Nr.319 39. Jahrgang Ausgabe Nr. 153 Bezugspreis: Bierteljährlich 180.- M., monatlich 60,- W rei ins Haus, voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutsch land, Danzig, Saar- und Memel gebiet, sowie Defterreich u Luxemburg 108,-., ür das übrige Ausland 142. Boftbestellungen nehmen an Belgien, Dänemart, England, Efthland, Finnland, Frankreich Solland, Lettland. Luxemburg, Defterreich, Schweden, Schweiz, Tschecho- Slowatei und Ungarn. Der Vorwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Zeit der Unterbaitungsbeilage Seimwelt" und der Beilage Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Soan tags und Montags einmal. Telegramm- Adreffe: Sozialdemokrat Berlin" Abend- Ausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 2 Mark Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezetle toftet 18,-M.- Reklamezeile 90.-M. Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 4,50 W.( zulässig zwei fettgebrudte Worte), jedes weitere Wort 8,50 M. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort 3,-., jedes weitere Wort 2.50 M. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familien- Anzeigen für Abon. nenten Beile 8,- M. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4½ 2hr nachmittags im Hauptgeschäft, Beriin SW 68, Lindenftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachmittags. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutfchlands Redaktion und Expedition: EW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Bedaktion Morisplan 15195-97 Grpedition Morisvian 11753-54 Sonnabend, den 8. Juli 1922 Vorwärts- Verlag 6.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Berlag. Expedition und JnieratenAbteilung Morisplay 11753-54 Gewerkschaftsmitglieder und Parteigenossen! Tatsachen! Bei den Deutschmonarchisten ist nach dem ersten Schreden Nach allen Berichten aus dem ganzen Reich hat die Kund- sehen und zu verdächtigen, befondere Kampfmethoden zu die Frechheit wieder erheblich im Steigen. Man tut, als gebung für unsere gemeinsamen Forderungen zum Schuhe propagieren und die Affion entgegen den gemeinsamen Beschlüssen wüßte man gar nicht mehr, warum und weshalb Schutzgesetze der Republit am letzten Dienstag unter gewaltig gesteigerter auf eigene Faust weiterzutreiben, aufs entschiedenste zu ver- für die Republik gemacht würden, man spricht von AngstAnteilnahme des arbeitenden Volfes stattgefunden. Die Erwar- werfen. gefeggebung", man markiert den gänzlich Unwissenden und tungen, die wir an unferen Aufruf vom 30. Juni gefnüpft hatten, Gewerkschaftsmitglieder, Genossen, Unbeteiligten. find damit in vollem Maße erfüllt. Leider sind die Demonftrationen an einzelnen Orten durch Ansfreitungen gestört worden. Wir müssen feststellen und be. dauern, daß in diesen Fällen unfere Warnungen vor Provofationen nicht genügend beachtet wurden. Insbesondere müffen wir es öffentlich verurteilen, daß Handlungen begangen wurden, die ein Hohn auf die jetzt so dringend zeigt denen die Tür, Demgegenüber wollen wir hier einfach eine Anzahl die jehf in Worf oder Schrift Eure Einigkeit stören oder Euch zu weil in der Zeitung die Meldungen über Attentate, GeheimTatsachen zusammenstellen. Dies erscheint uns notwendig, Taten verleiten wollen, die nicht anferen gemeinsamen Forderungen organisationen usw. zeitlich nacheinander erscheinen und dem und den von uns gemeinsam ausgegebenen Parolen entsprechen. durchschnittlichen Leser immer nur der geringfte Teil des Gedie jo handeln, gehören nicht zu uns. Lehnt jede samtmaterials gegenwärtig ist. Lehnt jede samtmaterials gegenwärtig ist. Bei unserer Zusammenstel Gemeinschaft mit ihnen ab und weist, wo ein solcher Störenfried in lung aber müssen wir bemerken, daß es sich durchaus nicht den eigenen Reihen auftritt, ihn gebührend in die Schranken. nödige Einigkeit der Arbeiter sind. um eine Endabrechnung handelt, da ja die Ermittelungen noch Wir haben uns bei der Aufstellung unserer gemeinsamen For- stehenden Aufruf wie auch schon den gemeinsamen Aufruf vom mittelten aus naheliegenden Gründen bisher nicht veröffentDie Kommunistische Partei hat sich geweigert, den vor- lange nicht abgeschlossen sind und ein großer Teil des Erderungen vom 27. Juni gegenseitig verpflichtet:„ diese 3. Juli, der vor Provokateuren warnte, zu unterzeichnen. Damit ist licht werden darf. Trotzdem wird der Leser ebenso überrascht Forderungen gemeinsam durchzusehen und alle Maßnahmen die KPD. aus der Aktionsgemeinschaft der unterzeichneten Organi- fein wie wir, als wir diese Teilabrechnung aufstellten, wie der Regierung zur Erreichung dieses Zieles zu unterstützen". Ferner fafionen ausgeschieden. Die Unterzeichneten verpflichten sich ungeheuer heute bereits das Belastungsmaterial gegen haben wir von der gesamten Arbeiterschaft die Bereitschaft zur und ihre Anhänger desto nachdrücklicher, die in diesem Aufruf fest- die Deutsch nationalen ist. Unterstügung unseres Vorgehens durch solidarische Massenfundgebungen verlangt, fobald wir dazu aufrufen. Zugleich haben wir unsere Mitglieder aber auch zu gefchloffener Disziplin und absoluter Einigkeit verpflichtet. Jeht verhandelt der Reichstag über die Gefehesvorlagen, in denen unsere Forderungen verwirklicht werden können. Das Ergebnis dieser Beratungen, die nach Möglichkeit beschleunigt werden, wird unsere weiteren Entschlüsse bestimmen. Darum ist jede Taffif einer einzelnen Organisation, die darauf ausgeht, fich selber im Gegensatz zur anderen als besonders eifrig hinzustellen, die Absichten der anderen aber herabzuUm ein neues Moratorium. Ausländische Preffeftimmen berichten über einen bevorstehenden Schritt der deutschen Regierung bei der Reparationsfommiffion 3weds Gewährung eines neuen Zahlungsauffubes. Einzelne Meldungen spredjen sogar von einem bereits erfolgten Schritte Deutschlands in diesem Sinne. geftellten gemeinsamen Grundsäge aufs genaueste zu beachten. Berlin den 7. Juli 1922. Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund. Leipart. Grahmann. Allgemeiner freier Angestelltenbund. Aufhäuser. Süß. Stäht. Sozialdemokratische Partei Deutschlands, muller. Braun. Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands. Crifpien. Dittmann. Ledebout. auf dem Boden der Berfassung stehen, und dazu ausdrücklich und besonders die Deutsch nationale( 1) Bartei erwähnte. Deutschnationale Der§ 3 des Gesetzes wurde mit einigen Aenderungen von nicht grundsäßlicher Bedeutung angenommen. Bei dem§ 4, der den Berluft öffentlicher Aemter, Dienstentlassung von Militärpersonen und Berluft des Ruhegehalts Wie wir dazu von unterrichteter Seite erfahren, ist es rich von Beamten und Militärpersonen betrifft, wenn sie schwer gegen tig, daß die Reichsregierung einen solchen Schrift in der aller- das Gesetz zum Schuße der Republik verstoßen, entwickelte sich eine nächsten Zeit beabsichtigt. Der Grund für dieses neue Er- lange Debatte, weil die Rechtsparteien durchaus Hochverrätern die fuchen Deutschlands um eine Benderung des letzten Zahlungsplanes Möglichkeit gewähren wollten, von derselben Republik Ruhegehalt der Reparationskommiffion liegt in der seit der Ermordung Dr. zu beziehen, der sie mit Mitteln der Gewalt, des Mordes, der GeRathenaus geradezu verhängnisvollen Entwidlung beimbünde und der Verleumdung das Grab schaufeln wollen. unferer finanziellen Lage, die uns die pünktliche Er- und zum Verlust der Pension verurteilt worden ist, nur, weil er Hoffmann- Kaiserslautern, der in der Monarchie gemaßregelt füllung auch der verminderten Zahlungsverpflichtungen geradezu sozialdemokratische Gesinnung hatte, fonnte den Herren zu ihrer Berlegenheit sich als lebendes Beispiel dafür vorstellen, wie fie früher über diese Fragen gedacht haben. Die Streitfrage wurde dem Unter ausschuß überwiesen. unmöglich mast. Borauszuschicken ist schließlich noch, daß bei der Weigerung der Deutschnationalen, selbst nachträglich zwischen sich und den Völfischen irgendeinen Trennungsstrich 31 ziehen, auch die Taten sogenannter ,, völkischer" Organisatio nen den Deutsch nationalen vollinhaltlich zur Last fallen. Im legten Jahr( mit Ausnahme des letzten Monats, ben wir besonders betrachten) hatten wir an politischen Mordtaten von rechtsradikaler Seite: die Ermordung des unabhän gigen Führers Gareis, die Ermordung Erzbergers, ein mißglücktes aber lebensgefährliches Attentat auf Erhard Auer, wahrscheinlich kommt noch die Ermordung des jüdischen Banfiers Aronsfrau auf das gleiche Konto. Allein im legten Monat spielen folgende Gewaltafte: das mißglückte Blausäureattentat auf Scheidemann, die geglückte Ermordung Rathenaus, das teilweise geglückte Attentat auf Harden, fünf Bombenanschläge in Hamburg gegen Arbeiterdruckereien, Arbeiterbuchhandlungen usw., ein Bombenanschlag in Mannheim gegen das dortige Volkshaus. Man wird diese Serie planmäßiger und wohlvorbereiteter Gewalttaten für alles andere als gering ansehen können. Es ist hier keine Tat mit aufgeführt, die einer spontanen Erregung ihre Entstehung verdankt, sondern alles sind von langer Hand vorbereitete, mit kühlem Blut durchgeführte Verbrechen. menn wir von den zur Ausführung gelangten Verbrechen zu Aber das Bild nimmt noch ganz andere Dimensionen an, den Borbereitungshandlungen gehen, zu den Verschwörerorganisationen, in denen Mord- und Gewalttat ausgehecft, von denen Mörder gedungen und nach der Tat be= schützt und begünstigt wurden. Es haben bereits gewiffe inoffizielle Besprechungen zwischen deutschen und allierten Finanzjachverständigen hierüber statigejunden, die in den nächsten Tagen in Paris fortgesetzt werden. Zu Bu einem bemerkenswerten politischen Zusammenstoß tam es, diesem Zwede sind heute die Staatssekretäre Fischer von der als der§ 5 beraten wurde, der die deutschen Kriegslaftenfommiffion und Schröder nach Paris Einfehung des Staatsgerichtshofes Da haben wir zunächst die Geheimergani abgereist. Vermutlich wird sich auch der Staatsjefretär a. D. Berg- behandelt. Abg. Beyerle legte namens der Bayerischen Volkspartei fation C mit dem Siz München und zahlreichen Filialen mann, der sich gegenwärtig im Haeg aufhält, ebenfalls nach Paris feierliche Verwahrung gegen diesen„ Eingriff in die Justiz im Reich. Daß der alleinige Zweck dieser Organisation die begeben. Dort werden die Herren inoffizielle Besprechungen mit hoheit der Länder" ein. Das sei eine Gewaltprobe, und es erhebe Vorbereitung pon Attentaten war, fann nicht mehr bezweifelt einzelnen Mitgliedern der Reparationsfommiffion zur Klärung ein- sich die Frage, ob dieser Teil des Gefeßes überhaupt durchführbar werden. Durch Doppelmitgliedschaft der einzelnen steht diese zelner Fragen führen. Sodann dürfte der offizielle Schritt der fei. Levi( l. Soz.) erklärte, diesen schweren innerpolitischen Ge- Organisation in engster Berbindung mit dem DeutschReichsregierung erfolgen. fahren müßten wir ins Auge sehen. Man müsse fowchl gegen die völkischen Schuh- und Trugbund, mit dem Ver= Reichsgedankens durch Bayern vorgehen. Wenn es nicht möglich ist, mit der Deutschnationalen Partei selber. Die deutschnationale geheime Agitation wie gegen die Sabotage des band nationalgesinnter Soldaten, aber auch die Reichsgesetze in Bayern durchzuführen, dann könnten wir den Attentate Erzberger und Rathenau sind nur ihre HauptverBankerott anmelden. Es muß dabei gleich befont werden, daß der Grund zu diesem Schriffe nicht in einer Aenderung unserer Außenpolitik, sondern ausschließlich in der Aenderung unserer finanziellen und wirtschaftlichen Situation liegt, die am deutlichsten durch den neuen tatastrophalen Sturz der Mark dokumentiert wird. Bell( Str.): 3war müsse man mit Konflikten zwischen Reich und Ländern wegen dieses Gefeßes rechnen, aber man solle doch nicht die Angriffe auf die Spike treiben, sondern an Reich und Länder zur Verständigung appellieren. Bell schlägt dann vor, daß Die Besprechung beim Kanzler verschoben. der Reichspräsident die Mitglieder des Staatsgerichtshofes Die für heute vormittag 9% Uhr beim Reichstanzler an- nur nach Anhörung des Reichsrates ernennen foll. Der Reichsjustizminister bat im Namen der Reichsregierung gef: yte Besprechung muste verschoben werden, da wiederholt, die Beratung des Gefeßentwurfs am Sonnabend abzu bie meisten 2bgeordneten es für notwendig hielten, der zur gleichen Zeit angefeßten Sizung des Rechtsausschusses beijuwohnen. Die Besprechung beginnt heute abend 512 Uhr. Widerstände gegen das Schutzgesetz. schließen. Ernüchterung am Devisenmarkte. Dollarpreis etwas gesunken. brechen. Gehen wir auf Einzelheiten ein: Der Mordgehilfe Günther gehörte an: dem Bund der Aufrechten, dem Deutschbund, dem Deutschnationalen Jugendbund und dem Deutschen Offiziersbund. Die Brüder Küchenmeister in Freiberg, die das Mordauto liefern übrigens feineswegs dumme Jungen", sondern Fabrikanten in gereiften Jahren sind Vorfämpfer der dortigen deutschvölkischen Bewe= gung und Mitglieder des Schuh- und Truzbundes. Außerdem befindet sich in ihrem Gewahrsam ein Waffen= Jager von 150 Gewehren, zwei Maschinengewehren usw. Die Lieferanten der Mord- Maschinenpistole in Schwe Am Wochenschluß trat bereits im Vormittagsverkehr rin sind ebenfalls Mitglieder des Deutschpöltischen In das Gesetz zum Schuh der Republit foll auf ein zwischen den Banten ein stärkeres Angebot an aus Schuß und Truzbundes, und zwar in führender stimmigen Beschluß des Ausfchuffes als§ 16a folgende Schluß- ländischen Zahlungsmitteln hervor. Im offi Stellung: Erich Bode ist Sefretär, 3lfemann bezahl. bestimmung aufgenommen werden: In das Strafgesetzbuch wird als§ 49b folgende Bor- ziellen Verkehr an der Börse Ich wantte der Dollar ter Angestellter der deutschvölkischen Dr. schrift eingefügt: Wer mit einem anderen ein Verbrechen des zwischen 520 und 528. Er hielt fich schließlich etwa in der ganisation. Mordes verabredet, wird mit Gefängnis von einem bis zu fünf Höhe von 522. Dieses Rachlassen der Devisenhausse erklärt sich In Hamburg wird als Urheberin der Bombenattentate Jahren, oder wenn eine Berfon aus Gründen, die in ihrer Stel zum Teil daraus, daß den Hausseführern Geldmittel zur mei- und Mittätige an dem Rathenau- Attentat eine rechtsradilung im öffentlichen Leben liegen, ermordet werden foll, mit feren Betätigung fehlen Außerdem wirkt natürlich die etwas tale Geheimorganisation unter dem früheren 3uchthaus bestraft. Neben der Freiheitsfirafe fann auf Geld ruhigere Beurteilung der politischen Verhältnisse auf das Ge- Offizier Warnice festgestellt. Die Organisation hatte nicht ftrafe bis zu 5 Millionen Mart erfannt werden. Straffrei fchäft zurück. Es scheint, daß das Ausland nicht gewillt ist, weniger als 3 wölf Attentate gegen prominente Persönlich wird, wer freiwillig das Verbrechen verhindert oder seine Ber- die Berliner Katastrophenftimmung zu teilen. Es werden von feiten in Borbereitung, sie steht mit der Organisation C und hüfung durch Anzeige bei der Behörde ermöglicht. Bei der Beratung des§ 2 ergaben sich to ergebliche Meinungs. den fremden Börsen verhältnismäßig höhere Mart mit den Deutschvölkischen in engsten Beziehungen. verschiedenheiten, daß auch dieser Paragraph einem Unteraus. furie gemeldet, als man nach den Berliner Devisenkursen In Oldenburg ist es der Borsigende der Ich uß überwiesen werden soll. Als Beispiel für deutschnationale erwarten sollte. Deutschvölkischen Parteiorganisation für Oldenburg, der die Attentäter auf Harden mit 30 000 M. und weiteren Versprechungen materieller Natur- die Deutschnaive Dreiftigkeit sei erwähnt, daß der Abg. Graef( Dnat. Bp.) Die Börse war heute sehr gut besucht, obwohl am Effekteneinen besonderen Schuß auch für politische Parteien verlangte, die markte ein offizieller Verkehr nicht stattfand. 201 nationalen nennen dies„Zugendliche Idealisten"— kauft und anwirbt. Er selber steht in engster Beziehung zu den e r st e n Führern der deutschvölkischen Bewegung. In Oldenburg begünstigen die Flucht eines Haupt- beteiligten am Erzberger-Mord der deutsch nationale Parteisekretär Landwehr und der deutschnatio- n a l e Fabrikant Mayer, beides Führer der dortigen deutschnationalen Bewegung. In Gera wird die dortige Ortsgruppe des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes als eine Berschwörerorganisation entlarvt. Der Vor- sitzende der Ortsgruppe, Oberpostsekretär Faßbauer, ist der am schwersten kompromittierte. In Magdeburg wird ein umfangreiches Waffen- l a g e r von KW Gewehren, 16 Maschinengewehren usw. ge- sundcn. Die Urheber bzw. Mittwisser des Wafsenversteckö sind der Borsitzende der Deutjchnationalen Partei Magdeburg, Major a. D. Schäfer, der deutschnationale Stadtrat a. D. Drenckmonn so- wie Mitglieder des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes und des Stahlhelms. Diese kurze Zusammenstellung ergibt mit aller Deutlich- keit. daß keineswegs einzelne Personen, die sich in die Partei „eingeschlichen" haben, sondern, daß die offiziellen Führer und Leiter der deutschnationalen und deutsch- völkische» Parteiorganisationen, Vorsitzende, Gauleiter, Partei- sckretäre, Angestellte usw. gleichzeitig die Leiter der Mord- und Aerschwörerbanden sind. Im Hintergrunde tauchen auch die Gestalten der höchsten Führer, der Reichstags- und Landtagsobgeordneten auf. Wenn diese zum großen Teil sich zu dem Treiben, das sie genau kannten, in vorsichtiger D i st a n z gehalten haben, so nimmt das keinen Kenner der Verhältnisse wunder. Auch im 5lriege hat man üble Subjekt« aller An zu Spionage und Schlimmerem gedungen, aber natürlich dies stets so angestellt, daß die bekanntesten und höchstgestellten Männer keine direkte Beziehung zu diesen Sub- jekten hatten. Sondern man hat die Sache durch Mittels- männer gehen lassen, die man im Roifalle verleugnen konnte. Deswegen haben die hohen Militärs doch genau gewußt, was vorging. Genau so ist es hier. Mit der direkten Aktion haben die Deutschnationalen die Führer ihrer Provinz- und Lokalorganisationen betraut, damit bei Ausdeckung des Trei» bens man den Hauptführern nichts nachweisen könnte. Aber schon sind Anhaltspunkte dafür gegeben, daß auch deren Beteiligung weiter geht, als bloß bis zur duldenden Mitwisserschaft. Der deutschnational? Abgeordnete K ä h l e r sprach gestern von einem„eisernen Ring", der die Deutsch- nationalen mit den Deutschvölkischen zusammenhalte. Dieser Ring hält, wie Genosse H e i l m a n n treffend erwiderte, in der Tat Deutschnationale, Deutschvölkische, Mordorganisationen und Mörder zu einer u n- löslichen Einheit zusammen. Schon wieöe? vergeben... Die demokratische„Franks. Ztg." schreibt in ihrem heutigen Leitartikel zur Frage der Regierungsbildung: „Die grohe Erschütterung, die durch das ganz« Volk gegangen. scheint schon wieder vergessen zu sein. Der Reichstag der llnglückswahlen vom Juli 1S2Y scheint vergessen zu haben, daß er tn den beiden gewaltigen Sitzungen am Mordtage und am Sonntag wirklich grvß war. Das subaltern« taktische K« s ch i« b e, das Schielen nach rechts und link» beginnt wieder. Es handelt sich heute darum, den Schutz der Republik entschlossen durchzuführen. Statt dessen führt man Verhandlungen, schreibt man Briese um die Umbildung der Regierungskoalltion, zuerst zwischen Sozialdemokraten und Unabhängigen, was als Folge der seit langem vor sich gehenden inneren Auseinandersetzung der beiden Parteien zu verstehen ist. dann zwischen Zentrum, Demokraten und Volkepartei. was nun schon gar nicht mehr zu oer- st e h e n ist. Dir Deutsche Volksparte!, die eifrig den verfasfungs- mähigen Kampf gegcn die Republik geführt hat, erklärt sich zur Koalition bereit, ober sie sagt keln Wort von der Republik! Der grohe grundsätzliche Fehler liegt beim Zentrum' und VS»««»_____ J__________!>___' i________ l in Der Prinz. Von Joseph Roth. Der Prinz lebt in stiller Abgeschlossenheit, der Arme. Uralte Kastanienbäume umrauschcn seine Villa. Auf acht ae- räumig« Zimmer Ist seine Abgeschiedenheit beschrankt. Nur e i n Reitpferd steht ihm zur Verfügung. Und ein einziges Auto. Das Auto ist grau lachen und weich gepolstert. Auf schwellenden Pneu- matiks federt es durch das Land, das den Prinzen entbehrt. Gänse segen kreischend über den Weg. Hund« bellen, respektlos und ohne Sinn für Vergangenheit. Aus hohen Baugerüsten arbei- ten Maurer und Pollere, beneidenswerte Menschen. Im Schweiße Ihrer Angesichter hacken Männer Kieselsteine für Schocterungen, so sehr mit den elenden Steinen beschäftigt, daß sie nicht einmal grühen. Armer Prinz! Im Sommer steht der Prinz um acht Uhr auf, im Winter schon um neun. Im Sommer srühstückt er in der Veranda und des Winters im Bett. Goldgelbe Butler streicht er mit behutsamen höchsteigenen Händen aus blühweihe Brötchen. Der schweizsam» Lokal, ein personifiziertes Stück Slille, sozusagen eine besrackce Ab- geschiedenheit, gießt Kaffee aus silbernen Kännchen in Rosenthaler Tassen. Der genügsame Prinz greift die Tosten nur mit vier Fingern und spreizl den fünften, liehen ganz weit und vor. nehm weg. Vielgezackte Geweihe starren von den Wänden des Iagdzim- mers. Aon allen für den Prinzen gefallenen Lebewesen befinden sich in seiner Wohnung nur die Häupter der Hirsche und Rehe. In ihre künstlichen Glasaugen legte der verständige Optiker einen frommen Ausdruck von Untertanendemut. Die Tiere erinnern in ihrem seelenvollen Blick an ausgemusterte und von einer Hoheit angesprochene Kadetten. Nach dem Frühstück reitet der Prinz. Er reitet immer den- selben Weg und immer zum Zwecke der Verdauung und der Appetit. anregung. Zwanzig Meter in der Runde setzt bei des Prinzen de- kanntem Trabgeräiisch dcn Förstern und Oberförstern der Herzschlag aus. Ein gütiges Geschick treibt manchinal einen von ihnen vor die Pferdehufe. Dann schlagen sie die redlichen Iägeraugcn auf und grüßen. Es geht nichts über Waidmannstreue. Zu Mittag ißt der Prinz im Speisesaal ein bescheidenes Menü, nur aus vier Gängen. Was chm nicht schmeckt, muß cr stehen lasten, der Arme. Dem Prinzen lchmeckk manchmal etwas nicht. Am Nachmittag schläft«r auf einem ganz gewöhnlichen Plüschsofo. Dann kommt, zweimal In der Woche, ein General aus Berlin mit Vasallensporen hereingeklirrt. Auf dem Schädel des Generals stehen alle kurzgeschorenen Haar» aufrecht vor dem Prinzen. Jedes einzelne Haar nimmt Stellung. Der Prinz und der General plaudern von Vergangenheit und Zukunft. Der Prüm leutselig der General respektvoll. Er tom. mandien Sätze zur Parade, er präsentiert Meinungen. Der Prinz hat loyale Briefe Zu beantworten und Bittschreiben. Diese Sendungen kommen immer aus'.Gauen". Noch nie hat den Demokraten, die jetzt einen klaren Trennungsstrich zwischen bewußten Republikanern und offenen oder geheimen Monarchisten hätten ziehen müssen. Die gewaltige innere Spannung drängt aus eine Entscheidung hin." Es ist leider nicht anzunehmen, daß die klare Einsicht der „Franks. Ztg." die demokratischen Abgeordneten wesentlich beeinflussen könnte. Diese Herren haben das große Talent, meistens das Gegenteil von dem zu tun, was im Augenblick das Richtige wäre.___ Dremen sabotiert. Bremen, 7. Juli.«Eigener Drahtbericht.) Die Bürgerschosts- fraktionen der Sozialdemokratischen Partei und der Unabhängigen sandten folgendes Telegramm an den Reichsminister des Innern Dr. Köster:„Der reaktionär», aus bürgerlichen Parteien gebildete Senat hat bisher keinerlei Ausführung sbe st immungen zu den Schutzoerord-., ingen der Reichsregierung erlassen. Kein einziger monarchistischer oder rechls-putschistischer Verein wurde o u f g e l ö st. Auch Organisation Consul, Stahl- Helm, Bund der Ausrechten und Einwohnerwehr-Vereine nicht. Die Folge ist, daß in benachbarten Staaten aufgelöste Vereine von ihren bremischen Organisationen unterstützt werden und unter bremischer Bezeichnung in preußischen Orten verbotene Veranstaltungen abhalten. Waffenfunde in Bremer Pack- Häusern beweisen, daß die reaktionären Vereine auch über große Wassenmengen verfügen. Das reaktionäre Treiben gefährdet Bremens Wirtschastsinteresten. Die unterzeichneten Landtags- fraktionen fordern sofortiges Eingreifen der Reichs- regierung." /Zufräumon! Elberfeld, 8. Juli.(Eigener Drahtbericht.) Die gestrige Elber- selber Sradtverordnetenversammlung beschloß aus Antrag der Sozialdemokratischen Partei gegen die Stimmen der Demokraten, des Zen- trums, der Deutschen Bolkspartei und der Dcutschnationalen Partei mit 31 gegcn 2V Stimmen, die„Kaiserstraße" fortan„W alter- Ratheuau-Straße" zu nennen und alle wilhelminischen Wahrzeichen an öffentlichen Gebäuden zu entfernen. Weitere Umdenennungen sollen durch die Baukommistion erfolgen. Ein Deutfthnstionaler! Heidelberg, 8. Juki. Ein p o l i t i s ch e r P r o z e ß hat sich gestern vor dem Heidelberger Schöffengericht abgespielt, dessen Aus- gang großes Aufsehen hervorrief. Der deutsch nationale Landiagsobgeordnete Mager hatte gegen den Chefredakteur des „Heidelberger Tageblattes" Dr. Otto Pfeffer Beleidigungsklage er- hoben, weil das„Heidelberger Tageblatt" in mehreren Artikeln ge- schrieben hatte. Mager hätte bei der A e r k a u f s v e r m i t t l u n g der L u f t s ch i f f h a l l e bei Lahr an die Firma Hannes gegen die deutschen Interessen gehandelt. Der Prozeß endete mit der Freisprechung Pfeffers und mit der Verurteilung Magers zu 300 Mk. Geldstrafe wegen Beleidigung Pfessers. In der llrteilsdegründung erklärte das Gericht, daß das Verhalten M a g e r s in der Angelegenheit des Luftschiffhallenverkauses mit der nationalen Würde eines deutschen Abgeordneten unvereinbar sei. Schlußarbeit im Lanötag. Der Preußisch« Landtag erledigte heute in einer kaum zweistündigen Sitzung eine recht umfangreiche Tagesordnung. Das Schutzpolizeigesetz, das zur zweiten Beratung stand, wurde an- genommen Dann folgte die debattelose Erledigung einer ganzen Reihe von Gesetzentwürfen. Unter ihnen befinden sich ein E. letz be- treffend die Ausstiegsmöglichkeiten der preußischen Beamten, ein Gesetz zur Behebung des ourch Hochwasser geschaffenen Notstandes im Kreise Niederung, serner ein Gesetz zur Bildung eines Ausgleichs- fonds zur Hebung des Wirtschaftslebens der Provinz Ostpreußen. Ferner wurde das Gesetz über das Diensteinkommen der Gewerbe- und Handelslehrer und-lehrerinnen an den Pflichtfortbildungsschulen geändert. Ein Antrag der Sozialdemokralen, der die einheitliche Organisation des Stedlungswesens im oberschlesischen Bcrarevier bezweckt, wird angenommen, ebenso in zweiter und dritter Lesung ein Gesetzentwurf zur Regelung von Grenzen von Bergwerksfcldern. jemand aus einer gewöhnlichen Stadt dem Prinzen geschrieben. Manchmal liest der Prinz die neueste Scherl-Wochc und einen Roman von Rudolf Strotz, aus daß er nicht hinter der Gegenwart zurückbleibe. An den fortschreitenden Daten des täglichen Lokal- anzeigers merkt der Prinz, wie die Zeit vorwärts geht. Die Frauen im Lande lieben den Prinzen, keusch und ferne. Ihr Blick verweilt auf seinem Porträt in der Illustrierten Zeitung länger als aus den Schnitten der Modebeilage. Sie finden ihn so- gar interestanier als die Plauderei über die letzte Pariser Schuh- form(obwohl diese spitz zulaufend und ohne jeden Besatz ist). An Tagen, wie es zum Beispiel der Johannitertag ist. teilt der Prinz Rittorschläge aus, ganz umsonst, ohne andere entgogenzu- nehmen. Er hat ein großes und gutes Herz, der arme Prinz. Hetzprofeffor. Zu den Roethe und Schäfer, den Stutz und Bornhak gesellt sich jetzt als weiterer nationalistischer Hetzprosessor der Berliner Universität der Rechtsphilosoph Rudolf Stammler. Dieser Mann, dem die Ausbiidunq künftiger Berwaltunasbeamter und Richter anvertraut ist, benutzt seine Vorlesungen und Uebunaen zu hinterhältigen und daher um so gefährlicheren Schmähungen der republikanischen Slaatsform. Unter dem Bcisallsqetrampel der reaktionären Jugend spricht er verächtlich von der„Revolte vom November 1918", von den„unseligen Ereignissen vom November 1918, die unseren Rechlszustand um zwei Jahrhunderte zurllckgesch'euderl haben". Vereinzellen Widerspruch verbittet er sich mit der Begründung, daß man hier in eiyer wissenschaftlichen Lehranstalt sei und nicht in einer Volksver- sammlung(I): er habe nur die„geistige Minderwertigkeit einer ge- wistm Bewegung" wissenschaftlich und objektiv festgestellt. Seine Ileberzeugung lasse er sich nicht nehmen, möge kommen, wer will. Weiter jammert dieser wackere Bomte der Revublik über die ver- schwundene alte Mannenireue. Er wünscht die Zeiten zurück, in denen man noch einer Einzelperson, also dem Monarchen, Treu» schwören durfte und nicht einem„toten Schemen", einem„Haufen von Paragraphen"(gemeint ist die Reichsverfastungl). Die wissenschaftlichen Lebren, die dieser Mann seinen Schülern vorträgt, stehen auf der gleichen Höhe wie seine politischen Kund- gedungen. Die neuen Erscheinungen des Rechtslebens, das Arbeits- rech: und das Tarifvertraqswesen, tut er mit einer Handbewegung ab: sie seien gar kein Recht, denn sie nahten in das überlieferte Be- grifsssystem der Pandekten und des Bürgerlichen Gesetzbuches nicht hinein! Interessant ist übnoens auch die Erklärung, die dieser„Gelehrte" für die jetzigen hoben Preise gibt. Er fübrt sie darauf zurück, daß die Kaufkraft der Masten und daher ihre Begehrlichkeit aestiegen sei! So sieht ein Mann aus, der unter den leanenden Fittichen eines ..republikanischen" Kultusministers republikanische Beamte und Richter zu erziehen berufen ist. Bedauernswerte Republik! Lesiing-Thealer. Für das sommerliche Lessing-Theater hat Richard Keßler, sonst Operettenkompomst, mit leichter Hand den fröhlichen Schwank»Der Schildp-uttlamm" geliefert. Das Haus nahm dann noch den Bericht de» Ausschusses fld! Unterrichtswesen betreffend die fachliche Durchbildung der Anwärter des höheren Justiz- und Verwaltungsdienstes entgegen, stimmt« ihm zu und vertagte sich dann auf Dienstag 1 Uhr. Am Dienstag soll die dritte Lesung der Gesetze zum Schutze der Republik vorgenommen werden. /fotikn'egsfchulüpropaganüa in Frankreich. Die französische Kammer hat beschlossen, dl« Tages- ordnung über die Schuld am Kriege in allen Gemeinden Frankreichs anzuschlagen. Die Tagesordnung hatte, wie bereits berichtet, folgenden Wortlaut: „Die Kammer weist mit Entschiedenheit und Verachtung die Ver» leumdungskampagne zurück, die zugunsten Deutsch» lands organisiert und entwickelt worden ist, um Frankreich die Verantwortlichkeit für den Krieg aufzubürden, entgegen den offe- nen Tatsachen und den Eingeständnisten, wie sie im Versailler Vertrag niedergelegt und in der Sitzung de» Reichstage» vom 10. Mai 1921 bestätigt worden sind." Das Versailler Eingeständnis und die Reichstagserklärung vom 10. Mai 1921 sind auf den Druck der Entente zurückzuführen. Das wird heute selbst im Auslande zugegeben. Um so bezeichnender ist es, wenn sich die französische Regierung und der nationale Kammer- block dieser Argumente bedienen, um ihre Wähler von der Unschuld Poineares am Kriege zu„überzeugen". Der erste Zusammenstoß im k>aag. Während die Verhandlungen im Haag bisher nichts von der erregten Atmosphäre in Genua zeigten, kam es gestern zum ersten» mal zu einem Zusammenstoß, als der Belgier C a t t i e r an Lit- winoss die Frage richtete, ob der ursprüngliche Besitzer in Rußland ein Recht aus Rückgabe seines Eigentums habe. Der einstige Besitzer fei der wahre Schöpfer der russischen Industrie gewesen. Die Sowsetregierung habe ihn wirtschaftlich ruiniert, er könne also im kapitalistischen Wettbewerb nur auftreten, wenn ihm Vorzugsrechte eingeräumt würden. L i t w i n o f f versuchte dieser klaren Fragestellung zunächst auszuweichen, indem er sagte, Rußland könne überhaupt kein« Antwort erteilen, ehe nicht die Kreditfrage gelöst sei. Rußland habe einen Anspruch auf Kredite als Entschädigung für die Schäden, die durch die gegen- revolutionären Bewegungen angerichtet worden seien. Der Eng- länder Lloyd G r e a m e erwiderte, dieses Prinzip sei beretts In Genua abgelehnt worden. Von Stoatskrediten an Rußland könne überhaupt keine Rede sein. L i t w i n o f s erklärte darauf, das werde russischerseits als glatte Ablehnung aufgefaßt. K r a s s i n fügte einem EE.-Bericht zufolge hinzu, allgemeine Regeln für die Verleihung von Konzessionen könne man unmöglich ausstellen. Man müsse von Fall zu Fall«nt» scheiden. Zusammensastend müsse er betonen, daß er ebenso» wenig wie Litwinoff ein Recht der ursprünglichen Besitzer auf ihr Eigentum anerkennen könne. Damit ist man an dem Punkt angelangt, der die Verhandlungen mit Rußland in Genua zum Scheitern brachte. Ruck nach rechts in �ollon). Amsterdam, 7. Juli.(Niederländische Telegraphenagentur.) Nach den bisherigen nichtamtlichen Ermittlungen haben die Wahlen zur zweiten holländischen Kammer folgendes Ergebnis gehabt: 32 Katholiken, 16 orthodoxe Protestanten(Antireoolutionäre), 11 Christ- lich-Historische, ein reformierter Protestant, d. h. 60 Angehörige der Rechten. Ferner sind gewählt 20 Sozialisten, 10 Libe- rale, 1 Rechtsliberalcr. S Demokraten, 2 Kommunisten, 2 Mitglieder des Landesbundes. Hiernach gewannen die Katholiken 2, die Orthdoxen 3, die Christlich-Historifchen 4 Mandat». Die Sozialisten verloren 2, die Liberalen 5, kleiner« Gruppen 2 Mandate. Der Schuh der Republik. Der OberprSsident� der Provinz Niedrrschlesicn hat auf Grund der Verordnung zum Schutze der Re- publik die„S ch l e s i s ch e Tagespost' wegen der in der Nummer vom 7. Juli enthaltenen Beleidigungen bes Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, Dr. Boelitz, und des Reichskanzlers für vier Wochen verboten. Es handelt sich natürlich um einen Ehebruch, der dadurch besonders interessant wird, daß der Sünder, ohne sein Wissen und in tiefer Nachtdunkelheit, ihn mit der eigenen Gattin begeht. Dieses Miß- Verständnis bringt, ebenso natürlich, zwei Dutzend andere Mißver- stöndnisse, über die der Zuschauer lacht, zumal alles sehr hübsch pointiert und mit guten Witzlein ausgestattet ist. Der Schwank» Verfasser hat an tausend Stellen gelernt: er bietet alle seine Ge- lehrigkeit erfreulich dar. Rur fragt man sich, was diese Lebewelt, die jetzt aus der Sommerbühne oezeiat wird, eigentlich mit dem wirklichen Leben zu tun hat.— Im Lessing-Theater spielt man den Schwank lehr munter, sogar künstlerisch. Kitty Aschenbach, Fräulein Christians, Alfred Haas», Ernst Pröckl und Harry Halm, der talentierte Sohn eines bewährten Theater- manne», amüsieren sich selber sehr gut, da sie bei diesem Stück mit- helfen. M. H. Glückliches England! Jeder, der bei uns mit Ungeduld am Telephon darauf wartet, daß sich da» Amt melde, muß England glücklich preisen, denn dort sind die Verhältnisse augenscheinlich sehr viel besser. Wenigstens erklärte der britische Generalpostmeister Kellaway im Unterhause, er habe in den verschiedenen Teilen des Lande» Proben gemacht, wie schnell der Teilnehmer Anschluß be- kommt. Die Proben wurden selbstverständlich ausgeführt, ohne daß das angerufene Amt eine Ahnung davon hat:». Es wurde die Zeit gemessen von dem Augenblick, wo der Hörer abgenommen wird, bis zu dem, wo das Amt sich meldet. Dabei ergab sich, daß diese Zeit in Aberdeen-t Sekunden betrug, in Edinburg 4,1 Sekunden, in Glos» gow S,3 Sekunden, in Liverpool 6 Sekunden, in London 6,1 und in Manchester 6,1 Sekunden. Diese Zissern wurden als Durchschnitt aus sehr zahlreichen Prüfungen in den verschiedenen Städten erhalten. Butter von einem Jlsch. Die Indianer von Britisch-Kolumblen und Alaska gewinnen ihre Butter von einem Fisch, der„Colichan" genannt wird. Es ist zwischen 6 und 8 Zoll lang und sehr sett. Jeden Sommer kämmt dieser Fisch vom Ozean in die Flüsie hinein, um zu laichen, und Millianen dieser Tiere werden dann gesangen. Die Fische werden zunächst in Holzkisten geworfen, wo sie einige Tage an der Sonne liegen. Dann tut man sie in große Holzbotlich«. die mit Wasser gefüllt sind. Dos Wasser wird durch heiße Steine, die man hineinwirft, erhitzt. Ditsse primitive Art des kteizen» soll nach der Ansicht der Eingeborenen sehr viel zu der Güte der Butter beitragen. Wenn nun das Feit der Fische in den Bottichen empor- steigt, wird es abgeschöpft. Es wird rasch hart und hat das Aus- sehen von Talq. Es soll aber fast so wie Butter ichmecken. nicht den leisesten Fiichgeruch hoben und mit seiner weißen Farbe sehr appetitlich aussehen. Die Indianer verpacken die Butter in Ho'z- kisten und bewahren sie in großen Mengen auf, um sjch das ganze Jahr davon zu nähren. ttrauia- Vorträge. Sonnt.: ,Ini Zibwarzwald(nachm. »Thßringen, V a n d und y r u 1 c*); Mont, Diendl.:„Der E t n st ein. F i> m"; M-ltw.:„TaS schöne Schwabenland'z Dann.:.Die malerisch« Mark"; Freit:»Frühling am Neckar-; Sonnab.:»Die Ins»! Rüge»'. Die deutsch- völkischen Mordanschläge. Vom Deutschen Treubund und dem Anschlag auf Harden. Eine Sonderausgabe der PPN. meldet: Nach dem Anschlag auf den Schriftsteller Maximilian Harden ift es der Polizei bekanntlich sehr rasch gelungen, als Täter den landwirtschaftlichen Beamten Herbert Weichardt in Oldenburg und den Kaufmann, ehemaligen Oberleutnant, Walter Anter= mann in Oldenburg festzustellen und Weichardt festzunehmen. Die Wohnungen der beiden Täter wurden fargfältig durchforscht. Dabei fand sich in einem Mülleimer ein in viele Städe zerrissenes Tele. gramm, das zusammengesetzt und entziffert wurde und darauf hinwies, daß als Anstifter des Anschlags der Inhaber eines bestimm ten Postschließfaches in Oldenburg in Frage fäme. Kriminal beamte begaben sich im Flugzeug dorthin, ermittelten den Inhaber bes Schließfaches und nahmen ihn und seine Frau fest. Der Er. griffene leugnete zunächst, brach aber zusammen, als man ihm das von ihm abgesandte Telegramm vorhielt. Er gestand nunmehr Jeine Beteiligung an dem beabsichtigten Mord ein. Es ergab sich die folgende durch die weiteren Erhebungen als richtig bestätigte Sachdarstellung: Es handelt sich um einen gewissen Albert Wilhelm Brenz, der fich als Berlagsbuchhändler bezeichnet, aber in Wirklichkeit nur einen Handel mit antisemitischen Schriften betreibt. Grenz ist Leiter und Borfihender der deutsch- völkischen Bewegung und Organisation in Ostfriesland. Er ist auch Vorsitzender eines deutschen Treubundes, zu befsen Tätigkeit es zu gehören scheint, daß die männlichen und meiblichen Mitglieder sich mitein. ander nackt photographieren lassen. Wenigstens wurden bei Grenz große Stapel von Radtphotographien der Mitglieder dieses deutschen Treubundes aufgefunden. Außerdem fand man bei Grenz eine Ciste sämtlicher in Oldenburg wohnender Juden und andererseits eine Lifte aller deutschvölkischen Anhänger, die zu afliver Betätigung bereit wären. Brenz gab an, daß er Anfang März dieses Jahres einen Brief erhielt, der den Poststempel München trug und ohne Orts angabe und Anrede, mit Schreibmaschine geschrieben, folgendes enthielt: ,, Sie sind uns als ein tatkräftiger völkischer Kämpfer bekannt und kommen nun mit dem Ersuchen an Gie heran, ob Sie bereit find, etwas Besonderes für die völkische Sache zu tun. Wir setzen dies voraus und fragen an, ob Sie für politische Arbeit zwei junge tatenfrohe Männer wiffen, die bereit sind, für ihr Baterland alles zu fun. Ihre Sicherstellung würde erfolgen. Antwort umgehend unter A. W. G. 500 Hauptpoftamt München." Thang gefallen lassen. Wir haben in Berlin noch imme teinen Plaß der Republit", teine Straße de Freiheit", teinen Play des deutschen Boltes. Un die großen Führer wie Marg, Engels und Lassalle, an Bebe Liebknecht, Singer usw. erinnert noch immer fein Straßenzug i diesem ganzen riesengroßen Berlin. Es wird nun teinen einge Haben Sie vielen herzlichen Dank für das Schreiben fleischten Bureautraten geben, der nicht imftande wäre zu beweisen und sagen Sie auch Dank den beiden Männern. Begeben Sie sich daß das eben nicht so schnell geht", daß, dazu sehr umständlich fofort nach Frankfurt a. M., dort hauptpoftlagernd A. W. G. und auch schwerwiegende Aenderungen in den Grundbüchern vor 500 weitere Nachricht für Sie." genommen werden müssen" und was dergleichen Redensarten meh " Der Brief war wieder mit dem Femefrenz unterzeichnet. Grenz sind. Das Begehren des Volkes aber wünscht ein fuhr nun sofort nach Frankfurt und holte dort den unter der an- baldige enderung, und am besten wird es wohl sein, wen gegebenen Chiffre lagernden Brief ab. Wieder in der gleichen das Bolt selbst in der Weise den Anfang macht, daß es in Zukun Form lautete er: Haben Sie Dank für die bereitwillige Zurverfügungstellung. hörden gegenüber im Bustgarten macht, in feinen eigenen Ar seine Veranstaltungen, um nur ein Beispiel zu nennen, den B Es handelt sich um Erledigung der in anliegendem Zettel ge= nannten Persönlichkeit. Zur Ausführung liegi eine Summe bei, fündigungen diesen Plah ganz einfach als Platz der Republit die Sie so verteilen wollen, daß Sie Ihre Reisekosten decken. bezeichnet. Der Lustgarten war vor Jahrhunderten Stadtberline Berhaltungsmaßnahmen anliegend. Gleichzeitig wollen Sie die Eigentum, ist den Berlinern von den Hohenzollern weggenomme beiden Leute förmlich verpflichten( die Art und Weise bleibt Ihnen und Luftgarten getauft worden. Jetzt mag der Plez wieder a überlassen). Weitere Nachrichten erhalten Sie von Zeit zu Zeit. Berlin und das Volf zurückkehren als Platz der Republik". Der Nach Ausführung der Tat würde Ihren beiden Leuten eine jezige Königsplatz fönnte dann der Platz des deutscher weitere Summe gezahlt werden, welche die anliegende erheblicholtes" um so eher werden, als im Giebelfeld des Reichstages übersteigt. Außerdem wird beiden Leuten, falls fie Wert darauf mit der Inschrift ,, Dem deutschen Bolt" bereits der Hinweis auf die legen, durch Bermittlung richtige Benennung des Plates gegeben ist. " " Anstellung im bayerischen Staatsdienst in Aussicht gestellt." Dem Briefe lagen 23- oder 25 000 m. in bar bei, ein Zettel, ,, Außerordentliche Disziplin der Massen". der in Schreibmaschinenschrift nur die Worte Maximilian Harden Der Polizeichef von New York zur Demonstration. enthielt, und ein Bettel mit folgenden Berhaltungsmaßregeln: Am Tage der Berliner Riesendemonftration befand sich der Keine Briefe und feine Telegramme senden, tunlichst Auto benutzen, nicht viel reden, alles auf die Sache Bezügliche vernichten, nach der Polizeichef von New- Yort, Richard Enright, in Berlin Tat nach verschiedenen Himmelsrichtungen auseinandergehen. Mit und hatte als Gaft der Europäischen Film- Allianz G.m.b.5." Gediesem Material fuhr Grenz nach Oldenburg zurück und benachrich- legenheit, vom Dache des Hauses an der Gedächtniskirche die riesentigte die beiden in Aussicht genommenen Täter. Er verpflichtete sie hafte Dentonstration der Berliner Arbeiterschaft in Augenschein zu in feiner Wohnung durch Handschlag förmlich und machte sie darauf nehmen. Er erklärte, daß er mit höchster Bewunderung aufmerksam, daß den die außerordentliche Disziplin der Massen, und Berräter die gleiche Strafe zwar der größten Menschenmassen, die er in seinem treffen würde, die magimilian Harden zugedacht set. Man schüttelte e ben gesehen hat, sähe und daß er diese polizeiliche Ordnung fich die Hand und wußte, was geschehen sollte. um so mehr bewundere, als er vor Jahren als einfacher Polizist in New York gerade mit der Ordnung der Mengen zu tun gehabt hätte. Mr. Enright und seine Begleitung erklärten, daß sie einen gewaltigen Eindrud mit nach Hause nehmen. ,, Märkische Heimstätte". Untermann erhielt 10 000 m., Weichardt 7000 bis 8000 m. Beide versprachen sofort abzureisen, was sie auch binnen drei Tagen taten. Nachrichten sollten nicht gegeben, der Auftrag vielmehr so rasch wie möglich ausgeführt werden, entweder noch Ende März oder Anfang April. Die Ausführung wurde jedoch von Weichardt und Anfermann verzögert, die mit dem erhaltenen Geld in Berlin zunächst ein zügellofes Luberleben begannen und bald Alle Bemühungen, die Wohnungsbautätigkeit wieder in Gang Sie verkehrten dort mit der Hand mit Tintenfchrift gezogenen fünfzadigen Femestern. allerdings unter falschen Namen, besonders Ankermann nannte fich foften sind heute so hoch, daß selbst für ein bescheidenes Einfamilienzu bringen, tonnten bisher nur geringen Erfolg haben. Die Bau Der Brief trug eine Unterschrift, sondern lediglich einen in allen Bars des Westens bekannt waren. Grenz wandte sich darauf an Weichardt, der sich ohne längeres ftets Hagen. Auch die Briefe, die er an Grenz nach Oldenburg haus nur noch ein wohlhabender Mann ohne Beihilfe die Mittel Befinnen bereit erklärte. Er fam alsbald mit Untermann, der fchickte, waren Hagen u. Comp. unterzeichnet. Sie waren ganz im aufzubringen vermag. Zur Erleichterung der Baugelddem Grenz als Führer der Oldenburger Jungmannen geschäftlichen Stil gehalten, und der letzte wohl schon nach der Er beschaffung, die jetzt wichtiger als je ist, wurden seit 1918 die bekannt war, zu Grenz und erklärte sich bereit, auf den Vorschlag mordung Rathenaus geschriebene Brief, die Antwort auf ein lehtes Wohnungsfürsorge- Gesellschaften geschaffen. Ueber einzugehen. Daraufhin schrieb Grenz an die angegebene Adresse, er zur Tat mahnendes Telegramm an Grenz, lautete dahin, daß trok deren Mitarbeit in dem Kampf gegen die Wohnungsnot( prachen in fönne bie freudige Mitteilung machen, daß er zwei brave deutsche der ungünstigen Konjunktur das Geschäft binnen furzem perfekt ge- einer von der Gesellschaft Märkische Heimstätte" für die Presse ve: Männer gefunden habe, die sich zur Verfügung stellen. Er bitte um macht werden würde. Nur rechne man dann auch auf prompte anstalteten Gigung der Geschäftsführer des Reichsverbandes der. baldige weitere Mitteilung, da die Herren stellungs- und mit. Jnnehaltung der von der Gegenfeite übernommenen Berpflichtungen. Wohnungsfürsorge- Gesellschaften Dr. 3isseler und der Geschäftstellos feien. Auch dieser Brief war mit Schreibmaschine ohne Orts- Es unterliegt feinem Zweifel, daß der Vorgang sich im mesent- führer der Märkischen Heimstätte" Architekt 3ettler. angabe und Unterschrift geschrieben und wurde in Oldenburg zur lichen so abgespielt hat. Die Umstände des Verbrechens find völlig Boft gegeben. Schon nach drei bis vier Tagen tam aus München aufgeflärt bis zu den Spuren, die nach München führen. Dort die Antwort, äußerlich in derselben Form wie der erste Brief: hat sich bisher noch nichts weiteres feststellen laffen. Ein Appell Maxim Gorkis. Marim Gorti hat unter dem 3. Juli aus Deutschland, wo er sich gegenwärtig zur Kur aufhält, folgendes Schreiben an Anatole France gerichtet: In den Wohnungsfürsorge- Gesellschaften, die je eine Proving umfassen und danach Märkische Heimstätte"," Bommersche HeimStätte" usw. genannt werden, sind 2nteilseigner der Staat, die Provinzen, Kreise, Städte, Landesversiche= Reaktion in den Auslandsvertretungen. bleibe schwierig und verwickelt. Trogdem könne die Kommiffo unternehmungen. Diese Gesellschaften follen hauptsächlich die tungsanstalten, Baugen offenfchaften, Industrie. heffen, i'm manat September ber Versammlung des B51 Baugenossenschaften unterstützen, die zwar vor dem Kriege praktische Aus Barcelona schreibt uns ein dort lebender deut terbundes Material vorzulegen, das ohne Zweifel Erfolge hatten, aber schon damals oft unter Kapitalmangel litten. fcher Genoffe: nicht gestatten werde, einen wirksamen Abrüstungsplan aufzustellen, Gie geben Kredit, beschaffen Baustoffe, gewähren Am Dienstag, den 27. d. m., mittags 2 Uhr, fuhr ich zum das aber erlauben werde, die Grundsäge hierfür festzulegen. Auch Bau- und Finanzberatung, übernehmen auch völlige Generaltonfulat in Paseo de Gracia, um mich zu über- Viviani drückte seine Befriedigung über die von der Konferenz Finanzierung von Bauten der Genossenschaften usw. Auch Kreiszeugen, ob man dort zu Ehren des ermordeten Außenministers geleistete Arbeit aus. Man habe einige Schritte voran getan. Die siedlungsgesellschaften, fleine Gemeinden, industrielle Unternehmungen Dr. W. Rathenau an deffen Beerdigungstage die Reichsflagge Arbeit des Völkerbundes auf dem Gebiete der Entwaffnung sei usw. suchen die Hilfe der„ Heimstätten". auf Halbmast gehigt habe es war natürlich nicht der Fall. vielleicht die größte Anstrengung, die bis jetzt unternommen Berlin ist die Märkische Heimstätte", deren Bufaß Die Wohnungsfürsorge- Gesellschaft für Brandenburg mit Nach dem amtlichen Handbuch für das Deutsche Reich, worden sei. bezeichnung„ Siedlungsbant für Groß- Berlin und Brandenburg" 1922" ist ein Herr v. Hassel deutscher Generalfonful in zeigt, daß sie besonders die Finanzierung von Wohnungsbauten Barcelona. Dieser Herr muß für die uns mitgeteilte grobe betreiben will. Die Märkische Heimstätte" half aber auch durch Bflichtverletzung verantwortlich gemacht werden. Die reatTätigkeit erstreckt sich auf 60 Gemeinden und Städte der tionäre Gesinnung eines großen Teils der Auslandsdeutschen eigene Bautätigkeit die Mehrung der Wohnungen fördern. Ihre ist nicht zuletzt auf die vornovemberlichen Anschauungen vieler Broving Brandenburg. Mit knapp 13 Millionen Mart Stamm unferer offiziellen Bertreter im Auslande zurückzuführen. Das wird nicht beffer werden, solange nicht ein paar Erempel statuiert werden. Je weiter die Herren Gesandten und Konsuln von der Heimat entfernt sind, desto ungenierter glauben fie oft ihre Mihachtung für die republitanische Staatsform und deren Einrichtungen bekunden zu können. Insbesondere die meisten südamerikanischen Vertretungen des Deutschen Reiches sind, wie aus mehreren uns in letzter Zeit zugegangenen Buschriften hervorgeht, eine Brutstätte der Reattion. Hier muß ebenfalls durch gegriffen werden, wobei allerdings zugestanden werden muß, daß eine solche Reinigungsaktion eine gründliche Säuberung des Berliner Auswärtigen Amtes von jenen zahlreichen aus dem alten Regime übernommenen Eristenzen voraussetzt, die für die Pflege der alten Tradition und des alten Geistes hartnädig forgen. Terror in Polnisch- Oberschlesien. Beuthen, 8. Juli.( WIB.) Der polnische Terror in Bolnisch- Oberschlesien gegen die deutschen Beamten und Arbeiter hat zur Stillegung einzelner Hütten und Gruben anlagen geführt. So wurde gestern der Betrieb der Königs und Laurahütte cingestellt, weil die deutschen gestellten von ihren Arbeitsstätten vertrieben worden sind. Au den Stickstoffwerfen in Chorzow droht dasselbe Schicksal. Die gleichen Zustände herrschen auf der Margrube und der Gräfin- Lauragrube sowie der Baildon hütte, Abrüstung? 310 Nur Abrüstungskommissionen. „ Verehrter Anatole France! Das Gericht über die Soalrevolutionäre hat den zynischen Charatter einer öffentlichen Vorbereitung zur Ermordung von Menschen angenommen, die der Sache der Befreiung des ruffifchen Wolfes aufrichtig gedient haben. Ich bitte Sie dringend: wenden Sie sich noch einmal an die Sowjetregierung mit dem Hinweis auf die Unzuläffigkeit dieses Berbrechens. Vielleicht wird Ihr gewichtiges Wort das kostbare Leben von Sozialisten reffen. Ich übersende Ihnen anbei einen Brief, den ich an ein Mitglied der Sowjetregierung gerichtet habe. Herzlichen Gruß. M. Gorki." Die Anlage enthält die Abschrift eines Briefes Gorfis vom 1. Juli 1922 an 2. 3. Ryto w, der bekanntlich neben Burjupa den stellvertretenden Borfiz im Moskauer Rate der Volksfommissare führt. Dieser Brief lautet: Alerej Jwanowilich! Falls der Prozeß der Sozialrevolufionäre mit einer Ermordung abschließt, so wird dies ein Mord mit Vorbedacht, ein verabscheuungswürdiger Mord sein. Ich biffe Sie, dieje meine Meinung C. Trofi u. a. mitzuteilen. Ich hoffe, Sie werden sich über meine Worte nicht wundern, da sie ja wissen, daß ich während der ganzen Revolution unzählige Male der Sorojetregierung erklärt habe, daß ich die Ausrottung der Intellektuellen in unserem ungebildeten und fulfurarmen Lande für eine Sinnlosigkeit und ein Berbrechen halte. Ich bin überzeugt, daß, wenn die Sozialrevolutionäre ermordet werden, diese Greuelfat eine moralische Blodade Rußlands von feiten des fozialistischen Europas hervorrufen wird. M. Gorki." tapital, das hauptsächlich der Staat Preußen, die Provinz Branden burg und die Stadt Berlin zu etwa gleichen Zeilen hergaben, hat die Märkische Heimstätte" in drei Jahren 1200 23ohnungen gebautoder finanziert, und wegen weiterer 300 Wohnungen wird noch verhandelt. Den Vorträgen folgte eine Besichtigung der größtenteils fchon fertigen Siedlung Eich kamp und einer entſtehenden neuen Siedlung bei Siemens ftadt. In der Siedlung Eichkamp hat die ,, Märkische Heimstätte" selber bisher 108 fleine und mittlere Wohnungen in Einfamilienhäusern gebaut, und weitere 54 Wohnungen find in Angriff genommen. Bei Siemensstadt hat sie als Gefchäfts. " führerin einer Wohnungsgesellschaft Siemensstadt", die für die Bedürfnisse der Siemenswerte forgen mill, an der Finanzierung mitgewirkt, und die Baupläne geprüft. Fier werden teils in Einfamilienhäusern teils in mäßig hohen Stockwerkshäusern 161 Wohnungen geschaffen, die nicht Werkswohnungen" find, sondern aud) von nicht in den Siemenswerten beschäftigten Mietern bewohnt werden können. Erfolgreiche Blutlauskontrolle" Ein gefährlicher Heiratsschwindler, der seit einiger Zeit fein Unwesen treibt, wurde von der Kriminalpolizei endlich unschädlich gemacht. Edhof, bald Freiherr von Edstein nannte, näherte fich heiratsluftigen, Ein junger Mann, der sich bald Baron von Bankel, bald von besonders ältlichen Witwen und Mädchen und stellte sich ihnen als Generaldirektor, Generalingenieur oder Oberingenieur vor. Er ers zählt: ihnen dann allerlei von einem bedeutenden Boften, den er als Direktor in Nürnberg oder sonst einer Stadt in Süddeutschland zu übernehmen im Begriffe steht. Dabei zeigte er auch Briefe, die feine Behauptungen zu bestätigen schienen. Die Bräute wußten natürlich nicht, daß er sie selbst für seine Schwindelzmecke geschrieben hatte Der Platz der Republik. In der Regel spielte in feinen Vorspiegelungen eine UeberlandJede staatliche Um- und Neuordnung sollte es mit sich bringen, zentrale, die in Konkurs geraten war, eine Rolle. Der Konkurs hatte den Generaldirektor gezwungen, einen neuen Poften zu übernehmen, Paris, 7. Juli.( WTB.) Der vom Völkerbund eingesetzte Aus- daß eiliche Dutzend alte Zöpfe abgeschnitten, die verstaubten zunächst aber auch in Berlegenheit gebracht, weil er sein in das chuß zur herabsehung der Rüstungen hat heute seine Berücken der Bureaufraten recht tüchtig ausgebeutelt und in allen Internehmen hineingestecktes Kapital oder feine leßten GehaltsTagung beendet. Um die praktische Anwendung der Grundfäße Kanzleien, Bureaus, Schreibstuben, Attenzimmern und Registra- bezüge erst nach Beendigung des Konkursverfahrens herausbekommen eines allgemeinen Plans gegenseitiger Verteidigung, der als Grund- turen recht gründlich gereinigt und gelüftet wird, damit auch ein- tönne. Die Bräute, die voneinander nichts wukten, halfen ihm gern lage für die Abrüstung dienen soll, zu prüfen, ist eine technische mal ein Geruch der neuen Zeit in diese dem Leben oft so fremden aus und gaben dafür nicht nur ihr bares Gelb, sondern auch noch Unterfommiffion gebildet worden, der angehören Lord und entfernten Räume dringt. Von diesem Recht ist seit dem ihre Schmuckfachen her. Einige nahm er auch nach der Stadt seiner Robert Cecil, die Generale Ignace und Marietti, Oberst Requin 8. November in Deutschland, besonders aber in Berlin, recht spar- angeblichen fünftigen Tätigkeit mit, um ihnen schon im voraus die und Lohner sowie Sanffen. Dieser Ausschuß soll in Gemeinschaft sam Gebrauch gemacht worden. Wie wenig die Gegenseite diele neue Heimat zu zeigen. Jeden Morgen verließ er dann das Hotel, 3u Konferenzen" und fehrte erst abends zurück. Wenn dann die mit dem beratenden Ausschuß für militärische und maritime Fragen anständige Gesinnung der echten Republikaner zu würdigen weiß. Mittel des Opfers erschöpft waren, so ließ er es im Hotel fitzen und den Entwaffnungsplan von Lord Esher prüfen. Endlich hat haben u. a. auch wieder die letzten Verhandlungen des Stadt- fuhr nach Berlin zurüd, um ein neues auszubeuten. Trotz aller die Kommission der maritimen Settion des tonfulativen Ausschusses parlaments bewiesen, in denen für die selbstverständlichen Forde Nachfors hungen war der Schwindler nicht zu faffen, bis jetzt endlich die Abrüstungspläne für die Marine übermittelt, die Marquis de rungen der drei Linksparteien nach Entfernung von Bildern und eine Spur nach einer großen Laubenfolonie führte. Saluzzo und Oberst Requin unterbreitet wurden und die denen Büsten der Monarchen sowie Ludendorffs und Hindenburgs aus Hier traten nun Beamte als Blutlauskontrolleure auf, und so gelang ähnlich sind, die Konteradmiral Seagrave gestellt hat. Am Schluß städtischen Amtsgebäuden und Schulen weder Demokraten es ihnen, den Baron von Bankel" zu ermitteln und festzunehmen. Er entpuppte fich als ein Elettrotechniter Frig Klötte. Der Berhaf der Beratung ergreift Lord Robert Cecil das Wort, um zu er- npc 3entrum zu haben waren. Vier Jahre aber sind seit der tete hat ohne Zweifel noch niel mehr auf dem Kerbholz, als man klären, die Kommission habe wesentliche Vorarbeiten geleistet und Revolution bald verstrichen und wir müssen uns immer noch Kaiser- bis jetzt weiß. Betrogene Witwen und Mädchen, die noch keine durch ihre Tätigkeit die Umstände und die Bedingungen geschaffen, Wilhelm- Straßen und Pläße und die sonstigen in Straßennamen Anzeige gemacht haben, fönnen sich bei Kommiffar Kuhn im Zim die zur Herabfebung der Bewaffnung führen fönnten. Die Aufgabe niedergelegten Erinnerungen an die Hohenzollern und ihren An- mer 154 des Polizeipräsidiums melden. Hamburger Ausführung des Reichsmietengeseked. Der Hamburger Senat hat wohl als erste Landesbehörde eine Verordnung zur Ausführung des Reichsmietengefeges befanntgegeben. Sie datiert bereits vom 31. Mai und ist in Nr. 64 des Hamburger Gesetz. und Berordnungsblattes abgedruckt. Danach' gilt für das hamburgische Stadtgebiet ein Zuschlag von 500 Pro 3. zur Grundmiete. Diese 500 Proz. dienen aber lediglich zur Abgeltung der Betriebskosten und der Kosten für die laufende Instandhaltung. Die Kosten für die großen Instandsetzungsarbeiten werden im Einzelfall auf Anrufen des Vermieters vom Mieteeinigungsamt( in Hamburg heißt es nicht Mieteinigungsamt") festgesetzt. Diese 500 Pro3. sehen aber nach mehr aus als es wirflich der Fall ist, denn sie sind fein Zuschlag zur Friedensmiete, sondern zur sogenannten Grundmiete. Diese Grundmiete wird nach der gleichen Verordnung in der Regel durch einen Abzug von 40 Proz. von der Friedensmiete ermittelt, sofern nicht in der Friedensmiete die Vergütung für besondere Nebenleistungen enthalten war und deshalb ein höherer Abzug( im Höchstfall bis zu 87 Broz.) begründet ist. Nimmt man den Normalausfall eines Abzugs von 40 Proz., so ergibt sich bei einer Friedensmiete von 100 eine Grundmiete von 60, also unter zurechnung der Steigerung von 500 Broz. ein Plus von 5 x 60= 300 m., mithin eine gefeßliche Miete von 360 m., d. h. eine Steigerung gegenüber der Friedensmiete von 260 Proz. ausschließlich der großen Reparaturen. Berliner Feuerlöschhilfe für Senftenberg. Die Grube Marie III in Senftenberg der Braunkohlengesellschaft Ilfe, ein Tagebau, steht seit einigen Tagen in großer Ausdehnung in Flammen. Die Wehren von Senftenberg und Umgebung, sowie die Feuerwehren der Gruben waren gegenüber dem Riefenfeuer machtlos. Es wurden daher die Wehren von anderen Städten, wie Dresden und Berlin um Hilfe angegangen. Dresden schickte dann auch einen Löschzug, und von Berlin aus wurde eine Motorsprize der Hauptwache mit 2000 Meter Schlauchleitung am Freitag nach Senftenberg entfandt. Hoffentlich gelingt es nun den vereinten Anstrengungen, des großen Feuers, das schon enormen Schaden angerichtet hat, Herr zu werden. Außergewöhnlicher Zuchterfolg im 300. Eines der seltensten und interessantesten Zuchtergebnisse ist im Zoologischen Garten in aller Stille eingetreten, indem auf dem Raubvogelfelfen ein junger Gänsegeier von dem zwei Monate lang fich abwechselnden Elternpaar treu und sorglich ausgebrütet wurde, das ihn bis jetzt mit gleicher Hingebung pflegt und füttert. Hier ist das der erste Fall feit Bestehen des Gartens. Aus früheren Zeiten sind gar feine, aus der neueren nur ganz wenige ähnliche Fälle bekannt. Zu Vorauszahlungen auf Umfahfteuer an die Finanzämter im Wege des Posischedverkehrs sind besondere Bordrucke zu zahltarten eingeführt worden. Die Finanzämter werden der erstmaligen, in diesen Tagen ergehenden Aufforderung drei Zahlfarten für die Berauszahlungen im Juli und Oftober 1922 sowie im Januar 1923 beifügen. Die Zahlkarten sind auch am Schalter jeder Postanstalt er hältlich. Fleischftüde im Pappkarton. Der Fund eines Batets mit un heimlichem Inhalt rief heute morgen die Mordkommission der Kriminalpolizei nach der Spree. An der Ede des Kupfergrabens und der Brinz- Friedrich- Karl- Straße wurde ein Pappfarton aus der Spree gelandet, der Fleisch st üce enthielt, die in einer blauen Ethürze eingewidelt waren. Man hielt den Inhalt für Teile einer Frauenleiche, und alsdann verbreitete sich das Gerücht von einem Morde und einer Leichenzerstückelung. Der Fund wurde, nachdem die Kriminalpolizei erschienen war, nach dem Schauhaufe gebracht, um dort untersucht zu werden. Es tann ebensogut anderes Fleisch fein, daß als verdorben oder vielleicht auch gestohlenes in dem Papp tarton ins Wasser geworfen worden ist. Wetter für morgen. Berlin und Umgegend. Wärmer, zunächst überwiegend heifer, troden, bei mäßigen südöstlichen Winden. Nachher wieder znnehmende Bewölkung, und etwas Gewitterneigung. Theater der Woche. Bom 9. bis 16. Juli. Gewerkschaftsbewegung Der Handwerkskammerpräsident als Erzieher. Hierzu sprachen Bolizeioberwachtmeister Dehn, Polizeimajor Bäder und Generalsekretär Dr. France. Polizeimajor Bäder beflagte in seinen Ausführungen, daß alle von maßgebender Seite gegebenen Versprechungen, die Schutzpolizei in ein lebenslängliches Beamtenverhältnis zu überführen, Eine der wichtigsten tulturellen Forderungen der gesamten Ar- nicht gehalten wurden und daß der Reichstag in eiliger Weise das beiter, Angestellten und Beamten ist der vielfach tariflich vereinbarte Reichsrahmengefeß für die Schutzpolizei verabschiedet habe. Auch Erholungsurlaub. Innerhalb der letzten drei Jahre hat sich diese der Deutsche Beamtenbund, an den wir uns gewandt haben, damit Forderung immer mehr und mehr verwirklicht, und je nach Macht- er unsere Forderung vertreten möge, hat versagt. Der Redner geht verhältnissen oder sozialer Einsicht erhalten auch die Lehrlinge dann auf die Uneinigkeit zwischen den bestehenden Organisationen einen Erholungsurlaub. 3war lauten die Forderungen der Jugend- der Bolizeibeamten näher ein, die zum quten Teil verschulde, daß lichen und Lehrlinge auf zwei bis vier Wochen Ferien, in der Regel ein Reichsrahmengefeh in der jezigen Fassung zur Annahme gelangen fommt jedoch bei den Verhandlungen mit den Arbeitgebern nicht fonnte. Die Einheitsfront für die Organisationen der Polizeimehr als ein drei bis zwölftägiger Urlaub heraus. beamten müsse geschaffen werden, menn etwas für die Schutzpolizei erreicht werden solle.( Lebh. Beifall.) Die Arbeitgeber der Groß- und Mittelbetriebe besitzen in dieser Frage Einsicht und gewähren den Lehrlingen Ferien. Anders sieht Oberwachtmeister Dehn: Die Erfahrung habe gezeigt, daß man es jedoch in den Kleinbetrieben, besonders bei Innungs- auf Versprechen nichts geben könne. Einerseits werde der Schuhmeistern, aus. Wohl soll zugegeben werden, daß hierin nicht alle polizeibeamte als Beamter, in dem Angestelltenverhältnis aber als Kleinmeister gleich sind, daß bei einzelnen foziale Einsicht zu ver- Golbat behandelt. Als Beispiel für die ganz unzureichende Bezeichnen ist, aber führende Personen der Berliner Handwerkskammer foldung führte der Redner an, daß ein vierzigjähriger Bolizeinehmen in der Urlaubsfrage einen Standpunkt ein, der durchaus als beamter, der fünf unmündige Kinder zu versorgen habe, ein MoSozial rückständig bezeichnet werden muß. Eine diesbezügliche natsgehalt von 4800 m. beziehe. Es sei doch unmöglich, damit ausAntwort des Handwerkskammerpräsidenten, des Herrn Lubert, zutommen.( Lebh. Beifall.) auf eine Anfrage des Handwerkskammertages lautet wie folgt: ,, 1. Die Urlaubsgewährung an Lehrlinge ist nichts Neues, sondern alter Handwerksbrauch. Die Lehrlinge wurden schon immer zu Familienfesten(!), zum Jahrmarkt(!) oder zur Kirchweih(!) ihrer Heimat auf einige Tage beurlaubt. 2. Es liegt daher fein Grund vor, diesen Brauch zu schablonifieren oder ihn vertragsmäßig festzulegen, denn da der Lehrling im erziehungsbedürftigen Alter sich befindet, widerspricht es allgemeinen pädagogischen Grundsägen, ihm folche Urlaubsrechte ohne Rücksicht auf seinen Fleiß und fein Betragen von vornherein zuzusichern. Beil es nun aber Gewohnheitsrecht im Handwert ist, die Lehrlinge, wie zu 1 ausgeführt worden, nach Bedarf zu beurlauben eine Fortwirkung des Gefühls der Zugehörigkeit zur Familie des Lehrherrn- so bedarf es feiner Neueinführung dieses Brauches im Handwerk durch die Gewerkschaften; vielleicht schließt sich die Fabrikindustrie dem Gewohnheitsrecht im Handwerk an. Dabei ist es selbstverständlich, daß die Urlaubserteilung an fleißige und tüchtige Lehrlinge freigebiger erfolgen wird als an faule, widerspenstige und intereffelose Lehrlinge. Aber wir stehen auf dem Standpunkt, daß alle dem Lehrherrn noch zur Verfügung stehenden Erziehungsmittel beim Lehrling auch in den Dienst des Erziehungsgedankens gestellt werden müssen. Dies gilt besonders Dom Urlaub. Borkommende Härten beseitigt die Einrichtung des Lehrlingsausschusses bei jeder Innung." Der Handwerkstammerpräsident scheint nicht zu wissen, daß in Berlin das Koft- und Logismejen für die Lehrlinge fast verschwunden ist, daß eine Beurlaubung zu Jahrmärkten, Familienfeften, zu Kirch weihen usw. nicht in Betracht kommt, daß für zirka 33 000 gewerb liche Lehrlinge in Groß- Berlin diese dorfmäßigen Berhältnisse nicht gelten. Aber auch weiter atmet die Antwort eine derartige Berfennung der heutigen großstädtischen Verhältnisse und jongliert mit pädagogischen Grundsägen, daß man sich fragen muß, ob die Verfaffer derartiger Gedanken noch auf ihre Posten gehören. Allent halben wird angestrebt, jedem Menschen eine Ruhepause im Jahre zu gewähren, um Geist, Körper und Gemüt von dem Großstadtlärm zu erholen. Sicher weiß auch der Präsident der Handwertstammer, im Nebenamt Befizer eines Barbierladens, dergleichen zu schäßen. Warum der unterernährten Großstadtjugend nicht auch solche Ruhepause gewährt werden soll, ist nicht ersichtlich. Aber es ist derselbe Geist, der aus den angeführten Säken spricht, der den Lehrlingen nur wöchentliche Kostgeldfäge von 25 bis 65 m. vom ersten bis vierten Lehrjahr zuspricht, für sich selbst aber, wie aus einer früheren Mitteilung des Borwärts" hervorging, die Wertschäzung der eigenen Bezahlung nicht hoch genug schrauben kann. Es ist an der Zeit, mit diesem vormärzlichen Gebaren der Handwerfstammervertreter aufzuräumen, Bersonen mit fozialem und fulturellem Berständnis in die Kammer zu bringen oder follte dies nicht möglich sein die ganze Handwerkskammer zum alten Gerümpel zu werfen. Wilde Streifgerüchte. Unter der Ueberschrift Jeden Dienstag Demonstrationsstreit" bringt die Abendausgabe des Stegerwald- Blattes" Der Deutsche" Dom 8. Juli eine längere Notiz, in der die Behauptung aufgestellt Bollsbühne: Robert und Bertram. Schauspielhaus: Die beiden Rachti. wird, daß in den Reichsverkehrsbetrieben eine lebhafte Propaganda gallen. Deutsches Theater: Potasch und Perlmutter. Kammerspiele: Der Raub der Gabinerinnen. Lessing- Theater: Der Schildpattkamm. Theater für einen neuen Demonstrationsstreit entfaltet wird. Als Ur in der Königgräger Straße: Die wunderlichen Geschichten des Kapellmeisters heber werden die Reichsgewerkschaft Deutscher Eisenbahnarbeiter Kreisler. Schiller- Theater: Die fleine Sünderin. Sr. Schauspielhaus: und Anwärter" und der Deutsche Eisenbahnerverband bezeichnet. Die Maschinenstürmer. Renes Volls Theater: 12. Heuchler, 9., 10., 11., 13., 11., 15. Die erste Ceige. Die Tribüne: Der weiße Bär und die schwarze Der angebliche Demonstrationsstreit soll wiederum auf einen DiensPanthertage. Deutsches Künstler- Theater: Die erste Nacht. Romödienhaus: tag fallen und sich gegen die Teuerung richten. Ohne auf den Inhalt Gretchen. Berliner Theater: Madame Flirt. Trianon- Theater: Moral. Residenz- Theater: Eine Frau ohne Bedeutung. Zentral Theater: Ein Bracht der ganzen Notiz einzugehen, fönnen wir furz und bündig feststellen, madel. Komische Oper: Der Meister von Montmartre. Reues Operetten. daß an der Darstellung des Deutschen" tein wahres Wort ist. theater: Die Mädels von Davos. Thalia- Theater: Die Herren von und zu. Theater am Rollenberfplay: Berliebte Leute. Theater des Westens: Italie. Die Schutzpolizei gegen das Reichsrahmengefeh. nisches Ballett. Aleines Theater: Celly de Rheidt. Wallner- Theater:( Gefchloffen). Walhalla- Theater: Er und seine Schwester. Rose- Theater: Die Bezirksgruppe Groß- Berlin des Preußischen Polizeibeamten. Dorus Refi Renes Theater am Roo: Scampolo. Theater am Kurfürsten verbandes hielt am Freitag abend im Lehrervereinshaus eine Boll. bamm: Der schwarze Pierrot. Intimes Theater: Die Beitsche und such im Bett. Lauf doch nicht immer nadt herum. Die babende Nymphe. versammlung mit der Tagesordnung:„ Die Lage der SchußpolizeiRachmittagsvorstellungen: Wolfsbühne: 9., 15. und 16. Undine. beamten", ab. -1 Theater i. d. Neues Operettenhaus Königgrätzer Str. Schöneberg, Hauptstraße 144 nahe Potsdamer Straße Anfang 8 Uhr Anfang 8 Uhr Der größte Heiterkeitserfolg Senta Söneland in Hoheit- Frau Hirsch Borwärts".Leier zahlen gegen Rüdgave blejes Inferats bis 9. Juli an der Abendkasse von 62 Uhr an 1. Barfett. Bartettih Orchesterjih 10 m. 20 30 19 Dampfer- Extrafahrt. ab Waisenbrücke ( Neu- Cölln a Wasser). Jeb. Sonntag, Mont., Dienst. u. Mittw n. Zeupit( Zorn. Jdyll), Abf. 8 Uhr morg Ab Stralau. Reft.Tübbecke, 25 Min spät- Ab Schlütersteg, Bhf.Friedrichstr. J. Dienst., Mittw. u.Donnerst. n. Brandenburg a 5., Abf. 72 morg. An Bereine. Gewertsch, Schulen f. Dampfer zu vergeb Tel Aleg. 5325. Langwald& Schmolke, C2, An d. Stralauerbr. 8. Seit 70 Jahren ist St San.-R. Haussalbe bei HautDr.Strahls ausschl., Flechten, Bein- und Krampfadergeschwüren, Frostschäden, Hämorrhoiden ein bestbewährtes und schnellheilendes Mittel. OriginalDose 23,- und 45.- M. Elefanten- Apotheke Berlin SW 213, Leipziger Str. 74, Dönhoffp!. Einmalige volkstümliche Vorstellung nur zum ermässigten Preise: I. Rang 50 Mark Montag, 10 Juli Die wunderlichen Geschichten des Kapellmeisters Kreisler in 42 Bildern. 1-4 Karten gegen Abgabe dieser Anzeige an der Abendkasse. Für Gold- u. u. Silber- V Brillanten etc. xahlt die höchsten Tagespreise Juwelen EinkaufsGesellschaft Hopenfeld& Co. 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Reine Wolle in 67500 150000 Stridijacken hönsten Farben. bis Wintermäntel und Katzenjacken neu eingetroffen Grohe Auswahl Reelle Bedienung Damen- Confektion Elegant Hermann Pert Charlottenburg, Wilmersdorferstr.46 Dr. Franfe: Die Einheitsfront der Polizeibeamten fei ge= scheitert an der Hartnäckigkeit einzelner Führer, die über der Organifat on stehen wollen. Die Beamtenschaft merde über die Köpfe der Führer hinweg die Einigkeit herstellen müssen. Der bevorstehende Reichsverbandstag werde zu prüfen haben, was zu tun ist, unsere Forderungen zur Durchführung zu bringen. Trotz der ungesicherten Existenz und ihrer Notlage werde die Schußpolizei sich treu in den Dienst der Republik stellen und für den Gedanken des neuen deutschen Boltsstaates eintreten.( Grcher Beifall.) In der folgenden Aussprache nahmen Auseinandersehungen zwischen den Mitgliedern der bestehenden beiden Organisationen der Schuhpolizei den breitesten Raum des Abends ein. Es flang aber aus allen Reden ein verföhnlicher Ton und der ernste Wille zu einer Berständigung heraus. Keine Minute dürfe mehr versäumt merden um diese zu erreichen. Am Schluß der Aussprache wurde folgende Resolution einftimmig angenommen, in der es heißt:„ Wir sind nach wie vor gewillt, am Aufbau unseres Baterlandes mitzuarbeiten, Ruhe, Ordnung und Sicherheit aufrechtzuerhalten und die verfassungsmäßige Regierung mit allen Mitteln zu stützen. Wir verlangen aber die Eingliederung in das Berufsbeamtentum und lehnen eine Sonderstellung und jeden Vergleich mit der Reichswehr grundsäglich ab." Schiedsspruch im Buchdruckgewerbe. Troß wiederholtem Eingreifen der Reichsregierung haben die Buchdruckereibesitzer an ihrem ablehnenden Standpunkt hartnäckig festgehalten. Auch die Verhandlungen, die heute vormittag im Reichsarbeitsministerium stattfanden, sind gescheitert. Die Regie rung hat sich nun entschlossen, der unhaltbar werdenden Situation durch Fällung eines Schiedsspruches ein Ende zu machen. Wie wir erfahren, wird heute nachmittag im Reichsarbeitsministerium ein Schiedsspruch gefällt werden, der sofort als rechts verbindlich erklärt werden wird. Wir werden sehen, ob die Unternehmer ihre reaktionäre Katastrophenpolitik dann noch aufrechterhalten werden tönnen. deder beträgt ab 1. Juli 1922: 36 M., der Hilfsarbeiter 34,20 m. Dachdecer und Berufsgenossen! Der Stundenlohn der Dach Der Wochenbeitrag von der 27. Woche 27 M. Der Borstand. J. A.: Richard Stolzenhain. Der italienische Metallarbeiterstreik beigelegt. Mailand, 8. Juli.( E. P.) Zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in der Metallindustrie der Lombardei hat durch die Bermittlung der Regierung in Rom eine Verständigung erzielt werden fönnen, wodurch auch der Solidaritätsstreit in der Metallindustrie in ganz Italien beigelegt wurde. GPD.- Metallarbeiter und arbeiterinnen. Allgemeine Bersammlung am Dienstag abend 7 Uhr in den Sophiensälen, Sophienstr. 18/19. Tagesordnung: Die bevorstehende Wahl des 1. Bevollmächtigten unferer Verwaltungsstelle Berlin. Berbandsbuch und Barteibuch legitimieren. Berantw. für den redakt. Teil: Franz Klübs Berlin- Lichterfelbe; für n eigen: Tb. Glode, Berlin. Berlag Borwärts- Verlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Baul Singer u. Co.. Berlin. Lindenstr. 3. M. SCHULMEISTER MSchulmeister Hochbahnstation Kottbuser Tor billige Tage Herren-, Jüngl- u. Knabenkleidung Merven Maben KIEG + 10 Geschlechtskranke vom 1.- 12. Juli in nur einmal im Jahre Syphilis, Männerschwäche, Frauenleiden. Hart. Zinn Gold-, Silber- Bruch näckige veraltete Ausflüsse linden schnelle Hite Quecksilber ohne Berufsstörung durch Phorosanos neues deutsches Reichspatent Tausende, auch die schwersten Fälle, die anderweitig jahrelang ohne Erfolg behandelt waren, werden d Phorosanos kurz ristig geheilt. 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