte hinzu: Wenn ich sage— ini Kloster, so meine ich damit ein halb religiöses Haus. Sie begreifen, Vetter, die Frauen müssen nun einmal Religion haben. Ich bin ein alter Freigeist. Mir wäre eine einfache Pension lieber gewesen, aber meine Frau hat es so geivollt. Diese Versicherung der Motive darf unsere Wachsamkeit nicht einlullen, dazuhaben wir wahrlich im letzten Jahrzehnt zn traurige Erfahrungen gemacht. Die Praxis wird sich unl die guten Vorsätze der Motive blutwenig kümmern. Haben wir es nicht oft genug erlebt, daß die Bezngnahmc dcS Vertheidlgers auf die Entstehungs- gcschichtc eines Gejetzcsparagraphen und die ihm beigegebene Begründung ohnmächtig verhallt ist gegenüber der gewiß nicht von besonderem Scharfsinn zeugenden Erklärung, daß die Motive nicht Gesetzeskraft haben und daß den Gerichts- Hof nur das Gesetzeswort selbst binde? Die Rechtsprechung wird sich— soviel läßt sich schon heute mit Sicherheit vor« aussagen— auf den Standpunkt stellen, daß die Frage, was beschimpfende Aeußerungen seien, lediglich nach den Umstände« des Einzelfalles zu entscheiden sei, d. h. daß maßgebend nicht der Inhalt der betreffenden Aeußerung, sondern die ganze Persönlichkeit ides Angeklagten, vor allem seine p o l i t i s ch e S t e l l n n g sein» müsse. Das Gesetz ivill nach seiner eigenen Er- klärnng sich gegen eine 5kritik richten, die agitatorische Zwecke verfolgt." Diese Worte iverden in zahllosen Fällen dahin führen, daß die geplante Bestimmung den Charakter eines Rechts satzes völlig einbüße« und zn einem reinen Werkzeug der Macht degradirt iverden ivird. Die Ver- theidigung aber steht einein derartigen Verfahren machtlos gegenüber iind die von ihr etwa eingelegte Revision kann einen Erfolg nicht haben, denn die verschwimmenden, elastische« Worte des Gesetzes lassen jeder Auslegung einen gleichberechtigten, freien Spielraum. Das Merkmal des „öffentlichen Begriffs durch beschimpfende Aeußerungen" wird dem§ 130 in seiner neuen Fassung; das Zeichen eines Grobcu-Uusugs-Paragraphen für die eigentlichen politischen Delikte ans die Stirn drücken. Jede den herrschenden Klassen nilbcgneme Aeilßerüng eines unbequemen Mannes, den man Er sah aus, als wollte er sich entschuldigen, und Rene dachte in Träumereien verloren bei sich! Ach waS! Gehen mich diese Dinge überhaupt etwas an? An mir liegt es nicht, wenn er mich für seinen künftigen Schwiegersohn hält. Aber warum, zum Teufel! bietet er mir, der nichts hat, eilt Mädchen au, das eines Tages reich sein wird? Wodurch verdiene ich denn diese Sympathiebezcuguugen? Durch meine Ansichten sicher nicht! Schweigen entstand. Von der stillen Straße drang kein Geräusch herauf. Um etwas zn sagen, begann Rene: Wie ruhig das Viertel ist! Sie sind in der Stadt und genießen die Ruhe des Dorfes, Vetter. Das ist ideal! Herr Dubourg seufzte. Nein, sagte er, unsere Wohnung hat einen ernstlichen Fehler. Das Haus ist ein Eckhaus. Nun habe ich als alter Pariser die Beobachtnng gemacht, daß man bei Auf- ständen die Kanonen stets gegen die Eckhäuser richtet. Darum ist es gut, wenn man unter den Insurgenten gute Freunde hat. Diese Worte waren ein Lichtstrahl für Renö. Ja, gewiß, deshalb nur war man auch so liebenswürdig gegen ihn. Wenil eines Tages das Gewitter losbrach, konnte er als Blitzableiter dienen. Und zu gewöhnlichen Zeiten war es eben eine Versicherung gegen Unfälle aller Art, wenn man einen republikanischen Schwiegersohn, eine klerikale Tochter, royalistische und imperialistische Freunde besaß. Ein hübscher Plan! Er war gewiß von der Kousine Dubourg allsgeheckt worden. Während dieser Zeit sprach die Kousine sich entzückt über Reue's Haltung zn Frau Messaut aus, die sich vor mit anderen Paragraphen in das Gefängniß nicht stecken kam,, mird man ans diese Weise verfolgen und alle vermnth- liehen Versuche der von dem Reichstage eingesetzten Kom- Mission, an dein Paragraphen hernmznflicken, werden dieses dem deutschen Volke drohende Verhängnis; nicht abzuwenden vermögen. Denn eine Strafvorschrift, die mit einem im Gesetz selbst nicht näher definirten, allgemeinen Begrif operirt, ist in politischen und sozial erregten Zeiten, wie es die heutigen sind, überaus gefährlich und für die Willkür das bequemste Mittel. War der alte Grobc-llnfng-Paragraph dazu bestimmt, verhältnißmaßig harmlose Handlungen, wie Hochrufe auf die internationale revolutionäre Sozialdemokratie, Aufhissen der rothen Flagge, Vcrthcilnng unliebsamer Flugblätter und Verrufs- erkläruugen, unter Strafe zu stellen, so will der neu gc- staltete§ 130 eine allgemeine subsidiäre Strafvorschrift zum Schutze gegen ernstere Störungen der behaglichen Ruhe der besitzenden Klassen schaffen. Ans diesen, Grunde sollen die Einrichtungen des Eigen- thums, der Ehe, der Religion, der Monarchie und der Familie, ein für alle Mal für sakrosankt erklärt, jeder Kritik und damit auch jeder Möglichkeit einer gesunden Weiterbildung entzogen werden. Begnügt man sich doch nicht einmal damit, d i e Religion, die Monarchie:c., wie sie der heutige Staat anerkennt, unter die Obhut der Strafe zu stellen. Nein, ,s werden sogar rein abstrakte Begriffe, philosophische Vorstellungen, wie Eigenthnm, Monarchie schlechthin für Rcchtsgütcr erklärt, welche der Staat zu schützen als seine heilige Aufgabe betrachtet. Das heißt aber nichts anderes, als einen vollkonimcnen Stillstand des Kulturlebens dekretiren, um die herrschenden Klassen vor jeder Einbuße an ihrer Macht zu bewahren. VoUtiMie UtcluuiTtfit. Berlin, den 28, Dezember. Tie Umsturzvorlage wird in einem weiteren Artikel der„Grcnzboten" folgendermaßen gekennzeichnet: Die besondere Bedeutung der Umsturzvorlage besteht darin, daß sie, nicht der Meinung der Regierung entsprechend, sondern der Meinung der großen Unternehmer nach, dem Koalitionsrecht der Arbeiter den Garaus machen soll. Zwischen der thatsächlichen und der rechtlichen Stellung unserer Lohnarbeiter besteht ein klaffender Widerspruch; der Verfassung nach sind sie den Herrschenden gleichberechtigte Staatsbürger, thatsächlich sind sie deren Knechte, und soweit sie das noch nicht sind, sucht man sie durch polizeiliche und strafrechtliche Maßregel» dazu zu machen. Der Verfassung nach gilt gleiches Recht für alle, thatsääilich baben die Lohnarbeiter ihr besonderes, ein schlechteres Recht, stellenweise auch gar kein Recht. Dieser klaffende Widerspruch zwischen de», Geiste, aus dem unser Recht hervorgegangen ist, und dem Geiste, in dem es angewendet wird, bringt eine Menge Anwendungen des Strafgesetzes und Unterlassungen hervor, die den Eindruck von Rechtsverletzungen machen. Eben weil die herrschenden Klassen das größte Interesse daran haben, dieses Bild der Wirklichkeit zu verschleiern, mußte es mit möglichst kräftigen Strichen gezeichnet werden, und so ist es vielleicht ein wenig übertrieben ausgefallen. Hinter dem Zustande aber, der sich»ach Annahme der Vorlage ergeben würde, bleibt es noch weit zurück. Während höchst wahrscheinlich auch dann noch die Agrarier unangefochten bleiben werde», wenn sie in ihren Versammlungen die gröbsten Vorwürfe gegen die Regierung schleudern werden, weil diese auch beim besten Willen kaum im stände sein wird, Wunder zu wirken und höhere Getreidepreise zu erzwingen, als sie die Natur der Dinge mit sich bringt, wird zede Klage der Arme», die wirklich Roth leiden, z. B. die Klage von Kleinbauern, denen durch Zwangsablösnng ihrer Forstrechte der Boden ihrer wirthschastlichen Existenz ent- zogen wird, als Aufhetzung bestraft werde», und während es den Leuten, die über SO 000 M. Einnahme haben, nach wie vor unbenommen bleiben wird, sich zur Erhöhung ihrer Renten und Dividenden zu koalire», wird jeder Versuch der Menschen, die weniger als 900 M. einnehmen, sich zur Erhöhung des Lohnes, ja auch nur zu einiger Sicherung ihrer Existenz zu verbünden, als Aufruhr unterdrückt werden. Sehr viel wird freilich auf den Charakter der Ztichter ankommen. Bleiben sie der Mehrzahl nach pflichtgetreue Männer, so wird zwar der gegenwärtige Zustand, der schon schlimm genug ist, noch verschlimmert, aber die Arbeiterbewegung wird damit noch nicht todt- pemacht werden. Gelingt es aber der Regierung, durch Beförderung strebsamer Assessoren und Zusamniensetzung der Gerichtshöfe den in politischen und Arbeiterprozessen thätigen Freude nicht zu lassen wußte. Er wäre ein sehr feiner, geschmackvoll gekleideter junger Mann, ein angenehmer Plauderer mit vornehnien Manieren. Er hätte auch keilte umstürzlerischeu Ansichten geäußert, folglich könnte man ihn als geheilt betrachten. Marceline wurde über ihre Meinung nicht erst gefragt, denn konnte sie jemals anders sein als die ihrer Mutter? Frau Messant überbot diese Lobpreisitugen, die ihrem Herzen unendlich wohl thaten, noch. Ja, er war so gut, ihr Renv, so brav, so liebevoll! Der Eintritt der Herren schnitt diese mütterlichen Herzensergüsse ab. Was sollte man nun beginnen? Nach der neuen, barbarischen Sitte, welche die Musik als die Ver- dauung anregendes Mittel bei jeder bürgerlichen Tisch- gesellschast betrachtet, sollte auch hier Klavierspiel die Stelle der immer mehr einschlafenden Unterhaltung ver- treten. Renv wurde gefragt, ob er die Musik liebe. Seine Mutter beeilte sich, für ihn zu antworten, daß er die Musik leidenschaftlich verehre, was übrigens auch wahr war. Nicht diese Musik! hätte Renö am liebsten dazwischen gerufen. In der That verabscheute er die Hausmusik, jenes alltägliche UuterlMltungsmittcl einer Gesellschaft, in der man nicht mehr weiß, ivorüber mau plaudern soll. Aber schon setzte Marceline sich auf einen Befehl ihrer Mutter auf den verhäugnißvollen Klavierscssel. Brillant-Potpourri über Wilhelm Tell? kündigte Herr Dubourg triumphircnd an. Und mit liebenswürdigem Zwinkern fügte er hinzu: Eine Erinnerung an die Schweiz, Kousine! Schon ließ das junge Mädchen die Hände � über das .klingende Elfenbein� gleiten. Warum fiel Renv diese alt- modische Umschreibung ein, während er die Seiten um- wendete? Vielleicht weil die Wahl des Stückes und die Haartracht der Ausübenden ihn in die Zeit von 1830 zurückversetzten. Im übrigen bedauerte er das arme Mädchen, so sehr sah sie aus, als vollbringe sie eine unan- genehme Zlufgabe, als fühle sie wenig von dem, was sie trocken und korrekt herunterspielte. Als sie endlich die letzten Akkorde angeschlagen und dabei unbewußt ge- seufzt hatte, suchte Renv nach einem Kompliment, das er ihr, ohne lügen zu müssen, machen konnte. Er konnte sie nur zu ihrer Fingerfertigkeit beglückwünschen. (Fortsetzung folgt.) Richtern den erforderlichen„politischen Instinkt" einzuflößen, dann wird es ein leichtes sein, alle Organisationen der Arbeiter zu zerstören, ihre Presse zu unterdrücken und jede mündliche Aus- spräche in öffentlichen Versammlungen zu verhindern. Jeder Lohnarbeiter ist dann ohne gesetzlichen und ohne thatsächlichen Schutz seinem Brotherrn auf Gnade und Ungnade ausgeliefert. Gegenwärtig wird in öffentlichen Bersannnlnngen der Fach» vereine über die Zustände in den verschiedenen Fabriken und Werkstätten berichtet. Man vernimmt da u. a., wie Fabrikbesitzer A sich täglich das Vergnügen bereitet, beim Waschen und Umkleiden seiner Arbeiterinnen eine Fleischbeschau vorzunehmen, wie in der Fabrik von B der Werksührer die Arbeiterinnen mißbraucht, wie in der von C die jungen Arbeiter gezwungen werden, die Hälfte ihres Lohnes in der 5bantine des Werkmeisters zu ver- trinken, wie die Arbeiter von D ihr Mittagsmahl bei jedem Wetter im Freien und noch dazu unter stinkenden Haufen schmutziger Materialien einnehmen müssen, in was für Löcher» ver Bäcker E seine Leute schlafen läßt, wie bei F die Abtritte beschaffen sind u. s. w. Alle diese Dinge müssen buchstäblich wahr sein, denn der„Vorwärts" berichtet darüber mit Nennung der Namen und wird fast nie zu einer Berichtigung gezwungen. Solche Berichte werden nach Annahme der Vorlage unmöglich sein; die Fabrik- und Werkstätten-Paschas werden nach Belieben schalten und walten können, ohne jemals durch solche Berichte geärgert zu werden. Außer ihrem schönen Einkommen werden sie auch noch den unangreifbaren Ruhm der Frömmig- keit und Tugend genießen, und nichts wird sie hindern, sich in den Gemeinde- Kirchenrath wählen zu lassen und dort über die Unsittlichkeit der arbeitenden Klasse zu klagen. So also liegen die Dinge. Um so dringender thut es noth, das Ergebniß zu wiederholen: der gegenwärtige Zustand ist unertrag- lich; entweder man mache ernst mit der Gleichberechtigung der Lohnarbeiter, oder man schaffe für sie ein besonderes Hörigen- recht, aber man höre endlich einmal ans, die sittlichen Grund- lagen des Staates, das Rechtsbewußtsein des Volkes, seinen gesetzlichen Sinn und sein Vertrauen zur Obrigkeit durch will- kürliche und parteiische Anwendung der Gesetze zu untergraben! Er soll dem Reichstage erhalten bleiben, der Sohn seines Vaters, des ehemaligen Statthalters von Elsaß-Lothruigen und jetzigen Reichskanzlers Fürsten von Hohenlohe. Wie der Regierung nahestehende Blätter bc- haupten, soll das Mandat des jungen Mannes deshalb nicht erloschen sein, weil er blos den Titel Legationsrath, nicht aber ein besoldetes Staatsamt erhalten hat. Tie Geschäfts- ordnungs-Kommission und eventuell das Plenum des Reichs- tages wird darüber zn entscheiden haben, ob diese Auf- faffung die richtige ist.— Ein Sohn seines Vaters. Herr Herbert Bismarck, der soeben bei dem neuen Reichskanzler antichambrirte, um von steh reden zn machen, hat den„Lügner", welchen die Londoner„Pall Mall Gazette" ihm ins Gesicht schleuderte, aus sich sitzen lassen.— Maximalarbeitstag für das Bäcker- und Konditor- getverbe. Wie die„Deutsche Tages-Zeitung" erfährt, läßt das Reichsamt des Innern zur Zeit Erwägungen darüber anstellen, ob der Anregung der Kommission für Arbeiter- statistik auf Einführung eines Maximalarbeitstages für das Bäcker- und Kouditorgcwerbe weitere Folge zu geben sei oder nicht. Nach den zahlreichen Vorarbeiten der Reichskonlmission über die Verhältnisse im Bäckergewcrbe sind die weiteren Er- wägungen des Reichsamt des Innern für uns nichts weiter als ein Beweis, daß man diese dringliche Reform ans dem Gebiete des Arbeiterschntz-Gesetzes zum mindesten hinaus- schieben will. Für jeden Sozialpolitiker ist die Frage so geklärt, daß die Vorlage sofort den Reichstag beschäftigen könnte. Aber der Reichsregierung liegt es jetzt naher, die Arbeiter zu knebeln als sie zu schützen und die aller Kultur hohnsprechenden Zustände im Bäckercigewerbe, unter denen die Gehilfen leide», rühren sie weit weniger als die Klagen einiger Jnnungsmensche».— Gegen die Gelverbegerichte wendet sich eine vom Zeutralausschuß der Berliner kaufmännischen, gewerblichen und industriellen Vereine ins Werk gesetzte Agitation. Der genannte Vertretungskörper des Berliner Unteruehmerthums richtet an den Reichskanzler das Ersuchen: I. daß in Abänderung des tz S5 des Gesetzes über die Gewerbe- gerichte für sämmtliche Urlheile der Gewerbegerichte unabhängig von der Höhe des Objekts das Rechtsmittel der Berufung für zulässig erachtet werde; 2. daß in Abänderung des§ 56 des gc- dachten Gesetzes die vorlänsige Vollstreckbarkeil der Urlheile der Gewerbegerichte von der Sicherheitsleistung abhängig gemacht werde. Die Erfüllung dieser Forderungen würde nicht weniger bedeuten, als die Werthlosmachnng der Gewerbegerichte für die Arbeiter, denn die Unternehmer würden gegen jedes für sie ungünstige Urtheil Berufung einlegen und damit die Erfüllung der den Arbeitern aus den Urtheilen er- wachsenden Vortheile auf lange Zeit verzögern, ja sie würden durch Hilfe von Anwälten und in den aus dem Arbeitsverhältiüsse entstehenden Streitfällen weniger kundigen Richtern für sie günstigere Urtheile in der zweiten Instanz erzielen als in der ersten. Während die Vollstreckbarkeit der kleinen Zahl von Urtheilen, gegen die Rechtsmittel zn- lässig sind, in dem geltenden Gesetze von einer vorgängigen Sicherheitsleistung abhängig gemacht werden kann, sollen in Zukunft alle Urtheile von dieser Sicherheitsleistung ab- hängig gemacht werde n. Daß Arbeiter, die wegen vor- enthaltenen Lohnes klagen, solche Sicherheit in der Regel nicht leisten können, versteht sich für jedermann, so daß die Folge wäre, daß die Urtheile fast niemals sofort vollstreckt würden. Die Eingabe der Berliner Unternehmer ist charakteristisch für ihren konsequenten Kanips selbst gegen die unbedeutenden Vorthcile, die den Arbeitern aus der bestehenden Gesetz- gebung erwachsen.— Ein Defizit in, prcustischen Staatshanshalte können die Miquel und Posadoivsky bei der Begründung der Reichsfinanz-Reform nicht entbehren, deshalb wird, wie im vorigen Jahre, auch in diesem ein gar fürchterliches Defizit im preußischen Etat zurecht gerechnet. Tie„Freisinnige Zeitung" schreibt hierüber: Auch das Defizit, welches in dem neuen preußischen Staatshaushalts- Etat für 1895/96 zur Erscheinung kommt, ist. wie sich jetzt schon herausstellt, wesentlich ein jtunstprodukt, dadurch hervorgeruseu. daß im nächsten Etat ebenso wie im Reichshaushalts-Etat die aus laufenden Mitteln zu bestreitenden einmaligen Ausgaben der Eiseubahn-Verwaltung weit höher als in den Vorjahre» bemessen werden. Während in den Vorjahren Ausgabe» für Erweiterung der Eisenbahn- ülulageu, für neue Geleise und für Vermehrung des rollenden Materials auch in den Eisenbahn-Kreditvorlagen ausgeworsen waren und soinir aus Eisenbahii-Anleihen gedeckt wurden, sollen solche Ausgaben werbender Art fortan sämmUich in das aus laufende» Mitteln zu deckende Exlraordinarium des Staatshaushalts- Etats auf- genoimuen werben, soweit es sich»icht um solche Ausgabe» handelt, ivelche mit einer Erweiterung des Eisenbahnnetzes durch neue Linien zusammenhängen.— Neuorganisation der Verwaltnng in Prensten. Die„Berl. Pol. Nachr." weisen darauf hin, daß oie Mit- thcilung der„Köln. Bolksztg." über eine durchgreifende Neuorganisation in der Verwaltnng Preußens, wobei ent- weder die Bezirksrcgierungen oder die Landraths-Acmtcr künftig in Fortfall kommen sollen, durchaus unbegründet sei. Augenscheinlich liegt ein Mißvcrständniß vor, welches veranlaßt ist durch die für die wasserwirthschaftlichcn Bc- Hörden geplante Organisation, in welcher bekanntlich das Krcis-Wasseramt und der Landrath unmittelbar unter die Aufsicht des Obcrpräsidentcn gestellt werden sollen.— Das neue prcnstische Steinpelstener-Gcsctz. Die Vorbereitungen für die Nevision des preußischen Stempel- steuer-Gesctzes von 1322 sind vollständig abgeschlossen. Ter bezügliche Gesetzentwurf liegt, wie die„Berl. Pol. Nachr." erfahren, dem Staatsministerium zur Beschlußfassung vor und es besteht, dessen Zustimmung vorausgesetzt, die Absicht, ihn dem Landtag in der bevorstehenden Tagung vorzulegen. Daß diese Revision eine Erhöhung der Stempelstenern und damit auch eine weitere Belastung des Geschäfts- Verkehrs bedeutet, läßt sich vermnthen. Eine Anzahl bisher nicht oder mit geringen Stempelsteuern belastete Vorgänge im Geschäftsleben sollen künftighin ernstlich herangezogen werden, speziell soll dies für den Verkehr bei städtischen Grundstücken gelten. Außerdem soll, wie offiziös versichert wird, das Gesetz klarer gefaßt und die einzelnen Besliin- mnngen übersichtlicher geordnet werden.— Ucber die Uneinigkeit der Regiernngcn bei der Tabak- Fabrikatstener weiß die„Süddeutsche Tabak- Zeitung" folgendes zu berichten: Einig sind m i t der preußischen Regierung nur die Regierungen von Württemberg und E l s a ß- L o t h r i n g c n. Beide süddeutschen Staaten machen kein Hehl daraus, entschiedene Anhänger des T a b a k m o n o p o l s zu sein und infolge dessen jeder Tabaksteuer, besonders der Fabrikatsteuer, zuzn- stimmen, welche die Verhältnisse in der Tabakindustrie Deutsch- lands unhaltbar machen würde. Die Regierungen Bayerns, Badens und Hessens nehmen diesen Standpunkt nicht ein. Baden fordert eine Zoll- erhöh ung, um den Tabakanbau zu vermehren; Bayern verlangt gleichfalls eine Zollerhöhung von 10 M. für den Doppelzentner, um die in den billigeren Preislagen arbeitende Schneidtabakfabrikation auf den Jnlandstabak zu verweisen,„wodurch der Absatz des in- ländischen Produkts zunehmen würde". Die Regierungen Bayerns und Badens nehmen in diesem Punkte eine andere Stellung seit der letzten Vorlage ein. Früher berechneten sie, durch den Wegfall der Jnlandssteuer würde der über- seeische Tabak nicht allein um die 20 M. für den Zentner Tabak an Zoll im Nachtheil sein, sondern auch um die weitere Verthcuernng dieser Zolldifferenz durch die Fabrikat- steuer. Diese Erwägung cst in den Finanznnnistericn Badens und Bayerns inzwischen als unzutreffend aufgegeben worden, weil— so wird betont— die leichteren Stengel im überseeischen Tabak, der leichtere Tabak Überhaupt, Packung:c., jene weitere Steuerdifferenz von ca. 3 Mark bei Tabaken für billigere Fabrikate illusorisch machen würde. Hessen ninimt zwar den gleichen Standpunkt ein, möchte auch gern weitere Reichseinnahmen sehen, weist jedoch die Befürchtung nicht von der Hand, daß die Fabrikatstener der hochentwickelten Industrie Gießens, Hanan's, Offcnbachs, SteinheimS und anderer Orte des Graßherzogthums verderblich werden könnte. Im übrigen erwähnen wir noch- mals, daß auch in manchen anderen süddeutschen Ministerien der Kampf gegen die Fabrikatstener ungefähr mit den Worten vertheidigt wird:„sie wehren sich und haben alle Ursache dazu."— Kulemaitn und die„Nationalliberale Korrespondenz". Die„Nationalliberale Korrespondenz" hatte dem ehemaligen nationalliberalen Abg. Kulemann wegen seiner freimüthigcn Kritik der Umsturzvorlage den Stuhl vor die Thüre der Partei Drehscheibe gestellt. Hierauf er- läßt Kulemann in der„Braunschweiger Landeszeituiig" die folgende saftige Erklärung: „Wenn die Bedeutung der„N.-L. K." und ihre Stellung zur Partei allseitig bekannt wäre, so würde ich mich nicht veranlaßt sehe», diese Auslassung einer Antwort zu würdigen, allein der Umstand, daß die mir zu Gesicht gekommenen Zeitungen dieselbe ganz überwiegend als eine offiziöse oder gar offizielle Erklärung des Parteivorstandes aufgefaßt und daran Schlußfolgerungen über das Recht der freien Meinungsäußerung innerhalb der uationalliberaleu Partei geknüpft habe», die für die letztere»icht gerade schmeichelhaft waren, zwingt mich zu einer Erwiderung. Die bezeichnete» Schlußfolgerungen fallen mit ihrer Unterlage. Hätte in der That der Parteivorstand i» einer auch nur an- »aherud ähnlichen Weise über mich sich ausgesprochen, so würde ich wissen, was die Selbstachtung von mir erforderte; und um jeden Zweifel hierüber auszuschließen, werde ich demselben die Gelegenheit geben, sich in authentischer Weise � zu äußern. Bisweilen kann ich nichts weiter thun, als jeuer unrichtigen Auffassung über die Stellung und Bedeutung der „R.-L. K." durch Aufdeckung der wahren Sachlage eulgcgen- zutret n. Die„N.-L. K." ist ausschließlich ein privates geschäft- lichcs Unternehmen, ihre Auslassungen sind nichts, als die per- sönlichen Meinungsäußerungen eines einzelnen Parteimitgliedes, und noch dazu eines recht unbedeutenden, dessen Name in weiteren Ikreisen völlig unbekannt ist; ich sehe davon ab, ih» hier öffentlich zu nennen. um nicht Beleidigung mit Beleidigung zu er- widern. Schon als Abgeordneter habe ich auf die Unzuträglich- keit aufmerksam gemacht, die daraus entsteht, daß die öffentliche Meinung für die Auslassungen der„N.-L. K." die Parteileitung verantwortlich macht, und habe eine Klarstellung und die Schaffung eines wirklichen Partci-OrganZ anheimgegeben. Meine Anregungen sind ohne Ersolg geblieben, und so dauert bisher ein Zustand fort, der für den geschäftlicken Erfolg der„N.-L. K." sehr förderlich, für die Partei aber un höchsten Grade verhängnißvoll ist. Ist doch die„N.-L. K." das berühuite Organ, welches kurz vor dem Franlsurter Delegiertentage die Welt durch den Vorschlag eines Staatsstreiches überraschte, indem es an die Empfehlung, im Falle der Ablehnung von Um- sturzmaßregeln den Reichstag auszulösen, die ja in ihrer Aus- legung nicht zweifelhafte Bemerkung knüpfte, daß man, falls auch der neu gewählte Reichstag die Ablehnung wiederholen sollte, „vor den äußersten Konsequenzen nicht zurückschrecken dnrse". Berufene Mitglieder des Parteivorstandes haben dauials mir gegenüber jede Vertretung dieser Auslastungen mit Ent- rüstung von sich gewiesen, sich aber bei meinem Vorhalten gegenüber auf den lediglich private» Charakter des Unternehmens und der Aeußerungen berufe». Obgleich also hier in einer uner- hörten Weise die gerechte Erbitterung aller ehrlichen Leute weit über die Kreise des Liberalismus hinaus gegen die national- liberale Partei wachgerufen war durch eine Aeußeruug der „R.-L. K.", welche die politische Unsähigkeit ihres Herausgebers auf das zweifelloseste erwiesen hatte, so hat leider selbst dieses Vorkomuiniß den Parteivorstand nicht dazu vermocht, sei» Ver- hältniß zu seinem freiwilligen Vertreter der Oessentlichkeit gegen- über klar zu stellen. Ich würde es als einen großen Ersolg im Interesse der Partei begrüßen, wenn diese meine Erklärung dazu beitrüge, sie von einer angemaßten und sie auf das schwerste kompromitiireuden Bevormundung durch unberufene Personen zu befreien." Die„National-Zeitung", in deren Verlage die„National- liberale Korrespondenz" erscheint, unterläßt es, diese Er- klärnng abzudrucken und gegen sie zu polemisiren. Die nationalliberale Partei, sowohl die Parteileitung, als auch die Fraktionen der Partei in den verschiedenen parlamen- tarischen Körperschaften werden aber nicht umhin können, den Grad ihrer Solidarität mit dem schmutzigsten Preß- organ Deutschlands festzustellen.. Schwer genug wird ihnen dies freilich werden, denn ohne den Böttcher und Marquardsen wehe zu thun, läßt sich dies nicht machen.— Fuchsniühl. Aus München wird telegraphirt: Vor dem Schöffengericht begann heute der aus Anlaß der Fuchsmühler Voriälle gegen sechs hiesige Redakteure eingeleitete Prozeß. Die Angeklagten erhoben den Kompetenzeinwaud und verlangten die Verweisung vor das Schwurgericht. Das Schöffen- gcricht verwarf den Einwand. Die Angeklagten erklärten sich verantwortlich für die inkriminirten Artikel.— Z Der Prozeß ist aus mehrfachen Gründen hochbedeutsam, erstens weil er nicht, wie es das Gesetz fordert, vor dem Schwur-, sondern vor dem Schöffengericht verhandelt werden soll und dann weil durch die von den Angeklagten vor- geführten Zeugen die Affäre von Fuchsniühl in allen ihren Theilen gerichtlich festgestellt werden dürste. Es ist anzunehmen, daß die Angeklagten zu Anklägern und die bayerische Regierung zur Angeklagten und Verurtheilten wird. Wir haben für eine ausführliche Berichterstattung über den be- deutsamen Prozeß gesorgt.— Vorläufig theilen ivir die I durch das Wolff'sche Tele- graphenbureau aus München übermittelten Depeschen mit. Sie lauten: Im Fortgange der Verhandlung lehnte das Schöffengericht dm Antrag des Amtsanwalls ab, hinsichtlich der Fuchsmühler Borgänge selbst keinerlei Zeugenvcrhör vorzunehmen, sondern nur die Frage, ob Unfug vorliege, festzustellen. Der erste Zeuge, Premierlieutenant Mayer-Amberg, konstatirte, die für Fuchsmühl auserlesene Mannschaft sei auf das strengste vorher wiederholt instrnirt worden, den Gebranch der Waffe thunlichst zu ver- meiden. Tie Fuchsmühler hätten zweifellos Widerstand ver- abredet. Acht derselben seien Reservisten gewesen; sie hätte« Militärmützen getragen und die übrigen Betheiligten aufgereizt. Lo Soldaten hätten aktiven Widerstand gesunden. Die Zeilungs- berichte seien größtentheils unzutreffend.— Giolitti in Berlin. Aickniipfend an die Thatsache der Anwesenheit des vielgenannten Herrn Giolitti in Berlin, hatte die„Deutsche Tageszeitung" die Nachricht ge- bracht, Crispi habe die Abficht geäußert, das Berliner Auswärtige Amt zu ersuchen, Herrn Giolitti die niöglichst baldige Abreise aus Teutschland nahe zu legen. Eine Ausweisung sei nicht erforderlich; es würde ge- nügen, daß die offiziöse Presse einem Mann, gegen den in seiner Heimath nahezu vierzig Verleumdungsklagen eingereicht sind, zu verstehen gebe, daß für ihn in der Hauptstadt des mit Italien verbündeten Reiches nicht die geeignete Znfluchtsstätle sei. Hierzu wird in einer Berliner Zuschrift des„Ham- burgischcn Korrespondent" bemerkt, es wäre auffallend, daß von dieser Absicht Crispi's bisher nur der Berichterstatter des Organs des Bundes der Landwirthe etwas erfahren babe. Die deutsche Presse habe, zum theil ohne Zweifel mit Rücksicht auf die intimen Beziehungen zwischen Deutschland und Italien, in den durch die Enthüllungen Giolitti's aufgeworfenen Fragen große Zurückhaltung beobachtet, und so lange dieser keinen Versuch machte, von Bertin aus gegen Crispi zu intrigmre«, wäre nicht recht einzusehen, welches Interesse der italienische Ministerpräsident haben sollte, seinem politischen Gegner den Ausenthalt in Berlin unmöglich zu machen. Was Wahres an der Sache ist, wissen wir nicht. Jeden- falls ist mindestens ebenso auffallend, daß nur der„Ham- durger Korrespondent" von diesem Dementi erfahren hat, wie die Thatsache, daß nur die„Deutsche Tageszeitung" über die Sache selbst berichtet hat. An sich unglaubwürdig ist die Mittheilung ja keineswegs, da Crispi in der Wahl seiner Mittel bckänullich gar nicht wählerisch ist, wo es gilt, politische Gegner zu vernichten. Ebenso glauben wir, daß die deutsche Regierung Herrn Crispi auch in diesem Falle gern gefällig gewesen wäre.— �Die Teuiission des ungarischen Gesammt- uliuisteriuius ist amtlich publizirt und dem Parlamente bekannt gegeben worden. Das Abgeordnetenhaus bereitete dem abtretenden Kabinette, das erklärte, lediglich wegen Nichtübereinstimmung mit der Krone zu demissioniren, eine große Vertrauenskundgebung.— Das neue französische Spiouagegesetz. Aus Paris wird gemeldet: Die Armeekommission der Deputirtenkammer nahmsdie Vorlage über Spionage und Verrath an, nachdem sie den von der Re> gierung vorgelegten Text theilweise abgeändert hatte. Spionage wird nach diesem Gesetzentwurf mit Zwangsarbeit oder Zucht- Haus bestrast. Ausländer, welche sich der Spionage schuldig machen, werden vor ein Kriegsgericht gestellt. Zum Bericht- erstalter wurde Jules Roche ernannt; derselbe wird seinen Bericht nach dem im Januar stattfindenden Wicderzusammentrilt der Kammern einbringen.— Ter holländische Kolonialkrieg ist nun doch nicht beendet. Wir haben somit schnell mit unseren Zweifeln über die aus Holland ertönenden Siegesfanfaren recht behalten. Nach einer Depesche des Amsterdamer„Handelsblad" aus .Batavia vom 27. d. Mts. wird voraussichtlich Anfang Januar eine Exvedition nach Karang- Asem auf Bali gesandt werden, wohin der balinesische Gesandte in Lombok, Goesti Djilantik, � geflüchtet ist.— Die italienische Krisis. Alle Nachrichten deuten darauf hin, daß die Regierung in vollständiger Auflösung begriffen, und in das Stadium des Orärs, Contreordre, Desordre— Befehl, Gegenbefehl, Unordnung— gerathen ist. Crispi will mit aller Gewalt die Kammer auflösen und es zu einem Staatsstreich treiben, weil er, einem Ver- brecher gleich, der ein Haus j anzündet, um die Spur des Verbrechens zu beseitigen, durch eine Feuersbrunst die Aufmerksamkeit von seinen Schurkereien ablenken möchte. Tie übrigen Minister sind aber anderer Meinung, und auch der König ist in seinem Vertrauen wankend geworden. Die verschiedensten Gerüchte laufen um. Gestern wurde mit Bestimmtheit gemeldet: die Kammer werde am 4. Januar geschloffen und die Auslösung am 20. Januar ausgesprochen werden. Heute wird diese Nachridst widerrufen mit dem Bemerk, es sei noch kein bestimmter Entschluß gefaßt. Inzwischen peitscht Crispi wie ein Rasender die Richter voran zur Verfolgung Giolitti's, gegen den er um jeden Preis eine Verurkheilnng erzwingen will. Atteiil auch die Richter glauben nicht mehr an den„Diktator"— die nöthige Gewissenlosigkeit fehlt ihnen nicht, aber wer bürgt dafür, daß der gestern Allgewaltige morgen noch an der Gewalt ist? Er steht wie aus der dünnen Kruste eines grundlosen Moores— platzt die Kruste, so ist er für immer ver- lorcn— der Sumpf verschlingt ihn mit dem, was sich an ihn klammert und woran er sich klammert.— Eine Fsriedensbiirgschaft. Um die Bewaffnung der russischen Armee mit dem neuen, kleinkalibrigen Gewehr zu vollenden, sind noch 29Vs Millionen Rubel(64,6 Millionen Mark) erforderlich. Der größte Theil der noch zu be- schaffenden neuen Waffen wird in Frankreich bestellt, der Rest in russischen Fabriken ausgeführt. Bis diese Mordwaffen fertig sind, wird der russische Bär nur brummen und nicht mit den Tatzen um sich schlagen.— Tie Polenpolitik des neuen Zaren scheint etwas versöhn- lichcre Bahnen einschlagen zu wollen. Ties schließt man aus der Entlassung Gurko's und aus der folgenden aus Warschau stammen- den Meldung: Der bisher bestehende Ukas, wonach auf der Jwangoroder Bahn amtliche Schriftstücke nur in russischer Sprache bekannt gegeben werden dursten, ist aufgehoben worden. Derartige Schriftstücke werden jetzt in polnischer und russischer Sprache publizirt.— Das Blutbad von Kroze, das von der russischen Soldateska gegen wehrlose Bauern, deren Frauen und Kinder verübt wurde, weil diese sich ihr Eigeuthum nicht ganz ohne Murren rauben lassen wollten, hatte in einer Gerichts- komödie, in der die Vergewaltigten zu sehr schweren Strafen vcrurthcilt wurden, ein trauriges Nachspiel. Der junge Kaiser von Rußland hat wenigstens dieses Schandmal vom russischen Namen zu tilgen gcsiicht, indem er die Verurtheilten begnadigte. Auch die Enthebung des Gouverneurs von Wilna, Generals Klingenberg, des Urhebers des Blutbades von Kroze, von seinem Amte soll nun nahe bevorstehen. Die getödtetcn Männer, die geschändeten Frauen, die gemißhandclten Kinder kann auch der mächtige Zar aller Reußen nicht entschädigen.— Die Vernichtung der Korinthen in Griechenland. In voriger Woche berichteten wir über die in Griechenland geplante Vernichtung eines Theiles der Korinthenernte, durch welche barbarische, kulturfeindliche Maßregel der ge- snnkene Preis der Korinthen gehoben werden sollte.— Genauere Nachridsten fehlten bisher, namentlich darüber, wie diese Vernichtimg von Volksnahrungsmitteln, die nicht scharf genug zu verurthcilen ist, vorgenommen werden soll. Einige nähere Mitthcilungen macht jetzt der Athener Korrespondent der„Kölnischen Zeitung". Er schreibt: „Die Stellung der Regierung zu dieser für die Korinthen erzeugenden Provinzen sowie überhaupt für das ganze Land so hochwichtigen Frage ist eine vollkommen neutrale. Sie will keine politische Parteifrage daraus machen und enthält sich deshalb streng jeder Meinungsäußerung, obgleich von verschiedenen Seiten dazu angeregt und aufgefordert. In der Sitzung vom II. Dezember wurde nun der Vorschlag auf„Zurückhaltung" eines Theiles der Korinthenernte ini Grundsatz von der Kammer an- genommen. Dennoch herrscht die Meinung, man werde sich schließlich über den Borschlag nicht einigen und ihn nicht zum Gesetze erheben. Die Vorlage muß nun erst noch in allen Einzel- Heiken und den näheren Bestimmungen über die Art und Weise, wie sie gehandhabt werden soll, genau festgestellt und von der Kommission ausgearbeitet werden. Im allgemeinen denkt man sich das Verfahren folgendermaßen: es soll von der Eriite eines jeden Erzeugers ein gewisser, für alle gleicher Prozent- satz kraft des Gesetzes entnommen, d. h. mit anderen Worten, dem eigentlichen Korinlhenhandel auf diese Art entzogen werden. Dieser Ucberschuß soll dann zerstampft und auderweilig, zunächst zur Weingeistbereitung, verwandt werden. Indem nun so die gesammle Masse der Erzeugung vermindert wird, hofft man dem Herobgehen der Preise zu steuern.— Der Streit in den Kammern spielt sich zwischen den Abgeordneten der Bezirke ab. welche die beste Qualität Korinthen erzeugen, und denjenigen, welche die Gegenden vertreten, in denen geringere Sorten erzeugt werde». Die erstere» sind selbstverständlich gegen das Gesetz, da sie als Erzeuger der vorzüglichsten Waare immer die besten und auch in den letzten Jahren noch immer verhältnißmäßig gute Preise erzielten. Es sind dies vor allen Aegion. Korinth und theilweise auch die Ionische» Inseln. Für das Gesetz sind insbesondere Patras, Elis, Meffenien u. s. w." I» Korea, dem Schlachtfelde des chinesisch-japanischen Krieges, ist schon seit Monaten ein Ausstand ausgebrochen. Ueber denselben wird aus London gemeldet: Tsukuba-Khan bat die Tonghaks zerstreut, welche kürzlich eine koreanische Garniso» in der Provinz Tschollado vertrieben. Eine Abtheilnng japanischer Truppen, welche zur Unterdrückung des Aufstandes nach der Provinz Hwaughaido entsandt war, stieß am 23. d. M. aus fast 6000 Tonghaks und zerstreute die- selben nach vierstündigem Kampf. Narlelurenksvtisthss. Druckschriften des Reichstages. Dem Reichstag sind zugegangen: eine Denkschrift, betreffend die Verwendung des Afrikafonds, sowie Denkschriften über die unter unmittelbarer Verwaltung des Reiches stehenden Schutzgebiete(das ostafrika- Nische Schutzgebiet, Kamerun, das südwestafrikanische Schutzgebiet und das Schutzgebiet der Marshall-Jnseln) mit Ausnahme von Togo. Ferner ist dem Reichstag eiue Uebersicht über den Stand der Bauaussührungen und der Beschaffung von Betriebsmitteln für die Eisenbahnen in Elsaß-Lolhringen und für die im Groß- Herzogthum Luxemburg belegenen Strecken der Wilhelm-Luxem- burg-Eisenbahnen vom 30. September 1394 vorgelegt worden. zpsvketnsrllvicktte»». Die Parteiversammlnng des Regierungsbezirks Magde- bürg, welche am 26. Dezember tagte, war gut besucht. Die Delegirten hatten sich bereits am Vormittag eingefunden zwecks einer Vorbesprechung. Trotzdem diese nur eine zwanglose Unterhaltung war, glaubte ein Kriminalkommissar doch, sie sei eine Versammlung, die sich mit öffentlichen Angelegenheiten beschäftige, und das Recht zu haben: die„ V e r s a m m l u n g" aufzulösen, was denn auch geschah. In der Nach- mittagsversammlung referirten Abgeordneter Wilh. Klees über: „Die gegenwärtige politische Lage unter Berücksichtigung der Gesetzentwürfe"; serner Genosse Gerlach- Halberstadt über: „Die Landagitation", und Abgeordneter Schmidt über:„Die Bedeutung der Arbeiterpresse und ihre Verbreitung". Alle Reden, sowie die sich daranschließenden Diskussionen waren gute, erweckten Feuer und Begeisterung für unsere Sache und waren höchst lehrreich. Angenommen wurden eine Resolution Gärtner, die sich gegen die geplanten Gesetz- und Steuerentwürfe richtet, ferner eine Resolution Berger, die besagt, daß die Landagitation den einzelnen Wahlkreisen selbst überlassen werden soll, und ein Antrag Katurbc-Burg: alle Jahre eine solche Parteikonferenz einzuberufen. Als Ort für die nächste wurde Halberstadt bestimmt. In Sachen des Boykotts wurde nichts beschlossen, da" so wie so in nächster Zeit sich die Magdeburger Genossen in einer Versammlung mit demselben zu beschäftigen haben. Der Provinzial- Parteitag für das östliche Westfalen ist um acht Tage verschoben worden und findet daher am 13. Januar in Bielefeld statt. »» Deutsche Gastfreundschaft kennen z» lernen, hatten schon mehrere unserer ausländischen Parteigenossen Gelegenheit. So wurde der belgische Genosse Defuisseaux, welcher auf dem inter- nationalen Bergarbeiter-Kongreß seine belgischen Kameraden ver- treten sollte, von der Berliner Polizei verhaftet und aus- gewieseu. Ebenso schneidig hat sich jetzt, wie bereits in unserem gestrige» Bericht über den polnischen Sozialistenkongreß mitgetheilt wird, die Breslauer Polizei gezeigt. Ueber die Verhaftung Dr. Leser's, der als Delegirter der polnischen Sozialdemokraten G a l i z i e n s erschienen war, wird uns durch ein Privatschreiben heute noch folgendes mitgetheilt: Polizeiliches, Gerichtliches»c. — Gegen die„Leipziger Volks-Zeitung" hat der Stadtrath zu Leipzig Strafanlrag gestellt wegen eines Artikels, der wäh- rend der Wahlperiode erschien und an den Stadlrath scharfe Kritik übte. — Verbote von Frauen- Versammlungen sind in Bochum und Dortmund erlassen worden; in Herne und Huckarde mußten die Frauen öffentliche Versammlungen v?r- lassen. In ersterer Stadt weigerten sich die Frauen dem ungesetz- lichen Gebot Folge zu leisten. In Huckarde erfolgte die Ans- lösung, ehe noch überhaupt der Ueberwachende wußte ob das Bureau seiner Aufforderung nachkommen werde. Das sind geradezu skandalöse Vorkommnisse, um so skandalöser, als die Behörde hier früher gegen die Anwesenheit von Frauen in öffentlichen Versammlungen nichts einzuwenden hatte, als Frauenversamm- lungen schon öfter stattgefunden und ganz besonders, weil diese Maßnahmen nicht die geringste Stütze im Gesetz finden. Nicht die allergeringste!— Diese verschiedenen Polizeimaßregeln, die doch alle eine merkwürdige Verwandtschast aufweisen, ließen fast aus eine höhere Weisung schließen. Ist etwa diese neueste Be- Handlung des Versammlungsrechts auf den Wechsel im Ministerium des Innern zurückzuführen? — Dem sozialdemokratischen Verein für Chemnitz wurden von der dortigen Polizei mehrere Punkte seines Programms zum Weihnachtsfeste gestrichen. Die betreffenden Aufführungen seien geeignet, kirchliche Handlungen herabzuwürdigen und die Zuhörer zu Unmoralität uud Gesetzesübertretungen geneigt zu machen.— In L e i p z i g hat die Polizei die gleiche Fürsorge bewiesen und die Ausführung verschiedener Theaterstücke ver« boten. — Ein Monstre-Prozeß in Aussicht. Ein« größere Anzahl Mitglieder deS Turnklubs Chemnitz-Alt» ch e m n i tz, der kürzlich neu gegründet worden ist, stnd in Unter- suchung gezogen worden wegen Vergehens wider das Vereins» gesetz. Der Klub soll ewe Fortsetzung deZ verbotenen Turnklubs Ällchemuitz sein. — Genosse Kühn- Lmigenbielau war unter Anllage gestellt wegen Hausfriedensbruchs. Wir wollen de» Vorfall. der für weitere Kreise von großem Interesse ist und über den wir f. Z. hier berichtet, nochmals kurz wiederholen Am 17. Juni b. Js. sollte in der Wohnung eines Genossen in Pöpelwitz ein Diökutirabend des sozialdemokratischen Vereins abgehalten werden. Es geschah dies, weil in der ganzen Gegend ein Lokal nicht zu haben war. Die Versammlung war, wie immer, beim Amtsvorsteher angemeldet und der Einberufer halte auch bereits die Anmeldebescheinigung erhalten, so daß die Ab- Haltung der Versammlung von statten gehen konnte. Genosse Kühn hatte für den Abend das Referat übernommen. Als die Genossen, die Zahl derselben war durchaus nicht groß, in das betreffende Haus eintreten wollten, hinderte sie jedoch der an der Hausthür Posten stehende Amtsdiener Born am Weiter- gehen, indem er ihnen erklärte, daß die Hauswirthin die Ver- saunnlung nicht leiden wolle, und sie sich daher zu entfernen habe». Kühn, der in der Abweisung eine Beschränkung des Miethsrechts erblickte, wollte der Weisung des Born nicht"Folge leisten, weshalb der Amtsdiener ihn mit Gewalt aus die Straße drängte. Dieses Vorkommniß hatte kurze Zeil darauf die Folge, daß gegen Kühn die Anklage wegen Haussriedcnsbruch erhoben wurde. Vor dem Schöffengericht wurde indessen Kühn von Strafe und Kosten freigesprochen, indem sich der Gerichts- hos auf denselben Standpunkt stellte wie KüKn, daß nämlich dem Wirlh ein Verfügung- recht über die Wohnung eines Mitthers nicht zustehe. Außerdem wurde auch angcnomnien, daß in jener Versammlung nichts Staatsgesährliches hätte vorkommen können, da sie ja gewiß durch Polizeibeamte bewacht worden wäre. Der Staatsanwalt erhob gegen das freisprechende Urlheil Widerspruch, wobei er in der Begründung der Berufung geltend machte, daß die betreffende Wohnung viel zu klein sei, um darin Versammlungen abzuhalten. Tie Vermietherin wäre in ihrem Rechte gewesen, die Versammlung zu verbieten, und da der An- ?;eriagte dem Widerstand entgegengesetzt habe und sich nicht ent- ernen wollte, habe er stch des Hausfriedensbruchs schuldig gemacht. Tie Straskammer schloß sich diese» Ausführungen an und er- kannte auf eine Gefänguißstrafe von einem Monat. Kühn, der nicht glauben wollte, daß das Ober-Landesgericht sich dieser Rechtsauffaffnug anschließen werde, und weil ihm auch das Strafmaß viel zu hoch erschien, rief die Entscheidung des Ober- Landesgerichts an. Kühn hat sich in seiner Erwartung, das Appellgericht werde ein anderes Urtheil fälle», getäuscht. Es bleibt bei einem Monat Gefängniß, ein weiteres Rechts- mittel gicbt es in diesem Falle nicht. Tie Wohnung sei Exner, so entschied das Ober-Landesgericht, zum Bewohnen, nicht aber zu politischen Versammlungen vermielhet worden. Tie Haus- wirthin sei befugt gewesen, sich gegen den Eingriff in ihr Eigen- Ihum zu schützen. Kühn habe somit, weil er auf das Verbot des Amtsdieners sich nicht entfernt habe, wie die anderen Mit- glieder, eines Haussriedensbruchs sich schuldig gemacht, und sei deshalb die Revision zu verwerfen. Dieses Urlheil erregt nicht nur in unserer, sondern auch in der bürgerlichen Presse großes Aussehen. Wie ist es denn, wenn in Wohnungen große Festlich- leiten, Hochzeiten, Abendgesellschaften und sonstige Vergnügungen abgehalle» lverden, bei denen vielleicht mehr Personen versammelt sind, als bei einer so kleinen Zusammenkunst, und wo die ganze Nacht musizirt, gelärmt und getollt wird? Fragt da die Polizei, wieviel Personen die Stube saßt? Soztsle Meberstllzk. Eilt Sauatorium für unbemittelte Lungen- kranke soll im nächsten Jahre im Spessart zunächst für 30 Kranke »ingerichtet werden. Ueber die Weberuoth in der Grasschast Hohnstein(Land- kreis Nordhausen) berichten bürgerliche Blätter: Die Leinen- weberei liegt zur Zeit bei uns gäuzlich darnieder und die Lama- Arbeit wird bedeutend eingeschränkt. Die Lage beginnt daher für zahlreiche Weberfamilie» höchst bedenklich zu werden. Unbedingt sind Schritte nolhwcndig, welche dauernde Abhilfe versprechen, denn mit der allmäligen Uebersührung der Weber- söhne in andere Berusszweig allein, gegen Gewährung von Prämien, ist nichts gelhan. Unsere Weberbevölkerung erhofft daher von der seitens der Weber des Wipperlhales beschlösse»«» Petiti on an die Staatsbehörden um Anlage eineS Berg- werks in unserer Gegend die Eröffnung auf sichere und dauernde Abhilfe der Weberuoth.„Die Unterstützung dieser Petition" schreibt die„Nordhäuser Zeitung",„und die Berücksichtigung derselben seitens der Staatsbehörde ist für die trostlose Lage und die bange Zukunft unserer Weber ein Akt der Nothwendigkeit. Zur Illustration dieser Verhältnisse sei angeführt, daß zur Zeit der W o ch e n v e r d i e n st eines L a m a w e b e r s nach den genauesten Berechnungen auf höchstens b M. 60 Pf. zu berechnen ist. Davon entiällt ein Drittel auf den nolhwendigen Gehilfen, so daß für ihn selbst 3 M. 72 Pf. verbleiben, und zwar günstigen Falles. Denn der Zeitverlust für die Wege zwischen der Wohnung des Webers und der Faktorei ist bei dieser Berechnung noch nicht einmal mit in betracht gezogen. Solche Verhältnisse erheischen dringend einen Eingriff desjenigen, der die Macht dazu hat. Und das ist der Staat. Die Arbeitslosigkeit nimmt auch im Ausland inimer größere Dimensionen an. So wird aus Belgien berichtet, daß die Krise in allen Theilen des Landes sich fühlbar mache. Besonders seien es die Glashütten und die Hochöfen, die darunter leiden. Eine große Anzahl von Arbeitern sind de- fchäftigungslos. Der Brotboykott der Wiener Arbeiterschaft gegen die Brot- sabrik von Mendt dauert fort, da nicht, wie wir kürzlich nach der Wiener„Arb. Ztg." miltheilten, die Firma eingegangen, fondern nur ein Zweig des Geschäfts abgemeldet ist. Achtung, Filzschuharbeiter! Nachdem erst vor kurzem die Differenzen mit der Firma Simon u. K o.. Neue König- straße 39, beigelegt sind. sahen sich die Arbeiter abermals gezwungen, gegen die Handlungsweise des Fabrikanten Front zu machen. Mehrere unserer Kollegen sind in genannter Fabrik gemaßregelt worden, und die Verhandlungen zu einem gütlichen Ausgleich sind resultatlos verlaufen, weshalb wir jetzt an unsere Kollegen die Bitte richten, den Zuzug fern zu halten. Am 30. Dezember, vormittags 10 Uhr, findet bei Buske, Grenadier- straße 33, eine Versammlung statt, zu der wir um recht zahl- reichen Besuch bitten. I. A.: Karl W i l l n e r. Achtung, Metallarbeiter! Infolge Maßregelungen von organisirten Kollegen ist der Zuzug von Metalldruckern nach der Kapselfabrik Schnigling bei Nürnberg strengstens fernzuhalten, da sich der Fabrikant Mühe giebt. Arbeiter aus Böhmen herzu- ziehen. Alle Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeten. Lithographen und Steiudrucker werden gewarnt, nach Warschau Stellung anzunehmen, da sie nur als Lohndrücker von den Unternehmern benützt werden. Der Ablvehrstreik der Kiirschuer der Th. Lindner'schen Rauchwaaren-Zurichterei und Färberei in Rötha dauert seit 2. Dezember unverändert fort. Da sich Streikbrecher(meist junge Leute) gesunden haben, die die Lohnreduktion(bei etlichen Ar- tikeln um 162/z bis 20 pCt.) annahmen, wird der Kampf um so schwerer. Ausständig sind 27 Kürschner, darunter 16 Ver- heirathete mit 41 Kindern. Es wird gebeten, den Zuzug fern- zuHallen.___ Verantwortlicher Redakteur: I. Dierl AuS dem Eldorado det Kechleubaroue. Ueber den Lehrermangel in Oberschlesien wird der„Preußischen Lehrer- Zeitung" geschrieben: Im Lause dieses Sommers habe ich nach- gewiesen, daß in Oberschlesien noch über 600 Lehrer würden an- gestellt werden müsse», wenn jede Klasse ihren eigenen Lehrer haben sollte. Unter diesem Uebelstand haben ganz besonders die Landschulen mit dem ein- und zweiklassigen Schul- systcm und diejenigen des oberschlesischen Jndustriebezirks zu leiden. Laut den statistischen Nachweisungen vom Oktober dieses Jahres ist es in dieser Beziehung nicht besser, sondern sogar noch schlimmer geworden. Ich besitze die statistischen Nachweisungen von 10 oberschlesischen Kreisschul- Jnspektionsbezirken. die gerade die Halste der Aussichtsbezirke im Regicrungsbezirl Oppeln ausmachen. In diesen 10 Kreisschul- Jnspeltionsbezirken fehlen nicht weniger als 379 Lehrer, wenn jede Klasse ihren eigenen Lehrer haben sollte. Die Zahl der fehlenden Lchrkräste würde sich demnach in den snmmtlichen 38 oberschlesischen Aussichtsbezirken auf weit über 700 stellen.— Wahrlich, ein erhebendes Schauspiel für das„Volk der Denker". Die Koykott-Dersnttttttlttngen welche gestern Abend in 16 Lokalen Verlins und der Umgegend tagten, haben, wie vorauszusehen, unter außerordentlich reger Betheiligung der Arbeiterschasl stattgefunden. Nur eine Versamm- lung in, 6. Wahlkreise, die ans äußerlichen Gründen leider nicht abgehalten werden konnte, sowie die Versammlung in Rixdorf, welche der Polizeistunde wegen vertagt werden mußte, war nicht im stände, Beschluß zu fassen. Ueberall sonst wurde das Für und Wider in der Frage sachlich erörtert und ohne Vor- eingenommcnheit, wenn auch der Materie entsprechend, nicht leidenschastslos, berathen und beschlossen. Es ist erklärlich, daß hier und da Parteigenossen, und namentlich solche, die unter den Maßregelungen vom 16. Mai schwer zu leiden haben, vielleicht mehr aus ihrem Gefühl als aus kühlen Erwägungen ihre Ansicht bekundete», aber im ganzen zeigte sich, daß die überwiegende Mehrzahl der Partei- genossen von der Richtigkeit der Beilegung des lkampfes, von der Annahme eines durchaus ebreuvollcn Vergleichs auf der Grundlage durchdrungen ivar, die sich nach dem beinahe acht- monatlichen Ringen nunmehr darbot. Es wurde nach ein- gehender Darlegung der Sachlage der aus unserer Dienstagsnummer bekannte, von einer größeren Anzahl der bekanntesten Parteigenossen unterzeichnete Antrag zur Diskussion und Beschlußfassung vor- gelegt, welcher die A n f h e b u n g d e s Boykotts empfahl. Ueber den Verlauf und das Resiillar der Abstimmung in den einzelnen Versammlungen geben wir nachstehend ein kurzes Bild. Im I. Wahlkreis war die Versammlung in Röllig'S Saal von ca. 800 Personen besucht. Nach einem eingehenden Referat F a b e r' s fand eine, besonders von Branerei-Arbcitern geführte längere Diskussion statt, die mit Annahme eines von dem Brauer D i e p e s(M ü n ch e n e r Brauhaus) gestellten Antrages ihren Abschluß fand,.der dahin ging, die Aufhebung des Boykotts zu vertagen. Die Genossen dcS 2. Wahlkreises fanden sich in überaus großer Anzahl in den drei Sälen der A r in i n h a l l e n ein. Stühle und Tische waren entfernt worden, und eine große Anzahl von Parteigenossen mußte» zurückgewiesen werden. Nach einem trefflichen Referate Fisch er's und einer sehr eingehenden Diskussion, namentlich seitens einiger Brauerci-Arbeiler, wurde die Aushebung des Boykotts mit überwältigender Majorität beschlossen. S. Wahlkreis. In großer Anzahl versammelten sich die Genossen bei Deigmül lcr. Tische und Stühle wurden her- ausgeschafft und als die Polizei um W Uhr erschien, ließ sie das Lokal sofort absperren. Nach einem trefflichen Referate Vogtherr's fand eine lange Debatte statt, an der aber nur zwei Gegner theilnahmen. Alsdann wurde die Aufhebung des Boy- kotls mit allen gegen 20 Stimmen angenommen. Iui 4. Wahlkreis fand eine imposante Kundgebung statt. Das größte Lokal Berlins, K e I l e r' s Festsäle in der Koppen- straße, war schon um&/i Uhr abgesperrt. Aber noch stunden. lang zogen Massen zu diesem Lokale, vergeblich Einlaß begehrend. Ueber 4000 Personen waren in dem Lokale versammelt. Die Rede Auer's erzielte in ihrem ersten Theile Beifall und heftigen Widerspruch, zum Schlüsse jedoch brausenden Beifall. Mehrere Braucreiarbeiter traten dem Referenten entgegen, andere Genosse» billigten seine Ansicht. Die Aushebung des Boykotts wurde mit allen gegen ISO Stimmen angenommen. Um 11 Uhr wurde die Versamm- lung mit einem Hoch aus die Sozialdemokratie geschlossen. Im 5. Wahlkreise sande» zwei Versammlungen statt bei Niest und bei Bolzmann. Bei Niest in der Weberstraße war der Saal schon bald nach>/rS Uhr polizeilich gesperrt. 1SOO bis 1800 Personen waren anwesend. Nach einem ausgezeichneten Referate Psaunkuch's entwickelte sich eine lebhaste Diskussion, in der mehrere Redner gegen die Aushebung de-Z Boykotts sprachen. Hierauf wurde mit sehr großer Majorität die Aushebung des Boykotls beschlossen. Bei Bolz in a n n, Lichteubcrgcrstraße, war der Saal über- füllt. Nach einem trefflichen Referate von 3lobert Schmidt fand eine eingehende Diskussion statt, in der alle Gründe für und wider erwogen wurden. Mit allen gegen 30 Stimmen wurde die Aufhebung des Boykotts beschlossen. Im E. Wahlkreise fanden drei Versammlungen statt. Schneider's Gesell schaftshaus war lange Zeit vor Beginn der Versammlung gesperrt. Stach einem vortrefflichen Referate Täterow's fand eine lebhafte Diskussion statt, worauf gegen wenige Stimmen die Aufhebung des Boykotts beschlossen wurde. 6. Wahlkreis. Tie Versammlung im Kolberger Salon konnte leider nicht stattfinden, da infolge eines be- dauerlichen Versehens die Anmeldung der Versammlung unter- lassen worden war. Die Genossen hatten sich so zahlreich ver- sammelt, daß schon vor 3 Uhr sämmlliche Stühle und Tische aus dem Lokale herausgeschafft werden mußten. Im Ltviueniiinder Gcsellschaftöhause waren gegen 2000 Personen versammelt, der Saal war polizeilich gesperrt. Georg Wagner führte in eindringlichster Weise die Gründe für die Aus- Hebung des Boykotts vor. Nach einer sehr eingehenden Debatte wurde" die Aufhebung des Boykotts gegen eine geringe Minorität beschlossen. In Moabit war der Saal bis aus den letzten Platz gefüllt. Nach einem vorzüglichen Referate Näther's fand eine längere Diskussion statt. Mit einer Dreiviertel- Majorität wurde die Aushebung des Boykotts beschlossen. In Schöneberg versammelten sich die Genossen so zahl- reich in Keßuer's Salon in der Grunewaldstraße, daß das Lokal noch vor Beginn der Versammlung überfüllt war. Nach einem lichtvollen Referate des Genossen Ledcbour wurde mit allen gegen 33 Stimmen die Aufhebung des Boykotts beschloffen. In Rixdorf, wo Singer referircn sollte, mußte die Ver- sammlung bereits vor Erscheinen des Referenten eröffnet werden, da der letztere noch in der Berliner Sladtverordneten-Versamm- lung wegen der namentlichen Abstimmung aufgehalten wurde. Vor deni Erscheinen des Referenten sprachen sich einige Redner im wesentlichen gegen die Aufhebung des Boykotts aus. Singer trat in längeren Ausführungen für die Aushebung ein. Zu einem Resultat konnte die Versammlung jedoch nicht kommen, da mittlerweile um 10 Uhr die Rixdorfer Polizeistunde eingetreten war, und man in dieser wichtige» Sache vor der Abstimmung die Ansichten sich erst vollständig klären lassen wollte. Auf Antrag des Genossen Retzerau wurde daher die Versammlung vertagt. Eine neue Versammlung wird zum Sonntag Vormittag einberufen werden. Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Badma Ii« RiimmelSbitVg fcllid eine kehr gut besuchte Versamm's lung statt. Nach einem ausgezeichneten Referate Äugnstin' fand eine ziemlich lebhafte Debatte statt, nach der die Aushebun des Boykotts einstimmig beschloffen wurde. In Fricdrichsberg war der Saal zeitlich abgesperrt worden. 600 Personen füllten den Saal. Zahlreiche Genoffen mußten stehen. Genosse Hansen referirte zur vollkommenen Zufriedenheit der Versammlung. Mit allen gegen 20 Stimme» wurde die Aushebung des Boykotts zum Beschlüsse erhoben. In Köpciiick-Adlershof wurde, wie uns eine Privat- depesche meldet, die Aushebung des Boykotts mit allen gegen 2 Stimmen beschlossen. GeviifclsrBettmrg. Ueber eine bemerkenSwerthe miiiisterielle Eiitscheidiing theilt die„Baugew. Ztg." folgendes mit: Die Polizeioerorduuug vom 31. Okiober 1889 schreibt in Z 70 Abs. 2 folgendes vor: Flur- und Durchfahrten, welche z» Versammlungsräunien führen. müssen mindestens 3 Meter breit sein und im übrigen nach deni Verhältniß von I Meter für 200 Personen bemessen werden. Als nnn der Gastwirth W. bei dem Polizeipräsidium die Erlaubniß beantragte, auf dem Grundstück Kommandanten» straße 80/81 in de» Räumen des Erdgeschosses, welche zusammen- hängend sich von dem Vorderhause durch den Seitenflügel biS in das Quergebäude hinein erstrecklen, musikalische Vorträge ab- hallen zu dürfen, erhielt er durch das zuständige Polizeirevier den Bescheid, daß die Genehmigung hierzu nicht ertheill werden könne, ivcil zu den im Seitenflügel und Quergebäude be- legenen Räumen eine Durchfahrt von nur 2.S0 Meter Breite führe, während die Mindestbreite aller noth- wendige» Durchfahrten 3 Meter betragen müsse. Gegen diesen Bescheid remonstrirte der Abgewiesene und wies darauf hin, daß dicht neben der Durchfahrt noch ein 1,21 Meter breiter Durch» gang durch das Vorderhaus führe, so daß eine Gesammtbreite von 3,71 Meter vorhanden sei. Auf die Eingabe erhielt er aber wieder den Bescheid, daß es bei der Versagung sein Bewenden behalten müsse, da weder die Durchfahrt noch der daneben be- legene Durchgang jeder für sich eine Breite von 3 Meter habe. Gegen diesen abschläglichen Bescheid wandte sich W. beschwerdeführend an den Minister der öffentlichen Arbeite» und führte dabei an, wie doch so viele Konzertlokale in Berlin nur die übliche Durchsahrtsbreite von 2,30 Meter hätten, ohne daß dies jemals beanstandet worden sei oder zu Uuzuträglichkeiten geführt habe. Der Minister erkannte die Beschwerde für gerechtfertigt und ermächtigte das Polizeipräsidium, die Genehmigung zur Abhaltung musikalischer Vorträge zu ertheilen. Tie Vorschrift in ß 70 Absatz 2, wonach die Breite der Durchfahrten mindestens 3 Meter be- tragen solle, habe den Zweck, den aus dem Hose hervor- strömende» Menschenmasien die Möglichkeit zu gewähren: unbehindert nnd mit lhunlichster Beschleunigung nach der Slraße zu gesaugen. Dieser Zweck werde im vorliegenden Falle durch die 2,S0 Meter breite Durchfahrt in Verbindung mit dem 1,21 Meter breiten Durchgang vollkomme» erreicht. Es sei daher, wenn auch nicht mit dem Wortlaute, so doch sehr mit deni Sinne jener Bestimmung vereinbar, die Benutzung der frag- liche» Lokalitäten zu öffentlichen Lustbarkeiten zu gestatten. Diese ministerielle Entscheidung ist von weitestgehender Bedeutung. Die zur Zeit geltende Berliner Bauordnung vom 15. Januar 1887 schreibt i» I nur eine Durchfahrtbrcite von 2,30 Metern vor und infolge dessen habe» die Durchfahrten säst sänuntlicher be- bauten Grundstücke Berlins nur diese Breite von 2,30, höchstens aber 2,50 Meter. Nur einige wenige Fabrikgrundslücke babcn infolge der strengeren Vorschriften in§ 38 der Bau- Ordmiiig Durchfahrte» von 3 Metern. Wenn demnach das Polizeipräsidiuni mit seiner Auslegung des§ 70 Absatz 2 der Polizeiverordnung vom 31. Oktober 1889 in der höheren Instanz durchgedrungen wäre, so wäre für nahezu alle bebauten Grund- stücke Berlins die Möglichkeit ausgeschlossen worden, die zu- gehörigen Lokalitäten für öffentliche Lustbarkeiten, öffentliche Bersammliingen, Konzerte, Singspiele, musikalische Unterhaltungen u. s. w. zu benutzen. Depelrftetr: (Wolif'S Telegrapyeii-ivureau.) Miiiicheu, 23. Dezember. Fuchsmühler Prozeß. Der Staat?» anmalt wies nach, daß daS Verhalten des Militärs ein korrektes gewesen sei; nicht das Recht, sondern die Art der Kritik sei zu verurtheile». Ter Staatsanwalt beantragte Geldstrafen von 800 bis 30 M. Vertheidiger Bernstein tadelte die Berufung deS Mililärs sowie das Verhalten desselben. Man hätte anstatt Militär aus Amberg, Holz aus München verschreiben sollen, er beantrage Freisprechung! Miinchen, 23. Dezember. Das Urtheil in dem Prozeß gegen sechs hiesige Redakteure anläßlich der Fuchsmühler Vorfälle wurde heute Abend gefällt. Es wurden verurtheilt: Franta zu 50 M., Schneid zu 40 M., Schwab zu 15 M., Scheiber zu 20 M., Rost zu 30 M.. Morgeustcrn zu 12 M. Geldstrafe. Die Motive besagen, das Gericht babe leine Veranlassung gehabt, ans die Fuchsmühler Affäre näher einzugeben, außerdem sei der Thal- bestand des groben Unfngs infolge der total ililivahren, er- dichteten und entstellten Angaben und Schilderungen in den in- kriininirten Artikeln vollständig erschöpft. Die Loyalität des Einschreitens deS Militärs sei durch das Zeugniß des Premier- lieutenants Mayer nachgewiesen. GlaSgow, 23. Dezember. Der heute hier eingetroffen« Dampfer„Anchoria" berichtet, daß er den Dominion-Dampfer „Sarnia", von Halifax nach Liverpool bestimmt, hilfebedürftig und mit fortgerissenen Steuerrudern getroffen habe. Die„An- choria" ugsirle die„Sarnia" zwei Tage lang, bis daS Schlepptau riß. Die„Anchoria" mußte wegen Sturmes die„Sarnia" 130 Meilen westlich von der Toryinsel zurücklassen. Tanger, 23. Dezember. Der deutsche Gesandte Gras v. Tattenbach hat vollständige Genugthuung erhalten wegen der Ermoidung des deutschen Kausmanns Neumann. Der Mörder Neilinanns, Abdel Kader, wird hingerichtet werden, seine beiden Mitschuldigen find zu lebenslänglichem Gesängniß verurtheilt; der Familie des Ermordeten soll eine Entschädigung ausgezahlt werden. Rew-Bork, 23. Dezember. Die„New-Nork World" meldet ans Monlevideo, daß die föderirten Rebellen das Hospital in San Gabriel niederbrannten, wobei 121 Personen ums Leben gekommen sind. sDeveschen-Rnreau Herold.) Antwerpeu, 28. Dezember. In einem zu heute von sechs Gesellschaften der„Vereinigung junger Leute" einberufenen Meeting soll gegen das jetzige Militärsystem motestirt werden. Paris, 28. Dezember. Der„Temps" erörtert in einer Be- sprechung des Berliner Bierboykotls dessen bevorstehende Beendi- gung und meint, daß die Brauereien, obwohl sie wieder größere Einnahmen erzielen würden, infolge des Boykotts durch die Sozialdemokratie doch einen beträchtlichen Schaden erlitten hätten. Odessa, 28. Dezember. Eine ganze Kompagnie Soldaten wurde wegen Insubordination bestraft. Dieselben hatten ihren tiauptmann den Gehorsam verweigert, weil sie noch keine öhnung erhalten hatten. Der größte Theil der Mannschaft er. hielt strenge Strafen; der Hauptmann soll wegen mangelhafter Bücherführung vor ein Kriegsgericht gestellt werden. New-Hork, 28. Dezember. Wie aus New-Foundland ge» meldet wird, sind der Präsident und vier Mitglieder einer großen Bank gestern verhastet worden, weil sie im Juli dieses Jahres den Aklionären eine falsche Bilanz vorgelegt hatten. in Berlin SW.. Beuthstraße 2. Hierzu zwei Beilagen. 1. Beilage zum„Vomiirts" Berliner Volksblatt. Ur. 302. üonllndcud, dr» 29. Dezember 1894. 11. Jahrg. tammmnueles. Stadtvcrordncteu-Versammlniig. Außerordentliche Sitzung vom Freitag, den L8. Dezember, Nach m. 5 Uhr. Zur Erörterung kommt zunächst die Anfrage des Stadtv. Schwalbe betreffs des Standes der Verhandlungen mit der U r a n i a s ä u l en- Gesellschaft. Herr Schwalbe wünscht Beschleunigung dieser Verhandlungen und möglichstes Entgegen- kommen des Magistrats gegen die Gesellschaft. Stadtrath Voigt erklärt, daß die Apparate, um deren Wiederinbeiriebsetzung es sich handelte, seitens der Gesellschaft an den betreffenden Säulen wieder angebracht sind, daß über die Frage der weiter aufzustellenden 20 Säulen noch bezüglich der zu wählenden Plätze verhandelt werde und daß die Gesellschaft in dieser Hinsicht eine Verlängerung der ihr gestellten Frist um 1 Jahr, also bis zum I. April 1836 anstrebe. Stadtv. Schwalbe erklärt sich in der Annahme, daß die Versammlung demnächst mit der Angelegenheit neuerdings besaßt werden würde, einstweilen mit dieser Auskunft zufrieden. Eine Reihe von Rechnungen, über welche namens des Rechnungsausschusses Stadtv. V o g t h e r r berichtet, werden ohne Debatte dechargirt. Mit der Anlegung einer Straße auf dem städtischen Terrain P r in z e n- A l l e e 62— 66 und mit der Errichtung eines Neubaues für eine G e in e in d e- D o p p e l s ch u l e auf dem nördlichen Theil dieses Terrains erklärt sich die Versanim- lung einverstanden, genehmigt auch die Micthung von Räumen für die Steuerannahmestelle XI im Hanse Usedom- straße 16. DieVeschlüsse der Versammlung in Sachen der Kommunal- st e u e r- R e s o r m haben die Billigung des Magistrats nur theilweise gesunde». Mit der Verdoppelung des Satzes der Bau- platz-Steuer, sowie mit der Heranziehung der Gewerbesteuer zu demselben Prozentsätze wie der Gemeinde- Grundsteuer(der Magistrat hatte nur die Erhebung der staatlich veranlagte» Steuer beantragt) hat sich der Magistrat einverstanden erklärt. Dagegen besteht er auf der Erhöhung des Schulgeldes von 100 auf 130 M. und fordert nach wie vor auch die Erhöhung der Kanalisationsgebühr, will sich aber jetzt mit U/e statt mit 2 pCt. begnügen, d. h. er will den Hausbesitzern die Liebesgabe wenigstens zur Hälfte, mit l3/8 Millionen Mark belassen und diesen Betrag auf den allgemeinen Stenersäckel nnweisen. Hierzu beantragen Sladtvv. Singer und Genossen die Erhöhung der Kanalisationsgebühr auf 2 pCt, Stadlvv. Friedemann und Genossen die Ablehnung der Umsatzsteuer für den Fall der An- nähme der 1>/e pCt. Kaualisationsgebühr; Stadtv. Wallach: die Feststellung der Ausgaben für die Kanalisation durch den jähr- lichen Etat mit der Maßgabe, daß Vz von der Stadt, 3/z von den betheiligten Hausbesitzern nach dem Hänfer-Nutzungswerthe aufgebracht werden. Außerdem ist über beide Theile der Magistratsvorlage namentliche Abstimmung beantragt. Stadtv. Singer: Daß der Magistrat uns nicht die ganze Steuervorlage nochmals herübcrgegeben hat, ist umsomchr zu be- dauern, als die Versammlung die Vornahme einer dritten Be- rathung abgelehnt hat. Sonst wäre es möglich gewesen, die Steuerirage im Zusammenhange durchzuarbeiten und gewisse große Härten aus der Welt zu schaffen, wie die stärkere ö�eran- ziehung der Gewerbetreibenden zur Gewerbesteuer, der die ganz ungerechtsertigte Erleichterung des Hansbesitzes gegenübersteht. Im Moment freilich müssen wir uns mit der Versicherung deS Magistrats begnügen, daß er die besondere Gcmeindc-Gewerbe- steuer baldigst vorlegen rvird. Sehr bedauerlich ist, daß der Magistrat den agrarischen Interessen, die hier so außerordentlich stark zum Ausdruck gekommen sind, so sehr weit entgegengekommen ist. Wir beantragen dem gegen- über in Uebereinstinnnung mit dem ursprünglichen Magistrats- Vorschlag, 2 pCt. Kanalisationsgebühr zu erheben. Ein solcher Satz ist durchaus berechtigt, wenn mau nicht, was das Nichtigste wäre, die ganzen Kosten der 5kanalisatio» de» Hausbesitzern auf- erlegen will. Ein dahingehender Antrag wäre aber aussichtslos. Ginge es nach den Wünschen der Hausbesitzer, dann fände ja allerdings auch nicht einmal der Magistralsantrag Gegenliebe. Will die Versammlung an den Ketten weiter schleppen, mit denen die Hausbesitzer sie umschlingen(Lachen der Hausbesitzer), dann thnn wir besser, die städtische Verwaltung in die Vorstände der Hausbesitzer-Vereine zu verlegen.(Große Unruhe und Gelächter.) Die Agitation dieser Vereine zeigt, daß die Hausbesitzer sich nicht als Mitbürger in erster Linie, sondern alS Hauspaschas fühlen, die nicht blos den Miethern ihren Willen auszwingen, sondern auch die städtische Verwaltung unter ihre Diktatur nehme» wollen.(Lachen und Unruhe, die auch während der weiteren Ausführungen fortdauert.) Anders läßt sich deren Haltung doch gar»rcht charaktcrisire». Wenn ich aber auch begreife, daß in de» Hausbesitzer-Vereinen der eigene Vortheil suprema lex ist, so verstehe ich dock) nicht, daß es ihnen gelungen ist, auch die Versammlung unter ihr Szepter zu beugen (Oh! oh! und Lärm), in einer Weise, die mit dem Gemeinwohl nicht mehr verträglich ist.(Sehr gut! und große Unruhe.) Das hier begangene Unrecht muß wieder gut gemacht werden. Würden die Hausbesitzer selbst für die Forlschaffung der Fäkalien unter Beobachtung aller Anforderungen der Straßen- und Sanitäts- Polizei zu sorgen haben, es würden ganz andere Lasten für sie herauskommen. Trotzdem haben die Herren sich eine Liebesgabe von 3 Mill. bewilligt(Gelächter der Hausbesitzer), wie sie diese Art von Politik seit Jahrzehnten, so auch bei der Ueber- tragung der Straßenreinigungskoste» ans die Stadt zehr gut verstanden haben. Alles das erklärt sich ja auch aus dem Umstände, daß in dieser Versammlung gesetzmäßig die Hälfte Hansbesitzer sitzen müssen. Wir werden event. für 1>/e pCt. stimmen, sind aber der Ueberzeugung, daß, hätte der Magistrat eine kräftigere Haltung eingenommen. die Versammlung sich schließlich auch zu den 2 pCt. durchgerungen hätte(Lachen), um so mehr, als die Regierung die bisherigen Beschlüsse nimmer- mehr genehmigen dürfte(Unruhe). In Spandau ist ja die Regierung bereits in der Frage des Beitrages der Hausbesitzer zu den Kosten der Straßenreinigung ein- geschritten. Will man es hier in Berlin dahin komme» lassen, daß die konservative Regierung in der Vertheilung der Kom- munallasten gerechter ist als die liberale Stadtverwaltung?(Er- neutes Gelächter.) Für die Erhöhung des Schulgeldes stimmen wir heute wie früher aus den früher entwickelten Gründen. Hiernach erhält Stadtv. Meyer II. das Wort. Derselbe stellt iudeß anheim, zunächst einen Redner gegen die Magistrats- vorläge sprechen zu lassen, da er wesentlich im Sinne der Aus- führungen Singer's für dieselbe zu plaidiren beabsichtige. Der Vorsteher ist dazu bereit; es ergiebt sich aber, daß die meisten Redner theils für, theils gegen die Vor- läge, oder einen der beiden Punkte(Kanalisations- gebühr und Schulgeld) sprechen wollen. Um aus dieser Schwierigkeit herauszukommen, wird ein Vorschlag des Vorstehers, sofort zur Spezialdcbatte überzugehen, ohne eigentliche Debatte angenommen und die Generaldiskussion für geschlossen erklärt. Zur Frage der Schulgelderhöhung erhebt sich nun- mehr nochmals eine eingehende Debatte, in der sich Stadtv. Schwalbe für den jetzigen Zustand. Dr. M e y e r II für dre Erhöhung erklärt. Letzterer führt ans, baß die Erhöhung keine reaktionäre Maßregel, sondern schon dadurch geboten sei, daß die Stadt eine Schutzwehr gegen die Ueberhandnahme von st ä d t i s ch e n höheren Lehranstalten nöthig habe, da doch das höhere Schulwesen der Hauptsache nach Sache des Staates sei und die Stadt ihren Anlheil au dieser Verpflichtung durch das von ihr ins Leben gerufene Realschulsystcm voll erfüllt habe. Auch die Rücksicht auf die privaten höheren Töchterschulen spreche hier mit. Stadtv. Cassel läßt den letzteren Gesichtspunkt nicht gelten, hält auch dafür, daß die Stadt doch lhatsächlich das Bedürfniß»ach höheren Unterrichtsanstalten in viel umfänglicherem Maße befriedige als der Staat. Mit der Erhöhung versperre man in Wirklichkeil dem mittleren und kleinen Bürgerstande den Zugang zur Ge- winnung höherer Bildung für seine Kinder. Tie Erhöhung gleiche einem Schutzzoll auf höhere Bildung. Auch die Schul- deputatio» habe sich mit großer Mehrheit gegen die Erhöhung ausgesprochen. Oberbürgermeister Z e l l e tritt für de» Stand- punkt des Magistrats ei»; die Eltern der Fach- und Mittel- schülcr seien eben weniger in der Lage, ein höheres Schulgeld zu zahlen, deshalb werde dort eine Erhöhung nicht vor- geschlagen.(Sehr gut.) Ein Novuni sei, daß im nächsten Jahre die Kosten für das Höhere Schul- wesen sich um 328 000 M. steigern und der städtische Zuschuß pro Zögling der höheren Anstalten 205 M. betrage» wird.(Hört, hört!) Stadtv. H e n t i g ist ebenfalls für die Erhöhung; er be- fürchtet davon nicht eine Entvölkerung der städtischen Anstalten. Ten reichen Leuten dürfe nicht mit dem billigen Schulgeld noch ein weiteres unberechtigtes Geschenk gemacht werden. Stadtv. Sachs II bestreitet die Berechtigung dieser letzteren Behauptung. Mit 53 gegen 51 Stimmen wird der Magistratsantrag dar- auf a n g e n o m m e it. Die Versammlung wendet sich zur Spezialdebatle der Frage der K a n a l i s a t i o n s g e b ü h r. Stadtv. Wallach vermißt jede Begrüiiduiig der Anforde- rung des Magistrats, IVs pCt. zu bewilligen; der Hinweis aus die Steigerung des Ansgabebudgets um einige Millionen sei doch nur ganz allgemein und im einzelnen nicht be- legt. Die Bauplatz- Steuer werde sicher die veranschlagten 3 Millionen einbringen, daher sei, zumal angesichts der weiteren Mehrbewillungen der Versammlung, ein Ueberschreiten des I pCt. nnnöthig. Redner empfiehlt dann seinen Antrag als ein gutes Kompromiß; er schasse den leidigen Streitpunkt, den Ansatz zu einem Konflikte mit dein Magistrat definitiv aus der Welt, er beseitige die Möglichkeit der Wiederkehr so widerlicher Angriffe, wie sie gegen die Mehrheit der Versninmlung erhoben seien und die sogar die„Vossische Zeitung", ein sonst objektives Blatt, damit zu den ihrigen machte, daß sie behauptete, die Hausbesitzer suchten ihre Lasten auf die Armen zu wälzen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Stadtv. Sanitätsrath Rüge polemisirt gegen Stadtv. Singer, der noch magistratlicher sein wolle als der Magistrat und die ungerechtesten Angriffe gegen die Hausbesitzer geschleudert habe. Er empfiehlt dann aber die Bewilligung von IVe pCt. (Hört, hört!) und zwar auS dem sachlichen Grunde, weil die Erfordernisse des Budgets dicseS Mehr verlangten. Stadtv. S p i n o l a bekämpft das Verlangen einer besonderen Heranziehung der Hausbesitzer zu den Kosten der Kanalisation mit einem Eifer, der eigentlich zu der Konsequenz völliger Ab- lehnnng auch des einen Prozents hätte führen müssen, aber nicht führte. Die Angriffe der„Voss. Ztg.", die Redner zilirt und die von den Hausbesitzern»nl kräftigem Pfui! begleitet werden, bezeichnet er als nichtsnutzige Verleumdung. Man mache hier keinen Etat, sondern eine Stcuerordnung, und durch dief'e dürsten die Hansbesitzer nicht belastet werden. Stadtv. Meyer II hält den Antrag Wallach für unannehmbar. Dem Antrag Singer wird er' nicht zustimmen, da dies doch lediglich eine Demonstration bleiben werde. Die Heranziehung der Hauswirthe zu den Kosten der Kanalisation legt lliedner dann nochmals ausführlich als eine sachlich berechtigte Forderung dar, wobei er freilich durch das aufgeregte Verhalten der Freunde der Hausbesitzer- Interessen immerfort gestört und unterbrochen wird. Hierauf gelangt ein Schlußantrag zur Annahme. Der Antrag Singer wird gegen die Stimmen der Sozialdemolralen und einiger(6—8) anderer Mitglieder abgelehnt; der Magistratsantrag(Iis pCt.) mit 66 gegen 41 Stimmen a n g e n o m ni c n. Damit ist der Antrag Wallach erledigt. Ter Antrag aus W i e d e r b e s e i t i g u n g der Umsatz- steuer wird vom Stadtv. Friede mann mit den eben be- schlossenen Abänderungen begründet, vom Känimerer M a a ß bekümpst und gegen eine nicht unerhebliche Minderheit ab- gelehnt. Schluß 3/49 Uhr. To lt«les. Die juristische Sprechstunde wird heute von 12 bis l Uhr mittags abgehalten. Zlm Montag fällt die Sprechstunde aus. Tic Kvller'sche Korrespondenz und der Schlostban. Ein neues Licht über moderne Sozialpolitik wird der Arbeiter- schaft in einer Art Sylvesterscherz aufgesteckt, den sich die offiziöse Korrespondenz des Herrn K ö l l e r in Sachen der Arbeits- Verhältnisse am S ch l o ß b a n leistet. Man höre folgende Betrachtung, welche dies in kurzer Zeit zu so eigenartiger Berühmtheit gelangte Sprachrohr des Ministers des Innern in dieser Angelegenheit bringt: „Bereits seit einigen Wochen, und insbesondere in der am 21. Dezeniber d. I. erschienenen Nummer des„Vorwärts", werden der Banverwaltung des königlichen Schlosses in gehässiger Weise Vorwürfe darüber gemacht, daß die Maurer zur Leistung von Ueber- stunden gezwungen worden und andererseits ungerechtfertigte Arbeiterentlassungen vorgekommeii seien. Hierzu ist folgendes zu bemerken: Es ist unwahr, daß die Maurer Ueberstunden machen mußte n. Niemand ist dazu gezwungen worden, ja es lag nicht einmal zur Ausübung eines Zwanges eine V e r- a n l a s s u n g vor, da die Arbeiter sich Ueberstunden frei- willig erbaten und auf deren Bewilligung geradezu hin- drängten. Um einer durch die Ueberstunden hervorgerusenen übermäßigen Anspannung der Arbeitskraft vor- zubengen, sah sich die Schloß-Bauverwaltung sogar veranlaßt, ein äußerstes Maß von Arbeitsstunden überhaupt festzu- setzen. Aber auchdies haltekeinen durchschlagenden Erfolg, denn nach wie vor drängten die Arbeiter des Verdien st es wegen auf eine Bewilligung von Arbeitsstunden über jene Zahl hinaus. Man kann sonach nur annehmen, daß die Mittheilungen des „Vorwärts" aus den Kreisen solcher Arbeiter hervor- gegangen sind, denen daran lag, gegen den fleißigen und eifrigen Arbeiterstamm im Schlosse einen T e r r o r i s- mus auszuüben. Was im übrigen die Entlassung von Arbeitern anbetrifft, so liegt es in der Natur der Sache, daß bei einem Bau, welcher sich seinem Ende nähert, überflüssige Arbeiter allmälig entlassen werden müssen." Zunächst Eins. Es ist unwahr, daß wir der H o f- B a u» Verwaltung irgend welche Vorwürfe gemacht haben. Wer die Reihe der von uns in dieser Angelegenheit gebrachten Mit- theilungen gelesen hat, wird finden, daß wir unsere Angriffe mit vollem Recht und unwidersprochen gegen die am Hofe thätigen Meister und Unternehmer gerichtet und das wir in voller Objektivität mehrfach von Aenderungen zum besseren in den traurigen Arbeits- zuständen am Schloßbau berichtet haben, die unserer Meinung nach infolge der von uns gebrachten Artikel auf höhere Veranlassung angeordnet feien. Wir erinnern nur an die Mittheilung, die wir über die Aufbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Vergolder gebracht haben, sowie an dem von der „Berliner Korrespondenz" felber angeführten Artikel vom 21. Dezember, in dem wir ausdrücklich feststellten, daß die Maßregelung der Zimmerer rückgängig gemacht fei, nachdem diese uninenschlich ausgenutzten Leute mit dem Hof- Bau- inspektor Geyer Rücksprache genommen hatten. Also keine Flunkereien! Im übrigen lohnt es sich wohl kaum, daß wir uns eingehend mit der ebenso tölpelhaften wie auffallend verspäteten Abwehr der offiziösen Korrespondenz befassen, weil in ihr einfach nichts von den von uns gebrachten Thatsachen d e in e n t i r t wird. Denn ein jeder, der auch nur zufällig einen Einblick in das Wesen der modernen Ausbeutungskünste und Unter- nchmerpraktilen gelhnn hat, weiß, was es besagen will, wenn Arbeiter sich zu Ueberstunden„drängen". Es ist allbekannt, daß sich in jedem größeren Betriebe leichtsinnige und unverständige Arbeiter zeigen, die dem Verlangen ihrer Ausbeuter nach einer möglichst großen Portion Mehrwerth schmeicheln und sich zu Ueberstunden„drängen". Aber das Organ einer weisen Regierung, die es mit ihrer sozialpolitischen Ausgabe ernst meint, sollte ein der- artiges Bestrebe», wo es sich zeigt, aufs allerentschiedenste brandmarken. Ein solches Organ sollte zunächst Propa» ganda dafür machen, daß die Unternehmer, denen Arbeilen an dem vornehmsten Gebäude des Königlhums anvertraut werden, ihrem Arbeilspersonal einen derartigen Lohn zahlen, daß Niemand nöthig hat, sich zur Sältiguna von Weib und Kind nach Ueberstunden zt. drängen. und dann sollte ein solches Organ die Arbeiter weise darüber belehren, daß es ihre Pflicht ist, Haus- h ä l t e r i s ch mit ihrem einzigen Gut, der Arbeitskraft, umzugehen, damit ihr Leben m ö g l i ch st lange dem G e- m e i n w e s e n und der Familie erhalten bleibe. So sollte ein vernünftig geleitetes Organ einer im guten Sinne konservativen Regierung schreiben. Wie anders das Organ des Herrn von Köller. In ihm findet sich nicht nur kein einziges Wort des Tadels der von ihm unbestrittenen, also auch wohl nicht anzusechtenden Thatsache, daß Arbeiter im königlichen Schloß sechsunddreißig Stunden hintereinander gearbeitet haben, sondern es werden die Arbeiter, die verständiger Weise gegen eine derart unmenschliche Ausbeutung Einspruch zu erheben Veranlassung fanden, als T e r r o r i st e n hingestellt, und gelobt werden die Arbeiter, die bestenfalls in sträflichem Leichtsinn den vom Standpunkt des Sozialpolitikers und HygienikerS aus wahnwitzig zu nennenden Raubbau an ihrer ülrbeitskrast duldeten. Man präge sich fest dieses Faktum ins Gedächtniß ein, um zu erkennen, wie im Jahre 1834 im Staate der Sozialresornr der A r b e i t e r s ch u tz an offiziöser Stelle aufgefaßt wird. Wir sind fertig mit der Köller'schen Korrespondenz und kon- statiren zum Schluß nur noch, daß sie auch keine einzige der von uns bekannt gegebene» Thatsachen abzuschwächen— von einer Widerlegung gar nicht zu reden— im stände war. Gegen die B u ß l a g s a r b e i t, gegen die fortwährende Sonnlagsarbeit, gegen die U e b e r st u n d e n a r b e i r, gegen die Maßregelungen, gegen die eigenartige Are der Entlassung der Arbeiter war von dem Organ des preußischen Ministers des Innern auch kein Wort der Ent- gegnung vorzubringen, weil diese Thatsachen sänimt- lich bis aufs Haar derWahrheit entsprachen und weil die Wucht dieser Thatsachen den Fürsprech der Regierung er- drückte. Doch halt— was schreiben wir? Im Jahre des U m st u r z- g e s e tz c s ist im Staate der Sozialreform manches möglich. Vielleicht bringt das Blatt des Herrn Köller nächstens einen Ariikel, in dem die im königlichen Schloß be- triebcne Art der Arbeiterausbenlung zwar nicht bestritten— das ist nicht denkbar— wohl aber unter der berühmten Devise „Auf z n in Kamps für Ordnung, Religion und Sitte" sozialpolitisch zu v e r l h e i d i g e n gesucht wird! Pon der Stcncreinzichuiig weiß der jetzt erschienene Bericht der Steuer- und Einquartirungs-Deputation für 1333/34 wieder wenig Erfreuliches zu erzähle». Wir hatten schon(in Nr. 234) miigctheilr, daß darin über die Einwirkung der im- günstigen Erwerbsverhältnisse auf die Steuereinziehung geklagt wird. Diese Klage findet sich noch�i.i mehreren Stellen desselben Berichtes, im ganzen nicht weniger als sechsmal, und sie kehrt seit einiger Zeit auch alle Jahre wieder. Es hieß schon im Bericht für 1831/32:„Die wirthschaftlich ungünstigen Verhält- nisse des abgelaufenen Rechnungsjahres sind auch auf das Sleuereinziehungs-Geschäft nicht ganz ohne Einfluß geblieben:c.;" dann für 1832/33:„Das Steuereinziehungs-Geschäft hat in noch erhöhterem Maße unter den wirthschaftlich ungünstigen Verhält- nissen der Zeit gelitten, als dies im Vorjahre der Fall war w.;" und jetzt für 1833/34:„Noch mehr wie im Vorjahre haben die forldauernd ungünstigen Verhältnisse in Landwirth- schaft, Handel und Industrie auch auf das Ergebniß der Steuereinziehung nachthcilig zurückgewirkt je."„Fortdauernd ungünstige Verhältnisse"?! Bei anderen Gelegen- heiten wird ja immer versichert, die Verhältnisse seien in der Besserung begriffen. Und wieso denn überhaupt„u n g ü n st i g e Verhältnisse"? Wenn die Arbeiter über geringen Verdienst oder Arbeitslosigkeit klagen, giebt's ja bekanntlich keinen Nothstand in Berlin! Was der Steuererheber zu diesem famoseii Ausspruch sagt, kann man aus den Berichten der Steuer- Deputation ersehen. Das Verhältniß der Ist- zur Soll-Einuahme (d. h. der wirklich gezahlten Beträge zu den eigentlich zu zahlen- den) wird immer ungünstiger, die Niederschläge wegen„Uubei- treiblichkeit" werden immer größer, die Reste ebenfalls, mit einem Worte: die Steuereinziehung wird immer unangenehmer und schwieriger und inimer weniger lohnend. Als„unbeitreiblich" niedergeschlagen wurden 1833/34 besonders bei der Mieths- steuer 84 405 M.— 2/3 pCt. des Solls, bei der Gemeinde- Einkonimensteuer 333 736 M.— l2/» pCt. des Solls, bei der Staats- Einkomuiensteuer 238 535 M.= T1/* pCt. des Solls,— abgesehen von den noch viel höheren Beträgen, die wegen NichtVerpflichtung der Veranlagten oder aus sonstigen Gründen abgesetzt und erlassen werden mußten. Gegen 1832/33 sind die Miethssteuer-Aussälle allerdings nicht sehr gestiegen. Schon das bezeichnet der Bericht als„durchaus befriedigend", da es „ungeachtet der fortdauernd ungünstigen Lage der Geschäfts- und Erwerbsverhältnisse" geschehen sei. Bei der Gemeinde- Einkommensteuer haben sich die Ausfülle sogar verhältniß- mäßig und nuf derselben Höhe gehalten. Dagegen sind sie bei der Staats- Einlommensteuer(früher Staats- Klassensteuer) mieder bedeutend gestiegen. Sie betrugen hier 1893/94: 7V«, 1892/93; 63/4, 1891/92: 43/4, 1890/91: 8ä/3 pCt. u. s. w. Dieses Ergebnis begleitet der Bericht wiederum mit einer Klage über die„fortdauernd ungünstige Lage der Erwerbs- und Geschäfts- Verhältnisse", in der es theilweise seine Erklärung finde. Anderer- seits sei es aber auf Neuerungen im Einzichungsverfahren zurück- zuführen, die eine Erschwerung bedeuteten. Auch die bedeutende Zunahme der Reste sei„zum bei weitem größeren Theile" so zu erklären,„abgesehen(sagt der Bericht nun bereits zum vierten Male) von den fortdauernd danieder liegenden wirthschaftlichen Verhältnissen". Sie wirkt beinahe komisch, diese vielfach wieder- holte Betonung dieser einen Ursache. O, daß doch der selige Forckenbeck noch lebte, er, der keinen Nothstand zu sehen ver- mochte, damit er sich jetzt aus den Verwaltungsbcrichten des Magistrates selber darüber belehren könnte, daß es sogar einen schon seit längerer Zeit sortdauernden Nothstand in Berlin «/iebt! Tie Reste haben sich bei der Haus-, Mieths- und Sublevationssteuer verdoppelt, bei der Hunde-, Gemeinde- und Staats-Einkommensteuer mehr als verdreifacht. Zunahme der Zwangsversteigerungen und Zwangsverwaltungen von Grund- stücken, der Konkurse, sowie„zahlreiche, durch die mißliche Lage der Erwerbsverhältnisse bedingt gewesene Gewährung von TheU- Zahlungen bezw. Stundungen" haben zur Vermehrung der Reste beigetragen. Auch der„nothleidenden" Hausbesitzer wird hier und noch an anderer Stelle im Bericht gedacht. Es ist jedoch bemerkens- Werth, daß als direkt„unbeilmblich" bei der Hausstcuer nur ganze 4,7S M. und bei der ebenfalls von Hausbesitzern gezahlten Sublevationssteuer kein Pfennig niedergeschlagen zu werden brauchte. So sehr groß scheint die Roth der Hausbesitzer also doch noch nicht zu sein. Die Reste werden bekanntlich nicht gleich als„unbeitreiblich" niedergeschlagen, sondern es wird noch auf mancherlei Weise versucht, sie einzutreiben. Hierbei scheint man diesmal milder als sonst verfahren zu sein. Bei insgesammt 3 211690 im Laufe des Jahres fällig gewordenen Stenerposten wurde wegen 530150 Posten gemahnt, wovon 337 560 dann noch bezahlt wurden. Die Zwangsvollstreckung nach vergeblicher Mahnung verlief fruchtlos bei 166 245 Posten Gepfändet wurde bei 13 132 Posten, und zwar Geld bei 2774, Mobilien und sonstige Sachen bei 10 358. Versteigerung der Pfänder erfolgte nur 109 mal, wohl deshalb, weil sich's meist nicht lohnte. Zum Offenbarungseid wurden 226 Steuerschuldner -geladen. Geleistet haben ihn 123. Man sieht, es ist oft ein .umständliches und langwieriges Verfahren nöthig, bis Stadt und Staat ihre Steuern ans der Tasche des Steuerzahlers heraus kriegen. Und oft genug kriegen sie nicht mal'was, weil eben leider gar nichts drin ist. SonntagSarbeit im SpeditiouSgetvcrbe. Eine«igen- thumliche Slnschauung scheint die hiesige Polizeibehörde zur Zeit in betreff der Sonntagsruhe im Speditionsgewerbe zu hegen. Bisher war allgemein die Meinung geltend, daß Geschäfte dieser Art dem Handelsgewerbe zuzurechnen seien und daß sie sich in Punkts Sonntagsruhe auch den hierfür nach der Gciverbe- Ordnung geltenden Bestimmungen zu fügen hätten. Vor kurzem mußte nun die Ueberwachungskommission der Angestellten im Handelsgewerbe die Erfahrung mache», daß ihr der polizeiliche Beistand, der ihr sonst bei Anzeigen von Uebertrctungen hin und wieder gewährt wird, in den Fällen versagt wurde, wo es sich um Sonntags- arbeit im Speditionsgewerbe handelte. Ein Polizeibeamter er- klärte nach dem uns zugegangenen Bericht dies Verhalten damit, daß von der Behörde das Speditionsgewerbe zu den Berkehrsge werben und nicht zum eigentlichen Handelsgewerbe gerechnet werde und daß daher in Geschäften dieser Art die Sonntagsarbeit erlaubt sei, soweit sie»ach außen hin keinen ruhestörenden Lärm verursache. Es braucht wohl nicht viel Fachkenntniß vorausgesetzt werden, um zu begreifen, daß diese Definition zum mindesten sehr anfechtbar ist. Die Güter-Annahme- und-Ausgabestellen an der Eisenbahn sind am Sonntag für den Frachtverkehr ge schloffen; und die Arbeite», die bislang in Speditionsgeschäften an Sonntagen verrichtet worden sind, haben sich nach den Be obachlungen der Kommission auch in den allermeisten Fällen -als solche herausgestellt, die ohne Schaden für das öffentliche Wohl ganz gut am Sonnabend verrichtet oder bis zum Montag hätten aufgeschoben werde» können. Es wurden enl- weder von den Arbeitern Güter verladen, die doch erst am nächsten Tage spedirt werden konnten und durften, oder die Arbeiter wurden ins Komtoir bestellt, um bis zum Mittag auf die Auszahlung ihres Wochenlohnes zu warten. Mit der handelsrechtlichen Auslegung des Begriffs des Speditionsgewerbes wollen wir uns hier nicht weiter befassen, aber auch rein juristisch scheint die Polizei. liche Auffassung unseres Erachtens durchaus nicht unum stößlich da zu stehen. Rechnet doch§ 272 des Handels- gesetzbuches die Geschäfte des Spediteurs und des Frachtführers ausdrücklich zu den Handelsgeschästen. Behielte die gegenwärtig dem Anschein nach beliebte Aus- legung sortan Geltung, so wäre dies im Interesse einer ehrlichen Durchführung der Sonntagsruhe in hohem Grade zu bedauern. Die Hundesteuer ist bekanntlich seit dem 1. Oktober 1892 von 9 aus 20 M. erhöht. Wie sehr diese Maßregel zur Ver- Minderung der steuerpflichtigen Hunde in Berlin beigetragen hat, ist aus den Berichten der Steuer- und Einquartirungs-Deputation zu ersehen. Besteuerte Hunde wurden gezählt im 1. Vierteljahr 1891: 35 463, 1892: 30 396, 1893: 25 639, 1394: 23 473. Schon der Bericht sür 1891/92 sagte:„Die in Aussicht stehende Er- höhung der Hundesteuer hatte die Abschaffung vieler Luxushunde veranlaßt." Die Steuer-Erhöhung war nämlich nach den, ur- sprünglichen Beschluß des Magistrats bereits vom 1. Oktober 1891 beabsichtigt worden, und schon diese bloße Absicht hatte, wie der- selbe Bericht an anderer Stelle sagt, sofort„eine ganz erhebliche Zahl von Hunde besitzenden Personen bewogen, die Thiere abzuschaffen und von der Besteuerung abzumelden." Auf die- selbe Ursache wird die sortgesetzte Verminderung der Zahl der Hunde in den späteren Berichten zurückgeführt, in dem für 1893/94 daneben auch auf„die durch die ungünstige Lage der Erwerbsverhültnisse herbeigeführte, verminderte Stenerkrast der Hundefreunde." Andererseits hat die Steuererhöhung eine Ver- mehrung der Freihunde zur Folge gehabt, und zwar gleichfalls noch, bevor sie in Kraft trat. Der Bericht für 1891/92 sagte hierüber, viele Hundebesitzer, die bis dahin die Steuer gezahlt hätten, seien bereits jetzt um und ein nicht unbeträchtlicher habe mit Rücksicht ans die nisse bewilligt werden müssen. in noch größerem Umsbnge 1892/93, der Freihunde ein wenig zurückging. Zu den Freihunden gc« hörten 1893/94: 1736 Wach- und Kettenhunde, 217 Hunde blinder und tauber Personen, 2511 Zughunde, 24 Hunde öffentlicher Wächter, 66 Hunde des Kaisers und des Personals auswärtiger Gesandtschaften. Wundere Dich nicht, Leser, daß hier Hunde der vornehmsten Rasse mit den ordinärsten Kötern in eine Reihe gestellt werden. Es giebt eben gewisse Privilegien, auch für Hunde! Für andere als die oben angeführten Hunde giebt's keinen Steuererlaß. Auch Armuth giebt kein Anrechts darauf; wer die Steuer für seinen vierbeinigen Hausgenossen nicht zahlen kann, der muß ihn abschaffen,— und wenn er sich zehn Jahre zusammen mit dem treuen Vieh durchgehungert haben sollte. Da hilft auch kein passiver Widerstand gegen den Steuererheber. Wer partout nicht zahlen will oder kann und doch seinen Hund behält, dem wird er abgepfändet, um dem deutschen Thierschntz-Verein(zur Tödtung) übergeben zu werden. >833/94 wurden 125 Hunde gepfändet, wovon nur 33 wieder «ingelöst wurden. Uebrigens hat die Verminderung der Hunde dem Ertrag der Hundesteuer trotzdem nicht geschadet. Der Ertrag ist 1893/94 gegen das Vorjahr wieder bedeutend gestiegen, eine Ist-Einnahme von 494 789 M. auf Ter Fleischverbrauch Berlins hat sich weiter gehoben. Der vom Direktor Hausburg an den Magistrat erstattete Bericht über den städtischen Viehhof für 1893/94 berechnet 74 Kilogramm pro Kopf der Bevölkerung, gegen 72 in 1392/33, 70>/z in 1891/92, ISVe in 1890/91. Natürlich ist nicht einfach die Menge des hier geschlachteten Viehs der Berechnung zu Grunde gelegt worden, sondern es ist gebührend berücksichtigt worden, was außerdem an geschlachtetem Vieh eingeführt und ausgeführt wurde, serner die(nur abgeschätzte) Menge von eingeführtem Salzfleisch, Rauchfleisch, Konserven, Speck, Wurst. Schmalz u. s. w. und schließlich auch der Pferdefleisch- Verbrauch; nicht berücksichtigt sind dagegen Wild, Geflügel und Fische. Der Bericht sagt, die Berechnung habe, da sie nur auf Schätzungen beruhe und nicht festzustellen sei, wie viele Bewohner der Villen-Vororte Fleisch aus Berlin bezögen, nur relativen Werlh und mache keinen Anspruch auf Genauigkeit. Wir können hinzufügen, daß die Unznverlässigkeit leider noch größer ist, als sie zu sein brauchte. Wenn man die Berechnung nachprüft, geräth man in ein wahres Labyrinth von Widersprüchen, die nicht aufzuklären sind, weil man nicht wissen kann, ob die Fehler in der Angabe der Elemente der Berechnung oder in der Berech- nung selbst oder in der Angabe des Resultates zu suchen sind Allem Anscheine nach handelt es sich aber direkt um Fehler in der Berechnung, nicht blos um Schreib- oder Druckfehler. Bei der Beriheilung obiger 74 Kilogramm auf die einzelnen Fleischsorten mit Umrechnung in Pfunde ist das zweifellos; die hier angegebenen Zahlen sind Iheilweise Unsinn.(Wir bemerken aus diesem Anlaß von neuem, daß die Unzuverlässigkeit einzelner Verwaltungsberichte des Magistrats um so mehr zu beklagen ist, da sie als ofsizielle Quelle angesehen und benutzt werden müssen.) Nehmen wir an, daß 74 Kilogramm oder 148 Pfund pro Kopf wenigstens un- geführ das Nichtige ist. Zieht man dann noch in betracht, daß Kinder weniger Fleisch essen, so können auf den Erivachsenen sogar gegen 200 Pfund kommen. Aber man braucht nun nicht gleich zu denken, daß jeder erwachsene Berliner, auch der Arme und Aermste, einen Tag wie alle Tage so sein halbes Pfund Fleisch zu Mittag auf dem Teller hat. Es handelt sich ja nur um eine Durchschnittszahl. Der eine ißt eben viel, der andere wenig, je nachdeni es sein Geldbeutel erlaubt. Mancher kann sich sogar das ganze Jahr hindurch kein Fleisch leiste».' Und dann kommt noch in betracht, daß das große Heer der Unbemittelten, auf das von dem gesamnite» Fleischverbrauch Berlins sicher nur ein bescheidener Theil kommt, sich obenein noch mit dem minder- werthigen Fleisch begnügen muß. Wie manche Arbeiterfrau kann das ganze Jahr hindurch nichls anderes nuf den Tisch bringen als Bauchfleisch, Kopffleisch oder Stückenfleisch, d. h. Fleischstücke, die beini Verkauf im Laden„abfallen". Noch andere betrachten das aus dem Viehhof abgekochte Fleisch kranker Thiere, das in den Hotels und Restaurants ausgekochte Bouillonfleisch oder das Pferdefleisch als den höchsten ihnen erreichbaren Genuß. Pferdefleisch scheint in Berlin im vergangene» Jahre wieder mehr als bisher als menschliche Nahrung verwendet worden zu sein. Nach einer Mittheiluug im neuesten Bericht über die Verwaltung des städtischen Viehhofs wurden im Jahre 1893/94 von den in der Roßschlächterei in der Greifswalderstraße geschlachteten Pferden 7785„zur menschlichen Nahrung frei- gegeben", gegen 7117 im Jahre 1832/93. Das niacht eine Steige- rung um 663 Pferde oder OVe vom Hundert. Allerdings ist zu beachten, daß schon 1391/32 7529 geschlachtete Pferde in den Verkehr gelangten. Sie wandern natürlich zum größten Theil in die Küche des Proletariats. Das Pferd wird zu 440 Pfund Fleischgewicht gerechnet. Danach wären 1893/94 in Berlin rund 3>/s Millionen Pfund Pferdefleisch in den Verkehr gelangt. Au die Parteigenossen des K. Berliner Reichstags Wahlkreises. Dem Beschloß der Parteiversammlung in Moabit, der dahin geht, den Vertrieb unserer Partei- Zeit ll II gen und Literatur in eigener Regie zu übernehmen, haben sich auch die übrigen Bezirke des 6. Wahl' kreises angeschlossen. Tie Parteigenossen werden daher ausi gefordert, eifrigst für die P a r t e i- S p e d i t i o n e n zu agitiren; einerseits um"der K i n d e r a u s b e u t u n g entgegenzutreten und den Frauen einen angemessenen Lohn zu gewähren, anderseits, um die Verbilligung des„Vorwärts" und eine weitere Verbreitung unserer Parteizeitungen und-Literatur herbeizuführen. Die Kommissionen, welche mit der Durchführung dieses Planes beauftragt sind, geben hiermit bekannt, daß am 1. Januar 1895 in allen Stndtlheilen des Kreises die Speditionen eröffnet werden. Für Schönhauser Vorstadt sind die Genossen Karl Mars, Rheinsbergerstr. 32; für Rosen- thaler Vorstadt und Gesundbrunnen Genosse W i l h. G a ß m a n n, Grünthalerstr. 67; für Oranienburger Vor- st a d t und W e d d i n g Genosse Emil S t o l z e n b u r g, Wiesenstr. 14, als Spediteure bestellt. Alle Meldungen von Z e i t n n g s- A» s t r ä g e r n, sowie sonstige Anfragen sind für die Schönhauser V o r st a d t an Genossen Liezke, Schwedterstr. 33; sür Rosenthaler V o r st a d t und Gesundbrunnen an Genossen H e l b i g, 3iügenerstr. 23; sür W e d d i n g und Oranienburger V o r st a d t an Genossen S t o l z c n b u r g, Wiesenstr. 14, zu richte». Sni o n n e ni e n t s sür die Parlei-Speditionen nehmen außer den obengenannten Spediteuren die folgenden Kommissions- Mit- glieder entgegen: Brüß, Lothringerslr. 41; Leutenmeyer, Weiiiberg-wcg 8; Liezke, Schwedterstr. 33; Augustiii, Kastanien-Allee 11; Emil Schmidt, Tresckowstr. 24; Pcschel, Hochmeisterstr. 13; Kulicke, Pappel-Allee 108a; Buchholz, Wörtherstr. 39; Schensch, Schönhauser Allee 53; A. Krzyzanowski, Sivinemünderstr. 43; Dietrich, Schwedterstr. 29, v. 4 Tr.; C. Jahnke, Pullbuserstr. 44, v. 2 Tr.; K. Marziller, Griebcnoivstr. 8/9, v. 3 Tr.; O. Nälher, An- klamerstr. 44, part.; Bormet, Stettinerstr. 36, 1 Tr.; H. Raschke, ~ochstr. 82, Laden; Brinkmann, Prinzen-Allee 67, v. 2 Tr.; M. iesel, Rammlersir. 26, Stfl. 2 Tr.; Frei berger, Fenustr. 35, v. Tr.; Bergemann, Müllerstr. 10/11; Tauschel, Grcnzstr. 4; Gieshoit, Boyenfir. 40; Gleinert, Müllerstr. 7; Marten, Garten- strabe 152; Blosseld, Lussitenstr. 22; Lenzner, Chauffeestr. 50; I. Psarr. Putllitzstr. 2; G. Schmitz, Havelbergerstr. 37; O. Hcmpel, Lübeckerstr. 16. Die Parteigenosse» in Weisieusee werden benachrichtigt, daß am Sonntag, den 30. Dezember, eine Agitationstour stattfindet. Treffpunkt morgens 7Vs Uhr bei P f e i f e n m ü l l e r, Königs-Chaussee 33. D e r V e r t r a u e n s m a n n. Achtung, Braner-Matinee! Die zum 25. Dezember angesetzt gewezene Matinee des Gesangvereins Gerstenähre, welche in letzter Stunde volizeilich verboten wurde, findet nun- mehr am 1. Januar 1895, mittags 12 Uhr, in K e l l e r' s Festsälen, Koppenslr. 29, statt. Die Billels behalten ihre Giltigkeit. An die mitwirkenden Gesangvereine ergeht das Ersuchen, sich am Sonntag, mittags präzise 12 Uhr, in diesem Lokal vollzählig zur Probe einzufinden. I. A.: Schüler. Tie Stätte der Kunst in Moabit, der Skulpturensaal im Landes-Ausstelluiigspalast, wird jetzt zu einem eigenartigen Zweck hergerichtet. Zur Zeit wird nämlich dieser Saal in einen Raum umgewandelt, in dem der Hof Law»- Tennis spielen und ahn- lichem Sport nachgehen will. Ob diese zum Sportplatz umge- wandelte Stätte der Kunst sür immer oder nur für diesen Winter ihrer bisherigen Bestimmung entzogen werden soll, ist uns nicht bekannt. Zur Hebung der Sittlichkeit fanden bei Neujahrskarten- Händlern polizeiliche Nachforschungen statt. Mehrere Exemplare, die vor einem geläuterten Kcuschheitsgefühl nicht ganz stand Befreiung eingekoinmen, Theil dieser Gesuche uachgewiescnen Verhält- Dasselbe geschah dann während 1893/94 die Zahl halten konnten, sollen konfiszirt worden sein. Ob auch die Mucker und christlichen Männer schon wieder ihr schäbiges Denunzianten- Handwerk an relativ harmlosen Sachen begonnen haben, ist nicht bekannt geworden. Die Abrisiarbciten in der Rosenstiaße sollten möglichst noch im Laufe dieses Monats beendet werden, doch erwiesen sich dieselben viel schwieriger, als man anfänglich vermulhet hat, da die Grundmauern der sonst morschen Gebäude außerordentlich fest und solide gearbeitet sind. Ungefähr 100 Gespanne sind ununterbrochen mit dem Abfahren der Ueberreste der Rosenstraße beschäftigt und bei dem gewaltigen Verkehr in der engen Gaffe entstehen fortgesetzte längere Zeit andauernde Verkehrsstockungen, die sich namentlich für die den Neuen Markt befahrenden Pferde- bahnlinien fühlbar machen. In der Sonntag- Nachmittagsvorstellung dcS ZirkuS Renz, die zu ermäßigten Preisen vor sich geht, werden„Die lustigen Heidelberger" aufgeführt werden. Am Abend wird das chinesische Neujahrsfest gegeben. Durch eine» Kaunerstreich zweier bisher noch nicht er« mittelter junger Leute ist der in der Neuen Friedrichstr. 23 wohnhafte Kassircr Stadlhagen in den Tod getrieben worden. St. ist in einem Kurzwaaren- Engrosgeschäst schon seit langen Jahren thätig und verwaltete seit einigen Wochen die Hauplkasse. Am Weihnachts- Heiligabend gelang es zwei fremden Männern, indem sie eine gefälschte Quittung an der Kasse präseutirten, den St. zur Zahlung von 20 M. zu bewegen. Wenige Minuten später bemerkte der Kassirer den Betrug und der davon benach- richtigte Chef machte St. über die unvorsichtige Begleichung jener Rechnung Vorwürfe. Dies nahm sich der etwa 40jährige Alaun derartig zu Herzen, daß er sich noch am selbigen Weihnachts- Heiligabend erhängte. Die Beurlaubungen von Soldaten sind an diesem Weihnachtsfeste seitens aller Regimenter sehr zahlreich erfolgt. Selbst Rekruten, welche erst im Herbst eingezogen worden sind, haben diesmal ihren vierzehntägigen Urlaub erhalten, ein Faktum, welches früher undenkbar erschien. Wenn man annimmt, daß mindestens hunderttausend Mann einen Urlaub von durchschnitt- lich 10 Tagen erhalten haben, und daß an jedem„Urlauber" an Menage, Brot und Traktement mindestens 1 M. pro Tag erspart wird, so haben die Regimentskafsen insgesammt einen Prosit von einer Million Mark erzielt. Außerdem hat der Eisenbahn- Fiskus erhöhte Einnahmen durch den Transport der Urlauber erzielt, wenn dieselben auch zu ermäßigten Preisen befördert werden. Blutvergiftung durch eine sogeuaunte Vogelpfeife. Ein Köpenicker Einwohner hatte jüngst auf dem Weihnachts- markt eine sogenannte Vogelpfeife erstanden. Als er dieselbe in Gebrauch nahm, schwollen ihm nach einiger Zeit zunächst die Lippen und bald darauf auch die Halspartie an, so daß er schließlich wegen dieser Erscheinungen einen Arzt konsultiren mußte. Dieser stellte nach eingehender Untersuchung eine Blut- Vergiftung fest, die durch die Farbe jener Vogelpfeife, von welcher jedenfalls etwas in eine kleine Wunde an der Lippe gc- rathen war, herbeigeführt worden ist. Also Vorsicht! Ei» scheußlicher Kindesmord beschäftigt die Kriminal- Polizei. Am Donnerstag vormittag um 10�« Uhr waren die Arbeiter August Ham und Gustav Wernicke aus Rixdorf mit einem Müllwagen vor das Haus Wilmsstraße 5 gefahren, um den Hausrath abzuholen. Bei dem Ausschütten des Müllkastens entdeckten sie einen schwarz und roth gestreiften Frauen-Unterrock. der noch glimmte, und darin die angekohlte Leiche eines Kindes. Der Kopf war abgehackt, die Beine lagen zerstückelt neben deni Körper, und auch dieser war so entstellt, daß das Geschlecht nicht zu erkennen war. Die Revierpolizei wurde sofort in Kenntniß gesetzt und nahni die Leichenlheile in Beschlag. Die gerichts- ärztliche Oeffnung dürfte noch heute von der Staatsanwaltschaft verfügt werden. Von dem Thäter sehlt bisher jede Spur. Polizeibericht. Am 27. d. M. vormittags wurde aus einem Grundstück der Wilmsstraße in einem Müllkasten die Leiche eines neugeborenen Kindes aufgefunden.— Bei der Ausbesjernng eines Schornsteins aus dem Seitenflügel des Hauses der Freien- walderstraße verlor nachmittags ein Arbeiter das Gleichgewicht und fiel auf den Hof hinab. Er erlitt eine schwere Verletzung am Kopfe und mußte nach dem Krankenhause gebracht werden. — Nachmittags wurden ein Schuhmacher in seiner Wohnung, in der Dunckerstraße, und ein Kellner auf dem Boden eines Hauses in der Schivedterstraße erhängt vorgefunden.— Abends sprang ein in der Kreuzbergstraße wohnhafter Mann aus seiner im dritten Stock gelegenen Wohnung ans den Hof hinab und fand aus der Stelle den Tod.— Im Laufe des Tages fanden neun Brände statt. Wittcrungöiibcrsicht vom 28. Dezember 1894. Wettcr-Prognose für Souuabcnd, 29. Dezember 1894. Etwas wärmeres, veränderliches, vorherrschend wolliges Wetter mit geringen Niederschlägen und mäßigen bis frisch«! westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Gsrtps»ks«Betktmg. Gewerbegericht. Köchinnen in Nestaurationsbetrieben sind Ge werbegehilfinnen und unterstehen als solche der Gewerbe-Ordnung und nicht der Gesinde-Ordnung. So ent- scheidet das Gewerbegericht schon seit langem, ohne daß an« scheinend das hiesige Schöffengericht davon Notiz aenommen hat; wenigstens spricht dafür folgender, ganz kurioser Fall. Die Köchin Richter, welche am 1. Juni ihre Stillung beim Restanraleur Knntze(„Andrensburg") aufgab, erhielt auf dessen Veranlassung wegen„unbefugten Verlassens des Dienstes" eine Geldstrafe von 6 Mark.— Das Schöffen- gericht, an welches sich Fräulein Richter mit der Be- Häuptling wandte, sie hätte ihrer Meinung nach rechtzeitig. d. h. 14 Tage vor dem 1. Juni gekündigt, hielt d»e Bestrafung derselben für berechliat, wenn es auch die Strafe um 3 M. ver- minderte. Zur Begründung wurde ausgeführt, die Bestrafte hätte, als dem Gesinde zugehörig, sechs Wochen vor ihrem Abgange kündigen müssen. Auch wenn si« wirklich 14 Tage vor dem 1. Juni gekündigt habe— was Kuntze bestritt— hätte sich dieselbe eines unbefugten Verlassens des D i e n st e s schuldig gemacht.— Kuntze behielt damals 25 Mark von dem verdienten Lohn der Richter als Entschädigung sür die Ungelegenheiten, welche ihm durch ihr Verhallen an-- geblich bereitet worden waren. Fräulein Richter war jedoch der Meinung, sie habe sich nichts zu schulden kommen lassen und klagte beim Gewerbegericht ans Herauszahlung des Geldes. Im ersten Termin berief sich der Beklagte darauf. daß die Klägerin zum Gesinde gehöre, und ver- »vies auf ihre Strafe. Das Gewerbegericht hielt sich aber durchaus nicht für unzuständig, es trat in die Verhandlung ein. Infolge eines bezüglichen Einwandes mußte darüber Beweis erhoben werden, ob die Klägerin 14 Tage vor dem I. Juni ge> kündigt habe oder nicht. Die Beweiserhebung fiel zu ihren Gunsten aus; das Gericht nahm auf grund derselben an, daß die Klägerin eine vierzehntägige Kündigungsfrist inne hielt. Kunze wurde verurtheilt. die 25 Mark nebst 5 pCt. Zinsen zu zahlen.— Gründe: Nnzweifehast sei die Klägerin nicht Dienstbote, sondern IGewerbegchilfin ge- wesen, da sie im Gewerbebetriebe des Beklagten, der Restauration, thätig war. Seien auch die Funktionen einer Köchin im und sür den Haushalt eines Privaten als solche eines Dienstboten zu betrachten, so werde die Köchin Gewerbe- gehilfin, w en n, und s e i es insoweit, als sie im Gewerbe- betrieb der Restauration arbeite. Da nun die recht- zeitige Kündigung der Klägerin bewiesen sei, habe der Beklagte kein Anrecht aus irgend welche Entschädigung, der einbehaltene Lohn sei zu Unrecht der Klägerin vorenthalten worden.— Tie Zuständigkeitserklärung werde durch eine neueste Entscheidung des Strafsenats des Kamniergerichts gestützt.— In ein und derselben Sache so zu sagen haben also Schöffengericht und Gewerbegericht, von verschiedenen Standpunkten ausgehend, verschieden geurtheilt. Hoffentlich wird das Schöffengericht sich dem Gewerbegericht in Zukunft anschließen. Außer dem Tchwcichcl'schen Morde scheinen noch zwei andere Mordthaten ungesühnt bleiben zu sollen, welche seit etwa Jahresfrist begangen worden sind. Am Freitag Vormittag ist der Schlossergeselle Rudolph Meyke aus Berlin aus dem Unter- suchungsgefängniß entlassen und auf freien Fuß gesetzt worden. Seit Mitte Juli dieses Jahres saß Meyke unier der Beschuldi- gung in Hast, am 7. Juli die Handelsfrau Bertha Lange aus Schöneberg ennordet zu haben. Wie erinnerlich wurde die Leiche der genannten Frau in einem Kornseide dicht an dem Wege ge- funden, welcher sich hinter der Mauer des Zwölf-Apostel-Kirchhoses längs des Bahndammes hinzieht und die Fricdenanerstraße mit der Nennbahnstraße verbindet. Die Frau war durch zwei Stiche iu den Hals getödtet worden und zwar augenscheinlich mit einem Messer, welches in der nächsten Nähe der Leiche ge- funden wurde. Bald nach der That wurde der Schlosser Meyke unter dem Verdachte der Thäterschaft gefänglich eingezogen. Das Belastungsmaterial, welches anfangs erdrückend zu sein schien, ist nun im Lause der Untersuchung mehr und mehr zusammen geschrumpft und zuletzt ist so wenig davon übrig geblieben, daß sich die Fortdauer der Unlersuchuugshast nicht mehr rechtsertigen ließ. Das Verfahren gegen Meyke ist daher eingestellt und der Beschuldigte aus freien Fuß gesetzt worden. Der zweite Fall betrifft die Ermordung des Schulmädcheus f edwig Franke bei Spandau, der 14jährigeu Tochter des Fischers ranke. Die That ist bereits im November v.I. verübt worden. Als muthmaßlicher Thäter ist seiner Zeit der Arbeiter Karl Müller aus Friedrichsfelde— ein ISjähriger junger Mann— verhaftet worden. Gegen Müller sprachen eine Menge schwerwiegender Belastungomomente. Seine spitzen Schnabelstiesel paßten genau in die Fußspuren, welche der Mörder am Thatorte zurückgelassen hatte; die Fingerspitzen Müller's paßten genau in die Eindrücke, welche die Finger des Mörders erzeugten, als er sein Opfer erwürgte. Müller hat den Besitz derartiger Stiesel bestritten, der Besitz ist ihm aber in unanfechtbarer Weise nachgewiesen worden. Müller arbeitete in der kritischen Zeit bei einem Gaflwirth in Spandau, dessen Pferdestall in der Richtung nach jenem Wege lag, den die Hedwig Franke täglich auf dem Weg« zur und von der Schule benutzte, und an welchem sie ermordet worden ist. Aus deni Pferdestalle führte eine Thür nach jenem Wege, Müller konnte daher das Mädchen schon von weitem kommen sehen und ebenso leicht wie unbemerkt erreichen. Müller hatte zur Zeit der That in jeiiein Pferdestalle ein Sielengcschirr mit einer Schmiere ein- gerieben, die aus Fischthran und Kiehnruß bestand. Genau solche Schmierflecke wurden am Halse wie an den Kleidern der Leiche bemerkt. Als er in Tegelort verhaftet wurde, bestritt er dem Gendarmen, die Hedwig Franke zu kennen und gestand diesen Umstand erst nach längerem Leugnen zu. Diese Verdachts- Momente müssen seitens der Staatsanwaltschaft nicht für aus- reichend erachtet worden sein, denn das Verfahren gegen Müller ist bereits seit einiger Zeit eingestellt und der Beschuldigte aus der Haft entlassen worden. Seitdem ist Müller spurlos verschwunden. Obwohl der Vater des ermordeten Kindes, nach der Mittheilung eines Berichterstattters, alles mögliche aufbietet, uni Müllers jetzigen Aufenthalt zu ermitteln, ist ihm dies bisher nicht gelungen. Nunmehr sucht der Vater bei der Staats- anwallschafl den Erlaß eines Steckbrieses gegen Müller zu er- wirken und darauf ein neues Untersuchungsversahren einzuleiten. Der Vater ist überzeugt, daß das noch in jüngster Zeit ver- mehrte Belastungsmaterial jetzt ausreichen muß, um die Er- mordung seines Kindes zu sühnen. Erstes Erfordernis ist aber, daß Müller wieder festgenommen wird. Ober- Nerwaltungsgericht. Wozu nicht der„Um- stürz" zu gebrauchen ist. Hatte sich da der Vorstand der Schützengilde in Nippes, einem seit 18S8 mit Köln vereinten Vororte der alten Rheinstadt, die Freiheit genommen, laut§ 25 des polizeilich genehmigten Statutes, im Einverständniß mit der Generalversammlung, drei Tage für die Abhaltung eines großen Schützenfestes zu bestimmen, und zwar wählte man drei Tage des Juni. Der Juni schien den Leuten der geeignetste Monat zu sein, einen möglichst großen Uebersckuß zur Deckung von Schulden herauszuschlagen. Die Herren dachten und die Polizei handelte; sie versagte nämlich die Genehmigung. Eine polizeiliche Verordnung vom 2. April 1892 dienteß ihr als Begründung. Der fragliche Ukas bestimmt, daß alle großen öffentlichen Lustbarkeiten wie Kirmeß, Schützenfeste u. s. w. i n den Vororten Kölns am letzten Sonntag im August und den folgenden zwei Tagen stattzufinden hätten. Der Schieß- verein sah sich dadurch geschädigt— man bedenke, das Publikum „verläuft" sich zu sehr, und der Ueberschuß, wenn einer bleibt, muß„getheilt" werden. Es wurde Beschwerde beim Regierungs- Präsidenten und, als Abweisung derselben erfolgte, eine weitere Beschwerde beim Oberpräsidenten erHobe», die das gleiche Schick- sal theille. Nun klagte man beim Ober-Verwaltungsgericht gegen den Oberpräsideuten auf Aufhebung jener Verfügung. Die Gilde besitzt nebenbei bemerkt das Recht einer juristischen Per- sönlichkeit. Während der Vorstand derselben die Unzwcckmäßigkeil dcr letzten Augustlage sür ein Schützenfest und insbesondere die Un- Zweckmäßigkeit des gleichzeitigen Slattsindeus mehrerer großer Feste mit bezug auf die Kassenvcrhältnisse der Schützen- gilde darlegte, ließ sich der Oberpräfident dahin vernehmen, daß es in der Absicht der Regierung liege, die öffentlichen Lustbar- leiten erheblich einzuschränken. Uebrigens sei, führte der Beklagte in seiner Zuschrift aus, das Vorgehen der Regierung aus Zweck- Mäßigkeitsgründen erfolgt, die nachzuprüfen das Ober-Verwaltungsgericht nicht berechtigt wäre. Auf dem Gericht selbst stinimte nun am 21. Dezember der Vertreter der klagenden Schützengilde einen großen Sang an den Patriotismus an. Der ß 25 des allerhöchst genehmigten Vereinsstatuts berechtige doch den Vor- stand, das Fest anzusetzen und zu arrangiren. Ihm das erstcre Recht zu beschneiden, wäre doch wohl nicht zulässig. Zu beachten fei, daß gerade die Schützenvereine den besten Damm gegen den Anarchismus bildeten; Sozialdemokraten fänden in die Nippeser Gilde keine Aufnahme. Vor allem diese Schützenvereinigung müsse doch wohl eine überaus gute patriotische Vergangenheit haben, sonst wäre ihr doch nicht daS lllecht einer juristischen Persönlichkeit verliehen worden. Angebracht wäredoch, den„Ckeist der Unzufrieden« h e i t" nicht noch mehr zu fördern, was geschehen würde, wenn die statutarischen Rechte der Schützengildc beschränkt blieben. Dabei sei hervorzuheben, daß die engere Stadt(Köln) nicht von der betreffenden Polizeirerordnung berührt werde, sondern daß die- selbe nur ihre Vororte treffe. Der Verein habe sich stets „tadellos" geführt und stets seine Feste feiern können, wann er wollte. Nicht sei es die Absicht des Vereins, häufig Lustbarkeiten zu arrangiren, sondern sein Hauptzweck sei, die „Wehrhaftigkeit des deutschen Volkes" zu ver- mehre n. Keineswegs ein Vergnügungsvcrein, nein, ein Verein mit„idealen B e st r e b u n g e n" sei die Nippeser Schützen- gilde.— So schön vorgetragen das nun auch war, das Gericht wies dennoch die Klage ab. Der Vorsitzende führte aus: Der ablehnende Bescheid des Oberpräsidenten sei statthaft, wenn die Versagung der Festesgenchmigung sür die Tage ini Juni auf einen der Punkte des eingereichten Programms mit Recht zuträfe. Bezüglich des Preisschießens und des Konzerts sei dies ja nicht der Fall, aber bezüglich der vorgesehenen Tanz- und sonstigen Lustbar- keiten.. Nach bestehenden Gesetzen zc. sei die Polizei berechtigt. die öffentlichen Lustbarkeiten einzuschränken, mithin könne nicht angenommen werden, daß dieselbe willkürlich gehandelt habe. Ob die Verfügung zweckmäßig sei, das gehe natürlich das Ober« Vcrwaltungsgericht nichts an. Wenn die Stadt Köln anders behandelt werde wie ihre Vororte, dann könnte sich die Schützen- gilde höchstens darüber bei der Regierung beschweren. Eingelaufene Druckschriften. Bon der vt-ichhiit, Zeitschrist für die Interessen der Arbeiterinnen.(Stutt- gart, I. H. 333. 3) s c 6'«erlag) ist un« soeben die Nr. 26 des 4. Jahrgang-K zugegangen. Aus dem Jichait dieser Nummer heben wir hervor: Heils- bolschaft.— Da« Maullorbgeseh.— Au« den Berichten einer amerilanischen tabrit-Jnspeliorin.— Feuilleton: De« Bolle« Heil lBedicht). Von Robert eidel. Modernes Bethlehem. Von Helene.— Arbeiterinnen-Bewegung.— Kleine Nackrlchten. Dle„tölelchhett" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pf.» durch die Post bezogen(eingetragen in der Meichspost-ZeitungSliste sür 1894 unter Nr. 2660) beträgt der Abonnementsprei« viertelsährlich ohne Bestell- g-id 65 Pf.: unter Kreuzband 86 Pf. Inseratenpreis die zweigespallene Petitzeile 20 Ps. Bon der„P-U-N Zeit"(Siuiigart, I. H. W. Diez' Verlag) ist soeben da« iz. Hesl des lz. Jahrganges erschienen. Au« dem Inhalt heben wir hervor; BltzUpuhll.— Der dritte Band de»„Kapital". Von Ed. Bernstetn. III. — Bayern» so, wie Sonderstellung.— Esther Water«. Ein englischer Roman von George Moore. Besprochen von Edward Aveltng.— Nolizen: Unau»sllhrbarkelt de« Kanitz'schen Antrage«. Nochmal« die Reichspost- Benvaliung.— Feuilleton: Die Leute von Jungenhos. El» Beitrag»ur «olttlunde von Ludwig Schiert.(Fortsehung.) Besuchszeit verfchiedeuer Mufeeu und sonstiger Seheuswllrdigketten. Altes und Neues Museum am Lustgarten. Besuchszelt täglich, mit AuZnahme de« Montag« In den 0 Wwtermonalen von 10—3 Uhr, In den 6 Sommermonaten von 9—3 Uhr; Sonntag» tm April- September l2 bi« 6 Uhr. Oltober und März 12-6 Uhr, November und Februar 12—4 Uhr, Dezember und Januar is— 3 Uhr(Unentgeltlich).— Die National- gallerie in der Museumsstrabe. Besuchszeit Wochentag« von 10—3 Uhr lMoutag« ausgenommen). Sonntag« im April— September von 12 bi« 6 Uhr, im Marz und Okiober 12—6 Uhr, Februar und November 12 bis< 4 Uhr, Januar und Dezember 12— 3 Uhr(Unentgelllich).— Kunstgewerbe- Museum, Prinz Albrechlstr. 7. Geöffnet an den Wochentagen(Montag«' ausgenommen) t»i Sommer von 9—3 Uhr, im Winter von 10— i! Uhr, Sonntag«, April— September von 12— s Uhr, Ottober und März 12—6 Uhr, November und Februar 12—4 Uhr, Dezember und Januar li— s Uhr(Unentgeltlich).— M useum für Bölterkunde, Köntggräyerstr. 120. Besuch«- zeit wie im Kunslaewerbe-Museum(Unentgelllich).— Hygiene-Museum, Klosierslr. 36. Besuchszeit Sonntag« wie im Kunstgewerve-Museum. Aus erde»: Dienstag! und Freilvg« von 10—2 Uhr(Unentgelllich).— Museum für Naturlunde, Jnvalidenstr. 42. Besuchszeit Sonnlag« wie tm Kunst- gewerbe-Museum. Auherdem Montag« und Sonnabends von u—» Uhr.— Museum für deutsche BolkSt rächten und Erzeugntssede« Hausg ewerbe», Kloster ftr. 36. Jeden Tag mit Ausnahme des Mittwochs von n— 2 Uhr geöffnet. Eintrittsgeld: Erwachsene so Ps., Kinder 25 Pf., vereine Sonntag« 10 Pf.— RetchSpost-Museum, Leipzigerstr. 16. Geöffnet Sonntag« 12—2 Uhr, Montags, Dienstags, Donnerstag«, Freitag« von Ii— 2 Uhr(Unentgeltlich).— Ralhhau«, Königstrabe, Geöffnet täglich: außer Donnerstag und Freitag von 1l— 2 Uhr(Unentgelllich). Aussichtslhurin 60Ps.— Kunstausstellung de« verein« Berliner Künstler, WIlhclmstr. 92. Sonntag« II— 2 Uhr, Wochentags 10—4 Uhr. 60 Ps. Gnrree. — Sternwarte, Enekeplatz 3a. Mittwochs und Sonnabend« von 9 bt« II Uhr Vormittag«.— Urania, Wiffenschaftliches Theater. Sternwarie. guvalidenstr. 67—62. Geöffnet von 6 Uhr Nachmittags bt« 10% Uhr Abends. ntree so Pf. Zuschlag sür Theater von 60 Pf. bis 2 M.— A q uarium, Cchadowstr. 14. Geöffnet von 9—3 Uhr. Gntree Sonntag« 60 Ps., an sei/ m leyieii Sonntag tm Monat 26 Pf.— Easta»'« Panoptikum, Friedrich- straße. Geöffnet 10—10 Uhr. Eintrittspreis so Pf.— Passage, Panopttlum 10—10 Uhr. Eintrittspreis 60 Ps.— Marine. Panorama, Am Lehrter Bahnhos. Sonntag« von 9—9 Uhr. Entree so PI.— Neapel-Panorama am Bahnhof Thiergarten, zwei neue Dloramen: Katakomben de« Kapuzinerllosters zu Palermo und BesuvauSSbr» Sonntag« 26 Pf. EintrUtSprel«. Da« Panorama ist bis ü? Uhr glbend« zu besichtigen.— Zoologischer Garten, Lützowuser. Sonntag« so Pf.— Borsig's Garten mttPalmenhau», Alt-Mvabit 96—«« Eintrittspret««0 Ps. Nviefkaysn dvv Nedaktton. Wir bitten bei seder Ausrage ein« Chiffre(Zwei Buchstaben ober eine gahy anzugeben, unter der die Amivort ertheilt werden soll. Tie juristische Sprechstunde wird heute von 12 bi? 1 Uhr Mittags abgehalten. Am Montag fällt die Sprechstunde aus. IS M. H. Verjährt i» 5 Jahren. I. K. 164, Der von Ihnen angegebene Sachverhalt ist nicht verständlich. S. 1S8. Handelt es sich um eiiien Gastwirth? E. H. 41. Ohne Mitlheilimg des Inhaltes des Kontrakt? läßt sich Ihre Frage nicht beantworte». 16. B. II. Der Sachverhalt, wie Sie angeben, ist nicht veiqtändkich. Junger Parteigenosse, Neiihaldenslebe«. Sie müssen die Sachlage genau darlegen, insbesondere angeben, ob«in Testament vorhanden ist. Sl. H. Kommen Sie in unsere juristische Sprechstmide, deren Abhaltung täglich im„Vorwärts" angezeigt ist. KskKKÜZKk Ernst Förster, Berlin NO., Kaiserstr. 30. ta werden gut gestimmt und rcparirt von C. L. Mayer, Kottbnser Ufer 62. 1879b KrachM Irin Berlin NO., Hohen-Schonhausen.' Telephon Amt vn Nr. 1642. Wir empfehlen hiermit unser aus bestem Kais nnä Hopfen hergestelltes ■w—— Lagerbier.............. in amtlich geaichten Gebinden und bitten wir briefliche oder telephonische Bestellungen direkt nach Hohen-Schönhausen richten zu wollen. Prompteste Effektuiruug aller uns zugehenden Aufträge zusichernd, empfehlen wir uns Hochachtungsvoll Brandaus Hohen-Schönhausen, Kommandit- Gesellschaft, F. Kustebanm. Metzner's Korbwaaren- Fabrik, ijUplill 1 Gesch.: Andreasstr. 23, H. pt., gegenub. Andrea-pl. xmUII, 2. Gesch.: Bruunenstr. 95, gegenüb. 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Ein Erfolg. berliner Theater. Madame Sans Gene. Friedrich. Wtlhelmstädt. Theater Orpheus. Bestden»- Theater. Der Unter präfekt. Vorher: Villa Vielliebchen Kchillrr-Theater. Prinz Friedrich von Homburg. Zteue« Theater. Der kleine Mann TheaterUnter denLinden. Boccaccio Kellealliance»Theater. Die Ga loschen des Glücks. b'entral-Theater. O! diese Berliner Adolph Ernst-Theater. Ein fideles Korps. Aleranderplah- Theater. Ein Modell. Vorher: Die Wucherer von Berlin. Ztational- Theater. Undine. die Fürstin der Wellen. Zi richs hatlentheatrr. Spezialitäten Vorstellung. Zimerlran» Theater. Spezialitäten Borstellung. Apollo» Theater. Spezialitäten Vorstellung. Kaufmaitn'» Uarist«. Spezialitäten Vornellung. Parodie- T'grater. Spezialitätein Vorstellung. 8edijler-7dester. sliiisklnen-l'keste»'.) Vallusr-Vksaterstrasss. Zonnabeud, 29. Dezember, Abends 8 Uhr: Prinz Friedrich von Homburg. Konntag, den 30. Dezember. Nach mittags 3 Uhr: Des Meeres und der Liebe Mellen. Abends 3 Uhr Krieg im Frieden. Moutag» den 31. Dezember, Abends 8 Uhr: Das Heys Ehse». Der fahrend Schüler im Paradies. Der Doktor mit der grohe« lasen. Der Dauer im Fegefeuer. Sachs. ruine. Fastnachtsspiele von Hans jum Schluß: Die Knrg MolpkLniLt-'nieater Anftrcten der Grotesktänzerin Miss Rose Batelielor vom Princc oi Wales-Theater in London. Zum 5. Male: Ein fideBes Corps. Große GesangSposse mit Tanz. Nach dem englischen„d Gaiety Girl" von Jonas Sidney, frei bearbeitet von Eduard Jacobson und Jean Kren. Anfang 7Vs Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Cenlral-Theater Alte I a üo b stra ße Dr. 80. Emil Thomas a. 0. Anna Bachers. Joseüuo Bora Sonnabend: O. diese Kerli«er! Große Posse mit Gesang und Tanz in 0 Bildern von Julius Freund. Musik von Julius Einödshoser. Ansang»/es Uhr. Morgen: Ot diese B e r I i n e p 1 r ,(Sanssouci" Kottbuserstrahe Fa. Sonntag, 30. Dezember: Stettlner Sänger (Mcysel, PietPOi Britton, Eberius, Steidl, Röhl und Blank).. Ans. 7 Uhr Entree 50 Psg.-Wg Dienstag, de» I. Januar: Große Neiljchrs-Feß-Äiree in Sanssouci. ssage.Panoptici)in Schluhsteiuleguug im Reichstage mit Benutzung des Original- Thrones. National-Theater. Große Frankfurterstraße 132. Mine, die FWn i>er Wellen. Großes Ausstattungsstück mit Gesang und einem Vorspiel von Woliheim. Neu bearbeitet von Gr. Ed. Jacob söhn. Musik von 6. Michaelis. Regie: Max Sarnst. Kassenöffnung C'/a Uhr. Ans. 7'/2 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Abonnementsbillets, täglich giltig, sind zu haben in den Zahlstellen der Freien Volksbühne. Castaai's Panoptikum. Weihnachts-Ausstellung Das scheckige Mädchen. Circns Renz Caplstrasse. Sonnabend, den 39. Dezember� Abends J'/z|(Hv: Parade- GM-VorßellW unter Mitwirkung der hervorragendsten Künstlerinnen und Künstler. Seohs Trahehner Eapphengsto, vorgef. von Hrn. Ilod. liens. Das Schulpferd Cyd, hierauf der Steiger Solen, geritten von Frau Rena-Stark. Dopppel-Voltige v. Herrn Fassio und Herrn Gustav. Mr. Keller, unerreichbarer Handequilibrift. Die voppel- Jockeys Mr. Wassiiliarns und Mr. Glark. Tjo Ni En(Beim Jahreswechsel in Peking). Nene Musikeinlage», Poa ma(gr. Ponny springen). Morgen, Sonntag: Zmri Dar strllungen, Nachmittags 4 Uhr(rr- mäsiigte preis,, siehe plaüate). Die Instigen Heidelberger. Abends 71/2 Uhr: Tjo Ni En. Montag. 31. Dezember(Sylvester), abends 7l\2 Uhr: Gala-Yorstellnng; Tjo Ni En. Fr. Renz, Kommissionsrath. pur noch kurze Zeit J Circus G. Schumann. Friedrich Karl- vier. Texas Jack's American Prairie Life-Show. Morgen Sonntag: 2 gr. Vorstellung. Anfang 4 u. VjS Uhr. Zu der Nachm.- Vorst, auf allen Plätzen ein Kind frei. Montag: Gr. Sylvester-Festvorstellg. Armm-Hallen Kommaudauteustraße Nr. 20. Sale llitd Pcrmiöpiücr 1 von 80—600 Personen. gSI Sonntag, den 6. Januar 1595, Abends 6 Uhr: Vokal-».Jllitrilllleiital-Kottzert mit nachfolgeudem Familien-Kränzchen. Gold schmiede. Am 24. Dezember, abends 10V2 Uhr, verstarb im Katholischen Krankenhause der Silberarbeiter Neritz Schlosser im 51 Jahre. Die Beerdigung findet am 29. De zember, nachmittags 2>/s Uhr, von der Leichenhalle des neue» Louisenkirchhofs bei Britz aus statt. Um zahlreiche Belbeilignng bittet 131/9 Der Dorstand. SozialdemokraMjtt Vereill f. Stralau, pummrisburg n. Pmg Wir bringen hiermit den Mitgliedern zur Kenntniß, daß unser Mitglied, der Glasarbeiter Riciisni Beyer am 26. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag den 30. d. M., nachmittags 2'/z Uhr, vom Sterbehause, Stralau, Dorsstraße Nr. 46, aus statt. Um rege Betheiligung ersucht 53/3 Der Dorstand. Vhtlileilltr Verein iier 1° o ß» iF e s' «. Kerufsgenossen Dentschl. Filiale Berlin. ?lm Mittwoch, den 26. d. M., verstarb nach kurzem Leiden unser Mitglied Louis Piotrowsky. Tie Vcerdiguug findet am Sonntag, den 30. d. M.. Nach- mittags 3 Uhr. vom Trauer- hause Nixdorf, Herrsurthstr. l, statt. Um rege Theilnahme bittet Der Dorstand. Empfehle mein Geschäft in kriscaen Blumen und Kränzen. 5441 L* Robert fyäeyeg«, Nr 2. Mariannenstraße Nr. 2. KB. Um häusigen Jrrthum zu ver- meiden, bitte ich meine Freunde und Genossen, genau auf meine Adresse zu achten. Di'ts-Ki'lmkeitkasse der Cigarrenmacher, Cigarrensortirer und deren gewerbl. Hilfsarbeiter. Vom l Januar 4395 ab sind die Kassenstunden an den Wochentagen von 8— 14 Uhr Vormittags, außer- dem Montags u. Sonnabends von 6—8 phr Abends. 13/3b Der Vorstand. Gesang- und Orchestervereiu. Stimmbegabte Damen und Herren (Familien), welche einem im Südwesten domizilirenden Gesang- resp. Orchester- verein beitreten wolle», in welchem das Rauchen nicht gestattet, dagegen heitere Geselligkeit gepflegt wird, werden ge- beten, ihre Adresse unter(g. O. an die Expedition des„Vorwärts" gelangen zu lassen. 1909b Georg Wagner Uhrmacher» Orauieustr. 63, 1 Tr. Bitte auf die Hausnummer zu achten."IKB Uhren«. Gotdivaare» in solider Ausführung zu den billigsten Preisen. 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Vereinszimmer»och einige Tage frei. Knien Boeker's Restaurant, Namynstr.TS. Verkehrslokal und Arbeitsnachweis der Musikinstrameuten-Ardeiter.' Gemülhlicher Familien- Aufenihalt. Vereiuszinwler. Franz. Billard. Vorzügl. Speisen und Getränke. Mein Ringbier. Carl Tutzauer Admiralstr. 38. SftST Säle für Vereine.-WC{ Kegelbahn noch einige Tage frei. Achtung! Achtung! Kozialdemokratischer Wahwerem für den 4. Kerl. Reichstags-Wahlkreis. Nachricht, daß die Zahlstelle des 169. Bezirks nach Friedrichsfeiderstraße 37 Der Vorstand. Ten Mitgliedern zur von Zimmerling, Fruchtstraße 20, bei Lange verlegt worden ist. Freie Volksbühne. Die Mitglieder der 1. Abtheilung, die die Vorstellung am 3. Feiertag nicht besuchen konnten, haben das Recht, eine andere Abtheilung dieser 5. Serie zu besuchen und können ihr Billet der Urne entnehmen. Sie werden aber dringend gebeten, sich auf die einzelnen Abtheilungen zu vertheilen und die 3., 4., 5. und 6. Abtheilnng vor der 2. zu bevorzugen. Gefunden sind: 1 Tamentaschentuch, ein dicker Hausschlüssel, eine Zigarrentasche. Die Gegenstände befinden sich bei dem Unterzeichneten. Außerdem ist ein Korallenhalsband im Lessing-Theater gefunden worden, das aus dem Bureau des Lesstng-Theaters abgeholt werden kann. Dcu' Vorstand der Freien Volksbuhne. 294/14 I. A.: Julius Türk, 0., Blumenstraße 21. Gllllmelk Verliller ViSmier. Sonntag, den 30. Dezember 1894, Vormittage 10 Uhr, bei Schneider, Annenstrasse 16: igr V e r s a m m l u n g."WW Tages-Ordnung: Geschäftliches. Beschlußfassung über ein Darlehnsgesuch in Höhe von 366 Mark. Verschiedenes. 71/20 �aeklrep. Sonntag, den 30. Dezember, Nachmittags pnnkt 3 Uhr: Große öffentliche Uersammlung in Hoffmann's Zentral-Fcftsälelt, Oranienstrahe!80. Tages-Ordnung: Vortrag des Genossen Raul Jahn. 162/11 Die Agitations-Kommission. SBT* Nach Schluß der Versammlnuz findet geselliges Keisammen- sei» mit Tnnz statt. Herren und Damen als Gäste willkommen. D. O. föchiung, Böttcher! Sonntag, den 30. Dezember, Vormittags 11 Uhr, bei Znbeil, Lindenstrasje 100: �eptlidje Verftmmllltlg kt Böttlher Berlills u. llmgegellü. Pünktliches Erscheinen ist Pflicht. 97j9 Die Memmieeien. Achtung! Filzschnh-Arkeiter. Achtung! Große öffentliche Versammlung Aller in her Filzschuh-Branche beftiistigtell Ptrjom mit Sonntag, de» 30. Dczrmber, Vormittags 10 Uhr, im Lokale des Krrr» Duske(früher Srefeidt, Grenadirrstr. 33. Tages-Ordnung: 1. Der Streik in der Fabrik von Simon u. Co. 2. Diskusston. 3. Verschiedenes. I. A.: Die Agitatienel Co. 125110 Kommission. Dienstag, den 1. Ueujahrstag: Großes Familien- tn Grilndel's Festaaal, Krnnnenstraste Ur. 188, Veranstalter vom Gesangverein ,, Apollonia"(Mitgl. d. Arb.-S.-B), bestehend in Concerf. Gesang, komischen Vorträgen u. Tanz. Anfang 5 Uhr. Programm SO Pf. Programme sind vorher in de» Zahlstellen des Sozialdemokratischen Wahlvereins für de» 5. Berliner Reichstags- Wahlkreis, sowie in den sonst bekannten Geschäften zu haben. 282j9 Bsb-Lshslc A. 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Alexandrinenstr� 74, vorn 4 Tr.. Fuchs. 1919b Mittenwalderstr. 40 Stube, Küche, Korridor u. 1 Küche sof., auch z. 1. 4. 95. ;rdl. Schlafstelle, sep. Eingang, für ?>rn. Pücklerstr. II, 3 Tr. bei Scharf. Arbeitsmilrkt. Müslkinitttlulentell- Arbeiter- Streik! Die Kollegen der Piano-Fabrik von Görs& Kailmann haben infolge Maßregelungen und Lohnforderungen die Arbeit nieder- gelegt. Zuzug ist strengsten« fernzuhalten. 198/13 Die Lohnkommission. AlWng. Tischler! »möbel Fabrik vo Springer, 8, Wrißenf-e. z» hatten. 143/1! Zuzug n. d. Kücheumöbei-Fabrik von Oshar 8, Genrralstrasie...... ist unbedingt fern zu halten. 143/13- Die Kontrollkommission. Ftinrbrlstepper und Kurbelstrppe- N rinnen auf Konfett.-Stickerei bei hohem Lohn verlangt 1757b David Riese, Knrstr. 39. Aelterer Tischler, selbständig, sucht ältere Person ohne Anhang als Wir>h- schafterin, Genossin bevorzugt. l19I3b Engelhardt, Klopstockstr. 66. 10-12 Uhr. 1920b der weiß. Glaser, �„ : mit Bildereinrahmungen Bescheid iß, wird verl. Köpnickerstr. 109a. Energischer, selbständiger Zuschneider, möglichst gedienter Militär, für Luxus- Kartounagen gegen guten Lohn für sofort oder später gesucht. Dauernde Stellung. 46/13 Kartonnagenfabrik, Annaberg i. Erzgeb., Klosterstraße 23 Verantwortlicher Redakteur: I. Dierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Badiug in Berlin, SWV Beuthstraße 2. 2. Btilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Kr. 302. Sonnabend, den 29. Dezember 1894. 11. Jahrg. Parteitag der polnischen Sozialdemokraten. (Schluß.) Ter Vorsitzende. Versus, eröffnet um 4 Uhr nachmittags die Sitzung mir der Mittheilung, daß aus Lemberg ein rekomman- dirus Schreiben eingegangen fei, welches die Post, weil es ohne nähere Adresse ist, nicht aushändigen wolle. Der Delegirte für Zaborze stellt den Antrag, die„Gazeta Roboinicza" in ein Fachblatt für Bergarbeiter umzuwandeln und de» Mitgliedern des Allgemeinen Bergarbeiter-Vereins unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. S o s n a befürwortet den Antrag, weil die Bergarbeiter den Fachvereiuen mehr zuneigten. M o r a w s k i- Berlin bekämpft den An- trag, indem er ausführt, daß, wenn die Gewerkschasts- bewegung erst erstarkt sein wird, neben der„Gazeta Robolnicza" immer»och ein Fachblatt gegründet werden könnte. Vorläufig solle man bei dieser Zeitung bleiben. Ter Parteilag erklärr sick einstimmig gegen die Umwandlung. Ei» Berliner Telegirter bc- antragt ferner, an dem Orte, wo die Arbeiter-Zeitung erscheint, ein Preßkomilee zu bilden, das die Thätigkeit der Redakteure und des Verlags zu konlrclliren habe. Ter Antrag wird angenommen. Ter weitere Antrag, die Parteivorstände dürfen in die Verwaltung der„G. R." nicht gewählt werden, wird abgelehnt, dagegen wird angenommen, daß der Redakteur des Blattes dem Parteivorstand angehört. Es wird ferner verlaugt, der Umfang der Zeitung zu vergrößern, damit auch Lokalangelegeuheiten besprochen und Paria- menlsberichte aufgenommen werden können. Hiermit erklärt sich die Versammlung einverstanden, nicht aber damit, daß die Er- Weiterung des Blattes ohne Preiserhöhung geschehen soll. Ueber die Haltung der„Gazeta Robotnicza" wird eine längere Diskussion geführt, woran sich die Delegirten MorawSki, Karwik nud Golibrocki betheiligen. Man ist einig in der Ansicht, daß die Zeitung vor ollem politisch aufklärend wirken soll. Betreffend den nächsten polnischen Parteitag wird beschlossen, denselben zu Pfingsten I8L6 abzuhalten, und zwar an einem von dem Parlei- vorstand zu wählenten Orte. Zum Schluß erfolgte die Mahl des Vorstandes. Wiese-Posen schlägt vor. den allen Vorstand, der sich bewährt habe, wiederzuwählen. Danach werden gewählt Bersus, Merkowski, Thiel, an Stelle des Schristfnhrers Morawski wird Brzoekwiniewicz, zu Kassenrevisoren Kraszewcli und Golibrocki gewählt. Januskiewicz, der mit anderen Genossen zur Verabschiedung des Tr. Leser aus dem Bahnhof war, über- mittelt die Grüße des ausgewiesenen Genossen; ein anderer Genosse theilt unter dem Beifall aller Genossen mit, daß die Arbeiter Berlins den Sieg über den Brauereiring davon getragen haben. Ter Vorsitzende schließt daraus mit einem dreiiachen Hoch aus die internationale Sozialdemokratie gegen 7>/2 Uhr abends den Parteitag, der gewiß nicht verfehlen wird, seine Früchte unter den gedrückten polnischen Arteiterstand zu bringen. Ter Verlaus des Kongresses war ein entschieden würdiger; nicht ein Mißton mischte sich in die Debatten, so ausführlich auch alle Punkte der reichhaltigen Tagesordnung behandelt wurden. Man sah es den Genossen an, mit welchem Ernst sie an die Sache heran- gingen._ Erster nationaler KerLardeiter Kottgrek in Essen. Essen, 27. Dezember 18S4. Zweiter Verhandlungstag. Den Vorsitz führt Bauer- Weitmar. Folgende Resolution Möller wird einstimmig angenommen: Resolution. „Als in früheren Jahrhunderlen der Bergbau noch in primitiver Art betrieben wurde, ist die achtstündige Schicht die Maximalartcitszeit gewesen; zumeist war jedoch die wöchentliche Arbeitszeit nur 44 Stunden. Während der langjährigen, über mehrere Generalioiie» fortgesetzten Grubenarbeit ist die persön- liche Kraft und Leistungsjähigkeit der Bergarbeiter durch die Freie Dolksdnljne. Ter Kreis von Tramankeru, aus deren Werken den Mit- gliedern der„Freien Volksbühne" das eine und andere geboten wurde, war ansangs recht klein. Nach und nach hat er sich er- weitert, aber groß ist er auch heute noch nicht, und er wird es auch nie rocht werde» können. Innere und äußere Hindernisse verbieten eine bunte Mannigfaltigkeit des Spielplans, und die inneren gewiß noch mehr als die änßcren. Tie Tendenzen des Vereins und die geringe Zahl der im Lause eines Jahres möglichen Vorstellungen müssen dem Ausschuß bei der Auswahl der Stücke Grenzen ziehen, die seine Bewegungsfreiheit überall einenge» und hemmen. Am Tonnerstag nachmittag(3. WeihuachtS- Feiertag) hatte man es mit einer Gabe von Franz Grillparzer gewagt, der aus der„Freien Volksbühne" bisher noch unbekauul war, der aber in der Literatur zu den Alien gehört und von manche» sogar zu den bereits Ueberwundenen gerechnet wird. Ich sage: gewagt; denn wenn es der Ausschuß als ein gesährliches Experiment ansieht, ein neues, noch unausgeführtes Stück eines unbekannten Anfängers in der„Freien Volksbühne" zur Aus- sühiung zu bringen, so gilt dasselbe auch für manches ältere. auf anderen Bühnen längst des Erfolges gewöhnte Stück eines anerkannten Tickters,— und eine Aufführung ron Grillparzer's dramatischem Märchen„Der Traum ein Leben" hätte ich zu diesen Experimente» rechnen zu müssen geglaubt. Ich habe mich erircnlick erweise getäuscht. Die erste Abtheiluna hat das poesievolle Stück am Tvnncrslag mit lebhaftem Beifall ausgenommen, und ich zweifle nun nicht, daß die übrigen Abiheilungen das Urtheil der ersten bestätigen werden. Aber ich kann mich doch schwer entschließen, z» glauben, daß das Grillparzersche Märchendroma seine beifällige Aufnahme nicht vorwiegend der vollendeten Tarstellung und der prächtigen Ansstallnng zu verdanken gehabt hat. Ter Grundgedanke des„Traum ein Leben" erhebt sich viell leicht nicht viel über eine platte Sprichwort- W eishcu.„Die Größe ist gefährlich, und der Ruhm ein leeres Spiel", das»r die Moral, mit der der Dichter sich zum Schluß an sein Publikum wendet. Tiefe halbwahre Weisheit läßt er einen thatendurfiigen, nach Ehre und Ruhm geizenden Jüngling durch einen Traum finden, der den Träumer erst zu höchster Macht und Ansehen emporführt, ihn dann plötzlich in tiefste Schmach und Erniedrigung hinabstößt und ihm so zeigt, wie sich sein Leben gestalten könnte, wenn er sich den Regungen seines zügellosen Ehrgeizes überließe. Ob man hinler der ge- träumten Lausbahn, die den Jüngling durch Lüge und blutige Verbrechen bis aus den Thron führt, noch etwas Anderes zu suchen hat. oder ob sie dem Dichter weiter nichts als ein poetisches Mittel war, um seinen Moralsatz zu illustriren, das muß dahingestellt bleiben. Aber der Gedankeniuhalt des Stückes ist damit nock keineswegs erschöpft. Tie anmulhige Hülle der wohllautenden Verse birgt in sich noch manchen tiefen Kern. Grillparzer verleugnet auch im Drama nicht seinen Eharaklsr als Reflerionslyriler. natürlichen Folgen der Grubeneinflüsse und der Bergarbeit zurückgegangen, so daß es deshalb gegenwärtig mehr als je ge- boten ist, die Arbeitszeit nicht über die achtstündige Schicht hin- aus gehen zu lassen. Nach dem Stande der Entwickelung der Grubentechnik und Produklionsfähigkeit der Bergarbeiter, namentlich der Ein- und Ausfahrt am Seil, der Pferdesörderung und maschinellen Strecken- sörderung, sowie der hoch entwickelten Kunst des Sprengens, ist der Zeitpunkt auch in dieser Hinsicht für vorhanden zu erachten. nunmehr die Arbeitszeit in den Gruben dem Maße der natür- lichen Arbeitsleistung anzupassen. Tie Grubenarbeit ist eine sehr schwere und daher stark er- müdende; dazu kommt die erschlaffende Wirkung der Abwesenheit von Sonnen- und Tageslicht, und das Einalhmen vo» Staub, seuchten, zum lheil verbrauchten und mit gefährlichen Gasen gemengten Grubenlusl. Diese Bedingungen der Gruben- arbeit fordern gebieterisch, die Zeit derselben so zu de- messen, daß die Leistung innerhalb dieser Schicht mit irischen Liräjlen vollzogen werden kann. Eine längere Cchichlzeit als die achtstündige, und zwar vom Beginn der Einfahrt bis zum Beginn der Ausfahrt, verhindert aber die nolbwendige Er- holuug und Wiederkrästigung des Bergarbeiters, fübrt somit zur sorlschreilenden Verelendung, und zwar ohne eine Mehrleistung zu erzielen; weil im gleichen Verhältniß, wie die stelige Ueber- mütung. Erschlaffung und Verlümmerung fortgesetzt wird, das Maß der Arbeitsleistung sinkt. Mit der Schädigung der Gesundheit und Leislungssähigkeit ist die Vernachlässigung der Sicherheit aufs engste verknüpft; denn mit der Ucbcrmüduug und Erschlaffung geht natur- nolhwei.dig ein Nachlaß in der Beobachtung und der Vorsicht einher. Da nun bei den Gefahren der Grubenarbeit die Bergarbeiter für sich selbst einstehen müssen, so besteht dadurch die Ber- pslichlung, durch Einiührung der achtstündigen Schicht die Uebermüdnng zu verhii der», resp. die Vorsichlsübung bis zum Schlüsse der Schicht in die Möglichkeit zu setzen. Weil bei der Bergarbeit die Sicherheit mehrerer oft vo» einzelnen abhängt, so hat hier die Gesetzgebung triftigen Anlaß einzugreifen. Auch deshalb, weil durch die über 6 Stunden hinausgehende Schichtzeit eine Tegeneration, sogar ohne jedes Aequivalent, herbcigcsührl wird. Und da die längere Schichlzeu über 8 Stunden keine Mehrleistung bedeutet, somit die Ein- sührung der achtstündige» Schicht keine Lohnerhöhung im Gefolge hat, so fällt jeder Gegengruud fort. In Erwägung all' dieser Thalsachen erklärt der Kongreß die Einsübrung der Achlstru dcnschicht, einschließlich der Ein- und Ausfahrt, für eine dringende Noihwendigkeil." Ter Antrag ans Festsetzung eines Minimallohnes wird zurück- gestellt bis zu dem Punkt der Tagesordnung, der von den Arbeite- ordnungen handelt. Ter Antrag Schmidt ans Verstaatlichung der Bergwerke wird zurückgezogen. Es folgt der zweite Punkt der Tagesordnung:„Einheitliches Berggesetz für alle Bergreviere Teutschlands, a) Einheitliche Knappschastskasse. b) Einbeitliche Arbeitsort nung." Referent Möller- Waldenburg: Die trüben Erfahrungen, die wir Bergarbeiter in den einzelnen Landtagen mit der Gesetz- gebung gemaclit habe», haben uns veranlaßt, tsicr die Forderung einer einheitlichen Reichs-Bergaesetzgebung zu erhebe». Vom preußischen Landtage ist nichts zu erwarten, den» es giebl in keinem Kulturlande eine gesetzgebende Körperschaft, die so mit dem Volkswillen in Widerspruch sieht, wie der preußische Land- tag. Im Bergbau ist alles differeuziri, alles im eiiijelnen ge- regelt, die Folge ist der größte Druck für den Bergarbeiier. Ein einheitliches Berggesetz muß die nächste Lebinsaufgabe des Bergarbeiters sein, erst dann wird unser Ideal, internationale Regelung des Bergbaues herbeizusühreu, zu erreichen sei». Ei» einheitliches Berggesetz wäre im stände, das National- zesühl zu steigern. So lange mau aus anderer Seite nickt diese Forderung anssllllt,»ntzcn alle patriotischen und ualioualcn Phrasen nichts. Ten Herren mit den patriotischen und nalioiiateil Phrasen s he man auf die Fäuste, nickt ouss Maul. Die Ursacke» der kümmerlicken Lebensweise ließen sich durch ei» cinheillickes Lohngesetz wesentlich mildern, ließe man Tie Tarsiellung Hai mir diesmal einen hohen Genuß be- reitet. Tas Stuck wird im„Lcssing- Theater" ausgeführt, und es sind darin einige der besten Kräfte der Bühne bcscbäsligt. Ten Rnftan, der noch Thaten des Ruhms dürstet, und ein Leben voll durch Verbrechen verdienter Ehren träumt, gab Heinrich P r e ch t l e r mit vollendeter Charakteristik, die den einzelnen Phasen der weck selvollen Laufbahn des Helden mit Verständnip folgte. Rnsians Freund und Dämon, der Neger- sllave Zenga, hatte in G» st a v K o b e r einen ausgezeichneten Vertreter. Tie reiche Gestaltungskraft, die Herr Kober in dieser Rolle entfaltete, fand ten verdienten Beifall. Teresina Gehn er gab Rnstan's Geliebte Mirza, eine kleine Rolle, die aber der Darstellerin trotzdem Gelegenheit gab, ihre künstlerische Bedeutung zu zeigen. Tüchtiges leisteten auch Karl Waldvtv(Mirza'e Bater), Paul Rollet(König von Samarkand) und C l e- mentine Krauß(des Königs Tochter). Die Ausstattung war. wie ich bereits bemerlte. prächtig und wurde gleichfalls lebhaft applaudirt. Br. Womentlulder ans der Kerliuer Ardeiterbewegnng des Jahres 1894. Rasch flieht die Zeit auf leichten Schwingen! Miedergeht ein Jahr zu Ende, zwar nur ein Tropfen, der in das Meer der Ewigkeit rinnt, für den Kämpfenden und Ringende», Bedrückten und Veriolglen aber doch em langer Zeitabschnitt. Auch für die Berliner Arbeiterbewegung war das Jahr 1834 nieder in vieler Hinsicht inbnttsscbwer. Am Schlüsse dieses kurzen und doch langen Zeitabschnittes angelangt, erscheint es wohl an- gebracht, in kurzen Momeiitdildern� die Ereigniffe des Jahres 1894 an dem geistigen Auge vorüberzuführe». Tas neue Jahr begann sogleich mit einem überraschenben Ereignisse. Am 1. Januar traten die Taxameter- Troschlenkutscher in den sogenannte» „Hutstreik" ein, welcher lange Zeit das allgemeine Interesse aus sich lenkte. Am 2. hatte sich der Maurer Wille nochmals wegen der vo» ihm herausgegebenen Festzeitnng vom 18. März 1892 vor Gericht zu verantworten. Von der Ctaatsanwallschafl ivar Revision gegen ein freisprechendes Urtbeil eingelegi und vom Reichsgericht die Wiedernnsnahnie des Verfahrens angeordnet worden. Wille wurde endgiltig freigesprochen. Mit dem 4. brach eine Periode sirenger Kälte herein, welche für das Proletariat verhängnißvoll wurde und manche Opfer forderte. Am 7. bereitete der ch Wahlkreis dem verstorbenen Genossen Erdmann ein ehrenvolles Bcgräbniß auf dem Friedhofe der Frei- religiösen Gemeinde. Am 9. nahm der Reichstag seine segensreiche Thätigkeit nach Beendigung der Weihnachtssenen wieder auf. unverschränkle Koalitionsfreiheit gelten, könnten sie ganz aufgehoben werden. Heule herrscht eine ganz einseitige Jntercssenregelung, die Arbeiter werden in unerhörter Weise ausgebeutet, alles kommt dem Grubenbesitzer zu gute. Deshalb fordern wir. daß sich der Staat einmische. Die letzte preußische Bergnovelle enthält nach dem eigenen Geständniß des Herrn von Berlepsch nicht erhebliche Bestimmungen, die dem Ar- beiler günstig sind. Die Lohnsrage ist gar nicht geregelt. Ter Schwerpunkt liegt in der Arbeitsordnung, nud hier ist den Besitzern weitester Spielraum gegönnt, es kommt wohl kaum vax, daß einmal eine Arbeitsordnung nicht genehmigt wird. Redner fordert einen gesetzliche» Normalloh», der selbsi gezahlt werden müsse, wenn kein Prosit zu verzeichnen ist. Mit dem Steigen des Prosits müsse ein Sieigen des Lohnes Hand in Hand gehen. Erst wenn keine Divitende vcriheilt, b. h. zugesetzt wird. darf der Norwallohn auf den Mimmallohn herabgchen. Weitere Forderunge» für ein eiicheitliches Berggesetz sind außer der Re» gelung der Arbeitszeit die Aichung der Förderwagen und die periodische Revision der Gruben. Der sog. Füllkohlenabzug ist ja verboten, aber für dieTaner de- Verbots besteht keine Garantie. Bei der großen Zahl vo» Unglücken hätte man ein Verbot der Beschäftigung ungelernter Arbeiier erwarten können. Der preußische Landlag hat dies Verbot nicht ausgesprochen. Die Sirafen bedurften und bedürfen dringend der Neuregelung. Sie werden von den Besitzern, also den Jnteressirien, verhängl; sie enibebreu also des Rechtsgrundsatzes der Objektivität. Da aus den Strafen die Ulilerilützuiigskassen gefüllt werden, so war die Mitverwaltiiiig der Bergleute an den Uilterstlitzungskassen das natürliche Aequivalent für die inobjeklive Zumessilng der Strafen. Man hat das Milverwaltiuigörecht abgelehnt. Nach Heuligen Arbeitsordnungen wird bei Wnggoninangel und außer- ordentlichem Bedarf bei Strafe Ueberarbeit verlangt. So sieht es mit der Regelimg der Produktion aus.— Im Knappschasts- wesen liegt die Sache einfach, soweit die Besitzer in Frage komnien. Aber ohne den Willen der Besitzer ist es nicht mög- lich, irgend etwas Gutes auf dem Gebiete des Knappschafis- wesens zu schaffen. Tie Rechte aus der Knnppschaflskasse sind gar gering, wenn man bedenit, daß die Knappschaslskassen Zwangskaffeii sind. Ja, der gezwungenermaßen Beitragleisteiide kann durch fremden Willen der Rechte aus den Kassen verlustig erklärt werden. Wie will man de» Verlust der Knappschcrf-s- kasse mit der Freizügigkeil in Einklang bringe»? Der Einfluß der Unternehmer auf die Knappschaftskassen hätte beseitigt werde» können, man hat es aber nicht gewollt, man hätte za sonst einmal das Interesse der Arbeitnehmer wahrgenouiinen. Redner bespricht schließlich die Arbeiisorduuugen. In einer ?l>beitsordnung Niederichlcsiens ist zehnstündige Schicht festgesetzt, außerdem wird bei Strafe Ueberarbeit verlangt. Die Maximal- Arbeitszeit in der Wocke kann so auf 78 Stunde» ausgedehnt werden. Was für Strafen entballe» die Arbeitsordnungen licht. Eine vom Oberbeigamt Breslau geiiehiiiigte Arbeits- ordnung bedroht mit Strafe denjenigen, der zu spät„zum Gebet" erscheint. Nu» frage ich, wer will mich am Ende des 19. Jahr- Hunderts zum Beten zwinge»? Die Bergpolizei läßt fast AlleS zu wüiischen übrig, die Wohnungen und Waschgelegenheiten be- finden sich oft im fragwürdigsten Zustande. Während der Cholerazeit mußte» viele sogeuannle„Polenbuden" auf Berg» werken kurzer Hand geschloffen werden. Um zu resumire», die Berguovelle hat die Rechte der Besitzer erweitert und die Rechte der Arbcitiiehwer. die vielfach Geivobnhcilsrechte waren, ver» kümmert. Unsere Forderungen bewege» sich in natürlichem Gegensatz zu denen ier Unternehmer, wir Arbeiter aber schaffen Reichihüwcr, die Besitzer erwerben nur Reichthllmer; wir glauben deshalb, daß unsere Forderimge» nach einem Reichsgesetz für Bergwerke voll berechtigte sind.(Lebhafter Beifall.) Horn» Zwickau erwartet ebenfalls vom deutschen Reichstag eine bessere Arbeit, als von den Landlagen und erklärt sich namens der sächsischen Bergarbeiter für ein einheitliches Berg- gesetz. Tas einschlägige Material soll gesammell und in Form einer Eingabe an den deutschen Reichstag gesandt werden. (Beifall) Weitere Redner melden sich nicht, die Debatte wird ge- Die Roth der Zeit spiegelte sich in zwei Arbeitslosen- Versaiiiinlnngen wieder, deie» eine am 11. für die Gemerlschast ver Tapezirer, deren zweite am 12. für die Gewerkschaft der Maurer und Putzer ftausand. Am 13. feierte die Arbeiter- Bildungsschule ihr drittes Stistnugsfest. Genosse Liebknecht hielt die Festrede. Am 14. fanv eine Maurerversanimlung statt, in welcher ein Ausgleich der vielbellaglen Sireiiigkeile» unter den Maurern an- gebahnt wurde. Ter 15. brachte die Sperre über die Taxameter- Fuhrherren seitens der Troschkeiikulscher und eine Arbeilslosen-Versammlung der Filzschiihbrauche. Ter 19. eine Arbeilslosen-Versammlung in Schöneberg. Ter 13. eine solche in Friedenau und eine in Berlin (Brauerei Friedrichshain) mit ihren so verhäugnißvollen Folgen. Jni Reichstage kam am 21. t>ie Nolhsiands-Jnterpellation der Fraktion zur Erörterung und zeiligle eine großartige Noch- siandkdeballe, in welcher die Sozialdemorralie wieder eimnal ge- lödiet wurde. Tie Antwort hieraus gaben am 22. füns große Volksversammlungen im zweiten biS sechsten Wahlkreise, in denen die Abgeordneten der Kreise referirten. In der Ver- sammlung, die im Eiskeller tagte, wurde der Anarchist Dr. Gum« plowicz verhaltet. An demselben Tage wurde der Buchhändler Feist wegen Verbreitung sozialdemokratischer Druckschriiten, über welche die Beschlagnahme verhängt war. mit einer Woche Gefängniß bestraft. Am 23. fand wiederum eine Nrbeitslosen-Verfamniluug in Scköneberg statt, und am Abend desselben Tages eine Volks- Bersammlniig i» der Brauerei Fried» ichshain in der Nothstands- aiigelegenheit, die interessante Enthüllungen brachte und Polizei» lich aufgelöst wurde. Am 24. erreichte der Streik der Droschkenkutscher sein Ende. Die Streikenden unterlagen, da die Verhältniffe stärker waren als sie. Der 25. brachte eine Notbstandsdebatte und zwar im rothen Hause. Ter Nolhstandsanlrag Singer, welcher zur Debatte stand, wurde von der freisinnigen Majorität der Stadtverordneten- Versammlung größtentheils abgelehnt; ebenso der Antrag des Genossen Singer, die Polizei und die Vorgänge am 18. d. M. betreffend. So unerfreulich der Monat Januar abschloß, so viclver- sprechend begann der Monat Februar. Am 3. erschien nämlich zum ersten Male das neu gegründete, von Schippe! geleitete Wochenblatt der sozialdemokratischen Partei Deutschlands,„Der Sozialdeuiolral". Für die Zuknufl der Strbeirer-Vildiiugsschnle war die Generalversammlung am 4. entscheidend. In derselben wurde die Reorganiialion der Schule durch Wegfall der Elementarsächer beschlossen. Am 5. beschloß eine Volksversammlung de» Boykott über die Lokale Buggeuhagen und Sanssouci wegen Verweigerung der Säle zur Abhaltung von Ardeilslvsen-Vcrsaiitinlungen," und zivar für die Dauer eines Jahres. schlössen. Der Kongreß stimmt einstimmig den im Punkt 2 der Tage-ordnung entbaltenen Forderungen zu. Mein er t- Gels enkirchen stellt den Antrag, die Trennung der Knappschaftskassen von der Alters- und Jnvalidiläls- Ver- sicherung aus dem Wege der Gesetzgebung oder Aushebung des Jnvalidenbeitrages und Rückzahlung der bisher geleisteten Bei- träge zu verlangen. Die Knappschaftskasse war früher eine selbständige Ver- sicherungsanstalt, ein« ministerielle Versügung gestaltete den Knapp- schaslskassen die Verbindung nnt der Jnvaliditäts-Bersicherung. Die Bergleute zahlen nun ihre alten Knappschajlskassen-Beiträge und ihre Jnvaliditüts-Beiträge. Wird dann der Bergmann in- valide, so zieht die Knappschaslskaste, im Ober-Bergamt Dort- mnnd wenigstens, bei Auszahlung der Knappschaftsreule den Be- trag der Invalidenrente ab. Von den Bergleuten sind bereits Prozesse angestrengt und zu gunsten der Bergleute entschieden worden. Richtsdestowmigcr beharrt der Knappschaslsvorstaud bei dem Abzug und läßt es stets auf de» Prozeß ankommen. Die Prozeßkosten sind sehr hohe und das Vorgehen des Vorstandes «rrcgt allgemeine Erbitterung. Nach längerer Diskussion, an der sich Schröder- Dort-, mund, B a l l m a n n- Bruch und S ch w i n d t- Bochtim Kamp- Oespel betheiligen, beschließt der Kongreß, den Antrag Meinert bis zu Punkt S der Tagesordnung„Anträge" zurückzu- stellen. Zu Punkt 3 der Tagesordnung»).Unglücksverhütungen und Bewetterungen in den Grube», b) Inspektoren und Llontrolleure von den Arbeiter» frei gewählt und vom Staat« besoldet", ist als Reserent bestellt Schröder- Dortmund. Er bedauert, daß von der Regierung so wenig zur Verhütung von Unglücksfällen gethan werde. In anderen Ländern habe man sich die Errungen- schaften der modernen Technik viel mehr zu nutze gemacht, als bei uns. Der Brunnen werde gewöhnlich erst immer zugedeckt. wenn das Kind hineingesallen ist. Die Besitzer scheute» oft die Kosten für nothwendige Unfallverhütungs-Anlagen. Um Unglücks- fälle zu verhüten seien Inspektoren und Kontrol- leure sehr geeignete Einrichtungen. I» England giebl «S solche Inspektoren, die englischen Kapitaliften seien vernünftiger und hätten sich dieser Forderung der Arbeiter nicht verschlossen. Die Engländer stellten krast ihrer Organisa- tion eine» erfahrenen Man» aus ihrer Belegschaft an, der das gesetzliche Recht habe, die Arbeit an gefahrvollen Süllen zu verbieten. Nach dem internationalen Kongresse in Jolimont in Belgien im Jahre 1330 habe man in Belgien und Frankreich Arbeiter-Juspektorate eingesührt. Er halte dafür, daß man in Deutschland jetzt für je 300 Bergleute eine» von den Arbeitern freigewählten, aber vom Staate besoldeten Inspektor fordere. Dieser Beamte würde ein Sicherheitsbeamter im besten Sinne des Wortes sei», er müßte täglich die Gruben revibiren und täglich an das Oberbergamt berichte». Sei«in solches Gesetz in Kraft, würde jede Frau ihren Mann weniger sorgenvoll zur Arbeit fahren sehen. Der heutige Kongreß werde sich ein Verdienst erwerben, wenn er die Forderung auf- stellt. Der Inspektor dürfe nicht abgelegt werden, wenn er unnachsichtlich Mißstände zur Sprache bringt, nur die Arbeiterschaft darf ihn entlassen. Man brauche nur die englischen Verhältnisse zum Muster nehmen, er könne sich nicht denken, warum man diese Forderung dem deutschen Bergarbeiter versagen sollte.(Lebhafter Beifall.) In der Diskussion fordert S ch w i n d t- Dahlhausen Verstaatlichung der Bergwerke, denn so könne der Staat schon wegen der Konkurrenz mit den Privatbetrieben die Technik zur besseren Bewetterung der Gruben nicht voll anwenden. Möller. Waldenburg begrüßt als erstin Schritt zur Besserung die Einstellung ernes besonderen Wettersteigers im Oberbergamt Dortmund. Aber die Konlrolle sei doch viel zu gering, der Bergmann sehe üjt Jahre lang keine Bergbeamten. Die letzte preußische Bergnovelle enthalte keine Präventivmaßregeln, trotzdem die Uusallzahl in zwei Jahr!'.', vdn 26 bis S3 zestiegen fei. Tre Grubenbesitzer haben gegen die rom Oberbcrgamt Dortmund in Aussicht genommene Einführung von Wettersteigern Einspruch erhoben. Ich empfehle Ihnen deshalb eine Resolutton. in der der preußische H a» d e l s m i n i st e r v. B e r l e p s ch aufgefordert wird, den Rekurs der Grubenbesitzer abzuweisen und den„ W e t t e r st e i g e r" s o f o r l einzuführen.(Beifall.) Prager-Sachsen erklärt sich mit der Resolution Möller einverstanden. Sine starke Organisation werde auch die Er- reichung dieser Forderungen in grelsbare Nähe rücken. Bei der Organisation durfte nicht die Zleligion der Einzelnen in Frage kommen, die Gemeinsamkeit der Interessen sei das einigende Band. (Beifall.) Der Stadtverordneten- Versammlung lag am 3. folgender Antrag Singer und Genossen zur Berathuna vor: „Die Versammlung ersucht den Magistrat, mit ihr in ge- mischter Deputation über die Schaffung einer Organisation zu beralhen, ivelche den Ziveck hat: l. durch die Aufnahme und Fortführung einer Arbeitslosen- Statistik die thatsächlichen Ver- hälrnisse in bezug aus Umfang und Dauer der Arbeitslosigkeit festzustellen, und 2. durch die Beschäftigung Arbeits- loser bei städtischen Arbeilen und in städtischen Betrieben der in immer wachsendem Umfange hervorlretenden Arbeits- lostgkeit nach Möglichkeit zu steuern." Derselbe wurde abgelehnt. Am Vormittag desselben Tages fand eine Arbeitslosen« Ver- fammlnng in Weißensee statt. In Cchöneberg wurden am 10. die Wahlen zum Gewerbe- aericht vollzogen. Dieselben waren für die Sozialdemokraten er- solgreich. In Berlin beging am selben Tage der Wahlverein des «. KreiseS sein 5. Slislungsfest in den Germania-Snlen. Ter 12. brockte zwei gerichtliche Verurlheilungen von Redakteuren des„Vorwärts" und zwar wurde Genosse Schröder wegen Beleidtgnng der Bcrivaltung des Leibregimenls Nr. 100 in Dresden mit einer Geldstrafe von 1000 M. und Genosse Enders wegen Beleidigung der Pvstbehörde mit 6 Wochen Gefängniß bedacht. Am 13. fand wiederum ein Preßprozeß statt. Es wurde Joses Woiczikowski, Redakteur des in polnischer Spracke erschei- neu den Parteiblattes„Gazeta Robotnitza" wegen Verächtlich- machung von Staatseinrichiungen zu 4 Monaten Gefängniß ver- nrtheilt. Eine aus gleicher Ursache erhobene Anklage gegen den Genossen Keßler, Redaklenr des„Volksblalt für Teltow- Beeskow", endete mit Freisprechung des Angeklagten. Gleichfalls am 13. fand eine von der Lokalkommisston ein» berufene Protestversammlung stall, von welcher der am ö. über das Lokal Sanssouci verhängte Bvtzkolt wieder aufgehoben wurde. Am 16. Halle sich abermals Genosse Schröder, Redakteur des„Vorwärts", vor Gericht zu verantworten, diesmal wegen Beleidigung des Ministers v. Berlepsch. Er wurde zu einer Geldstrafe von lvy M. verurtheilt. Die am 19. in Charlottenburg stattgehabten Wahlen zum Gewerbegericht brachten auch hier den Sozialdemokraten einen glänzenden Erfolg. Am 23. wurde dem Genossen Keßler für ein« in seiner Eigenschaft als Redakteur des„Volksblatt für Tellow-Beestow" begangene Bürgermeister-Beleidigung eine Geldstrafe von vv M. zudiklirt. Der 26. brachte die sogenannte„Studenten-Versammlung" in den Germania-Sälen, die viel von sich reden machte. Zum Schlüsse des Monats, am 23., begann Frau Klara Zetkin auf Einladung der Franen-Agilationskommissson einen ZnkluS von Vorträgen! Ter Monat März führte sich mit einem Sozialistenprozesse «in. Ter Biichhändl«r LouiS Abel war der Anfreizung zum ES tritt die Mittagspause ein. In der Nachmittags-Sitzung wird die DiSkusston über die Möller'sche Resolution forlgesetzt. Die in der Tagesordnung aufgestellten Forderungen wie die Resolution Möller werden fast einstimmig angenommen. Zum Punkt 4 der Tagesordnung„Vereinigungs- frage" ist Reserent Bauer- Weiimar. Die Vereinigung aller Organisationen fei wohl der Herzenswunsch aller zielbewußten deulschen Berg» leute. Legien habe es gestern schon als Hauptsache erklärt, eine starke und mächtige Organisation zu schaffen. Jetzt gäbe es im lieben deutschen Vnterlande so viele Organisationen und Organisatiönchen, daß man sie nicht alle bei Namen nennen könne. Auf dem Bergarbeiiertag in Halle, aus dem der deutsche Bergarbeiter- Verband gegründet wurde, beklagte man das gänzliche Fehlen Oberschleflens. Heute seien hier Ober- schlesier anivesend. Sachsen habe aber seine Organisation auch nach dem Hallenser Bergarbeiiertag ausrecht erhalten. Andererseits sei jetzt ein christlicher Bergarbeiter-Verband ge- gründet worden, der aber Sozialisten ausschließe. Dieser Kon- greß sei für alle Bergarbeiter einberufen worden, ohne jeden Unterschied, es wäre vielleickt gut gewesen, ivenn die christlichen Vereine sich hier hälten vertreten lassen. Man scheine sich aber gegenseitig zerfleischen zu wollen. Aus jener Seite habe zwar der Kaplan Oberdörfer ein Zusammengehen mit dem sogenannten sozialdemokratische» Verband in Aussicht gestellt, aber doch nur für Fälle der Roth. Das sei ein Fehler, denn um etwas wirklich Gutes zu erreichen, sei ein Zu- sainmengehen aller Bergleule dringend nothwendig. Sei denn»nn ein Ziisammengehen aller Bergarbeiter möglich? Sehr wohl, iiur alle Sonderinleressen hälten zu verstummen. Die Bewegung müsse eine rein gewerkschaftliche bleiben. Hoffentlich würden diejenigen, die heute noch unter christlicher Flagge segeln, einsehen, daß dort nicht die Interessen der Allgemeinßeit ver- treten werden. Redner bespricht nun die sächsischen Sonder- organisationen und erwähnt die Bestrebungen, die auch in Niederschlesien aus Gründung eines Sonderverbandes hinaus- laufen. Er beklagt den Jndifferentismus unter den Arbeitern selbst. Wer Wohnungen sähe wie die Polenbnden auf den Zechen„Dannenbaum" und„Friederike" in Bochum, der müsse alle Hoffnung aufgeben, daß in de» Arbeiter» das Se.bstgesühl bald erwacken werde, das die Vor- bedingung für eine Organisation ist. Tie Organisation sei heruntergegangen infolge des Jndiffereiitismus. Dabei bade der Verband doch vieles geleister. Er habe eine eigene Presse, die sehr verdienstlich wirke. Traurige Erfahrungen habe man mit dem Konsuniverein gemach», aber auch hier sei der Jndifferentismus schuld gewesen. Die Vereinigung mit den sächsischen und schlesischen 5ia»ieraden sei das erstrebeiiswertheste Ziel; das Saargebiet wolle er außer Betracht lasten, da dort die siskalischen Werke den ungeheuren Druck auf die Arbeiter aus- übten. Freilich Haß und Eifersucht müßten verschwinden, dann würden die heißen Wünsche, die die Bergarbeiter für eine Ver- cinigung hegen, auch in Ersüllung sitzen. Glück ausi(Lebhafter Beifall.) In der Diskussion weist P a tz e l t> Draubauerschaft als Beispiel für die Arbeiter auf die Untsrnehmer hin, die bei ihren Trusts und Ringen auch keinev Unterschied in der Religion des einzelne» machten. Zenker-PlauenscherGrund-Sachsen verwahrt die Sachsen gegen de» Vorwurf von Sonderbestrebungen. Im Prinzip sei er auch für Vereinigung, das sächsische Vereinsgesetz ließe die Ver- einigung nur nicht zu. Redner schließt:„Geistig sind wir mit Ihnen verblinden, wir streben die Fortschaffung der Vereins- gesetzliche» Hindernisse an, gelingt es uns, sind wir sofort die Ihren?" H o r n- Zwickau fügt den Ausführungen des Vor- redners hinzu, daß der sächsische Verband ein« ein- getragene Genossenschaft sei und infolge dessen die Rechte einer juristischen Person besitze. DaS Statut sei vom Ministerium genehmigt imd die Polizei habe kein Recht zur Auflösung. Dieses Vorrecht dürfe man nicht ohne weiieres hingeben. Sei die Reaklio» in Sachsen erst gebrochen, werde man sofort dem Vorband bcilreten.(Beifall.) L e tz n e r- Niederschlesien berichtet aus seiner Heimath. Tie dortige Arbeiterschaft sei wohl politisch reif, aber gewerkschaftlich noch etwas zurück. Er hege die zuversichtliche Hoffnung, daß es auch nach letzterer Richtung besser werden w,rd. Ein einziger großer Bergarbeiter-Verband sei das erstrebenswerihe Ziel. Schröder- Dortmund nimmt die sächsischen Bergarbeiter gegen den Vorwurf von Sonderbestrebungen in Schutz. Gerade die sächsischen Kameraden hätten stets das Solidaritätsgefühl hochgehalten. Klassenhaß beschuldigt, wurde jedoch am 6. von dieser Anklage freigesprochen. Am 12. erfochten die Genossen in Nixdorf bei der dortigen Gemeinderathswahl«inen glänzende» Sieg. Am 13. lrat in Berlin der erste Kongreß von Angestellten im Gastwirlhsgeiverbe zusammen. Mit einer Haussuchung nach Londoner Liederbüchern wurde am 14. der Buchbinder Weinberg beglückt. In Charlottenburg fand am 16. eine Arbeitslosen-Versamm» luna statt, während in Berlin die rothe Nummer des„Sozialist" konstszirt wurde. Die Märzfeier wurde am Sonntag, den 18., bei herrlichstem Wetter in großartigster Weise begangen. Ueber 300 Kränze deckten die Gräber der Märzgefallene»; rm 2., 3. 4. und 6. Wahl- kreise fand«» gleichzeitig 10 Volksversammlungen statt. Ter 3. Wahl- kreis hatte«in Märzfest veranstaltet. Versammlungen und eiern fandei» in der Umgegend von Berlin in großer ahl statt. A», 19. fanden in Groß- Lichterfelde Gemeinderaths- Wahlen statt. Den Schluß des Monats bildete das Ostersest am 2S. und 26, an welchen Tage» die zweite Generalversaniiiilung des Ver- bandes aller in der Kürschnerbrauche beschästigten Arbeiter und Arbeiterinnen, sowie der erste Verbandstag des gentralverbandes der Seiler, Reepschläger und Hänser Teutschlands in Berlin lagren, sowie die abermalige Vernrtheilung des Genossen Schröder, Redakteur des„Vorwärts", diesmal wegen Beleidigung der Bergivcrksdirektio» Saarbrücken, zu S00 M. Geldstrafe. Ter Monat April war neben Abhaltung politischer und gewerkschaftlicher Versammlunge» vorzugsweise den Vorbereitungen zur Maifeier gewidmet. Am 7. wurde dem Genossen Keßler als verantwortlichem Redakteur des„Volksblatt für Tellow-Beeskow" eine besondere Werlhschätzung zu theil. Derselbe war am 23. April wegen Bürgermeister-Beleidigung in erster Instanz zu vv M. Geld- strafe verurtheilt worden. Das Landgericht erhöhte dieselbe auf 200 M. Der 19. brachte den Schluß der Reickstagssession. Am 24. wurde der Lithograph Paul Henning von der An- klage, den§ 1S3 der Gcwerbe-Ordnung verletzt zu haben, frei- gesprochen. Beantragt waren 3 Monate Gefängniß. Weniger Glück halte ein Maler, welcher am 26. wegen Aufreizung zum Klassenhaß. begangen in einer Versammlung von Schlächtergeselle», ein Jahr Gefängniß erhielt. Der schöne Mona« M a i begann rauh und trübe, wodurch die Feier des 1. Mai in etwas beeinflußt wurde. An diesem Tage fanden laut Beschluß der Gewerkschastskommission zum ersten Male Vonnittags Grnppenversaminlungen der Gewerk- schaften statt; daneben hielten einzelne Gewerkschaften vor- und michuiittags besondere Äcrsammlungeii ab. AbendS hatten die politische» Orgaiiisalionen enlfprechende Veranstaltungen ge- troffen. Tie Maifeier nahm einen glänzenden Verlauf. Eine besondere Maifestgabe leisteten sich die Ringbrauereien Abg. Legien-Hamburg: Die Vereinigungsfrage fei wohl ans die Tagesordnung gestellt, weil man die Betheiligung der christlichen Vereine erwarlet hatte. Diese Vereine seien nicht ver- treten, deshalb sei wobl die Frage hinfällig. Warum seien nicht wenigstens die Gründer der christlichen Vereine, die Herren Oberdörffer und Genossen, hier erschienen? Dieser Kongreß wolle doch nur die Lage des Bergarbeiters verbessern. Also das gleiche Ziel wie jene Herren. Warum haben uns jene Herren nicht zu bekehren versucht. Sie hallen ja unsere Bestrebungen für Utopien, den Gedanken an eine zukünflige Gesellschaft für ein Fanlasie- gebilde. Gegen Fantasiegebilde läßt sich doch leicht ankämpfen. (Bravo.) Sie können es nicht, sie können uns nicht beweisen, daß der Bergmann evangelisch oder katholisch»othleidei. Der Bergmann leidet gerade so große Nolh, wie alle Arbeiier. Aber es ist ganz klar, jene chrffilicken Organisationen haben nicht den Zweck, den Arbeilern zu Helsen, sondern die Organisalion zu behindern. die wirklich nur die Besserung der Lage ihrer Miiglieder an- streben. Auf die sächsische Sonder-Organisation ist so großes Gewicht nicht zu legen, da sie auf dem gleichen Boden wie der alte Ver- band aufgebaut ist. Die Organisation des alten Verbandes ist nicht leistungsfähig. II 000 Mitglieder zahlen nionailich 30 Pf. Beilrag, die Erträge werden von dem Verbandsorgan ver- schlungen, der christliche Berein, der keine Zeitung zu unierhalten hat, wird bald über mehr Geld verfügen. Ohne Erhöhung der Beitröge wird es nicht gehen. Sie werden ein- wenden, bei den schlechten Löhnen sind höhere Löhne nicht angängig. Ich sage, wollen Sie höhere Schichilöhne, müssen Sie erst Op>er bringen. Die Tabakarbeiter, deren Organisalion viel stärker ist, zahle» 20 bis 25 Pf. pro Woche, obivohl die Löhne der Tabakarbeiter viel geringer als die der Bergleute sind. Bei kleinen Beiträgen werde» Sie»ie eine leistnngssähige Organisatio» bekommen. Können Sie Unterstützuiigen zahle», werden Sie mehr Miiglieder bekommen, die niigstlichen Gemnlher werden sich dann nicht mehr fernhalten. Die Gefahr der Maß- regelung wird auch in dem Maße geringer, je mehr Mitglieder eine Organisalion bekommt. Auch die christliche Ver- einigung wird von Voriheil für die Organisalion des allen Verbandes sein. Diejenigen. die dort zum ersten Mal den Segen der Organisation überhaupt empfinden, werden später zu uns kommen. Ten Mulh brauchen Sie nicht sinken lassen. Die Miigliederzahl ist freilich von 53 000 ans kl 000 gesunken. Die 11000 aber sind Kerntruppen. Jetzt beginnt die emsige fleißige Arbeit, die Mitglieder zu ver- mehren. Das gleiche Bild hat sich auch>» anderen Gewerben gezeigt. Schließlich sind die alten Organisationen wieder stets gewachsen.(Beifall.) Die Diskussion wird geschlossen und folgender Antrag einstimmig angenommen: Der Kongreß erkennt den Verband deutscher Berg- rind Hüttenarbeiter als richtig« Organi- sation an und beschließt, mit aller Kraft tazu beitragen zu wollen, daß die Organlsation so erstarkt, daß die heute be- schlossenen Forderungen und Resolutionen der Verwirklichung entgegengesührt iverden können. Damit ist Punkt 5 erledigt. Es folgt Punkt V: Anträge. Eine Resolution der schlesischen Delegirten gegen die Ueber» arbeit wird angeiiommen; ebenso eine Resolution, die besser« Waschvorrichtungen für die Bergleute besonders im Ober» Bergamls-Bezirk Breslau fordert. Ein Antrag auf Veröffcntiichlmg aller auf die Bergleute bezüglichen Berordiuingen auch in polnischer Sprache wird ge» nehmigt. Ebenso wird ein Antrag auf„Einberufung eines Bergarbeiter» Kongresses in jedem Jahre" angenommen. K a f c z y k- Oberschlesien beantragt, ein Organ in polni« scher Sprache herauszugeben. Der Verbandsvorsitzende Schröder erklärt, daß der Ver- bandsvorstand schon Schritte dazu gethan hat. Ter Antrag wird dem Verbandsvorstand übernnesen. Der Antrag Echwindt, die Versta itllchung der B«rg,v«rki auf die Tagesordnung des nächstjährigen Kongresses zu setzen. wird abgelehnt. Der Kongreß beschließt, die Kongreßverhandlungen billig gedruckt herauszilgeben. Ein Antrag Pokere» aus Beseitigung des Trucksystems wird der noch zu wählende» Geschäslskommission zur Berücksichtigung überwiesen. Eine Resolution, die angemessene Behandlung von den Beamten der Zeche» fordert, wird angenommen. Auf Antrag Horn ivird eine fünfglicdrige Kommission ein- gesetzt, die alle Forderungen und Beschlüsse zur Durchsührnng bringen soll, Eingaben nn den Reichstag, an das Miiuslerillm besorgen soll, noch nicht völlig geklärte Anträge und Wünsche mit der Aussperruiig der Böttcher, welche diese mit der Prokla» mirung des Generalstreiks beantworteten. An, 3. gaben in, 6. Wahlkreise gegen 2000 Personen de» wackeren Genossin Agnes Handschke das letzte Ehrengeleit. Infolge der Aussperrung der Böttcher verhängten am 6. die Rixdorfer Genossen den Boykott über die dortige Bereinsbrauerei. Am 7. brach in Nieder- Schöuweide der große Streik der Arbeiter der Kuhiiheim'schen Fabrik aus. Arn 3. begann der sensationelle sogenannte Gummischlauch- Prozeß, iu welchem am 9. wegen Beleidigung der Polizei auS Anlaß der Berichterstattung über die Vorgänge am 18. Jainiar im Anschluß an die Arbeitslosen- Versammlung im Friedrichs- Hai» die Genossen Zachan, Keßler und Schmidt(Redaktcure des„Sozialdemokrat",„Volksblatt sür Teltow- Beeskow" und „Vorwärts") zu 2, 3 und 5 Monaten Gefängniß, außerdem Schütte(Redakteur der„Allgemeinen Fahr-Zeitung") zu 150 M. Geldfiraie verurtheilt wurden. Zu Pfiiigsten am 13. und 14. hatte Berlin seltene Gäste. An, 14t begann nämlich der fünste internationale Bergarbeiter- Kongreg in den Konkordia-Sälen seine Verhandlungen. Von weittragender Bedeutung war der iS. An diesen, Tag« erfolgte die Massenentlassung von Brauerei-Arbeitern seitens des BieuingeS. An demselben Tage wurde auch Genosse Zachan, Redakteur des„Sozialdemokrat", wegen Ausforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze zu sechs Monaten Gesängniß veruriheilt. Als Antwort auf die erfolgte AuZsperrnng der Brauerei- Arbeiter wurde am 17. der Boykott über die Brauereien Schultheiß, Böhmisches Brauhaus, Gregory, Schloßbrauerei Schöneberg. Vereinsbranerei Rixdors und Spandauer Berg- brauerei verhängt. Am gleichen Tage wurde der Streik der Arbeiter der Kuhiiheim'schen Fabrik in Nieder-Schöniveide zu Ungunsten der Arbeiter beendet. Am 18. sanden neun Volksversammlungen in Angelegenheit de? Bierboykotis stakt. Genosse Theodor v. Wächter hatte sich am 2l. vor Gericht zu veranlworten. Derselbe war angeklagt, zum Ungehorsam gegen die Gesetze ausgefordert zu haben, wurde jedoch frei- gesprochen. Genosse Adler erhielt am 28. wegen Beleidigung von Aerzien der Charilee eine Gcfängnißstrafe von t Monat. Von der Anklage der Bcschimpsung der evangelischen Kirche wnrde am 26. Genosse Rodert Schmidt. Redakteur des„Vor- wärts", freigesprochen. Te-gleichen wurde Genosse Theod. Glocke als Verleger des„Buch der Frelheit" von der Anklage der Golteslästerung und der Ausreizniig zum Ungehorsam gegen die Gesetze frelgesprochen. Beantragt war 1 Monat Gefängniß. Die G-nosfin Fräulein Ottilie Baader dagegen wurde am 29. wegen Ausreizniig zur Gewalt zu 100 M. Geldstrafe oder 20 Tag« Gefängniß verurtheilt. (Schluß folgt.) berücksichtigen und den Ort und die Zeit deS nächstjährigen Kongresses bestimmen soll Es werden pewöblt: Möller, Bauer, Schwinvt, Blinken und Känipchen.— Eine Resolulion, die den Abstimimmgsmodus auf dem letzten internationalen Kongresse verundeilt und eine Aenderung iordert, wird angenommen. Damit stnd die Arbeiten des Kongresses erledigt. Horn- Zwickau hält das Schlußwort. Mit einem drei- fachen„Glück auf!" schließt er die Verhandlungen. Schluß 8 Uhr._ DeiTammlungen. Der Verband aller in der Metälliudnstrie beschäftigten Arbeiter hielt am 12. Dezember eine Branchen-Versammlung der Former, Kernmacher und Berufegenossen ab. Auf der Tages- ordnung stand ein Referat des Genossen Millarg über das Thema:„Tie wirthschafllichen Umivälznngen und ihre Begleit- ersch einungen." Die Anssührungen des Redners wurden von der Versammlung mit großem Interesse verfolgt. Eine Diskussion über de» Vortrag fand nicht stall. Unter Vereinsangelegenheilen wurden einige Mißstände von Gießereien hervorgehoben. Kollege Körsten forderte die Versammlung zu einer krästigen?lgitatio» für die gewerkschaftliche Vereinigung auf. Der Kollege Stobsack bedauerte, daß dem Vertrauensmännersystem so wenig Beachtung geschenkt wird. Ter Verein zur Regeknug der gewerbliche» Verhält- uisse der Töpfer und Vcrnfsgenossen hielt am 18. Dezember in Charlottenvurg eine Wanderversammlung ad, in der Kollege D a u d e r t über:„Kapital und Arbeit' sprach. Nach einer kurzen Debatte wurde unter Verschiedenem auf die Beschlüsse der letzten öffentlichen Berliner Versammlung hingewiesen. Zum Schluß fand der Antrag des Kollegen Probst: die Versamm- lungen nicht regelmäßig jeden Monat, sondern in Zukunft nur nach Bedarf stattfinden zu lasse», einsiinimige Annahme. Für die in der Schuhindustrie beschäftigte» Arbeiter und Arbeiterinne» tagte am 27. Dezember eine Versammlung. Das Referat halte Genosse Millarg übernommen, der in interessanter Weise die Folgen der wirthschafllichen Um- mälzungen schilderte. An> Schlüsse seines Vortrages empfahl Redner für sämmtliche Branchen eine zentrale Organisation. In der Diskussion nahmen die Kollegen Schulz. Schädlich und W i l l m e r das Wort, um die Schäden in ihrem Berus ein- gehend zu besprechen. Sodann unterbreitet der KollegeHilde- b ran dt der Versanimlung den Bescheid des Polizeipräsidenten, ans eine gegen die Ausiösung der letzten Versammlung gerichtete Beschwerde, die nachfolgenden Wortlaut hat: Berlin, 19. Dezember 1894. Ew. Wohlgeboren gereicht auf die Eingabe vom S. d. M. zum jBescheid, daß ich die Auflösung der öffentlichen Schuh- macherversammlung am 4. d. M. für begründet erachte. Indem der Referent Willmer unter Androhung der Sperre die an- wesenden nicht organisirten Schuhmacher zum Beitritt zum Fach- verein, einer Vereinigung zur Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen, zu bestimmen versuchte, machte er sich einer aus§ 153 der ReichS-Gewerbc-Ordnung strafbaren Handlung schuldig. Aus diesem Grunde und weil Willmer die anwesenden Fachvcreinsmitglieder �ur event. Verhängung der Sperre über die, der Organisation nicht beigelretenen Schuhmacher aufforderte, war der überwachende Beamte zur Auflösung der Versammlung durchaus befugt. Der Polizeipräsident, v. Richthofen. Hierzu gab Kollege Willmer die Erklärung ab, daß es rn jener Versammlung sein Bestreben war, die über die Streikbrecher verhängte Sperre zur Aufhebung zu bringen, ihnen die Organisation zugänglich zu machen. Natur- lich sei er aber der Meinung, daß gegen solche Elemente, die stets nur der kämpfenden Arbciterschait bei jeder Gelegenheit in den Rücken fallen, in der entsprechenden Weise vorgegangen werden müsse. Nixdorf. In dem Bericht über die Volksversammlung, die bier am 17. Dezember tagte, ist irrthümlich mitgetheilt, daß die Tellersammlung den ausgesperrten Brauerei-Arbeitern überwiesen ist. Dieser Antrag wurde abgelehnt und zwar im Hinblick aus die Verpflichtungen, welche die Partei in pekuniärer Hinsicht noch zu ersüllen hat. «tlllsch»«»(VIIMjaf*. Sonntag, den 80. Dezember, Abends«it Uhr, in den Arwtnballen, kommandantenslr. so: Versanimlung. Bortrag des Herrn Dr. ffl. Hermann über; Das Baden in gesunden und kraulen Dogen. Zird»itrr-SiI»,»ig»tch,>I». s. und 4. Eonnabend im Monat. Abend» «— loüUdr: 91 erb> e et) ute, Müllersir.>7«a, und Süd-Ost-Schule ESaldemarstr. u: Aalurerlenntnih. I. und 8. Sonnabend im Monat, Abend» «Ü— iO/i Uhr: Distuiir-Uedungen. Bit allen Unlerrichlsfächern werden neu» Tbeilnihmer, Tomen und Herren, ieder Zeit ausgenommen. Arbeitir Könvrrbn»« Krrii»» und ziingrgend. Vorsthender Ad. sleupiann, Taiewalterslr. 8. Alle Aenderungen im BereinSlalender sind zu richien an Jriedri» Korluin, Wonieussetsir.«9, v.» Tr. S«»»abe»d. Abend» o— Ii Uhr: veiunpsl mibe und Autnodme neuer Mitglieder,«esaugverein E»meralda, Stlsilersiiabe bei Hänide.—(Brün e Eiche, Siixdors, Herinarnsir.«». Elte Herrsurihslrabe. bei Heielau».— Lvrania, Landsberger Alle« 166 bei Eoibel.— SongeS-Ech», Naunynfir.«s, bei Znbeil. -«tu d zu, Palcwalterftr. 8 bei llteumann.—(Seiundbrunner Männerchor, Prinzen- Allee 10 bei Bergmann— Männer-Kesang- verein Liedertian, in Brandenburg a. d. Hanel. Wengert'S BoltS- sarien, Bergsir.«.—»esongverein Sängerbatn, Steichendergerftr. i«, bei Hossmann.-- Deutsche Eiche It. Brandenburg a. d. Havel, Hauptsirab«. ilvwlel'« Salon.— Frisch auf I, Friedrichsberg, Ruimnelsburgersir. all bei Emil»teumann— Sängerlufi. Lulkcnwatde, Beelitzersir. 84 bei Ono Schulze.— Mönner-Eesangveretn Fortschritt,»önigSbergerftraße 8» bei Leichnitz— Hand in Hand II, Friedrichiberg, Friedrich Karlstr. ll bei Emil Hetnecke. Kund der geselligen Audeiteuvereine Kerlin« und jlmgegend Alle Zuschrtsicn, den Bund der geselligen Arbeitervereine belrefsend find zu richten an: P. Eent, Adalberifir. o«. Konnirdrnd: Eesclliger Berein Deutsche Eiche, Rilterstr. S7 bei Bauer.— Thealer- verein Lesfing, Blumenfir. 40 bei Tarmuschat(jeden». und 4. Sonn- abend). «rsana-, Durn- und gesellig« ziereine. Konnabend. Turnverein Fichte(Mitgl. d. Teutlchen Arb.-Iurnerb.) turnt heute: l. Männer-Abth. Friedentir. 87.— 8. Mänuer-Ablh. Boeclhslr. 21.— 2. LehrlingS-Abth. Stalitzersir. 68—58.—(Bemischier Ehor Gleichheit, Abend» a Uhr, Zwinglislraße oa im Reliauranl. Miiglieder werden daselbst aufgenommen.— Blihnenverband N o r ma n t a, jeden letzten Sonnabend im Mona! Sitzung bet w. Leichnt«.«önig»berg-rsir. 3».— Privat-The-ier-Gesellschast Schiller, Sitzung Abb», o Uhr bei Linle, Pulibuscrstr. it. Aach der Sitzung: Fidelila». — PrivaliheaievGcsellichast Toni, Sonnabend ojj Uhr bet Zuleger, Swine- münde, sirohe i««.— Th-al-rverein Lutiige Brüder II, Sitzung jeden Sonnabend, Abends o Uhr, bei Reichelt, Hasenhatde Nr«6/47..» Thealergiselllchaft Immer Lustig, Abend» o Uhr, Sitzung bei Ruht, Chorinersir. 68.— Bergnu.ungSklud Ostend, Sitzung Abend» s Uhr im Restaurant Rudolf, straulstroße o.— Geselliger Arbeiter- Berein Proletarta, Sonnabend nach dem l. und t». jeden Monat», Abend« 9 Uhr bei Sommer, Grünstrabe 21.— Rauchllnd Blaue W o lt e II, Sitzung jeden Sonnabend 9 Uhr im Restaurant F. Steuer, Welnsirahe 23.— Rauchllub Dornröschen, jeden Sonnabend, Abend» » Uhr, bet F. Krüger, Fennfiraß« 6.— Slatllub BlaueBlouse, jeden Sonnabend bei Wuille, GraudenzerNr. 3.— Slatllub Revolution. Sitzung jeden Sonnabend o Uhr bei LanleU, Grünauerstrabe 27.— githerlluo „Örlla", jeden Sonnabend Abend oll Uhr Uebung bei Kohmann, Zimmer- siraße 22. Ausnahme neuer Mitglieder.— Bergnügungsverein Alpen- vetlchen, jeden Sonnabend Zjio Uhr Sitzung bet Ruppin, Blumenstr.«». vansil storonlnx Krof», 0r»nl«n«ir»»8« i>, Uö-l«»st«a hvw Lördej Kl. 9. Besögende ere velkotnne. Danske Aviser lindes i Lokale!. Aentscher soiialdemotzrotischer Keleklnb i» Pari». Rue St. Sonore 8i4 Cafe du Lion de Beljort. Jeden Sonnabend öffentliche Ber- sammlung: reiche Biblioihek, Zeiiungen, sranzöstscher llnierrichr. London. Ter einzige hiesige iozialdemotralische Berein Londons, der alte, von Karl Marx und Frtedr ich Engels 1S4S mitbegründete Kommunistische Arveiter-Bildungsverein befindet sich nach wie vor 49 Tottenham Street, Tottenha««ourt Md., W. London. VertntMzkesi Die mechanische Kraft des Niagara-FallcS. Di» An lagen, welche die Niagara-Eesellschajt mit einem Kostenaufwand von 12 bis 16 Millionen Mark zur technischen Ausnutzung de in dem großen Wasserfalle vorhandenen mechaniscken Kraft her stellen ließ, sind nunmehr so gut wie beendigt. Nach dem Be richte des berathcnden Ingenieurs der Gesellschaft, Professo Fordes, sind drei Turbinen, j ede von 5000 Pferdekraft, zur In betriebsielluug fertig. Das Wast'er wird diesen Turbinen durch gewaltige Stahlrohre von 2,1 Meter Durchmesser mit einem Ge- fäll von 42 Meter zugesührt. Die gewonnene mechanische Kraft wird in Elektrizität umgesetzt und in dieser Gestalt den Abonnenten zugeführt. Der Berechnung nach wird sich in Buffalo, 24 Kilometer von den Niagara-Anlagen, die Kraft der letzteren noch erheblich billiger stellen als Dampftraft, sodaß man auf den An- schluß der meisten industriellen Anlagen dieser Stadt fest rechnet. Dadurch allein schon würde die von den drei Turbinen erzeugte Kraft voll in Anspruch genommen. Die Gefellschaft hat indessen die Berechtigung, noch weitere 200 000 Pserdekräfle auf der amerikauischen Seite dem Fall zu entnehmen, und ferner läßt sie einen Plan ausarbeiten, um 250 000 Kräfte an der kanadischen Seite zu gewinnen, die in Gestalt von Elektrizität nach den jetzigen Anlagen übergeführt werden sollen. Das großartige Unlernehmen dieser Kraftgewinnung ist bereits von der Spekulation ausgenutzt worden, indem die Bodenpreise in der Umgebung der Anlagen außerordentlich gestiegen sind, in der Voraussetzung, daß sich dort Fabriken ansiedeln werde». Uebrigens wird man dem Niagara noch viel Kraft abzapfen können, denn seine Gesammtkraft wird aus 15 Millionen Pferdekräste geschätzt. Vviefkalten dev Dedttltkion. Wir bitten bei jeder Anfrage eine«hlsfre(Zwei Buchstaben oder eine Zahl) anzugeben, unter der die Aniwort ertheili werden soll. Tie juristische Sprechstunde wird heute von 12 bis 1 Uhr Mittags abgehalten. Am Montag fällt die Sprechstunde au». 100. Wann sind die Forderungen deS Arztes entstanden. F. D. 100. Vernmthlich wird der Mann die Erlaubniß seiner vorgesetzten Behörde erhalten haben./ A. R. vi. Gehen Sie damit nach dem Reichsversicherungs- amt in der Königin Älugiistastraße. »nd Adalbertstraße. Mt~ Eigene Kctriebomerltstätkrn errichtet nach den Grundsätzen der betheiligten Arbeiterschaft. Beeile Bedienung— Feite Prelle. 809L* Lur Winter-Saison««pw« Paletots, Mäntel aller Art. Anzöge, Hosen in alle» Preislage». Zu Festgeschrnke» besonders geeignet empfehlen: Schlafröcke in elMießei Anfertigung nach Maass. 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