Bezugspreld Bierteljahel. 150.-M., monatl. 50,-. frei ins Haus, voraus zahlbar. Bost bezug: Monatlich 50,- M., einschl. 8uftellungsgebithr Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- u Memel gebiet, sowie Desterreich u. Luremburg 84,- M., für das übrige Ausland 102, M. Boftbestellungen nehmen an Belgien, Dänemart, England, Estland, Finnland, Frankreich, Holland, Lettland, Luxemburg, Defterreich, Schweden, Schweiz. Tschechoslowatei und Ungarn. Der Borwärts" mit der Sonntags beilage Boll und Zeit", der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und der Beilage„ Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonn tags und Montags einmal. Telegramm- Abreffe: Sozialdemokrat Beciu Sonder- Ausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 1 Mark Anzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillegeile Loftet 16,-M.- Reflamezeile 80,- m. „ AleineAnzeigen" das fettgedruckte Wort 4, W.( zulässig zwei fettge bruckte Worte), jedes weitere Wort 8,- M. Stellengesuche und Schlaf ftellenanzeigen das erste Wort 2,50 2. jebes meitere Wort 2,- 2. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familien- Anzeigen für Abonnenten Beile 8,- M. Anzeigen für die nächste Summer mliffen bis 4%, Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden ftraße 8, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr frülh bis 5 Uhr nachmittags Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Expedition: SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Redaktion Moritplat 15195-97 Expedition Morisplay 11753-54 Mittwoch, den 28. Juni 1922 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Berlag. Expedition und Juferaten Abteilung Morisplay 11753-54 Die Totenfeier für Rathenau. Berfin stand ganz unter dem Eindruck des Begräbnisses und Berfechter Dr. Balter Rathenau war. Aber sie ist in threm Dr. Walter Rathenaus. Sämtliche öfentlichen Gebäude hatten Erfolg über dies Ziel des blutigen Parteikampfes halbstoc geflaggt, und auch die Botschaften der in Berlin vertretenen Länder hatten ihre Flaggen zum Zeichen der Anteil nahme auf Halbmast gesetzt. Von den vier Türmen des Reichstages mehten tiefgesenkt die schwarzrotgoldenen Flaggen der Republik. Trotz des strömenden Regens, der seit den frühen Morgenstunden niederging, hatte sich um die Mittags= stunde eine vieltausendköpfige Menge Reichstagsgebäude versammelt. a m in das Riefenmaß des Frevels gewachsen, sie ist ein Anschlag auf die Nation, der sie einen ber besten Patrioten, der führenden Köpfe und Vorfämpfer deut schen Aufstieges raubte. Sie ist ein Verbrechen an unferem arbeitsamen, hoffenden Bolte, das sie in Abwehr der Frevel aufs neue in den zersetzenden Kampf der Leidenschaften zu reißen droht. Meine Damen und Herren! Wir haben uns hier in dieser Stunde zusammengefunden: die Leitung des Reiches, die Bertreter der Länder, die Abgeordneten des Reichstages und andere Männer des öffentlichen Lebens, mit einem Worte: die Vertreter des deutschen Boltes in seiner Gesamtheit, um unser Enffetzen und unseren Abscheu fundzufun Dann richtete Bizepräsident des Reichstags, Dr. Bell folgende Borte an die Bersammlung: in der Geschichte weit zurückgreifen, um auf einen politischen BorPolitische Morde hat es zu allen Zeiten gegeben, aber man muß gang zu stoßen von solcher Brutalität und Ruchlosigkeit, wie die zum Himmel schreiende Ermordung des Mannes, vor dessen Sarge wir heute trauernd versammelt sind. Wir alle stehen unter dem gewaltijeglichen Missetat alle Stände und Schichten der Bevölke gen Eindruck der tiefen Empörung, die bei der Kunde von der entrung mit elementarer Gewalt durchdrang. In der großen Wandelhalle bes Reichstages war das leuchtende Rot verschwunden. Ein schwarzer Teppich dämpfte die Schritte der Trauergäste. Düftere Lorbeerbäume und Palmen mahnten zur Einkehr. Dazwischen leuchtete die Farbenpracht herrlicher Kränze, die über diese Tat, begangen von Menschen, die außerhalb der zum Zeichen der Dankbarkeit und Verehrung dem großen Gemeinschaft des deutschen Volkes stehen, diesen Mann gefällt Toten gebracht wurden. Der Sigungssaal war mit und Deutschland diesen unheilvollen Schlag zugefügt haben. Gleich Blumen und Palmen geschmückt. Auf der Empore des Präfi- zeitig aber wollen wir dem Toten von ganzem Herzen denten stand unter einem schwarzen Baldachin der schwere banten namens der deutschen Republik, des deutschen Volkes für Eichensarg. Rechts neben ihm ein riesiger Kranz dunkelroter alles, was er an aufopfernder und reiner Liebe zum Vaterland für Rosen, auf dessen weißer Schleife nur das eine Wort:" Mama" Deutschland getan hat. Möge aus dem Wirken und Arbeiten stand. Links neben dem Sarg hatte die Schwester des Toten Dr. Walter Rathenaus, möge aus seinem Geifte Frucht aufgehen einen prachtvollen Kranz aus Teerosen niederlegen lassen. für uns alle, für die Zukunft unseres Baterlandes. Mit heißem Dank Rechts und links fäumten immergrüne Bäume die Wände. und mit der Bersicherung unvergänglichen Gedentens bringe ich Bon der Rednertribüne herab, den Platz der Stenographen dem toten Freunde und Mitarbeiter den legten Gruß des und den Tisch des Hauses verdeckend, war schwarzes Tuch ge- deutschen Boltes dar." spannt, auf dem prächtige Kränze mit schwarzrotgoldenen Schleifen ruhten. Von der Brüstung der Tribüne wallte wieder schwarzer Flor. Hortensien grüßten den Toten. Auch von den Lampen im Saale wallte langer Trauerflor herab. Um 12 Uhr waren die Trauergäste fast vollständig erschienen. Die Bertreter sämtlicher Länder hatten am Bundesratstisch Platz genommen. Am Regierungstisch Ein Eisenbahnunglüd mit furchtbaren Folgen hat sich da die Straßen- und Untergrundbahn um 12 Uhr den Betrieb einwar das gesamte Reichsfabinett mit Ausnahme des gestern mittag furz nach 1 Uhr auf der Berliner Ringbahn im stellten, besonders start. Auf dem Bahnhof Schönhauser Allee war ertranften Reichswehrministers, der durch Herrn v. Seedt Norden Berlins zwischen den Stationen Schönhauser ein starter Andrang zu dem gegen 1 Uhr 8 Minuten in Rich. vertreten war, anwesend. In einer Loge hatten alle in Berlin Allee und Gesundbrunnen unter der Schönfließer tung Gesundbrunnen abfahrenden Zuge. Der Stationsbeamte ver. anwesenden diplomatischen Bertreter des Auslandes Brüde zugetragen. Hier begegneten sich die Nordringzüge steigen. Eine große Zahl von ihnen sprang aber, als der anlaßte die auf den Trittbrettern stehenden Reisenden, abzuBlaz genommen. Auch die übrigen Tribünen des Hauses nr. 1815 und 1814. Infolge der Ueberfüllung der Ringbahn- 3ug fich in Bewegung setzte, wieder auf, wie das von den waren dicht besetzt. Die große Mittelloge war für die nächsten züge stand ein Teil der Fahrgäste dicht gedrängt auf den Triff- Reisenden vielfach geschieht. Nach Angaben von Leichtverletzten Angehörigen des Ermordeten reserviert. Kurz nach 12 Uhr breffern. Einer der auf dem Trittbrett stehenden Männer soll sich der Unfall dadurch zugetragen haben, daß die Tür eines erschien, vom Reichskanzler geführt, die hochbetagte Mutter des toten Ministers. Gleich darauf betrat der Reichspräsident hatte, forveit bisher ermittelt werden konnte, 3 ufam men- joon. Gesundbrunen entgegenkommenden Stadtbahnzuges offen das Haus, von den Anwesenden durch Erheben von den Blägen gebundene Holzstäbe bei sich, die weit über das Triff- stand, nach anderer Lesart dadurch, daß aus einer nicht ganz ge begrüßt. Die Feier begann. brett hinausragten und beim Vorbeifahren des Gegenzuges schlossenen Tür ein Rucksack und ein Lattenbündel herausgeragt eine ganze Anzahl von Personen von den haben. Dadurch sind anscheinend die auf dem erstgenannten Zuge Trittbrettern der anderen Wagen herunter- auf den Trittbrettern stehenden Reisenden heruntergerissen worden. ris. Es entstand eine furchtbare Panit, die das Unglück noch Feuerwehr und Samariter waren gleich zur Stelle, so daß in aller vergrößerte. Nachdem man die Züge zum Halten gebracht fürzester Zeit die Toten und Verletzten geborgen wurden. hatte, fand man an der Stelle des Unglüds 38 Tote, 55 Schwerverletzte und eine Anzahl leichtverletter Perfonen. Die sofort herbeigerufene Feuerwehr schaffte die Leichen nach dem Schauhause und die Schroerverletzten nach verfchiedenen Krankenhäusern. Der Herr Reichspräsident hat soeben aus unserer Aller Seele gesprochen, als er die Berurteilung jener grauenvollen Miffetat verband mit einer Beleuchtung der unvergänglichen Verdienste Walther Rathenaus um fein Bolt und sein Vaterland. Nur eine Frage darf ich tun: Wann vollzog sich jemals tragischer ein Schicksal, wann wurden jemals fittliches Empfinden und Nationalgefühl stärker ergriffen als bei diesem grauenvollen Meuchelmord? Der Menschheit ganzer Jammer muß erfaffen jedes noch nicht zu Stein gewordene Herz, die sittliche Empörung muß nach Luft ringen bei dem Gedanken, daß unseres Volles und Vaterlandes Rettung und Heil von feilen und feigen Mordbuben zum Vorwand benutzt wird und zum Aushänge. schild, um einen Staatsmann meuchlings ums Leben zu bringen, der aus tiefster Seele und mit ganzem Herzen mit Aufbietung feiner reichen Fähigkeiten und Kräfte dem Wohle feines Bolles und Bater landes, dem Wiederaufbau Europas und der Völkerversöhnung diente. Sein edler Charakter, sein gutes Herz würde frei sein pon I alten Rachegedanken und selbst den fluchbeladenen Meuchelmördern Großes Eisenbahnunglück in Berlin. Das Orchester der Staatsoper fpielte zunächst die„ Corio lan" Ouvertüre von Beethoven. Dann trat Reichspräsident Ebert an den Sarg und hieti folgende Ansprache: Meine Damen und Herren! In tiefer Erschütterung stehen neber den Familenangehörigen des Toten hier die Vertreter des Deutschen Volkes an diesem Sarge, der die irdischen Ueberreste des Reichsministers Dr. Rathenau birgt. Mit den Berwandten trauert in herbem Schmerz die deutsche Nation um diesen Mann, der im Dienste des deutschen Boltes stand, für des Reiches Wohl arbeitete und für Deutschlands Zukunft Wertvolles zu schaffen berufen war wie wenig andere. Walter Rathenau war ein Mensch seltener Eigenart; ausgestattet mit großen und mannigfachen Gaben des Geistes, gerüstet mit Erfahrung des wirtschaftlichen und geistigen Lebens unseres Landes, glänzend in Lauterkeit des Charakters und Güte des Herzens, ragt er meit hinaus über das Durchschnittsmaß des Menschen. Mit dieser Fülle großer Eigenschaften war er als mein Ruf an ihn erging ohne Zögern opferfreudig, das ruhige Leben, seine Neigungen, seine bevorzugte Stellung im Wirtschaftsleben dahingebend, in den Dienst des Reiches und des deutchen Boltes eingetreten. Walter Rathenau war dazu geschaffen, ein wirklicher Staatsmann, ein Führer der Nation aus der Wirenis der Zeit in eine lichtere 3ufunft zu sein. Gehoben durch das Ansehen, das er als Führer der deutschen Industrie nicht nur im deutschen Wirtschaftsleben, sondern in der ganzen Welt von früher genoß, gestützt auf den Eindruck und die Macht seiner Persönlichkeit, galt fein Wort in der Welt und in den Kreisen, die sie zurzeit beherrschen; er war es in erster Linie, dem die Aufgabe gestellt werden konnte, unser Volk wieder enger in die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen der Völker einzufügen, zu unserem eigenen Heil wie zur Gesundung der Welt. Von unterrichteter Seite wird das Unglück, das namenlose Schmerzen über zahlreiche Familien gebracht hat, folgendermaßen dargestellt: Um 1 Uhr begegneten sich am Ringbahnhof Schönhauser Allee zwei vollbesetzte Züge Nr. 1815 und 1814. Der eine wollte in den Bahnhof einfahren und der andere hatte ihn eben verlassen. Die Stelle befand sich etwa 400 Meter westlich des Ringbahnhoses. Alle Trittbretter, Ruppelungen, Bremferhäuschen waren besetzt. Selbst Mädchen standen und saßen draußen. Die Türen der Abteile fonnten zum Teil nicht geschlossen werden. Auf dem Zuge 1815, der einfahren wollte, befand sich ein Fahr gast mit einem Rucksack, aus dem lange Latten zum Bau einer Laube herausragten. Er bemühte sich schon vorher, aus einem Abteil herauszukommen, um auf Bahnhof Schönhauser Allee ausfteigen zu können. Als der Reisende mit seinen Latten nun das Abteil schon halb verlassen hatte, braufte der andere Zug heran. Die auf den Trittbrettern fauernden Personen wurden nun von den atten erfaßt und in schnellster Folge von ihren Sigen herabgeschleudert. Sie wurden überfahren, verletzt und getötet, nur wenige tamen unverletzt davon. Insgesamt waren es fast 100 Personen, davon waren 38 tot, 55 schwerver ezt, und die übrigen hatten einen Nervenchoc erlitten. Die Eisenbahnbeamten alarmierten sofort die Feuerwehr und das Aerzten. Die Feuerwehr traf unverzüglich mit einigen 30 Fahr Rettungsamt. Dieses erschien mit sechs Autos und zahlreichen zeugen an der Unfallstelle ein. 25 Personen nach dem Lazarus- Krankenhaus gebracht, Schnell wurden zunächst Eine amtliche Darstellung. Die Kugeln feiger Mordgefellen haben ihn aus diesen Wegen herausgeschleudert. Aber die verruchte Tat traf nicht den Menschen Rathenau allein, fie traf Deutschland in seiner Gesamtheit. Gerichtet war die Bluttat gegen die deutsche Republik und Das Reichsverfehrsministerium teilt mit: Der Angegen den Gedanken der Demokratie, deren überzeugter Borkämpfer orang der Reisenden auf die Stadt- und Ringbahn war heute mittag, Die Opfer des Unglücks. Bisher fonnten folgende Verunglückte festgestellt werden: Paul Krüger, Malmöer Str. 22( tot), P. Kempsti, Lynarstr. 1 Wolgaster Str. 9( verlegt), Ernst Lehmann, Residenzstr. 80 in ( tot), Wolf, Adresse noch unbekannt( tot), Karl Kassenbed, Reinickendorf( verlegt), Georg Havelbed, Andreasstr. 51, Hermann Bahr, Birkenstr. 47, Mag Kuschelmann, Schön walder Str. 12, Hermann Schneider, Brinz- Eugen- Str. 8, Hermann Thümler, Rathenower Str. 43, Paul Engler, Bornholmer Str. 77, Friz Behrend, Moyenhagener Str. 23 in Reinickendorf; sie waren jämtlich teils schwer, teils leicht verletzt. Fast ohne Ausnahme handelt es sich um Arbeiter. Im Rudolf. schweren Kopfverlegung. Im Lazarus- Krankenhaus liegen mehrere Birchom- Krankenhaus liegt ein unbekannter Mann mit einer mit schweren Beinverlegungen. Nach dem Krankenhaus am Frie drichshain wurden eingeliefert: 7 Personen, meist Arbeiter. darunter ein Toter. Schwerverletzt am Kopf find u. a.: Johannes Dreßler, Swinemünder Str. 72, Waldemar Gersten. berg, Adresse unbekannt, geboren 1884 in Petersburg( Schädel. bruch), Johannes Riedel, Antonstr. 9( Kopf), S change( Gehirnerschütterung) Adresse unbekannt. Im St. Hedwig- Kranten. haus befinden sich vier Tote und 7 Verletzte, darunter mehrere Schwerverletzte. Behandelt werden dort die Arbeiter: Rudolf Broschei, Kösliner Str. 21, Ernst Balte, Badstr. 8a( Tischler), Polierer Erwin Schure, Seeftr. 102. Ferner wird als ver. let gemeldet: Tischler Otto Nimmerguth, Kiautschouftr. 19, Erift Glienti( 16 Jahre alt), Adresse unbekannt, entwig ( Adresse nicht zu ermitteln), Otto Stod, Gärtnerstr. 31. Außer dem Georg Amthor aus der Kronprinzenstr. 4 in Weißensee( tot). Im Schauhaufe liegen die Toten: Dio Leß, Gustav Gaille und 4 Berlegte und 2 Tote: Franz Daumann, Neukölln( Adresse un Otto Faisch, sowie ein vierter unbekannter Mann. Die Adressen der Toten find noch nicht festgestellt. Nach der Charité famen lich, A. Koester und Hoffmann, die zum Teil nicht verneh bekannt), tot, Rich. Erdmann, Widyertstr. 18, tot, undermungsfähig sind, so daß keine Adressen zu ermitteln waren. Mehrere Berletzte wurden in den nächsten Rettungsstellen verbunden und dann auf ihren Wunsch nach ihren Wohnungen entlassen. Die Zahl dieser Berlegten tonnte noch nicht genau angegeben werden. verzeihen. Bir aber find es dem Andenten des ben Stellen ihrer Einmündungen in den Königsplatz ab. Unab[ rung entgegenstehen. Berbot des Waffentragens außer teuren Verstorbenen schuldig, unser Bolk und sehbare Massen stauten sich hinter den Ketten, wurden durch halb des Dienstes. Berbot des Uniformfragens für ehemalige Waterland immer neu hinzuströmende vermehrt und drückten vielfach so start Offiziere. Untersagung weiterer Ernennung von Reserveoffizieren. nach vorn, daß die Absperrung in die Gefahr geriet, gesprengt zu Cinjehung eines Außerordentligen Gerichtshofes in werden. Berlin, dessen Kammern aus je einem Richter und sechs LaienbeiMorgenstunden eingefunden hatten. In der Nähe des füdlichen tragung der Anklageerhebung an einen vom ReichsjuflizGeduldig harrte die Menge, deren erste sich bereits in den frühen figern bestehen, die vom Reichspräsidenten zu ernennen sind. UeberTeiles der der Hauptfront des Reichstagsgebäudes vorgelagerten minister zu ernennenden republikanischen Reichskommisjar. großen zweiseitigen Rampe hatten sich zahlreiche Photographen und Schaffung einer Reichsegefutive, insbesondere einer ReichsKinooperateure eingefunden. Um% 1 Uhr marschierte eine Kom friminalpolizei. Vorschriften zur Erleichterung der Berhastung und pagnie Reichswehr mit Trommlerforps und Spiel- Anordnung sofortiger Verhaftung solcher Personen, die gegen Gesche leuten an und nahm vor dem Hauptportal Aufstellung. Der ge- zum Schuhe der Republik verstoßen. Bestimmungen über Beschlagschlossene einfache Automobil- Leichenwagen, der von allen Seiten mit nahme und Einziehung des Vermögens der Verurteilten sowie über Rosengirlanden geschmückt war, nahm zuerst auf dem Königsplaz Entziehung von Pensionen und Bezügen. gegenüber dem Reichstag Aufstellung, wurde aber später unmittelbar an den Fuß der aus dem Gebäude herausführenden oberen Freitreppe herangeführt. mit starter Entschloffenheit zu befreien von der Mordatmosphäre, bie wie Gift, wie Besthauch umgibt unser Volt und seine leitenden Staatsmänner. Pflicht der Selbsterhaltung eines Staates ist es, dem Mißbrauch unferer Geduld durch fatilinarische Existenzen ein Ende zu machen. Es kann und wird keine Meinungsverschiedenheit auf tommen bei allen ehrlichen Politikern jeder Richtung und allen guten Deutschen. Diese Ueberzeugung, ebenso wie die unfagbare Notwendigkeit des Schutzes der bedrohten Reichsverfassung und der durch fie geschaffene Staatsform ist Gemeingut Aller um das Staatswohl gewissenhaft besorgter Staatsbürger. Wir aber versichern aus tiefftem Herzensgrunde, daß der Deutsche Reichstag und mit ihm das deutsche Volk dem edlen Verstorbenen ein treues Anden ten bewahren wird. Solange die Dankbarkeit nicht ausstirbt in deutschen Landen, wird unvergeßlich bleiben in der deutschen Geschichte der Name Rathenaus als eines der größten, reuesten und edelsten Söhne Deutschlands. Pfarrer Korell M der für die demokratische Fraktion sprach, führte u. a. aus: Ist es noch nicht genug mit den Opfern, die wir unter dem harten Zwange des Krieges verloren haben? Muß auch nach dem Kriege einer nach dem andern in seinem Leben bedroht werden oder von Mördern dahinfallen? Zu dem Furchtbarsten der deutschen Geschichte gehört es, daß das Bolt sich vergreift an den Rostbarkeiten der Nation, sich besudelt und zerfleischt. Die Tränen, die bei der Ermordung Dr. Rathenaus in graue Bärte gerollt sind, sind der Ausdruck der Scham darüber, daß es solche gibt, die sich vergreifen an einem Sohn der eigenen Nation, der nichts anderes wollte, als sie in bessere Zeiten hinaufführen. Er ist im Dienste des Baterlandes gefallen. Er hatte das Zeug dazu, in die fommende Entwicklung hineinzuleuchten. Aus Ehrgeiz hat er sich nicht in die politische Führung der Republik hineingedrängt. Er wollte nur eine kleine Erleichterung der Lasten des Bolles erreichen. Sein Wille war, die unumgänglich notwendig gewordene Grundlage einer besseren Lage der Welt in wirtschaftlicher und politischer Beziehung. Wahrung der nationalen Würde und Wille zum Frieden, das waren zwei Grundzüge seiner Politik. Der betagten Mutter möchte ich zurufen: So groß das Opfer ist, das das Baterland von ihr verlangt hat, möge sie es bringen fönnen in dem Maße, wie ihr Sohn ein Großer unserer Nation war. Sein Motto war nicht der Ruhm und nicht die Rede, sondern die Sache. Möchten alle Staatsmänner und alle Führer der Nation sich dieses Motto erwählen! Rathenau ist auch als Jude gefallen und damit ein Opfer jener sogenannten Idee von der völlischen Reinheit geworden. Lassen Sie uns vor dem Sarge Rathenaus geloben, endlich einmal zu verzichten auf das Wort„ national", menn damit nur die Partei gestärkt werden soll. Möge sich jeder Deutsche heute geloben, Buße zu tun, daß wir sagen: Wir sind nicht rein genug gewesen im Dienste der Menschheit und des Boltes. Willig reichen wir allen denen die Hände, die die deutsche Republik schützen und aufbauen wollen. Wenn wir jetzt Gesetze machen zum Schuhe reinigt werde. Feier. Der Sarg wurde dann durch die große Wandelhalle, in der zahlreiche Abgeordnete und Vertreter studentischer Korporationen Spalter bildeten, die große Freitreppe des Reichstages hinuntergetragen und dem Automobil übergeben, das die Leiche zum Erbbegräbnis der Familie nach Oberschöne weide brachte. Hinter dem Sarge folgte, begleitet vom Reichspräsidenten und Reichskanzler, die Mutter des Toten. Als der Sarg den Reichstag verließ, erwies eine Rompagnie Reichswehr, die auf dem Königsplatz Aufstellung genommen hatte, die militärischen Ehren. Die zehntausendköpfige Menge entblößte das Haupt. 9 3 wei Jahre festzusehen. Vom Reichstag erwarten wir, daß er Die Geltungsdauer des Gefehes ist zunächst auf mindestens dieses Gefeh in fürzester Frist verabschiedef und nicht früher auseinandergeht, bis es in Kraft getreten ist. Um 22 Uhr entstand eine Bwegung unter den Harrenden. Auf der Höhe der Freitreppe zeigten sich die ersten diensttuenden Beamten, die den Trauerkondukt die Stufen hinabzugeleiten hatten. Zu im Reiche und in den Ländern für alle wegen politischer Vergehen Unabhängig hiervon fordern wir: Sofortige Amnestie gleicher Zeit intonierte die Reichswehrkapelle einen Trauer Verurteilten mit Ausnahme derjenigen, die im Sinne diefes Gesetzes marsch. Dumpf murmelten ununterbrochen die Trommelwirbel. strafbare Handlungen begangen haben. Amnestie auch für die In dem gleichen Augenblick entblöten auch rings aus Anlaß des Eisenbahnerstreits zur Verantwortung um die unabsehbaren Massen ihr Haupt. Dazwischen fah man langsam ein tiefes Goldgelb, darauf ein dunkles Rot, auf Gezogenen, Einstellung aller aus demselben Anlaß eingeleiteten dem der Reichsadler lag, die oberen Stufen hinabgleiten. Es war Disziplinarverfahren. die schwarzrotgoldene Fahne, die den Sarg des verblichenen Die politischen Arbeiterparteien haben sich verStaatsmannes mit ihren Falten einhüllte. Mit der Fahne wurde Pflichtet, diese Forderungen gemeinsam durchzusehen und alle dem nachfolgenden Auto für die greise Mutter und die fühen. der Sarg in das Auto gehoben, das dann ein wenig anrückte, um Maßnahmen der Regierung zur Erreichung dieses Zieles zu unterSchwester Walter Rathenaus Play zu machen. Dann rollten die Wagen, gefolgt von drei weiteren Automobilen, in langsamer Fahrt die Rampe herab, an der still harrenden Menge vorbei, begleitet von den verhallenden Tönen der Spielleute und den dumpfen Wirbeln der Trommeln. Ovation für den Reichspräsidenten. Bon den Gewerkschaftsmitgliedern und den gesamten verlangen wir jetzt absolute Einigkeit, geflossene Disiplin, Arbeitnehmern Deutschlands festen Willen und Bereitschaft zur Unterstützung unseres Borgehens, sobald wir sie dazu aufrufen. Von den Gewerkschaften und Arbeiterparteien des Auslandes, ten sich die Massen, um die das Gebäude verlassenden Staatsmänner An dem an der Simsonstraße gelegenen Reichstagsportal stau und Barlamentarier zu sehen. Als der Reichspräsident Ebert die die uns wiederholt ihre Unterstützung zur Erhaltung der deutwenigen Stufen herabstieg, um zu feinem Auto zu gelangen, erfchol fchen Republik zugesichert haben, fordern wir jetzt eine starte spontan ein fräftiges och Ebert! Andere Rufe mischten fich Einwirkung auf ihre Regierungen in der Richdarein:„ Es lebe der Reichspräsident!"„ Es lebe die fung, daß die Entente von ihrer Gewaltpolitit Republik!" Bon allen Seiten rauschte und brauste jetzt dem Präsidenten ernstes und begeistertes Hochrufen entgegen und die gegen das deutsche Volk, die den Nationalisten und Monarchisten ihr hoch, das von den Massen aufgenommen und fortgetragen Menschen liefen mit dem Wagen mit und riefen immer von neuem in Deutschland immer neuen Agitationsstoff geliefert hat, endlich abläßt. wurde. Die Forderungen der Gewerkschaften. Zur Berteidigung der Republik und der Grundrechte der Arbeitnehmerschaft. An alle republikanisch gesinnten Organisationen richten wir die Aufforderung, fich unseren Forderungen anzuschließen und auch ihre Kräfte für ihre Durchführung einzusehen. Zur Beschlußfaffung über die weiteren Maßnahmen und die Mitwirkung der gesamten Arbeitnehmerschaft sind die beiden Bundeseiner außerordentlichen Sihung einberufen. cusfchüffe des ADGB. und des AfA- Bundes noch für diese Woche zu in Kundgebung der Gewerkschaftsinternationale. Der Internationale Gewertschaftsbund Amsterdam hat an den Vorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes folgendes Telegramm gerichtet: finnung unseres Bolles appellieren, auf daß seine Atmosphäre gewerkschaftstnogresses sich mit dem Borstand des AfA- Bundes der Republik, so müssen wir gleichzeitig an diefer Babre an die Gebundes hat in Ausführung des Beschlusses des Leipziger GeDer Vorstand des Allgemeinen Deutschen GewerkschaftsDer Trauermarsch aus„ Götterdämmerung" beschloß die und den drei politischen Arbeiterparteien in Verbindung gesetzt. In gemeinschaftlichen Beratungen sind von den Unterzeichneten die folgenden Forderungen beschlossen worden: An die Reicheregierung und den Reißhstag! Das Gesetz zum Schuhe der Republik muß enthalten: Auf das tiefste erschüttert durch die Nachricht von der feig. Sofortiges Berbot und strenge Bestrafung jeder mon- herzigen Ermordung des Ministers Rathenau übermitteln wir euch archistischen oder anfirepublikanischen Agitation in Wort, Bild als Vertreter der deutschen Arbeiterfasse im Namen des organisier und Schrift. Bestrafung auch derjenigen, die folde Agitation oder ten Abscheus und Entrüstung über diese Bekrönuber ten Weltproletariats den Ausdrud unferes tiefgefühl. Angriffe auf die Republik und ihre Organe irgendwie verherr- ten Abscheus und Entrüftung über diese Bekrönu ber lidhen, belohnen oder begünstigen. Berbot und foforlige archistischen reattionären Kreise. Wir geben bem in Deutschland überhandnehmenden Verbrechen der mon Auflösung aller monarchistischen oder anfirepublikanischen Berbindungen. Verbot der monarchistischen Fahnen und Farben. festen Vertrauen Ausdruck, daß die deutsche Arbeiterschaft jetzt der. Sofortige Befeiligung aller monarchistischen Embleme in den artige Maßnahmen treffen wird, daß die Reaktion in Deutschland öffentlichen Gebäuden und Anstalten. Bestrafung jedes Angriffes für immer vernichtet wird. Im Namen aller zum Internationalen in Tat, Wort oder Schrift auf die republikanischen Farben und Gewerkschaftsbund gehörenden Arbeiter verbürgen wir euch die rungsstellen und Behörden, einschließlich der Gerigte und prozeß, der in Deutschland nötig ist. Fahnen. Strenge Vorschriften zur Säuberung der Regie- fraftvollste Unterstützung und Hilfe bei dem Säuberungs. der Reichswehr von allen monarchistischen oder antirepublikanischen Elementen. Aufhebung derjenigen Rechte, die dieser Säubeverrätergesindel Pflicht jedes reichstreuen Deutschen ist. Wenn in Rathenau im Urteil des Philosophen Dilthey. Ueber Walter einer solchen Zeit ein nationalistisches Propagandaunternehmen fich Rathenau und feine Bielseitigkeit hat ein zutreffendes Urteil, das der Unterstüßung eines republikanischen Minifteriums erfreuen sollte, zum Teil prophetischer Art war, einmal der Philosoph Wilhelm so wäre das cin Standal, der faum noch zu überbieten ist. Dilthen gefällt, der zu Rathenaus Lehrern während der Berliner Neuordnung der technischen Hochschulen. Ein Ministerialerfaß Universitätszeit des jungen Studenten gehörte. Als im Anfang diefes verfügt eine Reuorganisation der preußischen technischen Hochschulen lingsschrift des damals nur als Leiter der AEG. bekannten Autors, Jahrhunderts Rathenaus Impreffionen" erschienen als Erstnach Fakultäten an Stelle der bisherigen Abteilungen, mobei fah in einer fleinen Gesellschaft in des greifen Philosophen Hause einzelne Abteilungen verschmolzen werden. Im einzelnen wird fol- ein junger Gelehrter Rathenaus Schrift auf Dilthers Schreibtisch folah gendes bestimmt. Nachstehende Fakultäten werden gebildet, foweit liegen und fragte den Gelehrten nach seiner Ansicht über das Buch. die entsprechenden Abteilungen vorhanden sind: 1. Eine Fakultät Dilthen, der im Ton der Frage einen feisen Spott herauszuhören für allgemeine Wissenschaften, bestehend aus der bisVor dem Reichstag. Der Königsplatz war in weitem Umfreis abgesperrt worden. Die Postenketten zogen sich an der Simsonstraße und der Zelten allee hin und riegelten die Sieges, Flora- und Friedrichsallee an Deutschvölkisches Triumphlied. Deutchland schwimmt im Opferblut, Die Meuchelmörder schießen gut, Die eleganten jüngern Herrn Mit Hakenkreuz und Ordensstern. Rathenau, Rathenau, Die gottverdammte Judenfau, Rathenau, der Walter, Erlebt kein hohes Alter: Deutschland, Deutschland, über alles, Ueber alles in der Welt! Schwarzweißrot ist unser Ziel! Einer nach dem andern fiel In den blutbespritzten Dreck Husch, wir fuhren fröhlich weg! Ueberall, nicht nur in Bayern Sollte man die Helden feiern. Wenn der Leutnant oder Graf Das Schwein traf: Deutschland, Deutschland, über alles, Ueber alles in der Welt! Wer da schießt, weiß jedes Kind, Aber die Justiz ist blind, wählter Defan. in Kraft. Für den Internationalen Gewerkschaftsbund Fimmen, Oudegeest. herigen gleichnamigen Abteilung; 2. eine Fakultät für Bau- glaubte darüber, daß der Leiter einer Aktiengesellschaft unter die wesen, bestehend aus den bisherigen Abteilungen für Architektur- janisten gegangen fei, meinte:" Ich habe das Buch noch nicht ge und für Bauingenieurwesen; 3. eine Fakultät für Maschinen- lesen, aber ich bin überzeugt, daß Rathenau etwas Eigenartiges zu wirtschaft, bestehend aus den bisherigen Abteilungen für fagen weiß!" Und dann berichtete er, daß er Rathenaus EntwidMaschinenbau und in Berlin für Schiffs- und Schiffsmaschinen- lung von seiner Universitätszeit her stets im Auge behalten habe, weil bau; daneben ist in diese Fakultät die Abteilung für Elettrotechnik er sich schon auf der Universität für ihn interessiert hätte. Rathenau einzugliedern; 4. eine Fakultät für Stoffwirtschaft, bestehend habe schon damals eine feltene Bereinigung von einem Idealisten aus den bisherigen Abteilungen für Chemie und Hüttenlunde und und einem ungewöhnlich praktisch veranlagten Menschen gezeigt, für Bergbau. An der Spize jeder Fakultät steht in Zukunft ein der, wann und wo er feine Gaben nüßlich verwerten könne, dies von den Mitgliedern der Fakultät mit einjähriger Amtsdauer ge: Dilthen sein Urteil, des Buch zur Hand in der Erwartung, die Antmit uncigennüßigstem Idealismus tun würde. Er nehme, so schloß Diese Bestimmungen treten mit dem 1. Juli wort eines geistreichen Menschen fennenzulernen, der lediglich schreibe, um mit seinen Ansichten zu nüzen. Männer wie dieser fehlKurbeihilfen für tuberkulöse Studenten. Der verstorbene Bap stien einer Staatsregierung. In einem öffentlichen Amt würde er Benedikt XV. hat 200 000 Liere für deutsche tuberkulöse und be- zweifellos bei seiner besonderen Beranlagung, feiner Begabung und dürftige Studierende aller Hochschulen und aller Konfessionen zur feinem Charakter sehr verdienstvoll mirken fönnen. Als Rathenau Berfügung gestellt, wovon jeht eine Million Martin der Weise bei Anfang des Krieges die Errichtung einer Kriegsrohstoffabteilung ausgegeben werden soll, daß etwa 300 bedürftigen Studierenden anregte, wollte es der Zufall, daß jener junge Gelehrte, demgegenKurbeihilfen in Höhe von je 2000 bis 5000 art über Dilthen die Aeußerung getan hatte, mit Rathenau persönlich gewährt werden. Es fommen demnach leider nur leichtere Fälle, zusammenfam und ihm des Philofophen Ansicht über ihn mitteilen die in drei bis sechs Monaten nachweislich eine erhebliche Besserung fonnte. Rathenau äußerte lachend, daß er ihm ähnliches schon einfinden können, in Betracht. Andererseits darf das Geld ausschließ mal während der Universitätszeit gesagt und hinzugefügt habe, er lich für einen wirklichen Sanatoriumsaufenthalt, zu dessen Gesamt- müsse einmal Handelsminister werden. Als Rathenau im Vorjahre toften auch von anderer Seite beigetragen wird, verwendet werden. Das Amt des Wiederaufbauministers annahm, gratulierte ihm jener Gesuche mit Lebenslauf, Zeugnissen der zuständigen studentischen Gelehrie, der. inzwischen an eine auswärtige Universität berufen Kassenärzte und Vermögensausweis find an das Fürsorgeamt des wurde, mit dem Hinweis, daß Diltheys Prophezeiung nun eingeRektorats der für den einzelnen zuständigen Universität einzureichen. troffen sei. Internationale Theaterausstellung in Condon. Aus London Staatstheater. Sm Opernhaus wird Mittwoch Lohengrin", im Schauspielhaus Maria Giuart" gegeben. Die im Vorverkauf entnommenen Ein wird uns geschrieben: Im Vittoria und Albert- Museum wurde jeftrittstarten zu den am Dienstag, den 27., ausgefallenen Borstellungen ,, Tiefdie internationale Theaterausstellung eröffnet. Sie ist im allge land" im Opernhause und Napoleon" im Schauspielhause werden an der meinen eine Wiederholung der zu Anfang dieses Jahres in Amfier- Bormittagskaffe des betreffenden Hauses bis zum 30., mittags 1 Uhr, zurückbam gezeigten Schau. Ihre besondere Bedeutung für Deutschland Cerepy im Charlottenburger Schloß. Wie uns mitgeteilt wird, liegt darin, daß sie die erste Vorführung deutscher Kunst mann fertiggestellt. Der Künstler hat den Erlös des Blattes für die Not Ein Gerhart- Sauptmann- Bildnis in Lithographie hat Mag Bieber. veranstaltet die Cerepy- Film- Gesellschaft gegenwärtig in England nach dem Kriege bringt. Die deutsche Ab- spende für deutsche Kunst bestimmt. Die Lithographie ist durch die Berliner Aufnahmen im Charlottenburger Schloß. Es ist das die teilung wurde durch die Werbetätigkeit von Professor Ostar steilung der Atatemie neben den Runfidantslättern von Ludwig Dettmann, Alademie der Künste, Pariser Blag 4, zu beziehen und liegt jetzt in der AusGesellschaft, die den berüchtigten nationalistischen Tendenzfilm Fischel, dem Berliner Kunstgelehrten, der sich schon in Amsterdam Otto S. Engel, Ulrich Hübner, Käthe Kollwig und Hans Purrmann auf. Fridericus Reg" herausgebracht hat, der mit einigen beteiligt hatte, mefentlich bereichert und in London geordnet und Renderungen jegt im Ausland den Breden einer antideutschen Hez- zur Geltung gebracht. Den Freunden einer internationalen An- einer schnellen und zweckmäßigen orthopädischen Versorgung der Beschädigten Begründung von orthopädischen Bersorgungsstellen. 8ur Durchführung propaganda dient. Die Verwaltung des Charlottenburger Schlofjes näherung in England fiel es auf, daß beim öffentlichen Bankett ind jest nach einem Erlaß des Reichsarbeitsministeriums an 62 Drien des untersteht dem preußischen Finanzministerium. Es im Hotel Cecil der Generaldirektor des Museums, Sir Cecil Harcourt worden, die in Verbindung mit orthopädischen Wertstätten, orthopädischen AbReichs von Fachärzten geleitete orthopädijdje Versorgungsstellen eingerichtet more dringend nötig, daß diefes sich zu der Angelegenheit äußert. Smith, im offiziellen Toast auf die Aussteller vor anderen den Verteilungen der Versorgungstrantenhäuser, Universitätskliniken, Krüppelheimen Wir leben in einer Zeit, wo die Existenz der Republic auf dem Spiel treter der deutschen Settion begrüßte und unter allgemeinem Applaus timmungen die orthopädische Versorgung der Beschädigten selbständig durchfowie orthopädischen Privatfirmen stehen und im Nahmen der geitenden Besteht und der Kampf gegen das nationalistische Mörder- und Landes- feine Teilnahme an der Ausstellung hervorhob. führen. Hilft uns lächelnd, spricht uns frei, Hoch das Bulver und das Blei! Hoch der Kaiser! Seftglas flirrt: Morgen stirbt der Kanzler Wirth! Uebermorgen fallen tausend Und wir fingen hell und brausend: Deutschland, Deutschland, über alles, leber alles in der Welt! Gottfrieb Maste genommen. Die Getreideumlage angenommen. Bürgerliche Front für den 40- Mark- Brotpreis. 3m volkswirtschaftlichen Ausschuß des Reichstages wurde gestern nachmittag abgelehnt: Die sozialdemokratische Forderung einer Umlage von 4,5 Millionen Tonnen; ein Umlagepreis von 6300 und 6900 m. Angenommen wurde von der bürgerlichen Front, Demofraten bis Deutschnationale: 2,5 millionen Tonnen Umlage, ein Weizenpreis von 8800 m., ein Roggenpreis von 8000 m. So wird das Brot in Jufunft etwa 40 m. toften! Leutnant Krull verhaftet. Ter Beteiligung am Rathenau- Mord verdächtig. Allgemeiner Ministerrat. Die Ministerpräsidenten der Länder find auf Donners tag nachmittag zu einer Besprechung der politischen Lage mit der Reichsregierung eingeladen worden. Die Schützer der Republik. Der Massenaufmarsch des Proletariats am Begräbnistage. = Der Arbeit gewaltiges Heer zog gestern nachmittag aus den in Zügen, zogen sie wieder ab, jeder das Bekenntnis auf den Lippen: Außenbezirken in das Stadtinnere, um in einer erneuten Demon- Die Republik über alles!" ftration von mächtigster Wirkung zu befunden, daß die Arbeiter. Redner waren Reichstagsabgeordnete der drei Linksparteien. tlasse die gefährdete Republik gegen die per- Es sprachen unter anderem von der SPD.: Brunner, Hartbrecherischen Anschläge der Reaktion zu verteidi leib, Feldmann, Janscher, Girbig, Jäfer, Ruttgen entschlossen ist. Ungeachtet des strömenden Regens mar- ner, einig, 3echlin, Bias, Heinrich Schulz; von schierten die Hunderttausende aus den Belegschaften auf, aus fleinen der USPD.: Crispien, Breitscheid, Künstler, 3ubeil, Betrieben zu größerer Gruppen sich zusammenschließend, aus den Moses, Ad. Hoffmann; von der KPD.: Remmel, Großbetrieben wie Heeressäulen anrüdend. Der Luftgarten Höllein. Der Abmarsch Die Demonstrationen im Reiche. ftrationen find unter äußerst zahlreicher Beteiligung allgemein Die am Dienstag im ganzen Reich veranstalteten Demonausgezeichnet verlaufen. Von den vielen uns vorliegenden Sonderberichten über die einzelnen Veranstaltungen geben wir folgende wieder: Hamburg, 27, Juni.( WIB.) Der in der Angelegenheit bot das großartige Bild, das wir alle aus früheren Demonstrationen Die nach dem Westen zurückkehrenden Züge bogen von den„ Linden" dieser ungeheuren Maffen vollzog sich langsam, aber in Ordnung. der Ermordung Rosa Curemburgs vielfach genannte Leutnant krull wurde heute früh in einer Wohnung in Wands- kennen, das aber den Betrachter immer wieder packt und emporreißt. Schon am Opernhaus ab, so daß die Bannmeile unberührt blieb. bet, wo er sich verborgen hielt, auf Ersuchen der Bom Museum zum Schloß und vom Dom bis zur Spree eine unReichsbehörden im Zusammenhang mit dem Morde an Rathenau die da unter ihren schwarzrotgoldenen und roter. Fahnen standen, durchdringliche Menschenmauer! Die Hunderttausende, verhaftet. Leutnant firull behauptete bei seiner Bernehmung, daß waren erfüllt von einem Gedanken, von der einen Mahnung, er Wandsbek und Hamburg in den legten acht Zagen nicht verlassen die auf zahlreichen über den Häuptern der Menge getragenen Plahabe und will sein Alibi nachweisen. Die Wandsbeker Polizei fetzte faten uns aurief:" Schüzet die Republik!" Das Lied„ Empor die Berliner Behörden von der Festnahme telegraphisch in Kenntnis. zum Licht!", von den auf der Museumstreppe steher.den Arbeiter gefangpereinen meisterhaft vorgetragen, eröffnete die Demonstration. Ueber den weiten Blaß hin braufte es: Fest wie ein Felsen im wilden Meer steht der Arbeit gewaltiges Heer!". Dann sprachen aus der Borhalle des Museums, von der Freitreppe des Doms, von der Terrasse des Schlosses und von der Denkmalsplattform in der Mitte des Luftgartens die Redner der SPD., der USB D. und der KPD Die demokratische Republik muß zu einer fozialistischen sich voller.ben, das war der Grundgedanke ihrer Ausführungen. Mit eisernem Besen muß man die Berwaltungen Die ,, Leipziger Volkszeitung" über die Einigung. reinigen von den Stügen des alten Systems. Mit Die„ Leipziger Volkszeitung" vom Montag veröffentlicht fchonungslos durchgreifender Energie muß der monarchistisch en mörderbande ihr verbrecherisches Handwert ge. einen Leitartikel unter der Ueberschrift:" Das Magimum legt werden. Die Ermordung Rathenaus, ihre neueste Bluttat, proletarischer Einheit das Gebot der Stunde." Sie hat wie ein greffer Blitz die Gefahr beleuchtet, von der die Republié führt mit leidenschaftlich überzeugter Begründung aus, daß bedroht ist. Kurdgebungen der Zustimmung unterbrachen immer der Eintritt der USP. in die Regierung und die Einigung wieder die Redner. In Schmährufe brachen die Bersammelten bei der beiden sozialistischen Parteien das dringendste Gebot der der Erwähnung Helfferichs und Ludendorffs aus. Wie Sturmwind Stunde sei. Jetzt gelte es nicht, radikal flingende Forderungen donnerten von allen Seiten her die an die Reden sich anschließenden aufzustellen, sondern das Notwendige zum Schutz der Republik Hochrufe auf die sozialistische Republik. Der Sängerchor antwortete mit dem Lied vom Helden Tord Foleson. Das Banner fann steh'n, durchzusezen. Geeint könnten die beiden Parteien den Kampf wenn der Mann aud; fällt!" Mit der vom Chor vorgetragenen gegen die monarchistische Offizierstamarilla aufnehmen. Internationale schloß die Demonstration. Weiter sagt das unabhängige Blatt wörtlich: USP. und Regierung. usp. Auf dem Schloßplah Breslau, 28. Juni.( Eig. Drahtbericht.) An der Breslauer Rundgebung gegen die Mordreaktion nahmen gestern 50 000 bis 60 000 Menschen teil. Außer den drei sozialistischen Parteien beteiligten sich auch die Deutsch demokraten, für die der Geheime Justizrat Dr. Heilberg und Prof. John träftige Worte fanden. Die Kommunisten benutzten die Gelegenheit, um in Massen ein Flugblatt sowie gegen die schlesischen Führer, als auch gegen Rabbruch, Sevezu verteilen, das sich ausschließlich gegen die Sozialdemokratie wendet ring und andere jetzt im vordersten Treffen gegen die Reaktion stehenden Parteigenoffen. Chemnih, 28. Juni.( Eig. Drahtbericht.) Chemniß erlebte gestern eine Riesendemonstration, an der weit über 100 000 Menschen teilnahmen. Wenn die Redner die Namen der deutschvölkischen Hezer, wie Ludendorff und Helfferich, nannten, dann wurde das Schweigen der gewaltigen Menschenmenge durch laute Entrüstungsrufe unterbrochen. Die Demonstration löfte sich nach einem brausenden Hoch auf die Republik auf. Elberfeld, 28. Juni.( Eig. Drahtbericht.) Die Demonstration für den ermordeten Minister Dr. Walther Rathenau fand troß des regnerischen Wetters unter Beteiligung von 80 000 Personen statt. Die Arbeit wurde um 2 Uhr nachmittags eingestellt. Auf den öffentlichen Gebäuden weht die Reichsflagge auf Halbmaft. Die Demonstration verlief ruhig und machte auf das Bürgertum einen gewaltigen Eindruck. Es sollte über dem Berhandlungstisch in großen Lettern die Mahmung angeschlagen werden, die ein französisches Sprichwort in den Satz faßt:„ Wer zuviel umfaßt, hält schlecht zusammen". Es ist verständlich, wenn man die Situation ausnüßen will, um recht viel zur Sicherung der Arbeiterklasse und der Republik zu erreichen, aber man darf dabei nicht vergessen, daß jetzt entscheidungsschwere Stunden find, die schnelle Entschließung verlangen, und daß es in diesem Falle besser ist, es geschieht wenigstens einiges, wenn auch noch nicht alles, was wünschenswert ist, anstatt daß schließlich gar hat. Der Begasbrunnen war bis zum Dreizad Neptuns hinauf aftion beteiligten sich etwa 50 000 Menschen. Die Kampfannichts geschieht. Die Entscheidung über den Eintritt unserer Partei in die Regierung ist das, was zunächst erreicht werden muß. Aber dabei darf nicht stehen geblieben werden. Soll solcher Bau ein sicheres Fundament erhalten, da muß darüber hinaus die Einigung der beiden jozialistischen Parteien ernstlich in Angriff genommen werden. Jetzt ist der Augenblick da, wo die ganze Arbeiterflasse mit Tauter, freudiger Zuftimmung begrüßen wird, wenn die Borstände der USB. und SPD. zu ernster Beratung über die Möglichkeit engeren Zusammenschlusses zusammentreten, jest, wo wieder eine der Schranken zwischen beiden Barteien gefallen ist! Denn das schlimmste hindernis einer Einigung gilt doch bis jetzt die Beteiligung der Rechtssozialisten an der Regierung mit bürgerlichen Parteien. Der 3wang der unerbittlichen Tatsachen hat dieses Hindernis jeht hinweggeschwemmt. Wir brauchen nicht erst zu sagen, daß wir solche Aeußerungen mit herzlicher Zustimmung begrüßen. Meuchler und Heuchler. Die Deutschnationalen zerfallen in zwei Kategorien: in die meuchler, die den Mord ausführen, und in die He u ch ler, die vorher die Mordatmosphäre schaffen und hinterher ihre Unschuld beteuern. Zu der zweiten Kategorie gehört insbesondere Dr. Mar Maurenbrecher, Chefredakteur der " Deutschen Zeitung", dessen Blatt am Tage der Abstimmung über das Londoner Ultimatum folgendes schrieb: 221 Reichstagsabgeordnete haben ihre Stimmen für das jüdische Geschäft und gegen die deutsche Ehre abgegeben. Herr Maurenbrecher, dem man mit Leichtigkeit noch hun dert ähnliche und schlimmere Hegereien nachweisen fönnte, falbadert jezt natürlich auch über die moralische Berwerflich feit des Meuchelmordes. Dabei operiert er mit folgender Verlogenheit: Es find immer nur fleine Kreise heimlich Verschworener gewesen, die sich ein Recht zu dieser Waffe nahmen, und abgesehen von dem verwilderten Triumphgeheul, das die deutsche sozialdemokratische Bresse und der sozialdemokratische Kalender in der Borkriegszeit über jeden neuen Fall von Boltsgericht an einem russischen Großfürsten oder Minister angestimmt haben! haben sie niemals in breiteren Kreifen der öffentlichen Meinung einen zustimmenden Widerhall gefunden. sozialistischen Parteien veranstalteten Rundgebung gegen die ReEffen, 28. Juni.( Eigener Drahtbericht.) An der von den drei wogte schon zu Beginn der dritten Nachmittagsstunde eine Kopf an Kopf gedrängte Masse, so daß es selbst dem einzelnen faum möglich war, sich durchzuwinden. Zu Hunderten flatterten prächtige neue Fahnen und ältere, die schon manchen Sturm erlebt hatten, im frischen Sommerwind. Unter den Fahnen fah man meit mehr in den schwarzcotgoldenen Reichsfarben als bei früheren Demonstrationen, und viele davon bekundeten durch schwarzen Florbehang, daß die Republik einen ihrer besten Söhne durch Mörderhand verloren der Meeresgott mit jugendlichen Demonstranten teilen, von denen genommen. Zwischenfälle haben sich nicht ereignet. mit Fahnen geschmückt, und selbst seinen Siz in der Schale mußte fage der verschiedenen Redner wurde von der Masse begeistert aufmehrere auch das Denkmal für den alten Wilhelm an der Schloß- Die Teilnehmerzahl des Demonftrationszuges in Bremen be. freiheit bis zu seiner Pickelhaube hinauf befeht hielten. Leider hin trug einer Schägung der TU. zufolge etwa 12-15 000 Mann. In berte der furz vor 3 Uhr herabftrömende Regen eine volle Entfal- Weimar nahmen etwa 3000 Menschen, darunter fast das ganze tung der Demonstration. Trotzdem wichen die Maffen bis zum Ministerium an der Demonstration teil. Die Thüringer StaatsSchluß nicht vom Blaze. Hervorgehoben zu werden verdient insbe- polizei war geschlossen zu den Demonstrationen fommandiert worden. fondere, daß bei allen Gruppen einmütig der feste Wille vorherrschte, Düsseldorf, 28. Juni.( Eig. Drahtbericht.) In Düsseldorf demontreu zur Republik zu stehen und der Wunsch, daß die Re- strierten Sozialdemokraten, Unabhängige und Kommunisten gemeinEin wahrer Beifallssturm erhob fich, als ein parteigenössischer Redner und Beamte, die Republit mit allen Kräften, wenn nötig mit dem gierung endlich fest in das Wespennest der Mörder greifen möge. jam in nie gesehener Bahl. Einmütig gelobten Arbeiter, Angestellte es laut hervorhob: Wir sind dieser Mördergesellschaft gegenüber Einsatz des Lebens, zu schüßen. Dem endlosen Demonstrationszug immer viel zu anständig, viel zu milde gewefen. Der Beifall ver- voran schritt Regierungspräsident Genosse Grüner und ein fozialstärkte sich noch, als der Redner von der politischen Justiz demokratischer Beigeordneter. Die übrigen leitenden Beamten der fagte, daß sie zu 99 Prozent eine Schmach und Schande für Deutsch: zahlreichen Reichs-, Landes- und Kommunalbehörden zogen es vor, land, ein Schlag ins Gesicht der deutschen Republik der Rundgebung fernzubleiben. In einer Riefenversammlung vor ist. Es geht nicht an, daß wir die Republik noch länger verhöhnen dem Rathause wurde dieses Gebaren sehr scharf verurteilt. Troß der und daß wir alle uns beschimpfen lassen. Aber zum vollen Erfolg ungeheuren Erregung verlief die Demonftration würdig und ohne jede unseres Kampfes ist erforderlich, daß sich die Arbeitermajien nicht Störung. Die Straßenbahn stellte ab 2 1hr den Verkehr ein. Alle untereinander bekämpfen und hierdurch thre wahren Feinde er- Läden und Wirtschaften waren geschlossen. Das Bürgertum bezeugte mutigen. Der Weg zur Einigkeit ist heute nötiger denn je vielfach seine Sympathie mit den Demonstranten. und mit dem Vorsatz, diese herbeizuführen und einig wie früher zu handeln, wollen wir von hier fortgehen. Der Redner schloß mit einem dreifachen Hoch auf die Deutsche Republik und die einheit liche Arbeiterbewegung, in das die Massen stürmisch einftimmten. Nach Beendigung der Reden formierten sich die Gruppen zum Abmarsch. Auf dem neuen Markt. München, 28. Juni.( ig. Drahtbericht.) In München beteiligten sich an der Kundgebung auf der Theresienwiese etwa 120 000 bis 150 000 Perfonen. Bemerkenswert war die Teil nahme weiter Schichten des Bürgertums. An vier Stellen wurde von nRednern des Gewertschaftskartells, der SPD., de USPD. und der KPD. gesprochen. Der Straßenbahnbetrieb war v 4 Uhr bis 4,15 Uhr eingestellt. Die Polizei hielt sich bei der sperrung taktvoll zurück. Die Feier nahm einen erhebenden und würdigen Berlauf. 3m Münchener Stadtrat weigerten sich die Abschen über den Mord an Rathenau Ausdruck gibt. bürgerlichen Stadträte, einer Entschließung zuzustimmen, die ihren. Würdige Antwort in Magdeburg. Das Sühnetreuz vor der Marienkirche auf dem Neuen Markt in feiner schlichten Einfachheit spricht ein beredtes Zeugmorbstahl dort zum Opfer fiel, wurde es errichtet. Und jetzt sah es nis der Leidenschaften. Bor langen Seiten, als ein Brediger dem die Masse, die zu Tausenden erschienen war und die sich in seinem Bann zu einer Feier voll tiefer Trauer und flammender gerechter Empörung über eine Tat, scheußlicher noch und gemeiner als jene, zusammenfanden. Vor dem Lutherdenkmal standen sie alle, Magdeburg, 28. Juni.( Eig. Drahtbericht.) Die Arbeiterdie dem toten gemeuchelten Walter Rathenau die letzte Ehre erwiefen schaft Magdeburgs war am Dienstag in überwältigender Zahl auf und zugleich einen machtvollen willen zur Erhaltung der Straße. Sämtliche Betriebe, Gasthäuser, Kaufgeschäfte und der Republit zum Ausdruck brachten. Empörung und Schmerz oderten aus den Augen und mit harten Worten geißelten die Rebner Bureaus hatten ab 2 Uhr gefchloffen. Im Zuge marschierten in gedie Taten der Reaktion. Die frechen Regimentsfeiern, die Pamphlete wehrleute, Straßenbahner und dienstfreie Beamte der fchloffenen Kolonnen Eisenbahner, Postbeamte, Feuerin der Presse, das Treiben der Mörderzentrale fand ihre Würdigung Schubpolizei, sämtlich in Uniform. Der Magistrat hat bewehrleute, Straßenbahner und dienstfreie Beamte der mit Worten, bie aus dem Herzen tamen. Und wie ein heißer Wunsch flang zwischen der dichtgedrängten Maffe, die troß des Regens aus- chlossen, eine Anzahl der größten monarchistisch benannten harrte, die Einigung des Proletariats. Luther sah auf die Masse Straßen umzutaufen, und zwar in" Rathenaustraße", Mit Berlaub! In der Borkriegszeit, als sich nach Herrn der Befreiung von Menschenknechtung. Es paßte gut zu ihm. Unter steinstraße" usw. Während der Demonstration wurden die herab und in seinen Armen hatte er eine rote Fahne. Das Symbol Republitstraße", Erzbergerstraße"," Friedensplah",„ EinMaurenbrechers Ansicht die Sozialdemokratie in einem solchen ihm wallten die Farben der Republit. Und die Menschen hatten alten Straßentafeln mit der neuen Aufschrift versehen, Zustand moralischer Verwilderung befand, zählte sie zu ihren sich diefelben Zeichen angelegt. Schilder mit Inschriften:" Ein was mit stürmischen Hochrufen auf die Republik von den DemonMitgliedern und eifrigsten Literaten einen ge- Fluch der Reaktion"," Den Mördern den Tod" und Galgen ftranten begrüßt wurde. wissen Mar Maurenbrecher! Maurenbrechers Säße waren in der Menge poftiert zu einem Bilde, das ergreifen mußte Gegen Abend fam es zu einem Auflauf vor dem Bureau des Lassen über seinen eigenen Charakter nur folgende Schlußfolge in seiner schlichten Einfachheit. Würdig, wie die Republit ihre Toten Stahlhelm". Ein Stahlhelm- Mann besaß die Frechheit, während rungen zu: Entweder Mar Maurenbrecher hat jahrelang der Erde übergibt, so verlief auch die Feier. Vom Rathause winkte des Rädmarsches der Demonstranten zu rufen:„ Hoch Helfferich!" feine Gewissensbedenken gehabt, selber einer Partei Halbmaft der Bär" herüber, und vom nahen Bostamt in der Span- Er mußte vor der erregten Menge durch Funktionäre geschützt werden, als hervorragend tätiges Mitglied anzugehören, die nach seiner bauer Straße fnatterten die Fahnen schwarzrotgold". Bum Schluß bis die Polizei ihn in haft nahm. Das Bureau des„ Stahlhelm" ift Ansicht moralisch verwildert war und den Meuchelmord ver- erflang die Internationale". So wie sie getommen waren, geordnet von der Polizei gefchloffen worden. herrlichte, oder aber Mar Maurenbrecher perbreitet jetzt fügenhafte Behauptungen über die Partei, der er früher angehört hat. Drittens gibt es nicht. Verbot des Fridericus Rex". Zur Nachahmung empfohlen. Jena, 27. Juni. Der Film Fridericus Reg, der gestern zum ersten Male hier vorgeführt werden sollte, ist verboten worden. Elfäffer Preffe in Pariser Händen. Die Mülhaufener Zeitungen L'Este" und Mülhauser Abendblatt" sind von einem großen Finanzfonfortium aufgetauft worden, hinter dem der ehemalige Minister Loucheur steht. Die politische Gesamtleitung wird nach Paris Petit Parifien") perlegt, 21 50 Wartehallen für die Straßenbahn. gänger, wobei eine arme Frau 500 M. ermischte. Insgesamt Die Verkehrsdeputation hat dem Abschluß eines sollen auf diese originelle Weise mehrere tausend Mart zur BerBertrages mit einer Privatfirma zugestimmt, wonach diese an teilung gelangt sein. Ob es sich um Ausländer oder andere Personen verschiedenen Verfehrspunkten Groß- Berlins etwa 45 bis 55 Warte- handelt, denen es auf eine Handvoll Scheine nicht ankommt, ist hallen für die Straßenbahn errichtet und diese mit kleinen Verkaufs- nicht bekannt, da das Auto schnell weiterfuhr. würde. fäden und Reklamen versieht. Der Stadt erwachsen dadurch be- Späterer Ferienbeginn des Stadtparlaments. Infolge der Einrichtung einer Retlome an den Spanndrähten der Oberleitung versammlung genötigt, noch im Juli eine oder zwei Sihungen ab. deutende Einnahmen. Dagegen lehnte die Verkehrsdeputation die langen Dauer der Haushaltsberatungen wird die Stadtverordnetenab, weil diefe Reklame das Straßenbild nur noch mehr verschandeln zuhalten. Die letzte Gigung würde dann am Donnerstag, den 6. Juli, stattfinden und der Berabschiedung der unerledigt geblie gegen 11% Uhr fuhr ein Automobil mit ziemlicher Geschwindigkeit auf den 7. Juli verschoben werden. Papiergeldlegen in der Schönhauser Allee. Gestern vormittag benen Anträge gewidmet sein. Der Ferienbeginn soll daher die Schönhauser Allee, Danziger Straße und Weißenburger Straße entlang. Eine Tasche mit Schlüffeln, die bei der Luftgarten Demonstration Die Infaffen marfen offenbar von einem Teilnehmer verloren worden ist, befindet sich zur Ab unterwegs 50 und 100- martigeine unter die Fuß- holung bei der Vorwärts" Ausgabestelle in Brik. Englisches Vertrauen. Auf diese Ausführung folgte eine Aussprache, worauf 21t- 1 minom erklärte, der Gedankenaustausch sei nützlich gewesen. Wenn London, 27. Juni.( WIB.)„ Daily Mail" erfährt, das er die Sache richtig verstanden habe, so würde die Unterfommission britische Schahzamt prüfe ein Memorandum der Repara- felbft die Garantien für die Kredite besprechen und die Russen nicht fionstommiffion über die Möglichkeiten für Deutsch- an Leute außerhalb der Konferenz verweisen. Unter diesen Umland, die Forderungen der Alliierten zu erfüllen, sowie über die ständen set er bereit, jebe Auskunft zu erteilen, die besten Methoden für die Steuerpolitik der deutschen man verlange. Regierung. Die Grundzüge des Memorandums würden auf der Haager Konferenz bekanntgegeben werden. Man hoffe, bis zum nächsten Monat ein Einvernehmen in diesen Fragen erzielt zu haben, und daß Lloyd George dann in der Lage sein werde,' mif Poincaré in Paris zufammenzukommen. getaucht sind. Reuter erfährt bezüglich der Lage in Deutschland infolge der Ermordung Rathenaus, daß in maßgebenden Kreisen in London Petne besondere Furcht vor den deutschen Reaktionären herrsche. Man sei der Ansicht, daß die jetzige deutsche Regierung imftande ist, allem entgegenzutreten, und daß kein Grund für die Alarmgerüchte besteht, die von gewisser Seite aufDer Schriftsteller Dr. Artur Lynch veröffentlicht im„ Evening Standard" einen Artikel über Berlin von heute, in dem er die Wirkung der Friedensbedingungen auf die arbeitenden Klassen der Bevölkerung prüft, und zu dem Ergebnis kommt, daß eine Abänderung des Versailler Bertrages notwendig fei, auch im Intereffe Englands und Frankreichs selbst, Deutsche Wiederaufbauarbeit. Gewerkschaftsbewegung Die Gemeindearbeiter und die Republik. dern megen der Berbindlichkeitserklärung. Der Gedante, eine Bes bindlichkeitserklärung nur dann zu erlassen, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der Behörde, die hierüber entscheidet, in ihrer Mehrheit zugestimmt haben, scheint deshalb außerordentlich erwägenswert. Diese Stellungnahme der Arbeitgeber- Zeitung" ist durchaus nicht überraschend. Sie entspricht vollkommen der Stellung, die die norwegischen Unternehmer gegen das Zwangsschiedsverfahren einnahmen, während die Kommunisten und die kommunistischen Ge werkschaften für das Zwangsschiedsverfahren eintraten. Der Streit im Buttergroßhandel ist beendet durch Verhandlung mit den Arbeitgebern vor dem Demobilmachungskommissar am Am Montag tagte in Böfers Festsälen enie Versammlung der 26. Juni. Eine am gleichen Tage stattgefundene Versammlung der Funktionäre des Gemeinde- und Staatsarbeiterverbandes, die ein- Streifenden nahm den Bericht der Verhandlungskommission entgegen stimmig folgende Resolution annahm: und erklärte sich mit der getroffenen Vereinbarung einverstanden. „ Die anwesenden Funktionäre des Gemeinde- und Staats- Die Arbeit ist am Dienstag früh in allen Betrieben wieder aufAtentats auf den Reichsminister Dr. Rathenau die dringnde For- find im Verbandsbureau des Transportarbeiterverbandes, Engelarbeiterverbandes richten an die Regierung anläßlich des scheußlichen genommen worden. Ausfertigungen der getroffenen Bereinbarungen derung, nunmehr eine gründliche Säuberung der Reichs-, ufer 24/25, Zimmer 38 oder Zimmer 31, gegen Vorzeigung des Staats- und Kommunalverwaltungen vorzunehmen. Sie sprechen Mitgliedsbuches zu haben. die Erwartung aus, daß es nicht wie am 9. November und nach dem Rapp- Butsch bei leeren Versprechungen bleibt und daß zur Namhaftmachung der in Frage kommenden Beamten auf die Anführungen der zuständigen Betriebsräte ausreichend Gewicht gelegt wird. Insbesondere erwarten sie eine fofortige Abberufung des gänzlich untauglichen Reichsministers und feines Stabes, sowie eine Amnestie für alle politischen Märtyrer der Arbeiterbewegung." Borher war eine Neuregelung der Lokalbeiträge beschloffen worden, die die Beiträge wie die Unterstützungssäge der Geldent wertung anpaßt. Die Neuregelung unterliegt jedoch noch der Urabstimmung. Bürgerlicher Landarbeiterschuh. Ein französischer Plan für die besetzten Gebiete. Paris, 27. Juni.( WTB.) Der Minister für die öffentlichen Arbeiten Le Trocquer hat der Presse mitgeteilt, daß er in vollem Einverständnis mit dem Ministerpräsidenten Poincaré seit Beginn des Jahres einen Plan ausarbeite, um mit deutschen Arbeitern und deutschem Material außerhalb der hemaligen im 13. Ausschuß beraten. Das Gesez soll dazu dienen, den wirt Im Reichstag wurde in diesen Tagen die Bachtschuhordnung Kampfzone große öffentliche Arbeiten ausführen zu schaftlich Schwachen zu stüßen, ihn vor härten zu bewahren. Bon lassen. Als solche Arbeiten bezeichnet der Minister Flußregulierun- diesem Gesichtspunkt aus stellten namens der sozialdemokratischen gen, den Bau von großen elektrischen Eisenbahnlinien, den Bau Fraktion der Vorsitzende des Deutschen Landarbeiterverbandes von Eisenbahnen selbst, Hafenbauten und Schaffung innerer Wasser- Schmidt und der Bezirksleiter des D. L. B. in Ostpreußen Jäder ftraßen. Im ganzen handle es sich um ein Programm, das die einen Antrag: im§ 1b Absatz 1 unter a eine Ziffer einzufügen mit Summe von 18½ Milliarden Franten erreiche, worin folgendem Wortlaut: 3. daß das Deputatland der landwirtallerdings etwa 6 Milliarden Franken eingerechnet feien für Material, fchaftlichen Arbeiter bis zum Ablauf des Wirtschaftsdas Deutschland nicht liefern könne. Bei den Flußregulie. jahrs dem Deputanten zur vollen Nutzung verbleibt". rungen handle es sich um die Rhône, die Dordogne, die Tinée, geordnete Behrens, im Nebenamt Vorsitzender des christlichen Diefer Antrag wurde jedoch, nachdem der deutschnationale Abden Verdon und die Truyère. Für die inneren Wasserstraßen seien Bentralverbandes der Landarbeiter, dagegen gesprochen 50 Millionen ausgeworfen, wovon 40 Proz. auf die Arbeitslöhne hatte, mit allen bürgerlichen gegen die sozialistischen Stimmen a bfämen. Die französische Delegation bet der Reparationskommission gelehnt. Der deutschnationale Borsitzende des dyristlichen Land habe den Entwurf bereits in Händen, und ein internationaler arbeiterverbandes berief sich darauf, daß der Bandarbeiter durch Ausschuß unter dem Vorsiz des Unterstaatssekretärs Colrat prüfe den§ 18 bereits genügend geschüßt sei. Nun steht allerdings in zurzeit den Entwurf. Nach§ 19, Anner 2, sei die Möglichkeit der diesem Paragraphen, daß der landwirtschaftliche Arbeiter bei vorVerwendung deutscher Arbeiter und deutscher Materialien für alle zeitiger Beendigung des Dienstverhältnisses einen seinen bisherigen Arbeiten vorgesehen, die die alliierten und affoziierten Regierungen Leistungen entsprechenden Anteil erhalten soll. zur Entwicklung ihres industriellen und wirtschaftlichen Lebens ausführen lassen könnten, wenn die Reparationskommiffion thre Genehmigung erteilt habe. Nach einigen Blättern hat wohl die Reparations tommission die Entscheidung, doch müßten die Verhandlungen über die auszuführenden großen Arbeiten Arbeiten von Delegierten der französischen Regierung direkt mit Deutschland geführt werden, wie es bei dem Wiesbadener Abkommen und feinen Zusatzverträgen der Fall gewesen sei. Neue Besoldungsordnung in Oesterreich. Wien, 27. Juni.( WTB.) Die Regierung hat im Nationalrat einen Gespeentwurf eingebracht, durch den die Sätze der über das Besoldungsgesetz hinausgehenden Bezüge der Bundesange stellten geregelt werden sollen. Der Gesetzentwurf foll unter Anwendung aller gefchäftsordnungsmäßig zulässigen Abkürzungen der Beratung behandelt werden. Die Regierung betrachtet den Gefeßentwurf, infofern er endlose Berhandlungen über Gehaltsforde rungen und unregelmäßige Auszahlungen der Bezüge in Butunft usschaltet, als wesentlichen Teil des Ausgabenabbaues, den er Finanzminister unter den unerläßlichen Reformen angefündigt at. Der Nationalrat wird in der nächsten Woche ununterbrochen rbeiten, um bis etwa zum 10. Juli die Grundlage für die finanzielle teugestaltung Desterreichs zu legen. Die Errichtung der Notenbank. Wien, 27. Juni.( Wiener Korrbureau.) In der heutigen Sizung es Nationalrats brachte die Regierung den Entwurf, betreffend die richtung der neuen Rotenbant, ein. Der Entwurf entspricht im ntlichen den seinerzeitigen Mitteilungen des Finanzminifters. besonderer Wichtigkeit ist die Bestimmung der Vorlage, daß der Staat die neue Bank für Zwecke des Staatstredits nicht in Anspruch nehmen darf, ohne daß er den vollen Gegenwert der bezogenen Noten oder Devisen leistet. Dadurch ist der weiteren Ausgabe ungedeckter Noten und dem Fortschreiten der Noteninflation ein Ende gesetzt. Selbstverständlich dürfen auch nicht Staatsnoten in Verkehr gebracht werden. Die wichtigste Aufgabe der Bank wird es sein, die Krone mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln vor weiterer Entwertung zu schützen. Die Konferenz im Haag. Wie sieht es damit in der Braris aus? Ein Deputant wird am 30. Mai aus einem geringfügigen Grunde entlassen, jetzt hat er nach dem§ 18 der vorläufigen Landarbeitsordnung Anspruch auf den anteiligen Ertrag der Ernte, d. h. in diesem Falle unter Zu grundelegung von durchschnittlich 60 Zentnern Kartoffelertrag pro Morgen( Kartoffelland gilt als Sommerlohn) 60: 6-10 × 2-20 Zentner. Der Deputant, der nur auf Deputat angewiesen ist, erhält für den kommenden Winter 20 Zentner Kartoffeln. Der Barlohn genügt knapp, die Steuern und sonstigen Abgaben zu bestreiten. Woher soll das Geld genommen werden, um Kartoffein zu kaufen? Das Deputat des Deputanten muß mit dazu verwendet werden, um den so sehr niedrig bezahlten Hofgänger zu entlohnen resp. zu beköstigen. für unseren Antrag zu stimmen. Umso mehr bestand diese Pflicht eines jeden sozial denkenden Menschen wäre es gewesen, Pflicht für den deutschynationalen Borsigenben des Zentralverbandes, Behrens. Der nene Lohntarif der Gemeindearbeiter. Zu dem für die Gemeindearbeiter Groß- Berfins vom Magiftrat bemilligten neuen Lohntarif wurde am Montag abend in einer über füllten Versammlung der Funktionäre Stellung genommen. Der Bericht wurde von Bolenste gegeben. Bor Eintritt in die eigentliche Tagesordnung forderte dieser auf, einmütig an dem Demonstrationsstreit teilzunehmen und hinsichtlich dessen Ausführung die Bekanntmachung in der sozialiftischen Presse zu beachten. Wirtschaft Ein Steuerprogramm. Die von dem ADGB., der AfA, der USP. und der Sozialdemo fratie vor mehreren Monaten eingesetzte Kommission zur Beratung der Sachwerterfassung hat vor wenigen Wochen ihre Arbeiten abgeschlossen und in Leitfäße zusammengefaßt. Die Gr zialdemokratische Reichstagsfraktion hat das Ergebnis der Beratu gen besprochen und war der Auffassung, daß vor einer endgültigen Beschlußfassung der Leitfäße zur öffentlichen Diskussion gestellt wer Leitfäge als Antrag eingereicht. Der Wortlaut ist folgender: den müssen. Inzwischen hat die Reichstagsfraktion der USP. die gefeges in der Fassung vom 8. April 1922 der Körperschaftssteuer 1. Alle Körperschaften, die auf Grund des Körperschaftssteuerunterliegen, haben bis 31. Dezember 1922 ihre Rapitalanteile um ein Drittel zu erhöhen und dem Reich abzutreten. Von jeder weiteren Erhöhung ist der vierte Teil an das Reich zu übertragen. Das Reich nimmt im Verhältnis seines Besitzes an allen aus der Gesetzgebung oder den Gesellschaftssatzungen sich ergebenden Rechten teil. die mehr als 100 Arbeitnehmer beschäftigen, oder ein Anlagefapital 2. Allen Unternehmungen in Industrie, Handel und Berkehr, von mehr als 1 Million Mart haben, ist durch Reichsgesetz die Pflicht zur Körperschaftsbildung aufzuerlegen. 3. Betriebe, die der Körperschaftsform nicht unterliegen, find durch eine Reichsgewerbesteuer in Höhe von einem Biertel des Reinertrages zu erfassen. Den Interessen von Ländern und Gemeinden ist dabei voll Rechnung zu tragen. 4. Auf jedes inländische, nicht durch 1 und 3 erfaßte Grundvermögen, sofern es eine festzusetzende Höhe übersteigt, wird zugunsten des Reiches an erster Stelle eine Grundschuld in Höhe eines Biertels des von dem abgabepflichtigen Eigentümer angegebe nen Wertes eingetragen. Das Reich übernimmt ein Viertel der hypothetarischen Lasten, bte am 31. Dezember 1922 auf inländischem unbeweglichen Vermögen beruhen, jedoch nur bis zu einem höchstbetrag von drei Vierteln der Grundschuld. Die Fälle mehrfachen Grundbefizes, deren Einzelwert die Freigrenze nicht erreicht, hat das Gesetz zu regeln. 5. Jeder abgabepflichtige Eigentümer inländischen Grundverzuständigen Finanzamt bis zum 31. Dezember 1922 anzugeben. mögens hat den Wert dieses Bermögens selbst einzuschätzen und dem 6. Der 3insfuß der Grundschuld wird alljährlich festAber wie fann ein Deutschynationaler ernstlich die Interessen gefeßt. Für das Jahr 1923 beträgt er 5 Proz. Für die späteren Jahre der Landarbeiter vertreten? Was die Kommunisten betrifft, so wird er jeweils vor dem 1. Oktober unter Berücksichtigung der inneren überlassen sie die Arbeit in den Ausschüssen natürlich den sozial- Rauffraft der Mart durch Gesetz bestimmt. Bhrasen zu dreichen. Die Landarbeiter werden aus diesem Bei- dische unbewegliche Bermögen zu dem 60 fachen der Jahres. demokratischen Abgeordneten und begnügen sich, in Bersammlungen 7. Das Reich ist bis zum 31. Dezember 1932 berechtigt, inlänfpiel ertennen, wo ihre wahren Freunde sind und welche Organi zinjen der Grundschuld zuzüglich eines Aufschlages von 20 Broz. fation ihre Intereffen wirklich vertritt. zu übernehmen. Uebt jedoch das Reich dieses Recht nicht bis zum 31. Dezember 1923 aus, so hat es vor Ausübung dieses Rechts dem Abgabepflichtigen von dieser Absicht Kenntnis zu geben und ihm anheimzustellen, binnen vier Wochen seine Einschätzung um mindestens 20 Proz. zu erhöhen. Nimmt der Abgabepflichtige die Erhöhung nicht vor, so hat das Reich das Vermögen zu dem 60fachen der Jahreszinsen der Grundschuld zuzüglich 20 Broz. zu übernehmen. Nimmt jedoch der Abgabepflichtige die Erhöhung vor, so wird zugunsten des Reiches eine weitere Grundschuld in Höhe eines Biertes des Mehrbetrages eingetragen. Die neue Schähung hat dann für das Uebernahmerecht des Reiches die gleiche Bedeutung, nie wenn Dann ging der Redner in längeren Ausführungen näher auf die Verhandlungen mit den Magistratsvertretern über die Lohnforderun- fie bis zum 31. Dezember 1922 abgegeben worden wäre. gen ein und hob hervor, daß bei diesen der Wille zu einer Verständi8. Abgabefrei sind: a) die Länder; b) die Gemeinden und gung vorhanden war. Er wies schließlich auf den gedruckt vorliegen. Gemeindeverbände aller Art; c) Handelskammern, Gewerbekammern, den Bericht hin, nach dem die Löhne ab 1. Juni festgesezt sind, wie Handwerkskammern, Landwirtschaftskammern und ähnliche öffentmir fie bereits in der Hauptsache veröffentlicht haben. lich- rechtliche Berufsvertretungen sowie wirtschaftliche Verbände ohne Berhältnisse längst überholt find, so daß sie nur als eine Abzah- schaftlichen Geschäftsbetrieb gerichtet ist; d) die Anstalten der reichs. Der Redner bemerkte zu diesen Lohnfäßen, daß sie durch die öffentlich- rechtlichen Charakter, deren Zweck nicht auf einen virt ung für Monat Juni gelten könnten. Es werde erforderlich sein, gesetzlichen Unfall-, Invaliden-, Krankenversicherung und Versicherung wieder mit neuen Forderungen vorzugehen, den ursprünglichen For für Angestellte; e) Bensions-, Witwen-, Waisen-, Sterbe-, Kranten, derungen sei man ziemlich nahe gekommen. Großtariftommiffion und Unterstützungskassen und Kaffen ähnlicher Art; f) Universitäten, HochLohnfartell find nach reiflicher Ueberlegung zu dem Entschluß ge- schulen und ähnliche Anstalten und Gesellschaften; g) Stiftungen, Ankommen, die Annahme dieser Tariffähe zu empfehlen. Nach kurzer Aussprache stimmte die Bersammlung gegen menige stalten, Rassen oder Personenvereinigungen, soweit sie ohne Beschrän Stimmen für die Annahme und war auch damit einverstanden, daß fung auf einen bestimmten engeren Personenkreis mildtätigen oder gemeinnüßigen Zweden dienen; h) Politische Parteien und Vereine. Arbeitgeber und Schlichtungsordnung. Haag, 27. Juni.( EP.) Die Vortonferenz hat drei Unter= tommissionen eingefeßt, und zwar für Schulden, Privateigentum und Kredite. Die Russen haben nur eine Kommission von einer Ürabstimmung abgesehen werden soll. gebildet, die daher mit den erwähnten Kommissionen nacheinander verhandeln wird. Frankreich wird sich bei den Berhandlungen auf Besprechungen in der Kreditkommission beschränken. Der Borschlag der Russen, zu Anfang nur die Kreditfragen zu behandeln, wurde angenommen. Die Kreditkommission tagte schon heute morgen und faßte den Beschluß, die Ruffen einzuladen, in einer Gesamtfizung Borschläge zu machen. Diese fombinierte Sißung wurde heute nachmittag 4 Uhr abgehalten. Beginn der Verhandlungen. Hang, 27. Juni.( Haager Korrespondenzbureau.) Die Unterfommission für die Kredite hielt heute ihre erste Sigung ab. Litminiom erklärte, er sei bereit, Auskunft zu erteilen und zu empfangen, aber er möchte wissen, welche Fragen er beantworten müsse. Auch wolle er erst wissen, welche Fragen er beantworten müsse. Auch wolle er erst wiffen, ob Rußland überhaupt redite bekommen würde. Der britische Delegierte Hilton Young fagte, er tönne Litminom auf die Frage, ob Rußland Kredite bekomme, feine Antwort geben, solange er nicht die Auskunft htte, die Rußland selbst geben fönne. Er würde nicht hier sein, wenn er nicht hoffte, eine Basis für Kredite zu finden. Ob wir diese Basis finden werden, fuhr er fort, hängt zum großen Teil von der Arbeit der beiden anderen Unterfommiffionen ab. Wenn in der russischen Kommission be= friedigende Ergebnisse erzielt werden, wird es möglich sein, unseren Regierungen anheim zu geben, Kredite für die Unterstügung des russischen Handels zu garantieren. 9. Durch besondere Gesetze sind die nach den vorstehenden Borschlägen nicht erfaßten Einkommen und Vermögen heranzuziehen In der Arbeitgeber- Zeitung" nimmt das bekannte Mitglied der Diese Gesetze müssen eine der Leistungsfähigkeit entsprechende und der volksparteilichen Reichstagsfraktion, Professor Moldenhauer, in fozialen Gerechtigkeit Genüge leiftende Gleichmäßigkeit der Besteue einem Leitartikel Stellung zur Schlichtungsordnung. Da ist es nun rung von Einkommen und Bermögen jeder Art gewährleisten. interessant, festzustellen, daß Moldenhauer, nach platonischen Sym- Erbrecht ist dahin zu ändern, a) daß das Erbrecht der Berwand10. Das gegenwärtige, sozialen Ansprüchen nicht genügende pathieerklärungen für den Grundgedanken" der Schlichtungsordnung, ten der dritten und folgenden Ordnungen aufgehoben wird; b) daß schreibt: der Reichsfiskus geseglicher Erbe wird, wenn zur Zeit des Erbfalles Bei der Prüfung im einzelnen muß man sehr sorgfältig ab- meber ein erbfähiger Berwandter noch ein Ehegatte vorhanden ist. wägen und berücksichtigen, daß alle Zwangs- und Strafmaß Dieses gesetzliche Erbrecht des Fiskus darf weder durch Testament nahmen wahrscheinlich immer einseitig wirken. Man wird den Arbeitgeber immer faffen fönnen. Man wird(§ 1937 bis 1940), noch durch Erbvertrag(§ 1941) ausgeschlossen oder gegen eine große Zahl von tausenden und hun beeinträchtigt werden. Vermächtnisse oder Auflagen zugunsten geSerttausenden Streitenden niemals durch meinnütziger, wohltätiger, fultureller und religiöser Zwecke sind zu greifen tönnen. Aus dem Grunde wird man von vornherein läffig, dürfen aber in ihrer Gesamtheit ein Biertel des Nachlasses und sehr vorsichtig untersuchen müssen, ob die Schlich 100 000 Goldmart nicht übersteigen; c) daß auch beim Vorhandensein tungsordnung Licht und Schatten auch gleichmäßig verteilt. von Erben der ersten und zweiten Ordnung oder eines Ehegatten der Fistus, soweit der Erbanfall des einzelnen berufenen Erben 100 000 Goldmark übersteigen würde, einen Erbanspruch auf den Wert des Ueberschusses hat. Der betroffene Erbe tann verlangen, daß an Stelle der Herauszahlung des Ueberschußwertes der Fiskus für einen Anspruch durch Einräumung eines entsprechenden Miteigentums an dem dem Erben zufallenden Nachlaß oder Nachlaßteil befriedigt Einer der umstrittensten Paragraphen ist naturgemäß auch der Baragraph 110 sowie die folgenden über die Berbindlich feitserklärung. Wenn man sich auf gewerkschaftlicher Seite scharf gegen den Anrufungszwang mendet, andererseits aber den Verbindlichkeitserklärungen starf das Wort redet, so ist das offenbar unlogisch. Wenn man schon einmal so weitgehende Bin dungen verlangt, fann man auch den Anrufungszwang nicht aus schließen. Die Berbindlichkeitserklärungen wird man aber mit allen wird." Rautelen bersehen müssen, sonst werden nach australischem Muster die Streifs tatsächlich Berantw. für den redakt. Teil: Franz Alihs Berlin- Lichterfelde; für An eher zunehmen nicht wegen des Anrufungszwangs, fon- Borwärts- Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Baul Singer u. Co., Berlin, Lindenstr.& eigen: Th. Glode, Berlin. Berlag Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: