09 Bezugspreidi Blertefjährl. 150.-M., monatl. 509. fret ins Haus, voraus zahlbar. Boft bezug: Monatlich 50,- M., einschl. 8ftellungsgebühr. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- u. Memel gebiet, sowie Desterreich u. Luxemburg 84,-, für das übrige Ausland 102, M. Poftbestellungen nehmen an Belgien, Dänemark, England, Estland, Finnland, Frankreich, Holland, Lettland, Luremburg, Defterreich, Schweden, Schweiz, Tschechoslowatei und Ungarn. Der„ Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und geit", der Unter haltungsbeilage Heimwelt" und der Beilage Siedlung und Kleingarten" ecscheint wochentäglich zweimal, Sonn tags und Montags einmal, Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin" Sonder- Ausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 1 Mark Anzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillezetle Toftet 16, M.- Reflamezeile 80,- M „ KleineAnzeigen" das fettgedruckte Wort 4, W.( auläffig zwei fettgebruckte Worte), jedes wettere Wort 3, M. Stellengesuche und SchlafStellenanzeigen das erste Wort 2,50 M., jedes weitere Wort 2- M. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familien- Anzeigen file Abonnenten Belle 8, Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Lindenstraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachmittags. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Expedition: SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Redaktion Moritplat 15195-97 Expedition Morigplan 11753-54 Montag, den 26. Juni 1922 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Verlag, Expedition und Inseraten. Abteilung Morigplan 11753-54 Der Feind steht rechts!" Erklärung der Regierung und der republikanischen Parteien. wir die # Tausende begehrten Einlaß in das Reichstagsgebäude zu Staatsmann mehr für die Verständigung wirken tann, ohne| links: Bulle!) Ja, nie uns scheint, find die Deutsch- Bölkischen sogar der außerordentlichen Sonntagsfizung, mur Hunderte tonnten zu wissen, ob er die nächste Stunde überhaupt überleben wird. Siej der einflußreichste Teil der Deutschnationalen. Darum und ihn erhalten, doch wir hätten uns gwünscht, daß Millionen war so tief erschütternd, daß diese Worte selbst den härtesten nicht etwa, weil wir glauben, daß die offiziellen Führer der Deutschund aber Millionen von Deutschen diese vernichtende Abrech- Feind hätten befehren sollen. Es war ein Schrei aus der feeli- nationalen Partei den politischen Mord begünstigen- darum machen nung mit der monarchistischen Mordreaktion, diesen Aufschrei schen Not eines großen Volks. Möge die Menschheit ihn hören! der Berachtung, des Zornes und des Haffes aller deutschen Re- In fieberhafter Erregung lauschte der ganze Reichstag Deutschnationale Partei für den Mord verantwortlich. publikaner gegen die blutbedeckten Schuldigen als Augen- auch den folgenden Ausführungen des Kanzlers. Brausender( 3uftimmung links.) Von dieser Berantwortung fann die Partei und Ohrenzeugen hätten beiwohnen dürfen. Ja, wir hätten Beifall unterbrach wiederholt seine Säße, sein Schlußruf:" Der sich nur freimachen, wenn sie die Grenze zieht zwischen sich und den gewünscht, die ganze politisch interessierte Welt auch außerhalb Feind steht rechts!", den er mit anklagender Gebärde Deutschvölkischen und hilft, die deutschvölkischen Mordnester der deutschen Grenzen hätte diesem erhebenden Schauspiel zu- nach den Bänken der Hergt und Wulle schleuderte, entfesselte dazu, das zu tun?( Rufe lints: Antwort! Antwort!) Dann auszuheben. Ich frage die Deutschnationalen: Sind Sie bereit sehen können, das an Wucht und Größe die ergreifende einen minutenlangen Sturm der Begeisterung, wie ihn der tann ich feststellen: Bisher haben die Deutschnattonalen das Ge Trauerfundgebung des Vorabends noch übertraf. Reichstag felbst am Sonnabend nicht erlebte. Die Wirkung genteil bavon getan. Es fonnte ja auch gar nicht anders fein; Was Otto Wels als erster Redner an leidenschaftlichen dieser Rede mar so ungeheuer, die Zuhörer wurden so hinge- denn sie bilden ja mit jener Gruppe, auf deren äußersten Flügel die Anklagen gegen die Deutschnationalen mit unermüdlicher riffen, daß man beobachten fonnte, wie ein deutschnationaler Mörderorganisationen igen, ein folidarisches, einheitliches Wucht vorbrachte, sprach den Hunderttausenden von Berliner Abgeordneter bei der Erwähnung eines Gesprächs zwischen Parteigebilde.( Sehr wahr! links.) Die Deutschnationale Proletariern aus dem Herzen, die furz vordem im Lustgarten Rathenau und Lloyd George tief schluchzte zu spät!- Partet bildet für die Mörder das schützende Dach.( Lebh. Zustim ihre Empörung geschrien hatten; durch seinen Mund verfün- und wie in der Diplomatenloge ein Ententevertreter bei der mung links.) Sie( nach rechts) tönnten der Hydra des politischen bete das arbeitende deutsche Volk, daß Schluß, aber dies. Mahnung an die Siegermächte, endlich von der Gewaltpolitik haben das Gegenteil davon getan. Das Gegenteil hat vor allem Meuchelmorbes den Kopf abschlagen, wenn Sie wollten. Sie mal wirklich Schluß gemacht werden müßte. Dabei enthüllte abzulaffen, in die Hände klatschte- ebenfalls zu spät! Wels unter spannendem Interesse der Zuhörer an der Hand Denn Rathenaus Plaz bleibt verwaist, mit Trauerflor links: Bulle! Wulle!) Helfferich war der Führer der Hezer gegen einer von Ihnen getan: Helfferich!( Stürmische Zurufe eines aufsehenerregenden Dokumentes den engen 3ufám- umhüllt und mit einem Rosenbukett geschmückt. Möge fein Erzberger. Er trieb den persönlichen Kampf in vollendeter Ge menhang zwischen dem gelungenen Griesbacher, dem Tod nicht umsonst gewesen sein. hässigkeit so lange, bis der Mann fot am Boden lag. mißglückten Rasseler und dem leider ebenfalls gelungenen Mußte das nicht Helfferich zur Vorsicht mahnen? Er hat sich durch Grunewalder Attentat. In seiner rücksichtslosen Brandund diefer Mann, Helferich, von dem das mildeste Ürteil lautet, feine Erfahrungen nicht abschrecken lassen, er hat die Hege fortgesetzt, markung der deutschen Justizschande, der deutschnationalen daß er sich der Tragweite seiner Handlungen nicht bewußt ist, daß Presseschmach fand unser Redner auf der gesamten Linten des er moralische Hemmungen nicht fennt, das ist ein Führer der Hauses die kräftigste Unterstügung, die sich zu minutenlangem Deutschnationalen Partei. Möge dieser Mensch endlich aus dem Beifall steigerte, als er unter anderen schärfsten Gegenmaß regeln das Verbot der schwarzweißroten Mörderöffentlichen Leben verschwinden. Das ist der einzige Dienst, den er fahne forderte. Seine Schlußrufe:„ Nieder mit der feinem Bolte noch leisten kann. Reattion! Es lebe die Republik!" entfesselten auf Wir fordern ein rüdsichtsloses Borgehen allen Abgeordnetenbänken der Linten und auf allen Tribünen einen langanhaltenden, donnernden Beifall. Daß der Landesgerichtspräsident und Vorsitzende der Zentrumsfraktion Dr. Marr nicht die gleichen Töne fand, und insbesondere in den Fragen der Justizschande einen behutfameren Standpuntt einnahm, wird niemand überraschen. Dennoch war, als Ganzes betrachtet, inhaltlich, in der Form und im Vortrag die Rede des Zentrumsführers sehr erfreulich. Das rückhaltlose Bekenntnis zur Republik, das er bei dieser Gelegenheit ablegte, und der scharfe Trennungsstrich nach rechts, den er zog, war in diefer Stunde doppelt wertvoll und wird hoffentlich der Leitstern der Politik des gesamten Zentrums in allen Parlamenten Deutschlands nunmehr dauernd bleiben, nicht nur zwischen der Ermordung und dem Begräbnis eines republikanischen Staatsmannes. In der Sonntagfihung des Reichstags waren die Tribünen überfüllt. Auch die Logen für die Abgeordneten der Länder find überaus start besetzt. An den Regierungstischen haben mit dem Reichstanzler Dr. Wirth die Ministerpräsidenten der Länder Platz genommen. Präsident Cöbe eröffnet die Sigung um 12 Uhr 45 Minuten. Er nimmt zunächst Stellung zu einem 3 wifchenfall, der sich Erregung über die Mordtat an dem Reichsminister Dr. Rathenau der Regierung gegen die Geheimorganisationen, rücksichtslofes Bervor der Sonabendfißung abgespielt hat und erklärt: Die furchtbare hat gestern vor Beginn der Eizung in diesem Hause zu Zu- bot aller Regimentsfeiern und Appelle und rücksichtsloses Zugreifen sammenstößen geführt, die in der Presse vielfach unrichtig dar- von der Regierung, die uns im Namen des deutschen Volkes dafür gestellt wurden. Es wurde behauptet, der Abg. v. Schoch sei schwer haftbar ist. Wir erkennen die Schwierigkeiten, die in dem reattioverlegt worden und in München sollen Platate angenären Beamtenheer einem wirkungsvollen Schuß der Republik ent fchlagen worden fein, wonach er halbtot gefchlagen gegenstehen.( Buruf lints: Aufräumen!) Wer der Republik nicht wurde.( Burufe: Unerhört!) Demgegenüber stelle ich fest, daß der Bienen will, soll darauf verzichten, in ihrem Dienst zu sein. Abg. v. Schoch weder die entfehliche Tat gerechtfertigt hat, noch geschlagen wurde. Der Abg. v. Schoch erklärt selbst, daß von Schlagen keine Rede sei. Die Ursache zu dem Zwischenfall war ein Beide Teile haben ihr Bedauern ausgesprochen, dem ich mich Mißverständnis zwischen den Abgg. Brüningbaus und Stampfer. anschließe. Die Besprechung der Regierungserklärung. Abg. Wels( Soz.): Was der Sprecher der Mörderpartei, die ehemalige fönig- geht über unser Land. But und Haß vermißte Herr Helfferich am Eine. Welle der Empörung und leidenschaftlichen Erregung lich preußische Erzellenz Dr. Her gt, zu sagen hatte, wollte 23. Juni in der Rede des Reichsministers Rathenau. ut und die sozialdemokratische Fraktion nicht mit anhören. Da fie Haß, blinde Wut und fanatischer Haß haben jetzt ihr das verfaffungsmäßige Recht eines Abgeordneten, das Wort Opfer gefordert. Von der Tribüne des Reichstages zu But zu ergreifen, nicht antasten wollte, verließ sie lieber geschlossen und Haß aufgerufen, haben organisierte Mörderbanden ein Men den Sizungsfaal. Von Herrn Hergt, der in allen Volksver- fchenleben gefällt, das sich opferwillig ganz in den Dienst feines sammlungen, in denen er auftritt, auf dem Gebiete des pöbel- Voltes und Vaterlandes gestellt hat.( Sehr wahr! links.) Die fönnen. deutschvölkische Hehe haftesten Antisemitismus faum hinter einem Wulle und einem Westarp zurücksteht, war ein Abrücken von dem völkischen Flügel feiner Partei nicht zu erwarten: deshalb ist und bleibt nenden Gewaltanbeter ist eine ungeheure Gefahr für die Zukunft zeitgt ihre Erfolge. Die wüste Rassenheze der sich germanisch nenin unseren Augen die Deutschnationale Partei die Mörder unferes Staatslebens. Sie nenen fich chriftlich", diese Heger. Die Mörder- nenden partei. Schade um die paar anständigen Elemente in ihr, die Gefahr ist so groß geworden, daß sich allen nur der eine Gedanke fich von dieser Mördergesellschaft noch immer nicht trennen aufdrängt: Es ist genug! Bis hierher und nicht weiter!( Er neute Zustimmung fints.) Allen den Provofateuren aber sage ich Das furze, wichtige Eingreifen des Reichsjustizministers das eine: Dieser Jude, den Sie gefällt haben, war ein so guter Gen. Radbruch erwähnen wir an anderer Stelle. Wir Deutscher, wie nur je einer in Deutschland einmal geboren wollen noch auf das energische Eintreten des unabhängigen worden ist."( Sehr wahr! links.) Und dieser Jude war ein mahrer Redners Crispien hinweisen, dem wir im allgemeinen zu- Christ, mehr als ein.er, von denen sich so nenen darf, die heute die stimmen fönnen und kommen zu dem Ereignis des 2ages, zu der Rede des Reichskanzlers Dr. Wirth. Ereignis? Noch mehr! Ein Erlebnis, wie es vielleicht ein deutsches Parlament noch nicht gefannt. Mörderbanden im Lande bewaffnen und besolden, Wir fordern, daß der Zustand der Verordnung auf das schnellste abgelöst wird durch gefeggeberische Maßnahmen, die die Mängel beseitigen, die wir heute noch in der Verordnung des gestrigen Tages erblicken. Die Justiz in Deutschland ist ein Standal, der zum Himmel schreit.( Lebhafte Zustimmung links. Zuruf des Abg. Hoffmann( US03.): Wer ist denn verantwortlich dafür?) Glauben Sie, daß es einen Menschen gibt, der den Frei versteht? Dieser Freispruch wird aber einem jeden verständlich, pruch Killingers und den Wahrspruch der Geschworenen menn er erfährt, daß der die Anflage vertretende Staatsanwalt es abgelehnt hat, den Beamten zu vernehmen, der die Spur Killingers entdeckte, und der 3 eugen angeben fonnte, daß Killinger, ehe es ihm gelang. Schulz und Tillessen als Mörder für Erzberger zu dingen an mehrere Perfoanen in München herangetreten war, um fie unter Geldangebot für den Mord an Erzberger zu gewinnen, ( Lebh. Hört, hört! links.) Hier ist der Fall, der den Staatsgerichtshof zuerst zu beschäftigen hat. Das deutsche Volt ist gutmütig, ist leicht vergeßlich. Wir wäre es fonft möglich, daß jeht in der Liquidierung des furchtbaren Krieges die Reaktionäre fo dreift wieder auftreten können! Wie bei dem Zusammenbruch, so find die Nationalisten und ihre Presse auch heute in Feigheit und Gewiffenlosigkeit dabei, die Schuld auf andere zu wälzen. Sie arbeiten geschlossen daran, die Spuren der Mörder verwischen zu helfen. Etwas anderes ist es nicht, wenn das Deutsche Tageblatt" plöglich erklärt, eine Weibergeschichte stecke hinter dem Attentat.( Buruf links: Bfui! Empörend!) Die Deutsche Tageszeitung" erklärt, man solle die Attentäter in lintstehenden Kreisen fuchen. von Rapallo in Verbindung zu bringen. All diese Redereien und Andere Rechtsblätter mieder suchen das Attentat mit dem Bertrag Schmähereien dürfen das Bolt nicht irremachen, und wir betonen: " BT.. Unfere Nachficht mit den Mördern ist zu Ende! Hand dafür hergaben, sondern auch jene Streife, die ihre Gelder Schuldig an dem Verbrechen find nicht nur die, die Kopf und zur Verfügung stellten. Das Vermögen diefer Schurken müßte dem Staat verfallen sein und eingezogen werden.( Zustimmung fints.) fuch irgendeiner Behörde, die Berordnung gegen die linksgerichtete Dann aber in diefer ernsten Stunde eine Warnung: Jeder BerArbeiterschaft anzuwenden, muß und wird von der Arbeiterschaft entschlossen zurückgewiesen werden. Verschwinden müffen die reaktionären Symbole der alten Monarchie. weit mehr auch als die ganze christliche deutschnationale Breffe, die bie politischen Meuchelmorde der Bergangenheit feiert, das mißglückte Atentat auf Scheidemann zum Anlaß Man entfinne sich seiner feierlichen Anfündigung nach der hat, in der allein diese Tat gedeihen fonnte. Wir haben davor ge nahm zu Spott und Hohn und die vergiftete Atmosphäre geschaffen Ermordung Erzbergers: Wenn es zu einer Kraftprobe zwischen marnt, durch die Mittel der Demagogie unser Bolt in immer tieferes Reaktion und Arbeiterschaft fommen sollte, dann würde er Unglüd zu stürzen. Unsere Mahn- und Warnrufe verhallten un auf feiten der Arbeiter stehen. Nun, Dr. Wirth hat aehört und deshalb verzichte ich heute darauf, nochmals zu warnen. fein Wort gehalten. Seine gestrige Rede, in der er mit Be- Aber hören Sie die Stimme des Toten, hören Sie, was er, wunderung von dem mustergültigen Aufmarsch der Berliner der heute mit zerriffenem Körper auf dem Tctenbette liegt, proProletarier nach dem Lustgarten und von der furchtbaren phetisch verkündete, als die notwendige Folge diefes demaKraft, die in diesem schlummernden Bultan steckt, sprach, seine gogischen Treibens! Hören Sie die Anklage, die der Tote Ihnen lobende Hervorhebung des internationalen Stre- ins Geficht ruft! Halten Sie Einkehr!( Der Redner verliest die bens der Sozialdemokratie nach Bölterverständi- Rathenaus über die Folgen der Demagogie.( So hat der Tote unseren Lesern aus der Sontagnummer befannten Aeußerungen Wir Sozialdemokraten fahen und fehen in der roten Fahne gungen, sie waren der Beweis dafür, daß er nach diesem neuen das Symbol unseres Rampfes für Bölferversöhnung. Wir sehen in entsetzlichen Ereignis nicht nur fest geblieben, nein fester ge- die jetzt aus den Spalten der deutschnationalen Breffe spricht, wenn blid und zum friedlichen Aufbau. Die schwarzweißrote Fahne hatte im voraus die Heuchelei beurteilt, den schwarz rotgoldenen Fahnen das Bekenntnis zur RepuDoch über den innerpolitischen Rahmen hinaus wuchs sie zu der Mordtat Stellung nimmt.( Sehr wahr! links.) Die Deutschnationale Partei hat niemals eine Reihen tamen. Heute ist die früher viele Anhänger, die durch die Lehren des Krieges in unsere feine Rede zu einer ergreifenden und leidenschaftlichen Mah- scharfe Grenzlinie gegen die deutschnöllische Bewegung genung an die Entente, endlich von ihrer bisherigen verderb- 30gen, in der die Mörder zu suchen sind. Die deutschvölkische Beschwarzweißrote Fahne die Mörderfahne. lichen Politik abzusehen, die dazu führt, daß kein deutscher wegung ist heute noch ein Teil der Deutschnationalen Partei.( Buruf( Lebh. Betfall links, Händeklatschen auf den Tribünen.) worden ist. Mit harter Faust muß jetzt zugegriffen werden, denn die Gefahr Wächst. Die Mörderzentralen oersuchen in allen Städten unseres Landes Mörder zu werben. Am 3. Mai empfing der Prüder Tillefsens, der Mörder Erzbergers, einen Agenten, um ihn über seine Aufgaben zu infor- miercn. In dieser Jnstniktian entwickelte Tillessen sein Programm, das in der Wiedererrichtung der Monarchie gipfelte, allerdings ohne Wilhelm II. Er sagte, es müsse mit aller Energie und mit den schärfsten Mitteln vorgegangen werden. Als eines dieser Mittel bezeichnete er Provokationen. Und die Reichswehr rechnete er zur hauptsächlichsten Stütze der Reaktion(Gr. Unruhe im chause! Stürmische Rufe links: Ein Skandal! Unerhört!) Daß die Reaktion bei den aus den Provokationen sich ergebenden Unruhen und Gewalttaten die Oberhand behalten werde, war für Herrn Tillessen selbstverständlich. Auf eine Frage des Agenten, was er denn unter Provokationen verstehe, nahm Herr Tillessen das Bild feines Bruders, des Erzberger-Mörders, vom Schreibtisch mit den Worten:„Das ist mein Brüderchen, der hat das erste Schwein ge- killt."(Lcbh. Pfuirufe links. Gr. Unruhe im Haufe). Am Bahnhof drückte Tillessen dem Agenten dann 20 000 M. in bar und ein Dillct für den V-Zug nach München— natürlich— in die Hand. Hier wurde der Agent am 5. Mai beim Kapitänleutnant H o f f m. a n n eingeführt, der die Leitung der Organisation„Consul" hatte. Hier erhielt der Mann weitere 2000 M. Herr Hosfmann er- klärte, das b e st e M i t t e l zur Beseitigung der Demokratie sei die Beseitigung linksgerichtet« Führer. (Hört! Hört!) Nach Erzberger kämen vielleicht Minister R a t h e n a u und Scheidemann in Frage. Der Agent erhielt den Auftrag, hier in Berlin einen ihm unbekannten Herrr, aufzu- suchen und diesen nach Kassel zu begleiten, um ihn dort über die örtlichen Berhältnisse zu informieren. Hier haben wir es zweifellos mit dem Mann zu tun, der das mißlungene Attentat auf Scheide- mann begangen hat.(Hört! Hört!) Wir fordern die Verfolgung und Aufhebung dieser Geheim- vrganisotioncn, rllcksichtsloseVerhaftung der Verdächtigen. gleichviel, ob sie aktiv oder als Geldgeber der Mordorgani- fationen sich betätigen, Verbot der Regiments feiern und Appelle, Verbot der schwarzweißroteu Mörderfahne, Reorganisation vor allem der Reichswehr und Reinigung der Schupo von allen reaktionären Elementen. Wir fordern die Reorganisation der I u st i z und auch besonders der Staatsanwaltschaft.(Lebhafter Beifall.) Das ist notwendig, wenn wir darai denken, daß in Preußen tatsächlich an Stelle des erkrankten Herrn Zehnhoff der Staatssekretär M ü g g e l die Geschäfte führt, von dem wir sogen können, daß es gleich wäre, ob an seiner Stelle gleich Herr Hergt die Staatssekretär- Seschäfte für Justiz in Preußen in der Hand hätte.(Sehr gut!) nd auf der gleichen Höhe steht unser Vertrauen zur Justiz in Preußen, wenn wir daran denken, daß der P e r s o n a l referent im Justizministerium der Vorsitzende des deutschnationalen Wahlocreins in Lankwitz ist(Lcbh. Hört! hört!), daß diesem deutsch- nationalen Parteigänger die Staatsanwaltschaften des ganzen öst- lichen Preußens unterstellt sind. An die Arbeiterschaft richte ich den Mahnruf: Laßt Euch nicht prvozieren! Macht die Hoffnungen der Reaktion aus Putsche und Gcwalttällgkeikeu zuschanden. schließt Euch zusammen zum Schuhe der Republik. In Eurer Hand liegt die Zukunft unseres Hc lies. Nieder mit der Reaktion! Es lebe die Republlk!(Lan anhaltender stürmischer Beifall links, in der Mitte und auf den Tribünen.) Abg. Marx(Z.): Eine ungeheuerliche Tat hat nicht nur im Kr.'ise unserer Partei, nicht nur im deutschen Volke, sondern auch tn Kreisen des Auslandes eine außerordentliche Erbit- tsrung hervorgerufen. Der Mann, der jetzt ermordet vor uns liegt, war der B e st e n einer, ein untadliger Charakter, ein Mann von hohem Gedankenflug und reinem Herzen. Wie gewissen- lose Mörder sich gerade einen solchen Mann als Opfer ausersehen konnten, ist mir geradezu unverständlich. Aus einer weit über Deutschlands Grenzen hinaus angesehenen Stellung hat er sich auf den ersten Ruf des Präsidenten in den Dienst des Staates gestellt. Uns dieses Mannes gerode in der heutigen Zeit, gerade jetzt, wo wir in so schweren Verhandlungen mit dem Auslande stehen, durch Mörderkugeln beraubt zu haben, damst hat man ein Verbrechen an Deutschland begangen, das durch irdische Strafe nicht zu sühnen ist. Der Bestand der Republik ist wieder in Gefahr. Wir stehen an einem Wendepunkt unserer Geschichte. Jeder, der es mit unserem Staatswesen und mit der Reichsoerfassung ernst meint, ist jetzt verpflichtet, mit aller Energie, mit allem Ernst zur Staatsform und zur Verfassung Stellung zu nehmen, Wanken und Schwanken gibt es nicht mehr. Es muh entschieden werden: hie Republikaner, hie Andersdenkende.(Lebhafter Beifall.) Wer Gegner der Verfassung ist. möge es offen sagen, aber er ist dann auch Gegner des deutschen Volkes.(Stürmischer Beifall.) Ich kann nicht verschweigen, daß die oeutschnationale Presse seit Monaten darauf a u s a eh t, in geradezu unverantwortlicher Weise die politischen Leidenschaften anzuspornen. Die Ueberschrift, die die„Deutsche Tageszeitung" einem Artikel über das Attentat auf Scheidemann gegeben hat, hat auch mir wirklich die Schamröte ins Gesicht getrieben. Das Zentrum stellt sich einmütig hinter die Regierung und erklärt die Verordnung des Reichspräsidenten für durchaus b e- gründet und gerechtfertigt. Nicht das patriotische Wort- geplänkel, die Häufung nationalistischer Phrasen ist nationale Ge- sinnung. National sind wir, die wir mit den Demokraten und Sozialdemokraten im Dienste des Vaterlandes positiv arbeiten. Nie- mals wird das Zentrum als politische Partei das vergessen, was unter dem alten Regime ihm mit Ausnahmegesetzen angetan wurde. Wir billigen auch die weitere Ausdehnung der Strafan- drohung auf Beschimpfungen der Person des Reichspräsidenten und der Regierungsmitglieder. Dem Unfug auf diesem Gebiete muß endlich ein Ende gemacht werden. War es denn notwendig, daß die Deutsche Volkspartei sich am Samstag bei der Abstimmung über die Veröffentlichung der Reden des Reichskanzlers und des Reichspräsidenten von den andern Par- teien trennte? Es handelte sich doch darum, eine Kundgebung zu veranstalten. Wir haben noch niemals Hinderniste in den Weg gelegt, wenn es sich um die Frage einer Erweiterung der bestehenden Koalition handelte. H e l s f e r i ch hat erklärt, daß er, weil er in der Pfalz zu Hause ist, Verständnis für die besetzten Gebiete hätte. Aber er scheint doch zu lange die Luft Berlins geatmet zu haben, er kennt nicht mehr, was uns wirklich drückt am Rhein, sonst hätte er nicht in der Art gesprochen, wie er es am Freitag getan hat. Die Agitation gegen das Umlageverfahren, die in bäuerlichen Kreisen der Rheinprooinz getrieben wird, die der Rechten nahestehen, wird von der französischen Besatzung benntzk. um die Rheinprovinz in ihrer Treue gegen Deutschland zu erschütlcrn. Es ist geradezu unverantwortlich, wenn in dieser Weis«, wie es Herr Helfferich tot, hier von der Tribüne geredet wird. Auch von dieser Stelle aus möchte ich den Alliierten zurufen, daß sie im eigenen Interesse gut daran tun, einmal einen ver- söhnlichen Weg einzuschlagen. Ich schließe mit der Erklärung: Wir treten hinter die Regierung, wir vertreten einmütig bis zum letzten Moon die Politik, die vom Reichskanzler Wirth, unserem Wirth, in Deutschland inauguriert und durchgeführt worden ist.* Abg. Dr. Hergt(Dnat.) wird beim Betreten der Rednertribüne von der Linken mit stürmischen Entrüstungsrufen empfangen. Die Sozicldcmokraten verlassen geschlossen den Saal. Ledebour rufi: Hier bleiben! Wir wollen den Angeklagten hö'-on-im� dT■; antworten! Dem Präsidenten L ö b e ist c? fast unnipglich. Ruhe her- zustellen. Der Red»« wird fast nach jedem Satze pün der äußersten Linken mit stürmischen Rufen, wie„Heuchler" und„Mörder!", „Unoerschämtheltl" und„Frechheit!" unterbrochen. Hergt erklärt, daß die Deutjchnationale Volkspartei von tiefster Entrüstung und Empörung über die verruchte Tat erfüllt ist, der Minister Rathenau zum Opfer� gefallen ist, und anerkennt, daß außerordentliche Maßnahmen der Reichsregierung nötig sind. Er bemängelt aber, daß diese Berordnung sich ausschließlich gegen die Rechtsparteim richtet und befürchtet, daß der Staatsperichtshof schon in seiner Zusammensetzung einen politischen Charakter erhält. Die Deutsche Volkspartci wird daher die Verordnung als mit dem Geist der Verfassung nicht vereinbar be- kämpfen.(Bravol rechts. Lebhafte Pfuirufe links.) R e i ch s j u st i z m i n i st e r Dr. Radbruch: """Die Verordnung des Reichspräsidenten ist aus einer Notlage erwachsen, die durch Ausschreitungen und Kundgebungen rechts- radikaler Kreise entstanden ist. Irgendwelcher Anlaß zu Be- fürchlungen linksradikaler Ausschreilungen liegt nicht vor.(Leb- Haftes Sehr richtig! links.) Eine Berordnung. die sich auf bisher gar nicht vorliegende linksradikale Ausschreitungen miterstrecken würde, würde dem Geist des Artikels 48 der Reichsverfastung widersprechen. Besorgnisse der Arbeiterschaft, daß auch diese Verordnung gegen links angewendet werden würde, sind völlig nnbegründel. Die Fassung„Gewalliaten gegen die republikanische Staats- form" ist nach eingehender Prüfung gewählt worden, um klar- zustellen, daß rechtsradikale Gewalttaten gemeint sind. Weiter habe ich zu bemerken: Die lange Liste der ungefühnten Verbrechen gegen links st ehende Politiker läßt, das betone ich hier nicht zum erstenmal, die von den sozialistischen Parteien längst geforderte Amnestie unerläßlich erscheinen.(Lebhaftes Bravo! links.) Ich darf im Namen der Reichsregierung erklären, daß das Gesetz zum Schuhe der Republik, das dem Reichstag alsbald zugehen wird. die polirifche Amnestie bringen wird(Erneutes Bravo! links), und ich gebe der festen Erwartung Ausdruck, daß sie durch weilgehende Amnestie» der Länder ergänzt werden wird.(Lebhafter Beifall bei der Mehrheit) Abg. Erispien(V.-Soz.): Wer dem Abgeordneten Hergt während seiner Rede ins Gesicht sah. der hat deutlich das Kainszeichen gefehem das auf feiner Stirn steht. Wir wisien sehr wohl, daß die Deutschnationalen sich, solange ihre Kreaturen in den be- hördlichen Stellen der Verwaltung und der Justiz befinden, Aus- nahmeverordnungen nicht zu fürchten haben. Um so mehr hat die Arbeiterschaft die Pflicht, aus dem Posten zu sein. Der gemeuchelte Minister war unser politischer Gegner, aber er genoß auch als solcher Durchaus unsere Achtung, weil er das Beste für das deutsche Volk erstrebt hat. Als Mensch und Charakter haben wir den Mann kennengelcnü, der von einer Bestie ermordet wurde. Die Behauptung des Abg. Hergt. die Deutschnationalen seien nicht schuld an dem Verbreche», kann nicht bewiesen werden, sie ist nichts als eine Spiegelfechterei.(Lebh. Sehr richtig! links). Zahlreiche Pressestimmen und Kundgebungen aus dem Lager der Rechtsparteien haben die Atmosphäre geschaffen, die zum Morde führte. In Elberfeld haben z. B. nach dem Bekanntwerden der Er- mordung Rathenous Hakenireuzler Siegeslieder gesungen. (Stürmische Entrüstungsruse auf der Linken.) Hunderte von Be- weifen liegen vor von der Mitschuld der Deutschnationalen. Sie zei- gen, daß die D e u t sch n a ti o n a l e Partei eine atrsge- sprochene Mörderorganisation i st.(Lebh. Sehr wahr! link.) Wir haben dafür zu sorgen, der alten Ofsizierkoste, die jetzt nicht mehr in Massen morden kann und dafür gegen die eigenen Volksgenossen wütet, das Handwerk zu legen. Die Verbrecher müssen da ausgemerzt werden, wo man sie antrifft. Dr. Rathenau hat für die Erkenntnis, daß wir die Well aus der Knechtschaft des Kapitalismus befreien müssen, wenn wir zu einem wirklichen Frieden gelangen wollen, mll seinem Leben be» zahlen müssen. Die Ausnahmeverordnung muß durch gesetzliche Maß- nahmen alsbald abgelöst und darf nicht in ihr Gegentell ver- kehrt werden. Gegen den Staatsgerichtshof haben wir einige Be- denken. Aus der Schupo und Reichswehr müssen alle Offiziere onllassen werden. Das Vermögen der ehemaligen Lcmdesfürsten muß zur W i e- dergutmachung verwendet werden. Wenn die Regierung versagt, dann zwingt sie die Arbeiter zur Notwehr, dann werden die Gewalttaten mit Gewali» taten beantwortet werden.(Stürmischer Beifall links.) Reichskanzler Dr. wirth: Meine Damen und Herren! Es war nicht mögllch, gestern den Werdegang des Ministers Rathenau und seine Verdienste um das deutsche Volk und die deutsche Republik ausgiebig zu würdigen. Es war auch nicht möglich— und ich persönlich müßte als fein Freund das mit besonderer Bewegung tun—, über die großen Eni- würfe seiner Seele zu sprechen. Allein, meine Damen und Herren, eins will ich heute in Ihrer Mitte doch sagen: Wenn Sie in Deutsch- land auf einen Mann, auf seine glänzenden Ideen, auf sein Wort, auf seine Initiative hätten bauen können, dann wäre es die Ar- beit des Dr. Rathenau bezüglich der großen Schicksalsfrage der Alleinschuld Deutschlands am Kriege gewesen. Hier sind große Entwicklungen jäh unterbrochen worden, und die Herren, die die Ver- antwortung dafür tragen, können das niemals vor ihrem Volke wieder gutmachen. Meine Damen und Herren! Ich bin der Rede des Abgeordneten Dr. Hergt mit steigender Enttäuschung gefolgt. Ich habe erwartet, daß heute nicht nur eine Verurteilung des Mordes an sich erfolgte, sondern daß diese Gelegenheit benützt worden wäre, u m einen Strich zu ziehen gegen die, gegen die sich die leiden- schaftlichen Anklagen des Volkes in ganz Deutschland erheben. Ich habe erwartet, daß von dieser Seite heute e i n Wort falle, um auch einmal die in ihren eigenen Reihen zur Ordnung zu rufen, die an der Entwicklung der Mordatmosphäre in Deutschland zweifellos persönllch Schuld tragen. Wie weit die Vergiftung in Deutschland geht, will ich nur an einem Beispiel zeigen. Ich verstehe, daß man an der Politik der Regierung, an unserem Verhalten Kritik üben kann. Warum nicht? Ich verstehe auch ein scharfes Wort, verstehe auch Hohn und Spott im politischen Kampf, und ich verstehe auch die Verzerrung zur Kari- katur. Ziel und Richtung unserer Polittt aber sollte Gemeingut dieses ganzen Hauses sein. Ziel und Richtung unserer Politik ist die Rettung der deutschen Nation.(Lebhafte Zustimmung.) Die Methode, meine Damen und Herren, die ist strittig. In Fragen der Methode aber sollten sich Söhne des deutschen Volkes mindestens mit der Hochachtung begegnen, die es uns ermöglicht, vor dem Ausland als eine einheiMche Nation überhaupt auszutreten. (Stürmischer Biefall links und in der Mitte.) Wenn wir nun die Politik der letzten Jahre überschauen, so hat es, wie ich Ihnen sagen darf, herbe Enttäuschungen gegeben. Tiefster Schmerz hat sich in unsere Seele dann und wann gesenkt, und wir haben das Zittern des deutschen Bolkskärpers in seiner Arbeiter- und Beamtenschaft erlebt. Nun glaubt ein Reichstags- kollege, der von Forderungen über neue Beträge spricht, die not- wendig sind, um die Arbeiter und Beamten in ihren Bezügen auf- zubessern, in seinem Blatt folgendes schreiben zu können: „Die jetzige Regierung ist in Wirklichkeit nur ein«, vom Deutschen Reich zwar bezahlt«, Angestellte der Entente, die ihre Forderungen und Borschrifteu einfach zu erfüllen hat; jonst wird sie einfach auf die Straße gesstzt und ist brotlos.� Können Sie sich eine größere Entwürdigung von Menschen denken, die, wie wir, seit Johresftist an dieser Stelle stehenl Steigt Ihnen(zu den Deutschnationalen gewendet) da nicht auch die Schamröte ins Gesicht?(Lebhafte Ruf«: Namen nennen!) Das„Deutsche Tageblatt", Herausgeber Reinhold W u l l e. Aber, meine Damen und Herren, die Sache hat noch ein« größere Bedeutung: Hier liegt nicht nur eine redaktionelle Ver- antwortung vor, sondern dieser Artikel mit den schmählichsten Beleidigungen ist au s d r ü ck l i ch gezeichnet von Reinhold W u l l e, Mitglied des Reichstags! Das ist(zu den Deutschnatio- nalen gewendet) Ihr Kollege! Zum Schluß schreibt Wulle, der von uns sagt, daß wir Ententeknechte seien,„daß das ganze System zum Teufel gejagt werden muß, weil wir in Berlin«ine deutsche Regierung, aber keine E n t e n t e kommission brauchen I" Wo ist von Ihrer Seite(zu den Deutschnationalen gewendet) im Laufe des Jahres« i n Wort gefallen gegen!Kis Treiben der» jenigen, die die Mordatmosphäre in Deutschland tatsächlich geschaffen haben? Da wundern Sie sich über die Verwilderung der Sitten, die nun eingetteten ist.(Stürmische Zustimmung.) Wir haben in Deutschland geradezu eine polltische verkierkheitl Meine Damen und Herren, ich habe die Briefe gelesen, die die unglückliche Frau Erzberger bekommen hat. Die Frau lehnt es ab, sie der Oeffentlichkeil preiszugeben. Wenn C i e diese Briese gelesen hätten, wenn Sie wüßten, wie man diese Frau, die den Mann verloren hat, deren Sohn rasch dahingestorben ist, deren eine Tochter sich dem religiösen Dienst gewidmet hat, gemartert hat! Man hat in diesen Briefen der Frau mitgeteilt, daß man die Grabslelle des Mannes beschmutzen will, nur um Rache zu üben. (Lebhafte Unruhe und Erregung.) Wundern S i e sich, wenn unter dem Einfluß der Erzeugnisse Ihrer Presse der letzten Tage Briefe an mich kommen, wie ich einen von gestern hier in der Hand habe, der die Ueberschrift ttägl: „Am Tage der Hinrichtung Dr. Rathenaus l"? Wundern Sie sich dann, wenn«ine Atmosphäre geschaffen ist, in der auch der letzte Funke polittscher Vernunft erlosch? Ich will nur den Schlußsatz dieses Briefes vorlesen:„Im Guten habt Ihr Männer des Ersüllungswahnsinns auf die Stimmen derer nicht hören wollen, die von der Fortsetzung der Wahnsinnspolitit abrieten. So nehme denn das harte Verhängnis söinen Lauf, auf daß das Vaterland gedeihe!"(Andauernde stürmische Erregung.) Wollen wir ans dieser Atmosphäre— und das ist es doch, worauf es allein ankommt— wieder herauskommen, wollen wir gesunden, dann muß das System des politischen Mordes endlich enden, das die politische Ohnmacht eines Volkes offenbart. (Lebhafte Zustimmung.) Wollen wir aus diesem System heraus, so müssen alle, die überhaupt noch auf das liebe Himmelslicht Vernunft einen Anspruch machen, daran arbeiten, diese Atmosphäre zu entgiften. Und w i e kann sie entgiftet rckerden? Meine Damen und Herren! Sie können mir gewiß zurufen: Das ist eine Frage, die man zunächst an die Alliierten zu stellen hat! Nun, ich war Zeuge bedeutsamer Unterhaltungen unseres ermordeten Freundes mit den mächtigsten der alliierten Staatsmänner in Genua. Einen beredteren Anwalt in ernstasten Gesprächen, einen beredteren Anwalt für die Freiheit des deutschen Volkes als Herrn Dr. Rathenou halten Sie ganz bestimmt nicht finden können! Seine Art, die Atmosphäre vorzubereiten, die DeHandlung der Probleme aus der Atmosphäre der Leidenschaft in eine ruhigere Erwägung und vornehmere Gesinnung hinüber- zuführen, das hat keiner so verstanden wie Hetr Dr. Rathenau. Ich war Teilnehmer und Zeuge eines Gesprächs mit dem ersten englischen Minister Lloyd George, in dessen Verlauf Dr. Rathejiau ganz klar und ernsthast sagte:„Unter dem System, unter dem uns zurzeit die Alliierten halten, kann das deutsche Volk nicht leben!" Niemals habe ich einen Mann edlere vaterländische Arbelt ver- richten sehen als Dr. Rathsnau. Was aber war nach der rechtsvölkischen Presse sein Motto? Wenn ich in diesem Briefe lese, daß natürlich die Verträge alle nur abgeschlossen sind, damit er und seine Judensippschaft sich bereichern können, dann können Sie wohl verstehen. daß unter dieser„völkischen" Verhetzung, unter der wir leiden, unser deutsches vakerland rettungslos dem Unkergavg entgegentreiben muß. Ich war heute beim Kirchgang Zeuge des Aufmarsches der großen Massen zur Demonstration im Lustgarten. Da war Ordnung, da war Disziplin. Es war Ruhe; aber mögen sich die kreise in Deutschland durch diese äußere Ruhe nicht täuschen lassen. In der Tiefe droht ein Vulkan!(Stürmischer Beifall.) Ich muß hier das Wort wiederholen, dos ich seinerzeit ge- sprachen habe, daß in einem so wahnwitzigen Entscheidungskampf, den viele von Ihnen gewissenlos herbeiführen, uns unsere Pflicht dahin führt, wo die großen Scharen des arbeitenden Volkes stehen!(Erneuter lebhafter Beifall) Meine Damen und Herrenl Die Frage ist.ernsthaft, sie muß hier in Ruhe erörtert werden. Gewiß können wir aus eigener Kraft ohne Einsicht der alliierten Staatsmänner Ruhe und Ordnung in Deutschland und ein Wiedererwachen des deutschen wirtschaftlichen Lebens nicht herbeiführen. Darüber soll kein Zweifel gelassen werden: Abgesehen von dem oder jenem Zeichen des Verständnisses haben die alliierten Regierungen dem demokrattschen Deutschland im Laufe eines Iahres nur De- müttgungen zugefügt.(Lebhafte Zustimmung.) Ich spreche es offen aus: Der Wahn, der durch die Welt ging. als ob der Ausgang des Krieges eine Sicherung demokratischer Freiheit sei, das war eben nur ein Wahn und eine schmerzliche Enttäuschung für das deutsche Volk und auch die größte Eni- länschung für die deutsche, auch die radikal gesinnte Arbeiterschaft. Die Entscheidung über Oberschlesien lag nicht in unserer Macht. Ich kenne die Angriffe gegen die Männer, die trotz Ober- schlesien die Politik weitergeführt haben, weil es ehen leinen an» dern Weg gab. Die Entscheidung über Oberschlesien war das größte, das himmelschreiendste Unrecht, das dem deutschen Volke durch den Bruch des Versailler Vertrages angetan weroen tonnte. (Stürmische Zustimmung.) Ich bin von einem alliierten Staatsmann— es war Lloyd, George— gefragt worden: Herr Reichskanzler, wie stellen Sie sich zum Völkerbund? Ich habe ihm folgende Antwort gegeben: Ich bin ein Freund eines Völkerbundes und ich würde den Tag begrüßen, wo die große Organisation der Völker geschaffen wer- den könnte, um allem, was Menschenantlitz trägt, den Frieden auf der Welt zu bewahren. Aber— so habe ich weiter geftagt — will man dem Völkerbund dienen in Deutschland, so muß man zurzeit— ich unterstreiche dos„zurzeit"— es war gestern vor Wochen in Genua, vieleicht ist heute die Situation schon anders,— will man diesem Völkerbunde einen Nutzen bristgen, so muß man nach der Entscheidung von Oberschlesieu von diesem Völkerbund« schweigen. I will einen zwetten Punkt anführen. Sch erinnere an Amf mif den reichen Gaben feines Gelftes und unter Anknüpfung 1bie vom Reihe abhängen. Denn wo feln Kläger ist, ist das Schicksal der fünf Weichseldörfer, das heute noch von Beziehungen gefördert hat, die ihm ja auch das Judentum in fein Richter. Wir fürchten nicht für die Republie, wenn wir von nicht entschieden ist, an die Leiden der Saarbevölkerung, an der ganzen Welt, das fulturell und politisch bedeutsam ist, ge- der Toleranz gegenüber ihren Feinden zurüdtreten. Die Republik die großen Schmerzen der rheinischen Bevölkerung, an währt hat, dann hat er damit dem deutschen Volke einen ist durch jo große Maffen des Boltes gesichert, daß gar teine Furcht diese kleinlichen Schikanen, die dort auf unseren Bolfsgenossen laften großen Dienst erwiesen. zu herrschen braucht. Ich glaube au nicht, daß das Abschießen und die eine Schande sind für das gesittete Europa.( Stürmischer schüßen uns, um die Möglichkeit zu haben, Ordnung und Recht einiger verantwortlicher Personen die Republik gefährdet. Aber mir Beifall!) zu erhalten, um im Innern weiter in Ordnung arbeiten zu können Wie oft haben wir mahnend und flehend gerade nach dem Ausund um nach außen unsere Rechte zu vertreten und unter den lande hin die Hände erhoben und haben gesagt: Gebt dem demo Nationen der Welt wieder ein lebenswertes Leben zu führen.( Lebh. fratischen Deutschland jene Freiheit, deren das demokratische Beifall bei der Mehrheit.) Deutschland bedarf, um im Herzen Europas eine Staatsform zu schaffen, die eine Gewähr des Friedens bietet. Unsere Mahnungen sind verhallt. Erst in dem Augenblid, wo man gesehen hat, daß die ganze Welt leidet, wenn das deutsche Volk zugrunde geht, ist allmählich erst durch wirtschaftliche Erwägungen der Haß etwas zurückgetreten. Aber die politischen Folgerungen aus dieser veränderten Atmosphäre sind bis zur Stunde noch nicht gezogen. Darüber besteht kein Zweifel: es ist für ein 60- Millionen- Bolt auf die Dauer unmöglich, unter der Herschaft von fremden Kommissionen, und wenn es die Herren auch noch so gut meinen sollten, ein demokratisches Deutschland, ein Sechzigmillionenvolt über haupt lebensfähig zu machen. Ziehen Sie auch andere Vertreter zur Arbeit heran jedem ist die Türe geöffnet-, solche, die kirchlichen Organisationen angehören, sei es der evangelischen, sei es der katholischen Kirche, feien es Vertreter der Arbeiter organisationen, allen ist die Tür für die Anfnüpfung internationaler Beziehungen geöffnet. Es ist notwendig, daß jeder Faden geflochten wird, der die zerrissenen Bölker einander wieder näher bringt. Dabei geben wir nichts auf, was unser eigenes Bolt angeht. Glabt denn jemand in der Welt, daß es in Deutschland Toren gibt, die meinen, daß, wenn sie die eigene Wirtschaft zu einem Friedhof eingeebnet haben, dann die Tage des Sozi a lismus fämen? Daran glaubt niemand. Dieses Phantom, als ob wir die Nation zerstören wollten, um dann erst wieder Politik zu machen, ist doch das Törichteste, was es in der Welt gibt. Geduld meine Damen und Herren, wieder Geduld und nochmals Geduld und die Nerven angespannt und zufammengehalten auch in den Stunden, wo es persönlich und parteipolitisch angenehmer wäre, sich in die Büsche zu drücken. Nachdem noch die Abgg. Gerstenberger( Bayer. Bpt.), Alpers( Deutsch- Hannover.) und Koehnen( Komm.) ihrer Abscheu gegen das Attentat zum Ausdruck gebracht haben, erklärt Reichsjustizminister Radbruch im Namen des Reichstanzlers, daß mit Zustimmung des Reichsprä fidenten der§ 6 der Verordnung dahin geändert wird, daß auch die rechtsfundigen Mitglieder des Staatsgerichtshofes Dom Reichspräsidenten berufen werden. Damit schließt die Debatte und nach persönlichen Bemerkungen vertagt sich das Haus auf Montag mittag 12 Uhr. Schluß 5½ Uhr. Rathenaus Begräbnis. Die Kundgebungen am Dienstag. Aber nicht Demokratie, die auf den Tisch schlägt und sagt: wir pofitionen, die noch nicht endgültig find, Dienstag, den In jeder Stunde, meine Damen und Herren, Demofrafie! Das Begräbnis Rathenaus dürfte, nach den bisherigen Dissind die Macht! Nein! Sondern jene Demokratie, die geduldig in pofitionen, die noch nicht endgültig find, Dienstag, den jeder Lage für das eigene unglückliche Vaterland eine Förderung der 27. Juni, 12 Uhr mittags, vom Reichstag aus stattfinden. Freiheit fucht! Für denselben Tag sind, wie bekannt, durch den Beschluß des In diesem Sinne, meine Damen und Herren, Mitarbeit! In Gewerkschaftskongreffes undgebungen der Arbeiterdiesem Sinne müssen alle Hände, muß jeder Mund sich regen, um schaft vorgesehen, die mit Mittags- Arbeitsschluß beginnen endlich in Deutschland diese Atmosphäre des Mordes, der follen. Im Rahmen dieses Beschlusses, der unbedingt zu beachten Vergiftung zu zerstören! Da steht der Feind, der Gift in die ist, werden die örtlichen Organisationen ihre Maßnahmen treffen. Wunden eines Boltes träufelt, da steht der Feind Die Verordnungen des Reichspräsidenten. Da wundert es mich nicht mehr, daß die Erkenntnis ich weiß nicht, ob es die war den General Ludendorff veranlaßt hat, in einer englischen Zeitschrift einen Artikel zu schreiben und für Deutschland die Dittatur zu empfehlen, die monarchische Diktatur. Dieser Artikel ist eines deutschen Generals unwürdig. Er ist es um so mehr. als auch auf dieser Seite( nach rechts) wiederholt die Bereitwilligkeit ausgesprochen worden ist, sich, wenn auch nicht im Rahmen der Linien unserer heutigen Politit, an der Gesetzgebung praktisch zu betätigen. Wenn Sie einen Mann ( nach rechts) als Ihren großen Gott verehren, der dieses Ziel, die Diktatur für Deutschland, gerade in einem Augenblick in England poflamiert, wo die Herzen, die in Eis gepanzert waren, aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus zu schmelzen begannen. fo zeigen diese Träger des alten Systems, daß fie für die polifische Atmosphäre der Welt weder Vernunft noch Fingerspitzengefühl langandauernde Bewegung.) besitzen. und darüber ist fein 3weifel, dieser Feind steht rechts! ( Stürmischer, minutenlanger, immer wiederkehrender Beifall bei Bertreter der Vorstände des ADGB., des AfA- Bundes, der der großen Mehrheit des Hauses und auf den Tribünen. Große, Sozialdemokratischen Partei, der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei und der Kommunistischen Partei, traten Sonntag nachmittag zu einer Besprechung zusammen, in der die politische Lage des Reichspräsidenten und das zu erfassende Gesetz zum Schutz der und die zu ergreifenden Maßnahmen, insbesondere die Verordnung Republik erörtert wurden. Eine Abordnung begab sich zur Reichsregierung, um dieser zunächst einige der dringendsten Forderungen bezüglich der Verordnung des Reichspräsidenten zu unterbreiten. Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen. Abg. Heinze( D. Bpt.): Wir find in der Verurteilung der Ich glaube, ich war es Dr. Rathenau schuldig, noch einige setzt, daß Deutschland aus dieser Atmosphäre nicht herauskommt. Mordtat der Auffassung des Herrn Reichskanzlers. Wir sind entWorte hier in die Debatte einzuflechten. Ich bedauere nicht nur Was die Bedeutung des ermordeten Ministers angeht, so ist darüber als Freund seinen grausamen Tod, sondern wir sind tief unglücklich, wohl kein Streit notwendig. Man wird nicht streiten über seine in ihm den großen Mitarbeiter verloren zu haben. Ich würde mich fittliche Größe, seine fulturellen Verdienste, seine Geistesgaben und freuen, wenn gerade in den Kreisen, die bisher unserer Politik feind die Hingebung, mit der er sich bemüht hat, das Wohl Deutschlands lich gegenüberstanden, ein Verständnis dafür vorhanden wäre, daß zu fördern. Wir haben den Erfolg seiner Tätigkeit in Genua an gewisse Linien unserer Politik unter feinen Umständen ver- ertannt und standen alle unter dem ungeheuren Eindruck seiner Lassen werden dürfen. Rede, die er mit dem Rufe Frieden!" geschlossen hat. Wir stimmen Das Preußische Ministerium des Innern hat bereits die Aus. dem Rufe, daß Abhilfe geschaffen werden muß, aus vollem führungsbestimmungen zu der Verordnung des Reichs Herzen zu und wollen alles tun, um dergleichen unmöglich präsidenten ausgearbeitet. Es ist zu erwarten, daß das Preußische zu machen. Innenministerium mit aller Schärfe die neue Verordnung durchführt und fein Augenmer? insbesondere auf die Presse legt, die feit Jahr und Tag für den gegenwärtigen Zustand vorgearbeitet hat. Aber, meine Damen und Herren, die vielgeschmähte Erfüllungspolitik ist nach außen sabotiert, wenn wir nach innen nicht zu einer einheitlich festgefügten Auffassung unserer Politik kommen. Es geht nicht an, Divergenzen zwischen Kanzler und Ministern zu fonstruieren; und wenn sie vorhanden sein sollten, dann muß gerade aus außenpolitischen Gründen nach einer einheitlichen Linie der inneren Politik so schnell wie möglich gesucht werden. " Die Regierung muß die Strafgesetze mit aller Schärfe gegen geheime staatsfeindliche Organisationen anwenden. Es muß schnell durchgegriffen werden, weil die Sicherheit des Staates gefährdet ist. Wir billigen, daß in diesen Ausnahmezuständen mit Ausnahmeregeln vorgegangen wird. Minister Dr. Rathenau hat am Abend vor seinem Tode mit einem Herrn aus Ihrer Fraktion, meine Herren von der Deuterhigte Feuer wird erst abgekühlt, wenn die Lasten von uns gefchen Volkspartei, bei einem Diplomaten bis 1 Uhr nachts zugebracht, nicht etwa, wie man da und dort vermuten könnte, um fich zu ergötzen. Das Gespräch ging um die Reparationsfrage. Die größten Bebantengänge in der Reparationsfrage wie in der Schuld. frage beschäftigten diesen Minifter Tag und Nacht. Nachdem der Herr Kollege Hergt jetzt in den Saal gefammen ist, darf ich sagen: Wir haben gerade für die Förderung diefer Frage durch seinen Tod unendlich viel verloren. Wir sind nicht untätig, meine Herren, und das Geschrei, was braußen geübt wird, ist das Törichste, was es gegeben hat. Man darf aber, wenn man Politik treibt und wenn man auf Jahre hinaus schauen muß, nicht alles an die große Glocke hängen, und vor allem darf man jene Glocke nicht läuten, für die man in meiner Heimat ein sehr böses Wort geprägt hat. In diesem Gespräch gerade mit einem Industriellen, einem her vorragenden Mitglied der Deutschen Boltspartei, hat fich gezeigt, daß man das Problem der Reparation, auch wenn man sonst verschiedener Auffassung ist, doch in starter Form fördern, in gemeinsamen Besprechungen verschiedenster Parteien behan deln kann. Das, was in der Welt geschehen ist, was die englische Bant uns im Dezember geantwortet hat, ist eine Basis, auf der Anleihesachverständigen ausgesprochen hat, ist eine Basis, auf der alle, die in Deutschland guten Willens find, die auswärtige Politit und die große Frage der Kontribution, um dieses Wort zu gebrauchen, förderlich behandeln könnten. Wir wären ja töricht, wenn wir dieses Instrument nicht in unsere Hand nehmen würden. Es ist deshalb geradezu eine Sinnlosigkeit, wenn sich in Deutschland die Menschen die Köpfe darüber zerschlagen, ob eine fleine, eine mittlere oder eine große Anleihe notwendig ist. Nein, eins ist in der Reparationsfrage notwendig: daß wir nicht eine Polifit mit Ulfimaten und Terminen erleben. Und ein zweites ist notwendig darüber ist sich heute die Welt einig!: Das politische Dittat heilt weder das deutsche Volk noch Europa, noch die Menschheit. Die Politif, die wir im letzten Jahre wie in diesem Jahre erstrebt haben, zielt auf eine vernünftige Lösung des ganzen Reparationsproblems auf wirtschaftlicher Basis. Wir wollen uns dem nicht entziehen, wir wollen nicht davonlaufen. In feinem Augenblick, auch nicht bei der schrecklichen Entscheidung über Oberschlesien, haben wir die Geduld verloren, am Rettungswert des deutschen Boltes mitzuarbeiten. Wer, wie ich das von rechts immer höre, wie es mir immer mieder aus den Zeitungen entgegentönt, mit Fauft sagt: Fluch vor allem der Geduld!", der hat sich aus der politischen Arbeit, aus der Rettungsarbeit für unser Vaterland ausgeschaltet. Geduld gehört dazu. Gewiß, meine Damen und Herren, mit nationa listischen Rundgebungen lösen Sie fein Problem in Deutschland. Ist es denn nicht eine Schande, wenn jemand von uns, von der äußersten Linken bis zur äußersten Rechten in idealem Schwung die Fäden der Verständigung mit allen Nationen anzuknüpfen versucht? Ist es denn eine Schande, wenn wir mit jenem gemäßigkten Teil des französischen Bolkes, der die Probleme nicht nur unter dem Gesichtspunkt sieht:„ Wir sind die Sieger, wir treten die Boches nieder, heraus mit dem Säbel, Einmarsch ins Ruhrgebiet!", wenn wir durch persönliche Beziehungen mit allen Teilen der benachbarten Nationen zu einer Besprechung der großen Probleme zu kommen suchen? Dr. Rathenau war wie faum einer zu dieser Aufgabe berufen. Seine Sprachentenntnisse, die formvollendete Art seiner Dar: ftellung machten ihn in erster Linie geeignet, an dieser Anknüpfung von Fäden zwischen den Völkern erfolgreich zu arbeiten. Wenn dann ein Mann wie Rathenau über trennende Grenzpfähle hinaus bei aller Betonung des Deutschen, seines Wertes für die Geschichte, feiner fulturellen Taten, seines Forschungstriebes, feines Wahrheit fuchens, wenn er wie Rathenau die großen Probleme der Kulturentwicklung Europas und der Wirtschaft organisatorisch durch seine Arbeiten in allen Ländern, dann als Etaatsmann im Auswärtigen * Lloyd George über Rathenau. Condon, 25. Juni.( WTB.) In einer Ansprache in der Waliser Der Friedensvertrag ist der Urgrund der Stimmung, und das Baptistenkapelle zu London fagte Lloyd George heute nachnommen werden. Wir verlangen aber, daß man unsere Ueber- mittag: Rathenau war einer der fähigsten Minister zeugung achtet, aber es ist feine Achtung vor diejer Ueberzeugung, Europas. Er tat fein Bestes, um die guten Beziehungen zwischen wenn die schwarzweißroten Fahnen mißachtet werden.( Ungeheurer seinem Lande und den anderen Nationen, denen Deutschland unLärm auf der Linken.) recht zugefügt hatte, wiederherzustellen. Er fat fein Bestes, und Die Agitation gegen die Verfassunrg lehnen wir unter deshalb wurde er ermordet. Ich kann nur meinen tiefsten Abscheu allen Umständen ab. Wir find auch der Ansicht, daß die Männer der Regierung gegen Beleidigungen geschüßt werden aussprechen über das Verbrechen und dem Vertrauen Ausdruc müssen. Ueberhaupt sollte die in Weimar festgelegte Berfaffung auf geben, daß Deutschland nicht leiden wird unter dem Unabsehbare Zeit nicht geändert werden. Den Generalstreit, recht, das diese Leute ihrem eigenen Lande zufügten durch dieses der für Dienstag proflamiert wurde, halte ich für gefährlich. 3ch feige Berbrechen an einem feiner ausgezeichnetsten Bürger. möchte dringend auffordern, die Berordnung des Präsidenten nach rechts und links anzuwenden.( Große Unruhe und lärmende Zurufe links.) die Verfassung, die allen Deutschen gleiche Rechte gewährt, ge- folgenden Aufruf an seine Mitglieder: Durch die einseitige Anwendung der Verordnung würde Der Vorstand des Allgemeinen Freien Angestelltenbundes richtet wegen des Friedensvertrages und alle Regimentsfeiern tion hat sich bis zur Unerträglichkeit gesteigert. Der ruchlose Meu brochen werden. Die Bestimmung, daß alle Versammlungen ,, Das unverantwortliche Treiben der antirepublikanischen Reatverboten werden sollen, ist nicht ungefährlich. Als wir seinerzeit in der Verfassungskommission erhöhten Schutz für den Reichspräsidenten forderten, haben gerade die extremen Demokraten das abgelehnt. ( hört, hört! rechts.) Sollte die Verordnung in das allgemeine Recht überführt werden, so müßten wir uns im einzelnen die Prüfung vorbehalten. Aber als Ausnahme wollen wir die Verord nung afzeptieren in dem Gefühl, daß uns die Gestaltung des Gemeinrechts vorbehalten bleibt.( Beifall b. d. D. Vpt.) Abg. Petersen( Dem.) freut sich der Anerkennung, die dem Minister für seine Tätigkeit gezollt wurde und zeichnet noch einmal die Verdienste auf, die sich Rathenau während und nach dem Kriege um Deutschland erworben hat. effe des deutschen Boltes geleistet hat, als Mi Dieser Mann ist ermordet worden für das, was er im Internister der demokratischen Republik Deutschland. Daß die Demofraten an der Republik festhalten, ist selbstverständlich. Die Demokratie war es, die uns von der Gewalt der Arbeiter- und Soldatenräte befreite. Das deutsche Volk sollte sich heute noch dankbar dessen erinnern, was die führenden Männer der Nationalversammlung mit der blif ist innerpolitisch die einzige Möglichkeit zum WieSchaffung der Verfassung geleistet haben. Die demokratische Repuderaufbau. Darum fonnten wir von allen, die wenigstens nationales Gemeinschaftsgefühl befizen, erwarten, daß sie die Ber faffungsfragen bis zur Wiederkehr ruhiger Zeiren ruhen lassen und fich jeden Widerstandes und jeder Niedertracht gegen die Verfassung enthalten. Diese Hoffnung auf das nationale Pflichtgefühl der Rechtsparteien hat bitter getrogen. Wir haben lange auf eine Erklärung gewartet, wie sie heute die Deutsche Volkspartei abgeben ließ. vor allem bei den Deutschnationalen. Nicht die Rede Helfferichs Die Verantwortung gegenüber dem Baterlande vermiffen wir Herrn Abg. Helfferich, dieses ganz besonderen Exponenten der pom 23. Juni hat Rathenau ermorden laffen, aber die. Reden des Deutschnationalen, find mit die Ursache gewesen. Wo blieben die flaren Trennungsstriche gegen Herrn Wulle, wo blieb die offizielle Erklärung der Deutschnationalen Partei gegen diese Kreise, für die sie durch ihre Haltung verantwortlich ist? Diefer furchtbaren Tat mußte von jener Selte eine affive Abwehr folgen. mischer Beifall) und stimmen ihm zu, wenn er die Entente mit Wir danken dem Kanzler für seine ausgezeichnete Rede( Stür verantwortlich gemacht hat. Gegenüber der Politit der Oppositionsparteien der Rechten, die eine Art von Fehme geworden ist, wäre es verfehlt, wenn wir die Toleranz des Staates noch weiter treiben würden. Wir müssen den Gedanken der republikanischen Staatsform noch viel stärker betonen.( Lebh. Beifall.) Aufruf des Afa- Bundes. chelmord an Walter Rathenau ist das Flammenzeichen, in welch unmittelbare Nähe die Gefahr für den weiteren Bestand der Republik gerückt ist. Die Anschläge gegen die Republik sind aber nicht zuletzt gegen ihre eigentlichen Träger, die Angestellten, Beamten und Arbeiter gerichtet. Deshalb erklären wir namens aller gewerkschaftlich organisier. ten und freiheitlich denkenden Angestellten und in solidarischer Uebereinstimmung mit der feierlichen Rundgebung des Elften Gewerkschaftskongresses: Bis hierher und nicht weiter! die Reichsregierung fich nunmehr aufrafft, Berivaltung, Justiz, Das drohende Verhängnis wird nur abgewehrt werden könen, wenn Reichswehr und Polizei rücksichtslos von allen voltsfeindlichen Elementen zu säubern. Die Aufforderung des Leipziger Gewerkschaftstongresses an die gesamte Arbeiterschaft, ihren Willen zur Verteidigung der Republik und ihrer Einrichtungen am Dienstag, den 27. Juni nachftrationen zu befunden, gilt auch für die Mitgliedschaften der AFAmittags durch Arbeitseinstellung und öffentliche DemonVerbände. Die Ortsfartelle unseres AfA- Bundes haben sich über die Durchführung der Demonftration sofort mit den Ortsausschüssen des ADGB. zu verständigen. Für die Fortführung des Kampfes werden wir gemeinsam mit dem Vorstand des ADGB. alle erforderlichen Beisungen ergehen lassen. Kollegen und Kolleginnen! Jm März 1920 ist die Reaktion am gefchloffenen Widerstand des werffäfigen Boltes gescheitert. Haltet die Verteidigung Eurer Grundrechte einzusehen, und der Sieg wird Euch bereit, auch in dieser Stunde der Entscheidung das Lehte für unser sein! Allgemeiner Freier Angestelltenbund. Der Borstand: Aufhäuser. Urban. Stehr. Am 25. Juni tagte in Berlin die Reichslohntom. mission der freigemertschaftlichen Organisationen des Bergbaues. Sie beschloß: deutschen Republik und ihrer Regierung gegen die verbrecherischen Die deutschen Bergarbeiter erklären, daß sie zur Berteidigung der Angriffe deutschnationaler, monarchistischer und militaristischer Mordbuben alles einsetzen. Die deutsche Republik darf die deutschen Bergarbeiter zn ihren zuverläffigsten Stützen zählen. Da gewisse Unternehmerkreise ihre Alleinherrschaft wieder aufzurichtei streben, durch Ablehnung der Arbeiterforderungen die wirtschaftliche Sicherung der Republik verhindern, wird eine Stellung nahme zur Ueberarbeitsfrage abgelehnt. Auf einen Zwischenruf erwidert Petersen: Auch mein Freund Geßler steht vorbehaltlos auf dem Boden der Verfassung. Wir stellen uns hinter die Verordnung, des Reichspräsidenten. Wie die ,, Kreuz- Zeitung" dazu tommt, von Ausnahmebestimmungen gegen die nationalen Kreise zu sprechen, ist auch mir unerfindlich. abend 7% Uhr, nach dem Lehrervereinshaus zur ProtestversammDie gesamte demotrafische Jugend fordert für heute, Montag, Sind diese Mörderkreise nationale Kreife? Diese lung auf Thema: Schützt die Republit Redner: M. d. R. Die Frage muß erwogen werden, ob nicht die Verfolgung der Be- Pfarrer Korell und Dr. Haas- Karlsruhe. Leute richten in ihrer Verblendung die deutsche Nation zugrunde. amten, die die Republik sabotieren, mit aller Rüdsichtslosigkeit ein fetzen muß.( Lebh. andauernder Beifall bei der Mehrheit.) wir müssen polizeiliche und staatsanwaltliche Verfolgungsbehörden haben, Die Lüge als Tagesordnung. Die Plakatfäulen fündigen für heute abend drei Versammlungen der KPD. an mit der Tagesordnung: Die Sozialdemokratie als Brotverteurer." Wenn öle R Berlins Volk Als der Sonnabendmorzen heraufzog, da stand die Berliner Bevölkerung, die kommende grauenhafte Tat nicht ahnend, wie ge- wohnlich an jedem Sommersonnabend in den Vorbereitungen zu sonntäglicher Siedlungsfahrt, zur Wanderfahrt, zur Reife. In der Tat verlassen in der Zeit vom Sonnabend mittag bis in die Nacht hinein Zehntausende Berlin. Und dennoch, als die Tat ruchbar wurde, da war der Eindruck allgemein: Das ist ein Angriff auf die Republik, auf das Volk. Und diese Tatsache genügte, um in weniger als vierundzwanzig Stunden wiederum eine Viertelmillion des ar- bellenden Volkes auf die Beine zu bringen. Wären die abgewirt- schafteten Tapergreise der Reaktion und der ihnen gleichgeartetc Nachwuchs in feiner künstlich aufgedonnerten Männlichkeit nicht so unglaubliche Hohlschüdel, so müßten sie schon längst einsehen gelernt haben, daß gegen diese Tag und Nacht bereiten Organisationen der Massen nicht mehr aufzukommen ist. Der berühmte Vergleich von dem Ingenieur, der nur einen Hebel herumzuwerfen, auf einen Knopf zu drücken oder einen Schalter zu drehen braucht, um eine Riesenmaschine in Gang zu bringen, traf auch hier wieder zm Sonnabend abend haben die Führer in vollster Einmütigkeit die ent, sprechende Parole ausgegeben. Am selben Abend noch fand in ge- wohnter Sicherheit die Weitergabe der Parolen durch die Funktio- näre und Unterfunktionäre statt. Die späte Nacht und der frühe Morgen fand jeden auf seinem Posten. Jeder traf, als ein dem Ganzen dienendes Glied und im vollen Bewußtsein der auf ihn ruhenden Verantwortung, seine Vorbereitungen. Die Treffpunkte standen fest, und ununterbrochen strömten am frühen Sonntag die Massen, getrieben von einem einhelllichen Willen, zusammen. Die Banner und Fahnen, wie glutende Segel stolz in die Zukunft fahren- der Schiffe, schwebten durch alle Straßen und vereinigten sich an den bestimmten Plätzen. Sängerchöre waren zur Stelle, die Arbeiter- samariter traten mit ihren Geräten an, Frauen versammelten sich, Jugendliche waren mit vor ehrlicher Kampfesfteude geröteten Wangen und leuchtenden Augen zur Stelle. Es ist nicht die Art unseres Volkes und dieses norddeutschen Berl'mer Schlages, Freude oder Schmerz laut zu äußern, und so kam es, daß die Züge durch die Straßen nicht so, wie es in Italien etwa der Fall gewesen wäre, durch ununterbrochene Zurufe der Menschen aus den Häusern ange- feuert wurden. Aber eines konnte man, wenn man ssch nur ein klein wenig auf die menschliche Physsognomie versteht, immer sehr schnell feststellen, wer Freund und wer Feind dieses Volkes war. Bei den ersteren zuversichtliche Mienen, Augen, die alles das sagten, was der Mund nicht sagen konnte: und dann die im vollsten Gefühl der Ohnmacht zu Fratzen grimmiger Verbissenheit erstarrten Ge- s.chter der Reaktionäre aller Schattierungen, die gehofft hatten, gerade in diesen Johannistagen mit Schwarz-Weiß-Rot und Haken- kreuz, mit„Heil Kaiser Sir" und„Eine feste Burg ist unser Gott", mit Heill und Hurra! die Republik in den Abgrund zu stürzen, und die nun ihrer statt ihrer eigenen Züge wieder die Züge des ver- haßten Volkes durch die Straßen wallen sahen. Der Anmarsch üurch Sie Straßen. Wie schön der Farbendreiklang Schwarz-Rot-Gold, vom Wind entfaltet in den Lüften steht, konnte man an diesem sonnigen Früh- sonning sehen, und man hätte gewünscht, daß der Anlaß zur Ent- faltung deutsch-republikanischer Flaggengala ein freudiger gewesen wäre. So wehte alles Halbmast. Die Wilhelmstraß« war in der Tat eine wahre Straße der Republik, die diesen Namen verdiente. Von den Häusern des Reichspräsidenten, des Reichskanzlers und der Reichsministerien wehte die deutsche Flagge, während die preußischen Ministerien und Behörden, die früher deutsch und preußisch flagg- ten, meist preußisch, das heißt schwarz-weiß geflaggt hatten, wobei es sich herausstellte, daß das eigentlich gar keine rechten Flaggerrfarben find, denn schwarz und weiß wird von dem Licht und seinem Schat- ten völlig aufgesogen. Die einzige schwarzweißrote und dazu ganz offiziell« Flagge war auf dem Dach des R e i ch s w e h r m i n i st e- r i u m s gezogen worden: denn dieses Tuch mit dem Eisernen Kreuz !n der Mitte und dem bescheidenen schwarzrotgoldenen Obereck ist >ie Reichskriegsflagge. Auch die Eisenbahndirektion hatte geflaggt, ebenso Potsdamer und Anhalter Bahnhof. Einen merk- würdigen Anblick bot die Straße Unter den Linden. Als man sie um die zehnte Morgenstunde betrat, lag sie ziemlich eindruckslos da. Am Pariser Platz zeigte einzig die Preußische Akademie der Künste ein zu der Farbenfreudigkeit der Kunst so gar nicht passendes preußisches Fähnchen. Kultusministerium und Ministe» r i u m des I n n e r>n hatten natürlich geflaggt, ober der weite Platz vorm Opernhaus mit dem Kranz staallich-stattlicher Gebäude sah ziemlich leer aus. Offenbar hatte ein Teil der Hausverwalter die Anordnung zur Flaggung verschlafen. Am Morgen waren nur das Opernhaus mit zwei preußischen Fahnen beflaggt. Auf der Staatsbibliothek ding an einer Ecke die alte preußische Adlerflagg«. Weder die drei Masten der Universität noch die der Univerfitätsaula, der alten Hauptwache, det ehemaligen Kommandantur, der Nationalgalerie(ehemaliges Kronprinzenpalais) und des Zeughauses zeigten Flaggenschmuck. Um Uli Uhr, im Anblick der unermeßlichen Menge und der an- marschierenden Züge ging, in diesem Augenblick jedenfalls wie ein« Huldigung vor dem Volk wirkend und als solche vielfach auch emp- funden, auf dem hohen Dach des jahrhundertealten Hohenzollern- fchlosses die schwarzrotgoldene Flagge des Deutschen Reiches und des deutschen Volkes auf Halbmast. Während der Demonstration hatten dann wohl etliche Hausverwalter Zeit gehabt, sich auszuschlafen und die alten melancholischen Preußenflaggen auszustauben und auszubürsten, denn als die Züge zurückfluteten, standen auch Universität, Universitätsaula und Zeughaus unter der Trauerflagge. Nun besteht aber«ine Bestimmung, nach der Ge- bäude, die mehrere Flaggenmasten haben, neben der Landesflagge auch die Neichsflagge zu setzen haben. Aber weder die Universität, noch die Staatsbibliothek, noch das Opernhaus, die alle zwei Flaggen- mosten haben, hatten die Reichsflagge gezogen. Dies« Unterlassung erheischt Aufklärung. Von dem hohen Turm des Roten Hauses in der Königstraße aber grüßte die weiße rot geränderte Berliner Stadtsahne mit dem Bären zum Lustgarten hinüber. Pri- vate Trauerflaggen waren in der Innenstadt nicht zu sehen. Vie Massen im Lustgarten. Schon um 10 Uhr setzt der Zustrom ein, schon um 10 Uhr wälzt es sich dunkel die Linden hinunter. Von hier durch das Gebiet der Bannmeile sind nicht die geordneten Züge zu erwarten: es sind die Massen derjenigen, die der Demonstration ein warmes Gefühl entgegenbringen, und sicher auch viele„Bloß-Neugierige". Wie einer den� anderen beobachte», wie vom anderen denkt: bist du auch einer von denen, die zur Republik halten— oder neigt dein Herz zu jenen, an deren Händen das Blut des Opfers klebt? Sieh doch, dort kommt ein dunkelgrünes Auto, sechssitzig, Tourenwagen, elegant. Vier Leute im Lodenanzug mit gelben Kappen darin. Paßt darauf nicht die Beschreibung des Mörderautos? Alle Augen kleben an dem grünen Wagen, einige schieben sich ihm Hindernis- bereit in den Weg. Ach nein, die werden heilte nicht unter den Linden spazierenfähren... Nun strömt's in den Lustgarten. Nun - wird der Platz lebendig. Züge mit dem Tuch, rot und schwarz- rotgold über den Häuptern sind schon vordem da. Die gleichen Farben flattern immer wieder auf, tauchen stets von neuem aus den Zugangsstraßen und beweisen, daß die Republik— ach, läge .«s nur an den Fahnen— doch nicht so verlassen ist, wie es ihre epublit ruft! in Bereitschaft. Feinde glauben machen wollen. Wie hat man doch gelernt, die Fahnen zu gruppieren. Um den dritten Wilhelm herum ist der beste Standpunkt. Das ist im Zentrum des Ganzen, und das satte Rot und Gold steht gut gegen das dunkkle Erz des Denkmals. Dann kommt die Freitreppe des Museums mit seinen dunklen Säulennischen als Versammlungsort der Fahnen und die Freitreppe des Domes. Um 11 Uhr war alles beisammen. Von oben ge- sehen ein dunkles Branden der Häupter, aber mehr helle Tön« als sonst: die Sommerkleider der Frauen. Doch blieben die Menschen im Fluß. Noch bahnten sich Züge auf unerklärliche Weise offene Gassen durch das Gedränge, und eine gute Viertelstunde verging, bevor sich alles geordnet hatte und Ruhe eintrat. Schon um %11 Uhr hatte ein mit einer mächtigen schwarzrotgoldenen Fahne wohlbewaffneter Jüngling den ersten Schritt auf das einzige Gebirge des Platzes, den dritten erzenen Wilhelm, unternommen. Di« Klettertour war im Gange und mit allen Hindernissen des Hoch- gebirges verknüpft. Aber es glückte ihm doch, genau ein« Viertel- stunde nach Elf auf der höchsten Spitze der wilhelminischen Pickel- Haube anzulangen. So saß er nun wohlgemut und schwindelfrei und schwenkte die Fahne zu dem schwarzrotgoldenen Regierung?- banner hinüber, das gerade auf dem Schloß zum Halbmast aufstieg. Ja, es konnte beginnen. All« Redner waren auf ihren Plätzen, man hatte sich gruppiert, als statt der erwarteten Wort« zunächst wieder der Dom feinen langatmigen Glockensermon begann. Zunächst war das eine böse Unterbrechung, aber nach einem Weilchen geduldigen Wartens beruhigte sich auch das Geläute. Es klang und dröhnte und warf noch verlorene Klänge dazwischen, als die ersten Redner begannen. Don zwanzig Stellen aus sprachen sie. Rot und Gold steht gut gegen das dunkle Erz des Denkmals. Es war der Ernst der Stunde, der tief aus den Worten aller dieser zusammengefunden hatten. Ernste Worte an die Regierung, an- haltende Energie und Rücksiktslostgkeit im Schutze der Republik und ihrer Einrichtungen fordernd, ernste Worte an die Massen, selbst auf der Hut zu sein und in keinem Augenblick zu vergessen, was auf dem Spiele steht. Notwendig fei auch vor allem d i e Förderung des republikanischen Gedankens in einer tieferen und ernsten Weile, als es bisher der Fall gewesen. Verärgerung gegen Gleichgesinnte dürfe nicht mehr Platz greifen. Alles müsse auf das eine, auf die Erhaltung der Republik gerichtet fein. Ernst und würdig Nangen die Wort« aus. Keine über- flüssigen Zwischenruf«, nichts, was nicht dem Ernst der Stunde an- gemessen gewesen wäre. Das Opfer des Mannes, der 24 Stunden vorher unter den Kugeln der Monarchistenklique gefallen war, hielt jeden einzelnen im Banne.— Als nach Schluß der Kund- gebung die Züge sich wieder in Bewegung setzten und mit wehenden Fahnen abmarschierten, stellte sich an der Straße am Zeughaus ein Arbeiter- Gesangverein auf. llebdr die Spree hinüber klang es:„Dag Banner kann stehn, wenn der Mann auch f ä l l t I" Von Rednern unserer Partei sprachen: die Reichstagsabgeord- nete Gen. Iuchacz, Mitglied des Parteivorstandes, Reichstags- abgeordnete Gen. I a e ke r-Oftpr., Polizeipräsident Gen. Lü b b- ring. Königsberg, Reichstagsabgeordneter Bergarbeiterführer Gen. Löffler und Mitglied des Parteivorstandes Gen. Adolf Braun. Unter öer Menge. Die Ermordung Rathenaus bildete das Gespräch. Durch diese neue Mordtat der Reaktion sind merklich auch die Frauen auf- gerütelt, das gewahrte ein jeder. Die Frauen sind von tiefem Ab- scheu gegen diese feigen Meuchelmörder erfüllt, aber auch gegen die Hetzer von rechts und namentlich gegen die reaktionären Herren, die vor ein paar Tagen solch unverschämtes Benehmen im Reichstag zur Schau trugen. Sie wurden allgemein als die wahren Urheber der Mordtat bezeichnet. Unter den Linden wor bei einem Photographen Rathenaus Bild ausgestellt. Den ganzen Tag über staute sich vor ihm eine große Menschenmenge. Man ver- fluchte die Mörder und die Deutschnationalen, und namentlich Herrn Helfferich müssen die Ohren geklungen haben.— Aus der Schloß- freiheit staute sich die Menschenmenge und noch immer neue Scharen strömten herbei, als die festgesetzte Zeit der Kundgebung schon überschritten war. Man oernahm es deutlich aus der Menge, daß sie nicht die Schaulust Hergetrieben hatte, sondern daß sie be- wüßt demonstrierte und festen Willens ist. der Reaktion die Stirn zu bieten. Unter denen, die nicht mit den Zügen abmarschierten, sondern einzeln nach Hause gingen, entstand auf dem S ch l o- Erregung, weil ein Mann die Bemerkung gemacht harte:.Die ver- fluchte rote Jugend! Die ganze Demonstration ein Kientopp I" Rasch ballte sich um ihn ein Knäuel von Menschen zusammen, drohende Rufe wurden laut und es kam schließlich zu Tätlichkeiten, bei denen der Mann nicht glimpflich behandelt wurde. Den Püffen und Hieben gegen ihn wurde ein Ende ge- macht durch einige Personen, die ihn in einer Haustürnische deckten und ihm dann den Abzug durch die Brüdcrstraße ermöglichten. Die Neumannsgass«, in die er einbog, wurde hinter ihm durch eine Postenkette gesperrt, so daß er weiterer Verfolgung entging. Die Personen, die ihn beschützten, waren Mitglieder der Arbeiter- Parteien und Teilnehmer der von ihm verhöhnten D« m o n st r a t i on. An der Absperrung der Neumannsgasse be- teiligte sich auch»die verfluchte rote Jugend", wie er sie ge- nannt hatte. Die Arbeiter-Samariter hatten an sieben Stellen flie- gende Rettungsstellen eingerichtet, um bei Erkrankungen erste Hilfe jeisten zu können. In einer Reihe von Fällen wurden sie in An- spruch genommen,'doch handelt« es sich fast nur um Ohnmachtsanfälle. Ttof öer Moröerfuche. Im Polizeipräsidium herrscht Tag und Nacht ununterbrochen Hochbetrieb. Die Leitung der Nachforschungen nach den flüchtigen Mördern hat der Chef der Abteilung 1�, Oberregierungsrat Dr. Weiß, übernommen. Gestern wurden 10 Personen festge- n o m m e n, die unter dem Verdacht stehen, der in dem Killinger- Prozeß vielgenannten Organisation C anzugehören. Sie wurden aus ihren Wohnungen nach dem Polizeipräsidium gebracht und einstweilen in Gewahrsam behalten. Ihr Aufenthalt zur Zeit des Anschlags und ihr« Tätigkeit wird genau nachgeprüft. Die Beamten haben strenge Anweisungen, alle diejenigen, die nicht sofort in ihrer Wohnung oder wo sie sonst angetroffen werden, einwand- freie Auskunft geben können oder wollen, zu ihrer Vernehmung un- bedingt nach dem Polizeipräsidium zu bringen. In ganz Groß-Verlin ist ein Heer von Beamten unterwegs, Streifen, besonders im Grüne- wald, Schmargendorf, Zehlendorf, Steglitz usw. Eine Reihe von verdächtigen Personen wurden im Laufe des gestrigen Tages auch bereits der Abteilung I A zugeführt, aber als unbeteiligt wieder entlassen. Ein Hauptgegenstand der Verhandlung ist immer und überall das Auto der Mörder mit seinen Insassen. Nach ihm und seiner Herkunft wird nicht nur von Strcifmannschafien im Grunewald und seiner Umgebung bei Autobesitzern, Chauffeuren und Garagehaltern gründlich geforscht, sondern die Abteilung hat auch bereits eine Reihe von Beamten « Städte entsandt, ans denen Meldungen etugelaufeu find, um sofort alle Spuren aufzunehmen und weiter zu verfolgen, vie Aus- sagen eines Oberförster» aus der Umgegend Berlins, der nach der Reichshauptstadt zu einem Termin geladen war, haben der Kriminalpolizei stichhaltige Anhaltspunkte zur weiteren Verfolgung der Täter gegeben. Der genannte Oberförster hat das Mörder-Auto eine Viertelstunde lang vor der Abfahrt beobachtet und wußte die Täter genau zu beschreiben, desgleichen auch die Nummer des Wagens anzugeben. Es handelt sich um drei junge Leute, die von dem Zeugen auf 25 bis 30 Jahre geschätzt werden. Einer der Mörder beobachtete außerhalb des Wagens die Abfahrt Rathenaus und gab das Signal der Verfolgung. Die Obduktion der Leiche. Die Leiche des ermordeten Ministers wurde gestern, Sonntag vormittag, geleitet von seinem Priootsekretär Geitner, im Zinksarg mit dem Automobil eines Beerdigungsinstituts nach dem Schau- hause gebracht und dort von den Gerichtsärzten Medizinalrat Dr. Straßmann und Professor F r ä n k e l in Gegenwart des Unter» suchungsrichtcrs Amtsgerichtsrat Großmann, des Staatsanwalt- jchaftsrats Jäger, des Oberregierungsrats Dr. W e i ß, des Regie- rungsrats Dr. Hagemann und des Kriminalkommissars Schenk obduziert. Als Schießsachverftändiger war Major Bachelin zuge- zogen worden. Die Untersuchung der Leiche ergab, daß der Minister von fünf Schüssen getroffen und von ihren Kugeln durch» bohrt worden ist. Wahrscheinlich ist der erste Schuh sofort töd» l i ch gewesen. Nach dem Gutachten des Majors Bachelin ist ohne Zweifel mit einer Maschinenpistole geschossen worden. Das geht sowohl aus dem Einschlag der von der Polizei gefundenen Patronenhülsen als auch aus der Lage der Schüsse hervor. Entgegen anderslautenden Mitteilungen wird gemeldet, daß die Leiche nicht zerfetzt oder entstellt ist. Sie wurde gleich nach der Obduktton von Staatsanwaltschaftsrat Jäger zurBeerdigungfreigegeben, nach Ausstellung des Beerdigungsscheins sofort wieder eingesargt und von Priootsekretär Geitner nach der Villa zurückgebracht und auf- gebahrt._ ?tn öer Morökurve. Die Königsallee, in der sich der gräßliche Mord des Reichs- Ministers Dr. Rathenau ereignet hat, war am gestrigen Sonntag das Ziel ungezählter Tausende: sie ist die Hauptverkehrs- und Ler- bindungsftraße der Siedlung, die vor etwa 40 Jahren auf Anregung Bismarcks in diesem Teil des Grunewaldforfte» angelegt wurde. Die sich Kolonie Grunewald nennend« Siedlung wurde be- kanntlich in kurzer Zeit der Wohnort jener reichen und reichsten Berliner, die es liebten, die Vorzüge eines Lebens in einem von Garten oder Part umgebenen eigenen Landhaus« oder Palast mit den Annehmlichkeiten der nahen Großstadt zu verbinden. Die Königsallee verläuft jenseits der Halenseer Eisenbahnbrücke zunächst in gerader Südwestrichtung, geht an dem bekannten Lunapark mit seiner etwas lauten Umgebung vorbei und gelangt hinter dem Ein- gang zur Badeanstalt des Halensees in jene stillen und äußerlich vornehmen Villenregionen, die die ganze Kolonie Grunewald, die jetzt politisch zu Groß-Berlin gehört, seit jeher auszeichnen. Die gerade Südwcstnchtung muß dann nach kurzer Zeit durch eine Kurve unterbrochen werden, die die Straße in westliche Richtung treibt, sie ober nach kurzer Zeit abermals«ine Kurve beschreiben läßt, die die Straße in die alte Südwestrichtung zurückführt, um sie auf diese Weise den Brückenpaß zwischen dem Herthasee und dem Königssee gewinnen zu lassen. An dieser zweiten Kurve geschah die Bluttat. Der Bürgersteig wird hier von einem 3 Meter hohen eisernen Gitter begrenzt, das auf etwa 40 Zentimeter hohen schweren Grundschwellen ruht. Das Gitter beginnt bereits an der von der ersten Kurve gebildeten Ecke und zieht sich an der Mordstelle vorbei bis zum Herthasee, einem jener lieblichen vier Seen, die der Villenkolonie einen besonderen Reiz verleihen. Hinter verw. Frau Gulietta von Mendelssohn, geb. Gordiziem, gehört. verw. Frau Giuliette von Mendelssohn, geb. Gordiziem, gehört. Diesem bisher wenig beachteten Umstand, daß bis zu der zweiten Kurv« der Weg zur Rechten durchgehend von dem dichten Park begrenzt wird, der durch kein Haus und keinen Zufahrtsweg unterbrochen wird, ist es im wesentlichen zuzuschreiben, daß die Mordgesellen ihren Plan mit Erfolg durchführen konnten. An der(von Berlin gerechnet) zweiten Kurve weisen die Granit- schwellen drei helle schwache Flecken auf, die Aufschlagstellen der Geschosse. vas verbrecher-fiutomobil und feine Insassen. Zu dem Mord an dem Minister Rathenau sind der Abteilung I A des Polizeipräsidiums auch in der vergangenen Nacht noch viele Mel- düngen zugegangen. Die wichtigste Bekundung ist die eines Zeugen, der zur Zeit des Verbrechens in der Königsallee gewesen ist: er sah an der Ecke der Bismarckstraße ein Auto stehen. Da er sich für Kraftwagen interessiert, ging er um den Wagen herum, um ihn sich genauer anzusehen. So kann er ihn auch genau beschreiben. Es ist ein schwerer sechssitziger Tourenwagen von mindestens4Sbis80?8. Er hatte hinten ein kantiges ver- senktes Verdeck, das den Eindruck einer Leiste mit recht breiten Kanten machte. Der Wagen ist von schwarzblauer Farbe. Der Wagen hat zwei Notsitze und eine dunkelgrüne ge- rippte Polsterung, anscheinend Kord, nicht Leder. Die Räder sind sogenannte Kronprinzenräder. Die Bereifung war verhält- nismäßig neu, Continentalrecord mit Kettenfignie- rung auf der Lauffläche der Räder. Das Auto hatte zwei große gelbe Messingscheinwerfer und zwei kleine elektrische Laternen zu beiden Seiten der Schutzscheibe, eine Hupe mit Schlauch und Gummi- ball und auf dem Trittbrett rechts einen Messingbehälter für die Karbidbeleuchtung. Während der Herr den Wagen besah, saß der Chauffeur auf seinem Sitz am Steuer und ein anderer Mann im Wagen. Ein dritter Mann ging währenddessen auf und ab und gab dem Manne, der im Wagen saß, Zeichen. Dieser Mann war etwa 1,65 bis 1,68 Meter groß, schlank und muskulös. Er hat dunkles, fast braunes, ins Schwarze schimmerndes volles Haar, ungefähr in der Mitte gescheitelt und an den Seiten und am Hinterkopf halblang gehalten, auffallend starke, über den Nasenwurzeln fast zusammengewachsene Augenbrauen, dunkel- braune Augen, eine hervorstehende Adlernase, einen kleinen dunklcy Svrt(gestutzt, Bürste), fast mit den Mundwinkeln abschneidend und ein blasses ovales hageres Gesicht mit scharf an- gedeuteten Backenknochen. Der Mann ist etwa 24 bis 26 Jahre alt. Cr trug einen braunen Ledermantel, der in der Mitte durch«inen 3 bis 3K Zentimeter breiten braunen Lederriemen zusammen- gehalten wurde. Der zweite Mann, der im Wagen sah, ist schlank, aber kleiner als der andere. Er hat blonde Augen- brauen, keinen Bart, blaue Augen und ein« zierliche Nase, so daß das Gesicht ein fast mädchenhaftes Aus- sehen hatte. Auf der linken unteren Wange hat er oberhalb des Winkelkinnbackens nicht weit vom Mundwinkel entfernt eine deutlich fichtbare Narbe, die den Eindruck einer Schußnarbe machte. Seine Hände sind schlank und zierlich. Der Beobachter hat später das beschriebene Automobil die Rich- tung nach Schmargendorf, Warmbrunner Straße einschlagen sehen. Es scheint, daß man es hier mit den Mördern zu tun hat. Die Nachprüfungen, die Oberegierungsrat Dr. Weiß gestern nach- mittag mit der Mordkommission an Ort und Stelle vornahm, er- gaben nichts, was gegen die Bekundung des Zeu- gen spricht. Auf das beschriebene Auto und die beschriebenen Insassen als die mutmaßlichen Täter wird deshalb mit allen Mitteln gefahndet.