Nr. 254 39.Jahrgang Ausgabe B Nr. 125 Bezugspreis: Bierteljährl.150,- M., monatl.50, frei ins Haus, voraus zahlbar. Boft bezug: Monatlich 50,-., einschl. 8u stellungsgebühr. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- u. Memel gebiet, sowie Defterreich u. Lugemburg 84, S., für das übrige Ausland 102, Bostbestellungen nehmen an Belgien, Dänemart, England, Esth land, Finnland, Frankreich. Holland, Lettland, Luxemburg, Desterreich, Schweden, Schweiz, Tschecho- Slowakei und Ungarn. Der Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Zeit", der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und der Beilage Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin" Abend- Ausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt Groß- Berlin 70 Pt. auswärts 80 Pfennig Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillegeile toftet 16, M.- Reklamezeile 80,-. Aleine Anzeigen" das fettgedrudte Bort 4, M.( zulässig zwei fettger, druckte Borte), jedes weitere Wort 3, M. 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Technisch gesprochen, stehe der augenblickliche Der Landwirtschaftsrat gegen billiges Brot. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Verlag, Expedition und Inferaten. Fernsprecher: Abteilung Morisplak 11753-54 Neuer Vorstoß der Rechten. = # du Die Rechtsopposition rüstet im Reichstag zu einem neuen Sturm gegen das Kabinett Wirth. Nach den bisBündnisbestrebungen der Kleinen Entente. Reparationen der Meinung, daß Deutschland bezahlen müsse, aber herigen Dispositionen sollte heute die Erklärung der Regie man förine nicht zu gleicher Zeit von Deutschland Bezahlung ver rung über Genua und die Pariser Verhandlungen nicht mehr London, 31. Mai.( WTB.) Morningpost" erfährt von langen und es ruinieren. Frankreich müffe laut erklären, daß es zur Debatte gestellt werden. Es sollten nur noch kurz formuzuverlässiger Seite, daß ein formeller Bündnispakt auf die Absicht habe, mit Deutschland zufammen zu arbeiten. Schließlich fierte Erklärungen der Fraktionen abgegeben werden, bevor eine beträchtliche Reihe von Jahren innerhalb der allernächsten Tage fragte er Poincaré, ob er die Erflärungen Moblemaires man zur Abstimmung über das Vertrauens zwischen den Regierungen der Tschechoslowakei und Jugo- über den Eintritt Deutschlands in den Böllerbund annehme. Die Antwort Poincarés lautete, dem Abgeordneten würde potum der Deutschnationalen schritt. Diese Anordnungen lawien abgeschloffen werden wird. Dieser Pakt werde die En- seinerzeit die Instruktion der Regierung übermittelt werden. waren schon gestern vom deutschnationalen Abgeordneten tente, die augenblidlich zwischen den beiden Ländern besteht, zu einer jodada mo paschulz Bromberg heftig angegriffen worden. Heute erhob viel engeren Union umwandeln. Es werde zuversichtlich erwartet, Der französische Delegierte des Bölferbundes Noble maire fich nun nach Erledigung des deutsch- dänischen Grenzvertrages daß Rumänien sich diesem Patt bald anschließen werde. erklärte über die Frage des Beitritts Deutschlands in der Führer der Deutschen Volkspartei Beder Hessen, um den Bölkerbund, Deutschland fönnte erst Mitglied werden, sobald zu beantragen, daß die Debatte wiedereröffnet und die neue es, wenn auch zweifellos nicht den Wortlaut des Vertrages in feiner Note der deutschen Regierung an die Reparationskommission Gesamtheit, fo doch mit hinreichender Aufrichtigkeit seinen Geist zur Behandlung gestellt werde. Dittmann von den Unabdurchgeführt hat, und man wisse nur zu gut, daß Deutschland noch hängigen schlug vor, den Fraktionen Gelegenheit zu geben, zu nicht so weit ift. der neuen Reparationsnote Stellung zu nehmen und nächsten Tages eine weitere Sigung abzuhalten. Damit erklärte fich Becker- Heffen einverstanden. Schultz- Bromberg schlug vor, die Sigung, die die letzte vor den Pfingstferien sein soll, schon heute abend abzuhalten. In diesem Meinungsstreit fiegte schließlich der Vorschlag des Genossen Hermann MüllerFranken, daß die Angelegenheit dem Aeltestenausschuß zur Er ledigung übergeben werde. Der amtierende Präsident Löbe übergab den Borsiz dem Bizepräsidenten Dr. Bell, um sich mit dem Aeltestenausschuß zu einer Beratung zurückzuziehen. Der Reichstag erledigt inzwischen seine sonstige Tagesordnung. Das überraschende Borgehen der Opposition wird damit begründet, daß die neue Note an die Reparations. tommiffion Dinge behandle, die im Auswärtigen Aus schuß des Reichstages gar nicht besprochen worden seien. Ins besondere würden im Punkte Finanzkontrolle Zugeständnisse gemacht, die das Erträgliche weit überschreiten. Der Deutsche Land- Um 2 Uhr fommt der Aeltestenausschuß aus seinem Be ratungszimmer zurück und später soll eine neue Geschäftsordnungsdebatte eröffnet werden. Es besteht die Abficht, zu beantragen, eine Besprechung der neuen Note erst Dann anzuberaumen, wenn sich die Regierung bereit erklärt hat, über sie Erklärungen abzugeben. Darüber dürfte es noch zu recht heftigen Auseinandersegungen fommen. Wir lassen nunmehr den Sizungsbericht folgen. Baft außerhalb der Kleinen Entente, der er in feiner Weise in die Quere fomme. Sobald Rumänien dem Pakt beitrete, werde aus der Kleinen Entente ein Dreibund. Minister Fehr über die kommende Getreideumlage. Der Deutsche Landwirtschaftsrat, der in München tagte, nahm Die Genueser Konferenz habe auch die Tatsache enthüllt, daß Refolutionen an, in denen darauf hingewiesen wird, daß der Deutsche Die Genueser Konferenz habe auch die Tatsache enthüllt, daß eine enge Interessengemeinschaft in den internationalen Fragen Landwirtschaftsrat sich einmütig auf den Boden des Hilfswerks der zwischen der Kleinen Entente und Polen bestehe. Wenn eine Ber- deutschen Landwirtschaft stellt, aber auch darauf aufmerksam macht, einbarung zwischen diesen beiden Ländern vorhanden und wenn daß die Erneuerung der Getreideumlage 1922/23 die Durchführung der neue Dreibund in Straft sei, werde er die Verpflichtungen der des Hilfswerks auf das äußerste erschweren, wenn nicht un. Kleinen Entente gegenüber Bolen übernehmen. In Kreisen, die möglich(!) machen würde. Die Getreideumlage in der vorjäh in enger Beziehung zu den Regierungen der Länder stehen, aus rigen Form bedeute eine äußerst ungerechte Sonderbesteuerung der denen sich die Kleine Entente zusammenfeßt, werde darauf hin- Landwirtschaft und ihre Wiederholung könne nicht ertragen werden. gewiesen, daß Polen eine Vereinbarung mit den bal- 3u einer Berbilligungsaktion für die minderbemittelten Bevölke tischen Staaten habe, die später im Interesse des allgemeinen rungsfreise mit Brotgetreide sei die Landwirtschaft unter der BorPlanes entbehrt werden könne. Man sei auch der Ansicht, daß aussetzung bereit, daß gleichermaßen die leistungsfähigen Schichten Desterreich sich vergegenwärtigen werde, daß sein Schidial mit aller Erwerbsstände herangezogen würden. den fleineren mitteleuropäischen Staaten verknüpft sei und viel mirtschaftsrat empfehle die Beschaffung einer Getreibereserve 3 um Marktpreis im freien Bertehr. leicht später ebenfalls dem Bündnis beitreten werde. Das neue Reichsernährungsminister Fehr erflärte in Rlarlegung des Bündnis habe reinen Verteidigungschar after. führende Gedanke dabei sei, daß es der Wächter des Friedens Standpunktes der Reichsregierung in der Frage der neuen Umlage. Mitteleuropas und der durch die Friedensverträge geschaffenen erhebung, es fei zu beachten, daß man in diesem Jahr eine mefent lich schlechtere Ernte bekommen würde, und daß es überhaupt schwer Grenzen sein soll. fallen würde, die Brotversorgung durchzuführen, weil Der #eine ftärkere Spekulation als je mit Brotgetreide Nationalistendebatte in Frankreich. Der deutsch- dänische Vertrag. eintreten werde. Damit drohe die allgemeine Brotversorgung in Paris, 31. Mai.( WTB.) Die Kammer setzte gestern die In- große Gefahr zu kommen. Deshalb habe sich die Reichsregierung 224. Sizung, Mittwoch, den 31. mai, 11 Uhr vormittags. terpellationsdebatte fort. Als erster Redner spricht der kommunistische Auf Antrag des Abg. Alters( Dtsch.- Hann.) wird der GesetzAbgeordnete Marel Cachin. Nach ihm Barrès. Er führte aus, auf den Standpunkt gestellt, daß zur Sicherung der Brotversorgung wenn man den wirtschaftlichen Wiederaufbau sicherstellen wolle, Brotgetreide in der gleichen Menge wie im Vorjahre entwurf zur Ausführung des Art. 18 der Reichsverfassung( Neubil. dürfe man moralische Besorgnijfe nicht außer Acht lassen. erfaßt und der versorgungsberechtigten Bevölkerung zu erträgbung von Bundesstaaten durch Abstimmung der Bevölkerung) von Wenn das wirtschaftliche Leben wieder aufgenommen werden lichen Preisen zur Verfügung gestellt werden müsse. Bei den Ber- der Tageordnung abgefeßt. Er soll in der ersten Sigung nach folle, fei Bertrauen nötig. Gewiß folge nicht ganz Deutsch handlungen in der Reichsregierung habe er feinen 3weifel gelaffen, den Ferien behandelt werden. fand den Spuren Bismards, aber trotzdem dürfe man die daß die Preise für dieses Umlagegetreide die Produktionskosten Dr. Heim( Bayr. Bp.) und Thomas( Komm.) werden abgelehnt. Anträge auf Strafverfolgung der Abgg. Bruhn( Dnat.), Augen nicht von gewiffen Erscheinungen abwenden. Wer sehe nicht beden müßten. Im Entwurf der neuen Getreideverordnung würden die Tätigkeit der ehemaligen militärischen Chefs und die Bestimmungen festgelegt, die die Möglichkeit bieten, den Kreis der Truppenbewegungen an der polnischen Grenze, wer nicht mit Markenbrot zu Bersorgenden zu beschränken. Das Wichtigste die entdeckten Waffenlager, wer nicht die Attentate gegen die alliierten Truppen in Oberschlesien? Wer erkenne nicht in allen sei die Frage der Preisbildung, die sich noch im Stadium der ErHandlungen der Führer der Industrie den Traum, den Erfolg wägungen befinde. des Alldeutschtums sicherzustellen, den man durch die Waffengewalt verloren habe? Wie fönne man übersehen, daß die deut ichen Zehrer fortfahren, den Haß zu predigen, daß das Reich bunde vertreten: Es folgt die zweite Beratung des Gesezes über den Bertrag zwischen Deutschland und Dänemark betreffend die Regelung der durch den Uebergang der Staatshoheit in Nordschleswig an Dänemark entstandenen Fragen. Nach der Berichterstattung des Abg. Freiherrn v. Rheinbaben( D. Bp.) über die Verhandlungen des Auswärtigen Ausnimmt das Wort Erhöhung der Post- und Telephongebühren. Schuffes, der dem Bertrag zugestimmt hat, nim bag ärtige Reichskanzler Dr. Wirth: die Kapitalflucht ermutige? Wie önne man die Gefahr Der Postgebührenausschuß des Reichstages beschäftigte sich heute verkennen, die sich aus dem Vertrag mit Rußland ergebe? nochmals mit dem Entwurf einer Verordnung zur Aenderung der Der Ihnen vorliegende Vertrag ist das Ergebnis der BerhandDie Heilung finde man in dem Vertrag von Versailles. Ministerpräsident Poincaré erklärte, der Abg. Henneffy gesetzlichen Bostgebühren. Der Entwurf wurde in der Borlage ange- fungen, in die wir durch den Vertrag von Bersailles einzutreten werde in diesem Jahre Frankreich nicht mehr im Völfernommen. Außer der Aenderung der Kosten für Brieffenbun hatten. Bei diesen Verhandlungen mußte die Reichsregierung im gen, die inzwischen bekannt geworden ist, werden danach die Tele- Interesse der betroffenen Bevölkerung ihre Aufgabe darin erbliden, Barrès tenkte jodann die Aufmerksamkeit der Regierung und phongebühren um 80 Proz. erhöht werden, so daß jetzt eine auf der gegebenen Grundlage der tatsächlich geschaffenen Verhältnisse der Kammer auf eine Rampagne hin, die in Frankreich selbst in Erhöhung von insgesamt 160 Proz. in bezug auf die Friedens- mit der dänischen Regierung zu einer Verständigung über die Zeitungen geführt werde, deren Redakteure offenkundig gebühren stattgefunden hat. Die Verordnung tritt für die Fern- zahlreichen brennenden Fragen des täglichen Lebens zu gelangen. Agenten Deutschlands seien. Es gebe da eine Lüde im fprechgebühren am 1. Juli in Kraft, desgleichen für die Brief. Auch die dänische Regierung hat den Gesetz. sendungen. Ministerpräsident Poincaré ermiterte: Sie haben unglücklicher. meise recht. Gefeßlich können augenblicklich diese Berfolgungen zu nichts führen, ich füge aber hinzu, daß sich die Regierung mit der Frage beschäftigt und das Gericht von Paris befragt hat. Nach Barrès ergriff Die Kurse stehen. Weg der direkten Verständigung als zweckmäßig erkannt. Aus dem Vertrage und der Denkschrift ersehen Sie, welche Fülle von Gegenständen ihre Regelung finden mußten. Die Verhandlungen find in voller Sachlichkeit geführt worden. Sie waren geleitet von dem Bestreben, die neue Grenze Am Devisen martte machte sich eine festere Tendenz den Bewohnern möglichst wenig fühlbar zu machen. Wenn bemerkbar. Der Dollar wurde heute um die Mittagsstunde es gelungen ist, schließlich auch in den schwierigen Punkten zu einem eder sozialistische Abgeordnete Marcel Sembat das Wort. Die Worte, die Sie soeben gehört haben, fagte er, lassen nach unten engagiert hatte, schreitet zu Deckungskäufen. Am und die persönliche Einwirkung des dänischen Außendas Wort. Die Worte, die Sie soeben gehört haben, sagte er, Tassen mit 273 274 gehandelt. Die Spekulation, die sich wesentlich für uns erträglichen Ergebnis zu gelangen, so hat dazu die Politik gegen Frankreich geführt wird, aber wir haben doch auch Pro- Effekten markte ist die Rückwärtsbewegung der Kurse zum ministers nicht wenig beigetragen. Ist der vorliegende Bertrag pagandadienste im Ausland. Die Finanzkommission weiß das. Und Stehen gekommen. Auch hier nimmt die Baissespekulation auch aus schmerzlichem Anlaß geboren, so wird er hoffentlich doch wenn die öffentliche Meinung im Ausland nun den Standpunkt Dedungen vor; das Publikum tritt allerdings als Käufer nicht zur allmählichen d Ueberbrüdung nationaler Gegensätze der deutschen Propaganda einnimmt, dann müssen wir uns toch auf. Es verlautet, daß in den letzten Wochen eine ganz begestehen, daß wir vollkommen idiotisch sind. Sembat deutende Verminderung der Depositen bei den Berliner und beitragen und dazu dienen, die Völker in absehbarer Zeit einander versuchte, den Gedankengang Lloyd Georges zu begründen. Sembat Provinzbanken stattgefunden hat. Es ist eine starke Bewegung näher zu bringen. Es ist mir ein lebhaftes Bedürfnis, allen denen fuhr fort, ein englischer Sozialiſt habe gesagt, er begreife nicht, daß im Gange, von der Regierung die Ermäßigung des Börsen die französische Kammer nicht den Ernst des Meinungsumfchwunges, der sich in England vollzogen hat, versteht. Ein anderer Engländer umsatzstempels und die Wiederherstellung des Bankgeheimhabe ihm( Sembat) jüngst in Brüssel erklärt: Wenn wir das niffes zu verlangen, da die Industrie unter dem augenblicklichen Preußentum in Deutschland zerstört haben, fo ist ein anderes in Kapitalmangel sehr schwer leidet. Frankreich zurückgeblieben. Sembat, deffen Rede durch viele Zwischenrufe unterbrochen Die österreichische Ministerkrise. Der christlichsoziale Parteiwurde, machte der französischen Regierung schließlich zum Vorwurf, führer Prälat Dr. Seipel, der ohnehin regiert, will das Kabinett daß sie nur zu einem rein defensiven Ziel gelangt fei; fie hätte die bilden, wenn Schober das Innere oder wenigstens die Leitung Entwaffnungs. und die Reparationsfrage zur der Polizei übernimmt. Schober war seinerzeit Wiener PolizeiDistuffion zulaffen müssen. Die Sozialisten seien hinsichtlich der präsident. zu danken, die an den Verhandlungen und dem Abschluß mitgewirkt haben, insonderheit den Herren v. Körner, Neurath und Rosenberg. Auch heute nehmen wir wiederum mit schmerz ichen Gefühlen von Volksgenossen Abschied. Der Gedante, daß unsere Boltsgenoffen im germanischen Kulturkreis verbleiben, hat etwas Tröstliches für uns. Unsere Volksgenossen werden jenseits der Grenze im neuen Staatsverbande neue Bolksgenossen und Staatsbürger fein. Sie haben aber die Möglichkeit, den Gedanken des Deutschtums zu pflegen und treue Anhänger der deutschen Kul tur und ihres Gepräges zu sein. Namens der Reichsregierung empfehle ich Ihnen die Annahme des Vertrages, Erklärung der Sozialüemokratie. Im Namen der sozialdemokratischen Fraktion gab Abg� Arohme folgend« Erklärung ab: Meine Fraktion stimmt dem vorliegenden Vertrage zu, da wir im Interesse der nordschlsswigischen und besonders der dänisch gewordenen Bevölkerung den Wunsch haben, die bestehen. den Schwierigkeiten so schnell wie möglich zu beseitigen. Wir hoffen, daß der Minderheitenschutz baldmög- lichst vertraglich sc st gelegt wird. Wir wünschen das vor allem, um den vorhandenen chauvinistischen Bestrebungen auf beiden Seiten der Grenz« die Spitze zu neymen. Ganz besonders sprechen wir die Zuversicht aus, daß es unseren dänischen Ge. sinnungsgenossen gelingen wird, den auf ein« weitere Los» - l S s u n g deutschen Gebietes gerichteten dänischen Bestrebungen erfolgreich entgegenzutreten, ebenso wie wir unsererseits olles tun werden, um sreundschastliche Beziehungen zwischen Deutschland und Dänemark zu sichern. Soweit in der Grenzziehung Ungerechtigkeiten bestehen, hoffen wir, sie später auf dem Wege gegenseitiger Verständigung beseitigen zu können. Abg. Thomson(Dnat.) erklärt, daß seine Partei die durch d«n Gewaltvertrag von Versailles(und die deutschnationale Kriegspolitik R?d. d.„Vorwärts") geschaffene neue Landesgrenze nicht an» erkennen könne. Abg. Dr. Runkel(D. Vp.): Die neuen Grenzen sieht die Deutsche Lolkspartei nur als ein« vorübergehende Einrichtung an, die uns durch den Versailler Vertrag aufgezwungen wurde. Wir stimmen jedoch trotzdem dem vorliegenden Vertrage zu. Abg. Dr. Vrellscheid(U. Soz.): Meine Fraktion wird dem Ver- trag zu stimm e n. Uyter allen ähnlichen Verträgen ist der mit Dänemark geschlossene der am wenigsten schmerzliche. Der Grund ist. weil wir es auf der Gegenseite mit einem Volt von alter demokratischer Kultur zu tun haben. Eine vertragliche Regelung des Minderheitenschutzes wäre im beiderseitigen Interesse Selegen. Vielleicht kommt es doch noch zu einer Regelung. Wir sind :et von allen Ankündigungen irgendeines Tages, wo die neue Grenze etwa wieder mit ETewalt geändert werden soll. Abg. Golhein(Dem.): Auch meine Freunde stimmen dem Der» trage zu. Hoffentlich wird eines Tages auf friedlichem Wege «» zu einer Äerichtiung d«r Grenze entsprechend dem nationalen Stande führen. Damit schließt die Aussprache. Der Vertrag wird darauf in zweiter und dritter Lesung angenommen. Sismorck über Krieg und Revolution. In der Deutschen Verlagsgesellschaft für Politik und Ge- schichte beginnt jetzt das Riesenwerk über die große Politik der europäischen Kabinette in den Iahren von 1871 bis 1914 zu erscheinen. Di« Sammlung dieser diplomatischen Akten wird im Auftrage des Äuswärti- fen Amtes von Johennes L e p f i u s, Albrecht Mendels» ohn-Bartholdy und Friedrich T h i m m e heraus» gegeben. Im ersten Bande wird der Frankfurter Friede und seine Nachwirkungen behandelt. Man erfährt aus den ersten Dokumenten, welche Mühe sich Herr Thiers und Herr Favre, die Herren der französischen Regienmg, die mit Deutschland den Frieden von 1871 schlössen, gegeben haben, um die französischen Gefangenen rasch zurückzubekommen. Sie wünschten im besonderen, daß Bismarck ihnen die Garde» truppen schicke, von denen sie zuverlässig glaubten, daß sie gut zur Niederschlagung der revolutionären Pariser Bewegung zu brauchen seien. Bismarck schreibt zu diesem Wunsch an den Generalgouverneur, Genera!» leutnant v. Fabrice: „Wir haben zwar das Vertrauen, daß die vorhandene Regierung die Streitkräfte, deren Konzentrierung wir zugestanden und durch beschleunigten Gefangenentransport erleichtert haben(es wurden bei Versailles 100 000 Mann französischer Truppen zusammengezogen), nicht gegen uns verwenden werde, aber,, wir sind unsicher ge- worden, ob sie mit irgendwelchen ihr noch zu gewährenden Mitteln den Ereignissen gewachsen sein, und ob nicht eine andere Regierung an ihre Stelle treten werde, welche an keinen Abschluß mit uns gebunden ist. Gewiß kann die Regierung ohne eine tüchtige Arme« Paris nicht bewältigen. Aber mit der Tüchtigkeit der Truppen wächst auch die Gefahr, welche Deutschland läuft,»inen neuen Krieg gegen etwaige Nachfolger führen zu müssen.... ... Sobald wir, wozu von London aus Unterhandlungen gesucht werden, einen eventuellen Friedensvertrag mit ihm(Napoleon) be- rechnet auf den Fall, daß die Ereignisse ihn an das Ruder bringen, abgeschlossen hätten, könnten wir dem Verlauf der Dinge nach dieser Richtung hin beruhigter entgegensehen. Bis dahin aber liegt es nicht es nicht in unserem Interesse, bei den gleichmäßig fortzusetzenden Transporten der Gefangenen die Truppenteile, von deren unbe- dingter Anhänglichkeit an das Kaisertum wir überzeugt sind, vorweg- � zuschicken." i Man sieht daraus, daß Bismarck zwar freundlicherweise der französischen provisorischen Regierung gern durch rasche Rücksendung der Kriegsgefangenen helfen wollte, die Pariser Unruhen niederzuschlagen, aber soviel Kriegsgefangene wollte er auch nicht hergeben, daß sich womöglich daraus eine kaisertreue Armee bilden tonnte. Daraus ist zu entneh- men, wie erfrischend nüchtern der„eiserne Kanzler" und „Schmied der deutschen Reichseinheit" über abgeschaffte Kaiser gedacht hat. Ebenso praktisch wie über abgeschaffte Kaiser dachte Bis» marck auch über den Krieg. Wohlgemerkt über den Krieg, den bestimmte reaktionäre Kreise 1876 in Frankreich gern wieder gegen Deutschland angezettelt hätten. Damals schrieb die„Post" einen Artikel, der ein schauerlicher Alarmruf, eine Warnung vor der französischen Kriegshetze darstellte. Bismarck meinte dazu im Reichstag, daß er„n a ch s e i n e m W i s s e n" niemals habe einen Artikel für die„Post" schreiben lassen. Er meinte weiter: „Aber ich habe den Artikel nicht getadelt, denn Ich finde, wenn man das Gefühl hat. daß in irgendeinem Lande eine Minder» heil zum Kriege treibt, dann soll man nicht laut schreien, damit die Mehrheit darauf aufmerksam wird, denn die Mehrheit hat gewöhnlich keine Neigung zum Kriege." Aus diesem Bismorckschen Urteil kann die reaktionäre Presse ersehen, warum mir jedes Rachegeschrei, das aus ihren Reihen kommt, so scharf zurückweisen. Die Münchener Polizei findet nichts. München, 21. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Ubier den höh- nifchen Kommentaren der bürgerlichen Persie gibt die Münchener Polizeidirektion das Ergebnis ihrer Untersuchung über die Flaggenschändung am Bahnhofsplatz bekannt. Bemerkenswert ist, daß die Polizei selbst keinen der Tai Derdächilgen zur Stelle schassen konnte. Lediglich der sozialdemokratischen Selbst- s ch u tz p o l i z e i des Genosien Auer ist es gelungen, den Studenten Kl I n t s ch der Polizei namhaft zu machen. Dieser g e st a n d bei der ersten Vernehmung die Tat«in, widerrief jedoch das Ge- ständnis am nächsten Tage mit der Angabe, er habe nur die Po- lizei irreführen wollen im Interesse der ihm unbekann- t e n T S t e r. Die Polizei scheint sich damit zu begnügen.— Daß selbst diese Handlung«in« strafbare Begünstigung darstellt, scheint die Münchener Polizei nicht zu wissen. Wenn schon die Justiz in München nicht blind ist, so ist es wenigstens die P o l i z e i I » München, 31. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Genosse Erhard Auer hielt gestern im Landtag eine bemerkenswerte Rede zum Etat des Ministeriums des Innern. Er fordert« den Ausbau der Selbstverwaltung, protestierte gegen die scharenweise Unter- bringung ehemaliger Offiziere in der bayerischen Per- waltung und gegen die Uebergriffe der Krcisregierun- g e n, die den Stadiverwaltungen München und Nürnberg die Unter- stützung der Kinder streikender Metallarbeiter untersagt haben. Auer oerlangt das sofortige Eingreifen der Regierung gegen die durch die Nationalsozialisten herbeigeführte politische Verwilderung. Gegen das Beschmieren der Häuser mit Hakenkreuzen und das Herunterholen der Reichsflagge stellte Genosse Auer die Selbsthilfe der Arbeiterschaft in Aussicht, falls die Polizei weiterhin fortgesetzt versage. Auer forderte eine strenge Untersuchung über den Angriff auf die Ententetommission in Landshut, der von einer dienstlichen Behörde aus durchsichtigen Gründen in Szene gesetzt worden sei. Weiterhin stellte Auer die Frage: Hat die Regierung etwas im Hinblick auf den nationalsozialistischen Protest gegen den Besuch des Reichspräsidenten in München getan? Wenn Ebert nach München kommen will und die Regierung ihn nicht zu schützen vermag, werden die Sozialdemokraten es tun. Der Dogen war überspannt... General von Deimling über Judenhctze und Dolchstost. Im Gegensatz zu General Ludendorff und seinen Geistesver- wandten, die sich täglich bemühen, sich von der Schuld am Zusammen- bruch zu entlasten und diese Schuld dem deutschen Volte in die Schuh- schieben wollen, hat vor kurzem General von Deimling in einer Versammlung der Deutschen demokratischen Partei in Tübingen über die Dolchstoßlegende und die antisemitischen Hetzereien Worte ge- funden, die größte Beachtung oerdienen, nicht zuletzt deshalb, wril sie aus dem Munde einer Persönlichkeit stanimsn, die das Front- empfinden der Soldaten kannte wie selten einer. Zum Kapitel Judenhetze führte General von Deimling aus: Was ihm als alten Soldaten am widerwärtigsten sei, das seien die Vorwürfe, daß die jüdischen Soldaten einer wie der andere versagt hätten. Auch unter den jüdischen Soldaten habe es solche gegeben, die das Leben höher schätzten als kriegerische Lorbeeren. Die gab es aber auch unter den Christen. In seinem Korps hätten sich die Juden trefflich gehalten. Es sei statistisch unum- stößlich festgestellt, daß die Juden in einer ihrer Kopfzahl entsprechen- den Weise teil hatten am Kriegsdienst, Blut opfern, Dekorationen und Beförderungen. Es wäre an der Zeit, daß der lludenhehe ein Ende gemacht werde. Sie baue nicht auf, sondern reiße nieder. „Das Ganze sammeln" heißt die Parole. Die deutsche Volk«- gemeinschast brauchen wir. Daß heut« eine solche Volksgcmein- schast nur auf dem Boden der demokratischen Republik möglich ist, sollten auch Monarchisten und Marxisten einsehen. Wir haben nun einmal die Republik und werden sie auf absehbare Zeiten haben. Die Entwicklung der Zeit bewegt sich in der Richtung der Demo- kratie... Viele glauben, eine Vaterlandsliebe gebe es nicht in der Mitte, sondern nur ganz rechts. Zm Gegenteil ist die Vaterlands- liebe dort, wo Aufbauarbeit g-lelflet und nicht bloß negiert wird Getragen von einer großen Volksgemeinschaft könnte die deutsche Regierung auch dem Ausland gegenüber viel stärker austreten. Noch eine Lehre ist aus dem Krieg zu ziehen: der Glaube an die große unversiegbare Kraft, die im deutschen Volke ruht... Das deutsche Volk hat mit einem Heldenmut gekämpft, der in der Welt einzig dasteht. Es gibt aber Deutsche, die dem deutschen Volke vorwerfen, es habe nicht ausgeholten.(Dolchstoßlegende.) Der Z»- sammenbruch hatte viele Ursachen. Die entscheidende Rolle aber hat die ungeheure Uebermacht der Feinde an Menschen und jMatcrial und die Aushungerung gespielt, wir waren einsach fertig, erschöpft: der Bogen war überspannt und muhte platzen. Schuld sind diejenigen, die es nicht zu einem verständigungsfrieden kommen liehen, als es noch Zeit war. Das deutsche Volk hat seine Schuldigkeit im Weltkrieg bis zum letzten getan. Es sollte sich diese Legende nicht weiter gefallen lassen. Es war ein Wunder, was das deutsche Volk geleistet hat, und ein noch fast gröheres Wunder war, daß es sich au» dem Chaos wieder auf- raffte und an"die Arbeit ging. Das gibt uns die Hoffnung, daß wir wieder emporkommen. verleumüer ohne Enüe! Breslau, 31. Mai.(WTB.) Wegen Beleidigung des Reichs. Präsidenten verurteilte die Strafkammer des hiesigen Land- gerichts den Oberpostsekretär Boehnig aus Waldenburg zu sechs Wochen Gefängnis. Boehnig hatte gelegentlich einer Fahrt in einem Automobilomnibu» mit bezug aus die vom Reichspräsi- denten aus dem Dispositionsfonds sür da» Oberschlesische H i l f s w e r t zur Verfügung gestellte Spende von 250 000 Mark laut vor allen Fahrgästen geäußert: Die» Geld habe der Reichspräsident gestohlen. Man sieht immer wieder, welcher Art die Waffen sind, mit denen die„nationalen" Herrschaften kämpfen. Der sinke Flügel der tschechischen Sozialdemokratie hat sich, wie die„Franks. Ztg." meldet, zu einer eigenen Partei gruppiert. Sie nennt sich Unabhängige Sozialdemokratische Arbeiterpartei in der Tschechoslowakei und ist der Wiener Arbeitsgemeinschaft � angeschlossen. 3n der Beleidigungsklage des Ministers Hermes gegen die |„Freiheit" steht Termin zur Verhandlung am 24. Juni an. Gegen- stand der Beleidigungsklage sind bekanntlich die Weinsendungen des i Winzervereins an Herrn Hermes._ Das glückhaste Schiff. Von Edgar Hahnewald. Die Straße herauf rollt in langsamer Fahrt ein Lastauto. Von vorn sieht es aus wie ein fröhliches Schiff mit vollen Segeln, denn im Führersitz, auf den Trittbrettern und auf der hohen Ladung sitzen, stehen und schweben halb junge Mädchen in weißen und gelben Leinenmänteln: Zigarettenarbeiterinnen. Die Mäntel leuchten in der Maiensonne, sie bauschen sich im Wind. Das Auto oerschwindet halb unter den weißen und gelben Segeln— der blaublusige Führer sitzt mitten drin wie von bauschenden Fahnen umhüllt. Für ihn und für die Mädels ist diese Fahrt sichtlich keine Sen- sation— sie fahren die hoch aufgestapelten Zigarettenpakete in eine Niederlage und rollen dann in die Fabrik zurück— weiter nichts. Aber die Mädels lachen von oben in die Straße hinein, die Vor- übergehenden freuen sich auch und schauen dem bewimpelten Auto nach, wie es rollend, weiß und gelb umbauscht, durch die Straße segelt. Rund um den Autokosten steht zehnmal der Name der Fabrik angeschrieben. Er endet mit einem Ppsilon, und dieser zehnfach wiederkehrende Buchstabe wirkt wie ein zehnmaliger Ausruf in die graustlberne Straße, die weißen Mäntel flattern wie Frühlings- flaggen und die Mädels sind jung. Und sie haben Arbeit in hellen Räumen. Am Wochenschluh rechnen sie ihren Akkord zusammen, täglich bleiben nach der acht- stündigen Arbeit noch ein paar helle Stunden für das Leben übrig, ste sind frei— mehr wollen sie nicht— sie blicken von ihrem rollen- den Lastschiff überlegen herab auf die gezähmte Zweierreihe eines Mädchenpensionats, die eng aneinandergefchoben wartet, um das helle Segelauto vorüber zu lassen. Mit denen wollen sie gar nicht tauschen— sind sie begehrlich, wenn sie für ihre Arbeit anständig bezahlt sein wollen, sind sie unmädchenhaft, wenn sie über Lohn- tarife sprechen? Sie sind Arbeiterinnen— und wie sie da vorbeisegeln, in wehenden weißen und gelben Mänteln, jung im Sonnenlicht, ver- gnügt im Arbeitstag, verwandeln sie das graue und doch ganz poesie- los« Lastauto in einen fröhlichen Festwagen der Arbeit, in ein glück- haste» Schiff im Straßengrau. Ehren wir den Künstler, wo wir ihn finden. Diesen Grundsatz bat die Sozialdemokratie als eine Bewegung für den ideellen Auf. stieg der Menschheit von jeher mit Nachdruck ve�rcten. Daher Siegen ihr denn auch nach und nach die Herzen allw feinsinnigen Renschen zu. Sollte nun der Erbauer einer Meistergeige nicht eine «benso feine Seele besitzen müssen wie der komponierende oder vor- tragende�Zünstler? Sollte er ihnen nicht ebenbürtig sein? Leider herrschen in dieser Beziehung noch immer, und gerade bei den Ge- bildeten, ganz falsche Vorstellungen. Wie wäre es sonst möglich, daß in den Zeitungen allen Ernstes hin und wieder Bemerkungen auftauchen, die der gläubigen Welt verkünden, das Geheimnis der Geigenbauer liege m der Anwendung eines eigentümlichen Lackes oder es sei wieder einmal einem Pfiffikus gelungen, durch einen erfindungsreichen Kniff aus einer Markneukirchener Marktschreierin eine alles bezaubernde Sängerin zu machen. Und doch ist die Sack)« höchst einfach! Eine den Anforderungen des Musikers entsprechende Geige ist keine, wenn auch noch so sorgfältige Tischlerarbeit, sondern ein K u n st w e r k ersten Ranges, das einem Tonideal seine Eni- stehung verdankt. Dies Tonideal ist aber das Gebilde eines tünst- lerischen Geistes, das sich auf dem Grunde eines musikalischen Innen- lebens durch fleißige Anhörung der Töne in der Umwell allmählich zu bewußter Nollendung entwickelt. Hat sich infolge eines solchen Bemühens das Touidcal gebildet, so wird nach feinsinniger Auswahl des Holzes das Schnitzmesser von ihm, und nur von ihm geführt. Die singende Seele des arbeitenden Künstlers schafft sich aus dem Gemeinen die Form, die nicht allein das Auge, sondern vor allem das Ohr völlig zu befriedigen imstande ist. Hier, und nur hier liegt das Geheimnis eines Stradivari, Guarneri, Amati, Bergonzi und wie sie all« heißen mögen, die in der Zeit des Wiederaustebens der Künste in Italien ihre Meister- werke schufen. Und hier liegt auch das Geheimnis des Geigenbauers Michael Strobl aus Berlin, der die Vollendung der obigen Meister wieder erreicht hat. Im Jahre 1907 veranstalteten französische Musiker unter dem Vorsitz des rühmlichst bekannten Geigers Thibaut einen Wettbewerb. Unter den 29 oder 31 aus aller Herren Länder eingesandten Geigen wurden allein die Geigen Strobls mit dem Preise verschen, der sie mit den allen Meistcrgeigen in eine Reihe stellte. Diese wenigen Zeilen sollen dem in diesen Tagen sein SSsährigcs Jubiläum feiernden Meister eine kleine Anerkennung bilden, die in dem Urteil der bei ihm aus- und eingehenden Künstler ersten Ranges längst fest- gelegt ist. E r n st W r e d e. Die huklose Wade. Allmählich waren meine angestammten und angeerbten Friedenshüte denn doch unerträglich geworden.(Details feien dem Leser gnädig erspart.) Nun habe ich einen Bekannten beim Hutmacherverband, und der oersprach Rettung. Wochenlang warten nun die formlos gewordenen„Behauptungen" der Aufer- stehung, die doch zu Pfingsten jeder Kreatur blüht. Sie sind ge- reinigt, vielleicht auch geschwefelt und geleimt— aber die Fabrikanten des Schweißleders und der Bänder verbrauchen ihre Ware fürs Ausland, und so werde ich zu Pfingsten hutlos die Well beschauen. Der Zwang, ohne Hut auszukommen, hat mich eine Entdeckung machen lassen. Es geht sehr gut auch ohne diese überflüisige, ja beinahe lächerliche Anmaßung des Menschen, sich in den Weltraum zu verlängern. Ich warne alle schwcihledernen und sonstigen Fabrikanten, die deutschen Menschen länger ohne ihre Fabrikate zu lassen: sonst werden noch viele die Wohltat der Hutlosipkeit ent- decken. Ich sebe schon den Ausbruch der Zeit nahen, da Hüte ein Museumsgegenstand sind wie Kanonen, Genuakonferenzen u. a. Inzwischen dat die Not. die(bisweilen!) erfinderisch macht, mir auch eine neue Philosophie der Hüte und Köpfe eingebracht. Ich werde den schrecklichen Verdacht nicht mehr los, daß die meisten Menschen Hüte nur tragen, um ihren Mangel an Köpfen zu oerdecken. Dann wäre allerdings die Liga der Hutlosen dauernd zu einer kleinen Minorität verdammt, aber diese könnte dann mit um so größerer Genugtuung ihren Satz proklamieren:„Wozu brauche ich einen Hut, ich habe ja einen Kopf. Befangenheit des Publikums vor dem Kurbelkasten. Uns wird geschrieben: Ein Experiment, das die Grenzen der Unbcsanzenhcit der Menge interessant beleuchtet, wurde kürzlich von einem Berliner Filmaufnahme-Operateur gemacht. Es war in einer belebten Straße eine Szene zu drehen, die nichts als das bunte Treiben in dieser Straße zu zeigen hatte. Der Mann mit dem Kurbelkasten hatte sich wohlweislich so postiert, daß niemand von seiner Anwesenheit wußte. Di« Menge ging und flutete wie immer. Und so gelang es, ein absolut natürliches Bild einzufangen. Wie die Aufnahme beendet war, wurde das kleine, lehrreiche Experiment gemacht. Der Opera- tenr stellte sich mitten in die Straße. Jedermann sah ihn. Ein Hilfsregisseur teilte den Leuten mit, worum es sich handle, und bat, nicht in dos Objektiv der Kamera zu gucken. Dann wurde gekurbelt. Dos Ergebnis war kläglich. Die Menge hatte vollständig jeden normalen Gang ausgeschaltet. Mit manirierten Schritten tänzelte jeder an der Kamera" vorbei, bestrebt, sich irgendwie ins beste Licht zu setzen. Die Befangenheit des Publikums war derart groß, daß man, wollte man diese bewußte Massenaufnahme zeigen, den lustigsten Groteskfilm hätte. Soziale Zahnheilkande. Die Soziolhygienlsche Aka- demie in Charlottenbnrg bcabsichiigt, aus Anregunq des Preußischen Ministeriums für Boltswohlfahrt und mit Unterstützung der Zahnärzteorgonisationen in Ergänzung ihrer iozialmedizinüchen Vorlesungen den Lehrgängen vierwöchige Kurse in der sozialen Zahnheilkunde anzugliedern. Der erste Kursus wird vom 12. Juni bis 8. Juli abgehalten werden. Außer einer allgemeinen sozialhygienischen Vorbildung soll sich der Zahnarzt besonders die Vehandlungsmethoden, wie sie in der Kleinkinder- und Schültindersürsorge geübt werden, aneignen. Die mit Be- ieiligung der Mundhönl« verlausenden Krankheiten hes Kindesalters sollen Im Unterricht besonders berücksichtigt werden. Lehr- und Stundenplan sind durch das Sekretariat der Sozialhygienischen Akademie. Charlottenburg 9. Spandauer Berg 15/16(Krankenhaus Westend), zu beziehen, das auch Anmeldungen entgegennimmt. Wohnungen werden mit Hilfe des Wohnungsamtes nachgewiesen. Renntterzucht In den Bereinigten Stanien. Die Amerikaner wollen, um die Lösung der recht schwierigen Fleischversorgungssrag« zu erleichtern, lappländische Renntiere akklimatisieren, und haben be- reite Versuche mit einer Herd« von 100 Stück angestellt, die aus Lapplond eingeführt worden ist. Man hat eigens Lappländer nach Amerika kommen lasten, um die Bevölkerung in der Pfleg« der Renntiere zu unterweisen. Die Tiere, die auf einem großen Gebiet im Staate Michigan untergebracht worden sind, scheinen sich wohl zu fühlen und vertragen das Klima sehr gut. Im Kleinen übeater findet am Donnerstag dt« Breiniere der linh ßtlrt/f rtttf* urm Jnnfht(5>rf»rnhl ft/ltt / Der Luftmorü in öer Prenzlauer Straße. Time bemerkenswerte Feststellungen. Das ungeheure Verbrechen in der Prenzlauer Straße hat die Kriminalpolizei auch die ganze vergangene Nacht hindurch beschcif- tigt. Die Ermittelungen und Zeugenvernehmungen führten noch nicht zur Ergreifung des Täters, brachten aber bemerkenswerte Feststellungen. Zwei Frauen aus dem Hause, die aus dem Treppenabsatz im zweiten Stock standen und sich unterhielten, hörten plötzlich, wie das Kind, das sie an der Stimme erkannten, wiederholt ängstlich rief:„Nein! Mutti! Neinl M u t t i 1' Sie glaubten, daß Frau Schmidt die Kleine irgend einer Unartig- kcit wegen zur Rede stelle und ihr mit Strafe drohe. Sie achteten deshalb nicht weiter daraus, zumal das Kind zunächst immer lauter geschrieen hatte, dann aber plötzlich verstummte. Aus diesen ängstlichen Rufen geht hervor, daß das Kind von dem Lüstling ni: Gewalt von dem Hausflur auf die dunkle Kell'rtreppe hinab- gezerrt worden ist. Wichtig für die Ermittelungen ist es, daß man den Täter unmittelbar vor der Tat genau gesehen hat. Bcson- ders ein Kutscher will sich seine Züge fest eingeprägt haben. Dieser Kutscher lud vor einem Nebenhause Bettstellen ab. Hierbei sah er, daß einige Häuser weiter ein Mann untätig an einem Straßenbahn, mast stand. Dann beobachtete er, wie ein halbwüchsiges, schlecht gekleidetes Mädchen die kleine Dorothea Schmidt zu dem Manne am Straßen bahnmast führte. Die Kleine riß sich jedoch los und kam zurückgelaufen. Diese Beobachtung läßt es als möglich er- scheinen, daß das halbwüchsige Mädchen mit dem Manne in Ver- bindung gestanden und die Absicht gehabt hat, ihm das Kind zu- zuführen. Das Interesse des Publikums an der Feststellung des Der- brcchers ist diesmal erfreulich rege. Aus dem Publikum heraus wurden der Mordkommission bereits mehrere Personen zugeführt, die verdächtig erschienen. Die Gegenüberstellung mit den Zeugen ergab jedoch, daß der Verdacht nicht stichhielt. Die Fälle, daß kleinen Mädchen nachgestellt wird, sind, wie sich jetzt wieder zeigt, ziel häufiger als man glaubt. Nach Bekanntwerden des Verbrechens haben sich schon eine ganze Reihe von Leuten gemeldet, die ihre Wahrnehmungen über solche Fälle mitteilten. Weitere Mitteilungen zur Aufklärung ekbittet die Mordkommission, die Kommisiare Gal- zow und Bänger, dringend nach Zimmer 88 des Berliner Polizei- Präsidiums._ 1,10 Mark— 50 Mark. Mit den beide-, Zahlen hat es eine besondere Bewandtnis. Es soll einmal gezeigt werden, welche Mengen der gleichen Ware man jetzt sür 80 M. und vor dem Kriege für 1.10 M. erhielt. Heute bekommt man Bor dem Kriege bekam man für 50 Mark für t.to Mark 100..... Zigaretten... SS 16*1...... Zigarren.... 22 i Pfund... Rindfleisch... fast 1H, Pfund % Pfund... Butter..... fast 1 Pfund 1...... Schuhsohle... 1 (nicht I Paar) S Pakete... Streichhölzer.. 11 Pakete Zentner.. Briketts.... 1 Zentner 23 Pfund... Kartosseln... 80-40 Pfund 8>/, Liter... Milch aus Karten.. 1.,, fiit 5 Liier...., frei 2'-z Pfund.. Zucker..... 4»/. Pfund 1'/« Pfund.. Backpflaumen.. 3 Pfund Zweimal täglich..Vorwärts'... einmal täglich Bitter ist die Teuerung für alle, die von ihrer Hände Arbeit oder von knapper Rente leben. Und doch gibt es manche Ausgabe, die man leichten Herzens macht, weil eben der dreckige Papierfetzen „nichts mehr wert' ist. Nur die Zeitung macht«ine Ausnahme. Sic, die vielen Aufklärung und Unterricht ist, die die Neugier nach Tagesereignissen und den Wunsch nach Kenntnis befriedigen hilft, deren Not infolge des Wuchers der Produzenten zum Himmel schreit — für sie wollen noch immer einige der Gedankenlosen das Geseg der Teuerung nicht gelten lassen. Aber um die Geldentwertung 'ommen sie nicht herum und an ihr gemesien werden auch sie jetzt o>e unwiderlegbare tröstliche Tatsache zur Kenntnis nehmen, daß der.Borwärts' heute nur halb so viel kostet als vor dem Kriege. Geisteskost für SchulkinSer! Daß der Film„Fridericus Rex' in feinem bisher her- ausgekommenen Teil dem nüchternen Betrachter wirklich nicht als eine Ehrung für« Monarchie und Hohenzollern gelten kann, wurde im„Vorwärts' schon gesagt. Allmählich scheinen auch die Deutsch. nationalen immer mehr zu kapieren, warum ausgerechnet dieser Film in Polen unter dem Titel„Der König der Barbarei' gezeigt wird. In Berlin haben die Monarchisten wohl aus weitere Aus- Nutzung des Fridericus-Films zu albernen Demonstrationen ver- zichtet, wenigstens ist über«ine Wiederholung jener in Kinos ver- anstalteten Hurrapöbeleien in letzter Zeit nichts mehr bekanntgewor- den. Infolgedessen ist auch bei der Gegenseite die Besonnenheit wieder eingekehrt, so daß Gegendemonstrationen unterbleiben und die diesen Film bietenden Kinos von den eine solche Geisteskvst ablehnenden Kreisen über- Haupt gemieden werden. Mit Befremden sehen wir aber, daß man jetzt die Schul- linder heranholt, um den viel umstrittenen Fridericus- Film auf sie wirken zu lassen. Don hier und da und dort wird uns gemeldet, daß aus Schulen der Stadtgemeinde Berlin ganze Klassen in der Unterrichtszeit durch Ihre Lehrer in Kinos geführt worden sind, die den Film zeigten. So wurde z. B. am Montag im Viehhofoiertel, dessen Bewohner in ihrer Mehrheit gewiß keine Monarchisten sind, ein am Forckenbcck- latz gelegenes Kinö von Klassen der 109. Gemeindeschule(Tilsiter Straße) unter Führung besucht, damit den Kindern der Fridericus- Film nicht vorenthalten bliebe. Wir nehmen an, daß so etwas nicht dem Belieben eines einzelnen Lehrers oder des Rektors überlassen, sondern von einer leitenden Stelle aus geregelt wird. Sollen wir aber glauben, daß diese Stelle die städtische Schulverwal. t u n g sei? Der Gedanke, den Friderieus.Film an Schulkinder heranzubringen, ist so pfiffig, daß man ihn einem Deutschnationalen zutrauen könnte. Wenn die der ehemaligen Monarchie und ihrem Militarismus fluchende Bevölkerung diesen Film ablehnt, so werden Kinder das Gebotene willig hinnehmen, und wenigstens auf sie wird es noch wie Verherrlichung der Hohenzollern wirken können. Wissen möchten wir. ob diese in die Unterrichtszeit gelegten Kinobesuche auch als ein Teil des Unterrichtes gelten, so daß kein Kind ihnen entzogen werden dürfte. Dann halten viel- leicht die Elternbeiräte es für geboten, sich mal um die Sache u kümmern und den verantwortlichen Stellen ihr, darüber recht deutlich zu sagen. M einung Wie man in Berlin Wohnungen schafft. Im Machtbereich des Wohnungsamtes Ild, Bremer Straße 9, bewohnt eine vicrköpfige Familie 1. seit 1908 eine Bierzimmerwohnung. Vergangenes Jahr wurde der Sohn schwer krank, mußte in eine'Luftkuranstalt und bedurfte der Mutter zur Pflege. Um die Mittel hierzu zu bekommen, entschloß sich die Familie, ihre Wohnung an Untermieter abzugeben, wozu auch das Wohnungsamt seine Einwilligung erteilt«. Das dritte Familienmitglied wurde bei einer 77jöhrigen Großmutter untergebracht, während das Familien- Haupt, der Vater, als Geschäftsreisender ständig unterwegs ist. Mit Genehmigung des Wohnungsamte« zogen nunmehr vier neu« Mieter in die Wohnung. Mitte Mai d. I. erhält die Familie I. einen Brief des Wohnungsamtes IIb, daß die Wohnung beschlagnahmt würde, wenn sie nicht am 1. Juni von der Familie wieder bezogen sei. Der Sohn ist immer noch krank, die Gründe für die Vermietung dauern immer noch an. Die Familie will bis zur Gesundung ihres Sohnes weitervermieten. Das Wohnungsamt will jedoch anders. So muß der Kranke mit der Mutter seine Heilung unterbrechen und nach Berlin zurück. Die Familie muß wider ihren Willen ihre � Vierzimmerwohnung besetzen und die Untermieter müssen eine neue j Wohnung mieten, die sie auch erhalten werden, da sie laut Ausweis I der Reichsregierung die Wohnung gleichzeitig zur Ausübung ihres i Berufes benutzen, ihre Tätigkeit im ollergrößten Interesse des Reiches j liegt und bisher zum Nutzen unseres Landes ausgeübt wurde, was man gerade nicht von allen Wohnungsämtern Deutschlands sagen kann. Hoffentlich genügt dieser Hinweis, um das Augenmerk der be- trefscnden Stadtbehörden zur Bremer Straße 9 zu lenken, wo der Bureaukratismus noch viel schönere Blüten treibt, von denen wir hier eine gezeigt haben._ Um üie Volkshochschule Groß-Serlin. Der ständig« Haus Haltsausschutz der Stadtverordn eten versamm- lung hat gestern sein« Beratungen mit dem Kapitel 21(Sonstiges und Nachträgliches) fortgesetzt, ohne die Verhandlung hierüber in» folge ausgedehnter Einzeldebatten zu beendigen. Bei den Zuwen- düngen an gemeinnützige Verein« wurde hinsichtlich der Volks- Hochschule Groß-Berlin von demokratischer Seit« betont, daß die Humboldt-Akademle mit ihren 48 000 Hörern nur 12 000 M., die Volkshochschule mit 11000 bis 12 000 Hörern dagegen 800 000 Mark erhalte. Das mache für die Volkshochschule 55 bis 60 Mk., für die Humboldt-Akademie aber nur 30 Pf. auf den Hörer aus. Es wurde deshalb angeregt, auf ein Zusammengehen der verschiedenen Volkshochschulen hinzuwirken und solange, als dies nicht erreicht fei, für dieses Jahr jede Unterstützung auszusetzen. Von sozialdemokrati- scher� Seite wurde dagegen die Boltshochschule, die als e i g e n t l i ch e Gründungder StadtBerlin anzusprechen sei, warm unter- stützt und beantragt, den Zuschuß für sie auf 1 Million zu erhöhen. Der von bürgerlicher Seite gestellte Antrag, die ganz« Volkshochschulfrage einem Unterausschuß zu überweisen, der die Ver- treter der beteiligten Anstalten hinzuziehen soll, wurde einstimmig an- genommen und in den Ausschuß 7 Mitglieder gewählt. Der Zuschuß für die Urania wurde auf 50 000 M.. für die Treptow- Sternwarte aus 25 000 M., für den Allgemeinen Deutschen Sprachverein auf 10 000 M. erhöht. Ein Opfer sinnloser Nachtarbeit. Zu dem Unfall, besten Opfer die im Weinhaus„Traube' be- schäftigte Hausangestellte Wilhelmine Wittkowski geworden ist, wird uns vom Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Kaffee- Angestellten folgendes mitgeteilt. Am Sonnabend nacht» nach 12 Uhr wurde die Hausangestellte Wi'helmine Wittkowski, die im Weinhaus Traube, Leipziger Straße, beschäftigt war, beauftragt, die Fenster der Küche, welche sich im vierten Stock befindet, zu putzen. Da weder eine Fensterleiter noch sonst vorschriftsmäßige Hilfsmittel zur Stelle waren, mußte das Mädchen einen Stuhl benutzen, welcher aber, wie sich leider herausstellte, nicht intakt war. Kaum hatte die W. die Arbeit begonnen, als der Stuhl ins Kippen kam und die Bedauernswerte, welche keinen Halt fand, in die Tiefe stürzt«. Anstatt nun die in unmittelbarer Stühe sich befindende Rettungswache in der Kronenstraße schleunigst um Hilfe anzurufen, ließ die Direktion das Rettungsamt in der Artillerieftraße anrufen. Als die Sanitäter zur Stelle kamen, war die W. bereits tot. Es muß als eine wirklich unverständliche und ungewöhnliche An- ordnung bezeichnet werden, mitten in der Nacht ein« derartig« ge- sährliche Arbeitsleistung zu verlangen, der ein blühendes Menschen- leben zum Opfer fiel. Hier ist streng« Untersuchung und Feststellung des Schuldigen notwendig, und zwar um so mehr, als uns mitgeteilt wird, daß die Direktion des Weinhauscs Traube f ch o.i e i n ma l auf dieses unsinnige Verrichten der Arbeit während der Nacht durch die Angestellten aufmerksam gemacht und um eine Abänd:rung gebeten worden war. Wie der tragische Dorfall beweist, ist der Wunsch unbeachtet gevlieoen. Tragischer Tod eines Lebensretters. Als der Schlosser Otto P e n z aus Döberitz gestern nachmittag mit seinem Rad an der Charlottenburger Bruck« vorbeikam, war er Zeuge, wie ein Knabe ins Wasser fiel. Ohne sich zu besinnen, sprang Penz von seinem Rad und, wiewohl von der Fahrt erhitzt, sofort ins Wasser. Der Retter bekam auch den Versinkenden zu fassen, wurde aber von ihm mit in die Tiefe gerissen und ertrank, während der Schüler von anderen Personen gerettet wurde. Es ist ergreifend und versöhnend zugleich, wenn man sieht, daß in Zeiten maßlosesten Egoismus aus feiten derer, die mit dem Gedanken christ- sicher Liebe nur spielen, ein schlichter Mann aus dem Polle, ohne sich zu bedenken, die echte Nächstenliebe prakttsch betätigt und sie mit dem Tode besiegelt. Man sollte den Namen dieses edlen Menschenfreundes nicht vergessen. Das bisherige Ergebnis der Elternbeiratswahlen. Nach den neuesten Zäbluiigen. die jetzt für 408 Schulen bekannt geworden, entfallen auf die Liste der vereinigten Sozialisten 2267 Sitze, auf die christlich-unpolilische Liste 4001. Au? einigen Vor« orten wurde folgendes Ergebnis festaestellt: gehlendorf 15 Soz.. 24 Christi.; Lichtenrade 5 Soz.. 7 Christi.: Treptow- B a u m s ch» l e n w e g 18 Soz., 27 Christl.: L i ch t e n b e r g 103 Soz., 148 Cbriftl.; Weißen see 47 Soz.. 49 Christl.: Pankow» Niederschön Hausen 70 Soz., 126 Christl.; Reinicken- dorf-Tegel 70 Soz., 78 Christl. vi« Flaggenfcag« der Pcrsonenschiffahrt auf den märkischen Ge- wässern ist jetzt von den Needereien selber dahin geregelt worden, daß die Personendampfer statt der früheren schwarzweißroten Fahne ihre Reederei- bzw. Kreisfahnen hissen werden. Die schwarz- rotgoldene Fahne wird demnach nicht geführt. Es ist be- dauerlich, daß sich durch das Verhalten eines nationalistischen Radau- pöbels die Reedereien veranlaßt fühlen, auf deutschen Gewässern die deutsche Flagge zu streichen. Die setzt z. B. von der Teltow- kanalschiifahrt geführte Flagge— preußischer Adler in weißem Mittelfeld, oben und unten je ein breiter schwaMer Streifen— sieht wie eine leibhaftige Traueranzeige aus. Nachschulungskursus für wohlfahrtspflegerinnen. Das Sozial- pädagogische Seminar des Vereins Jugendheim, Abteilung Soziale Frauenschule. veranstaltet im Oktober einen zweiten NackstchnlungS- kursuS für WohlfahrtSpflegerinnen. der bis Februar 1923 läuft. Der Kursus kommt nur für solche Persönlickikeiten in Betracht., die winde st ens drei Jahre in der Wohlfahrtsarbeit stehen und außerdem ein pflegerisches, pädagogisches oder Wirt- scbastlicheS Examen abgelegt haben. Gesuche um Aufnahme (gerichtet an den Herrn Minister für BolkSwohlsahri) sind m ö g- lichst bald bei der Leitung deS Sozialpädagogischen Seminar«, Fräulein Luis« Besser, Oberlehrerin, Berlin-Charloltenburg, Goethe- straße 22, einzureichen. Dem Gesuch sind beizufügen: 1. Ausführ- sicher LebenSlaili. 2. Amtsärztliches Gesundheitszeugnis. 3. Letztes Schulzeugnis. 4 Zeugnisse über fachliche Vorbildung. 5. Zeugnisse über die praltlsche Arbeit. Das Schulgeld beträgt 500 M. für den Kursus. Wetter für morgen. Berlin nnd Umgegend. Etwa»(übler, vielfach heiter, vorübergehend stärker bewölkt bei ziemlich frischen westlichen bi» nordwestlichen Winden. Sroß-Serliner partetnachrichtea. LS. Abt. Tempelhof. Donuerstaa. den 1. Juni, 7V, Uhr In der Knabenschule Friedrich-WUHelm-, Ecke Weroerstraße, fixauenabenb. Wichtige Tagesordnung OewerMaftsbewegung Schiedsspruch für die Gemeindearbeitcr. In einer Versammlung aller in den stromcrzeugenden und tvm- � immaicn Betrieben beschäftigten Metallarbeiter am Dienstag abend � gab F r o m m e l t zunächst«inen kurzen Bericht über den Nwlauf l des Kampfes der süddeutschen Metallarbeiter. Im Anschluß hieran besprach er mehrere Anträge zum Gewerkschaftskongreß. Dos � 25jährige Bestehen des Metallarbeitervcrbandes soll in der„Neue-« l Welt' gefeiert werden. Frömmelt- Tegel vertrat die Meinung, , daß der Kampf in Süddeutschland erfolgreicher verlausen wäre, wenn er durch einen allgemeinen Streik unterstützt worden wäre. Hilde- b r a n d t trat dieser Aufsassung entschieden entgegen. Auch dann hätte der Kamps zweifellos wochenlang unter gewaltigen Opfern geführt werden müssen. K o ch I berichtete dann über die zur gleichen Zeit erfolgten Verhandlungen wegen der Forderungen der Gemeindearbeiter. Der Magistrat weigere sich, die als Wirtschaftsbeihilfe geforderten 1000 M zu zahlen, ebenso auch die Lohnerhöhung in der geforderten Höhe. In später Stunde konnte Treitsch über den bereits gefällten Schiedsspruch folgendes berichten: Der Schlichtungsausschuß lehnte eine Entscheidung über dt» Iunilöhne ab, schlug aber einen Vergleich vor für die Mai- löhne, den der Magistrat armahm. Es erhalten: Angelernte Arbeiter von 18 bis 21 Jahren 14 M., nach einem Jahre 14,40 Mk.; über 21 bis 24 Jahre alte Arbeiter 15,75 bzw. 16,20 M.; über 24 Jahre alte Arbeiter 17,50 bzw. 13 M. Ango- lernte von 18 bis 21 Jahren 14,40 M. bzw. 14,80 M.; über 21 bis 24 Jahre alte Arbeiter 16,20 bzw. 16,75 M.; über 24 Jahr« alte Arbeiter 18 bzw. 18,50 M. Handwerker von 18 bis 21 Jahren 15,30 bzw. 15,70 M.; wenn über 21 bis 24 Jahre alt 17,15 bzw. 17,60 M.; wenn über 24 Jahre alt 19 bzw. 19,50 M. Weibliche Arbeitskräfte erhalten 75 Proz. der Männerlöhne. Frauen- und Kinderzulagen werden nach den staatlichen Sätzen gezahlt. Den Ledigen ist die bisher gezahlte Beihilfe in Höhe von 100 M. monatlich gestrichen worden. Der Antrag des Magistrats, eine besondere Lohngruppe für qualifizierte Handwerker zu bilden, wurde abgelehnt. Einige Punkte in der Verhandlung sind unerledigt geblieben. So das Kleidergeld der Straßenbahner und die ihnen bisher gewährte Freifahrt. Die Dircttion hat den Einwand erhoben, daß mit der Freifahrt großer Mißbrauch getrieben werde. Waschseife soll in der bisherigen Weise weiter verabfolgt werden, und die Heizer in den Elektrizitätswerken sollen auch serner die sechsstündige Ar- beitszeit behalten, solange noch mit Braunkohlen gefeuert werden muß. Schließlich erfolgte noch eine längere Aussprache über die Akkordarbeit, mit dem Ergebnis, daß einstimmig beschlossen wurde: „Akkordarbeit in den Betrieben darf nur nach vorheriger Verständi- gung mit der Organisation ersolgen.' Entgegen unserer im Morgenblatt gebrachten Mitteilung, daß die Verhandlungen heute fortgesetzt würden, geht aus dem Bericht hervor, daß es gestern nacht noch zu einem Schiedsspruch kam. Die Verhandlungen über die Junilöhne werden mor, gen fortgesetzt. Die Auszahlung der Zulage zu den Mailöhnen kann erst am nächsten Dienstag«folgen. Schiedsspruch im Buchdrnckgewerbe. Der Tarifausschuß der Deutschen Buchdrucker trat bekanntlich am 26. Mai zu Verhandlungen über die Erhöhung der Löhne zu- sammen. Nach kurzen Beratungen wurden die Verhandlungen ergebnislos abgebrochen. Dienstag vormittag fanden auf Ver- anlassung des Reichsarbeltsministeriums Einigung?. Verhandlungen statt. Auch dabei wurde kein« Uebereinstimmung erzielt, so daß am Nachmittag ein Schiedsgericht eingesetzt wurde. Nach längeren Beratungen wurde ein Schiedsspruch gefällt, der besagt, daß aus die im Monat Mai gezahlten Tariflöhne «inschließlich Teuerungszulagen eine neue Teuerungszulage zu bewilligen ist, in der gleichen Höhe wie für Mai. Inner- halb acht Tagen soll dem Reichsarbeitsministerium Mitteilung ge� macht werden, ob der Schiedsspruch Annahme findet. Di« Torifparteien sind heute vormittag zu weiteren Beratungen zusammengetreten, um über den Schiedsspruch und einige andere Punkte erneut zu beraten. Stteik im Berliner Engrosschlächtergewerbe. Seit L April stehen die Engrosschlächtergesellen in einer Lohn» bewegung. Die freien Verhandlungen scheiterten an der Abneigung der Arbeitgeber, die von einer Lohnerhöhung durchaus nichts wissen wollen. So beschäftigten sich das Einigungsamt des Gewerbe- gerichts und Schlichtungsausschuß wiederholt mit der Lohnregelung. Die Schiedssprüche, die geringe Lohnzulagen enthielten, wurden von den Gesellen angenommen, von den Arbeitgebern aber ab- gelehnt. Am 30. Mai wurde vor dem Demobilmachungskotn- missar über die Derbindlichkeitserklärung des Schiedssoruches ver- handelt. Der Demobilmachungskommissar empfahl den Arbeitgebern die Lohnnachzahlung vom 15. anstatt vom' 1. Mai, wie es der Schiedsspruch vorsieht. Aber auch dazu gaben die Arbeitgeber ihre Zustimmung nicht, sondern suchten die endliche Regelung weiter zu oerschleppen. Wie sehen aber die Löhne w s, die die Arbeitgeber nicht zahlen wollen? Sind sie so übermäßig hoch? Das Urteil überlassen wir der Arbeiterschaft. Der Lohn betrug im März pro Woche 510 bis 940 M. für Ge- sellen und 760 M. für Kutscher. Für April setzte das Einigung?- omt des Gewerbegerichts eine Zulage von 35 bis 60 M. pro Woche fest. Die Arbeitgeber lehnten sie ob. Für Mai hat der Schlichtung-?- ausschuß pro Woche 120 bis 140 M. festgesetzt: die Arbeitgeber lehn- ten wiederum ab. Die Verbindlichkeit des Spruches war nicht zu erreichen. Am Dienstag abend wurde den Arbeitern Bericht erstattet. Die Verschlechterung des bereits angenommenen Schiedssvruches wurde nunmehr abgelehnt und mit großer Mehrheit beschlossen, die Ar- b e i t e i n z u st e l l e n bis zur endlichen Regelung der Lohnfrage. Die Lammsgeduld der Arbeitnehmer war erschöpft. Der Streik hat heute früh begonnen._ „Die Maifeier in Baden und das Rcichsministerinm." Unter dieser Aufschrift gaben wir in Nr. 245 des„Vorwärts' einer Beschwerde der Afa-Angestellten in Baden Raum, die sich gegen die Reichsregierung richtete, weil diese bei ihrer Anordnung. für den Dienst bei den Reichsbehörden am 1. Mai auf die Tatsach« keine Rücksicht genommen habe, daß der 1. Mai in Baden ein ge- setzlicher Feiertag ist. Der Reichsminister des Innern verweist demgegenüber auf den Wortlaut der getroffenen Regelung, deren Schlußsatz lautete: „In den Ländern, in denen der 1. Mai als gesetzlicher Feiertag landesrechtlich anerkannt ist, ist auch bei den Reichs. behörden auf die Landesgesetzgebung Rücksicht zu nehmen.' Daraus geht klar und deutlich hervor, daß der Protest der An- gestellten in Baden verfehlt war. Ein Angeslclllenstreik In den Opel-Iverken ist nach Meldung der „Frankfurter Zeitung" aus R ü s s e l s h e i m erfolgt, wo sich die An- gestellten ihren streikenden Kollegen bei den Opel-Werken in Mainz und Wiesbaden anschlössen, weil die Forderungen der Angestellten abgelehnt wurden. AsP-Mit-Nederversammluoc, I Kunst, und Baulchloffereien, Donnerstag dllhr Schulaula Boltoerstraß«. Mitgliedsbuch eines AfA-Verdandes legitimiert. AfA-Bnnd, Ortskartell Grotz-Berlin. Berantw. fllr den redakt. Teil: Kran, stlShs. Derlin-Lichterfelde: fstr Anzeigen: r». Slaik«, Berlin. Berlag Borwarls-Verlag E. m. b. H.. Dcrlin. Druck: Loiwlirts-Buchdruckerei u. Lerlagsanstalt Paul Siuger u. Co- Berlin, Lindenftr. 8, 口 口 Eilen Sie Noch ist es Zeit díe bílligen Preise auszunutzer bald kosten sie über 1000.- M. 货 Wir haben noch altes Lager! 358.e 2 0 0 0 0 Da wir noch altes Lager haben, bringen wir unseren werten Kunden noch eine Anzahl guter Schuhwaren zu fabelhaft billigen Preisen. Unsere Preise sind teils unter den heutigen Herstellungspreisen. Sehen Sie sich unsere 11 Schaufenster an. Braun oder schwarz 298.schicke kurze Form, hoher Absatz 잼 OND CIMO ONO AND OND DND 口 口 口 口 Orig.- Mac- kay. Moderne breite Form Braun Naturleder. Alle Grössen. Teils auch schwarz R'Chevreau oder Rindbox. Herren- Stiefel: echt Chevreaux. 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