Nr. 277 39.Jahrgang Ausgabe B Nr.136 Bezugspreis: Vierteljährl. 150.-M., monatl. 50,-. frei ins Haus, voraus zahlbar. Postbezug: Monatlich 50,- M., einschl. Zustellungsgebühr. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- u. Memel gebiet, sowie Desterreich u. Luxemburg 84.-., für das übrige Ausland 102, M. Poftbestellungen nehmen an Belgien, Dänemart, England, Eft land, Finnland, Frankreich, Holland, Lettland, Lugemburg, Desterreich, Schweden, Schweiz, Tschechoslowatei und Ungarn. Der„ Borwärts" mit der Sonntags. beilage Bolt und geit", der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und der Beilage Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonn tags und Montags einmal, Telegramm- Adresse: " Sozialdemokrat Berlin" Abend- Ausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 1 Mark Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezetle toftet 16,-.- Reklamezelle 80,- 92. KleineAnzeigen" bas fettgedruckte Wort 4, M.( zulässig zwet fettgedruckte Borte), jedes weitere Wort 3,- M. Stellengesuche und SchlafStellenanzeigen das erste Wort 2,50 M., jedes weitere Wort 2,- M. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familien- Anzeigen für Abon. nenten Beile 8,- M Anzeigen für die nächste Summer müffen bis 4% 2hr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Lindenstraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachmittags Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Expedition: SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Redaktion Morisplay 15195-97 Expedition Morisplak 11753-54 Mittwoch, den 14. Juni 1922 Hohenzollern und Steuern. Eine unklare Auskunft des Reichsfinanzministeriums. Die Genossen Krüger( Merseburg) und Brunner] fragten im Reichstage die Reichsregierung, ob die Pressemeldungen zutreffen, daß die Hohenzollern in den letzten drei Jahren feine Steuern gezahlt hätten. Ein Vertreter des Reichsfinanzministeriums antwortete gestern: „ Es ist nicht richtig, daß die Angehörigen des Hauses Hohenzollern bis zum heutigen Tage feine Reichssteuern gezahit haben, und es ist auch nicht richtig, daß die Steuerbehörden den Angehörigen des Hauses Hohenzollern fällige Reichssteuern gestundet haben. Im Hinblick darauf, daß das Vermögen der Familie Hohenzollern beschlagnahmt ist und daß die Auseinandersetzung zwischen dem Land Preußen und dem Hause Hohenzollern bis jetzt noch nicht endgültig erfolgen fonnte, hat allerdings eine endgültige Beranlagung zu den Reichssteuern für alle Mitglieder des Hauses Hohenzollern bisher nicht stattfinden können. Auf Grund der Vorschrift des§ 82 der Reichsabgabenordnung, nach welcher die Steuer vorläufig festgesetzt werden fann, wenn ungewiß ist, ob oder inwie weit die Voraussetzungen für die Entstehung der Steuerschuld ein getreten sind, haben dagegen die Finanzämter die Angehörigen des Hauses Hohenzollern vorläufig zu den Reichssteuern veranlagt, soweit die erforderlichen Unterlagen für eine endgültige Veranlagung nicht zur Verfügung gestanden haben. Die vorläufig veranlagten Beträge sind, soweit sie fällig waren, im wesentlichen eingezahlt. Bei einem Angehörigen des Hauses Hohenzollern, hinsichtlich deffen Schwierigkeiten wegen der Bezahlung und Sicherstellung entstanden sind, ist Arrest in das bewegliche und unbewegliche Bermögen angeordnet worden. Die Beranlagung der Mitglieder des Hauses Hohenzollern zu den Reichssteuern wird von mir überwacht. Im übrigen sind diefe mie jeder andere Steuerpflichtige nach Maßgabe der geltenden Steuergesetze zu behandeln." An die Hoffammerrentei. Charlottenburg, den 6. Juni. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Berlag, Expedition und InferatenAbteilung Moritplat 11753-54 Regierung ohne Programm. G. P. Wien, Mitte Juni. Num hat Oesterreich schon eine Woche die neue christliche, christlichste Regierung, die Regierung, die, wie ihr. Chef in seiner Antrittsrede besonders betonen zu müssen glaubte, von Gott auf ihren Plaz geführt wurde aber von Gottes Segen, den man darum für DesterAuf Grund der mit abschriftlich vorstehendem Erlaß erteilten reich erwarten zu fönnen glaubte, ist noch immer nichts zu Genehmigung wird die Hofkammerrentei angewiesen, von den am merfen. Im Gegenteil: die Krone stürzt mit immer größerer Schluß des Jahres 1922 bei der Hauptverwaltung fich ergebenden Geschwindigkeit dem Abgrund zu und die Regierung sieht Ueberschüssen den Betrag von 10 Millionen Mark einzubehal- ratios und programmlos zu oder vielmehr sie sucht die ten und hiermit Beleg als Bestand des Jahres 1920 nachzuweisen. entfeffelten Elemente durch Beschwörungen zu beruhigen, Bon dem vorstehenden Betrage werden im Jahre 1921 a) zu indem sie der Börse zuruft, daß fein Anlaß zur Beunruhigung Ersatzbauten bei der Aemterverwaltung 4 Millionen Mart, b) zur sei, da die Regierung feine übereilten Maßnahmen treffen Aufbesserung der Substanz und des lebenden und toten Inventars werde, und indem sie der übrigen Welt versichert, daß sie bei den Administrationen ebenfalls bei der Aemterverwaltung zwei über ein Programm nachdenke... Millionen Mart, c) zu Ersagbauten bei der Forstverwaltung vier millionen Mart nachgewiesen. Daß die christlichsoziale Regierung fein Programm zur Rettung" Desterreichs hat, muß eigentlich einigermaßen Die Einnahme aus den Hohenzollernschen Gütern hat im wundernehmen; denn bei den Oktoberwahlen des Jahres 1920 Jahre 1920 überdies nicht, wie die Hoftammer selbst ange- gebärdeten sich die Christlichsozialen so, als ob sie im Besize nommen hat, nur 25 Millionen Mart, sondern, wie das des Allheilmittels wären und daß es genüge, wenn die Wähler Schreiben vom 27. Mai zeigt, über 28 Millionen Mart ihnen zur Regierung verhelfen und alle Not des Staates und betragen. Für 1921 wird mit einem Reingewinn von jedes Staatsbürgers wäre vorbei. Wie der damalige christrund 60 m Ilionen Mart gerechnet. Und 1922 wird lichsoziale Parteiobmann Kunschat den Wählern das berühmte man, wenn die Reingewinne so weiterlaufen wie bisher, noch Sechstronenmehl( das Kilo Mehl 6 Kronen!) verganz andere Summen erzielen. Wurden doch fürzlich bei fprach, so versprach der nachmalige Parteiobmann und einer Holzversteigerung, die die Hofkammer selbst sehr hoch nunmehrige Bundeskanzler Dr. Seipel die Stabili mit etwa einer Million Mart austaltuliert hatte, in fierung der Währung. Statt dessen ist in der christ Wirklichkeit dann 7 Millionen Mart verdient. Für lichsozialen Aera, die auf den Oktobersieg folgte, die Krone Steuern ist kein Pfennig bereitgestellt worden. von 2,15 Centimes auf 0,035 Centimes, also auf ein Sieb zigstel ihres Wertes gefallen. Daß es fo tommen würde, haben die Christlichsozialen Wie reimen sich diese Tatsachen mit den Erklärungen des selbst vorausgesehen und deshalb haben sie anderthalb Jahre Reichsfinanzministeriums zusammen? Die Sache ist ganz ein- lang gezögert, ihre Führer in die Regierung zu entfenden. fach: Der Bertreter des Herrn Reichsfinanzministers meint, Sowohl Weißkirchner als Seipel hielten sich schön bescheiden wir hätten von der Nichtversteuerung des persönlichen im Hintergrund und überließen die Ehre des Regierens zuerst Privatvermögens der Hohenzollern gesprochen. Wir haben einem Provinzpolitifer, dem Professor Mayr aus Innsbrud, aber immer, wie auch wieder aus den obigen Feststellungen und dann nach dessen Scheitern dem Wiener Polizeipräsidenten hervorgeht, vom Familienvermögen der Hohenzollern Schober und seiner Beamtenregierung, und erst als auch diese gesprochen.( Das will nicht besagen, daß die Besteuerung des abwirtschaftete, entschloß sich Herr Seipel, da eben kein anPrivatvermögens der Hohenzollern restlos in Ordnung" ist.) derer Ausweg blieb, um die störrischen und nach MinisterDiefe heute in die Milliarden gehenden Werte an Grund und portefeuilles lüfternen Großdeutschen- und auch die Streber Boden, Ländereien, Waldungen, Seen und Schlössern, Palais in den eigenen Reihen zu befriedigen, an die Spitze der Reund Wohnhäusern, der hochstehende Wertpapierbefiz des Haus- gierung zu treten. schages, die Einmahmen der Hoffammer, die nach Holland ab= Als vor einigen Monaten der„ Borwärts" an der Hand von Dokumenten nachwies, daß die doch eigentlich immer noch unter Zwangsaufsicht des preußischen Finanzministeriums stehende sogenannte Kronverwaltung aus den Einnahmen der Hohenzollernschen Güter ungeniert riesenhafte Beträge ver- geflossenen Riesensummen, die nach dort verbrachten Silber- felbst wenn man das alte Desterreich mitrechnet, je gehabt hat. zaubere, da wurde mit allem Eifer beschwichtigt. Es wurde fachen, echten Teppiche usw., der Erlös aus verkauften Dachten, nachgewiesen", daß die Abbuchungen, die einen Betrag von auf dies alles ist bis heute noch kein Pfennig an Steu 10 Millionen Mark aus einem Reingewinn von 25 Millionen ern gezahlt worden! Man hat im Gegenteil zugelaffen, wie ausmachten, nichts anderes feien, als eine ganz harmlose An- oben unter Beweis gestellt ist, daß allein die Hohen gelegenheit, die im§ 59a der Novelle zum Reichseinkommen zollernsche Hofkammer ihren steuerbaren Reingewinn aus 1920 steuergesetz ihre Begründung finde. Das stimmte zwar des- um 40 Proz fünstlich verringert hat. Wir werden das Reichsfinanzministerium, wenn es weiter wegen nicht, weil die Hohenzollernsche Hoffammer wie immer so auch damals in den Betriebsausgaben ihrer einzelnen Ad- das Bedürfnis hat, über die Steuerleistung der Hohenzollern miniſtrationen schon Summen zur Nachholung der in der gänzlich unzureichende Auskünfte zu geben, gern durch Fort Kriegszeit unterbliebenen Bauten und zur Wiederauffüllung fehung unserer Veröffentlichungen über die Unzulänglichkeit des toten und lebenden Inventars vorgesehen hatte, aber es feiner Aufsicht aufklären. flang doch wenigstens wie der Versuch einer Rechtfertigung. Die zehn Millionen waren zudem langfristig angelegt. Naive Leute fonnten ja annehmen, daß es sich hier um eine Steuerreserve handele, die lebendig werde, sobald endlich einmal die Hohenzollern in die Verlegenheit tämen, Steuern zahlen zu müssen. Der Zehnmillionenfonds, der erst vor wenigen Monaten von der Hohenzollernschen Hofkammer gebildet wurde, besteht nicht mehr! Wir sind heute in der Lage, nachzuweisen, daß wir mit unferer Behauptung, es handele sich bei jenen Abbuchungen um nichts anderes als um eine Steuerflucht der Hohenzollern, recht hatten. Bor einigen Wochen ging das folgende Schreiben aus der Hofkammerrentei: Hoftammerrentet. Betr. Bildung eines Reservefonds aus den Ueberschüssen des Jahres 1920. Charlottenburg, ben 27. Mai 1922. Die Hauptverwaltungsrechnung für das Jahr 1920 schließt mit einem Ueberschuß von 28 156 367,03 m. ab. Nach der Verfügung vom 25. Mai 1921 Nr. 3575 follen hiervon zur Bildung eines Reservefonds 10 Millionen Mart zurück behalten werden, so daß ein leberschuß von 18 156 367,03 m. ver. bleibt, welche Summe an die Verwaltung des vormals föniglichen Hausschaßes abgeführt worden ist. * Diese Regierung ist nun die schwärzeste, die Desterreich, Vor allem Herr Dr. Seipel selbst, der Prälat der katholischen Kirche, Theologieprofeffor und päpstlicher Protonotarius. So sehr er in der Schule Roms die Künste der Diplomatie erlernt hat, die ihn die wirklichen Machtverhältnisse nicht überschäßen lassen, so ist er doch der ausgesprochene kleri: hinausläuft, die Macht der katholischen Kirche zu erhöhen und tale Reaktionär geblieben, dessen Sinnen nur darauf auch die alten Mächte, die Beschüßer der katholischen Kirche wieder einzusetzen. Er selbst hat in seiner ersten Rede als Bundeskanzler daran erinnert, daß er der letzten faiserlichen Regierung angehörte, die im lezten Augenblick eingesetzt wurde, um die Habsburgermonarchie zu retten, sei es auch um den Preis des Verrates an Deutschland. Wenn Herr Seipel sich mit dem Namen des Professors Lammasch decken möchte, so vergißt er, daß Lammasch jahrelang für den Frieden gefämpft hat und daß man ihm deshalb zubilligen muß, daß es sich bei seiner Regierung vornehmlich um einen raschen Frieden handelte, während Herr Dr. Seipel nur die Habsburger retten wollte und daß ihm das Schicksal Deutschlands weit hinter dem der Habsburger stand. Aber Herr Seipel machte auch in dem Augenblick, da er die RegieAus Steinheim i. W. wird uns geschrieben: Bergangenen rung antrat, fein Hehl aus seiner monarchistischen Gesinnung, Sonntag feierte der- angeblich unpolitische Kriegerverein wenn er auch meint, daß das Bolt jetzt andere Sorge hat, als Holzhausen( Kreis Hörter) sein Fest. Der Gutsbesizer, frühere an eine Veränderung der Staatsform zu denken, so daß er Rittmeister von der Berg, nahm in voller Felduniform die Parade also auf dem Boden" dieser staatsrechtlichen Verhältnisse ab und hielt eine Ansprache, bei der er auf die Revolution schimpfte fund, indem er als einzige Bedingung für die Uebernahme wirfen will. Noch deutlicher gab er seinen Klerikalismus und dann den desertierten allerobersten Kriegsherrn" hochleben der Regierung die Uebertragung des Unterrichtsrefforts an laffen wollte. Das war selbst den anwesenden Bauern zu viel, einen Kleritalen aufstellte. Don denen ein großer Teil den Plag verließ. Wilhelm von Doorn bekommt für seine nach Amerita verhöferten Erinnerungen 250 000 Dollar Honorar. Das sind etwa achtzig Millionen Mart. Die Behauptungen, Wilhelm wolle dies Geld zur einen Hälfte den Kriegsfrüppeln schenken, zur anderen für rückständige Steuern verwerten, find selbstverständlich völlig aus der Luft gegriffen. Lauter unpolitische Militärfeiern! Hier besteht ferner eine Gruppe des Jungdeutschen Ordens", der Ist es schon verwunderlich genug, daß die Großdeut auch Zentrumsmitglieder angehören, ja, einer der Hauptagitatoren chen einen Mann von der Vergangenheit Seipels als ist der Borsigende der hiesigen Zentrumspartei. Der Jungdeutsche Bundeskanzler akzeptierten, so ist es noch merkwürdiger, daß sie Orden behauptet, daß er auf dem Boden der Verfassung stehe und auf diese Bedingung eingingen. Selbst in der Monarchie hat die Republik schützen werde." Neulich aber zog die Schar" Stein- man als Unterrichtsminister nie einen ausgesprochenen Kleriheim nach einem Fefte durch die Straßen, wobei sie das Lieb der falen genommen, wenn man die Klerikalisierung der Schule Brigade Ehrhardt sang( Hakenkreuz vorm Stahlhelm" usw.). auch noch so eifrig betrieb. Aber man legte Wert darauf, nach Ob den anwesenden Zentrumsleuten nicht etwas die Schamröte ins außen den Schein der Modernität zu wahren und begnügte Geficht gestiegen ist, als sie das Lied der Mörder Erz- fich deshalb mit gemäßigt liberalen" Unterrichtsministern und Wir bitten um Verfügung zur Hauptverwaltungsrechnung für bergers und der Leute, die den Kapp Butsch gemacht haben, auch der letzte Berwalter des Unterrichtsressorts, der Bize 1920 wegen der Zurückbehaltung der 10 Millionen von den Ueber- mitfingen mußten? Jedenfalls sieht man, wie der Schuß der fanzler Breisty, der nichts ohne die Zustimmung Seipels tat, war wohl innerlich ein Christlichsozialer, aber nach außen schüffen d. I. zu den Rechnungen für 1921 wegen der Berwendung Republik" aussieht! hatte er sich nie im Dienste der Partei betätigt. Es war der bezüglich Soll- Stellung diefer Summe. Regierung, in der drei Großdeutsche fizen, vorbehalten, auch einen ausgesprochen flerifalen Unterrichtsminister zu haben. noch fonderbarer muß es für einen Nichteingeweihten erschei nen, daß ein so offentundig reaktionäres ministerium solche Däumigs Schlaganfall. Der Unfall Däumigs in der gestrigen Die Antwort auf dieses freundliche Schreiben blieb nicht Reichstagssigung hat sich als linksfeitiger Schlaganfall heraus lange aus. Es wurde über die zehn Millionen von der Hof- gestellt. Däumig ist linksfeitig gelähmt. Sein Befinden hat sich fammer der Hohenzollern wie folgt verfügt: gebeffert. Er hat den Gebrauch der Sprache wiedererlangt. Begeisterung bei der bürgerlichen Presie, die sich sonst als liberal und fortschrittlich bezeichnet, hervorrufen konnte. Die Erklärung ist sehr einfach: Die Zeiten sind schon lange vorbei, wo das österreichische Bürgertum sich den Luxus einer eigenen Ueberzeugung gestattete, wo es in seinem eigenen Klasseninter- esse gegen die Reaktion, gegen den Klerikalismus, gegen die Bevormundung der Staatsbürger und namentlich für eine freie Schule kämpfte. Heute sieht das Bürgertum nicht mehr im Klerikalismus seinen Feind, sondern im Proletariat, und es ist bereit, sich unter die Fittiche der Kirche zu begeben, wenn es dort Schutz gegen das begehrliche Proletariat findet. Leöebour gegen KoiUtstp. Gegen Kautsky und für den gesonderten Fortbestand der ' USP. meldet sich jetzt Georg L e d e b o u r in der„Freiheit" zum Wort. Kautsky, so erklärt er, habe die revolutionäre Entwicklung nur„als passiver Zuschauer" verfolgt, er habe bei allen Machtkämpsen in der Revolutionsperiode„abseits ge- standen". Daraus sei auch seine jetzige Stellungnahme zu ver- stehen. Ledebour selbst ist bekanntlich auf die Art seiner eigenen Beteiligung an jenen Vorgängen nicht wenig stolz. Schreibt er doch in seiner Selbstbiographie(Reichstagshandbuch 1920) das folgende: Ledebour, Eeorq,... lehnte den Eintritt in das repu- blikanische Kabinett der Volksbeauftragten ab, dessen paritätische Zu- sammcnsetzung seiner Auffassung nach in ollen entscheidenden Fragen zu fruchtlosen Beschlüssen führen mußte. Beteiligt an der Erhebung im Januar 1313 zur Durchführung des Sozialismus. Kautsky hat allerdings ebensowenig wie irgendein anderer ruhig überlegender Mensch den sinnlosen Januarputsch für „eine Bewegung zur Durchführurm des Sozialismus" halten tonnen, und so ist in der Tat der Gegensatz zwischen ihm und Ledebour alt. Ledebour stellt jetzt freilich eine ganz andere Theorie auf als vor drei Iahren. Er meint, man müsse allerdings mit legalen Mitteln kämpfen, wenn aber die herrschenden Klassen den nahenden Erfolg dieses Kampfes sähen, würden sie zur Gewalt übergehen, worauf mit Gewalt geantwortet werden müsse. Was Ledebour damit ausspricht, ist eine Selbst- Verständlichkeit, über die es keinen Streit gibt, oder meint er. die Sozmldemokratie wolle einer Minderheit gestatten, sich mit Gewalt in der Macht zu behaupten? Gerade sein Argument spricht für die Einigung, da eine einheitlich organisierte Ar- beiterbewegung, die auf legalem Boden steht, eine ganz andere Macht ist, als eine in sich zersplitterte Gesellschaft.— Im pbrigen meint Ledebour: Erfreulich i st die Offenheit, mit der Kautsky seine Anklagen gegen uns herausschleudert. Er unterscheidet sich dadurch angenehm von einigen Gleichgesinnten, die seit geraumer Zeit unter der chand sich bemüht haben, die Unabhängige Partei in das rechtssozialistische Lager hinüberzuleiten. Diesem Lob können wir von der anderen Seite her zustimmen. Auch wir sind der Meinung, daß der Kampf gegen jene W i r r k ö p f e, die die Zersplitterung der Arbeiterbewe- gung zur Freude der Reaktion verewigen wollen, mit aller Offenheit geführt werben muß. Wortbruch üer A.Internationale? �«r Vorgeschichte des Nadekschen Versprechens. Anläßlich der in unserer Mittwoch-Morgenausgabe wiedergegebenen Kundgebung der russischen Sozialisten können wir aus eigener Kenntnis der Dinge nur be- st ä t i g e n, daß R a d e k in der entscheidenden Sitzung der Neunerkommission am 5. Zlpril mittags gegenüber den Forde- rungen der Vertreter der Zweiten Internationale die Zusichc- rung gab, daß Todesurteile gegen die angeklagten So- zialreoolutionäre nicht gefällt werden würden. Und zwar spielten sich die Dinge im einzelnen folgendermaßen ab: Als Radek unter Zustimmung von Frossard und Klara Zetkin diese Erklärung abgegeben hatte, wurde folgender Satz für die gemeinsame Kundgebung der drei Exekutiven vereinbart: Der Papierene. Von P. st a u p t. Als sein Dater atemlos vor dem Standesbeamten erschien und ihm, etwas ratlos, ob er weinen oder lachen sollte, mitteilte: mir ist ein Sohn geboren, schob der die Brille von der Nasenspitze hoch und meinte.bedächtig: „Das müssen wir schriftlich machen--" Und schrieb. Das war gewissermaßen dos Symbol, der Wahrspruch, unter dem des Sohnes Lebenslauf stand. Im vierten und fünften Lebensjahre saß er schon still bei seiner gebildeten Mama und lernte i und n und e schreiben. Als er mit Altersgenossen im achten Lebensjahre Indianer spielte, verlangte er als erstes, daß so ein Indianerstamm auch seine Gesetze habe, und malte fünf Wigramparagraphen auf. Die wurden aber von den schlimmen anderen Buben andauernd übertreten. Da weinte er bitterlich, ging heim hinter Mutters Schürze und übte sich weiter im Schönschreiben.> Seine Schulaufsätze bekamen dafür auch immer: Inhalt noch genügend, Schrift sehr gut. Geschichtszahlen wußte er aus dem 5k, die Schulordnung kannte er auswendig. Kein Wunder, daß ihn, der alte Direktor eine große Karriere prophezeite. So kani es auch. Als ihn sein Vater zur Uniocrsttät schickte, hatte er den saubersten und ordentlichsten Lebenslauf geschrieben: nach den ersten drei Semestern kannte er das halbe Eorpus juris auswendig, lind als Referendar und Asjesior war er der gesuchteste Protokollschrciber. Da weissagten ihm wiederum alle Vorgesetzten eine große Carriere. rieten ihm, zum Derwaltungsfach überzugehen. Das war sein Fall. Er machte einfach alles, von Verfugungen über Viehtreiben auf den Straßen, zu solchen über Spalierbildungcn bei hohen Besuchen, von Bureauordnungen bis zu Ausführungs- bestimmungen in 93 Paragraphen über die Pflichten und Rechte der städtischen Rachtwächter. Als der Krieg kam, war er selbst- verständlich unabkömmlich, denn wer konnte denn die Versorgung der Bevölkerung mit Fliegcntütenleim so regeln, anordnen und überwachen als er? S? wurde er Gcheimrat. Mußte es werden, denn niemand kam ihm gleich, wenn es galt, Akten zu wälzen, Gesetzesverfügungen Karls des Großen aufzustöbern und ihre Gültigkeit nachzuweisen, Unter- Paragraphen zu Ausfühningsöeftimmungen von Regierungsverordnungen auf Grund des Paragraphen XV zu erlassen. Plötzlich überraschte er Verwandte und Bekannte mit der Nach- richt, daß er sich verlobt hätte. Man staunte, gegen wen und wieso. Ein Freund staunte:„Menschenskind, wie haben Sie das gemacht?" Sanft antwortete er;„Na, natürlich jchasilich., Die Konferenz nimmt Kenntnis von der Erklärung der Vertreter der Kommunistischen Jnternatio- n a l e, daß in dem Prozeß gegen die 47 Sozialreoo- l u t i o n ä r e alle von diesen gewünschten Verteidiger zu- gelassen werden, daß in diesem Prozeß die Derhängung von Todesstrafen ausgeschlossen sein wird, daß, da die Verhandlungen dieses Prozesses öffentlich sind, folglich auch Vertreter aller drei Exe- kutiven als Zuhörer beiwohnen können usw. Während der Mittagspause referierten Radek, Zetkin und Frosiard den übrigen anwesenden Mitgliedern des Kom- munistischen Exekutivkomitees über die zustande gekommenen Vereinbarungen. Diese interne Beratung der Moskauer scheint recht stürmisch gewesen zu sein, denn sie dauerte mehrere Stunden, und als die drei wieder erschienen, da befanden sie sich in Begleitung von B u k h a r i n, um dessen Zulassung an den weiteren Besprechungen des Neunerkomitees sie ersuchten. (Was ihnen auch gewährt wurde.) Radek versuchte daraufhin den Eindruck des gemachten Zugeständnisses bezüglich der Ausschließung von Todesurteilen dadurch abzuschwächen, daß er erklärte, die Sowjetregierung hätte bereits längst einen ähnlichen Beschluß gefaßt. Um diese Behauptung zu stützen, berief er sich auf ein Telegramm des französischen Mitgliedes der Moskauer Exekutive Boris Souvarine an die„Humanitö", das zwei Tage vorher im Pariser Kommunistenorgan er- schienen war und in dem die Verhängung von Todesurteilen als ausgeschlossen bezeichnet wurde. Daraufhin wurde der be- treffende Satz folgendermaßen ergänzt und endgültig fest- gelegt: Die Konferenz nimmt Kenntnis von der Erklärung der Ver- treter der Kommunistischen Internationale, daß in dem Prozeß gegen die 47 Sozialrevolutionäre alle von diesen gewünschten Ver- leidiger zugelassen werden, daß, wie in der Sowjelprcsse bereits vor der Konferenz festgestellt wurde, in diesem Prozeh die Verhängung von Todesstrafen ausgeschlossen sein wird usw. Wie man sieht, wurden in die endgültige Fassung der ge- meinsamen Erklärung die Worte:„wie in der Sowjet- presse bereits vor der Konferenz festgestellt wurde" auf ausdrückliche» Ersuchen der kommunistischen Delegierten hineingenommen. Radek hatte sogar versucht, das Wort„bereits lange vor der Konferenz" durchzudrücken, mußte jedoch darauf verzichten, denn er wurde von der 2. Internationale darauf aufmerksam gemacht, daß dies eine starke Uebertreibung wäre: Radek selbst hatte ja wenige Stunden vorher von- diesem Telegramm Souvarines und von dem darin angeführten Beschluß der Sowjetregierung nichts gewußt, und die betreffende Nummer der„Humanitö", deren er sich bediente, um den Eindruck der bereits gemachten Zugeständnisse nach außenhin nachträglich abzuschwächen, war erst am gleichen Mittag als sehr will- kommener Borwand in seine Hände gelangt! Im weiteren Verlaufe der Sitzung legte Rädel Wert darauf, zu betonen, daß sich diese Erklärung nur auf die vergangenen Hand- lungen der Sozialrevolutionäre beziehe, nicht aber auf etwa noch kommende Toten und Prozesse gegen Mitglieder dieser Partei, da diese nach wie vor den offenen Kampf gegen die Sowjetmacht proklamiere. Diese Mitteilung Rodeks wurde von den übrigen Kommissionsmitgliedern zur Kenntnis genommen. Aus all dem geht hervor, daß die Dritte Internationale sich feierlich dafür verbürgt hatte, daß keine Todesurteile gegen Pie Sozialrevolutionäre gefällt werden würden. Wenn nun ausgerechnet Radek im Moskauer Prozeß für die Verhängung von Todesstrafen eintritt, so ist dies wohl der Gipfel der Gesinnungslosigkeit. Der hier beabsichtigte W o r t b r u ch ist übrigens von lan- ger Hand planmäßig vorbereitet worden. Es ist nämlich höchst auffallend, daß die unmittelbar vor der Spren- gung des Neunerkomitees von der Moskauer Delegation(lies: Radek) überreichte Antwort auf die Erklärung der Zweiten Internationale mit den Worten schließt: Die Exekutive der Kommunistischen Internationale beauftragt lins, zum Schluß zu erklären, daß, falls auch— entgegen unserem Wunsche— de? Zweiten Internationale es gelingen würde, den Beschluß der Berliner Konferenz über die schleunigste Einberufung eines Wcltarbeiterkongresses zu sabotieren, trotzdem die für den Dann bciratete er. Noch drei Jahren mahnte derselbe Freund: „Eigentlich wäre es an der Zeit, daß Sie sich Kinder anschafften—" Er sah kaum von seinen Akten auf, überlegte einen Augenblick, fragte etwas peinlich berührt:„Kann man das nicht schriftlich machen?" Mit dem neuen Regime(er hatte sich, natürlich schriftlich, auf den Boden der gegebenen Tatsachen gestellt) war er ziemlich ein- verstanden, denn es galt eine Fülle neuer Verfügungen zu schaffen. Nur daß ihm einmal sein sozialistischer Ressortminister sechs Aus- führungsparagraphen und drei Hinweise auf ein preußisches Land- gesetz von 1786 weggestrichen hatte, konnte er nie oerwinden. Vielleicht starb er auch aus Gram daran so früh. Sein totes Antlitz trug in den Zügen eine bittere Leidensfalte. Böswillige be- haupten, das wäre daher gekommen, daß sein Tod so gänzlich un- vorschriftsmäßig sich eingestellt hatte, er ihn nicht schriftlich hatte besorgen können. Ein achtungsvoll umfangreiches Trauergeleite brachte ihn zu Grabe. Nur der bewußte Freund fehlte. Er wußte, was dem Toten am liebsten war. Er schickte nur einen Kranz und drückte sein herz- lichstes Belleid aus— schriftlich. Der alle Sapp. Der Tod Wolfgang Kapps läßt die Erinnerung an seinen Vater wieder wach werden, zumal in einer Zeit, da sich so viele halbzerrissene Bande zwischen dem Deutschamerikanertum und der alten Heimat aufs neue knüpfen. Denn Friedrich Kapp war seit dem Jahr 1843. da er als Teilnehmer am Frankfurter Septemberaufstand aus Deutschland flüchtete, bis zu seiner Rückkehr in das neugeschaffene Reich eine der angesehensten und einfluß- reichsten Persönlichkeiten des amerikanischen Deutschtums, und er ist zugleich der kenntnisreiche, eifrige und charaktervolle Historiker des deutschen Wesens in der Union gewesen. So hat er Lebens- bilder der um die amerikanische Freiheit verdienten deutschm 5)eer. sührer Steuden und Kalb und des Deutschamerikaners Justus Erich Bollmann entworfen, und hat die Beziehungen Friedrichs II. zu den Vereinigim Staaten, den„Coldatenhandel deutscher Fürsten nach Amerika", die„Geschichte der deutschen Einwanderung in Amerika" und der„Deutschen im Staat New Park während des 18. Jahrhunderts" behandelt. Mit großem Weitblick wandte er schon früh sein Interesse der Sklavenfrage zu, deren Geschichte er in den fünfziger Jahren schrieb. Erst in seiner letzten Lebenszell richtete sich die Teilnahme des Historikers Kapp von den deutsch- amerikanischen Beziehungen auf einen anderen, Gegenstand; das Ergebnis war die große„Geschichte des deutschen Buchhandels". Nach seiner Flucht war Kapp zunächst in Paris und Genf Er- zieher im Haus« Alexander Herzens gewesen, von dessen ersten auf- sehenerregenden Werk«?, er die ursprünglich anonyme und in beut- scher Sprache erschienene Ausgabe besorgte. In Amerika unter. stützte er die republikanische Partei und zählte zu den Elektronen Abraham Lincolns. Auch nach seiner Rückkehr in die Heimat wurde er bald Mitglied de? Reichstags und des Preußischen Abgeordneten- haujes; er gehörte hier zunächst der NaUonalliberasen Partei an, Prozeß der Sozialistenrevolutionäre von der Sowjetregierung ge. geben« Verteidigungsfreiheit nicht geschmälert und dem Wirken der Verteidiger der Sozialistmrevolutionäre, dem öffentlichen Charakter des Prozesses keine Hindernisse bereitet werden. Wie man sieht, wurde die Zusicherung der Berteidigungs- freiheit, der Zulassung von sozialrevolutwnären Verteidigern und des öffentlichen Charakters der Verhandlungen damit er- neuert, nicht aber die der Ausschließung von Todesurteilen. Den übrigen Kommissionsmitgliedern mit europäischer Mentalität ist diese Lücke damals wohl nicht besonders aufgefallen, außerdem handelte es sich um eine langatmige und einseitige Erklärung Moskaus, die eine Erwiderung nicht lohnte. Jetzt aber erkennt man, daß diese Nichterwähnung der Frage der Todesurteile offenbar auf Absicht beruhte. Sowjetrussische Geistesoerfassung. Die Rede Vanderveldes verboten. Was man im übrigen in Sowfetkreisen unter der zuge- sicherten Oeffentlichkeit des Moskauer Prozesses ver- steht, geht aus folgender Meldung hervor: Warschau. 14. Juni.(RP.) Von Kreisen, die den Sozialrevo- lutionären nahestehen, wurde die von Dandervelde gehaltene Rede in russischer Sprache im Wortlaut durch Flugblätter ver- breitet. Die Moskauer Polizei hat einen Teil dieser Flug- blätter k o n fi s zi ert, den anderen Teil gelang es jedoch unter der Bevölkerung zu verbreiten.- Lenins Stellvertreter. L e n i n ist, wie die„Freihell" mitteilt, gezwungen, infolge seiner schweren Erkrankung Moskau auf ungefähr ein halbes Jahr zu oerlassen und sich jeder Einmischung in die Staatsgeschäfte zu ent- halten. An seine Stelle wurde vom Zentralkomitee der russischen Kommunistischen Partei ein dreigliedriges Komitee ernannt, dem Stalin, Kamenew und Rybow angehören. Stalin ist em georgischer Bolschewist türkischer Nationalität. Er ist ein Mann mit festem Charakter, mit„einer eisernen Faust", gegenwärtig General- sekretär des Zentralkomitees der russischen Kommunistischen Partei. Gleichzeitig ist er auch als Volkskommissar für die Nationalitäten tätig. Kamenew ist der Präsident des Moskauer Sowjets und ailc als liberal. Rykow war Präsident des Obersten Dolkswirtschafts- rates und seinerzeit einer der ersten, der die sogenannte neue Wirt- schastspolitik vesürwortete. Er gill ebenfalls als liberal, ist aber kein Mann von Tatkraft. Es ist anzunehmen, daß von diesen drei Männern die tatsach- stche Führung in den Händen von Kamenew liegen wird. Vezeich- nend ist es, daß Trotzky nicht in dieses Dreier-Komitc« entsandt wor- den ist, was wahrscheinlich auf die Tatsache zurückgeführt werden muß, daß Trotzky innerhalb der Kommunistischen Partei sehr un- beliebt ist.« Die Ernennung dieses Dreier-Komiiees ist keme orfizielle Rs- gierungsernennung, sondern lediglch inossziell durch die Kommu- nistische Partei erfolgt. Es ist also nicht ausgeschlossen, daß von diesem„Regierungswechsel" überhaupt nichts in den russischen Zei- tungen gemeldet wird._ Die Reichstagsarbeit. Der A e l t e st e n r a t des Reichstages setzte am Mittwoch in Anwesenheit des Reichskanzlers Dr. Wirth und der Mi- nister Dr. Braun, Radbruch und Fehr den Geschäftsplan der Plenarsitzungen für die nächste Zeit fest. Am Freitag sollen neben kleineren Vorlagen die Zwangsanleihe und die aus dem Hause wegen Abänderung des Einkommensteuer- und des Erbschaftssteuergesetzes gestellten Anträge auf die Tages- ordnung gesetzt werden. Sie werden voraussichtlich ohne Aus» spräche an die Ausschüsse verwiesen werden. Die große poli- tische Debatte wird im Zusammenhang mit der Ratifizierung des Wiesbadener und der daran sich anschließenden Äbkom- men erst am Dienstag oder Mittwoch nächster Woche er- folgen. Am Sonnabend dieser Woche soll die Schlichtungs- ordnung und das Disziplinargesetz für die Wehrmacht und am Montag das Gesetz über die Getreideumlage erledigt werden. Auf Anfrage des Präsidenten Genossen Lobe an den Reichskanzler wegen Vorlegung des Gesetzes über Maßnah- men zur Linderung der Not der Presse erklärte der Reichs- kanzler, daß dieses Gesetz heute im Kabinett zur Beratung steht und daß es in den ersten Tagen der nächsten Woche dem Reichstag zugehen wird._________ deren Führer Laster er in de? Berliner Synagoge«ine glänzende Gedächtnisfeier hielt, macht dann die Sezession mit und schloß sich der Deutschen Freisinnigen Partei an. Er starb, 63 Jahre alt, am 27. Oktober 1384 in Berlin. In den beiden Generationen dieses Daters und Sohnes ist die Entwicklung des deutschen Bürgertums typisch verkörpert: der Dater Republikaner, Revolutiansmaun, zum Schluß Freisinniger, der Sohn Monarchist, Putschist,„deutschncllional". Das Sommerthealer im Grünen. Die wirklich gute olle Einrich- tung, an schönen Sommerabenden im Garten Theater zu spielen, ist in Berlin noch nicht ganz ausgestorben. Das Prater-Theater in der Kastanienallee gibt dem Sommer, was dem Sommer geyürr. Man sitzt unter wohlbelaubten großen Bäumen, spürt die Frische der Natur und kann dazu mannigfaltige Unterhaltung genießen. Nette Musikdarbietungen wechseln niit Tanzquartetten, Groteskkomikern, einer derben Posse„izotte Hüh" ab. Und dann dirigiert Viktor Hol- länder seine immer noch Hörens- und sehenswerte Operette:„Die Prinzessin vom N i l", die in recht guter Ausstattung und vor- trefflicher Besetzung musikalisch und berlinisch-witzig erfreut. Fritzi A r c o vom Neuen Operettentheater ist der Star, der der Prinzessin (viel) holde Wirklichkeit verleiht. Für den nötigen Berliner Hu- mor sorgt Alfted Walters. Emno Christ(als stimmbegabter Liebhaber), Grete Ho ff mann(als urkomische alte Schachtel), Margot Schwarz(als rassig« Kröte aus Berlin WW.) und Rolf Röder(als meckernder Graf) bilden ein lustiges Ensemble. Für den Freund stillerer Genüsse ist auch gesorgt, er setzt sich in ange- messen« Entfernung von der Bühne, allwo die Musik nur noch zum Träumen und die grünen Wipfel zum Naturgenuß einladen. Der Regenwurm als Baumbewohner. Auf Java gibt es Regenwürmer, die wahre Riesen ihrer Gattung sind: sie werden bi« zu 33 Zentimeter lang und haben eine Dicke van IH Zentimeter. Das Merkwürdigste an diesem Regenwurm ist aber, wie in„Re- clams Universum" berichtet wird, die Tatsache, daß er hauptsächlich auf Bäumen lebt, und zwar hat er sich die prachtvollen Nestfarne zur Wohnung auserkoren, die zu den schönsten Zierden des Urwaldes gehören und als Schmarotzer auf den Baumästen wuchern. Im Innern der breiten Blatttrönze dieser Farne sammelt sich mit der Zeit von herabfallenden Boumblättern eine Humusschicht, in der die Riesenregenwürmer mit Behagen ihre Häuslichkeit einrichten. Mx die Würmer dorthin gelangt sind, ist bis heute noch nicht aufgeklärt. Man nimmt an, daß die Tiere zwischen„em Moos und Flechtsnfilz, der die Stämme überwuchert, bis zu ihrer luftigen Wohnung emporkriechen: es ist aber auch möglich, daß die Eier des Regen- wurms von anderen Tieren hinausgeschleppt werden. Genaues ist bisher über die Lebensweise dieses baumbewohnenden Regenwurms noch nicht bekannt._ Tie Operette lrn Schauspielhaus. Die.mit Recht s» beliebte" Operette wird im Juli auch ins staatliche SchaulNielbanS einziehen. beide» Nachtigallen" tollen dort ihre Triller erschallen lassen, denn>dr Komponist W. Lrcdichneider bat das Haus gepachtet— Konnte das Schaujpulhauö picht cükn cigeaca Betrieb ausmachen? Kleiner Dollarrückgang. Die Erklärung der Regierung, daß sie vorläufig einer weiteren Entwertung der Mart vorbeugen werde, rief an der heutigen Berliner Börse ein stärkeres Angebot in ausländischen Zahlungsmitteln hervor. Der Dollar, der am Vormittag mit 317 gehandelt wurde, ging bis zur Mittagsstunde auf 308 zurüd. Die Aufwärts bewegung der österreichischen Kronennote fehte sich unter dem Eindrucke der Pariser Meldungen über eine Frankenanleihe weiter fort. Die Krone erreichte einen Kurs von 2,17%. Das entspricht einem Stand von etwa 46. Am Effettenmarkt war die Stimmung fehr flau und das Geschäft gering. Es überwogen die Kurs a b= schwachungen. Deutschlands Reparationsschuld. 25 Goldmilliarden. Paris, 14. Juni.( WEB.) Pefit Parifien" tritt den in Paris, 14. Juni.( WIB.)„ Pefit Parisien" friff den in einigen Blättern veröffentlichten Behauptungen entgegen, daß das Anleihefomitee nicht nur eine Herabsetzung der deutschen Schuld vorgeschlagen, sondern auch dafür Ziffern genannt habe, die für Frankreich völlig unannehmbar feien. Behauptungen diefer Art würden von autorisierter Seite aufs energischste bestritten. Alle Zahlen, die von dem Banfierausschuß wenigstens in den offiziellen Sihungen genannt worden feien, feien von der Hypotheje abhängig, daß die Schuld Deutschlands nicht vermindert werde. Allerdings sei es möglich, daß außerhalb der offiziellen Sihungen in offigiösen Ansprachen auch genaue 3iffern für die Begrenzung der deutschen Schuld genannt worden felen, und es fei möglich, daß die Banfiers ihrer Meinung dahin Ausdrud gegeben hätten, daß die deutsche Schuld 25 milliarden nicht überschreiten dürfe. Paris, 14. Juni.( WTB.) Ein Berichterstatter des Intranfigeant" will von einer hochstehenden Bersönlichkeit aus alliierten Kreisen, die nach ihm sowohl mit der Reparationstommiffion als auch mit dem Anleiheausschuß in Fühlung gestanden hat, Erklärungen erhalten haben, nach denen sich der Anleiheausschuß pon folgenden Erwägungen leiten ließ: Der Versailler Friedensvertrag hat aus Mangel an bestimmten Unterlagen zu einem Zeitpunkt großer Unsicherheit die Ansprüche der Gläubiger Deutsch lands in Höhe der materiellen Schäden und der Pensionen festgefeßt. Daneben enthält der Bertrag eine andere Bestimmung, aus der hervorgeht, daß für die Festsetzung der deutschen Schulden weniger die Ziffer der Schäden und der Pensionen maßgebend ist als vielmehr die jährliche Zahlungsfähigteit Deutschlands, die von der Reparationstommiffion auf 3 bis 3,6 Milliarden geschätzt wird. Wie fast immer bei einer finanziellen Panit werden die einzelnen durch ihren Egoismus veranlaßt, ihre Rapitalien im Ausland in Sicherheit zu bringen. Das wirksamste Mittel, sie wieder herein zuholen, sei die Beseitigung der Panik und die Wiederherstellung des Vertrauens und die Festigung des Kredits. So kam der Ausschuß zu der Alternative, entweder den gegenwärtigen Zustand mit seinen Hoffnungen und Enttäuschungen einfach fortbestehen zu lassen oder die deutschen Schulden mittels Herabfeßung in eine Han delsschuld umzuwandeln und so den deutschen Kredit mit delsschuld umzuwandeln und so den deutschen Kredit mit dauernder Wirkung zu heben. Der Umfang der Herablegung sollte selbstverständlich in Beziehung zu dem sogenannten Ausgleich der interalliierten Schulden stehen. Das Blatt schickt diesen Aeußerungen voraus, daß sie nicht den französischen Standpunft wiedergeben. Berlin als sterbender Kurort. Ursachen des Streits aufzuklären. Auch will die Elternschaft die Landtagsfraktionen der drei Parteien informieren. In der BerSchon vor dem Kriege war solchen Berlinern, die nicht über sammlung wurde betont, daß die Elternschaft gegen feinen anderen viel Geld verfügten und deshalb während der damals noch targ Lehrer der Schule etwas einwendet. Eine Resolution sprach dem bemessenen, fast ganz vom guten Willen des Arbeitgebers abhängigen Rektor Schmalz Vertrauen und Dank für seine selbstlose Arbeit Urlaubszeit ihr Sehnen nach einer wald- und wasserumtränzten beim Auf- und Ausbau der weltlichen Schule aus. Gommerfrische oder gar nach Gebirge und See nicht befriedigen fonnten, ein Surersatz im großen Berlin außerhalb feiner Häusermauern ermöglicht. Das große und doch so einfache Geheimnis der wirklichen Er. holung war immer: folide leben, früh schlafen gehen, früh aufstehen, rationell spazieren laufen, dazu Milch und andere Naturheilmittel trinken. Und das fonnte man ganz gut auch in Berlin durchführen, wenn man in früher Morgenstunde eine der dann idyllisch ruhigen und auch staubfreien großen Partanlagen aufsuchte, hier an einem der schon von 6 Uhr früh an geöffneten Kurpavillons ganz furgemäß frische Misch oder einen auf Flaschen gefüllten heilfräftigen natürfichen Mineralbrummen tranf und den übrigen Tag nach einer furzen Giesta verbrachte. Schöneberg hatte eine regelrechte Kur- und Eisenbahnfahrt mit Baden, Rudern, Waldwandern oder beschaulicher Brunnenpromenade in seinem vor dem Kriege neu angelegten Stadtpark eingerichtet, ebenso Pankow im Bürgerpart, Berlin im Biftoriapart und im Treptower Part. Nach Bedarf und Gefallen, oft auf ärztliche Anordnung, tranten die„ fliegenden Kurgäste" hier ihren Marienbader oder Karlsbader Brunnen. Auch der ganz in der Nähe Berlins aus der Erde wachsende ausgezeichnete Alibuchhorster Mart- Sprudel war vertreten. Denen mit schwachem Magen wurde Der Trant des Heils sogar warm oder lauwarm in Kurflaschen mit frummen Hälsen gereicht. Bieles auch davon hat der Krieg zersplittert. Der Preis der Milch ist auf das Fünfzigfache gestiegen. Die meisten Mineralbrunnen haben den Flaschenversand wegen der ungeheuren Kosten eingestellt oder tommen damit nur ganz langsam wieder vorwärts. Waffer testet ja nichts, heißt es. Da müsse glänzend verdient werden. Ach nein, so liegt die Sache nicht. Heute kostet schon die leere Literflasche 8 Mart, ein guter Sorten 2 Mart. Rechnet man noch die übrigen Unkosten und die hohen Frachten hinzu, so fann eine Flasche Mineralbrunnen, die man früher für 1 Mart erhielt, noch nicht einmal für 20 Mart verfauft werden. Das ist dem, der nicht alle seine Hoffnung auf solches Getränk setzt, zu teuer. Schade brum! zu Ein Jungfrauenverein nimmt Mergernis... Auf Grund einer, wie behauptet wird, von einem Junga frauenverein ausgegangenen Strafanzeige megen Erregung öffentlichen Mergerniffes ist gegen die Direktoren Hepp ner und Rossert von dem Intimen Theater" in der Bülowstraße ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, das sich ver mutlich zu einem neuen fleinen Reigen"-Prozeß ausgestalten wird. Es handelt sich um die Groteske Lauf doch nicht immer nacht herum", die bereits über hundertmal gegeben worden ist und auch noch jeht allabendlich gespielt wird, ohne daß irgendwelche Zwischenfälle entschiedenste gegen die in der Anzeige aufgestellte Behauptung, daß im Theater erfolgt sind. Von den Angeschuldigten wird auf das bas Stüd irgendwie anstößig sei, protestiert und darauf hingewiesen, Zivilprozeß einen Lokaltermin in dem Theater felbft abgehalten daß erst fürzlich die 7. Zivilkammer des Landgerichts I in einem habe und in dem zugunsten der Direktion gefällten Urteil ausbrücklich anerkannt habe, daß das Stüd zwar hart bis an die Grenze des Erlaubten gebe, das rein fomische aber das feruelle Moment überwiege. Außerdem sei es unmöglich, Anstoß zu nehmen, wenn jemand in der Absicht, sich sittlich zu entrüften, erst getan worden sei. Die Mehrzahl der Berliner Theater würde in ein Theater gehe, wie dies scheinbar von den Anzeigenden sonst genötigt sein, am Eingange ein Platat des Inhalts auszuhängen, daß den Mitgliedern von Jungfrauenvereinen und den Vereinen christlicher junger Männer der Eintritt bei Androhung der Bestrafung wegen Hausfriedensbruch verboten werde, um der Sitt* lichkeitsschnüffelei endlich ein Ende zu bereiten. für die Berliner Stadt, Ring- und Borortbahnen neu gedruckt und 90 Millionen neue Eisenbahnfahrkarten werden zum 1. Juli die alten überstempelten Fahrtarten eingezogen werden. Der neue Bonentarif bedingt diese Maßnahmen. Für die Stadt- und Ringbahn gibt es nur noch 3- Mart. und 4½- Mart- Fahrtarten, die auf der ganzen Stadt- und Ringbahn geiten. Die Borortzonenfarten erhalten als Aufdruck Anfang und Zielstation der Zone. Der Uma tausch alter Karten erfolgt bis Ende Auguft. Die 3eitfarten werden nicht mehr für mehrere Etreden( fog. Mitbenugungsftreden) ausgegeben, dagegen sollen Zeitkarten für mehrere Strecken gültig mit Aufschlag eingeführt werden, z. B. Wannsee- Botsdamer Bahn hof, Wannsee- Berliner Stadtbahn. Straßenbahnanhängerwagen als Raucherwagen. Während in anderen Städten, 3. B. Hamburg, schon seit Arbeiter und Angestellte in der preußischen Städte- und LandJahren die Anhänger der Straßenbahn allgemein für Raucher frei gemeindeordnung. Genosse Otto Haußherr, Mitglied des gegeben sind, war dies in Berlin nicht der Fall. In ihrer legten Hauptvorstandes des Zentralverbandes der Angestellten fordert in Gigung hat die Berkehrsdeputation eine grundfäßliche Regelung Nr. 25 der Kommunalen Bragis", daß bei der Reform der Anhänger Rauchern preußischen Städte- und Landgemeinde- Ordnung die Berhältnisse getroffen, die sämtliche macht. auch im Winter beibehalten wire, wenn sich Mißstände nicht er- regelt werden. Hausherr bezeichnet die in§ 122 des sächsischen Es ist hierbei nicht ausgeschlossen, daß diese Regelung der Arbeiter und Angestellten bei den Gemeinden grundsäglich ge geben. Bisher hat die Berliner Straßenbahn nur auf den Blatt- Gemeindeentwurfs getroffene Regelung als nicht ganz befriedigend. formen das Rauchen gestattet. Der genannte Paragraph besagt, daß die Dienst- und Arbeitsver hältnisse der in der Gemeindeverwaltung dauernd beschäftigten Angestellten und Arbeiter, die nicht Beamte sind, im Einvernehmen mit geordneten Bertretungen der Angestellten und Arbeiter zu regeln wären. Hausherr meint, daß vielmehr gefordert werden durch Tarifverträge mit den zuständigen wirtschaftlichen Bereinimüsse, daß die Dienst und Arbeitsverhältniffe diefes Personals gungen der Arbeitnehmer festzulegen find. In alle Gemeinde ordnungen sollten entsprechende Bestimmungen aufgenommen, zue nächst aber der preußische Entwurf vervollstständigt werden. Spielergesellschaft„ Goldhähnchen". Der Reichsverband der Wohnungsfürsorge- Gesellschaften e. V. teilt uns zu der in Nr. 266 unseres Blattes vom 8. Juni enthaltenen Berlautbarung des amtlichen preußischen Bressedienstes über die Abholzungen im Norden Berlins mit, daß die dort beteiligte Gesellschaft feine Wohnungsfürsorge- Gesellschaft, fon dern eine Kreisfiedlungsgesellschaft ift. Die Wohnungsfürsorge- Gesellschaften find in den vergangenen Jahren die Ber walter des von der Breußischen Forstverwaltung für gemeinnügige Bautätigkeit zur Verfügung gestellten Giedlungsholzes gewesen und haben somit eine treuhänderische Tätigkeit ausgeübt. haben somit eine treuhänderische Tätigkeit ausgeübt. bisherige Einfuhrverbot für Bananen aufgehoben. Eine unnötige Einfuhrerlaubnis. Die Reichsregierung hat das Die erften Bananen find eingetroffen und foften 10 bis 12 Mart das Stüd. So nahrhaft reife Bananen sind, fommen sie bei diesem Preis für die minderbemittelte Bevölkerung überhaupt nicht Aushebung eines lange gesuchten Spielklubs. Goldhähnchen, in weiten Kreifen bekannt war, beschäftigte fchon Eine gemischte Spielergesellschaft, die unter dem Namen Partie lange das Spielerdezernat des Bolizeipräsidiums, ohne daß es dem Dezernat gelingen wollte, sie zu faffen. Alle möglichen und unmöglichen Klubs wurden im Laufe der Zeit von den Beamten überrascht und aufgelöst, nur der Goldhähnchen- Klub war nirgends zu finden. Man wußte wohl, daß an der Spike der Partie eine Frau Margarete Goldhahn stand, tonnte aber nicht dahinterkommen, wo sie ihre Spielabende veranstaltet. Durch langwierige Nachforschungen und Beobachtungen stellten die Eine kleine Anleihe für Deutschland. Beamten fest, daß die Spieler regelmäßig durch brei Etappen ihrem Biele zugeführt wurden. Die erste waren Lokale der Lebewelt, in Das Garantiefomitee wird, wie die„ Dena" erfährt, der denen Schlepper sie für das Goldhähnchen" abfingen. Bon bort deutschen Regierung einen Vorschlag der Reparationsfom- aus wurden fie an einen vorher bestimmten Blaz geleitet, von dem miffion bezüglich der Verhandlungen über die Aufnahme aus es wieder vorsichtshalber im Einzel- oder Gruppenmarsch noch einer kleinen Anleihe überbringen. Nach diesem Vor- nach einer anderen Stelle ging. Hier stand endlich ein Auto bereit, fchlage foll bis zur Regelung der großen Deutschland zu gebrachte, die der Frau Golehahn zu Spielzzweden für einen Abend das die Spieluftigen nach irgendeiner eleganten Privatwohnung währenden internationalen Anleihe eine fleine Anleihe für eingeräumt worden war. In ihrer eigenen Wohnung ließ die vor. Deutschland aufgenommen werden, die zunächst über die fichtige Dame niemals spielen. 3mar hatte sie, die in der Lebewelt 3ahlungsschwierigkeiten des laufenden Repara- zu Hause und auf Renn- und anderen Sportplägen ständiger Baft tionsjahres hinweghilft und somit einem weiteren Sin war, oft auch Besuch bei sich, aber hier wurde feine Karte ange- in Frage und dienen also nur dem Gaumenfitzel der Reichen. fen des Martfurfes vorbeugt. Als Garantie für diese rührt. Um fo fleißiger ließ das„ Godhähnchen" nicht nur an ver- Orchesterkonzert arbeitsloser Berufsmufiler. Die Arbeitslosig Anleihe sollen die Guthaben Deutschlands in borgenen Eteller in Groß- Berlin, sondern auch in den Bädern feit unter den Berufsmusikern Berlins ist groß. Hervorgerufen Amerika dienen. Diese werden in Baris auf etwa 750[ pielen. Die Spielgeräte standen, wenn sie nicht benutzt wurden, wird sie in erster Linie durch das Ueberhandnehmen des gewerb Millionen Dollars geschäzt, so daß die Anleihe immerhin etwa Bon hier wurden sie jedesmal von einem Beauftragten abgejolt. Kommune stehenden Beamten. In ihrem schweren Kampfe gegen einer großen Ledertasche an einem neutralen Orte. lichen Musizierens der in Diensten des Reichs, Staats oder der 3 Milliarden Goldmart erbringen könnte. Die Voraussetzung Endlich gelang es den Beamten, dieses Bersteckt zu ermitteln. Als diese unberechtigte Ronkurrenz haben sich jett arbeitslose Kollegen für diese Anleihe wäre naturgemäß die Innehaltung der Ber am Dienstag nachmittag ein Mann mit einem Auto vorgefahren des Deutschen Mufiter- Verbandes zu einem Orchester zusammenpflichtungen, die die deutsche Regierung im Bradbury- Abkom tam und die Tasche abholte, fonnten die Beamten unauffällig in gefunden und wollen so den Berfuch wagen, zu Berdienst zu men eingegangen ist. Das Garantiekomitee wird deshalb in einem zweiten Wagen folgen und famen so auch an das Ziel der kommen. Dieses unter Leitung des Musikdirektors Richard Fister den Berhandlungen mit der Regierung zunächst die diesbezüg- geheimnisvollen Tasche, diesmal eine Wohnung in der Carmer stehende Orchester gibt am Donnerstag, den 15. Juni b. I., in der liche Bereitwilligkeit der deutschen Regierung zu prüfen haben. Straße. Hier brangen fie spät abends ein und überraschten die Brauerei Bözow, Prenzlauer Allee, fein Antrittskonzert, deffer Spieler, die bereits versammelt und beim Spiel waren. 25 Ber- Besuch der musilliebenden Bevölkerung empfohlen wird. fonen mußten den Weg zur Wache antreten. Frau Goldhahn felbft war nicht da; sie hatte einen anderen mit der Spielleitung beauf tragt. Einige Stöße Bargeld, darunter auch Tausendmarkscheine, Paris, 14. Juni.( WTB.) Die bereits angekündigte Repara- und die Spielgeräte wurden beschlagnahmt. Die Feststellung der tionsdebatte in der Rammer wird am Freitag, den Persönlichkeiten ergab, daß neben dem Herrn Baron" une Damen 30. Juni, ftattfinden. Poincaré hat gestern den Brief Tardieus, verschiedener Gesellschaftstreifen, auch der Portolassen- Kavalier am in dem diefer feine Interpellation anfündigte, dahin beantwortet, Spieltisch gefeffen hatte. In der gleichen Nacht hoben die Beamten daß er die Absicht habe, die verschiedenen Interpellationen über die des Sonderdezernats im Westen auch noch einen Damenspielflub Fragen der internationalen Anleihe und anderer mit der Repara. auf, der mur Damen zuließ. tionsfrage zusammenhängenden Dinge unmittelbar im Anschluß an die Interpellation über Tunis zu beantworten. Poincaré spricht am Freitag. Gesterreichs Verzweiflungskampf. in Berlin gibt aus Redende Zahlen. 17 Ein Jugendfeft zum Besten der Schülerwanderungen findet am Sonntag, ben 18. d. Mts., nachmittags 4 Uhr, im Lichtenberger Etadion, Herzbergstr. 81, ftatt. Etwa 3000 Schuffinder des Vers waltungsbezirks Lichtenberg werden Gesangaufführungen, Bolts tänze, turnerische Vorführungen und einen Märchenffeftzug dar bieten. Der Neuköllner Sängerchor, 90 Mitglieder start, Mitglied des Arbeiter- Sänger- Bundes, veranstaltet erstmalig am Donnerstag, dent 15. Juni, im Körnerpart zu Neukölln ein Boltstonzert. Sport. über 400 millionen für seine Gemeindeschulen, über 200 millionen für die höheren Schulen, Weiß gewinnt das Goldene Nad. Die am Sonntag verregneten über 96 Millionen für Irrenanstalten, Nadrennen um das Goldene Rad tamen geffern auf der DIymptababn Wien, 14. Juni.( WTB.) In der Arbeiter- Zeitung" ver- über 62 Millionen für allgemeine Wohlfahrtszmede bei schönem Wetter und zahlreichem Befuch zur Entscheidung. Der bekannte öffentlicht der Vorstand der Sozialdemokratischen und sollte noch nicht eine Million für seine Boltshochschule Autosportsmann Frig Opel schichte die fünf Ritter der Bedale auf die 100Bartei Wiens unter Hinweis auf die schwere Wirtschaftskrise übrig haben. deren Einrichtungen mehr Menschen zugute kommen Stilometer- Fahrt. Weiß übernahm in schnellem Tempo die Führung vor Krupeinen Aufruf zu massenhafter Beteiligung des arbeitenden Boltes 20 Pfennige sollte nicht jeder Berliner für die Bildungsstätte eiß vorbei. Auch Bauer arbeitete fich bis auf den zweiten Blay empor. als die höheren Schulen und Irrenanstalten zusammengenommen? fat, 2ewanow, Bauer und Stellbrint. Aber schon in den ersten zehn Runden fette Lewanow Dampf auf und ging in blendender Fahrt an Krupkat und an Bersammlungen am nächsten Freitag abend, in des merttätigen Boltes von Groß- Berlin opfern dürfen, Struplat und Steubrint dagegen gelangten immer mehr ins Hintertreffen. denen die Forderungen der Arbeiterschaft an die Regierung erhoben wenn jeder 40 M. für die Erhaltung der höheren Lehranstalten bei- In der 95. Runde erleidet der führende Lewanow Reifenschaden, wodurch er werden sollen. Den Bersammlungen werde eine Resolution vor- steuern muß? bis auf den legten Play zurüdfällt. Baner schwimmt und Weiß erlangt gelegt werden, in der es heißt: Die Gefahr des Ausbruchs von Verbadurch wieber milbelos die Spize. Lemanom gibt sich jedoch noch nicht ges Der Schulftreik gegen den prügelnden Lehrer. schlagen, baffiert Stellbrink and Rruptat und nimmt die Verfolgung seiner 3weiflungsfimmungen in der Arbeiterschaft naht. Die Versammlung beiden scharfften Gegner, Bauer und Weiß, mit unverminderter Straft auf. macht die Regierung, die Unternehmer und die bürgerlichen Parteien Zu dem Schulstreit an der weltlichen Schule Auch diese erleiden jezt Pneumatifdefekte und Bewanom erlangt dadurch aber nachbrüdlich darauf aufmerksam, daß die Lage der Massen in Adlershof, der auf die Beseitigung des durch Prügeleien mais bie sichere Führung. Infolge weiterer Reifenschäben geht nun die unerträglich geworden, ihre Geduld zu Ende ist und mißliebig geworbenen Lehrers Großmann abzielt, nahm Führung abwechselnd von einem auf den anderen der drei Rivalen über. alle Mahnungen der Vertrauensmänner zur Besonnenheit schließlich eine gut besuchte Elternversammlung erneut Stellung. Mitgeteilt Sturz vor Schluß des Rennens behält dann Beiß endlich das bessere Ende en der Berzweiflung und Erbitterung der Massen abzuprallen wurde, daß von der rund 200 Kindern der fünf bestreikten Klaffen, für ich vor Bauer. Lewanows Kraft ist völlig erschöpft, so daß er sogas in denen Lehrer Großmann unterrichtet, nur noch durchschnittlich stab über 50 stilometer war eine gute Sache für Hohmann. Obwohl Aruplat noch den Borrang einräumen muß. Dos Reine Goldens brohen, wenn nicht schleunigst der Entwertung des Geldes Schranken 10 Rinder in die Schule geschickt werden. Das Provinzialschul- Schrefeld burch wiederholte Angriffe flott auf das Tempo brüdte, hatte gefeßt werben. follegium fordert, daß die Elternschaft den Streik bedingungslos Soffmann das Rennen doch stets sicher. Rudel, Schönborn und Schwal Seit anderhalb Jahren, heißt es in der Resolution weiter, hält abbricht, ohne daß vorher Berhandlungen aufgenommen werden. fteliten feine ernft zu nehmenden Gegner. Ergebniffe: Großes Gol. die Entente mit unerfüllten Kreditver. Die versammelten Eltern beschlossen einmütig, dem Provinzial benes Rad", 100 Kilometer: 1. Weiß 1 Std. 22 Min. 52, Sefunden, sprechungen hin. Kann und will die Welt uns nicht helfen, schuifollégium zu antworten, daß fie den Streit nicht abbrechen 2 Baner 1290, 3. Kruplat 1510, 4. Rewanots 2110, 5. Stellbrint 3650 Mes ter zurüd. 3. Rleines Goldenes Rad", 50 Rilometers dann fann sie uns auch nicht daran hindern, in Deutschland fönnen. Es fei feine Gewähr geboten, daß Lehrer Gron. Hoffmann 42 Min. 20%, Gelunden, 2. Schreield 70, 8. Schönborn 2210 der Schule versetzt wird, die Elternschaft wolle ihm aber feines: 4. Stubel 2350, 5. Schwab 10630 Meter zurüd. Hilfe zu suchen. Die Arbeiterschaft ist bereit, im Falle des falls ihre Kinder noch anvertrauen. Die drei Scheiferns der gegenwärtigen Kreditverhandlungen den Kampf um Linksparteien wollen in der nächsten Woche eine öffentliche Ber- 2. Kendelbacher Siepel, 3. Behrend- Stola, 4 Amort- Rinsener, 5. Freiwald 8 weisiger Bramientabren: 1. Arabner- Betri 8 Min. 26 Set den wirtschaftlichen Anschluß an Dentichland aufzunehmen, jammung einberufen, um die Bevölkerung Adlershofs ben die zimmerman uns S 15 Rundend Gewerkschaftsbewegung Kritik der Radikalen am ADG6. bas Bodium des Rongresses als tommunistische Agitations fbrud. Man müßte annehmen, daß wenigstens in den Gewerk tribüne zu mißbrauchen. Die Gewerkschaften brauchen fich feine schaften es den Moskauer Angestellten recht zu machen wäre, in Vorwürfe von den Kommunisten darüber gefallen zu lassen, daß sie denen Mitglieder der Kommunistischen Partei eine führende Rolls fich weigern, die Geschäfte der deutschen Filiale der Mostaner spielen. Doch da gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder die Agitationszentrale au besorgen, fie haben vielmehr alle Ursache, fommunistischen Gewerkschaftsführer treiben kommunistische Welt den kommunisten zu bedeuten, ihre Hände, die revolutionspolitik in ihrer Gewerkschaft und richten sie zugrunde, Am Sonntag fam in der Roten Fahne ein unabnur Unheil stiften, von den Gewerkschaften zu lassen. machen sich gewertschaftlich unmöglich, oder aber sie leisten Ge wertschaftsarbeit und hängiger Gewertschaftsführer über den DGB. verscherzen sich die Gunft der zu Wort durch auszugsweise Wiedergabe eines im Fleischer" ver tommunistischen Parteigrößen. Ein kleines Beispiel: öffentlichten Referate, das der Redakteur des„ Fleischer", Konrad Am Sonntag teilte der Vorwärts" den im Reichsarbeits< Seranse, über die Stellungnahme zum Gewertschaftskongreß auf Die 1. Generalversammlung ber neugewählten Delegierten der ministerium abgegebenen Schiedsspruch für das Bant dem Verbandstag der Fleischer anfangs Mai gehalten hat. Gestern Freigewerkschaftlichen Betriebsrätezentrale für den Wirtschaftsbezirk gewerbe mit. Zu derselben Zeit berichtete die„ Rote Fahne brachte das fomnumistische Blatt einen ziemlich fachlichen Bericht Groß- Berlin fand am Dienstag abend im Gewerkschaftshaus statt. noch über die Gehaltsbewegung im Bankgewerbe und be= über die Tätigkeit des ADGB. auf Grund des RechenEmil Barth gab den Jahresbericht. Dem Bollzugsrat ge- merfte höchst ungnädig: Für die Leitung des freigewerkschaftlichen schaftsberichts des" Borstandes an den Leipziger Gewerkschafts- hören an: Albrecht, Güttner, Fatt, Otto, Gö," Allgemeinen Verbandes" scheint es überhaupt den Weg der direkten fongreß, mit folgendem Schluß: Schiller und Jacobowiz. Angestellte sind: Jacobowih, Verhandlungen nicht mehr zu geben, man geht stets fofort an das Hesse und Maynz. Das Ruratorium der Betriebsräteschule bile Reichsarbeitsministerium und ersucht um einen Schiedsspruch. den Maynz, Hesse, Falt, Hübner und Schiller. Der Allgemeine Verband" hat zwar die Forderung... auf< „ Der„ Borwärts", der von den Kritikern des Vorstandsberichts eine sachliche ritit erwartet, tann sich darauf verlassen, daß die oppofitionellen Elemente auf dem Leipziger Kongreß eine scharfe, aber berechtigte Kritik üben werden. Gerade der Bericht, den wir im Rahmen dieses Artikels nicht weiter fritisieren, zeigt, welche ungebeure Macht die Millionen des ADGB. auszuüben in der Lage find. Er zeigt aber auch, daß der Bundesvorstand. diese Macht nicht angewandt, sich nicht als Vertreter von Proletariern betätigt hat, die ihre Hauptaufgabe nicht in der Erhaltung, sondern in der Beseitigung der tapitalistischen Gesellschaft erbliden." Also: Erhaltung oder Beseitigung der fapita listischen Gesellschaft. Alle Sozialisten find sich darin einig, daß die fapitalistische Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung überwunden werden muß. Die Gewerkschaften haben sich dabei einstweilen mit der Tatsache abzufinden, daß diese Wirtschaftsordnung noch auf fräftigen Füßen steht, daß sie trotz aller Nonzentration ihren Höhepunkt noch nicht erreicht hat, daß andererseits die große Maffe längst noch nicht derart geschult ist, um die kapitalistische Wirtschaftsordnung in die sozialistische zu überführen, ein Brozeß, der nebenbei nicht von heute auf morgen vollzogen werden fann, selbst wenn wir die Macht haben, ihn einzuleiten. Generalversammlung der Betriebsräte- Zentrale. Redner warf zunächst einen Rückblick auf die deutsche Revolu- gestellt, die Leitung traf aber nicht die nötigen Borbereitungen, tion, hob ihre Fehler hervor, streifte in seinen Ausführungen das um die Forderung eventuell mit den gewerkschaftlichen soziale Elend unserer Zeit infolge der riesigen Teuerung und auch machtmitteln durchzusehen... die Arbeitslofenfrage und die Bemühungen des ADGB., diese Frage Der Schiedsspruch... wird entsprechend ausfallen. Wenn die nach Möglichkeit zu lösen. Der Vorschlag, die Arbeitszeit zugunsten Bantangestellten gegen ihre vollständige Berelendung ankämpfen der Arbeitslosen aufzuteilen, um so einen Ausgleich zu schaffen, fand wollen, müssen sie Mittel und Wege finden, um aus dem„ Alge nicht die erforderliche Unterstützung bei den Arbeitenden. Es fehlte meinen Verband" eine Kampforganisation zu machen, die un an der nötigen Solidarität. Durch gegenseitige Anpöbelungen, wie fähigen Elemente aus der Leitung zu entfernen." man sie heute zu registrieren habe, werde die Einigkeit der Arbeiter Sind damit etwa die tommunistischen Parteimit und der Kampf gegen die Reaktion nicht gefördert. Es müsse eine glieder im Allgemeinen Verband" gemeint, oder sind aus Brücke gebaut werden, um über die Hindernisse hinwegzukommen. ihnen gar ehemalige" Mitglieder der KPD. geworden? Sei Durch Räsonnieren und Schimpfen werde nichts erreicht. Zu den dem wie ihm wolle, das Urteil der„ Roten Fahne" darf für„ die Fragen, die in den Bersammlungen der Betriebsräte verhandelt unfähigen Elemente in der Leitung" des von seinen Gegnern als wurden, gehöre auch die Unterstügung der Frauen, die ihren Er- fommunistisch verschrienen Verbandes als Beweis gelten, daß nährer durch die Revolution verloren haben. Man habe aber von sie auf dem richtigen Wege sind. Was übrigens auch der der Unterstützungskommiffion teine Einsicht in die Bücher bekommen. Erfolg des Allgemeinen Verbandes der deutschen Banfangestellten Für diese Frauen zu forgen, sei eine erfte Pflicht, die erfüllt werden in jeder Hinsicht beweist. müsse. Bezüglich des Eisenbahnerstreits waren die Voraussetzungen für eine allgemeine Solidarität nicht vorhanden. An den Kursen der Freigewerkschaftlichen Betriebsräteschule nahmen 1921 am 1. Trimester 1372 bis 1842, im Zwischentrimester 383 bis 620, im 3. Trimester 1495 bis 1945 Schüler teil. Im 1. Trimefter 1922 betrug die Zahl der Schüler 1376 bis 1835. Jm Zwischentrimester 858. Der Redner bittet, auf eine größere Beteiligung hinzuwirken. Lohnbewegung in der Chirurgiemechanik. In einer Versammlung der chirurgischen Branche, die am Das Beispiel in Rußland bat nur allzudeutlich gezeigt, wie sinnlos es ist, die kapitalistische Wirtschaft mit Gewalt zu Dienstag abend unter der Leitung von Gafpar in den Sophiens sammenzuschlagen, bevor sie sich auch nur einigermaßen entfaltet sälen tagte, gab Callie den Bericht über die jüngsten Lohnvers hat. Da man an Stelle der fapitalistischen Wirtschaftsweise feine handlungen. Den Forderungen der Arbeiter gegenüber haben die Unternehmer für die Akkordarbeiter einen Zuschlag von 10 Proz beffere jezen fonnte, müht man sich jetzt in Rußland mit allen Kräften, die fapitalistische Produktionsweise wieder An Einnahmen durch die Gewerkschaftsbommission waren 459 568 auf die verdiente Lohnsumme angeboten. Den Lohnarbeitern foll einzuführen. Solche Experimente in Deutschland nach Mart( pro Kopf und Mitglied 75 Pf.), 75 000 m. vom„ AFA"-Bund die 10prozentige Erhöhung nur auf die Lohn basis gewährt werden. In der Diskussion wurde unter lebhafter Zustimmung ahmen, soll man teinem Menschen zumuten, der noch im und 20 000 M. durch die Betriebsräteschule, zusammen 554 568 m. Befig eines Teils feiner fünf Sinne ist. Tatsachen sind zu verzeichnen, bei einer Ausgabe von 532 000 m. Es verblieb beim festgestellt, daß es sich bei einem derartigen Vorgehen der Arbeit geber ohne Zweifel darum handelt, die zwischen Lohn- und für Idealisten und Jusionisten unangenehme Dinge. Die Ge- Abschluß die Summe von rund 22 000 M. Angesichts der hohen Affordarbeitern erzeugte Kluft zu vergrößern. wertschaften fönnen nun einmal feine Juñionspolitik be Rosten für die Säle könne diefer Abschluß als recht günstig bezeich- Ein kommunistischer Redner verlangte eine einheitliche, grundsäh treiben, fie müssen sich vielmehr mit der rauhen Wirklichkeit ab net werden. liche Regelung der Lohnverhältnisse durch ganz Deutschland und die finden und im ständigen Kleintampf mit der tapitalistischen Gesell Um aus dem Wirtschaftsetend herauszufommen, ist nach der Herstellung der bewußten Einheitsfront von unten auf." Bon schaft für die Arbeitnehmerschaft herausholen, was irgend möglich Meinung des Redners eine Ummünzung der Goldschuld in Waren- anderer Seite wurden dagegen die Gefahren, die mit gleitenden ist. Das wird je weniger jein fönnen, je größer die Beriplitterung, fchuld erforderlich. Ferner müsse die Schuld auf vier Neuntel ihres Lohnffalen bei sintenden Lebensmittelpreisen verbunden sind, herdie Gleichgültigkeit und Verständnislosigkeit ist, um fo mebr aber, je Betrages berabgedrückt werden. Falsch sei die Annahme, daß die vorgehoben. Von vielen Rednern wurde Irabstimmung über das umfangreicher die Erkenntnis in den Reihen der Arbeitnehmer, Annäherung an die Weltmarfipreise eine enorme Berschlechterung Angebot der Unternehmer gefordert. Die Urabstimmung je fefter ihr zusammenbalt. Die Gewerkschaften beschränken der wirtschaftlichen Lage herbeiführen werde. Umgekehrt sei eine wurde einstimmig beschlossen. Die Vertrauensleute müssen sich aber nicht darauf, möglichst günstige Arbeitsbedingungen au er- Berbesserung davon zu erwarten. Der deutsche Arbeiter stehe mit die Abstimmung in besonderen Werkstattversammlungen vornehmen. aielen, die Voraussetzung für die Existenz der Arbeitnehmerschaft zu feinem Lohn bei seinen Leistungen noch weit hinter den Arbeitern in Das Resultat ist der Kommission zur Vertrauensmännerfonferenz fundieren, fie für jeden weiteren Fortschritt zu schaffen, sondern fie anderen Ländern zurüd. So sei beispielsweise der Lohn englischer am Freitag im Lokal von Hummel, Sophienstraße, zu übermitteln. bieten alles auf, die nötigen Kräfte zu schulen, die die Arbeiter trotz Lohnherabfehung von 84 Proz in der Borkriegszeit Bewegung gebraucht. Was die Kommunisten der Gemert auf 118 Broz gestiegen. Die deutsche Industrie fönne auch dann ichaftsbewegung im allgemeinen und der Gewertschafts- noch erportieren. Welche Riesensummen die Großindustrie erraffe bureaufratie" im besonderen als Nachteil antreiben, das und in welcher Weise der Steuerfistus durch Verschleierung der Geeben ist ihr Vorzug. Wenn all die Generalstreite unter- minne hintergangen werde, sei aus den Berbuchungsexperimenten, nommen würden, die uns die KPD.- Zentrale empfiehlt, dann wären die heute gemacht werden, für den Kundigen ersichtlich. In 9 von wir in einem Vierteljahr so weit wie in Rußland. Wir müßten 10 Fällen dürften die Betriebsräte als Aufsichtsratsmitglieder nicht die Mildtätigkeit der ganzen Welt, die Solidarität der Arbeiter in der Lage sein, die Bilanz zu unterzeichnen. Diesem Treiben aller übrigen Länder in Anspruch nehmen mit Ausnahme von stehe das steigende Elend der Arbeiter und der armen RentenRußland, das uns nicht helfen fönnte, um uns vor dem Verhungern empfänger gegenüber. zu schützen. Die paar Papiermillionen an Kassenbeständen, die der Noten Fahne" als Mammutziffern imponieren und die sie zum Stampf benutzt wiffen will in dem Sinne, in dem sie den Kampf auffaßt( siehe Mitteldeutschland), wären in wenigen Wochen auf gezehrt. Mit der Aufforderung, burch das Bergangene endlich einen Strich zu machen und sich zum gemeinsamen Kampf zusammen zu schließen, schloß der Redner unter lebhaftem Beifall feinen Bortrag. In der anschließenden Aussprache fam es zu heftigen Aus. einandersehungen mit den Bommunistischen Red. nern, die sich bis in die späte Abendstunde hinzogen. Schließlich wurde die Vertagung der Versammlung beschloffen. Mehr noch wie in Nürnberg wird die jetzt mehr tommu nistisch gefärbte Opposition in Leipzig weniger die Tätigkeit des ADOB. fritisieren, als die Richtung, in der sich seine Tätigkeit vollzieht. Paßt der Gegenseite die ganze Richtung nicht, so müssen wir schon sagen, daß in der Hauptsache daran festgehalten werden muß, wenn wir nicht den Boden unter den Füßen verlieren wollen. Bei der angekündigten scharfen aber berechtigten ritit" Jedwebe Einigung in Lohnverhandlungen, jede friedliche Beihandelt es sich nicht um eine Kritik der Tätigkeit des ADGB., legung von Lohndifferenzen oder gar von Lohnkämpfen ist den sondern um die Absicht, in Gestalt einer Stritit die abgefommunistischen Drahtziehern verhaßt wie die Best. In der Roten standenen Mostauer Heilslehren zu predigen, Fahne", ihrem Sprachrohr, tommt dies fast tagtäglich zum AusDrei " Kaufe Gebisse auch zerbrochene, zahle f. Millionen Zahn 35-500 Kriegsbeschädigt 11. Hinterbliebene, alte u. neue Heeresangehörige u. Behörd, brauchen den Kommentar zum Reichsversorgungsgesetz, von Hermann Müller, der alle einschläKnopfzähne weniger. Platin-, Gold- Kinderwagen Silber" Bruch höchste Tegespreise Herrmann Wilhelmstr. 39 Bahe Leipziger Straße. 10 000 Mk. gigen Gesetze und f. Borwärtsstreb. und Verordnungen zuverlässigeriauter Erfinder er Preis 15 Mk. Bachhdl. Vorwärts. Anreg., 8. BerDienstm. biet. Bosch, Berlin SW., Lindenstr.2 Ein neuer Gelst. grat. d. F. Erdmann& Co. Berlin, Königgrätzer Str. 71. Bettfedern Korbmöbel Metall- Bettstellen Fürst, Neukölln, Hermann Str. 38 Ecke Mablower Straße. Fabr. f. Ruhebett., Auflegematratz. u. Feldbettstellen. Fabrikpreise. Lieferung in Neukölln und angrenzende Gegend irei Haus. Brillanten Platin-, Gold-, SilberSachen, Uhren und Ketten kaufe zu höchsten Auslandskursen. Elg.Werkstätt. Ank.m.Rückkaufsrecht. Juwelier 8.Podiwin Alte Schönhauser Str. 25 an der Münzstraße. Kommunistischer Bannftrahl. Reißend los werden Sie alles überflüssige Hausund Wirtschaftsinventar durch eine Kleine Anzeige im„ Vorwärts" Neue Löhne im Ladenfleischergewerbe Groß- Berlins! Die Verhandlungen über die Neuregelung der Löhne am 12. Juni hatten folgendes Ergebnis: Der Wochenlohn beträgt ab 4. Juni für Gesellen im 1. Jahre nach der Lehre 685 M., für Gesellen ohne ver antwortliche Stellung 850 M., für Gesellen mit verantwortlicher Stel lung 1000 m für Ladengesellen 1100 M. Für Kost fönnen pro Tag 45 M., für Logis pro Woche 35 M. in Anrechnung gebracht werden. Die Berhandlungen über die Gehälter der Verkäuferinnen sind am 19. Jumi. Sentralverband der Maschinißen und Heizer. Bezirksversammlung Char lottenburg Donnerstag 7 Uhr bei Werner, Ballſtr. 96. Wetter für morgen. Berlin und Umgegend. Etwas fühler, zeitweise heiter, jedoch überwiegend bewölkt mit Gewitterregen und größtenteils schwachen, vorherrschend westlichen Winden. Berantw. für den redatt. Teil: Franz Klübs. Berlin- Lichterfelde; für Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag Borwärts- Berlag G. m. b. H., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Baul Singer u. Co., Berlin, Lindenstr. 3. Jeder Bezieher des Kommentars zum Betriebsrätegesetz von Dr. Georg Flatow braucht auch den Kommentar zu der Verordnung betreffend Mabnahmen gegenüber Betriebsabbrüchen und Stillegungen nebst der Ausführungsanweisung Unentbehrlich Zinn Ba. Stridwolle Gold-, Silber- Bruch fomie Jumper und Jadenwolle preis Quecksilberwert im Bollvertrieb Blel, Kupfer, Platin USW. tauft 3. Engrospreife Dirksenstr.45, Hof p. r. Patente verwerten Scharnow, Lange Str. 35 Ing.Jaeger& Dr. Breslaner am Schlesischen Bahnhof Berlin, Gitschiner Straße 106c. Tange Straße 90, Laden. Zeitungspapier gebündelt, kg4.50 Sans. Wein lumpen flaschen Broschüre und Beratung grafis. Gardinen Sobe Breife Sonderangebote Behörden, Arbeitgeber, Arbeitnehmer Neukölln 178 Gelegenh- Kaufe Preis 8,- Mark Buchhandlung Vorwärts Berlin SW 68, Lindenstraße 2 Str. Blasgefch.Reingaben Fernspr.: Neut. 281 in Resten Spez.- Beh. Madras- und nur für Ischias Stores, Bettdecken i, Hüft., Ges. u. Bein. Künstlergardinen. für modernen Zahnersatz Da schw. Fälle in 15 Spezial- Gardinenwerkstatt Zahn- Atelier Knapp vorm. Feaker fast. Heiferiar: Neukölln, Bergstr.67 Tag. bes. hierüb. unantastb. Sprechstunden 9-1. 8-6, Sonnt. 10-12 best. u. Ref. Invaliden- am Ringbahnhof. Kottbuser Damm 70/71. Tel: Mpl. 7827 straße 106. v. 10-2. Jacoby Vorwärts"-Ausgabestellen u. Inseraten- Annahme Hauptegpevition: Berlin, Lindenstr. 3, Laden. Benirum: Aderstr. 174, ani Roppenplay. Weften: Stegliger Str. 87, Ede Magdeburger Straße. Süben: Bärwaldstr. 42, an der Gneisenaustraße. ftraße 31, Sof rechts parterre. Often: Markusstr. 36. Petersburger Blag 4. Südosten: Laufiger Plag 14/15. Nordosten: Immanueltireftr. 24. Moabit: Wilhelmshavener Str. 48. Prinzen Webbing: Millerstr. 84a, Ede Utredter Ctraße. Rosenthaler und Drantenburger Borstadt: Wattstr. 9. Gesundbrunnen: Bastianstr. 7. Schönhauser Berstadt: Greifenhagener Str. 22. otershot, it- Glienice: Frl. Walter, Adlershof. nossenschaftsstr. 6, parterre. Caaersdorf: Schönberz. Landsberger Str. 10. Eriner: Albert Rernide. Friedrichstr. 21. Fichtenau: Rraeßte, Bismardstr. 1. Faltenberg: 6alzmann, Faltenberg, Gartenstadtstr. 10. Friedenau: Rheinstr. 27, Ede Rönnebergstraße. Frebersdorf- Betershagen: Uffenwaffet, Betershagen. Friedrichshagen: Soffmann, Friedrichshagen, Kurze Straße 1. Grünau: Frana Rlein. Friebrichte. 10. Mahlsborf: Emil Rauf, Lemkestr. 25. Mariendorf: August Leip, Chausseestr. 29. Marienfelbe: Berliner Str. 143. Reuenhagen: enste, 8iegelftr. 71. Stenlölln I: Redarstr. 2. Reukölln II: Siegfriedftr. 28/29. Renkölln- Brig: Mittag, Brig, Chauffeeftr. 82. Niederschöneweibe: Schindler, Fennftr. 23. Nowawes: Rari Rtobnberg. Eifenbahnftr. 10. Salensee, Grunewald: Salensee, Johann- Sigismund- Str. 13. Oranienburg: Seinr. 2oenhardt, Stralsunder Str. Bennigsdorf: Emmulat, Rathenauftr. 7. Sohenneuendorf: Giegeris, Bismardstraße. Johannisthal. Alwin Gammtsch. Bismardstr. 8. Cc. Marlshorst: Otto, Seiligenbergstr. 10. Raulsborf: Biebig, Finsterberger Str. 14. Baumschalenweg: Frau Räpte, Riefholaftr. 180, Saben. Rönigswusterhausen: E. Meyer, Potsdamer Str. 9. Bernas, Röntgenial, Severnid. Schönbrüd, Karon und Buch: Röpenick, Hirschgarten: Schlag. Rieker Str. 6( Laden). Lichtenberg 1: Lichtenberg, Wartenbergstr. 1. Oberschöneweibe: Robert Baul, Mathildenftr. 5. Bantow: Rikmann Mühlenftr. 70. Potsdam: Ritte, Spanbauer Str. 8. Rahnsdorf: Teichert, Forftftr. 7. Reinickendorf- Oft, Schönbola: Albert Bable, Broving. ftrake 56( 2aden). Zegel, Borsigwalde, Reinickendorf- West, Tegelort, Joer. felde, Conradshöhe, Wittenau, Waidmannsluft, Herm3. borf, Gohenneuendorf, Birkenwerber: Paul Atenaft, Borsigwalde, Räuschstr. 10. Teltow: Häfel. Ritterstr. 29. Tempelhof: Kaiser- Wilhelm- Str. 18. Tempelhof: Randler, Hohenzollerntorfo 5. Trebbin: Göring, Bahnhofstr. 62. Treptow: Beiß, Riefholaftr. 18b. 6. Weißenfee: reunie, Berliner Allee 54. Gillmann, Carmen- Sylva- Straße 57. Wildan- Hoherlehme: Rud. Settow. Wilhelmshagen, Seffenwinkel: Schulze, Wilhelmshagen, Wilhelmstr. 81. Bilmersdorf: Solsteinische Str. 19, Tübinger Str. 2a. Wittenau: Wilh. 8immermann, Rofenthaler Str. 46. Reinidendorf- Rofenthal: W. Buro. Prinz- Heinrich- Str. 34. Woltersdorf: Gurbaum, Cichendamm 22. Samargendorf: Rehab, Breite Str. 4. Reblendorf. Schlachtenfee, Rilolasice: Wegner. Behlen. Seinrich Brose Bernan, Mühlenftr. 5. Schöneberg: Belziger Str. 27. dorf, Teltower Gtr. 3. Biesbort: B. annebera Bittoria r. 11. Senaig, Mittenwalde, Schenkendorf, Niederlehme, Neue Benthen, Wiersborf: A. Behling, Bahnhofstr. 2. Bohnsdorf: Horlemann. Genossenschaftshaus Paradies. Mühle, Bernsdorf, Cablow: Friedewald, Senzig, Boffen: Witt, Bahnhofstr. 25. Buchholz, Blankenburg: Wagner, Blankenburg, Burgwall. Lichtenberg 111, Friedrichsfelde: Frankfurter Allee 185. Laden. Chauffeeftr. 54. Straße 63. Lichtenrabe: Franz Wichura, Raiser- Friedrich- Str. 9. Siemensstadt: Friese, Bödidersteig 10. Restaurant. Steglig: Beitungs- Riost, Düppelftr. 41. Lichterfelbe- Oft, 2anfwik: S. Benzel, Banfwik, Raifer. Spandan: Lindenufer 34. Wilhelm- Str. 8. 2ichterfelbe- Weft: Berndt, Stegliger Str. 19. Charlottenburg I: Gefenheimer Cfr. 1. Charlotterburg 11: Tauroggener Str. 11. Charlottenburg III: Raiserdamm 101. Charlottenburg IV: Regensburger Straße 10. Lichtenberg 11, Rummelsburg, Straley: Lichtenberg. Borhagener Str. 62. Staaten: B3Itel. Eichenwinkel 16. Gadende: udwig, Salsteftr. 86. Sämtliche Literatur fowie alle wiffenfchaftlichen Werke werden geliefert. Sonntags find die Geschäftsstellen gefchlofen.