.314 39. Jahrgang Ausgabe A nr.153 Bezugspreis: Bierteljährit 180.- 90, monatlich 80, rei ins Haus, voraus zahlbar. Unter Kreuzband für DeutschJand, Danzig, Saar- und Memel gebiet, fowie Defterreich u Luxemburg 108,-, fir das übrige Ausland 142, M. Poftbestellungen nehmen an Belgien, Dänemart, England, Efthland, Finnland, Frankreich, Holland, Lettland, Luxemburg. Defterreich. Schweden, Schweiz, Tschecho- Slowatei und Ungarn. Der Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Zeit", ber Unter haltungsbeilage Heimwelt und ber Beilage Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Abreffe: Sozialdemokrat Berlin Morgen- Ansgabe Vorwärts Berliner Volksblaff 3 Mark Anzeigenpreis: Die einfpaltige Ronpareilfezeile toftet 18,-.- Reklamegeile 90.- 9. „ Aleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 4,50 MR.( guläffig wei rettge brudte Borte), jebes weitere Wor: 3,50 M. Stellengesuche und Shin ftellenanzeigen das erfte Wort 8,-... jedes weitere Wort 2,50 M. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwe Worte. Familien- Anzeigen für Abon nenten Zeile 8,- S Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr nachmittags int Hauptgeschäft, Berlin G 68, Linden. ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet Bon 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachmittags. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Expedition: SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Redaktion Morisplak 15195-97 Expedition Morisplay 11753-54 Donnerstag, den 6. Juli 1922 Vorwärts- Verlag 6.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Berlag. Expedition und Inieraten. Abteilung Morinplan 11753-54 Das Schutzgesetz vor dem Reichstag. Köfters Ruf zur Tat. zur Tat. – Monarchisten schützen die Republik. . Der unerwartet ausgebrochene Rampf im Berli- würfe daraus machen, daß sie bisher teine größeren Erfolge der verlangen, sondern nur Gerechtigkeit und mir jenes ner Buchdrudgewerbe hat den Meinungsstreit der in ihrer auswärtigen Politit erzielen tonnte, wirfte wie ein Maß von innerer Ruhe für unser gemartertes Bolt und Land, Parteien zu plöglichem Stillstand verurteilt, er hat die bür wohlgezielter Schlag in das Gesicht Helfferichs. Zusammen- ohne das ihre Wiedergenesung unmöglich ist. Das ist aber, gerliche, die fozialistische, die gewerkschaftliche Bresse lahm fassend fann man fagen: Herr Düringer ist subjektiv ehrlich: angesichts der grauenhaften Zustände, in die wir geraten sind, gelegt, er hat Maßnahmen, die zur Verfolgung von Mördern die deutschnationale Partei ist es nicht. Sie hat sich nur ohne eine gewisse Härte unmöglich. Wir Sozialdemokraten und zum Schuh gegen Verschwörung ergriffen wurden, ver- wieder einmal aus Angst in das Mauseloch der Ver- wollen Menschlichkeit, Milde, unbeschränkte Freiheit der Meizögert; er hat in gleicher Weise den Parteien, den Gemert- fassungsmäßigkeit verkrochen. nungsäußerung für jedermann, gleiches Recht für alle! Aber fchaften, der Polizei, der Regierung, der auf Banknotendrud wenn der Edelmut der Republif als Schwäche ausgelegt wird. leider nur allzu sehr angewiesenen Reichsbank die größten die jede Verbrecherfreiheit bis zur Mörderfreiheit geSchwierigkeiten bereitet. Darin, daß der Vorwärts" stattet, dann muß die Republik eben zeigen, daß sie auch anheute wieder erscheinen fann, erbliden wir eine fleine Erleich ders fann! Jetzt berufen sich diejenigen, die uns gehudelt und terung der unerträglichen Lage, feine Lösung. Möge sie durch gebüttelt haben, auf unsere demokratischen Ideale. Berständigung fo rasch wie möglich gefunden werden, Wohl, wir geben sie nicht auf! Wir haben nur erkannt, daß denn es ist Gefahr im Verzuge. wir durch eine Uebergangszeit hindurch müssen, um sie ver wirklichen zu können, und diejenigen, die jetzt an unser gutes Herz appellieren, sie waren es, die uns dazu gezwungen haben. Republikaner, werdet hart! Durch das Bekenntnis zur Verfassungsmäßigkeit hatte Herr Düringer erst die Plattform gefunden, von der aus er den Gefeßentwurf fritisieren fonnte. Man merkt die Absicht. Das Schwert soll so stumpf gemacht werden, daß man es nicht mehr zu fürchten braucht. Ist das gelungen, dann kann Düringer wieder verschwinden, und Helfferich, Henning, Bulle fönnen weiter heßen. Und dann wird man wieder Bir bedauern das nichterscheinen der bürgerlichen Breffe, statt des würdigen Gelehrtentopfes, der gestern die Redner besonders jenes Teils von ihr, der mit uns auf dem Boden der tribüne zierte, das wahre Gesicht der Deutschnationalen Republik steht, und wir sagen all denen, die heute nur ge- erblicken. zwungen zu diesem Blatt greifen, daß dieser 3wang unseren Wünschen nicht entspricht. Denn das bolichemistische Ideal einer zwangsweisen Beherrschung der öffentlichen Meinung ist niemals das unsere gewesen. Däumig( USoz.) ein uniflorter Strauß roter Rofen. Im Reichstag lag gestern, Mittwoch, auf dem Blah des Abg. Däumig( usoz.) ein umflorter Strauß rofer Rofen. verstorbenen Abg. Däumig einen Nachruf: Abg. Däumig hat eine Bor Eintritt in die Tagesordnung widmet Präsident Cōbe dem größere parlamentarische Tätigkeit nicht entfalten können: KörperNach solchem Ereignis fann es nicht Wunder nehmen, daß sich auch die Deutsche Bolfspartei durch den Mund des Herrn Stresemann, und die Bayerische Volkspartei durc den des Herrn Leicht der bedrohten Republik als Beschützer Teils aus eigenem Erleben, teils aus dem ,, Nachrichten anboten. Nur muß die Sache natürlich ganz anders in blatt der Berliner Arbeiterschaft", fennen unsere Leser die Er die Hand genommen werden, als es Wirth, Koster, Radeigniffe, die sich in den letzten Tagen abspielten. Sie wiffen bruch getan haben. taiser, Kaiser," läßt Goethe feinen auch, daß die gewaltigen Demonftrationen des leg- Göz rufen: Räuber beschützen deine Kinder!" Republik, fiches Leiben und andere Umstände haben ihn daran gehindert. Die ten Dienstag leider nicht überall ohne Zwischenfälle ver- Republit," dachte gestern mancher, Monarchisten marschieren wenigen Male, die er hier seine Ansichten vertreten hat, zeigten, daß Taufen find. Wer die Entschlossenheit fennt, mit der die Ge- zu deinem Schuß auf!" feine Gedankengänge nur von einer Minderheit geteilt wurden. Der wertschaften und die beiden sozialdemokratischen Parteien Obwohl wir den republikanischen Rednern des gestrigen Ernst und die Ruhe, in der er fie vortrug, weckten auch bei Aneinen reibungslosen Verlauf dieser Rundgebungen zu einer Tages, besonders unseren Parteigenossen Röster und Silbersgesinnten den Willen, ihm zuzuhören und seine Gedankengänge Ehrenfache für sich gemacht hatten, der weiß, daß die tiefbes berfchmidt unrecht tun, wenn wir ihre Reden nur furz fennen zu lernen. Er ist mitten in der Arbeit gestorben.( Die bauerlichen Störungen nur von Elementen verübt sein können, lebend erwähnen, möchten wir gleich zur Hauptsache über benten von den Blägen erhoben.) Ich banke Ihnen, daß Sie sich 311 Abgeordneten hatten sich schon während der ersten Worte des Präfidie außerhalb der Einflußsphäre der großen Arbeiterorgani- gehen, indem wir erklären:„ Meine Herren, daraus wird seinen Ehren erhoben haben. fationen stehen. Dahin zu wirken, daß Ruhe und Ordnung nichts!" Es folgt die erste Beratung des Gefeßentwurfes zum überall wieder einfehren, ist Pflicht eines jeden, der sich nicht Die Republit fann nur durch eine republitanische Schuge der Republit in Berbindung mit der ersten Lesung zum Helfer reaktionärer Berwirrungsversuche machen will. Mehrheit die notwendigen Maßnahmen zu ihrem Schuß des Amnestie gefeßes und den Interpellationen der Unabhän Zwischen der Sozialdemokratischen Partei und den Un- ergreifen. Das ist die Mehrheit, die aus Zentrum, Demofra- gigen über das Fortbestehen von Selbstschutzorganisationen, die abhängigen einerseits und den bürgerlichen Parteien anderer- ten, Sozialdemokraten und Unabhängigen besteht. Schadloshaltung von Personen, die wegen Handlungen zur Abwehr feits ist es zu Berhandlungen über den Eintritt der USP. Hält die Opposition fo fest zusammen, daß sie bei der entschei hochverräterischer Unternehmungen zu Schadenersatz verurteilt sind in die Regierung gefommen, die noch nicht abgeschlossen denden Abstimmung mehr als ein Drittel der Stimmen erhält und die Vorgänge anläßlich der Hindenburg- Feier in Königsberg sowie die Interpellation der Sozialdemokraten über antifind. Wir begrüßen die Bereitwilligkeit der Unabhängigen, und das Gesetz zu Fall bringt, so müssen die Wähler gegen republikanische Rundqcbungen von Angehörigen der alten Armee fich zum Schutz der republikanischen Berfassung zur Verfügung fie aufgerufen werden. und Beteiligung der Reichsmehr an derartigen Beranstaltungen. zu stellen, um der Sache willen, wir begrüßen fie auch um der Den Wählern werden wir dann sagen, daß wir nicht Präsident Löbe bittet, heute nur über die Geseze zu sprechen, Ginigteit willen. Denn nachdem die Unabhängigen durch Grausamkeit, nicht Unfreiheit, nicht Knebelung Andersdenken- und zwar derart, daß diese am Schluß der heutigen Beratung dem ihr Berhalten anerkannt haben, daß es außerordentliche Si tuationen gibt, in denen Sozialdemokraten mit Bürgerlichen zusammen in die Regierung gehen müssen, ist der letzte bedeutende Streitpunkt zwischen den beiden sozialdemokratischen Parteien gegenstandslos geworden. Auf diese Weise fügt sich zwar noch nicht die organisatorische, mohl aber die tattische Einheit der beiden Barteien von selbst zusammen, und wenn die weitere Entwicklung der Dinge unsere Hoffnungen rechtfertigt, dann wird iedermann, der in Deutschland Politit macht, mit dieser taktischen Einheit als einer gegebenen Tatfache rechnen müssen. Der Zusammenstoß bei Voelpke. Magdeburg, 5. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Die ange- wüfigen Riffmeister das Handwerk zu legen. Rofenberg hat es ftellten Ermittelungen laffen feinen Zweifel darüber, daß die blufigen fertig gebracht, auch einen einzelnen Arbeiter, einen Witwer mit Borkommnisse in Sommerfchenburg bei Boelpfe auf das ge- mehreren Kindern, der abends gegen 10 Uhr ahnungslos von radezu wahnwihige Berhalten des Verwalters des der Arbeit auf dem Nachhausewege an dem Schloß vorbeigehen Gutes in Aus dieser Einheitsfront haben sich die Kommu Sommerfchenburg, des des ehemaligen Riffmeisters mußte, eine Handgranate zu werfen, wodurch dem Mann der nisten felbit ausgeschlossen, indem sie sich weigerten, den ge- von Rosenberg, zurückzuführen ist. Zwischen dem Berwalter halbe Kopf weggeriffen wurde. Außer ihm haben die Arbeiter noch meinsamen Aufruf, der zur Einstellung des Bruderkampfes Rofenberg- Besitzer des Gutes ift Graf Gneisenau- und der Be- 3 wei andere Tote, darunter auch einen 13jährigen Jungen, und auffordert, zu unterzeichnen und in dem sie die gestrige Kund- völkerung der braunkohlenreichen Gegend um Sommerichenburg be- über 10 Verwundete zu beklagen. Ein Teil diefer Leute, darunter gebung dazu mißbrauchten, verlogene Kampfaufrufe gegen stand schon lange ein sehr gespanntes Verhältnis infolge des bru- auch der 13jährige Junge, wurden von den Kugeln getroffen, als die die beiden fozialdemokratischen Parteien zu verbreiten. talen und rüdsichtslosen Benehmens des Rift- Menge auf der Flucht vor den ersten Schüffen begriffen war. Der Nach solchen Vorgängen fam es geitern nachmittag im meisters. Es ist einwandfrei feitgestellt, auch von amtlicher Seite, Schußpolizei in Sommerfchenburg haben die Arbeiter feinerlei Reichstag zur ersten Lesung des Gefeßentwurfs daß von dem Riffmeister, chne daß er sich in not befand, das Feuer Schwierigkeiten gemacht. zum Schuh der Republit, die einen höchft eigenartigen auf die Demonftranten eröffnet worden ist. Geholfen haben ihn Berlauf nahm. Es stellte sich nämlich heraus, daß die Republik dabei auch der Gutsinspettor und unverständlicherweise überhaupt feine Feinde, sondern nur noch Beschützer hat, und 3wei Flurfchuhbeamte, die, wie von einem Augenzeugen fort über die Schuhpolizei herfielen und fie entwaffneten. Das von ganz rechts bis ganz links überbot man sich in guten Ratfchlägen zu ihrer Rettung. bereits dargestellt ist, von dem schloßartigen, mit Mauern und schweren Eisentüren gesicherten Gutshofe auf die Demonftranten gefchoffen haben, als eine Abordnung zur Unterhandlung den Hof betrat. Das gegenfeifige Einvernehmen wurde erst gestört, als aus Helmstedt einige hundert kommunisten erschienen, die soSchloß ist dann von den Helmstedtern gestürmt und ausgepländert worden. Einer der Flurschüßen ist von den Helmstedtern Selbst die deutsch nationale artei brachte es erschlagen worden. Rosenberg felbft wurde nach der Erstürfertig, als Beschützerin der Republit zu erscheinen, indem sie mung des Schloffes von Arbeiterfamaritern in Schuh genommen uno ben legten Mohifaner aus ihrer befferen Zeit, den Profeffor Erlogen ist die vom Wolf- Bureau verbreitete Behaup- am Mittwoch nachmittag in einem Krankenautomobil in Sicherheit Düringer als Redner vorschickte. Düringer, an deffen per fung, daß die Demonftranten bewaffnet gewefen felen. Richtig ist, gebracht. Die Aerzte hoffen, ihn am Leben erhalten zu können. fönlicher Ehrenhaftigkeit niemand zweifelt, gehört zu dem fast daß ein Trupp von einem Schühenverein eines benach. Seine Frau und feine Kinder wurden von Parteigenoffen aus dem ausgestorbenen Kreis um Posadowsty und Clemens Delbrüd, barten Ortes 8 Gewehre holle und mit diefen Gewehren ist dann der Schloffe geholt und nach Magdeburg gebracht. Die Behauptung der ber zwar seine am Alten hänge:: de Cefinmung nie verleugnete, Gutshof befchoffen worden, wobel Rosenberg verwundet worden ist. bürgerlichen Preise, daß auch das Leben der Frau Rojenberg, geaber sich der Notwendigkeit, am Neuen mitzuarbeiten, nicht Ob auch einer der Flurfchühen hierbei getroffen wurde, oder ob er fährdet gewesen sei, ist falsch. Am Mittwoch abend war in Somverschloß. Seitdem ist diese Partei durch Helfferichs Hetze und von einem der Schüßen auf dem Gutshofe verlegt wurde, ist noch merschenburg durch die Bemühungen der Arbeiter unter Führung Hergis Schwäche„ völkisch" verpestet und zum schüßenden nicht festzustellen. einiger Funktionäre der SPD. und USP. die Ruhe wieder. Dach für Meuchelmörder geworden. Nun hat die Partei durch Der Angriff auf den Gutshof mit den Gewehren des Schüßen- hergestellt. Die Meldung von einem wilden Aufruhr in der die Wahl Düringers zu ihrem Redner den Rettungsweg zurüd vereins ist aber erst lange Zeit als Antwort auf den Angriff des Gegend von Boelpte ist ganz unverantwortlich übertrieben. zu einer besseren Vergangenheit gesucht, den sie freilich nicht Rittmeiffers und feiner Spießgefellen erfolgt. Un wahr ist auch Glatt erlogen ist die Behauptung, daß Taufende von Arbeltern eraftlich betreten fann, ohne zu zerfallen. die Behauptung, dek die ren Magdeburg gekommene Schuhpolizei zum größten Teil mit Militärgewehren bewaffnet gewesen seien. In Düringers Rede mar in ihrem erften Teil eine schonungs fofort bei ihrem Eintreffen in Sommerichenburg caiwaffnet Wirklichfelt find selbst die Waffen, welche der Schuhpolizei abgenomJose Abrechnung mit dem Treiben der äußersten Rechten. Ins- worden fei. Richtig ist vielmehr, daß die Polizei auf Anforderung men worden sind, auf Aufforderung der Parteifunktionäre beim befondere fein Sag, man dürfe der Regierung teine Border Sommerfchenburger Arbeiter erschien, um dem hieß- Aimisvorsteher in Sommerichenburg abgegeben worden. Ausschuß erwiesen werden lönnen, während die Beratung der gebrauchen. Es handelt sich also unt ein Bert der Berteidi.mungen ab. Der größte Mangel ist, daß der Entwurf eine Interpellationen am Donnerstag vorgenommen werden soll. Reichsminister des Innern Dr. Köfter: Den Entwurf eines Gesetzes zum Schuße der Republik hat der Reichsrat mit der gewaltigen Mehrheit von 48 gegen 18 Stim men angenommen. Was uns in dieser Stunde not tut, find nicht lange Reben, sondern Handeln.( Sehr wahr! links.) Der Reichs rat hat mit Nachdruck gearbeitet; ich bitte, den vorliegenden Gefeßentwurf mit möglichster Beschleunigung zu verabschieden. Wir schlagen vor, an Stelle der Berordnungen ein Gefeß zu schaffen, weil mit den Ausnahmebestimmungen des Art. 48 der Berfassung Jo felten und so kurz wie möglich regiert werden foll. Dieser Gefegentwurf ist zwar aus einem eigentlichen Notstand herausgewachsen, aber dieser Notstand ist seit Monaten wissentlich und fahrlässig vorbereitet. Wir können uns deshalb nicht begnügen mit einem Instrument, durch das wir lediglich eine augenblidliche politische Situation meistern fönnen, die sich in einigen Wochen wieder vollkommen geändert haben kann. Die Erfahrungen, die wir mit der Verordnung des Reichspräsidenten nach dem Morde Erzbergers ge macht haben, haben das bewiesen. Wir brauchen dauernde Maßnahmen, durch die wir jenen Sumpfboden offenlegen, entwässern, und sanieren können, aus dem die Ermordung Rathenaus hervor. gewachsen ist, jenen Sumpfboden, aus dem nach dem Willen einer fleinen, aber feigen Mörderbande neue Mordtaten, neue Erschütterungen hervortreten sollen, wenn wir nicht endlich den Mut und die Berantwortung finden, das zu tun, was die Situation er. fordert, was das deutsche Volk vielleicht schon längst von seiner Regierung erwartet hat.( Sehr richtig! lints.) Aus diesem Grunde find in dem Entwurf Materien behandelt, die auf den ersten Blick mit dem augenblicklichen Notstand nicht in direktem Zusammenhang stehen. Wir wollen nicht warten, bis man der Republik den Hals abschneidet. ( Sehr richtig! links.) Wir wollen aber auch nicht in Situationen hineinschlittern, zu deren Meisterung wir von Ihnen immer neue Verordnungen, neue Geseze verlangen müssen. Wir beginnen mit diesem Gesezentwurf eine Sanierungsaktion unferes ganzen vergif teten öffentlichen politischen Lebens. Wir sind uns bewußt, daß diese Aufgabe in einem Lande, das von auswärtigen Ron trolleuren alle Augenblicke wieder in die furchtbarsten wirt schaftlichen und politischen Situationen hineingezogen wird, ungeheuer schwierig ist. Wir wollen fie aber durchführen; wir bitten den Reichstag, sich hinter uns zu stellen. Ueber Einzelheiten der Methode kann geredet werden, im übrigen stehen und fallen wir mit dieser Sanierungsaktion.( Beifall.) Wir werden in diesen Tagen weitere Gefeßentwürfe vorlegen, die diese Aktion fortsetzen und vertiefen sollen.( Beifall lints.) Was das Reich regeln kann, wird die Reichsregierung regeln, und zwar noch in dieser Tagungsperiode. Ich mache aber schon hier darauf aufmerksam, wie begrenzt die Kompetenzen find, die das Reich im Rahmen der Berfassung hat. Das Reich hat keine Ere futive, feine Schulen, feine Universitäten, feine Gerichte. Diefes Gesetz bekommt seine Wirkung erst durch die Kraft, die ihm die Ere tutive der Länder gibt. Die Sanierungsaftion wird nur gelingen, wenn die Schulen und Universitäten " mehr als bisher Pflanzstätten verfassungsmäßiger republikanischer Gesinnung werden.( Sehr wahr! links.) Riefengroß ist daher die Verantwortung der Länder. Bon dieser Stelle aus appelliere ich noch einmal an die Bevölkerung der Länder, im Interesse der Ein heit der ganzen Sanierungsaktion diese Berantwortung auch dann zu übernehmen, wenn sie etwas schwerer fein sollte als die unfrige. Es ist nun gesagt worden, dieses Gesetz sei ein Sozialistengesetz in zweiter Auflage. Das ist falsch. Das Sozialistengefeß fnebelte Ge. finnungen. Mit diesem Gesez werden aber Gesinnungen nicht gefnebelt.( Widerspruch rechts.) Mit diesem Gefeß wird feine Trabition verlegt.( Rufe rechts: Doch! Zwischenrufe des Abg. Helffe rich. Stürmische Zurufe links gegen Helfferich. Große Unruhe.) Dann ist gefagt worden, dieses Gesetz sei einem Rachegefühl entsprungen. Wenn wir dieses Gesez eingebracht haben, so denten wir nicht an die Bergangenheit, sondern an die Zukunft, nicht an ein paar gefährdete Persönlichkeiten, sondern nur an die Sache. Es ist nicht wichtig, daß der eine oder andere Minister lebt, wichtig aber ist, daß bas Land lebt. Dieses Land ist in Gefahr, und die Regierung erwartet, daß jedermann seine Pflicht tut.( Lebhafter Beifall.) Abg. Silberschmidt( Soz.): Erst die Führer, dann die Republik, gung ber Republit, e von dun en Machten hetämpft wird, die Re i ch segetutive vorfieht. Aufgabe der Rommissionsberatungen ben Obrigkeitsstaat wieder erstehen lassen möchten.( Sehr richtig! wird es fein, zu prüfen, ob dieser Mangel dadurch genügend aus links.) Die Methoden, die angewandt werden, um zur absoluten geglichen wird, daß man auf den guten Willen der Länder baut. Vernichtung des neuen Staatswesens zu gelangen, sind die schimpf- Die gewerkschaftlichen und politischen Verbände, die sich zum Schuß lichften und verwerflichsten.( Sehr richtig! links.) Mit den ge der Republik in gemeinsamen Kundgebungen geäußert haben, meinsten Mitteln hat man die Vertreter der neuen Staatsidee in fönnen in den Bestimmungen des Gefeßentwurfs feineswegs der Achtung unserer Mitmenschen herabgesezt und gleichzeitig alle ausreichende Mittel zu diesem Schuh erblicken und halten eine er Organe, auf die man Einfluß hatte, dazu benutzt, diefer Heße zu hebliche Erweiterung für dringend geboten. Die Verhand dienen und selbst die unschuldige Jugend in den Schulen mit lungen über diesen Gefeßentwurf und seine Verabschiedung müssen diesem Gift und diesen Verleumdungen zu erfüllen. Eine solche im schnellsten Tempo vorgenommen werden. Wir beantragen Handlungsweise zeugt von einer Gesinnung niedrigster Art; denn die Ueberweisung der Vorlage an den Rechtsausschuß. Wenn der man muß wissen, daß diese Verleumdungen falsch find, was ihre Reichstag aber der Republik und dem Boike den Schutz verjagt, Träger und Verbreiter natürlich wissen. War der Boden genug dann das muß schon heute in aller Ruhe ausgesprochen werden vorbereitet, dann ging man zu persönlichen Angriffen auf Leben hat er seine Eristenzberechtigung vollkommen verloren.( Lebhafte und Gesundheit der neuen Staatsmänner über. Durch die Ermor. Zustimmung bei den Soz.) Sollten die Verhandlungen ein der bung und Bedrohung der Personen sollte die Republik getroffen, artiges Ergebnis haben, dann wird dafür Sorge getragen werden ihr Ansehen im In- und Auslande herabgesetzt werden. müssen, daß Bolfswille und Reichstag mehr in Einklang gebracht werden, als das bisher der Fall ist.( Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. Dr. Bell( 3tr.): Wir geben vieles darum, wenn uns diese das ist die Tendenz, die sich in diesen Handlungen zeigt. Die Be Borlage erspart geblieben wäre. Aber wir müssen der rauhen völkerung, welche die Republik als die richtige Form des gesellschaft Wirklichkeit Rechnung tragen und aus den gegebenen Verhältnissen lichen Zusammenlebens ansieht, hat bisher eine außerordentliche mit starker Entschlossenheit die Folgerungen ableiten. Es gibt fein ang mütigkeit und Geduld bewahrt.( Sehr richtig! links.) Wort der Entrüstung und Empörung, start genug, um das Gebaren Nun aber ist es genug! Mit Befriedigung stellen wir fest, daß es derjenigen Volksgenossen zu brandmarfen. die bas neue Staatswesen mit der Langmut der republikanischen Bevölkerung zu Ende ist. mit allen Mitteln und aller Gewaltanwendung durch Geheimorgani ( Lebhafte Zustimmung links.) Das ist ein gutes Zeichen der festen fationen zu vernichten drohen. Ueberzeugung der Bevölkerung, die sich die Republit auch nicht Ein Mord reiht sich an den andern, durch Meuchelmord rauben lassen will. Sie ist gewillt, die Republik mit ihrem Leben zu verteidigen. Der Erziehungsarbeit der Ge- eine Gewalttat wird durch die andere abgelöst. Unsere Staatsform werkschaften und der sozialistischen Parteien ist es zu danken, daß steht unter einer Kette der schlimmsten politischen Verbrechen. Dabei sich aus den unterdrückten Persönlichkeiten des alten Obrigkeits- vergegenwärtige man sich den ungeheuren Drud von außen. ftaats felbständige Persönlichkeiten entwickelten, die ihr Ge- Unser Vaterland und unsere Reichsverfassung dürfen nicht zum Opfer schick selbst in die Hand nahmen und nun auch erkennen, daß sie jener gewissenlosen Kreise werden, denen Gift und Mord als Ersatz mit dem neuen Staat enger verbündet sind als früher mit dem fehlender fachlicher Argumente dienen. Das deutsche Volk mẞte an Obrigkeitsstaat.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Ar- fich felbft verzweifeln, wenn nicht in dieser kritischen Situation beiter, Angestellten und alle Republikaner erwarten vom Reichs- Wir sind bereit, uns auf den Boden des vorliegenden Gesetzes nachdrücklich die unentbehrlichen Maßnahmen ergriffen würden. tag, daß jetzt endlich die Sicherung der Republik und der Persönlich. feit in die Praxis umgesetzt wird. Meine Partei wird dazu bei zu stellen und sind überzeugt, daß fleine Mittel nicht gegen die ungetragen, was eine Partei, die die Freiheit erstrebt und die neue heuren Gefahren helfen, die durch Mörderzentralen dem Bolfe Staatsform befestigen und fördern will, dazu tun kann. Der Schuh brohen. Wir schaffen dieses Gesetz feiner Partei zuliebe und feiner der Republik muß so start werden, daß rechts für alle Zukunft die zuleide. Niemandem, der überzeugter Monarchist ist und seine MeiAbsicht vergeht, der Republik wieder nahezutreten. Leider hat das nung sa chlich vertritt, soll ein Haar gekrümmt werden. Auch von Ansehen des deutschen Boltes und der deutschen Staatseinrichtungen der Unterbindung fachlicher Kriti! fann feine Rede sein. Für die ungeheuer schwer unter der Heße der Rechtsparteien gelitten. Der Einzelberatung im Ausschuß und für die Ausgestaltung der Borlage Fall der Mark seit dem Tode Rathenaus drückt das am besten aus. behalten wir uns alles weitere vor. Wenn man Schutz der Republik ist für uns Schuh des Reiches und Schutz des Vaterlandes. Auch die Entente möge aus den Tatsachen die Folgerung ziehen, daß es nötig ist, den Frieden Europas zu sichern und nicht uns immer in den Rücken zu fallen. Der Rebner macht dann gegen einzelne Bestimmungen des Ge fees Bedenken geltend und wünscht insbesondere, daß die Landesregierungen und die Bertreter der Länder die berechtigte Zuständigkeit der Länder wahren, aber zugleich der notwendigen Einheit gebührend Rechnung tragen. Auch die Bestimmungen der§§ 13 und Die Stellungnahme zum Amnestiegefeß und die zweckentsprechende 14( Ausweisungen) entsprechen nicht den Wünschen des Zentrums. Formulierung im einzelnen behält sich das Zentrum bei der Ausschußberatung vor. im Ausland zu unserem Staat fein Vertrauen hat, so fönnen wir dies zum allergrößten Teil auf die Taten zurüd. führen, die dem Auslande zeigen: Der Staat an sich ist nicht genügend fonfolidiert und gefestigt! Die Herren, die sich nicht mit den gegebenen Tatsachen abfinden wollen, sind es, die die große not der letzten Tage herbeigeführt haben. Genau so ist es im Innern. Wo soll die genügende Luft und Liebe am Aufbau unferes armen Landes herkommen, wenn man jeden Augenblid barauf gefaßt sein muß, daß den Wiederaufbauern von rechts In die Arme gefallen und das mit Mühe und Not Aufgebaute wieder zerstört wird?( Sehr wahr! bei den Goz.) Wenn die Arbeiterfchaft immer wieder zur Abwehr und zur Berteidigung auf die Abg. Dr. Petersen( Dem.) erflärt, daß alle Kräfte eingesetzt Schanzen gerufen wird, so wird dadurch die industrielle Tätigkeit werden müssen, um die verfassungsmäßige demokratische Republit zwar auf Stunden unterbrochen, aber der dadurch entstehende den Staat, in dessen Gestalt allein der Wiederaufbau des Baterlandes Schaden ist nur sehr gering gegenüber dem Unheil und Berderben, möglich ist, zu schützen und zu befeftigen. Das ist vor allem eine das je ne über uns bringen, die ständig das Land in politischer un große Aufgabe ber Erziehung. Wir sind daher gewillt, dem ruhe halten und die Existenz der Republit bedrohen.( Sehr richtig! Staat die Mittel in die Hand zu geben, deren er zur Abwehr aller bei den Goz.) Es wird hohe Zeit, daß die Republik, das moderne Anschläge auf seinen Bestand, seine verfassungsmäßige Gestalt, feine Staats- und Rechtsleben, dauernd gesichert werden. Die Arbeiter verabscheuen die Mittel, die brutale Gewalt Sicherheit und Ehre und der Anschläge auf Leben und Ehre seiner im Kampfe gegen die Republik anwendet; fie leben in dem Bewußt- Führer bedarf. Es handelt sich nur um eine leider notwendig geBewußt- wordene Ergänzung unseres Strafrechts mit gleicher Geltung fein, daß die fittlichen und moralischen Mittel der Republik aus für alle Volksgenoffen. Gewalt gegen Gewalt, Strafe gegen Aufreichen, um ihre Widersacher niederzufämpfen. Sollten dieje aber nicht allein ausreichen und sollten die Mittel der brufalsten Ge- lehnung und Bedrohung gegenüber mißleiteter Gesinnung, aber Erziehung und Führung! Wir werden deshalb mitarbeiten, mit walt in llebung bleiben, dann fell man sich nicht wundern, wenn in aller Beschleunigung den Gefeßentwurf in einer Gestalt zu verabder Arbeiterschaft der Gedanke Boden gewinnt, daß die geiffigen schieden, die die Lebensnotwendigkeit des Staates mit dem liberalen Kampfmittel allein nicht ausreichen. Bersönlichkeitsrechte der Staatsbürger, auch Achtung vor innerer Ueberzeugung und mit ursprünglichen demokratischen Grundrechten aller deutschen Bürger vereinigt. aller deutschen Bürger vereinigt. Die Vertreter und Anhänger des Gewaltprinzips müssen in die Schranken zurückgewiesen werden, daß fie bauernd auf die bisher benutzten Kampfmittel verzichten. Wird diesmal wieder die Erwartung der Bevölkerung getäuscht, dann schwindet beim Bolte das Bewußtsein, daß im Kampfe um die Republik die geistigen Der Gesezentwurf richtet sich nicht gegen eine Gesinnung, fon- und gefeßlichen Mittel ausreichen, um der Sache des Boltes zum dern gegen Personen und Vereinigungen, zu deren Ziel gehört, die Siege zu verhelfen.( Sehr richtig! bei den Soz.) republikanischen Regierungen zu gefährden, ihre Mitglieder zu Der Gesetzentwurf befriedigt uns nicht in allen Buntten. Er töten und Gewalt gegen die republikanische Staatsform zu geht nicht weit genug und gibt sich mit allzu vielen Kann beftim fäßlich die Maßnahmen des Reichspräsidenten als berechtigt an Der Balkon. Schräg dem Balton gegenüber ist die Saifer- Wilhelm- Gedächt. nis- Kirche. Anblick wedt erhabene Erinnerung an das Offenfio. bündnis zwischen Kanzel und Thron und jenen Kampf, den Gott und Kaiser Schulter an Schulter teils in der Residenz und teils in der Etappe gekämpft haben. Solches Gedenken stärkt Ballonbefizer und besucher, besonders, wenn fromm die Abendgloden fäuten. Sieg und Erirablatt bedeutete einst das religiöse Auf und Ab ihrer Klänge. Es war gleichsam der akustische Ausdrud für das wantel mütige Kriegsgeschic. Mangel an Parade und militärischer Trachtenschau hätte den Balkonwert in der Republit beträchtlich vermindert, wäre nicht jenes architektonische Memento fchräg vis- à- vis gewefen. Ausblick auf die Kirche war Trost und Stärkung. Es kam der Tag der republikanischen Demonstration vor der Kirche und der Ballon hing betrübt, aber bevölkert, zur Straße hinaus. Abg. Düringer( Dnat.) anerkennt das Recht des Staates auf Selbsterhaltung. Die Erschütterungen der letzten Wochen erfor bern besondere Maßnahmen. Die Entdeckung der Mörderzentralen, das fludywürdige Berbrechen gegen einen hervorragenden Deutschen, machen sofortiges Eingreifen nötig. Deshalb haben wir grund群 D. W. weile meist auf seinem Gute Soienfaß am Balchenfee, und es fei| sah, das Genic zu brechen.-Die Saat ist aufgegangen, die Früchte unbestimmt, wann er wieder nach München fäme, trug mir auch, find die Mordtaten der letzten Zeit, begangen mit faltem Blut pon falls ich ihn in Soiensaß besuchen wollte, herzliche Grüße an ihn unreifen, taum den Kinderschuhen entwachsenen Burschen. Man auf. Solch fleine Gebirgstour war ohnehin mein Wunsch, und so wird jezt harte Strafen verhängen und damit die Mordfeuche viel reiste ich am 19. Oktober nach dem Walchensee und suchte die fleine, leicht eine Zeitlang eindämmen fönnen. Aber wird man auch ihre friedliche, hochgelegene Billa Soienfaß auf. Ein junges Mädchen Wurzeln beseitigen? In der ungeheuren Mehrzahl der Schulen wird empfing mich, und während ich nach Herrn v. Bollmar fragte, tam noch heute derselbe Faden gesponnen. Auch heute noch werden Tho deffen Gattin, eine geborene Schwedin, herzu. Ich stellte mich ihr mas Münzer, Robespierre, Danton als halbibiotische, blutgierige por, und sie führte mich fofort in ein Zimmer, von dessen Veranda Henter, als Teufel in Menschengestalt geschildert, noch heute ist das aus man eine entzückende Aussicht auf den See, die Karwendel Bort Petroleuse" das Rennwort für den Kommunardenaufstand, gruppe, den Wetterstein und die Dreiherrenspitze hatte. Hier faß in noch heute gilt eine Charlotte Corday, die Marat gemeuchelt hat, als einem Armstuhle Bollmar in brauner Joppe, einen Kneifer auf der Heldin, als Märtyrerin, als Muster von Bürgertugend und Bürger. Adlernase. Es war die mächtige Gestalt mit den martigen Bügen mut, ihr Beispiel noch heute für nachahmenswert, ihr Ruhm noch und dem spitzen braunen Barte, wie ich sie von Abbildungen fannte. heute als erstrebenswert. Man will Beweise? Fast jedes Geschichts. Gein Aussehen war ein gesundes, gebräuntes, trobem ihm die buch, fast jedes Lesebuch in unseren„ republitanischen Schulen liefert Bunden an den Füßen in letzter Beit wieder zu schaffen machten. davon die Menge! Hier muß eingegriffen werden, denn hier wird Ich richtete ihm die Grüße seiner Mutter aus, fragte ihn nach seinem die Grundlage geschaffen, auf der allein Taten wie die der legten Zeit Befinden und überreichte ihm meine Broschüre über Kaspar Hauser. entstehen fönnen. Wenn jetzt energische Maßnahmen zum Schuße Schnell waren wir in ein Gespräch über diese mysteriöse Persönlich der Republik ergriffen werden, dann soll man nicht vergeffen, ber feit verwickelt. Bollmar hielt die Ansicht aufrecht, Hauser sei der recht- fyftematischen Berhebung durch den Geschichtsunterricht ein rasches Betrüger sah. Damit famen wir unwillfürlich auf Fürstenhäuser mäßige Thronerbe Babens gewesen, während ich in ihm einen Ende zu bereiten. und damit auf die Tagespoliti?. Gelegentlich erfuhr ich, daß Vollmar Für Ernst Toller! Wir erhalten folgende Zuschrift mit ber dem Parteitag ferngeblieben war, habe feineswegs an förperlichem Bitte um Beröffentlichung: Der Deutsche Pazififtifche Leiben gelegen. Auf sein Befragen berichtete ich von meiner Maß- Stubentenbund nimmt mit Enttäuschung und Entrüftung regelung im Gymnasialamte und meinen volkswirtschaftlichen Studien. davon Kenntnis, daß dem Dichter Ernst Toller der von den Er entwarf eine intereffante Charakteristik des Profeffors Brentano, hervorragendsten Geistern Deutschlands erbetene Urlaub zur Teilbei dem ich jetzt hören wollte, empfahl mir auch die Borlesungen nahme an einigen Proben feines neuesten Wertes versagt worden bes Philofophen Lipps. Mit feiner Frau unterhielt ich mich über ist, obwohl er sich bereit erklärt hatte, sich allen für notwendig er ihr Heimatland. Als ich aufbrach, reichten mir beide herzlich die achteten polizeilichen Anordnungen bedingungslos zu unterwerfen. Hand. Tags darauf fab ich sie wieder, da ich den Heimweg antrat Wir halten diese Behandlung eines deutschen Dichters, dessen Werfe und sie einen Besuch machen wollten, und machte mit ihnen die zu hunderten von Malen über deutsche Bühnen gegangen sind und Boftfahrt über den Berg. Vollmar trug jetzt das echte Gebirgs- demnächst in Holland, England und Amerika aufgeführt werden fostüm und grünen Hut mit großer Ablerfeber und nahm sich damit follen, für schmachvoll und deutscher Kulturgesin. prächtig aus. Auch das starte hinten störte das Imposante feiner nung unmürdig. Bir glauben aber, daß endlich der Weg Erscheinung nicht. Als wir von der Witterung Sprachen, belehrte leerer Proteste und gütiger Ueberrebungsversuche verlassen werden Und die Gäste waren gekommen. Der Neffe Herbert hatte oft geltend machten. Als sich auf einer Bergwand Rehe zeigten, sondern dauernde Freiheit zu geben: er muß Reidstags. er mich über die Wirkungen von Föhn und Siroffo, die sich hier muß. Es gibt nur noch einen Weg, Toller nicht nur furzen Urlaub, feinen Rodat mitgebracht, ein Konfirmationsgeschent, bitte! Und fagte er, für solche richte er im Winter eine Futterstation ein. In abgeordneter werden! Dann lann der Reichstag die foer knipste. Er knipfte die ganze Demonstration( ein so begabter Reffelberg nahmen er und seine Frau von mir Abschied. Mit frohem fortige Freilassung Tollers beschließen, und fein bayerisches Refer Junge, jeden Tag spielte er Tennis einfach fabelhaft!). Gefühle feste ich meine Reife fort, um beide schon nach wenigen vatrecht vermöchte neue Hindernisse zu errichten. Diefer Weg ist Der Hausherr fam für einen Augenblick vom Schreibtisch her, Wochen in München wieder zu besuchen. Mar Schütte. gangbar. Toller war Kandidat der USPD., und der unmittelbar vom Telephonapparat, den Widerhall der legten Dollarsteigerung der Geschichts füge raffinierter und schamfoser betrieben worden in dem Augenblick niederzulegen, in dem die für den notwendigen Berhehung durch Geschichtsunterricht. Nirgends ist die Kunft vor ihm gewählte unabhängige Abgeordnete ist bereit, sein Mantat als bei der Schilderung der Revolutionen in der Schule. Reichstagsbeschluß erforderliche Mehrheit gesichert erscheint. Diese So, von oben herab, betrachtete man wohlwollend die De Den Bauernfrieg, die Biedertäuferbewegung, die englische und die Mehrheit gilt es zu schaffen! 40 bürgerliche Stimmen find not. monstration, denn man war, wenn man es auch nie aussprach, große französische Revolution, der Kommunardenaufstand und selbst mendig, um gemeinsam mit den fozialistischen Parteien Toller bie doch ausgesprochener Gegner des Hafenkreuzes. das Revolutionchen von 1848 fie alle haben wir fennen gelernt Freiheit wiederzugeben- follte es wirklich nicht so viele freiheitlich, Man stand sozusagen auf dem Balkon der gegebenen Tatsachen. als eine unendliche Kette schaurigster Gewalttaten, entsetzlichster Ber- menschlich und rechtlich gesinnte Männer und Frauen im deutschen brechen gegen unschuldige und wehrlose Bürger, Adlige und Fürsten, Barlament geben? Wir parzififtischen Studenten fordern all bie begangen von einer fanatisch- rohen, vertierten Masse, inszeniert von Hunderttausende, die einen Hauch von Ernst Tollers Dichterkraft Wie ich Vollmar fennen lernte. Im Oftober 1896 fieß ich mich Blutmenschen, denen die Qual ihrer Opfer Wolluft war, oder von verfpürt haben, auf, mit uns in unermüdlichem Wirken zusamme au Studienzweden in München nieder und trat mit der bortigen Fremdstämmigen und mit von fremdem Gelde gekauften Berrätern zustehen, bis dieser Beschluß Wirklichkeit wurde. An alle, die mit Bartei und ihrem Organ, der Münchener Post", in Verbindung. am Vaterlande, deren gewaltsame Beseitigung Berdienst war. Es ims in dieser rein menschlichen Sache eines Sinnes find, richte mir Sehr wünschte ich, unseren großen Vorfämpfer Bollmar fennen zu lag System in dieser tendenziösen Verdrehung. Bewußt wurde so die Bitte, zur Unterstügung dieses Aufrufes Namen und Adresse zu lernen, suchte auch bald seine Mutter auf. Sie sagte mir, ihr Soha vorgearbeitet, um der Revolution, die man mit Schreden tommen fenden an Walter Fabian, Berlin W. 50, Passauer Str.8/ 9. Ich sah hinauf. Es standen dort: Die Dame des Hauses in legerem Schlafrod, nicht mehr gemiedert wie zur Zeit einer Allerhöchsten Borbeifahrt, um anzudeuten, daß man den Unterschied taktvoll begreife und die persönliche Haltung der Staatsform anzupassen wiffe. Aber der Schauluft fonzedierte sie die Lorgnette, eine feine, die schon den Anblick kaiserlicher Baraden dem entzückten Auge übermittelt hatte. Eine Lorgnette, fürsorglich gefaßt von zwei Fingerspitzen, auf daß sie auch durch eine Proletarierdemonstration nicht etwa aus ihrer goldenen Fassung gerate. Daneben standen die Gäste, die man mit den Worten einge laden hatte: Ach, wollen Sie nicht am Dienstag auf unseren Balton tommen? Er ist vis- à- vis der Kaiser- Wilhelm- GedächtnisKirche."( Und das Wort vis- à- vis" war so zierlich ausgesprochen morden, gleichsam nur mit der Zungenspike gegriffen.) noch in der freudig geröteten Ohrmuschel. R- th. ITr. 314 ♦ 34. Jahrgang 1. Seilage öes Vorwärts Vonnerstag. H. �uNl422 t-flSdMOtiBöÄCM« :. ,-Ä}e2/r£Xis&fS'*zis*n ZUM Suchöruckerstreik. Ztttfjerordentliche Generalversammlung am 3. Ju!i t!l) Z'ö. Ler Vorsitzende Kolleg» Maisini gibt zur Situation folgendes bekannt: Das Reichsarbeitsministerium hatte am Montag die Ver. treter der Gehilfen und der Unternehmer zunächst zu einer getrennten Besprechung der augenblicklichen Lag» im Buchdruckgewerbe einge- laden. Diesen getrennten Besprechungen schloß sich eine allgemeine Aussprache mit beiden Parteien an, die zu h« f t i g e n"ll u s» einandersetzungen über die Ursach« des Streik, und in vor- kOischrittener Stunde zur Vertagung führte. Am folgenden Tage traten beide Parteien unter Leitung des Reichsarbeits- minister» Brauns wieder zusammen. Die Verhandlungen scheiterten jedoch an der Forderung der Prinzipale, erst die Arbeit wieder aufzunehmen. Von diesem Standpunkt liehen sie sich auch durch die Regierungsvertreter nicht abbringen, hiernach hat sich für uns folgend« Situation ergeben: Die Gehilfen sind nicht gc> willt, sich zu„Kulis" erniedrigen zu lasten. Auch die Buchdrucker haben ein Recht, anständige Löhne, wie sie in anderen Be- rufen gezahlt werden, zu verlangen. Di« Forderung von LOY M. ist in dieser Beziehung nicht zu hoch, sondern durch die täglich steigend« Teuerung schon wieder u b e r h o l t. Unter diesen Um- ständen müsse man sich überlegen, ob die bisherige Streiktaktik noch beizubehalten sei, oder ob andere Wege in Erwägung zu ziehen sind. Da» bisher herausgegeben«„Nachrichtenblatt" eni- spräche nicht allen unseren Wünschen: in der gegenwärtigen Lage sei jedoch hieran nicht« zu ändern. Es handelt sich nun darum: Welche Wege sind zu beschreiten? chatten wir den am Sonnabend gesahten Beschluß ausrecht oder verfolgen wir die Taktik des Be- willigungsstreits, wodurch dann auch das„Nachrichtenblatt" über- flüssig werden würde, da dann die Arbeiterpneste erscheinen könnte. chierübcr hat die heutige Versammlung zu enstcheiden. Kollege Petsch ist der Meinung, daß die eingeschlagene Taktik nicht schon nach drei Tagen geändert werden kann. Bei einer solchen Bewegung heiße es eben Opfer bringen. Er vermißt die Bekanntgabe der Stellungnahm« der Verbandsgeneralver- f a m m l u n g in Leipzig. Gegen den Inhalt des bisher er- fchienenen„Nachrichtenblafles" wendet er sich in scharfer Form. Er ersucht, e, bei dem Beschluß vom Sonnabend zu belassen. Kolleg« Schiesner gibt zu. daß das„Nachrichtenblatt" nicht den Ansprüchen genügt hat, die gestellt worden sind, fjierbei war jedoch u berücksichtigen, daß in erster Linie der gegenwärtigen p o l i t i- chen Situation und den Maßnahmen des ADGB. bezüglich er Dien»tag«D«monstrntion Rechnung getragen werden mußte. Den zutage getretenen Schwierigkeiten ist nur zu begegnen, wenn den Wünschen de» Gauvorstand«» zugestimmt und die Ar» beiterpresse freigegeben wird. Kollege Elasten bittet. Rede und Gegenrede w Ruhe anzuhören. Wenn in den B e w i l l i g u n g s st r e i k eingetreten werden iovt' müßte dafür gesorgt werden, daß die Kollegen, die stch im Ausstand befinden, von den Arbeitenden unter st ützt werden. Kollege Ebel kann mitteilen, daß der Reichsarbeitsminister sich wohl Müde gegeben Hot, di« Prinzipale von ihrem hartnäckigen Standpunkt abzubringen, da er selbst anerkennen mußt«, daß die Löhne der Buchdrucker zu minimale sind. Trotz dieser Ein- Wirkung lehnten die Prinzipole jedoch jede Berhcmdlung ab. Unter tzesen Umständen wäre doch zu empfehlen, die Taktik der gegebenen Lage onzupafien. � Kollege Schreiter Ist bezüglich der Taktik anderer Meinung. Die einmal geschlossen« Einheitsfront der Buchdrucker sollte durch nicht» durchbrochen werden. Notwendig wäre e» ober, die Ar- beiterpreste unter einer bestimmten Kontrolle erscheinen zu lasten. Kolleg« Zoduk und S. W. Schmidt empfehlen, der veränderten Situation Rechnung zu tragen und sich dem Vorschlage des Gau- Vorstandes anzuschließen. Kollegs Albrrcht teilt mit. daß am Vemonstrationstage Flug- blätter der APD. erschienen sind, serner die„Rote Fahne" als Erlaß die..Sächsische Arbeiterzeitung" liefert. Schließlich Kt mich da» „Eichwald er Tageblatt" gedruckt in der nicht tariftreuen Druckmi Peter W. Nacken Nachfolger(ELpinick). in Berlin ver- breitet worden. Dte Kollegen cösfler, Nlemann. Freudenreich und Zopf wollen an der bisherigen Taktik sestholren trotz aller Würdigung der Gründe de« Borstandes. Sie bemängeln, daß ein Teil der A n g e st e l l» t«n noch in den Betrieben tätig ist. Dem Vertreter der Gewerkschaftskommission, Siegle,� wird c» zeitweise schwer, sich Gehör zu verschossen. Seine Ausführungen, die er ausdrücklich nicht als personlichen, sondern als Standpunkt der Berliner Eewerkfchostskommission bezeichnet, erwecken wegen ihrer kritischen Beurteilung der Art des Vuchdruckerstreiks ver- ichicdentlich heftigen Widerspruch. Siegle weist u. a. darauf hin. daß durch den allgemeinen Sympathiestreik der Buchdrucker u. a. auch die Reichebank in äußerst schwieriger Lage sei. sie habe nur n»ch für kurze Zeit Geldmittel vorrätig.(Stürmisch:« Gelächter.) Siegle warnt zum Schluß die Buchdrucker und bittet sie, zu be- denken, daß es ihnen nicht gleichgültig sein könne, wenn in ihrem Kampf« die Berliner Arbeiterschaft nicht auf ihrer Seite zu stehen vermöge. Als Vertreter der SPD. sprach helnlg. Er wies im besonderen auf die katastrophalen politischen Auswirkungen des Buchdrucker- streike, so wie er jetzt geführt werde, hin. Ucbcr die Berechtigung der materiellen Forderungen der Buchdrucker brauche dabei über- Haupt nicht geredet zu werden, sie sei selbstverständlich. Er wies auf die durch den Streit ungeheuerlich vermehrte Schneierigkeit der Mördersuche hin, die Unmöglichkeit, gesetzliche Maßnahmen zu publizieren und damit reckitskräftig zu machen, er zeigte an dem unterbliebenen Druck des„Textilarbeiter", welche Auswirkungen der allgemeine Sympathiestreik der Buchdrucker aus Hunderttausende von Klassengenossen habe, die ebensalls in Lohnbewegung wären. Bon der USP. sprach Müller. Er unterstützte die Ausführungen der Vorredner und wies auf die Notwendigkeit hin, nicht durch einen verkehrt verstandenen, nur materiell und gewerkschaftlich gesehenen Kampf die allgemeine Arbeiterbewegung empfindlich zu schädigen. Auch Müller betonte, daß über die sachlich« Berechtigung der Buch- drucker, Forderungen zu stellen, keinerlei Meinungsverschiedenheiten bestünden. Kollege Schlesfler geht noch einmal auf alle bisher gemachten Darlegungen»in, widerlegt einige Ausführungen des Vertreters der Berliner Gewerkscholtskommission und empfiehlt der Versammlung ebenfalls, dem Vorschlag des Gauvorstandes zuzustimmen. Durch inzwischen eingegangen« Nachrichten fühlt sich Kollege Massini bewogen, die Vertagung der Bersammlnng zu cmp- fehlen. In seinem Schlußwort tritt er dafür ein, die Arbeiter- und Gewerkschaftsprcste erscheinen zu lasten. Die Buchdrucker haben stch von jeher m der unanaenehmen Lage befunden, bei Eintritt in Lohnbeweauwgen di« übrigen Arbeiter in Mitleidenschaft? ziehen. Dieser besonderen Stellung waren sich die Bu-bdrucker auch stet» bewußt, was dadurch bewiesen ist. daß sie Im Interesse der Gelomtar betters chast bemüht waren, thre Lebenslage möglichst ohne Strelk zu verbestern. Wenn trotzdem hie politische Ar- beiterpartei in den früheren Jahren nicht immer das not- wendige Verständnis für die Beweaunq der Buchdruck-" aufgebracht hat, so muß doch einmal festgestellt werden, daß die Buchdrucker von seber nicht die schlechtesten Vorkämpfer für die politische und gewerkschaftlich» Arbeiterbewegung gestellt Haben. Das sollte der Arbeilerpmste auch Veranlassung geben, in der gegen- wärtigen Bewegung auch den Buchdruckern die zweifellos zu be- anspruchende Unterstützung zuteil werben zu lassen. Redner schließt mit dem Appell an die Gesamtarbeiterschast, den überaus schwierigen verhältnisten der geistigen Arbeiter Verständnis ent- gegenzubringen. Der vorliegende Dertagungsantrog wird mit großer Mehrheit angenommen, ebenso mit überwiegender Mehrheit der An- rrag, die Arbeiterpresse erscheinen zu lasten. Ein Antrag, di? Gewerkschastspresse erscheinen zu lassen, wird abgelehnt unter dem Hinweis, daß diese sich während unserer Bewegung mit der Freigabe der politischen Arbeiterpresse be- gnugen sollte. Ebenso wird der Antrag abgelehnt, den ..Textilarbeiter" erscheinen zu lassen, obwohl sich die Textilarbeiter im ganzen Reiche in einer Lohnbewegung befinden. Alle anderen An- iräge wurden vorläufig zurückgestellt. Tie Notenprcsse stillgeleizt. Durch den Buchdruckerstreik, der sich inzwischen auch aus die Reichsdruckerei ausgedehnt hat, ist, wie die Denn meldet, die Noten- presse einstweilen stillgelegt, so daß sich bereits ein erheblicher Mangel an Popierwertzeichen bemerkbar macht. Die Reichsregie- rung wird, wenn der Streik noch längere Zeit anhält, versuchen, wenigstens die für ihre Zahlungen notwendigen Mengen Papier- geld herzustellen. Verhandlungen darüber mit den streikenden Buch» druckern sind eingeleitet. Die Lage in Sowjetrußlanö. Bon A. Grigorjanz. Kein Land mit«inigcn Ansätzen einer modernen Indu� strie ist mir bekannt, in welchem die Lage des Proletariats eine derart elend« wäre, wie in Dowletrutzland. Nach der „Toraowo-Promyschlennajo Gaseta", dem amtlichen Organ des Obersten Voikswirtschastsrate«, stellt sich das Monats- budget eines Moskauer Arbeiters— aus den Millionen Sow- jetrubel in Porkriegsn'bel übertragen— auf sage und schreibe ganze sechs Rubel! Dabei sind die Lebensmittel- und andere Warenpreise im Derhältnis zur Vorkriegszeit keineswegs ge- funken, sondem vielfach, vor allem für Nahrungsstoffe, recht betre-ytlich gestiegen. Stand der russische Arbeiter mit seinem Dorkriegseinkommen von monatlich durchschnittlich 22 bis 23 Rubel(gleich 47.30— 55 Mark) hinter seinen Arveitskollegen in allen Kulturländern Europas, so ist seine Lebenshaltung unter der Herrschaft der„Arbeiter- und Bauernregierung auf ein Niveau herabgedrückt worden, dos seinesgleichen sucht. das die Lag« des Arbeiters der eines Bettler» gleich macht. Daß ein« derart radikale Beriindernng auf die ganze soziale Lage der Arbeiter, deren geistige Einstellung, deren Moral usw. nicht ohne tiefgehenden Einfluß bleiben konnte, ist ohne weiter«, klar. Allerding» darf nicht vergessen werden, daß die russische Arbeiterklasse zu einem geringen Bruchteil ihr«? früheren Bestandes zusammengeschrumpft ist. Die starke zahlenmäßisic Dezimierung des städtischen Pro- letariatz machte sich chrwnsch bis vor wenigen Monaten sehr stark fühlbar. Äst di« Gesamtleistung der russischen Industrie auf etwa 2 bis 3 Proz. der Friedensproduktion gesunken, so klagten dennoch di« Leiter der Industrie immerfort über den Mangel an Arbeitern. Die Maßnahmen, die zur Behebung dieser Not ergriffen wurden, und die. wie es sich versteht, nicht» nützten, sind noch in Erinnerung: Arbeitsarmeen, Ar- beitermobilifationen, Arbeitspslicht, Militarisierung der Betriebe und dgl. Dinge mehr. Jetzt hat sich das Blatt gewendet. ?llle Welt in Sowsetrußland Ist erfüllt mit einer Sorge: wie unalanblich das auch klingen mag, trotzdem die Leistungs- föbigkeit der russisibrn Industrie"'nicht steigen kann, solange nicht vor allem ausländisches Kapital sich in Rußland betätigt. leidet sie seit einigen Monaten unter einer„Ueberproduttion". Di« Erzeugnisse bei Industrie haben keinen Absah, weil die Kaufkraft erschöpft ist. die Transportkalamität die Beförderung der Waren ins Land hinein unmöglich macht usw. Die Entlassung der Arbeiter und Angestellten ist an der Tagesord- nung. Die Arbeitslosigkeit wachst— den Verhältnissen nach und gemessen an der Gesamtzahl der Beschäftigten— ins Katastrophale. Die Industriekrise In einem Lande mit einer dermaßen eingeschränkten Produktion, wie dies in Sowjetrnßlond der Fall ist, bei einem unerschöpflichen, wirklich unerhörten Be- darf der gesamten Bevölkerung an Maren jeglicher Art,«ine Krise unter diesen Begleitumständen in einem Lande, das sich „proletarische Republik",„sozialistisches Vaterland" und. was dergleichen törichte, den Sozialismus nur kompromittierende Bezeichnungen mehr sind, nennt, ist höchst charakteristisch und für die bolschewistische Wirtschaftsführung bezeichnend. Man muß dieses festhalten. Entlassungen, rücksichtsloses Hinauswerfen der Arbeiter und Angestellten aus den Betrieben finden noch aus einem anderen Gninde statt. Die Parole lautet jetzt in Sowjctruß- land— Wirtschaftlichkeit. Unter Einwirkung dieser Parole eriolgt Schließung und Einschränkung der Betriebe, ohne jede Rücksichtnahme aus irgendwelche Bedürfnisi« der Wirtschaft oder auf Menschen. Zwar hörten die Gesetze der Geidwirt- schaft nie in Sowjetrußland auf, ihre Macht auszuüben, doch brachte der Uebergang zum unverblümten Kapitalismus die Sowjetregierung in die größte Verlegenheit. Die Verschul- dung des Staates an sein« Arbeiter und Angestellten reicht stets Monate zurück. Was mühevoll jeweils ausgezahlt wird, ist— da die Entwertung des Geldes von Woche zu Woche fortschreitet— im Augenblick der Auszahlung nur ein Bruch- teil des realen Wertes, den der betreffende Lohn früher, als er fällig war, repräsentierte. Es sei nur darauf hingewiesen, daß der amtlich registrierte Preis einer Lebensmittelration von 3000 Kalorien in Moskau im Verlaufe von 0 Monaten — von Oktober 1921 bis April 1922— um 09mal gestiegen ist! Der Stand der Geldfrage spiegelt die tief« Zerrüttung des ganzen Wirtschaftslebens ganz besonders deutlich wider. Der Geldumlauf wurde vor einiger Zeit amtlich mit 73 Bil- lionen Eowjetruhcl angegeben. Nehmen wir an, daß nur 9. Millionen So wj« trübe! einem Vorkriegsrubel gleich sind(die Eisenbahntarife z. B. sind durch eine Dekret den vorbolsche- jvtstischen Sätzen gleichgestellt worden, wobei zur Ermittelung der gegenwärtigen Sätze die Multiplizierung mit 2 000 000 vorgeschrieben ist), was nach in Sowjetrußland selbst von be- rufenen Winschastlern angestellten Ermittelungen als für den Sowjetrubel zu günstig angesehen werden muß, so ergibt dieser Umstand, daß für den gesamten W i r t s ch a f t s- verkehr Rußlands eine Geldmenge von rund 37 M i l l i o- n e n Rubel ausreicht! Vor dem Kriege gab es in Rußland eine stattliche Anzahl von Privatbetrieben, deren Aktien- und Betriebskapital größer war als dieser Betrag, der den gesain- ten Wertuinsatz eines Staates mit 130 Millionen Bevölkerung vermittelt. Welches Gebiet der Gesamtwirtschaft wir auch uns an- sehen, überall ist die gleiche ungeheure Verkleine- rung, Einengung der Basis zu konstatieren. Das ist das objektive Kennzeichen der wirtschaftlichen Entwtck- lungstendenzen, die jetzt Sowjctrußland charakterisieren. Es versiebt sich, daß diese— man ist gezwungen, so zu bezeichnen — Rückentwicklung der Wirtschaft mit unsagbaren Leiden der Bevölkerung verbunden ist, daß sie die Bevölkerung dezimiert. Nach Nansen sind in den Hungergebieten allein 15 Millio- neu Menschen rettungslos dem Tode preisgegeben. Diese Be- rechnung war hauptsächlich unter Berücksichtigung der Hun- gersnot in den östlichen und südöstlichen Teilen des Landes aufgestellt. Seitdem hat sich herausgestellt, daß auch die Ukraine von der Hungersnot nicht minder stark betroffen ist. Jetzt ist die Lage auch in der Ukraine direkt verzweifelt. Die Hilfsaktionen haben sich auf die Arbeit nur in den östlichen Gebieten eingerichtet, so daß die Ukraine sogar die bescheidene Hilfe, wie sie anderswo geleistet wird, entbehren muß. Die unbeschreibliche wirtschaftliche Not der städtischen Bevölkerung. die Seuchen, deren Ausbreitung immer größer wird, tun das Uebrige, um ihre Wirkung in der gleichen Richtung auszu- üben. Auf diesem Hintergnmd hat die sogenannte neue Wirtschaftspolitik der Sowjetregierung keine irgendwie nennen?- werten Veränderungen des Gesamtbildes herbeigeführt. Immerhin hat die scyrankenlose Freigabe des kapitalistischen Handels und Verkehrs eine gewisse Regsamkeit der privaten Unternehmer ausgelöst. Aus Mangel an Waren und ange- sichts der Entwertung des Geldes hat der Handel den Charak- ter des Ketten-, Spekulations- und Schiebertummels mehr als die Merkmale dessen, was man gemeinhin unter Handel ver- steht. Die Beteiligung des ausländischen Kapitals in Ruß- land, die so notwendig ist, damit mit dem Wiederaufbau nicht nur in Rußland Ernst gemacht wird, läßt auf sich warten. Was die politische Situation anbelangt, so wirft die Tat- fache, daß und wie die Sowjetregierung die Krankheit Lenins zu verheimlichen und zu vertuschen sucht,, bezeichnendes Licht auf die Lage dieser„Arbeiter- und Bauernregierimg". Die Untertanen dürfen nicht in ihrem Glauben an die Göttlichkeit des Herrn Lenin erschüttert werden durch beunruhigende Nachrichten über seine Krankheit und Sterblichkeit. Nctch wie vor herrscht durch nichts beschränkte politische Unterdrückung, Rechtlosigkeit, Unfreiheit. Die Sowjets, die Räte der Arbeiter-, Bauern-, Rotarmisten- und Kosakendelc» gierten, sind nicht nur eingeschlafen, sondern abgestorben. Nur aus feierlichen Anlässen werden ab und zu in Moskau'und Petersburg Sitzungen abgehalten, in denen bolschewistische Größen ihre Weisheiten zum besten geben. Sonst aber regie- ren in den Hauptstädten und in der Provinz bolschewistische Notabeln, die sich„Präsidien" des Sowjets der betreffendjep Orte nennen, um den Eindruck zu erwecken, daß außer dem „Präsidium" auch die Körperschaft selbst besteht Erst dieser Tage hat das Präsidium des Obersten Volkswirtschaftsrats be- schloffen, innerhalb acht Tagen bei dem Rate der Volkskommissare eine förmliche Verfügung zu erwirken, daß Kongresse der Volkswirtschaftsräte abgeschafft werden. Das sind diejenigen Wirtschaftsräte, die Lenin im Sommer 1918 auf ihrem ersten Kongreß als das wichtigste Instrument der proletarischen Diktatur bezeichnet hat, das berufen ist, sobald wie möglich eine Behörde nach der anderen abzulösen, bis die gesamte Verwaltung des Staates in den Volkswirtschaftsräten aufgehen werde. Die Verfolgung der Sozialisten scheint die erste Aufgabe der Sowjetregierung zu sein. In dem neuen Strafgesetzbuch. das die letzte Session des Allrussischen Zentralexekutivkomitees durchberaten hat, wurde für alle Nichtkommunisten ! die Todesstrafe beibehalten, ja, dieser Punkt wurde in der Dis- kussion non einem der markantesten Würdenträger der Sow- i jetrepubli? dahin erläutert, daß die Gegner der Sowjetrepublik z ohne weiteres„zu vernichten" sind. Eine andere Presse als die amtliche Presse gibt es nicht. Eine öffentliche Kon- : trolle, eine Möglichkeit der Einwirkung und Mitwirkung in Verwaltung und Regierung besteht auch für die Arbeiter nicht, auch für die kommunistischen Arbeiter weniger denn je. An- � gesichts dieses Umstandes fei auf eine Aeußerung des Gehe!- men Regienmgsrats Georg C l e i n o w, des Herausgebers der konservativen'„Grenzboten", der im Auftrage der Herrn Hugo Stinnes gehörenden„Deutschen Allgemeinen Zeitung" � kürzlich in Sowjetrußland sechs Wochen weilte, hingewiesen. Herr Cleinow schreibt im genannten Blatte(Nr. 201 vom , 30. April 1922, Morgenausgabe): „Ich kann aus eigener Kenntnis, die sich auf einen Zeitraum :»on über 25 Jahren erstreckt, nur. versichern: niemals hat die �russische Presse so freimütig und schonungslos di« Zustände ! bei Behörden, BerkeHrsmitteln, in Wirtschaftszweigen und sozialen Gruppen geschildert und niemals sind die höchsten Regierungsorgane ! so willig und sachlich rücksichtslos darauf eingegangen, wie es gegen- wärtig in Moskau geschieht." Wenn man bedenkt, daß die gesamte Presse in Sowjet- rußland amtliche Presse— direkt oder als Presse der Kommu- nistischen Partei— ist, so bewundert man die Kühnheit des Herrn Cleinow aufrichtig.„Kühnheit"— ist dabei eine Be- Zeichnung, die nur aus Höflichkeit gebraucht wird, sonst müßte man sehr unparlamentarisch werden. Die Geistesverwandt- schaft der Herren Kommunisten und der Herrev von rechts treib? die unerwartetsten Blüten. Tietsthast Erste Sitzung des Karlellbeirats. Der Kartellbcirat beim Reichswlrtschaftsministerium. der au« 5 Mitgliedern des Reichetags, 4 Mitgliedern des Reichsratz und 4 Mitgliedern des Vorläufigen Rcichswirtschaftsrats besteht, hat jetzt unter dem Lorsitz des Staatssekretärs Dr. Hirsch zum erstenmal getagt._____ Der amerikanische Einzelhandel profeffiert gegen deutsche Fabrifanten. Der große amerikanische Einzelhandelsverband„ National Retail Dry Goods Association", der über 2000 Mitglieber vereinigt, hat eine Resolution angenommen, wonach sich der Verband mit deut fchen Fabrikantenverbänden in Berbindung sehen wird, um die jetzt von deutscher Seite im amerikanischen Exportgeschäft Danach muß in Zukunft die Generalversammlung der Genoffen eingetretenen Gepflogenheiten( nachträgliche Preiszuschläge, vers schaften mit mehr als 10 000 Mitgliedern aus gewählten Berfpätete Lieferungen) energisch zu befämpfen. Der Verband ist tretern der Genoffen bestehen. Beträgt die Mitgliederzahl einer entschlossen, das Geschäft in dieser Weise nicht fortzufezen. Genossenschaft mehr als 3000, fo fann das Statut das gleiche bestimmen. Bisher mußte bekanntlich jedes Mitglied in der Generalten Vereinen rein räumlich zur Unmöglichkeit und zur Unzuläng ich versammlung sich selbst vertreten, was bei den größeren und größfeit geworden ist. Beiter sind neue Bestimmungen getroffen wor den, die die Verschmelzung von Genossenschaften erheblich ver. einfachen und erleichtern. Damit wird der unerläßlichen Zusammen faffung der Verbraucherfräfte. manche bisherige Schwierigkeit und Umständlichkeit aus dem Wege geräumt und den Mitgliedern einer aus zweckmäßigkeitsgründen aufgelöften Genossenschaft der Ueber tritt leicht gemacht. Der Staatssekretär führte u. a. aus, die Politif des Reichswirt- schuß aller genossenschaftlichen Zentralverbände Deutschlands wurde schaftsministeriums gegenüber den Kartellen fei bisher darauf ge- ein augemeiner, umfassender Entwurf ausgearbeitet, dessen gejes richiet gewesen, durch Besprechungen mit den großen Zentralver- mäßige Erledigung aber noch geraume Zeit in Anspruch nehmen bänden der Industrie und des Handels und durch sonstige Unter- wird. Meil aber einige Abänderungen besonders dringlich waren, suchungen die Bedeutung der Karteile und ihrer Maß hat der Reichstag diese bereits am 20. Juni in einer Meinen nahmen in der jegigen Zeit flarzustellen, vor allem aber auch Miß. Gejegesnovelle beschlossen. bräuchen der Kartell gewalt entgegenzuwirken. Das Ziel war, die nächstbeteiligten Wirtschafter dahin zu bringen, durch Selbstzucht und Stärkung des Berantwortungsbewußtseins an gemefiene Rartellsitten herauszubilden und unbillige, volkswirtschaft lich schädliche Maßnahmen zu beseitigen; ferner jedem, der berech der maßgebenden Stelle vorzubringen. Die Spitzenverbände der tigten Anlaß zu Beschwerden hat, Gelegenheit zu geben, diese bei Industrie, des Großhandels und Einzelhandels sowie der Genossenschaften haben besondere Stellen geschaffen, in denen unter Beteiligung des Ministerium Rartellstreitigkeiten geschlichtet werden sollen, so die„ arteileinigungsstelle" für die Streitig feiten zwischen Industrie, Großhandel und Einzelhandel, die Kartellſchiedskommission" für Streitigkeiten zwischen Industrie und Großhandel, die Rommission Rartelle und Genossenschaften" für diejenigen zwischen diesen beiden Gruppen. Dazu kommt noch die Kartelistelle des Reichsverbandes der Deutschen Industrie für Streitigkeiten innerhalb der Industrie allein. Beschwerden von Außen. feitern, die einer eigenen Organisation entbehren, werden meift durch Verhandlungen im Reichswirtschaftsministerium selbst erledigt. Das Reichswirtschaftsministerium hofft, auf diese Weise Mißständen entgegentreten zu können und hat weitere Maßnahmen erst in us. ficht genommen, wenn dieser Weg nicht zum Ziele führen sollte. Der Rartellbeirat feinerseits wünscht, daß das Reichswirtschaftsministerium auf den beschrittenen Bege weitergehen, insbesondere die Erhebungen über die Bedeutung der Kartelle und ihrer Maß nahmen vertiefen und den Rampf gegen Mißbräuche tatträftig fortsegen möge. Er wird in weiteren Sizungen Gelegenheit erhalten, Borschläge zur Befämpfung von Mißbräuchen im Kartellwefen zu machen. Zum Verlauf der gestrigen Börse ist dem Bericht unseres Abend blattes noch nachzutragen: Der Devisen marit war auch später sehr heftigen Schwankungen ausgelegt. Die Grundtendenz blieb immerhin fest. Amtlich notierten Rabel Nem Dorf 426,5, London 1895, Holland 16 700. Gegen Schluß der Börse stieg der Dollar weiter bis auf 433. Am Effeftenmarkte feite im Hinblick auf größere Auslandsfäufe eine stürmische Hausse ein. Be fonders berorzugt wurden ausländische Renten, 3prozentige Reichs. anleihe und Montanmerte. Die deutschen Industricaftien miesen durchweg Steigerungen von 40-100 Broz, zum Teil aber auch Rursgewinne von 200-300 roz. auf. Die Kohlenförderung des Ruhrbedens im Juni wird auf etwa 7 Millionen Tonnen veranschlagt. Im Mai 1922 ftellte sich die Rohlenförderung auf 8.08 Millionen Tonnen und im Juni 1921 auf 7,75 Millionen Tonnen. Eine Berbefferung des Genossenschaftsgesetzes. Die großartige Entwicklung des Genossenschaftswesens erforderte Wesentlich bessere Ernteausfichten. Die günstige Bitterung, schon seit einiger Zeit die Abänderung gewisser Bestimmungen des welche in den lehten zwei Wochen herrschte, hat die Ernteausbisherigen Genossenschaftsgefeßer und ihre Anpassung an die neuer fichten, die ohnehin im allgemeinen gut waren, wesentlich ge. Berhältnisse. Die leitenden Körperschaften des Zentralverbandes bessert. Der durch Unmetter in einzelnen Landesteilen verurdeutscher Konsumvereine strebten lange danach. Im Freien Aus- fachte Schaden dürfte demnach nicht sonderlich ins Gewicht fallen. Allgemeine Bekanntmachung. Jn Gemäßheit des Gefeßes über Ber Ortstrantentafe der Stadt Berlin fcherungspflicht vom 9 Juni 1922, welches Bekanntmachung. mit dem 7. Juli d. J. in Kraft tritt, find ( ämtliche wegen Ueberschreitung der bisMit Wirkung vom 7. Juli 1922 it herigen Jahresarbeitsverdienstgrenze von durch das Gefeg über Berficherungspflicht 40000 2. aus der Versicherungspflicht aus in der Rrantenversicherung( R.6.31. 1922 gefchiedenen Berfonen mit obigem Tage 6497) die für die Arantennerficherunas wieder versicherungspflichtig, foweit thr pflicht maßgebende Berdienstgrenge für Jahresarbeitsverdienft die Höhe von 72000 Die Arbeitgeber Betriebsbeamte. Wertmeister und andere Mart nicht übersteigt. Angeftelte in ähnlich gehobener Steilung, werden daher aufgefordert, ihre aus ber Hir Sandlungs- und Apothefergebilfex. fir Berficherungspflicht ausgefchiedenen Be fämtliche Bühnen- und Orcheftermitglieder, häftigten und die erst nach diesem Gefeh für Lehrer und Erzieher fowie für die der Berficherungspflicht neuunterftellten Siffsbefagung deutscher Fahrzeuge von Beschäftigten innerhalb der gefeglichen Frist 40 000 t. auf 72 000 9. Jahresarbeits- bis jum 21. Juli d. J. zu melden. Ferner hat in Ausführung des bereits verbien erhöht worden Beschäftigte, bie dadurch wieder verlicherungspkichtig wer- am 23. Juni 1922 in Kraft getretenen Geden, find von ihrem Arbeitgeber bis spänes über Grundlohnerhöhung der Bor ftand der unterzeichneten Raffe den Höchft testens bex 21. Juli 1922 bei der Kaffe an geuxblohn vom Montag, den 3. Juli er. sumelben Für Arbeiter, Gehilfen, Gefellen und eb auf 90 M. feftgefest. Sausangeftelte ist teine Berdienftarenze gezogen. Diese Berfonen unterliegen bes- tufen find: halb auch dann noch der Berficherungs picht, wenn ihr Jahresarbeitsverdienft 72 000 0. über eigt. Bom 1. Juli 1922 ab And auf Grunb des Gefeges über Grundlöhne pv. bei den Braxienfaffen(.6.81. 1922 5. 498) durch Borhandsbeschluß die Grundlöhne auf 90 1. erhöht worben Bon diesem Tage ab gehören alle Berfichertex mit einem Sagesentgelt vox 54,01 bis 60 min Die hierdurch erforderlichen Grundlohn. Stufe 11 vox 60.01 bis 70.0 Tagesentgelt Grundlohn 70 M. Stufe 12 von 70 01 bis 80 30. Tagesentgelt Grundlohn 80 M. Stufe 13 ven 80,01 und mehr Tagesentgelt Grundlohn 90 R. Wir ersuchen daher die Arbeitgeber. erhalb der gleichfalls bis zum 21. Juli er. ritzedten Meldefrift der Kaffe alle dieenigen Beschäftigten zu melden, die einen Stufe X. Darüber hinaus gehören Berunb diesen Entgelt in bar wie in Gach Tagesentgelt von mehr als 60. beziehen Ncherte mit einem täglichen Entgelt Box 60.01. bis 70 90t. ix Stufe XI 70,01 80 mehr als 80 Die Grundlöhne für die neuen Stufex werben bis auf weiteres festgesezt für die Stufe XI auf " " XII XIII " " XII " Demzufolge beträgt das Aranfengeid für die Stufe XI bezügex der Raie genau anzugeben. Buwiderhandlungen werben gleich 8uwiderhandlungen gegen§ 318 RB.D. be XIII ftraft 70. 80 90 tägliche Bom Montag, den 8. Juli er. ab, werden auch in Bersicherungsfällen, die bereits vor dem Juli er. eingetreten find, bie Leistungen nach dem erhöhten Grund lohn gewährt. Die allgemeine Meldepflicht wird hierdurch weder aufgehoben noch ein gefchräntt. 167,7 Zehlendorf, 30. Juni 1922. Aktiva. Die von Amerika beschlagnahmten dentfchen chemischen Patente. in New York die Rückgabe der beschlagnahmten deutschen Batente Bräsident Harding hat den Treuhänder des beschlagnahmten fremden Eigentums, Miller, angewiesen, von der chemischen Stiftung zu verlangen. Diese Patente sind seinerzeit von der Regierung Bilson für 250 000 Dollar an das genannte Unternehmen verfauft worden. Kapitalerhöhung der Leipziger Technischen Meffe. Das Ge. schäftskapital der Technischen Abteilung des Meßamts für die Mustermessen in Leipzig G. m. b. 5. ist von 150 000 m. auf 5 Millionen Marf erhöht worden. Es ist weiterhin die Aus40 Millionem gabe von Obligationen in Höhe von arf, in erster Linie für den Ausbau der Technischen Messe, bes abfichtigt. ( Schluß des redaktionellen Teils.) anflavinBastillen ( gef. geschüst) jut Desinfektion der Mund- und Rachenhöhle besonders bei Grippe, salzentzündung, Berfoletanung Erhältlich in den Apotheken u. Drogerien Disconto- Gesellschaft Berlin Zahlreiche Zweigniederlassungen in Deutschland Kapital und Reserven 1237 950 000 Mark Bankmäßige Geschäfte aller Art Bilanz am 31. Dezember 1921*) Kass, fremde Geldsorten. Coupons und Guthaben bei Noten- und Abrechnungsbanken Wechsel und unverzinsliehe Schatzanweisungen Nostroguthaben bei Banken und Bankfirmen Reports und Lombards gegen börsengängige Wertpapiere Vorschüsse auf Waren und Waren( verschiffungen • Eigene Wertpapiere Konsortial- Beteiligungen. Beteiligung bei der Norddeutschen Bank in Hamburg Beteiligung bei dem A. Schaaffhausen'schen Bankverein A.-G. Dauernde Beteiligungen bei anderen Banken und Bankfirmen Schuldner in laufender Rechnung Wertpapier- Bestände der Pensionskasse und der Stiftungen Einrichtung Bankgebäude. Sonstige Liegenschaften M 2531 513 419 02 Passiva. Eingezahlte Kommandit- Anteile Allgemeine( gesetzliche) Reserve Besondere Reserve Bau- Reserve 8 878 023 265 46 Gubiger Akzepte 3389 600 913 47 139 347 267 07 639 589 215 11 79 418 607 84 183 971 449 10 60 000 000 100 000 000! 74 805 482 7089 516 556 16 4441 981 89 45 486 981 24 8151 424 85 23-173 866 69391 Wohlfahrtseinrichtuegen. Noch nicht abgehobene Gewinnanteile der früheren Jahre 2 Gewinnanteil auf M 400 000 000 Kommandit- Anteile Gewinnbeteiligung des Aufsichtsrats Gewinnbeteiligung der Geschäftsinhaber, Direktoren, Prokuristen und Angestellten Rückstellung für Ruhestandsversorgung der Beamten Uebertrag auf neue Rechnung 400 000 000 ( 1) 159 350 000-2) 120 000 000 80 000 000 22 050 787 529 08 215 135 159 27 1302 026 40 80 000 000 5 189 189 19 Allgemeine Ortstrantentasse für den Bertoaltungsbezirk XI ber Stadt Berlin, Schönebera- Friedeuan. Hauptfielle: Schöneberg. Grunewaldstr. 30. Bekanntmachung. Auf Grund des Gesezes vom 9. Juli 1922 über Grundlöhne hei den Kranien faffen hat der Vorstand beschlossen. die Grundlöhne bis auf 90 M. zu erhöhen und zwar mit Birfung vom 8. Juli 1922 an. Bom genannten Sage on tritt auch eine Erhöhung der Beiträge ein ( 48 der Eagung), und zwar von 7 auf Broz. des Grundlobne. Giernach ge italten fich die Bohnstufen und Beiträge wie folgt: Lohn Raffenmitgl mit Grund. Beur. Stufe eurent Zage&. lohn tägl entgelt von Lehrlinge og e Entgelt M. 3 M. 0.27 7 368 864 43 1 bis M. 6, 6 " M 6,01 bis 22. 19 12 " 77 0,54 1,08 3. 12.01 W 18 " 1 18 4 " 27 1,62 18,01 24 " " " 24 2,16 n 24,01 30 30 " 2 2,70 W B " 30,01 35 36 " " 11 824 36,01 42 42 " " 3,78 22 42,01 48 M BY " 4,32 27 109 646 03 " 48,01 54 54 " " 99 4,66 10 " 54,01 60 60 5,40 11 60,01 70 20 450 000 7224 179 51 70 6,30 1 12 70,01 80 80 7.20 3 13 90 8,10 " 23 173 866 593,91 *) Die Bilanz enthält nicht dan Vermögensstand unserer Londoner und Metzer Niederlassungen. 1) seitdem erhöht auf M 610 000 000. 2) seitdem erhöht auf M 507 960 000. Soll. Verwaltungskosten • Gewinn- und Verlust- Rechnung 1921**) Haben. M 4 . 35 902. 391 220 520 18 " XII. XIII. 40 45 Steuern 59 251 726 50 Vortrag aus 1920 Coupons. ber Allgemeinen Ortstrantentaffe für Zehlendorf und Umgegend. Zu verteilender Reingewinn 228 523 014 73 Die übrigen Barleiftungen. Bochenund Stillgeld, Haus- und Taschengeld fowie das Sterbegeld für Versicherte Der Vorstand G. Bigalke. Familienangehörige erhöhex fidy ext- Allgemeine Ortskrankenkasse Heukölln. fich sprechend den neuen Grundlöhnen. Un Rahenbeiträgen find zu entrichten Stufe Xi fiir jeden Arbeitstag 4,90 M. XII 5,60 Xill " 6,30 " 1 Die Arbeitgeber And verpflichtet, für añe Berficherten, die nach der neuen Grundlohneinteilung in die Stufen XI bis XIII gehören, der Raffe den zurzeit gezahlten Entgelt mitzuteilen. Bom 23 Junt 1922 ab gewährt die Raffe entsprechend dex Borschriften des Geleges über Wochenhilfe( 6.81. 1922 6. 499) den anspruchsberechtigten Wöchne tinken als Wochenhilfe($ 29 der Sagung) 1. ärztliche Behandlung, falls folche Bei der Entbindung und bei Schwanger schaftsbeschwerden erforderlich wird, 2. einen einmaligen Beitrag zu ben fonftigen Roften der Entbindung und bei Schwangerschaftsbeschwerden in Söhe von 250 Mt. Findet eine Entbindung nicht tatt, fo find als Beitrag zu den Rosten bei Schwangerschaftsbeschwerden 50 m. zu zahlen, 3. eix Bochengeld in Höhe des Rranfengeldes, jeboch mindestens, sechs Mart täglich fir zehn Wochen, von denen min deftens sechs in bie Zeit nach der Nieberfunft fallen müffen Das Wochengeld für die erften vier Wochen ift pätestens init dem Tage der Entbindung fällig. 23ir bringen den Arbeitgebern und Mit gliedern zur Renntnis: Mit Wirkung vom 3. Juli 1922 ab treten folgende Kenderungen in Kraft: 3 Stufe A gehören alle ohne Entgelt beschäftigten Lehrlinge " I gehör. Raffenmitgl. mit einem täglichen Entgelt bis zu 6 M 678 995 26141 Effekten Provision Wechsel und Zinsen Beteiligung bei der Norddeutschen Bank in Hamburg Beteiligung bei dem A. Schaaffhausen'schen Bankverein, A.-G. Dauernde Beteiligungen bei anderen Banken und Bankfirmen Uebertrag der Talonsteuer- Rückstellung 6516 506,91 26 732 204 04 68 800 067 10 204 358 513 62 887 567 990 78 12 000 00015 000 000 5 189 938 96 3030 040 678 995 261 41 **) Die Gewinn- und Verlust- Rechnung enthält nicht das Erträgnis unserer Londoner und Metzer Niederlassungen. IV gehör. Raffenmitgl. mit einem Allgemeine Ortskrankentafe " Il gehör. Raffenmitgl. mit einem tagl. Entgelt bon 6,01-12 202. 18 Ill gebor. Raffenmitgl. mit einem tagl, Entgelt von 12,01-18 . fagl. Entgelt von 18,01-24 2 " V gebor. Raffenmitgl. mit einem für Berlin- Lichterfelde. tag! Entgelt von 24,01-30 . " VI gebor. Raffenmitgl. mit einem Bekanntmachung. " tagl. Entgelt. von 30,01-36 0. 2 80,01 und mehr 48 Arantengeld wird die Sälfte des Grundlohns gezahlt; das Sterbegeld be. trágt das 2) fache, nach 6 monatiger Bac lezeu das 40 fache des Grundlohns. Das Gesetz über Eersicherung- pflicht in Der Kranfenberficherung erhöht ab 7. Juli 1922 die Grenze der Bersicherungspflicht für Berfonen, welche der Angeftelienver ficherung unterliegen, auf 72000 2. Arbeits verdienft jährlich. Arbeiter, Geht fen, Ge fellen, Lehrlinge, Dienftboten bleiben wie früher ohne Beschränkung der Berd enst grenge versicherungspflichtig. Die Arbeitgeber werden hiermit auf gefordert, die infolge der Erhöhung Der Verdienfigrenze auf 72000. versicherungspflichtigen Personen, zu deuen and wittglieder von Erfas fallen gehören, mittels der übligen Formulare bei unserer Raffe anzu melden. Für den Ortsteil Friedenau find die Meldungen bei der Geschäftsstelle Friedenau, Rheinstr. 9, zit vollziehen. Bei Unterlaffung der Meldungen tann Be ftrafung eintreten. Fur Bersicherte, welche bisher der Bohnfrufe 10 angeaört haben und deren Arbeits berdienst über 80,- M. der Krankenkaffe auf Grund von Meldungen, Tarifbestim mungen uit. bereits befannt ist, wird deren Zuteilung zur Lohnftule 13 von der Pranfenfaffe borgenommen. Für diese Berfonen find feitens der Arbeigeber be fondere Ummeldungen nicht vorzunchinen für modernen Zahnersatz Someit bie Zugehörigleit der Versicherten Lobnitujen 11 und 12 in Bekanntmachung Zahn- Atelier Knapp vorm. Feuker niet, bobet pie lasbeitgeber die zur Be ommt. haben Die Diensträume bes Finanzamtes Humboldthafen( XIII) find nach Sprechstunden 9-1. 8-6, Sonnt. 10-12 rechnung der Beiträge erforderlichen Lohn Berlin NW., Am Weibendamm la, ver- Kottbuser Damm 70/71. Tel: Mpl. 7827 angaben mittels der üblichen Formuare Durch Reichsgefe bom 9. Juni 1922 ist legt. Bom bisherigen Bezirk des Finanz VII gehör Raffenmitgl mit einem die Berficherungspricht der Angestellten by amies Humboldthafen( XIII) find abge tagl Entgelt bon 36,01-42 in der Krankenversicherung bis 72000 wir zweigt und augeteilt: VIII gehör. Raffenmitgl. mit einem Jabreseinfommen erweitert unb tritt am tagl. Entgelt bon 42,01-48 1. Juli 1922 in Kraft. IX gehör. Raffenmitgl mit eintein tagi. Entgelt von 48,01-54 Es find somit diejenigen Angestellten bb.. beren Bersicherungspflicht zufolge lleber X gehör. Raffenmitgl. mit einem fteigung von 40 000 Mt. Jabreseinfommen die Stadtbezizle 262-266 bem Finanzamt umboldthain( XII) Berlin N. 24, Friedrichftr. 107, die Stadtbezitte 216-273 dem Finanzamt Wedding( XV), Berlin C. 2. Jüdenstraße 58/60. tagl. Entgelt von 54,01-60. nicht mehr vorlag, bon 1 Juli 1922 ab An den Montagen find alle Finanzämier XI aehör. Railexmitat. mit einem wieder versicherungspflichtig bis zum Groß Berlins einfchließlich der Finanz tagi. Enigeit von 601-70 neue Mitglieder auf den vorgeschriebenen Jabreseinfommen von 72000 r. und als faffen für das Publikum gefchloffen. Berlin, den 24. Juni 1921 XII aebor, Rajienmital mit einem Anmeldelarten anzumelden. Alt- Moabit 143/144. tägi Entgelt von 70,01-80 R Diese Erweiterung machte eine Ber Landesfinanzamt Grok- Berlin mehrung der Bohnstufen und Grundlöhne Abteilung für Benz- und Berkehrssteuern. XIII gehör. Raffenmitgl. mit einem notwendig und find zu den bestehenden tagl.Entgeltb.80,01 M.u.darüber 10 Cohnftufen à 6.- R. die Stufen 11, 12 und 13 mit 70,-, 80,- und 90,- mt. 4. folange sie ihre Neugeborenen Die wöchentlichen Beiträge stellen sich täglicher Arbeitsverdienst hinzugefügt. Ab ftillen, ein Stillgeld in Söhe des halben a) bei 6 tag Beschäft. b) bei 7 sag. Beſchäft. 1. Juli 1922 betragen die Beiträge 10% Rranfengelbes, jedoch mindestens acht in Stufe A auf 1,08 in Stufe A auf 1,26 t bes Grundlohnes. Mart täglich, bis zum Ablauf der zwölften Woche nach der Rieberlunit; als Familienwogenbille(§ 33 der Eagung) 1. ärztliche Behandlung, falls folche hei der Entbindung und bei Schwanger schaftsbeschwerden erforderlich wird, 2. einen einmaligen Beitrag zu den fenftigen Roften der Entbindung und bei Echwangerschaftsbeschwerden in Höhe von 250; ndet eine Entbindung nicht ftatt, je find als Beitrag zu den Roften bei Schwangerschaftsbeschwerbex 50 M. zu zahlen. 3. eix Bodengeld in Höhe von 4,50 m. täglich für zehn Wochen, von denen minbeftens sechs in die geit nach der Niedertunft faflex miiffen. Das Wochengeld für bie erften dier Wochen ist spätestens mit dem Tage der Entbindung fällig. 4. folange fie ihre Neugeborenen ftilen, ein Stiffaeld von acht Dtart täglich bis zum Ablauf der zwölften Woche nach der Niederkunft. Berlin, den 1. Juli 1922. Der Vorstand R. Rürnberg, Borfiyenber 167/4 B. Doriz, Söriftführer " 1 2,52 2,94 " 7 5,04 N 5.83 7,36 8,82 W 10,08 $ 11,76 12,60 14,70 15,12 17,64 " 17,64 20,58 20.16 23,62 22,88 26,46 W 25,20 10 29,40 29.40 11 84,30 83,60 12 87,80 89.20 18 44.10 Neukölln, den 1. Juli 1922. Tegmer, Der Raffenvorstand Стоби, Schriftführer. Borfigender. Herrenstoffe in bewährten äußerst tragfähigen Friedensqualitäten Stats Rost and Gelegenheiisposten an Lager Lieferant diverser Beamienvereine Große FrankTuchlager Preuß farter Str. 75 farter Str. 75 Nahe Alexanderplatz Möbel sehr preiswert gegen bar Sweds Einreibung in die neuen i gliebsstufen werden die Arbeitgeber er ucht, den Arbeitsberdienst der jest in der Raffe gemeldeten gewerblichen Berfonen, fofern der Lagesverbienft 60.- Mart über und auf bequeme iteigt. auf ummelbungsformularen genau Teilzahlung anzugeben und baldigst zurückzugeben. Bei dieser Gelegenheit ersuchen wir fer ner, die Mitgliedsstufen der übrigen gemeldeten Bersonen mit den jent belebenden Lohnfufen eingebend zu brüfen und etwa unterlaffene Ummeldungen fofort nachzu holen. Bir haben leider feitstellen inujjen, daß einzelne Arbeitgeber die vorgefchriebenen Ummeldungen nicht immer puntill erstatten und werden in Zukunft für jede Unterlaffung Strafantrag stellen. Berlin- Lichterfelbe, den 30. Juni 1922. Der Vorstand Gustav Lillad, Borkigender. 167/3 Spezial Arzt Dr. Scotti für Haut- und Geschlechtskrankheiten, veraltete Harnleiden. Syphilis- Kuren. Blutuntersuchung Aeltest.Loser- institut. 9-1.4-8 Dir.: Löser senior sont 10-12 Sonnt. Rosenthaler Str.69/ 70, aste PL.Damenz.separ Bürgerliche WohnungsEinrichtungen Kompl. Wohn-, Schlaf-, Speise- u. Herrenzimmer Einzelmöbel, farbige Küchen, Polsterwaren Gebr. 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Der Borstand. bermann 013 stev. Borsigender, Frit Seng Schriftführer. Ohne Kostenvorschus! Verwertung von Erfindungen Neuheiten im In- und Ausland. Hans Honegger GW. 48, Friedrichstraffe 21 WARMPRESS VERFAHREN. Große Firma in Desterreich sucht erfah 33/16 tenen Werfmeister für die Erzeugung von Warmbreß- und echmiedeartiteln aus Eifen, Stahl und Metall auf modernen Friftionsspindel breffen. Bertmeister mit Erfahrung in folejen Massenartikeln, welche den Berb zeugbau und die Härtetechnif bolltommen beherrichen, wollen ihre genauen Angebote mit Beschreibung ihrer bisherigen Tätig. feit, der persönlichen Berhäuniffe und ihrer Ansprüche unter Westmeister 58284 an Aunoncen Expedition Rudolf Meife, Bicx L Geilenkite Sexben Nr. 314 ♦ 34. Jahrgang 2. Seilage öes Vorwärts vonnecstag, H. �ulk 1422 Die Umstellung in neue Lebensart. J)!e freiere Lebensauffassung, die durch das Abdanken des alten Obrigkeiisstaates auf allen Gebieten sich zeigt, wird niemandem lästig sein, sofern sie sich in den Grenzen der Echicklichkeit hält. Das Liebespaar, das sich öffentlich knutscht, ist schon von jeher Gegen- stand des Gespöttes gewesen; gerade die Liebe soll vor neugierigen Augen geschützt sein. Aber dos junge Mädchen, das absichtslos (allerdings nur dann) mit übereinander geschlagenen Leinen sitzt, wirkt heute minder zum Spott anreizend. Man erinnert sich der «kämpfe, die namentlich von der Kanzel aus gegen die„Ober.icht". Bluse geführt wurden, alz ob der Anblick eines bloßen Halses und des Lrustonsatzes Teufelswerk genug fei, um die Männer zu Fall zu bringen— während doch gleichzeitig die Damen im Lallsaal wehr als zur Hälft« des Oberkörpers nackt waren. Der freie Hals ist jedenfalls ein Kulturgeschenk allerersten Grades gewesen: Die Abhärtung der Ltmungsorgane ist nur zu begrüßen. Widmann, der verstorbene Schweizer Schriftsteller, der in seinem Land« gut Bescheid wußte, hat in einer Reisebeschreibung den Eindruck ge» schildert, den das Entblchttragen des Halses der Läuerinnen auf ihn, den von der Stadt her an di« hohen Stehkragen der Damen gewöhnten Kulturmenschen, ausgeübt hat.«Ich habe Hälse ge- sehen, Hälse.. rief er begeistert aus. Heut« huldigen die älte- sten Matronen der Mode die hoffentlich kein neues Modedekret aus der Welt schaffen wird. x, « Moüe und Slite. xonn man sich vorstellen, daß es eine Zeit gegeben hat, in de? di« eleganten Domen das Trottoir mit der Schlepp« fegten und ihre Samtkleider und Seidenrcben mit einer Schmutz, und Staub- kruste bedeckt, in die Salons trugen? Selbst her schleopenlose lange Rock dient« zuweilen als Wisch» und Staublappen, so oeim Verlassen der Straßenbahn, ein besonderes Vergnügen namentlich bei Regen- metter. Also sollte auch der kurze Rock seine dauernd« Existenz haben, namentlich in der Zeit der Stosfknappheit und»teuerung. Aber noch andere Sitten sind in der neuen Zeit revolutioniert wdr. den. Die rauchende Zrau ist in den Abteilen der Großstadtbahnen ••"d Fernzüge kein« Seltenheit mehr, selbst dann, wenn sie allein fahrt. Niemand wird daran Anstoß nehmen. Oft genug stehst du im Zigarrenloden neben einem Fräulein, das mit Kennerblick den Zigarettenvorrat mustert und seine Wahl trifft. Natürlich kann auch das Rauchen übertrieben werden, und«ine„Kettenraucherin" ist ebenso wenig sympathisch wie der„Kottenraucher". Das Bein- klcid in der Damengewandung hat sich dagegen nicht eingebürgert; man sieht wohl ab und zu behoste Rodlerinnen, di« dann Herrenrad oder Tandem fahren, oder Reiterinnen im Herrensitz, und der einzige Unterschied ist nur, daß sie früher bestaunt, heut« nicht weiter beachtet werden. Dabei wäre die Hose für viele Arbeiten der Frau, zu denen sie sich jetzt gemüßigt oder gezwungen fühlt, ungemein praktisch, so L. bei der Landarbeit, der Gärtnerei usw„ desgleichen im Sporlbctrieb, und das Leifpiel der Lahnbeamtinnen während der Kriegszeit har bewiesen, daß es doch geht und nicht schlecht aussieht., vas Seieknanöer öer Sefchlechter. Einen großen Einfluß auf die natürlichere Gestaltung des Der» kehrs der Geschlechter hat einerseits die gemeiisam« Arbeit in den Bureau» und Werkstätten, andererseits der Spart und dos Freibad gehabt. Wo in einem Zimmer alt« und junge Herren mit jungen Manien zur gemeinsamen Arbeit vereinigt sind, herrscht ganz von selbst ein milderer und höflickierer Ton, als wenn das stark« Ge- schlecht allein ist. Das Bewußtsein, so entlohnt zu werden, daß das (Zich-Hängen an einen Mann mit finanziellen Rücksichten nichts zu tun hat, gibt dem Mädchen eine handhabe der Kritik, di« ihr« Wir- kung auf ausgeblasen«, eitle und herausfordernd auftretende Jüng- linge nicht verfehlt. So manche Maid ist die„Seele de» Geschäfts" geworden, auch wenn sie nur als Buchhalterin oder Korrespondentin in der Beamten, oder Angestellten-Rangltst« steht;— ihre kluge Beurteilung der Verhältnisse wird gern angehört. Nicht jede der rtelen Tippfräulein trögt einen solchen Marschollsstab in ihrer Fstühstückotasche— es sind dies natürlich Ausnahmen, aber sie fin. den sich öfter als man denkt und tragen sicher dazu bei, die Stellung i«r arbeitenden Frau zu festigen urni zu erhöhen. Im Sport führt die Teilnahme des weiblichen Geschleöhles an den Konkurrenzen«ine Kameradschaft herbei, di« auf den weiblichen Charakter nur wohl- tuenden Einfluß haben kann. Zm Freibad hat dos Leieinandersein der Geschlechter wohl di« größten Erfolge gezeitigt. Hier fällt jeg- lich« Prüderei fort, genau so wie die Verschönerungsmittelchen un» barmherzig zu Loden geworfen werden, so daß Vorzüge und Schwächen des Körpers sich dem Auge darbieten. Der richtige In- stinkt der Besucher hat rohen Elementen, die das Freibad mit einem Rummelplatz verwechselten, sehr schnell das Handwerk gelegt. Die veränöerte Stellung öer Lrau. Daß mit der Erwerbstätigkeit der Frauen und Mädchen di« Familienbande sich gelockert baben, daß namentlich die Stellung der Tochter zu den Eltern sich geändert hat, mag beklagt werden. obgleich auch hier wohl beobachtete Einzelfälle leicht verallgemeinert werden. Sicher ist. daß das jetzige junge Mädchen gereifter durch das Leben geht als das frühere Hsustöchterchen, und wenn ihr Dasein etwas mehr„zaus geue" sich abspielt, sie im Beurteilen von Politik, Theater, Kunst usw. sich völlig von den Ansichten der Alten emanzipiert, so hat dies an sich noch nichts zu besagen. Auf diesem Gebiet« ober taktvoll« Zärtlichkeit gegen die Eltern mit selbst- bewußtem Eigenleben zu verbinden, sei die Aufgab« aller höher- stehenden jungen Mädchen. �• 5n früheren Zeiten galt die jung« Amerikanerin als das Xern plus ultra weiblicher Selbständigkeit; sie empfing junge Männer, di« ihren Eltern absolut nicht bekannt waren, ging mit ihnen oder ihren Freundinnen aus, wie sie wollte usw. Heute ist dieses ei lst so gefeiert« Ideal längst Allgemeingut geworden und di« wirkliche „Madernciselle sans gene* an die Spitz« der anderen Frauentypen getreten. Daß sie, von wenigen Ausnahmen abgesehen, die Ehe der dauernden Ehelosigkeit und dem Hinübergleiten in den Starb der alten Jungfer vorzieht, ist der beste Beweis dafür, daß die Stimm« der Natur all« Theorien mit Leichtigkeit aus dem Felde schlägt. Und so möge«s auch in Zukunft bleiben! Die Verpachtung öer stäötisthen Güter. Die Magistratsvorlage. In den letzten Iahren hat di« Verwaltung der städtischen Riesel- guter ständig beträchtliche Zuschüsse erfordert. Der Grund hierfür liegt darin, daß einzelne der städtischen Rieselgüter mit b e deutender Unterbilanz abgeschlossen und dadurch nicht nur die Ueberschüsse der anderen Güter aufbrauchten, sondern sogar noch Zuwendungen der Gesamtverwaltung notwendig machten. Zu den Gütern, welche höchst unwirtschaftlich arbeiten, gehören Osdorf mit den Nbengütern Heinersdorf. Friederitenhof und Birkholz; Sputendorf mit den Nebengütern M a r g- graffshof, Dchentendorf und Gütergotz; Mühlen� deck mit dem Nebengut Schönwalde; Birkholz. Einschließ lich der Betröge für Verzinsung und TUgung der auf diese Güter entfallenden Anleihen und Darlehen stellen sich im letzten Wirtschafts- jähr die Fehlbeträge für a) Osdorf auf 1 180 620 M., b) Sputendorf auf 471 231 M., e) Mühlenbeck auf 1S9 819 M„ sofort alle Schritte bei den zuständigen Stellen zu unternehmen." Weitere FatzrpreiSermästigung für Kriegsbeschädigte.- Die Fahrpreisermäßigung für Kriegsbeschädigte, die auf den Fernbahnstrecken gegen di« Vorweisung eines besonderen Ausweises Fahrkarten 3. und 4. Klaffe zum halben Fährvretse erhalten können, hat nach einer Bekanntmachung der EiMoähnoirektion Brelin, eine Erweiterung erfahren. Bisher waren von den Zeitkarten nur die Monats- und Wochenkarten unter die Ermäßigung gefallen, olle übrigen Fahrkarten mit Ausnahme der Einzelkarten mußten zum vollen Fahrpreis entnommen werden. Nunmehr hat die Eisenbahn- Verwaltung auch zugelassen, daß die Schülermonatskarten, Schüler- rückfahrkarten, Schülerferienkarten und die Sonntagsrückfahrkarten 4. Klaffe in Verbindung mit dem Kriegsbeschädigtenausweise zur ? fahrt in der 3. Klasse berechtigen. Für den Berliner Ber- ehr kommen die erstgenannten Arten der Fahrtausweise weniger in Betracht. Wichtig ist jedoch die Benutzung von Sonntagskanen 4 Klasse für Kriegsbeschädigte, die nunmehr mit diesen Karten in die weniger stark besetzte 3. Klaffe übergehen können, ohne nach- zahlen zu müssen, die gleichzeitig neben der weniger starkon De- Nutzung auch etn erheblich größeres Platzangebot bringt. 4*] Der Ruf durchs Fenster. Roman von Paul Frank. ,.Di« Rigaer Polizei..." „Das ist ein besonderes Kapitel!" „Sie tun ihr vielleicht unrecht.. „Das ist doch lächerlich... Vis zum heutigen Tag ist noch nicht die leiseste Spur gefunden... Nicht einmal einen falschen verdacht besitzt man, viel weniger einen begründeten!" „Dabei geben die Leute sich Mühe..." „Mag sein.. dann ist der Spüreifer noch nicht stark genug..." .Lch will heute abend dem Präsekten nochmals energisch Vorstellungen machen..." „Wo sehen Sie ihn denn?" „Ich bin in sein Haus geladen!" „Donnerwetter! Jetzt ist mir übrigens verschiedenes klar Wenn Sie sich vom Polizeichef traktieren lassen, kann Reug freilich nicht gefunden und fein Mörder nicht gefaßt werden!" „Scherz beiseite. Glauben Sie denn überhaupt an einen Mord. Doktor?" „Das ist doch ausschließlich Kombination oder Gefühls- fache, was man annehmen will, da einem sozusagen jeder An» haltspuntt fehlt. Ich hoff« natürlich in meinem Herzen m- ständigst, daß die Frage eine annehmbare, befriedigende Lösung finden möge. Allerdings schwinden meine Hoffnun- gen von Tag zu Tag." „Die meinen nicht." „Sie sind in der glücklichen Lage, daß Sie sich Ihren guten Glauben ohne Begründung zu erhalten vermögen" „Es gibt eben gewisse Darstellungen, von denen ich nicht abzubringen bin. So besteht für mich, ebenfalls ohne jede denkbar« Motivation, noch immer«in Zusammenhang zwischen jener Krankheit, die Sie bei Reuß konstatiert haben, und dem gegenwärtigen rätselhaften Ereignis." „Welcher Zusammenhang?" „Ich weiß es nicht; einer, den ich nicht zu erklären, den ich bloß zu fühlen vermag." „Die Phantasie des Dichters, dl« dl« Flügel regt und«in Märchen ersinnen möchte." „Ist bas wirklich Ihre Meinung, und halten Sie die Möq- lichkc-t e'nu- ainil�.tozhör'igksit der beiden Kow'ffere für 0U5Z<):c' „Diese Frage tft natürlich sehr schwer, beinah« nicht zu beantworten. Es handelt sich doch vor allem darum, ob Albert Reuß überhaupt einem Anschlag zum Opfer gefallen ist oder nicht. Welches fein« Disposition zur Zeit des ange« nommenen Ueberfalls gewesen ist, läßt sich ja derzeit ebenso- wenig feststellen wie dieser selbst. Ich gebe zu, daß der frank» fiofte Zustand, in dem unser Freund in der kritischen Stunde ich möglicherweise befunden haben mag, dem Verbrecher die Arbeit erleichtert haben kann, da der Ueberrascht« keinen Widerstand geleistet hat, sondern vollständig wehrlos geblieben ist. Auf jeden Fall wird die allzu kühne Kombination, die Sie sich am Ende ebenfalls leisten wollen, von der Hand zu weisen sein, daß di« Krankheit des Künstlers vom Attentäter ins Kalkül gezogen worden ist." „Es fällt mir natürlich nicht«in, derartiges annehmen zu wollen." „Der Fall läge anders, wenn es sich beispielsweise um eine Person unantastbaren Charakters handelt«, di« an De- wußtfeinsstörungen leidet und die eine minder kühne Phan- tasi« der aktiven Teilnahme an einem Derbrechen beschuldigt." „Inwiefern läge der Fall anders?" „Das charakteristischeste Merkmal der anfallsweis« auf» tretenden Bewusitseinsstörungeit ist die..achfolgende vollkom» mene Amnestie für die Erlebnisse während des Anfalls: einer, der lammfromm und gütig ist, kann während des Dämmer- zustand« in einen Wüterich sich verwandeln und seinem besten Freund ein Messer zwischen die Rippen stechen, ohne nachher, wenn er erwacht und wieder gütig und lammfromm geworden ist, auch nur einen Schatten der Erinnerung dessen zu be- sitzen, was er angerichtet hat." „Sehr interessant." „Nun werden Sie aber doch selbst einsehen, daß dieser Fall mit dem unsrigen nicht das geringst« zu tun hat, da wst doch befürchten, daß der arme Reuß selber da» Opfer eines Verbrechers geworden ist. dessen Geisteszustand uns doch voll- kommen gleichgültig fein kann." „Wir müssen noch einmal ausführlicher über dieses Tehma sprechen, lieber Doktor; gegenwärtig muß ich die interessante Unterhaltung leider unterbrechen, da ich sonst zu spät zu Herrn und Frau Tudolin kommen würde. Ich habe bis da hinaus noch eine tüchtige Streck« Weges zurückzulegen und möchte gern pünktlich fein, um nicht unhöflich zu erscheinen. Im stbrin�n will ich Gel"nh b-rn oirä'eft-n cnr'i'*'; f.: j:n, iiii«Ucc.: R. L cstUich cstves i geschehen muß. und wenn man«in Wunder erzwingen müßte! Auf morgen denn, lieber Doktor!" „Sie werden mich gewiß nicht vom Gegenteil überzeu- gen," sagte Klaus Garbislander.„Ich katin nun einmal in Stanislaus Dmochowski keinen Verbrecher sehen, verehrter Herr Präfekt— vor allem darum nicht, weil jede erdenkliche logische Verbindung zwischen der noch nicht erwiesenen Tat und der von Ihnen gegebenen Voraussetzung fehlt..." „Du solltest Herrn Garbislander während des Essens nicht so sehr in Anspruch nehmen," wendete Frau Tudolin sich vorwurfsvoll an ihren Gatten.„Sehen Sie mehr auf Ihren Teller und weniger in die Augen meines Mannes," ermahnte sie den Gast.„Sie haben das Kompott noch gar nicht ver- sucht. Es ist auf russische Art zubereitet. Sie werden von dem vorzüglichen Geschmack überrascht sein!" „Ich bin überzeugt, gnädige Frau," beeilte sich der junge Schriftsteller zu bemerken. Er aß einen Lössel voll kandierter Früchte, verneigte sich leicht und sagte, die Lippen langsam lösend:„Wundervoll, in der Tat..." „Dazu einen Schluck Wein," ermunterte ihn Tudolin. „Das ist dann erst das Richtige." „Um wieder zu unserem Fall zurückzukehren," beharrte eigensinnig der Präfekt.„Sie nehmen mir es wohl nicht übel, wenn ich Ihnen sage, daß Sie zum Kriminalisten nicht das geringste Talent besitzen..." „Sie werden mir hoffentlich ebensowenig gram darüber sein, wenn ich behaupte, daß di« zünstige. kriminalistische Schablone, di« leider in neun von zehn Fällen in Anwen- dung gebracht wird, ganz fehl am Ort ist..." v „Wollen Sie mir nicht definieren, was Sie unter dieser kriminalistischen Schablone verstehen, Herr Garbislander?" „Gern; nichts anderes, als die Annahm« a. priori, daß seder Mensch ein Verbrecher sei.. „Ich versteh« Sie ganz gut... Sie meinen natürlich den Menschen, der mir beruflich begegnet, der der Polizei als verdächtig eingeliefert wird... Entschuldigen Sie, lieber Freund, erschiene es Ihnen denn natürlicher, daß ich jemand, der unter Diebstahlsverdacht eingebracht wird, für einen Erz- engel halte?" „Das eine so wenig wie das andere— oder beides zugleich. Ich will dnmit nichts ovberes sosen. als daß« dem Kriminalisten au der so nvin«udi£tii Och'iffivUät gebricht." (voriietz niL iolc-i.) Der neue Brotpreis. 17,50 Mark für ein Markenbrof. Der Magistrat hat beschlossen, für die Zeit vom 10. Juli 1922 ab den Preis des auf Marten ausgegebenen Großbrotes auf 17,50 Mark und der Schrippe auf 60 Pf. festzusetzen. Die Erhöhung ist im wesentlichen durch eine Steigerung der Löhne und sonstigen Bersonal. fosten der Bäckereien sowie durch die erhebliche Berteuerung de: Rohle bedingt. Das Attentat in der Philharmonie. Politische Propagandareben im Gerichtssaal. Nach Eröffnung der Sitzung durch Landgerichtsdirektor Marschner wurde in der Bernehmung der Angeklagten von Schabelsti Borf und Laboriti fortgefahren, die sich in der Hauptsache jetzt nur noch auf die Borhaltung der früheren zu Protofoll des Untersuchungsrichters gemachten Angaben erstreckt, die von dem Dolmetscher erst übertragen werden müffen. Einen breiten Raum in der Vernehmung der Angeklagten nahm die Erörte rung der politischen Motive der Tat ein. Rechtsanwalt Haas Karlsruhe richtete durch den Dolmetscher eine Reihe von Fragen, die der Angeklagte von Schobelifi Bork in leiden schaftlich erregten Borten, die er zum Teil in Gestalt einer politi chen Propagandarede an den von Russen dicht befehten Zuhörerraum richtet, beantwortet. In der Beweisaufnahme wurden u. a. die Gerichtsärzte Prof. Dr. Strauch und Gerichtsmedizinalrat Dr. Sommerich über die mutmaßliche Schußrich tung auf Grund des objektiven Befundes an der Leiche des erschosse nen Senators Na bofoff vernommen, ferner Gerichtsarzt Dr. Ludroig Hirsch, der sich im Untersuchungsgefängnis mit den geistigen Qualitäten der Angeflagten beschäftigt hatte. Der Sachverständige bekundete, daß er irgendwelche geistigen Defekte bei den Angeflagten nicht habe feststellen fönnen, abgesehen von der üblichen bei Kriegsteilnehmern in Erscheinung tretenden Nervosität. Die Beweisaufnahme ergab bis jetzt nichts mitteilenswertes. Das„ Nachtleben" lockte ihn. Lieder für das Boff. Der Sängerchor Wedding( M. d.) 2. Rennen. 1. Barbar( Thalede). 2. Offenfive( Mannchen), DAS.) veranstaltet am Sonnabend, den 8. Juli, abends 8 Uhr, auf 3. Batella( Edler). Tot.: 31:10, PL 16, 27, 19:10. Ferner liefen dem Leopoldplay ein öffentliches Konzert. Zum Vortrag ge- Sarastro, Eichelkönig, Furchllos, Salgir, Elga, Afazie, Balaleila, Beberige, Prefto, Royal Blue. langen Volkslieder und andere Chöre. 3. Renne it. 1. Mortimer( 5. Schmidt), 2. Maifrizdorf( Sanfe), Typographia. Achtung, Sänger! Heute 11-1 Uhr Uebungs- 3. Salma( Sofina). Tot.: 32: 10, Pi.: 19, 34:10. Ferner liefen: Atastunde in der Aula des Leibniz- Gymnasiums, Mariannenplay.lanta, Bilbelma, Gigerl. 4. Rennen. 1. Chganla( Bloc), 2. Memento( Buchbolz), 3. Snob Sonnabend, 8. Juli, abends 7% Uhr, Brauerei FriedrichsTot.: 261: 10, Bl.: 22, 12, 13:10. Ferner liefen: Wider hain, Mitwirkung beim Zentralverband der Angestellten. Sonn( Heidemann). tag, 16. Juli, Konzert in der Brauerei Friedrichshain. An- hall, Merseburg. 5. Renne it. 1. Flandern( Einfinger), 2. Minimag( Heidemann), fang 4 Uhr. Eintritt 4 Mart( und 60 Pf. Steuer). Eintrittskarten 3. Rotbart( Ulbric). Tot.: 31: 10, BL: 17, 17:10. Ferner lief: Almanac. bei den Mitgliedern und an der Kaffe. 1. Clichen( Schneider), 2. Eitel( Austel), 3. Miratel Die Freiheit" wird zurzeit im Berlag des„ Borwärts" her-( Beer). Tot.: 13: 10. 1. Ditflucht( Staudinger), 2. Hörfelberg( Rosina), gestellt, da sich ihr bisheriger Verleger, der dem Verein der Berliner 3. Gimado( Huguenin). Tol.: 23:10, BL: 12, 12, 15:10. Ferner liefen: Buchdruckereibefizer angehört, sich geweigert hat, das Organ während Thusnelda, Sandschal, Altmärker, Wirb. Bunch, Mefardus, Habanera, des Streits herzustellen. Minestra. Riesenbrand in Hamburg. 6. Nennen. 7. Nennen. Arbeitersport. Chorin- Liepe. Abfahrt 6 Uhr Stettiner Hauptbahnhof. Die Norddeutschen Spritwerfe in Flammen. Arbeiter Wanderverein Berlin. Oberfpreewaldfahrt 16. Juli. LübbenauLehde, dem berühmten Spree- Benedig, Leipe- Forsthaus Eiche- Ranno- Mühle-Die ausgedehnten Anlagen der Norddeutschen Spritübbenau. Keine Fußwanderungen. Rahn und Bahnfahrt 105 M. Teilnehmerwerfe in Hamburg, Billwärder Ausschlag stehen seit farten im Bereinslokal Wollschläger, Adalbertstr. 21; Bigarrengefchäft Friz gestern früh in lammen. Der Brand ist auf eine Explosion Bille, Reinickendorfer Str. 92.+ Wanderung 9. Juft. Chorinchen- Kloſter im Lagerraum zurückzuführen. Das Feuer griff mit rasender Schnelligkeit unter andauernden Explosionen auf sämtliche Gebäude über. Alle verfügbaren Löschzüge der Hamburger Feuerwehr find an der Brandstäte tätig. Gegen 9 Uhr flogen zwei große Sprittants in die Luft, wodurch die Mauer des neben dem. Direktionsgebäude stehenden Hauses cingedrückt wurde. Unter den Trümmern wurden vier Feuerwehrleute begraben, von denen einer getötet und drei schwer verletzt wurden. Es wird befürchtet, daß bei dem Brand auch eine Zahl Ar. beiter den Tod gefunden hat. Bisher fonnte festgestellt werden, daß durch die erste Explosion ein Arbeiter getötet und andere durch Stichflammen verlegt wurden. Bei der Entgleijung des Schnellzuges Paris- Straßburg, die furz vor der Einfahrt in den Bahnhof Saarburg erfolgte, wurden vier Personen getötet, drei schwer verletzt und etwa 20 leicht verlegt. Unter den Leichtverletzten befinden sich der Abgeordnete Selg, der Senator Delfor und der Senator Weiley. Groß- Berliner Parteinachrichten. Alex Pagels. Am Abend des 20. März fam ein Rittergutsbesizer mit seinem von dem Kraftwagenführer Emil Smafa gesteuerten Wagen von Frankfurt a. D. in Berlin an. Smafa benutzte diese Gelegenheit, bas Nachtleben Berlins auszutosten. Er gondelte mit meh reren Freunden, die sich ihm angeschlossen, in Berlin umher, besuchte Den Abteilungstaffierern hierdurch zur Nachricht, daß soeben ein verschiedene Restaurationen, Kaffees und Bergnügungsstätten, es wurde sehr reichlich gezecht, und der Bummel dehnte sich bis in die Posten Parteiabzeichen im Bureau eingetroffen ist. Die achte Morgenstunde aus, obwohl der Angeklagte nach seiner eigenen bereits bestellten Abzeichen können aljo jetzt abgeholt werden. Angabe seit 24 Stunden nicht vom Auto gekommen war. Erst jetzt erinnerte er sich seiner Pflichten. Um die versäumte Zeit wieder ein zuholen, jagte er in rasendem Tempo, vom Alexanderplat tommend, burch die Chauffeestraße nach dem Wedding. Bei dieser Fahrt rannte er den Tapezierer Brederet, der auf einem Fahrrade aus der Reffelstraße in die Chauffeestraße einbog, um. Brederet erlitt einen Schädelbruch und verstarb sehr bald an der erlittenen Berlegung. Das Schöffengericht unter Borsiz des Amtsgerichtsrats Dr. Neumann hielt es für geboten, gegen den Angeklagten die ganze Strenge des Gesezés anwenden zu sollen, da das Publikum vor den Gefahren, in die es durch rücksichtsloses Fahren ständig verfeßt werde, zu schüßen. Der Staatsanwalt beantragte 6 Monate Gefängnis, das Gericht erkannte aber auf 9 Monate Gefängnis. 3. Rreis. Webbing. Freitag, ben 7. Juli, abends 7 Uhr, bei Schade, Rösliner Straße 9, erweiterte Kreisvorstandsfizung. 5. Streis. Friedrichshain. Freitag, den 7. Juli, 7 Uhr, erweiterte Kreisvor standssigung bei Schudert, Rüdersdorfer Str. 3. Adlershof. Donnerstag, ben 6. Juli, 8 Uhr, auf dem Marktplatz Bersammlung der drei sozialistischen Parteien. Ref. Landtagsabgeordneter Heinrich Bahlte. Heute, Donnerstag, den 6. Juli: Sungjozialisten. Gruppe Süben nimmt an der Beranstaltung der Gruppe Neukölln teil. Gruppe Friedrichshain. 7½ Uhr Gemeindeschule Straß mannstraße 6, Diskussionsabend: Wiederaufbau und Achtftundentag". Gruppe Brig. 7 Uhr im Jugendheim, Chauffeeftr. 48, Bortrag: Die Rul turlehre des Sozialismus". Ref. Gen. Otto Bach. Sport. Rennen zu Strausberg am Mittwoch, den 5. Juli. MENTAL Tragi Ontinental dann lernt Ihr verstehen, I wie herrlich es ist. auf Gummi zu gehen! Continental- Absätze sind durch Continental Sparkeil D. R. P. doppelt haltbar. Bei jedem Schuhmacher zu haben. So gut wie Continental- Reifen! Jogal Gicht Rheuma Ischias hervorragend bewährt bei: Grippe Herenschuß Nervenfchmerzen. Die Straßenbahnlinie 116 wird vom 6. Juli ab anstatt über Lindenstraße, Jerufalemer Straße, Hausvoigteiplah, Oberwallstraße, Togal flillt die Schmerzen und scheidet die Harnsäure aus. In allen Französische Straße durch die Linden, Martgrafen, 1. Rennen. 1. Berbi( Einfinger), 2. Dabome( Stränzlein), 2. Ciga- Apothefen erhältlich. Best. 64.3% Acid. acet. salie., 0408%, Chinin, Roch, Charlottenstraße, Franzöfife Straße rifta( Mela). Tot.: 157: 10, 1: 38, 31, 55: 10. Ferner liefen: Trug 12,6% Lithium, ad 100 Amylum. geführt; ber Fahrplan bleibt aber unverändert. fching, Heldenfang, Pennholder, Märchenfee, Elefant gef., Babieka, Bärbele.| Ausführl. Broschüre gratis und franko. Fabrik Pharmacia, München 27. Schutzmarke) SEIFE SUNLICHT SUNLICHT SEIFE SUNLICHT ist vielseitig in ihrer Verwendungsmöglichkeit. 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Lombards gegen börsengängige Wertpapiere Vorschüsse auf Waren und Wareaverschiffungen. davon am Bilanztage gedeckt a) durch Waren, Fracht- oder Lagerscheine b) durch andere Sicherheiten Verzins Iche Schatzanweisungen des Reichs und der Bundesstaaten Eigene Wertpapiere a) Anleihen des Reichs und der Bundesstaaten b) sonstige bei der Relchsbank und anderen Zentralnotenbanken be eihbare Wertpapiere c) sonstige börseng. Wertpapiere d) sonstige Wertpapiere Konsortialbeteiligungen Dauernde Beteiligungen bei anderen Banken und Bankiirmen Schuldner in laufender Rechnung I gedeckte Il ungedeckte außerdem Aval- und Bürgschaftsschuldner Bankgebäude ." A. 1479 968 136.30 Sonstige Immo Itien Mobilien- Konto Pensionsfonds- Effekten- Konto Effekten- Konto der König- FriedrichAugust- Stiftung. Effekten- Konto der Georg- Armstaedt- Stiftung Uebergangsposten der Zentrale n. Filialen untereinander Saldo der Zentrale und auswärtigen Abteilungen mit unserer Niederlassung in London Gewinn Bilanz per 31. Dezember 1921 Aktien- Kapital- Konta Rücklage A. 833 831 215 30 Rücklage B. Gläubiger. 8 479 576 264 90 8 479 576 264 90 I 062 383 235 95 204 638 898 70 8 390 602,60 9 458 052 35 95 801 804 98 10 382 23018 2 733 744 657 85 450 450 119 85 1$ 58 160 809j60 39 693 908 10 14 125 396 913( 60 124 032 690 75 53 547 387 55 113 696 456 60 6 002 933 307 43 4 376 932 075 65 1 632 001 231 80 118 786 478-65 a) Nostroverpflichtungen b) seitens der Kundschaft bei Dritten benutzte Kredite c) Guthaben deutscher Banken und Bankfirmen Einlagen auf provisionsfreier Rechnung 1. Innerhalb 7 Tagen fällig 2. darüber hinaus b's zu drei Monaten 1ällig 3. nach drei Monaten fällig e) sonstige Gläubiger 1. innerhalb 7 Tagen fällig 2. darüber hinaus bis zu drei Monaten fällig 3. nach drei Monaten fällig Akzepte Außerdem Aval- und Bürgschaftsverpflichtungen( einschließl. der für die Reichsbank übernommenen M. 101 985 900) M. 1 479 908 136.30 Eigene Ziehungen davon für RechRung Dritter Welterbegebene Solawechsel der Kunden an die Order der Bank Passiva 550 000 000 311 500 000 59 000 000 1113 19 293 795 869 65 1 185 900490 615 142 60 786 623 466 25 2 620 431 408,30 728 049 218 00 801 617 620 45 11 879 957 975 65 1 663 629 591 65 626 685 346 13 160 230 801 48 1 258 875 Dividenden- Konte Pensionsfonds Konte 5 946 379 73 König- Friedrich- August- Stiftung 18 699 622 1 Georg- Arnstaedt- Stiftung 19 452 502 35 Eugen- Gutmann- FoRds Reingewinn.. 19 720 426 10 101 985 85 131 902 35 5 071 225 206 918 234 65 118 95 205 122 250 1859 739160 18 786 322 10 30 601 719 320Gewinn- und Verlust- Konto per 31. Dezember 1921 Handlungs- Unkosten Konto Steuern Reingewinn. 497 399 105 80 131 172 505 0 206 918 234 65 Vortrag von 1930. Sorten- und Zinsschein- Konto Wechsel- und Zinsen- Konto Provisions- Konto. Effekten- und Konsortial- Konto, Erträgnisse a. dauernd. Betellig bei anderen Banken Tresormieten 20 607 749 320Verlast 3 744 302 70 26 494 376 85 477 708 447 85 271 690 302 50 907 899 95 3.811/ 18 60 1 132 797 85 835 489 845 50 Fur u.SilberBrillanten etc. zahlt die höchsten Tagespreise Juwelen EinkaufsGesellschaft Hopenfeld& Co. Berlin Antwerpen Beuthstraße 12 ( Spittelmarkt) Metallwarenfabrit mit Maschinen tomplett einger, girla 200 mtr. Fabrifräume i. Tempelhof. 2 Tel., Kontor, Privatfont mit G..b.6. Mantel o. Echulben für 750 mille bar zu übernehmen. Nah. Sabring 1825. Achtung! Schoffäre! Schwarze Uffenfasche mit Inhalt( Schriftftücke) Millwoch, den 28. Juni, gegen 3 Uhr nachmittags im Auto Potsdamerstraße 20 ( Mauer& Bracht) bis Steffiner Bahnhof abhanBekanntmachung. Der fünfte Nachtrag unferer Sagung, be treffend die$ 10, 11, 20, 23, 24 und 39, ist vom Oberversiche rungsamt genehmigt. Die Drudegemplare tönnen im Raffenbureau in Empfang DRESDNER BANK 835 469 845 50 Dresden, den 31. Dezember 1921. Nathan Judell Herbert M. Gutmann Hrdina Achtung! genommen werden Ortstrantentaffe der Steinbruder Berlin, 3. Juli 1922 und Lithographen zu Berlin Sanungs- Kranten. taffe der PersonenLohnfuhrwerks. Nach Genehmigung burch bas OberverJunung zu Berlin.ficherungsamt tritt bie 4 Gagungsänderung Der Borstand, mit dem 27. Mai 1922 in Arait Ludwig Streu. Borsigender. Auf Grund des Gefeßes Dom 9. Juni 1922 hat der Borstand ben Grundlohn auf 90 wit erhöht und bie bisherigen 10 Lohnftufen um 3 weitere, von 70, 80.- und 90,-. vermehrt Die Berfidherungsgrenze ift von 40 000 92. Wir weijen anf bas an alle Arbeitgeber überJeder Soziali Achtung! muß das Buch: Durch Nacht zum Licht gelefen haben. Geschrieben von bem größten Sozialtften und 3dealisten ber Neuzeit. 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Durch die endlosen Morde, die sich gegen die Republik richten, ist das ganze Vclk zum Kampf gegen die reaktionären Parteien aufgerufen. Die Artikel des Majors a. D. Henning über die Ermordung Rathenaus zeigen, daß die Mörder zu den Deutschnationalen gehören. Jetzt befindet sich die deutsche Republik in der Rot wehr. Der Gesetzentwurf gibt immerhin strafrechtliche Bestimmungen, aber es ist zu befürchten, daß sie auch gegen links angewendet werden können. Unser« traurigen Erfahrungen mit der Klassenjustiz geben diesen Befürchtungen den Loden. Für die Arbeiter, auch für die Urheber de» Eisenbahnerstreiks, fordern wir weitestgehende Am- nestie. Wenn der Gesetzentwurf nicht grundlegend geön- d e rt wird, können wir ihm nicht zustimmen. Wir verlangen die völlige Republlkanlfleruug des Beamtentums und der Reichswehr und einen Reichswehrminister, der aus dieser Reichswehr«in In» strument der Republik macht. Es muß ein Verbot der monarchistl» schen Farben und Fahnen, namenllich der schwarzweißroten Mörder- sahne, erlassen werden. Die monarchistischen Embleme müssen überall verschwinden. Die Vorlag« richtet sich gegen die Mörder Ra- tbenaus und die Anstifter für solche Mordtaten, und nicht gegen geistige und politische Bewegungen.(Beifall b. d. USoz.) Abg. Dr. Slrefemann(D. Dp.): Wir treten an den Gesetzent- raurf heran mit der grundsätzlichen Lereitschift, an ihm mitzuarbei» ten, und ihm, wenn möglich, zur Verabschiednna zu verhelfen. Wir anerkennen die Berechtigung und die P s l i ch t, Maßnohmen zum Schutze der Derfassunq zu treffen, ebenso das Recht und die Pflicht, die verfassungsmäßigen Embleme gegen die Verächtlich» machung zu schützen. Die alt« R-ichssahn« ist niemals«ine Partei- sahne gewesen(Lachen und Widerspruch link»), sondern sie war uns das Symbol eine» Volkes, das noch schweren geschichtlichen Kämpfen rndlich zur Einigung gediehen war. Aber wenn wir auch lebhaft bedauern, daß die alte Reichsfahne abgeschafft ift, so sind wir durch- au» damit einverstanden, daß die heutige Reichsslana« geschützt wird gegen Beschimpfungen und Herabwürdigungen. Die schwarz- rotaoldene Fahne hat ihre geschichtlich« Tradition, sie hing mit Bestrebungen zusammen, die später Bismarck die Möglichkeit gaben, durch sein« Realpolitik der Poll st recker dieser Bestrebungen zu werden. Diese Fahne in die Porteikämpfe herabzuziehen, liegt keine Veranlassung vor, auch für diejenigen, die tief bedauern, daß wir nicht bei den alten Farben geblieben sind.(Sehr wahr!) Aufsätze, wie der Tylanders in der„München-Auasburger Abendzeitung� an dem Tage, wo der Reichspräsident nach München kam, sind der Ausdruck einer ganz verächtlichen Kampfesweise.(Zustimmung.) Soweit daher dos Gesetz den Zweck hat, die Verächtlich- mechung der Träger der Stenivgewalt zu bestrafen, stnd wir damit einverstanden. Die Strafen sind äutzerst hart, und man wird einst sagen müssen, daß überhaupt derartig« Bestimmungen in Deutsch. sand nötig neworden sind, daran tragen diejenigen die Schuld, die e« ermöglicht haben, daß Mvrdorganisationrn in Deutschland be- st-chen. Ich gehörte z» dcnsenigen, die bi» vor kurzem darüber qe» läldelt und e» als Hirnacspinsi der«gastierten Meinimg einzelner angesehen haben. Ich muß mit tiefe? Erschütterung feststellen, daß ich an dieser Auffassung nicht mehr festhallen kann und daß nunmehr diese Organisationen ausgerottet werden müssen, gleichgültig, ob die Tat sich gegen Minister oder �nstiae Persönlilhkeiten rickiet, und gleichgültig, auf welcher Seite d-nmige steht, gegen den sich die Toten dieser Mordbubcn richten. Abg. Leicht(Bayr. Bpt.): Mit den Verordnungen hätte man ein« Zeit lang ganz gut regieren können. Daß man nun im Eiltcmpo die gesetzlich« Regelung anstrebt, versieh« ich nicht. E, qeht nicht an. daß man Gesetzentwürfe imter dem Druck der Masten stellt.(Lebh. Beifall rechts, große Unruh« und Zurufe links.) Sie wissen ganz aenau, daß ich vor wenigen Tagen auf diesem Platze sehr scharse Worte gegen recht» gebraiicht Hab«.(Zurufe sink«: Worte, aber kein« Taten!— Sie schießen schon wieder von neuem!) Wenn sie schießen wollen, werden Sie da« auch mit dem Gesetz nicht verhindern.(Fortdauernde Unruhe links. Zuruf«:„Bayern gibt den Mördern nachher die Freistaft!') Es muß die Gefahr beseitigt werden, daß man in der Abwehr über da» Ziel hlnaasschirtzt und ein Gesetz mft einseftiger Tendenz zustand« kommt.(Beifall bei der Bayr. Bpt.) Abg. Remmelr(Komm.): Es kommt nicht auf die vorlag«, sondern darauf an, wie da» Gesetz aulgeführt wird. Wir brauchen Kontrollinstanzen und Kontrollorgane für die Durchführung der Gesetze. Da» angekündigte Amnestiegesetz kommt den Forderungen der Arbeiter nicht entgegen. Auch ZNax Hätz muß amnestiert«erde». Wird die Amnestie nicht nach dem Beschluß de» Leipziger Gewerk- fchaftetongresie» durchgeführt, dann ift das Gesetz für un, unan- nehmbar.(Beifall bei den Kommunisten.) Damit ist die erst« Lesung beendet. Persönlich stellt Abg. v. Gollwitz(Vnat.) gegenüber einem Ar- tikel de,„Soz. Porlamentsdienst" und de».Vorwärts' fest, daß der ehemalig« Angehörige der Gardeschützenkaoallerie-Diviston, Elau», Iich einmal hilfcrufend an ihn gewandt hat, daß er ihn dann durch einen Fraktionstollegen Henning nach Pommern schicken sieß, ihn seitdem aber nicht mebr gesehen und gesprochen, auch niemals in einer Froktionssitzung Geld für ihn gesanrmeft oder ihn nach München empfohlen habe. Der Gesetzentwurs zum Schutze de« Republik und das Am- nestiegesetz gehen an den Rechtsausfch iß. Donnerstag 2 Uhr: Interpellationen über antirepublikanisch« Kundgebungen von Ange- hörigen der Wehrmacht usw. Schluß 8 Uhr. Die Zronterweiterung nach links. Am gestrigen Mittwoch mittag begannen die ersten ver» Handlungen zwischen den bürgerstcken Koalitionsparteien und der Sozialdemokratischen Partei über die Erweiterung der Reichsregierung nach links. Die Verhandlungen trugen un- verbindlichen Charakter. Sie sollen im Lauf« des heutigen Tages fortgesetzt werden.___ k>inöenburq geaen politischen Nlorö. Hannover. 5. Just.(TU.) Generalfeldmarschall».Hin« denvurg bittet, nachstehend« Erklärung zu veröffentlichen: Gegen den politischen Mord ist i" meiner Genugtuung anläßlich de» letzten tief bedauernswerten Ereignisses bereit» von allen Seilen geeifert worden. Denen, die meinen Worten Bedeutung bei- legen, rufe ich daher nur noch folgendes zu: Luch der politische Mord bleibt immer e! n M o r d. Er ist doppeft verwerflich, weil er nicht nur«in Menschenleben ver» nichtet und mehr oder weniger groß« Kreis« in Trauer und Schmerz versetzt, sondern auch die ruhig« Entwicklung eines Staate» gefährdet. V« mehr dieser der Gesundung bedarf. desto größer ist das verbrechen. Deutschland ist schwer krank. Wer will es sterben lassen? E« bedarf zur Gesundung dringend der Einigkeit. Dcr will Zwietracht säen? Jeder Mord ist feige. Wer will feige sein? Sicherlich keiner, der sein Vaterland mit kühlem Kopf, aber warmem Herzen treu und selbsllo» liebt! Da wir in diesem Augenblick fast das einzige in Berlin erscheinende Blatt sind, geben wir diesen Aufruf wieder, wir müssen aber zu ihm bemerken, daß er nur für unsere vor- übergehenden Leser bemerkenswert ist. Die regel» mäßigen Leser des„Vorwärts' bedürfen keiner moralischen Ermahnung, sich vom System des politischen Meuchelmordes abzuwenden, und hätten alle Ursache, sich eine solche Ennah- nung zu verbftten. Aus der Erklärung des Feldmarschalls geht auch nicht hervor, ob ihm ein Licht darüber aufgegangen ist, daß er sich in bedauerlicher polftischer Unerfahrenheit als Werkzeug derer, die alles andere eher wollen, als eine ruhige Entwicklung unseres Staates, mißbrauchen läßt. Das �Demminer Tageblatt� nicht verboten? Aus Anlaß der Rathenouermordung hatte das„Demminer Tageblatt'«inen wüsten Hctzartilel veröffentlicht, zu dem auch die Arbefterpresse vielfach Stellung nahm. Berliner Blätter teilten dann mit, Seoering hätte da» Blatt auf vier Wochen verboten. Die deutschnationol« Press« Pommern behauptet jetzt, die Mitteilungen von dem verbot sei eine verleumderische Zeitungs» «nt«; da»„Demminer Tageblatt' erscheint weiter. Ein deutscher Kohlenlieferungsvorschlag. Die Reichsregieruna hat an die Repara» tionskommission das Ersuchen gerichtet, die rück- ständigen Kohlenlieferungen für Juni und Juli in englischen Kohlen entrichten zu können. Dieses Er- suchen wird durch die schlecht« Lage aus dem Kohlenmarkt be- gründet. Die englische Kohle soll auf Kosten Deutschlands von England nach Frankreich transportiert werden. Gleichzeitig hat die Reichsrcgierung der Reparationskommission eine Denkschrift über die Lage auf dem Kohlenmarkt über- reicht. Diese Denkschrift soll die Grundloge für das neue Kohlenlieferungs-Programm bilden, das bekanntlich Mitte August in Kraft treten soll. Die Berhand- lungen über das neue Programm werden in der kommenden Woche in Paris aufgenommen werden. Die Kunügebung und üas fiuslanü. Paris. 7. Juli. Der.Temps' beschäftigt sich in seinem heutigen Leitartikel mft der republikanischen Kundgebung in Berlin. Er sagt: Die Bedeutung dieser Kundgebung könne erst recht gewürdigt werden, wenn man daran erinnere, daß Groß-Berlin jetzt den zehnten Teil aller Bewohner Preußens umfaßt und die Hälfte der Bewohner Bayern». Berlin sei außerdem dos geistige und politisch« Zentrum Deutschlands geworden. Deutschland besitz« jetzt etwas, was Frankreich und England schon seit Jahrhunderten besähen, nämlich„inen Kops, der im Verhältnis zu den Dimensionen des Körpers steh«. Die gestrige Kundgebung habe bewiesen, daß dieser Kopf republikanisch sei. Man dürfe für wahrscheinlich annehmen, daß ganz Deutschland nach und nach der Entwicklung folgen werde, die sich in Berlin vollziehe. Es ließe sich voraussehen, daß die inneren politischen Kämpfe in Deutsch, land aufhörten und daß Deutschland wieder einen neuen Anlauf zur Ausdehnung nach außen nehmen würde. Ob nun diese Ausdehnung friedlich fein werde, häng« nicht nur von der deutschen Regierung, sondern auch von der Politik der Alliierten, besonders Frankreichs Deutschland gegenüber ab. Di« andauernde Eni- wertung der Mark gefährde die innere Zwangsanleihe, mache die alliierte Finanzkontroll« unmöglich und begünstige die Kapital- flucht. Die Markentwertung werde von den Exporteuren mit Beifall ausgenommen, die darin«in« Quell« neuer Gewinne sehen. Sie schwäche aber die republikanisch« Regierung. Ein« S i a b i l i« slerung de» Martkurses dagegen komm« der breiten Dolksmosse zugute und stärk« schließlich die republikanische Regierung. Die In- tereflen Frankreich» lägen auf dieser letzteren Seit«, und nur dadurch auch werde Frankreich Bezahlung erlangen und sich Garantien für den Frieden sichern. Es handle sich also für Frankreich darum, offen die Polftik seiner Interessen zu befolgen. London, 5. Just.(WTB.) Der Berliner Berichterstatter der „Daily New»'(ll.rksradikal, versaillesgcgnerifch) schreibt, die gestrige Demonstration zum Schutze der Republik sei ohne Zweifel die ei ndruckv ollst«, die je im kaiserlichen bzw. republikani- schen Deutschland oeranstaftet worden sei.— Der Berichterstatter der.Time»'(konservativ, poincarefreundlich) sagt, et sei eine Tatsache von großer Bedeutung, daß in der Hauptstadt Deutschland» eine Viertelmillion(!I) Menschen eine so hohe Ansicht von den republikanischen Idealen habe. Diese Stimmung, die der größte Teil der deutschen Nation so klar seit der Ermordung Rathenaus zum Ausdruck gebracht habe, verdiene von der Entente anerkannt zu werden. französischer Plan für deutsche Arbeit. Pari». 4. Just.(WTB.) Roch dem gestern vom Ministerrat der Reparationskommission überwiesenen Plan zur Ausführung bestimmter öffentlicher Arbeiten unter Mitwirkung Deutsch- l a n d s beträgt der Anteil Deutschlands an der Regulierung dcr Rhön« 2658 Millionen Frank, der französische Anteil 595 Millio- nen und für die Regulierung des T r u y e r« 129 Millionen an französischen Arbeiten, für die D o r d o g n e 185 Millionen deutscher und 105 Millionen französischer Arbeit, für den v o g e s e n t u n n e l 85 500 000 Frank an deutscher und 500 000 Frank an französischer Arbeit, für den Seine-Mosel-Kanal und den Seine- Maas-Kanal 502 Millionen deutscher und 88 Millionen Frank französischer Arbeit, für Maas und Scheide 380 400 000 Frank an deutscher und 59 500 000 Frank an französischer Arbeit. Die Re- guliening der"Rheme rrsordrrt 12 000 Arbeiter mft lOstündiger Ar- beilszeil, d. h. ein« Ausgabe von 1200 Millionen für Löhne für Deuffchland und 100 Millionen für Frankreich, die Truyäre 800 Ar- beiirr während 4 Jahre gleich 55 Millionen Frank an Löhnen. Die Dordogn« verlangt 2500 Arbeiter für 4 Jahr«, der Vogesentunnel braucht 500 Ardeiter für 4 Jahr«: die Verbindung von Sein« und Mosel erfordert 290 Millionen Frank an Löhnen. Die Arbeiten wer- den wie gewöhnliche öffentliche Arbeiten unter der Leitung französischer Ingenieur» mit deutschem Personal und deutschem Material ausgeführt. Die Arbeiter werden in Ar- beiterstätten(?) untergebracht. Di« Ordnung und soziale Ge- setzgebung werden die der deutschen Lager(7) sein. Ein großer Teil der Lieferungen und des Materials wird der französischen Industrie vorbehaften. Botschasterwechsel i« Berli«. Pari», 4. Juli.(Hava».) In politischen Kreisen wird erklärt, daß die Ernennung de» Verwaltungsdirektor» im Ministerium de, Auswärtigen Maurlee Herbett« zum französischen Botschafter in Berlin an Stell« von Ehories Laurent unmittelbar bevorstehe. Gewerkschaftsbewegung Die französischen Abgespaltenen. Arbeitskämpfe in Japan. Die Arbeitskämpfe in Japan des vergangenen Jahres zeichneten fich durch außergewöhnliche Hartnädigteit, wie auch durch die Zahl der daran beteiligten Arbeiter, aus. Nach privaten Zusammenstellungen, die insbesondere von einer der größten BergIn St. Etienne tagte vorige Woche der Kongreß der fyndi- werksgesellschaften gemacht wurden, hatten die mehr als je 50 Arfalistisch- kommunistischen Gewerkschaften, die sich vom französischen beiter beschäftigenden Fabriten und Bergwerte von Januar bis Bewertschaftsbund legte Weihnachten abgespalten und dann einen November 1921 insgesamt 277 Arbeitskämpfe zu verzeichnen, an Der Spaltungsprozeß denen 221 379 Arbeiter beteiligt waren. Im Januar betrug die cigeren Gewerkschaftsbund gebildet haben. wurde von Moskau betrieben, doch haben die Kommunisten bisher Zahl der beteiligten Arbeiter nur 2752, um im Juli die Höchstzahl feine reine Freude an ihrem Kinde gehabt. Es waren nicht Kom- deutung die der Bergarbeiter in Hokkaido im FebrurdBusainagn munisten, die sich der Leitung dieser neuen Gründung bemächtigten, von 45 991 zu erreichen. Unter den Streifs hatten besondere Be sondern die Syndikalisten, bei denen alle Farbenschattierungen, vom deutung die der Bergarbeiter in Hokkaido im Februar, der KupferAnarchisten bis zum neutralpolitischen Ungewertschafter, vertreten bergarbeiter in Ashio im März, der elektrischen Unternehmungen in Osaka im April, der Metallwerte in Somitono im Mai, der Werfte find. Und also begann, nachdem der Kampf gegen die Leitung der arbeiter ufw. Als Ursachen wurden festgestellt: Forderung auf ErGewerkschaften durch die Spaltung ein notwendiges Ende gefunden höhung der Löhne bei 61 Streifs, Forderung auf Verbesserung der hatte, der Kampf der verschiedenen Richtungen um die Herrschaft in sonstigen Arbeitsverhältnisse in 41, 2 blehnung eines Lohn der neuen Gewerkschaftszentrale. Man bildete Bellen" nach be- a b baues in 36, Anerkennung follektiver Arbeitsverträge in 16, tanntem Mufter, und zwar ebensowohl fommunistische wie fyndi. Unzufriedenheit mit Borgesetzten in 14 Fällen. Nach den Mitteilungen der Presse war auch besonders auffällig, falistische Zellen. Daß unter diesen Umständen und trotz der Reflame, die die der Umstand, daß bei diesen Arbeitskämpfen die Arbeiter nicht mehr fommunistische Bartel, die, besonders in Baris, ben Partei- und wie früher bei politischen Parteien Hilfe fuchten, sondern sich weit mehr auf ihre eigene gewertschaftliche Kraft verließen. Breffeapparat der sozialistischen Partei in die Hände zu bekommen In vielen Fällen gelang es ihnen auch, die Sympathie der großen verstand, der neue Gewerkschaftsbund( CGTU.) feinen besonderen Deffentlichkeit zu gewinnen. In manchen Fällen fonnten zum erften Kufschmung zu nehmen vermochte und daß seine einzigen Erfolge" mal Betriebsausschüsse durchgesetzt werden. Nach einer bisher in der Zersplitterung sämtlicher französischen Gewerkschaften amtlichen Mitteilung bestehen Fabritausschüsse jezt in 68 Fabriken bestanden, ist nicht sehr verwunderlich. Die Leitung der CGIU. und 8 eBrgwerfen. Der erste dieser Ausschüsse wurde in der Onoda Man dürfte der Zementfabrit am 1. Januar 1891 eingefeßt. Seit Ende 1920 wurden felbft gibt die Mitgliederzahl mit 360 000 an. Wahrheit am nächsten kommen mit stützen uns hier auf die über. 54 errichtet. Vorher bestanden sie nur sehr vereinzelt. ginftimmenden Schäzungen verschiedener französischer Gewerkschaftsführer, wenn man die wirkliche Mitgliederzahl auf die Hälfte dieser Zahl annimmt. Die fommunistisch- syndikalistischen Gewerkschaften baben außerhalb Paris feinerlei ernsthaften Einfluß. In Paris sind es neben den Eisenbahnern vor allem die Bauarbeiter, die die Haupttruppe der CGTII. bilden. " Transportarbeiter im graphischen Gewerbe. Bom Transportarbeiterverband wird uns geschrieben: Durch den Streit der Buchdrucker in den Berliner Drudereien und den Streit der Buchbinder in den Buchbindereien und Brief. umschlagfabriken sind ein Teil Transportarbeiter ausgesperrt Um diese Gewerkschaftstrümmer rauften sich die verschiedenen worden. Diese Kollegen melden sich bei der Streifleitung des Richtungen-man zählte deren fünf eine Woche lang. Aus Betriebes, in dem sie ausgesperrt sind, zur Kontrolle und Mostau tam extra 2osowsky, um diese einzige größere Gemert- lassen sich dort die Aussperrung der Streitbeteiligung bescheini schaftsorganisation eines großen Landes für Moskau zu gewinnen. gen und nehmen auch an der Streiffontrolle des Betriebes Der schließliche Erfolg war, daß der Kongreß mit einer Zweidrittel- teil. Da, wo eine Aussperrung nicht erfolgt ist, bleiben die mehrheit, die aber feineswegs bei dem üblichen Abstimmungsmodus Kollegen in den Betrieben. Weitere Nachrichten erfolgen im„ Voz die Mehrheit der Mitglieder repräsentieren dürfte, eine langatmige wärts" und bitten wir, darauf zu achten. Resolution annahm, wonach die CGTU. ,, im Prinzip" der Mostauer Internationale beitritt, unter der Bedingung, daß diese den Gemertschaften ihre nationale Selbständigkeit sichert und dementsprechend ihre Statuten ändert. Und nun wird der Kampf der abgespaltenen Spalter weitergehen. Victor Griffuclhes. Die franzöfifchen Blätter bringen uns die Nachricht von dem Lode von Bictor Griffuelbes, der vielen älteren Genossen bekannt sein dürfte. Griffuelhes war von 1901 bis 1909 General sekretär des französischen Gewerkschaftsbundes gewesen. Er war eine der marfantesten Persönlichkeiten der französischen Gewerk fchaften. Eine ihrer bewegteften und bedeutendsten Epochen die definitive Trennung von der sozialistischen Partei und ihre syndika listische Entwicklung-ist mit der Bersönlichkeit Griffuelhes immig permoben. Für die Transportarbeiter im Berliner Papier- und Pappengroßhandel sind die Nachträge 5 und 6 des Tarifvertrages vom 6. November 1919 für rechtsverbindlich erklärt worden. Die Abschrift der Rechtsverbindlichkeit sowie die Nachträge sind gegen Mitgliedsausweis im Bureau des Deutschen Transportarbeiterverbandes, Engelufer 24/25, II, 3immer 31, in Empfang zu nehmen. Lohnvereinbarung im Töpfergewerbe. Im Töpfergewerbe ist es zu einer vorläufigen Einigung gekommen. Es wird bezahlt ab 1. Jufi in Zeitlohnarbeiten 36 M. pro Stunde, bei Affordarbeiten werben 3500 Broz. auf den Tarif von 1914 gezahlt. Die beiberfeitigen Lohnfommiffionen verhandeln weiter. Streit gegen die Fajzisten. In der Stadt und Brovinz Bari haben die Sozialisten den Generalstreit erklärt als Protest gegen die erneuten Ausschreitungen der Fasziften in Anpria und gegen die An zündung der Arbeitsfammer. In Anoria ziehen die Sozialisten und Fasziften große Streitkräfte zusammen. Vom amerikanischen Bergarbeiterftreit. ie verlautet, trägt sich die amerikanische Regierung in Anbe. tracht der bedentlichen Folgen des Kohlenarbeiterausstandes mit dem Gedanken, die Kohlenproduktion auf ihre Rechnung zu übernehmen. Eine Bersammlung der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer verlief gestern von neuem ergebnislos. Der Kongreß der Eisenbahner. gesellschaften nahm gestern einen Antrag an, worin die Regierung aufgefordert wird, die Initiative zur Revision des Bersailler Ber trages zu ergreifen. 25 Jahre Zentralverband. Unter diefer Desife recenfeltet bez gentsek perband der Angestellten, Ortsgruppe Groß- Berlin, am Sonnabend, den 8. Jul in den Gesamträumen der Brauerei Friedrichshain ein großes Sommerfest. birten mit: Blüthner- Orchester, Typographia, Sarrn Steier und Lotte Stein vom Deutschen Opernhaus. Abends Feuerwert. Jm großen Goal: Boll. Ein trittstarten bei den Funktionären und im Ortsbureau Belle- Alliance- Str. 7-10. Zentralverband ber Maschinisten und Heizer. Geschäftsstelle Groß- Berlin. Freitag abend 6 Uhr im Gewertschaftshaus, Gaal 1, allgemeine Funktionär persammlung. Tagesordnung: 1. Bericht der legten Beiratssigung. 2. Lohns bewegungen. 3. Berschiedenes. Es ist Pflicht eines jeden dienstfreien Kollegen, pünktlich zu erscheinen. Donnerstag abend 8 Uhr im Mufitervereinshaus Monatsversammlung. fonalversammlung in den Armin- Hallen, Rommandantenstr. 58-59. Erscheinen Af- Mitglieder der Holzindustrie! Freitag abend 7 Uhr in der Diele aller im Streit Befindlichen unbedingt erforderlich. ber Neuen Philharmonie, Berlin GD., Röpenider Git. 96-97, Bersammlung. Mitgliedsbuch legitimiert. Verband der angestellten Dentisten und Selferinnen. Drtsgruppe Berlin Personal Auguft Scherl G. m. b. 8. Donnerstag nachmittag 2 Uhr Bese Deutscher Metallarbeiterverband. Berwaltungsstelle Berlin. Die Bezirkss Deutscher Wertmeisterverband. Bezirksverein Berlin 22. Sudermerene bersammlung für Charlottenburg findet am Donnerstag nicht flatt industrie. Jeben erften Donnerstag im Monat Mitgliederversammlung, abends 7½ Uhr im lokal Königstadt, Holzmarktstraße. Deutscher Transportarbeiterverband. Bezirk Groß- Berlin. Settion II. Done nerstag abend 7 Uhr findet im Lotal von Boeker, Beberstr. 17, Mitgliederver fammlung der Gettion II ftatt. Tagesordnung: 1. Antrag ber Rohlenafford tracht der wichtigen Tagesordnung ist das bestimmte Erscheinen jedes kolleger arbeiter. 2. Bericht vom Gewerkschaftstongreß. 3. Berschiedenes. In Anbe. Bretterträger, Blagarbeiter bringend notwendig. Verbandsbuch legitimiert. und Kutscher aus den Holzhandlungen Groß- Berlins! Freitag abenb ben Reibenz- Festfälen, Landsberger Str. 31, Bollversammlung. Um pünktliches Erscheinen ersucht die Branchenleitung. Preußischer Polizeibeamten- Berband. Bezirksgruppe Groß- Berlin. Freis tag nachmittag 6 Uhr im Lehrervereinshaus, Aleganderplay( großer Gaal), Bollversammlung der Bezirksgruppe Groß- Berlin. Briefkasten der Redaktion. Uhr in Briefliche Auskunft wird nicht erteilt. Jeber für ben Brief taften bestimmten Anfrage füge man einen Buchstaben und eine Rummer bei. Eilige Anfragen trage man in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3, 1. Sof part. links, vor. Schriftftüde und Berträge find mitzubringen. Krone und Feffel" Berlin R. Wir haben bereits bei der Uraufführung auf ben von Ihnen gerügten Umstand hingewiesen. Das Publikum muß aber auch felber etwas bagegen tun und der Direktion persönlich in ruhiger, fady licher Weise feine Gründe darlegen oder aber gar nicht hingehen. E. R. 1904. 9. G. 73. 1. Rein. 2. Rein; Die Bahl tann nicht mehr angegeben werden. die Rinder tönnen nur den Pflichtteil fordern. 6. 25. Laffen Sie die Boll macht von einem polnischen Rechtsanwalt entwerfen und veranlaffen Sie Ihrex Bater, daß Ihnen der Entwurf überfandt wird. Die Beglaubigung Ihrer Une Blankenfelbe, Schlag 6. Die Wünschelrute ist in Deutschland von alters terschrift burch einen Rotar kann dann ohne weiteres erfolgen. bekannt; bon gelibten Rutengängern find vielfach Erfolge erzielt worden. R. G. 67. Eine Anfrage ist bei uns nicht eingegangen; bitte mieders Biffenfchaft steht der Wünschelrute teils steptisch, teils ablehnend gegenbolen Sie diefelbe. über. Berantw. für ben rebatt. Teil: Frans Klübs. Berlin- Lichterfelbe; für An. zeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Brud: Borwärts- Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Baul Singer u. Co., Berlin, Lindenstr. 3. Sierzu 2 Bellagen. PLUVIUS verhütet GROSSFEUER Zeugnisse über gelöschte Brände kostenlos. Pluvius Feuerlöscher Gesellschaft m. b. H. Berlin- Charlottenburg 2: Gegründet 1905. Bei Kopfschmerz Hotpotheker Otto's ifrovanille Frankfurt/ MS. bevorzugt Migräne. Zahnschmerz Rheuma Erhältlich in Apotheken Chem.- Pharm. Laborat Otto& Co., Frankfurt a. M. S. Alle Welt raucht LANDE ZIGARETTEN acedon Bon Beruf Schuhmacher, trat Griffuethes frühzeitig in der Ar. beiterbewegung hervor. Er war zunächst Mitglied der blanquifti fchen Partei, aus der er aber austrat, als sich diese mit den Guesdisten nereinigte, um sich ganz der Gewerkschaftsbewegung zu widmen. Die Bruderfämpfe der verschiedenen sozialistischen Parteien und Setten haben auch diesen scharfsinnigen, herrschfüchtigen und fanati schen Rämpfer der Partei entfremdet. Er wurde dann mit Bouget das geistige Haupt des französischen Syndikalismus, dem er, unter ftüßt von Lagarbelle, einem 2fademiter", eine wissenschaftliche Grundlage zu geben bemüht war. Seit feinem Rücktritt von der Leitung der französischen Gewerkschaften, hat er sich mehr und mehr Ausdehnung des Schiffstechnikerffteits. ber Arbeiterbewegung entzogen, wurde Unternehmer, Rommunist, Streit der Schiffsmaschiniffen, Schiffsingenieure und Schiffstechniker ohne jedoch seine Bergangenheit zu vergessen oder zu verleugnen. hat sich auch auf Stettin ausgedehnt. Der gesamte Seeschiffs MSchulmeister Hochbahnstation Hochbahnstation Kottbuser Tor Bei seinem vorzeitigen Tode er mar erft 47 Jahre alt benkt verkehr vom Stettiner Hafen aus ist, soweit deutsche Schiffe in Frage man mit Bitterfeit an die vielen tüchtigen Röpfe, die die französische kommen, lahmgelegt. Auch der Seebäderdienst ruht. Arbeiterbewegung im Laufe des letzten Bierteljahrhunderts durch Der Wetter bis Freitag mittag. Heiter, überwiegend bewölkt. Jm die inneren Rämpfe zerrieben, verbraucht oder abgestoßen hat. Weften ergiebige, im Dften geringe Regenfälle. Strichweise Gewitter. Griffuelhes war einer der fähigsten unter ihnen. BERLIN C2 Breitestrasse Auffrischende füdliche Winde. M. SCHULMEISTER Herren Knaben Kidung 10 Rudolph Hertzog billige Tage vom 1.- 12. Juli in Herren-, Jüngl- u. Knabenkleidung nur einmal im Jahre BERLIN C2 Brüderstrasse Inventur- Derkauf vom 3. bis 10. Juli d. Js. 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