llr.27S ch Z�.?cchrtang Ausgabe Ä Nr.lZ» Bezugspreis: 85itrtetiiII)tL 150.— 3Jl.,monatI.50,— 3JI. frei ins Sau», voraus zahlbar. Post- bezug: Monatlich 5V,— M, einschl. Zu- siellunasgeduhr Unter Ztreuzdand tür Deutschland, Danzig, Saar- u Memel» Oedtet, sowie Oesterreich u. Luxemburg St.— M., für das übrige Ausland 102,— M. Postdestellungen nehmen au Belgien, Dänemarl, England, Est- land, Finnland, Frankreich, Solland, Lettland, Luxemburg, Oesterreich, Schweden, Schweiz. Tfchechostowalei und Ungarn. Der„Vorwärts* mit der Sonntagsbeilage„Volk und Feit*, der Unter- Haltungsbetlage �eunwelt* und de: Beilage„Siedlung und Kleingarten" «scheint wochentäglich zweimal, Sona- tags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: aSojIalOemoteal Bettl«" Morgen Ansgabe Derlinev VolKsblÄkt ( 1,50 Msri») Anzeigenpreis: Di« einspaltige Nonpareillezeile kostet lS,— M.— Reklamezeile SO.— M. „Sleiuesttazeigrn- das settgedrurkle Wort t»— M. lzulässtg zwei selige- druckte Worte), jede» weitere Wort 8,— M. Stellengesuche und Schlss- stcvenanzeigen das erste Wort 2,50 M., jede» weiter« Wort 2,— M. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Wort«. Familien-Anzeigen illr Adon- nenten geile S,— AI. Anzeigen slir die nächste Nummer Müssen bis«V-Uhr nachmittag« im Hauptgeschäst, Berlin SW 6», Linden- praße 3, abgegeben werden. Seästnet von 9 Uhr srüh bis 5 Uhr nachmiltags. Zentralorgan der Bozlaldemohratifchen parte» Deutfcblands Redaktion und Expedition: SW dS, tinüenstr. Z s-rnkvreckrr' Redaktion Moripplatz»K»!»S-S7 �ernsprerurr. Moripplap l,7S»— K« Donnerstag, den 13. Juni 1922 vorwarte-verlag G.m.b.H., SW dS, lindenstr. Z - Verlag.(Expedition und ynseraten- �srrnlprrryrr. Morinplap Die Ergänzung öer Reparationsnote. Paris, 14. Sunt.(WTB.) Durch Vermittlung der Kriegslasten- kommission in Paris hat die Reparationskommistion an die deutsche Regierung die angekündigte ergänzende Note zu ihrer Mitteilung vom 31. Mai gerichtet, auf die sie sich eingangs der neuen Note bezieht. Die Reparationskommission weist darauf hin, daß die Einzelberatungen des Garankiekomitees über folgende Punkte bereits vereinbart sind: 1. Kontrolle der Ein- nahmen und Ausgaben des Reiches. 2. Mißbräuchliche Kapitals- ausfuhr. 3. Statistik. Ueber diese drei Punkte erklärt die Kom- Mission das Ergebnis der Verhandlungen des Garantiekomitees mit der deutschen Regierung abwarten zu wolle.n Bei den noch in der Schwebe befindlichen Punkten heißt es unter 1. Zwangs- a n l e i h e: Die Kommission erwartet» daß alle Dispositionen ge- troffen werden, um bis zum 1. Januar 1923 zu diesem Zwecke mindestens 40 Milliarden Mark Einnahmen zu erzielen. 2. Defizit des Budgets der öffentlichen Be- triebe: Die Kommission stellt fest, daß der ihr unterbreitete Izaus. haltplan keine ergänzenden Einnahmen zur Deckung dieses De- fizits vorsteht. Zwar kündigte der Reichskanzler in seinem Schreiben vom 28. Mal eine Reihe von Ausgabenbeschräntungen an, aber es sei keine Rede von den Mitteln, mit denen die außerordentlichen Ausgaben der öffentlichen Bettiebe gedeckt werden sollen, die sich für die Eisenbahnen auf 16 986, für die Post auf 2S34 Mil- lionen beziffern, izierüber erwartet die Kommisston von der deutschen Regierung bestimmte Vorschläge. 3. Autonomie der R e i ch s b a n k: Die Kommission erkennt an, daß dos deutsche Gesetz Über die Autonomisierung der Reichsbank der deui- fchen Regierung das Recht entzieht, direkt auf den Gang der Finanz- operationen einzuwirken, wie sie es nach dem Gesetz von 1875 konnte. Damit indessen die Unabhängigkeit der Reichsbcmk tat- sächlich hergestellt werde, müsie die Bank nicht nur selbst unab- hängig sein, sondern auch unabhängiges Personal haben. Die Kommission sei der Sluffassuny, daß die Rechte der deutschen Re- gierung bei der Ernennung des Präsidenten- und des Aufsichtsrats der Reichsbant sich nach der neuesten Regelung auf eine Kontrolle beschränken, die in Form eines einfachen Einspruchsrechtes ausgeübt wird, und daß den Aktionären oder ihren Vertretern voll« Freiheit bei der Wahl gelösten wird. Auf diese Destim- mung legt die Kommission großen Wert. Sie würde es sogar vor- ziehen, daß das Einspruchsrecht sich nur aus die Wahl des Präsi- deuten bezöge. Außerdem würde sie es für angebracht holten, daß der Präsident immer aus den Mitgliedern des im Amte befindlichen Aussichtsrats gewählt würde. Die Kommisston verlangt von der deutschen Regierung eine Bestätigung der. von ihr obenstehend zum Ausdruck gebrachten Auslegung. Die kommisflou besteht nicht darauf, daß nun auf diese Punkte sofort ein neues Gesetz angenommen wird. falls die deutsche Regierung sich verpflichtet, die Intentionen der Kom- Mission auf dem Verwaltungswege durchzuführen. Sie be- hält sich jedoch das Recht vor, ein neues Gesetz zu verlangen. Wichtiger als die Unabhängigkeit der Reichsbank selbst erscheint der Kommisston im Interesse einer Gesundung der deutschen Währung und des deutschen Kredits, daß die Reichsbank der deutschen Re- gierung nur noch nach dem Grundsatz einer gesunden Bankpolitik Vorschüsse leistet. Die Unabhängigkeit der Bank kann daher nach ihrer Ansicht erst wirksam werden, wenn die Reichsbant nicht mehr die Ermächtigung besitzt. Roten gegen Schahscheine auszugeben. Die Kommisston erkennt an, daß jede Einschränkung der Inflation von der Deckung der öffentlichen Ausgaben durch tatsächliche Einnahmen an Steuern und inneren Anleihen abhängt, und daß es zurzeit verfrüht wäre, die im Gesetz von 187ö vorgesehene und seit 1914 beseitigte Begrenzung der Papiergeldausgabe wieder her- stellen zu wollen, wenn nicht vorher die S tad>or f e r Draht- industrie." Gegen den Mann ist selbstverständlich Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet worden. Aber bevor die Gerichtsbehör» den irgendeinen Beschluß fasten tonnten, wußte«m deutschnatto- nales Blatt in Karlsruhe schon zu melden, daß die Einleitung eines Strafverfahrens abgelehnt worden sei. Das kann natürlich nicht stimmen. Aber wie das auch sei— die Schwätzern des unvorsichtigen Düsteldorfers beleuchtet wieder einmal die Richtung, in welcher das deutschnationale Ideal liegt. Reichstagsbesuch in München. Zu dem Besuch des Reichstags in München haben sich bisher 2<1l1 Abgcordnite gemeldet. Es laufen noch fortgesetzt Anmeldungen ein. Der Reichstag wird zusammen mit dem bayerischen Landtag und der Stadtverwaltung die Gewerbeschau besichtigen und abends von der Stadt München zu einem Abendesten«ingeladen werden. Es soll auch das Oberammergauer Pafsionsspiel besucht werden. verstandenen Selbsterhaltungstrieb heraus die furchtbarste Entvölkerungspolitik betrieb. In der heutigen Türkei sind Stimmen laut geworden, die' darüber Klage führen, daß man die moralische Unterstützung von deutscher Seite vermisse, die vor dem Kriege zu einem beiderseitigen guten Verhältnis soviel beigetragen habe. Der Vorwurf beruht auf einer Verkennung der Tatsachen, Unsere Gefühle für die Türkei haben sich nicht verändert, ipögen sich auch die politischen Voraussetzungen geändert haben. Wir wünschen dem schwer geprüften türkischen Volk Frieden und Freiheit. Nichts soll uns willkommener sein, als mit der Türkei, wenn sich unsere und die klein- asiatischen Verhältnisse gefestigt haben, in einen freundschaft- lichen und fruchtbringenden Verkehr zu treten. Aber wird man es drüben mißverstehen, wenn wir sagen, daß unsere Gefühle beeinflußt werden können durch Tatsachen, wie die von Ward geschilderten? Wir, die wir die Demokratie in schweren Kämpfen errungen haben, wissen heute, daß es besiere Mittel gibt als den Terror, um sich zu behaupten, und wir sprechen die Hoffnung aus, daß es nur eine tragische Berirrung war, die die kemalistische Regierung in ihrer außerordentlich schwierigen Lage auf derartige Methoden zurückgreifen ließ. Wir hoffen, daß die Nationalitätenfrage für Kleinasien bald aufhört, eine Streitsrage zu sein, die nur mit den Waffen in der Hand ausgefochten werderz kann. Wie den Türken wünschen wir auch den Armeniern und den anderen nationalen Minderheiten Kleinasiens: Friede und Freiheit. Aber seien wir gerecht. Ein Teil der Schuld an den Christenmetzeleien trifft auch das alte Europa, das trotz seiner Zerrissenheit und trotz des Zusammenbruchs, der den Mastakern des Weltkrieges folgte, nicht gelernt hat, seinen politischen Ehrgeiz in segensreichere Bahnen zu lenken. Eng- land und Italien sind auf diesem Wege. Die Grund- sätze, die sie nach Genua geführt haben, haben nicht nur für Europa Geltung. Es ist bedauerlich, daß die Vereinigten Staaten das Mandat über Armenien nicht angenommen haben. Sie Jzaben sich in Washington als gute Schiedsrichter erwiesen; in ihrer Macht hätte es vielleicht gestanden, den Friedenspakt für den Stillen Ozean auch auf Kleinasien zu übertragen. * London, 14. Juni.(DA.) Dr. Ward, der Vertreter der amerikanischen Hilfsorganisation für den nahen Osten, ist in London eingetroffen und hat dem Auswärtigen Amt über feine Beobachtungen und Erfahrungen in Kleinasien Bericht erstattet. Dr. Ward teilte mit. daß vom Mai 1821 bis! zum März d. I. Zd 000 Menschen, darunter 6000 Armenier, der Rest Griechen, in Sivas gesammelt und über Kharput in die Gebiet« von Bitlis und Wan d e po r t i e r t wurden. Von diesen 30 000 Personen sind 10 000 im vergangenen Winter umgekommen, weiteren 10 000 gelang es, zu entkommen oder sich unter amerikanischen Schutz zu stellen, das Schicksal der restlichen 10 000 ist u n b e k a n n t. Die Mastendeportationen dauern fort. Dr. Ward erklärte, dos Ziel der türkischen Politik sei die Ausrottung der christlichen Minderheiten. Griechenverfolgungen werden auch aus Albanien gemeldet und die grichische Regierung hat sich deshalb an den Völkerbund gewendet. tzeute so, morgen so! Mangelnde Abstimmungsdisziplin im Reichstag. In der gestrigen Abstimmung des Reichstags über den Geltungsbeginn des Reichsgesetzes zur Iugendwohl- fahrtspflege ließen die männlichen Mitglieder des Zen- trums und der Demokratischen Partei im Gegensatz zu ihren weiblichen Fraktionsgenossen die Vereinbarung mit der Regie- rung und der dritten Regierungspartei, der Sozialdemokratie, im Stich. Sie stimmten für den Antrag der Bayerischen V o l k s p a r t e i, den Geltungsbeginn um ein Jahr, auf den 1. April 1924, hinauszuschieben. Der Leser findet diesen Vor- gang im Reichstagsbericht. Die Stare. Don P a n. Es war einmal ein schöner, wunderprächtiger Garten. Blumen blühten in schimmernden Farben auf runden Beeten; Gräser, schlanke Halme und herrlich? Blattpflanzen säumten die Wege, und aus grünen Büschen schimmerte rot und weiß und blau die leckere Frucht der Beeren. In den Bäumen hing's übervoll an ollen Stengeln, ein paradiesischer Ueberfluß. Das Schönste aber waren die Kirschen: dicke, pralle, rote Kirschen, die aus dem Laubwerk hervorleuchteten. Eines Tages promeniert« der Herr dieses Gartens wohlgefällig auf den gelben, künstlich geformten Kieswegen umher und freute sich seines Reichtums, der so herrlich gedieh. Er rüttelte prüfend an dem hohen, festen Elsengitter, das den Garten umfriedete, und lachte in sich hinein: dies« Herrlichkeit hier war geschützt vor frevlem Einbruch: sein war es, nur sein, was in blühender Fülle Mutter Natur auf diesem Fleckchen Erde hervorzauberte. Mochten die andern hinter dem Gitter stehen und ihn beneiden— ihn, den Herrn dieser kleinen Welt! Und wi« Rührung kam's über ihn bei diesem Gedanken. Seine Augen schimmerten feucht vor tiefer Dankbar- keit, und er hob sie auf zum sonnigen Frühlingszelt und sagte:„Wie danke ich dir, gütiger Himmel, daß du mich so gesegnet hast! Ich werde dir nach der Ernte einige Kerzen im Dome stiften. Ja, ein paar große, meterlange Kerzen!" Und weiter schritt er, erfüllt von zufriedenen, heiteren Ge- danken an die Mahlzeiten, welche sich hier für seinen Tisch vor- bereiteten. Da aber stutzt« er, und sein Gesicht verfinsterte sich: an dem Zweige eines fruchtbehangenen Stachelbeerbusches kroch eine lange behaarie Raupe. Der Herr des Gartens schleuderte sie herab und trat mit dem Fuße darauf. Und mit hastigem Eifer durchspürte er Zweig und Blatt, Ast und Blüte. Da wimmelt« es von Insekten überall! Raupen, Schmetterlinge, Käfer, Bienen— olles zehrte vergnügt von dem Reichtum, der doch ihm allein ge- hörte. Und zornig hob der Herr des Gartens seine Augen zum Himmel und sagte grollend:„Hab' ich für Parasiten das alles gesät? Warum vernichtest du nicht, was mich bestiehlt und mein Eigentum schmälert? Der Garten ist mein, nur mein; warum schützest du mich nicht? Ich kann dir keine Kerzen stiften." Und er sank aus einen Rasensitz und sah freudlos vor sich nieder. Plötzlich schwirrte, rief und pfiff es rings um ihn herum in flatterndem Geräusch. Ein großer Flug von Staren hatte sich im Garten ni«dcrgelasten und hüpfte auf Beet und Busch, Zweig und Wipfel. Mit scharfen Schnäbeln hackten sie aus Raupe und Käfer ein, und tausendfach verschwanden die Insekten auf den spitzen Zungen. Da wurde der Herr des Gartens wieder fröhlich, und mit freundlicher Miene wandte er sich zu den Vögeln:„Fleißig, fleißig, mein« lieben Stare! Ich neide euch euren guten Appetit. Nehmt nur, nehmt! Ich gönn's euch von ganzem Herzen. Arbeitet, ihr lieben Bogel, arbeitet! Ihr seid ein Wertzeug der hohen Kultur. Oh, was ist es für eine Wonne, euch bei so nützlichem Werke zu sehen! Ihr vermehrt den Reichtum der ganzen Nation, ivenn ihr den meinen sichert und von allen Schädlingen befreit. Singt und seid fröhlich! Mein Garten steht euch jederzeit offen. Eure Musik ist Balsam meinen Ohren, ist die frohgemute Weise des nützlichen Schaffens. Zwar sind eure Stimmen nicht geschult, und eine Nachtigall ist mir— offen gestanden— lieber, aber ich will euch nicht stören und schelten— beileibe nicht! Ferne sei's von mir, euch den Mund zu verbieten. Nein, nein! Rührt euch und schwatzt und pfeift, aber vergebt mir nur das Arbeiten nicht. Fleißig, fleißig, meine lieben Stare! O du prächtiges, nützliches Volk!" Und er rieb sich lachend die Hände und sah den munteren Schnäbeln zu. Zum Himmel wandte er sich dankbaren Blickes:„Ich werde dir doch die Kerzen stiften!" Und er rechnete, wieviel Körbe sich wohl noch zum Verkauf füllen lassen würden, nachdem der eigene Tisch be- friedigt wäre. Ein großes, allgemeines Geschrei ließ ihn auffahren aus seinen Sinnen. Ein Freudengeschrei. Es schwirrt« von unzähligen Flügeln und hob sich bcgeisterungstrunken in dichten Schwärmen auf die fruchtbeladenen Kirschbäume. Der Herr des Gartens erstarrte vor Schreck.„O du Halunken- volk! Nun fressen sie meine Kirschen, meine schönen saftigen Kirschen! O du unverschämtes Gesindel!" Er weinte fast vor Schmerz.„Meine herrlichen Früchte! Mein Eigentum! O du Raubzeug, du Diebsgelichter! Sie bestehlen mich! Sie ruinieren mich! Sie untergraben meine Existenz! Wovon soll ich nun die Körbe füllen? Oh, ihr.Leckermäuler! Ist's nicht genug, daß ich euch in meinem Garten alle Insekten überließ? Gab ich euch nicht Futter genug? Müßt ihr auch noch Kompott haben? Ach, meine Kirschen, meine prächtigen Kirschen! Verflucht bist du Räuber- bände! Verflucht, du begehrliches Volk!" In den Zweigen pfiff, sang und jubilierte es nur noch lauter. Denn die Stare kümmerten sich nicht um die Sorgen des Herrn. Der aber sah mit zorngerötetem Antlitz zum blauen Himmel auf und sagte:„Du bist nicht gerecht. Und einem Ungerechten stifte ich kein« Kerzen."_ Soziale Joröerungen auf dem Philologentage. Es gab eine Zeit— zu einem guten Teile leben wir noch darin—, da die Kopfarbeit von vornherein für etwas„Vor- nehmeres",„Feineres" galt. Schon wer im Bureaustuhl mit Schreiben Zeit und Hofen zerschliß, glaubte, er dürfe auf den Hand- arbeiter von oben herabsehen. Diese enge und beschränkte Auffassung, die nicht wenig dazu beigetragen hat, Haß und Verbitterung zu säen, ist in« Schwinden. Das zeigte sich auch auf den Verhandlungen des Preußischen Philologentages in Hildesheim. Prof. Mosche, der die Einführung de, Werkunterrichts forderte, stellte seine Ausführungen gerade auf diesen Punkt ein: es fehlt den jungen Menschen, besonders der höheren Schulen, an Der» ständni» und darum an Achtung vor der körperlichen Arbeit. Daher sollen sie selbst körperlich arbeiten lernen. So werden sie Gefühl und Achtung vor dem Können bekommen, das in der Handarbeit steckt. Sie werden sich bewußt werden, daß Kopf, und Handarbeiter beide gleich notwendige und gleich wertvolle Arbeit leisten. Sie find auf- einander angewiesen und können sich nicht entbehren. Warme Liebe zur Jugend sprach aus der zweiten Forderung, die erhoben wurde: Mehr Turnen, mehr Sport und Spiel und Sonne! Mehr Wandern für unsere Jugend! Andernfalls muß die Jugend, besonders der großen Städte, die schon durch den Krieg und seine Folgen so schwer gelitten hat, rettungslos verkümmern. Schafft Spielplätze, schafft Anreiz durch Veranstaltung von Wettkämpfen für alle Jugendlichen, ob werktätig oder noch auf der Schule. Für alle Kinder des Volkes! Die Entwicklung scheint höhnend den umgekehrten Weg zu gehen, Statt Schulgeldfreiheit— dauernde Erhöhung des Schulgeldes, das bald nur noch für Kriegsgewinnler erschwinglich sein wird: statt Freiheit der Lehr- und Lernmittel schwindelnde Höhe der Bücherpreise.— Das bedeutet für die größte Schicht des Volkes Versperrnng der Wege zu den Kulturgütern. So darf es nicht weitergehen. Der Staat hat die Pflicht, Einrichtungen zu treffen, die es j e d e m Kinde des Volkes, ohne Rücksicht auf Stand und Geldbeutel des Vaters, ermöglichen, seine Fähigkeiten zu ent- wickeln, zum Wohle seiner selbst und des Dolksganzen. Dazu dienen auch die von allen Seiten geforderten Aufbauschulen, Förderklassen und ähnliche Einrichtungen. Dos sind einige wenige der Probleme und Forderungen. Wenn ein so großer Verband seine Stimme erhebt in so wichtigen Fragen. darf man wohl erwarten, daß seine Stimme nicht ungehört verhallt. ■ st« Die Phonetik in der Heilkunde. Die Phonetik, die sich mit den körperlichen Vorgängen beim Sprechen beschäftigt, ist ursprünglich als ein Gebiet der Philologie geschaffen worden. Aber auch die Aerzte bringen ihr in neuester Zeit ein großes Interesse entgegen. und bei dem ersten Internationalen Kongreß für experimentell« Phonetik waren die Mediziner in großer Zahl vertreten. Die Be- deutung der Phonetik für die Heilkunde behandelt M. Nodolevzny in einem Aufsatz der„Münchener Medizinischen Wochenschrift". Da sich die Phonetik mit der gesamten Lautgebung beschäftigt, so mußte sie mit der Heilkunde in Berührung kommen, wo e» sich um krank- hafte Störungen der Ausdrucksbewegungen handelt. So steht.sie in engster Beziehung zur Nasen- und Kehlkopfheilkund«, und man hat auf phonetischer Grundlage die verschiedenen Stimmkrankheiten er- folgreich behandelt. Auf dem Gebiet der Nervenheilkunde und Psychiattie wird die Diagnose gefördert durch die von der Phonetik ausgebildete feinere Analyse der Sprachstörungen bei Nerven, und Geisteskranken. Phonetische Ucbungen haben auch bei diesen schweren Erkrankungen recht Ersprießliches geleistet. Vor ollem spielen die phonetischen Uebungen bei der Ausbildung schwachsinniger Kinder eine große Rolle. Ueberhaupt hat die Kinderheilkunde, soweit es sich um die Entwicklung der Sprache und Stimme handelt, viel von dieser Wissenschaft gelernt. Sogar die Arzneimittellehre geht bei den Phonetikern in die Schule. So interessiert die Einwirkung von Medikamenten auf die Stimme, z. B. die Heiserkeit bei Atropin- Vergiftung. Praktisch am wichtigsten kstt sich die Wirkung verschie» dener Mittel, namentlich des Kokains, auf die Singstimme erwiesen. Man hat festgestellt, daß durch die Beeinflussung von Nase und Kehl- köpf mittels höher prozentigcr Kokainlösungen die Atmung zuerst beschleunigt und später vertteft wird, wobei die Stimme sonorer klingt. Die Versuchspersonen können leichter singen und bilden kräftigere, vollere und rundere Töne. In der Schulhygiene, die das rasche Zunehmen des Stottern? und der Heiserkeit in t m ersten 4 bis 5 Schuljahren erwiesen hat. wird«in phonetischer Schreib. Lese-Unterricht mit guter Wirkung angewendet. Auch die psycho- deutschvolkisch-öeutschnational. Herr Fr. S o n t a g, Direktor des„Deutschen Wend- blattes", erklärt in seinem Blatt zu unseren gestrigen Betrach- tungen über sein rechtsputschistisches Bekenntnis u. a. folgendes: Ich habe mit der Deutschnationalen Volkspartei beinahe ebenso viel zu tun. wie der„Vorwärts", denn ich gehöre ihr weder als Mitglied an, noch stehe ich zu der Parteileitung in irgend- welchen Beziehungen, kenne sogar nicht einmal den Parteivorsitzen- den oder den chauptgeschäftsführer. Ist es deshalb schon an sich«ine — beim„Vorwärts" zwar nicht weiter verwunderliche— Unverfrorenheit, die Deutschnationale Volkspartei mit der rein persönlichen, durch Namensunterschrift und ihren ganzen Ton als privat gekenn- zeichneten Auslassung eines völlig Außenstehenden zu identifizieren, so wird diese Dummdreistigkeit noch größer durch den Umstand, daß dem„Vorwärts" ganz genau bekannt ist, wie durchaus ab-, lehnend sich die D e u t s ch n a ti o n a l e Parteileitung gegenüber allen Gedanken an einen gewaltsamen Umsturz verhalten hat und weiterhin verhält. Aus dem rechtsbolschewistischen Stil— der übrigens genau so hübsch ist wie der linksbolschewistische— in gemeinverständliches Deutsch übersetzt, heißt das: Es gibt Rechtsradikale, die außerhalb der Deutschnationalen Partei stehen, weil sie ihnen zu schlapp ist, und zu diesen Unentwegten gehört auch Herr Sontag. Für seine Aeußerungen ist daher die Deutschnatio- nale Partei nicht direkt verantwortlich zu machen. Da ober die„Deutschvölkischen" meist in der Deutschnationalen Partei stehen, die diesen Abenteurerscharen gegenüberr auch niemals einen sichtbaren Trennungsstrich gezogen hat, wird unser Irrtum jedermann, Herrn Sontag ausgenommen, entschuldbar erscheinen._ ffatenkreuz und Sprengstoff. Hamburg, 14. Juni.(TU.) Nachdem erst in der vergangenen Nacht auf die Kommunistische Buchhandlung in der Admiralitäts- straße ein zweites Attentat verübt wurde, hat das Bürgerschaftsmit- glied Thälmann CKPD.) angezeigt, daß in der letzten Nacht gegen 12% Uhr vor dem Fenster seiner im Parterre gelegenen Wohnung, Siemensstr. 4,«in Stein mit einer abgebrannten Spreng- lad un g gefunden worden sei. Seine Ehefrau habe um die ange- geben« Zeit einen Feuerschein gesehen und ihm bei seiner Rück- kehr Mitteilung gemacht. Thälmann will auch durch einen Brief gewarnt worden sein._ Die Lokomotivführer gegen Maßregelungen In Würzburg begannen am Mittwoch die Verhandlungen der Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer, die etwa 80 000 Mitglieder umfaßt. Nach dem von dem ersten Vorsitzenden Sperlbaum er- statteten Geschäftsbericht sprach der Kongreß dem Vorsitzenden ein Vertrauensvotum für die bisherige Vertretung der Eisen- bahnbeamten aus. Gleichzeitig erklärt« der Kongreß es für seine Pflicht, für die Gemaßregelten, etwa 23 Proz. der Kreis- und Ortsgruppenvorsitzenden, einzustehen. An den Reichspräsidenten wurde folgende» Tele- gramm gesandt: „Die rund 80 000 in der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer oereinigten Lokomotiv- und Maschinenbeamten Deutschland« appel- lieren an Ihre staatsmännisch« Einsicht und gewerkschaftliche Ersah- rung. daß Sie Ihren ganzen Einfluß zur Aufhebung des v e r- tragswidrigen, ungerechtfertigten und Unruhe stiftenden Maß- regelungsterrors gegen Eisenbahnbcamten wegen des Fe- bruarstreiks aufwenden mögen." Ein Telegramm ähnlichen Inhalts ist auch an den Reichs. tanz l er abgeschickt worden. Tie Arbeitszeit bei der Reichsbahn. Die Telegraphen-Union verbreitet über die Neuregelung der Arbeitszeit bei der Reichsbahnverwaltung eine von mehreren Berliner Abendblättern übernommene Meldung, in der aus dem Zusammenhang gerissene Bestimmungen aus neuen Richtlinien aufgezählt werden, und im Anschluß daran versucht wird, auch für die Zukunft eine unwirtschaftliche Ausnutzung des Eisen- logische Forschung hat die Lautgebung in ihr Bereich gezogen. Die Veränderungen der Atmung unter dem Einfluß der Aufmerksamkeit und der verschiedenen Gefühlszustände sind Gegenstand umfangreicher Unternehmungen gewesen, und die Beziehungen von Seelenzuständen zur Stimme sind eingehender beobachtet worden. Ob man freilich die Phonetik für die gerichtliche Medizin ausnutzen kann, indem bestimmte Atmungssymptome beim Lügen und Falschspielen auf- gezeigt werden, ist noch staglich. .wir Wilden sind doch bessere Wenschen." Ein fanatischer Der- ehrer der Nüchternheit ist König K h a m a von Bamangwato, einem afrikanischen Negerreich unter englischem Protektorat. Khama wacht mit größter Strenge darüber, daß keine Spirituosen in sein Land eingeführt werden. Er will seine Untertanen nicht vergiften, sagt er. Wer die Einfuhr alkoholischer Getränke nach Bamangwato unterstützt, wird zum Tode verurteilt. Wenn die Untertanen des strengen Königs ein unstillbares Verlangen nach dem Lebensclixier anwandelt, so müssen sie auf langen Wegen nach den Nachbarstaaten wandern, um sich dort gütlich zu tun. Aber auch gegen solche Um- gehung eifert Khama. Wer das Alkoholverbot in irgendeiner Weise übertritt, wird mit dem Verlust von zehn Ochsen bestraft. Dennoch scheint die Versuchung sehr stark zu sein, denn der König, in dessen Besitz die Ochsen der Straffälligen übergehen, verfügt bereits über eins Herde, deren Wert bereits auf wenigstens 4 Millionen Pfund Sterling geschätzt wird.— Der absolutistisch regierende Herrscher ist bereits 83 Jahre alt und wird als äußerst redlich in Geschäften geschildert. Jeden Betrug läßt er aufs ftrenaftc ahnden. Ein englischer Korrespondent, der Kboma besuchte, berichtet, daß er ein- mal von seinem Auto einen Koffer verloren hatte, den er aber schon am selben Abend mit dem ganzen Inhalt zurückerhielt, ohne daß jemand auch nur den Versuch gemacht hätte, ihn zu öffnen. Der Engländer meint, er kenne Länder in Europa, die sich an diesem Negerstaate ein Beispiel nehmen könntem Die unbeschäftigte franzSflfche Handelsflotte. Auch in Frankreich macht sich die Stockung im Handelsverkehr dadurch bemerkbar, daß eine große Anzahl Schiffe in den französischen Häfen aufgelegt werden müssen. Nach einem Bericht in„Werft, Reederei, Hafen" betrug die Zahl der unbeschäftigten französischen 5zandclsschiffe am Ende des ersten Vierteljahres 1S22: 529 Fahrzeuge mit 1 102 568 Tonnen. Darunter sind vier fremde Schiffe. Die größte Zahl der aufgelegten Schiffe zeigt Marseille mit 116, dann folgt Saint-Nazaire mit 67. Brest mit 57. Le Havre mit 53 und Nantes mit 50 Schiffen. Da die französische Flotte zu Anfang des Jahres über eine Gesamttonnage von etwa 3 400 000 Tonnen verfügte, so sind gegenwärtig etwa ein Drittel der französischen Handels- tonnag« unbeschäftigt. bahnpersonals nachzuwessen. Wolsss Bureau gibt dazu folgendes Richtigstellung: Schon die durchaus unzutreffende Behauptung von| verschiedenen Auffassungen innerhalb des Reichsverkehrsminifteriums und rein persönliche Angriffe gegen den die Verhandlungen führen- den Ministerialdirektor Hitzler zeichnen die Nachricht als eine Tendenzmeldung. Tatsache ist, daß in eingehenden Be- sprechungen mit den Personalvertretungen Richtlinien aufgestellt worden sind, deren Durchführung eine weit wirtschaftlichere Aus- Nutzung des Personals, als sie zurzeit stattfindet, ermöglichen wird. Daß über diese Grundsätze mit den Spitzenorganisationen des Perso- »als verhandelt und eine Einigung erzielt worden ist, wird jeder, dem es um eine Verständigung zwischen den verschiedenen Volks- und Derufsgruppen zu tun ist, nur anerkennen können. Die Renten öer Kriegsopfer. Der Reichstagsausschuß für Kriegsbeschädigtenfragen beschäf- tigte sich am Mittwoch mit dem Gesetzentwurf über Teuerungs- maßnahmenfür Militärreniner. Die Regierungsvorlage wollte den Ausschluß derjenigen Beschädigten von dem Genuß dieser Teuerungsmaßnahmen, deren Erwerbsfähigkeit um weniger als 50 Proz. gemindert ist. Auf Antrag des Abg. Genossen Meier, Zwickau, beschloß der Ausschuß, daß die Teuerungsmaßnahmen schon bei einer Erwerbsunfähigkeit von mehr als 30 Proz. Gültigkeit haben sollen. Auf Antrag des Unabhängigen Albrecht wurde in der Regierungsvorlage die Bestimmung gestrichen, die Witwen von den Teuerungsmaßnahmen ausschließen wollte, sofern sie weder erwerbsunfäihg noch einer erwerbsunfähigen Witwe gleichgestellt sind. und AaS Lesssnft.'rbeater nimmt in seinen Temmer'plclt'lan da? PreZder �..„ Steint(6c Lustipiel. Die Ballerina de? König?" n»i. Am SS.-Zun- spielt Ma; Grünberg den König, Eleonore Drocscher die Barberina. Da» S. Etädtifche volkskonzert find-t am 17., ü u m' Vlütbner-Saal unter Leilung von Camilla Hildebrand Tchnbert: lk-raall-Lniionie. Schubert: Octelt V l und Bla?in,lr„mente. Wagner; Ouvertüre zu; Der fbeaende froUantn, R. Strauß; Zok und Verklärung. Kalten bei Hori». Engel- .v-s.„.Vorwärts, Lindciislr. 2 g'linckcrbr Orchefterbnreau. Lutzowstr.>6, und an der Ndendkasse. Die Parlamentskrise in Sachsen. Gegenwärtig finden im Freistaat Sachsen Einzeichnungen für ein Volksbegehren auf Auflösung des am 14. November gewählten Landtags statt. Der Antrag auf Auflösung ist von der Deutschnationalen und Deusschen Volkspartei gestellt, wird aber auch von den Demokraten und vom Zentrum unterstützt. Am 19. Juni ist Schlußtag für die Einzeichnung, die ohne Beteiligung der Sozial- demokraten und der USP. vor sich geht und die nur wirksam ist, wenn 10 Proz. der bei der letzten Landtagswahl eingetragenen Wahlberechtigten— das sind 293 388— sich an der Einzeichnung beieiligen. Die gegnerischen Parteien werden jedenfalls die er- forderliche Stimmenzahl ausbringen, so daß die sich aus dem Gesetz vom 8. März ergebenden Formalitäten durchgeführt werden müssen. Frühe st ens kann der Volksentscheid am Sonntag, den 17. S e p- t e m b e r stattfinden. Beteiligen sich keine 50 Proz. der Wahlberech- tigten, das sind 1 469 773, dann ist der Volksentscheid ungültig: anderenfalls würde die notwendige Neuwahl des Landtages für Mitte Dezember als frühesten Termin ausgeschrieben werden können. Während seiner achtzehnmonotigen Existenz hat der Land- tag in 110 Plenarsitzungen 130 Vorlogen und Gesetzentwürfe der Regierung, teils mit wechselnden Majoritäten, überwiegend aber mit der schwachen Mehrheit der Linksparteien erledigt. Der Haushalts- plan für 1921 und 1922 ist fast durchberaten, in den meisten Äapi- teln bereits angenommen. Unerledigt sind noch Polizei- und Justiz- etat. Bei der Abstimmung über den Justizetat fanden sich in zweiter Lesung die Rechtsparteien und die Kommunisten zusammen. Durch die nachträgliche Erklärung der Kommunisten, daß sie nicht gegen die Bewilligung des Iustizministergehalles stimmen wollten, konnte die erfolgte Abstimmung nicht rückgängig gemacht werden. Die Rechtsparteien suchten diese Gelegenheit auszunutzen und reichten schleunigst einen Antrag auf Auslösung des Landtages ein, der aber mit 48 gegen 47 Stimmen abgelehnt wurde. Damit war jedoch noch keine Klärung der Lage geschaffen, denn die Recht« will den Etat „dieser Regierung" grundsätzlich ablehnen. Sie findet in ihrem Bestreben die gesuchte Hilfe bei den Kommunisten, die sich gleichfalls ablehnend verhalten wollen, um so den Sturz der sozialistischen Re- gierung herbeizuführen, wenn nicht die von außen suggerierten For- derungcn— 1. Amnestie. 2. Verbot der technischen Nothilfe, 3. Eni- Militarisierung der Polizei, 4. Heranziehung der Betriebsräte- Vollversammlungen zur Gesetzgebung— bis zur endgültigen Abstimmung erfüllt sind. Die sozialdemokratischen Fraktionen haben Im Einverständnis mit der Regierung den Kommunisten gewisse Zugeständnisse gemacht, mußten jedoch eine restlose Erfüllung der Forderungen insbesondere eine Heranziehung der Betriebsrätevollvcrsammlung zur Gesetzgebung ablehnen. Diese Haltung findet in der sächsischen Arbeiterschaft volles Verständnis. Die Chemnitzer Betriebsräte lehnten z. B. die Einbe- rufung eines von kommunistischer Seite geforderten Betriebsräte- kangresses zwecks Stellungnahme zur„politischen Krise" ab und er- klärten u. a.. daß sie die politischen Zusagen der SPD. und USPD. an die Kommunisten für ausreichend betrachten. In der angenom- menen Resolution heißt es u. a.: Die Betriebsräte des Industrie- bczirkes Chemnitz würden es nicht verstehen, wenn durch Ablehnung des Polizei, und Iustizetats durch die Kommunisten die Existenz der sozialistischen Regierung und die sozialistische Mehrheit in Frage gestellt würde. Die nächsten Tage bringen die Entscheidung. Tritt die Regie- rung wegen Nchtbemilligung des Finanzgesetzes oder einzelner wich- tiger Etatkapitel zurück, dann wird sich der L a n d t a g s e l b st a n f- lösen. Die Sozialdemokratische Partei wird dann auch den Zeit- punkt der Neuwahlen bestimmen, nicht die Rechtsparteien. Die Sozial- demokratische Partei Sachsens ist bereit einen Wahlkampf zu führen, um so mehr als sie eines Erfolges sicher ist. Ausbau öes Hamburger Hafens. Hamburg. 14. Juni.(WTL.) Die Senotsvorlagen zum Ausbau des Hafens, die 150 Millionen Mark als erste Rate fü: den Eisen- bahnbau Hausbruch— Waltershof und 137,7 Millionen Mark für die Arbeiten im Hafen fordern, wurden von der Bürgerschaft ein- stimmig genehmigt. Die Pachleinigungsämter bestehen weiter zu Recht. Darüber sind Wohnungsausschub des Reichstags und Reichsjustizministerium, wie sich in der Beratung ergab, vollkommen einig. Entgegenstehende Meldungen sind falsch. Das Verbot kommunistischer Veranstaltungen, das der frühere Oberpräsident in Westfalen, Dr. W u e r m e l i n g, seinerzeit er- lassen hatte, ist aufgcydben. So teilte die Regierung fragenden Landtagskommunistcn mit. Bayerische Vorkrlegsurkunden von der Reichsgründung an sollen amtlich veröffentlicht werden. Zittere, München! Im„Bayerischen Kurier" wird auf die Möglichkeit aufmerksam gemocht, daß der aus der Münchener Bolsche- wistenzeit 1919 bekannte Max L e v i n sich wieder in München be- finde. In der kommunistischen„Bayerischen Arbeiterzeitung" in Augsburg ist nämlich ein Artikel erschienen, dessen Verfasser„Max Levin-München" zeichnet. Zn der Schweizer Volksabstimmung wurden bei 42 Proz. Be- teiligung mit großer Mehrheit drei Volksbegehren verworfen, die eine Einschränkung der Einbürgerung und eine Erweiterunq der Ausweisungsbcsugnisse erstrebten und den vom Bundesrat aewählten Staatsbeamten irnd Angestellten das Recht geben wollten, National- rätx zu werden. Die Räumung Gbersthlefiens. Oppeln, 14. Juni.(MTB.) Ueber die Räumung Ober- s ch l e s i e n s durch die alliierten Truppen und den Einzug der pol- nsschen und der deutschen Truppen sowie über die Abreise der inter- alliierten Kommission, über die Auflösung der Polizei und der Ge- meindewachen sind in einer besonderen Instruktion Be- stimmungen festgelegt worden. Der Auflösung der örtlichen Polizei- gewalt folgt unter der Aufsicht der Kreiskontrolleure der Einzug der deutschen und der polnischen Polizei. Die Ab- reise des Personals der Äreiskontrolleure erfolgt in Kattowitz, Kreuz- bürg und Oberglogan am 3. Tage ,in Königshütte und Leobschütz am 6. Tage, in Rosenberg und Lublinitz am 9. Tage, in Kasel und Pleß am 12. Tage, in Beuthen, Ratibor, Rybnik, Gleiwitz, Tarnowitz und Zaborze am 17. Tage, in Großstrehlitz am 22. Tage, in Oppeln am 23. Tage.— Die Termine für den Abmarsch der alliierten Truppen werden demnächst in ihren Einzelheiten veröffentlicht werden. Der Einzug der deutschen und der polnischen Truppen darf grundsätzlich erst einen Tag nach dem Abmarsch der alliierten Truppen stattfinden, und zwar nach den zwischen den beteiligten Mächten vereinbarten Bestimmungen. Der Antransport der beut- schen Polizei und der deutschen Truppen darf nur auf der Linie Breslau— Kreuzburg oder Neiße— Rasselwitz stattfinden. Paris, 14. Juni.(Havas.) Die Botschafterkonferenz hat in ihrer heutigen Sitzung die Prüfung der Ausgaben fort- gesetzt, die der Interalliierten Kommission durch die Verwaltung des oberschlesischen Abstimmungsgebiet« erwachsen sind. Genf, 14. Juni.(MTB.) Der Präsident der Gemischten Kom- Mission m Oberschlesien, Cal ander, ist heute nach Kattowitz. dem Sitz der Kommission, in Begleitung des Herrn de Montenack von der politischen Abteilung des Völkerbundsrates abgereist. Co- londer wird demnächst der deutschen und der polnischen Regierung einen Desuch abstatten. Deutschland und Lettland. Der aus Paris in Berlin eingetroffene lettländische Minister- Präsident M e j e r o w i z hat während seines kurzen Berliner Auf-. enthalts Verhandlungen mit der deutschen Reichs- regier ung bezüglich der ZZ 5 und 6 des Abkommens vom 15. Juli 1920 über die gegenseitigen Abrechnungen gepflogen. Wie Herr Mcjerowiz einem Vertreter de»„Ost-Expreß" mitteilt, sind die Ver- Handlungen bisher durchaus günstig verlaufen. Die geplante Einbe- rusung der neuen baltischen Staatenkonferenz in Hel- singfors dürfte sich, wie Herr Mejerowiz weiter ausführte, infolge des Regierungswechsels in Finnland und der für den Herbst dort bevorstehenden Neuwahlen verzögern. In jedem Fall werde dies eine rein wirtschaftliche Konferenz sein. Das Warschauer Abkommen und die Eisenbahnkonvention zwischen Estland, Lettland, Polen und der Tschechoslowakei habe Unzufriedenheit in Litauen hervorgerufen, welches in diesen Verträgen eine Anerkennung des durch Polen her- beigeführten etetu, quo in der Wilna-Frage erblicke: demgegenüber habe er, der Ministerpräsident, bereits offiziell darauf hingewiesen, daß Lettland die Wilnaer Frage noch nicht als entfchie- den betrachte und nach wie vor in dieser Frage Neutralität übe. Es sei zu erwarten, daß sich die wirtschaftliche Lage Lettlands im Zusammenhang mit der erfolgten wesentlichen Herabsetzung dex Zoll- tarife bedeutend heben werde. Gegenwärtig führe Lettland An- leiheverhandlungen mtt England und ein britischer Re- gierungsvertreter sei bereits nach Riga zur Klärung der diesbezüg- lichen Fragen abgereist. Die Unterzeichnung eines italienisch-lettlän- dischen Handels- und Schiffahrtsabkommens stehe bevor.— Der lettländische Ministerpräsident, der in Berlin wiederholt mit dem Reichs- konzler Wirth und Dr. Rathenau konferiert hat, tritt heute seine Heimreise nach Riga an._ Rus dem Sowjetparadies. Di« auswärtigen Verteidiger im Moskauer Prozeß, Emile Vandervelde, Th. Liebknecht und Kurt Rosenfeld pro- t e st i e r e n in einem Schreiben an den Volkskommissar für Justizwesen gegen ihre Behandlung in Moskau. Ihr Quartier liege außerhalb der Stadt und sie seien ständig von drei Beamten umgeben. Die Folgen dieser bösartigen Schi- kane legen die Verteidiger in folgenden sechs Punkten fest: 1. Die mit unserem Schutze betrauten Beamten befinden sich stets unmittelbar bei uns. Ohne ihre unmittelbare Begleitung dürfen wir uns nur innerhalb der Grenzen unseres Quartiers bewegen. Die Beamten beobachten dauernd unser ganze» Tun derart, daß wir die Empfindung nicht unterdrücken können, es handle sich nicht um eine Beobachtung zu unserem Schutze, sondern zu ande- ren Zwecken. 2. Am Tag« nach unserer Ankunft durften wir nicht einmal in Begleitung der Beamten in die Stadt fahren, um dem Iustizkommissar unseren Besuch abzustatten und uns mit un- seren russischen Mitvcrteidigern und den Angeklagten in Verbindung zu setzen. Angeblich war die Volkssttmmung gegen uns zu gereizt. 3. Man hat uns die Erlaubnis verweigert, uns zur Besprechung über den Prozeß in die Wohnungen unserer russischen Mitoerteidiger zu begeben und ihren Bs- such an anderer Stelle als in dem uns zur Verfügung gestellten Bureau zu empfangen. 4. Als Vandervelde die Mitglieder der Amsterdamer M i s s i o n, die ihn zuvor eingeladen litten, zu sich bat, wurde ihm die Erlaubnis hierzu bis nach Einholung besonderer In- struktionen versagt. 5. Vandervelde wurde genötigt, eine Zusammenkunft, die er mit dem englischen Vertreter in Moskau verabredet hatte, abzusagen. 6. Bei Gelegenheit von Besorgungen stellte sich für uns die Notwendigkeit heraus, verschiedene Geschäfte zu be- suchen. Es wurde uns nicht g e st a t t e t. daß jeder von uns das ihn interessierende Geschäft der beieinander liegenden Geschäfte aus- suchen durste, um uns nach einer halben Stunde wieder zu treffen: der Beamte verlangte, daß wir ständig zusammen und bei ihm blieben. Nicht einmal in demselben Geschäft dursten wir un» einzeln in die verschiedenen Abteilungen begeben. Was würden die Kommunisten sagen,-wenn die deutsche Regierung Karl R a d e k, der seine Serienschreiberei in der „Roten Fahne" wieder aufgenommen hat. dieselbe B e- Handlung zuteil werden ließe? Man erinnert sich vielleicht noch des Geschreis im kommunistischen Lager, als dieser Ver- treter des Sowjetparadieses, der sich verpflichtet hatte, sich aller partespolitischen Tätigkeit zu enthalten, verhindert wurde, sein Wort zu brechen. Die Empörung müßte im vorliegenden Fall naturgemäß dreimal so stark sein. Aber freilich, wie sollte in dem Heuchlersumpf der kommunistischen Je- suitenzöglinge auch der Mut z» finden sein, z u s a g c n. w a s i st! Sie müssen die Wahrheit auf den Kopf stellen, um nicht selbst den Kopf zu verlieren. gleichzeitig aufgegeben, die Betriebsvertretungen davon in Rennt- ministers am 1. Juni festgefeßten Löhne und Gehälter gelten bis Gewerkschaftsbewegung nis zu sehen? Es scheint dem Herrn Minister jedoch an den Betriebs- zum 31. Juli mit folgender Maßgabe: Zur Gründung des neuen Beamtenbundes. vertretungen nicht viel zu liegen, wie man aus folgendem annehmen Für den Monat Juni erhöhen sich die Säge um 1 M. für muß: Ein Mitglied des Beamtenausschusses vom Postamt 9 hatte das gesamte männliche Personal und um 0.90 M. für das weibliche Kenntnis erlangt von der Anwesenheit des Ministers und hatte sich Bersonal, die Monatsgebälter entsprechend um 208 bzw. 188 m. Durch ein Berliner Korrespondenzbureau ging uns am Dienstag der Besichtigung uneingeladen angeschlossen, Die Handwerker erhalten außerdem eine Zulage von 50 Pf. für die eine nach Sensationsmache aussehende Meldung zu von einer Ber- wurde jedoch weder eines Bildes noch eines Wortes gewürdigt. Das Stunde. Für den Monat Juli tritt eine weitere Erhöhung von 1,25 M. splitterung" der Beamten, die angeblich von den radikalen Elementen Verhalten des Ministers ist u. a. auch ziemlich furzsichtig, denn er der Reichsgewerkschaft der Eisenbahner mit Hilfe des Deutschen hätte doch durch die Hinzuziehung der Betriebsvertretungen zweifels- für das männliche Personal und 1 M. für das weibliche Personal Eisenbahnerverbandes betrieben werde. Wir wandten uns deshalb ohne manches erfahren, was für ihn von großer Wichtigkeit ge- pro Stunde ein; bei dem Monatsgehalt eine solche von 260 bzw. an den Vorstand des Deutschen Eisenbahnerverbandes um Auskunft wesen wäre. Es dürfte doch auch dem Herrn Minister nicht unbe- 208 m. und erhielten über die geplante Gründung eines gemertschaft tannt sein, daß gerade die höheren Verwaltungsbeamten Zu diesem Angebot nahmen die Funktionäre des Belichen Beamtenbundes folgende Erklärung: zum größten Teile genau so gut Gegner der heutigen Minister sind, triebes Stellung, die dasselbe ablehnten, da es eine Regedie durch das Bolt eingesetzt wurden, wie sie auch Gegner aller lung für den Monat Juli vorfah und die bewilligten Säge für den Berbesserungen find, welche zum Wohle der unteren Be- Monat Juli zu niedrig erschienen. Sie befchloffen, die Gefamt. amten und Arbeiter geschaffen wurden. belegschaft möge in einer Urabstimmung über Annahme oder Einer der Alten! Die BS.- Korrespondenz( Sochaczewski), bekannt durch ihre tendenzios und fenfationell zugeſtugten Zeitungsmeldungen, verbreitet eine Nachricht, die mit den Tatsachen in Widerspruch steht. Wie schon wiederholt, so sind auch diesmal die Interessententreise ge Als der Herr Minister im vorigen Jahre zum Katholikentag Ablehnung entscheiden. Die Ur abstimmung erfolgte am Monzwungen, sich gegen unwahre Behauptungen zu wenden. Schon hier war, hatten zwei Betriebsratsmitglieder eine Unterredung mit tag und ergab mit fleiner Stimmenmehrheit die Annahme die lleberschrift," Der Anschluß der Reichsgewertschaft deutscher Eisen ihm über die Entlassungen der Angestellten und hier erklärte er, des Angebots des Arbeitgeberverbandes. Somit ist die Lohnbahnbeamten und Anwärter an die sozialistischen Gewerffchaften", daß die Angestellten nach und nach entiaffen werden bewegung bei der Hochbahn beendet. fordert zum Widerspruch heraus. In der Notiz selbst wird ausge- müßten, weil er von den Beamtenorganisationen daführt, daß die erweiterten Vorstände der Reichsgewerkschaft deutscher zu gedrängt würde. Er versprach jedoch dahin zu wirken, daß Eisenbahnbeamten und Anwärter und des Deutschen Eisenbahner- bei den Entlaffungen mit aller Rücksicht auf die wirtschaftlichen VerAm Montag, den 12. Juni, ist wiederum einer der Alten dahinverbandes in den nächsten Tagen in Leipzig zusammentreten und hältnisse der einzelnen vorgegangen werden solle. Lezteres ist nicht eine wechselseitige Beschichtung der Tagung, sowie auch des vom geschehen; denn kurz darauf wollte man auf Boftamt 9 alle Sad gegangen, Friz Knoop, im Alter von 67 Jahren. Schon während des Sozialistengesezes, als es galt, die ganze Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbunde einberufene Gemert- wagenbelaber, welche ebenfalls als Angestellte gelten, entfchaftstongresses stattfinden soll. Demgegenüber ist festzustellen, daß Iaffen. Nur durch den Umstand, daß man feinerlei Erfag für Person einzuseßen, war Frih Knoop stets in den vordersten Reihen von einer Bertretung der Reichsgewerkschaft auf dem Gewerkschafts- diese Arbeitsfräfte hatte, war man gezwungen, von diesen Ent- u finden. Politisch war sein Wirkungsfreis infolge seines Wohnfizes in Frankfurt a. M. hauptsächlich Süddeutschland. Schon vor fongreß feine Rede ist, und daß die Reichsgewerkschaft mit diesem laffungen Abstand zu nehmen. Kongreß nicht in Verbindung gebracht werden fann. Weiter schreibt Gründung des Schneiderverbandes war er ein eifriger Förderer der Gewerkschaftsbewegung. Als der Schneiderverband im Jahre 1888 die BS.- Korrespondenz, der Deutsche Eisenbahnerverband habe der gegründet wurde, gehörte er zu den Mitbegründern. Anfang 1900 Reichsgewerkschaft einen erheblichen Betrag zugunsten der gemaßmußte er seinen Wohnsiz mit seiner finderreichen Familie infolge regelten Beamten zur Verfügung gestellt. Durch diese Behauptung feines Auftretens für die Arbeiterbewegung von Frankfurt a. M. foll offenbar der Eindruck erwedt werden, als habe der DEV. die nach Berlin verlegen. Die Filiale Berlin des jezigen BekleidungsReichsgewerkschaft gewissermaßen gekauft. Auch diese Behauptung arbeiterverbandes befundete ihm sein Vertrauen dadurch, daß sie ihn ist völlig erfunden und bei den Verhandlungen zwischen beiden Anfang 1900 als Angestellten wählte. Auf diesem Posten hat er Organisationen ist von der Reichsgewertschaft ausdrüdlich fest. gestellt worden, daß es nicht finanzielle Schwierigkeiten waren, die in feltener Pflichttreue seine ganze Arbeitskraft eingesetzt. Wiederholt beauftragten ihn die Partei und die Gewerkschaft mit Ehrenfie an den Verhandlungstisch brachten. Zum Schluß wird der Hoff posten. nung Ausdrud gegeben, daß die übergroße Mehrzahl der Reichsgewerkschaftsmitglieder den neuen Kurs nicht mitmachen, weil angeblich die Mehrzahl der Beamtenschaft von einer solchen Bersplitterung" nichts wissen will. Zum Schluß möchten wir noch darauf hinweisen, daß der Herr Minister wohl auch in anderen Städten den Betriebsvertretungen POSTABONNENTEN welche auch im nächsten Monat Wert auf eine regelmäßige Zustellung des Vorwärts" legen und eine Unterbrechung in der Zustellung vermeiden möchten, müssen die Erneuerung des Postbezuges in den Tagen vom 15. bis 20. d.M. bei dem zuständigen Postamt vornehmen Vorwärts- Verlag G. m.b.H. Beiratssitzung der Textilarbeiter. Woher der Schreiber diese Kenntnisse hat, bleibt sein Geheimnis. Richtig ist, daß die Mehrzahl der Beamtenschaft den alten, vom Deutschen Beamtenbund eingeschlagenen und jetzt auch von der neu gegründeten Gewerkschaft der Reichsbahnbeamten" übernommenen feinerlei Beachtung bei Besichtigungen geschenkt hat, wie wir aus Kurs nicht mehr mitmacht, weil er in den Abgrund führt. verschiedenen Buschriften, die uns auf Grund unseres Artikels zu Deshalb wird das Gros der Beamten, sobald darüber vollständige gingen, ersahen. Erklärungen vorliegen, den Weg in die neue, auf streng geWir hoffen und wünschen, daß der Herr Minister in Zukunft mertschaftlicher Grundlage stehende Beamtenorganisation finden. Hinzugefügt tann noch werden, daß die neue gewerkschaft- den Wünschen des Volkes mehr Rechnung trägt." liche Spizenorganisation der Beamten in parteipolitischer und religiöser Beziehung vollständig neutral ist. Die bevorstehende Gründung des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes wird in dieser Am 12. und 13. Juni fand in Berlin, wie wir bereits mitgeteilt Beziehung völlige Klarheit schaffen, die auch der genannten BS.- haben, eine Beiratssigung des Deutschen Tertilarbeiterverbandes Korrespondenz und ihren Hintermännern den Beweis erbringen statt. In erster Linie wurde zu dem Vorschlag der Unternehmer wird, daß hier nicht die Organisationsspielerei einiger radikaler zu der umstrittenen Frage der Wochenarbeitszeit Stellung Elemente der Beamtenbewegung vorliegt, sondern eine histogenommen. Die Unternehmer hatten dem Sozialausschuß der rische Notwendigkeit, die sich gegenüber allen Anfeindungen Reichsarbeitsgemeinschaft für Textilindustrie folgenden Vorschlag geturchsetzen wird." macht: 1. Die in den einzelnen Bezirken jetzt gültige Arbeitszeit bleibt bestehen. 2. Wenn die Betriebsleitung die Notwendigkeit für gegeben erachtet, ist nach vorheriger Benachrichtigung des Arbeiterrats die Arbeitszeit soweit zu verlängern, daß auch die 48. Wochenstunde gearbeitet wird, wobei für lettere ein Zuschlag für eine Stunde in der Höhe zu bezahlen ist, wie er für Ueberstunden tariflich vereinbart ist. Der Zuschlag für die 48. Stunde ist auf die Stundenlöhne umzulegen. Wir wollen den Tatsachen nicht vorgreifen, zumal wir mit dem DEV. der Meinung sind, daß es sich bei der Umbildung zu einem gewerkschaftlichen Beamtenbund um eine historische Notwendigkeit handelt. Dem Geschrei von der Radikalisierung der Beamten möchten wir jedoch entgegenhalten, daß gerade in dem Anschluß der durch die Wirtschaftsentwicklung raditalisierten Beamten an die Gemertschaften die beste Gewähr für eine ruhige Fortentwicklung gegeben ist. Der Eisenbahnerstreit mit seinen verhängnisvollen Begleitumständen wäre vermieden worden, wenn die Reichsgewerkschaft Don erfahrenen Gewerkschaftern beraten worden wäre. Wenn die Beamten auch in mancher Beziehung eine Sonderstellung einnehmen, so find sie doch Lohnempfänger und gehören schon deshalb in eine Reihe mit den Gewerkschaften. Und warum soll, was in anderen Ländern längst Tatsache ist, in Deutschland eine Gefahr sein? Wir begrüßen deshalb den neuen gewerkschaftlichen Beamtenbund, der mit dem ADGB. und der Af die dritte Säule bilden wird, auf der die dem Allgemeinintereffe dienende Organisation der Arbeit beruht. Krise in der Berliner Metallindustrie. Der Schiedsspruch mit Dreiviertel- Stimmen. mehrheit abgelehnt. 3. Die Regelung von darüber hinaus notwendigen Ueberstunden bleibt der Berständigung zwischen Betriebsleitung und Arbeiterrat vorbehalten. In diefem Falle dürfen über die 48 Wochenstunden hinaus bis zu 5 Ueberstunden pro Woche mit bem tariflichen Zuschlag geleistet werden. Kommt eine Verständigung zwischen Betriebsleitung und Arbeiterrat nicht zustande, so entscheidet innerhalb einer Woche der tariflich vorgesehene Schlichtungsausschuß oder falls ein solcher nicht besteht, ein für diese Fälle einzusehender Conderschlichtungsausschuß.... 5. Ab 1. Januar 1923 wird das bestehende Urlaubsabkommen unter a) und b) dahin geändert, daß sämtliche Arbeiter und Arbeiterinnen, welche am 1. Apris des betreffenden Jahres in den fraglichen Betrieben beschäftigt waren, 6 Tage Urlaub erhalten. Das Angebot der Unternehmer verlangt nicht nur die 48- Stun Urabstim- den- Woche, sondern will den neunstündigen Arbeitstag festlegen. Nach dem Bericht, der in der Beiratssigung gegeben worden ist, waren die Bertreter der Arbeiterschaft über den Vorschlag der Von der Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Metallarbeiterverbandes wird uns folgendes Teilresultat von der mung vom 12. Juni mitgeteilt: Abgestimmt haben. • für Annahme gegen ungültig waren. 328 Betriebe 80 496 Stimmen 18 227 9 60 904 1 867 Ein großer Teil der Kollegen war durch Urlaub refp. Krankheit berhindert, an der Abstimmung teilzunehmen. Die in Frage kommenden Verwaltungsorgane nehmen zu der nnnmehr geschaffenen Tatsache Stellung und werden die Mitglieder Laufend über die gefaßten Beschlüsse unterrichten. ,, Chriftlicher Gewerkschaftsführer und Minister." In Nr. 259 des Vorwärts" gaben wir einer Zuschrift der Ortsverwaltung Frankfurt a. M. des Deutschen Verkehrsbundes Raum, worin Beschwerde darüber geführt wurde, daß der Reichs postminister Giesberts bei seinem Aufenthalt in Frant furt a. M. zur Besichtigung der bortigen postalischen Einrichtungen nicht auch die Arbeitervertretung herangezogen habe. Daraufhin fandte uns die Nachrichtenstelle des Reichspoftministeriums eine Darstellung der Borgänge, um diesen Borwurf zu entfräften. Wir veröffentlichten diese amtliche Entgegnung im Vorwärts" Mr. 263. Die Frankfurter Ortsverwaltung des Berkehrsbundes schreibt uns hierzu: Sein Ableben bedeutet ein herber Verlust für die Arbeiterbewegung. Die Einäscherung findet am Freitag, den 16. Juni, vormittags 10 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf, Berliner Straße 101/103, statt. Deutscher Bekleidungsarbeiterverband, Filiale Berlin. Die Differenzen der Renndepeschenfahrer in den Firmen Cito", Berlagsgenossenschaft m. b. H., und seinen Filialen sowie dem Sportverlag„ Union" sind durch Verhandlungen beigelegt. Deutscher Transportarbeiterverband, Branchenleitung Graphisches Gewerbe. Verband der Sausangestellten. Heute abend, 8 Uhr, in der Schulaula Winterfeldtstr. 16, Vortrag: Das neue Hausangestelltengeseg und seine Bedeutung". Referent Herr Otto Albrecht, Mitglied des Borläufigen Reichs wirtschaftsrats. Benralverband der Maschiniften und Heizer. Bezirksversamm. ungen: Bernau: Freitag, den 23. Juni, 7 Uhr, Gewerkschaftshaus, Inhaber Grunewald, Chausseesir. Copenid: Sonnabend, den 24. Juni, 7 Uhr, bei Stippekohl, Schönerlinder Str. 5. Gesundbrunnen: Mittwoch, den 21. Juni, Lichtenberg: Sonnabend, den 17. Juni, 7 Uhr, bei Dohling, Brunnenstr. 79. 7 Uhr, bei Wörliger, Gürtelfir. 38. Moabit: Sonnabend, den 24. Juni, 7 uhr, bei Karl Görig, Levezowfir. 19b. Neukölln: Donnerstag, den 22, Juni, 7 Uhr, bei Rassun, Grtstr. 8. Oranienburg: Sonnabend, den 24, Juni, 6 Uhr, bei Büschel, Königsallee, Ede Kurfürstenstr., Restaurant, gum großen Kurfürst". Schöneberg: Sonnabend, den 17. Juni, 7 Uhr, bei Ropante, Eifenacher Str. 63. Schönhauser Borstadt: Donnerstag, den 22. Juni, 7 Uhr, bei Schönrod, Danziger Str. 93. Spandau: Sonnabend, den 24. Juni, 7 Uhr, bei Windt, Pichelsdorfer Str. 5. Steglig: Sonnabend, den 24. Juni, 7 Uhr, Teltow: Sonnabend, den 24. Juni, 7 Uhr, bei bei Clement, Düppelstr. 7.Bratter, Lichterfelde- Ost, Bismardplay. Webbing: Donnerstag, den 22. Juni, 7 Uhr, Riefenstr. 12.- Weißensee: Sonnabend, den 24. Juni, 7 Uhr, im Restau rant, Grüner Baum", Berliner Allee 142. Branchenversammlungen am Freitag, den 16. Juni: Brauereien, 5 Uhr, bei Schulz. Elifabethfit. 80. Einzelhandel, 7% Uhr, Schule( Beichenfaal), Niederwallstr. 16. Elektrizität, 7 Uhr, Neue Philharmonie", Copenider Str. 96/97. Chemie, 5 Uhr, bei Aug. Beier, Lichtenberg, Sauptstr. 90. Holzbetriebe, 7 Uhr, bei Schulz, Elisabethstr. 30. Tiefbau, 7 Uhr, bei Schulz, Clisabethstr. 30. Die Ortsverwaltung. Deutscher Verkehrsbund, Abteilung Enft und Kraftfahrer. Kraftfahrer aller Branchen, Luftfahrpersonal, Droschtenführer und Hilfspersonal, am Freitag, den 16. Juni, abends 7 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 25, Gaal 1, Gettionsversammlung. Tagesordnung: 1. Stellungnahme und Anträge zum Berbandstag; 2. Diskussion; 3. Aufstellung von Kandidaten. Mitgliedsbuch vorzeigen. Die Geftionsleitung. Verband der Maler, Ladierer, Anstreicher ufw. Filiale Berlin. Freitag, abends 7 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 25, Mitgliederversammlung Tagesordnung: Bericht von den Lohnverhandlungen. Erscheinen jedes Kollegen unbedingt erforderlich. Berband der Buchbinder und Papierverarbeiter. An die Delegierten zur Generalversammlung! Dienstag, den 20. Juni, nachm. 5 Uhr, im Gemertschaftshaus, großer Saal, Engelufer 25, Fortjehung der Generalversammlung. Aussprache über die Berichterstattung vom Berbandstag; Erledigung der Anträge sowie Aufstellung der Kandidaten der Beiratsmitglieder. Es ist Pflicht der Dele gierten, vollzählig und pünktlich zu erscheinen. Die Generalversammlung wird pünktlich eröffnet! Freitag, den 16. Juni, 5 Uhr, bei Wilte, Sebastianstr. 39, Sattlern und gemeinsam mit den Bortefeuillern, figung. Tagesordnung: Berichterstattung über die Zahlung der neuen Söhne. Es wird unbedingtes und pünktliches Erscheinen aller Bertrauensleute erwartet. Jeder Betrieb muß unbedingt vertreten fein! Die Branchenleitung. Bertrauensmänner. Reine Unternehmer in dem Sozialausschuß in feine Diskussion einge. Vorträge, Vereine und Versammlungen. treten, sondern erklärten, daß über Annahme oder Ablehnung der Sozialistischer Studentenbund, Ortsgruppe Berlin. Rub. Breitscheib spricht Borschläge die Organisation entscheiden müßte. Im weiteren Be- am Freitag, den 16. Juni, abends 7% Uhr, über Sozialistische Außenpolitit richt, der hierzu gegeben wurde, wurde besonders hervorgehoben, in der Aula bes Dorotheenstädtischen Realgymnasiums, Dorotheenſtr. 12. daß der Vorschlag der Unternehmer in jeder Richtung hin unan- Lübbenau- Lehde- Leipe- Forsthaus Eiche- Ranno- Milhle- Lübbenau. nehmbar ist, der erste Satz derselben beginne mit einer Lüge. Es bliebe den Tertilarbeitern gar nichts anderes übrig, als den Borschlag abzulehnen. Das von uns veröffentlichte Rundschreiben des Dr. Klaue wurde bei dieser Gelegenheit einer recht scharfen und herben Kritik unterzogen. Der Beirat faßte einstimmig folgende Beschlüsse: Arbeiter- Wanderverein Berlin. Oberspreewaldfahrt am 25. Junt. Fußwanderungen. Kahn- und Bahnfahrt 90 M. Teilnehmertarten im BereinsTotal, Wollschläger, Adalbertstr. 21, Bigarrengeschäft Friß Wilte, Reinickendorfer traße 92. Wanderung 18. Juni, Badetour nach Krummensee, Rönigswuster. haufen. Abfahrt 6.20 Uhr, Görliger Bahnhof. Arbeiter Abstinenten- Bund, Ortsgruppe Berlin. Freitag, den 16. Juni, 7 Uhr, Oberrealschule Niederwallstr. 12, Mitgliederversammlung. Bortrag, Organisationsangelegenheiten. Berband Boltsgesundheit". Donnerstag, den 15. Juni, Vortrag bes Gen. Sarl Opis Physiognomie", mit 3lluftrationen, in der Oberrealschule Nieder wallstr. 12, 18 Uhr. Gäste fiets willkommen. Eintritt frei! Der Beirat lehnt den vorliegenden Vorschlag der Unternehmer in der Frage der Arbeitswoche ab. Die Mitglieder des Verbandes find fofort zu besonderer Bei-| Berantw. für den redatt. Teil: Franz Klühs. Berlin- Lichterfelde; für An tragsleistung neben der regulären Leistung ab 23. Juni aufzuzeigen: Th. Glede, Berlin. Berlag Borwärts- Verlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruderei u. Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin. Lindenstr. 3. fordern. Hierzu eine Beilage und Unterhaltungsbeilage Heimwelt". Beirat und Borstand haben sofort durch Aufruf die Verbandsmitglieder von der Sachlage zu unterrichten und die Eventualität eines Rampfes ins Auge zu fassen. Der wöchentlich zu entrichtende Ertrabeitrag ist von allen Mitgliedern mindestens in der Höhe eines ordentlichen Wochenbeitrags zuzüglich Lokalzuschlag ab 23. Juni zu bezahlen. Dieser Extrabeitrag zuzüglich Lofalzuschlag ist ungekürzt der Zentralfasse zuzuführen. Wenn in der Erwiderung behauptet wird, daß bei den BeInzwischen ist auch ein Aufruf an die Verbandsmitglieder er. fichtigungen in Frankfurt a. M. nicht weniger wie fünf Personalvertretungen gehört und deren Wünsche entgegengenommen wurden, gangen. Die Beiträge wurden entsprechend einer neueren Vorlage so können wir das nicht in Abrede stellen und haben es in unserem geregelt, und zwar in der Gestalt, daß in Butunft 6, 9, 12, 15, 18, Artikel auch nicht getrn. Wir haben nur angegeben und müssen 21, 24 und 27 M. Beiträge tassiert werden. Die Streifunterstützung, dies nochmals konstatieren, daß ein einziges Mitglied die bisher immer nach einer Karenzzeit von 26 Wochen, die bei dem ( der unteren Besoldungsstufen) eines Beamten Aufstieg in höhere Beitragsklassen in Anrechnung gebracht wurden, ausschusses oder des Betriebsrats gehört wurde. gezahlt wurde, ist auf 13 Wochen ermäßigt worden. Richtig ist, daß der Herr Minister mit einzelnen Beamten der Ende der Lohnbewegung bei der Hochbahn. neutralen" Organisation gesprochen hat, die aber feiner Beamtenvertretung angehören und die ihm stundenlana nachlaufen Nachdem das Personal der Berliner Hoch- und Untergrundbabn mußten, bis ihnen das Glück zuteil wurde. Dem größten Amte den Schiedsspruch des Reichsarbeitsministeriums abgelehnt hatte, wurde 12% Uhr telephonisch die Mitteilung gemacht, daß eine Be- wurde am 9. Juni erneut mit dem Arbeitgeberverband Deutscher sichtigung an demselben Nachmittage stattfinden werde. Wäre es Straßenbahnen, Sleinbahnen und Brivatbahnen verhandelt, mit nicht richtiger gewesen, der Herr Minister hätte der Amtsleitung folgendem Ergebnis: Die durch Schiedsspruch des ReichsarbeitsREINER WEINBRAND IN FRIEDENSQUALITAT MARKE Goldstück " DUNLOP Gummibereifung Die Weltmarke bürgt für Qualität! Jac. Stück Nachf. A.-G., Zweigniederlassung Berlin 0 34, Romintener Str. 45. Telephon: Königstadt 593. J.STÜCK- NCHF.A.G. WEINBRENNEREIEN HANAU A/ M. Nr. 278 39. Jahrgang Beilage des Vorwärts Wie kommst du aus? Der Haushalt des„ kleinen Beamten". Donnerstag, den 15. Juni 192 wurde sie mit bedauerndem Lächeln belehrt und ihr von oben hera erklärt, daß es sich um ganz besonders feines Haar handele, ein Qualität, die nur der Fachmann zu würdigen wisse. In dieses liebliche Spiel platte das seidene, das Haar schau berhaft gefangen haltende Haarney. In Farben, daß sich ein gütig Gott erbarme, denn der Teufel hat seine Freude daran. Rot un grün und lila und in Maschengröße, durch die sich bald ein Walfif zwängen fann. Gelb über rote Haare gezogen( rot ist augenblic lich die moderne Haarfarbe), soll z. B. die Schwermut vertreiber Während marineblau bei lichtblondem Haar eine heitere Stimmun auslösen soll. Auf die unglücklichen Frisuren, die in diese erweiterte 8,240 M. Ballneze( fie fosten übrigens nur 50 Mart) eingefangen werden nimmt natürlich kein Mensch Rücksicht. Sie rangieren allesan unter der Ueberschrift: Junge, Junge, haben se Dir jebufft". je Ein weiteres Opfer unferer privatwirtschaftlichen Neugierde ist| An Lebensmitteln wurden folgende benötigt, wobei der stärkere ein kleiner Beamter. Das Haus, in dem er wohnt, ist ein schlichtes Berbrauch von Schrippen, Milch, Grieß und Reis auf Konto der drei Kinder zu setzen ist: älteres Gebäude, aber es hat den Vorteil, nach drei Seiten frei zu liegen. An der Rückseite des Hauses breitet ein mächtiger Apfelbaum seine Aefte aus. Die Wohnung ist eine Treppe hoch gelegen. Ein Besuch in der Wohnung. -Beim Durchschreiten des Korridors und eines Zimmers gewahrt man, daß die Leutchen eine zwar schlichte, aber tadellos saubere und anheimeinde Wohnungseinrichtung haben. Dennoch hat die junge Frau einen der Blide aufgefangen: Ach," fagt sie, was wir hier haben, stammt alles noch von unserer Berheiratung her. Angeschafft haben wir uns seit 1914 gar nichts mehr, außer fie zögert ein wenig verschämt unseren drei Kindern, das Mädel, das sieben Jahre alt ist, und zwei Jungen, ein fünfjähriger und ein zweijähriger. Sie find unberufen gesund, aber der legte war so schwer bei der Geburt, neun Pfund. Das hat mich arg mitgenommen und so habe ich denn seitdem schon dreimal gelegen. Ich bin auch erst seit acht Tagen wieder auf. Mein Mann ist so gut zu mir, wenn ich frant bin. Er fann fein fochen. Ein Glück, daß uns das Krankfein nichts fostet. Mein Mann ist in der Krankenkasse für Boft- und Telegraphenbeamte, die auch Frau und Kinder ärztlich versorgt. Aber jeden Dierten Tag hat er nachfdienst, von abends 8 Uhr bis morgens& Uhr. In seiner Freizeit beschäftigt er sich immer auf seinem Laubenland. Das hat uns im vorigen Jahr gut geholfen; 18 3entner Kartoffeln haben wir geerntet und das Sommergemüse." In diesem Augenblick wurde die Korridortür geschlossen und gleich darauf trat ein lebhafter und intelligent aussehender Mann von etwa 30 Jahren in das Zimmer. Mein Besuch war bald aufgeflärt, und während die Frau den Kaffee besorgte, zu dem ich eingeladen wurde, plauderten wir beide weiter. Der Beamte war befümmert. Er hatte erfahren, daß fein Gartenland mit anderen Bachtländereien verkauft werden und er mit allen übrigen herunter sollte, trotzdem sie bis 1924 Vertrag haben. Die 10 000 m., die das Grundstück beim Kauf foften follte, hat er natürlich nicht und fann sie auch nicht beschaffen. Der Mann ist im Krieg zweimal vermundet worden, die Wunden haben einige Beschwerden zurückgelassen. Aber er gilt nicht als friegsbeschädigt und bekommt also auch teine Rente. Der Nachtdienst strengt ihn zwar sehr an, aber er erträgt ibn ohne Klagen. Persönliche Bedürfniffe hat er wenige. Durchschnittlich trinkt er jeden vierten Tag ein Glas Bier. Spirituosen gar nicht. Durchschnittlich jeden Tag eine Zigarre. Kartenspiel und Kneipengehen sind seiner Natur fremd. Er ist fich seiner Pflicht als Familienvater bewußt. Bücher fann er sich nicht faufen. Er liebt das Theater, aber ba er ohne seine Frau nicht hingehen würde und ein Bolfsbühnenbesuch mit Fahrgeld und Unfoften für zwei Berfonen mindestens 40 m. foftet, so fann er sich felbst dieses Bergnügen nicht gönnen. Außer dem Dienst und der Familie hat er nur noch sein Stückchen Land, an dem er hängt. Nebenverdienst hat er nicht, auch fein Privatvermögen. Sein Gefamfeinkommen mit Teuerungs-, Oris- und Kinderzuschlägen beträgt jährlich 46 000 m. oder monatlich 3833 m. Die zarte und nicht sehr fräftige Frau muß die ganze Wirtschaft für die 5 Personen einschließ lich der monatlichen aroßen Wäsche. der Wohnungsreinigung und der Kleider- und Wäschereparatur felber besorgen. Wir drei festen uns zusammen hin und rechneten auf Grund des Wirtschaftsbuches folgende monatliche Ausgaben heraus: Steuern. Miete Roch und Leuchtgas Heizung. Butaten zur Wäsche Versicherungen: Kranken. Leben. 10 M. 60 " 80 " 208 M. Pugmittel für Küche und Schube Reparaturen a. Kleidern 160 " Wäsche, Schuhen usw. 100 " 45 Kleidergeld f. Beamtenfleidung 40 Bier " 40 Tabak " Feuer. 8 • Beitung. 30 Beiträge: Partei 6 Verband. 15 Landpacht- Gen. 2 31] Lebensmittel für Mann, Frau und drei Kinder . 25" 1280 40 " 50 " " T 8162 Zusammen 4076 M. Der Ruf durchs Fenster. je 5,40 97 M. 18 Stud Brot 150 Bfd. Kartoffeln 2,80 420 150 Schrippen. 8 Pfd. Fleisch Fisch Schmalz. Margarine, 0,80 120 46,- 368 12,- 60 45 32 30 Liter Milch ½ Pfd. Aufschnitt Wurst. 52,- 416 Käfe Marmel.. 10,- 40 Malakaffee 10, Katao 148L20 40 80 THE 5 1 15 4 6 6 Reis 10 Mehl. Balmin. 34, 510" Erbsen, Bohnen. 9, Grieß 30 Gier. • 14,- 84 11, . 12- 120 4,30 129 " " " 25" Zee Dörrobst. 28, 46" Buder 13,- 180 Gewürze und Son ftiges. Die Rechnung geht nicht auf. 20 " Was wird aus den Gütern? Der heiße Kampf, der um die Erhaltung und Rentabili tät unserer städtischen Güter feit Wochen in der Deputation und in Magistrat geführt wird, fand gestern sein Echo im Etatsausschu bei der Beratung des Haushaltsplans der Güter. Darüber, das unfere Güterverwaltung höchst verbefferungsbedürftig ist, herrscht Einmütigkeit von rechts bis links. Denn es ist schlechter Zusammen 3 162 M. dings nicht zu verstehen, warum unsere 46 städtischen Rieselgüter in einer Zeit, in der die Landwirtschaft Millionengewinne verdient. ganze 800 000( achthunderttausend) Mart Ertrag abwerfen sollen. Aber über die Wege zu einer ertragreicheren Verwaltung gehen dir Meinungen weit auseinander. Die bürgerlichen Parteier fehen bei ihrer Abneigung gegen alles, was auch nur entfernt mi Gemeinwirtschaft zusammenhängt, das Heil einzig und allein in de: Gesamtverpachtung, wir wollen durch eine Reform der Verwaltung und durch die Vergleichsmöglichkeiten mit einiger wenigen verpachteten Gütern die Rentabilität herbeiführen. De Lotalanzeiger" glaubte vorgestern bereits zur Einleitung der Etats verhandlungen die Schuld an den augenblicklichen Zuständen der sozialistischen Magistrat" zuschieben zu sollen. Da muß denn do daran erinnert werden, daß in der Güterverwaltung unseres Wissen fein einziger Sozialist, dafür aber um so mehr Gesinnungs freunde des Lofalanzeigers" sigen und daß die ganze, jetzt von der sozialistischen Magistrat als unhaltbar erfannte Verwaltungsforr und Verwaltungsschlamperei uns als Erbstück bürgerliche Rommunalpolitit überkommen ist. Im Etatsausschuß wurd gestern der bürgerliche Antrag auf Gesamtverpachtung aller Güte bei der schwachen Besetzung der Rechten mit allen sozialistische Stimmen abgelehnt. Man einigte sich schließlich dahin, den Eto ohne Rücksicht auf die schwebenden Verhandlungen über die Ber waltungsreform zunächst durchzuberaten und von der Güterver waltung ausreichenderes Material als das bisher vorliegende übe den Beamtenapparat und die Art der Bewirtschaftung einzufordern Das monatliche Einkommen beträgt also insgesamt 3833 M., die Ausgaben betragen 4076 M. Ungededt bleiben zirka 250 m. monatlich. Selbst wenn man ganz radikal Bier und Tabat abziehen würde, blieben noch 140 m, ungedeckt. Dabei ist zu bedenken, daß für Neuanschaffungen für Kleidung der Frau und der Kinder, sowie für Wäsche, Schuhe, Strümpfe und Hüte kein Pfennig eingefeht ist. Wie also soll die Familie zurecht kommen? Man muß sich wohl oder übel fleine Beträge leihen. Bei den Kindern muß man damit rechnen, daß bei ihren Geburtstagen von den Eltern und Berwandten etwas geschenkt wird. Einmal im Monat, wenn der Bater sein Gehalt bekommt, befonimen die Kinder auch ein Stückchen Schokolade, einmal in Monat ein Stückchen Ruchen. Als Mitglied der Konsum genossenschaft wird die Qualität der Waren verbessert und die Preise werden ein wenig verringert. Lebte der Mann nicht so unglaublich anspruchslos, fo müßten die Kinder leiden. Die Frau macht nicht nur die Wirtschaft allein, fie schneidert den Kindern auch die Kleider. Es reicht trohdem nicht her und nicht hin. Eigentümlich berührte an diesem Mann, daß er sehr im Gegenfak zu den Gepflogenheiten der Beamtenwelt gar nicht von seinem Gehalt sprach. Es ist ihm selbstverständlich, daß mit dem gegenwärtigen Sah fein Auskommen mehr ist und daß eine Erhöhung kommen muß. Aber damit auch gut. Aus all feinen Worten sprach etwas ganz anderes, nämlich das selbstsichere Vertrauen des freien Staatsbürgers. in einer Republ das mantastbare Recht zu haben, seine politische Ueberzeugung und seine wirtschaft. lichen Forderungen frei zu vertreten. Und das scheint diesem Mann die Sicherheit zu verleihen, ein farges Leben gefaßt und ruhig ertragen zu fönnen, das unter anderen Umständen ein Hunger- und Jammerleben wäre. Die Frisur im Ballnet. Als der Teufel voll foldh' ungenießbarer Laune war, daß er sich über sich selbst ärgerte, fnuffte er die Göttin Mode recht derb in die Seite und stachelte sie zu neuen Schandtaten an. Die Göttin war der Menschheit schon lange gram und sie beschloß, sie mit einer grim. men Bösartigkeit zu beehren. Durch Kleider, Hüte- und Schuhmoden waren die Menschen bereits gestraft übergenug, daher schenkte die Göttin jetzt einem nahezu unscheinbaren Gegenstand ihre Aufmerksamkeit. Dem Haarneß nämlich. Das hatte bislang bescheiden sein verhältnismäßig nügliches Dasein geführt. Es war dazu da, die Frisur ordentlich erscheinen zu lassen und möglichst unauffällig zu sein. In vier Farben: hellblond. dunkelblond, schwarz und weiß ging es durchs Leben. Natürlich, wo alles stieg, fonnte es allein nicht zurückbleiben und sein Preis letterte munter in die Höhe. 12, ja jogar 14 Mart fostete es. Wirklich geschäftstüchtige Raufleute hatten die Nezze schon seit Jahren aufgestapelt, und verkauften fie nun, mürbe, hauchdünn, in spinngewebartiger Beschaffenheit. Beschwerte fich aber eine Käuferin, dann Es wurde immer später. Schließlich verging die Nacht, und der Morgen brach an. Aufregung und Angst des Ehepaares Diest stiegen ins ungemessene. Auf der Such e. Zu treuen Händen". Ein Opfer feiner Bolschewiffenfurcht. Die Angst vor dem Bolschewismus hat einem Dr. Plaste in die unangenehme Lage gebracht, sich auf die Anflage des ver fuchten Bergehens gegen das Kapitalfluchtgesetz vor der Schöffengericht Berlin Schöneberg verantworten zu müffen. C war mit einem Strafbefehl in Höhe von 50 000 m. bedacht worde und hatte Widerspruch dagegen erhoben. = Bei der ganz sonderbaren Affäre hat der Angefalgte ein un gewöhnliches Pech gehabt und ist in fast tragikomischer Weise un Der Angeklagte tannte fei eine Riesensumme gebracht worden. Jahren eine Dame, die zwar mittellos war, aber einen tadelloser Ruf hatte. Zur Zeit als in Berlin die Wogen des Aufruhrs sehr hoch gingen, hörte der Angeklagte von jener Dame, einer Frau Elsässer, daß nach allem, was fie aus guter Quelle gehört habe, Deutschland unentrinnbar dem Bolichemismus per. fallen" sei. Da bekam es der Angeklagte mit der Angst und er fann darüber nach, wie er einen Teil seines großen Vermögens por den bolfchemistischen Gefahren sicherstellen fönnte. Frau E. erzählte ihm, daß sie über kurz oder lang wegen eines Lungenleidens ein Schweizer Sanatorium aufzusuchen beabsichtige und riet ihm, aus wärtige Wertpapiere im Werte von etwa 600 000 m. ihr in Ge wahrsam zu geben. Der Angeklagte übergab die Wertpapiere. der Frau E., um, wenn wirklich durch einen bolfchewistischen Butsch Recht und Gesetz über den Haufen geworfen werden sollten, diesen Teil seines Bermögens nach der Schweiz zu retten. Vor gestand, daß er sich all das nicht erklären könne, drang immer heftiger in mich und schleuderte mir endlich die heftigsten Vor würfe ins Gesicht ob meiner Härte und Unnachgiebigkeit. Sowohl ich wie mein Schwager gewannen die Ueberzeugung, ereignet hatte. Er schien in der Tat nicht zu wissen, wo meine Daß der junge Mann keine Ahnung von dem besaß, was sich Tochter sich befand, und meine letzte Hoffnung war zuschanden geworden, da er, von dem ich erfahren wollte, was mit Erifa eigentlich geschehen, aus meinem Munde hören mußte, daß sie verschwunden sei. Der Schmerz des Berliebten. Als er vernommen hatte, daß Erika nicht nach Hause ges ,, Ich schwöre, daß ich sie nie wiedersehen will; sagen Sie mir nur, daß alles Komödie und Manöver ist. Ich ertrage den Gedanken nicht, daß Erika ein Leid zugestoßen sein könnte... Roman von Paul Frant. Dem erregten Zustand Rechnung tragend, in dem Erifa Häusliche Szenen. während der letzten Tage sich befunden hatte, mußte man Am Abend desselben Tages die Unterredung hatte das Schlimmste annehmen. Borerst wurde bei sämtlichen Verum die Mittagsstunde stattgefunden fam Erika Diest mit wandten und Bekannten des Hauses Diest telephonisch angerotgemeinten Augen nach Hause. Sie begrüßte die Eltern fragt; aber niemand hatte das junge Mädchen gesehen oder nicht einmal und begab sich vielmehr sofort in ihr Zimmer, in wußte über seinen Verbleib irgendeine Auskunft zu geben. das sie sich einschloß. Herr Diest ahnte, daß seine Tochter Schließlich entschloß sich der Bater, Thaddäus Dmochowski abermals eine Unterredung mit Dmochowski gehabt, der. sie aufzusuchen. Er mußte Auskunft über den Aufenthalt seiner offenbar von seinem Zusammentreffen mit ihrem Vater in Tochter geben fönnen. Falls er überhaupt anzutreffen war, tommen fei, geriet er in einen Zustand völliger Raserei; er Kenntnis gefeßt hatte. Mehrere Tage vergingen. Herr Diest da vor allem die Mutter die Ansicht vertrat, daß das junge warf sich mir zu Füßen, umfaßte meine Knie und beschwor wartete zunächst ab. Vielleicht hatte doch ein endgültiger Ab- Baar gemeinsam die Flucht ergriffen habe. Herr Diest geriet, fchied zwischen den jungen Leuten stattgefunden, und Dmo- als seine Frau eine folche Annahme äußerte, in größte Er- mich, ihm doch zu sagen, daß Erika wohlbehalten daheim sich chowski hatte die Aussichtslosigkeit seines weiteren Werbens regung und entschloß sich endlich, obwohl er lange gezögert befinde. eingesehen. Herr Dieft versuchte es in der Folge mehrmals, hatte, Dmochowski aufzusuchen. eine Aussprache mit seiner Tochter herbeizuführen, ohne daß ihm das jedoch gelungen wäre. Stets wußte Erita ein ZuIn der Stubentenbude. fammentreffen mit ihrem Vater zu vermeiden. Auch bei den Ein Automobil brachte Herrn Diest, in dessen Begleitung Mahlzeiten wußte fie es so einzurichten, daß sie ihm nicht be- fich sein Schwager befand, in die Wohnung des Studenten Hierauf überhäufte er mich wieder mit Vorwürfen, so daß gegnete. Frau Diest flagte ihrerseits über das völlig ver- Dmochowski, die sich im Hause Nr. 43 in der Mitauer Straße änderte Wesen der Tochter, fie fah sich ihrem Kind gegenüber befindet. Die Zimmerfrau, bei der der Student logierte, behilf- und ratlos, und sie überhäufte ihren Mann mit Vor- deutete den Herren, daß ihr Mieter nicht zu Hause sei, daß würfen, feiner übergroßen Strenge wegen. Es kam in diesem er jedoch versprochen habe, um zwei Uhr nachmittags zurüdFall, was bisher noch niemals vorgekommen war, zu Streitig zukehren. Die beiden Herren, die vorher in Erfahrung gefeiten zwischen den Ehegatten. Schließlich fam man überein, bracht hatten, daß der Student allabendlich nach Hause geErifa nach Berlin zu Berwandten zu schicken. Die Korre- tommen sei, warteten nun seine Rückkehr ab. Herr Diest war, spondenz war eingeleitet, der Brief, der Erika abreisen hieß, ohne daß ihn das jedoch über den Verbleib seines Kindes bewar bereits eingetroffen. Nun mußte das Mädchen bloß ruhigt hätte, überzeugt, daß es sich keinesfalls um einen genoch so weit gebracht werden, auch wirklich abzureisen. Die meinsamen Fluchtversuch handeln könne. Endlich tam DmoMutter hatte die Mission übernommen, Erifa zu überreden, chowski nach Hause. Sehr erstaunt, Herrn Diest und einen nach Berlin zu fahren. Montag nachmittags verließ Erita fremden, ihm unbekannten Herrn anzutreffen, fragte er höflich gegen fünf Uhr die elterliche Wohnung, ohne jemand über nach der beiden Begehr. Der Student mußte angeblich noch Biel oder 3wed ihres Fortgehens in Kenntnis zu setzen. Die nichts von dem, was vorgefallen war. Diesen Eindruck geMutter ſtand am Fenster und fah die Tochter aus dem Hause wann Herr Dieft. Am besten, wir geben diefem selbst das auf die Straße hinabgehen. Sie wollte ihre Rückkehr erwar- Wort. Unser Mitarbeiter hatte Gelegenheit, den schmerge- Auf Drängen seines Schwagers erstattete er hierauf im ten, um sie nachher ins Gebet zu nehmen und sie zur Abreise prüften Bater, furz nachdem die Unterredung mit dem Stu- Polizeibureau die Abgängigkeitsanzeige. Im Laufe des Nachzu bewegen. Wenigstens hatten die Ehegatten dielen Plan denten stattgefunden hatte, zu sprechen. Er machte einen mittags wurden Herr und Frau Diest vernommen. Hierauf ausgehedt. Frau Diest wartete also. Als Herr Diest um völlig gebrochenen Einbrud. Ich habe Herrn Dmochowski begab sich der Kommissär Liubatfchom nochmals in die Wohacht Uhr abends, wie er zu tun pflegte, ins 3immer trat und ins Gesicht gesehen und ihn gefragt: Wo ist meine Tochter.... nung des Studenten Thaddäus Dmochowski, um diesen über feine Frau fragte, ob alles in Ordnung und nach Wunsch ge- Worauf er mir antwortete: Ich habe Ihre Tochter seit gestern fein letztes Busammensein mit Fräulein Erika Dieft zu vergangen fei, mußte ihm Frau Diest die Mitteilung machen, nachmittag nicht gesehen! Ich glaubte ihm natürlich nicht, nehmen. Hierbei ergab sich ein überraschendes Resultat. daß Erlka noch nicht nach Hause gekommen fei. Man wartete. aber er beschwor es und fragte nun seinerseits nach Erifa, ( Fortsetzung folgt.) ich, der doch aus einem ganz anderen Grunde hergekommen war, ben Verzweifelten trösten mußte. Schließlich wurde er ruhiger, flagte sich selber an, daß er das Mädchen um seine Ruhe gebracht habe, wollte sterben. Mein Schwager und ich verließen das Heim des Studenten, diesen in erschöpftem Bustand auf dem Bett liegend zurücklaffend. Jeder Verdacht gegen Dmochowski war geschwunden. Ich muß gestehen, daß der Schmerz des jungen Mannes auf mich den tiefsten Einstieg, machte ich mir die bittersten Selbstvorwürfe über meine druck gemacht hat. Während ich die Treppe zur Straße hinabstieg, machte ich mir die bittersten Selbstvorwürfe über meine väterliche Strenge. Bugleich mußte ich mir gestehen, das Dmochowski in der Aufrichtigkeit und Echtheit seiner Empfindung auf mich einen sehr günstigen Eindruck gemacht hatte. Im Polizeibureau. läufig follte ihn Frau E. bis auf weiteres nur zu freuen Händen bewahren. Es fam aber anders. Frau E. hielt die Gelegenheit für günstig, fich selbst zu bereichern; fie vertaufte schon hier in Berlin einen Teil der Papiere, verheiratete sich und kaufte sich in Freiburg eine Billa. Der Angeklagte hatte das Nachsehen. Durch einen Zufall wurde der Tatbestand befannt und es entwickelte fich ein Strafverfahren gegen Frau E. wegen Unterschlagung, die nun gegen den Angeklagten den Trumpf ausspielte, ihn der Kapitals flucht zu beschuldigen. Bei ihren Vernehmungen hat sie aber mit ihren Aussagen mehrfach gewechselt, während der Angeklagte feft dabei blieb, daß er die Papiere der E. nur zur Aufbewah rung anvertraut habe, ohne irgendwelche Verabredungen über die Art und den etwaigen Zeitpunkt einer Berbringung in die Schweiz zu treffen.- Rechtsanwalt Dr. Peschke griff die Glaubwürdigkeit der einzigen Belastungszeugin an und hielt außer aus persönlichen, auch aus juristischen Gründen die Freisprechung des Angeklagten für geboten, da der vorliegende Tatbestand in feiner Weise einen Versuch des Vergehens gegen das Gesez vom 21. November 1918 darstellt. Das Gericht tam zu demselben Ergebnis und sprach den Angeklagten frei. -Der Krieg ist zu Ende!" Auf dem gestrigen Neuköllner Wochenmarkt faufte cine Frau bei einem Schlächter ein Pfund Schweinefleisch. Auf ihre Frage nach dem Preise, erhielt sie die Antwort:„ Sechzig Mart." Darauf legte fie einen Markschein hin und erklärte:„ Der Krieg ist zu Ende!" Da sie sich weigerte, das Fleisch herauszugeben, mußte ein Schuhmann gerufen werden, der die Frau zur Polizeiwache abführte. Dort hat man ihr vermutlich flargemacht, daß der Krieg allerdings zu Ende ist, daß aber die gottgewollte Begleiterscheinung der großen Zeit, der Lebensmittelwucher, erst jetzt zur gesegneten Bollblüte gedeiht. So will es die fapitalistische Gesellschaftsordnung, an der eine einzelne Frau nicht rütteln fann. Aber wenn sich recht viele gleichgsinnte Frauen zusammentun und ihre Pflichten als wahlberechtigte Reichs- und Staatsbürgerinnen nie versäumen, dann wird auch der wirtschaftliche Kriegszustand bald ein Ende nehmen, in dem uns die agrarischen Aushungerer mit ihren Helfershelfern gern dauernd erhalten möchten. Eine Stullentasche mit Thermosflasche. Der normale Spizbube bestiehlt, wenn es lohnt, den Unbemittelten ebenso wie den Wohlhabenden. Es gibt aber unter den Spigbuben manchmal auch sozusagen anständige Leute, die sich überlegen, men sie schädigen. Zu ihnen gehört anscheinend nicht der Gelegenheitsdieb, der am vorigen Sonnabend( 10. Juni), abends um 11 Uhr, auf der Straßenbahnlinie 15 in einem Beiwagen Nr. 1422 einem zum Straßenbahnhof Neukölln( Canner Straße) gehörenden Schaffner Salmit eine Stullentasche nebst Thermosflasche stahl. Da in dem Wagen keine Holzfifte zur Berwahrung der Tasche war, so mußte der Schaffner diese unter einen Querfit stellen, und er tat das im Vertrauen auf die Ehrlichkeit der Fahrgäste. Einer der Fahrgäste mißbrauchte leider das Bertrauen und hieß die Tasche mitgehen, er wurde aber von Mit fahrenden beobachtet und dann auf seinem Wege verfolgt. Wie man uns mitteilt, wird es möglich sein, die Persönlichkeit nach träglich festzustellen und danach eine Strafverfolgung einzuleiten. Der bestohlene Schaffner empfindet den Verlust bitter, er ist aber Optimist und gibt sich der Hoffnung hin, daß der Dieb doch noch Anständigkeit genug haben wird, die Tasche nebst Thermosflasche zurück zu schicken. Warten wir ab, ob er Recht behalten wird. # = Lebensmittelpreise des Tages. Zufuhr: Fleisch etwas schwächer, Geschäft flau. Fische hinreichend, Geschäft rege. Obst und Gemüse reichlich, Geschäft flott. treibungen. Lyba Salmoniova bat mur gut auszusehen. Bas fe int. Enttäuscht verließ man das Marmorhaus. Ein schöner Schwedenfilm. PS Kunst Jm Primus Palast wird jetzt wieder der schöne Svenska- Film Am Mittwoch galten in der Zentralmarkthalle folgende Klein" Das Lied von der glutroten Blume" gezeigt. Maurig Stiller, handelspreise: der künstlerisch empfindsamste Mensch unter allen Filmregisseuren, hat diese Rindfleisch 50-60 M., ohne Knochen 60-68 M. Schweinefleisch feinen, von allen Grobheiten und derben Wirkungsbegierden losgelösten 55-75 M. Kalbfleisch 35-62 M. Hammelfleisch 38-58 M. Rückenfett Vorgängen ins Bild gebracht. Auf der Leinwand rollt wahrhaftiges, 55-60 M. Schellfisch 10-16 M. Kabeljau 9-15 M. Barsche 10-12 M. fomprimiertes Menschenschicksal vorbei. Alles ist von dem Adel vertieften Seelachs 12-16,50 M. In Eis: Schiele 30-36 M. Hechte 32-35 M. Spiels erfüllt, das Stoffliche im Bildlichen ganz ausgeschöpft, und das Aale 50-58 M. Plötzen 12-16 M. Lebende Barsche 23-24 M. Hechte Bildhafte von edlem Anstand und eindringlichster Wirksamteit. 48-52 M. Karpfen 36-41 M. Bleie 18-27 M. Aale 68-73 M. Eier anstatt Rintopp. Lilebill Christensen und Lars Hansen erfreuen 5-5,30 M. das Stück. Naturbutter 56-70 M. Margarine 35-46 M. durch echtes, vornehm beherrschtes Spiel. Schweineschmalz 45-48 M. Erbsen 10-14 M. Weiße Bohnen 9-13 M. Graupen 10-10,50 M. Hafergi ütze 10 M. Eiernudeln 20-21 M. Reis Spargel 2-16 M. Schoten 11 M. Kartoffeln( neue) 75-80 M. Kohlrabi 13-16 M. die Mandel. Spinat 2-3 M. Kirschen Erdbeeren 24-40 M. 10-16 M. 10 Pfund. 12-18 M. Zur Angelegenheit der Wirtschaftstoalition Neukölln- Treptow fchreibt uns die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend: Das Bezirksamt 15 hatte auch von uns ein Angebot wegen Uebernahme der von ihm betriebenen 14 Verkaufsstellen erhalten. Unser erstes Angebot betrug für das vorhandene Inventar ebenfalls 250 000 m. Das Verkaufsstellenpersonal sollte allerdings nur soweit von uns übernommen werden, als es auch wirklich brauchbar ist. Es wird nun in dem Abendblatt vom 8. Juni gefagt, daß wir unser Angebot in überaus furzsichtiger Weise gemacht hätten, um den Zweck zu verfolgen, unbequeme Konkurrenz uns vom Halse zu schaffen, wenn wir von diesen 14 Verkaufsstellen nur 5 bestehen laffen wollen. In unseren schriftlichen Angeboten sowohl als auch in der oben angedeuteten Verhandlung haben wir erklärt, daß wir allerdings die Verkaufsstellen, die in Holzbaracen untergebracht sind, aus Gründen der Sicherheit nicht bestehen lassen können. Eine weitere Berkaufsstelle in Niederschöneweide befindet sich zwei oder drei Häuser von unserer 101. Verkaufsstelle entfernt. Wir betonen nochmals, daß unsere Stellungnahme hierzu aus rein faufmännischen, aenossenschaftlichen und, soweit die Holzbaracken- Verkaufsstellen in Frage fommen, auch aus sozialen und hygienischen Erwägungen heraus gegeben war." " Eine religiöse Feierstunde bält Genoffe Pfarrer Bleier am Sonntag, den 18. Juni, abends 6 Uhr, in der Trinitatistirche, Charlottenburg, Karl- August- Blatz( unweit Bahnh. Charlottenburg), ab. Thema: Gibt es einen Gott?" " Deutsche Friedensaefellschaft. Freitag abend 7 1hr spricht im Bürgerfaal des Rathauses Walter Fabian über Friedrich Wilhelm Förster in unserer Zeit. Schweres Eisenbahnunglück in Ungarn. 8. p- s. Groß- Berliner Parteinachrichten. Mitgliederversammlung der SPD. Groß- Berlin. Scheidemann spricht! Freitag, den 16. Juni, abends 7 Uhr, Brauerei Friedrichshain, am Königstor. Thema:„ Der Feind steht rechts!" Gaalöffnung 27 Uhr. Mitgliedsbuch legitimiert. Strengste Rontrolle an den Eingängen. 4. Kreis. Prenzlauer Berg. Donnerstag, den 15. Juni, eine Stunde vor Beginn der Kreisvertreterkonferenz, pünktlich 6 Uhr, Gigung der meib. lichen Funktionäre und sämtlicher Mitglieder des Ausschusses für Arbeiter wohlfahrt im Saale der freireligiösen Gemeinde, Pappelallee 15. Kreis. Spandau. Donnerstag, den 15. Juni, 7% Uhr, im Kasino der Deut schen Werke, Berliner Chaussee, Kreismitgliederversammlung. Thema: Der mieterschuß in der deutschen Republik". Ref. Hünlich- Wilhelmshaven, M. d. R. Kreis. Witte. Freitag, den 16. Juni, 8 Uhr, Gigung des Bildungsausschusses mit dem Vergnügungskomitee im Bürgerheim, Alte Schönhauser Str. 23/24. Arcis. Charlottenburg. Freitag, den 16. Juni, 7% Uhr, im Rathaus, gim mer 304. Gigung der Frauenleiterinnen. Jede Abteilung muß unbedingt vertreten fein. Ausgabe der Sammellisten. 17, Kreis. Lichtenberg. Sonntag, den 18. Juni, großes Bolts- und Jugendfest in Friedrichsfelde, Restaurant Lindenpark, Wilhelmstr. 11. Der Abmarsch erfolgt mit Mufit von der Möllendorfstr., Ede Frankfurter Allee um 2.45 Uhr. Der Preis für Erwachsene beträgt 3,30 M., für Jugendliche unter 18 Jahren 1,80 M. 1. 7. Heute, Donnerstag, den 15. Juni: 68. Abt. Salenfee. 7½ Uhr, Mitgliederversammlung bei Schwob, Paulsborner Straße 22. Thema: Die legten politischen Ereignisse". Ref. Robert Fendel. 110. Abt. Grünau. 8 Uhr, Mitgliederversammlung bei Werner, Cöpenider Straße. Thema: Die augenblidliche politische Situation". Ref. Rurt Siegmann. 132. Abt. Blankenburg. 7½ Uhr, Mitgliederversammlung bei Kloth, Dorfstr. Jungfozialisten. Gruppe Friedric shain. 7½ Uhr, Jugendheim Straßmann straße 6. Diskussion über die Artikel Haase- Westphal. Heft 5 und 6 der Blätter mitbringen. Gruppe Tempelhof- Mariendorf. Bortragsabend, Lokal Radzuweit, Tempelhof, Werder, Ede Runigundenftr. Gäste und junge Parteimitglieder find herzlichst eingeladen. Süden. 7 Uhr, Dis fuffion über die Auseinandersetzung Westphal- Haase in den Jungsturm". Blättern, in der juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3. Morgen, Freitag, den 16. Juni: 115. Abt. Lichtenberg. 7 Uhr, Mitgliederversammlung in der Schalaula Kronprinzenstr. 10. Thema: Das Reichsmietengefeg". Ref. Genosse Felgentreu. beschwerdekommission. Der gestern früb 1/29 Uhr von Budavest abgegangene Grazer Eilzug, von dem einige Waggons bei Raab abgekoppelt wurden, 128./130. bt. Pankow. 7½ Uhr, im Jugendheim, Bersammlung der Zeitungs. um über Dedenburg nach Wien zu gehen, ist in Ungarn infolge Schienenbruch& entgleist. Die Lokomotive stürzte über die Böschung und riß mehrere Waggons mit sich. Von Budapest find fünf Hilfsange abgegangen. Bis 11 Uhr vormittags wurden 4 Tote und ein Schwerverlegter geborgen. Jugendveranstaltungen. Heute, Donnerstag, den 15. Juni: Baumschulenweg. Jugendheim Ernstr. 16. Bortrag: Warum bin ich in dee Arbeiter Jugend"? Zankwiz. Jugendheim Seidligstr. 65. Mitgliederversammund Gebräuche im Orient". Rorben. Jugendheim Gemeindeschule Putbuser Straße 3/5. Bortrag:„ Unsere Stellungnahme zur Kirche und Religion". Reinickendorf- Weft. Jugendheim Boltshaus Scharnweberstraße 114/115. Mit gliederversammlung. Paratyphuserkrankungen durch Leifungswasser in Königsberg. Tung. Neukölln- Nord. Jugendheim Münchener Str. 53. Bortrag: ,, Gitten Seit dem 6. Juni sind in Königsberg eine beträchtliche Anzahl von Typhus- bzw. Paratyphuserkrankungen gemeldet worden, die sich über alle Stadtteile erftreden. Bis zum heutigen Tage beträgt die Zahl der amtlich festgestellten Fälle 45. Das bygienische Unibersitätsinstitut bat ermittelt, daß in städtischen Leitungstaffer Baratyphusbazillen enthalten und die Krankheitsfälle höchst wahrscheinlich dadurch verursacht worden sind. Großfeuer in Alfona. Gestern, Mittwoch abend, gegen 7 Uhr, brach in der Tapetenfabrik von Joen in Altona- Ottenfen Großfeuer aus. Es besteht wenig Aussicht, die Maschinen und Lagerbestände zu retten. Wie aus Magermilch Vollmilch wurde. Die Potsdamer Kaufleute 3illmann und Kreuzer hatten sich im Frühjahr 1921 mit einem Posten tondensierter Magermilch eingedeckt. Zu dieser Zeit lockerte sich die Zwangsbewirtschaftung für Milch und der Absah der Kondensmilch stockte. Die Geschäftsleute wußten sich zu helfen. Billmann und Kreuzer verschafften sich eine Büchse amerikanischer Bollmilch. Sie löst en das Etikett ab, brachten es zu dem Geschäftsführer Gellner einer Druckerei in Potsdam und ließen sich von diesem 10 000 Das fremdenverlaffene Bayern. Die Demokraten haben im amerikanische Vollmilch etiketts herstellen. Von den bayerischen Landtag eine Interpellation wegen der Krise eingebracht, Magermilchbüchsen wurden die alten Etiketts abgeweicht und die die der bayerischen Fremdenindustrie durch das Ausbleiben des Büchsen gewissermaßen amerikanisiert. Alle möglichen Geschäfte erwarteten großen Fremdenstroms droht. Als Ursachen dieser Erwurden nun mit dieser amerikanischen Milch beliefert. Bis nach scheinung werden angesehen: Vedauerliche Auswüchse in der Preis. Süddeutschland wurden Geschäfte abgeschlossen. Schließlich erschien geftaltung. irreführende Nachrichten der in- und ausländischen Presse den Verbrauchern diese Vollmilch doch etwas zu mager" und die über die Verhältnisse in Südbayern und schilanöje Handhabung der Büchsen wurden zur Untersuchung den zuständigen Behörden über- Fremdenpolizei. geben. Das Schwindelmanöver fam heraus und die beiden Kaufleute sowie der Druder waren heute vor dem Potsdamer Schöffengericht wegen Betruges bzw. Beihilfe angeklagt. Die Angeflagten gaben die ihnen zur Last gelegte Tat zu. Das Potsdamer Schöffen gericht erblickte in dieser Handlungsweise teinen Betrug, sondern nur eine Nahrungsmittelverfälschung. Zillmann und Kreuzer wurden demgemäß zu je einem Monat Gefängnis verurteilt, der Drucker wurde auf Staatsfosten freigesprochen. Die Filmschau. Ein Fliegerfilm. Herzog Ferrantes Ende. p- s. Am Sonntag, ben 18. Juni, findet vom 17. Rreis ein Boltsfest in Friedrichsfelde statt, bestehend aus Gesang, Rezitationen, Mufit, Konzert, Bollstänzen und Spielen. Eintrittskarten zum Preise von 1,80 M. find auf allen Veranstaltungen in den Abteilungen bes 17. Kreises zu haben. Zum gemeinsamen Abmarsch treffen fich die Teilnehmer am Sonntag nachmittag 23 Uhr am Bahnhof Frankfurter Allee. Sport. Nennen zu Strausberg am Mittwoch, den 14. Junt. 1. Rennen: 1. Corona( Leimer). 2. Flandern( Einfinger), 3. Vignan ( Borowify). Tot.: 193: 10, PL. 50, 42: 10. Ferner liefen: Bannſtein, Eris, Tambur. 2. Rennen: 1. Feldherr( Bismart), 2. Attade( Theilen), 3. Presto ( Einfinger). Tot. 24:10, PL 14, 19:10. Ferner liefen: Rolbart( ausgebr.), Brise( ausgebr.) 3. Rennen: 1. Maggie( Huguenin), 2. Efau( Bleuler), 3. Glüdstaube ( Staudinger). Tot. 23: 10, Pl. 12, 14, 14: 10. Ferner liefen: Perbi, Georg, Mrs. Funch, Hartenstein. 4. Rennen: 1. Lilienftein( Sths), 2. Balaleila( Borowoffy), 3. Top Twig( Bubl). Tot. 53:10, PL. 18, 15, 16:10. Ferner liefen: Sigurd, Distel II, Minnezart. 5. Nennen: 1. Mabaster( Boßler), 2. Lola( F. Theilen). Tot. 11: 10. 6. Rennen: 1. Barbar( Edler), 2. Palmette( Thalede), 8. Don Bihiou( Kränzlein). Tot. 47: 10, PI. 20, 47: 10. Ferner liefen: Meniko ( gef.), Merseburg( gef.). 7. Rennen: 1. Hörfelberg( E. Lüneberger), 2. Elschen( Jentsch), 3. Glastirsche( Ebert). Zot. 21:10, Pl. 15, 21, 73:10. Ferner liesen: Sperling, Merseburg. Arbeitersport. An einem Sonntag Bormittag geht der Kritiker grundsäglich nicht ins Rino. Tut er es einmal ausnahmsweise, dann darf er von Glück reden, wenn ihm ein so vorzüglicher Film begegnet wie die Flieger" der DonarFilm-Gesellschaft, die man am Sonntag mittag im Primus- Palast Haussammlung„ Brüder in Not". Der Polizeipräsident hat trebungen des Jugendamtes statt, an dessen Spige der Berliner Oberzeigte. Die Vorstellung fand zugunsten der durchaus fördernswerten Beder den hungernden Rußlanddeutschen gewidmeten Reichssammlung bürgermeister 35 steht. Was man sab, war eine ungewöhnliche, aanz Brüder in Not" für die Groß- Berliner Verwaltungsbezirke 1 bis unb gar bochwertige und im Zuschnitt eigenartige, dabei in jedem Bild, film 20 die Beranstaltung einer Haussammlung gestattet und zwar mäßig empfundene und filmgerecht festgehaltene Leistung. Jede Phase des in der Zeit vom 15. bis 30. Juni 1922. Der Zentralverband deut- bon Straft, Mut und eroberndem Menschengeist erfüllten Fliegerberufes iſt scher Haus- und Grundbefizervereine und der B und deutscher in diesem Film festgehalten. Dabei steht er auf einer ganz anderen Linie Mietervereine haben an die Vermieter und Mieter Groß der sportlichen Leistung felbft quellenden Spannung. Stein Sensationsfilm veranstaltet die Freie Turnerfdjaft Groß- Berlin ein großes Vereinssportfest auf als der berfömmliche Lehrfilm. Er ist gesättigt von einer wunderbaren, aus Arbeiter- Sportfest auf dem Dominicus- Sportplak. Am nächsten Sonntag Berlins besondere Aufrufe zur Unterstügung dieser Sammlung ge- bat je so frobes, lautes Herzklopfen verursacht wie dieser wahrhaftig dem Dominicus- Sportplag in Schöneberg, Sachsendamm, Ece Priesterweg. richtet und insbesondere um lüdenlose Vorlage der aus dem Leben geholte Film. Er zeigt neben vielem anderen Das Programm ist sehr umfangreich und beginnt mit einem Massenstillauf Sammellisten seitens der Hausbesizer bzw. Verwalter bei den technisch Interessanten und an fich bildhaft Reizvollem u. a. See- aller Teilnehmer, dem sich das gesamte Gebiet der Leichtathletik, insbesonders Mietern gebeten. Die Hausfammlung hat den Zweck, das Bild flüge und als schönstes Schauftud einen Alpenflug von begeisternd auch spannende Wettläufe über 1000 und 3000 Meter, fowie Stafettenläufe an schließen. Beteiligt sind an den Wettkämpfen Altersriegenturner, Männer, von dem unvorstellbaren hungerelend unserer fübnem Rhythmus. Die Umtreifung der Zugspitze, das Hinaufschrauben des Lurnerinnen, Jugendliche und Rinder. Den Abschluß bilden Wettspiele ber deutschen Stammesbrüder an der Wolga und Flugzeuges bis zu 3000 Meter Höhe, das find Bilder von unvergeßlicher Männer im Faustball, Turnerinnen im Tamburin- und Jugendlichen im Handim Schwarzmeergebiet unmittelbar an die Berliner Be- Einprägfamkeit. Wie die Seele der Landschaft aus dieser Einstellung neu ball. Die Arbeiterschaft Groß- Berlins, insbesondere die sportfreudige Jugend, völkerung zu tragen und deren Hilfsbereitschaft zu erwecken. und eigenartig erwächst, ist ein Wunder für sich. Der Operateur Rüble, wird zu zahlreichem Besuch des Arbeitersportfestes eingeladen. Anfang Punkt eingehenden Spenden werden der behördlich genehmigten Reichs- turbelte, hat ebenfo bervorragenden Anteil an dem Gelingen dieses Films dem 16. Bezirkssportkartell angehörenden Bereine am 18. Juni in Copenid, auf der oft auf der Tragfläche des Flugzeuges fizend, geradezu heldenhaft 3 Uhr nachmittags. Reichsarbeitersporttag in Copenid. Den Reichsarbeitersporttag begehen die fammlung„ Brüder in Not"( Berlin W. 56, Oberwallstr. 1a) zu wie der Regisseur Rodenfeller. Absprünge mit dem Fallschirm werden dem Eiche- Sportplay. Sonnabend, den 17. Juni, nachm. 6 Uhr, findet auf dem geführt. im Bilde gezeigt, und der fühne Springer demonstrierte im Zwischenalt die Astaniaplah, Marienstraße, ein Fußball- und ein Staffballwettspiel, Cöpenic Technik des Fallschirms auf der Leinwand. Eine lebendige, echt mißige Friedrichshagen, statt. Sonntag, den 18. Juni, nachm. 2 Uhr, finden auf Aufmachung fördert das thematisch Hochinteressante. Es war ein schöner, dem Eiche- Sportplay. große sportliche Wettkämpfe statt. Maffenfreiübungen, gewinnreicher Vormittag. Singspiele, Reigenfahren, Reigenfchwimmen, Kunstfahren, 100- Meter- Läufe, Stafetten, Ringtämpfe, Schach simultanspiel persprechen einen abwechslungs reichen Sonntagnachmittag. Die Arbeiter des 16. Bezirks werden gebeten, durch zahlreichen Befuch den Reichsarbeitersporttag zu einem eindrucksvollen Propa Musikvereins Echo"-Cöpenick, ein Demonstrationsfestzug stattfinden. 1 he gandatag für den Arbeitersport zu gestalten. Mittags 1 Uhr wird durch Cöpenick, unter Borantritt des Trommlerkorps vom Turnverein Schöneiche und des sammeln sich die Vereine auf dem Wilhelmsplas in Copenid, erwarten dort die Bereine von Friedrichshagen, Bohnsdorf, Grünau und Schöneiche und mar schieren nach dem Eidje- Sportplag. Cinlaßkarten( augleich Programm) zu 3 Mt. find an der Rasse sowie bei allen bekannten Mitgliedern der Sportvereine zu haben. der Bilder schuf um der Schönheit willen. Wegener befigt unseren Glauben Arbeiter- Sportkartell Bernan. Am Sonntag, den 18. Juni, veranstaltet an die lezte Veredelung des Films. Dieser Besitz verpflichtet ihn. Mit das Kartell zum Reichsarbeitersporttag ein Werbefportfest auf dem städtischen leinem neuesten Berk, dem Stulturbild aus dem 14. Jahrhundert Herzog Sportplaz am Wasserturm. Das Programm besteht aus: Festzug( 1 Uhr vom Ferrantes Ende" bat er dieser Pflicht nicht genügt. Einmal geht Restaurant Bellevue), Anspreche und Gefang( Marktplag). Auf dem Sport es nicht an, aus einer so ungeheuren Zeit, tie es die Renaissance war, plas turnerische Vorführungen, Turnfpiele, leichtathletische Wettkämpfe, Kunſt nur das Zerstörende, Grausame, Herrisch- Brutale herauszulösen. Dieser Arminia. Es wird Boltssport im wahrsten Sinne des Wortes betrieben. und Reigenfahren, Radballspiele und Fußballspiel: Bernau I gegen Berl. F.-C. Herzog Ferrante, Sadist und gedankenloser Mörder, der Frauen schändet, Alle Gewerkschafistollegen des Berwaltungsbezirks 15 werden ersucht, an offen mit glühenden Rangen Ineift, der Galgen bevölkert und feine Opfer dem am Sonntag, den 18. Juni, im Bezirk stattfindenden Arbeiter- Sporttag einbalsamiert in den Katakomben feiner Feftung aufstellt, ist fein tragischer teilzunehmen. Abmarsch 1 Uhr vom Bahnhof Niederschöneweide. Da das Ar Selb, er ist auch kein Repräsentant der Renaissance, er ist nur ein Scheusal. beitersportfartell alle Veranstaltungen der Arbeiterschaft unterſtügt, ist es Nur- Scheufaligleit aber im Film zu zeigen, bedeutet teine Veredelung des Pflicht jedes Gewerkschaftlers, an dieser Beranstaltung teilzunehmen. Lichtspiels, sondern eine bedentliche Annäherung au die gemeine Senfation. ftaltet am Sonnabend, ben 17. Suni, ber Kartellverband für Sport- und KörperCine sporiche Rundgebung gegen die Reaktion im Luftgarten veran Dann: Wegeners Stärke, das Phantastische, bat in diesem Film die Stim- pflege Groß- Berlin, dem sich die Kommunisten und Unabhängigen angeschlossen mung berloren, es ist zur Sensationswirkung degradiert. Endlich: auch haben. Der Abmarsch nach dem Lustgarten beginnt um 5 Uhr von sieben verim rein Bildhaften find Konzessionen gemacht. Man weiß längst, daß aus schiedenen Stellen aus. all diesen Gründen bedeutet der neue Wegener- Film feinen Fortschritt. dem Brand einer Burg feine überwältigenden Effekte zu holen sind. Aus Dem Photograbben, Karl Freund, ist vieles wunderbar gelungen. Zwel Briefkastenmarder wurden gestern nachmittag im Westen der Aufstieg über ein breites Stirchenportal find bildhaft, regietechnisch und Ein paar stilisierte Szenen, der langfam heranwallende Wald von Lanzen. der Stadt in der Zietenstraße auf frischer Tat festges photographisch meisterbaft. Dem Schauspielerischen ist ein enges Feld ge nommen und der Polizeiwache Kurfürstenstraße übergeben. Dort geben. Wegener felbft spielt den Ferrante bullenbaft, faftig, scheusalig fand man bei ihnen eine ganze Reihe Briefsendungen, die ste jeden- fleischhaft. Grnst Deutsch als Racher Colonna hat ein paar hinreißend falls bereits anderen Näften entnommen hatten. Schöne Momente. Der groteste D85lin hütet sich gelidt vor Ueber. Um 600 000 Mart im Theater bestohlen. Bei einem Besuch des Wintergartens geriet gestern ein Kaufmann B. aus Berlin nach Schluß der Vorstellung bei der Kleiderabnahme ins Gedränge. Diese Gelegenheit benugte ein wahrscheinlich gewerbsmäßiger Taschendieb, ihm aus der Gefäßtasche eine schwarzlederne Geld= tasche zu stehlen. Die Tasche enthielt 30 000 m. in Tausendmark Bertrauen aller, die an die Befreiung des Films aus den fich immer mehr Befit verpflichtet. Kein im Film schaffender Künstler befitt so sehr das fcheinen, 2600 französische Franken und 283 Brillanten. Drei davon lodernden Fesseln unkünstlerischer Belanglosigkeit glauben, wie Bau find sehr groß und wiegen zusammen 5,50 Karat, 280 find fleinere gener. Er kam bereits vor Jahren als der Reformator des Films. und haben ein Gesamtgewicht von 21,5 Karat. Das gestohlene Gut Als einer, der dem Lichtspiel Seele einzubauchen verstand, der es, anders ift im ganzen 600 000 m. mert. Der Bestohlene hat auf feine obl, aber vollwertig dem Bühnen piel zur Seite stellen wollte. Als einer, Wiederherbeischaffung eine hohe Belohnung ausgesetzt.- Schwer bestohlen wurde ein Schweizer im Lunapart. Shm stahl ein Dieb die Brieftasche, die Schweizer Noten und deutsches Geld im Betrage von 120 000 m. enthielt. Unter den Schweizer Noten befanden sich je eine zu 50 und 20 Franks und drei über 5 Frants. Auch hier ist auf die Wiederherbeischaffung eine sehr hohe Beloh nung ausgefeßt. Der Luftmord in der Prenzlauer Straße. Der Chauffeur Rost, der in dem dringenden Verdachte steht, die fleine Dorothea Schmidt umgebracht zu haben, ist noch nicht ergriffen. Der Berdacht, daß er auch die vermißte Tochter Gerda des Arbeiters Begner aus Oberschöneweide zu unlauteren Zweden verschleppt habe, hat sich nicht bestätigt. Das Kind ist wieder bei seinen Eltern. Es war nicht verschleppt worden, sondern zu Verwandten gelaufen, ohne daß die Eltern davon wußten. Turn- und Sportverein Fichte", Berlin. Bereinsmitglieder, die sich zuz Führung von Kindergruppen für die städtischen Außenspielpläge sofort bis zum melden fich umgehend in der Geschäftsstelle, Fichte". 8. Juli gegen tägliche Entschädigung von 120 M. zur Verfügung stellen wollen, Sigung der Ver findet bestimmt statt. Bichtige Tagesordnung: Wahl des Plagverwalters. waltungskommission Donnerstag, den 15. Juni, Reichenfaal Weinmeisterftr. 16/17, Wetter bis Freitag mittag. Ueberwiegend bewölkt mit Regenfällen stellenweise Gewitter. Anjangs etwas fübler bei mäßigen südlichen Winden. Später wieder wärmer und nach Südwest drehende Binde. Das Jugendwohlfahrtsgeseh.ozialen Wohlfahrtspflege.- ubg König( Komm.) befürwortet Ab. Beteiligung von Behörden usw. an den nationaliſtiſchen Kundgebum. Kompromißbruch in der Koalition. Im Reichstag erklärte am gestrigen Mittwoch das Reichsmehrministerium, die Interpellationen Müller Franken( Soz.) und Criſpien( U. Soz.) über die nationalistischen Provokationen in der üblichen Frist beantworten zu wollen. Der Gefeßentwurf über die Erhöhung von Geldstrafen in der Der Gesetzentwurf über die Erhöhung von Geldstrafen in der Sozialversicherung wurde verabschiedet, ebenso der Gefeßzentwurf über die Neufestsetzung der Bauschbeträge für die Spruchsachen bei Darauf wird das weiterberaten. Reichsjugendwohlfahrtsgesetz DRAGHER und ausfömmlich besobete Hebammen im Dienfte der regierung mußte angesichts der ganzen Situation jede offizielle änderungsanträge, durch die u. a. die Hebammen in die Beamten- gen aus Anlaß der Sommerreise Hindenburgs verbieten. Die besoldungsgruppe 8 eingereiht werden sollen. Frau Abg. Dönhoff Barade der Reichswehr in der Königsberger Pionierfaserne war der ( Dem.) stimmt dem Gesetz zu reine Hohn auf dieses Verbot. Die Schuld der Reichswehr steht Minister Hirtfiefer: fest, auch das Berhalten des Polizeipräsidenten gegenüber Die schwierige Frage hat durch den Ausschuß immerhin eine der organisierten Arbeiterschaft ist nicht einwandfrei gewesen.( Un Die schwierige Frage hat durch den Ausschuß immerhin eine ruhe rechts.) Die Zustände in Ostpreußen sind ohnehin seit langem Lösung gefunden, die hoffentlich auf längere Zeit eine Basis liefert, geradezu unhaltbar geworden; alle möglichen antirepublikanischen auf der weiter gebaut werden kann. Es wird aber vielleicht nicht Organisationen treiben dort ihr Unwesen. Die Demokratie und die möglich fein, die Ausführungsvorarbeiten so zu fördern, daß das Verfassung zu schüßen werden wir immer auf dem Boſten ſein. Bon Gesetz schon am 1. Oktober 1922 in Kraft treten kann. Das Minifterium gibt anheim, das Gesetz erst zum 1. April 1923 in Kraft Anfäße, die in unserer jungen Republik zu einem modernen Staatsdem Minister erwarten wir, daß er die guten hoffnungsvollen zu setzen, die Regierung aber zu ermächtigen, es, falls möglich, wesen vorhanden sind, sorglich hegen und pflegen wird.( Beifall früher in Kraft treten zu lassen.( Beifall.) bei den Soz.) Frau Abg. Dr. Pohlmann( D. Bp.): Die überwiegende Mehrzahl meiner Parteifreunde stimmt dem Gesetz zu. am 1. April 1923, eventuell früher, in Kraft treten. Das Gesetz wird in der Ausschußfassung angenommen und soll Die Ents Abg. Leuthäuser( D. Bp.), der gestern infolge des Ohnmachtsanfalles des Abg. Däumig feine Rede unterbrechen mußte, erklärt, daß seine Freunde für das Gesez stimmen werden, da es bei verschließungen des Ausschusses auf Gewährung einer Beihilfe für nünftiger Durchführung der Jugend zum Segen gereichen könne. Abg. Löwenstein( U. Soz.): Das Gefeß ist nur ein Rahmengefeß; hilfsbedürftige Hebammen, die das 65. Lebensjahr vollendet haben, aber es gestattet, daß später allerlei Verschlechterungen und auf reichsgesetzliche Regelung des Hebammenwesens werden hineinkommen. Die Linksparteien haben mehr erwartet. Aus- angenommen. Abgelehnt wird u. a. ein Antrag der Unabhängigen auf Soführungsvorschriften genügen nicht. Der Partitularismus und die Wünsche der kirchlich gesinnten Parteien haben die Oberhand be- ialiſierung der Kurorte, der Heilquellen und der ärztlichen Heiltätiggung Großstädte, Bekämpfung des Weiterberatung Freitag 11 Uhr. Wirtschaft Wirtschaftsrat und Getreideumlage. Auf der Tagesordnung des Vorläufigen Reichswirtschaftsrats stand am Mittwoch zunächst der Bericht des Wirtschaftspolitischen über bie tegelung des Bera halten. An Stelle wirklicher Jugendämter tritt nur die lose Bu- feit. Angenommen wurden u. a. Anträge auf bessere Milchverfor Ausschusses zum Gesezentmurtem Entejahr 1922, das nur Kartelle. Die Bürgerlichen flagen darüber, daß den Jugendämtern das Recht der Exekutive fehlt. Abg. Frau Dr. Lüders( Dem.) stimmt dem Gesezentwurf zu, Abg. Heidemann( Komm.) lehnt ihn ab. Staatssekretär Schulz: Ich habe dem Hohen Hause für das Wohlwollen, das es diesem Gesetzentwurf von Anfang an entgegengebracht hat, zu danken. Die lange Borbereitungszeit, die dieser Entwurf erforderte, erklärt sich aus der Mannigfaltigkeit und Schwierigkeit der zu lösenden Aufgaben. Mit den vom Ausschuß vorgenommenen Abänderungen wird Die Regierung sich im Hinblick auf die dabei zutage getretene Einmütigkeit einverstanden erklären. Sie bittet aber, jetzt nur noch solche Anträge einzubringen, für die eine Mehrheit sicher ist, damit die Berabschiedung nicht verzögert wird. § 1 wird in der Ausschußfassung angenommen, ebenso weitere Paragraphen unter Ablehnung unabhängiger und deutschnationaler Anträge. Das Gesetz soll zum 1. April 1924 in Kraft treten. Auch in dritter Lesung wird das Gesetz angenommen. ärzten. hygienische Ausbildung und Fortbildung von Aerzten und ZahnDezernate für Bezirksfürsorgerinnen möglichst bald systematisch einEin Antrag der Frau Ege( Soz.), bei allen Bezirksregierungen zurichten, wird mit 134 gegen 112 Stimmen angenommen. Abg. Kilian( Komm.) lehnt das Gesetz ab als soziale Mißgeburt, als ein verstümmeltes Samenkorn im Mutterleibe, das von der Stinnestoalition stammt.( Heiterfeit.) Abg. Dr. Weŋl( U. Soz.): Eine genommen. unwesentliche Aenderungen gegenüber der Regelung im Jahre 1921 bringt. Die Borlage wurde vom Ausschuß mit 18 gegen 17 Stimmen an umlage auf 2 Millionen Tonnen wurde vom Ausschuß abgelehnt. Ein Kompromißantrag auf Beschränkung der Getreides v. Braun, hier als Arbeitgeber der Landwirtschaft, wendete sich Der deutschnationale Reichstagsabgeordnete Edler dagegen, daß den Landwirten zuge mutet werde, das Umlage getreide zu einem billigeren als dem Marktpreise ab zugeben. Die Laft der Brotversorgung dürfe nicht einseitig auf die Landwirtschaft abgewälzt werden. Die Landwirtschaft lehne einwird Abg. Kilian nicht auf den Tisch des Hauses legen können. mütig die Fortsetzung der Zwangswirtschaft ab. Zu einem Preise ( Heiterkeit.) Was soll der arme Stinnes nicht noch alles verschuldet pon 300 m. pro 3entner werde die Regierung fa um Um lagegetreide erhalten.( Entrüftete Zwischenrufe der Arbeitnehmer In der Spezialberatung wird zu§ 18 auf Antrag Ege( Soz.) vertreter.) Redner begründet einen Antrag, die Getreideumlage beschlossen, daß Hebammen, die sich gegen Alter, dauernde Berufs- nur dann in Kraft zu sehen, wenn die freiwillige Lieferung versage, unfähigkeit oder Invalidität versichern, die Hälfte der Versicherungs- fie in drei Roten von zusammen 2 Millionen Tonnen vorzus beiträge bis zur Höhe des Ruhegeldes der Bezirkshebammen zu ernehmen und die Kosten für die beabsichtigte Brotverbilligung den statten ist. leistungsfähigen Ständen gemeinschaftlich aufzuerlegen. haben? verffinnefierte Hebamme Das Gesetz wird endgültig angenommen; es tritt am 1. April 1923 in Kraft. Sodann berät das Haus den Haushalt des Ministeriums des Innern und den berichtigten Haushalt der Schußpolizei für Es war vorher vereinbart, das Gefeß am 1. April 1923 in Kraft treten zu lassen. Noch bei der zweiten Lesung stimmten die beiden bürgerlichen Regierungsparteien mit den SozialdemoPraten für diese Bestimmung. Bei der dritten Lesung unterstüßten 1921. die männlichen Abgeordneten beider Parteien gegen ihre weiblichen Fraftionsmitglieder einen Antrag der Bayerischen Bolkspartei, das Gesetz erst am 1. April 1924 in Kraft treten zu lassen. Der§ 71 des Gefeßes, der einen Erziehungsschutz für Für forgebedürftige ohne Bekenntnis bringt, sollte am 1. Januar 1925 in Kraft treten. Durch ihren Berrat erreichten die männlichen Mitglieder des Zentrums und der Demokraten, daß dieser Paragraph erst vom 1. Januar 1927 an Geltung erhält. Das gesamte Gesetz wurde gegen die Stimmen der Kommunisten angenommen. Freitag, 2 Uhr: Anfragen, Zwangsanleihe, fleinere Borlagen. Schluß nach 6% Uhr. Das preußische Hebammengeseh. Der Landtag beriet am geftrigen Mittwoch in zweiter Lesung das Hebammengefeß.§ 1 sieht vor, daß jeder Frau in Preu Ben Hebammenhilfe zu steht, Beratung und Hilfe in der Schwan gerschaft, Hilfe bei Störungen in der Schwangerschaft, Hilfe bei der Geburt, Versorgung der Wöchnerinnen im Wochenbett und der Neugeborenen sowie Beratung über die Pflege und das Etillen der Kinder. Die USB. beantragt hierzu, daß die Hebammenhilfe unentgeltlich sein soll. Frau Abg. Ege( Soz.): Abg. Hauschild( Soz.): Die unverschämte Bolfsbewucherung muß mit den schärfsten Repreffiomaßnahmen befämpft werden. Die Ministerialverordnung muß rücksichtslos gegen diese Ausbeuter durchgeführt werden. Der Einspruch des Staatsrats gegen die Vorlage über das Groß fraftwerk Hannover ist außerordentlich zu bedauern, denn er bedeutet eine Förderung und einen Schutz der privaten Ausbeutung des Volkes. Dem Staatsrat dürfen keine Kompetenzen zugeeignet werden, die ihm nicht verfassungsmäßig zustehen. Den Beamten, die nachdrücklich für die Republik eintreten, muß jeder Schutz durch das Ministerium gegen eine Redakteur Feiler trat dem Borredner scharf entgegen und bea tonte, ein Uebergang zur freien Getreidewirtschaft würde eine völlige Umwälzung der Wirtschaft bedeuten. Wenn die Getreideumlage als Sondersteuer" von der Landwirtschaft abgelehnt werde, so müſſe darauf hingewiesen werden, daß z. B. die Industrie die Sonders steuer der Kohlensteuer, der Hausbesitz die der Wohnungszwangs wirtschaft tragen müsse. Im Interesse des Kleinbefizes beantrag Redner, daß 5 hektar jeden landwirtschaftlichen Befihes von der Umlage freizulassen sind. Hoffmann( Berbrauchervertreter) verlangte, daß zumindest die 2%-Millionen- Tonnen- Umlage des Borjahres auch in diesem Jahre aufrecht erhalten bleibe, da auf die freiwilligen Lieferungen fein Berlaß sei, und lehnt den Antrag v. Braun ab. Weiter be antragt er, daß der Umlagegetreidepreis auf Grund einer Inderzahl entsprechend den gestiegenen Erzeugungsfoften berechnet werden fall. Ernährungsminister Fehr teilt mit, daß die diesjährige Brot getreideernte die des Vorjahres unter feinen Um* ständen erreichen werde, und begründet damit die Notwendig feit der Getreideumlage. Bon freiwilligen Lieferungen erwartet er ein geringes Ergebnis. Die Preise für die landwirtschaft lichen Erzeugniffe dürften nicht in einer Weise steigen, daß die Ers höhung der Produktionsfoften unerträglich werde. Nadelsfichpolifit anfirepublikanischer Borgesehler zuteil werden. Die aus dem Hinterhalt geführten Angriffe der Reattionäre gegen die Republik und gegen die Reparationspolitik müssen gründlich abgewehrt, Bureaukratie, die immer noch den Verwaltungsapparat be gegen die frondierende herrscht, muß mit der ganzen Staatsautorität eingeschritten werden. aller Aenderingsanträge gegen eine große Minderheit zugestimmt. In der Abstimmung wurde der Borlage unter Ablehnung Bon 460 Landräten sind nur 60 erst nach der Revolution ins Amt gekommen. Noch lange ist nicht gutgemacht, was auf diesem Ge- eine längere, lebhafte Aussprache. In der Abstimmung wurde der leber das 3 mangsanleihegefeh entspann sich sodann biete das alte Regime auch nur gegen Demokraten, Zentrum und Boriage nach den Ausschußbeschlüssen mit den Aenderungen zugefelbst Nationalliberale gefündigt hat. Damals mußte fonservativ" stimmt, daß die Berzinsung nach der Regierungsvor regiert werden, und selbst zu einem Bennigsen konnte Bismarc lage festgesetzt und die Freigrenze auf 200 000 Mark erhöht wird. Wilhelm I. fein Vertrauen einflößen. Eine nur einigermaßen Eine andere angenommene Entschließung fordert, vom steuerbaren befriedigende Verwaltungsreform, eine brauchbare moderne Bermögen Kleinwohnungsgrundstücke auszuschließen. Der Mutterschuh verlangt weitestgehende fürforbliche Maß- Städte und Landgemeindeordnung hat leider heute sehr wenig AusDarauf vertagte sich der Reichswirtschaftsrat auf Anfang Juli. nahmen. Großzügigkeit ist besonders bei der Erhaltung von Men ficht. Die Deutfcmonarchisten gehen in ihrer Preffe mit schenleben geboten. Die Mütterfterblichfeit ist jetzt be- äußerster Rücksichtslosigkeit gegen unsere Parietgenossen fonders groß. Der Entschließung, daß die Wochenfürsorge und Ministerium als gegen ſtrupellose Parteipolitifer bor. Und wie wird Handelsvertrag zwischen Frankreich und Guatemala. Nach unentgeltliche Hebammenhilfe zur Reichsfache gemacht werte und gegen den Präsidenten Leinert mit schamlosen Beschimpfungen, Ber- einer Havasmeldung aus Guatemala ift der Handelsvertrag zwischen daß das ganze Hebammenwesen reichsgefeßlich geregelt werde, ftim- dächtigungen und Verleumdungen vorgegangen! Und was hat Frankreich und Guatemala endgültig abgeschlossen. men wir zu. Um das Gesetz nicht unnötig aufzuhalten, verzichten Scheidemann seit dem Attentat alles zu hören bekommen! Welche wir auf Anträge. Die Bezahlung der nicht privat praktizierenden Orgien feiert diese Presse anläßlich der Freisprechung killingers! Hebammen muß ausreichend sein, damit sie nicht durch Hunger Welches Toben gegen die schwarrotgoldenen Farben! Das Gesez verleitet werden, der armen Bevölkerung Geld für die Hilfe abzu- zum nehmen. Vielfach wird der Hebammenberuf als Nebenberuf betrie= ben. Das muß im Interesse der Mütter aufhören. Schutz der Republik im muß vom Reichstag beschleunigt verabschiedet werden. Die zahlFrau Abg. Heßberger( 3.): Die hauptsächlichste Bestimmung losen Regimentsfeiern u. dgl. haben unsere Freunde im Reichstage Abg. Quast- Faslem( Dnatl.) zu einer Interpellation veranlaßt, die wir namentlich wegen der für uns ist die freie Hebammenwahl. spricht für den Gesetzentwurf.— Abg. Dr. Weŋl( U. Soz.) verlangt traurigen Königsberger Vorgänge lebhaft begrüßen. Die ReichsBriefkasten der Redaktion. Briefliche Auskunft wird nicht erteilt. Jeder für den Brief tasten bestimmten Anfrage füge man einen Buchstaben und eine Nummer bei. Cilige Anfragen trage man in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3, 1. Sof part. links, vor. Schriftstäde und Berträge sind mitzubringen. 6. M. 3234. Wenden Spar- und Baugenossenschaft, Berlin W., Jägerstr. 18. .. 112. Bierteljahr April- Juni 21. G. 3. 4860. Groß- Berliner Sie sich an das Polizeipräsidium, Aleganderplay, Paßstelle. Reise- und Sportkleidung! Erstklassige Erzeugnisse aus HomesReise- Ulster und Schlüpfer pun, Fischgråt u. Cheviotstoff. in mod. Ausführ, von M. 3500 bis 90000 aus Covercoat und Cheviot Sport- Paletots.... von M. 3000 bis 165000 Farbenstellungen.. Reiseanzüge in den neuesten Mustern und aus guten strapazierfähig. Stoffen von M. 1999 bis 120000 Promenadenanzüge nach den neuesten tadelloser Sitz Cutaways und Westen Stoffen..... 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