Nr. 7. Erjchtinl täglich außer Montags. Preis pränumerando: Vierlei- jährlich Z,Zo Marl, monatlich t.io Ml., wöchentlich 2S Pjg. frei in's Haus. Einzelne Nummer 8 Pfg. Sonntags- Nummer mit illustr. Sonntags-Beilage„Neu- Welt" 10 Pfg. Post-Abonnement: Z.zoMl. proQuartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 All., für das übrige »usland sMl.pr.Monat. Eingetr. in der Post- geitungs- Preislist, für lSS- unter Nr. 7128. 12. Jahrg. InserlionS-Sebühr beträgt für die fünkgespailene Petitzeile oder deren Raum ro Pfg., für Vereins- und Bersammlungs- Anzeigen so Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Tie Erpedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn- und Festtagen bis» Uhr Vormittags geöffnet. Ferufprecher: Amt l, Ur. lufts. Trlegra»»»- Adresse: „SolialdemoKrat Kerlln!' Verlilier Volksblalt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. AedaKtion: LV.l9. Aeuth-Strake Z. Mittwoch, den 9. Jannar 1893. ß�peditiott: LV. l9, ZZenth-Straße 3. Ardeiter� Varteigenosseu! Bei der Wichtigkeit, welche die Umsturzdebatte im Reichstage für die Parteigenossen wie für die gesummte Arbeiterschaft hat, lassen wir dieselbe in stenographischem Wortlaut als M?" Brosftre zur Mliiseuverbreitung nach Art und Preis der»Z n k u n f t s st a a t s d e b a t t e" herstellen. Dieselbe wird im Lause der nach st en Woche, je nach Umfang der Debatten, in ein oder zwei Heften zur Ausgabe gelangen. Wir ersuchen unsere Genossen um«»gesäumte Auf- gäbe der Bestelluugen, um die Höhe der Auftage bc- stimmen und die geehrten Besteller rechtzeitig in Besitz der Schrift setzen zu können. Mit Parteigruß Lueddauälullg des„Vorwärts", SW., Kenthstralse 2. (Quittung. Im Monat Dezember gingen bei der Parteikasse folgede» Beiträge ein: Alexandrette S,—. Augsburg, durch den Vertrauensinann KO,—. Apolda, O. St., B. zum„Umsturz" LO,—. Anuweiler, Hickelfußtrabbcr 1,50. Berlin, Beiträge der Wahlkreise: 2. Kr. 300,—(darunter Holzwurm 3,—, Blauelust 5,—). 3. Kr. 500,—. 4. Kr.(Ost) 1000,—(darunter Keruspitze 30,—). 4. Kr. (Südost) 700,—(darunter Sk. 26, Konsum 12,35.) 6. Kreis (Oranienburger Vorst.) 200,—. 6. Kr.(Mobil) 300,—(darunter Neberschuß v.„Vorwärts" lOO,—). Berlin, diu. Beilr.: A.B. 50.—. P. S. 50,—. A. G. 20,—. Dr. L. A. 20.—. Siolhes Veilchen 10,—. W. N. 10 2,—. Dichter und Umstürzler 10.—. �liles voluutarius 1,—. Prozeß 20,—. Ungenannt—.50. Kaffeegeld 1.—. Ueberschuß vom Neuen Welt-Kalcnder, Hollmannstraße, 16.—. Sächsischer Staatsangehöriger in Moabit 20,—. Iiolhe Buchbinder Grünstr. 5,—. Arbeiter der Firma Kalle u. Bender 15,70. Bierprozente der Bronzewaaren- Fabrik Rilterstraße 137.75. Frühlingslust, amerikanische Auktion 4.50. Amerikanische Auktion Sandstr. 1,55. Moabit, Bierprozeute Maschinenbauer 5,—. Nr. 167 1,—. Von einem sozialdemokratischen Postbeamten durch X. 5,—. Rothe Kindlause, Rößner, Oranienstr. 200 Feuilleton. 3m Exil. (Nachdruck verboten.) 46 Nomon von G e o r g e s N e n a r d. Autorisirte Uebersetzuug von Marie K u u e r t. XIV. Das Fest des 14. Juli trug 1860 in Paris einen ganz besonderen, unvergeßlichen Charakter. Bei der Nach- richt, daß das Vaterland ihnen wieder geöffnet sei, kamen die Geächteten von allen Ecken und Enden Europas herbei. Es gefiel ihnen, am Jahrestage der großen Hoffnung, die zuerst seit der Erstürmung der Bastille, später seit den schönen Tagen der Föderation Frankreich und die ganze Welt durchbebte, heimzukehren. Sie wollten die Stadt in allgemeiner Freude, strahlend von Blumen, von Fahnen und Licht wiedersehen, wie wenn sie für die Rückkehr ihrer lang erwarteten Söhne besondere Toilette angelegt hätte. Mit jedem Zuge, der aus deni Auslande kam, verließen Trupps von Exilirten die Bahnhöfe, und dann gab es Umarmungen, lärmende Wiedererkeunungsszenen, Vivats, Gesäuge, Thräncn, Prozessionen von Freunden und Ver- wandten, welche die ermüdeten und entzückten Ankömmlinge durch die Straßen geleiteten. Ans England, Belgien, der Schweiz, ans Italien und Rußland kamen sie herbei. Die einen weinten, als sie den Fuß wieder auf Pariser Boden setzten, die andern brachen in lautesfCchlnchzen und Schreien aus. Andere wieder zeigten ihren im Exil geborenen Kindern voll Stolz das Paris, das nian ihnen so oft gerühmt hatte. Hier und da wurde eine bekannte Persönlichkeit im Vorübergehen durch betäubende Zurufe begrüßt. Zwei Gruppen, von denen die eine vom Nord-, die andere vom Südbahnhofe kanien, begegneten sich zufällig ans einem Platze, und sogleich reichte man sich die von einer lärmenden Menge. Eine leichte Trunkenheit 5,40. Bierprozeute aus der Gießerei Priuzenstr. 25 5,— Kellerarbeiter bei Schuster und Bär 4,70. Arbeiter bei Schuster und Bär 10,17. Ges. am Crilvester bei Teßmer, Breslauerl straße 20ü, 6,55. Tugendbund 7,—. Von zwei Genossinen 2,— Bockenheim, Versteigerung einer Zigarre 1,20. Belztg. amerikanische Auktion 4,40. Bnnzlau, vereinigte Maurer 20,—. Bremen, von einer ged. Gesellschaft 2,70. Bop- pard, 3,—. Cottbus, S. 10,—. Crefeld, C. 5,— Crimmitschau, v. d. lustigen Bieren a. d. Moritzstr. 2.—. Cassel. ges. b. d. Stistiingsseft der Holzarbeiter v. W. P. 2,20. Cotlbus 100,—. Cassel, amerik. Aukl. im Volkskasino 2,80. D. i. Vgll. v. einer rothe» Hochzeil 2,—. Dölau b. Greiz, Grabstein des aufgelösten Gesangvereins 5,05. Elberseld-Sonnborn. die rothen Brüder 2,50. Falkenberg(Oberschl.) 2,—. Finsterivalde 10,— Flensburg 50,—. Freiwaldan 8,—(darunter v. rothen Fest bei H. M. 2,—). Freiburg i. SS. 5,—. Görlitz, freie Sänger 10,—. Gräsrath bei Solingen 30,—. Gera 50,—. Gießen 10,—. Hohenstein-Ernstthal, mehrere Parteigenossen 4,05. Hamburg, Personal der Tabakarbeiler- Genossenschast Z.-V.-N. 100,—. Hamburg-Barnibeck, ges. auf einer Mahlzeit d. Spnrkl. Weihnachten d. I. B. 4,05. Hagen- Schwelm,„Bolkstribüne" 100,—. Hamburg, rolhcr Geburtstag Sleindamm 75, H. I, 3,65. Hamburg- Eimsbüttel, von den Angestellten der Tabakarbeiterl Genoffenschast, Schäferstr. 19, 18,55. Hamburg, Humanität, Marlinhalle 13,—. Köppelsdorf, Volksversammlung, durch W. Mg. 7,05. Kappel- Chemnitz, Ueberschuß vom Leichcnstein des Produkten- Vertheilungs- Vereins 1 14,14. Kalk bei Köln(Landkreis) 100,—. Königsberg i. Pr, K. M. 20,—. Karlsruhe, Stammgäst» der Platane 9,—. L. I. M 172,—. Lechhausen 10,—. Laniprecht 10,—. Löbtau, solche, die den 1. Mai nicht feiern können 7,—. Lengenseld i. Bgtl. 15,—. L. L. 100,—. Muskau-Weißwasser 10,—. Meseritz 1,90. Masuren, Gruß aus 15,—. Mnxdors(Rheinpsalz) 10,—. Neuendorf bei Nowawes P. H. 1,—. Neisse, gesammelt durch H.(daran zwei Neustädter Genossen) 10,—. Neustadt in Oberschlesien, von rothen Brüdern 4.60, gesammelt in einer rothen Gesellschaft 1,—, Summa 5,60. Neudamm, zielbewußte Genossen 4,—, auf einem Bau gesammelt 3,40, Summa 7,40. Nowaives- Neuendorf, Sylvestcrnacht, Lindenstraße 2,70. Ohligs, durch den Vertrasensman» 30,—. Oespel, Kley 20,—. OHIau 20,—. Oberhausen b. Augsburg 10.—. Offenburg i. B. v. d. „Gesellschaft" 11,—. Pforzheim 10.—. Pinneberg, v. d. Sängern bei einem rothen Polterabend 8,40. Penig, alle Garde 15,—, rolhe Kindtaufe 3,—, Summa 18,—. Sodingcn, rothe Kindlause—,60. St. Gallen 20,—. Schalke 3,—. Sonneu- bürg 15,—(darunter Bolksversämmlnng 6,30). Saga», Hochzcite Einnahmen 6,60. Schüren b. Aplerbeck, Uebersch. e. Kranzfp. 6,30. Sonneberg, Ausflug nach Cottendolf 1,40, ges. in der Wirthschast von König u. Bauer durch Kaufmann 5,20, Sa. 6.60. Tcnipelhos, Ueberschuß vom„Wahren Jakob" von den Genossen 14,15. Ulm, gesammelt von den rothen Sängern auf dem Kuhberge 2,- Werther 3000,—. Württemberg 500,—. Winsen, v. d. Rothe» Iioihe» auf der Zeiuralherberge 3,50. Berlin, den 7. Januar 1895. Für den P a r t e i v o r st a nd A. G e r i s ch, Katzbachstraße 9, I Treppe. schwebte in der übcrheißcn Athmosphäre, und am Abend, als die engen Kreuzungspilukte der Straßen durch Gnirlanden, Stoffe und Lampen in allen Farben in zauberhaft schöne Sommerpaläste verwandelt waren, entseffclteil die unter freiem Himmel abgehaltenen Bankette und Bälle den Frohsinn des Volkes. Mehr als einer und mehr als eine, welche die ganze vorhergehende Nacht hindurch gefahren waren, schöpften ans ihrem Ent- husiasmus die Kraft, bis zur Stunde, in der das Morgen- roth die Jllumination verblassen ließ, zu lachen und zu tanzen. In den Vierteln der Armen faud so eines jener Feste der Brüderlichkeit statt, von denen die Utopisten und die Dichter träumen, einer jener seltenen, hinreißenden Momente, in denen das Volk nur eine Seele hat. Doch Renö, der durch die Stadt streifte, um unter den Ankömmlingen nach einem bekannten Gesicht zn suchen, sagte sich traurig: Arme Teufel! Sie haben ohne Zandern alles ver- lassen, ihre mühselig erworbene Stellung, den neuen Herd, die Fn>d)� einer neunjährigen Arbeit. Ach! wie lange wird es dauern, bis das Vaterland ihnen Heimweh nach dem Exil einstößt?— Unterwegs bemerkte er wie in den Vierteln der Reichen die Hänser unfreundlich aussahen, ohne Fahnenschmuck, die Fenster geschlossen, fast wie Gefängnisse; und der in den Häusern zum Ausdruck kommende stumme Trotz genügte, um ihn den glühenden Haß, der unter dieser scheinbaren Fröhlichkeit verborgen war, ahnen zu lassen. Inzwischen war er mehreren seiner Bekannten ans der Schweiz begegnet, mit denen ex freundschaftliche Be- grüßungen,' herzliche Händedrücke wechselte.— Und Verdier? fragte er.— Alan hatte ihn gesehen, er war am Morgen dieses Tages gekommen. Rena machte sich nun daran ihn zn suchen und entdeckte ihn auch schließlich in einem kleinen schlechten Hotel am linken Ufer der Seine. Obgleich er sich in Gedanken vorgestellt hatte, wie er seinen alten Freund wiedersehen würde, so hätte er ihn beinahe mit dem Ellenbogen gestreift, ohne ihn zu erkennen. Der bleiche, hagere Verdier mit den an den Schläfen gebleichten Haaren, dem langen Barte, der bis auf die Brust fiel, glich mit seinem AnlKUkerev Welk- lremevl». Schulze- Delitzsch, der Hohepriester des heiligen Manchesters, würde sich im Grabe herumdrehen, wenn er erführe, was jetzt in Teutschland im Zuge ist: Man will ein Gesetz machen gegen den„unlauteren W e t t- bemerk"! Ein Gesetz gegen den Wettbewerb, gegen die Konkurrenz, gegen die„freie Konkurrenz"— die freie Konkurrenz, die doch, wie alle Manchesterleute wissen, das einzige ist, ivas den Bau der Welt zusammenhält! Schulze- Delitzsch würde sich ini Grabe herumdrehen,«nd die noch lebendigen Manchesterleutc schreien„Zeter und Mordio!" wegen der Beschränkung der„Freiheit", die eine hohe Regierung vorzunehmen für gut findet. Anders gestimmt sind natürlich unsere lieben Spieß- b ü r g e r und Z n« s tbrüder, die als Handwerks- meister lind Kleinhändler tagtäglich den schweren Kampf um die Existenz zn führen haben, die von der vorrückenden Großindustrie, dem Großhandel und nicht'zum wenigsten auch von sonstigen mit allen Kniffen und Pfiffen vertrauten, mit allen Hunden gehetzten Geschäftsleuten mehr und mehr zurückgeschoben und in die Ecke gedrängt werden.— Der Er- trinkende greift in seiner Noth bekanntlich auch nach einem dünne» Strohhalm, mit der— freilich ganz unbegründeten — Hoffnung, dieser werde ihn über Wasser halten,— und die Handwerker und Kleinhändler greifen in ihrer Herzens- angst, bald nichts mehr zu brechen und zu beißen zu haben, nach Zunftzwang und Befähigungsnachweis, nach dem Verbot des Hansirgewerbes und schließlich auch wohl nach dem„Gesetz zur Bekämpfung des unlauteren Wettbeiverbcs". Die Armen wissen nicht, daß sie die Ertrinkenden und alles, was sie in ihrer Roth ergreifen, nichts anderes als Strohhalme sind! Was ivill denn das neue Gesetz? In einer den zwölf Paragaphen des Entwurfs bcigegebenen Denkschrift heißt es, daß der Kampf ums Dasein, der unter den heutigen Verhältnissen besonders für die mittleren Schichten der Erwerbsstände schon schiver genug sei, durch den„nn- lauteren Wettbewerb" ein Kampf mit ungleichen Waffen iverde, wobei das redliche Gewerbe den kürzeren ziehe. Darin liege aber eine große Gefahr für die Wohlfahrt iveiter, achtungswcrther Kreise des Volkes und für die Gesundheit des Staatswesens. Und wie sollen alle diese Mißstände und Gefahren nun anfgehoben werden? Zum ersten dadurch, daß man die übertriebene Re« k l a m e beschränkt. Tie Reklame sei zivar im Geschäfts- leben allgemein verbreitet und unentbehrlich zur Heran- schwärmerischen, leidenden Antlitz einem nihilistischen Christus. Er ivarf sich in Reue's Arme, und sogleich war auch eine lebhafte Unterhaltung zwischen ihnen im Gange. Rathc ein bischen, wo ich herkomme! Aus Rußland, ja, direkt aus St. Petersburg. Zivei Tage und zwei Nächte bin ich auf der Eisenbahn gefahren, um bei dem großen Rendez-vons der Geächteten nicht zu fehlen. Renewunderte sich darüber. Petersburg liegt doch nicht im Orient, wohin Verdier reisen wollte. Dieser er- zählte nun lachend seine Odyssee,— eine seltsame Reihe von Abenteuern. Ach, sie�hatlen harte Tage erlebt, Cayrolaz und er, als sie ohne einen Pfennig in der Tasche auf den» Pflaster von Konstantinopel angelangt»varcn. Um leben zn können,»varen sie Dolmetscher, Lehrer aller möglichen Wisscnsgegenstäiide,„Partizipienhändler" geworden, hatten sie sich verschiedenen Ausländern, Griechen, Armeniern, Bulgaren zur Verfügung gestellt. Das war ein trauriges Gewerbe, bei dem man nicht seit wurde. Cayrolaz lang- weilte sich. Das war»licht der Orient aus Tausend.und eine Nacht, den er sich geträumt hatte. Eines Tages begab er sich an Bord eines Amerikadampfers, und fort ging es»lach der neuen Welt. Verdier hatte ihn nicht »viedergesehen. Allein zurückgeblieben, gab er einem Pascha Unterricht, der darin bestand, daß er Nargilehs rauchte und»hm von Paris erzählte. Er hatte ihn in seine Gedankenwelt ver- strickt und erobert. Schon glaubte er ihn halb und halb zum Sozialisirnis bekehrt zu haben. Er begleitete ihn nach Kleinasien, durch seine Bermittelung»väre er beinahe türkischer Konsul in Persien geivorden, und einen Augen- blick hatte er davon geträumt, das alte Land des großen Cyrns zu einer neuen Blüthe zu bringe». Aber der Pascha war in der Nähe der russischen Grenze gestorben. Das ivar eine vortreffliche Gelegenheit, um nach Ruß- land zu kommen. Er halte einige Monate an einer in Petersburg in französischer Sprache erscheinenden Zeitung gearbeitet. Dann ivar das Blatt, gerade so wie der Pascha, des Todes verblichen, und der Journalist, der»vieder Lehrer wurde, machte sich von neuem daran, französischen Unter- zichmig von Kunden. So lange die Reklame sich innerhalb der durch die Ansordclungen von Treu und Glanben ge- zogencn Grenzen bewege, sei kein Grund vorhanden, ihr Hindernisse in den Weg zu legen. Jedermann müsse das Recht haben, seine Waare nach Belieben als gut, b e s s e r oder ausgezeichnet zu empfehlen. Strafbar werde die Sache jedoch, wenn die Reklame zur Vorspiegelung u n- wahrer T hat fachen greife. Wenn z. B. allerlei populäre Volksbazare S e i d e n st o f f e zu sehr billigem Preis annoncircn, während es sich bei näherer Prüfung um halbseidene handelt;— wenn gewisse Zigarrenagcnten echte Jniporten ankündigen, die sich dann als echte Uckermärker bcransstellcn;— wenn die„Goldene Hmidertzehn* an den Litfaßsäulen dichtet, sie habe 80 000 Winterpaletots auf Lager und verkaufe sie für den halben Einkaufspreis, während sie in Wahrheit nur ein paar hundert hat und bei jedem ihren anständigen Rebbach macht;—. wenn sich jemand ein halbes Schock goldene Weltausstellungs- Medaillen aus die Etiketten drucken läßt, dabei aber noch nicht einmal aus der Rixdorser Gewerbe-Ausstellung prämiirt worden ist;— wenn jemand unter der erlogenen Erklärung „wegen Todesfalls" oder„wegen Abbruchs des Hauses":c. einen Ausverkauf arrangirt, der nachher 20 Jahre dauert: dann ist alles das„unlauterer Wettbewerb", und die Ge- schäftsleute, die nur„lauteren Wettbewerb" betreiben, können dann beantragen, daß die irreführenden Reklamen der„Unlauteren" in Zukunft unterbleiben und daß die Unlauteren den Lauteren den durch die unrichtigen Angaben verursachten Schaden ersetzen müssen. Sind die falschen Reklamen aber wider besseres Wissen gemacht, dann kann noch auf Strafe bis zur Höhe von 1500 Mark erkannt iverden. Ferner kann nach Erlaß des Gesetzes der Bundcsrath bestimnien, daß gewisse Handelsartikel, z. B. Wolle, Bier und dergleichen, nur in festgesetzten Einheiten verkauft werden; Wolle etwa in Strähnen ä 10 Gramm, Bier in Vio Flaschen, wodurch das Publikum der Mühe der eigenen Prüfung enthoben ist und nicht die„unlauteren Wettbewerber" kommen und den Käufern leichtere Wollensträhne und kleinere Bierflaschen anschnneren können.— Tann sind da ein paar Bestimmungen, nach denen jeder, der das achte Gebot„Du sollst nicht falsch Zeugniß reden wider Deinen Nächsten!" mit Beziehung auf ein Geschäft oder einen Ee- schäftsmann bricht, zum Ersatz des entstandenen Schadens, event. auch zur Zahlung einer Strafe an die Staatskasse angehalten werden kann.— Endlich sollen Arbeiter, Lehr- linge und sonstige Angestellte bestraft werden bis zu einem Jahre Gefängniß und bis zu 3000 M. Geldstrafe, wenn sie ihnen bekannt gewordene Geschäfts- und Betriebsgeheinmisse vor Ablauf von zwei Jahren seit Beendigung des Dienst- Verhältnisses anderen mittheilen oder selbst verwcrthen. Selbstverständlich können allen Angestellten, Arbeitern«. hieraus die größten Unannehnilichkeiten und Schuhriegeleien erwachsen, da doch viele gerade deswegen in ein Geschäft oder eine Fabrik eintreten, um dort etwas zu lernen und dies im späteren Leben zu verwenden, es aber sehr schwer sein wird, im einzelnen Falle festzustellen, was zu den Geheimnissen und was zu den üblichen Handwerks- und Geschäftskenntnissen gehört. Doch dieser Punkt ist es nicht, auf den wir heute besonders eingehen wollen. Ist denn aber auch nur die geringste Aussicht vorhanden, daß dieses Gesetz seinen Zweck,„den Mittel- stand zu schützen und zu erhalten," auch nur im aller- bescheidensten Maße erreichen wird? Das scheint uns doch eine allzu utopistische Annahme zu sein.— Oder glaubt die Regierung etwa im Ernst selber nicht an die Sache und will sie vielleicht nur den Zunftbrüdern im Reichstag und im Lande einen schönen Köder hinwerfen, um ihren guten Willen zu zeigen und oafür bei allerhand Umsturz» und Steuergesetzen die Unterstützung besagter Zunstbrüder zu bekommen? Gleichviel. Dem Mittelstand wird man mit dicstn 12 Paragraphen nicht auf die Beine helfen. Es ist ja zweifellos, daß die nur„lauteren Wettbeiverb" betreibenden Handwerker, Händler und deren Vereine von ihrem Antrags- recht, daß diese und jene Reklanie der„Unlauteren" unterbleiben solle, einen sehr ausgedehnten Gebrauch machen würde». Es ist auch möglich, daß man manche häßliche Erscheinung des ungezügelten Konkurrenzkampfes niit dem Gesetz unterdrücken könnte. Aber viel mehr, als diesem oder jenem herumreisenden kleinen Schwindelbazar dadurch das Lebenslicht auszublasen, wird man nicht erreichen. richt zu geben und die Liebe zu Frankreich zu verbreiten. Er hatte sich eine recht erträgliche Stellung geschaffen, aber wäre der Montniartre nicht zu weit und Sibirien nicht zu nahe gewesen, so hätte er seinen Aufenthalt in der Haupt- stadt des Zaren nur loben können. Doch, fügte er hinzu. Du begreifst, daß ich bei der Nachricht von der Amnestie schnell mein Bündel geschnürt habe. Die Republik besitzt ihren zahlreichen Feinden gegen- über nicht zu viele Freunde. Ich bin noch gut zu Fuß, habe ein scharfes Auge und Kampflust. Ich sage noch immer: Bereit sein! Doch ich rede nur von mir! Nun, wie steht es mit Dir und derf Demokratie? Du mußt mich über alles unterrichten, denn Du bist ja schon ein Jahr lang hier. Dort unten erhält man nur schrecklich ver- stümmelte Zeitungen, weißt Du. Rene erzählte ihm, was er erlebt und erlitten hatte. Verdier hörte ihn bekümmert und verdüstert an. Ja, sagte er, ich sehe, daß wir die Republik nur dem Namen nach haben. Da heißt es das Wort zur Wirklich- keit machen. Das wird freilich nicht leicht sein. Wir werden tüchtig arbeiten müssen. Aber Du, was wirst Du thun? sagte Renö. Du ver- gißt Dich wie gewöhnlich. O ich, ich stehe ja ganz allein da. Die vier Sous, die ich brauche, werde ich mir schon verdienen. Einige Tage danach traf Renö aus dem Boulevard Cayrolaz, der noch kahler und glatter aussah als früher, sonst aber wenig verändert war. Immer hatte er noch seine Affen-Miene, sei» Katzen-Lächeln, seine kleinen, zu- sammengekniffenen, boshaften Augen. Er genoß das Vor- recht derer, die früh altern. Die Zeit schont sie mitleidig, wie wenn es ihr genügte, sie frühzeitig der Blüthe beraubt zu haben. Sie scheinen dann für lange Zeit dasselbe Alter zu behalten. Halt, da bist Du ja, alter Freund! Wie geht eS, seit Du aus der Schweiz fort bist? rief Cayrolaz mit jenem eigenthümlichen Tonfall, in dem sich der Akzent des Südens auf das sonderbarste mit dem der Pariser Faubourgs mischt. Wir trinken ein Glas Bier, nicht? Und der Haupterfolg wird sein, daß man durch Beseitigung dieser kleinen, schwindelnden, gerissenen, mit allen Hunden gehetzten Geschäftemacher vielfach erst Raum schafft für die wirkliche Großindustrie. Die wirkliche Großindustrie arbeitet längst nicht mehr mit dem kleinlichen Mittel des Schwindels und der Uebcr- vortheilung des Käufers. Das Geheimniß ihres Erfolges ist die Maschine, die Arbeitstheilung, die Großproduktion. Und ihre Filialen würden vielleicht bald da stehen, Ivo heute in Dörfern und Städten reisende Schleuderansverkäufe die Leute betrügen.— Ob aber dies der Zweck des Gesetzes ist? Die Sozialdemokratie ist bei der geplanten Aktion gegen den„unlauteren Wettbewerb" ziemlich unbetheiligt. Und nur zur Instruktion unserer Leser über das was läuft in der Politik dienen die vorstehenden Zeilen. Volikische Mebevlrrkit. Berlin, den 3. Januar. Aus dem Reichstage. Sie haben Pech, die Staats- retter mit ihrer Umsturzvorlage! Erst hat sie ihr Ver- theidiger, der Staatssekretär Nicberding, in Grund und Boden geredet, als er in der letzten Sitzung des vergangenen Jahres sie so kläglich begründete, und bei Beginn des neuen Jahres ist sie von unserem Redner, Genossen Auer, in so meisterhafter Weise zerpflückt worden, daß den Stützen der Gesellschaft der Athem verging. Heber drei Stunden lang hat Auer diese Spottgeburt von Angst und Geschäfts- hnberei an den Pranger gestellt, und oft, sehr oft wurde dabei den Sozialistentödtcrn so bang und so weh ums Herz, daß sie gewiß im stillen die ganze Vorlage dorthin wünschten, wo sie uns gern haben möchten. Einige konservative und natioualliberale Reichsboten wurden sogar roth, bis über die Ohren roth, und manchen Kopf sah man sich beugen, als ivollc er das Gewitter wider- standslos über sich hinbrausen lassen und als flehe er ziim Himmel, daß es nicht gerade bei ihm einschlage. Als die Roth am höchsten, kam Herrn v. Stumm ein rettender Gedanke: er zog zum Trost den historischen Kalender des„Vorwärts" aus der Tasche und zeigte ihn seinen Getreuen, die sich ge- bührend an ihm erbauten! Auer begann damit, daß er die„akteumäßigen Beweise", mit denen der Staatssekretär Nieberding die Nothweudigkeit der Vorlage begründet hatte, in ihrer Nichtigkeit und Unrichtigkeit kennzeichnete. Diese ftaats- gefährlichen Flugblätter, diese„ollen Kamellen", die von Bakunin und Krapotkin herstammen, diese Polizei- „Freiheit", die auf Kosten der Polizei einst gedruckt und durch deren Spitzel verbreitet wurde, sie fanden ihre ge- gebührende Würdigung, ebenso das Schoßkind der Herr- schenden Klasse, der Liebling der Agrarier, Miguel, mit seinen bekannten revolutionären Herzensergüssen. Athem- lose Stille herrschte, als Auer darauf hinwies, wie es das ärgste Verbrechen sei, das ein Mensch begehen könne, wenn er seine Eltern, seine Geschwister tödte. Die Konservativen versuchten zu lächeln, als Auer, von innerem Abscheu überwältigt, mit gerechter Entrüstung auf gewisse, in letzter Zeit laut gewordene Anschauungen hinwies, die im Widerspruch mit dem menschlichen Empfinden stehen. Es war das Lächeln tödtlichster Verlegenheit, niit dem die Freunde der„gewaltsamen Auseinandersetzungen" sich dem Eindruck der Auer'jchen Anklagen zu entziehen versuchten. Aus demselben Grunde murrte die Rechte, als Auer auf die einzelnen Schönheiten der Vorlage einging. Die Geißel- hiebe, die er austheilte, saßen und schmerzten, darüber qnittirte gerade diese Unruhe. Aber sie wich bald wieder einer Stille der Angst und Pein bei den Beispielen, die Auer dafür anführte, daß der Umsturz nicht von unten, sondern von oben drohe, daß Ehe, Familie, Sitte, Religion, Eigenthum, Monarchie von den angeblichen Be- schützcrn derselben vernichtet werden. Die soziale Revolution für 1 M. 50 Pf., welche die Agrarier androhten, als der Gelreidezoll erniäßigt wurde, das Betonen des„Nur- Ver- uuuft- Monarchismus" seitens der Nationalliberalen, als die Vermögenssteuer sie am Geldbeutel packen sollte, das glänzende Begräbuiß der in Breslau ermordeten Pro- stituirten Elise Groß, das ihr„Freund", einer der blau- blütigsten Adligen, Graf Tassilo von Schweinitz, bezahlte und bei dem die Zuhälter das Geleit gaben, die miserable Entlohnung der Arbeiterinnen, die durch Nolh zur Pro- stitution getrieben werden, die unsittlichen Angriffe auf dieselben, die Kctzerriecherei der„Kreuz-Ztg." gegenüber den Bald saßen sie vor einem Cass, und Cayrolaz erzählte von seinem Leben mit einem echt südlichen Schwall von Worten und Geberden. Er kam von New�ork. Ein schnurriges Land, in dem man viel Geld verdient, aber noch mehr ausgiebt! Was war er dort nicht alles gewesen! An einem Tage Reiseuder in Parfümerien, am nächsten Schauspieler bei einer wandernden Truppe, Faktor in einer Buchdruckerei, Eisen- bahn-Beamter, Fabrikant von Reklamen für Velozipcds, Seife, Korsets, Konserven u. s. w. Aber das Leben hatte ihn auch in die Lehre genommen. Er war vielseitig und praktisch wie ein Amerikaner geworden. Keine Gefahr, daß man ihn jetzt noch hineinlegen konnte! Er war sicher, daß er sich schon ein Loch bohren würde. Er wollte den Parisern zeigen, was ein Gascogner ist, der bei den Aankees gelernt hat. Und die Liebe? sagte Renö, der sich der galanten Ab- sichten, die Cayrolaz früher geäußert hatte, erinuerte. Dieser schnitt ein Gesicht, aus dem etwas wie Ver- legenheit hiudurchsah. Nein, entschieden, antwortete er, dazu sind nur die Französinnen geschaffen. Tie Amerikanerinnen sind Weiber, die gleich geheiralhet sein wollen, die von der Liebe nichts verstehen, sie versauern in ihrer Häuslichkeit, wenn sie nicht ganz und gar unweiblich sind. Er glitt über das Thema hinweg, das ihm unangenehm zu sein schien und sagte als praktischer Mann: Doch nun zu Ernstem zurück. Kannst Du mir behils- lich sein, eine neue Stellung zu finden? Renö gestand ihm die Verlegenheit, in der er selbst sich befand. Also wie Italien, Cayrolaz iara da se*)— sagte er mit koniischer Feierlichkeit und ging mit dieser stolzen Er- klärung ab. (Fortsetzung folgt.) ") Italienisch: macht alle? selbst— braucht niemand. „liberalen Professoren, die noch schlimmer als die Juden" wären, die Gestalten, die auf manchen Thronen Europas die Mon- archie, die nicht beschimpft werden soll, verkörpern, und ein Lasterleben der schlimmsten Art führen, das Eigcnthum, das durch Wucher, Gaunerei, Ausbeutung, Schwindel aller Art zusanimengerafft und das der Staat nun noch ganz besonders geschützt wissen will,— all' diese Schandmale unserer Zeit zeigte Auer in einer so inhaltreichen, sachlichen, oft von beißendem Humor getränkten Rede, daß den Kämpen der Staatsrelterei der Muth verging, sich sogleich dagegen zu wehren. So brachten sie denn einen Verlagungsautrag ein, der ihnen Zeit gab, 18 Stunden ihrer Wunden zu pflegen. Der erste Tag gehörte unserer Partei, die an dem- selben einen glänzenden Erfolg davontrug! Das neue Jahr fing gut an! Fortsetzung folgt.— Für Religion, Ordnung und Sitte. Folgendes Telegramm findet sich in den heutigen Morgen-Zeitnngeu: Geestemünde, 7. Januar. Zivischen dem Kapitän- Lieutenant v. Burski, früher zu Lehe, jetzt zu Wilhelms» Häven in Garnison, und dem Korvetten-Kapitän Mittler, Direktor der Telegraphen-Schule in Lehe, fand heute früh im Stttckener Holze ein P i st o l e n- D u e l l statt. Letzterer wurde g e l ö d t e t. Die Armee niit der dazu gehörigen Marine sind bc- kanntlich die Hauptstützen der heutigen Gesellschaftsordnung, die Hauptkämpfer in dem Kampf für„Religion, Ordnung, und Sitte". Und eine Illustration dieser„Religion, Ordnung und Sitte" ist wohl auch jenes Pistolendnell? Wohlgenierkt ein militärisches Duell. Ein Duell, verboten vom Gesetz und Pflicht für jedes Mitglied des Offizier- k o r p s! Eine Verletzung des Gesetzes und zivar die denkbar schwerste: die Ermordung eines Mitmenschen b e- fohlen von der Ameelcitung, und geübt von Offizieren — geübt von den vornehmsten Vertretern der„Religion, Ordnung und Sitte", für welche die herrschenden Parteien jetzt einen Kreuzzug veranstaltet haben.„An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!"— Ter geheime Erlah betr. Ueberwachung der Prote st versa mnilungen gegen die Umsturz- vorläge ist nicht blos in Preußen, sondern auch in Sachsen und in der freien und Hansastadt Hamburg er- gangen.— Kriminalstatistik und Umsturzvorlage. Das kaiser- liche statistische Amt veröffentlicht die Zahl der Ver- urtheilungen, welche stattfanden im Jahre 1893 wegen: Oeffenllicber Aufforderung zum Ungehorsam gegen Gesetze». oder zu strasbaren Handlungen(§Z 110, III): 70, Aufforderung von Mililärpersonen zum Ungehorsam (s 112): 4, Androhung eines gemeingefährlichen Verbrechens(g 126): 33, Anreizung verschiedener Bevölkerungsklassen zu Geivaltlhätig- leiten(§ 130): 38, Verächtlichmachung von Staatseinrichtungen und obrigkeit« lichen Anordnungen(§ 131): 7. Das sind die Paragraphen, welche durch die Unisturz- vorläge verschärft werden sollen. Hierzu bemerkt die„Bresl. Morgen-Ztg.": Die Zahl der erfolglen Verurtheilnngen beweist, daß die be- treffenden Delikte nur selten begangen werden; und die Ver- urtheilungen selbst zeigen, daß auch das jetzt bestehende Gesetz die Delikte zu treffen vermag. Beide Thatsachen sprechen dafür. daß eine Verschärfung der aufgeführten Paragraphen nicht nöthig ist. Zieht man weiter in Erwägung, daß wohl 38 Ver- urtheilungen wegen Uebertretnng des§ 180 ersolglen, daß aber die Anreizung zu Geivaltihäligkeilen in keinem einzigen Falle wirklich zu Geivaltihäligkeilen geführt hat, so spricht diese That- fache sür eine Einschränkung, aber nicht für eine Erweiterung des§ 130. Wege» Majestätsbeleidigung wurden im Jahre 1892 in Deutschland 525 Personen, und im Jahre 1393 600 Personen bestraft. Auch diese Zahlen beweisen, daß Strafen nicht ab- schreckend wirken. Monarchische Gesinnung läßt sich eben durch Strafbestimmungen nicht erzwingen. Nationalliberale Logik.„Die Umsturzvorlage richtet sich blos gegen Verbrechen. Indem die Sozialdemokratie die Unisturzvorlage bekämpft, verräth sie ihre Neigung für Verbrechen." Daß alle„Verbrechen" schon längst hundertfach unter Strafe gestellt sind, und daß folglich die neue Umsturzvorlage nicht gegen„Verbrechen"— das heißt, was normale Menschen unter„Verbrechen" ver- stehen— gerichtet sein kann— dafür ist die nationalliberale Logik blind.— Aus der Schweiz wird uns geschrieben: Es liegen Anzeichen vor, daß die internationale Polizei» s p i tz e l e i in der Schweiz demnächst spezielle Operationen vornimmt, zur Unterstützung der deutschen Umsturzvorlage. Seit einigen Wochen ist von London einer der berüchtigsten Spitzel und Dynamit- Anarchisten nach Zürich übersiedelt, der ehemalige Bandagist Rieten aus Cleve; Ricken ist überall zu Hause, er hat in seiner politisch polizeilichen Thätigkeit Holland, Belgien, Frankreich, England und Italien besucht und es verstanden, sich in das Vertrauen der dortigen Anarchisten zu setzen. Der Polizei- Anarchist Ricken versteht sich aber in seiner freien Zeit auch auf das Geschäft. In London leitete er längere Zeit eine Schwindler- und Schwarzkäufer- Bande auf Butler, Wein Honig, Geflügel:c. und sitzen verschiedene seiner Komplizen im Zuchthans, er selbst verstand es, sich dem Arm der Gerichte zu entziehen. Daß er sich ans Diebereien versteht, bewies Rieten bereits 1891 im deutschen Verein in Genf, woselbst er sich als Velozipeddieb auszeichnete. In der Mitte der acht» ziger Jahre war Ricken in Krefeld und Hagen thätig, er wird also auch vielen unserer rheinisch-westsälischen Genossen aus jener Zeit bekannt sein. Rieken steht im Alter von 35—40 Jahren, er ist knapp mittelgroß, schlank und blond. Er spricht sehr gewandt und versteht geläufig englisch, französisch und holländisch zu sprechen. Unsere schweizer Genossen und speziell die Züricher, mögen vor ihm auf der Hut sein. Ricken hat auch den Aufenthalt des Anarchisten Meunier, der sich als Flücht- ling in London aufhielt, denunzirl, woraus England diesen an Frankreich auslieferte.— Die«»dankbaren Millionäre. In einem Artikel der„Kölnischen Volkszeitung" wird gewissen Kreisen nationalliberaler Millionäre, besonders I n d u st r i e l l e n, nochgesagt, daß sie zur Zeit der Re- gierung das Leben recht unbequem machten, indem sie gegen weitere Maßregeln zu gunsten der Arbeiter, die doch in der Thronrede an die Spitze gestellt waren, agitiren. In dem Artikel wird dazu weiter gesagt: „Man giebl die Parole a»s, jetzk müßten die A r b e it- geber geschützt werden, und hetzt im Stillen wie öffentlich gegen den Minister».Berlepsch, der durch einen Agenten des Großkapitalismus ersetzt werden soll. Man glaubt nichl. was alles von dieser Seite mobilisirt worden ist, um für ei» strenges Einschreiten gegen die Sozialdemo- k r a t i e. wenn möglich mit dem Säbel, Stimmung zu machen!" Tos ist nichts Neues, daß die Stumm und Krupp den Säbel gegen die Sozialdemokratie geschwungen sehen möchten. Auch daß dieselben Herren den Arbeiter t r u tz mehr lieben, als den Arbeiter schütz, ist niemandem ein Ge- heimniß geblieben. Aber daß gerade Herr von Berlepsch die besondere Feindschaft der großindustricllen Millionäre zu fühlen bekonimt, ist doch recht betrübend. Von diesen Herren hätte Herr von Berlepsch sicherlich mehr Dank verdient. Hnndelskanimer- Enquete. Die von dem Handels- minister den Handelskammern zur Begutachtung durch Erlaß vom 1. Januar d. I. für die Neuordnung des Handels- kammerwesens vorgelegten Fragen lauten der„Magdeb. Ztg." zufolge: I. Sind obligatorische Handelskammern über das ganze Staatsgebiet einzurichten und wie sind deren Bezirke abzugrenzen? 2. In welchem Umfange sollen Handel und Gewerbe in den Handels- kämmen» verlreten sein? Soll insbesondere Wahlrecht und Beitrags- Pflicht begründet werden a) für alle Gewerbetreibenden, oder b) für die gewerbesteuerpfiichtigen Gewerbetreibenden, oder e) für die als Firmeninhaber in die Handelsregister ein- getragenen Kaufleute und Gesellschaften, oder ä) die unter o) auf« geiührten Kaufleule und Gesellfcbaften unter der ferneren Ein- schräutung, daß üe gewerbcsteuerpflichtig sind, oder e) für die unter o) aufgeführien Kaufleute und Gesellschaften unter der ferneren Einschränkung, daß sie zu einem bestinnnte»», nicht zu niedrig bemessenden Mindestsätze der Geirerbesteuer veranlagt sind? S. Wie soll das Wahlrecht zu den Handelskammern ge- regelt»Verden? 4. Ist die Einrichtung lokaler Organisationen oder von Organisationen nach Betricbsziveigen innerhalb der Handelskammern in Aussicht zu nehmen? 5. Ist der Geschäftskreis der Handelskammern zn enveitern, insbesondere a) in bezug aus ihre Anhörung über Gesetzentwürfe, die Interessen von Handel und Geiverbe berühren, b) in bezvg aus den Kreis ihrer Verwaltungsausgaben? Soll den Handels- kammern juristische Persönlichkeit verliehen werden? 6. Ist der Fortbestand der öffentlich-rechtlichen Stellung der kaufinännischen Korporationen»nit der Neuordnung der Handelskammern ver- einbar? 7. Empstehlt es sich, die'Schaffling eines zur Wahr- »»chmung der Interessen von Handel und Jndristrie bestimmten und als technischer Beirath für die Staalsregierung dienenden Zentralorgans»n Aussicht zu nehmen? Ter Fall Stadthagen. Bekantlich wurde Stadt- Hägen namentlich wegen bewußter Gebührenüberhebung aus der Rcchtsauwallschaft ausgeschlossen. Um eine öffentliche Gerichtsverhandlung über dies Vergehe»», welches das Strafgesetzbuch mit Gefängniß bis zu einem Jahre bedroht, herbeizuführe»», dcuunzirte sich Stadthagen selbst der Staats- anwaltschaft und forderte, daß er angeklagt»verde.— Tie folgende Verfügung des Justizmiiristers entscheidet endgiltig, daß man es ablehnt, Stadthagen wegen des Vergehens anzuklagen, wegen dessen man ihn aus seinem Beruf aus- geschlossen hat. Ein klassisches Beispiel für die Handhabung des Anklage-Mouopols! Eine glänzende Rechtfertigung für unseren Genossen Stadthagen,»veun es einer solchen überhaupt bedurft hätte. Ter Erlaß des Justiznunisters lautet: Berlin, den LS. Dezember 1694. Justizministerium. Auf die von Eurer Wohlgeboren bei mir unter den» S. Oktober dieses Jahres angebrachte Beschwerde über die Weigerung des Oberstaatsanwalts bei dem Kammergericht, gegen Sie wegen bewußter Gebührenüberhebung in Ihrer früheren Eigenschaft als Rechtsanwalt Anklage zu erheben, erwidere ich Ihnen, daß ich nach Prüfling des Sachverhalts keine Ver- anlassung gesunden habe, Ihren Anträgen zu entsprechen. Der Justiz minister. Schönstedt. An Herrn Arthur Stadthagen, Mitglied des Reichstags Wohlgeboren IIa 3830. hier. Der Fall Goeriug ist erledigt. lDer Wirkliche Geheime Rath Gonuig, Caprivi's einstige„rechte Hand", von dem das Gerücht ging, daß er sich nicht gulivillig aus seinem Amte als vortragender Rath in der Reichskanzlei entfernen lassen und es auf gerichtliche Entscheidung ankommen lassen würde,»st nach Meldung des„Reichs-Anzeigcrs"„unter Verleihung des Kronen- ordens 1. Klasse seinem Antrage gemäß in den Ruhestand" ver- setzt»vorden.— Herr Benedix ist einmal gerechtfertigt und die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" als Fälscherin angenagelt. Die„Vossische Zeitung" berichtet: Wir haben wiederholt von den Ausfübrungen gesprochen, in denen sich die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" zur Begründung ihret Angriffe gegen die Unverletzlichkeit der Volks- Vertretung sälschlich auf Hermann Schulze berief. Dt»rch Vorlegung urkundlichen Materials»st uns inzivischen der Bcivers geführt»vorden, daß die„Nordd. Allg. Ztg." den Artikel nicht in der Forin veröffentlicht hat. in der er ihr zugegangen war. Für die im Druck vorliegende Fassung des Artikels ist daher allein die Redaktion der„Nordd. Ällg. Ztg." veranwortlich. Das ist deutlich. Herr Benedix, der Verfasser des Artikels, hat also nicht gefälscht, die �Nordd. Allg. Ztg." ist nun aber urkrindlich als Fälschcrin angenagelt. Die Tendenz des bekannten Artikels der„Nordd. Allg. Ztg." über den Fall Liebknecht»var freilich derart, daß die sonstigen Angriffe gegen denselben trotzdem vollkoinnien gerechtfertigt bleiben.— Tie Frauen und die Verciusgesehe. Zur Veröffent- lichung geht uns zu eine Petition deutscher Frauen aller Klassen und aller Parteien betreffs Acnderuug der einzel- staatlichen Vereiusgesetze. Die Frauen Cauer, Gerhard und von Gizpcki richten an alle deutschen Frauen die Bitte, die folgende Petition zu unterzeichnen und für die Sammlung weiterer Unterschriften Sorge zu tragen: Einen» hohe» Reichstage unterbreite»» die Unterzeichneten nachstehende Petition zur geneigten Berücksichtigung. Die Vereinsgesetze der iiieistei» deutschen Bundesstaaten ent- hallen Beslinimungen, welche die Theilnabnie der Frauen an politische» Vereinen verbieten und den Besuch von politischen Versammiltngen erschiverem— Dieser Zusta»td ist in doppelter Hinsicht ein bedauerlicher, 1. im Interesse der Frauen, 2. im Interesse der Gesammtheit. Im Interesse der Frauen,»nsosern er deren geistige Ent- Wickelung iin allgemeinen»»nd besonders in bezug aus politische Einsicht hemmt, serner und vor allem aber, indem er den Frauen— da sie von dem aktiven,»vie passiven Wahlrecht ausgeschlossen sind— die letzte Möglichkeit nimmt, in einer auf die Gesetzgebung»virksauien Weise für ihre eigenen Interessen einzutreten. Daß eine solche Vertretung ihrer Sache durch sie selbst aber dringend geboten ist, beweist die bisherige Gesetzgebung, z. B. in bezug auf die EiUlichkeilsfrage, zur Genüge. Im Interesse der Gesammtheit, insofern die Erziehung der Kinder den Frauen in den»»eiste» Fällen obliegt, durch die Zu- sainmenhanglosigkeit des»veiblichen Geschlechts nlil dem össent- lichen Leben in ihn» der soziale Sinn aber i>alurge»»äß ver- kümmert und der von ihm geübte Einfluß ein entsprechender, von den» Blick auf die Gesainmtheil ablenkender ist. Mit Hiliiveis auf diese beiden Gesichtspunkte bitten wir, ein hoher Reichstag»volle an die verbündeten Regierungen das Er- suchen un» eine Gesetzesvorlage richten, durch»velche die Be- schränkungen des»veiblichen Geschlechts i» den Vereinsgesetzen der deutschen Bundesstaaten aufgehoben»»'erden. Das»vas in dieser Petition gefordert wird, ist eine alte Forderung der Sozialdemokratie, für die unseres Er- achtens noch»vcit mehr Gründe, als vorstehend mitgetheilt sind, beigebracht werde» könnten und sollten. Warum »vird nicht auch auf die Stellung der Frau in der Industrie hingeiviesen? Jnl übrigen»vünschen»vir der Petition den besten Erfolg, versprechen uns aber keinen von derselben.— Zwei Ehrculnänncr. Der Schienenflickcr, Steuer- hinterzieher und nationalliberale Kommerzienrath B a a r e hat dieser Tage sein Jubiläum der Bochumcrei gefeiert. Dazu erhielt er folgende Gratulation: „Elv. Hochlvohlgeborc»»vünsche ich Glück zu Ihrer lang- jährigen und erfolgreichen Thätigkeit(als Steuerbinlerzieher»c.) und danke Ihnen für alles Wohl»volle>»,»velches Sie»nir in der Zeit beivahrl haben. v. Bisinarck." Baare und Bismarck— die zivei sind einander iverth. Nun sollte eigentlich noch der C r i s p i gratuliren— dann»väre das Kleeblatt fertig.— Ter NeichstagS-Abgcordnete Kröber(Delnokrat) erklärte in der am Freirag Abend in München statt- gefundenen Versammlung in bezug auf das Sitzenbleiben der Sozialdemokraten beim Hoch auf den Kaiser in der ersten Sitzung der Abgeordiietcn ini neuen Reichstags- gebände:„Ich gebe Ihnen(der Versammlnng) das Ver- sprechen,»renn es»viedcr zn etivas Derartige»»(das Hoch auf einen Monarchen ist gemeint) kommt, ebenfalls zu denionstrircn(das heißt sitzen zu bleiben). Sein daiualiges Nichtsitzcnbleiben entschuldigt er damit, daß er überrascht wurde und einfach antoniatisch das that,»vas die anderen thalen. Er habe übrigens seinem Fraklionsgcnossen Paijer einen energischen Vorhalt gemacht»vegen dessen tadelnder Bcnierkuugen über das Sitzenbleiben der Sozialdemo- traten.— Fnchömühl. Außer den kürzlich»regen„Beleidigung" bestraften Redakteuren sollen nun auch noch die Bauer n zur Verantivorlung gezogen»verde»», gegen»velche die bekannte Fuchs- »»übler MilitäraUacke sich richtete. Der Staatsanwalt i» Weiden hat die sehr umfangreiche Anklageschrift nunmehr fertig gestellt und eingereicht. Dieselbe sieht von einer Veriveisung vor das Schwurgericht ab und beantragt, circa 130 der von der Attacke betroffenen Bauer»„lediglich"»vegen Wider st ands gegen die Staatsgeivalt beziv. An- stistung dazu vor die Straskainmer des Landgerichts Weiden zu veriveisen. Verniuthlich würbe das„Vergehen" der Bauern einem Schwurgericht in milderem Licht erscheinen, als eine»» gelehrten Gericht aus studirte» Richtern, vor»velcher»»»»n noch 130 der armen„Holzrechtler" gestellt»verden sollen. Slutrag auf Einführung des allgemeinen Wahlrechts in Böhmen. Im böhmischen Landtage haben 25 von 52 jung- czechischen Landtags- Abgeordneten den Antrag ans Einführung des allgemeinen Wahlrechtes für den Landtag eingebracht. Tie ungarische Ministerkrisis ist e»tdlich ihrer Lösung nahe gerückt. Der Monarch hat nun endlich einen Mimsterpräsideitten, den scheinliberalen, in Wirklichkeit aber erzreaklionären Grafen Khuen-Hedervary gefunden. Nach den übrigen Ministern wird aber noch gesucht.— Präsidentenwahl in der französischen Kaminer. Bei der heutigen Wahl des Präsidenten der französischen Deputirtenkammer wurde»»»it der aitffallend großen Ma- jorität von 272 von 310 Stiinuteii der radikale Abgeordnete Brisson zum Präsidenten ge»vählt. Diese Wahl ist charak- lerislisch für die Verhältnisse in Frankreich. Ein Gegner der Regierung, der Gegenkandidat des Präsidenten der Republik wird fast einstimmig zu»n Kammerpräsideitten ge- wählt. Und warum dies? Weil die Kamniermajorität keinen einzigen Mann von großem Nancki» und makellose»» Charakter aufzuiveisen hat, der vor den» Lande»vürdig das französische Parlantent repräseiitiren könnte. Auch dies ist ein klares Zeichen des vollständigen Bankrottes der herrschen- den Ordnung in Frankreich.— Zur Wahl Gerankt Richardis wird uns aus Paris u>»ter>n 7. Januar geschrieben: Bon allen Wahlen, selbst die von Nogent sur Seine ein- geschlossen,»vo Herr Casimir Perier in der Person seines Leib- iandidaten Robert eine Niederlage erlitten, dürfte im Elises die Wahl Richard's wohl an» bittersten empfunden worden sein. Denn sie»var oirek» gegen das Haupt der Reaktion und des Ansbeulerthuins, direkt gegen Perier»md seine Politik gerichtet. Als auf der Mairie des 13. Arrondissemeiits, den» Wahlbezirke Richard's, das Resultat bekannt gegeben»vurde, scholl es darum auch:„Es lebe die soziale Republik!" vermischt mit den» Rufe t„Nieder mit Casimir I" Nachdem die Negierungs- presse sei» Beginn der Wahlkampagne alles ausgeboten, um die Wahl Richard's zu vereiteln, sucht sie sich jetzt, da Richard mehr als zivei Drittel der abgegebenen Eliuimen auf sich vereinigte, während der Regierungskandidat— der Unglückliche heißt Felix! — elend unteriegen ist, damit zu trösten, daß er„»nit kaum»nehr als einem Drittel der Stimmen der eingeschriebenen Wähler" geivählt ivurde. Was aber dann von dem Regierungs- kandidaten sagen, der nicht eimnal ei» Siebentel der ein- geschriebenen Wähler für sich hatte?... Es fragt sich nun, wie sich die Regierung bczw. die Regierungs-Abgeordneten zur Wahl Richard's verhalten werben. der wegen seines „Chambord"- Artikels:„Nieder mit Casimir!" zu eiuem Jvhr Gefängniß verurtbeilt, sich gegeniräriig im St. Pelagie- Gefängniß in Hast befindet. Nach Art. 14 der Konstitution voin 13. Juli 1375»st die Haft eines Mitgliedes, der Kammer,»venu diese es verlangt,»vährend der ganzen Dauer der Session auf- zuHebe». Geivöhnlich»vird in diesen» Falle die Haft überhaupt ausgehoben. Der letzte derartige Fall betraf unsere» Freund Paul Lafargue, der, als er 1892 zu»» Abgeordneten von Lille gewählt»vorden»var, sich ebenfalls in St. Pelagie in Haft befunden hatte. Damals hatte Genosse Millerand die Freilassung beantragt, die denn auch allsogleich von der Kammer votirt ivurde, so daß Lafargue noch ain selben Tage freigelassen»vorden »var. Auch diesmal wird Millerand»nieder den Antrag auf Freilassung stellen und zwar vielleicht schon in der»ttorgigen Elöffnnugssitznug, oder falls dies durch die stattsindende Bureau« wähl unmöglich gemacht sein sollte, in der folgende», d. i. in der Doi'.nerstagssitziing. Nach den heutigen»ninisteriellen Blättern zu schließen, scheint sich aber die Regierung gegen die Freilassung Richard's auflehnen zu wollen. In diese»» Falle»vürde sich Herr Tupny noch tief unier Constans, den» Schlächter von Fourmtes, stellen, da dieser, der zur Zeit Lasargue's Minister des Innern»var, sich niit keiner Silbe gegen Millerand's Antrag geivendet hatte. Wird diesmal von der Ge- pflogenheit, die selbst unter dem Kaiserreich beobachtet»vurde— ich erinnere an den Fall Rochcfort— abgelvichen, dann um so schlimmer für die Regierung und die ihr ergebene Majorität, denn es»vürde dadurch eine Beivegung im Lande hervorgerufen »Verden, die ihnen ihr Verhallen sicherlich bald gereuen ließe. Tie frattzösische Regierung«nd die Jinmunität der Al'gcordnetc«. G e r a u i t- R i ch a r d ist noch nicht in Freiheit gesetzt worden. Der Mmisterralh beschloß, sich dem Antrage auf Freilassung des Deputirten Gerault- Richard zu widersetzen. Inzwischen hat die Regiertmg aber dafür gesorgt, daß ein anderer Abgeordneter, der„alle- innuistische"(possibilistische) Präsident der Hutmacher-Ge» ivcrkschaft, D s j e a n t e, Aussicht hat, demnächst hinter Schloß uitd Riegel zu kommen. Dieser Abgeordnete hatte eines Tags in seinem Ladenfenster ein Flugblatt befestigt, das sich mit der Armee und dem Verhältnisse des Sozialis- niits zur Armee beschäftigt. In der Attshängring dieser Flugschrift erblickt die Staatsanivaltschaft eine Aufreizung der bcivasfueten Macht zur Rebellion»md hat Anklage erhoben. Und auch in Paris gicbt es Richter, die gewissenhaft nrtheilen.— Tas Kongostaatspiel soll dem ehrgeizigen König der Belgier 40 Atillionen Franken(32 Millionen Mark) gekostet haben und damit die verelendeten belgischen Ar- beiter die»veiteren Kosten bezahlen sollen, will der edel- müthige Monarch allerhöchst geruhen, den Kongostaat au Belgien abzutreten.— Zu», Prozesse Ungern-Sternberg wird der„Köln. Zeitung" ans Lüttich geschrieben: Auf Veranlasst»»« der Lütlicher Staatsanwaltschaft vernahm der Polizeichef von Ainsterdam mehrere dort mit dem Russen Jaholkmvsky in Berührung gekou.mene Personen, darunter auch den russischen Konsul. Letzterer erkannte in dein ihm vorgezeigten Bilde des Verhaftete» sosorl einen Mann, der sich im Mai v.J., »»id zivar»venige Tage nach den Lütlicher Bcmbenanschlägen auf dem Konsulat unter dem Namen„Stein" vorgestellt, dabei aber einen auf Cyprian Jaholkoivsky lautenden Paß mit der Erklärung vorgezeigt hatte, daß er von der russischen Regierung»nit der geheime» Neberivachung der anarchistischen Umtriebe betraut und zur Zeit der Lütlicher Anschläge in hiesiger Stadt gewesen sei. Der Konsul hat Jaholkoivsky ziveimal ge- sprochen, dann aber nicht mehr»nieder gesehe». Am Tage vor vein Dynamitanschlag auf das Restaurant Fayot zu Paris lud Jaholkoivsky einen hiesigen Eiinvohncr ein, mit ihm nach der französischen Hauptstadt zu reisen, wo sie„Vorbilder" fänden, »velche die„richtige" Gesinnung hätten. Desselben Tages reiste der Russe nach Paris ab,»vo abends die Explosion in» Restaurant Fayot erfolgte. Einen oder zivei Tage spater traf Jaholkoivsky »vieder in Lüttich ein. Die Ministcrkrise in England stellt sich vorlnufig als eine Seusationsuachricht heraus. Die Situation in England ist aber für die lliegierungspartei jetzt so ungünstig, daß der Aus- bruch einer Krise erivarlet»verde» konnte, welcher Umstand auch erklärt, daß die Nachricht der„Pall Mall Gazette" vielfach Glauben gef»>nde» hat.— Neue Cnthiilsungen Giolitti's sollen bevorstehen. Ein Telegramm aus Rom meldet hierüber: Dem„Popolo Romano" zufolge soll Givlitti neue wichtige Dokumente entdeckt habön,»velche er nur da»»» zu veröffentlichet» beabsichtigt,»venn er durch den Kampf mit Erispi hierzu ge- zivuiigen»verde» sollte. Die Landwirthschaft geht unter der Herrschaft des KapitalisinnS überall zu gründe. In Norivegen, das bis vor kurzem»och, ähnlich wie Nordainerika als Paradies der Bauern galt, beträgt nach einer uns vorliegenden englischen Ab- Handlung der Werih sämmtlicher vorhandenen Bauerngüter(mit Land, Baulichkeiten und Hotzbestand) 40 Millionen Psund Sterl., daS heißt 800 Millionen Mark; die Hypothekenschulden aber, die auf diesem„Eigenthlmi" ruhe», haben die Höhe von 36 bis 39 Millionen Psund Sterling(720 bis 780 Millionen Mark) erreicht. Da ist also so gut wie kein Eigenthum mehr vorhanden.— Japauisch-chinesischer Krieg. China hat es nicht be- sonders eilig mit den Friedensverhandlungen. Seine Gesandte» nehmen den Landiveg von Peking noch Shanghai,»vo sie in vierzehn Tagen einzutreffen hoffe». Das ist schon mehr als Gemächlichkeit, und die Japaiter hätten sich eines sträflichen Leichtsinns schuldig gemacht,»venu sie auf einen Wassenstillstand eingegangen wären. Wie der„Standard" aus Shanghai meldet, dürsten die Friedensverhandlungen zivischen China und Japan»vahrscheinlic!» scheitern. Der mit den Unterhand- lungen beauftragte chinesische Gesandte ist dahin instruirt»vorden, eine' ziriegsentschädigung zu bewilligen, jedoch auf irgend eine Gebiete abtrelnug nicht einzugehen und die Unabhängigkeits- erklärung für Korea zu sorder». Tie vielgerühnite japanische Zivilisation ist blas hauttief— kratzt man ein bischen, so komutt die Barbarei zu»n Vorschein. Es ist Mordkultur. Wie man militärisch kunstgerecht Massenmord übt, das haben die Herren Japaner uns glücklich abgeguckt, aber sie verstehen sich altch auf den unmititärischen Massenmord. Die Leser »verden sich erinnern, daß nach de»» Falle von Port Arthnr die Nachricht kam, die siegreichen Japa»ier hätten unter der Bevölkerung der Stadt eine greuliche Metstld angerichtet., Es ward das bestritten. Jetzt haben wir den Bericht eineö englischen Korrespondenten im „Standard" vom gestrigen Tage. Hiernach haben die Japaner gehaust wie die bhildürstigstei» Bestien— nichts war vor ihrer Mordlnst sicher— die moderne Kriegsgeschichte kennt nichts AeHnlichcs. Das Gemetzel dauerte drei Tage lang; als Grund wird angegeben, daß gefangene Japaner verstümmelt worden seien. Ob dies»virklich wahr ist, können wir nicht feststellen. Jedenfalls kann es sich»mr um vereinzelte Unthaleu handelit, die unter keinen Umständen eine solche greuliche Massenschlächtcrci von Männern, Frauen und Kindern rechtfertigen köilnen. Auch nicht einmal die Entschctldiguilg, die Leidenschaften entflammenden Kampfes haben die Japaner, denn sie eroberten Port Arthur fast ohne Widerstand. Es war das reine bestialische Morden um des Mordens willen.— VsvlsureirksviHckzes. Tie Novelle z»lr Abänderung der Geiverbeord»»ung im Hausiergeiverbe ist dem Reichstag zugegangen. Die Denkschrift über das Togogcbiet ist dein Reichstage zugegangen. IDatieinarfmiftteu. ®C(»en den Umsturz. In einer Parteiverscinunlung in Bielefeld sprach Genosse Hoffmann über„die Umsturzvorlage" unter großem Beifall der Versammlung In derselben Versammlung wurden sechzehn Delcgirle zum Parleitag für das östliche Westfalen, der in Bielefeld stattfindet, gewählt.— In Solingen sprach in einer sehr stark besuchten Versammlung der Reichstags- Abgeordnete Schumacher über die U m- stü rz vorläge. Nach dem Vortrag wurde mit alle» gegen zwei Stimmen folgende Resolution angenommen:„Die am S. Januar im Lokale des Herrn E. Tückmantel tagende, sehr zahlreich besuchte sozialdemokratische Parteiversammlung erklärt sich gegen die von der Negierung eingebrachte Umsturzvorlage, als eine Gewaltmaßregel gegen alle freiheitlichen Bestrebungen. Ferner ist die heutige Versammlung überzeugt, daß durch kein noch so reaktionäres Ausnahmegesetz die sozialdemokratische Be- wegung sich unterdrücken läßt." Vorher waren als Delegirte für den Duisburger Parteitag die Genossen Schumacher, Wolfertz und � Schallbruch, sowie als Ersatzmann Stadtralh Aug Göbel tewählt worden.— Weitere Versammlungen mit dem gleichen hema wurden abgehalten i» Elmshorn, wo Genosse v. E l m referirte und in P i n n e b e r g, wo Genosse Fischer- Hamburg sprach. In beiden Versammlungen wurden energische Protest- Resolutionen gegen das geplanle Attentat auf die schmalen Volksrechte angenommen. «» Von der Agitation. Die Agitationstour, welche Fräulein Löwen herz aus Neuwied gegenwärtig in Westfalen machte, ist unterbrochen worden, nachdem sie 13 öffentliche Volksversamm- luiigen abgehalten halle. Ihre Agitation galt besonders den Frauen. Die vorläufige Unterbrechung geschah aus dem Grunde, weil die Polizei alle in letzter Zeil angemeldeten Versammlungen auf gruud des Z 8 des Vereinsgesetzes verbot.— Nach allen unszugegange- neu Berichten, so heißt es in einem Aufruf, den das Dortmunder Agilationskomitee erläßt, ist die Wirkung, welche die Verbote auf die weibliche und männliche Bevölkerung der betr. Orte aus- geübt haben, eine der vermuthlich beabsichtigten durchaus cnt- gegengesetzte gewesen. Ebenso hat es vielfach großen Eindruck gemacht, daß allein die sozialdemokratische Presse das verletzte gesetzlich« Recht, das ein allgemeines ist und an dem allen Parteien gelegen fein muß, verlheidigt hat. Die behördlichen Verbole arbeiten nur für uns.— Das Agitations- tomitee hat sofort eine zweite Agitationstour vorbereitet, die der Genosse De inHardt aus Köln übernehmen wird. Dieser Ge- nosse wird hauptsächlich die„Umsturzvorlage" besprochen. Bei den Gemeiuderathöwahlen in Dittersbach siegten in beiden Klassen die sozialistischen Kandidaten. In F a l k e n st e i n i. V., wo ans Angst vor der Sozial- demokratie die im Stadthaus herrschende Klique vor einigen Wochen das Klassenwahlsystem durchgedrückt hatte, fand am 7. Januar die Neuwahl nach dem neuen Wahlsystem statt. Die Gegner hatten sich verrechnet, wenn sie glaubten, durch ihr reaktionäres Vorgehen die Sozialdemokraten abzuhalten. In der 3. Klasse haben unsere Genossen einen vollständigen Sieg er- runge», indem ihre 6 Kandidaten alle gewählt wurden. Dem Rechenschaftsbericht des Apoldaer Vertrauens- mannes Genosse B a u d e r t für das Jahr 1894 entnehmen wir, daß die Einnahme über 690 Mark betrug. Die Ausgabe aus der Parleikasse, welche in gleicher Höhe ist, vertheilt sich auf verschiedene Posten, an Unterstützung für die Familien Jnhastirter sind über 189 M. ausgezahlt. Weiter be- merkte Genosse Baudert, daß in Zukunft größere An- sprüche an die Opserwilligkeit der Genoffen gestellt werden müssen, denn für die Agitation im I. weimarischen Wahlkreise, sowie für die Landesorganisation und für die Agitalions-Kom- Mission für Thüringen, seien die nöthigen Mittel zu dem bevor- stehenden Kämpfen aufzubringen, daß ein reger Verkehr mit aus- wältigen Genossen unterhalten werde, beweisen die 121 Briefe und Karten, welche zur Versendung gekommen seien. Als Ver- trauensmann wurde wieder der Genosse A. Baudert, als dessen Stellvertreter Genosse Leutat gewählt. Einen Rückblick auf das verflossene Jahr wirft in der „Rheinischen Zeitung" ein Genosse aus St. Johann-Saar- brücken. Dasselbe habe nur wenig Ersreuliches gebracht. Einige Genossen seien im Laufe desselben mit größeren Freiheits- und Geldstrafen bedacht worden. Es versteht sich am Rande, heißt es dann weiter, daß hier als vornehmste geistige Waffe, mit der uns die Gegner bekämpfen, die Saalabtreiberei und die Beeinflussung der Wirthe gegen uns zur Anwendung gebracht wird. Wie jubelten dieselben, als Genosse Emme! unsere Stadl verlassen mußte! Hofften sie doch jetzt den Sozialismus in hiesiger Gegend mit Stumpf und Stiel ausge- rottet zu haben. Lassen wir den Herren das Vergnügen. Der sozialistische Gedanke glimmt unter der Asche weiter und wird eines schönen Tages auch im Saarrevier wieder zur hellen Flamme auflodern. Nach der im Anschluß an de» verlorenen Streik erfolgten Vernichtung der Organisation der Bergleute, hatte einige Personen es sich zur Aufgabe gemacht, auch die Genossenschaften zn vernichten. Dieselben wurden unter das Gesetz vom Jahre 1889 gestellt. Auch der Gastwirthe- Verband war eifrigst bemüht, bei der Zerstörung der Genossenschaften hilfreiche Hand zu leisten. Em Theil der Genossen verkehrt seit einiger Zeit in einer Wirthschast in Saarbrücken. Der Wirlh wurde veranlaßt, die zu dem betreffenden Zimmer führende Thür offen zu lassen, resp. auszuhängen. Kurz, es werden alle Hebel in Bewegung gesetzt, uns auf jede nur denkbare Weise zu hemmen. Es war uns gelungen, ein Lokal zu erhalten, wo der Wirth uns im Punkt der Versammlungen keinerlei Be- schränkungen auferlegen wollte; als er den Verlrag unterschreiben mußte, hatte er wieder eine Klausel des Inhalts angehängt, daß, wenn Versammlungen stattfänden, dem Hauseigenthümer und dem Bierlieferanten Bickelmann vorher angezeigt werden müßte, was besprochen werden sollte! Solche Beispiele könnten wir zu Dutzenden anführen. Doch genug sür dieses Mal. Trotz alledem: Hoch die Fahne des Sozialismus! m« Die Redaktio« der„Reu ß. Tribüne" in Gera hat an stelle des durch seine siebenmonatliche Deportation in die Zitadelle Ichtershausen unfreiwillig znrl ckgelretenen Redakteurs Wilhelm Leven der Genosse Theiß aus Hamburg übernommen. AuS der Hamburger Raboisenwache entlasse» wurde am Montag Vormittag Genosse Heine, nachdem er dort fünf Monate lang Staatequartier innegehabt hatte. Die fünf Monate hatte sich Heine zugezogen, als er in seiner Eigenschaft als ver- antwortlicher Redakteur des„Echo" einer Wochenplauderei Auf- nähme gewährte, durch welche der Senat sich so gekränkt fühlte, daß er der Staatsanwaltschair die Genehmigung zur Stras- Verfolgung Heine's erlheilte. Genosse Heine hat, wie das„Echo" miltheilt, die fünf Monate gut überstanden und es ist zu hoffen, daß ihm durch die lange Sitzung kein dauernder Schade» an seiner Gesundheit erwachsen ist. Keineswegs dürfte aber seine Zufriedenheit mit den heutigen Verhältnissen im„Rechtsstaat" gewachsen sein."«* Von einer geheimen Organisation der mecklenburgischen Sozialdemokratie fabeln die„Rostockcr Zeitung" und der„An- zeiger" in ihren Berichten über den jüngsten Parteitag in Lübeck. Die wohlwollende Absicht, welcher diese verlogene Berichterstattung entsprang, ist mit Händen zu greisen. Das LäcKerlichste bei der ganzen Sache ist der Umstand, daß nach den genannlen beiden Blättern die mecklenburgischen Delegirten selbst das Bestehen „einer geheimen Organisation" ausgeplaudert haben sollen! Das Tölcke-Tenkmal ist nunmehr auf dem Dort- m u n der Friedhofe aufgestellt. Der Stein ist aus tiesschwarzem Granit, in einfachem und edlem Geschmack. Er trägt die persön- lichen Daten des Verewigten mit der Inschrift:„Der Ertrag der Arbeit, der Urquelle des Reichlhnms, dem, der ihn schafft!" Hunderte von D o rt m u n d e r Arbeitern wallfahrteten bereits am letzten Sonnlage nach dem Friedhof, das Andenken des Tobten zu ehren. »* * Polizeiliches, Gerichtliches:c. — Eine Ehrenrettung Crispi's hat kürzlich die Polizei in Leipzig vorgenommen. Der Vorsitzende einer Partei- Versammlung hatte gegen eine» Unterbeamten der Polizei, der zwei Rednern das Wort entzogen, Beschwerde beim Polizei-Amt eingereicht. Dieselbe ist jetzt unter folgender interessanten Be- gründung abgewiesen worden. Beschluß vom 29. Dezember 1894. In der am 13. d. M. hier abgehaltenen Versammlung des sozial- demokratischen Vereins Leipzig-Ost hat der mit Ueberwachung dieser Versammlung seitens des Polizei-Amts beanslragte Beamte zwei dort aufgetretenen Rednern Herbst und Nüchtern das Wort entzogen, und zwar ersterem, als er nach verschiedenen Ausfällen gegen die italienische Regierung die Aeußerung gethan hat: „Crispi sei ein gewallthäliger Mensch und schlau und ver- schlagen wie Miquel. Die Regierung habe weiter nichts gethan, als die Arbeiter durch Ausnahmegesetze geknebelt. Ein Italiener habe dagegen erklärt, daß mit Ausnahmegesetzen jeder Esel regieren könne. Daß vor Ausnahmegesetzen die herrschende Klasse mehr Furcht habe als die Arbeilerklasse, das habe das Verbot der Pantheon-Versammlung gestern beiviesen."— Die Wort- entziehung im zweiten Falle ist erfolgt, als pp. Nüchtern geäußert hat.„Es frage sich nur, ob die Kommissionsniitglieder ebensolche „Schufte seien, wie Crispi ein Schuft sei."— Beide Aeußerungen enthalten zweifellos Beleidigungen des italienischen Minister- Präsidenten Crispi, erstere zugleich auch eine Beleidigung des preußischen Finanzministers Miquel m:d der deutschen Reichsregierung, insofern in den Worten:„Daß mit Ausnahme- gesehen jeder Esel regieren könne", die Hindeutung auf die deutschen Verhältnisse und die dem Reichstag jetzt vorliegende sog. Umsturzvorlage handgreiflich ist. Die sraglichen Aeußerungen widersprechen demnach den Strafgesetzen, wobei der Umstand, daß der mitbeleidigte italienische Blinisterprästdent nicht deutscher Reichsangehöriger ist, selbstverständlich sür die rechtliche Beurtheilung belanglos ist, und es rechtfertigt sich daher in beiden Füllen die geschehene Wortentziehung durch die Be- stimmung im K 9 des Vereinsgesetzes vom 22. November 1889. Ter Vorstand des eingangs gedachten sozialdenwkratischen Vereins ist deshalb mit seiner anher eingereichten Beschwerde vom 18. d. M. abzuweisen. Soziale Xleltevliiftf. Die Breslnuer Gewerkschaften haben beschlossen, eine Arbeitslosen- Statistik auszunehmen. Jede einzelne Gewerkschaft soll eine Versammlung einbernsen, in welcher Frage- zettel ausgegeben werden. Für Nothstaudsarbeiten hat der Magistrat von Halle 29 999 Mark gefordert; die Finanzkomniission hat sich im Prinzip sür die Bewilligung der Summe ausgesprochen. Arbeiterentlassunge» haben abermals auf der Dort- m u n d e r Gesellschaft„11 n i o n" stattgefunden. Im ganzen sind von dem betreffenden Werke seit Ende September über 499 Mann entlassen worden. Die Sparsamkeit im Effenbahn-Vetrieb fordert immer mehr Opfer. Im Betriebsamt Essen sind 43 Kanzlisten gekündigt worden; unter ihnen befinden sich einige, welche eine inehr als 29 jährige Dienstzeit bei der Bahn hinter sich habe».— Der Trieb nach Ueberschllsse» läßt unsere Eisenbahn-Verwaltungen auch sonst noch allerhand Experimente machen, die man in Privat- betrieben schon auf das schärfste verurtheilen müßte, in söge- nannten„Musterbetrieben" aber gar nicht für möglich hallen sollten. So sucht man immer niehr Frauen für Dienitverrich- tungen zu verwenden, sür die wir Frauen recht wenig geeignet halten. So hat man seil März v. I. auf der Gotha-Leine- selber Eisenbahn für die Schließung der Wegeschranken Frauen angestellt und soll voraussichtlich das Bahnwärterpersonal noch weiter reduzirt werden. Die Frauen bekommen pro Tag eine Mark nnd müssen hierfür 12 Stunde» Dienst thun. Dazu kommt noch, daß die betreffenden Frauen in den benachbarten Dörfern wohnen, von wo sie oft bis eine Stunde Weges bis nach dem Ort ihrer Thäligkeit zurückzulegen habe». Eine der Frauen, deren Mann Bahnwärter ist, hat 8 Kinder, wovon das älteste Mädchen erst 14 Jahre zählt. Diese sind sich nun den ganzen Tag selbst überlassen, was zur Folge hat, daß die Er- ziehung der Kinder eine mangelhaste sein muß. Und derselbe Staat, der durch seine Sucht nach billigen Arbeitskräften das Familienleben seiner Arbeiter zu nichte macht, steht im Begriff, im Namen der Religion, Ordnung und Familie gegen de» Umsturz ins Feld zu ziehen. Arbeiterentlassungen auf den Werken deö westfälische» KoakssyudikateS dürften bevorstehen, die Förderung ist um 8 pCt. vermindert worden. Nun werde» die Löhne noch tiefer gedrückt werden und das Elend und die Nolh wird anwachsen. An stelle des Schutzes erhalten aber die Arbeiter die Umsturz- vorläge. I» dem Jahresbericht der Haudelskammer zu Geeste- münde, dessen erster Theil mit dem 1. Januar erschienen ist, gewinnt eine Vorstellung an die Regierung, welche die Ein- ziehung der F j s ch d a m p f e r- M a n n s ch a f t e n in die See- Unfall- Berufsgenossenschaft befürwortet. gerade jetzt besonderes Interesse, wo nach den Stürmen des 22. und 23. Dezember allein von der Untcrweser 8 Danipfer mit einer Besatzung von 81 Personen, darunter 39 verheiratheten Männern, so gut wie sicher zerschellt und mit Mann nnd Maus untergegangen sind. Die im Fischereibelrieb Angestellten sind bekanntlich noch nicht versicherungspflichtig und sollen erst nach dem Entwurf des erweiterten Unfall- Ver- sicherungsgesetzes einbezogen werden. Die Handelskammer vertritt entgegen dem Entwurf der Regierung den Stand- puukt, daß diese Mannschaften bei der großen Be- deutung, welche die Hochseefiischerei mit Dampfern in den letzten Jahren gewonnen hat, nur der SeeunfaN-Berufsgenoffenschafl angeschlossen werden können, nickt der zu bildenden allgemeinen Versicherungsgesellschaft, in der sich alle diejenigen Berussarlen vereinigt finden, die sonst nirgends untergebracht werden können. Vor allen Dingen thut, wie dre jüngsten Ereignisse beiveisen, eine schleunige Abhilfe nach der einen oder anderen Richtung hin hier dringend Roth. Jetzt sind die Hinterbliebenen der Ver- unglückien aus die Privalwohlthätigkeit angewiesen; es ist aber die Pflicht des Staates, hier so schnell wie möglich einzugreisen und eine Abhilfe des gegenwärtig bestehenden unhaltbaren Zu- standcs herbeizuführen. Zur Erweiterung der Unfallversicherung hat der Ge- Werbeverein zu Plaue» aus Veranlassung der dortigen Gewerbe- kamnier Stellung genommen. Der Gewcrbeverein ist zu dem Ergebniß gelangt, daß der Ausdehnung der Versicherungspflichi auf das Kleingewerbe und den Handel vorbehaltlich der Er- süllnng gewisser Wünsche im allgemeinen zuzustimmen sei. Von der Versickeruugspflichl wünscht man aber diejenigen� Berufs- zweige ausgeschlossen, die, wie das Kleingewerde der Schneider, Schuh- und Handschuhmacher, Hausweberei und ähnliche Betriebe, mit einer eigentlichen Unsallgesahr nicht ver- Kunden sind. Weiter wird es sür nolhwcndig erachtet, daß die Kleinbetriebe, sowohl die bereits der Ver- sicherungspflicht unterliegenden, als auch die noch versicherungs- pflichtig zu machenden, in besonderen Berufsgenossenschaften organisirt werden. Begründet wird diese Forderung mit der größeren Unsallgesahr in den Großbetrieben und der dadurch entstehenden höheren Belastung der kleinen Betriebe gegenüber den großen. Da die jährlichen Verwaltungskosten mancher Be- rufsgenossenschaften zuweilen bedeutend mehr erforderten, als von diesen an Renten in einem gleichen Zeitraum überhaupt gezahlt worden sind, so hält man die Festlegung gewisser Ver- waltnngsvorschristen für unerläßlich. Schließlich wird die Be- seitigung der Bestimmung des Z 5 Absatz 9 des Unfall» versicherungs- Gesetzes, die namentlich das Kleingeiverbe schwer zu belasten geeignet sei, verlangt. Nack dieser Bestimmung wird das Krankengeld eines Verletzten von der fünften Woche ab auf zwei Drittel des Arbeitslohnes festgesetzt. Für die etwaige Differenz zwischen dem niedrigere» Krankengelde und den zwei Dritteln des Arbeitslohnes hat der Unternehmer aus eigenen Mitteln auszukommen. Die Last soll auf die Genossenschaften übertragen»verde».— Ueber alle diese Forderungen ließe sich, so bemerkt hierzu die„Leipziger Volksztg.", bis auf die, daß die weniger der Unfallgefahr ausgesetzten Kleingewerbe von der Versicherungspflicht ausgenommen werden solle», reden. Am besten freilich wäre es, wenn, ivie es von sozialdemokratischer Seite angestrebt wird, die ganze Versickerungsgeseygebung— Kranken-, Unfall-, Jnvaliditäts- und Altersversicherung— ver« einheitlicht»vürde. Gemerftsick» AfHirlres. Achtung, die Gewerkschaften der Schlächter, Kauf» leute, Bureauarbeiter. Uhrmacher, Bilder- rahmenmacher, P o s a m e n t i e r a rbeiter, Tapeten- fabrikations-Arbeiter, Gärtner, Seiler, Mu- si ker. Kutsch er, Mosaikfliesenleger, Z>vicker und Schaftarbeiter! Bis zuin heutigen Tage sind die von der Geiverkschasts- Kominission zuin Zweck der Ausnahine einer allgeineinen Geiverkschasts- Statistik sür Berlin ausgegebenen»»nd versendeten Frageboge» noch nicht auf dem Geiverkschafts-Bureau, Grenadier- st r a ß e 19, abgeliefert. Sollten die Fragebogen von diesen Geiverkschaftcn nicht bis zum 12. Januar abgeliefert sein, so »nüssen diese Gewerkschaften aus der Zusammenstellung fort- gelassen»verde». Fragebogen sind auf dem Gewerkschaflsbureau zu haben. Der geschäftsführende Ausschuß der Berliner Gewerk schafts-Kom Mission. Der Ausstand der Waffenfabrikarbeiter der Firma Pieper in L ü t t i ch ist beendet. Innerhalb einiger Tage wird ein Minimallohn festgesetzt»verde»». Lohnabzüge wurden nicht vorgenommen. Die Vertheilung der Arbeit unter die Ar- beiler soll in besonderer Weise geregelt»verde». Die Schornsteinfeger-Gehilfen in Trieft haben heut» »vegen Lohndifferenz die Arbeit enigestellt. „Der Berliner Bierboykott und die organisirteArbeiter- schaft"— war das Thema, niit dem sich eme öffentliche Ver- saminlung der Brauerei-Arbeiter in G e e st e m ü» d e beschäftigte. Die Versainmlung stellte sich auf den Standpunkt des Refeienten Genossen W i e h l e- Hannover, den Vorsitzenden des Verbandes der Brauerei-Arbeiter, der die Beendigung des Bierboykotls als einen„ziveifellosen Sieg der Arbeiter" bezeichnete. Die anivesenden Brauerei-Arbeiter beschlossen, sich dem Per- bände anzuschließen und zu diesem Zivecke eine Zahlstelle in Geestemünde zu gründen. Auf Vorschlag wird eine aus 4 Mann bestehende Koinmission geivählt, 2 aus Breinerhaven, 1 aus Lehe und 1 aus Geestemünde, welche die Vorarbeiten zur Gründung einer Zahlstelle des Verbandes zu erledigen hat. Be- schloffen wird hierauf, die regelmäßigen Sammlungen fort« bestehen zu lassen; von dem Gelde soll ein Theil für Unter- stütznng der noch arlSgesperrten Bierbrauer und Hilfsarbeiter, und der andere Theil zur Unterstützung der Familien, deren Er- nährer bei dem letzte» Sturm auf See in Ausübung ihre? Berufes den Tod gefunden haben, verwendet»verde». Ein Verbaudstag der Bauarbeiter-Vereine Oester« reichs fand zum ersten Male zu Weihnachten in Wien statt. Delegirte waren anivescnd von sämmtlichen Bauarbeiter-Organi« sationen Wiens, dann aus Prag. Graz, Reichenberg, Manners- dorf, Pilsen, Linz, Meran und Bozen. Dezreslyen: Wolsf's Telegraphen-Bureau. Wien, 8. Januar. Im Landtage von Krain»vurde e»n Antrag aus Diskussion der Reichsraths- Wahlreform eingebracht, in»velchem das allgemeine direkte Wahlrecht mindestens in de» Landgemeinden, Städten und Märkten verlangt und gegen die Vereinigung von Nichtarbeitern und Arbeitern in einer Kurie Venvahrung eingelegt»vird. Brüssel, 8.' Januar. Repräsentanten- Kammer. Der Pro- gressist Lorand theilte mit, er beabsichtige die Regierung über das Gerücht von der Uebernahme des Kongostaates dllrch Belgien zu interpelliren. Die Regierung möge für die Interpellation genau und baldigst einen Termin festsetzen. um der dcerch jenes Gerücht hervorgerufenen � zügellosen Börsenspekulation ei» Ende zu machen. Der Minister des Innern de B»lrlet nannte Dienstag als Termin. Die Regierung »verde vielleicht der Interpellation durch eine Mittheilung in dieser Angelegenheit zuvorkominei», Lorand werde in diesem Falle benachrichtigt»verde». Deluisseaux(Sozialist) wünschte, daß die Regierung der Kanuner über den Kongostaat die nölhigen finanziellen, geographischen und statistischen Mittheilungen zur Verfügung stelle. Die Minister des Innern nnd des Auswärtigen versprachen, alle sür die Kammer>vü»sche»s»verlhen Mittheilungen zi» machen. London. 8. Januar. In Blackburn brach gestern Nach- mittag die Eisdecke eines Sees in dem Queens-Park. Gegen 99 Personen, u>eistei»s Kinder, stürzten ins Wasser, doch konnten alle gerettet»verde»» nlit Ausnahme einer Frau, deren Leiche später gefunden»vurde. Bilbao, 8. Januar. Auf der Telegraphenstation Sestas(?) wurden durch ein Tynamitattenlat beträchtliche Venvüstungcn angerichtet. Verluste a» Menschenleben sind nicht zu beklagen. Rio de Janeiro, 7. Jarnlar. Infolge einer dirrch Feuer bervorgeri»fenen Explosion auf einem Vergnügungsdampfer im Hasen von Nictheroy sind 129 Personen ertrunken. (Deveschen-Bureau Herold.) Antwerpen, 8. Januar. Die heutige Vormittagssitzung im Prozesse der Frau Joniaux währte bis 12'/s Uhr. Der Präsident stellte an die Angeklagte ca. 299 Fragen über ihre finanzicllcii Verhältnisse, um zu erfahre», ob sich die Angeklagte in unehrlicher Weise Gelder zu beschaffen suchte. Die Angeklagte, welche gestern sehr niedergeschlagen ge« »vesen»var, a»t>vortete heute aus alle Fragen mit überraschender Ruhe und Sicherheit. Man ist allgemein der Ansicht, daß eine Venirtheilung der Frau Joniaux wegen Mangels an Beweis- Material nicht wird ersolgen können. Mehrere Damen, welche durch besondere Gunst Zutritt zu den Verhandlungen erlangt hallen und zur Beobachtung der Angeklagren Ferngläser ge- brauchen»vollten. wurde dies von» Präsidenren untersagt. Kairo, 8. Januar. Bei Kassala kam es zivischen Italienern und Derivischen zu einem ernstlichen Zusammenstoß. Die ersteren behaupteten unter schiveren Verlusten den Platz. Die Egypter wollen eine Deinonstration gegen Tongala vornehme»», um die Derwische von Kaffala zu entfernen. Hierzu zwei Beilage«. Verantwortlicher Redakteur: I. Dierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin SW.. Beulhstraße 2. 1. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Bolksblatt. Ur. 7. Mittwoch, de» 9. Januar 1893. II. Jahrg. Vcu'lkunenfslrevitfjkc. Deutscher Reichstag. 9. Sitzung vom 8. I a n» a r 1895. 2 U h r 20 M i». Arn Buiidesrathstische: v. Bötticher, V.Marschall, Bronsart v. Schellendorf, v. Schönstedt, v. Koller, Nieberding. Der Präsident von Levehow: Ich wünsche den Herren ZIbgeordneten ein gutes neues Jahr(Beifall) und eröffne die Sitzung. Abg. Prinz Hohenlohe theilt mit, daß er zum Legations- rath ernannt sei, ohne daß ihm ein Amt übertragen sei. Das Schreiben wird durch Keiintnißnahme für erledigt erklärt. Tarauf wird die erste Berathung des Gesetzentwurfs betr. A ender ung und Ergänzung des Straf-Gesetz- b>i che s, des Militär-Strafgesetzbuches und des Gesetzes über die Presse fortgesetzt. Abg. Aner(Soz.): Ueber die Entstehungsursache dieser Vorlage zirkulirten verschiedene Gerüchte. Daß sie nicht eine bestellte Arbeit der Großindustriellen und des Herrn v. Siumm ist, hat uns dieser durchschlagend bewiesen, als er versicherte, daß, wenn er eine solche Vorlage ausgearbeitet hätte, sie ganz anders ausgefallen wäre.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ein so wahres Wort hat Herr v. Stumm selten ausgesprochen.(Heiterkeit.) Andererseits wurde die Vorlage als die Flagge bezeichnet, unter welcher die Kontrebande des Kanipfes gegen den Grasen Caprivi ein» geschinuggelt werden sollte. Sogar die osfiziöse Presse wie der „Hamb. Korr." sprach diese Auffassung aus. Eine dritte Meinung über die Entstehungslirsache der Vorlage fand und findet noch heule sehr starken Glauben, daß nämlich die Umslurzvorlage bei ihrer Ablehnung einen Vorwand zur Reichstags- a u f I ö s n u g abgeben soll, um durch Neuwahlen neue Steuern und damit die Mittel zur Umwandlung der Halb- bataillone in ganze Batailone zu erhalten.(Hört! hört! links.) Welche dieser Versionen richtig ist, wissen wir nicht, nur die erste hat Herr v. Stumm in ausreichender Weise widerlegt. Die Motive der Negierung führen dieselben Gründe an wie bei der ähnlichen Vorlage von 1376. Der Reichstag hat sie da- mals mit wenig Respekt abgelehnt. Für den entscheidenden Paragraphen erhob sich nicht eine Partei, von den Konservativen bis zu den Sozialdemokraten. Einstimmig meinte der Reichstag, daß die Regierung mit der Änderung des§ 130 des Strafgesetz- buchs zu weit gehe. Die Regierung erklärt jetzt wiederum, wie 1876, die Bestimmungen des Strafgesetzbuchs für nicht ausweichend gegen gewisse destruktive Tendenzen, das Strafgesetz- buch stamme aus einer Zeit, wo man noch vertrauensvoll aus die Entwicklung der Verhältnisse hinblickte. Heute denke man darüber anders. Als 1370/71 das Strasgesetzbuch Gesetz wurde, herrschte noch der Geist der Humanität, so daß eine große Zahl der einflußreichsten Volksvertreter und Parteien sogar die Hin- richtung beseitigen wollte, und es bedurfte des ganzen Einflusses des Fürsten Bismarck, um das Köpfen und Hinrichten wieder in das«trafgesetzbuch zu bringen. Wollte heute jemand die Be- seitigung der Todesstrafe beantragen, ich glaube, er käme in Castan's Panoptikum.(Heiterkeil.) Das Köpfen und Hin- richten gehört mit zu den unentbehrlichen Staats- einrichtungen des Deutschen Reiches. Das ist der Fortschritt! Die Motive haben recht, der pessimistische Geist hat die frühere vertrauensvolle Auffassung völlig abgelöst, t Die Motive weisen wieder aus die Fürsorge der Re- gierung für die arbeitenden Klassen im Kampfe um deren Existenz hin. Ich darf ja hier nicht behaupten, daß i>\t Regierung damit etwas wider besseres Wissen behaupte, aber Ich kann auch nicht dafür stehen, daß nicht weite Kreise des ar- beitenden Volkes die Empfindung haben, daß diese Behauptung den Thatsachen widerspricht.(Sehr richtig! bei den Sozial- bemokraten.) Vergleichen Sie nur damit die Lohnkürzungen, die Arbeitszeilverläugerung, die Beaussichligung und die Beeinträch- tigung der persönlichen Freiheit der Arbeiter in Staats- Werkstätten, das Vorgehen gegen die Gewerk- schaf ten in Sachsen und Bayern, die Auflösung derselben, die künstlichste Auslegung der Gesetze, um die Arbeiter an der Benutzung des Koalitionsrechtes zu hindern, die Unterdrückung der Lohnbewegung im Saarrevier und selbst die Beseitigung der unschuldigsten Organisationen, der christlichen Bergarbeitervereine in Westfalen, die mit Umsturz und Sozialdemokratie absolut nichts z» thun haben. Auch diese Bestrebungen haben Widerspruch in den Kreisen gefunden, auf die Herr v. Stumm Einfluß hat. Was Herr v. Stumm und seine Freunde nicht wollen, will ja auch die Re- gierung nicht. Die Motive weisen wieder aus die Wohlthaten der Sozialreform hin. Wie kann man nur diese, die doch dem Arbeiter nur das A l l e r s e l b st v e r st ä n d l i ch st e garanlirt. als eine besondere Großthat herausputzen? Sie ent- schädigt die verlorenen gesunden Knochen des Arbeiters höchstens nur mit zwei Drittel des Arbeitsverdienstes. Das zeugt von der Fürsorge der maßgebenden Kreise sür die Arbeiter! Man lhut so, als sei es wunder was sür eine Wohlthat sür den Arbeiter, der einen Arm, ein Bein oder ein Auge verliert und dafür eine Entschädigung erhält. DaS sind alles Kleinigkeiten oder selbstverständliche Dinge, was in der Krankenkassen- sund Jnvalidenversichernng dem Arbeiter gewährt wird. Das einzige Gute an dieser Gesetzgebung ist, daß dem Arbeiter solche Unter- ftützung als ein Recht gewährt und ihm nicht zugleich die Schmach angethan wird, daß man ihn deshalb seiner politischen ehren- bürgerlichen Rechte entkleidet. Das ist aber wiederum so selbst- verfländlich, daß Sie keine Veranlassnug haben, sich damit zu brüsten. Der Staatssekretär des Reichsjustizamts hat uns in seiner Rede vor Weihnachten de» Rath gegeben, wir möchten die Vor- läge leidenschaftslos und ohne Pathos besprechen. Zu der Zeit, als Herr von Pultkamer am Bundesrathstisch seinen langen Barl strich(Unruhe rechts) waren wir an eine ganz andere Sprache gewöhnt. Den Rath des Herrn Staatssekretärs zu befolgen wird mir doch etwas schwer. � Ich befinde mich in der Lage des Huhns, dem ein�menschenfreundlicher Koch, ehe er es schlachtete, die Wahl stellte, ob es lieber gekocht oder gebraten werden wolle. Wir sollen ja nicht gerädert oder geköpft werden nach dieser Vorlage, aber weit davon ist es auch nicht. Der Staatssekretär hat weiter bestritten, daß die Vorlage sich ausschließlich gegen die Sozialdeniokratie richte. Ich will gern glauben, daß er davon überzeugt ist, aber sein Glaube ist noch kein Beweis dafür, daß andere diesen Glauben haben. Gebrannte Kinder scheuen das Feuer. Herr v. Bennigsen hat am 10. Oktober 1878 auch gesagt, das Sozialisten- gesetz sei nicht gegen bestimmte Klassen der Bevölkerung oder gegen bestimmte Parteien gerichtet. Aber ich frage Sie: wie ist das Gesetz angewendet worden? Sobald das Gesetz gegen Nicht- Sozialdemokraten angewendet wurde, fand dies den offensten Widerspruch der gesammten bürgerlichen Presse, und der Partei- genösse des Herrn von Bennigsen. der Prof. Gneist, schrieb in einer Broschüre, daß es sich bei der Handhabung des Sozialistengesetzes viel weniger um die That handle, als um den, der sie ausführe. Es kann also dieselbe Handlung bei einem Nicht-Sozialdemokraten ungeschoren bleiben, welche bei einem Sozialdemokraten strafbar ist. Der Staatssekretär halte schon im alten Reichslage Gelegenheit mir zu antworten. Es drehte sich damals um den Verkuch der s ä ch s i s ch e n B e h ö r d e n u n d G e r i ch t e, d i e Verbreitung von Wahlflugschriften, da sie nach den Bestimmungen der Gewerbe-Ordnung nicht inhibirt werden kann, aufgrund des Groben- Unfug-Paragraphen zu hintertreiben. Der Staatssekretär führte damals aus, daß in der Flugblätterver- breitung allein, wenn sonst nichts vorliege, niemals das Moment einer strasbaren Handlung erblickt werden könnte. Die sächsischen Gerichte haben sich nicht im mindesten um die Aeußerung des Staatssekretärs ge- kümmert. Freilich Flugschristen zur Reichstags- wähl können ganz ungenirt verbreitet werden. Ueber die Reichs- tags-Wahlen haben w i r hier das letzte Wort mitzusprechen und die sächsischen Gerichte und Behörden wissen sehr gut, daß wir auf solche Praktiken hin die betreffende Wahl kassiren würden. Handelt es sich aber um Flugblätter zu den sächsischen L a n d t a g s- W a h l e n, wo dieHerren Ackeiniann und Genossen die entscheidende Rolle haben, da kann man sich natürlich solche Späßchcn erlauben und daran werden dieAussührungen des Staats- sekretärs nichts ändern. Und so befürchte ich denn mit meinen Freunden, ob später auch bei diesem Gesetz irgend ein Gericht oder ei» Staatsanwalt sich noch um das kümmern wird, was weiland der Staatssekretär Nieberding hier gesagt hat. Der Staatssekretär hat den Beweis nickt führen können, daß die Strafen gegen die Sozialdemokraten sich vermehrt haben. Die Z u ch t h a n s- st r a f e n, von denen er sprach, sind gegen die s o g e n a n n t e n A n a r ch i st e n verhängt worden, welche bekanntlich die heftig- stenGegner der Sozialdemokratie sind. Auch diesmal haben wieder die alten Zitate wie zur Zeit des seligen Pultkamer herhalten müssen. Im stenographischen Bericht der Rede des Staatssekretärs heißt es— es ist vielleicht ein böser Druckfehler— daß Krapolkin in einer Broschüre ausgeführt habe, alle Religionen seien auf„Lng" gegründet. Im Original aber steht, alle Religionen sind auf„Blut" ge- gründet und aus dem Zusammenhange crgiebt sich, daß damit der Opfergedanke gemeint ist. Der Ausdruck„Blut" ist also gar nicht im bösen Sinne gemeint. Im übrigen konstatire ich, daß der Staatssekretär aus unserer gesammten politischen, gewerkschaftlichen u. s. w. Presse auch nicht ein einziges Zitat hat vorbringen können zurBegründung derVorlage.(Zuslimmnng bei den Sozialdemokraten.) Er hat ein polnisches Flugblatt an- geführt, welches die große Mehrzahl derReichstags-Abgeordnelen gar nicht lesen und nicht erkennen kann, wie sich die betr. Stelle im Zusammenhange ausnimmt. Es soll in dem Flugblatt stehen, daß"die Herren die Arbeiter bestehlen. Damit ist aber nicht gesagt, daß die Herren die Arbeiter persönlich bestehlen, sondern nur, daß sie sich das Produkt ihrer Arbeit aneignen, und das verstehen alle Herren, deutsche und polnische. Als dem Staatssekretär bei den Zitaten entgegen- gerufen wurde, das seien alles olle Kamellen, meinte er, auch der Dolch sei ein altes Mittel und doch würde er auch heute an- gewendet. Ja, wenn man alles, was zu irgend einer Zeit Revolutionäres und Aufreizendes geschrieben worden ist, auf das Konto der Sozialdeniokratie setzen will, wo soll man da anfangen und wo aushören? Da hätte der Staats- sekretär, statt sich auf Krapotkin und Bakunin zu berufen, es viel einfacher gehabt, den bekannten Brief des preußischen F i n a n z m i n i st e r s zu zitircn, der in unserem Kölner Partei- Protokoll abgedruckt worden ist, in welchem die Forderungen der Revolution, die Organisation von Bau ern- a u f st ä n d e n und überhaupt die Auswahl der Mittel nach dem gegebenen Zweck empfohlen wird.(Rednerzitirt die MiqUel'sche Rede.) 'Will man uns nicht bcurtheilen nach dem, was wir thun, sondern nach dem, was zu allen möglichen Zeiten schlimmes geschrieben und gesagt worden ist, dann sind wir freilich rettungslos ver- loren. Bei der Durchmusterung der Verhandlungen über das Sozialistengesetz 1878 sind mir sehr bekannte Züge aus dem Reichstage mit Zitaten begegnet, so revolutionär, daß Krapotkin und Bakunin ganz dahinter zurücktrete». Was hat nicht allein Ludwig Va m berger in seiner revolutionären Zeit alles zusanimengeschrieben! Er ist nicht mehr unter uns, aber drei andere sind noch hier! Die werden sich jetzt wohl in ihr Inneres zurückziehen und sagen: Wenn jetzt der Auer auspacken möchte, kämst du schlecht weg!(Große Heiterkeit.) Ich habe diese Absicht nicht, ich konstatire nur, daß in der 1843er Zeit, wo diese Männer noch Ideale hatten, das Wort nicht auf die Waagschale gelegt wurde. Das ist eben zu allen Zeiten so gewesen. Redner zilirt eine lugschrifl aus der R e f o r m a t i o n s z e i t, in der die eichen und Mächtigen verflucht werden, weil sie den Armen das Mark ans den Beinen schinden. ihnen weder Brot, noch Salz, noch Schmalz lassen und jede Auf- lehniing gegen ihr heidnisches, unchristliches Thun mit Köpfen und Vierthcilen beantworten. Wie kommt man also jetzt mit einem Male dazu, so empfindlich zu sein und zugleich uns mit Dingen aufzuwarten, für die wir jede Ver- an tw ort ung ablehnen müssen! Herr-Nieberding brachte nun auch aus seinem Zitatensack die„Freiheit" hervor, ein Blatt, dessen Verbreitung in Deutschland zu verhindern die Polizei heute vergeblich sich bemühe.(Aha! und Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Letzteres ist nicht zu allen Zciten so gewesen. Dafür nur zwei drastische Beispiele. Das ältere, der Fall tau p�t- S ch r ö�d e r ist seinerzeit im Reichstage von Bebel und inger erörtert und es ist dabei nachgewiesen worden, daß Gelder aus geheimen Fonds der preußischen politischen Polizei zum Druck und zur Her- stelliing der„Freiheit" benutzt wurden, welche damals schon immer so„gefährlich" war wie heute. Ich lese sie heute nicht, ich weiß nicht, ob irgend einer meiner Fraklionsgenoffen sie zu Gesicht bekommt; ich vermuthe, daß mit AnSnahme der Polizei sehr wenige in Deutschland sind, die das Risiko auf sich nehmen, sie überhaupt zu lesen. Ein neueres Beispiel ist nicht weniger charakteristisch. Die„Freiheit" spielte in den Zeiten des Sozialisten- gesetzes eine Liolle in den Reichstags-Verhandlungen und ist in den Denkschriften zur Rechtfertigung der Verhängung des kleinen Belageriingszustaiides oft erwähnt. In der Denkschrift vom 19. November 1835 wird augeführt, daß die„Freiheit" in 5000 Exemplaren herauskomme, von denen nur 500 in Amerika bleiben, während die übrigen meist ohne jede Aussicht auf Bezahlung nach Europa kommen, um ans den verschiedensten Wegen nach Deutschland und Oe st erreich eingeführt zu werden. Diese T h a t s a ch e wurde damals für die N o t h w e n d i g k e i t der Verlängerung des kleinen Belagerungsznstandes ver- w« r l h e t. Nun hat Ende März 1394 in Elberfeld eine Gerichts- Verhandlung stattgehabt, die den Sozialdemokraten Krewinkel betraf, der der Polizei vorgeworsen haben sollte, sie habe mit Hilfe eines sehr anrüchigen Subjekts die „Freiheit" eingeschniuggelt. Der erste Zeuge, ein Polizeikommissar, jetzt Polizei-Jnspektor, aus Aachen, g i e b t zu, von dem betreffenden Subjekt, einem Herrn Kuhn, wiederholt die Mo st's che „Freiheit" und den„Sozialdemokraten" erhalten zu haben. Der habe sich der Polizei angeboten. Zeuge Kuhn giebt dann zu, daß er die beiden Blätter von Verviers nach Aachen gebracht, und auf Vor- halt des Präsidenten auch, daß er sür die N e b e r b r i n g u n g Geld erhalten habe. Frauen hätten die Blätter unter ihren Röcken, in einem Falle sogar unter Windeln verborgen zu ihm in die Wohnung geschafft. Die im letzteren Fall b e t h e i- I i g t e Frau sagte aus, daß Kuhn mit den Blättern fortging, nach langem Ausbleiben wiederkam, mit der Frau die Straße betrat, in einem Zigarrenladen verschwand, indeß die Frau verhaftet und auf die Polizei geführt wurde, w o die von ihr gebrachten Blätter lagen. Wer hat also diese staatsgefährlichen Blätter nach Deutschland hereingebracht?(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Und Herr Kuhn w a r e i n in i t Z u ch t- haus bestraftes Subjekt. Es wurde nun nicht blos auf ausländische Blätter exempli- fizirt, sondern es wurden auch einige in Deutschland erscheinende Blätter, z. B.„Der S o z i a l i st" angeführt. Den„Sozialist" zu verlheidigen, haben wir keinen Anlaß.„Der Sozialist" ist unter Zustimmung aller bürgerlichen Parteien von den Jungen ge- gründet, um unserer Partei Li n ü p p c l zwischen die Füße zu werfen und uns zu schädigen. Wenn er heute den Herren u n b e q u e in wird, so hat es eine Zeit g e- geben, wo sie ihn sehr gern gesehen haben. Wenn er heute a n s Gr ü n d e n k o n f i s zi r t wird, die selbst kein Jurist einzusehen vermag, so geschieht das erst, seit- dem er mit seinen persönlichen Angriffen gegen uns anshörr. In Nr. 44 von 1893 befindet sich ein Aufruf an die Metall- arbeiter zu einer Versammlung, welcher von einem gewissen Brandt nnterzeichnet ist und in dem von der Korruption der sozialdemokratischen Partei die Rede ist und eine reckt bedenkliche Sprache geführt wird. Dieser Brandt hat wenige Wochen später vor Gericht zugeben müssen. daß er hierfür von derPolizei mit 95 M. honorirt worden i st.(Hört, hört! links.) Der„Hann. Kourier" und die„Leipziger Zeitung" haben oft genug ausgeführt. daß ihnen der?l n a r ch i s in u s e i n e s M o st viel lieber sei, als die Sozialdeniokratie, weil dort wenigstens offen ausgesprochen sei, was man wolle. Die„Leipziger Zeilung", das königlich sächsischeOrgan gab kürzlich noch der„Kreuz-Zeilung" vollständig recht, welche geschrieben halte, es seien, n in England zu einer internationalen Vereinigung gegen dieUmsturzparteien zu ver- anlassen, noch einige Attentate n o t h w e n d i g. Die Vorlage wird damit begründet, daß die Einwanderung aus- gewiesener Anarchisten und die anarchislischen Bibliotheken ivieder zunehmen sollen. Die in Deutschland hergestellten Exemplare sind meist wesentlich abgeschwächt, und wenn sie trotzdem unter das Strafgesetz fallen, so ist das eine Sache für sich. Die Verbreitung anarchistischer Broschüren und Schriften fwsü r d e durch dieses Gesetz weder unterdrückt noch h i n t a» g e h a l t e n»verden, da die Blätter heimlich verbreitet werden, und wie das geschieht, dafür habe ich Ihnen ja einen sehr drastischen Beweis gegeben. Nach wie vor würde das geschehen; im Auslände würden. sie h e r g e st e l l t und nach Deutschland eingeführt werden. Der Klub der Autonomie in London ist, wie alle Welt weiß, ein Klub von Spitzeln; der Klub ist aufgelöst, trotz- dem erscheinen seine Produkte weiter.(Zuruf des Staats- sekretärs Nieberding: Die sind verrückt!) Jawohl, so ver- rückt, daß der Herr Staatssekretär sie uns nicht zutrauen kann. Ter Herr Staatssekretär nickt.(Heiterkeit.) Sie sind Aus» geburte» kranker Gehirne und werden es imnier bleiben. Sind die N m st u r z b e st r e b u n g e n nur d wn w s ch l i m in, wenn sie von Arbeitern ausgehen? Wir haben in letzter, allerneuester Zeit noch solche Aeußerungeir gehört aus Kreisen, die g mit den Arbeitern und der Sozialdemokratie gar nichts zu thun haben. Herr v. Bötticher hat es für nöthig gehalten, das Gericht, das m vielen Kreisen- geglaubt wurde, zu dementiren, nach welchem Graf Eulen» bürg Anschauungen vertreten hat, die aus eine Revolutionirung der ganzen Staatsfvrin hinzielten. Das solches geglaubt werden konnte, ist schon charakteristisch sür unsere Zustände, und was Graf Eulenburg nicht gethan hat, werden andere Leute ganz»in- genirt thun. Ich erinnere nur au die Schrift von Eon- st a n t i n R ö ß l e r und an die Vorträge des Herrn von, B l n m e n t h a l in Sachsen, welche ganz offen den Staatsstreich verlangt haben. Während bei uns Versaiiimlungen anfgelöst werden, wenn nur einer einmal etwas stark n i c ß t,(Heiterkeit) sagt hier niemand ein Wort. Unser früherer Kollege, der Hofprediger a. D. S t ö ck e r. schreibt in seiner Kirchenzeilung einen Artikel, der überschrieben ist,„Zum Kamps!" und äußert sich darin über die Mittel, die angewendet werden müssen, um diesen stürmischen Reichstag zur Ordnung zu bringen, und wenn diese nicht Helsen. dann müsse die Neichsversassung und das Reichstags-Wahlrecht geändert werden. Der Staatsstreich macht ihm keine Kopf- schmerzen, da ja die Reichsverfassnng nicht beschworen sei. Vielleicht hat er die stille Hoffnung, daß a. D. los zu werden und wieder in den Dienst zu kommen. Ich habe nicht die Aus- fassung, daß die Reichsversassuiig und das Wahlrecht im Hand- »mdrehen geändert werdenskönnen, einer Laune folgend, die das Ergebniß eines Jagdausfluges ist.(Zustimmung links.) Wenn das in tonservaliven Kreisen gesagt werden kann, dann lassen Sie nur Krapotkin und Bakunin ruhen.(Zustimmiing links; Heiterkeit.) Nach der Rede des Staatssekretärs scheint das Strafgesetz- buch nicht mehr auszureichen. Die A n a r ch i st e n S ch e w e und Träger sind aber zu 1 2 I a h r e n Zuchthaus bezw. 5 Jahren Gesängniß verurtheilt worden. 12 Jahre Zuchthaus sind doch auch kein Kinderspiel. Das ist fast ebenso viel, als wenn einer auf Lebenszeit eingeschlossen wird, denn 12 Jahre Zuchthans auszuhalten, dazu gehört eine besondere Natur, lind was halte er gethan? Er wurde häufig von Geheimpolizisten verfolgt, und bei einer solchen Gelegenheit Hatto er einen Re- volver in der Tasche, er zog ihn und schoß ans die Verfolger. (Bewegung.) Gewiß muß dieses Vergehen seine Ahndung finden. Eine schwere Verwundung ist aber nicht erfolgt, nur ein Polizist wurde am Arm verletzt. Auch das ist schlimm. Aber wenn sie nicht Anarchisten gewesen wären, wenn gegen sie nicht der politische Haß vorhanden gewesen wäre, wenn eS sich vielleicht um Berliner Zuhälter gehandelt hätte, wie sie hier alle Tage mit der Polizei in Karambolage gerathen, wobei die bösesten Schlägereien vorkomme», wäre keinesivegs auf Zucht- Haus erkannt worden. Daraus geht hervor, daß die heutige Gesetzgebung schon die schärfsten rückhaltlosesten Handhaben bietet,»in solche Handlungen weit über das normale Maß hinaus zu b e st r a f e n. Dasselbe gilr vom„S o z i a l i st". Er besteht seit 3 Jahren, und ist 1892 achtmal konfiszirt. seine Redakteure erlitten 5 Monate Gesängniß, 1893 wurde er vierzehnmal konfiszirt, seine Redakteure erhielten Strafen von II Monaten, 1894 ist er siebenmal konfiszirt und gegen die Redakteure sind 49 Monate Gefängniß erkannt worden. „Es muß etwas geschehe n", erklärte Herr von Bennigsen,„so kann es nicht weiter gehen." Was ist denn passirt, seit wir den Antrag Kanitz wegen des Getreide- Monopols behandelten? Damals kam Herr v. Bennigsen auch nuj im», die verehrten Herren von der äußersten Linken, wie er uns immer nennt, zu sprechen und sagte, daß wir auf dem besten Wege seien, eine radikale Arbeiterpartei zu werden, wie man sie in England auch kenne.(Hört! Heiterkeit bei den Sozialdemo- kraten.) Und Herr Liebermann von Sonnenberg, dessen Urtheil uns ebenso glcichgiltig ist, wie sein Palhos überflüssig ist, hat unter großem Beifall erklärt, wir seien gar keine Revolutionäre, Revolutionäre in Schlafrock und Pantoffeln seien die Bebel, Singer ec. Was ist nun mit einem Mal geschehen, daß etwas ge- fchehe» muß?(Rufe links! Bierboykolt!) Wir find ge- blieben, was wir waren, und werden bleiben was wir sind. Wir haben das Sozialistengesetz ausgehallen, wir halten auch das Umsturzgesetz aus. Sie können machen, was Sie wollen, uns ändern Sie nicht. (Beitall bei den Sozialdemokralen.) Daß der Bierboykolt die Borlage veranlaßt hat, kann doch niemand ernsthaft glauben. Es ist etwas anderes. Wir leben in allgemeiner Erregung und Aufregung, es fehlt das Zutrauen zu den bestehenden Dingen; das hin und her, heute so, morgen anders, diese allgemeine nervöse Erregung hat sich weiter Kreise bemächligl. Nicht weil wir uns geändert haben, sondern weil Sie das Zutraue» zu sich selbst verloren haben, muß etwas gemacht werden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die nervöse Unruhe, das Gefühl, daß alles schwankt, daß oben und unten die Stützen locker geworden sind, treibt dazu, wieder einen Prügeljungen zu suchen, lind das sollen wieder die ärmsten, die arbeitenden Klassen sein, die durch die Geißel d es Strafgesetzbuches getroffen werden sollen. Ich werde nunmehr die einzelnen Paragraphen durchgehen. (Große Unruhe rechts.) Das wird sehr lange dauern; ich kann aber doch dasselbe thun, was der Staalssekretär gelhan hat. (Große Unruhe rechts; verschiedene Abgeordnete verlassen den Saal.) § lila bestraft den, der gewisse Vergehen anpreist oder als erlaubt darstellt, und nach den Motiven soll auch die Eni- schuldig nng solcher Vergeben strasbar sein, weil dabei zwar häufig die Gesetzwidrigkeit der Handlungen nicht in Abrede gestellt wird, aber diese doch vom Standpunkt einer angeblich höheren Wellanschauung entschuldigt und beschönigt werden. Manches Verbrechen ist mit dem Tode gesühnt worden und galt nachher doch als heroische That. Graf Andrassy ist wegen Theilnahme am ungarischen Auf- stand 1848 zum Tode verurlheilt worden und wurde später Reichskanzler. Aehnliche Beispiele lasse» sich zu Dutzenden anführen, ich erinnere an Rodert Blum, Garibaldi und den Buch- Händler Palm. Dieser Paragraph könnte auch das ganze Koalitionsrecht der Arbeiter illusorisch mache n. Unser früherer Kollege Professor v. Bar macht darauf aufmerksam, daß unter den belrefsenden Vergehen auch die Erpressung einbegriffen ist und daß nach der neueren Rechtsprechung in der Androhung von Streiks und?l r b e ilt s e i n st e l l u n g e n eine Erpressung liegen kann, wenn dadurch höhere Löhne erzielt werden sollen. Ferner meint er, wenn die Entschuldigung ge- wisser Vergehen bestraft wird, solle man das Duell dabei nicht vergessen. Dieses Verbrechen ist oft. auch hier aus christlichem Munde entschuldigt worden, die Herr- schrnden Klassen betrachten dasselbe als ihr Monopol; wie sie olle Monopole haben, so haben sie auch das Monopol des Todtschlags.(Sehr richtig! links.) In einem Gesetz auf grnnd des gemeinen Rechts muß auch die Anpreisung des Duells unter Strafe gestellt werden. Für die Eni- schuldigung von Verbrechen ein weiteres Beispiel aus konservativen Kreisen. Ein Pastor in einem Dorfe bei Worbis hat einem offenen Brief in einem Lehrerblatt es vom christlichen Standpunkt für unrecht erklärt, die Roth einer armen Frau, deren Sohn im Walde Holz liest und sich dieses Diebstahls gar nicht bewußt ist, noch durch eine Gelbbuße zu vergrößer». Das Organ der Hoch- tories, deren Redakteure zwar auch schon mit dem Strafgesetzbuch Bekanntschaft gemacht haben— das kann ja jedem Redakteur in Deutschland passiren, wenn er nicht gerade de»„Reichs-Anzeiger" verantwortlich zeichnet— die„Kreuz- Zeitung" läge längst drin, wenn tz 110a schon existirte. Sie hat den Eidbruch Schill's als eine heroische That gefeiert.(Präsident v. Levetzow verweist den Redner auf die Generaldiskussion.) Ich bin mit dem§ lila jetzt auch fertig. Nach der neuen Bestimmung des§ 126 soll Zuchthaus- strafe eintrete», wenn die Androhung eines Verbrechens erfolgt ist in der Absicht, den gewaltsamen Umsturz der bestehenden Staatsordnung herbeizuführen. Wie wollen die Nichter eine solche Absicht seststellen? Alle Hochchtung vor unserem Richterstande, aber was die Richter alles als Absicht herau-destilliren können, darüber haben wir schlimme Erfahrungen gemacht. Wer dachte daran, daß zur Zeit des Sozialistengesetzes aus dem einfachen Abonnement auf eine Zeitung «in Vergehen gegen K 121 des Straf-Gesetzbnchs: Zugehörigkeit zu einer in Deutschland ver- botenen Vcrbinoung herausdestillirt werden konnte. Wer 1373 uns diese Möglichkeit vorgehalten hätte, wäre mit Recht ausgelacht worden. Welche Ungeheuerlichkeiten hat uns aber die Rechtsprechung der letzten lö Jahre gebracht. Sind nicht von Juristen Sätze aufgestellt ivorden, die der gesunde Menschen- verstand nicht begreifen kann? Ebenso ist im 8 129» von der Absicht des gewaltsamen Um- sturzes die Rede. Wer definirt, was gewaltsamer Umsturz ist? Fragen Sie mal, was Herr von Stumm nicht alles als auf den Umsturz der bestehenden Staatsordnung gerichtete Bestrebungen betrachtet. Nicht zwei Mann hier im Hanse sind gleicher Meinung darüber, worin die Absicht des Umsturzes besteht. Herr Clöckcr hat direkt zum gewaltsamen Umstürze aufgefordert. Wird deshalb ein Richter Herrn Stöcker verurtheilc»? Aber wir Sozialdemokraten könne» hundertmal erklären, daß wir nur mit gesetzlichen Mitteln unser Ziel erstreben; es Hilst alles nichts. Es mag ja auch Sozialdemokraten geben, die den ge- waltsamen Umsturz wollen, aber auf die Sürn ist keinem die Absicht geschrieben, und doch kann der lliichter auf diese bloße Vermuthung hin die schwersten Strafen verhängen, selbst wenn nicht einmal irgend welche Beihäligung einer solche» Absicht vorliegt. Da muß man unwillkürlich den Verdacht haben: Man verlaugt recht viel, um nachher doch einiges zu be- kommen. Nach% 112 soll die Verleitung von Sol- baten zu Umsturzbestrebungen bestraft werden, die Strase kann also schon eintreten, wenn ein Zivilist einen Soldaten mit zu einer sozialdemokratischen Festlichkeit nimmt. Man vergißt dabei, daß tausende von Söhnen von Sozialdemokraten ini Heere dienen. Der Sohn des Abg. Stolle, der zur Zeit beim Militär ist, erhielt, als er in den Weihnachtsferien nach Hause kam, von der vorgesetzten Behörde den Befehl, daß er die Wirlhschaftsräume seines Vaters nicht betrete; hätte also einer von den Gästen ihn doch dazu bestimmt, in das Lokal herunter zu kommen, und mit den bekannten Gästen im Hause seines Vaters zu verkehren, der wäre mit einem Monat bis L Jahre bestrast worden. Muß man sich dabei nicht an den Kopf greifen und sich fragen: sind denn die da droben aus dem Häuschen gerathen? Dem Zivilisten wird es nicht leicht möglich sein, scblimmc Flugblätter in die Kasernen zu bringen; denn die Soldaten sind ja von jedem Berkehr mir der Außenwelt abgeschnitten. Selbst, wenn «in solches Flugblatt einmal in die Kaserne kommen sollte, so ist das Unheil weiter nicht so groß, wie dasjenige, welches Z 112 anrichten würde. Man will zwischen Nation und Armee einen Gegensatz schassen, die Armee als etwa? Besonderes hinstellen. Wenn es als selbstverständlich bezeichnet wird, daß der Soldat aus Vater und Mutter schießt, so darf man sich nicht wundern, daß dagegen ein gewisses Grauen in den bürgerlichen Kreisen entsteht. Die äußerste Staatsräson kann so etwas rechtfertigen, aber man predige so etwas nicht! Pastor Moser in den Räubern erklärt den Eltern- und Geschwistermord als das schwerste Vergehen, welches aber die Menschen nicht begehen. Bei solchen Aeußerungen von oben kann man sich nicht wundern, wenn auch die Unteroffiziere, deren Rohheit ja bekannt ist, mit derartigen Redensarten um sich werfen. Als ich daran dachte, daß ich eventuell auf meine alte Mutter schießen sollte, lief es mir eiskalt über den Rücken, und ich bin überzeugt, auch viele» anderen noch.(Präsident v. Levetzow macht den Redner nochmals darauf aufmerksam, daß die Vorlage zur Generaldebatte stehe, nicht zur Speziald»batte.) Die Armee müsse gegen die„inneren" Feinde geschützt werden, heißt es. Von uns ist die Erfüllung der bürgerlichen Pflichten nie und nirgends bestritten und verletzt worden, und wenn man demgegenüber immer wieder auf den gewaltsamen Kampf, auf Blutvergießen gegen uns hinweist, so sage ich: weß' das Herz voll ist, deß' geht der Mund Über.(Beifall bei den Sozial- demokraten.) Wenn man nicht die Absicht hat, zu einer solchen gewaltsamen Auseinandersetzung hinzudrängen, wir haben dazu noch keinen Anlaß gegeben.(S'br gut! bei den Sozialdemokraten; Ruf rechts: Doch!) Damit ist gar nichts gesagt; wer weiß, was S i e(rechts) noch alles vorhabe»? (Heilerkeit.) Der öffentliche Friede soll geschützt werden.§ 139 des St-G.-B. hat aber durch ein Reichsgerichls-Erkenntniß eine Auslegung und Ausdehnung erfahren, die über alles hinansgehr, was man bisher für möglich gehalten hat. Danach verstößt schon die geschickte Benutzung und Schürung einer bereits va»- handenen unzufriedenen Stimmung gegen den öffentlichen Frieden. Wozu also noch eine weitere Verschärfung? Eine derartige Interpretation kehrt ihre Spitze auch gegen die agrarische Agilation, wie gegen jede Agilation. Religion, Monarchie, Ehe sollen gegen schürende Aeußerungen geschützt werden. Hoffentlich werden dann auch die Inden den Schutz finden, den ihnen Herr Rickert bis jetzt vergeblich hat angedeihen lassen wollen.(Heiterkeit.) Der antisemitischen Partei wirds dann schlecht gehen. Tie Herren L i- beralen mögen.besonders ans der Hut sei. Was die Konservativen unter Schutz der Religion verstehen, hat die „Kreuz-Zeitnng" in ihrem Artikel vom 24. November 1894 ver- ralhen. Die Hauptfeinde der Religion, führt sie aus, seien die liberalen Prosessoren, denen es noch gestattet sei, mit Berufung ans die Freiheit der Wissenschaft alles mit ätzendem Spott zn übergießen, was dem gemeinen Mann heilig sei, und die aus diese Weise der Unterwühlungsarbeil der Umsturzparleien den Boden bereiten. Das liberale Professorenlhum sei noch schlimmer als die Juden. Ich muß allerdings zugeben, daß man sich in den Kreisen der liberalen Professoren über religiöse Dinge in einer Weise äußert, welche man bei uns nicht ungestraft dulden würde. Eine von einem liberalen Prosessor redlgirte Zeilschrift sprach neulich von dem katholischen Dogma der unbefleckten Empsängniß als von einem „Märlein". In denn ein Schutz der Monarchie unseret wegen noth- wendig? Es giebr in Deutschland eine große Bewegung gegen die Dionarchie. Republikaner sind die Bewohner Hamburgs, Bremens und Lübecks, und die Sozialdemokraten sind nicht die einzigen, welche die Ueberzeugung haben, daß die republikanische Staalsform einen Fortschritt gegenüberdermonarchischenSraatsform bedeutet, es giebt auch Bourgeois, welche derselben Ansicht huldigen. Warum taucht nun auf einmal j)as Bedürfiüß auf, die Monarchie als Institution besonders zu schütze»? Es sind allerdings an- gesichls des Auftretens gewisser gekrönter Häupter Erscheinungen in Europa zutage getreten, die es begreiflich erscheinen lassen, die Institution der Monarchie vor jeder Kritik möglichst zu be- wahren. Ist es nicht eine Thatsache, daß Angehörige regierender Häuser in S ch m u tz- und Spielhöllen und La st er höhlen ihr Wesen getrieben haben? Es giebt auf den Thronen Erscheinungen von einer Art, daß ihre bloße Namensnennung die Erinnerung an liederliche Subjekte erweckt. Vielleicht dürste ich mir den Vorschlag er- lanbcn, daß gewisse höhere Kreise eine Innung bilden, welche die Bestimmungen des Z 97 unserer Gewerbe- Ordnung sich zur Aufgabe macht: A u f r e ch t e r h a l t u n g und Stärkung der Standesehre. Gegen das schwindende monarchische Gefühl bildet nun der sich bei uns breitmachende Byzantinismus keine erfreuliche Gegenströmung. Dieser Krebs- schade» wird selbst von Blättern wie der„Kreuz-Zeitung" und der Münchener„Allgemeinen Zeitung" gegeißelt. Die letztere sagt, wir seien auf dem schönsten Wege zu dem Byzantinismus orientalische» Stiles, wo man in dem Herrscher den Herrn des Himmels und der Erde erblickt. Ich glaube nicht an das sittliche Pathos, mit dem man sich immer hier als Thronhüter hin- stellt. Ich kann es sehr wohl begreifen, daß die ,,Köl- irische Zeitung" auf einmal von V e r n u» f t m o n a r ch i st e n spricht, eine Revision der politischen Grundanschanungen wünscht und pathetisch ausruft, wir beugen unser» steifen Nacken nicht unter die Selbstherrschaft. Das wurde allerdings geschrieben zur Zeit, als die Vermögenssteuer verlangt wurde, da erinnerte (ich die„Kölnische Zeitung" ihres steifen Nackens.(Heiterkeil.) In den Bauernversammlunger. zur Zeit der Hochfluth gegen den Handelsvertrag wurde sogar von der sozialen Revolution ge- Iprochen. Nackdem jetzt der Wechsel des Kurses staltgefunden hat, will nian wieder i» die Schienen kommen und stellt sich jetzt als Royalist und alleinige Stütze von Thron und Altar hin. Vor den» Kauzlerwechsel hat es anders geklungen. Wenn die Bourgeois unter sich sind, dann werden auch schlechte Witze gemacht über gewisse Persönlichkeiten. Ich erinnere an die Architekten und Kunstler und ihre Witze bei Anlaß der Ein- weihungsseier für dieses Haus. Wie viel Jahre Gefängniß würden wohl verhängt werde», wenn man auf einen, Arbcitericst sich Aehnliches erlaubt hätte.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Aber freilich die Herren sind loyal bis in die Waden hinein. D i e E h e»l n d d i e F a m i l i e will man schützen; dabei führen unsere w i r t h s ch a s t l i ch e n Z u st ä n d e dahin, daß die Frau in die Fabrik gedrängt wird, während der M a n n a r b e i t s I o s zu Hause bleibt. Als Bebel diese Mißstände aufdeckte, da erklärte der Minister von Putlkamer, daß unter seinem Regimenle Bebel niemals wieder in einer Berliner Versammlung sprechen dürfe. Die großen Güter der Herren aus Pommern und Mecklenburg sind eut- standen dur das Bauernlegen. Da hat»ran t a u s e n d e von F a in i l i c n in ihrer Existenz vernichtet. Giebt es etwas Herabwürdigenderes für die Ehe als die gewerbsmäßigen HeirathSburea n s? Davon ist in der Vorlage aber keine Rede. Tie Heirathsbureaus brauchen die Arbeiter nicht; es sind die besserenStäude, diedavonGebrauch mache», Wie es in den höheren Kreisen zugeht, haben wir in der jüngsten eit so recht erfahren. Das„Boll" erinnert an ein gewisses vrkommniß in Breslau. Dort ist eine P r o st i t u i r t e unier Beraubung ihrer Werthsachen ermordet worden. Sie hat ihr Geschäft nicht in Llrbeiterkreisen gemacht (Heiterkeil), sondern unter Angehörigen der besten Kreise. Diese Prostituirte, namens Elise Groß, ist mit allem Pomp beerdigt worden, und zwar sind die Kosten des Leichen- begängnisses von einem Grafen von Schweinitz, einem Mitglied des ältesten, s ch l e s i s ch e n Adels getragen ivorden, während die Zuhälter das Geleite gestellt haben. Gegen die Ehe aber wendet sich Herr von Stephan, der seinen Beamten das Heirathen verbietet.(Abg. v. Stumm: Sehr richtig!) Natürlich. Herr v. Stumm ist ja der Mustermensch. Noch schlimmer steht es mit den H e i r a t h s- konsensen in der Armee. Wenn der Offizier nicht das nöthige Geld bei seiner Fran findet, kann er sie nicht nehmen: er beirathet also nicht die Fran. sondern die Heirathskantion. Die Heiralhskaution in der Armee ist eine Einri'chtmig, die mit der freien Liebeswahl, auf welcher doch die Ehe basiren soll, absolut nicht harmonirt. Auch in den Arbeiterfamilien ist nicht alles wie es sein sollte. Noch vor wenigen Wochen hatte der„Vorwärts" Woche für Woche eine Notiz, daß die Kartonnagenfabrik Stralaucrstr. 53 wegen der vorgekommeuen Angriffe ans die Sittlichkeil der An- gestellten gesperrt sei. Die Polizei hat sich nicht darum gc- kümmert. Im„Confeklionär" war eine Annonce zu lesen: „Wir engagiren ein Fräulein mit 19 Mark Gehalt pro Monat auf ein Jahr. Die Tage, an denen sie nicht im Geschäft ist, werden abgezogen, geschieht das an, vor oder nach einem Sonntag, so wird der Sonntag mit abgezogen. Häufiges Fehlen oder Zuspätkommen sind Gründe zur Entlassung. Gegen solche Ausbeutung hat die Regierung keinen Schutz!(Znslim- mung links. Oho! rechts.) Sehr interessaut sind auch die Berichte der Gewerbe» Inspektoren. Da wird berichtet:„Das Zusuniinenarbeilen der Arbeiter auf den Ziegeleien macht sich in sittlicher Beziehung nngünslig bemerkbar.— Die Beschaffenheil der Wasch-, Ankleide- und Bedürfnißanstalten läßt in vielen Betrieben recht viel zu wünschen übrig.— Eine Reihe von Arbeitgebern glaubt genug gethan zu haben, wenn sie an einer beliebigen Stelle das Wasserleitungsrohrcs einen Hahn einschalten läßt, der das Wasser zum Waschen und Trinken giebt.— Das Waschen und Ankleiden der Ar- beiterinnen geschieht in Gegenwart von Ar- beitern und jugeit blichen Personen.— Es wäre also noch reckt viel zu thun, um Familie und Ehe sittlich und moralisch zu schützen. Wie man das E i g e n t h u m an und für sich beschimpfen kann, ist mir unerfindlich. Wobl aber giebt es geu-jsse Formen des Eigenthums, die man als human denkender Mensch-urlschieden bekämpfen muß. Und wird denn das Eigenlhum immer so zweifelsohne erworben? Darf man auch nicht den Erwerb de? E i g.e» t h u m s durch Spiel, Wucker, Ausbeutung, Diebstahl kriti- s i r e n? Im vorigen Frühjahr war Aussicht auf eine recht reiche Ernte»"-rhauden. Da schrieb eine Firma: der Frost. welcher am Sonnabend»nd Sonnlag die Felder von Ost- preußen und Mecklenburg getroffen hat, ist von unserer Börse mit einer gewissen Genugthunng begrüßt.(Hört! rechis und links. Ruf: Na na!) Ja, ich habe keinen Grund, den Namen derjenigen, die sich zu solchen Dingen der- geben, zu verschweigen; es ist die Berliner Firma Mühsam u. Co. «Ruf rechts: Jude!) Ja, aber der Jude gehört zu den staais- erhaltenden Parteien.(Widerspruch rechts.) Wo wäre da Deutsche Reich geblieben, wenn Bismarck mit seinem Bleichrödcr nicht gewesen wäre. Sie ver» folgen den armen Juden und mit dem reichen machen Sie Geschäfte! Nun zum nächsten Paragraphen!(Unruhe.) Haben wir die Vorlage gebracht? Ich hätte mir die Rede gern geipart, da nun aber einmal die Vorlage da ist, werde ich Ihnen auch nicht das Geringste schenken. Wie unsere Gerichte entscheiden, hängt alles vouS dem subjektiven Empffnde» des Richters ab. Im Jahre 1873 wurde der Redakteur, der er» Flugblatt, in dem ausgeführt rvurde, daß die Auflösung des Reichstages erfolgt sei, nicht um das Sozialistengesetz durchzudringen, sondern um 299 Millionen neue Steuer» auf- zubringen, verantwortlich gezeichnet hatte, mit 9 Monaten Ge- färrgnip bestraft. Gegen meinen Parteigenosse» Herbert ist jetzt eine Anklage anhängig auf grnnd des§ 131, weil er die Gc- schichte der Fälschung der Emser Depesche erzählt hat. Die Krieaserklärnng, sagt der Staatsanwalt, ist eine obrigkeitliche Anordnung und diese werde dadurch verächtlich gemachl, den'.» bei Sybel Bd. 7 Seite 8 ist zu lesen, daß die Emser Depesch: nicht gefälscht sei. Das ist eine Beweisführung, wie sie nur deutsche Staatsanwälte fertig kriegen. Ich erinnere auch an die Auslegung des groben Unfug- Paragraphen. Wir werden hier im Hause wahrscheinlich Anträge bekommen, welche daraus hinausgehen, den Boykott z n u n te r d r ü ck e n. In Sacksen hat man den Boykott schon uu- schädlich auf grnnd dieses Paragraphen gemacht. Ein Arbeiter wnrde vcrurtheilt, weil er in einer Versammlung gesagt hatte: Wen» wir eine Besserung in, Lande durch die Gesetze erwarten, so können wir lange lauern, es ist besser, wir Helsen uns selber. Der Mann hat dafür wegen grobe» Unfugs 8 Tage Gefängniß erhalte». Ein anderer hat de» Sozialistenmarsch ans einer Mund« Harmonika gespielt und ist dafür bestraft worden. Ein Arbeiter hatte zu einem Jungen gesagt: Dein Vater ist schön dumm, wenn er Waldschlößchenbier trinkt. Diese Aeußcrung hat ihm acht Tage Gefängniß eingebracht. Es bedarf wahrlich nicht be- sonderer Kaulschuckparagraphen mehr. In den letzten Jahren sind gegen 73 Personen 1669 M. Geldstrafe und 49 Wochen Ge- sängniß verhängt worden, alles blos wegen groben Unfugs beim Boykott. Ich komme nunmehr zum Schluß.(Ah!) Wir, meine Parteigenosse» und ich. haben das Sozialisten- gesetz ertragen, wir fürchten uns auch nickt vor diesem Gesetz. Wir hallen es für überflüssig und schädlich»rrd werden auch gegen eine Verweisung a» eine Kommission stimmen. Was Sie haben wollen, machen Sie für sich. Die Sozialdemokratie ist der nvthwendige Ausfluß unserer modernen Verhält- nisse und sie wird zum Siege kommen. Der neue Kurs Caprivi's hat erklärt, daß er der Arbeiter» bervcgung gegenüber den Mnth der Kailblülitzkeit besitze. Der Kurs ist zum Teufel gegangen und Sie marschiren jetzt mit dem Hasenpanier!(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten. Widerspruch rechts.) Nach dieser dreistündigen Rede wird um d'/e Uhr die weitere Berathung bis Mittwoch 12 Uhr vertagt. Vorher wird der schleunige Antrag wegen Einstellung des gegen den Abg. Sladlhagen schwebenden Strafverfahrens erledigt werden. Lxilrnles. Den Parteigenossen diene zur Nachricht, daß der Vertrauens- mann des vierten Reichstags-Wahlkreises Herm. Bolze nach dem Restaurant Landsbergerstr. 41 park, verzogen-ist. Das sozialdemokratische Liederbuch von Kegel bildete wieder einmal be» Gegenstand einer Haussuchung, die am Dienstag Morgen um 11 Uhr in der Buchhandlung des.Vorwärts«' von einem halben Dutzend Kriminalbeamten vorgenommen wurde. Es wurden 211 Exemplare konsiszirt, weil in ihnen angeblich Lieder enthalten wären, denen bereits durch rechtskräfiigcs Gerichtsurtheil der Stempel der Staatsgefährlichkeit aufgedrückt ivorden fei. Ungefähr zu gleicher Zeit, als die Konfiskation in der Buch- Handlung des„Vorwärts" erfolgte, wurde auch bei Hoffmann, Krautftr. 33a, gehaussucht. Es wurde zwar weder das Lieder- buch noch sonst irgend eine verbotene Druckschrift gefunden, doch lonsiszirle die Polizei nicht weniger als 199 Geschäfis-Kor- »espoudenzen, Postanweisuiigs-Abscknltte. Privatbriefe, Notizen zu Vorträgen, sowie das Manuskript eines Theaterstücks„Ter Agitator". Da unter diesen in vorläufige Verwahrung ge- uonuncnen Papieren sich auch die eingegangenen GcsckäslS- auftrage befinden, fo ersucht Hoffmann seine Kunden um Wieder- Holling der Bestellungen. Auch von der Buchhandlung I. Müntz, Neiuickendorserstr. 66. wird berichtet, daß eine Haussuchung stattgefunden habe und zwei Exeniplare des Liederbuchs kousiszirt seieu. Zu der Feiertagsarbeit im königlichen Schloß bemerkt die �Germania":„Wir haben bisher vergeblich auf ein Dementi dieser Nachricht in der offiziösen„Berliner Korrespondenz" gewartet, es scheint aber ei» solches Dementi jetzt ebenso auszu- bleiben, wie vor kurzem bezüglich der Arbeit im königl. Schlosse am protestantischen Bußtage. Es hat damals schon rn christlich gesinnten Kreisen peinlich berühren müssen, daß die hoch-offiziöse „Verl. Korr." des Herrn Ministers v. Köller nur Nebensächüches — Arbeiterentlassuugen u. s. w.— dementirte, sich aber über die hauptsächliche Beschwerde, über die Arbeit an einem gesetzlich gebotenen Feiertage, ausschwieg, wie das auch jetzt wieder in dezug auf Entheiligung der Wechnachts-Feiertage geschieht." Nach kurzer Kennzeichnung der kühlen Kondölenzworte, welche die„Kreuz-Zeilung" sich in dieser fatalen Angelegenheit abwürgte, bemerkt das Zentrumsblatl weiter:„Wenn jetzt das Parade- pferd strengiuonarchischer Gesinnung ohne Zügel und Bügel des konstitutionellen Systems in allen Gangarten der hohen Schule vorgeritten werden soll, dann mag es ja taktisch als„Fehl- tritt" bezeichnet werden können, eine Mahnung etwas ernster ertönen zu lassen. Wir meinen indessen, daß es wohl angebracht wäre, wenn der Schloßbauverwaltung einmal allen Ernstes und mit allein Nachdruck bedeutet würde, daß sie, wenn überhaupt die staatlichen Verwaltungen Musterverwallungen sein sollen, erst recht die Aufgabe habe, die christlichen An- schaulingen über die Sonntagsruhe nicht zu verletzen. Sozial- demokralen Anlaß zu billigem, leider nur allzu berechtigtem Hohn zu geben. Auf solche Weise kann man nicht„für Religion, Sitte und Ordnung" kämpfen." Auch die„Volks-Zeitung" erwähnt der Affäre mit kurzen Worten. Es versteht sich, daß der frommgescheitelte„Reichsbole" zu der Geschichte in Deinuth schweigt und damit ruhig über die Hiebe quillirt, die wir ihm gestern ertheilt haben. Abstürze mit dem Fahrstuhl, wovon in Nr. 4 des„Vor- wärts" wieder ein Beispiel mitgetheilt ist, mehren sich in dem M'aße der weiteren Verbreitung dieses wichtige» Hausverkehrs- mittels. Natürlich treffen die schlimmsten Uuglücissälle hierbei den Arbeiter und immer den Arbeiter. Aber wo bleibt denn die Wirkung der Fangvorrichtung, die polizeilich vor- geschrieben ist? Diese Sicherheits-Fangvorrichtung, so wird uns aus bau- technischen Kreisen geschrieben, ist nämlich oft der reine Schwindel und das geht so zu. Die Zahl der wirklich solide und gut arbeitenden Auszug- und Fahrstuhl-Fabriken ist sehr klein. In ihren Aulündigiingsheften sind die Fahrstühle und Sicherheits- Vorkehrungen durch schöne Bilder für den Sachunverständigcn dargestellt, die Fangvorrichtungen gerühmt und als palenlirt angepriesen, und dennoch liest man nicht selten von Fahrstuhl- Abstürzen mit ihren schrecklichen Folgen. In Wahrheit taugen die meisten Fangvorrichtungen gar- nichts, denn wenn ein Aufzug Jahre lang ohne Unfall gegangen ist, sind sie beim Reißen eines Seils eingerostet, unbeweglich, oder aus zehn Gründen betriebsunfähig. Viele Fahrstühle werden in der liederlichsten Weise gearbeitet und momirt. Schlechte Löhne, ü b e r e i l t e A r b e i t, das ist der Charaklerzug der allernieisten Fabriken. Abhilfe wäre möglich, wenn bei solchen Fahrstuhlstürzen die Fabrik jedesmal öffentlich ge- nannt würde, aus der der Fahrstuhl stammt. Bei Haus- einstürzen werden ja auch die Bauunternehmer zu allererst an den Pranger gestellt, warum geschieht hier solches nicht? Der Fahrstuhl ist ein Betriebsmittel, das viel sicherer gebaut sein muß, als eine Treppe, denn es hat nicht blos Menschen zu tragen wie die Treppe, sondern oft auch schivere Lasten, die der Treppe nur seilen zugemuthet werden. Das Fahrstuhl- Betriebswesen ist eingeengt durch eine Anzahl lästiger, unpraktischer und die Verbreitung verhindernder Polizei- bestimmungen, aber um die wahre» Schwierigkeiten, um die nichtswürdig leichtsinnigen Konstruktionen der Einzelheiten kümmert sich niemand. Eine wirklich brauchbare Fang- Vorrichtung an Fahrstühlen muß so konstruirt sein, daß sie jeden Augenblick auf ihre Betriebs- Wirksamkeit geprüft werden kann. Diese Bedingung sollten die Behörden stellen, dann müßten viele Fabriken mit ihrem Jahrmarktskram einpacken. Fangvorrichtungen, die nur zu prüfen sind, wenn ein Seil reißt, sind ein schändliches Spiel mit Menschenleben. Die Unglücksfälle in Bergschächten mit den Fahrstühlen sind auf jene mangelhafte Bauart zurückzuführen und dort giebt man sich noch Mühe, weil auch höhere Beamten die Fahrstühle benutzen. Die betriebserschwerenden Polizeivorschriften, die vielen schlechten Konstruktionen und die daraus folgenden Unglücksfälle sind die Ursache der langsamen Einführung dieses wichtigen Be- triebsmittels, das längst dazu dienen könnte, in unseren fünf- stöckigen Häusern das arme Dienstpersonal mehr vor der Schwindsucht zu bewahren. Denn leider stehen die größten Bau- meister heute noch auf dem beschränkten Standpunkt, Hinter- treppen und Diensttreppen auf engstem Raum mit einem wahren Raffinement von Unbequemlichkeit anzulegen— man denke nur an die abscheulichen Wendeltreppe»— ohne sich klar zu machen, wie viel aus Diensttreppen auf und ab gejagt wird und wie wenig die bequemen Treppen„nur für Herrschaften" dagegen in Benutzung kommen! Wie ans so manche» Gebiete» der VolkSbildnng, so muß die Stadt der Intelligenz auch in der Frage der ö f f e n t- l i ch e n Lesehallen beschämt vor den Großstädten in wirklichen Kultnrstaaten die Segel streichen. Es war in Berlin noch nicht möglich, ein solches Institut, das von den Behörden englischer und amerikanischer Städte längst gepflegt wird, auf städtische Kosten einzurichten, und erst einer Gesellschaft von Philanthropen war es vorbehalten, die erste derartige Halle in der Echönhauserstraße zu schaffen. Die dortigen recht freundlichen lltäumlichkeiten fassen vielleicht gut hundert Personen. In der Wahl der Zeitungen will die Gesellschaft für Ethische Kultur, die die Lesehalle insLeven gerufen hat, keinerlei Beschränkungen eintreten lassen; es sind i» der That alle politische» Richtungen vertreten. Nebe» Zeitungen und sonstigen Journalen sind Bücher jeder Art in ziemlicher Anzahl vorhanden. Einen breiten Raum nimmt die Belletristik ein, daneben findet man wissenschaftliche Werke, Lexika, Atlanten«. s. w. Die Schundliteratur ist selbstverständlich aus- geschlossen. Sobald die Mittel reichen, will man die Besuchszeit eriveiler» und auch größere Räume für gleiche Zwecke einrichten. Es sei noch erwähnt, daß, wie in den übrigen Fünfpfennig-Lese- ballen, auch in diesem Institut, das natürlich unentgeltlich dem Publikum offen steht, keine Getränke verabfolgt werden. Das Rauchen ist gleichfalls untersagt. Die Mißstände iu« Reichs- Versicheriliigsauit, über die wir seinerzeit berichtet haben, sind nunmehr beseitigt. Wir rügten damals u. a. die ränmliche Unzulänglichkeit des Parteienzinnners und seine unbequeme Lage für die Parteien, welche in Unfall- fachen auf dem Gericht z» thun haben. Mit Genuglhnung können wir konstatiren, daß jetzt zwei Zimmer für die Parteien vorhanden sind, nnd daß gerade derjenige Raum hinzugekommen ist, welcher unsercrfeits als besonders geeignet bezeichnet wurde. Ferner ist man von dem aus alter Gewohnheit geübten Brauch zurückgekommen, im Verhandlungssaal zu b e r a t h e n und jedesmal die anwesen- den Parteien hinauszuschicken. Die zur Versügung stehenden Veralhnngszimmer werten nunmehr benutzt und die Parteien brauchen nicht mehr inzwischen auf dem Korridor spazieren zu gehen. Auch der Wunsch ist erfüllt ivorden, daß die Jnanspruch- »ahme der gesetzlich garantirten Oeffentlichkeit der Verhandlungen nicht erschwert, sondern gefördert werden mußte. Dem Publikum wird jetzt auch in der Hinsicht in löblicher Weise entgegen- gekommen. Behördliche Sozialpolitik. Eine Warnung vor dem Zuzüge nnttelloser Personen nach Berlin erläßt jetzt auch der Reaiernngsprästdent zu Potsdam mit dem Hinweise darauf, daß der Berliner Magistrat bei den im Winter von ihm zu ver- gebenden Arbeiten lediglick solche Arbeiter berücksichtigen will, die in Berlin ortsangehörig sind, oder wenigstens schon im letzten Sommer dort gearbeitet haben. Ganz besonders macht der Regierungspräsident darauf aufmerksam, daß diejenigen Personen, welche in der Hoffnung Berlin aufsuchen, dort Arbeit zu finden, und dann nicht im stände sind, sich eine eigene Wohnung oder ein Unterkommen zu verschaffen, ihre Ausweisung zu gewärtigen haben. Die Ausweisung statt der sehnsüchtig erhofften Beschäftigung! Auch ein Knlturbild aus dem Staat der Sozialreform! Die Küche des neue» Reichstags- Gebäudes soll einer Mitiheilung der„National-Zeilung" zuiolge die großartigste der Well sein. So angenehm uns zwar die Vorzüge eines guten Roastbeefs berühren, so liegt uns doch die Ehre unseres Vater- landes niehr am Herzen; und wir nähmen daher lieber eine kleinere Parlamentsküche mit in den Kauf, wenn dafür die Be- deutung und der Werth der Volksvertretung selber eine größere wäre, als sie es zur heuligen Zeit der subalternen Landwehr- Osfiziers-uniformen leider ist. Ter Müggelsee hat sich in seiner ganzen Ausdehnung bereits mit einer drei Zoll starken Eisdecke überzogen, so daß die Freigabe des Sees für den Eissport unmittelbar bevorsteht; für nächsten Sonntag sind schon Eisyachtsegeln und Schlitischuhsegeln geplant. Die Frage, ob für die Desinfektion von Wohnräumen und beweglichen Sachen, welche durch die städtische Desinfektionsanstalt bewirkt wird, Gebühren verlangt werden können, wird oft erörtert, so daß es angebracht erscheint, die diesbezüglichen Bestimmungen einem größeren Publikum zur Kenntniß zu bringen. Vorweg sei bemerkt, daß die städtischen Behörden sich bislang nicht dazu haben aufschwingen können, die Desinfektion überhaupt kostenlos zu bewirken. Immerhin sind aber einige Ausnahmen und Einrichtungen getroffen worden, von denen die minder zahlungsfähige und ärmere Bevölkerung, ohne Nachtheile be- fürcbten zu müssen, Gebrauch machen kann. Von Zahlung der Gebühren ist befreit, wer sich zu diesem Zweck entweder von dem Vorsteher des betreffenden Stadtbezirks oder von dein Vorsteher derjenigen Armen-Kom- Mission, in deren Bezirk er wohnt, ein Alle st ausstellen läßt und dasselbe an die Dcsiiifeküons-Anstalt einschickt. Das Attest kann nach erfolgter Desinfektion eingesandt werden. Zur Ver- meidung von Weilerungen ist es zweckmäßig, dies Attest binnen spätestens sechs Tagen einzureichen. Ein solches Attest wird ausgestellt, wenn der Betreffende eine Wohnung im MiethSwerlhe bis zu 300 M. inne hat, oder zu der untersten Stufe der Klassenfteuer veranlagt ist, oder wenn sich nach Prüfung der Verhältnisse ergiebt, daß er infolge von Unglücksfällen(Krank- heilen, Sterbefällen und dergl.) nicht in der Lage ist, Gebühren zu bezahlen. Dieselbe Befreiung von Zahlung der Gebühren hat auch für die Desinfektion von Effekten Anwendung zu finden Ausdrücklich weisen wir darauf hin, daß die Befreiung von der Gebührenzahlung nicht den Charakter einer Armen- Unterstützung aus öffentlichen Mitteln hat, daß der Be- treffende also in diesem Fall nicht seines Wahlrechts ver- lustig geht. Im übrigen stellen sich die Gebühren für die Desinfektion von Wohnräumen, sowie für die in diesen Räumen beivirkle Desinseklion von beweglichen Sachen auf eine Mark für jede Stunde der von einer Person auf die Desinfektion ver- wendeten'Arbeitszeit. Die Berechnung ersolgr nach Viertelstunden. Für die Hin- und Zurückschaffung der Desinfeklionsmaterialien und Utensitien, soivie für die Vorbereitungen zur Desinfektion wird außerdem in jedem Falle als feststehender Satz eine Mark erhoben. Die Gebiihrcu für die Desinfektion von beweglichen Sachen in den städtischen Desinfektionsanstalten betragen: a) für die mittelst strömenden Wasserdampss desinsizirte» Sachen vier Mark für jedes Kubikmeter des Raumes, welchen die Sachen im Des- infektionsapparate eingenommen haben, mindestens jedoch, d. h. bei weniger als einem halben Kubikmeter, zwei Mark. Die Be- rechnung erfolgt nach Zehntelkubikmetern; b) für die mittelst Chemikalien desinsizirten Sachen eine Mark für jede Stunde der von einer Person auf die Desinfektion verwendeten Arbeitszeit, mindestens jedoch fünfzig Pfennig. Tie Berechnung erfolgt nach Viertelstunden. Mit den Gebühren sind in den vorgenannten Fällen auch die Aufwendungen der Desinfektionsanstalten für Desinfeklionsmaterialien u. s. w., sowie für den Transport der Sachen von der Wohnung nach der Anstalt und zurück bezahlt. Falls die Desinfektion von Wohnräumen oder von beiveg- lichen Sache» bestellt ist und den demnächst erscheinenden Des- infektoren die sofortige Ausführung der Desinfektion, bezw. die Verpackung und Abholung der Sachen behufs des Transportes nach der Desinfektioils-Anstalt aus irgend einem Grunde nicht gestattet wird, so sind für die Hin- und Zurückschaffung der Desinfeklions-Materialien und Utensilien, bezw. die Hin- und Rückfahrt des Wagens, sowie für die von den Desinfektoren auf die Hin- und Rückfahrt nutzlos verwendete Zeit in jedem Falle 10 M. Gebühren zu entrichten. Die Gebühren werden in den nächsten Tagen nach er- folgter Desinfektion durch einen besonderen Bolen unter Vor- legung der quittirlen Rechnung eingezogen. Die Abtragung der Schuld in einzelnen Raten wird in einzelnen Fällen auf schrift- lichen Antrag gestattet. De» Berliner Nachtwächtern, welche im Prozeßwege ihr Recht auf Pensionirung resp. anderweitige Anstellung geltend machen, ist, wie ein Berichterstatter erfährt, von den Breslauer Kollegen sännntliches Material des von letzteren in gleicher An- gelegenheit gegen die Stadt Breslau siegreich durchgeführten Prozesses zur Verfügung gestellt worden. Die Verhaftung«» vou Anarchisteu nehmen trotz des ehlens der Umsturzparagraphen munter ihre» Fortgang. Am onnerstag voriger Woche wurde der bislang im„Sozialist" be- chäftigt gewesene Drucke: eiarbeiter Graß ohne erkennbare Ursache zur Untersuchungshaft gebracht und am Sonnabend traf aus einem gleich räthselhafren Grunde dasselbe Loos den Tischler Richard Weiß. Letzterer ist verheiralhet und Vater zweier Kinder. Lebhafte Klagen werden seitens der Rixdorfer Arbeiterschaft, welche naturgemäß unter dem gegenwärtigen Arbeitsmaiigel schwer zu leiden hat, darüber geführt, daß bei dem Bau der Anschlußbahn von Rixdorf nach Johannisthal fast ausschließlich polnische Arbeiter beschäftigt werden, während die hiesigen Siener- "! und Familienväter nicht wiffen, wie sie für ibre Fumilien schaffen sollen. Die Arbeiten sollen an einen Unternehmer vergeben sein, der die fremden Arbeiter den hiesigen der Billigkeit halber vorzieht. Sache der Eisenbahu-Verwaliung aber wäre es, dafür z» sorgen, daß bei derartigen umfangreichen Bauten vor allen Dingen die angesessenen Arbeiter beschästigt werden. Jrrthiimlich gekaufte Versicherungsmarke» werden den Postnnslnllen häufig zum Umtausch gegen andere Marken zurück- gereicht, aber regelmäßig zn diesem Zwecke nicht angenommen, weil die Postanstalten sich angeblich aus Rücksichten auf den Verkehr hierauf nicht einlassen können. Im Interesse der hierbei Be- tdeiligten weisen wir behufs Vermeidung von Zeitverlust darauf hin, daß unter Darstellung des Sachverhaltes die Marken i» olcheni Falle derjenigen Versichernngsanftalt einzureichen sind, deren Name auf derselben abgedruckt ist. Alsdann erfolgt der Ersatz für die Marken in baarem Gelde. Infolge deS TchucewetterS sollen viele Besitzer von Privat- Fuhrwerken in große Verlegenheit gerathen sein, denn ein be- träcktlicher Theil der Droschkenpferde ist dienstunfähig geworden. So kam es, daß in den letzten Tagen nur wenige Nachtdroschken auf den zu finden waren. Infolge der Glätte stürzten viele Thiere und allein am Sonnabend mußten ca. 30 derartig ver- letzter Pferde dem Abdecker zugeführt werden. Ter deutsche Thierschntzverei» macht darauf aufmerksam, daß zur Hilfe beim Ausgleiten der Pferde es den Kutschern in England z. B. polizeilich zur Pflicht gemacht sei. im Winter aus dem Fuhrwerk einen Ltasten mit Sand oder Asche zu führen. Auch wird darauf hingewiesen, daß eine andere kleine Bemühung den Thieren heftige Schmerzen ersparen würde; wenn nämlich die Kandare, besonders falls das Pferd im Freien gefüttert wird, vor dem Einlegen ein paar Minuten mit einem wollenen Tuche geriebe» oder ander» weitig erwärmt wird. Eisig kalt eingelegt, erzeugt sie nicht nur Schmerzen, ähnlich denen bei der Berührung eines glühenden Metalls, sondern auch durch das Anfrieren und Losreißen der Eisentheile Entzüudungen und Blutungen der empfindlichsten Theile des Maules und der Zunge. Ueber das für die große Berliner Gewerbe-Ausstellung fertigzustellende lichtstarke Fernrohr wird berichtet, daß das Komitee für die Herstellung des Archenhold'schen Fernrohres seinerzeit bei der Regierung einen Zuschuß im Betrage von 250 000 Mark zu den Kosten des Unternehmens beantragt hat, wofür dann nach Schluß der Ausstellung daS Fernrohr in den Dienst der Wissenschaft übergeben und Staatseigenthum werden soll. Die Angelegenheit hat ihren offiziellen Weg genommen und liegt nun der Akademie der Wissenschaften zur Begutachtung vor, wo aber die Sache nur sehr langsam von statten gehen sott. Da die Vorarbeiten von den Fabrikanten eingestellt worden sind, so wird merkwürdigerweise die Frage angeregt, ob die betheiligtcn Kreise nicht stark genug wären, um bis zur Genehmigung des Staatszuschusses die Sache selbständig in die Hand zu nehmen. Es wird auf Amerika hingeiviesen, wo zum Bau von Fernrohren Millionen von Privaten geopfert sind. Die Stärke mag in deutschen Unternehmerkreisen auch vor» Händen sein, aber wie schon seit dem glorreichen Reinfall des Staates mit der 1870 er Kriegsanleihe mämüglich bekannt, ist unter den deutschen Kapitalisten auch kaum eine Spur von Gemeingeist zu finden. Unser Ausbeuterthum wird sich auch in diesem Fall hüten, dem Fernrohr Geldsummen zu opfern, solange sie nicht Profit verheiße». DaS Berliner ittguarinm hat jetzt wieder mannigfache neue und interessante Bereicherungen aufzuweisen. Das vor dein eigentlichen T orschbassin belegene Becken beherbergt außer zahlreichen MiUelmeer- und Nordseefischen einen kleinen Dorsch. Der Zwerg erscheint sehr schlank gegenüber der ihm beigegebene» Gesellschaft und Heller gefärbt als die nachbarlichen großen Dorsche oder Kabeljaus. In dem Behälter der Muränen hat mau einige aus der Nordsee flammende Seequappen eingesetzt, die gleich der in einem Süßwasserbecken durch ein auserleie» großes Exemplar ver- tretenen Aalquappe ebenfalls der Dorschfamilie angehören. Von einer in de» öffentlichen Schau-Anstalle» kaum einmal aus- geslelllen Fischart ist, nachdem im vorigen Jahre zum erstenmal ein großes Exemplar durch die Adriastation Rovigno Hierher ge- langte, nun auch ein junges Stück zu sehen, nämlich ein etwa fußlailger Stechroche, der vor allen seinen Berwandten in dem peitschenarligen langen Schwanz mit ansttzendem großen wider- hakigen Stachel eine beachtenewerthe Auszeichnung besitzt. Durch neue Eingänge aus dem Mittel- und Adriatischen Meere ist auch die Familie der Katzenhaie vermehrt worden. Ter NcgiernngSpräsident in Potsdam macht bekannt. daß es bei Geldstrafe bis zu 60 M. oder entsprechender Haft verboten ist, L u s t b a l l o n s uuter Anwendung von hellem oder glinimendem Feuer aussteigen zu lassen. Zur Auflieferung von Telegrammen während der Nacht- zeit sind in Berlin geöffnet: Das Haupt> Telegraphenamt in der Ober-Wallstraße und die Postäniler auf den Fernbahahösen (Potsdamer-, Anhalter-, Görlitzer-, Stettiner- und Lehrter Bahnhof). Elendsstatistik. Am 1. Dezember 1894 befanden sich im städtischen Obdach 26 Familien mit 79 Personc». Am I.Januar 1895 war der Bestand 33 Familien mit 97 Personen. Im Laufe des Monats Dezember wurde das Obdach von 31 733 Personen und zwar von 30 069 Männer» und 1664 Frauen benutzt. Von diesen Personen wurden 13 dem Kraukenhause im Friedrichs- Hain. 52 dem Kraukenhause Moabit, 13 der Charitee und 313 der Polizei überwiese». Infolge eines Menschcnbisses gestorben ist am 29. v. M. im St. HedivigS-Kraiikenhause der 53 Jahre alte Schneider Julius Küffner aus der Magdeburgerstraße 5. Am I. De- zember v. I. kam er von einem Geschäftsgänge zurück und sah zu später Stunde einen Auflauf um eine Droschke an der Ecke der Magdeburgerstraße und des Tempelhofer Users. Er trat hinzu und sah, daß drei Studenten, von denen zwei die Droschke verlassen hatten, mit dem Kutscher wegen des Fahrpreises stritte». Als die Umstehenden den Streit schlichten wollten. sprang einer der Studenten auf den Schneider Kuffner zu, warf ihn zu Boden und biß � ihm ein Stück oberhalb des rechten Auges heraus. Kuffner wurde auf der Sanitätswache in der Steglitzer- straße verbunden, kam erst' gegen 5 Uhr früh nach Hause und wurde von dem ihm gegennberwohnenden Dr. Halftei» behandelt. Nach einige» Tagen entstand vom Halse abwärts bis in den Arm eine Geschwulst, die immer schlinimer wurde und die Auf- »ahme Kuffner's im Krankenhause nothwendig machte, obgleich die Wunde schnell geheilt war. Als Todesursache wird auf der einen Seile Blutvergiftung, auf der anderen Herzschlag an- gegeben. Tie Krankenkasse der Schneider klagt gegen den beißenden 8tnä. zur. St. wegen Rückerstattung des Krankengeldes. Dabei wird sich ergeben, ob der Biß thatsächlich daS Ableben verursacht hat. Beraubungeu von Güterivagc» finden seit einiger Zeit auf der AbfertigungSsteUe des Anhalter Güterbahnhofes, wo vor etwa Jahresfrist eine Spitzbubenbande endlich ermittelt wurde, wiederum statt. Meistens werden die Raubzüge an Sonn- und Festtagen vorgenommen, weil dann der Güterbahnhof ohne Auf- ficht ist. Die Diebe reißen die Plomben ab und öffnen die Wagen, denen sie Gepäckstücke aller Art entnehmen. Bisher hat sich nicht feststellen lasse», was für Waaren gestohlen worden sind, da die Wagen nach allen Richtungen hin abgelassen werden, und man erst am Bestiiiuiiuiigsorte den Verlust übersehen kann. — Am Montag Abend ging das Gerücht, daß 7 Männer und eine Frau abgefaßt worden seien, doch ist eine Bestätigung dieser Nachricht bisher nicht zu erlangen gewesen. Ei» verhängnisivoller Jrrthum. Auf dem Grundstück eines in der Boxhagenerftraße wohnenden Wildhändlers sind in der letzten Zeit vielfach Diebstähle ausgeführt worden. Ter Be- stohlene ließ nun, um die Diebe abzufangen, das Hans von mehreren Arbeitern unistellen. In einer der letzten Nächte be- gegneten sich auf ihrem Palrouillengange zwei der Wächter, jeder hielt den anderen für einen Dieb und es entspann sich zwischen den beiden Männern ein heftiger Kampf, in welchem der eine schwere Verletzungen davontrug. Die Knochen des linken Armes wurden ihm zersplittert und das rechte Auge derart verletzt, daß die Sehkraft desselben gesährdet ist. Ein junger Forstbeamter namens Max Peher, Sohn des Försters in Pichcldcrge, ist am Sonnabend i» Grunewald er- schössen aiifgcfuiiden worden. Es walten Zweifel darüber ob, ob er sich selbst das Lebe» genom.nen hat oder ob er vou Wild- dieben erschossen worden ist. Ans der Region der Kämpfer für Ordnung. Religion «nd Sitte weiß das„Berliner Tageblatt" vom gestrigen Abend folgendes Idyll aufzutischen:„Eine R ei tp e i t s ch e n- A ff ä re ist an der heutigen Börse viel besprochen worden. Ein Kaufmann wurde von dein Gatten einer Dame, zu der er früher in Be zichnngen gestanden, im Beit überfallen und mit einer Reilpeitsche schwer mißhandelt. Bon dem Ueberfallenen waren die Briefe zurückverlangt worden, die er früher von der Dame erhalten; er behauptete, sie verbrannt zu haben. Das schien ihm nicht geglaubt zu werden, und der nunmehrige Gatte der Dame suchte sich in der geschilderten Weise für die Voreuthaltung der Schriftstücke zu rächen." Ei» seltener Fall ereignete sich gestern Nachmittag in der Stralauerstraße. Dortselbst kam infolge der Glätte das Pferd der unbesetzten Koupee-Drosckke Nr. 2285 zu Fall und riß dabei die Droschke mit um. Glücklicherweise fiel das Gefährt auf einen Schneehaufen, so daß sowohl der Kutscher als auch der Wagen ohne Schaden davonkamen. Zu der vom„Jntelligenzblatt" gestern gebrachten Sen- sationsnachricht über die Tödtung eines Offiziers durch einen Grenadier schreibt die„Kreuz-Zeitung", daß diese Meldung unwahr sei. Von einem Soldaten wurde am Montag Abend gegen 8 Uhr die 18 Jahre alte unverehelichte Selma Aßmann gerettet, die in der Hcrmanstraße 24 bei dem Fabrikanten E. in Gesinde dienst steht. Das Mädchen hatte sich in selbstmörderischer Afr ficht vor dem Hause Koltbuser Ufer 4g in den Landwehrkanal gestürzt. Der Gefreite Wenning von der dritten Kompagnie des Kaiser Franz-Garde-Grenadierregiments kam zufällig des Weges daher und hatte den Vorgang bemerkt. Er ergriff einen Bootshaken von einem an der Koltbuser Brücke liegenden Kahn, faßte damit die Lebensmüde, während ein Krankenpfleger und ein Schutzmann ihn von hinten aus dem Fahrzeug sesthielten, und zog sie an den Kahn, bis er sie mit den Händen ergreifen konnte. Das Mädchen hatte schon so viel Wasser geschluckt, daß es be- wußtlos geworden war und wurde zunächst nach der Wache des 48. Polizei-Reviers gebracht. Aerztliche Hilfe war sofort zur Stelle, so daß die Unglückliche wieder in das Leben zurückgerufen und dann nach dem Krankenhause am Urban gebracht werden konnte. Als Grund zu dem Selbstmord wird„Schwermnth" angegeben. Beim Abbrennen von Feuerwerk, das von einigen jungen Leuten auf der an der Frankfurter Chaussee gelegenen Osteisbahn am gestrigen Abend bewirkt wurde, explodirte un- Versehens ein Bündel Raketen und riß dem 13 jährigen Sohne des Eisenbahnbeamten G. den linken Arm aus, während die rechte Hand zum Theil zerschmettert wurde. DaS Kreibig'sche Ehepaar aus der Fichtestr. 80 wird am Donnerstag Nachmittag auf den: Drcifaltigkeits- Kirchhofe be- erdigt.— Die Angehörigen wollen die Leiche des Mannes, der sich in einer Lebensversicherung befand, öffnen lassen, um fest- zustellen, ob er die That vielleicht in einem Zustande von Un- znrechnungssähigkeit begangen hat. Beim Tchlittenfahreu verunglückte am Montag Nach- mittag der 12jährige Otto Brücke, dessen Eltern in der Land- wehrstraße 5/6 wohnen. Der Knabe saß auf einem Handscklitten und wurde von Kameraden gezogen. Beim Umwenden auf dem nicht etwa breiten Fahrdamm der Landwehrstraße wurde der Schlitten seitlich geschleudert. Brücke stürzte auf das Pflaster und fiel so unglücklich, daß er niit beiden Oberschenkeln unter das rechte Vorderrad eines gerade vorüberfahrenden Lastwagens gerieth. Die schwere Last ging über die Gliedmaßen des Kleinen hinweg und mit zermalmten Oberschenkeln wurde der Knabe nach dem städtischen Krankenhause am Friedrichshain gebracht woselbst er fast hoffnungslos darniederliegt. WitternngSiiberficht vom 7. Januar 189Z. Stationen. Ewinemünde Samburg. erlin.. Wiesbaden. München. Wien.. Haparanda Petersburg Cork... Aberdin.. Paris.. Wetter-Prognose für Mittwoch, 9. Januar 1893. Veränderliches, vorwiegend trübes Frostwetter mit leichten Schneefällen und mäßigen nordöstlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Polizeibericht. Am 7. d. M. wurde auf dem Flur eines Hauses der Barutherstraße die Leiche eines neugeborenen Kindes aufgesunden.— Auf dem Bellealliance-Platze wurde Vormittags ein Arbeiter durch ein Fuhrwerk überfahren und am Kopfe m>d Fuße schwer verletzt.— In der Fischerstraße fiel ein Arbeiter von einem in der Fahrt befindlichen und infolge der Glätte stark schleudernden Müllwagen und erlitt eine erbebliche Verletzung am Kopfe.— Auf dem Neubau Spandauerstr. 16/17 wurde ei» Arbeiter durch eine beim Abladen umfallende Maschine er- schlagen.— Abends sprang ein Mädchen gegenüber dem Grund« stücke Kottbuser-User 46 in den Landwehr-Kanal. Es wurde jedoch noch lebend aus dem Wasser gezogen und nach dem Krankenhause am Urban gebracht.— Im Lause des Tages fanden vier kleine Brände statt._ Gerickks�eikung. Vor der Kammer Brausewetter. Wegen Msjestäts beleidigung und Sachbeschädigung Haltesich gestern derSluckaieur Friedrich Borstell vor der 2. Strafkammer des Landgerichts I zu verantworten. In einer Beschwerde über eine gegen ihn er- aangene polizeiliche Ausweiiungsverfügung soll er sich des sogen. Vergehens der Majestälsbeleidigung schuldig gemacht habe» und außerdem wird ihm zur Last gelegt, daß er absichtlich eine Spiegel- scheide entzivei geworfen habe. Ter Unglückliche, der bereits vier- mal wegen„Majestälsbeleidigung" vorbestraft ist, wurde zu der horrenden Strafe von it Jahren V Monate» Gefängnist ver- urtheilt. Die Frage ob die Lindeu-Gallerie als ein öffentlicher oder privater Durchgang zu betrachten ist, hat die Gerichte schon mehrfach beschäftigt und kan, auch gestern vor der 129. Ab- theiluug des Schöffengerichts zur Sprache. Am 15. November v. I. kam es in dem erwähnten Durchgange zu einer tumul- luarischen Szene. Der Kandidat der Chemie Elias benutzte den- selben, um von der Behrenstraße nach den Linden zu gelangen. Er hatte 2/3 dieses Weges zurückgelegt, als er von einem Gallerie- diener aufgefordert wurde, den Hund der ihn begleitete, an der Leine zu führen. Elias weigerte sich, worauf der Tiener ihn ans- forderte, umzukehren. Auch hiermit war Elias nicht einverstanden, der Diener rief den gerade vorübergehenden Pächter der Gallerie, den Direktor Jacob, herbei und dieser nahm für seinen Be- diensteten Partei, der nur nach der ihm ertheilteu Vorschrist gehandelt habe. Elias beharrie bei seiner Weigerung, umzu- kehren, ein zweiler Diener kam hinzu und nun wurde Elias mit Geivalt bis zum Ausgange nach der Behrenstraße geschoben. Das zahlreiche Publikum nahm für den Gemaßrcgelten Partei, der nach einiger Zeit wieder erschien, um den Direktor zur Rede zu stellen. ES kam zwischen beiden nochmals zu einer heftigen Auseinandersetzung, Elias erhob mit den Worten:„Den Hund schlage ich todl!" den Stock zum Schlage; die Angestellten sühllen sich aber gemüßigt, ihren Unternehmer zu schützen, indem sie de» Schlag auffingen und dem Elias den Stock entwanden. Der letztere erhielt eine Anklage wegen Haussriedeusbruch und Bedrohung und Direktor Jakob, der sich durck Rechtsauwalt Dr. Arnold Goldslein vertreten ließ, trat als Nebenkläger aus. Der Angeklagte wollte den Durchgang für einen öffentlichen gehalten und die vor den Eingängen und innerhalb der Gallerie angebrachten Plakate, wonach das Publikum aufgefordert wird, Hunde an der Leine zu führen, nicht gesehen haben. Der Zeuge Jakob erklärte, daß er mehrfach die Gerichte habe in Anspruch nehmen müssen, um seinem H a u s r e cb t, welches ihm in der Gallerie zustehe. Gellung zu verschaffen. Er habe den ganzen Durchgang vom Linden- Bauverein gepachtet, die Seitenwände mit kostspieligen Schränken ausgestattet und diese wieder an Firmen vermielhet, welche darin werthvolle Erzeugnisse ausstellen. Natürlich müsse er vorbeugen, daß die Wände nicht durch Hunde verunreinigt würden. Das Gericht habe längst entschieden, daß der Durch- gang ein privater sei, in welchem dem Inhaber das Hausrechl zustehe. Der Staatsauwalt beantragte eine Gesammtstrafe von 166 M., der Gerichtshof hielt 40 M. für eine ausreichende Strafe. Unseres Erachtens sollte nunmehr wenigstens in recht beut- licher Weise dafür gesorgt werden, daß dem Publikum die Nach- theile zu Gesicht kommen, derer es sich beim Passiren der Linden- gallerie unter Uniständen zu gewärtigen hat. Am besten wäre es vielleicht, iveun das Publikum den Herrn Jacob überhaupt nicht in seinem Hausrecht störte und sich einen anderen Weg wählte, als die Lindengallerie. Ei» Sitteuwächter. Vor dem Schwurgericht des Land- gerichts I halte sich gestern der Bäckermeister Paul Ferdinand K i e s l i n g auf eine Anklage ivegen N o t h z u ch l zu verantworten. Durch die Beweisaufnahme wurde dargetban, daß der Angeklagte sich in gemeiner Weise an einem junge» Mädchen vergangen hatte, die bei ihm als Dienstmädchen eingetreten war, für deren leibliches»nd sittliches Wohl zu sorgen er als Arbeit- geber mithin verpflichtet war. Gerade mit Rücksicht aus diesen Umstand verurlheilte der Gerichtshof den Angeklagten, der vor kurzem wegen anderer Sirasthalen zu 1 Jahr Gefängniß ver- urtheilt worden ist, zusätzlich zu noch einem Jahre Ge- f ä n g n i ß. Um zehn Pfennige handelte es sich bei einer Anklage wegen schwerer Urkundenfälschung und Betruges, die gestern vor dem Schwurgericht hiesigen Landgerichts I gegen de» Rohrleger Friedrich Wilhelm W e l l e r verhandelt wurde. Für das große Publikum erwächst aus dieser Anklage die Lehre, daß die Fahrscheine der Stadt- und Ringbahn Ur- künden sind, die man nicht willkürlich verändern' darf. Ter Angeklagte fuhr am 14. Juni mit einer 10 Psenuig-Fahrkarle von Schöneberg bis nach der Warschauer Brücke, wo die Karte ab- gelausen war. Er fuhr aber bis zur Jannowitzbrücke weiter und zeigte dort dem Konlrollbeamten eine Fahrkarle vor, welche mit dem Konlrollstempel der Warschauerbrücke versehen war, während der Datumsstempel offenbar absichtlich verwischt worden war. Ter kontrollirende Beamte ersah aus der Nummer der Fahr- karte, daß dieselbe schon älter sein mußte und an diesem Tage unmöglich gelöst sein konnte und er stellte denn auch fest, daß der Datuinsstempel auf den 12. Juni lautete.— Der Angeklagte behauptet nun, daß er die Veränderung aus der Iaht karte nicht vorgenommen habe. Er sei an jenem Tage unglücklicher Weise im Eisenbahnwagen eingeschlafen gewesen und als er erwachte, habe er mit Schrecken wahrgenoinnien, daß er weit über� di» Warschauer Brücke hinausgefahren und der Zug schon den Schlesischen Bahnhof passirt hatte. Da habe sich denn ein Menschenfreund- licher Fahrgast seiner erbarmt und ihm die�angehallene Fahr- karte mit dem Bemerken in die Hand gedrückt, daß er darauf bis zur Jannowitzbrücke fahren könne. Die Anklagebehörde ver- muthet dagegen, daß Weller gleich von vornherein bis zur Jannowitzbrücke fahren wollte und dazu eine ihm früher viel- leicht zufällig nicht abgenommene Fahrkarte benutzte.— Der Staatsanwalt beantragte das Schuldig gegen den Angeklagten. Wenn es auch befremdlich erscheinen könnte, daß wegen des Betrages von 10 Pf. der Apparat des Schwurgerichts in Be- ivegung gesetzt werde, so handle es sich hier jedoch um die Rechts- sicherheit im Verkehr, die aufrecht erhalten werden müsse. Die Geschworenen hielten die Urkundenfälschung nicht für erwiesen und gaben ihren Schuldigspruch nur aus versuchten Betrug ab. Der Gerichtshof verurtheilre den Angeklagten zu 30 M. Geldstrafe event. 6 Tagen Gefängniß. Wie die Bandale» haben zwei junge Burschen auf dem Jakobikirchbofe in Rixdorf gehaust, die heute vor der zweiten Strafkammer am Landgericht II standen. Der 15jährige Arbeiter Georg Hoffmann und der 20jährige Arbeiter Richard Schettler aus Rixdorf hatten am 4. August v. I. von dem Grundstücke des Fabrikanten Babing in Rixdorf diverkes Metall, Bleiröhren«. gestohlen, welches sie init einem Handwagen nach dem Jakobikirchhofe brachten, um dasselbe hier zu vergraben. Die Gelegenheit benutzend, schlugen sie eine Anzahl eiserner Grabkreuze entzwei, un» das Material als altes Metall zu verkaufen. Kirchhofsarbeiter erwischten sie. Hoffmann kam wegen seines jugendlichen Alters mit drei Monaten Gefängniß davon, Schettler dagegen erhielt ein Jahr Gefängniß. Neichs-Bersicherungöamt. Versäum ung der Re- k u r s f r i st. Ein Rechtsanwalt, den der Arbeiter Bachmann mit seiner Vertretung vor dem Reichs-Versicherungsamt betraut hatte, versäumte es infolge der Verlegung seines Bureaus, inner- halb der gesetzlichen vierwöchentlichen Frist den Rekurs gegen eine schiedsgerichtliche Entscheidung zu erheben. Er beantragte beim Reichs-Versicherungsamt die Wiedereinsetzung in den vorigen Gerichtsstand, wobei er geltend machte, daß Versehen, wie das vorliegende, nicht der vertretene» Partei zur Last gelegt werden könnten. Das Reichs-Versicherungsamt war aber der Meinung, daß der Rekurs dennoch wegen der Verspätung zurückzuweisen sei, weil die für die Fristversäumniß beigebrachten Gründe nicht die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand rechtfertigten. D re Zurückweisung des fraglichen Rekurses wurde am 5. Januar ausgesprochen.— Der Brauereiarbeiter Otto war auf dem Heimwege vor dem Hause seines Arbeitgebers gefallen und hatte dabei einen Unfall erlitten. Die Mälzerei- und Brauerei-Berussgenossenschaft wies den Rentenanspruch desselben ab, ebenso ihr Schiedsgericht. Das Reichs-Versicherungsamt fällte ebenfalls am 5. Januar ein dem Kläger ungünstiges Urlheil, welches es damit begründete, daß Otto auf einem'Wege verunglückt sei, der nicht in besonderer Beziehung zum versicherungspflichtigen Betriebe seines Arbeit« gebers gestanden habe. In Mannheim wurde von der dortigen Strafkammer der ehemalige Bankier Wilhelm Maaß, Mitinhaber des fallirtm Bankhauses Salomvn Maaß, wegen Betrugs infolge von 330 000 M. Vortrassirnngen zu einem Jahre Gefängniß ver- urtheilt._ Derittisihkes. Eiue Familientragödie wird uns aus Halle berichtet. Am Sonntag Abend verstarb natürlichen Todes ein junges Mädchen Frl. Julie Schulberg. Der Tod der Geliebten wirkte so furchtbar auf das Gemüth der beiden älteren Schwestern, daß dieselben nun ihrerseits den Entschluß faßten, zu sterben. Die hochgradig nervösen Mädchen nahmen gemeinschaftlich Opium und als dieses Gift seine schnelle Wirkung versagte, brachten sie sich mit einem Rasirmeffer schwere Verletzungen am Halse bei. Die jungen Selbstmörderinnen wurden in die Klinik geschafft und liegen fast hoffnungslos darnieder. Aphorisme». Es giebl eine Moral, die den kostbaren Spitzenlaschentüchern der Damen gleicht, die diese niemals brauchen, sondern die sie nur immer in der Hand tragen, um sie der Welt zu zeigen.— Es ist ein merkwürdiges Phänomen, daß imnier, wenn eine Hand die andere wäscht, beide Hände noch schmutziger werden. DviefkkKen ver Dedakkton. Wir billen bei jeder Anfrage eine Chiffre(Zwei Buchslaben oder eine Zasl) anzugeben, unter der die AnNvori ertheill werden soll. Aberglauben 199. Wenden Sie sich an die„Freireligiöse Gemeinde", Rosenthalerflr. 38. Millarg. Ihrem Wunsche wird gern entsprochen werden; mir müssen Sie sich zur gegebenen Zeit an die Expedition wenden. G. H. ksipetuum inodilö ist ein Motor, welcher die Be- wegungswiderstände(Reibung ec.) ohne Krastzuschuß von außen selbstth'älig überwinden soll; die Realisirung dieses Problems ist unmöglich. Helbig» Mantenffelstrasie. Ihre Wohnung muß in diesem Fall desinfizirt werden. Die Frage über die Kosten finden Sie im lokalen Theil beantwortet. G. I. 123. In Teutschland ist keine solche Universität. doch dürfen in Zürich Frauen das Studium der Medizin che- treiben. Arandt. Meister wohnt Fürbringerstr. 28, 2 Tr. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 1. Herl. Reichstags-Wahlkreis. Deffentliche Versammlung am Donnerstag, den 1«. Januar, Abends �'<1 Uhr. im Lokale der Armiuhallen, Kommandanteustraße SO. Tages-Ordnnng: 1. Die Erörterung der Trust's und 5karlelle auf dem Frankfurter Parteitag. Referent J. Timm. 2. Diskussion. 3. Berschiedenes. Das Thema wird ausführlich behandelt, die Diskufüon eventuell in einer nächsten Bersammlnug fortgesetzt. Mitglieder, die ihr Wahlvereins- buch vorzeigen, erhallen eine Broschüre. Ferner werden die Mitglieder ans tz 5 Absatz d des Statuts aufmerksam gemacht.— Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Die Zahlstellen befinden sich bei folgenden Genossen: 276/12 Wendt, Claudiusstraße 19. Gärtner, Molkenslraße 12, Tripke, Jägerstraße 10. Sommer, Grünstraße 21. Nereill der Slr&fitmiiiicn an Bnch- n. Zteindrvlkslhnehrejsen. Wiktwoch, de» 9. Januar, Abend» 8'/s Zlstr, im Lokale des Herrn Schneider, Annenstrafte Nr. 10: Genepal-Wepsammlung» Tages-Ordnuug: 1. Vortrag über:„Freie Liebe". Referent Herr Srnst Tübbeke, Buchdrucker. 2. Diskussion. 3. Kassenbericht. 4. Berschiedenes. Gäste haben Zutritt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 2079b Der Vorstand. ! Arbeiter H ildnngsschule Gtucral-Versammlung am Mittwoch, den S. Januar, abends präzise SV- Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstraße SO. Tages-Ordnnng: 1. Verlesen des Protokolls der letzten Versammlung. 2. Bericht des Vorstandes. 3. Bericht des Kassirers und der Revisoren. 4. Besprechung wegen eventueller Verlegung der Nordschule. 5. Wahl von 2 Revisoren. 6. Bericht des Bibliolhekars. Alle Witglirdrr werde» dringend ersuch», pünktlich«nd zahlreich?» erscheinen. Mitglieder werden vor der Eröffnung der Versammlung aufgenommen. 55'6 ver Vorstand, Achtung, Maurer! Große einheitliche Generalversammlung sämmtlichcr Maurer Berlins am Sonntag, de» 13. Januar, vormittag» präzise 19 Ahr, Im Fonisenstiidtischru Konzrrthanse, Alte Jakobstrah« 37. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Delegirten und dessen Stell- Vertreters in die Gewcrlschastskommission. Kollegen! Da infolge Ver Beanstandung der Mandate unserer Delc. girten durch den geschäslssührenden Ausschuß der Geiverkschaftstommission eine Neuwahl nölhig ist. so ersuchen wir Euch, recht zahlreich und pünktlich in dieser Bersammlnug zu erscheinen. 188/19 Die Einbernfer. Dauksaguug. Für die Beweise inniger Theilnahme, sowie der vielen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, äug. Achilles, sagen wir Allen berzlichen Dank. Wittwe Achilles 2080b_ nebst Kinder. Sttrbekgjse m Arbeiters ber Berliner MMisesban- Aklies-GeseMast. Sonnabend, den 19. Januar 1895, Abends 8Vi Uhr, im Lokale des Herrn Stfimke, Ackerstr. 123; General-Y ersammlung. Tages-Ordnnng: I. Halbjähriger Kassenbericht. 2. Verschiedenes. Das Quittungsbuch legitimirt. Um pünktliches Erscheinen ersucht 2070b Der Vorstand. I. A.: kng. Acke, Vorsitzender, Neue Hochstr. 41, 4 Tr. Für die htestgen itftt liegt der heutigen Zlnmmer unsere» Klattea die gettrige Gewinnliste der preusz. Lotterie bei. Verantwortlicher Redakteur: I. Dierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin, SW., Beuthstraße 2. 2. Beilage zum„Vomiirts" Berliner Volksblatt. Nr. 7. Mittwoch, den 9. Januar 1893. IS. Jahrg. Unter dem neuesten Kurs. des Verstoßes Recker frei- 3. S. Tezember. i. Neustadt O.-Sckil. Von dem Vergehen gegen die Eeiverbe-Ordnung, Genosse gesprochen. Eschwege. Gleichfalls freigesprochen Genosse Hugo von der Anklage durch Boykotterklärung groben Unsug verübt zu haben Düsseldorf. Ebenfalls freigesprochen wurde Genosse Walther von der Anklage, Staatseinrichtungen ver- ächtlich gemacht zu haben. Leipzig. In der Revisionsinstanz wurde Genosse Krause in Hamburg, wegen Aufreizung im Sinne des § 130 des St.-G.-B. zu 3 Monaten Gesängnip ver- urtheilt. Ueterseu. Drei Vorstandsmitglieder des Arbeiter-Vil- dungsvereins von der Anklage der Uebertretung des Vereinsgesetzes freigesprochen. Magdeburg. Der frühere Redakteur der„Volksstimme" Genösse P ist or ins. wegen Beleidigung des Generals Hönisch, 14 Tage Gefängniß. Stuttgart. In der Berufungsinstanz Genosse Stete selb'von der Anklage der Fabrikantenbeleidigung frei- gesprochen. Dresden. Wegen Beleidigung eines Lehrers Genosse Klemm 3 Wocken und Genosse Heinrich als veranr- wörtlicher Redakteur der„Sächsischen Arbeiter-Zeitung" 3 Monate Gefängniß. Genosse Pfautsch wegen Vergehens gegen das Vereins- gesetz 10 M. Geldstrafe. Magdeburg. Einen Monat Gefängniß Genossin Palm weg?)» Aufreizung zum Klassenhaß. Erfurt. Wegen Beleidigung von Beamten der Garnison- Verwaltung Genosse Hülle 3 Monate Gefängniß. Zwickau. Genosse Strunz wegen Beleidigung eines Bergraths 400 M. Geldstrafe. Halle. 12 Gastwirlhe wurden zu 3 bez. 6 M. Geldstrafe wegen rmerlaubten Kollelirens verurlheilt, weil in ihre» Wirlhschaftcn Kästen mit der Ansschrifl,„Zur Unterstützung der Familien politisch verurtheiller Sozialdemokralen" aus- hingen. Apolda. Von der Anklage, groben Unsug verübt zu haben, Genosse Haupt freigesprochen. Saalfeld. Genosse Becker wegen Beleidigung Pfarrers 30 M. Geldstrafe. Perlin. Wegen Beleidigung des Dr. Hans Blum der Redakteur des„Vorwärts", Genosse Pötzsch, 100 M Geldstrafe. Dresden. Ter Redakteur der„Sachs. Arb.-Ztg.", Ge� nofse Eichhorn, wegen Beleidigung von Militär- Personen. 4 Monate Gefängniß. Genosse Kühn, wegen Verübung groben Unfugs— Boykott und Uebertretung des Preßgesetzes, insgesammt 30 M. Geldstrafe. Wegen Vergehens gegen das Preßgesetz, Genosse Horn 10 M. Geldstrafe. 2 Tage Gefängniß Genosse Luther wegen unerlaubten Kollektircns. Hamburg. Genosse Röske wegen Beleidigung eines Fabrikdirektors, 100 M. Geldstrafe. Leipzig. In der Revisionsinstanz Genosse Leven in Gera, wegen Beleidigung des Stadtraths, S Monate Gefängniß. Frankfurt a. O. Wegen„Aufreizung" in zwei Fällen Genosse Z a p p e y 0 Wochen Gefängniß. Tanzig. Genosse Lorenz wegen Beleidigung des Land- raths 3 Wochen Gefängniß. Leipzig. In der Revisionsinstanz Genosse S e i g e in Pößneck'...... eines 8. 12, 13. 10 Wochen Gefängniß wegen Beleidigung des Freiherrn Erffa-Wernburg. Gleichsalls in der Revisionsinstanz Genosse Junge in Wilhelmsburg 2 Wochen Gefängniß wegen Polizei- beieidigung. Genosse S i l l i e r wegen Verstoßes gegen§ 123 der Ge- werbe-Ordnung 1 Woche Gefängniß. Burgstädt. Wegen Beleidigung eines Fabrikanten Ge- nofse Krahl 50 M. Geldstrafe. „ Neustadt O./Schl. Von dem Vergehen gegen das Ver- eins-Gesetz, Eenossc R e ck e r freigesprochen. « Zwickau. Genosse Hill ig 10 M. Geldstrafe, wegen Vergehens gegen das Vereinsgesetz. „ Würze«. 50 M. Geldstrafe, Genosse Riem wegen Bc- leidigung des Stadtraths. 14. Leipzig. In der Revisionsinstanz der ArbeiterLW ittich aus Dessau, wegen Majestätsbeleidigung 3 Monate Ge- fängniß. „ Dresden. Groben Unfug verübt zu haben. Genosse R e i ch a r d. 1 Woche Gefängniß. „ Wege» Beleidigung des Fabrikinspektors, Genosse Horn 5 Monate Gefängniß. „ Langelsheim. Von der Anklage groben Unsug verübt zu haben— Aushängen einer rothen Fahne— em Genosse freigesprochen. 12. Kiel. Weyen Beleidigung der Polizei. Genosse Brecour, 14 Tage Gefängniß. m Derselbe Genosse wegen Verübung groben Unfugs 20 M. Geldstrafe. Antrag 300 M. m. Dresden. Von der Beleidigung des Gemeindevorstandes in Löbtau die Genossen Horn und Müller frei- gebrochen. Dieselben waren in erster Instanz zu 2 resp. 3 Monaten Gefängniß verurlheilt. Leipzig. In der Revisionsinstanz Genosse Baum- b e r g in Zeitz wegen Beamtenbeleidigung, 3 Monate Ge- fängniß. In gleicher Instanz Genosse Schebs in Breslau wegen Beleidigung eines Bankdirektors 1000 M. Geldstrafe. Würzburg. Wegen Verächtlichmachung einer kirchlichen Einrichtung Genosse G a l m 1 Monat 12 Tage Ge- fängniß. Breslau. In der Revisionsinstanz Genosse Paul Kühn wegen Hausjriedensbruch 1 Monat Gefängniß. Genosse Schebs wegen Aufreizung.§ 130 des Str.-G.-B.. 9 Monate Gefängniß.„.. Berlin. Ter Redakteur der�„Ameise" wegen Verrufs- erklärung 3 Wochen Gefängniß... München. 100 M. Geldstrafe Genoffe Schmid wegen Beleidigung eines Fabrikanten.. Te«?au. Wegen Aufforderung zu einer nicht erlaubten Geldsammlung Genosse Bind ermann 10 M. Geldstrafe. Saalfeld. Genosse Hofmann wegen Beleidigung der Meininger Regierung 120 M. Geldstrafe. Nürnberg. Wegen Beleidigung des Oberbürgermeisters Gen osse S e g i tz 4 Wochen Gefängniß. Halle. In der Berufungsinstanz Genosse I l l g e wegen Beleidigung eines Geistlichen 50 M. Geldstrafe. 17, 18. 19. 20, 21. 21. Magdeburg. Wegen groben Unfugs Genosse Rosen- b e r'g e r 120 M. Geldstrafe. Von der gleichen Anklage die Genossen Klees, Vater, Gärtner und Lange freigesprochen. , Berlin. Der Redakteur des„Vorwärts", Genosse Pötzsch, wegen Beleidigung von Militärbehörden vier und wegen Polizeibeleidigung zwei Monate Gefängniß. „ Flensburg. Genosse Wustrack 10 und Blockhaus 5 M. Geldstrafe wegen Vergehens gegen das Preßgesetz. 22. Dresden. Groben Unfug verübt zu haben ist Genosse R e i ch a r d t beschuldigt. Strafe 7 Tage Haft. „ Kiel. Wegen des gleichen Delikts Genosse Brecour 50 M. Geldstrafe. „ Dresden. Ebenfalls wegen groben Unfug in Verbindung mit Hansfriedensbruch Genosse Protze 2 Wochen Ge- fängniß und eine Woche Hast. 28. München. Wegen Besprechung der Fuchsmühler Affäre Genosse Schmid 20 M. Geldstrafe. „ Elberfeld. Genosse Gewehr als verantwortlicher Redakteur der„Niederrhein. Volkstrib.", wegen Soldaten- beleidiguilg 100 M. Geldstrafe. 31. Freiberg. Die Genossen Krahl mid Landgraf in Burgstädt von der Beleidigung des Assessors Haufe frei- gesprochen. Insgesammt wurden erkannt auf 4 Jahre 10 Monate 4 Wochen und 3 Tage Gefängnißstrafe und 2530 M. Geldstrafe. Der Parteivorstand. Ueversicht der wichtigsten politischen und Uartei-Creignisse Oktober im Jahre 1894. 3. Zweiter internationaler Eiscnbahnarbeiter- Kongreß in Paris. Urtheil im Prozeß wegen des Krawalls bei Antonienhütte. 7. Parteitag für Ostpreußen in Königsberg. Parteitag für Sacbsen-Altenbnrg. 8, Explosion in einer Kaserne zu Granada. 200 Menschen todt. 12. In Reuß-Greiz wird die Unterslichling gegen einen Baiikrottcur niedergeschlagen, wogegen der Verdächtige 2000 M. an die Staatskasse zahlt. 14. Sozialdemokratische Landeskonferenz für Nieder-Oesterreich. Wablerfolg der Sozialdemokralen in Belgien. 23 ge- wählt. 12. Gescheiterter Einigmigsversuch im Berliner Bierboykott. 33 Arbeiter sollen dauernd brotlos bleiben. 16. Urtheil im Prozeß gegen Leist. In Afrika herrschen an- dere Moralbegriffe als bei ims. 18. Debatte über den Achistiindeiitag im Berliner Rathhaus. 21. Parteitag i» Frankfurt a. M. 22. In Italien alle sozialistischen Vereine aufgelöst. 23. Freie Universität Brüssel eröffnet. 26. C a p r i v i und Eulenburg werden entlassen. 29. Fürst Hohenlohe wird Reichskanzler; Herr v. Koller wird Minister des Innern. Bajonnett-Altacke im Fuchsmühler Walde. 31. Crispi hat während 4 Monaten 1145 Menschen zu 4199 Jahren Gefängniß verurlheilen lasse». Im Oktober von deutscheil Gerichten über Genossen verhängt 4 Jahr 3 Monat Gefängniß, 5228 M. Geidstrase. November I. Alexander lll., russischer Kaiser, stirbt. I. Ende des Boykotts über die Walbschlößchen-Brauerei in Dresden. 4. In Krimmitschau werden 3 Gewerkschaften aufgelöst. 5, Hans Sachs-Feier. 7. Anarchist Schäme verurlheilt zu 12 Jahren Zuchthaus. 8. Dresdener Maifeier-Prozeß. 14. Bebel's Kritik über den Frankfurter Parteitag. 14. Frau Oberförster Gerlach 10 Jahre Zuchthaus. 17. Parteitag der Schweizer Soziatdeiiwhalen in Biel. 17, Diamanlschleifer-Slreik in Amsterdam und Antwerpen, 4000 Mann. 20. Anton Nilbinstein in Petersburg gestorben. 27. 4 Bierboykolt-Versammlungen in Hamburg. 30. Im November von deutschen Gerichte» über Genossen verhängt 2 Monate Zilchthaus, 6 Jahre 2 Monate Gesängnip und 3352 M. Geldstrafe. Dezember. 4. Ende des Güstrower Streiks. 5. Eckilußsteinlegung des Reichstages. Eröffnung des Reichstages. 6. Tie Umsturzvorlage erscheint. 9. Gustav Adolf-Feier. 14. Gradnauer-Prozeß in Dresden. 15. Der Reichstag verweigert die Strafverfolgung Licbkncchi's. 17. Beschlußunfähigkeit des Reichstags. Umsturzvorlage bis 6, Januar vertagt. 19. Briffon wird Präsident der französischen Kammer. 20. Urtheil im Prozeß Leuß. 22. Heftige Stürme und große Verwüstungen im Nordsee- Gebiet. 24. Schlußprotokoll über Beilegung des Bierboykotts. 25. Bergarbeiter-Kongreß in Essen. Parteitag der polnischen Sozialdemokraten Deutschlands zu Breslau. 23. 16 Volksversammlungen in Berlin. Ende des Bier- boykotts. 81. Im Dezember wurden von deutschen Gerichten über Ge- nossen verhängt: 4 Jahre 11 Monate Gesängnip, 2230 M. Geldstrafe. VsvlammUmgen. Herr vou Egidy sprach am Montag Abend vor einer sehr gut besuchten Versammlung über die„Umsturzvorlage". Die Rede zeigte den Vortragenden wieder in seiner bekannten Naivetät und jener Scheu vor einer unzweideutigen Ausdrucksweise.— Nieberding, der Vertreter der Volksgenossen, welche die Regie- rnng bilden, so ließ sich Redner vernehmen, bat bei der Begründung dieser Vorlage sich dagegen verwahrt, daß der Gesetzentwnrf sich gegen die Sozialdemokratie richte, ergo darf man an diese» Worten auch nicht zweifeln. Selbst als der„Politiker" Egidy merkte, daß die Versammlung keine Neigung verspürte, ihm zur Höhe dieses— Optimismus zu folgen, blieb er bei dem stereotypen: Ich glaube an die lamere» Absichten.... Die Menschen sind nach Ansicht des Redners nicht durch Strafen von Ausschreitiingen zuruckzn- hallen, und wenn das neue Gesetz, das bezwecken soll, so ist es ver- fehlt; allerdings— hier erbob sich lebhasler Widerspruch in der Versammlung— trifft unsere Brüder trotzveni ein schwerer Vorwurf: es mangelt ihnen an dem Maß von Sitte, Anstand, Würde und Fähigkeit, sonst könnte» sie nicht in die Maschen eines Gesetzes fallen. Der Verhetzung, die unzweifelhast von allen Parteien geübt würde, tönile man durch Erziehung des Volkes entgegen- treten; die Schulen müssen vervierfacht und die Zahl der Lehrer auf das sechsfache erböht werden— ein neues Gesetz braucht man dazu nicht. Zu fürchten, meint Herr von Egidy, habe man eigentlich nichts, selbst wenn die Vorlage Gesetz würde, denn „wer für das Volk das Beste wolle, und dicserhalb angeklagt würde, brauchte sich nur ans diese Urkunde(die Nieberding'sche Rede) zu berilsen uud kein Richter würde ihn verurtheilcn".(Un- ruhe. Lachen.) Allerdings könnten sich die Richter auch„später" vielleicht vor dem Winde beugen, aber jetzt glaube er noch an die Lauterkeit:c. ec. Der Redner kommt dann auf den„Fall" Liebknecht zu sprechen, nachdem er sich dagegen erklärt, daß die verschiedenen Begriffe: Monarchie, Eigenthum, Religion, Ehe und Familie durch Gesetze geschützt werden. Der Fürst würde es sich hoffentlich ebenfalls nicht gefallen lassen, daß anderes als die Liebe des Volkes ihn bewache.— Wenn der Reichstag auf grund der Ablehnung der Vorlage nach Hause geschickt wird, ist Herrn von Egidy garnicht unlieb, denn so lange nicht seine Ideen dort vertreten werden, kann es natürlich niemals besser werden. Die Abstimmung über eine Resolution gegen die Vorlage ließ er, weil„zwecklos", nicht zu.— In der nächsten Versammlung soll die Massow'sche Broschüre: Reform oder Revolution, und der Antrag Kanitz(Getreidemonopol) be- handelt werden. Zu bemerken ist noch, daß Herr von Egidy, ivie früher, jetzt noch das autokratischc Prinzip in seinen Ver- sammlungen aufrecht erhält. Der Redner des Abends ist gleich- zeitig Einberufer, Leiter— alles in einer Person. Diskussion ist verpönt, dagegen gestattet, Fragen an den Herrn Reserenlen zu stellen. Eine Branchenversammlung der Parqnettbodenkeger vom Deutschen Holzarbeiter-Verbande, welche am 27. Dezember vorige» Jahres bei Schöning, Slallschreibcrstraße, tagte, be- schäftigle sich eingehend mit den Verhältnissen bei Herrn v. W i t t e n d o r s(Vertreter für Roßleben). Von allen Rednern wurde kritisirt, in welcher Weise der Meister des Herrn v. W., Stellmatzek, seine Leute behandelt und ausnützt. Ganz besonders äußerte man sich mißfällig über das Benehmen der Kollegen Karl Kraft und B r e d e in e y e r. die sich dazu hergeben, des Abends bis 7 Uhr bei Licht zu arbeiten, während in der gegenwärtigen stillen Geschäftszeit 60 pCt. aller Kollegen zu feiern gezwungen sind. Weiter wurde den Kollegen auhcim- gegeben, wenn irgend möglich, die Arbeit bei Slellmatzek zu meiden, bis dieser Herr, der doch selbst nur Arbeiter ist, zur Er- kenntniß seiner verwerflichen Handlungsweise gekommen ist. Der Vorschlag des Kollegen London, zu einer kleinen Branchen» Vereinigung zurückzukehren, gelangte nicht zur Annahme. Aorle U»r«>»igung der K>ulfl«»>te. Jeden Mittwoch: Esmüthliche Zusammenkunft Im Ncsiaurant Specht, Martgrafenstr. 83(Nähe Kochstraßei. Arbeiter-Ktenosraphrnverrtn„Eintracht". Unterricht und iiebungs» stunden abends Uhr in den Restaurants Owczaret, Langcstr.ss und Seidler, Natiborstr. ls. Oeiman-timeriean Klud„Uncle S am" 9 o'clockp. m. Frieboes Restaurant, Münzstr. i?: Elcltion. Arbeiter-»ziidiingsschnle. Mittwoch, Abend? 7jj— Ssj Uhr: Lektüre. sx—io!c Uhr: S! o r dich u le, Mülleriir. 173a, Nationalökonomie. Süd- o it s£ di u I c, Waldemarslr. 14: Weschichte(neueste seit ises). Bei allen iinterndiissächern werden neue Thetiheilnehiner, Damen und Herren, jeder Zeit aufgenommen. Lese-«»b SisIintirlilnbS. Mittwoch. JohannJacoby, bei Fritz Lietzke, Cd>wedlcrflrabe 33.—<Ä e sn n d b run n cn, AbcndS 8i( Uhr, bei Haferland, Bcllermannftr. 87.— IS l e i ch h e i t, Abend? 8X Udr bei Stramm, Niltersiraße 123.— Heine, Rixdorf Abend? n% Uhr, Prinz-Handjerniir.«o, parterre.— Einigkeit, Abends 6X Uhr bei Zeige, Triststr. l.— Theater« und Lesellub M o r g- n r o t h. Abend? v Uhr, im fliestaur. Diele, Lothringersnabe 67. Arbeiter- Sängerbund Kerli»» n»d Uinsegciid. Vorsitzender Adolf Neumann, Pasewalkerftr. 3. Alle Aenderungen im Verein stalender sind zu richten an Fried. Kortum, Manteusfelstr. 4S, n. 2 Tr. Mittwoch. Nebung? stunde Abend? s Uhr, Ausnabme von Mitgliedern.— Ltedesfreiheit i, AndrcaSsir. 26, bei Wille.— Norddeutsche Schleife, Schönlcinsir.» bei Kortz.— Unverzagt I, Manteufselsiraße v bei Nowack.— Frepa l, (Eemisdiier Ehor), Roscnthalerslr. e? bei Wernau.— Lorbeerlranz>, Lichtenbergcrstrabe 2t bei Heise.— Htlariras, Hochsir. 32.— Deutsche E t di e I, Gr. Frankfurterstr. 133 bei Gold.— Echo I, Pankow, Wollant- strahe Iis bei Lebmann.— Gesangverein Arion III, Rtrdorf, Herrmann- und Herrsurthiirahen-Ecke, bei Weiß.— Freundestreuo(gemisch. Chorl, Gr. Franlsurterstr. im bei Eotd.— Einigkeit l(Hutmacher,. Neue Frtedrichilr, 44 bei Nöllig.— Allegro, Wrangelstr. itl bei W. Schmidt. — Freiheit I, Bülowstrabe 63 bei Richter.— Steinnelke, Base- walte rstrabe 3 bei A. Neumann.— Süd- O st. Falckensteinftr. 7 bei Trittcl- wiy.— L r e d e? l u st, Fürstenwaldo an der Spree, Schlopkelleret.— Freier Männerdzor N o r d- W e st(früher Klempner) Moabit, Emdencr- uud S!en:en?slraben-Ccke 14.— Kupferschmiede. Weinstraße II bei Feind.— Rothe Nelke I, Schöneberg, Golzftr. 43 bei Klauke.— A p p o l o n l«, Rosenthalerstr. 37 bei Wernau.— Freihettsgruß, Ercmmenerstr. I bei Mathtcs.— S ch n eeglöti ch en 1, Rirdorf, Hermann- und Karlsgarten- slrabcn-Ecke bei Hilpert.— Schneeglöckchen 2, Potsdam. Brandenburger Kommunikation 16 bei Glaser.— Maiengrub 3, Friedrichshagen, Rund- Ihetl. bei Lerche.— Unverdrossen, Ltndowerstr. 26 bei Sachs.— Feld- b l u m e, Lübvencrsir. 30 bei Meyer.— Matglöckd, en 2, Reich enverzer- slraße 16 bei Hossmann.— Fe Isen du rg, Krautstr. 6 bei Rudolph.— Rütlt, Friedenau im Kurhaus, Ring- und Rheinstraßen-Ecke.— Borwärt?" 7, Ruinmelsbura. Görhe- und Kantstraße- Ecke bei Greinert— H o s s- n un g 3, Brandenburg a. H.,„Konkordia", Wilhelmsdorferstrake.— Fr ei hsit sklän ge 1, Slallschreibersir. 2S,„Zum eichenen Stabe" bei Sdzönivtz-— Arbeitergelangocrcin von Britz in Britz, Bürgerstr. t bei Dorn.— Seeger'scher M Sn n er ch o r, Landsberger Allee 13« bet ELbcl.— Kottb uier Harmonie, Forsierstr. 22 bei Tiigner.— Glüh- l i ch t(gem. Chor) Perlebergerfnabe 28 bei HermersäMidt.— Maiengruß J, Eharloitenburg, Pestalozzistr. 83 bei 91. Sasse.— Dämmerlicht, Zorndorser- ftraße>7 bei Hossmann.— Edelweiß 2, Potsdam. Brandenburger- Kom- inunilation 16 bei Glaser.— Hetmathkiange, Köpenick, Rosenstr. tot bei Troppens.— Männer-Gesangverein Geduld, Eesundbrunuen, Butt» mannsiiaße i? bei MoheS.— Ges angverein Freiheitsklänge II, Chortnerbr. so bei Hobcck.— Männer-Gesangverein Palme, Bellen in der Mark, bei Zemltn.— Männer- Eeiangverein Georgtnta, Wiener- üraße 18 bei Liebsch.— M y r t h e. Alle Jakobstr. 68 bei Diesenbach.— Weiße Rose. Reinickendorf, Residcnzslr. 101 bei Malchin.— Männer- Gesangveretii L i e d e r l u st, Adniiralstraßc 38 bei Tutzauer.— Sanges- blüthen, Etraiaucr Platz 10— n bei Poppe. Kund der gesrliigen Arbritrrvrrriii» Kerli»« und zlmgegcnd.(Zu- schrillen sind zu richten an P. Gent, Ädalbertsiraße«S. Mittwoch: H umoristts cher R a u dl I l u b, Görlttzeriiraße 42 bei Picht.— Ge- i elligrr Verein Brüderlichkeit Scoraeukirchüraße Nr. 6S be> Spät.— Verein 91 h c t o r i k, Nannnniir. 8« bei Zubeit Abends 8Ji Uhr.— Geselliger Verein H o sf n un g, Lebusernraße Nr. 6 bei Nemitz(alle vierzehn Tage).— Thealervcrein Proletariat, Naunynltr. 83 bei Söhn.— Sd.asskopfklub Spar-Agne», Kraulstr. 8« bei Jnsinger.— Geselliger Verein Alpenrose. Britzersiiaß- 22 bei Gras.— Privalthealer-Gelellschast 91 0 in e l i a, Pücllerstr. 2 bei Müller. lAußerdem alle 14 Tage Touu- tags.)— VergnügungSverctn A in 0 r 2, Prinzen-Allce 10 bei Bergemann. — Geselliger Verein Freundschaft, Zimmeistr. SS bei Engel. Erlang-, Nur»- und grl-Uige pcrrinr. Mittwoch. Arbeiter- Gesang- Verein Hoffnung, Friedrichsberg. Uebungsfinnde AbendS 0 Uhr,»lcstauianl O. Sdiultzs, Friedrich Karlüraße ii4.— Prival- Thenlergesellschasi Heimath tu st, 0 Uhr Sitzung im BercinSIokal bei Lange. Prival-Thcaicr-Wcscllschast Philharmonie, Sitzung mit Damen, AbendS v Uhr, Zeugholüraße 8 bei B ehlendarf. Aufnahme neuer Mitglieder.— Thcaleiverem lluitum, jeden Mittwoch Abend«» Uhr bei Ruppin, Blumcnstraße Nr. 42: Sitzung mit Tomen.— Berliner Turn- ge nossen s cka st. Tie 3. Männer- Abtheilung turnt jeden Miliwoch und Sonnabend Abend von Xs— X>1 Uhr, Chorinerstr. 74.— Touristenvereiii Freiheit Miltivoch. Abends 8X Uhr, Versammlung bei Wnltke, Blumensir. 34. — Geselliger Verein Unter uns, Sitzung 8 Uhr bei Fischer. Veusseisir.«6.— Musikdileltanten-Berein Preciosa Abends 8X Uhr bei GeiSler, Fenn- und Tegelerüraßen-Ecke, Uebungsstunde, Ausnahm m.— Schwimmverein Nord. Jeden Mittwoch Abend 7 Uhr Rdmiraigartenbad, Fitedrichstrabe, Uebungsstunde.— Geselliger Verein A n n a- M a r i e, AbendS a Uhr, im Restaurant Roll, Adalbertstrabe 21, Sitzung.— Skalkiuv Tie L u sl t g e Z w ö l s, im 91estaurant llluhl-Andree, Chorinerstr. 33. Randittub Grüne Quaste, Mittwoch AbendS S Uhr, bei Gorn, Kleine MarkuSsir. lo.— Nauchllub Granate, Forsterstr. 40 bei Tugunike. — Nauchtlub Arkona, AbendS Rt Uhr bei Herrn Brand, bleichen- bcrgcrstr. 122.— Orientalischer Ra n d>llii b, Abends o Uhr, Reicheu- bcrgersiraße 24 bei Tauschte.— blauchklub Frisch gewagt, AbendS 3 bei F. Rockeudors, Posencrstrnbe«.— blauchllub 9! o 0 ch( 0 di Abmiilllstr. 33 im Restaurant AbendS X» Uhr.— Rauchklub M e s s g l lina, jeden Mittwoch bei H. Wutlle, Eraudenzerstr. S.— Slat-Klub Treff- Fraiilsuuier-AUco 90 bei O. Zadel.— Nauchllub Ohne Zwang. Weiu- straße 28 bei Späth.— biaudiklub Die Dampfenden, Lange ste. 24>> i Zeiglsch.— Nauchllub V t r g t n i a. Irden Mittwod) Abend«Uhr bei Schnieder, Abmiralsirabe 21.— Randikliib Hum ortsi tsch e Pfeilen- brüder, Mittwod, Abends«Uhr bei S-rUivrdel, Klostcrstr. 83.— Z!a„g>eii,b Sumatra Süd- Ost: Abends«X Uhr bei Müller, Liegnitzerstr. 18, Mir den Inhalt der Inserate über nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortnng Theater. Mittwoch, den 9. Januar Dpernhan». Margarethe. Kchanspielhau». Halali. Die stille Wache. Drntsches Theater. Die Weber. Fessing- Theater. Ghisinonda. Kerliner Theater. Der Kompagnon Friedrich- Milhetmftädt. Theater. Orpheus. Vrstde»,- Theater. Der Unter präfekt. Vorher: Villa Vielliebchen Kchiller-THeater. Prinz Friedrich von Homburg. Zlenes Theater. Andrea. Theater zlnter den Linden. Der Vogelhändler. KelleaUianrr-Theater. König Krause. Ventral-Theater. O! diese Berliner Adolph Ernst-Theater. Ein fideles Korps. Aleranderptah- Theater. Privat- logis. Hierauf: Die Direktrice. Alailoiiat- Theater. Uudine, die Fürstin der Wellen. Keichohallentheater. Spezialitäten- Vorstellung. Amerira»- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Apollo- Theater. Spezialitäten� Vorstellung. Kaukmanu's Paristö. Spezialitäten Vorstellung. Zeliilier-IIiester. siütslinsn-l'tiestvn.) Valluor-rdvatorstrasso. ZNittmoch, den 9. Januar. Abends 8 Uhr: Prinz Friedrich von Homburg. Donnerstag, den 19. Januar, Abends 8 Uhr: Prinz Friedrich von Homburg. Freitag, den 11. Januar, Abends 8 Uhr: Prinz Friedrich von Homburg. Konnabeud, den 12. Januar, Abends 3. Uhr. Zum I. Male: Hagars Sohn. Schauspiel in 4 Akten von I. I. David. Sonntag, den 13. Januar, Mittags 12 Uhr: Matinee zum Besten des Kaiser n. Kaiserin Friedrich Kranken- Hauses. Abends 8 Uhr: Krieg im Frieden Dichter- Abende im Bürgersaale des Rathhauses, Abends TVr Uhr: Heine-Abend.(Zum 1. Male.) Adolph Emst-Theater Auftreten der flrotesktitnzerin Miss Rose Batchelor tom Frince of Wales-Theater in London. Zum 13. Male: Ein fideles Corps. Große Gesangsposse mit Tanz. Nach dem englischen„A Gaiety Girl" von Jonas Sidney, frei bearbeitet von Eduard Jacobson und Jean Kren. Anfang 7-/2 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. SOT Infolge des grohen Andrang« bleibt die Kaste von Kor- mittags 10 Uhr ununterbrochen geöffnet. Centrai-Theater Alte Iakobstraße Ur. 30. Emil Thomas a. 0. Anna Bäckers. Josefine Bora Zum 1S8. Male: O. Ulf ff ifrllttfr! Große Posse mit Gesang und Tanz in 3 Bildern von Julius Freund. Musik von Julius Einödshofer. Ansang l/sS Uhr. Morgen: 0, diese Berliner! Castan's Panoptikum. M Nch nie ixtpejeit!� Die Rieten de» dunkeln Erdlheiis: Die Dinka, 40 Männer, grauen«. Kinder. Das scheckige Rädchen Uarietia. Kaufmann's Variete. � MC Km>tt«l-Progr«min. Kolossaler Lach-Erfolg. � Der Mord an» Liebe. l\t LitMnlen-AMtt. Urkomische Burlesque. zur Jagd! Imitation von Ono Crasso. 16 Glanz-Nummern Naucke kommt I National-Theater. Große Frauksurterstraße 132. llniiinc, die Minder Wellen. Großes Ausstattungsstück mit Gesang in 4 Akten und einem Vorspiel von Wollheim. Neu bearbeitet von Dr. Ed. Jacobsohn. Musik von G. Michaelis. Regie: Max Samst. Raffeilöffnung 6V2 Uhr. Ans. T'/e Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntag: So stnd ste Allel Posse mit Gesang in 3 Akten von W. Mann- städt und A. Weller. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Uolks- Uorstellnng._ Unter den Linden 21. am. Jeden Sonntag Nachmittag e ««»�Ali-ÄÄ: Bey's Zauber und Wunder. Täglich Anfang i28 Uhr. Passage-Panopticuni. Neu S Heul I. Prof. Prdr. Schwinge's Wandernde Lichtbilder. ir. Das Lied von der Glocke in 15 lebenden Bildern mit transparentea Hintergrnnd. Musik von Romberg Oer Meister: Rob. Biber ti vom Kgl. Opernhans in Berlin. Urania Anstalt für volksthümliche Naturknude. Am Landes Ausstcllungspark (Lehrter Bahnhof). Geöffnet von 5— 10 Uhr. Täglich Vorstellung im wissenschaftlichen Theater. Näheres die Anschlagzettel. Circus Renz Carlstrasse. Mittwoch, den 9. Januar, abends 7l/s Uhr: ZllbilaWls-Gllls-BorßMg. JM' Zum 7i>, Male:'VS Tjo Ni En. (Beim Jahrenwechsel in Peking.) W Neue Musikeinlagen."WkZ Pen rna(gr. Pouuyspringeu). Neue überraschende Lichteffekte."ÄZ Außerdem: Erstes Austreten des ?errn Gustav Büttemann(als Gast). rotesseur de Haute Ecole. k. u. k. Oberbereiter a. D., Besitzer des gold Verdieiistkreuzes mit der Krone, der serb. gold. Verdienst« Medaille mit der ilrone, des olloman. Medjdie-Ordens II. Klasse tc. mit seinem von ihm selbst dressirtem Schulpferde„Gincinatus", engl. Vollblut- Fuchsivallach aus dem Gestüt des Fürsten Eslerhazy. Erstes Auftreten der Herren Vasilesku und Banola in ihren unübertrefflichen Leistungen am dreifachen Reck. Biondel, ostpreuß. Hengst. Hieraus: Monstre- Tableau von CO der edelsten Freilzeitspierde, dressirl und vorgeführt vom Direktor Pr. Renz. Grande quadrille de la baute Equitation, geritten von 6 Damen und 6 Herren. angeführt vom Direktor kr. Renz. Doppel-Jonglerie zu Pferde von Miss Agnes und Mr. Alfred. Die excen- irischen Clows Gebr. Viiland:c Morgen, Donnerstag, abds. 7�2 Uhr: Außerordentliche Vorstellung. Zweites Auftreten des Herrn Gustav Rütte- mann(als Gast) mit seinem von ihm selbst dressirien Schnlpserde Gincinatus. Zweites Auftreten der Herren Vasilesku und Banola am dreisachen Reck. Tjo Ni En. Sonntag, den 13. Januar: 2 Vor- stellungen. Nachm. 4 Uhr und abends 7V2 Uhr. Fr. Renz, Kommissiousrath. Uur«och Itnrzc Zeit! Circus Ci. Schumann. Friedrich Karl- Ufer. Texas Jack's American Prairie Life-Show. Täglich, abends 71/» Uhr: Grosse Vorstellung. «r. Ringfchiff-Uähmaschine bill. zu verk. Kock, Grüner Weg 37. Altos Schützenhaus. Linieustr. 5. Gasgliihlicht. Ueu delrorirt. Empfiehlt seine Säle zu allen Fest- lichkeiten und Versammlungen. Sonnabend, der 23. Februar, ist noch zu vergeben. 1997b Unserem langjährigen Fiuanz>niuister G. Fabian zu seinem heutigen Wiegen- feste ein dreimal donnerndes Hoch. 2074b AUegro. Nnserm Freund, dem Budicker Frih Görke, zu seinem Wiegenfeste ein drei- fach donnerndes Hoch, daß der ganze Ziethenkeller wackelt. P. L. N. R. Die am 26. Dezember gegen Herrn Uqszewshi ausgcsproch.Beleidigungen nehme ich hiermit zurück. G. Freyer. Die gegen Frau Anna Knffe aus� gesprochene Beleidigung nehme ich hier mit zurück. 2v90b Elise Weiss, Wilmersdorf. Die Beleidigung gegen F. Winter nehme ich hiermit zurück u. erkläre die- selbe für eine Ehrenfrau. E. Schulze. Ich erkläre die Frau Kriiger als eine ehrliche und anständige Frau. 2073 b Kart Wiersdorf. Die gegen Frau Freyer am 26. De- zember ausgesprochenen Beleidigungen nehme ich zurück und erkläre dieselbe für eine ehrenhaste Frau. 2031b C. Ryszcnzki. Stlmuibegabte Mäuuer, die einem Gesangverein beitreten wollen, können sich jeden Mittwoch, abends 9 Uhr, melden im Gesangverein „Schönhauser Harmonie", Eber-- waldcrstraße 16(Mericke). 2088b Zentrlll-Kralikeil-il.ZttrbMe der Maler u. s. ii). Filiale III(Süd). Mittwoch, den 9. ds., abends 8 Uhr, bei Wienecke, Alte Jakobstr. 83: RitzlieStt-Versemmlitq. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Statistischer Be- richt. 3. Wahl der örll. Verwaltung. 4. Verschiedenes. 2082b Ber Bevollmächtigte. Münzstrasse III Hl» Friedriclistr.S Bei Erkält., Husten-c. mache man V e. Versuch mit Sturm's Pectoral- I Bonbon, per Packet 20 Pf. für BrauUente: Im Möbelspeichrr Neue Königsir. 59, vorn T., sollen über 100 Wirthschaftseinrichtnngen, kurze Zeit verliehen gewesene u. neue Möbel sportbillig verkauft werden. Ganze Einrichtungen 100, 150, 200— 1000 M. Theilzahlung gestattet. Beamten ohne Anzahlung. Kleidcrspinden 15, Küchen- spinden, Kommoden 12, Sopbas 15 M., Bettstellen mit Sprungfeder-Matratzen 13, Nubbanni-Kleiderspinden 30, Stühle 3 Mark, hochfeine Muschelkeiderspinde» 40, Plüschgarnituren 60 Mark, Herren- schreibtische, Dainenschreibtische 30. 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Tages-Ordnung: 1. Angelegenheit der Droschkenkutscher kontra Gewertschaftskommission. 2. Lohnbewegung der Weißgerber und Musikinstrumeutcn-Arbeiler. 3. Der Bierboykott. 4.'Gewerkschaftliches. In anbetrackr der wichtigen Tagesordnung werden die Delegirten er- sucht, recht pünktlich zu erscheinen. Auch werden die Delegirten auf den heu- tigen Aufruf von der Gewerkschaitskommission aufmerksam gemacht. vor geschäftsführende Ausscunss der Berliner Gewerkschaitskommission. Ettnstl. Zähne 2 M. Vollst, schmerz!. Zahnziehen IM. Plomben 1,50 M. Reparat. sofort. Theilzahlung. Zahnarzt Wolf, Leipzigerstr. 22. Spr. 8-7Uhr.[1475b Ueberau zu haben} Haid und Halb fi— fflgmpemJfi Pomeranzen Feinste /I Likömiischung ipagaer ftasche|p �arkt,25 Carl Mampe BerllaYeteraaenstr.�. fiiiinfl Jähno schmerzlos eingesetzt, festsitzend. Reparaturen sofort. Weniger slllüsll» �)Itljllp Bemittelte Ermäßigung. Kroslawsl«, Spittelmarkt 13. u. Beer- digungs- _ komtoir, Schuhmacher, Swinemünderstr. 140. 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Off.sub„Sozialist* an die Exped. d.„Vorwärts". 2077b _ Stepperinnen u. Handnäherinnen auf Stosshosen anßer'm Hause verl. Mehner- straße 17. 2 Tr. r. 20368 Klrmpnergrhilfe, welcher a. bessere Peiroleumbrenner gearb. h., nach ausw. b. dauernde Beschäft. gcs. Zii melden bei Hcin-c, Dresdencrstr. 13, 2 Tr.. 12-2, 7-9 abends. 207Cb Verantwortliche: Redakteur; I. Ticrl(Emil Roland) in Berlin. Druck uno Verlag von Max Sabina in Berlin. SV. Beuthstraße 2.