Nr.276 39.Jahrgang Ausgabe A nr. 138 Bezugspreis: Bierteljährl. 150.-, monatl. 50,-202. frei ins Haus, voraus zahlbar. Bost bezug: Monatlich 50,-, einschl. 8uftellungsgebühr. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- u Memel gebtet, sowie Desterreich u. Luxemburg 84, M., fitr das übrige Ausland 102, M. Bostbestellungen nehmen an Belgien, Dänemart, England, Eft land, Finnland, Frankreich, Holland, Lettland, Luxemburg, Defterreich, Schweden, Schweiz, Tschechoslowatei und Ungarn. Der„ Borwärts" mit der Sonntags bellage Bolt und Zeit", der Unter haltungsbeilage Heimwelt" und der Beilage Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonn tags und Montags einmal Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Morgen- Ausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 1,50 Mark Anzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillezetle toftet 16,- M.- Retlemezeile 80.-M. „ Aleinenzeigen" bas fettgebrucie Wort 4, M.( aulüssig awet fettgebruckte Morte), jebes weitere Wort 3,- M. 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Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenste. 3 Verlag, Expedition und Inferaten. Fernsprecher: Abteilung Morisplas 11753-54 Killinger freigesprochen. Offenburg, 13. Juni.( WIB.) In dem Prozeß gegen Kapitänleutnant a. D. von Killinger verneinten die Geschworenen nach kurzer Beratung die beiden Schuldfragen, die dahin lauteten, ob der Angeklagte den Mördern des Abgeordneten Erzberger Beistand geleistet habe, um fie der Strafe zu entziehen, und ob er den Tätern diesen Beistand vor Begehung der Tat zugesagt habe. Der Angeflagte wurde daraufhin freigesprochen und sofort entlassen. Wenn die deutsche Justiz sich einen Wettbetrieb zulegte, so gäbe es für jedermann ein unfehlbares Mittel, Geld zu gewinnen. Man brauchte bei Prozessen gegen reaktionäre Mörder, Helfershelfer, Berschwörer, Waffenschieber, Geheimbündler ufw. nur auf Freispruch zu sehen, um unfehlbar die Wette zu gewinnen. Die Frage ist nur, ob sich Gegenwetter überhaupt finden würden. WIB. meldet: Jn der heutigen Sihung nahm die Reichsregierung den Bericht des Staatssekretärs a. D. Bergmann über die Berhandlungen des Anleihekomitees in Paris entgegen. Einmüfig fam das Bedauern darüber zum Ausdrad, daß das Anleihefomitee fich infolge der augenblicklichen politischen Verhältnisse genötigt gesehen hat, seine Arbeit vorläufig zu vertagen. Es wurde aber mit Befriedigung davon Kenntnis genommen, daß der Bericht des Komitees wichtige Hinweise für eine praktische Lösung des RepaUm den Anschluß zu hindern. rationsproblems gibt. Von besonderer Bedeutung ist nach Auffassung Paris, 13. Juni.( EE.) Der Senat beschäftigte fich heute des Kabinetts, daß das Komitee sich ausdrücklich bereit erklärt hat, mit dem von der Hammer bereits angenommenen Gesetz über einen zur Beratung einer Reparationsanleihe wieder zusammenzutreten, redif von 55 millionen Franks an Defterreich. Im Verlauf der Defobald die gegenwärtigen Hindernisse beseitigt sind und daß das batte sprachen sich mehrere Redner gegen einen Anschluß Komitee die finanziellen Verhältnisse der wichtigsten Weltmärkte Desterreichs an Deutschland aus, insbesondere der Berichterstatter hinweisen, daß Killinger von Geschworenen, also einem Die Rechtspresse wird wahrscheinlich triumphierend darauf für die Ausgabe folcher Anleihen zurzeit günstiger beurteilt als zu- Dauffet erklärte, daß Desterreich vom Alldeutschtum mit großer Auf- Bolksgericht", freigesprochen worden ist, das in Baden noch vor. Die deutsche Regierung wird im Intereffe der Feftigung der merksamkeit beobachtet werde. Frankreich müsse daher Maßnahmen besonders demokratisch zusammengesetzt sei. Hier ist schon oft deutschen Wirtschaftslage und des deutschen Kredites nach wie vor alles tun, um die Reichsfinanzen auf eine gesunde Grundlage zu entreißen und eine Donautepublit vorbereiten. Henry Be- Boltsgerichte sind, daß die Aussiebung der Geschwore reffen, um die österreichische Republik den Händen Deutschlands zu festgestellt worden, daß die Geschworenengerichte teine stellen und der Vermehrung der schwebenden Schulden mit allen Mitteln entgegenzuwirken, soweit es unter den jetzt geschaffenen ranger sprach sich aus finanziellen Gründen gegen eine Kreditge- nen, die in letzter Instanz von den Spizenrichtern des Landerschwerten Verhältnissen möglich ist. Den bevorstehenden Berhand- gewährung aus, die jedoch aus politischen Gründen zu befürworten gerichts vorgenommen wird, in so einseitiger Weise erlungen mit dem Garantiefomitee wird Gelegenheit geboten sein, der sei. Frankreich müffe vor allem eine Donaupolifit betreiben und dem folgt, daß die große Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung Reparationsfommiffion die nötigen Aufschlüsse hierüber zu geben. mächtigen Alldeutschfum Stiines' in Defterreich Widerstandleisten. vom Geschworenenamt ausgeschlossen bleibt. So haben Die Zahlung der am 15. Juni fälligen Monatsrate von 50 Millionen Poincaré erklärte, daß unter den augenblicklichen Verhältniffen denn gerade die Schwurgerichte in ihrer heutigen ZusammenGoldmark für die Reparationen ist angewiesen. Bis zur Wieder- die Verzögerung der Kreditgewährung die Lage außerordentlich ver- fegung oft die schlimmsten Fehlurteile zu verzeichnen, wir eraufnahme der Anleiheverhandlungen wird die Regierung ihre Auf- schlimmert habe. Man müsse sich die Frage vorlegen, ob man die innern an den Freispruch des geständigen Zeitfreiwilligen gabe darin sehen, einschneidenden Beränderungen der Verträge von Versailles und St. Germain verteidigen wolle, erlinghausen durch das Schwurgericht Schwerin, dem Balutaverhältnisse vorzubeugen. Sie wird deshalb, die den Anschluß verbieten. Vor allen Dingen müffe man einen der Freispruch seiner Komplizen Thormann, Diekmann und falls die Entwicklung der Dinge es etwa erforderlich machen sollte, hartnädigen Kampf gegen die kampagne, die zugunsten einer Wegner voranging, wir erinnern an den Freispruch des gleichmit der Reparationsfommission ins Benehmen trefen, um durch eine wirtschaftlichen und politischen Einverleibung Desterreichs in das falls so gut wie geständigen Schutzpolizeiwachtmeisters Böhm vorläufige Verständigung über die weiteren Zahlungen eine un- Deutsche Reich betrieben werden, führen. Poncaré erwähnte so- durch die Geschworenen in Halle. ann einen Bericht des französischen Gesandten in Wien, der schnelle günftige Entwicklung des Markturfes zu verhüten. Hilfeleistung verlangt, ferner einen Bericht des österreichischen Gesandten in Paris, der die Aufmerksamkeit des Ministerpräsidenten auf wien lenkt und der Befürchtung Ausdruck gibt, unter den jetzt waltenden Verhältnissen müsse Oesterreich über furz oder lang der Anarchie verfallen oder von einem anderen Staat aufgejogen werden. Auch Benesch dränge auf die Gewährung eines kredits an Desterreich. Nach einigen weiteren Debatten beschloß der Senat in diesem Sinne. Dennoch fragt man sich, wie die Offenburger Geschwore nen zu einem glatten Freispruch Killingers fommen konnten. Poincaré und die Bankiers. Einen Milderungsgrund haben sie freilich für sich: Es war wie London, 13. Juni.( BTB.) Der Pariser Berichterstatter des im Prozeß gegen die Mörder Liebknechts und Rosa LugemLondon, 13. Juni.( WTB.) Der Pariser Berichterstatter des burgs: Gegen das Gericht stand die Lügensolidarität ,, Daily Expreß" meldet, Poincaré habe in Unterredungen mit einer Clique von Menschen, die durch gemeinsam begangene Bariser Berichterstattern englischer Blätter erklärt, die Bankier Verbrechen und durch ein ins perverse verdrehtes Standesfonferenz habe fo geendet, wie er erwartet habe; sie habe zu bewußtsein zu einer unlöslichen Einheit zusammengeschmiedet früh stattgefunden. Die Zeit sei für eine Erörterung der Anleihe waren. Was im Liebknecht- Prozeß die Mörderclique des frage noch nicht reif gewesen. Deutschland müsse zu allererst So wenig seinerzeit der englische Borschuß Deutschösterreichs Eden Hotels war, das ersetzte hier die berüchtigte Organi seine Finanzen in Ordnung bringen. Er verstehe vollkommen, Hinabgleiten verhindern konnte, so wenig fönnen es diese Millionen. fation C. Einer dieser Verschwörergarde erwiderte denn daß Deutschland jetzt nicht zahlen könne und daß Deutschland 3eit Wo soll das Geld eines Staates, der sich nicht selbst ernähren kann, auch taltschnäuzig auf die Frage, warum er bei seiner ersten gewährt werden müsse. Borbedingung dafür sei jedoch, daß das und dem eigene Kohle fehlt, um konkurrenzfähig produzieren zu Bernehmung offensichtlich gelogen hätte:„ Es lag doch kein deutsche Budget von Anfang bis zu Ende kontrolliert werde. fönnen, einen Wert hernehmen? Damit meine er, daß die Aufstellung des Budgets und neuer Die Wiener Preffe ist auch selten einmütig: Während die Neue Grund vor, den Leuten gleich die Wahrheit zu Steuern fontrolliert werden müsse. Frankreich werde unter feinen Freie Presse" wieder einen Appell an die Entente richtet, fordert die fagen." Kennzeichnend für die Moral dieser Kreise! Die Umständen einer Herabsetzung der deutschen Zahlungen zustimmen. Mehrzahl der anderen Blätter die Einigung der Parteien zur Wahrheit sagt man nur, wenn es einem aus besonderen Umständen einer Herabsehung der deutschen Zahlungen zustimmen. Gelbsthilfe. Die„ Reichspost"( chriftlichsozial) würdigt Otto Gründen zweckmäßig erscheint. Und so etwas plustert sich Brüssel, 13. Juni.( Agence Belge.) Im Senat erklärte Minister: Bauers Vorschlag auf engeren Anschluß an Deutschland, hat aber dann auf gegen Schuldlüge und dergleichen! präsident The unis, im internationalen Anleiheausschuß habe sich Bedenten gegen feine praktische Durchführung, die zu viel 3eit Delacroig bemüht, den Arbeiten eine Richtung auf tatsächliche erfordern würde; man solle für die finanzpolitischen Maßregeln kommen ausreichend, um wenigstens zu einer Berurteilung Dennoch waren u. E. die Beweise gegen Killinger vollLeistungen zu geben. Delacroig hab insbesondere erklärt, daß Belgien durch ein eigenes Bundesgeseh bis zum Uebergang zur normalen lommen ausreichend, um wenigstens zu einer Berurteilung Staatswirtschaft eine eigene Körperschaft bilden, gegebenenfalls die wegen nachträglicher Begünstigung zu gelangen. Ob niemals eine Berstümmelung einer Forderung ohne Kompen- Regierung selbst mit besonderen Bollmachten ausstatten. Die„ Ar für die vorherige Zusage der Begünstigung, also für sation zulassen werde. Die Bankiers hätten zu einer Einigung zu beiter- Beitung" schreibt: Das ganze deutschösterreichische Bolt, viel die Beihilfe am Mord, der Beweis geführt worden ist, läßt tommen gesucht. Es sei eine fleinere Einfuhranleihe an leicht abgesehen von wenigen Schwarzgelben, sieht den einzigen sich auf Grund der vorliegenden Berichte schwer entscheiden. geboten worden, deren Erträgnis Belgien zugeführt werden sollte. Ausweg aus der hoffnungslosen Lage in einem wirtschaftlichen An- Hier hätte das Dunkel gelüftet werden müssen, das über der Delacroig habe dieses Angebot abgelehnt und erklärt, es sei un- schluß an Deutschland. Daß die Regierung nochmals an die Entente hier hätte das Dunkel gelüftet werden müssen, das über der zulässig, daß Belgien allein aus einer Maßnahme Nußen ziehen appelliert, ist zwed- und hoffnungsios. Die„ Deutschösterr. Abend- ganzen Vorbereitung des Erzberger- Mordes liegt. Das aber folle, aus der Frankreich den gleichen Vorteil haben müßte wie zeitung"( Dnatl.) schreibt an die Spize:„ Die Stunde ist da, auf zur hat die schon gekennzeichnete Solidarität der GeheimorganiBelgien. Die Interessen Frankreichs und Belgiens seien untos. Lat!" und fagt: Die Lebensunfähigkeit Deutschösterreichs ist erwiesen, fation C zu verhindern gewußt. Es ist nicht unwahrscheinlich verknüpft. In der Reparationsfrage hätten übrigens die nehmen wir unser Schiafal jetzt selbst in die Hand, vollbringen lich, daß die Organisation C die Ermordung Erzbergers beBanfiers feineswegs die Türe geschlossen. Lediglich die Frage der mir die befreiende Tat, fehren wir zurüd ins Baterhaus! Das Blatt fchloffen und die Mörder durch das Los bestimmt hat. Aber hierüber wird man wenig erfahren, solange die Beteiligten Form und des einzuschlagenden Berfahrens feien für ihr Berhaiten schließt: Wir sind am Ende, Not fennt kein Gebot dicht halten. Jedenfalls beleuchtet dieser Zustand die große bestimmend gewesen.(?) Man dürfe indessen die Hoffnung hegen, Gefahr, die der allgemeinen Rechtssicherheit durch solche daß sie das Studium der Reparationsfrage wieder aufnehmen und Geheimorganisationen erwächst. die Lösung finden werden, die notwendig sei, um das Problem der Reparationen zu entscheiden, ohne die es feinen wahrhaften Frieden geben könne. Italienischer Parteirat gegen Fraktion. Rom, 13. Juni.( Ep.) Der Landesrat der sozia- Ganz umsonst ist freilich der Prozeß nicht gewesen. Er liftischen Partei hat die von der Kammergruppe und dem Ge- hat die Begünstigung der Erzberger Mörder wertschaftsbund angenommene Tagesordnung 3irardini für durch die Budapester Polizei nor der DeffentlichUnterstützung einer geeigneten Regierung einstimmig verworfeit an den Pranger gestellt, fo klar, daß diese schließlich auch Im Haag ein zweites Genua? fen und mit 13 gegen 6 Stimmen bei 5 Enthaltungen eine Tages- nicht mehr von der Verteidigung Killingers bestritten wurde. Die Haager Konferenz wird immer mehr in Frage ge- ordnung angenommen, in der die Haltung der& am mergruppe Man dürfte nun eigentlich erwarten, daß die Reichsregierung stellt. Am Donnerstag soll bereits der Auftakt der Vorkonfe- kritisiert und daran erinnert wird, daß sie das Bollzugsorgan zu dieser Angelegenheit Stellung nimmt und fundtut, welche renzen vonstatten gehen, ohne daß sich Frankreich und Eng-, der sozialistischen Partei zu bleiben habe. Der Gewerkschaftsbund diplomatischen Folgerungen sie aus diesem Verhalten der land bisher über den Gang der Verhandlungen irgendwie ge- wird an die Achtung des Bündnisvertrages mit der Partei erinnert, Budapester Polizei zu ziehen gedenkt. Bewiesen hat der Prozeß auch, daß Schulz und Tillefsen einigt hätten Frankreich besteht auf einer Einigung unter um die vom Mailänder Kongreß aufgestellten unverföhnlichen den Alliierten noch vor ihren in Genua befchloffenen Bor- Grundsähe einzuhalten. Die Zeitung Baefe" schreibt, daß die die Mörder Erzbergers find. Geschworene begründen und Sonderfonferenzen, die diese Einigung ergeben sollen. sozialistische Kammergruppe trotz dieses Beschluffes des Landesrats ihren Spruch nicht. Aber daß sie Killinger freigesprochen Gerade von Barthou ging dieser Vorschlag aus, während be- die Mitarbeit auf eigene Verantwortung und mit Unterstühung des hätten, weil ihnen die Borfragen für Killingers Schuld, die fanntlich England und Italien sofort gemeinsame Beratun- Gewerkschaftsbundes durchführen werde, der sich von der sozialisti- Täterschaft von Schulz und Tillessen, nicht als erwiesen gegolten hätte, ist kaum anzunehmen. Aufgedeckt worden ist gen wünschten. Wenn trotzdem die französische Regierung heute schen Partei losfage. die Genueser Abmachungen entgegen ihren eigenen Wünschen Damit hat die Richtung Serrati einen„ Sieg" errun- schließlich auch zum Teil das Treiben der Geheimorgani in Genua anders auslegt, fo zeigt das die französische Ab- gen, der für die italienische Arbeiterklasse verhängnisvolle fation C. Aber all das hat zu greifbaren Resultaten nicht ficht, auch die Haager Konferenz zum Scheitern zu bringen. Folgen haben tann. Nicht allein das Zusammenarbeiten geführt. Schulz und Tillessen amüsieren sich in Ungarn, der Das franzöfifche Kabinett hat die englische Antwort auf das zwischen Partei und Gewerkschaften, sondern auch die Einheit Prozeß gegen die Geheimorganisation C wird in München Memorandum inzwischen wieder beantwortet. In der Ant- der Partei selbst erscheint nunmehr gefährdet, da die real- ftattfinden mit welchem Erfolg, das ist na) diesem Freiwort wird die Ausschaltung jeder politischen Erörte- politisch denkenden Elemente des Proletariats nicht gesonnen spruch leicht zu erraten. rung verlangt. Es sollen nur rein technische Fragen, ins find, sich weiter dem blinden Seftarismus eines bolschebesondere die Frage der Schulden, des Privateigentums und wisierenden Parteivorstandes zu fügen, der die Hauptschuld an der Kredite behandelt werden. Betont wird besonders, daß der bisherigen katastrophalen Entwicklung der Dinge trägt. Alles in allem tann der Ausgang dieses Prozesses nur erneut dazu führen, daß das Vertrauen zu der deutschen Rechtsprechung wieder um einige Grade sinkt. Mögen die Verteidiger der heutigen Justiz auch jedesmal Gründe und Gründchen zusammenschleppen, marum es gerade in diesem Fall so und nicht anders kommen konnte, die Oeffentlichkeit sieht doch nur immer das eine: oonreaktionärerSeite wird Mord auf Mord, Attentat auf Attentat verübt, unddie st räfendeGerechtigkeitbleibt mit automatischer Sicherheit aus. Aber die Reaktionäre mögen nicht gar zu laut hierüber triumphieren. Je eindeutiger das völlige Versagen der Justiz sich kund tut, desto unwiderstehlicher wird die Forderung auf Aenderung des heutigen unmöglichen Zustandes immer weitere Kreise ergreifen, desto lauter wird der Ruf nach I u st i z r e f o r m anschwellen, desto schneller wird sich die heutige Unrechtsprechung ihr eigenes Grab graben. Der letzte verhanölungstag. lZffenbtjrg. 13. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Die vormittags- sitzung begann mit der Vernehmung des letzten Zeugen, des Studenten P r i n c e. Cr Hot der Organisation C angehört und hatte„bolsche- nnstische Nachrichten" zu sammeln. Er gibt an, Schul, noch nach dem Morde in München gesehen zu haben und setzt sich damit in Widerspruch zu seinen Aeußerungen in der Voruntersuchung. Das Gericht vereidigt ihn nicht. Gegen den Widerspruch der Verteidiger entspricht das Gericht dann dem Wunsch der Staatsanwaltschaft, den Unters uchungs- r i ch t e r darüber zu vernehmen, was der Zeuge Tillessen, der Bruder des Mörders, bei der Vernehmung über seinen Bruder erzählt habe. Tillessxn schilderte nach den Aeußerungen des Untersuchungsrichters, damals seinen Bruder als einen zurückgezogenen Menschen, der durch die politische Entwicklung sich vollkommen zerrüttet fühlte. Besonders erbittert war er gegen die Freimaurerei, der er die» Schuld an dem Zusammenbruch Deutschlands' zuschrieb. Dem Untersuchungsrichter hat ein von ihm vernommener Zeuge erklärt, Schulz und lTillessen seien der Meinung gewesen, man könne nur durch Mord und Totschlag zu neuen Derhältuisieu in Deutschlands kommen. Der Bruder soll welter erklärt hoben, daß es ihm schleierhaft sei, woher Tillessen für die von ihm unter- uommenen Reisen das Geld habe. Der als Zeuge anwesende Karl Tillessen erklärt, daß mit den Worten„Mord und Totschlag" gemeint sei, es müsse zu einen Auseinandersetzung zwischen Rationalismus und Iniernationalismr/ kommen. Natürlich könne dieser Kampf nur mit den Waffen ausgefochten werden.— Staatsanwalt und Verteidiger verzichten auf die Verhandlung weiterer Beweismittel. Die Fragen an die Geschworeueu lauten: 1. Ist der Angeklagte Manfred Killinger schuldig, dem Kauf- mann Hermann Schulz aus Saalfeld und dem Oberleutnant a. D. Heinrich Tillessen aus Köln-Lindenihal, nachdem sie den Reichstags- abg. Matthias Erzberger am 26. August 1921 bei Griesbach gemeinschaftlich durch mehrere Pistolenschüsse vorsätzlich und m i t lleberlegung getötet hatten, wissentlich Bei st and geleistet zu haben, um sie der Bestrafung zu entziehen und den Tätern diesen Beistand vor der Begehung der Tat zugesagt zu haben? Die zweite Frage hat denselben Wortlaut, nur fallen die Worte „und den Tätern diesen Beistand vor der Begehung der Tat zuge- sagt zu haben" fort. Sodann führt der Staatsanwalt in zweistündiger Rede u. a. den Nochweis, daß Schulz und Tilleffen auf Grund der Tat- fachen, wie sie aus der Beweisführimg hervorgegangen sind, als Mörder Crzbergers betrachtet werden müssen. Wenn diese Voraus- setzung stimmt, so ist anzunehmen, daß sie die Tat dadurch begangen haben, daß sie mindestens eine Woche lang scharf und planmäßig Erzberger wie Bluthunde verfolgt haben. Unter allen Umstünden hält der Skaatsanwalt die Begünsti- gung der Mörder nach der Tat, also den Tatbestand der Frage Nr. 2 für erwiesen. Er stellt alle Momente zusammen, die den Verdacht rechtfertigen, daß Killinger vor der Tat schon gewußt habe, daß sie geplant ist. Aus diesem Grunde hält er die Möglichkeit für gc- geben, die Frage Nr. 1 zu bejahen. Der Ve r t e i d i g e r weist darauf hin, daß der Indizienbeweis weder gegen Schulz und Tilleffen noch gegen Killinger geschlossen sei. Killinger müsse freigesprochen werden: er sitzt neun Monate In Untersuchungshaft. Der zweite Verteidiger schildert den Angeklagten als einen einwandfreien Menschen, dem nur das Wohl des deutschen Volkes als Ziel vor den Augen schwebte. Nach einer Gegenrede Zwei Cinlaöungen. von Karl Ettlinger(Karlchen), München. Heil ist mir widerfahren: ich war eingeladen. Lei Schiebers. Oh, waren das vornehme Menschen. Da hat man wieder einmal sehen können, wie der Krieg die Menschen veredelt. Vor sechs Jahren hat Herr Schieber noch mit alten Hosen gehandelt.„Zahle die höchsten Preise, Karte genügt, komme sofort." Und wer fünf Minuten mit ihm geschwätzt hat, hat sich hernach stundenlang ge- kratzt. Wenn er beim Nachhausekommen von seinen damaligen Geschäftsgängen seine Schuhe abgebürstet Hai, hat er immer die große Zehe mitgebürstet, weil die aus dem Stiesel herausgeschaut hat, und wie er einmal beim Durchkramen einer fremden Kehricht- tonne eine Zahnbürste gefunden hat, hat er einen Geschäftsfreund gefragt:„Du. was is denn das?" Heute erinnert sich Herr Schieber nicht mehr an diese Zeit. Er hat ein eigenes Haus mit Lift und Dienerschaftseingang. Wenn »r eine von den beiden Treppen hinaufgeht, denkt er keineswegs mehr daran, wieviele Treppen er schon in seinem Leben hinunter- geflogen ist. Auch von jener primitven Art der Maniküre, die Nägel abzubeißen, ist er abgekommen. Er hat getrennte Schlaf. zimmer und— das kann ich ihm nachfühlen. Er trägt nur die feinste Bildung, kein« alle Ware, sondern funkelnagelneu. Sein Lieblingsfremdwort ist Waggon. Das einzige Fremdwort, das er richtig ausspricht. Aber er gebraucht's fast nur am Telephon. Und das ist sehr einträglich. Seine Alte— Verzeihung, seine Frau Gemahlin— ist«ine äußerst sympathische Dam«. Nun ja, sie spricht etwas unortho- graphisch, dafür aber sehr anhaltend. Sie hat zwei Zofen, eine ganze Rachttischschublade voll Haare, und wer ihren dekolletierten Busen sieht, muß einen Schnaps trinken. Am schönsten ist sie, wenn sie lächelt: das wiehert, als hätte jemand eine Handgranate in einen überfüllten Pferdestall geworfen. Wo Platz ist, trügt sie Brillanten. Man braucht nicht lange darüber nachzusinnen, was sie gekostet haben, sie sagt es jedem unaufgefordert. Dann braucht man die Zahl nur durch zwei zu dividieren, und dann weiß man's. Also bei diesen Leuten war ich eingeladen. Schiebers haben nämlich»ine Tochter und für die wird ein Mann gesucht, was Bil- dung hat und Foxtrott tanzt. Er muß Zukunft haben— Vcr- gmigenheit braucht er keine zu haben, die hat die Tochter selbst. Die Tochter schwärmt für Rabindranath Tagore, nur weiß ich nicht recht, ob das ein Maler oder eine Zigarettenmarke ist. Beethoven ist ihr Lieblingsdichter und Michelangelo ihr Lieblingstomponist. Vor ihrer Mitgift muß man den Hut abnehmen. Und alles Gold, nicht Papier. Schiebers haben noch einen ganzen Koff'r voll Gold- geld, das geben sie dem Vaterland— sobald die Valuta wieder auf hundert steht. Es war wunderschön bei Schiebers. Diese Weine, die Jahr- gange beinah« so alt wie die Hosen, mit denen der Hausherr früher handelte. Und die Stimmung, es war ein fortgesetztes Anstoßen und Aufstoßen. Und di« Unterhaltung. So viele Zahlen have ich noch nie an einem Abend gehört. Und ein Grammophon hat gespielt — wirklich vornehme Leute werden doch nicht selber spielen. Ent- zückend Hot es gespielt: die bekannte symphonische Dichtung„Eine d des Staat sanwasts nnd efner Erwiderung des Verteidiger» ziehe» n sich die Geschworenen zurück: nach halbstündiger Beratung erscheinen j sie wieder. Sie haben beide Echuldfragen verneint, so daß der . Angeklagte sofort freigesprochen werden mußte. Die Kosten sall«n der Staatskasse zur Last. Der Hastbefehl � wurde sofort aufgehoben. 1 Da lich vor dem Gerichtsgebäude eine große Menschenmenge an- gesammelt hatte, die auf das Urteil wartete, verließ von Killinger r nach der Freisprechung in einem Gerichtsauto das Gebäud« durch z eine Seitentür. vor die sich sofort viele Menschen drängten, die f Killinger mit Hurra, und Hochrufen und durch Winken x mit den Taschentüchern begrüßten. Interpellation über öie Regimentsfeiern. Die sozialdemokratische R e i ch s t a g» fr a ktl o n hat . folgende Interpellation eingebracht: ,„Ist der Reichsregierung bekannt, daß die sogenannten Regi- mentsfeiern, die von Angehörigen der alten Armee, vorwiegend ) des Offizierkorps, veranstaltet werden, sich immer mehr zu a n t i« , republikanischen Kundgebungen ouswachsen? z Ist ihr bekannt daß von sogenannten Tradition»- kompagnien der Reichswehr die Verbindung mit den t Veranstaltern solcher Kundgebungen ständig austecht erhalten wird und daß sich Reichswehrtruppen an diesen Kundgebungen b e- teiligen? Was gedenkt die Relchsregierung zu tun, um die innen, und außenpolitischen Schädigungen des Reiche», die aus den fogenann- ten Regimentsfeiern und ähnlichen militaristischen Veranstaltungen drohen, abzuwenden, den republikanischen Charakter der Reichswehr unbedingt austecht zu erhatten und den inneren Frieden zu schützen?" Bei Besprechung dieser Interpellation werden von den Sprechern aller Fraktionen auch die Vorgänge in Königsberg am 11. Juni zur Sprache gebracht werden. Ein rechtsputsthiftifches Sekenntnis. Im vormals Wullefchen„Deutschen Abendblatt", dem Organ der deutschvölkischen Richtung in der deutschnationalen Partei, schreibt F r. S o n t a g, der Direktor dieses Preß- Unternehmens, am Ende eines Nekrologs auf Kapp wörtlich folgendes: Wie ich damals, neben dem Grafen Westarp in der .Kreuzzeitung", in einer von mir geleiteten Wochenschrift fast als einziger im nationalen Lager öffentlich für Kapp und sein Unter- nehmen eingetreten bin, so werde ich ihm auch über den Tod hinaus ein dankbares, treues Gedenken bewahren. Er war ein Mann von vornehmster, untadettger Gesinnung und ein Politiker, der auf alle Fälle mehr vom Handeln, als vom Reden hielt. Nehmen wir des- halb dos mit seinem Namen verknüpfte März-Unternehmen als ein erfreulichesZeichen dafür, daß dieses Geschlecht, wie sein Beispiel gezeigt hat, in unserer an Worten so reichen, an Taten aber so armen Zeit noch nicht völlig ausgestorben ist. Und so mag er in unserer Erinnerung als der Vorläufer jenes Stärkeren leben, der nach ihm kommen wird, und dem unsere ganze Hoffnung gilt! Das ist das klarste, eindeutigste Bekenntnis zum gemalt- samen Umsturz der bestehenden Reichsverfassung, das sich überhaupt denken läßt. Da die deutschvölkische Richtung einen Bestandteil der deutschnationalen Partei bildet, ist festzustellen, daß diese Partei die Maske der Gesetzlichkeit ab» geworfenhat und für die von Sontag empfohlene Politik die volle Verantwortung trägt. Pittinger nicht geflohen. Der Sanitätsrat Dr. Pitttnger sendet uns aus München folgende Berichtigung: „Die Notiz in der Abendausgabe vom 8. Juni— nach der der Dr. Pittinger, JCm Organisator der bayerischen Separattsisn- bewegung" sich einem Bericht der„Münchn. Post" zufolge seiner Ab. urteilung durch das Reichsgericht durch die Flucht entzogen Hab«— ist in jeder Beziehung unwahr." , kleine Freundin hat doch jedermann". DI« Tochter hat die Melodie mitgebrummt, ich finde: mit dem Brummen muß sie die doppelte Mit- gift mitkriegen. Meiner Ansicht nach brauchen die Leute einen taub- stummen Schwiegersohn. Wenn er auch blind ist, um so besser für ihn. Nach dem Fressen boben wir ein Verdauungstänzchen gemocht. Erst tanzte ich mit der Mutter, dann mit der Tochter, das war keine leichte Arbeit, und ich glaube, jetzt kann ich auch mit dem vernagel» ten Hindenburg tanzen. Mitten im Shimmy wurde Papa Schieber plötzlich ans Telephon gerufen. Wie er nach fünf Minuten zurück- kam, meinte er:„Wieder sechzigtausend Mark verdient, di« Leute rufen einen wegen jeder Kleinigkeit ans Telephon." Leider habe ich mich bei Schiebers unmöglich gemacht, ich be- haupiete nämlich, der Farbendruck über dem Büfett sei nach einem Gemälde von Murillo, und Mama Schieber blieb dabei, der Maler hieße Gorilla. Murillo, das sei ein Tier, von was die Menschen abstammen. In Gemälden kenne sie sich aus, sie habe die ganze Münchener Pinkelothek im Kopf. Wir haben uns herumgefttitien, sie ist in Ohnmacht gefallen, es hat einen furchtbaren Fettfleck gc- geben, und ich bin fort. Gestern war ich woanders eingeladen, bei einem Univcrsitäts- Srofessor. Es Hot nur deutschen Tee geaeben und Marmeladcbrot. ind es wurde kein Foxtrott und kein Shimmy getanzt. Und den ganzen Abend ist keine einzig« Zahl genannt worden, sondern die Leute haben über«in Buch gesprochen, das sie tatsächlich gelesen hatten, und nachher haben sie Kammermusik gemacht. Ohne Gramms- phon, nur mit der Hand. Auch ans Telephon wurde der Herr Pro- fessor gerufen, aber als er zurückkam, hatte er keine 60 000 Mark verdient, sondern eine vornehme Schieberfamilie hatte ihm die Privatstunden abgesagt. �So eine Pandel" sagte der Herr Professor. Scheußlich, wie ungebildet diese Universitätsprofessoren sind im Per- gleich mit Herrn Schieber u. Co. Heil Goethe Dir! Zu der von uns gemeldeten Ernennung des Hakentreuz-Professor Roethe zum Vorsitzenden der Goethe-Gescll- schaft geht uns aus Lesersteisen nachstehender Dithyrambus zu: Endlich hat jener Geist der Gerechtigkeit, den wir täglich über den Sälen der preußischen Justiz thronen sehen, auch hier seinen Triumph- zug angetreten. Gustav Roethe ist zum Vorsitzenden der Goethe- Gesellschaft ernannt worden! Was ist uns Roethe, was war er uns? Er, dem schon heute die Geschichte in unbestechlichem Gerech- tigkeitssinn den stolzen Beinamen„Der eiserne Iustav" verliehen, er bewachte im Weltkrieg in schimmernder Wehr den Potsdamer Bahnhof zu Berlin und bewahrte so die Reichshauptstadt vor den mit den D-Zügen einflutenden Scharen des westlichen Erb- fcindes, so die völkisch« Wirksamkeit seiner politischen Freunde, Kapp, Ludendorff und anderer Helden ermöglichend. Der unaus- löschliche Dank nicht nur de» von ihm geretteten Berlins, sondern auch des deutschen Vaterlandes ist ihm sicher. Die Gerechtigkeit ist auf dem Anmarsch, und nur böswillige Zungen können behaupten, daß Goethe diese Ehrung nicht verdient habe. Jetzt frisch ans Werk! Ernennen wir B r u n n e r zum Vorsitzenden der Kleist-Gesellschast und Knüppel-Kunze zum Präsidenten der Kani-Gesellschaft— dann mag der geistige Wiederaufbau Deutschlands frisch-fröhlich begirrnenl �___ wp. D!e Krise üer USp. Im Organ der USP.-Rechten, dem„Sozialist", verössent- licht der frühere„Freiheit"-Redakteur Gerhart S e g e r einen Artikel über„die geistige Krisis unserer Partei", in dem e? erklärt: Die ASP. Ist auf dem besten Wege, dem Vordringen der sozio» listischen Erkenntnis unüberwindliche Hindernisse zu bereiten, wenn sie den Arbeitern keine wertvollere geistige Kost zu bieten weiß, als in ihnen das radikale Gefühl und den blinden Glauben an alleinseligmachende Leipziger Dogmen(Aktionsprogramm von 19191) zu erwecken. Der eine Teil der Arbeiterklasse sei in Erkenntnis der ge» schichtllchen Entwicklung dazu gelangt, positiv zu arbeiten und unter den gegebenen Verhältnissen jede Position zu er- obern, die gestattet, die früher nur propagierten Forderungen zu realisieren. Der andere Teil wirkt rein negativ, er lege das Schwergewicht auf die Agitation. Je mehr der erste Teil erreiche, desto phantastischer würden die Forderungen des anderen, der zu ihrer Berwirklichung ja auch nichts tue. Seger erklärt: Die Scheidelinie zwischen dem positiven und dem negativen Tell der Arbeiterbewegung geht mitten durch unsere Partei; wir stehen, und darin besteht unsere Krisss, vor der Entscheidung, ob wir zum positiven oder negativen Teil gehören wollen. Die Rechlssozialislen sind der positive, die Kommunisten der negative Teil. Der Herausgeber der Zeitschrift selbst, Dr. Breit» scheid, stellt an die„Freiheit" eine Reihe von Fragen, aus denen hervorgeht, daß nach seiner Meinung eine geeinigte Sozialdemokratie in einer Koalition viel mehr erreichen könnte als die SPD. Zu den bisherigen Ausführungen der„Frei- heit" bemerkt er: Man mag darüber streiten, ob die Formel, nach der die USP. die Regierung bekämpft, in der die SPD. sitzt, in ihrer Einfachheit den Tatsachen gegenüber zu bestehen oermag. Ts braucht uur an den Antrag Crispien in der letzten Reichstagssitzung vor den Pfingstferien erinnert zu werden. Bekanntlich hatte Crispien durch seine damalige Haltung die Verteidigung der Regierung Wirth gegen einen reaktiv-. nären Vorstoß übernommen. Das war ungemein vernünftig, beweist aber, daß die Behauptung, die USP. bekämpfe„vom Boden des Klassenkampfes" aus die Koalitionsregierung bis aufs Messer, nur Sand in die Augen von Kindern ist, denen man die Wahrheit zu sagen sich noch nicht traut. Ebert bei vollmar. Auf der Rückfahrt vom Walchensee-Kraftwerk hat der Reichs» Präsident Ebert unserem alten Genossen Georg v. Vollmar am Walchense« einen Besuch abgestattet. Genosse v. Vollmar, einst der unbestrittene Führer der bayerischen Sozialdemokratie und ein« der markaniestett Persönlichkeiten der Gesamtpartei, liegt seit Jahren vollständig gelähmt darnieder. Auch seine Gattin ist infolge eines Schlaganfalls gelähmt. Jahrelange Freundschaft hat den Sozial- demokraten Ebert mit dem Sozialdemokraten Vollmar verbunden. Dieser Freundschaft gab er jetzt bei seiner amtlichen Reise erneut Ausdruck._ Neues Dpnamitattentat in Hamburg! Hamborg, 13. Juni.(MTB.) Vergangene Nacht wurde aber- mals ein Sprengssossanschlag auf die kommunistische Buchhandlung in der Admiralitätsstraße verübt. Wie die Mittagsblätter melden, ist nennenswerter Schoden wicht angerichtet und niemand oerletzt worden. Es scheine sich um einen Dummenjungenstreich zu handeln. Däumigs Befinden besorgniserregend. Wie wir erfahren, ist der Zustand Ernst Däumigs, der im Reichstag von einem Ohnmachtsanfall betroffen wurde, sehr besorgniserregend. Auf dem Transport ins Birchow-Krankenhaus befielen ihn Herz- krämpfe. Vor zwei Jahren hatte Däumig einen ähnlichen Anfall zu überstehen. Das wikingerfchiff von Ofeberg. Der eigentümliche Wikinger- brauch. Tote in einem Schiff zu begraben, das in die Erde gefetzt und mit einem Grabhügel überdeckt wurde, hat uns einige Wikinger- schiffe gerettet, die in Norwegen ausgegraben wurden. Zu den berühmten Funden von Sarpsborg und Gokftad ist der Fund eines dritten Schiffes getreten, der auf Ofeberg im Amtsbezirk Iarl?- berg gemacht wurde. Ueber dieses Schiff, das sorgsam restauriert und in der Sammlung der Universität von C h r i st i a n i a aufge- stellt wurde, und über das bisher bei uns wenig bekannt geworden ist, macht Dr. Jens Snenson in der„Umschau" eingehende Mit- tcilungcn. Da das Schiff in blauer Tonerde lag und der Grab- Hügel aus Torf aufgebaut war, wurden olle Altertümer aus Holz und anderen vergänglichen Stoffen gut erhalten, doch war dos Schiff selbst infolge von Erdbewegungen stark beschädigt. Ueber dem mittleren Teil des Schiffes befand sich eine Grabtammer, die leider im Altertum ausgeplündert worden war und in der nur noch Teile von zwei weiblichen Skeletten gefunden wurden. Es war also augenscheinlich eine vornehme Frau in dem Schiff begraben worden, der eine Dienerin hatte in den Tod folgen müssen. Unter den Toten- geschenken, die beigegeben waren, befanden sich Webe- und Spinn- gerate, Garnknäule und Wachs. Außerdem barg man einen vier- rädrigen Wagen, der über und über mit wundervollen Schnitzereien verziert war, vier Schlitten, mehrere Bettstellen, Küchengerät, Wasch- kübel. eichen- Truhen, zum Teil mit Inhalt, ferner Stoffreste. Federn und Daunen aus Bettdecken und Kopspolstern, eine runde Stangs mit eingeschnitzten Runen, einen gut erhaltenen Anker und anderes Schiffsinvcntar, sowie eine Menge Gerippe von Pferden, Ochsen und Hunden, die bei der Beerdigung erschlagen worden waren. Das ganz aus Eichenholz hergestellte Schiff hat eine größte Länge von 21V, Meter und größte Breite von etwas über S Meter: es war ein Fahrzeug mit 15 Rudersstzen. Seiner ganzen Ausrüstung nach muß es ein Prunkschiff gewesen sein, das nur zu Fahrten innerhalb des Fjords und in geschlossenen Fahrwässern diente. Auf Grund der Ornamente und anderer Umstände kann man annebmen, daß es au» der Zeit um 800 n. Chr. stammt. Nach dem Schiff selbst ist das Interessanteste des Oseberg-Fundes der vierrädrige Wagen, dessen wundervolle Tierornamcntik zum Schönsten gehört, was aus jener Zeit erhalten ist. Rachlflüge. In dem Flugdienst zwischen London und Pari» sind jetzt sowohl von englischer wie von französischer Seite auch Nachtflüge eingeführt worden, bei denen die Flugzeuge abends von dem Aus- gangsflugplatz abfliegen und die Rückreise in früher Morgenstunde antreten. Im Kriege waren solche Nachtslüge von Bedeutung, doch auch im Frieden strebt man nun danach, die Abflug- und Landezest wie bei allem anderen Verkehr von der Helligkeit unabhängig zu machen. Sodann wird die Zeitersparnis, die der Hauptvorteil de» Luftverkehrs ist, bei Flügen in der Dunkelheit, also außerhalb der Geschäftszeit, am meisten bemerkbar. In seinem soeben erschienenen Buch„Vom Flieoen" bespricht Prof. Kort Weoener auch den Nacht- flug und gibt dafür eingehende Verhaltungsmaßregeln. Da in der Höhe die verdunkelnde Dunstschicht fcblt, so sieht man den Horizont auch in der Nacbt meist ausreichend klar. Das Meßo-rät im Flug» zeug darf nur schwach beleuchtet werden, damit das Auge nicht ge» blendet wird, wenn es vom Meßgerät zum Horizont schmeist. Hat man dichte Wolken über sich oder befindet sich noch im Dunst, so ist Zum Moskauer Prozeß. Die russischen Sozialisten haben am 12. Juni folgenden Aufruf telegraphisch an die Vertreter der 2. Internationale, der Wiener Arbeitsgemeinschaft und an die Gewerkschaften der Amsterdamer Internationale gerichtet: Das Leben der angeklagten Sozialrevolutionäre, das durch die auf der Berliner Konferenz der drei Internationalen gegebenen bindenden Erklärungen scheinbar vollkommen gesichert war, ist aufs neue Gefahren unterworfen. Auf Befehl des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei werden in allen Städten Rußlands im Namen der Arbeiter und Soldaten Resolutionen gefaßt, die eine Todesstrafe fordern. Im Zusammenhang mit der unwürdigen Pogromhege, welche die Sowjetregierung gegen die in Moskau anwesenden sozialistischen Verteidiger, die entgegen den Versprechungen tatsäch lich einem fie in der Ausführung ihrer Verpflichtungen behindern den Hausarrest unterworfen sind, organisiert hat, ruft die Rampagne für eine Todesstrafe der Angeklagten die größte Beunruhigung in uns hervor. Der deutsche Arbeiter und Frankreich. Die mit diesem Thema am Dienstagabend abgehaltene Berdieser Glaube geschwunden. sammlung im Lehrervereinshaus war überaus zahlreich besucht. Der Redner erinnert an das Auftreten des Generals Boulanger und lung zunächst die Redner vor, insbesondere die ausländischen Gäste unerschüttert. Beide Republiken müssen sich als SchwesternGenosse Ed. Bernstein als Vorsitzender stellte der Versamm an die Dreifus- Affäre. Doch all das ließ die Republik in Frankreich von der Abordnung der französischen Liga für Menschenrechte. republiken fühlen. Im Völkerbund liegt ein guter Keim. - allAls erster Redner sprach der greise Abg. Buisson Paris, Er muß sorgfltig gepflegt werden. Deutschland muß gleichberechtigt der uns zunächst um das Frauenwahlrecht beneidete und in den Völkerbund eintreten. Keine einseitige Abrüstung dann ausführte, es gelte den ersten Versuch zu machen, die Völker gemeine Abrüstung! Kampf nicht nur dem Kriege, auch der wieder einander näher zu bringen. Es sei dies feine Utopie, fon alten Geheimdiplomatie, an deren Stelle internationale BerständiDiefe Resolutionen, die mit der tatsächlichen Meinung der Bolts- dern der einzige Ausweg. An die Stelle der Entscheidung durch gungspersonen! Die französischen Genossen werden in Frankreich massen nichts gemein haben und unter dem Drud bewaffneter Gewalt müsse die Entscheidung durch das Recht treten. Höher den Kampf gegen die Rückständigkeit, gegen den Militarismus neu Abteilungen und unter der Drohung mit Repressalien durchgeführt als der Ruhm des Krieges stehe der Ruhm der Gerechtigkeit. gestärkt aufnehmen.( Lebhafter Beifall.) werden, werden unter Teilnahme von Mitgliedern der Regierung wieder zusammengebracht werden. Ein neuer Krieg bedeutet den voran, die Befizenden entsprechend heranzuziehen, so fürchten Die beiden Kulturvölker Deutsche und Franzosen müssen vor allem Genosse Kuczynssi: Ginge Deutschland mit dem Beispiel und des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale mit Selbstmord des Menschengeschlechts.( Dem Uebersetzer wurde die französischen Kapitalisten, daß auch sie in gleicher Weise heranTrotti an der Spize gefaßt. Radek selbst, der in Berlin das hier das Wort Avignon zugerufen; er fertigte den Zwischen gezogen werden könnten. Die Widerstände gegen eine vernünftige Bersprechen der Unantastbarkeit für das Leben der Angeklagten gab, rufer treffend ab. Genosse Bernstein bemerkte hierzu, daß, als Regelung seien in den tapitalistischen Lagern beider Länder zu fordert im Moskauer Sowjet ihre Bernichtung. Die sweftija" am 8. Juni einer der Generäle Frankreichs in Avignon sprechen finden. Das deutsche Kapital habe sich schon vor dem Kriege und meldet, daß das Präsidium des Exekutivkomitees der Kommunisti- wollte, er von den dortigen Genoffen daran verhindert wurde.) noch mehr während des Krieges als antinational erwiesen. schen Internationale über die Frage berät, inwieweit die Ver- Genosse Ströbel führte aus, heute fönne man noch nicht mit wachsender Besorgnis müsse man sehen, mit welchem Eifer die pflichtungen für das Präsidium bindend seien, die in seinem Namen als Tatsache verkünden:" Nie wieder Krieg!" Der Gewaltgedanke deutschen Kapitalisten bestrebt find, die Masse des Volkes von den in Berlin von Radet, Zetkin, Frossard gegeben wurden und die ist aus den Köpfen und Herzen noch nicht wieder ausgerottet, der Gegensätzen im Lande auf die Franzosen abzulenten. Doch dürfe durch seine eigene Resolution und durch seine Erklärung beim Aus- solange fünftlich angefachte Haß noch nicht erstorben. Die Welt man nicht vergessen, was die deutschen Landwirte, Raufleute und trise hat die Nationen noch nicht zur Ruhe tommen laffen. Während Industriellen dem Volke an Ausbeutung geboten haben. Die Har tritt aus der Neunerkommission bestätigt worden sind. durch die Geldentwertung in Deutschland die große Masse des Volkes monie zwischen den Kapitalisten beider Länder erschwere eine Berperelendet, haben die Sieger und neutralen Länder mit ungeheuren ständigung. Die Wirtschaftskrisen und Arbeitslosigkeit zu rechnen. Auch die Kata- Einheitsfront der deutschen und der französischen Arbeiter strophe in Rußland sei auf den Weltkrieg zurückzuführen. Trotz der müsse aufgerichtet werden gegen den deutschen und den französischen militaristischen Bestrebungen in Deutschland weist die große Masse Kapitalismus. des deutschen Boltes, insbesondere die Arbeiterklasse den Gedanaber noch viele diesem Gedanken zugänglich sind, ist es notwendig, beigetragen hat. Er habe heute ein verändertes Berlin fen eines Revandefrieges entschieden zurüd. Da Dantes für das, was die deutsche Sprache zur Kulturverbreitung Professor Ruyffen fpricht zunächst Deutsch als Zeichen feines eine Propaganda für die Kriegsgegnerschaft zu entfalten. Wir be- vorgefunden. Als Student von 29 Jahren habe er unter den Linden Wir, Vertreter aller russischen sozialistischen Parteien, erklären fämpfen den Krieg, weil wir gesehen haben, wie alle Kultur durch den preußischen Militarismus tagtäglich beobachtet. Heute sei das dem internationalen Proletariat: Ein unerhörtes Verbrechen, ver den Krieg gelitten hat. Auch der innere Krieg, die Strupellosigkeit Wachgebäude leer und still. Für ihn als franzöfifchen Republikaner bunden mit einem unerhörten Bruch des Ehrenwortes, bereitet sich der Meuchelmörder ist auf den Krieg zurückzuführen. Angesichts der von seiten der Leute, die sich Revolutionäre nennen, vor. Eine un- Verwüstung der Geister und Gemüter durch den Krieg müssen wir sei der Umschwung in Deutschland eine erfreuliche Tatsache, zu der erhörte Verhöhnung des einstimmig ausgesprochenen Willens des erst recht dazu kommen zu erklären: Nie wieder Krieg! Gemeinsam er den Deutschen nur gratulieren könne.( Französisch fortfahrend:) internationalen Proletariats geht vor sich. Im Namen der sozia- mit den Vertretern der Liga der Menschenrechte müssen wir eine Das Völkerbundstatut ist nicht von Militaristen, sondern von Ge lehrten ausgearbeite. Es ist möglich, daß die Sieger sich zu listischen Solidarität, im Namen der Zukunft der russischen ReRevision der Friedensbedingungen viele Rechte dabei herausgenommen haben. Doch das beste Mittel volution stellen wir an alle sozialistischen Parteien die Forderung, und der neuen Grenzen anstreben, nicht durch die Macht der Waffen, zur baldigen Reformierung dieser Sagungen ist der Eintritt aller unverzüglich alle in ihrer Macht stehenden Maßregeln sondern durch die Macht der Argumente. Der Gedante der Kultur- Bölfer, vor allem auch Deutschlands, in den Völkerbund. zur Verhinderung dieses Verbrechens zu ergreifen. Nur die solida- zusamemngehörigkeit der Nationen hat im deutschen Volke tiefe Bölferbund habe auch zugunsten der Deutschen in Polen gewirkt rische Unterstützung aller sozialistischen Parteien und Arbeiterorgani- Wurzeln geschlagen. Nicht fapitalistische Einflüsse, sondern der Wille und wirte weiter zum Schuhe der nationalen Minderheiten, wor sationen wird es den in Moskau anwesenden sozialistischen Ver- des Volkes foll herrschen. Nicht nur Aussöhnung zwischen Deutsch unter sich 20 Millionen deutscher Stammesgenossen befinden. teidigern ermöglichen, erfolgreich jene Aufgaben zu erledigen, mit land und Frankreich, sondern die Berständigung aller Böller müsse Deutschland sei durch seine Beteiligung am internationalen Arbeits bureau bereits mit einem Fuße im Völkerbund drin, es müsse deren Durchführung sie das internationale Proletariat betraut hat unsere Parole sein. ganz hinein. Der Völkerbund trete auch für die Einführung des und die sie mit einer solchen Selbstaufopferung auf sich genommen Achtstundentages ein. Wollte man in Deutschland den Friedens vertrag als einen Fehen Papier betrachten, so würde das fein Franzose verstehen. Bu einer vernünftigen Umgestaltung fomme man erst durch eine Erneuerung der Geistesverfassung, der Abrüstung des Hasses. Die Einsicht muß reifen, daß der Krieg die furchtbarste Majestätsbeleidigung gegenüber der Majestät der Menschheit ist. haben. Die Auslandsdelegation der Ruffischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei: Abramowitsch, Dan, Martoff. Die Auslandsdelegation des Jüdischen Bundes: Judin. Die Auslandsdelegation der Partei der Linken Sozialrevolutionäre- Internationalisten: Schreider. Die Auslandsdelegation der Partei der Sozial revolutionäre: Sensinoff, Rubanowitsch, Rusanoff, Genosse Renaudel- Baris erklärt, daß er diesmal nicht als Parteigenosse tomme, sondern als Mitglied der Liga für Menschen. rechte. Durch die Eindrücke, die er im neuen Deutschland gewonnen hat, sei er in seinen Sympathien für Deutschland bestärkt. Nicht jede Bestimmung des Friedensvertrages ist schlecht. Was aber daran schlecht ist, wollen wir in Uebereinstimmung mit den deutschen Genoffen beseitigen. Es gibt nur eine Möglichkeit der Einigung, und zwar die, daß die Republit in Deutschland nicht nur erhalten, sondern wie ein rocher de bronze gefestigt wird. Frankreich macht eine furchtbare wirtschaftliche Krise durch. Der Finanzminister fann selber nicht angeben, ob die Schuld 30 oder 40 milliarden beträgt. Zur Wir möchten bei dieser Gelegenheit an den Fall Bo1- Zeit der Wahlen wurde geglaubt, Deutschland könne mehr zahlen, drini erinnern. Der Italiener Boldrini hat seinerzeit in als es gezahlt hat. Heute ist voller Ueberlegung seine Bombe in einen Theaterraum geschleudert und dadurch eine große Anzahl unschuldiger Suchomlin, Tschernoff. Menschen, vor allem Frauen, für ihr Leben zu Krüppeln gefchen Gerichten, die in Sowjetrußland nicht in dem Verdacht macht. Obwohl es sich hier um einen Grenzfall handelt, bei stehen können, feine Klaffenjustiz geübt zu haben, in Anbe dem man nicht mehr mit Bestimmtheit sagen tann, ob sich die Tat noch in den Rahmen eines politischen Verbrechens einreihen läßt, ist Boldrini zu lebenslänglichem Zuchthaus und richt zum Tode verurteilt worden. Weiter möchten wir auf Max Hölz hinweisen, der in seinem ganzen Auftreten allem mehr als einem politischen Märtyrer gleicht und gegen den gleichwohl kein Todesurteil gefällt wurde. Auch der Mörder Plehwes wurde von den zaristitracht des politischen Motivs nur zu einer lebensläng lichen Freiheitsstrafe verurteilt. K Die Sowjetregierung hat es sich in letzter Zeit sehr angelegen sein lassen, allenthalben zu betonen, daß sie alles daran feße, zu einem geordneten Justizwefen zurückzukehren. Das seht voraus, daß sie die internationalen Normen anerkennt, mag sie ihre Gerichtshöfe nun Klassengericht oder wie immer nennen. 9 Der Redakteur Better ruft auf zur praktischen Arbeit für die Ver. ständigungsidee. Am 30. Juli werde erneut demonstriert gegen den Krieg. Das Schlußwort hatte Universitätsprofessor Basch. Die Ausführungen sämtlicher Redner, insbesondere aber die der französi schen Gäste wurden mit starkem Beifall aufgenommen. | bruar 1921 mit den Preisen der Weinsendung in die Hand eines mittleren Beamten des Ministeriums gefallen sei und Ge fahr bestanden hätte, daß dieser mit der Abschrift Mißbrauch treiben würde. Nach der Mittagspause wurde als weiterer Zeuge der Ministerialdirektor euf amp vom Reichsernährungsministerium vernom men. Der Zeuge wandte sich gegen die Behauptung, daß Minister Hermes durch ihn den Wein bezogen habe und betonte wiederholt, daß der Winzerverband sich direkt an den miniffer gewandt habe. Er, Zeuge, habe namentlich von den Preisen erst viel später Kenntnis erhalten. Die Bernehmung des in der Zuderbefieferung wichtigen Zeugen, Das ungarische Wahlergebnis. Regierungsrat Diel, der bekanntlich mehrfach in protokollarischen Bemerkungen gegen eine Sonderzuwendung an den Winzerman ähnlich wie beim Flug im Nebel am Tage auf das schwachBudapest, 13. Juni.( TU.) Die Regierungsparteien zählen verband Stellung genommen hatte, fonnte nicht erfolgen, da der beleuchtete Meßgerät angewiesen. In diesem Falle ist die Orientie- nach der letzten amtlichen Stafiftit nunmehr 162 Mandate, die Oppo- 3euge auf Urlaub ist. Desgleichen wurde noch nicht vernommen rung sehr schwierig und das Fliegen sehr anstrengend. In stern- fifion 72 Mandate. Die stärkste Oppositionspartei ist die sozial- der Zuckerreferent Geheimrat Jung el und der Vertreter der hellen Nächten erkennt man Flüsse, Städte, Wälder unter sich, freilich demokratische mit 24 mandaten. Reichszuckerstelle Feldmann, die sich bekanntlich ebenfalls gegen aber auch beim hellsten Mondlicht nie so gut wie am Tage. In Ohne den schamlosen Terror auf dem platten Lande, von dem eine Sonderzuweisung gewandt hatten. dunklen Nächten hat man nur die Lichterhaufen der Städte und die Budapester Volksstimme" seitenlang Berhaftungen und Ver- Dagegen wurden die anderen Teilnehmer jener Sizung, Bahnhöfe zur Ortsbestimmung; es ist daher notwendig, daß zu einem ficheren Nachtverkehr gewisse Lichtsignale eingerichtet werden, wie bies bei der Strecke London- Baris der Fall ist. Das Aussehen der Lichthaufen der Städte wechselt mit dem Fortschreiten der Nacht. Erschwerend wirkt aber noch, daß man bei Nacht Wolken erst sehr spät vor sich auftauchen sieht und leicht unversehens hineingeraten kann. Während die Geschwindigkeit der Maschine gegenüber dem Tagflug unverändert bleibt, ist die Sichtweite meistens auf weniger als ein Zehntel herabgesetzt. Der Abflug bei Nacht vollzieht sich wie am Tage und bietet keine Besonderheiten. Dagegen erfordert die Landung einige Vorbereitungen, indem farbige Biellichter das Einflugtor anzeigen müssen. In dunklen mondlosen Nächten ist es notwendig, daß seitwärts von den Torlichtern ein Scheinwerfer mit breitem Regel das Gelände beleuchtet und vor dem Flugzeug her mit diesem mitgeht, so daß der Führer nicht geblendet wird. Die Flug zeuge werden für Nachtlandungen zweckmäßig schwarz gestrichen, damit kein vom Flugzeug reflektierter Scheinwerfer den Führer blendet. schleppungen sozialistischer Wähler, ihre Aussperrung aus den Wahl- Minister Hermes und Staatssekretär Huber, die sich für eine Belieferung ausgesprochen hatten, vernommen, die heute erklärten, lokalen, ihre Bedrohung mit Entziehung per Brotkarten usw. be- daß sie eine Sonderzuteilung für notwendig hielten, wofür richtet, hätten die Sozialdemokraten weit mehr Mandate errungen. Sie in der Hauptsache politische Gründe anführten. Immerhin können die ersten Sozialdemokraten stolz über den Darauf vertagte sich der Ausschuß auf Dienstag, den 20. Juni, schwer erfämpften Sieg in den Brunkpalast an der Donau einziehen, vormittags 9 Uhr, um die Vernehmung weiterer Zeugen durchz die so viele Leichen ihrer Parteigenossen stromabwärts getragen führen. hat- Opfer der blutbeladenen Horthy- Banditen, denen wiederum der kommunistische Terror den Weg bereitet hat. " Wie der tschechische Ministerpräsident Dr. Benesch dem Wiener Times"-Bertreter in Agram erklärte, hat er den mit Rumänien bestehenden Vertrag zur Sicherung der Friedensbestimmungen von Trianon auch mit Südflawien auf 15 Jahre abgeschloffen. Gesandter Dr. Carlin gestorben. Das Gold der Erde. Die Weltproduktion von Gold seit der Entdeckung Ameritas wird auf 3500 Milliarden Pfund Sterling ge. Nachdem erst vor furzer Zeit der Vertreter der Schweizer Eidschäßt, davon fallen allein 1500 Milliarden Pfund Sterling auf unser genossenschaft in Berlin, Dr. Planta, gestorben war, ist gestern 20. Jahrhundert. Da nun im Jahre 1492 schon eine ziemliche Menge sein Nachfolger Dr. Gaston Carlin auf einem Spaziergang mit Gold in Europa verhanden war, und da an Gold wohl nicht allzu dem Botschaftsrat Dr. Vogel am Königsplatz von einem Herzschlag viel verloren gehen dürfte, so wird man sicher annehmen dürfen, getroffen, plöblich dahingeschieden. Die rasch herbeigeholte daß der jeßige Goldbestand der Erde mindestens die angegebene ärztliche Hilfe fonnte nur noch den Tod feststellen. Das Auswärtige Summe von 3500 Milliarden Pfund beträgt. Ein Zehntel dieses Amt und der Schweizer Bundesrat wurden von dem Todesfall soWeltbestandes, nämlich 327 Milliarden, fällt auf Indien, wo eine fort in Kenntnis gesetzt. bedeutende Goidhamsterei betrieben mird. Betrachtet man allerdings Dr. Carlin, der auf so tragische Weise und so bald seinem Berim Vergleich dazu die zahlreiche Bevölkerung dieses Landes, so tommt auf den Kopf nicht viel, etwas über ein Pfund, während in liner Wirken entrissen wurde, zählte zu den bedeutendsten Juristen England das in den Banten ruhende Gold, auf die Bevölkerung ver. der Schweiz. Er war lange Jahre Gesandter in London und im teilt, auf den Kopf drei Pfund ergeben würde. Noch reicher ist im Haag, nahm sich während des Krieges in dankenswertester Weise der Berhältnis Amerita: dort ergibt das Barrengold, Münzgold und deutschen Interessen an und war auch Mitglied des Haager Schiedsdas zu Schmucksachen verarbeitete Gold des Landes auf den Kopf gerichts. Sein Amt in Berlin hatte Carlin erst vor wenigen berechnet die Summe von 10 Pfund Sterling. Das sind zurzeit die Wochen angetreten. goldreichsten Länder, von Deutschland ist natürlich gar nicht zu reden. Spielplanänderung. In der Staatsoper wird am 15. statt, Ritter Blaubart" die Oper, Tosca" gegeben. Das Neue Bolkstheater bereitet eine Neueinstudierung von Wied und Petersens Erster Geige" vor. Die Spielleitung führt Friedrich Lobe. Das Schauspielhaus als Operettenbühne. Direktor Bredschneider der Komponist der Operette Die beiden Nachtigallen", hat für den Monat Juli das Staatstheater( Schauspielbaus) ge. pachtet. Zur Aufführung gelangen„ Die beiden Nachtigallen". Olaf Gulbranson, der belanute Simplizisfimus- Zeichner, der einen Ruf an die Berliner Kunstakademie erhalten hatte, hat diesen Ruf a 6 gelehnt. P Die Hermes- Untersuchung. Im Anschluß an die in der gestrigen Nachmittagausgabe ge meldeten Beschlüsse und Vernehmungen erfolgte die Bernehmung des Regierungsrats Ratte. Im Gegensatz zu der Aussage des Ministers Hermes bemerkte der Zeuge mehrfach energisch, daß er slets im befonderen Auftrage des Ministers gehandelt habe, und daß kein Schreiben in dieser heiflen Angelegenheit" ohne Kenntnis oder Anordnung des Ministers hinausgegangen fei. Der Zeuge führte aus, daß die Briefe des Ministers an den Winzerverband, worin er sich über den billigen Preis wundert, auf Grund der Tatsache aeschrieben wurden, daß der Brief des Winzerverbandes am 10. FeVolkspartei gegen Staatsautorität. Die Nationalliberale Korrespondenz" redet im Auftrage ihrer Partei gern von der Notwendigkeit, die Autorität des Staates zu mehren. Hin und wieder möchte sie aber doch bei ihren Freunden von rechts, obwohl sie bei ihnen dauernd Ohrfeigen erntet, sich anschmeicheln. So bringt sie in ihrer jüngsten Nummer beschämenden Jub elüber den ungehorfam der ostpreußischen Behörden gegen die An ordnungen der preußischen Regierung zum Ausdruck. Sie benimmt sich wie unflare Leute von links, die öffentlich mannhaft Opposition" martieren, während sie heimlich die Koalition stützen. So schreibt sie zu den Königsberger Vorgängen: Wir freuen uns besonders, feststellen zu können, daß sich trotz der gegnerischen Heze die Behörden mit Einschluß des Oberpräsidenten, städtische Körperschaften, Universität und Schulen durch die Maßnahmen der Regierung nicht von der Teilnahme an der Feier für Hindenburg haben abhalten lassen und daß es besonders für die Schulen bei der ursprünglichen Anordnung verblieben ist. Wir begrüßen es auch, daß die in Königsberg stehende Reichswehr, wie es sich gebührt, vor dem Feldmarschall, der im militärischen Sinne stets attiv ist, auch wenn er sein Rommando niedergelegt hat, eine Parade abgehalten hat. Wenn leider doch bei einer Gelegenheit Blut geflossen ist, so trifft die Verantwortung diejenigen, die zu einem Teil, in richtiger Einschätzung dieser Eigenschaft, jede Gelegenheit herbeizuführen suchen, um die Klaffenverhebung zu fördern. Das ist die Lehre von Königsberg, wie es die von Breslau war. Die Konferenz der britischen Arbeiterpartei, die zur Zweiten Internationale gehört, wird am 17. Juni in London eröfinet, um die mirtschaftliche und die politische Lage Europas, die Arbeitslosenfrage, tie Reparationspolitit, die Beziehungen zu Rußland, die bevors stehende Haager Konferenz und die Beziehungen der Zweiten Internationale zur Gewerkschaftsinternationale zu erörtern. Man erwartet, daß auf der Konferenz 15 Länder vertreten fein werden, ein. schließlich Holland und Deutschland( Wels und Ad. Braun), und daß die Erefutive der 2. Internationale zusammentreten wird. Gewerkschaftsbewegung Großkampf in der Textilindustrie? Ber foll auch zwischen den verschiedenen Barofen ber Kommuntfitchen 21. Verbandstag der Brauer und Müller. Gewerkschafts- 3Zentrale ,, Raus aus den Gewerkschaften" oder„ Spaltet die Gewerkschaften" oder„ Bleibt in den Gewerkschaften" die richtige herausfinden. Wenn dann bet Befolgung der ersten Barole die revolutionäre Energie sich noch in der Ersparung von Gewerkschaftsbeiträgen umwertet, ist es erflärlich, daß diese Parole Beachtung findet. Immerhin hält sich die Mitgliederabnahme noch in erträg Die Entwickelung der Gesamtmitgliederzahlen in den Jahren 1913: 302 052, 1914: 237 151, 1915: 144 159, 1916: 138 665, 1917: 167 702, 1918: 370 659, 1919: 685 744, 1920: 704 129( diese Biffer erhöhte fich im Laufe des Geschäftsjahres infolge Berichtigung noch um 2334), 1921: 679 919. Es tann für den Beobachter der wirtschaftlichen Kämpfe längst tein Zweifel mehr darüber bestehen: die Unternehmer gehen fofte- lichen Grenzen. matisch vor, um das in den Jahren 1917 bis 1919 verlorene Terrain wieder zurückzuerobern und darüber hinaus die Arbeiter in ihrer 1913 bis 1921 stellt sich wie folgt: Lebenshaltung um mindestens 25 Jahre zurückzuwerfen. Dieses Borgehen ist ein internationales, durchaus einheitliches und geschlossenes. Wie der internationale Rongreß der Bauunternehmer, ber im Oftober 1921 in Brüssel tagte, eine einheitliche Rampfparole gegen den Achtstundentag bzw. zu feiner Umgehung ausgab, die auch überall befolgt wurde, mehr oder weniger offen und brutal, je nach der Stärke der Gewerkschaften in den verschiedenen Län dern, so scheint auch in den anderen Industrien eine Berständigung über ein einheitliches Borgehen erfolgt zu sein. Erleichtert wird den Unternehmern ihr Vorgehen einerseits durch die internationalen Währungsverhältnisse, die eine folidarische Aktion der Arbeiter äußerst schwierig, faft unmöglich machen, andererseits durch die tommunistische Spaltungs- und Zerstörungsarbeit, die ja glücklicherweise nicht überall den Erfolg hat, den die Kommunisten und die Unternehmer davon erwarten. Von dem Gesamtmitgliederbestande Ende 1921 von 679 919 entfallen auf die männlichen Mitglieder 470 612, auf die weiblichen 186 556 und auf die jugendlichen Mitglieder 22 751. Die Abnahme an Mitgliedern gegenüber dem Vorjahre beträgt 24 210 3,43 Proz. An der Abnahme sind die männlichen Mitglieder mit 10 466 und die meiblichen Mitglieder mit 16 492 beteiligt, während die jugendlichen Mitglieder erfreulicherweise eine Zunahme von 2748 erfahren haben. Die Fluftuation innerhalb der Mitgliederschaft zeigt bei den männlichen und weiblichen Mitgliedern fast das vorjährige Bild. Wenn auch eine geringe Befferung zu verzeichnen ist, so bleibt es doch zu bedauern, daß immer noch eine so erhebliche Bahl von Gewerk schaftsmitgliedern nur Gastrollen in ihren Organisationen geben, ob mohl die harten Tatsachen des Lebens allen Arbeitenden die Notwendigkeit fester Organisationszugehörigkeit zu einer freien Gewer! fchaft einhämmern müßten. Der angespannten Mitarbeit der Funt tionäre wird es vorbehalten sein müssen, hier Wandel zu schaffen. neu aufgenommen wurden 129 723 Männer, 92 751 Frauen und 12 940 Jugendliche, denen an Austritten 140 189 bzw. 109 243 bzw. 10 192 gegenüberstehen. Dresden, 12. Juni. Der In Anwesenheit von 74 Delegierten, acht durch Statut be. ftimmten Bezirksleitern, vier Vorstandsmitgliedern, des Redakteurs der Berbandszeitung, des Vorsitzenden des Verbandsausschusses und der Berichtskommission des Verbandsbeirats wurde am Sonntagnach mittag im Gewerkschaftshaus der Verbandstag eröffnet. ADGB. wird durch den Vorsitzenden Bad ert vertreten. Bon aus. ländischen Organisationen sind vertreten: Schweiz, Lebens- und Ge nußmittelverband; Deutschösterreich, Lebens- und Genußmittelver. band; Tschechoslowakei, Prager Verband und Bodenbacher Verband; Dänemark, Brauerei und Brennereiarbeiterverband; Belgien, Le. bens, und Genußmittelarbeiterverband, drei Delegierte. Backert eröffnet den Verbandstag unter Hinweis auf die großen Umwälzungen auf politischem, in weit schwerwiegenderem Maße auch auf wirtschaftlichem Gebiet. Diese Umwälzungen im Interesse der Arbeiter zu beeinflussen, dazu gehöre wirtschaftliche Durchbildung und organisatorische Zusammenfassung der produ zierenden Kräfte. Soweit die Geschehnisse auf die Organisation einwirkten, sind sie fruchtbringend gewesen, wenn die Organisationen vorher schon ein festes Gefüge waren. Die vor, während und nach der Revolution den Organisationen zuströmenden Massen wurden dort am schnellsten mit dem Wesen der Organisation vertraut. Mit der Leitung des Verbandstages wird Hodapp- Berlin beauftragt. Die Abschaffung der Nachtarbeit in den Mühlen wird auf die Tagesordnung gesetzt. Zur Beratung der Anträge über Beiträge und Unterstützung wird eine Kommission gewählt. Ferner wird beschlossen, eine Gehaltskommission zu bilden. An die Eröffnung schloß sich eine Feier, wobei Ministerpräsident Bud den Arbeiten des Verbandstages gute Erfolge wünschte. In Deutschland scheinen wir einem schweren Kampfe um die 46- Stundenwoche in der Textilindustrie entgegenzugehen. Wenn die Unternehmer auf ihrer Forderung beharren, die durch zeitweise Einlegung von Ueberstunden praktisch die Durchbrechung des Acht stundentages bedeutet, dann wird es zu einem offenen Riefentampf kommen. Wie ein solcher Kampf auch ausgehen mag, soviel tann von vornherein gesagt werden, daß er beiden Teilen schwere Wunden schlagen wird. Es kann den Textilunternehmern gar nicht dringlich genug gesagt werden, daß selbst ein verlorener Stampf für die Arbeiter nur ein für turze Frist verlorener Kampf Im Berichtsjahre gehörten der Gewerkschaftsfommiffion ins märe. Heute sind die Textilarbeiter nicht mehr die zeitweise res gefamt 50 Gewerkschaften an. Die Organisationen der Artisten und Am Montagvormittag sette der Verbandstag seine Arbeiten bellierenden Sklaven, wie wir fie noch aus Hauptmanns Webern Chorsänger schieben im Laufe des Jahres aus, leider ohne ordnungs- fort. Zum Geschäftsbericht, den Backert ausführlich ergänzte, befennen, sondern freie Männer und Frauen, die über ihr Geschick mäßige Auffündigung der Zugehörigkeit. Am Schluffe des Jahres handelte er die Konzentrationsentwicklung in den einzelnen Indu zu bestimmen in der Lage find und die fich im Deutschen Textil- ist auch der Zentralverband der Angestellten- welcher der Gemert- ftrien, für die der Verband zuständig ist, die Organisationsmöglich ist arbeiterverband eine Organisation geschaffen haben, die mit ihren schaftskommiffion seit ihrem Bestehen angehörte- auf Grund des feit in den Industrien, in die man erst später Eingang habe finden mehr als 700 000 Mitgliedern allen Möglichkeiten gewachsen ist. Entsprechend dem Ernst der Lage haben Verbandsvorstand zwischen dem ADGB. und dem AFA- Bund getätigten Organisations. fönnen und gibt entsprechende Ratschläge und Weisungen. Die dem und Beirat des Textilarbeiterverbandes in ihrer Sigung vom pertrages aus der Gewerkschaftskommission ausgeschieden, was wir Borstand vom legten Verbandstage zur Erledigung übergebenen 12. und 13. Juni, nach Ablehnung des Vorschlags der Unter- an dieser Stelle mit Bedauern verzeichnen, wenngleich auch das Zu- Anträge und Beschlüsse werden vom Vorsitzenden rekapituliert und fammenarbeiten zwischen Kopf und Handarbeitern durch den über ihre Ergebnisse berichtet; darunter fallen besonders die Bernehmer in Sachen der umstrittenen Arbeitswoche, die Berdoppe Kartellvertrag mit dem Allgemeinen freien Angestelltenbund, Drts. fchmelzungsbestrebungen. Sie sind noch nicht erledigt lung der Beiträge angeordnet. In einem Aufruf an die Mit- fartell Groß- Berlin, gewährleistet bleibt. Hinzugekommen ist im und werden auf anderer Basis weitergeführt werden. Der letzte glieder werden diese aufgefordert, fich zur Abwehr zu rüsten und Juli 1921 die Ortsgruppe der Berufsfeuerwehrmänner, so daß am Berbandstag hat auch den Verbandsbeirat geschaffen, wir haben bereit zu halten. Die Tagung hat alle organisatorischen Maß- Beginn des Geschäftsjahres 1922 insgesamt 48 Gewerkschaften der damit gute Erfahrungen gemacht. Besonders müsse sich dieser Beinahmen vorgesehen, um einem von den Unternehmern heraufbe- Gewerkschaftskommission angehören. Der Größe nach rangieren fie rat auch mit der immer wieder notwendig werdenden Beitragsschworenen Kampfe gerüstet gegenüber zu stehen. Die Unternehmer folgendermaßen: und Unterstützungsregelungen beschäftigen. Was besonders durch in der Textilindustrie, die fabelhafte Gewinne machen, denen es alle Mitteilungen durchklang, war noch nie so gut wie jest gegangen ist, feien noch einmal ernstlich Metallarbeiter gewarnt, die Dinge nicht auf die Spize zu treiben. Die ungeheuer Transportarbeiter. liche Ausplünderung der Verbraucher, die niedrigen Löhne der Angestellte Arbeiter und die Milliardengewinne der Industriellen und Attio- Gemeindearbeiter näre find des Standals genug. Streit der Steinmeten. Holzarbeiter. Bekleidungsarbeiter Fabritarbeiter Bauarbeiter Buchdrucker Die Steinmetzen der Berfsteingruppe des Zentralverbandes der Steinarbeiter Deutschlands, Bahlstelle Berfin( Baubranche), befinden Eisenbahner fich wegen Lohnbifferenzen im Streit. Wir appellieren an das Hotelangestellte. Buchbinder Solidaritätsgefühl aller Bauhandwerker und bitten diese, darauf zu achten, daß alle unsere Kollegen, welche mit dem Bersehen resp. der Bearbeitung von Sandstein, Granit, Kunststein und Beton an den Bauten beschäftigt find, im Befihe einer graugrünen Arbeitsberechtigungstarte find. Evtl. Borkommniffe bitten wir uns unter folgenden Nummern telephonisch mitzuteilen: Amt Morigplatz 4907 ober 2297 Zentralverband der Steinarbetter. 9.00 Die Streiflettung. Die Ortverwaltung. Die Berliner Gewerkschaften im Jahre 1921. Die Berliner Gewerkschaftstommiffion veröffentlicht soeben ihren 32 Jahresbericht, der in einer 288 Seiten starten Broschüre eine an schauliche Darstellung von der Entwicklung, den Kämpfen und Schwierigkeiten der Berliner Gewerkschaften gibt. Wir entnehmen ihm zunächst folgende Ausführungen über die • 147 881| Hutmacher 120 150 Lithographen . 69 974 Bimmerer 55 469 Gärtner. 4 Bäder und Konditoren Graphische Hilfsarbeiter Tegtilarbeiter Sattler und Tapezierer. Brauerei u.Mühlenarbeit. Fleischer Schuhmacher Maler und Ladierer Maschinisten und Heizer Film- u. Kinoangestellte Musiker Tabalarbeiter . 30 039 Kürschner 26 931 Berufsfeuerwehrmänner 24 252 Sausangestellte 23 284 Asphalteure 18 886 Glasarbeiter II. 16 855 Lederarbeiter. 16 819 Steinfeger. 15 151 Steinarbeiter. 11 618 Dadbecker 11 498 Stupferschmiede • 9 575 Porzellanarbeiter 6 517 Böttcher. 6 003 Töpfer 5 318 Boliere 5 218 Friseure 5 192 Bandarbeiter 4 947 Glasarbeiter I 4 800 Glafer 4 776 Schornsteinfeger 4 557 Schiffszimmerer. 0 4871 4047 alles zu unterlassen, was die Einigung unfergräbt 3 901 und die Organisation schwächt. Besonders müsse aber an die Kol3478 legen in den Betrieben der dringende Wunsch gerichtet werden, 2475 in der Agitation mehr als bisher tätig zu sein. Wilde und politische 1670 Etreits dürfen aus Verbandsmitten nicht unterstützt werden. 1437 Rappler ergänzt den Vorstandsbericht mit Bezug auf die Berhältnisse in der Mühlenindustrie, die Mahllohn- und Arbeiter. lohnpolitik der Mühlen erfordere besondere Vorsicht in nächster Zeit. Borsicht auch gegenüber den Werbungen der Mühlenzeitungen um Arbeitskräfte nach der alten Bedingungen. Wittdorf- Rassierer ergänzt den Kassenbericht und befürwortet bessere Finanzierung der Hauptkasse, die nicht mehr den Berhältnissen entspricht. Redakteur Krieg verweist auf den vorliegenden Bericht und teit mit, daß er in Aussicht genommen habe, einen billigeren Versand der 769 Berbandszeitung zu finden. 1408 1360 1187 1012 981 908 850 841 794 750 Ausschußvorsitzender Wittich berichtet, daß das Zusammen. 741 arbeiten mit dem Borstand sehr gut war. Wir sind zu der Ueber627 zeugung gekommen, daß der Hauptvorstand und alle Beamten ihre 626 volle Pflicht und Schuldigkeit gefan haben. 567 289 280 Ende des rheinhessischen Angestelltenstreits. Der Ausstand der Mitgliederbewegung: Die Berliner Gewerkschaften hatten hinsichtlich ihrer Gesamt- Angestellten ist am Montag beendet und die Arbeit sofort wieder aufgenommen worden, nachdem die Streifleitung erklärt hat, anMitgliederziffer im Vorjahre ihren bisherigen höchsten Stand er gesichts dessen, daß die Beilegung des Ausstandes von Einzelstreit reicht. Unsere in früheren Berichten an das rapide Wachstum gefällen abhänge, könne sie die Verantwortung für die Weiterführung fnüpften Bedenken haben sich in gewisser Hinsicht als berechtigt des Streits nicht übernehmen.- Der Ausstand der Transportarbeiter gezeigt; schließt doch das Geschäftsjahr mit einem um zirka 24 000 ist noch im Gange. Die Transportarbeiter verlangen neben den geringerem Mitgliederbestand ab. Zum Teil wird diese Abnahme erklärlich aus der Tatsache, daß eine große Anzahl Frauen infolge bereits mitgeteilten Forderungen einen Wochenlohn von 1200 m. der geltenden Demobilmachungsbestimmungen über Doppeleristenzen Deutscher Wertmeister- Berband! Alle in den Seifen- und Parihre Beschäftigung aufgeben mußten. Zum anderen hat die von den fümeriefabriken befindlichen Wertmeister haben vollzählig in der Kommunisten gespielte Komödie der Irrungen" in den Kreisen am Mittwoch, den 14. Juni, abends 7 Uhr, stattfindenden Berder Neuorganisierten, in denen der gewerkschaftliche Gedanke noch sammlung, Wilhelmstr. 111, zu erscheinen. Tagesordnung: Tarif nicht festen Fuß gefaßt hatte, doch vermocht, Berwirrung anzurichten. I pertrag. Bilanz per 31. Dezember 1921. Aktiva. Grundstücke und Gebäude Hypothek Fabrikationsanlagen und Maschinen usw. Matrizen Inventar Modelle Patente Kraftwagen Gespann Wertpapiere u. Beteiligung Kautionen Kassenbestand Bankguthaben Außenstände. Aval. Wechselbestand Warenbestand M 5 106 420 300.000 15 1954 115 50 77 180 86 569 45 15 079 226 75 54 883 082 90 Mk. 83 500, Passiva. Aktienkapital. Gesetzliche Rücklage Agio auf Neu- Emiss. für spät. Verrechnung. Hypotheken Nicht eingel. Gewinnanteilscheine Bankschulden Aval Gläubiger Rücksteliungen 1833 040 15 15 076 674 02 94 396 265 77 M 35 000 000 4 642 935 55 7 216 761 60 915 000 Kaufmännisches Gewerbliches Technisches Personal jeder Branche erhalten Sie auf eine Anzeige im Arbeitsmarfte bes ,, VORWÄRTS" der in den Kreifen der Angestellten u. Arbeiter allgemein gelesen wird SOEBEN ERSCHIEN! 77 710 1 284 988 70 Mk. 83 500.13 339 245 78 16 357 345 88 1 479 298 80 Werkerha tungs- und Erneuerungsfonds. Reingewinn 14 082 979 46 194 396 265 77 Die auf 20% festgesetzte Dividende sowie 10% Bonus gelangen mit zu sammen M. 300,- pro Dividendenschein 1921 bei der Nationalbank für Deutschland. Kommanditgesell schaft auf Aktien, ei der Deutschen Bank, bei der Dresdner Bank und bei den Bankhäusern S. Marx& Co., Kommanditgesellschaft auf Aktien und Schwarz, Goldschmidt& Co.. hier, zur Auszahlung. Berlin, den 12. Juni 1922. 191/7 Carl Lindström Aktiengesellschaft Der Vorstand. MStraus. Thomas. Bodansky. Seligsohn Berband der Buchbinder und Bapierverarbeiter. Heute, 25 Uhr, im Saal 4 des Gewerkschaftshauses, Engelufer 25, Branchenversammlung der Kartonnagen. branche. Berichterstattung von den Leipziger Berhandlungen. Ersechinen eines jeden einzelnen ist unbedingte Pflicht. Die Branchenleitung. Deutscher Transportarbeiterverband, Gruppe Chemikalien. Am Donnerstag, abends 7 Uhr, in Wilkes Festfälen, Sebastianstr. 39, Gruppenversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht von der Lohnverhandlung vor dem Schlichtungsaus. Schuß. versammlung in der Aula Weinmeisterstr. 16/17. Tagesordnung: Stellungnahme Sektion 5, Industriearbeiter. Donnerstag, abends 6 Uhr, Funktionär zum Verbandstag; Aufstellung der Kandidaten zum Verbandstag. Sattler, Tapezierer und Portefeuiller. Donnerstag, 7 Uhr, im Gewerk. fchaftshaus, Saal 4, außerordentliche Generalversammlung. Aeußerst wichtig, Erscheinen aller Kollegen erwünscht. AfA- Funktionäre der Gesundheitsindustrie! Freitag, 7% Uhr, im Emp. fangsraum des Bundeshauses, Berlin NW. 52, Werftstr. 7, Bersammlung. Aufftellung unserer Juni- Forderung. AfA- Bund, Ortskartell Groß- Berlin. Berantw. für den redatt. Teil: Franz Alühs. Berlin- Lichterfelbe; für An. zeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag Borwärts.Verlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderei u. Berlagsanitait Baul Singer u. Co., Berlin, Lindenstr. 3. Kinderwagen KastenKorbund SportPromenaden- Wagen mit oder ohne Garnitur in vielen Preislagen Kaufhaus der Westens SOEBEN ERSCHIEN! RUSSISCHE KORRESPONDENZ Mr. 4/5 Aus dem Inhalt: N. LENIN: Der XI. Kongreß der Komm. Partel Rußlands/ G. TSCHITSCHERIN: Rede in der Eröffnungssitzung der Konferenz in Genua/ Memorandum der Russischen Delegation an die Konferenz in Genua/ G. SINOWJEW: Die Bedeutung des XI. Kongresses der KPR. N. LENIN: Die äußere und innere Lage/ Resolutionen und Beschlüsse des XI. Kongresses der KPR./ L. TROTZKI: Das fünfte Jahr der Roten Armee ein Lehrjahr/ Die Rote Armee in den vier Revolutionsjahren W SMIRNOW: Die Rote Armee und ihre Aufgaben S. WARIN: Die Lebren des Bürgerkrieges/ G. SOKOLNIKOW: Die neue Wirtschaftspolitik/ L. TROTZKI: An die Verleumder Sowjetrußlands/ N. LENIN: Zur Lage L. TROTZKI: Georgien/ I. WARDIN: Die Menschewiki in der russischen Revolution/ J. GURSKI: Die Rechnung Georgiens/ L. SOSNOWSKI: Wie die Engländer in Turkestan den Grundstock für Zivilisation, Gesetzlichkeit und Demokratie legten/ Die ,, Tätigkeit" der Sozialrevolutionäre/ LYDIA KONOPLEWA: Offener Brief an Viktor Tschernow/ M. TOMSKI: Die Aufgaben der Gewerkschaften/ FRANZ JUNG: Den Vorhang weg!/ MARCEL FOURRIER: Das Petroleum von Baku und die Spekulation auf Rußland 168 Seiten Preis Mk. 45.Zu beziehen durch jede Buchhandlung oder direkt vom VERLAG CARL HOYM NACHF. LOUIS CAHNBLEY, HAMBURG 8 Sierzu 1 Beilage. SCHUHPUT Servus Terpentinware Servus" merke sich ein jeder, putzt die Schuh'- erhält das Leder. Chem. Werke Lubszynski& Co A.-G. Berlin- Lichtenberg Für Gold- Silber u.SilberBrillanten etc. zahlt die höchsten Tagespreise Juwelen EinkaufsGesellschaft Hopenfeld& Co. Berlin Antwerpen Beuthstraße 12 ( Spittelmarkt) Kaufe Gebisse auch zerbrochene, zahle f. Zahn 35-500 Knopfzähne weniger. Platin-, GoldSilberBruch höchste Tegespreise Herrmann Wilhelmstr. 39 nahe Leipziger Straße. Nr. 276 ♦ ZH. Jahrgang Heilage öes vorwärts Mittwoch, Sen 1». Juni 1925 �ohnzulagenverjchleppung. Die Wiederkehr des Magiftratsantrages auf Erhöhung des Straheubahntarifs. In der gestrigen Stadtverordnetensitzung erlebten I wir das Schauspiel, daß die rechtsstehenden Fraktionen von den Deutschnationalen bis zu den Demokraten bei zwei Dringlichkeits- vorlagen über L o h n z u l a g e n die Entscheidung ohne triftigen Grund verzögerten und eine höchst überflüssige Ausschuß- beratung durchsetzten. Erst hinterher schien ihnen die Erkenntnis aufzudämmern, welches schwere Unrecht sie hiermit an den Arbeitern und nicht st ändig Ange st eilten begingen, die schon lange aus die Zulagen warten. Im Laufe der Sitzung teilte dann der Stadtverordnetenvorsteher mit, daß in. zwischen der Aeltestenausschuß den Magistrat gebeten habe, auf diese nun noch nicht bewilligten Zulagen einen Vorschuß zu zahlen, und daß der Magistrat sich dazu bereit erklärt habe.— Lebhafte Auseinandersetzungen erwartete man bei der erneuten Dringlich- keitsvorlage über die Erhöhung des Straßenbahn- t a r i f s a u f 4 M. Sie war vom Magistrat mit äußerster De- schleunigung wieder eingebracht worden, nachdem erst am Abend vorher die Verkehrsdeputation sich für die Erhöhung ausgesprochen hatte. Die Stadwerordnetenversammlung verzichtete aber gestern einstweilen auf jede Erörterung— selbst die Kommunisten brachten es diesmal fertig, sich zu bezähmen— und die Vorlage wurde einem Ausschuß überwiesen. » In der gestrigen außerordentlichen Sitzung(die an die Stelle der am 15. ausfallenden trat) wurde zunächst einem Dringlichkeits. antrage der Unabhängigen entsprechend an den Magistrat die Aus- sordcrung gerichtet, die von der Versammlung schon am 15. Fe- bruar beschlossene Gleich st ellung der Altpensionäre mit den Neupensionären sofort durchzuführen und den ersteren sofort einen Vorschuß zu gewähren.— Die auf Betreiben der Deutschen Volkspartei am letzten Donnerstag auf heute vertagte zweite Beratung der Vorlogen wegen Erhöhung der Mailöhne für die städtischen Arbeiter und wegen Regelung der Bezüge der nichtständigen Angestellten ab 1. April führte nochmals Redner aller Fraktionen ins Gefecht, endete aber unerwarteterweise mit der V e r- weisustg an einen Ausschuß. Wieder drangen die Morl- führer der bürgerlichen Parteien(nur der Redner des Zentrums R e ck e r machte eine Ausnahme) auf stärkere Differenz der Lohn- sätze zugunsten der Handwerker und Oualitätsarbeiter und warnten vor der Fortsetzung eines Systems öder Gleichmacherei, während von der gesamten Linken und von dem Zentrumsverttetcr die drin- gende Notwendigkeit alsbaldiger Verabschiedung der Vorlage in den Vordergrund gestellt wurde, um die Arbeiter endlich in den Genuß der erhöhten Löhne für Mai zu setzen. Leider ließ die Besetzung der Linken zu wünschen übrig, so daß trotz der Zentrumshilse die Gegner der Verschleppungstaktik mit 80 gegen 84 Stimmen in der Minder-- heit blieben.— Eine Anfrage der Kommunisten, die Dr. Rosen- berg begründete, verlangt, von der Tatsache ausgehend, daß am 14. April am Grab der ehemaligen Kaiserin in Potsdam ein Kranz mit fchwarzweißroter Schleife und der Aufschrift„Der deui- schen Frau gewidmet vom Berliner Selbstschutz" nieder- gelegt worden ist. vom Magistrat Aufschluß darüber, was er zu tun gedenke, um die Berliner Bevölkerung vor den Gefahren zu schützen, die sich aus dieser angeblichen freiwilligen Polizeitruppe, in Wirklich- keit einer monarchistischen Orgesch-Organisation, ergeben. Die Rechte machte krampfhafte Versuche, den Redner durch Lachsalven aus deni Konzept zu bringen, drang indessen damit nicht durch. Stadtsyndikus Lange teilte mit, daß die gegen den amtlichen Auflöfungsbefchluß angestrengte Klage im Verwaltungsstreilversahren noch schwebt. Die Besprechung der Anfrage wurde beschlossen, aber auf die nächste Sitzung verschoben.— Die Frage, ob und unter welchen Bedingun- gen die st ä d t i s ch e D a r l e h n s k a s s e, deren Betrieb der Ma- gistrat bereits mit Ends März d. I. einstellen wollte, weitergesührt werden kann, soll in einem Ausschusse näher geprüft werden.— Der Magistrateanttag, den Standcsbeamten-Hilfs stell- Vertretern vom 1. April 1S22 als Taqesvergütung den 365. Teil des Anfangsgehalts der Gruppe 7 zuzüglich Orts- usw. Zuschläge zu zahlen, fand die Zustimmung der Versammlung: an der Erörterung beteiligte sich auch der kommunistische Stadtrat Stolt..— Eine längere Aussprache zeitigte auch die_ Erhaltung der Fachschule des Lette-vereins. Aus der Ausschuhberatung des betreffenden demokratischen Antrags ist der Antrag hervorgegangen, unter der Voraussetzung, daß Reich und Staat gemeinsam zur Erhaltung der Bildungsanstalten bei- tragen, auch die Vereitwilligkeit der Stadt Berlin zu einer laufenden jährlichen Unterstützung oder zur Gewährung eines zinslosen Dar- lehns auszusprechen, wofür der Stadt ein Einfluß aus Organisation und Verwaltung des Lette-Vereins zu garantieren wäre. Fast einstimmig gelangte dieser Antrag zur Annahme. Hierauf beschloß die Versammlung ohne Erörterung die vom Magistrat nach Anhörung der Verkehrsdeputation nunmehr zum drittenmal eingebrachte Dringlichkcitsvorlage wegen Einführung des 4-ZNnr?'Tarifs aus der Straßenbahn einem Ausschuß zu überweisen. — Mit der Ausnahme einer Hypothek von 1330 000 M. bei der Sächsischen Bodenkreditanstalt für die 38 Häuser des zweiten Bau- teils der Siedlung des Bezirksamtes Köpenick an der Dahl- w i tz e r Straße erklärte man sich einverstanden. Zu den Magiftratsvorschlägen wegen Beschaffung weiterer Sport- uud Spielplätze hat der Ausschuß für die 6 Projekte Hippodrom, Schön- holzer Heide, Reinickendorf(Scharnweberstrahe, Neu- kölln, Wilmersdorf und S t e g l i tz je 6, 2, 3, 6, 2,5 Millio- nen und 300 000 M. zu bewilligen empfohlen. Dem Ausschußantrag wird mit der Maßgabe zugestimmt, daß der Betrag für Steglitz auf 500 000 M. erhöht wird. Heber den Entwurf einer vorläufigen Satzung der Werks- d e p u t a t i o n, den der Magistrat am 31. Mai vorgelegt hat, um aus den jetzigen unhaltbar gewordenen Verhältnissen der Werke in den einzelnen Bezirken herauszukommen, erhebt sich noch eine kurze Debatte. Der Entwurf wird genehmigt, die Zusammensetzung der Deputation auf Antrag der Rechten dahin geändert, daß sie aus 5 Magistratsmitgliedern und je 10 Stadtverordneten und Bürger- deputierten bestehen soll. Vom Vorsteher Dr. C a s p a r i wird noch gegen S Uhr ein B e- s ch l u ß des A e l t e st e n r a t s zur Kenntnis gebracht, den Magisttat zu ersuchen, auf die Löhne und Bezüge der Arbeiter und nicht- ständigen Angestellten für Mai Borschiisse zu zahlen, und zwar 90 Proz. für Erwachsene, 85 Proz. für Jugendliche: Oberbürgermeister Böß wird über den Antrag morgen die Beschsußfassung des Magistrats herbeiführen. Nach Erledigung einiger weiterer kleinerer Vorlagen schließt die öffentliche Sitzung um 9 Uhr. Das Tempelhofer 5e!ü als Volkspark. Für die städtischen Verwaltungen hat jetzt das Städtebau- am t im Auftrag« des Magistrats Verhandlungen mit dem Reichs- fchatzministerium aufgenommen, damit bei der Inanspruchnahme des Tempelhofer Feldes die Interessen des Verkehrs gewahrt werden und die Einteilung nach einem einheitlichen Plane geschieht. Das Reichs- schatzministerium, das bisher einen Feldteil an einen Kleingarten- verein der Post abgegeben und einen weiteren Feldteil für einen Sporwerein in Aussicht genommen hatte, hat erfreulicherweise dem ihm vorgelegten Plane zugestimmt. Nach diesem soll das mit Bäumen bestandene Gelände als Freifläche ausgewiesen und als Volkspark erhalten werden. Am Ncrdrand des Feldes sind der erwähnte Kleingartenverein der Post und der Sportverein untergebracht. Am Osttande des Feldes wird dem Dezirksamt Neu- kölln ein 500 Meter breiter Stteifen für Spiel- und Sportzwecke zu- gewiesen. Den Südrand nehmen Kleingärten ein. Inmitten dieser Randgebiete verbleibt der größte Teil des Feldes als freier Tummelplatz für die Gesamtbevötkerung. Ein« städte- baulich befriedigende Einfügung des Tempelhofer Feldes in das Stadtbild wird durch Anlage einer Pronienade mit Sitz- Plätzen an der Tempelhofer Chaussee und von Baumalleen als Begrenzung der geplanten Anlagen angestrebt. Dauerkampf um öl'e Straßenbahn. Der Kampf um die Sttaßenbahn, der gestern in der Verkehr deputation begonnen hat, setzte sich im Etatsausschuß in einer fün> stündigen Debatte noch etwas hitziger sort. Ging es dort nur ur die Tarife, so ging es hier ums Ganze. Die bürgerliche Mehrhc setzte alles daran, um eins Privatisierung der Straßer bahn zu erzwingen, oder, falls dies nicht gelingen sollt durch die Verkoppelung einer Straßenbahnanleihe mit der Güter Verpachtung wenigstens die Güter der Kommune aus de Hand zu schlagen. Man malte zu diesem Zwecke schwarz i schwarz, verlangte hier zum ersten Male während der ganzen Eto: beratung eine haushaltsmäßige Berücksichtigung der inzwischen ein getretenen Verteuerung, die man niit 000 Millionen aus die Minur Seite stellen wollte, ohne das Einnahmeplus aus Tariferhöhunger bewilligen zu wollen. Man sieht also, daß bei dem Widerstand gr wisser bürgerlicher Kreise gegen eine Tariferhöhung durchaus»ich die im Munde geführten Allgemeinintercssen, sondern höchs egoistische privatkapitalistische Interessen ausschlag gebend sind. Dasselbe gilt bei dem geforderten„Erneuerungsfonds' in Höhe von 400 Millionen Mark. Obgleich der Oberbürger meister wie der S t a d t k ä m m e r e r sich auf das entschiedenst' gegen eine solche Anleihe im gegenwärtigen Moment wehrten und sogar mit der Ablehnung des Etats durch den Magistroi drohten, obgleich der Stadtbaurat erklärte, daß man sich noch über dieses Jahr hinüberhelfen könnte, setzte die bürgerlich« Mehr. heit die Positton fest. Obligationen in Höhe von 400 Millionen würden bei einer Stabilsierunq der Mark oder gar bei einem Auf- stieg des Markkurses die Sttaßenbahn und die städtische Verwaltung geradezu katastrophal belasten. Die Bürgerlichen wollten ja aber durch diesen Beschluß auch nur einen neuen Druck auf die städtischen Körperschaften zur Privatisierung der Straßenbahn oder zur Ver- Pachtung der Güter ausüben. Die Kommuni st en leisteten diesen kurzsichtigen Plänen der bürgerlichen Fraktionen wieder einmal Vorspanndien st e— aus kindischer Freude daran, ein Loch von �00 Millionen Mark in den städtischen Etat zu reißen um dessen Zustopfung s i e sich keine grauen Haare werden wachsen lassen._ vamppre öer Großstadt. Der„böse Geist" der Frau Spanier. Mit den dunklen„Geschäften" der Frau Helene Spanier, die bekanntlich unter dem Verdacht der Anstiftung zum Morde des Teppichhändlei s Reißer in der Steglitzer Sttahe steht, hatte sich unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. Friedmann die Sttafkammsr des Landgerichts III zu beschäftigen. Wie die Ermittlungen der Kriminalpolizei zum Teil bestätigt haben, soll die Frau Spanier bei zahlreichen Vergehen und Verbrechen der letzten Jahre stets ihre Hand mit im Spiele gehabt und dabei die Rolle des bösen Geistes gespielt haben. Dir war auch der Fall in der jetzt zur Anklage stehenden Diebstahle fache. Der Militäranwärter Schulz machte eines Tages auf dem Alexanderplatz die Bekanntschaft einer gewissen Grete! Scholz, die ihm den Vorschlag machte, gegen Hergab« rolgesiempelter Tausendmarkscheine billige Zigaretten zu kaufen. Als Schulz dar auf einging, wurde er von der S. in das Pensionat der Frau Ottili' Hagemann verschleppt, wo ihm die Angeklagte Spanier a! „Frau Dr. S t e i n- S a l l e t" vorgestellt wurde. Nach vorher verabredetem Plan, an der sich auch die Verkäuferin Clfriede S ch u- mann beteilgte, die sich mit Schulz erst ein Stelldichein in einem der Zimmer des Pensionats gab, wurde Schulz plötzlich ans Tele- phon gerufen, und als er zurückkam, war die Aktentasche samt der8000 M. ver sch wunden. In der gestrigen Ver- Handlung bezweifelte Rechtsanwalt Dr. S. E i s e n st a e d t die Ver- Handlungsfähigkeit der Angeklagten Spanier, die schon seit mehreren Tagen krank sei und Fieber habe. Di« herbeigeholten Gerichtsärzie Sanitätsrat Dr. L e p p m a n n und Dr. Bürger stellten fest, daß die Angeklagte tatsächlich nicht verhandlungsfähig war. Das Ver- fahren gegen die Spanier wurde deshalb abgetrennt. Gegen die Mitangeklagten Schumann und Hagemann beantragte der Staats. onwalt je 6 Monate Gefängnis, während Rechtsanwalt Gutzeit für sie geltend machte, daß beide das Opfer der Frau Spanier ge- worden seien, die wie ein böser Dämon Leute mit schwachen Charakteren in ihren Bann gebracht und sie zu allen möglichen Straftaten angestiftet habe. Das Gericht erkannte auf 2 bzw. 3 Monate Gefängnis und billigte beiden die bedingte Be- gnadigung zu, der Hagemann unter der Bedingung, daß sie bis zum 1. April 1923 5000 M. an die Staatskasse zahle. Der Ruf durchs Fenster. I0s Roman von Paul Frank. 11. Rigaer Rachrichlen. R i g a. IS. März. Rätselhaftes Verschwinden eines jungen Mädchens. Roch zittert in allen Gemütern die Erregung über das plötzliche Verschwinden des Schauspielers Albert Reutz nach. Drei Tage sind erst vergangen, seit diese Kunde unsere Stadt durchflogen. Trotzdem diese Zeit benützt worden und nichts unversucht geblieben ist, war es bisher noch nicht möglich. Licht in die dunkle Affäre zu tragen, die zur Stunde ebenso rätselhast und ungeklärt erscheint wie im Anfangsstadium Während jedoch die Neugierde des Publikums begreiflicher- weise in vngeschwächtem Grade sich dem Fall Neust zuwendet, während jedermann wünscht, dast es der rastlos tätigen Poli- zeibehörde gelingen möge, das Rätsel zu lösen, das Frage- zeichen zu bannen, hat sich ein neuer Fall zugetragen, der ganz danach angetan ist, das Interesse der Allgemeinheit in hohem Grade zu fesseln. Albert Neust ist noch nicht gefunden; man hat auch nicht die leiseste Spur entdeckt, die zu ihm führen könnte— und schon hat sich ein anderes Vorkommnis ereignet, das dem vorangegangenen nicht unähnlich ist, da es sich wieder um das plötzliche und ganz unerklärliche Untertauchen einer Person handelt, blast dast es diesmal ein junges Mädchen ist, das spurlos von der Bildfläche verschwunden ist. Man er- innert sich nicht, dast die Lokalchronik unserer Stadt jemals der Schauplatz zweier so rasch hintereinander erfolgender pein- licher Ereignisse gewesen wäre Die Vermißte ist eine junge Dame, die den ersten Gesellschaftskreisen unserer Stadt ange- hört. Sie heißt Erika Diest, ist die Tochter des Grostindu- striellen Ewald Diest. Besitzers der Kautschukwerke„Eternit". Sie hat Montag nachmittags das Elternhaus verlassen und ist bis zur Swnde nicht zurückgekehrt. Die tiefgebeugten Eltern haben sich endlich entschlossen, die Abgängigkeitsanzeige zu erstatten. Das Mädchen aus gutem Hause. Erika Diest ist einundzwanzig Jahre alt. Sie hat eine ausgezeichnete Erziehung genossen, wie es der gesellschaftlichen Stellung und dem Vermögen des Vaters angemessen ist. Den verschiedenen Zweigen des Sports war sie sehr zugetan und im Sommer auf dem Tennis-, im Winter auf dem Eislauf- platz zu sehen. Eine überaus wohlgeratene, folgsame Tochter, hat'sie ihren Eltern niemals Unannehmlichkeiten bereitet. Ihre Schulzeugnisse sind stets die besten gewesen. Es handelt sich demnach keineswegs, wie mancher anzunehmen geneigt wäre, um einen Wildfang, um ein Abenteuern geneigtes Geschöpf, bei dem ein derartiges Vorkommnis in Rechnung zu ziehen wäre. Erika Diest war durchaus gut veranlagt und hat ihren Eltern niemals auch nur den geringsten Kummer verursacht. Wenigstens ist das bis vor kurzer �eit so gewesen. Solange hat die junge Dame vollkommen im Einverständnis mit ihren Hausgenossen und zur Zufriedenheit von Vater und Mutter gelebt. Sie hat das Haus nur in Begleitung der Gouver- nante, respektive der Gesellschafterin oder Lehrerin verlassen, von der sie sich stets auf ihren Ausgängen begleiten liest. Bis eines Tages dann ein bestimmtes Ereignis im Leben der jungen Dame eine gründliche Veränderung hervorgerufen hat. Der Herr Studiosus. Die Eltern sprechen nur mit Ingrimm von jenem Tag, der nun schon längere Zeit zurückliegt, an dem Erika Diest einen jungen, um weniges älteren Mann kennen— und lieben gelernt hat. Wie der Vater behauptet, hat es sich eigentlich um eine einseitige Leidenschaft gehandelt. Jedenfalls wußte der junge Mann das Mädchen in der Folge an sich zu fesseln, so daß es Erika Diest trotz erhöhter Wachsamkeit der Eltern verstand, mit dem jungen Mann immer wieder, wenn auch nur auf kurze Zeit, zusammenzutreffen. Es kam öfter als einmal vor, dast sie das Haus ohne Begleitung von Lehrerin oder Gouvernante verließ. Die Eltern, die von den heim-) lichen Zusammenkünften Kenntnis erhalten hatten und ihrer Tochter ernsthaft ins Gewissen redeten, erzielten jedoch nicht das gewünschte Resultat. Die junge Dame erklärte im Ver- lauf einer sehr erregten Auseinandersetzung, daß sie keines- wegs gesonnen sei, den Verkehr mit derti jungen Manne, der ihr Vertrauen besitze, aufzugeben. Sie verbat sich mit Rück- ficht auf ihr Alter und unter Betonung, daß sie ein erwachsenes junges Mädchen sei, jede fernere Einmischung. Heiratsplänen ihrer Mutter setzte sie allerhestigsten Widerstand entgegen, so daß das eine oder das andere Projekt, das diesbezüglich er- wogen worden war, als gescheitert angesehen werden mußte. Da entschloß sich der Vater eines Tages, den Schritt zu tun, der ja doch einmal getan werden mußte und von dem er sich eine entscheidende Wendung der Dinge versprach, die aus andere Weise nicht eintreten wollte. Er beschied den jungen Mann zu sich. Der abgewiesene Freier. Durch eine Mittelsperson ließ er den hartnäckigen Ver- ehrer auffordern, ihn zu besuchen. Er erwartete ihn in seinem Privatbureau. Thaddäus Dmochowski— dies der Name des jungen Mannes— leistete der Aufforderung Folge und er- schien vor Herrn Diest. Das hat sich vor ungefähr vierzehn Tagen ereignet. Herr Diest hat mit Herrn Dmochowski in aller Ruhe zu sprechen versucht, jedoch ist die Unterredung Im Laufe der Zeit— sie hat länger als«ine Stunde gedauert— heftiger und erregter geworden. Herr Dmochowski ist Student der Medizin an der hiesigen Universität. Daß er ein fleißiger Hörer der Vorlesungen sei, konnte er nicht einmal selbst be- haupten. Er war, trotz seiner sechsundzwanzig Jahre, erst über die Anfangsprüfungen hinausgekommen, obwohl er doch schon längst sein Doktordiplom hätte in der Tasche haben können. Auf die diesbezüglichen Vorhaltungen des Herrn Diest antwortete er ausweichend und mit einem Achselzucken. Vor allem, daß das allein seine Sache sei. Worauf Herr Diest, einigermaßen aufgebracht über das Verhalten des jungen Mannes, entgegnete, daß er sich wohl auch ein Wort hierüber anmaßen dürfe, da Herr Dmochowski doch die Absicht habe. seine Tochter zu heiraten. Jawohl, erwiderte der Student, diese Absicht habe er allerdings. Worauf Herr Diest ihn in aller Ruhe, zugleich aber sehr energisch ersuchte, diese seine Absicht aufzugeben, da das Mädchen niemals die Erlaubnis erhalten würde, eine solche Verbindung einzugehen. Ohne daß es ihm iedoch gelungen wäre, mit dielerr Derkünduna besonderen Eindruck hervorzurufen. Der Student erklärte freimütig, daß er das Mädchen wirklich und aufrichtig lieb habe und dast er es unter allen Umständen heiraten müsse. Endlich riß Herrn Diest die Geduld. Nachdem er versucht hatte, den unbequemen Freier drirch Anbieten eines respek tablen Geldgeschenkes zu einer Absage zu bringen, sagte er ihm rund heraus, daß er sich das Mädchen aus dem Kopfe schlagen müsse, das er niemals besitzen werde. Herr Diest verbot dem Studenten in Zukunft jedes Zusammentreffen mit seiner Tochter. Er drohte ihm, sich des polizeilichen Bei- standes zu versichern und stellte dem jungen Manne das ge- richtliche Einschreiten in Aussicht. Dieser verliest wortlos das Buremu(Fortsetzung folgt.) Der Aufbau des Jugendamtes. Lebensmittelpreise des Tages. Zufuhr: Fleisch ausreichend, Geschäft flau. Fische etwas reichKonferenz der Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge. licher, Geschäft äußerst rege. Obst und Gemüse hinreichend, GeAm 2. Tag der von der deutschen Zentrale für Jugendfürsorge schäft flott. nach Berlin einberufenen Konferenz zur Erörterung der Frage, wie Wirtschaft Die Großeinkaufs- Gesellschaft Deutscher Konsumvereine. Die GEG. als die Einkaufs- und Produktionszentrale der im Sinne des kommenden Reichs- Jugendwohlfahrtsgesetzes die Am Dienstag galten in der Zentralmarkthalle folgende KleinJugendämter zu gestalten sind, referierte Ministerialrat Dr. Gerhandelspreise: Rindfleisch 42-56 M., ohne Knochen 57-65 M. Kalbfleisch 50 deutschen Konsumvereine erreichte im Jahre 1921 einen warentrud Bäumer- Berlin über: Die Vorbildung der Be bis 62 M. Schweinefleisch 46-72 M. Hammelfleisch 48-55 M. Schell- umsatz von 2407 Millionen Mart, gegen 1 351 Millionen amten des Jugendamtes." Nicht Routine in irgendeiner fisch 9-16 M. Seelachs 10-15 M. Dorsch 6-10 M. In Eis: Schleie Berwaltungstätigkeit, sondern sozialpsychologische Schu= 30-35 M. Hechte 30-36 M. Aale 45-50 M. Lebende Barsche 22 bis im Vorjahr; das ist ein Mehrumjag von 1058 Millionen, gleich lung ist das Wichtigste; denn nicht um aftenmäßig zu erledigende 24 M. Karpfen 35-42 M. Bleie 16-25 M. Eier 5-5,20 M. das Stück. 78,1 Proz. Arbeit handelt es sich, sondern um Beeinflussung des Schicksals Naturbutter 56-70 M. Margarine 35-45 M. Schweineschmalz 46-49 M. Der im Jahre 1921 erzielte Umsatz in den eigenen lebendiger Menschen. Natürlich soll der Beamte des Jugendamtes Weizenmehl 11-12 M. Roggenmehl 9 M. Weizengrieẞ 13-14,50 M. Gersten- Produktionsbetrieben in der Höhe von 235 möglichst durch seine Vorbildung auf die Aufgabe eingestellt fein, gütze 11 M. Grießnudeln 17-18 M. Reis 10-16 M. Kohlrabi 15-18 M. die er hier zu lösen hat, aber man darf die Zulassungsbedingungen die Mandel. Spinat 2,50-4 M. Spargel 4-15 M. Radieschen 0,50 M. Millionen verteilt sich auf: nicht zu streng fassen, sondern muß auch Personen die Mitarbeit das Bund. Sellerie 8 M. Zwiebeln 9-12 M. Grüne Gurken 22-30 M. ermöglichen, die auf eigenen Wegen die Befähigung zu ihr erworben haben. Neben Männern und Frauen mit akademischer( juristischer, fozialwissenschaftlicher, pädagogischer, medizinischer) Bildung braucht das Jugendamt solche mit einer auf besonderen Lehranstalten erworbenen sozialen Berufsbildung oder auch mit praftischer Erfahrung ohne schulmäßige Ausbildung. Das Referat von Frau Dr. Marie Baum- Karlsruhe über: Einordnung der Jugendfürsorge in die vorhandenen Einrichtungen der Familienfürsorge" fuchte nachzuweisen, daß zur Lösung der durch das Reichsjugendwohlfahrtsgesetz gestellten Aufgaben die Schaffung von Bezirksfürforgestellen, die in möglichst kleinen Bezirken möglichst alle behördliche Wohlfahrtspflege zusammenfassen, unerläßlich ist. Das Hauptgewicht sei darauf zu legen, daß die Bezirksfürforgerin perfönliche Beziehungen pflegt, aus denen Vertrauen erwächst. Es folgte eine sehr ausgedehnte Diskussion über sämt liche Referate beider Konferenztage. Unter anderem wurden gegen die Angliederung der Jugendämter an die Wohlfahrtsämter erhebliche Bedenken geäußert, weil das Wohlfahrtsamt dem Armenwesen nahestehe. Am Nachmittag wurde die Konferenz gefchloffen. Verkehrsverbesserung für Lichtenrade. das Stück. Wahnsinnstat einer Mutter. In Neuland Stödicht bei Löwenberg hat die Frau des Gutsbesizers Strauß ihren vier im Alter von 1 bis 3 Jahren stehenden Kindern den Hals durchschnitten und sich selbst das Leben zu nehmen versucht. Man nimmt an, daß die Frau, die im nächsten Monat ihrer Niedertunft entgegenfieht, in einem Anfall geistiger Umnachtung gehandelt hat. Ueberfall auf einen amerikanischen Lebensmittelzug. Im Gebiet von Barizhn an der Wolga überfiel eine Masse Hungernder einen amerikanischen Lebensmittelzug. Der Bug wurde vollständig ausgeplündert. 5. Schon lange vor dem Kriege haben die Bewohner Lichtenrades 4. um die Verlängerung der Straßenbahn nach Lichtenrade gekämpft. Die Projekte zur Verlängerung der Straßenbahnlinie durch die Lichtenrader Chaussee in Mariendorf nach Lichtenrade befanden sich bereits in Arbeit und auch die Straßenbahngesellschaft wollte die Berlängerung vornehmen, sie zerschlugen sich aber schließlich doch wieder infolge der unvernünftigen Forderungen der Anlieger Die Steigerung der Baukosten von Straßenbahnen machen zurzeit die Berlängerung der Straßenbahn nach Lichtenrade unmöglich. Daher hat das Berkehrsamt jetzt mit der Allgemeinen Berliner Omnibusgesellschaft ein Abkommen getroffen, nach dem, voraussichtlich bereits Anfang Juli, zwischen Lichtenrade und der Endhaltestelle der Straßenbahn an der Lichtenrader Chaussee oder nach der DorfStraße in Mariendorf versuchsweise ein Kraftwagenverfehr eingerichtet wird, der zunächst als Zubringer zur Straßenbahn ge= dacht ist. Zurzeit schweben zwischen dem Verkehrsamt der Stadt Berlin und der Omnibusgesellschaft noch Verhandlungen megen der Regelung des Umsteigeverfehrs mit durchgehenden Fahrscheinen, die zum Uebergang vom Omnibus zur Straßenbahn und umgekehrt berechtigen. 8. 33. Groß- Berliner Parteinachrichten. Große Mitgliederversammlung der SPD. Freitag, den 16. Juni, abends 7 Uhr, in der Brauerei Friedrichshain, am Königstor. Thema: Der Feind steht rechts." Referent: Philipp Scheidemann. Mitgliedsbuch legitimiert. Strengste Kontrolle an den Eingängen. Kreis. Prenzlauer Berg. Donnerstag, den 15. Juni, 7 Uhr, Kreisbelegierten versammlung im Eaale der freireligiösen Gemeinde, Pappelallee 15. Tagesordnung: 1. Vortrag des Gen. Schiff über: Genuatonferenz und Rapallovertrag". 2. Parteiangelegenheiten. Montag, den 26. Juni, gemeinsamer Kreisfrauenabend im Saal der freireligiösen Gemeinde, Pappelallee 15. Bortrag des Gen. Bürgermeister Bauer über ,, Der Zweck der politischen Auftlärung der Frau". Kreis. Friedrichshain. Achtung! Abteilungsleiter! Wegen der Versamm lung am Freitag im Friedrichshain sind von jeder Abteilung 10 Ordner zu stellen. Ordner mit Armbinden müssen um 5% Uhr dort sein und fich beim Gen. Littauer melden. Achtung Gänger! Der Chor Friedrichshain triff sich um 6 Uhr im Lokal des Saalbaus Friedrichshain. Die Abrech nung der Frühkonzertbilletts hat sofort beim Gen. Wartmann, Rönigsberger Areis. Kreuzberg. Donnerstag, den 15. Juni, von 6½ bis 7 Uhr, Gigung der Zeitungskommission bei Reim, Urbanstr. 29. Jede Abteilung hat mehrere Straße 37a, ftattzufinden. Vertreter zu entsenden. Heute, Mittwoch, den 14. Juni: bt. 7 Uhr, Schulaula Hohenlohestr. 10. Mitgliederversammlung. Borwärtsleser mitbringen. Thema: Einheitsfront und Weltkongreß". Ref. Heinrich Bahlke, M. d. L. Bigarrenfabriken( Hamburg, Hodenheim u. Frankenberg) Rautabaffabrik Nordhausen Zigarettenfabrik Stuttgart( 1. 1. 21) Rauchtabakfabrik Hamburg( 15. 4. 21) Seifenfabrik. Düsseldorf Seifenfabrik Gröba. Zündholzfabrit Lauenburg Mostrich fabrik Gröba. Teigwarenfabrik Gröba 0 . 1921 1920 in Millionen 16,3 10,5 • 7,0 4,2 3,9 7,6 48,8 87,7 80,2 71,9 5,8 7,8 1,7 1,0 31,7 3,4 Kistenfabrik Gröba 6,0 4,6 Weberei und Konfektion Oppach 6,7 8,4 Buderwaren- u. Schokoladenfabrik Altona 7,9 5,6 Bürstenfabrik Schönheide. 2,9 2,8 Holzindustrie Dortmund 5,3 3,7 Fischindustrie Altona( 1. 3. 21) 2,7 S Die Gesamtzahl aller in den GEG. Betrieben Beschäftigten betrug am Jahresschluß 1921 3139 Personen( 1920 2427). An Gehältern und Löhnen wurden 1921 40218973 m. berausgabt. Die Bantabteilung der GE G. verzeichnete an Umfägen auf Girokonten 1921 3 440 Millionen. Das Stammtapital der GEG. beträgt 50 Millionen Mart. Der GE G. als Gesellschafter angeschloffen find 1027 onumbereine. Eigene Lager unterhält die GEG. in Hamburg, Erfurt, Gröba, Berlin, Breslau, Düsseldorf, Mannheim, Der Vollendung entgegen Nürnberg, Ludwigsburg und Pillau. geht der Neubau eines großen 3entrallagers in Chemniz. Für den Ausbau der genossenschaftlichen Eigenproduktion zum Wohle des organisierten Konsums ist die Errichtung weiterer großer moderner Eigenproduktionsbetriebe geplant. Um die erforderlichen Mittel für die Ausführung dieser großzügigen Projekte zu erlangen, wurde 1921 eine Obligationsanleihe der G& G., welche mit 5,2 Proz. verzinst wird, aufgelegt. Zeichnungen werden von allen Konsumbereinen des Zentralverbandes auch heute noch entgegengenommen. Werttätige Verbraucher, organisiert Euch fonsumgenossenschaftlich! Die Zuderverteilung. 86. Abt. Mariendorf. 8 Uhr, 8ahlabend in den bekannten Bezirkslokalen. Ueber die Verteilung der vom 1. Juli ab noch zur Verfügung Rentölln. 90. bt. 13. Bezirk bei Jakob Braun, Weichselplas 1; 15./26. Bezirk bei Prüfert, Fuldaftr. 45; 17./24. Bezirk bei Sauer, Panierfir. 54; 22. Bestehenden inländischen Zuckermenge fand auf Anregung der Zuderzirk bei Lindstädt, Berliner Str. 99; 23.136. Bezirk bei Podbielsky, WeichselStraße 2; 25. Bezirt bei Ziedmann, Weidfelstr. 59; 35. Bezirk bei Schiffer, wirtschaftsstelle des Vereins der Deutschen Zucerin ustrie gestern Weitere Einzelergebnisse der Elternbeiratswahl an den höheren Donauftr. 118; 34/43. Bezirk bei Groß, Wiünchener Str. 54; 16./25. Bezirt nachmittag in Berlin eine erneute Beratung der Interessenten statt, Schulen liegen jetzt bor. 5. Oberrealschule: Christliche Liste Bahlabend am Donnerstag, den 15. Juni, 7% Uhr, bei Janide, Jansastr. 11. 172 Stimmen( 4 Size), freiheitliche Liste 125 Stimmen( 2 Sige). 96. Abt. Neukölln. 7 Uhr bei Zillmer, Nogatstr. 57. Abteilungsversammlung. nachdem eine bereits vor Pfingsten gepflogene Beratung er geb. Thema: Der Sozialismus eine Kulturaufgabe". Ref. Gen. Erwin Mar- nislos geblieben war. Bertreten war der Verein Deutscher 1ngültig sind 4 Stimmen, im ganzen abgegeben 301. Wahl- quardt. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zahlabend findet nicht statt. Zuckergroßhändler- Magdeburg, die Großeinkaufsgesell beteiligung 50 Proz. Albrecht Dürer Oberrealschule Raffiert wird in der Versammlung. Neukölln: Christliche Liste 600( 487) Stimmen, fozialistische Liste 108. bt. Cöpenid. 8 Uhr, in der Aula der Körnerschule, Lindenstr., Mitglieder. haft Deutscher Konsumvereine- Hamburg, die Großversammlung. Ref. Robert Breuer. Thema: ,, Einheitsfront und Weltkongres". einkaufszentrale Deutscher Konsumvereine- Düsseldorf, der Verband 126( 159) Stimmen. Zahl der Wähler 1200( 1100). Gewählt: 119. Abteilung. Lichtenberg. 7½ Uhr, im Gesangsaal des Cecilien- enzeums. Deutscher Großhändler der Nahrungsmittel- und verwandten Rathausstraße, Mitgliederversammlung. Thema: Die Christliche 11( 9), sozialistische 2( 2). Wahlbeteiligung 60 Broz. ArbeiterjugendBranchen, die Gdeka- Zentrale, der Reichsverband Deutscher Kolonial ( 60 Proz.). Das knappe Ergebnis ist hier eine Folge der Gleich waren- und Lebensmittelhändler, die Bereinigung Deutscher Zuckergültigkeit vieler gewerkschaftlich und politisch Organisierter. Diese waren- und Schokoladenfabrikanten, die Vereinigung der Kunst wegen ihrer betrübenden Folgen feststehende Tatsache sollte allen honigfabrikanten, der Reichsverband des Deutschen Handwerks, die Reichszentrale Deutscher Bäckereigenossenschaften, der Refsverband, die Kakaowirtschaftsstelle. Es handelt sich darum, einen Schlüssel zu finden, wie die vom 1. Juli an Nichtwählern ein Warnungszeiben sein. Bewegung. 125. abt.weißensee. 8 Uhr, Bezirksabende in folgenden Lofalen: 1. Bezirk Hardt, Lothringenstr. 35; 2. Bezirk Stärke, Charlottenburger Str. 3; 3. Bezirk Wietstrud, Langhansstr. 62; 4. Bezirk Gampe, Lichtenberger Str. 8. 133. bola, 7 Uhr, Bahlabend bei sähne, Berliner Str. 39. Wichtige Tagesordnung. 140a Abt. Wittenau. 7½ Uhr, im Lokal Schulz, Hauptste. Mitgliederversamm. lung. Gehr wichtige Tagesordnung. Die Vorstandsmitglieder erscheinen eine Stunde früher. Erscheinen unbedingt erforderlich. Rowawes. 7% Uhr im Thalia- Restaurant, Mitgliederversammlung. Wichtige Tagesordnung.( Ausschlußantrag gegen Prof. Dr. Lensch.) Bortrag des Gen. Bürgel. Eine blutige Ehefragödie spielte sich vorgestern abend in dem Hause Martin- Luther- Straße 16 ab. Hier war es zu heftigen Auseinanderfegungen zwischen dem 27 Jahre alten Kaufmann Willi Baethke und dessen 21jährigee Ehefrau Luise geb. Strehler gekommen. Im Berlaufe derselben zog Baethke einen Revolver aus der Talche und erschoß seine Ehefrau, dann jagte er sich selbst eine Kugel in die Morgen, Donnerstag, den 15. Juni: rechte Schläfe. Noch lebend schaffte man Paethte nach dem Auguste- 181. Gemeindeschule. 7 Uhr, Elternversammlung in der Schulaula Butendorfftr. Bittoria- Krankenhaus. während die Leiche der Ehefrau beschlagnahmt Thema: Schule und Religion". Ref. Dr. Ostrowski. 17. Abt. wurde. Ueber den Beweggrund herrscht keine völlige Klarheit. 7 Uhr, außerordentliche Funktionärversammlung, au der auch alle attiven Elternbeiräte erscheinen müssen, bei Wörpel, Samoaſtraße. Der Uffendiebstahl bei der Potsdamer Regierung. Für die 134. bt. Buch. 8 Uhr, Bahlabend bei Bodung, Dorfstraße. Ermittlung des oder der Täter und die Wiederherbeischaffung der Jungsozialisten. Gruppe Brig. 7 Uhr, im Jugendheim Chausseeste. 48. Thema: gestohlenen Kraftfahrerlaubnislisten hat die Regierung in Potsdam die Belohnung bis zur Höhe von 10000 M. ausgesetzt. Praktische Heimarbeit und Aussprache". Sozialdemokratischer Männerchor Prenzlauer Berg. Wegen der am Freitag, den 16. Juni stattfindenden Scheidemann- Bersammlung fällt die Uebungsstunde aus. Die Gangesbrüder werden gebeten, am Freitag um 6 Uhr vollzählig in der Brauerei Friedrichshain zu erscheinen. noch zur Verfügung stehende Menge von 2 Millionen Doppelzentnern inländischen Zuders unter die einzelnen Organisationen zu verteilen find. Da die 3wangswirtschaft nicht mehr besteht, kann es sich nur um eine freiVor allem soll der Bedarf des Die willige Vereinbarung handeln. deutschen Volkes an Mundzuder sichergestellt werden. größten Schwierigkeiten ergaben sich daraus, daß die Vertreter der zuckerverarbeitenden Industrien( Bonbon-, Schokoladen, Kunsthonig und Marmeladefabrikanten) nicht auf einen Anteil an der noch zur Verfügung stehenden Menge verzichten wollten, obwohl ihnen im Laufe der Debatte wiederholt vorgehalten wurde, daß diese Höhere Gebühren für Hebammen. Die Gebührenordnung für Die Genoffen des Kreises Friedrichshain, 33. Abt. und Stralan, haben den Industrien ja in der Hauptsache ausländischen Zucker verHebammen vom 21. März 1921 ist aufgehoben worden und durch eine neue ersetzt, wobei die niedrigsten Säge zur Anwendung ge langen, wenn nachweisbar Unbemittelte oder Armenverbände die Berpflichteten sind. Sie finden ferner Anwendung, wenn die Zahlung aus Staatsfonds, aus den Mitteln einer wilden Stiftung, eines Organes der gesetzlichen Zwangsfrankenversicherung( Gemeindefrankenversicherung, Orts-, Betriebs-, Bau-, Innungs-, Knappschafts-, eingeschriebene Hilfskaffe) zu leisten ist, oder wenn die Schwangere bzw. Mutter Anspruch auf Reichswochenhilfe hat, soweit nicht besondere Schwierigkeiten der Leistung oder das Maß des Zeitaufwandes einen höheren Sah rechtfertigen. die Höhe der Gebühr innerhalb der festgesetzten Grenzen nach den besonderen Umständen des einzelnen Falles, insbesondere nach der Schwierigkeit und Zeitdauer der Leistung und nach der Vermögens: lage des Zahlungspflichtigen zu bemessen. Für den Beistand bei einer regelmäßigen und auch bei einer frühzeitigen Geburt für die Dauer bis zu 12 Stunden werden 250 bis 800 m., für jede folgende Stunde 10 bis 25 M. erhoben. Verlust des Genossen Hermann Montau zu beklagen, welcher im 51. Lebensjahre plöglich verstorben ist. Montau war fast 3 Jahrzehnte Mit glied der soz. Mehrheitspartei. Sie werden sein Andenken in Ehren halten. Die Beerdigung hat bereits stattgefunden. Jugendveranstaltungen. Jugendheim arbeiten fönnten, ohne daß dadurch der Preis ihrer Fabritate me. fentlich steigen würde, denn die Preisentwicklung für inländischen Zucker gehe immer weiter auf eine Gleichstellung mit dem ausländischen Zucker hinaus. Die Vertreter der Industrien wichen auch dann nicht von ihrer Forderung ab, als die anderen Interessentengruppen eine Konzession zugunsten der Marmeladen- und Kunsthonigfabrikanten zu machen bereit waren. Schließlich gaben die Heute, Mittwoch, den 14. Juni: einzelnen Gruppen folgende Erklärung ab: Die Industrien beanCopenie. Jugendheim Ruhwald, Berliner Str. Diskussion: Wie soll man spruchten eine Beteiligung von 15 Proz. als das allermindeste unter wandern"? Friedrichsfelde. Jugendheim Berliner Str. 44, Ede Schloßstraße. Ausscheidung der Schokoladenindustrie. Der Großhandel schlug vor, Einführungsabend. Im übrigen ist Werbeversammlung. Friedrichshagen. Scharnweberstr. 105. Mitgliederversammlung. Sefunbbiunnen. Jugendheim das Quantum für die Industrie aus der Diskussion auszuscheiden, Gemeindeschule Gothenburger Str. 2. Bortrag: Sport und Arbeiterjugend". da eine Einigung anscheinend nicht zu erzielen sei und das als Lichtenberg. Jugendheim Parkaue 10. Einführungsabend mit besonderem Mundzucker zur Verfügung stehende Quantum derart zu verteilen, Programm. Mahlsdorf. Jugenheim Gemeindeschule Walderfeestr. Einführungsabend mit besonderem Programm. Prenzlauer Borstadt. Jugend- daß auf den Großhandel 75 Proz. und 25 Proz. auf die Konheim Gemeindeschule Danziger Str. 23. Vortrag: Die Mädchen in unserer sumbereine und die Edeka entfielen. Die Verteilung der 25 Organisation". Alle Eltern sind zu diesem Vortrag herzlichst eingeladen. Broz. im einzelnen sollten Konsumvereine und Klein. Tempelhof. Jugendheim Rinderhort, Germaniastr. 6/7. Leseabend:„, Göz von Berlichingen". Besten. Jugendheim Kantinenraum der Baugewerkschule handel unter sich ausmachen. Der Vertreter der an Hamburg Kurfürstenstr. 141. Vortrag: Der Mensch der Vorzeit". angeschlossenen Konfumvereine erklärte, daß sich sein Berband unter 20 Pro3. feineswegs zufrieden geben tönne. Denfelben Prozentsaz beanspruchten die Vertreter des Kleinhandels. Der Vertreter der Bäckereigenossenschaften verlangte mindestens 3 Proz., also 60 000 Doppelzentner. Als zweckmäßig wurde nunmehr empfohlen, daß sich Bertreter der Industrie, des Großhandels, der Konsumvereine und des Einzelhandels gemeinsam mit der Zuckerwirtschaftsstelle ins Benehmen jetzten, um feststellen zu können, ob es möglich sein werde, auf der Basis der jetzigen Erklärungen eine einheitliche Vereinbarung herbeizuführen. Anmeldungen für die Jugendweihe Oberschöneweide sind bis zum 24. Juni an folgenden Stellen abzugeben: Woil, Wilhelminenhofstr. 2, Laden, Schuster, Wilhelminenbofstr. 48, Verbandsbureau, Konsumverkaufsstelle, Edisonstraße, Stonsumverkaufsstelle, Mathildenstraße. Raden, Bader, Wilhelminenhoffir. 17, Laden, Gronau, Wilhelminenhofstr. 47, Vorträge, Vereine und Versammlungen. Vereinigung für Schul- und Erziehungsfragen, Treptow. Am Donnerstag, den 15. Juni, abends 8 Uhr, spricht im Zeichenfael der 6. Treptower Gemeinde schule, Wildenbruchstr. 53, Herr Studienrat Dr. Muris über„ Schülerwanderun gen und Ferienspiel" in öffentlicher Versammlung. Die freie Schulgemeinschaft Friedrichshain veranstaltet am Sonn abend, den 17. Suni, im Bollsgarten des Ostens( früher Mentes Boltsgarten), Lichtenberg, Röderstraße( Nähe Bahnhof Landsberger Allee), ein großes Bolts und Kinderfest. Das Programm wird fast aus. nahmslos von proletarischen Künstlern bestritten. Es wirken u. a, mit: Briefkasten der Redaktion. Männer und Frauenchor Diten( Dirigent: Thilo), Mitgl. d. A.-S.-B., Urbeiterturnverein Fichte"( Männer, Frauen- und Lehrlingsabteilung) und Briefliche Auskunft wird nicht erteilt. Jeder für den Brief. die bekannte„ Musterriege Fichte", ferner Arbeiterradfahrer( Reigenabteilung) taften bestimmten Anfrage füge man einen Buchstaben und eine Nummer Solidarität. Der musikalische Teil wird von Berufsmusikern ausgeführt, bei. Eilige Anfragen trage man in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3. Starten à 3,60 m. inti. Steuer sind bei allen Funktionären, Elternbeiräten und allen mit Plakaten belegten Stellen zu haben. Verhaftung eines Direktors der Erfurter Deutschen Werke. Der faufmännische Direktor der Deutschen Werke, Werf Erfurt, Wilhelm Hamacher, wurde in Berlin verhaftet. Wie es heißt, hat der Verhaftete Produkte der Deutschen Werke zuungunsten des Unternehmens verkauft. Ein außerordentlich starkes Erdbeben wurde am Sonntag nachmittag furz vor zwei Uhr in verschiedenen Orten in der Provinz Wermland in Schweden beobachtet. Ein Erdbeben von dieser Stärke hat in Schweden seit 1904 nicht stattgefunden. Ueber 20 Millionen Fehlbetrag im Stadthaushalte sind nach dem Rechenschaftsbericht über den Haushaltsplan der Stadt Dre s den im Jahre 1920 zu verzeichnen. Die Einnahmen, die auf 457 Millionen Mark veranschlagt waren, beliefen sich auf fast 30 Millionen mehr, dagegen überstiegen die Ausgaben den Voranschlag von 457 Millionen Mark um reichlich 50 500 000 m., so daß ein Fehlbetrag von 20 707 508 m. entstanden ist. Berhandlungen der deutschen mit der englischen Farbstoffgesellschaft. Im englischen Unterhause hat der Präsident des HanDelsamtes bestätigt, daß zwischen den großen englischen Farbvereinigungen und den großen deutschen Farbgesellschaften gegenwär fig Unterhandlungen geführt werden, die aber erst den Charakter von Vorbesprechungen haben und bis jetzt noch zu feinem Abschluß geführt hätten. Die englische Regierung werde sich des. halb in diese Fragen noch nicht einmischen und solange warten, bis wirklich ein Abschluß zustande gekommen sei. 1. Sof part. links, vor. Schriftstüde und Berträge sind mitzubringen. Streitenbe": Fragen Sie beim Volksboten", Stettin, Schillerstr. 19, an. H. 46: Bon einer Berufung versprechen wie uns feinen Erfolg.$.. 89: Der Hauswirt kann nicht die fofortige Räumung der Wohnung verlangen, wobi aber steht ihm ein außerordentliches Kündigungsrecht zum nächsten gefeglich zulässigen Termin zu, fofern im Mietsvertrag nichts anderes vereinbart ist. Zur Kündigung ist aber die Genehmigung des Mieteinigungsamtes erforderlich. Liegt diese nicht vor, so ist die Kündigung rechtsunwirtsam. Wenden Sie sich an das Miets- bzw. Wohnungsamt. Str. 94: Für den Schaden find Sie nur dann verantwortlich, wenn Sie ihn verursacht haben, was Ihnen bewiesen werden muß. W. R. 133: Ihre Mutter hat keinen Anspruch auf Altersrente. tunftshelle bes Anhalter Bahnhofs, Grieben ist brauchbar, beffer noch Meyer. Echön 36. Fahrpreise an den Kassenschaltern, das übrige an der Aus- die folgenden Marktpreise: Serbra. 1. Nur die Ablömmlinge, d. h. also die Kinder. Unterhaltspflichtig ist nicht, wer bei Berücksichtigung seiner sonstigen Berpflichtungen außerstande ist, ohne Gefährdung seines standesmäßigen Unterhalts den Unterhalt zu ge währen. Gegenüber Schwiegerföhnen besteht kein Unterhaltsanspruch. 2. Bei Handlungsgehilfen: bis auf die Dauer von 6 Wochen. Bei den übrigen Arbeitnehmern hängt es von den Verhältnissen des Einzelfalles ab. 3. Nein. 4. Nicht bekannt. 5. Kann nur der Arzt beurteilen. 6. Wenden Sie sich an die Buch,, Vorwärts", Berlin SW., Lindenstr. 3. handlung Wetter bis Donnerstag mittag. Zunächst ziemlich warm, über wiegend bewölft, im Westen weitverbreitete, sonst mehr vereinzelte Gewitterregen. Später etwas fühler. Edelmetallpreise. Die Metall- und Rohstoffgesellschaft meldet Platin 690 bis 710 Mart, Silber 5,80 bis 5,95 Mart, Gold 181 bis 191 Mart. Alles für das Gramm. Messe in Budapest. In Budapest wird vom 17. bis 26. Junt eine Warenmustermesse stattfinden. Dieser Mustermesse tommt eine erhöhte Bedeutung zu, weil sie seit dem Zusammenbruch der österreichisch- ungarischen Monarchie die erste, alle Industriezweige um faffende Beranstaltung der ungarischen Handelswelt sein wird. Die Neugliederung des Reiches. Der Reichstag ist am geftrigen Dienstag wieder zusammengetreten. Der Platz des Abg. Scheidemann ist mit einem Blumenstrauß geschmückt, den die Fraktion ihm anläßlich des Attentats gestiftet hat. Kleine Anfragen. Auf eine Anfrage des Abg. Ziegler- Westfalen( Dem.) über die Befreiung von Banken von der Verpflichtung zur Aufnahme von Betriebsratsvertretern in den Aufsichtsrat erwidert ein Regierungsvertreter, daß die Entscheidung der Regierung über die Anträge der Banten in nächster Zeit zu erwarten ist. Eine Anfrage des Abg. Dr. Kahl( D. Bp.) wegen Vergewaltigung einer Dame aus Bingen auf dem Rochusberge wird dahin beantwortet, daß die Besatzungsbehörde nach dem Täter sofort Ermittlungen angestellt hat, bisher jedoch ohne Erfolg. Die Angelegenheit wird nachdrücklichft weiter verfolgt. Abg. Krüger( Soz.) fragt, ob die Regierung die seit 3½ Jahren rüdständigen Steuern des Hauses Hohenzollern nicht schnellstens einziehen will. Ein Regierungsvertreter antwortet, die ordnungsmäßige Veranlagung habe wegen der Beschlag. nahme des Hohenzollernvermögens noch nicht stattfinden fönnen. Die im Wege der vorläufigen Beranlagung festgestellten Steuern selen von den Angehörigen des Hauses Hohenzollern eingezogen und bezahlt worden. Interpellationen der Unabhängigen über die Reparationsver handlungen und des Zentrums über die Eisenbahnzerstörung im besetzten Rheinland sollen nach einer Regierungserklärung in der geschäftsordnungsmäßigen Frist beantwortet werden. Es folgt die erste Beratung des Ausführungsgefeßes zum Artifel 18 der Reichsverfassung über die Gliederung des Reiches, das der Bevölkerung das Recht gibt, sich nach ihrem Willen neu zu Ländern zusammenzuschließen. Abg. Dr. Gradnauer( Soz.): Abg. Dr. Levi( l. Soz.) sieht in der Vorlage ett brauchbares Mittel, die Reste der von den alten Monarchien herbeigeführten unnatürlichen Zersplitterung der Länder Aufnahme der Landtagsarbeiten Im Landtag, der am gestrigen Dienstag seine Tätigkeit wieder begann, verlas Präsident Leinert einen gemeinsamen Proteft der Parteien gegen die gewaltsame Abtrennung Oberschlesiens. Unter lärmenden Zwischenrufen der Kommunisten, die durch lebhafte Rufe des Unwillens und Beifallstundgebungen übertönt wurden, bezeichnete der Präsident die Entscheidung der Botzu beseitigen. Das Gesez lege der Regierung und dem Parlament schafterkonferenz als gegen Vernunft und Recht verstoßend. Der die Verpflichtung auf, eine Politik zu treiben, die den arbeitenden Landtag wisse den scheidenden Oberschlesiern Dank für ihre Treue Massen die Zugehörigkeit zu einem einheitlichen Deutschland zum Deutschtum. Auch den Oberschlesiern rufe der Landtag zu: als eine Notwendigkeit erscheinen läßt. In Not getrennt, aber in Treue vereint!( Großer Beifall bei der Mehrheit, Lärm und Pfeifen bei den Komm.) Abg. Koch Weser( Dem.): Wir stimmen der Vorlage zu. Die Länder sind nicht Selbstzweck, sondern das Interesse des Reichs muß allem vorangehen. Darum sind wir auch im Gegensatz zum Reichsrat für das Initiativrecht der Regierung. Für die Neugiede rung scheinen uns freilich die Grenzbezirke zunächst am wenigsten geeignet. Abg. Bayerle( Bayer. Bp.) stimmte der Vorlage zu, ebenso Graf Bernstorff( D.- Hann.). Abg. v. Kardorff( D. Bp.) hält VorkehrunScheidemann spricht! Mitgliederversammlung der SPD. Groß- Berlin Freitag, den 16. Juni, abends 7 Uhr Brauerei Friedrichshain, am Königstor Thema:„ Der Feind steht rechts!" gen für nötig, die die 3erschlagung Deutschlands verhindern. Die Borlage wird dem Rechtsausschuß überwiesen. Zum Reichsjugendwohlfahrtsgeseh, eintreten. Abg. Frau Juchacz( Soz.): Abg. Kah( Komm.) protestiert gegen diese Erklärung; der Meltestenrat habe illoyalermeise Anträge der Unabhängigen und Kommunisten unbeachtet gelassen. Abg. Scholem( Komm.) bringt einen Antrag ein, der sich mit Aus Anlaß der den Vorgängen in Königsberg beschäftigt. Anwesenheit Hindenburgs sei es dort zu einem monarchistischen Rummel gekommen.( Großer Lärm rechts.) Bewaffnete Macht habe unbewaffnete Arbeiter überfallen. Das Staatsministerium müsse ungesäumt die Behörden anmeisen, sich von monarchistischen oder antire publifanischen Rundgebunden fernzuhalten und die verantwortlichen Personen zur Rechenschaft ziehen. Blut sei geflossen, die Reaktion sei in ihre Schranken zurückzuweisen. Abg. Rabold( U. Soz.) beantragt, diesen Antrag heute noch zur Beratung zu stellen. In Hamburg sei eine Gewerkschaftsveranftaltung von Reichswehr gesprengt worden. Abg. Heilmann( Soz.): Im Meltestenrat haben die Antragsteller dem Plane widersprochen, den Antrag morgen in Verbindung mit dem Etat des Innern zu beraten. Sie selber haben also schud an der Verzögerung. Ein Schlußantrag wird gegen die Stimmen der U. Soz. und Komm. angenommen und die sofortige Beratung des Antrages ab= gelehnt. Darauf folgt die zweite Lefung des Haushalts der BreuBischen Bentralgenossenschaftstasse in Verbindung mit dem Entwurf eines Abänderungsgefeßes betr. Errichtung einer Zentralanstalt zur Förderung des genossenschaftlichen Personalfredits, die Einlage des Staates bei der Zentralgenossenschaftstasse foil von 125 Millionen auf 500 Millionen Mark erhöht werden. Abg. Meyer- Berlin( 1. S03.) flagt darüber, daß der Präsident Amtsantritt mit den Beamten der Stasse nicht über deren Wünsche verhandelte. Bei Ausbruch der Revolution sei gutangeschriebenen Beamten ein Teil des Gehalts in Silber ausgezahlt worden. Den Beamten müsse Einblick in die Personalaften gegeben werden. Der Präsident der Kasse erklärt, daß er sich den Beamten gegenüber durchaus wohlwollend und pflichtgemäß verhalte. Bei Ausbruch der Revolution sei er noch nicht im Amte gewesen. Der Einblick in die Personalaften werde den betreffenden Beamten selbstverständlich gewährt, nicht aber anderen. Abg. Wiglow( Dem.): Jeßt, nachdem bas Rapitalfluchtgeset lange genug in Kraft ist, sollte die Hinterlegungspflicht der Wertpapiere aufgehoben werden, um den Kleinrentnern nicht unnük Kosten zu machen. Wir wollen heute die großen Probleme der Gliederung des das num zur zweiten Beratung fommt, beantragt der Ausschuß im Reichs und der Länder nicht erörtern. Die Vorlage hat wesentlich§ 1 die Fassung:„ Jedes deutsche Kind hat ein Recht auf Ertechnischen Charakter und ist wegen der bevorstehenden Abstimmung ziehung zur leiblichen, seelischen und gesellschaftlichen Tätigkeit." oder Zentralgenossenschaftskaffe entgegen seiner Zusage bei seinem der uns verbleibenden oberschlesischen Gebietsteile eilig. Die Zentral- diefer Anspruch durch die Familie nicht erfüllt wird, soll unbe stelle für die Gliederung des Reichs wird demnächst ein Gutachten schadet der Mitarbeit freiwilliger Tätigkeit öffentliche Jugendhilfe über diese Fragen fertigstellen und dann werden diese Fragen er örtert werden können. Es gereicht uns zur Genugtuung, daß durch dieses Ausführungsgefeß ein überaus wichtiges Volksrecht verwirtlicht wird. Irgendeine Neugestaltung der Länder aus Stammes- Die neuen sozialen Kräfte, die zum Leben erwacht sind, drängen bedürfnissen wird dadurch ermöglicht. 3. B. müssen die Verhand- nach Beschäftigung. Die ganze Mitarbeit an der Jugendwohlfahrt lungen zwischen Preußen und Hamburg zu einer Lösung muß auf demokratische Grundlage gestellt werden. Unsere Boltsgebracht werden. Die Einteilung der Länder ist das größte inner- genossen, die Selbstvertrauen und Selbstgefühl in der Arbeit für politische Problem, aber zur Lösung müssen ruhige 3eiten fich selbst gewonnen haben, melden fich mit Recht zu dieser Arbeit. abgewartet werden. Die Gründe für die in der Verfassung vor Dazu sind aber alle Kreise des Voltes berufen. Wir wollen keine gesehene Sperrfrist von zwei Jahren für Aenderungen bestehen auch Ausnahme für die unehelichen Kinder, auch diese müssen volles heute noch, daher begrüße ich, daß die Fraktionen des Reichstages Anrecht auf Erziehung und Wohlfahrt haben. Das Jugendamt vereinbart haben, jedenfalls noch für ein weiteres Jahr Absplitte- muß das öffentliche Gewiffen in seiner Aufsicht über die Jugendrungsbestrebungen in großem Umfange nicht einzuleiten. Auch im pflege jein. Hoffentlich werden sich die Jugendämter als VormundRheinland soll während der Besetzung eine Volfsabstimmung nicht schaftsämter bald Bertrauen erwerben. Auch der Mutterschuß stattfinden.( Sehr richtig!) Wir wünschen nur, daß die Abstimmung muß eine der vornehmsten Aufgaben der Jugendämter sein, damit des oberschlesischen Volkes Deutschland zum Segen gereichen möge. die Säuglingssterblichkeit eingedämmt wird. Wann gedenkt das Die Vorlage enthält nicht nur Vorschriften über das Abstimmungs- Reichsarbeitsministerium zu einer Reform der Armengesetzgebung verfahren, sondern auch einen materiell- rechtlichen Ausbau des Ar- und einer Revision des Kinderschutzgesetzes zu kommen? Hoffent titels 18. Im Ausschuß muß forgfältig geprüft werden, ob der lich gelingt es, durch die gewissenhafte Betreuung der Jugendlichen Reichstag nicht beffer fut, sich auf die Vorschriften über das Abftim- die Notwendigkeit der Fürsorgeerziehung auf ein geringeres Maß mungsverfahren zu beschränken. Eine sehr umstrittene Frage zurückzuschrauben. ist, ob auch die Initiative der Reichsregierung oder nur die Volks= initiative zugelassen werden soll. Ferner ist sorgfältig zu prüfen, ob die Bestimmung des§ 18 der Vorlage genehmigt werden kann, nach der eine Volksabstimmung über eine Gebietsänderung, die erfolg Ios gewesen ist, erst nach zehn Jahren neu verlangt werden kann. Die Reichsregierung hatte fünf Jahre vorgeschlagen, der Reichsrat zehn Jahre, und die Regierung hat sich ihm angeschlossen. Es ist zweifelhaft, ob diese Bejtimmung mit einer strengen Auffassung des Artitels 18 vereinbar ist. Eine derart lange Frist tönnte eine Be= schränkung des Abstimmungsrechts bedeuten. Ich beantrage Ueberweisung an den Ausschuß. Abg. Dr. Düring( Dnat.) äußert Bedenten gegen das Initiative recht der Regierung, von sich ous Neugliederungen der Länder vor zuschlagen; diese Bestimmung fönne eine Gefahr für den notwen digen Fortbestand Preußens werden. Der Redner beantragt einen besonderen Ausschuß von 28 Mitgliedern. Abg. Dr.Lauscher( 3.) begrüßt die Borlage. Unter allen Um. ständen müsse dem Berdacht vorgebeugt werden, als folle die Freiheit der Boltsabstimmung irgendwie beeinträchtigt werden. Darum dürfe fich das öffentliche Eintragungsverfahren nur auf die Frage beschränken, ob eine Volfsabftimmung opportun ist oder nicht. Die fachliche Stellungnahme dürfe durch die Eintragung nicht vorweg festgelegt werden. Theater, Lichtspiele usw. Opernhaus Central- Theater Violetta 72 Uhr 8 U.: Abg. Hensel( Dnat.) verlangt das Recht auf Familienerziehung und die Sicherstellung der fonfeffionellen Jugenderziehung. bezweifelt, daß die zur Verfügung gestellten 100 Millionen Mart zur Durchführung des Gesetzes ausreichen. Ohne größere Reichshilfe fönnten die Gemeinden die ihnen durch das Gesetz gestellten Aufgaben nicht erfüllen. Abg. Ceutheuser( D. Bp.) erkennt das Gesetz als notwendig an. Seine Fraktion hate die Familie für die beste Grundlage der Jugenderziehung. Däumig erkrankt. Während dieser Rede sinkt der Abg. Däumig( u. Soz.) unter lautem Stöhnen zu Boden. Vizepräsident Dr. Rießer unter bricht die Sigung auf eine Viertelstunde; Abg. Dr. Moses ( U. Soz.) bemüht sich um den Verunglückten, der dann von mehreren Abgeordneten und Dienern aus dem Saal getragen wird. Nach einer Viertelstunde eröffnet Präsident Cöbe die Eizung wieder mit dem Wunsche, daß der schwere Anfall, den der schon seit längerer Zeit frante Abg. Däumig als Opfer seines übertrie. benen Pflichteifers erlitten habe, feine schlimmeren Folgen haben möge. Das Haus vertagt wegen des Zwischenfalls die Weiterberatung auf Mittwoch 2 Uhr. Volksbühne Lessing- Th. Komische Trianon- Th. VINDORTEN Theater a. Bülowpl. Sommerspielzeit: 7 Masse Mensch Heute 8 Uhr: 872 Mädels v. Davos Residenz- Th. Deutsch Opernhaus Täglich 8 Uhr: Schauspielhaus 7: Tosca Der Kronprinz Intimes Theater 7% Uhr 8: Die Peitsche und? Lauf doch nicht Deutsch. Theat. immer nackt herum 7: Potasch und Lustspielhaus Perlmutter Donn. 72: Potasch 3 Uhr: Der Werwolf u, Perlmutter Metropol- Theater Kammerspiele Uhr: Bajadere 84: Vatermord 7% Donn. 81: Vater Neues Operett.- Th. Gastspiel der Rotter- Bühnen mord Gr.Schauspielh.: Casanovas Sohn ( Karlstraße) 72: Die versunkene Glocke Donn. 71/2: Die ver sunkene Glocke Neues Th. am Zoo 8 Uhr: Scampolo Neues Volkstheater The Heuchler U.. des Schiller- Th. Charl. 3,15: Wilhelm Tell Die wunderlich. Geschichten Kapellmeisters Kreisler" im Th. 1. d. Königgrätzer U.: Charleys Tante Str. tägl. 8 Uhr Thalia- Theater 72: Die Herren von und zu... Komödienhaus Th. a. Nollendorfpl. 8 U. ,, Gretchen" Verliebte Leute 73/4 Gläßner, Roberts. Theater d. Westens 712 Berliner Th. Bis früh um fünfe 730: Madame Flirt Wallner- Theater 7% U.: Die beiden Theater des Ostens Nachtigallen ( Rose- Theater) Walhalla- Theater Auf d. Gartenb 5 U: 8 Uhr: Das Gast Darlle- Wien- Konstantinopel haus zur Liebe Eine Frau ohne Bedeutung Arnold Korff Adele Sandrock Fuchsjagd Ab Donnerstag 734 Oper 734 Der Meister allabendl. 7% Uhr: Vom Montmartre Ballerina d. Königs Offenbachs Liebesleb. Reichshallen- Th. Deut. Künstler- Th. Anabendl. 7%, Uhr: Sommerspielzeit Allabendl. 8: „ Die erste Nacht" Theater a. Kottb.Tor SCALA Moritzpl. 16 077 Allabdl.72 EliteSänger ,, Was sich d. Wald erzählt" und ..Der Säugling" Tägl. 8 Uhr Stettiner Täglich 48 Uhr: Moral Varieté- Spielplan Burg, Limburg, Junkermann, Schroth Berliner PraterTheater Rauchen gestattet! Sänger Kastanienallee 7-9. Knabe oder Mädchen Täglich: nach Wunsch beft. möglich. n. Prof. sowie Spezialitäten Robert. Lichtbilder Beginn 5 Uhr. portrag: Arminius. hallen, Bremer Str.73, heute abends 8 Uhr. Sieh.Plakat. Pharus Säle, Müllerstr. 142, Donhoff- Die Prinzessin v. Nil Brett Operette in 3 Akten Ant. 71/ U Juterat Rennen zu Strausberg Varieté Mittwoch, 14. Juni, nachm. 3 Uhr Freitag, den 16. Juni abends 8 Uhr.[ 32/10 Dr.Thompson's Seifenpulver gibt blendend weiße Wäsche SCHUTZ- MARKE DC THOMPSON'S SEIFENPULVER SCHUTZ- MARKE Achten Sie beim Einkauf auf die Schutzmarke Schwan! Finanzminister Dr. v. Richter: Hätte Abg. Meyer seine Bormürfe im Hauptausschuß schon erhoben, so wäre inzwischen eine Klärung schon möglich gewesen. Wir werden den Dingen nachgehen. Mit der Zurückverweisung würde nur eine Verzögerung der Etatsverabschiedung erreicht werden. Bei der dritten Lesung werden wir die gewünschte Auskunft geben können. Der Antrag auf Zurücverweisung wird abgelehnt, das Gesez auf Kapitalserhöhung angenommen, der Etat bewilligt. Abg. Kleinmeyer( S03.) baldige Borlegung eines Entwurfs zur Beim Haushalt der Oberrechnungsfammer fordert Reorganisation der gesamten preußischen Verwaltung. An die Stelle der Oberrechnungstammer sollte eine Kontrolltommission treten, die nicht nur buchtechnisch die Kassenprüfungen im Lande vornimmt, sondern auch reformerisch auftreten tann. Abg. Schmedding( 3.): Eine im Lande herumreisende Kontrollkommiffion würde nicht im geringsten imstande sein, die Oberrechnungstammer zu ersetzen. Finanzminister Dr. v. Richter: So subaltern darf die Tätigkeit der Oberrechnungskammer doch nicht eingeschätzt werden wie vom Abg. Kleinmener. Von den großen staatsrechtlichen Aufgaben der Oberrechnungskammer hat er feinen Schimmer. Sie ist eine unabhängige richterliche Behörde. An ihre Stelle eine von den Landtagsmehrheiten abhängige Verwaltungsbehörde zu fetzen, wäre der allergrößte Fehler. Ein Antrag der Koalitionsparteien auf Annahme eines Gesetz entwurfes über die Regelung des Körungs- und Pferderennwettwesens wird u. a. vom Abg. Peters- Usedom( S08.) empfohlen und darauf angenommen. Die Abgg. Scholem und Kah( Komm.) beantragen den Antrag betr. die Königsberger Vorgänge auf die morgige Tagesordnung zu setzen( abgelehnt). Mittwoch 12 Uhr: Etat des Innern. Schluß 7 Uhr. Kriegsanleihe wird zu 84% nur gegen Legitimation in Zahlung genommen. Preise steigen! Größte Eile geboten! Wo? Pelzmäntel mit farbigen Pelzbesätzen 7600.Graue Pelzjacken auf Blumenseide 8500.Seal- Elektric- Mäntel 13 750.- 16 500.Sealplüschmäntel sehr sehr billig. 1250.675.- 990.Ulster grau marengo 165.- soweit Vorrat Impr. Seidenmäntel 750.- soweit Vorrat Covercoatmäntel mit Stepperei. 525.- Fantasie- Ulster. Herren- Gummimäntel 1350.- Damen- Gummimäntel Reinwollene Jumper Reinwollene Strickjacken Waschkleider la Tuchmäntel 195.- Kunstseidene Jumper.. 435.- 790.725.- Elegante Röcke 785.- Reinwollene Trikotkleider 1350.- Kammgarn- Kostüme. Bei 525... 885.975.Westmann 1. Geschäft: Berlin W 8, Mohrenstraße 37a 2. Geschäft: Berlin NO 18, Gr. Frankfurter Str. 115 Aerztl.geleit., mod.einger. Heilanst.f.ambul. 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Bon chronisch. Leiden, Herzschwäche u Verstopfung geh. 8. Herr A. Schlabitz. Berl., Caprivistraße 24. Von Gesichtslupus geh.; vorher m. Radium erfolglos beb. 7. Frau 9. Herr A. Hellwig, Berlin- Borsigwalde, Ernststraße 25. Bon Magengeschwulst, Verstopfung u. Nervenschwäohe geheilt. 10. Herr Milchhandler Eckert, Berlin, Greifen hagener Straße 26. Bon gichtischrheumatischen Schmerzen in Bein und Fußgelenk geheilt. 11. Herr Gastwirt C. Michaelis, Charlottenburg, Wallstr. 87. Bon chronischem Leberleiden u. Gelbsucht geheilt. 12. Frau M. Knorr, Berlin- Lichtenberg, Scharnweberstraße 62. Herzschwäshe, Leberanschwellung und Magenkrebs geheilt. Bon Briefl. Original- Anerkenng. von uns geheilter Patienten stehen im Wartezimmer der Haftalt auf Wunich zur Einlicht! Getrennte Behandlungsräume für Damen u. Herren! Sprech- u. Behandlungs: 9-1,4-7/ 9- Sonntag u. Feiertag 9-1. Heilanitaltsbefitzer Prof.Dr.med. Mistelsky, Arzt im Auslande ernannt, diplomiert u. approbiert Berlin so 16, Deutscher Metallarbeiterverband. Verw. Berlia Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schleifer eukölln, Konrad Fuchs Rogatstr. 56, am 9. Juni gestorben ist. Die Einäscherung findet am Mittwoch, den 14. Juni, nachm. 2 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg, Riefholzstraße, ftatt. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Rollege, der Fahrstuhlführer Georg Oelschläger Neukölln, Steinmegstr. 100, am 9. Juni gestorben ist. Die Einäscherung findet am Mitt woch, den 14. Juni, nachm. 1½ Uhr, im Krematorium Baumschulenweg, Riefholzstraße, statt. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Rollege, der Mechaniker Herm. Büttner 0.17, Rüdersdorfer Str. 56, am 10. Juni gestorben ist. Die Einäfcherung findet am Freitag, den 16. Juni, nachm. 3 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg, Kiefholzstraße, statt. 120/7 Chre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. D. R. G. M. 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