Nr. 304+ 39.Jahrgang Ausgabe Anr. 151 Bezugspreis: Bierteljährl. 150.-M., monatl. 50, frei ins Haus, voraus zahlbar. Bost bezug: Monatlich 50,- M., einschl. Zu stellungsgebühr. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- u Memel gebiet, sowie Defterreich u. Luxemburg 84, M., für das übrige Ausland 102, M. Postbestellungen nehmen an Belgien, Dänemark, England, Estland, Finnland, Frankreich, Holland, Lettland, Luremburg, Defterreich, Schweden, Schweiz, Tschechoslowatei und Ungarn. Der Vorwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Zeit", der Unter haltungsbeilage Heimwelt" und der Beilage„ Siedlung und Kleingarten erscheint wochentäglich zweimal, Sonn tags und Montags einmal Telegramm- Adresse: Sozialdemoftrat Berlin Morgen- Ausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 1,50 Mark Anzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillegeile Poftet 16,-.- Reflamezeile 80,- M. Kleinenzeigen" das fettgedruckte Wort 4, M.( zulässig zwei fettge druckte Worte), jebes weitere Wort 3,- M. Stellengesuche und Schlafftellenanzeigen das erste Wort 2,50 M., jedes weitere Wort 2, M. Worte über 15 Buchstaben zählen für, zwei Worte. Familien- Anzeigen für Abon nenten Beile 8,- M. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 42 2hr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden. ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr frith bis 5 Uhr nachmittags. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutfchlands Redaktion und Expedition: SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Redaktion Morisplay 15195-97 Expedition Morigplatz 11753-54 Freitag, den 30. Juni 1922 Todesstrafe für Mordbündler! Vorwärts- Verlag 6.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Verlag, Expedition und Inseraten. Abteilung Moritplay 11753-54 Der Streit um die Schuld. ,, Nationale" und Bölkische". Verschärfung der Ausnahmeverordnung. Ebenso werden bestraft Personen, die eine solche Bereinigung Republit August Bebel zu zitieren. Das ist eine werden mit dem Tode oder mit lebenslänglichem Zuchthaus bestraft. Mut auf, als Kronzeugen gegen die Schutzmaßnahmen für die Eines der deutschvölkischen Berliner Blätter bringt den Die Ergebnisse der Untersuchung gegen die Mörder Ra- wissentlich mit Geld unterstützen. thenaus und ihre Hintermänner haben gezeigt, daß es sich auch Dritte Personen, die um das Dasein einer solchen Vereinigung 1878, als der damals der Stöckerschen christlich Leichenschändung schlimmster Art. Es war im Jahre diesmal wieder um Mitglieder der Organisa- wissen, werden mit Zuchthaus bestraft, wenn sie es unterlassen, von sozialen Partei angehörende Klempnergeselle Hödel tion C handelt. Die Reichsregierung fah sich infolgedeffen dem Bestehen der Vereinigung, den ihnen bekannten Mitgliedern auf den alten Wilhelm schoß, worauf wenige Stunden nach dem im Einvernehmen mit dem Reichspräsidenten in die Not- oder deren Verbleib den Behörden oder der durch das Verbrechen wendigkeit verseht, im Intereffe der Sicherheit des Staates bedrohten Person unverzüglich Kenntnis geben. und der wirtjamen Fortführung der Unterfuchung zu fofortigen Maßregeln zu greifen, ohne die geplante gesetzliche Regelung zum Schutz der Republik abzuwarten. Es wird deswegen der auf Grund des Artikels 48 der Berfassung eclaffenen Berordnung des Reichspräsidenfen eine Ergänzung hinzugefügt werden, welche alle Teilnehmer und mitwisser solcher Organisationen trifft. Weitere Zusäge stellen unter Strafe Berleumdung und öffentliche Beschimpfung der Opfer von Gewalttaten, die Unterstüßung von Geheimorganisationen mit Geldmitteln und ermöglichen das Verbot von periodischen Druckschriften, die sich einer zur Zuständigkeit des Staatsgerichtshofs zum Schuße der Republik gehörenden Handlung fchuldig machen. Der Text der ergänzenden Verordnung lautet wie folgt: Auf Grund des Art. 48 der Verfassung des Deutschen Reiches wird zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung für das Reichsgebiet folgendes verordnet: Artikel I. Zuständig ist der auf Grund der Verordnung vom 26. Juni 1922 ( Reichsgesetzblatt I, Seite 521) gebildete Staatsgerichtshof. Artikel II. Die Verordnung zum Schutze der Republit vom 26. Juni 1922 ( Reichsgefeßblatt I, Seite 521) wird dahin ergänzt und geändert: 1.§ 5 Nr. 1 erhält zum Schluß folgenden Zusatz: ,, oder wer die toten Opfer solcher Gewalttaten verleumdet oder öffentlich beschimpft." Attentat Bismarck aus Barzin telegraphierte:„ Ausnahmegemerkt, gegen die Sozialdemokratie, die nicht das gefeg gegen die Sozialdemokratie!" Bohlgeringste mit dem Attentat und dem Attentäter zu tun hatte! Gegen sie wurde die ganze offizielle Heze organisiert, trotzdem fie innerhalb und außerhalb des Reichstages nur eine fleine Minderheitspartei war. Ihr wurden, wie noch heute aus deutschnationalen Reihen, die schlimmsten Verbrechen angedichtet, gegen sie wurde das schmachvolle S cha ndgese eingebracht und angenommen, das 12 Jahre lang Sozialdemokraten im Deutschen Reiche vogelfrei machte, Fa milienväter von ihren Angehörigen riß und aus der Heimat jagte, Hunderte und aber Hunderte von Arbeitern ins Gefängnis beförderte. Alles, weil man die Iügnerische Behauptung aufstellte, diese große sozialistische Arbeiterbewegung habe die Gewalt auf ihre Fahne geschrieben. Dagegen Wird durch den Inhalt einer periodischen Druckschrift wandte sich Bebel in der Reichstagsrede vom 16. September die Strafbarkeit einer zur Zuständigkeit des Staatsgerichtshofes zum 1878, in der er sagte:„ Wenn je eine Partei gezeigt hat, daß Echuße der Republik gehörenden Handlung begründet, so kann die sie für die friedlichste, ruhigste Entwicklung ist, periodische Druckschrift, wenn es sich um eine Tageszeitung handelt, so haben es die Sozialdemokraten unter den erbis auf die Dauer von vier Wochen, in anderen Fällen schwerendsten Umständen bewiesen." Jeder, der die Geschichte bis auf die Dauer von sechs Monaten verboten werden.§§ 2, 3 der Sozialdemokratie tennt, weiß, daß sie vor, während und und 10 der Verordnung vom 26. Juni 1922 finden entsprechende nach dem Sozialistengesetze im fchärften Kampfe 2.§ 5 Nr. 5 erhält am Schluß folgenden Zusatz: ,, oder wer eine solche Verbindung mit Geld unterstützt." 3.§ 7 Abs. 1 Nr. 2 erhält die Fassung: für die in§ 5 bezeichneten Bergehen." Artikel III. Personen, die an einer Bereinigung teilnehmen, von der sie wissen, daß es zu ihren Zielen gehört, Mitglieder einer im Anwendung. Amt befindlichen oder einer früher en republikanischen Regierung des Reiches oder eines Landes durch den Tod zu beseitigen, Techows Geständnis. Die Bernehmung des gestern vormittag verhafteten RathenauMörders Techowo dauert noch an. Im wesentlichen ist Techow geständig. Er gibt zu, von der Mordtat gewußt zu haben. Er felbst hat das mörderauto geführt. Er bestreitet auch nicht, mitglied der Organisation C zu fein, verweigert aber über gewisse Dinge die Aussage, da er sein Ehrenwort" gegeben hat, das ihm die Aussage verbiete. Massenattentate geplant. Hamburger Feststellungen. Hamburg, 29. Juni.( Eig. Drahtbericht.) Bei der Unterfuchung, die von der Hamburger Polizeibehörde in der Angelegenheit der Sprengstoffattentäter geführt wurde, ergab sich begründeter Artifel IV. Diese Berordnung tritt mit der Verkündung in Kraft. den gleichen Kreisen ausgeführt worden ist. Von der Hamburger Polizei wurden mit diesen Feststellungen am Dienstag früh Beamte nach Berlin geschickt, die der Berliner Polizeibehörde das Material übergaben, auf Grund dessen dann die Ermittlung der Persönlichkeit erfolgte. Der Bruder des Kapitän leutnants v. killinger, ein gewisser Erich Killinger, hielt sich feit längerer Zeit in Hamburg auf, wo er bereits vorher ein Nachrichtenbureau unterhielt, das im Verdacht stand, Spielberichte anzufertigen. Er soll auch mit der Organisation C in Verbindung gestanden haben. Nachdem das„ Hamburger Echo" auf seine Tätigkeit hingewiesen hat, ist er aus Hamburg verschwunden. Er soll sich augenblicklich in Berlin, Hotel Esplanade, aufhalten. gegen alle Gewaltanbeter gestanden hat, die sich unter den verschiedensten Namen auch in die Arbeiterbewegung, nicht zuletzt unter eifrigster Förderung durch die bismarcksche und nachbismarckische Polizei, einzudrängen fuchten. Heute August Bebel zu zitieren als Gegner von Schutzmaßnahmen für die Republik ist so dumm, daß der Gedanke nur einem deutschvölkischen Hirn entspringen konnte. Ueber Wert und Unwert dieser deutschvölkischen Hirne wird jetzt im Lager der Rechten lebhaft gestritten. Die deutschnationale Parteileitung hat jetzt endlich eine Anweisung an ihre Mitgliedschaften im Lande ergehen lassen, in der aufgefordert wird, die Mitgliederlisten nachzu prüfen, ob etwa Anhänger von Gewaltakten oder Angehörige von Organisationen darin verzeichnet sind, die die Gewaltanwendung predigen. Alle folchen Mitglieder sollen schleunigst aus der Partei ausgeschlossen werden. " Aber bevor es zu irgendeiner Handlung in dieser Hinsicht fommt, bäumt sich schon der deutschvolfische Flügel gegen eine solche Reinigungsaktion auf. Im„ DeutEine Verhaftung in Düsseldorf. schen Abendblatt", das noch immer das Sprachrohr Reinhold Berdacht, daß die Täter einer politischen Geheimorgani- Wie die Düsseldorfer Nachrichten" erfahren, ist im Laufe des Mulles und anderer Wotangläubigen ist, wird den deutschWie die ,, Düsseldorfer Nachrichten" erfahren, ist im Laufe des fation angehören, die sich über das ganze Reich erstrede. Tai- Donnerstags der in den Boehner- Werken in Düsseldorf- Obertaffel nationalen Freunden drohend die völkische Fauft gezeigt. fächlich gehörten, wie jetzt festgestellt wurde, die verhafteten einer in angestellte Ingenieur Rauert unter dem Verdacht der Teil- Man gibt sich scheinbar der Hoffnung hin, daß der Ausschluß Gruppen gegliederten Abteilung an, die unter Führung des ver- nahme am Morde Rathenaus verhaftet worden. Kauertz soll der der Völkischen" von den„ Nationalen" nur durch eine kleine hafteten früheren Offiziers Warniden stand. Bei Täter sein, der von der Berliner Kriminalpolizei unter dem Namen Minderheit gefordert würde, aber die Völkischen halten es auch ihm wurde der Entwurf zu einem„ Fahnenwimpel" beschlagnahmt, Knauer oder Rauer gesucht wird. Wie verlautet, ist Sauerk am für gewiß, daß es in der Partei noch einige fühle Rechner der folgendermaßen gekennzeichnet war: Kampfwimpel, Warnice, Morbtage nicht in Düsseldorf gewesen. Als die Fahndung nach geben dürfte, die das Erempel namentlich unter dem GesichtsHamburg, Offiziersffurmfompagnie KII. Marinebrigade E( Ehr- einem gewissen Knauer oder Kauer bekannt wurde, soll er gepunkte eines möglichen Wahlkampfes und des damit Hamburg, Offiziersffurmfompagnie K II. Marinebrigade E( Ehr- äußert haben: ,, Jett ist es Beit, daß ich verschwinde". Hiervon er zusammenhängenden Broblems der Wahlversammhardt?). Bei den beschlagnahmten Papieren befand sich auch ein hielt die Kriminalpolizei Mitteilung. Kauert wurde sofort verBrief an den Kapitänleutnant v. Killinger mit der Bezeich- haftet. Seine Vernehmung dauert nech an. Das Gerücht von der Iungen(!) nachprüfen werden." nung von A., die als von Killinger gedeutet wurde, ein Verdacht, Berhaftung drang wie ein Lauffeuer durch die Stadt. An verschicder nach Aussagen von Festgenommenen bestätigt wurde. Die Ab- denen Stellen fuchte die Bevölkerung den Transportwagen, in dem teilung Warnide war in die Organisation C, die sich in Pro- sich Kauerh befand, zu stürmen. Nur mit äußerster Mühe Bonnten vinzial- und Landesverbände ordnete, eingegliedert. Die die Beamten unter dem Hinweis, daß der Verhaftete der MittäterOrganisation C hatte ein Spreng- und Mordkommando, das die Be- schaft ja noch gar nicht überführt sei, einer Lynch justiz vorfeitigung politischer Persönlichkeiten auszuführen hatte. beugen. Diefem Kommando gehörten u. a. die vom Polizeipräsidium Berlin jetzt festgestellten Mörder an. Es war beabsichtigt, etwa zwölf führende politische Persönlichkeiten zu beseitigen, zu denen auch Rathenau, Theodor Wolff vom„ Berliner Tageblatt" und der Hamburger Banfier Mag Warburg gehörten. handelte, die durch furze Telegramme angefündigt wurden. Die Konferenz der Ministerpräsidenten. Nur die Mehrheit für Beschleunigung des Schutzgesetzes. In der Konferenz der Ministerpräsidenten der Länder mit der Reichsregierung, die gestern nachmittag stattfand, sprach sich die Warburg follie bereits am Montag in Hamburg bei der Grün- Mehrheit der erschienenen Ländervertreter für eine gefeßliche dung einer wirtschaftlichen Vereinigung sprechen. Von der Polizei Fassung der zum Teil durch die Verordnung des Reichspräsidenten wurde ihm abgeraten, dies zu tun, denn der Auftrag zu feiner Er- geregelten Bestimmungen zum Schutz der Republik aus. mordung war bereits erteilt. Ferner erklärte sich die Mehrheit bereit, im Reichsrat auf Ueber die Art, wie die Mitglieder der Organisation miteinander die geschäftsordnungsmäßige Frist zu verzichten, die für die Beverkehrlen, wird in Erfahrung gebracht, daß es sich um Kuriere handlung von Gesetzentwürfen vorgesehen ist und sofort in eine BeEiner der in Hamburg wegen der Attentate Verhafteten, der ist demgemäß zu erwarten, daß der Gesezentwurf schon Anfang ratung des Gesetzentwurfs zum Schuße der Republik einzutreten. Es Privatdetektio niedrig, hatte den Auftrag bereits erhalten, nächster Woche dem Reichstag zugehen wird. Die Beratungen der das Automobil zu führen, in dem die Mörder Rathenaus gefahren Reichsregierung mit den Ministerpräsidenten der Länder werden find. Er war, um die Einzelheiten der Tat zu besprechen, nach Berlin jetzt fortgesetzt. geholt worden, wo er mit den Tätern verhandelte. Der Hamburger Bolizei gelang es auch, die Wohnung zu ermitteln, wo in Hamburg die Verabredungen stattgefunden haben. Die Berhandlungen mit Niedrig zerschlugen sich, well er feinen Führerschein besaß und zwei Abg. Helfferich hat am Donnerstag nachmittag, nachdem Leute, die den Führerschein bejaßen, zur Verfügung standen. die Verhaftung Günthers bekannt wurde, Berlin plößlich Auch über das Attentat auf Scheidemann find in verlassen und die Polizei gebeten, für den Schuß seiner Woh Hamburg Ermittelungen gemacht worden, die ergaben, daß es von nung zu forgen, Helfferich abgereist. " Auf jeden Fall kündigen die Völkischen an, daß sie sich nicht ins Bodshorn jagen lassen wollen. Der Fall Rathenau, sagt das Deutsche Abendblatt", sollte abgeschlossen sein, nachdem die Mörder als ein paar blutjunge fanatische Außenseiter" ermittelt worden sind. Wobei selbstverständlich, um sich die erforder= liche freundliche Stimmung bei den bisherigen Parteibrüdern zu schaffen, der Hinweis auf die angeblich kommende Rätediktatur nicht fehlen darf. die Deutschnationalen durch die Deutschvöltischen merden ins Wir haben allerdings die Ueberzeugung, daß sich viel eher Bockshorn jagen lassen. Versichert doch die„ Tägl. Rdsch.", die dem ehrenwerten Kreis so nahesteht, daß es schon Zeiten dem ehrenwerten Kreis so nahesteht, daß es schon 3eiten und Stunden in der Partei gegeben habe, wo man drauf und dran war, gewisse hemmungslose Raitalinskis" von sich abzustoßen.„ Leider glaubte man." lagt die Tgl. Rdsch." weiter, es der Parteisache schuldig zu fammlungen" wird daher wahrscheinlich das starte Herz Bor der Drohung mit dem Problem der Wahlverfein, es zu einer solchen„ Schwächung" nicht fommen zu lassen." der Exzellenz Hergt auch jetzt um einige Grade tiefer sinken. " Aber wie dem auch sein mag, ob die Nationalen" oder die„ Bölkischen" die Sieger in diesem Bruderstreit bleiben: teide werden vergeblich versuchen, die Mitschuld an der Mordatmosphäre von sich abzuweisen. Es gibt zweifellos im deutschnationalen Lager Männer und Frauen, die mit der Entwicklung nicht einverstanden sind, die die Politif ihrer Partei genommen, aber sie sind in der Minderheit. Der eine Teil der Mehrheit jedoch hat die Verbrechen und die Vere Schluß mit der �Entpolitißerungs�politik! Aus Regensburg wird uns geschrieben: „Ein offizieller Vertreter des republikanischen Reichsbundes, der dem Kommandeur der hiesigen Reichswehr, Ober st Leupold, eine Einladung zu der heute stattfindenden Treukundgebung für die Republik gab, erhielt von diesem einen ablehnenden Bescheid, daß die Reichswehr nicht zum Schutze der Republik und ihrer Versassung. sondern zum Schuhe des deutschen Vaterlandes und seiner Grenzen da sei. Im weiteren Gespräch bekannte sich Oberst Leupold offen als M o n a r ch i st mit dem Bemerken, daß auch neun Zehntel seiner Leute monarchistisch gesinnt seien." Wir fordern von der Reichsregierung, daß sie diesem uns gemeldeten Borfall unverzüglich nachgehe, und zwar darf die Untersuchung nicht dem Reichswehrministerium überlassen werden. Gesteht der Oberst Leupold seinem sogenannten Bar- gesetzten Herrn Geßler diesen Ausspruch ein, dann ist seine sofortige Entfernung anzuordnen. Leugnet er, dann muß er dem erwähnten Bertreter des Republikanischen Reichs- bundes gegenübergestellt werden. Die Politik der„Entpoliti- simntg der Reichswehr" hat vollkommen Schiffbruch er- litten, vor allem in Bayern, denn es ist leider gar nicht mehr zu bezweifeln, daß in der Tat neun Zehntel der Reichswehr- offiziere in Bayern Monarchisten sind. Ob das Verhältnis im übrigen Deutschland viel günstiger ist, lassen wir dahin- gestellt. Unter dem Vorwand der„Entpolitisierung" ist man schließlich dazu gekommen, den Schutz der Berfassung und der Republik als eine politische Frage zu bezeichnen, während dies kraft des Treueides eine Selbstverständlichkeit sein müßte. Es gibt heute keinenUnterschied zwischen Vaterlaich und Republik. Diese Unterscheidung, die amtlicher- seits nur allzu lange geduldet wurde und auf der die ganze verkehrte„Entpolitisierungs"-Politir des Herrn Geßler be- ruhte, hat verhängnisvolle Früchte getragen. Auf diese Art ist nämlich die Reichswehr zu einem Hort der monarchistischen Reaktion gezvorden. D a m i t m u ß endlich und durch- greifend Schluß gemacht werden! Noch immer Stuöententerror! Sämtliche republikanischen Studentengruppen an der Berliner Universität— Sozialisten, Demokraten, Pazifisten, Zionisten und Zentrumsanhänger— beabsichtigten, am gestrigen Donnerstag eine Kundgebung gegen den Mord an Walter Rathenau und zum Schutze der Republik in einem Saale des Uniocrsitätsgebäudes zu veranstalten. Da nun in reaktionären Studentenkreisen die Ab- ficht geäußert wurde, diese Beranstaltung zu sprengen, glaubte der Rektor Geheimrat N ernst, die Ruhe und Ordnung am besten dadurch zu sichern, daß er seine Genehmigung zurückzog und die Anschläge aus den Räumen der Universität entfernen ließ. Zum Unterschied von seinem Vorgänger auf dem Rettorposten, dem be- rüchtigten Prof. Ed. Meyer, ist Prof. Ncrnst kein Reaktionär. Um so befremdender muß seine geradezu unglaubliche Schwäche in diesem Falle wirken. Cr hätte vielmehr dafür sorgen müssen, daß die Kundgebung auf alle Fälle stattfindet, und es wäre sogar seine Pflicht gewesen, als erster Redner an dieser Kundgebung mitzu- wirken. Er hätte den Gerüchten über geplante Gegendemonstrationen und Störungen nachgehen und die protestierenden Studenten kurzer- Hand aus der Universität ausschließen sollen. Wenn nötig, wäre Schutzpolizei anzufordern gewesen, um die Ordnung in der Unioer- sität zu sichern. Auf keinm Fall aber darf man vor Drohungen der nationalistischen Mörderfreunde zurückweichen. Wir erwarten, daß Geheimrat Rernst seinen schweren Irrtum dadurch wieder gutmacht, daß er nunmehr selbst, Hand in Hand mit den republikani- schen Studentengruppen, die Initiative zu einer universitätvamtlichen Kundgebung zum Schutz der Republik ergreift. Der Staatsgerichtshof in Leipzig. WTB. meldet: Die in einem Teil der Abendzeitungen ver- breitete Nachricht, daß der Sitz des Staatsgerichtshofes noch Berlin verlegt worden fei und daß auch der Oberreichsanwalt rn Berlin eintreffen und im Reichsministcrium d.s Innern Dicnsträume be- ziehen werde, entspricht, wie wir von zuständiger Stelle erfahren, nicht den Tatsachen. Nach der Verordnung des Reichspräsidenten ist der Staatsgerichtshof bei dem Reichsgericht gebildet, das nach gesetzlicher Vorschrift seinen Sitz in Leipzig hat. Dort ist auch der Sitz der Anklagebehörde der Reichsanwaltschoft. Das Miß- Verständnis ist anscheinend darauf zurückzuführen, daß der Ober- reichsanwalt einige Beamte der Rcichsanwaltschast nach auswärts und zwar auch nach Berlin entsandt hat, um durch sie an Ort und Stelle in enger Fühlung mit den seinen Weisungen unterstehenden Beamten des Polizei- und Sicherheitsdienstes Ermittelungen treffen zu lasten._ Energische Maßnahmen. Beschlüsse des Nürnberger Stadtrates. Nürnberg. Lg. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Der Nürnberger Stadtrat beschloß, die im Jahre 1917 erfolgte Benennung des Platzes cm Lauffer Tor als„Hindenburg-Platz" aufzuheben und ihn fortan „R a t h e n a u- P l a tz" zu benennen. Gegen diesen Beschluß stimmten die Demokraten, die Bayerische Volkpartei und die deutschnationalen Mittelparteilcr. Die gleiche Mehrheit beschloß weiter, sämtliche Hindenburg- und Ludendorff. Bilder .aus den städtischen Amtsräumen zu entfernen. Fast einstimmig gegen die Stimmen der Fraktion Mörderpartei wurde ein Beschluß gefaßt, der von der bayerischen Landesregierung verlangt, daß sie mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln für die Durchführung der von der Rcichsregierung zum Schutze der Republik erlassenen Maßnahmen Sorge trägt und gemeinsam mit der Reichsregierung unverzüglich die zum Schutze der Reichsverfastung und der Republik erforderlichen Anordnungen trisit. Umgestaltung der �ngestelltenverstcherung. Der Reichstag hat am 11. Juni 1922 ein Gesetz über vor- läufige Umgestaltung der Angestelltenversicherung angenommen. Es bezweckt in verschiedenen Punkten eine Anpassung der Angestelltenversicherung an den gegenwärtigen Geldwert. Her- vorzuheben ist daraus, daß die Versicherungspflichtgrenze a u f 190 ovo M. erhöht ist und neue Gehaltsklassen mit Beiträgen hierfür aus die alten Gehaltsklasfcn aufgesetzt sind. Die bisherigen Gehaltsklasten fchlosten mit der Gehaltsk.'aste L. Ei« reicht nun von mehr als 15 000 M. Jahresarbeitsverdienst bis einschließlich 30 009 Mark und hat einen Monatsbeitrag wie bisher von 48 M. Neu aufgesetzt sind Gehaltsklasse de von mehr als 30 000 bis einschlich- lich 50 000 M. mit einem Monatsbeitrag von 60 M., Gehaltsklaste C von mehr als 50 000 bis einschließlich 75 000 M. mit einem Mr.. natsbeitrag von 80 M. und Gehaltsklaste? von mehr als 75 000 bis 100 000 M. und einem Monatsbeitrag von 110 M. Die Vorschriften über das Ruhen von Ruhegeld beim Zusammentreffen mit Renten aus der Arbeiterversicherung und mit einem Einkommen aus einer noch ausgeübten Befchäfliguug sind schon durch ein früheres Gesetz vom 13. Dezember 19Z1 mit Rücksicht auf die damalige Geldentwertung geändert worden. Es war bei der nach 5j 73 des Dersicherungsgefetzes für Angestellt« hier anzustellenden Berechnung, soweit die Beitrogsmonat« vor dem 1. August 1921 liegen, das Mittel aus den Jahresarbeitsverdiensten mit dem sechsfachen Betrog anzurechnen. Das neue Gesetz hat statt des sechsfachen Betrags den zwanzigfachen Betrag ein- gesetzt. Dadurch wird erreicht, daß die Rente, die in einer unge- wohnlich großen Anzahl von Fällen neben dem infolge der Geld- entwertung stark gestiegenen Einkommen ruht, nur in einer wesent- lich geringeren Zahl von Fällen dem Ruhen anheimfällt. Das Desetzvnngt weiter eine Reihe von Di B1?! Vorschriften. Wichtig ist, daß sich hierunter keine neue Befreiungsmöglichkeit auf Grund von Lebcnsversichc- rungsverträgen befindet. Von grundlegender Bedeutung ist eine Vorschrift des neuen Gesetzes, derzufolge vom 1. Januar 1923 ab das Buchungsoerfahren für die Beitragsentrichtung der Angestclltenvcr- sicherung aufgehoben und statt dessen das Kleben von Marken eingeführt wird. brecher planmäßig und aktiv u n t e r st ü tz t, der cndere nach dem Grundsatze Marc Antons gehandelt:„Unheil. du bist im Zuge, nimm welchen Lauf du willst!" Der Streit um die Mitgliedschaft in der deutschnationalen Bewegung ist deshalb nur ein äußeres Symptom für die schwere Erschütte- rung, die der Lauf des Unheils der Partei selbst zugefügt hat. Geradezu kläglich nimmt sich in diesem Zusammenhange der Versuch aus, den politischen Mord an Rathenau als die Tat einiger„blutjunger fanatischer Außen- s e i t e r" hinzustellen oder gar Mitleid mit den„Pennälern" zu erwecken, die in jugendlichem Unverstand sich an dem Mord beteiligt haben. Das wäre so bequem, sentimentales Mitleid mit den„Schulknaben" vorzutäuschen, die jetzt das Opfer repu- blikanischer Schutzmaßnahmen werden sollten. Es ist richtig, daß nach den bisherigen Mitteilungen der Polizei zwei Gymnasiasten an der Vorbereitung und Ausführung des Mordes beteiligt waren. Aber es ist ebenso richtig, daß die Gründer und hauptsächlichsten Mitglieder der Or- ganisation C. daß insbesondere die Killinger, die Schulz und Tillcssen und die bis zur Stunde noch flüchtigen Rathenau- Mörder Fischcr-Vogel und Knauer-Körner-Kern k a i s e r- liche Offiziere waren, also zu jenem Stande gehörten, den man im alten Deutschland nicht ungestraft schief ansehen durfte, der als das Muster der Ehrenhaftigkeit, des Patriotis- mus und der Pflichterfüllung hingestellt zu werden pflegte. Kaiserliche Offiziere waren die Erzberger-Mörder, kaiserliche Offiziere mordeten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, kaiserliche Offiziere sind es wieder. die an dem feigen Meuchelmord von Grunewald schuldig sind. Kaiserliche Offiziere sind auch die hauptsäch- lichsten Agitatoren und Bannerträger der Deutschnationalen wie der Völkischen. Wo bleiben jetzt die Offizierbünde, die noch heute Strafanträge namens des gesamten Offizierkorps von ehedem zu stellen pflegen? Wo ist ihre eindeutige Erklärung. daß der politische Mord zu unterbleiben habe, daß man nicht nur von der Republik Pensionen beziehen dürfe, son- dern auch in dieser Republik auf gesetzlichem Boden mit- zuarbeiten habe? Wo ist die Verfemung und Aechtung der Mörderbrigade? Man kennt sie nicht, man kennt nur die hetzerischen Reden und Schriften alter Ga- maschenknöpfe, die auf die Jugend so unheilvoll einzuwirken pflegen, daß schließlich sogar„Pennäler" zur Mordwaffe greifen. Man soll uns den Tatbestand nicht verwischen wollen: die jahrelange Hetzpropaganda, die unter Führung von Helffcrich, Ludenoorff und ihren Getreuen gegen die Trä- ger des republikanischen Gedankens geführt wurde, hat die Mordatmosphäre geschaffen Sie hat vor allem auch jene „Alten" veranlaßt, die ungeheuren Geldsummen zu spenden, mit denen die Geheimorganisationen zur Züchtung von Mordattentaten arbeiten konnten. Und wenn jetzt I ü n g- i i n g e mit in diesen Kreis gezogen werden, so trägt diese deutschnational-völkische Hetze auch daran die Schuld, wenn die Mütter gramgebeugt ihre jugendlichen Kinder dem Straf- rechter überantwortet sehen. Sie trägt die Blutschuld mit sich und niemand wird sie ihr abwaschen. Nicht einmal die heroische Geste, die man jetzt durch die Androhung des Aus- schlusses der Deutfchvölkischen aus der belasteten Partei zeigen möchte. falsche'Putschgerüchte über Vapern. München, 29. Juni.(WTB.) Amtlich wird gemeldet: In Ber.lin gehen, wie gemeldet wird, allenthalben Gerücht« um, daß in Bayern die Monarchie ausgerufen worden sei. Gestern schon wurde das Gerücht oerbreitet, daß Kronprinz Rupprecht im Ebicmgau zum König ausgerufen worden sei, und daß die Ehiemgouer gegen München marschieren würden. Alle diese Ge- rächte sind Heller Unsinn. In Bayern herrscht voll- ständige Ruhe und Ordnung. Das Notwelstb der Meuchelmörder. Ein sprachvergleichende Studie von Gustav Gibim. Verbrecher aller Arten, Räuber und Mörder haben ihre Ka- schenunensprache, ihr Rotwelsch. Ob der Dieb, der Geldschrank- knackcr, Raub, oder Meuchelmörder in einer Berbrecherkneipe im elzemcligen Scheunenviertel in Berlin sitzt oder ob er in einer Zlpochenkneipe auf dem Montmartre in Paris ein„Ding dreht". Die Kenntnis des Rotwelsch ist für den Kriminalisten von be- srnderer Wichtigkeit, da es neben den Daumenabdrücken, Verglelchung von Schriftproben usw. häufig zur Entdeckung der Täter von Ver- l rechen führt, mindestens aber auf die Kreise hinweist, in denen der Plan des Verbrechens ausgeheckt wurde. Welche Sprache führen nun die deutschnatio- naten Meuchel mörder? Wae sagte doch der Oberleutnant Tillesien, der Bruder des erzbcrger-Mörders, zu einem Mann, den er als Meuchelmörder dingen wollte im Auftrage der Organisation C, die in München ilire Zentrale hat und deren Häuptlinge u. a. der skandalöscrweise sreigeiprochcn? Leutnant Killinger und ein Kapitänleutnant a. D. Hoffmann sind: „Das ist mein Brüderchen, der hat das erste Schwein gekillt." Tillessen zeigte dabei auf eine Photographie seines Druders Heinrich Tillssien, des Mörders Erzbergers. Man lese die zahllosen anonymen Drohbriefe, die an all« Repub'jkaner in verantwortlicher Stellung tagtäglich zusammen- geschmiert werden, die hundsgemeinen Wort«, die an die Witwe des rnngeb rächten Erzberger geschrieben werden! Man höre die Gemeinheiten, die das Telephon der gramgebeugten Mutter de» eben ermordeten Walter Rathenau von deutschnationalen Bestien zugeschrien wurden! Mo» denke on das Lieblingslied der Deutschvölkischen, der Jungdcutschlandbrüder: an das„Ehrhardt-Lied" mit der Zeile über Nathenau, die so schamlos ist, daß wir sie hier nicht wiedergeben wollen. Das alles ist das Rotwelsch der deutschnatio- nalen und deutschvölkischen Meuchelmörder. W o ha st du, deutscher Republikaner, dieses Rotwelsch schon einmal gehört? Laß dein Gedächtnis einig« Jahre zurückspazieren. Denk an deine Ausbildungszeit auf dem Kasernenhof in den Retrutentagen. Du, alter Landsturmmann, denk an die Offiziere während der Kriegszeit. Wie hat dich der jung« Schnösel von Leutnant mit der Bügelfalte in der Hos« und dem Monokel im Aug« tituliert, wenn du beim Parademarsch einmal zu kurz getreten, ein Knopf an der Uniform— angeblich— nicht blank genug blitzte, ein Gewehrgriff — angeblich— nicht klappte. Ich sage„angeblich", weil derartige Schikonen meist nur angewendet wurden, wenn der„Angefauchte" Israelit oder ein Arbeiter war, der im Aerdacht stand,„Roter" zu sein. „Schweins" „Mistviehl" „Krummer Hund, ich werde dich bimsen, daß dir der Hinter« tropft!" „Faules Aas, ich schleife dir die Eier bis aufs Gelbe!" Und hundert und taufend ähnlicher schmutziger Gemeinheiten mußte der Vater von erwachsenen Kindern im„gemeinen" Land- sturmmannrock sich von dem jungen Bengel im Ossiziersrock gefallen lassen. Und dies« Sippe rühmte sich, die„Blüte der Nation" zu seinl Di« Ausnahmen von wirklich anständig denkenden Offizieren bestätigen nur die Regel. Weißt du nun, in welchen Kreisen das Rotwesich der Meuchel- mörder gesprochen wird? Dieses Wort vom Bruderherz,„das das erste Schwein gekillt hat"? Auf der Visitenkarte der Brüder Tillesien brauchte nur der Offiziersranq angegeben zu sein. Schon ihre Sprache zeigt, aus welchen Kreisen sie stammen. Es sind die Parasiten der Monarchie, die früher aus der Stoatskrippe sich nährten und im Arbeiter, subalternen Beamten und„gemeinen" Soldaten nur den„Pöbel" sahen, den sie ungestraft beleidigen und mißhandeln durften. Die heute, wo die Krippe nicht mehr für sie aufgeschüttet wird, mit Revolvern schießen, Blausäure spritzen und Eierhandgranaten schmeißen. Ihre Sprache, ihr Rotwelsch hörst du heute In den Mitglieder. Versammlungen und in den Zeitungen der Rechtsparteiler, bei den „Stahlhelm-Leuten, den Iungdeutschordensbrüdern usw. Und du wirst finden, daß zwischen dem Kasernen- Kaschemmenton von früher und dem Rotwelsch der deutschnationalen Meuchelmörder von heute ebensowenig ein Unterschied besteht wie zwischen der Gesinnung jener und dieser. Die Techows. Der Name T e ch o w, der heute berüchtigt ge- worden ist, hat einmal in der preußischen Geschichte eine rühmliche Rolle gespielt. Sein Träger war damals— im Jahre 1348— ein junger Leutnant, der die Berliner Arbeitermassen bei dem be- rühmten Zeughaus st urm anführte. Als der erste aktive preußische Offizier, der sich offen der Revolution anschloß, wurde er In jenen Tagen viel genannt und viel gefeiert. Aber die Tage der Freiheit gingen rasch zu Ende. Schon nach wenigen Monaten hielt mit Wrangels Truppen die Reaktion in Berlin ihren Einzug, und da siegreiche Reaktionäre mit ihren Feinden nicht so glimpflich zu verfahren pflegen wie siegreiche Revolutionäre, so mußte der Leutnant Tcchow Deutschland verlassen und sich in Amerika eine neue Heimat suchen. Man hat von ihm nichts mehr gehört. Sein Bruder aber, ein Philologe, ist In den sechziger Jahren während der preußischen Konsliktszeit als demokratischer Landtags- abgeordneter bekanntgeworden. Er war Direktor des Gymnasiums in dem ostpreußischen Städtchen Rastenburg, dem Geburtsort von Arno Holz. Die damalige preußische Regierung unterschied sich von der jetzigen unter anderem auch dadurch, daß sie mit oppositionellen Schulmännern nicht viel Federlesen machte. Wer irgendwie eine regierungsfeindliche Gesinnung bekundete, wurde kurzerhand seines Amtes enthoben. Auch über dem Direktor Tcchow schwebte jähre- lang das Damoklesschwert der disziplinarischen Maßregelung. Aber seine Amtsführung war eine so tadellose und hervorragende, daß man sich nicht an ihn heranwagte. Und als die Zeiten ruhiger ge- worden waren, wurde er sogar als Leiter einer höheren Lehranstalt nach Berlin berufen.— Es wäre interessant zu erfahren, ob dieser alte Demokrat ein Dorfahr des Nathenau-Mörders ist. Man hätte dann ein Gegenstück zu der Familie Kapp und ein charrtteristisches Beispiel für den Niedergang des Bürgertums: der Llhn ein Vo'.ks- freund und idealistischer Kämpe— der Eukel ein Reaktionär und ge- meiner Verbrecher. Hans Thoma über seine Kunst. Die Thoma-Ausstcllung der Berliner Nationalgalerie hat einige briefliche Bekenntnisse des greisen Meisters veranlaßt, die Hans Makowsky Im neuesten fteft des .Lunstwanderers" mitteilt. Es sind die Briefe, die der Dreiund- achtzigjährige an die Staatsbehörden geschrieben hat und aus denen schon Teile hie und da bekannt geworden sind, die sich aber in ihrer Gesamtheit zu einem kostbaren Selbstbekenntnis zusammenschließen. In diesen Schreiben kommt Thoma immer wieder aus das Urdeutsche seiner Kunst zurück und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß sein Lebens- werk seinem Volt von Nutzen sein und zur Versöhnung der zer- klüfteten Welt beitragen werde.„Wie gern hätte ich Ihnen", schreibt er an Ludwig I u st i, den Beranstalter der Ausstellung,„münd- lich gedankt dafür, daß Ihre Stellung im schönen Reich der Kunst es Ihnen ermöglicht hat, ein Stück echtes Wesen dentscher Kunst zu der rechten Zeit, wo wir es brauchen, an das Licht des Tages zu bringen— Verborgenes aufzufinden, es der Welt zu zeigen: unseren Feinden damit zu sagen: nicht nur so, wie Ihr uns schildert, ist unser Volk, sondern es war seit Lebensaltern ein still bescheiden kunstsinnig Volk. Der geistige Grundzug unseres Wesens wird wohl auch in Zukunft so bleiben— man könnte diesen Grundzug Stille nennen. hinter welcher, sich selber fast unbewußt, schöpferische Kraft steckt— verhaltene Stärke. Möge man nun die deutsche Kunst klein nennen und beschränkt finden, wir wollen sie erkennen und wollen an- erkennen, daß sie, ob klein, ob groß, unsere Kunst ist, aus der Tirfe der geheimen Volksseele hervorgeht und daß sie ihren Zweck erfüllt, wenn sie, als bescheiüene Dienerin, die Vermittlerin zwischen Seele und Seele wird. Wenn sie somit sich selbst versteht, so halte ich e» nicht für unmöglich, daß sie die Verbindung zwischen sich und frem. den Volksseelen herstellt und so als eine Art von Friedensengel durch die zerklüftete West wandert." In einem anderen Schreiben an den Kultusminister Boelitz spricht er von seiner Entwicklung: . Wenn man dieser Sammlung eine Benennung beilegen will, welche so ungefähr ihr Wesen bezeichnen soll, so scheint es mir, daß keiner der gangbaren Kunstparteinamen dazu passen will und in meiner ungewöhnlich langen Schaffenszeit nie dazu passen wollte, lo daß in der Mitte der 70er Jahre mich ein berühmter Münchener Kritiker den nicht talentlosen Erfinder der sozialdemokratischen Malerei nannte, dessen Bilder an Häßlichkest mit den Altdeutschen und mit dem Franzosen Courbet wetteiferten. Mit Politik hatten und haben meine Bilder nichts zu tun. Und weil ich auch nie daran dachte, „deutsche" Bilder zu malen, gerade deshalb glaube ich, daß nian mein künstlerisches Schaffen unbedenklich deutsch nennen kann. Meine Bilder kamen aus dem Zwang einer deutschen Seele hervor— das ist das Bond, weiches ihre Biclgestaitigkeit zu einer Einheit oerbindet. Wenn nun ein Künstler, der durch Jahrzehnte hindurch abseits und in der Stille verborgenes Schaffen das Gejühl gewonnen hat, daß Bn die öeutscken Richter! ISom Republikanischen R i ch t e r b u nd geht den PPN. folgender Aufruf zu: Die Freveltat des 24. Juni hat, wie ein greller Blitz das Dunkel zerreißend, die ungeheure Gefahr bewiesen, die unserer jungen, im tiefsten Niederbruch geborenen, mit tausend Sorgen und Schmerzen ringenden Republik von Menschen droht, die, obwohl sie das Nationalgefühl für sich allein in Anspruch nehmen, in Wahrheit den deutschen Namen schänden. Das fluchbeladene System der Verhetzung und des Meuchelmordes, geübt gegen die Träger und Stützen des neuen Staatswesens, muß jeden ehrlichen Rcpubli- kaner zur Abwehr aufrufen. Die Verteidigung der Re- publik ist heilige Pflicht vor ollem derer, die Amt oder Beruf dazu bestimmt, der Republik als Richter oder in ähnlichem Aufgabenkreis zu dienen und, soweit es an ihnen ist, das hohe Ziel zu verwirklichen, das sich der Republikanische Richterbund in seiner Satzung gesteckt hat:„den vollen Einklang des Rechts mit der repu- blikanlschen Staatsordnung.' Der Bund schließt jede Parteipolitik aus; einträchtig und entschlossen sollen in ihm zum wahren chelle des deutschen Volkes und Landes zusammenwirken, die überzeugt aus dem Boden der Republik stehen und der Durchsetzung des neuen Staatsgedankens ihre Kraft weihen wollen. Zu solch wahrhaft patriotischem Werk ruft der Republikanische Richterbund alle, die es angeht. Es ist keine Zeit zu ver- lieren: wir werden unser junges Staatswesen nur retten, festigen und ausbauen können, wenn alle, die guten Willens sind, ihre Kräfte zur ErMung ihrer Aufgabe vereinigen. Berlin, den 23. Juni 1922. Der Vorstand des Republikanischen Richtcrbundes. Lerlin-chalensee, Kurfürstendamm 146, III. «.Temps� für die deutsche Republik. Paris, 23. Juni.(EP.) Der„Temps' legt unter dem Titel .Jas Vorwärtsbringen der Republik in Deutschland" Bericht über die jüngsten republikanischen Kundgebungen in Deutschland ob. Zu den Reden im Reichstag schreibt er: Es wäre absurd, zu behaupten, daß alle diese Worte nichts beweisen oder daß sie eine Komödie darstellen. Die Lage in Deutschland legt nicht nur der deutschen Regierung Pflichten auf, sondern auch der französischen und der eng- lischen Regierung. Gegenwärtig ist die Republik noch eine Partei- oder fast ein« Klasieneinrichtupg. Wenn später alle deutschen Kräfte im republikanischen Sinne beraten seien, wird sich Deutschland um so bester entwickeln, und zwar nach Prinzipien, die nicht notwendig zn einem Kriege führen müßten. Es Ist deshalb von Wichtigkeit, die Zukunft vorzubereiten, so daß die französische Republik in Frieden mit der deutschen Republik leben kann. Die englische Re- gierung kann viel dafür tun, um dieses Ergebnis zu erzielen. Wir geben den englischen Arbeitern, die gestern in Edinburg beschlossen haben, eine Delegation nach Paris zu schicken, den Rat, die Aufhebung der französischen Schulden an Eng- l a n d mitzubringen oder wenigstens die Zusicherung, daß England seine Guthaben nicht fordern wird, solange die deutschen Zahlungen nicht eine gewisse Gesamtsumme erreicht haben werden. Der Kanzler Wirth scheint noch immer das System des„Alles oder Nichts' zu befolgen. Wir sind der Ansicht, daß dieser Weg nicht der richtige ist. Die deutsch« Regierung spricht immer von einer T o t a l s u m m e von 1S2 Milliarden und hetzt damit das deutsche Volk gegen Frank- reich auf. Der„Temps" berechnet, daß der Wert des Reparations- guthabens bis auf den heutigen Tag auf 33 Milliarden für die Obligationen A und B und auf 10 Milliarden für die Obligationen C geschätzt werden kann. Auf die gleiche chypothese gestützt, wäre der Wert der amerikanischen und englischen Guthaben an die anderen Alliierten gleich Rull, warum sich deshalb um loftellige Iahlea streiten? Ist es nicht vorzuziehen, ein Abkommen zu treffen, das gestatten wird, für die Zukunft Atem zu schöpfen? Die streikenden Straßenbahner in Wien veranstalteten Mittwoch. vormittag einen Demonstrationsumzug über die Ringstraße, wobei auch für die sozialen Errungenschasien und gegen ihre Ein- schränkungen demonstriert wurde. Die Kundgebung verlief vollkom- men ruhig. auch er in seiner Stille, im harmlosen Schaffen etwas beigetragen hat zur Erkenntnis echten deutschen Wesens, darf er sich schon diesem Frohgefühl ein wenig hingeben. Besonders wenn er 83 Jahre über- schritten hat, wo Frohgefühl nicht mehr in Hochmut übergehen kann. Seit das Unglück über Deutschland hereingebrochen ist und auf ihm lastet, haben wir uns gewöhnt zu jagen: Armes Deutschland! Aber wir wollen doch auch wieder hie und da aufschauen, da werden wir sehen, daß man das deutsche Volk auch„reich" nennen kann an edlen Gütern, die kein Feind uns nehmen kann." Und in einem Dankbrief auf die Glückwünsche des Reichskanzlers Dr. Wirth sagt er über sein Deutschtum:„Mein Deutschtum ist angeboren: ich wußte nichts davon, aber es äußerte sich in meinem Schaffen, das fo ganz ohne Programm still seinen Weg ging. Der Herr des Lebens hat mir viel Zeit geschenkt, so daß ich sie nicht zu Geld zu machen brauchte. Er gab mir ein im ganzen ruhiges Herz, gar nicht viel Ehrgeiz und ganz wenig Hochmut." kein Slrafurlaub für Ernst Toller. Die reaktionäre Obrigkeit des edlen Bayernlandes hat das von zahlreichen Führern des beut- schen Geisteelebens unterstützte Gesuch abgelehnt und Ernst Toller nicht gestattet, der heutigen Erstaufführung seines Drama»„Ma- schinenstürmer" im Großen Echauspielhause beizuwohnen.— Die Reaktionären waren zu allen Zeiten und sind noch heute unerbittlich im Haß und in der Verfolgung ihrer besiegten Gegner. Es würde nichts schaden, wenn das republikanische Volk sich ein Vorbild daran nähme und da, wo es die Macht hat, den Reaktionären mit gleicher Münze heimzahlte. Reue Forlschrille der Rönlgendiagnose. Di« englische Röntgen- Forschung verzeichnet einige neue Verbesserungen in der Verwertung der Röntgenstrahlen. So hat man eine neue Methode ausgearbeitet, um im Körper das Vorhandensein von Gegenständen festzustellen, die bisher mit der Röntgenphotographie nicht sichtbar zu machen waren. Unter den Diwie'n, die jetzt im Körper festgestellt werden können, befinden sich Kaffeebohnen. Kerne von Nüssen, Mandeln, Melonenkerne und ander«„gefährliche" Ding«, wie sie von Kindern verschluckt werden. Eine andere wichtige Verbesserung soll in der Behandlung der Diphtherie erzielt worden sein. Indem man die Kehle, die Nase oder die Ohren den Röntgenstrahlen aussetzt, will man die Bazillen, die die Diphtherie erregen, in einer großen Anzahl der behandelten Fälle zum Verschwinden gebracht haben, und die Behandlung mit Röntgenstrahlen soll sich als ein wichtiges Schutzmittel für diejenigen erweisen, die mit Diphtheriekranken in Berührung gekommen sind._ Tie«olksbühnc. Tliea-er am Bülowplay, wird in der Spielzeit 1072123 al« erste NeueinstudielUN-, Björnson«.Ueber die Kraft' <11. T c i I> bringen: Regle: Wolfgang Hoffmann Harnilck ES folgt die Erstaufführung von W y» n v t s ch e n t o„D i e L ü g e", Regie: Friedrich Katchler; ferner I b s- n S.Kronprätendenten'. Regie: Eai lbeinz O-nriin ftrth fit..>.«»♦. I � r.„. rts 4 T T««• Hünther Ex-Sekretär Luöenöorffs. Von unterrichteter Seite wird uns geschrieben: Mit der Verhaftung des Mördergchilfen stuck. Zur. Willy Günther, wohnhaft bei seinen Eltern in der Lützowstraße 84 d, ist es der Kriminalpolizei der Abt. 1» gelungen, die Namen der an der Mordtat an den Minister Rathenau Beteiligten festzustellen und sie teilweise zu verhaften. Wir sind in der Lage, das Geständnis bzw. die bisherigen Ermittelungen der Polizei soweit zu ergänzen, daß sich daraus ein klares Bild über den Mordtomplicen Günther ergibt. Günther, der zwar stuck, iur. ist und an der Friedrich- Wilhelm-Universttät immatrikuliert ist, hat den Hörsaal in den 9 Semestern seines Studiums höchstens dreimal gesehen. Seine ganze Zeit verwendete er darauf, wie er sich Zeugen gegen über ausdrückte, um der„nationalen Sache" zu dienen. Er ist während des Krieges als Freiwilliger bei dem Düsieldorfer Ulanen regiment«ingetreten, wurde jedoch wegen seiner schlechten milb tärifchen Verwendbarkeit zu einem Trainbataillon abge� schoben. Er ist nach der Revolution als Unteroffizier entlasten worden. Von dieser Zeit an suchte er Anschluß an ehemalige Größen des kaiserlichen Regimes. So wurde er Privatsekrelär des Generals Ludendorff, besten rechte Hand er sozusagen war und dessen Vertrauter er auch noch heule ist. Ferner verkehrt er in den ersten Kreisen der natio- nalen Bewegung. Er ging ein und aus bei den Vizeadmiralen v. Stumm und v. knarr und stand In engster Verbindung mit dem ehemaligen Finanzminister Helfferlch, dem kappistev v. Zagow, Westarp und Konsorten. Seine Verbindungen gingen soweit, daß er allen führenden Reaktionären und hauptsächlich in Bayern bekannt war. Er gehörte fast allen reaktionären Studenten- gruppen an sowie den geheimen militärischen Formationen, als deren Geheimkurier er Deutschland kreuz und quer bereiste. Bei den Kämpfen in Oberschlesien hielt er sich bei dem dort be- standenen Selbstschutz auf und verfügte über eine Anzahl falscher Päste, die ihm als geborenen Oberschlesier hinstellten— in Wirklichkeit ist er In Berlin geboren. Vor einiger Zeit gründete er den„deutschen Studentendicnst', der den Zweck haben sollte, unbe mittelten„nationalgesinnten" Studierenden Unterstützung finan zieller Art angedeihen zu lasten. Es wurde ein Bureau tu den Räumen der„Deutschen Tageszeitung' eingerichtet(!) und Günther übernahm mit einem jetzt ebwr falls unter dem Verdacht der Beihilfe zum Rathenau-Mord ver- hafteten B o ck l i tz die Leitung dieses Dienstes. Nebenbei war er Witarbeiler an der„Deutschen Tageszeitung". Die ihm zur Verfügung stehenden Räum« wurden ihm später ent- zogen, da sich herausstellte, daß er unbefugterweise Kopsformulare der„Deutschen Tageszeitung' benutzte, um bei Agrariern und in Aristokratenkreisen Gelder für seine Zwecke zu«rhalten, die ihm auch reichlich zuflosten und die er mit seinen Kumpanen in Wein, Likören u. dgl. anlegte. Damit erlosch jedoch keineswegs seine Mitarbeit bei diesem Agrarierblatt. Er ist bis zu seiner verhafiung Mitarbeiter der „Deutschen Tageszeitung" gewesen. Zu der Beihilfe an der Ermordung Rathenaus kommt noch hin- zu, daß Günther ebenfalls stark im Verdacht fleht, seine Hand bei dem Erzberger-Mord im Spiele gehaAt zu haben. Er verließ Berlin kurz vor der Ermordung Erzbergers, angeblich um nach Parten- kirchen zu fahren. Vor dieser Reise war er mit einem Auslands- paß versehen, der nicht auf seinen Namen lautete. Wiederum kurz nach der Tat in Griesbach tauchte Günther in der Schweiz auf, ohne daß ein Grund für sein dortiges Verweilen vorhanden war. Bemerkenswert ist serner, daß er mit dem Großadmiral o. Tirpitz bekannt war, der sich seit der Revolution in der Schweiz aufhält. Erst längere Zeit später tauchte G. wieder in Berlin auf. Ueber die Ermittelungen der Abteilung I a, die zu den bereits gemeldeten Verhaftungen führten, bringt eine Korrespondenz noch folgende Einzelheiten: Die Beamten der Politischen Polizei hatten ermittelt, daß' Günther kurz vor dem Attentat versucht hatte, für Freunde, die von auswärts kommen sollten, eine Garage für deren Automobil aus- findig zu machen. Ein Garagenbesitzer hatte ihm auch seinen Stand in Südende angeboten. Günther hatte aber abgelehnt, weil ihm Südende zu weit sei. Am nächsten Tage hat er den Garagenbesitzer gefragt, ob er ihm für seine Freunde, die eine Tour machen und sich an einem entlegenen Ort einschießen wollten, ein Auto besorgen könnte. Der Mann erwiderte ihm, seine Freunde sollten doch selbst mit einem Zluto kommen. Er habe keine, wie er es wünsche. Günther hatte nämlich Wert darausgelegt, ein Auto mit einem behördlichen Anstrich zu bekommen, weil das weniger auffalle. Nachdem die Abteilung I a des Polizeipräsidiums diese Aeuße- rungen festgestellt hatte, fuhr Obcrregierungsrat Weiß mit mehreren Beamten sofort noch in der Nacht vom Sonntag zum Montag persönlich nach der Lützowstraße, verhaftete ihn als dringend verdächtig und nahm ihn auf dem Polizeipräsidium sofort ins Gebet. Günther mußte die ihm zugeschriebenen Aeußerungen und die Bemühungen um eine Garage und um ein Auto auch bald zugeben. Jetzt behauptet« er aber, daß alles nur Prahlerei � gewesen sei. Auch die Namen Tillessen und von Killinger,! die er dabei unter seinen Freunden genannt hatte, hätten nur dazu gedient, ihm selbst ein gewissen Ansttich zu geben. Dann trat er einen A l i b i b e w e i s ein Obwohl er den, wie die wettern Er- mittlungen ergaben, sorgfältig vorbereitet hatte, kam er doch bald in die Enge. So gelang es, positive Behauptungen des Verhafteten als unrichtig umzuwerfen, und die Ergänzung von Lücken fiel ebenfalls immer mehr zu leinen Ungunsten aus. Es wurde ihm immer bestimmter nachgewiesen, daß er bei der Fastung und Bor- bereitung des Mordplanes sogar eine erhebliche Rolle ge- spiett hatte in Verbindung mit Ernst Werner Techow, besten Bruder, dem Gymnasiasten Gerd Techow, Fischer, K n a u e r und dem Gymnasiosten Heinz Stubenrauch. Mit diesen hatte er, wie festgestellt wurde, unter anderem eine B e- sprechung in Wannsee gehabt. Neben diesen Ermittlungen und Feststellungen, die sich auch auf die ganze politische Betätigung und ihre Zugehörigkeit zu politischen Vereinigungen bezog, gingen die eifrigen Nachforschungen nach dem Mörderauto her, bis es bei den Garagenbesitzern RichardSchütz und Franz D i e st e l in der Warnemünder Sit. 14— 16 zu Schmargendorf ermittelt wurde. Am Donnerstag nachmittag vergangener Woche kam ein Mann mit dem Auto nach dem großen Garogenhof Schütz und Diestel und stellte den Wagen mit dem Bemerken ein, daß er nach einigen Tagen wieder abgeholt werde. Am nächsten Tage um 81* Uhr morgens kam der„Ehauffeur" wieder und holt« den Wagen zu einer Tour nach Schwerin in Mecklenburg heraus. Nach- mittags kamen zwei Mann mit dem Wagen zurück. Sie hau- tierten in der Garage an ihren Wagenrädern herum und haben sich wahrscheinlich auch noch umgekleidet. Weil die Oelzuführungen ver- sagten, so gaben sie die Weisung, deu Wagen in Ordnung zu bringen, weil er am nächsten Tag« wieder gebraucht werden soll. Das ge- schah dann auch. Am Sonnabend vormittag erschien der„Chauffeur' wieder, prüfte die Reifen, füllte Brennstoff und Oel auf und fuhr aus. Kurze Zeit nach dem Verbrechen kehrte er zurück, stellte den Wagen wieder unter, entrichtete die Kosten und erklärte, der Wagen werde am Mittwoch abgeholt werden. Die Ermittlungen der Beamten der Abteilung la ergaben, daß, während der „Chauffeur" sich in der Garage zu tun gemacht hatte, noch zwei andere Männer auf dem Hofe gewesen waren, die mit ihm Fühlung hatten. Schütz und Diestel wollten zunächst gar nicht wissen, wo man den Wagen untergestellt hatte. Es wurde Ihnen aber bewiesen, daß sie nicht bloß mit dem Chauffeur, sondern auch mit den anderen Leuten, darunter auch Fischer und Knauer Besvrechungen gehabt hatten, unter anderein in einer Mampc-Stube. Auch sie wurden deshalb wegen Mitwisserschaft bzw. Begünstigung verhaftet. Der Wagen der Mörder ist festgestellt als ein Auto Nr. 11 478, das einem F a b r i- kanten in Sachsen gehört. Unter welchen Umständen die Mörder es von ihm erhalten hoben, bedarf noch der Feststellung. Beamte der Politischen Polizei sind zu dem Zwecke entsandt worden. Der Berliner Aufenthalt der Mörder war, wie wir schon mit- teilten, ein Pensionat in der nördlichen Friedrichstadt. Hier erschienen am 16. d. M. zwei juage Männer, die den Eindruck von Offizieren mochten und bestellten ein Zimmer mit drei Betten. Später kam dann auch der dritte Mann, für den das dritte Bett bestimmt war. Zu dem Gepäck, das die beiden ersten schon ringe- stellt hatten, brachte er noch einen Rucksack mit, der harte Gegenstände enthielt, wahrscheinlich die Maschinenpistole und die Eierhandgranate. Während das übrige Gepäck draußen blieb, taten die Gäste den Rucksack in ein Spind und hielten ihn dort stets unter Verschluß, nachdem sie den Schlüsiel sofort abgezogen hatten. Die drei Männer, die jetzt die Politisch« Polizei als die Mörder Techow, Fischer und K n a u e r festgestellt hat, waren unter falschem Namen eingekehrt. Die Gäste verweilten mehrere Tage und gingen wiederholt jeden Tag aus. Am Freitag verließen alle drei das Pensionat mit dem Gepäck, nachdem sie ihre Rechnung endgültig beglichen hatten. Einer von ihnen lud beim Abschied noch das Zimmermädchen für Sonnabend abend zu einem Stell- dichein nach dem L u n a p a r k ein. Das Mädchen ging auch dort bin, der Gast aber blieb aus. In der Nacht müssen die Mörder alle Vorbereitungen für ihre'Flucht nach dem Anschlag getroffen haben. Wahrscheinlich sind sie in dieser Nacht auch mit dem Garage- b e s i tz e r noch zusammengetroffen. Ueber die Flucht, die Verhaftung des Techow erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Techow brachte nach der Tat das Sluto nach der Garage in der Warnemünder Straße zurück und fuhr dann zunächst nach Halle. Von dort begab er sich nach dem Gut seines Onkels, Wiesen bei Jakobsdorf. Hier wurde er, wie schon berichtet, bald ermittelt uno festgenommen. Ein Kommissar und mehrere Beamte der Zlbiei- lung la des Polizeipräsidiums brachten ihn alsbald mit dem Auto nach Berln, wo sie gestern nachmittag mit ihm eintrafen. Das Ver- hör, das in Gegenwort des Polizeipräsidenten Richter und des Leiters der Abteilung la mit ihm vorgenommen wurde, dauerte bis in die späten Abendstunden hin«in. Der Verhaftete, ein schlanker, untersetzter, muskulöser Mann mit energischen Gesichtszügen be- kannte sich zu der Fahrt, die dem Minister den Tod gebracht hat, behauptete aber zunächst, daß er deren Zweck nicht gekannt habe. Er erzählte, sein« beiden Freund«, die er hier in Berlin ge- troffen und bei denen er wiederholt in dem Pensionatszimmer ge- weilt habe, hätten ihn gebeten, ihnen ein Auto auf einer Probe- fahrt zu führen. Nach und nach aber ließ er diese Ausrede fallen und gestand, daß er um den ganzen Plan gewußt und bei der Ausführung als Wagenführer mitgewirkt habe. Das u m- fassende Geständnis, das er endlich ablegte, bestätigte im vollen Umfang« das Ergebnis der Ermittelungen der volitischen Polizei. Wohin sein« beiden Tataenossen sich nach dem Verbrechen gewandt haben und wo sie sich aushallen, will er nicht wissen. Auch T i l l« s s« n und K i l l i n g e r wurden aestern eingehend vernommen. Sie bleiben dabei, daß sie mit dem Verbrechen nichts zu tun gehabt und von dem ganzen V<:« nichts gewußt haben. Peide wurden noch in Gewahrsam behalten. Tillessen schon deshalb, weil er aus Grund eines Haftbefehls auch unter dem Verdachte der Mitwirkung bei dem Anschlage aus Scheidemann in Kassel in Flens- bürg festgenommen ist._ IS-monatliche Dienstzeit in Krankreich« Paris, 29. Juni.(MTV.) Das Miiilärdienstpflichtgeseh ist heule in der Kammer mit 404 gegen 220 SNmmeu angenommen worden. Leiöenfthaftliche Erregung hat alle arbeitenden Schichten erfaßt über die monarchistischen Mordbanden, die das politische Leben unseres Landes ver- giften. Jede Stunde kann wichtige politische Entscheidungen bringen. Die R e i ch s t a g s a u f l ö s u n g ist in greifbare Nähe gerückt. Unter diesen Umständen ist es doppelte Pflicht jedes Parteigenossen, für die weiteste Verbreitung unserer Presse zu sorgen. Damm werbt unablässig neue Leser. für den „vorwärts' Nachstehender Bestellzettel ist auszufüllen und an die Hauptgeschäftsstelle des„Vorwärts", Berlin EW. 68, Linden- straße 3, einzusenden.(In Orten außerhalb Groß-Berlins ist der„Vorwärts" bei der Post zu bestellen.) Ich abonniere den„Vorwärie" mtt der illustrierten Sonntagsbeilage„Volk und Zeit", der Unterhaltungsbeilage „Heimwelt" und der 14tägig erscheinenden Illustrierten Bei- lag«„Siedlung und Kleingarten' in Groß Berlin täglich zweimal frei ins Haus. Name Wohnung: -Straße Nr.. vorn Hos— Quergeb.— Eestrnfl.— Tr. links— rechts bei Gewerkschaftsbewegung Schützt den Betriebsrat! Bollzähliges Erscheinen erforderlich. Roffgelbes. Wie steht es denn bisher mit dem Rostgeld? bie Lehr- 1 Betriebsratswahlen in der Hauptverwaltung der Deutschen linge haben seit dem 1. April Koftgeldfäze in Höhe von 30 m. im Werte. Ein scharfer Kampf zwischen den verschiedenen Richtungen ersten Jahr bis 60 M. im vierten Jahr pro Woche. Dies sind aber fand dieser Tage bei den Betriebsratswahlen in der Hauptverwalfeine festen Sätze, sondern nur„ Empfehlungen" der Innung. Diese tung der Deutschen Werke statt, wo bisher die rückständigen Elementa " Empfehlungen" der Inrung werden so befolgt, daß heute noch der Beamtenschaft und der Angestellten Oberwasser hatten. Unter diefm Titel brachte die„ Deutsche Zeitung" Nr. 287 vom Rostgeldsätze von 20 bis 35 m. vom 1. bis 4. Lehrjahr gezahlt Ausgang des Kampfes war ein entschiedener Erfolg der frei26. Juni 1922 eine Notiz der Firma Bergmann- Elektrizitäts- werden. Die Lehrzeit in unserem Gewerbe beträgt 4 Jahr. Wie gewerkschaftlichen Richtung. Es wurden gewählt werke, Seestraße, in der über„ Gewerkschaftsautokratie" geklagt und die reine Arbeitsburschenarbeit überwiegt den größten Teil der Dunder) und 2 des Deutschnationalen Handlungsgehilfen- Berban sieht nun die Ausbildung aus? Handwagenschieben, bohren usw., 7 Vertreter des Af- Bundes, 2 des Gewerkschaftsrings( Hirsch behauptet wird, daß einem Mitglied des Betriebsrates zum Besuch von Partei und Gewerkschaftsversamm= Lehrzeit. Das soll nun anders werden. Die Gesellen wollen die des. Die Niederlage ist besonders empfindlich für diese großIungen während der Arbeitszeit der Urlaub verweigert und mit Lehrlingsfrage als gleichberechtigten Faktor mit in die Hand sprecherische gelbe Organisation. fristloser Entlassung gedroht wurde, und daß aus diesem Grunde nehmen. Sie verlangen die Erhöhung der Koftgeldfäße auf 100 m. cine" Demonstration von einigen Getreuen" vor dem Verwaltungs- in ersten Jahr bis 400 m. im vierten Jahr. Desgleichen verlangen gebäude stattgefunden hätte, um dem tüchtigen Betriebsratsmitglied fie eine fachgemäße Ausbildung. Um diese zu erreichen, forderten die Futterkrippe zu erhalten. sie schon vor einem halben Jahr eine paritätische LehrlingsIn Wirklichkeit handelt es sich um Sitzungen im Schlichtungs- fommission, die sich mit all diesen Fragen beschäftigen sollte. Die ausschuß, Kaufmannsgericht, sowie in der Außenhandelsstelle der Unternehmer haben es nicht für notwendig erachtet, diese gerechte Elektro- Industrie und der Tariffommission des Zentralverbandes Forderung zu erfüllen. Die Bauschlosser sind gewillt, solange im der Angestellten, denen der Borfizende des Betriebsrats genannter Streit zu verharren, bis auch diese Forderung erfüllt werden wird. Firma in seiner Eigenschaft als Beisitzer beizuwohnen verpflichtet Am Freitag abend findet eine Versammlung aller Baufchloffer- Lehrist. Unter Androhung fristloser Entiaffung ist nun dem Vorsitzenden linge statt( siehe Versammlungsanzeige), die sich mit diesen Forde des Betriebsrats verboten worden, seine Aemter noch ferner aus- tungen beschäftigen wird. zuüben. Daher die Entrüstung nicht einiger Getreuen", sondern des gesamten Personals, die in einer am 23. Juni einstimmig angenommenen Entschließung bekräftigt wurde. Das könnte den Kapitalgewaltigen so passen, unbequemen Arbeitnehmervertretern die Ausübung ihrer gefeßlich garantierten Rechte zu verbieten! Fortsetzung des Streiks bei Scherl. Die Arbeitszeit im Bergbau. Am Reichstag wurde am 28. Juni der Gefehentwurf über die Arbeitszeit im Bergbau unter Lage in zweiter und dritter Lesung in der Faffung, die ihm der sozialpolitische Ausschuß gegeben hatte, angenommen. Das Gesetz, das ursprünglich nur für In den gestrigen Bormittagsstunden hatten sich das Tariffchieds. den Steinkohlenbergbau bestimmt war, gilt nunmehr für alle Berggericht fowie prominente Organisationsvertreter der Buchdrucker im bauarten. Es schreibt eine einheitliche Berechnung der Schichtzeiten Betriebe eingefunden. Diese führten lange Verhandlungen mit der unter Tage vor und setzt als höchst arbeitszeit die am Geschäftsleitung unter zeitweiliger Beteiligung des Betriebsaus- 1. Oftober 1921 tarifvertraglich vereinbarte Schichtzeit fest. schuffes Hierauf begaben sich sämtliche Organisationsvertreter mit Durch allgemein verbindlich erklärten Tarifvertrag können dem Betriebsausschuß in die bereits tagende Betriebsversammlung ueberstunden vereinbart werden. in den Armin- Hallen. Hier gab der Vorsitzende des Tariffchieds- einer Wärme über 28 Grad Celsius, ist eine Verkürzung der Für Betriebspunkte mit gerichts eine Erklärung der Geschäftsleitung befannt. In dieser wurde zum Ausdrud gebracht, daß schon am Sonnabend der Tarif- Arbeitszeit vorgeschrieben, die von den Beteiligten, und nötigenausschuß in Leipzig zusammentreten solle", um über generelle falls von der zuständigen Bergbehörde nach Anhörung der beteiligLohnregulierungen für den Monat Juli zu verhandeln. Ferner ten Arbeitgeberverbände und Arbeitnehmerverbände, festzusetzen ist. folle" nach diesen Verhandlungen eine Aufstellung von Listen der Löhne bei Scherl vorgenommen werden und solche von gleichen Firmen angefordert werden; aber nur, wenn bei Differenzen die Tarifinstanzen zu entscheiden hätten. Die Organisationsvertreter gaben sich die redlichste Mühe, die Belegschaft zur Wiederaufnahme die Tarifverträge einen Urlaub auch für die Lehrlinge vor. In fast allen Branchen des kaufmännischen Berufs schreiben her Arbeit zu bewegen, weil nur unter dieser Bedingung der Selbst dann, wenn im Lehrvertrage nichts über den Urlaub entTarifausschuß zusammentreten werde. Die Diskussionsredner der Belegschaft lehnten aber unter dem stürmischen Beifall der Verfammlung diesen Vorschlag ab und erklärten, durch geschlossenes Festhalten an ihrer Forderung legten Endes auch der Allgemeinheit zu dienen. Warum streiken die Bauschlosser? Achtung, kaufmännische Lehrlinge! halten ist, ist der Lehrherr verpflichtet, diesen zu gewähren, sobald ein allgemein verbindlicher Tarifvertrag vorliegt. Es liegt dann an den Lehrlingen, resp. an deren Eltern, wenn die jungen Menschen nicht einen in der heutigen Zeit unbedingt notwendigen Erholungsurlaub erhalten. Sollten in einzelnen Betrieben die Arbeitgeber sich weigern, den Urlaub zu gewähren oder Schwierigkeiten machen, so wende man sich an die Berufsorganisation der kaufmännischen AnWie hier schon mitgeteilt worden ist, streifen seit Freitag, gestellten, den Zentralverband der Angestellten. Im Jugendsekre= den 23. Juni, die Bauschlosser. Sie tämpfen für Erhöhung des tariat dieses Verbandes, Belle- Alliance- Straße 7/10, werden die Lohnes, der 3. 3t. für ältere Kollegen 23,30 m. und für Jung- Angelegenheiten der kaufmännischen Lehrlinge besonders bearbeitet. gefellen 15,25 m. beträgt. Außer diesen materiellen Forderungen Es ist geöffnet täglich von 10 bis 3 Uhr, Sonnabends von 10 bis find auch noch ideelle aufgestellt worden. Diese sind: Anerkennung 1 lhr; außerdem Montags und Freitags nachmittags von 5 bis der Gewerkschaft in sämtlichen Lehrlingsfragen und Erhöhung des 17 Uhr. Deutscher Metallarbeiterverband. Verw. Berlin Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Galvaniseur Karl Bohnenstengel Treptomer Str. 97 98, am 28. Juni verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 1. Juli, nachm. 22 Uhr, von der Leichenhalle des Neuköllner Friedhofes, Mariendorfer Weg, aus ftatt. 121[ 10 Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Rollege, der Arbeiter Karl Dorn, ufebomstraße 6, am 28. Juni gestorben ist. Die Einäscherung findet am Montag, den 3. Juli, vorm. 8% Uhr, im Krematorium Berlin, Gerichtstr, ftatt. Den Mitgliedern zur Nachricht, daž unser Kollege, der Uhrmacher Philipp Steiner, Falkenstein. am 28. Juni gestorben ist. straße 35 1, Die Einäscherung findet am Sonnabend, ben 1. Juli, nachm. 2 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg, Stiefholzstraße, ftatt. Rege Beteiligung wirb erwartet. Nachruf Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Rollege, der Arbeiter August Hoborn Nieberschöneweide, Saffelwerderstr. 9, am 25. b.. gestorben ist. Ghre ihrem Andenken! Die Ortsverwaltung. Bilanz der„ Afu"-Haus Berlin Eingetr. Genossenschaft m. bejchr. H. per 31. Dezember 1921. Raffenbestand bar Bostscheckkonto Inventar Attiva. 9. 9. 259.55 31,60 291,15 3502,10 Deutscher PolierBund Bez.- Verein Groß- Berlin Am Mittwoch, 28. Juni, verstarb unser lieber Kollege, Maurerpolter 182/13 Reinh. Bredlan B DieEinäscherung findet am Sonnabend, 1. Jult, nachm. 5 Uhr, im Krematorium Berlin Baum schulenweg statt. Ebre seinem Andenken! Um zahlreiche Beteiligung bittet Der Borstand. Zinn Gold-, Silber- Bruch Quecksilber Blei, Kupfer, Platin usw. tauft 3. Engrospreise Scharnow, Lange Str. 35 am Schlesischen Bahnhof Lange Straße 90, Laden. Suche zur Selbstverwertung Gdelsteine u. Edelmetalle zu höchst. Preisen G.Schliephacke Juwelier Friedrichstraße 210 Ecke Rochstr. Metall ankaufsstelle Osten Grüner Wag 80 zabit Tagespreise für Kupfer, Messing abzügi 20% Abschreibung 700,40 2801,70 Blei, Zink etc. Außenstände. Geschäftsguthaben Passiva. 150, 75, Gefezl. Nefervefonds zuzügl. 10% des Reingewinns v. G.- Jahr 21 Schulden Ueberschuß 13 005,30 16 098,15 11 459, Bruchkranke 225,- erprobte tönn.ohne Operation geheilt werden.Langf Methode Sprechst. jed. Dienst., 3 739,50 Donnerst u. Sonnab 674,65 10-1. Spezialarzt 16098,15 Dr. med. Coleman, Berlin W 35. Pots bamer Str. 102. Gewinn- und Verlust- Rechnung per 31. Dezember 1921. Debet. Geseglicher Resetvefonds Geschäftsuntoften 75, ** 3 650,10 700,40 674,65 Abschreibungen Ueberschuß 5 100,15 Rredit 5 100,15 55 Mitgl " P Baufonds.. Mitgliederbewegung. Stand am 14. Januar 1921 Neuaufnahmen b. z 31. Dez. 1921 38 Stand am 31. Dezember 1921.. 93 Mitgl Bis zum 31. Dez. 21 schieden aus Stand am 1. Januar 1922.... 93 Mitgl Die Gesamt- Saftsumme der 93 Genoffen mit insgesamt 129 Anteilen beträgt am 31. Dez. 1921 12 900, Berlin, ben 26. Juni 1922. 106/3 AFA- Haus Berlin Eingetr. Genoffenfchaft m. beschr. H. Flatqu. 3lmer. Abamieg. Rogaz. Feldbrach ED. BERNSTEIN Der DISKRETE Geschäftsgründung 1889 Teilzahlung Kunden in allen Hunderttausende Städten Was fehlt zur Reise? Schrankkoffer Bahnkoffer Kabinenkoffer Handkoffer Lederkoffer Reise Handtaschen Maulbügeltaseben Reise- Necessaire Nagelpflegekästen Scheintaschen Brieftaschen Mandolinen Gitarren Lauten Rucksäcke Plaidriemen Sportgürtel Koffer- Sprechmaschin. Reiseplätten elektrisch Photo Apparate und Bedarfsartikel Reisegläser Thermalflaschen Zigarren- Taschen Aktenmappen Stoeke Reisewecker Schirme Parfümerien Rasierartikel Zigaretten- Etuls Zigaretten- Spitzen Auf Teilzahlung zu Ladenpreisen Unser System, welches die Zahlung auf zwölf Monate verteilt, erleichtert die Anschaffung. Man verlange die Bedingungen Gold-, Silberwaren, BrilUnsere anderen Artikel: lanten, Taschenuhr., Armbanduhren, Standuhren, Regulatoren, Nickelwaren, Kristall, Porzellan- Tafel-, Kaffeeservice, elektrische Tisch- und Standlampen, Rauch-, Klub- u. Teetische, Korbmöbel, Schreibzeuge, vornehme Geschenke, JONASS& CO. Belle- Alliance- Str. 7-10 Sozialismus cinft und jetzt foeben erfchienen PREIS 30 MARK Buchhandlung VORWÄRTS SW 68, Lindenftrabe 2 Hohen Gewinn bringt heute alles, was durch ,, KLEINE ANZEIGEN" im ,, Vorwärts" zum Verkauf angeboten wird Deutscher Metallarbeiterverband. Freitag abend 7 Uhr im Gesangsfaat der Schule Weinmeisterstr. 16/17, Versammlung aller Bauschloffer- Lehrlinge. Achtung, erwerbslose Metallarbeiter! Ab Freitag, den 30. Juni 1922, erfolgt die Auszahlung der städtischen Erwerbslosenunterstützung in der Neuen Friedrichstr. 80, vorn vier Treppen. Berband der Gemeinde- und Staatsarbeiter, Filiale Groß- Berlin. Bezirk 6, Kreuzberg: Montag abend 6 Uhr in Gliefings Festsälen, Bassertorftr. 68, Besittsversammlung. Tagesordnung: Lohnbewegung, Beitragsregelung, BerZentralverband der Löpfer, Filiale Groß- Berlin. Außerordentliche Mitaliederversammlung am Montag vormittag 10 Uhr bei Betsch, Landsberger Straße 31. Tagesordnung: Unsere Forderung zum 1. Juli abgelehnt, Stellungschiedenes. nahme dazu. Alle Kollegen, auch der Vororte, ob auf Bau oder Privat beschäftigt, müssen erscheinen. Berantw. für den rebatt. Teil: Franz Klühs. Berlin- Lichterfelde; für An. zeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Baul Singer u. Co., Berlin, Lindenstr. 3. Hierzu 1 Beilage. DUNLOP Gummibereifung Die Weltmarke bürgt für Qualität! Güfumraugen Hornhaut, Schwielen u. Warzen beseitigt schnell, sicher U.schmerzlos Kukirol In Apotheken u. besseren Drogerien erhältlich! Gegen Fußschweiß und Wundlaufen Kukirol= Fußbad! für Herren- u.Damen- Bekleidung beste Fabrikate, große Auswahl, Verkauf meterweisa Koch& Seeland Stoffe Deutscher Metallarbeiter- Verband Gertraudtenstraße 20-21. G. m. b. H. Bekanntmachung Verwaltungsstelle Berlin N 54. Linienstraße 83/85. der Betriebstrantentafie der Geschäftszeit vorm. 9 Uhr bis nachm. 4 Uhr Telephon: Amt Norden 833, 834, 835, 836. Stadtgemeinde Berlin Achtung! Silberarbeiter Achtung! Der Borstand hat in Ausführung des Gefeßes über Grundlohnerhöhung vom Freitag, 30. Juni, nachm. 4% he. 9. Juni 1922 beschlossen, mit Wirkung in Dresdener Garten, Dresdener Gtr 45 vom 23. Juni 1922 ab den bisherigen Höchftgrundlohn von 60 W. auf 90 m. Versammlung au erhöhen. Der Grundlohn ist demaller Kolleginnen und Kollegen. Tagesordnung: Bericht der Verhandlungskommission. Erscheinen aller ist Pflicht. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Freitag, 30. Juni, abends 6%, Uhr, pünffl. in der Schulaula Roppenplag gemäß neu festgesetzt worden für die X. Lohnstufe auf 60 M. XI. 70 27 " " XII. 80 "" " " " " " 90 " XIII. Beiträge find in 9 Sundertstel diefer neuen Grundlöhne zu zahlen. Ferner ist durch das Gefeß über Berficherungspflicht in der Krankenversiche rung vom 9. Juni 1922 die Versiche rungsgrenze des§ 165 RBO. Abs. 2 (§ Ib Versammlung 2 1b ber Sagung) von 40 000 M. auf der Delegierten zur freigewertschaftlichen Betriebsrätezentrale, soweit fie Mitglie der unserer Organisation find. Tagesordnung: 72 000 9. mit Birkung vom 7. Juli 1922 erhöht worden. Endlich ist durch das Gefeh über Wochenhilfe vom 9. Juni 1922 für die Selbstversicherten der Entbindungskosten. Wahl der Delegierten für die General. beitrag auf 250 M., das Wochengeld auf verfammlung unserer Berwaltungsstelle. mindestens 6 M., das Stillgeld auf min destens 8 M. und fitr die berechtigten Familienangehörigen der EntbindungsSounabend, 1. Juli, vorm. 8 Uhr toftenbeitrag auf 250 M., das Wochenim Verbandshaus, Linienftr. 83/85 geld auf 4,50 M. und bas Stillgeld auf ( Sigungsfaal): 8 M. festgelegt worden. Bertrauensmänner- Konferenz Die Erhöhungen erstrecken sich auch auf schwebende Fälle. der ftreifenden Betriebe der BauDie vom Ausschuß am 25. Januar fchloffer und der gelochten Bleche. 1922 befchlossene Aenderung des§ 10 Tagesordnung: 1. Bericht der Streifleitung. 2. Bericht der Vertrauensleute. Jeder Betrieb muß vertreten fein. der Sagung, Nachtrag X, ist am 24. Mai 1922 vom Oberversicherungsamt Berlin nachträglich genehmigt worden. Gie tritt mit dem Tage der Bekanntmachung in Kraft. Der Vorstand ber Betriebskrankenkaffe der Stadt gemeinde Berlin. Gtolt. am Tageb.- Nr. 1171 I B. K. K. 22. Achtung! Urbeitslose. Achtung! Wegen Quartalsschluß bleiben Sonnabend, ben 1. Juli 1922, die Abfertigungs- und Auszahlungsschalter geschlossen. [ 166/16 Ortskrankenkasse Die Kollegen, deren Boche am Sonn- der Klempner zu Berlin abend, den 1. Juli 1922, endet, erhalten am Freitag, den 30. Juni, Geld. 121/9] Die Ortsverwaltung. Achtung! S 14, Wallstraße 68. Auf Grund der Gesetze über, Bersiche rungspflicht und Grundlöhne in der Kran Achtung! tenversicherung vom 9. Juni 1922, dura welche die Versicherungsgrenze auf 72 000 festgesezt ist, hat der Vorstand die Grund Erwerbslose Metallarbeiterne bis auf 90. erhöht. Mit Wirkung vom 1. Juli 1922 ab Ab Freitag, den 30. Juni 1922, er- treten daher folgende Aenderungen in Kraft: folgt die Auszahlung der städtischen Er. In Stufe A gehören alle ohne Entgelt werbslofen- Unterstüßung in der Neuen beschäftigten Lehrlinge. Friedrichstraße 80, vorn vier Treppen. Die Ortsverwaltung. Ortstrantentaffe der Mechaniter, Optiter und verw. Gewerbe zu Berlin. Bekanntmachung In Stufe gehören Staffenmitglieder mit einem täglichen Entgelt 123456780 19 bis 6,-. pon 6,01 12, " 12,01 18, * 18,01 Н 24, 17 24,01 30,01 30, " 36, M 36,01 42, " 42,01 48, " 48.01 54, " 10 54.01 " 60, 11 60,01 70, " 12 70,01 80, " 13 80,- und darüber. Auf Grund des Gesetzes vom 9. Juni 1922 hat der Rassenvorstand den Grundlohn bis auf 90 Mart erhöht. Die bisherigen 10 Lohnstufen sind um drei Stufen von je 10 Mart, und zwar auf Die Beiträge betragen für den Arbeitstag: 70, 80 und 90 Mart vermehrt worden. in Stufe A 0,21 M. Jin Stufe 7 2,94. Bezüglich der Grundlöhne, Erhöhung der Beiträge und Leistungen, die sich auf schwebende Unterstüßungsfälle erftreden, fowie der Erweiterung der Versiche rungsgrenze für Betriebsbeamte, Wert." meister und Angestellte in ähnlich ge hobener Stellung von 40 000 Mart auf 72 000 Mart Jahresarbeitsverdienst, verweisen wir auf das an alle Arbeitgeber Stufen entsprechend erhöht. verfandte Rundschreiben. Die Aende- Druckstücke der Aenderung werden den rung tritt am Montag, den 3. Suli 1922, in Kraft. Berlin, den 29. Juni 1922. Der Borstand. Max Gutsche, Borsigender, [ 166/17 Frig Semann, Schriftführer. 1 0,42 8 3,35 " 17 糖 " 2. 0,84 9 3,78 " PP " 3 1,26 10 4,20 " " " 4 1,68 11 4,90 n " 5 2.10 12 5,60 6 2.52 13 6,30 " Die Leiftungen werden den neuen 166.14 Serren Arbeitgebern zugeftellt und können ab 29. Juni 1922 im Aaffen! otal in Empfang genommen werden. Der Vorstand. Hermann Ziegler, Mar Przybelst Borsigender. Schriftführer flr.304 ♦ 39. Jahrgang Heilage öes Vorwärts Zreitag� den 39. Junk 1922 berliner Volksvertreter gegen öie Norühetze. INA hatten(unter ihnen Beamte, die der Republik den Treueid ge- v.rauerrunvgevung ,m 4?erttner �>UlY«US. Eistet haben), einstimmig beschlossen. Der erste Dringlichkeitsantrag wurde nach Streichung der Worte„monarchistisch und rechtsbolsche- wistisch" angenommen mit den Stimmen der Deutschnationalen und der Deutschen Volkspartei. Demokraten, Zentrum und die drei Ar- beiterparteien hatten gegen die Weglassung der beiden Worte ge- stimmt. Der Sprecher der Demokraten, Dr. Müffelmann, setzte sich in energischen, wirkungsvoll m Worten für den unveränderten Antrag ein. Die gesamte Linke ging mit der Hoffnung in die Ferien, daß es endlich gelingen werde, in dem reaktionärsten Winkel Groß- Berlins die Republik zu sichern. Die Stadtverordnetenversammlung stand gestern unter dem Eindruck der monarchistischen Bluttat, deren Opfer der Minister R a t h e n a u geworden ist. Als der Vorsteher Caspari die Sitzung mit Gedenkworten für den Hingemordeten eröffnete, waren auch die rechtsstehenden Fraktionen vertreten, freilich erst in geringer Stärke. Casparis Rede würdigte nicht ohne Wärme die Persönlich- lest Rathenaus, vermied aber sorgfältig, die der Republik drohenden Gefahren zu erwähnen. Zwischenrufe aus der Linken wiesen darauf hin, daß die Blutschuld den rechtsstehenden Parteien zur Lost fällt. Caspari führte u. a. aus: Der Name und das Wirken Walter Rathenaus war aufs engste verbunden mit einer der größten Unternehmungen, die hier heimisch sind; er hatte es durch seine Tätigkeit verstanden, stch Ber- trauen in den weitesten Kreisen des In- und Auslandes zu er- werben: er ist durch hinterlistige Mordbuben niedergestreckt worden. Tiefe Trauer bewegt uns, tiefes, herzlichstes Mitgefühl empfinden wir mit den Angehörigen, denen er entrissen wurde. Aber unsere Trauer wird überwältigt durch das Gefühl des Abscheu s. Welcher Tiefstand eines Volkes, wenn in die Politik der Mord ein- greift, wenn Staatsmänner ihre Arbeil für das Volt nicht in Ruhe tun können, weil sie dauernd in Gefahr schweben, von Mörderkugeln hinweggerafft zu werden. E i n Gedanke hat mich in diesen Tagen nicht verlassen: ich habe in der letzten Zeit gerade in diesem Hause manchmal das Gefühl gehabt, als wenn stch trotz aller aufeinander- prallender Gegensätze leise Fäden der Verständigung knüpften, Fäden geboren aus der Ueberzeugung von der Notwendig- lest des Zusammenarbeitens, und aus der Not der Zeit herauszu- kommen— ich habe das Gefühl, als wenn diese Fäden jetzt zerrissen stnd. Und doch wäre nichts schrecklicher gerade in dieser schweren Zeit für unser Volk als dies, nichts würde weniger dem Andenken Rathenaus dienen. Ich meine, gerade in dieser Zeit der tiefften Not müßten alle die zusammensteben, denen es ernst ist, auf dem Boden der nun gegebenen Verhältnisse zusammenzuarbeiten, damit wir aus der Not und dem Elend wieder herauskommen, in dem wir jetzt sind. Wenn über die Leiche dieses edlen Mannes der Gedanke empor- wachsen würde, daß wir alles gemeinsam bekämpfen müssen, was sich der Arbeit an unserem Volte ent- gegenstellt, daß wir zusammenstehen müssen zur gemeinsamen Arbest am Aufbau unseres Vaterlandes, dann würde auch dieser Tote nicht umsonst gestorben fem. Mst dieser Trauer verbindet sich«ine ander«, eine um viele An- gehörige unserer Stadt, besonders des Arbeiterftandes, die ein furchtbares Unglück aus dem Leben gerissen hat, als sie von der Arbeit heimkehrten. Wir alle empfinden tiefsten Schmerz um die aus dem Leben Gerissenen, und wir beklagen die Angehörigen, die den Sohn, den Bruder, den Ernährer verloren haben. Sie haben sich zum Gedenken der Toten von den Sitzen erhoben. Ich stelle das fest und danke Ihnen. Massenaufmarsch in VümersSorf. Zu einer gewaltigen Massenkundgebung gestaltete sich die Be» zirksversammlung im 9. Bezirk(Wilmersdorf). In diesem Bezirk wurde bekanntlich der Mord gegen Rachenau verübt. Die sozialdemokratische Fraktion hatte einen Dringlichkestsantrag einge- bracht des Inhalts, das Bezirksamt möge Schritte unternehmen, um dem verbrecherischen Treiben in Wilmersdorf, das der Mittelpunkt der monarchistischen und rechts- bolschewistischen Verhetzung sei, entgegenzuwirken. Ein zweiter Dringlichkeitsantrag ersuchte das Bezirksamt, endlich Fahnen in den Farben der Republik anzuschaffen. Unsere Parteigenosten füllten die Tribüne, so daß die rechtsgerichtete Majorität(die stärkste Fraktion deutschnational) nicht den Mut fand, gegen die sofortige Behandlung der Antröge Einspruch zu erheben. Zu gleicher Zeit demonstrierte aufderStraße ein aus einer öffentlichen Versammlung mit seinen Fahnen kommender Zug von etwa 1000 Teilnehmern, die auf dem Vorhos des Stadthauses Aufftellung nahmen. Die sozialdemokratische Fraktion war inzwischen auf den Balkon getreten, von wo Genosse Lüdemann zu den Demonstranten sprach und zur Einiglest in dieser schweren Zeit ermahnte. Nach Wiederaufnahme der Sitzung begründete Ge- nosse Lüdemann den eingebrachten Antrag und wies aus Zitaten deutschnationaler und volksparteilicher Blätter nach, wie systematisch diefe Zestungen es oerstanden haben, die Atmosphäre zu schaffen, die zu derartig wahnwitzigen Verbrechen führen mußte. Der Antrag, Fahnen anzufchaffen, wurde, nachdem sich die Deutschnationalen ent- Tumultfzenen in Zehlenöorf. In der Zehlendorfer Bezirksversammlung wurde von der sozialdemokratischen Fraktion und den Unabhängigen eine Anstage an das Bezirksamt gerichtet, weshalb das Rathaus erst mit ganz großer Verspätung die Trauerfahne für Rathenau gehißt habe. Die Anstage war den Bürgerlichen beider Richtungen(Deutschnationale und Deutsche Volkspartei), die über die erdrückende Mehrheit verfügen, äußerst unbequem. Die Dringlichkeit der Anstage wurde schließlich einstimmig, heuchlerischer- weise auch mit den Stimmen der Deutschnationalen, anerkannt. Als im Laufe dieser Debatte der Unabhängige Dr. K 0 e l i tz, unter leb- hafter Zustimmung der Tribüne, den Ausdruck gebrauchte, Rathenau sei von deutschnationalen Mörderbanden gefällt, sprang der deutschnationale Stadtverordnete Hatzky auf Koelitz zu, mit erhobener Faust, doch war Koelitz flinker und oersetzte dem Angreifer einen wuchtigen Faustschlag. Sofort bildete sich ein Knäuel Streitender, in den sich selbst die Zuhörer einmischten. Nach Wiederherstellung der Ruhe beantwortete Bürgermeister Dr. K 0 e st e r die Anstage dahin, das Bezirksamt habe flaggen wollen, aber„keine republikanische Flagge" besessen.(Zwischen- ruf Draemert: Binnen drei Jahren ist auch zur Anschaffung keine Zeit gewesen!) Die schwarzweißrote Fahne habe er nicht aufziehen lassen wollen, weil das nach Provokation ausgesehen hätte. Schließ- lich habe man sich entschlossen, die alte Zehlendorfer Ge- meindeflagge, mit einem schnell gekauften Flor umhüllt, auf- zuziehen. Durch all dies sei die Flaggenhissung verzögert worden. — Genosse Draemert bemerkte, es wäre zu dem bedauerlichen Zwischenfall wohl nicht gekommen, wenn der Bürgermeister oder der Vorsteher der Bezirksversammlung es für nötig gehalten hätten, ihren Abscheu und ihr Bedauern über den Mord an Rathenau zum Ausdruck zu bringen. Daß es nicht geschehen fei, sei nun nach Belieben zu deuten. Der Vorsitzende betonte demgegenüber, er habe absichtlich von dem Morde nicht sprechen wollen,„um nicht die Leidenschaft in der Versammlung aufzuregen". Wir bezweifeln nicht, daß er hier seine ehrliche Meinung aussprach. Aber er unterließ es auch jetzt noch, das Versäumte nachzuholen. Koelitz ergänzte Draemerts Ausführungen dahin, daß bedauerlicherweise weder der Borsteher noch der Bürgermeister der Opfer gedachte, die das Eisen- bahnunglück am Dcmonstrationstage forderte. Der Deutschnationale Hatzky konnte sich nicht versagen, den Zwischenruf zu machen:„Sie sind verunglückt, weil Ihr gestreikt habt!"— Ferner hatte die Demokratische Partei das Bezirksamt um Ueberlassung der Schul- a u l a zu einer Tr auerfeier für Rathenau gebeten, was das Bezirksamt mit dem Einwand ablehnte, man habe früher ein- mal beschlossen, Schulräume nicht für politisch« Zwecke zur Verfügung zu stellen. Die von den demokratischen Bezirksverordneten und unserem Genossen Draemert eingebrachte Anfrage wollte das Be- zirksamt wiederum nicht beantworten, und es entspann sich wie im obigen Falle eine Debatte über die Zulassung der Dringlichkeit. Nach langem Streiten wurde, wiederum mit Stimmen der Deutschnatio- nalen, auch hier die Dringlichkeit anerkannt, aber die Frage vom Bezirksamt nicht beantwortet. Darauf mochte Draemert aus der Frage einen Antrag und die Bersammlung beschloß, diesmal einstimmig,„das Bezirksamt wird ersucht, die Aula zur Verfügung zu stellen", aber erst, nachdem der Demo- krat Dr. Seefeld versprochen hatte, es würden keinerlei Angriffe auf eine politische Partei erfolgen. * Was für Dinge in den Berliner Außenbezirken möglich sind, beweist ein Vorkommnis in einer höheren Mädchenschule. Der Ge- sanglehrer wollte die Klasse zur Totenweihe für den ermordeten Minister ein ernstes Lied anstimmen lassen, er wurde aber ob seines Vorhabens von den höheren Töchtern ausgelacht. Wahr- lich feine Früchtchen häuslicher Erziehung dieser fast ausnahmslos deutfchnationalen Eltern. Herliner ELatberatung. Nach der an anderer Stelle des Blattes wiedergegebencn Trauerkundgebung für Rathcnau wurde die Beratung des Haus- haltplans fortgesetzt Sie vollzog sich in einem Wirrwarr, der eine gerogelte Verhandlung fast unmöglich machte. Im letzten Teil der Sitzung wurden viele Abstimmungen auf die nächst« Sitzung ver- schoben. Unter den Beschlüssen sind zwei Entschließungen hervor- zuHeben. Mit sehr großer Mehrzahl wurde eine Entschließung auf Ahbau überflüssiger Beamten stellen angenommen. Nahezu einstimmige Annahme fand die von der sozialdemokratischen Fraktion im Ausschuß beantragte Entschließung wegen Sicher- stellung der Nahrungsmittelversorgung. Die Stadtverordnetenversammlung hat im weiteren Verlaufe ihrer gestrigen bis%9 Uhr währenden Sitzung noch u. 0. die Bor- läge wegen Erhöhung der Mailöhne für die ftädtischen Arbeiter, wegen Regelung der Bezüge der nicht st ändigen Angestellten ab 1. April 1922,'den 4. Manteltarif für die Arbeiter und den 3. M a n t e l t a r i f für die nicht stänoig Angestellten verabschiedet und die Beratung des Stadthaus- Halts für 1922 ein gut Saück gefördert. Der Hinausschiebung des Ferienbeginns bis 7. Juli wurde zugestimmt: für die nächst« Woche sind Sitzungen am Montag, Dienstag und Donnerstag an- gesetzt. Bei der Abstimmung über die Festsetzung eines ein. heitlichen Fremdenschulgeldes kam die Vorlage schließ- lich mit Stimmengleichheit gänzlich zu Fall: der Ankauf des Schul. grundstücks Lütticher Str. 4 wurde genehmigt, der Berkauf der Grund st ücke Fischer st r. 34 und Sesenbeimer, Ecke W a l l st r a h e in Charlottenburg abgelehnt. Im übrigen gin' die Abstimmung über die vor acht Tagen zurückgestellten Anträge zum Stadthaushalt in einer derartig turbulenten Weise vor sich, daß von dem Ergebnis auf den Prssseplätzen überhaupt nichts zu verstehen war und unseren Lesern darüber auch nicht berichtet wer. den kann. Verbürgen möchten wir uns nur für die Annahme der vom Haushaltsausschuß beantragten Entschließungen, die sich für den Abbau des Personalapparats der Verwaltung und für die Sicherung der Dolksernährung durch eine ausreichende Getreideumlag« aussprechen; die Annahme der letzterwähnten Enffchließung erfolgte fast ein- stimmig. Längere Aussprachen fanden statt bei dem Haushalt der städtischen Werke, der Güter und Forsten und der Straßenbahnen sowie über die Straßenbahnen: die Beschlußfassung wurde aber ausgesetzt, so daß über die Erhöhung des Wasser- und Stromtarifs erst frühestens Montag entschieden werden wird. Das tzauskonto. Ueber das nach dem Reichsmietengesetz einzurichtende Haus- konto für große Jnstandsetzungsarbeiten besteht in den Mieterkreisen noch'starke Unklarheit. Genauere Information ist schon deshalb von Wert, weil unter Umständen der von dem einzelnen Mieter nur für diesen Zweck zu hinterlegende Deckungs- betrag, namentlich in Häusern mit wenigen Mietern, mehrere Jahre hintereinander SÖO M. oder noch mehr betragen kann und weil es hierüber voraussichtlich zu vielen Streitigkeiten kommen wird. Nach den Ausführungsbestimmungen des Gesetzes hat die Gemeinde zu entscheiden, ob in ihrem Bereiche Hauskonten einzuführen sind. Die ineisten Gemeinden werden wohl bejahend beschließen. Die Höhe der Einzahlungen auf das Hauskonto wird wieder nach Zuschlägen zur Grundmiete festgesetzt. Der Sinn der Bestimmung ist nicht, daß nun, wenn beispielsweise in einem Jahre 12 009 M. für große In- standsetzungsarbeiten seitens des Hauswirtes aufgewende: werden, diese Summe im Laufe des gleichen Jahres aus dem Hauskonto gedeckt werden muß. Melmehr soll das Hauskonto nur dazu dienen, das aufgewendete Kapita! zu verzinsen und allmählich zu tilgen. Für leerstehende Räume, eigene Wohnung des Vermieters oder Verwalters, ferner für Wohnungen ohne Mietvertrag(Portier) hat auch der Hauswirt entsprechende Einzahlungen zum 5)auskonto zu leisten. Die Gelder werden in gesperrten Sparkassen- oder Bank- büchern angelegt. Verfügung über die Gelder ohne Zustimmung der Mieter oder Mietervertretung ist nicht zulässig. Die auf llltitkosten der Mieter vorzunehmenden großen Jnstandsetzungsarbeiten müssen notwendig sein. Wenn also ein Hauswirt zur Steigerung des Hauswertes Verschönerungsarbeiten vernehmen läßt, beispielsweise einen nicht unbedingt nötigen neuen Anstrich oder die Einrichtung elektrischer Beleuchtung, so sind das überhaupt keine Instandsetzungsarbeiten im Sinne des Ge- s e tz e s. Bei sehr großer Vernachlässigung eines Hauses hat das Mieteinigungsamt nach Anhörung der Baupolizeibehörde zu be- stimmen, welche Instandsetzungsarbeiten zuerst vorzunehmen sind. «1 Der Ruf durchs Fenster. Roman von Paul Frank. „Sie kennen Königsberg?" „Vor einigen Jahren, erinnere ich mich, dort gewesen zu sein. Aber Riga ist auch eine sehr schöne Stadt." „Ueber die Maßen... Für den Fremden muß die Stadt insbesondere ihre feinen Reize haben." „Weshalb für den Fremden?" „Mein Gott— unsereiner, der Tag für Tag im Beruf steckt." „Das ist richtig." „Um halb neun in der Früh fängt die Geschichte an, und dann ist aber auch keine Minute Ruhe bis drei Uhr nach- mittags." „Da haben Sie ja noch gar nicht gegessen und müssen weiß Gott wie hungrig sein." „Doch— wir finden gegen Mittag immer ein paar Minuten Zeit, um ein wenig Nahrung aufzunehmen, da löst einer den anderen ab, und die Leute müssen sich eben ein bißchen länger gedulden. Aber die richtige Mahlzeit kann man doch erst am Abend einnehmen." „Ein aufreibender Dienst. Eine Beschäftigung, um die man Sie wahrhaftig nicht beneiden muß, Herr Faltin." „In der Tat besteht dazu keine Ursache," bekräftigte dieser. Gleichzeitig überlegte er: Weshalb erzähle ich dem Manne das alles? Aber schließlich, man spricht wirklich recht angenehm mit ihm. „Am Abend sind Sie dann natürlich müde, und dem Abenteuer nicht zugeneigt?" „Daran denke ich wirklich nicht... Um acht Uhr ins Gasthaus, dann noch für eine Stunde ms Cafö. Wenn ich Schach spiele, wirds wohl auch manchmal ein wenig später... Aber dann gehts nach Haus, damit man am nächsten Morgen klar im Kopf ist. Das ist nämlich nicht gar so einfach mit meinem Beruf. Da laufen einem jeden Tag die Hundert- tausende nur so durch die Finger. Da heißt es hübsch richtig zählen, weil so ein Irrtum verhängnisvoll werden kann..." „Hunderttausende!" rief der Fremde aus. ,An manchen Tagen ist's auch eine runde Million,,." „Mir läuft es ordentlich kalt über den Rücken... Und wenn Sie sich doch einmal beim Zählen irren, Herr Faltin...?" „Da bin ich ersatzpflichtig. Ganz einfach." „Ersatzpflichtig?" „Ohne Rücksicht auf die Größe der Summe." „Wenn ich richtig verstehe, werden Gehaltsabzüge vor- genommen?" „Die dann kein Ende nehmen..." „Und das Gehalt selbst?" „Steht natürlich in keinem Verhältnis zur verantwor- tungsvollen Stellung." „Es würde mich— rein theoretisch natürlich— interessieren." „Die Größe so eines Monatsgehalts kennenzulernen?" „Ohne indiskret sein zu wollen." „Damit Sie einen Begriff bekommen." „Ich höre." „Ich beziehe..." Faltin brach ab und seine Augen begegneten dem lauernden Blick des Fremden. Er machte daher eine kleme Pause und wiederholte dann, den Satz zu- gleich beendend:„Ich beziehe dreihundertfünfzig Rubel monatlich." „Eine Schande," sagte der Fremde.„Für die Bank natürlich. Einem Menschen, der Tag für Tag Hunderttausende durch seine Hände rinnen läßt, einen Vettelgehalt hinzu- werfen." „Bettelgehalt! Das ist der richtige Ausdruck!" rief Faltin, durch die Zustimmung seines Begleiters erfteut. „Ein gefährliches Spiel übrigens, das die Bank da treibt," fuhr der Fremde fort. „Inwiefern?" fragte der junge Kassierer. „Man dürfte einen Menschen doch nicht unaufhörlich in Versuchung bringen. Am allerwenigsten einen, dem man große Summen anvertraut, auf den man sich doch verlassen können müßte." „Das verstehe ich nicht ganz." „Jemand, der zur Bestreitung seines gesamten Lebens- Unterhaltes dreihundertfünfzig Rubel im Monat zugewiesen erhält, und der gleichzeitig tagsüber im Gold wühlt, das aller- dings nicht fein Eigentum ist— das gibt einen ungesunden Kontrast, einen grotesken Widerspruch. Eine? mit dem anderen verlangt nach einem Ausgleich, den die bürgerliche Wohl- anständigkeit zwar nicht billigen würde, dessen Eintreten man jedoch nur selbstverständlich sinden müßte." „Welchen Ausgleich meinen Sie eigentlich?" „Den Schlüssel zu einem zuftiedenen Leben. Oder führen Sie ein zufriedenes Leben?" „Mein Gott— nichts weniger als das..." „Der Schlüssel hierzu— wie gesagt— ist in den ungefähr gleichen Proportionen gegeben... Der permanente Kontrast ergibt die ewig lauernde Versuchung. Mit anderen Worten: man muh die sittliche Kraft eines Menschen bewun- dern, mit zwölf Rubel seinen Tag zu bestreiten, während eine Bewegung seiner Hand genügen würde, das Tausendfache zu ergreifen und in die Tasche zu stecken..." „Aber das wäre doch nicht fein Geld, das er da in die Tasche steckte..." „Das ihm anvertraute Geld..." „Ein großer Unterschied. Es wäre ein schweres Unrecht, das er begeht..." „Gegen jemanden, der weit schwereres Unrecht Leuten zufügt, deren Augen er blendet und die er dabei verhungern läßt..." „Sie sprechen eine Wahrheit aus..." „Sie mögen überzeugt fein, daß ich die Geradheit Ihres Charakters bewundere— ohne daß ich Sie jedoch darum be- neide..." „Sie haben recht— man hat nichts von seiner An- ständigkeit.. „Man ist ein armer Teufel..." „Man lebt in einer kalten, verschneiten Stadt, ohne Freude, ohne Fest..." Richard Faltin bohrte die Fäuste tief in die Mantel» taschen, da ihn plötzlich fröstelte. „Es gibt andere Städte, in denen die Sonne scheint..., auch im Winter... Wissen Sie das...?" „Ich kenne diese Städte..." „Ach— da sind Sie wohl schon dort gewesen...?" „Wie stellen Sie sich das vor? Mit meinen dreihundert- fünfzig Rubeln monatlich? Da käme ich nicht weit. Nein, ich lese von diesen Städten, abends, ehe ich das Licht auslösche. Ich bin in der Leihbibliothek abonniert..." „Und haben Sie noch nie den Wunsch gehabt..." „Einmal dorthin zu fahren? Hundert-.... tausend» mal..."(Fortsetzung solgt.) Michelson vor dem Reichsgericht. Leipzig, 29. Juni.( Vd3.) Am Donnerstag wurde die ZeugenRein Haustonto wird angesammelt, wenn das Haus erst nach nach Berlin gekommen, in der Hoffnung, hier Arbeit zu dem 1. Januar 1920 erworben ist, falls nicht der Erwerb durch finden. Als ihr dies nicht gelang, geriet sie in schlechte Gesellunmittelbaren Erbanfall eintrat. Hiervon werden infolge der auf schaft und warf sich schließlich dem Lafter in die Arme. Der Andem Grundstücksmarkte herrschenden Spekulationssucht auch zahlreiche geflagte heiratete sie, obwohl er Kenntnis von ihrem Lebenswandel Berliner Häuser betroffen. Nach dem 1. Januar 1920 heißt soviel hatte und zwang fie fogar unter Drohungen und Mihhandlungen, vernehmung fortgesetzt. Als erster Zeuge wird Stabsarzt Dr. Bel mie mit Wirkung vom 1. Januar ab", da der maßgebliche Zeitpunkt weiter auf die Straße zu gehen. Schließlich erstattete die Frau tret Wilmersdorf vernommen, der über den Angeklagten nur gutes die Eintragung des Besitzrechtes im Grundbuche ist und natürlich Strafanzeige, und Dussom wurde verhaftet. Im Polizeigewahrsam ausfagt. Der Zeuge Heinz Frenzel, Kaufmann in Frankfurt niemand ein Haus vom 2. Januar ab erwirbt. Bei allen diesen machte er die Bekanntschaft des Mitangeklagten Afluth, der gerade am Main, war Zugführer- Stellvertreter beim Roten Kreuz. Er hat offenbaren oder verschleierten Spekulationskäufen nimmt das Reichs- entlaffen werden sollte. Schnell entschlossen machte er diesem den in Vervain von einer Frau Bertrand, einer sehr gebildeten Dame, mietengesetz einen Kaufpreis unter Berechnung der vorhandenen Vorschlag, fich gegen 3ahlung von 1000 Marf für gehört, daß in dem Lazarett des Dr. Michelson beispiellofe 3u. Mängel an. Hat der Käufer diese Mängel gefannt oder Du som auszugeben. Afluth nahm den Borschlag an, der stände herrschten. Die Beamten der Intendantur hätten das bemußte er fie tennen, so hat er nach dem völlig klaren Wort richtige Duffom wurde entlassen und der falle tätigt. In Vervain hörte der Zeuge zufällig ein Gespräch zwischen laut des Reichsmietengefeßes auf die Gewährung von blieb in haft. Die Geschichte fam erst dadurch heraus, daß die Dr. Beltret und Dr. Michelson, in dem er gesagt habe, in Effry mitteln für große Instandsegungsarbeiten zur Frau D. unter dem Zwange ihres Mannes einen Brief an den Unter- ginge es glänzend, er habe gutes Quartier, guter Bein Beseitigung folcher Mängel überhaupt teinerlei fuchungsrichter schrieb, in welchem sie die Angaben in ihrer Anzeige ei angekommen, von der Jagd fäme er nicht fort, das Klagen habe Anspruch, zum Beispiel nicht für Mängel und fortlaufende sehr für falsch erklärte. Die Geschworenen folgten bezüglich der in- er den Kranten abgewöhnt. Beltret habe erwidert: Dann macht ihr fostspielige Reparaturen, die durch ein fehlerhaft angelegtes Dach tellektuellen Urkundenfälschung den Rechtsausführungen der Ver- nur noch Sterberapporté, worauf michelson sagte, das wäre das entstehen. teidiger, daß die Angeklagten nicht mit einer nochmaligen Berfonalien- einfachste, was folle man mit der hier fiel ein burschitoser Ausaufnahme rechnen fonnten, und verneinten in dieser Beziehung die brud wie„ Bagage" oder" Schweinebande", an den der Zeuge aber Unter dem Eindrud dieses Ge Schuldfragen, so daß die Angeklagten wegen des Verbrechens, durch sich nicht genau erinnern fann. welches sich erst die Zuständigkeit des Schwurgerichts ergab, frei fpräches und den sonstigen Anschuldigungen über Michelson hat der gefprochen werden mußten. Wegen der Zuhälterei erfonnte das Ge- Seuge eine Antiageschrift für das Kriegsgericht richt auf 1% Jahre Gefängnis unter Anrechnung von sieben aufgestellt, von deren Absendung er aber aus Besorgnis von mili Monaten Untersuchungshaft. tärischen Nachteilen Abstand genommen habe. Diese Schrift hat er aber Herrn Bertrand in Laron vorgelesen. Am 1. Juni 1920 hat der Zeuge die ganzen Borgänge in einer Eingabe an das Darstellung eher noch abgeschwächt habe. Sowohl ber Angetlagte Auswärtige 2 mt zusammengefaßt, in der er sagt, daß er seine wie Dr. Beltret tönnen sich an ein derartiges Gespräch nicht Sie sollte so schöne Augen haben... Berleumdungen gegen einen Wohnungsamtsvorsitzenden. Daß man mit scherzhaft gemeinten Aeußerungen sehr vorsichtig sein muß, hat der Stadtrat Radtke in seiner Eigenschaft als Leiter des Neuköllner Wohnungsamts in einer für ihn sehr unangenehmen Weise erfahren müssen. Ein Deutschvölkischer. Man schreibt uns: Am Sonabend, dem Tage der Ermordung Rathenaus, fand in Schöneiche bei Friedrichshagen eine Ber fammlung des Grundbesigervereins statt. Aus Mitgliederkreisen fam der Antrag, sich zu Ehren des ermordeten Ministers von den Plätzen zu erheben. Der erste Vorsitzende, Telegraphenoberjetretär Ernst Schulz aus Schön eiche, bedienstet beim Bo stamt Friedrichshagen, lehnte als Borsigender diesen Antrag ab und sagte: R athenau ge hörte zu ben zwanzig Juden, die Deutschland regieren", er lehne es ab, den Antrag einzubringen. Er wurde darauf gezwungen, fein Amt als Bersihender niederzulegen. Der Antrag, sich von den Plätzen zu erheben, fam nachher durch, und der Herr Telegraphenoberfefretär Schulz aus Friedrichshagen blieb als Einziger auf feinem Plate fißen. Wegen verleumderischer Beleidigung war die Dentistin Frau Irmgard Luttig, geb. Kersten angeklagt. Das Schöffen gericht Neukölln hatte die Angeklagte auf Grund folgenden Sachverhalts zu drei Wochen Gefängnis verurteilt: Sie erzählte eines Abends in einem Restaurant in Neukölln in Gegenwart mehrerer Beugen, der Stadtrat Radtke habe ihr als Wohnungssuchende er flärt, sie werde nur dann eine Wohnung von ihm erhalten, wenn fie ihren Bräutigam laufen lasse und die Seine werde. Er habe sie auch an demselben Abend zu Kempinski zu einer Flasche eingeladen und dabei geäußert: Sie haben folchen Einfluß auf mich und so schöne Augen, daß ich mir von Ihnen gern 30 3ähne ziehen lassen würde." Diese Erzählung gab Anlaß zu allerlei Gerüchten über die amtliche Tätigkeit des Stadtrats, so daß dieser schweren Angriffen ausgesetzt war. Der Zeuge Radtte erklärte unter seinem Eide in bestimmtester Form, daß derartige Worte niemals gebraucht habe und nur einmal in Gegenwart der ganzen Wohnungskommission scherzhaft Rede ist, werden sie es wohl auch als Bestechung auffassen, wenn ich geäußert habe:„ Da soviel von Bestechungen am Wohnungsamt die fage: Ziehen Sie jetzt erst mal hier jedem ein Duhend Zähne!" Gegen das vorerwähnte Urteil legte Rechtsanwalt Bahn Berufung ein und machte geltend, daß die damals angetrunkenen Zeugen die Aeußerung der Angeklagten nicht richtig wiebergegeben hätten. Die Berufungsstraffammer jah jedoch eine Berleumdung als festgestellt an, beließ es bei der erkannten Strafe, billigte der bis 1 Uhr, am 1. und legten Werktage im Monat 8 bis 6 Uhr) Angeklagten aber mit Rücksicht auf ihre Unbescholtenheit die bedingte Begnadigung zu, wenn sie binnen einer Frist von fedys Monaten 2000 m. an die Staatstaffe zahle. Das Opfer einer Ehe. Für den Mann zur Diebin geworden. Die Tragödie einer Ehe wurde fürzlich in einer Verhandlung aufgerollt, welche die Straffammer des Landgerichts II beschäftigte. Angellagt wegen gemeinschaftlichen Diebstahls waren der Kaufmann Anton Wellenger und dessen Ehefrau Alice W. geb. Graham- Lepce. Beide Angeklagte entstammen sehr guten Familien. Frau W. hat ihrem Ehemann außer einem sehr wertvollen Familienschmuck und großen Kunstschäßen eine viele hunderttausend Mart betragene Bar. mitgift mit in die Ehe gebracht. Obwohl es sich um eine reine Liebesheir at handelte, soll W., der aus einer vornehmen polnischen Familie stammt, das riesige Bermögen feiner Frau in ganz furzer Zeit in Saus und Braus mit anderen Frauen burchgebracht haben, so daß seine Frau, die trozdem nicht von ihm ließ, nach und nach ihre wertvolle Einrichtung verkaufte, um das Leben fristen zu können. In einer gewissen Notlage foll Frau W. auch selbst davor nicht zurückgeschreckt sein, im Einver ständnis mit ihrem Manne Diebstähle zu begehen. Seit längerer Zeit verkehrte das Ehepaar W. mit einer Privatiere Seit längerer Zeit verfehrte das Ehepaar M. mit einer Brivatiere Buttel in Schöneberg, welche sie eines Tages in geschickter Form im Laufe des Gesprächs darauf brachten, ihnen ihren Familienfchmud zu zeigen. Nachdem sie so den Aufbewahrungsort des Schmudes erfahren hatten, eigneten sie sich einige Tage später den Schmud an, der einen Wert von mehreren hunderttausend Mark hatte. Noch übler lag der zweite Fall, in dem sich die Angeklagte mit einer Frau Schwarzkopf, von der sie wußte, daß sie vermögend war, in einem Café getroffen hatte, in dem schon ihr Mann mit einem angeblichen Herrn de Planté faß. Die beiden Herren begannen ein galantes Augenspiel mit den Damen und sprachen fie schließlich an, wobei sich Wellenger als„ Baron de Berdi" vorstellte. Es wurde gemeinsam eine Weinreise unternommen, bei der sich der Herr Baron der Frau Sch. freundschaftlich näherte. Gegen Morgen wurde in der Wohnung der Frau Sch. der Motta eingenommen. Hierbei entwendete die Angetlagte Goldsachen im Werte von mehreren tausend Mart. Bor Gericht beantragte der Staatsanwalt je 2 Jahre Gefängnis, während Rechtsanwalt Dr. Bindar für die Ehefrau W. als ftraf mildernd darauf hinwies, daß die in einem gewissen Hörigkeitsver hältnis zu ihrem Manne gestanden habe, dem sie tatsächlich Millionen geopfert habe. Das Gericht erfannte gegen den Ehemann auf Jahr und 9 Monate und gegen die Frau auf 9 Monate Gefängnis. Ein Kerckhoffprozeß. 群 erinnern. stände nichts aussagen. Zeuge Frenzel fann aus eigener Wahrnehmung über Mißverschiedentlich Krante bei irgendwelchen Bergehen, z. B. Rauchen, Zeuge Arno Müller, damals Sanitätsfergeant, gibt zu, daß vom Perfonal geprügelt wurden. Inspektor Martens habe felbst einmal geprügelt. Bon der Bereidigung des Zeugen wird Abstand genommen, weil er im Verbacht steht, felbft an Straftaten beteiligt zu fein. Zeuge Amtsgerichtsrat Otto Bahrenhold, feinerzeit Adjutant der Etappenfommandantur in Dizy- le- Gros, hat den dentbar besten Eindrud von Dr. Michelson. Zeuge Tofahrn, Arzt in Gollnow, befundet, daß der Angeklagte sich große Mühe mit der Berpflegung gegeben habe. Besonders schwierig war bie Aufrechterhaltung der Ordnung, weil sich die Gefangenen felbst nicht untereinander vertragen fonnten. In mancher Beziehung ist vielleicht nicht scharf genug zugegriffen worden. Strakenbahn- Fahrpreisermäßigung für Jugendliche. ( Fahrpreis für Kinder, gegenwärtig 2 M.) an Jugendliche beiderlei Bufolge Beschlusses des Magistrats Berlin werden vom 1. Jufi b. 3. ab Fahrscheine zu ermäßigtem Breise für eine einfache Fahrt Geschlechts( Lehrlinge und Schüler) vom 14. bis zum vollendeten 17. Lebensjahre durch die Schaffner ausgegeben gegen Vorzeigung in Dizy- le- Gros, glaubt, daß der Angeklagte in ärztlicher Hinsicht Zeuge Berwalter Richter, seinerzeit im Bureau des Lazaretts Straßenbahn( Leipziger Platz 14, Werktags 9 bis 3, Sonnabends baß unter den Russen häufig Brügeleien stattfanden. Auf eines besonderen, Don der Hauptausgabestelle der Berliner feine Pflicht vollauf getan habe, Beuge Karl Kämmer befundet, Befragen gibt er zu, daß Dr. Michelson ihn selbst einmal verwarnt habe, die Russen zu schlagen mit den Worten Gehauen wird hier nicht". Darauf hat Dr. Michelson einen entsprechenden Befehl er. Widerfäßlichkeiten, bei Berteilung von Brot usw. geäußert:„ Caßt laffen. Andererseits aber hat Dr. Michelson bei Meldungen über euch das nicht gefallen, hauf den Kerls mal hinter die Löffeln". Zeuge Arzt Dr. Lejerne hat ohne Reibung mit dem Angeflagten zusammen gearbeitet. Daß Gefangene geslagen aber nicht tragisch genommen, auch von den Gefangenen nicht. wurden, auch mit einem Stod, fei vorgekommen. Es wurde Matthes vernommen. Der Zeuge rühmt an dem Angeklagten Nach einer halbstündigen Pause wird der Studienrat Walter feine Intelligenz, Energie und seine Organisationsfähigkeit. Troydem sei der Angeklagte gegen eine Gebühr von 2 M. ausgestellten Berechtigungsscheins. 3meds Erlangung des Berechtigungsscheins sind der Hauptausgabe stelle vorzulegen: a) die Geburtsurkunde oder ein anderer amtlicher Ausweis über das Alter, b) ein Ausweis zur Erlangung des Berechtigungsscheins, und zwar von Schülern: eine Bescheinigung der Schule, von Lehrlingen: eine Bescheinigung des Arbeitgebers fowie Lehrvertrag und fämtliche etwaigen Nachträge hierzu. Die der Hauptausgabestelle und auf allen Bahnhöfen der Berliner Bescheinigungen find auf besonderen Bordrucken auszufüllen, die bei Straßenbahn erhältlich find. Andere Bescheinigungen werden nicht anerkannt. Erforderlich ist auch eine unaufgezogene Photographie in der Größe 40x40 Zentimeter. Die Ausdehnung der Linie 96 abgelehnt. feine Zierde des Heeres Bezirksamt erfucht, beim Berliner Magistrat mit aller Entschieden interessierte die Krantenbehandlung weniger als die Organisations. Die Tempelhofer Bezirksversammlung hatte einstimmig bas gewesen, namentlich in bezug auf seine Dienstauffassung. Ihm heit dahin vorstellig zu werden, daß die Linie 96 nicht lediglich frage. Weiter ist dem Angeklagten eine gewisse Neigung zum mit Cinfegwagen, sondern wieder als ständige Linie, zum Herrenleben nachzusagen. Er hielt ein Reitpfers, bas mindesten während der Geschäftsstusinden bis 8 Uhr abends be- Weizen erhielt, einen Rassehund, der auch nicht schlecht geAntrag abgelehnt mit der Begründung, die wiederholten Küche entsprach nicht dem Stil, der sonst in Lazaretten üblich war. trieben werde. Das Verkehrsamt der Stadt hat diesen füttert wurde, einen überaus stattlichen Hühnerhof. Seine Feststellungen hätten ergeben, daß der Berkehr mit dem Betrieb Er hatte einen Roch fünftler unter dem Bersonal, der in der der Linie 96 bis 8,13 ühr früh ab Mariendorf und nachmittags on 1,58 bis 7,18 Uhr ab Französische Straße gut bedient werde. Hauptsache für ihn da war. 1918 lei auch ein friegsgerigt liches Verfahren gegen den Angeslagten eingeleitet worden. mit Rücksicht auf die Wirtschaftlichkeit des Betriebes sei die Aus- lleber die Frage der Mißhandlungen äußert sich der Zeuge, daß sic dehnung des Fahrplans nicht vertreibar". eine Art illegitime Strafgemalt herausgebildet hätte. Zeuge Bertsch bestätigt, daß geprügelt wurde. Der folgende wird wegen Berdachts der Mittäterschaft zunächst ebenfalls nicht Zeuge, Oberlandinspektor Merten, in Effry Lazarettinspektor. bereidigt. Der Zeuge, der auf dem ersten Bormarsch mit feinem Lazarett in die Hände der Franzosen gefallen war und später in Genf ausgetauscht wurde, führt in sichtlicher Erregung aus, wenn er manchmal schärfer zugegriffen habe, so sei das aus dem Ge. fühl heraus zu begreifen, mit dem er Arbeitsausschuß für Siedler Fahrpreisermäßigungen. Der Reichswirtschaftsrat hat, wie die PPN. hören, einen besonderen Arbeits ausschuß eingefeßt, der einen bei ihm eingegangenen Antrag, eine Prüfung der Frage der erhöhten Bororitarife und eine Ermäßigung der Preise der Monatstarten dritter Klasse für Siedler vorzunehmen, beraten foll. Zu diesem Zwede wird der Ausschuß am Mittwoch, den 5. Juli, eine Sigung abhalten. Empfang der Krefelder Sänger in Berlin. Am gestrigen Donnerstag mittag traf der dreihunderttöpfige Krefelder Männer. aus der Kriegsgefangenfchaft zurückgekehrt gefangverein im Sonderzuge in Berlin am Lehrter Bahnhof ein, sprechen. Der Beuge gibt zu, fleine förperliche Strafen ausgeteilt war. Er hätte Szenen erlebt, die jedem menschlichen Gefühl Hohn empfangen von Bertretern verschiedener Berliner Gesangvereine. Nachmittags fand ein offizieller Empfang der Gänger im Kultus u haben, bestreitet dagegen ganz entschieden, Kranke oder Geministerium statt. Ministerialdirektor Nenntwig hielt den Kre- prügelt zu haben. Er wendet sich gegen die Methode der franzö fangene im Auftrage des Angeflagten oder aus eigenem Antrieb ge. feldern eine herzliche Begrüßungsansprache. Bom Berliner Ober- fifchen Regierung, nur Belaftungszeugen aufzubieten, nicht aber bürgermeister Böh wurde der Krefelder Sängervorstand, der Entlastungszeugen. Biele Prügeleien hätten unter den Gefangenen vorausgefahren war, bereits am Mittwoch empfangen. selbst stattgefunden. Bom Amtsvorsteher in Rangsdorf werden wir im Anschluß an unfere Notiz über die Sonnenwendfeier im Freibad Rangsdorf darauf aufmerksam gemacht, daß Sonnabend abend, am Tage der Mordtat, dort noch nichts von einem Berbot monarchistischer Sonnenmendfeiern für den Streis Teltow befannt war und aus diesem Demonstrationen nicht gegeben war. Die Besichtigung der FeuerGrunde eine gefeßliche Handhabe zum Berbot derartiger ſtelle durch den Amtsvorsteher geschah lediglich im fe uerpolizeitichen Interesse und gehört zu feinen Obliegenheiten. Der Zeuge wird vereidigt. Ebenso wird die Bereidigung des Zeugen Müller nachgeholt. Um 4% Uhr wird die Verhandlung auf Freitag vormittag 9 Uhr vertagt. Sport. Rennen an Orunewald am Donnerstag, ben 20. Juni. Im Anschluß an die Borgänge bei den Deutschen Reichswerten toar auch im Vorwärts" vom 24. November 1920 unter der Ueberschrift Metallische Ethi f" ein Artifel erschienen, welcher 1. Rennen. 1. Roderich( 3. Stys). Tot.: 18:10. Ferner Tiefen: den Reichstagsabg. van den Kerchoff in die Konkurrenzstreitig. Walhall, Cfardasfürstin( gef.). feiten der beteiligten Firmen hineinzog und ihm namentlich vor Sprachschule für Proletarier. Anfang Juli beginnen die neuen 2. Rennen. 1. Cib( R. Bär), 2. Trompeter II( Abolph), 3. St. actin ( M. Müller). Tot.: 67:10, Plag: 24, 17: 10. Ferner Tiefen: Radiola, Menito. warf, daß er als Abgeordneter für die eine oder die andere Partei Anfängerkurse in englisch( 2bendunterricht) der Genossinnen 3. Rennen. 1. Brunella( 3. Stys), 3. Batella( Cdler), 8. Offensive tätig gewesen sei. Für diesen Artikel hatte der damals am Bor- und Genossen ohne Borkenntnisse. Anmeldungen am Freitag,( annchen). Eot.: 68: 10, Blag: 22, 10, 21:10. Ferner liefen: Schwarzblau, wärts" tätige Redakteur Dr. Werner Beifer verantwortlich ge- den 30. Juni und Sonnabend, den 1. Juli von 5 bis 8 Uhr abends Talisman, Furchtlos, Stochob( gef.). 4. Rennen. zeichnet. Bereits im Januar 1921 hatte der Abg. van den Kerchoff in der 24. Gemeindeschule Hinter der Garnisonfirche, Zimmer 7( Gorsler). Tot.: 49:10, Blag: 16, 15, 19: 10. Ferner liefen: Sucifer, notbart, 1. Donner( Adolph), 2. Perfeus( Teichmann), 3. fden Lie Strafanzeige megen Beleidigung gegen Dr. P. erstattet und die Mähe Bahnhof Börse). Orfus( gef.), Schipper. Staatsanwaltschaft hatte megen des vorliegenden öffentlichen Inter 5. Rennen. 1. Ordensritter( Rardel), 2. Connenrose( Bismark), effes das Verfahren von Amts wegen aufgenommen. Der Prozeß Schöneberg, Marstraße 5, feiert mit seiner Frau Augufte, s. Billehart( v. Bachman). Tot.: 31:10, plag: 14, 13:10. Ferner Tiefen: Ein alter Parteigenosse, ber 73 Jahre alte Wilhelm Groffe, 3. Medusa( Einfinger). Eot.: 42: 10, Tlah: 16, 14:10. Ferner Nef: Teifi. 6. Rennen. 1. Duhr- Spike( o. Belger), 2. Feldherr( o. Berchem), zog sich bis jest hin, da mehrere Termine der Bertagung anheim- geb. Krüger heute Freitag das Fest der goldenen Hochzeit. Genosse Bolat, Citel, Ban Demon. fielen, da der Hauptzeuge, der Fabritant Wagner, nicht erschienen Groffe ist seit fast 50 Jahren gewertschaftlich organi 7. Rennen. 1. Nitt. Blaubart( Bismart), 2. Welcome Bis( Rarbel), war. Auch in dem jetzt vor der 5. Straffammer des Landgerichts I fiert, erst im Bimmererverband, dann im Verband der Gemeinde- 3 Gerenata( Gorsler). Tot.: 42: 10, Blat: 17, 14:10. Ferner liefen: Liebeanstehenden Termin war dieser Zeuge nicht erschienen, arbeiter. Seit über 33 Jahren ist er Mitglied der dessen Aussage, wie der Borsigende aus den Atten hervorhob, da- SẞD. und Borwärts" leser. Wir wünschen dem alten, hin ging, daß in einem Brief, welcher im wesentlichen die Grund braven Parteigenoffen noch einen recht langen, gefunden Lebens. Tempelhofer Berg vor sich gehen. Jm Ring flehen sich der deutsche Crimer. lage der gegen den Kläger erhobenen Beschuldigungen bildete, ein abend an der Seite seiner Frau Schreibfehler der Stenotypistin enthalten sei. Dies hatte zur Folge, daß die Prozeßbeteiligten einer Anregung des Borfizenden folgten und nachstehenden Bergleich schlossen:„ Der Groß- Berliner Parteinachrichten. Angeklagte Dr. Beiser erklärt zu Brotokoll, daß er die in dem Artikel enthaltenen ehrenrührigen Behauptungen unter dem Ausdruck des Friedrichshagen. Freitag, den 30. Juni, 7½ Uhr, große öffentliche Bolfsver. Bedauerns und unter Tragung der gefeßlichen Kosten zurüdnehme. fammlung in Echröters Festfälen, Friedrichstr. 136. Thema: Monarchie oder Republik". Referent Landtagsabgeordneter Hermann Lildemann. Herr van den Rerdhoff erklärt sich hiermit zufrieden und nimmt den Strafantrag zurück." 23n- Brig am Das Gericht beschloß darauf hin Einstel. 3. els Webbing. Sonnabenb, ben 1. Juft, Sommerfest bes Rreifes im Bazenhofer Ausschant, Chauffeeftr. 64. Gröffnung 8 Uhr. Anfang 4 Uhr. fung des Berfahrens. Konzert, gefangliche Darbietungen usw. Cintrittstarten find in ben alb. teilungen zu haben. And dem Gefängniß geschwindelt. 6. Kreis Kreuzberg. Abteilungen 89-48 unb 48: Sonntag, den 2. Juli, Sommer. fest in der Bodbrauerei, Fidicinftr. 2/8. Anfang 3 Uhr. Um rege Beteiligung wird gebeten. Morgen, Sonnabend, den 1. Jufi: rich, Georg, Glaskirsche. Der nächste Bogabenb wird am 30. b.. im Garten der Bod.Brauerei am gewichtsmeister Otto Flint und der den Berlinern gut bekannte Engländer Harry Reeve gegenüber. Außerdem kämpfen der Däne Chie Nelfon und der Reger Lygget. Der Sieger gegen Leonard( Frankreich), Wiegert, findet deu Trainer bes europäischen Mittelgewichtsmeisters, Teb Rib Lewi, den Engländer ,, Curley" Wagon, vor fich. Arbeitersport. am Arbeiterfußbellsport ber M.S. B. Großes Fußballturnier bee Ft. 2. Stets 2. Juli auf dem Fortuna- Sportplas in Reutölln, Ralfer. am Herzbergplag, Felebrich- Straße, Ringbbf. Raiser- Friedrich- Straße. Cs stehen fich folgende Gegner zum Wettkampfe gegenüber: 2 Uhr:. F. C. Rüftig- Borwärts I gegen Fichte- SD. I; 3 Uhr: P. F. C. Abler 08 I gegen S. C. Siemensstabt Ihr: R. F. C. Astania 1 gegen Fr. T. Neutsün Briz 1; 5 Uhr: S. f. C. Sanfe I gegen Feb. 6. C. Tasmania L. Die Spiel Teitung wird nach dem 2. Schiedsrichtersystem ausgeführt. Die Spielzeit in nur 1 Stunde; follte ein Spiel dann noch unentschieden stehen, fo with 2mal 15 Minuten verlängert und fofort nach dem fiegbringenden Tore abgebrochen. Sollte nach sulest angeführter Beit das Spiel noch unentschieden stehen, fo wird Arbeitersport durch Euren Besuch! st. 7 Uhr Sigung der Funktionäre, Betriebsvertrauensleute und Eltern ber Sieg an einem Wochentagabend ausgefpielt. Genoffen, unterstützt den beiratsmitglieder bei Liedtke, Litauer, Ede Graudenzer Straße. Cin Großstadtbifb eigener Art entrollte eine Berhandlung, welche das Schwurgericht des Landgerichts I( beschäftigte. Wegen in telleftueller Urkundenfälschung bzw. Anstiftung hierzu 34. maren der Schneider Felig Afluth und der Elektrotechnifer Karl Duisom angeffagt. Gegen letzteren lautete die Anklage gleichzeitig auch auf schwere, der eigenen Ehefrau gegenüber begangene Zu- Wetter bis Sonnabend mittag. Rühler, vielfach beiter, aber berhälterei. Die spätere Ehefrau des Angeklagten war im Jahre 1920 änderlich mit frischen nordwestlichen Binden. Keine erheblichen Niederschläge Die Regatta bes Freien Ruberbundes Berlin am Sonntag nachmittag 2 Uhr werden, in Grünau muß das Ausflugsziel eines jeben sportlich intereffierten Genoffen ordentlich spannende Rämpfe. Während der Baufen Ronzert. Das Programm der Regatta ift reichhaltig und verspricht außer Gegen die Moskauer Justizkomödie. An die sozialistischen Arbeiter aller sich ber Baufen in freundschaftlichster Unterhaltung mit führenden Kommunisten, engsten Parteigenossen derjenigen, die fie gemordet oder zu morden versucht hatten. würden. Aber es waren Zwischenfälle im Prozeß selbst, die schließlich in den Angeklagten und uns den Entschluß hervorriefen, aus der Der Präsident des Obersten Tribunals Krylento hatte Bertelbigung auszuscheiden. Wir verweisen auf unsere im bei dem ihm als Präsidenten unterstellten Tribunal! zum Prozeß bekanntgegebene Erklärung, in der wir targelegt haben, aus Parteien und aller Länder! Anklager bestellen lassen, im Widerspruch zu einer erst jüngst von welchen Gründen wir in völliger Uebereinstimmung Die Lage des Weltprofetariats fordert gebieterisch die Ein. im felbst gezeichneten Berordnung, durch die aus offensichtlichen mit den Angeklagten- nicht mehr vor Gericht erscheinen Gründen verboten wird, daß der Borsigende eines Gerichts bel fonnten. heitsfront der Arbeiterschaft gegen Kapitalismus und Real diesem selben Gericht als Anfläger auftritt. Krntento hatte an feiner tion. Dem Sehnen nach einer geschloffenen Phalang der Arbeiter Stelle feinen Stellvertreter im Präsidium und somit in gewiffem Damit war unserer Berteidigung der Boden entzogen. Unser Das Berliner Abkommen wurde nicht beachtet. parteien war das Berliner Uebereinkommen der drei Sinne ihm untergebenen jatatoff bestellt, den Schwager metteres Berbleiben hätte nur den falschen Eindruck erwecken Internationalen vom 6. April 1922 entsprungen. Es follte dem feiner Ehefrau. Diefe selbst, also die Ehefrau Krylentos, hat die fönnen, als ob bie in Berlin gegebenen Zusicherungen eingehalten Broletariat die Gewißheit verschaffen, daß der Moskauer Prozeß untersuchung geführt und die Antlagefchrift gezeichnet. gegen die Sozialrevolutionäre unter allen Rechtsgarantien einer freien Berteidigung nur nach fachlichen Gesichtspunkten durch- lichen Bersammlungen Beschlüsse veranlaßt, in denen die wichtigste feiner Bestimmungen in Frage gestellt: In dem Prozeß Bor Beginn des Prozesses hat Rrnlento persönlich in öffent Durch die Erschütterung des Berliner Abfammens ist auch die Im Vertrauen Berurteilung der Angeflagten gefordert wurde. Zusicherungen, welche bie gegen die Sozialrevolutionäre wird die Berhängung der 3. Internationale auf der Berliner Konferenz gegeben hatte, Tagtäglich veröffentlichte die Regierungspreffe und eine andere obesstrafe cusgefchoffen fein. Seit Wochen führen find wir nach Mostau gefahren, um die Berteidigung der Breffe gibt es in Rußland nicht! heftige und beleidigende die Kommunisten in der Bresse und in Bersammlungen einen Feldunter schweren Beschuldigungen stehenden Angeklagten zu führen Artikel gegen die Angeflagten und ihre ausländischen Bet- zug, um nicht nur die Berurteilung der angeklagten Sozialrevolutio. und um zugleich durch unsere Mitwirtung an diesem Prozeß dem näre zum Tode, sondern auch die Bollstreckung der Todes. Proletariat die Gewißheit zu verschaffen, daß jene Zusicherungen ftration empfangen, die offensichtlich wohl vorbereitet war; Berliner Abkommen nicht zu fümmern habe. Die berufenen WortAls wir in Mostau eintrafen, wurden wir mit einer Demonftrafe durchzusehen. Das Tribunal erklärt, daß es sich um das beachtet würden und so zu unserem Teile dazu beizutragen, ein bie Demonstranten trugen Banner und Tafeln, die mit für uns führer der 3. Internationale behaupten, daß das lebereinkommen Hindernis der Einheitsfront des Profetariats zu beseitigen. Die Art der Durchführung des Prozesses hat beleidigenden Inschriften versehen waren. Man beschimpfte und zerrissen sei und daß alle Zusagen der 3. Internationale hinbedrohte uns. Man verlangte, daß wir ins Gefängnis gefällig geworden seien. Würden wir solche Aeußerungen anhören, worfen würden! ohne ihnen unverzüglich schärfften Widerspruch entgegenzusetzen und ohne gegen fle mit aller unserer Straft das internationale sozialistische Gewissen wachzurufen, so würden wir Gefahr laufen, us plöglich por vollendeten Tatsachen zu finden. geführt würde. die auf unfere Erwartungen nicht erfüllt. Wir stehen infolgedessen vor der Gefahr, daß der Prozeß statt zu ciner Milderung, zu einer Berschärfung der Gegenfäße innerhalb des Proletariats führt. In dem Berliner Uebereinkommen ist über den Prozeß der S.-N. bestimmt: Die Konferenz nimmt Kenntnis von der Erklärung der Kommunistischen Internationale, daß in dem Brozeß gegen die 47 Sozialrevolutionäre alle von diesen gewünschten Berteidiger zugelassen werden, daß, wie in der Sowjetpresse bereits vor der Konferenz festgestellt wurde, in diesem Brozeß die Ber. hängung von Todesstrafen ausgeschlossen sein wird, haß, da die Verhandlungen dieses Prozesses öffentlich sind, wohnen können, denen es auch gestattet sein wird, stenographische Aufnahmen zwecks Berichterstattung an die diefen Erefutiven teidiger. Die Regierung behauptete unwahrermeife, daß eine Stimmung, wie sie bei der Demonftration gegen uns zum Ausdrud tam, in der ganzen Arbeiterschaft Moskaus herrsche, und nahm diese Behauptung zum 3orwand, um uns einen Aufenthalt zwei Wegstunden von der Stadt entfernt aufzuzwingen und uns dauernd von mehreren fühlten uns deshalb in Moskau als Gefangene und waren es auch. Beamten in unserer ganzen Tätigteit bewachen zu laffen. Wir Am Vorabend des Prozesses verhaftete man zwei 8eugen und nahm bei einem der rusischen Berteidiger eine aussuchung vor. daß man einen Teil seines Verteidigungsmaterials für einige Zeit Diefer Berteidiger mußte dulben, beschlagnahmte. Dahin barf es nicht fommen! Unter feinen Um. ftänden darf auf Todesstrafe erkannt werden! Das Leben der An. fchwerte bisher schon jebe gemeinsame Attion gegen Kapitalismus geflagten muß gesichert sein! Die Kluft, welche zwischen den Arbeiterparteien besteht, erund Reaktion. Diese Stluft darf nicht noch vertieft werden. Würde fo würde sie auf lange Zeit hinaus unüberwindbar fein. le mit dem Blute der angefagten Sozialrevolutionäre ausgefüllt, Deshalb heißt es jept: Im Interesse der gesamten Arbeiter. ichaft denjenigen in die Arme zu fallen, welche nach dem Blute tungen muß sein: Die Parole der Arbeiterparteien aller Länder und aller RichKeine Todesstrafe für die Angeklagten Sozialisten revolutionäre! Mostau- Berlin, den 22. Juni 1922. Emile Banbervelde. Theodor Liebknecht. Kurt Rosenfeld. folglich auch Bertreter aller drei Erefutiven als Zuhörer bei ben Angeklagten nicht einmal eine auch nur für ihre nächsten An der Angeflagten dürften. Das Tribunal, das über 1200 Zuhörerfarten verfügte, überließ wurden frog unseres Einspruchs durch die politischen und gewerk. gehörigen ausreichende Zahl von Eintrittstarten. Fast alle Karten troh schaftlichen Organisationen der Kommunisten an ihre zuverläffigsten Mitglieder und an Agenten der Ticheta verteilt. Infolge beffen tam es im Gerichtssaal zu jo lauten Rundgebungen", daß fchließlich fogar der Borsitzende einschreiten mußte. angeschlossenen Parteien vornehmen zu lassen." Bon diesen Verpflichtungen find die folgenden erfüllt morden: Die Cowjetregierung hat uns Pässe nach Moskau ausgestellt und das Oberfte Russische Revolutionstribunal hat uns als Berteidiger zugelassen. Aber von Anfang an war es flar, daß entgegen den in Berlin von der 3. Internationale abgegebenen Erflärungen die Angeflag ten nicht vor Richter gestellt wurden, fondern vor ihre polifischen Gegner, die entschloffen waren, aus Gründen der Staatsraison die Angeflagten zu verurteilen. Es war bezeichnend, daß der Bor. figende des Gerichts furz nach Eröffnung der Berhandlungen die Erklärung abgab, daß das Gericht ein Klaffengericht sei und bewußt Klaffenjufti; üben werde. CHUHPUT Servus Terpentinware fommunistische Partei Mostaus eine große Demonstration vor dem Für den 20. Juni, dem Todestag Bolodarffys, organisierte bie Gericht unter der Parole:„ Schwere Strafe für die Angeklagten!" In dem Gerichtsgebäude selbst hatte man neben dem Sigungsfaal eine Ausstellung von Schriften und Bildern veranstaltet, durch anschaulicht wurden. welche die angeblichen Berbrechen" der Sozialrevolutionäre ver. den terroristischen Akten bestritten, seit Jahren im Gefängnis ge Während diejenigen der Angeklagten, die jede Beteiligung an halten werden, ließ man die Denunzianten Semenoff und Konoplowa, die geständig waren, Wolodarfty ermordet und ein Attentat auf Lenin versucht zu haben, auf freiem Fuß. Man sah sie während Möbelfabrik Rob. Seelisch Berlin D 112, Rigaer Str. 71-73 a, 5 Min. vom Bhf. Frankfurter Allee empfiehlt zu bekannt billig. Preisen bei solider Ausführ. 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J. ab mit 160 M. bel folgenden Zahlstellen erhoben werden: in Aschersleben bei der Hauptkasse unserer Gesellschaft oder bei der Direktion der Disconto- Gesellschaft Zweigstelle Aschersleben, haus zur Liebe Komische 734 Oper 784 Der Meister Berlin bel der Direction der Disconto- Gesellschaft, vom Montmartre bei dem Bankhause Delbrück Schickler& Co., bel dem Bankhause Hugo J. Herzfeld, bel der Mitteldeutschen Creditbank, bei der Nationalbank für Deutschland Kommanditgesellschaft auf Aktien, in Bremen bei der Direction der Disconto- Gesellschaft Fil. Bremen, bei der Nationalbank für Deutschland Kommanditgesellschaft auf Aktien, in Essen bei der Direction der Disconto- Gesellschaft Fil. Essen, bei der Mitteldeutschen Creditbank, Filiale Essen, in Frankfurt a. M. bei der Direction der Disconto- Gesellschaft, Filiale Frankfurt a. M., bei der Direction der Mitteldeutschen Creditbank Filiale Frankfurt a. 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