Nr. 342 39.Jahrgang Ausgabe A nr. 167 Bezugspreis: Bierteljährlich 180.-., monatlich 60.-. rei ins Haus, voraus zahlbar. Unter Rreuzband für Deutsch. land, Danzig, Gaar- und Memei. gebiet, fowie Desterreich u Lugemburg 108, 9., für das übrige Ausland 142,- M. Voftbestellungen nehmen an Belgien, Dänemart, England, Efthland, Finnland, Frankreich. Holland Lettland, Luxemburg. Defterreich, Schweden, Schweiz, Tschecho- Slowakei und Ungarn. Der Vorwärts" mit ber Sonntags beilage Bolt und geit", der Unter haltungsbeilage Seimwelt" und ber Beilage Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonn tags und Montags einmal Telegramm- Adreffe: Sozialdemokrat Berlin" Morgen- Ausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 3 Mark Anzeigenpreis: Die einfpaltige Ronpareillezeile foftet 25,- M. Retlamezeile 125.-. Aleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 7, M.( zuläffig zwei fettgebrudte Borte), jedes weitere Wort 6. M. Stellengesuche und Schlafftellenanzeigen das erste Wort 4,-., jebes weitere Wort 3.- M. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familien- Anzeigen für Abon nenten Seile 10,- M. Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden ftraße 8, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachmittags. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 und 2506-2507 Sonnabend, den 22. Juli 1922 Faszistenultimatum in Mailand. Die Regierungskrise. Vorwärts- Verlag G.m.b. H., SW68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Berlag, Haupterpedition u. InseratenAbteilung: Dönhoff 2506-2507 Die Finanzaufsicht. Das Schreiben des Garantiefomitees an Mailand, 21. Juli.( EP.) Die Lage im Streifgebiet hat sich haben die Sozialisten heute vormiffag vier Boltsversammlungen, ab- bestätigt alles, was durch die offiziösen Mitteilungen bereits den Reichskanzler liegt nunmehr im vollen Wortlaut vor. Es im Laufe des Tages verschärft. Der Fafciftenführer Mujio- gehalten, jedoch ohne befonderes Interesse des Proletariats. betannt war. Ehe eine Zahlungserleichterung zugestanden lini ist heute morgen in Mailand angekommen. Er begab sich so- Mailand, 21. Juli.( EP.) Der Gewerkschaftsbund hielt am wird, die uns für längere Frist der Barzahlungen enthebt, fort zum Präfekten, der ihn versicherte, daß laut Versprechungen Freitag, nachmittags 4 Uhr, eine Bersammlung ab, in der die Ar- verlangt das Garantiefomitee Kontrollrechte über die deutschen der Streikleiter der Streit in Mailand und der Provinz. noch im beiterfammern von Mailand, Turin und einer Reihe lombardischer Finanzen, die fast an Eingriffe in die Souveränität des deutLaufe des heutigen Tages beendet wird. Da aber diesbezüglich Städte vertreten waren. Es wurde die Wiederaufnahme schen Boltes grenzen. Sie grenzen daran, sind es aber nicht. nichts geschah, ließ Mussolini um 3 Uhr eine Erfraausgabe der Arbeit für Sonnabend früh beschlossen. Das Abendblatt So viel in dem Briefe von Auskunftspflicht, Berichterstattung, des.Popolo d'Italia" erscheinen, in welcher am Kopfe in Fettdrud der Ferratisozialisten„ Giustizia" behauptet, daß Mussolini das Ul- ja felbft Kontrolle der Steuerveranlagung und ausübung fland:" Entweder wird der idiotische Streit heute timatum erst dann erlassen hätte, als er schon sicher gewesen sei, steht, so wenig erhält das Garantiekomitee das Recht, an aufhören oder 30 000 Fascisten befehen morgen daß der Streif bereits beendet worden wäre. Stelle des Reichskabinetts oder vor ihm auch nur über einen Mailand. Die Egtraausgabe enthält einen Befehl an die fafciffiPfennig deutscher Steuern oder über eine Gefeßesmaßnahme jchen Maschinengewehr- und Artilleriemannzu verfügen, oder auch nur an einer Stelle eigenmächtig in die schaften, sowie das Flugpersonal in der Reserve fich un- Mailand, 21. Juli.( EP.) Die italienische Ministerkrise wird deutsche Finanzverwaltung einzugreifen. Das muß festgehalten verzüglich bei den Führern ihrer Truppe zu melden. Die Mailänder allem Anschein nach länger dauern als man annahm, und ihre Lö- werden. Gegenüber den heftigen Anwürfen der Rechtspresse Fascisten werden aufgefordert. ihre Zivilbeschäftigung während der fung wird sich schwierig gestalten. Orlando scheint die meisten ist festzustellen, daß es der deutschen Regierung gelungen ist, Dauer des Streits einzustellen. Das Kommando der Legion erklärt Aussichten für die Bildung eines neuen Uebergangsfabinetts zu die noch weitergehenden Forderungen des Garantietomitees in einem Aufruf, daß die fascistische Mobilisierung von nun an als haben. Auch de Nava steht im Vordergrunde. Bonomi und in dieser Richtung abzuschwächen, und daß sie nur dieser abmilitärische Mobilisierung zu betrachten sei. Das Ultimatum der Nitti werden als erste Mitarbeiter in Betracht kommen. Auf geschwächten Fassung ihre Zustimmung erteilt hat. Und wie Fascisten hat die größte Ueberraschung und Aufregung verur- jeden Fall wird das neue Rabinett wieber die katholisch- das Garantiefomitee erft verhandeln mußte, um zu dieser facht und wird überall fommentiert. Biele exponierte Personen ver- demotratifche Gruppe im Parlament als Hauptstüße haben Fassung des Schreibens zu kommen, so wird es auch verhandeln laffen Mailand. Troß der dem Präfekten gegebenen Versicherungen müffen. müffen, ehe es aus den ihm vorliegenden Berichten und Informationen Wünsche oder Forderungen gegen die Reichsfinanzen geltend machen kann. Formal ist also die Souveränität bes Reiches nicht angetastet, zum mindesten nicht durch diese Note. Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages fezte die am Mittwoch abgebrochenen Beratungen über die Berhand- halts angeht, so ist daran zu erinnern, daß ja die Geseze Was insbesondere die Gestaltung des Reichshauslungen mit dem Garantiefomitee am Freitag und Voranschläge dem Garantiefomitee nicht eher ausgeliefert fort. Der Brief des Garantiefomitees an den Reichskanzler, der werden follen, als sie dem Reichsrat zugehen, d. h. ehe bereits vorlag, wurde ausführlich besprochen. Helfferich auch die breitere Deffentlichkeit sie erfährt. Aber auch verrichtete, wie gewöhnlich, scharfe, finnlose Angriffe gegen die trauliche Schriftstücke finden oft ihren Weg in die OeffentlichRegierung. Für die Sozialdemokratie sprach Genoffe feit, meist auf dem gleichen Wege wie das Schreiben des GaStampfer, für die Unabhängigen Genoffe Dr. Breit- rantiefomitees, das gestern zuerst von der Kreuzzeitung" fcheid. Der Reichstanzler ergriff im Laufe der Debatte eben veröffentlicht wurde. Man nennt das mit Recht eine Infalls das Wort zu einer Erflärung. Gegen Moskauer Bluturteile. Aus Brüffel erhalten wir nachstehendes Telegramm: Die in öffentlicher Bersammlung tagenden Brüffeler Arbeiter beschließen nach Anhörung der Referate ber Genossen Liebknecht, Rojenfeld und andervelde, fich dem Protest des inter nationalen Broletariats gegen die offenfundige Borbereitung eines Mordes an den Sozialrevolutionären durch die Sowjetregierung anzuschließen. Die Bersammlung erklärt, daß die Hinrichtung der Angeklagten ein unüberbrüdbares hindernis gegen die Bildung einer proletarischen Einheitsfront schaffen würde. Belgische Arbeiterpartei Der Generalsekretär Van Roosebroed. Kurt Rosenfeld und Theodor Liebknecht haben am gestrigen Abend auch in Paris in einer von der franzöfifchen Sozialdemokratie einberufenen Versammlung gesprochen. Gerhart Hauptmann an die Moskauer. Sitzung des Auswärtigen Ausschusses. Da das Memorandum des Garantiefomitees bereits die Bustimmung des Reichskabinetts gefunden hatte, und es sich insofern, soweit die Regierung in Frage fam, lediglich um eine Information des Ausschusses handelte, wurden Beschlüsse nicht gefaßt. diskretion. Diese Indiskretionen, früher im parlamentarischen Leben eine Ausnahme, find aber neuerdings zur Regel geworden, und es zeichnen sich gerade diejenigen Par teien mit ihnen aus, die im Gegenfaz zur Regierung stehen. Schwerer wiegen die Eingriffe in die Finanzverwaltung, in die Ausübung der Steuerveranlagung. Aber auch hier erhält das Komitee nur das Recht auf Informationen, Steuergeheimnisses gegenüber den Beamten des Garantiefomitees gilt. Gerhart Hauptmann hat burch Bermittlung der Berliner Der englische Lordkanzler über Deutschland. und auch dieses ist beschränkt insofern, als die Wahrung des Gon jetmiffion folgendes Telegramm an die Moskauer Regierung gesandt: Condon, 21. Juli.( Dena.) Der englische Cordtanzler Birkenhead hielt im Auftralisch- Neuseeländischen Klub eine bedeuffame politische Rede, in der er namentlich über die schwierige Cage Deutschlands und feiner Regierung Sprach. Lord Birkenhead führte darin aus: Gorfi, Anatole France, Professoren der Sarbonna, Die Reichsregierung hat diesen sorgfältig formulierten Bells und andere haben ihre Stimme erhoben, um vor einem Forderungen zugestimmt in der Erwartung, daß auf diese Blutvergießen zu warnen, bas in Moskau broht. Ich werde gebeten, Weife der Weg zu einem Moratorium geebnet wird. Der auch meine Stimme zu den ihrigen zu gesellen, damit den unglüd Verschärfung der Finanzaufsicht um diese handelt lichen Opfern in lezter Stunde noch Rettung gebracht werde. Ich maße mir nicht an, da ich auf diesem Gebiete teine befon- es sich und nicht um eine Kontrolle mit unbeschränktem EinGewiß, die Krämpfe, die Rußland im Augenblick zu erleiden hat, deren Kenntnisse beanspruchen kann, über die gegenwärtige Cage in spruchsrecht steht gegenüber die Zusage des Garantiemüssen furchtbar fein. Aber es sind Hauche von Genesung zu uns Deutschland autoritativ zu sprechen. Aber deffen bin ich ganz sicher, fomitees, dem ungeheuren Ernst der Lage Rechnung zu tragen, gedrungen, und trok grauenvollster Hungersnot glaubten wir an daß man in Europa die Zivilisation niemals wiederherstellen die durch den Balutasturz geschaffen wurde. Jezt sind die den Eintritt der Refonvaleszenz. Europa wurde aufgerufen zur und die Wohlfahrt unseres Landes nie wieder ganz zum Auf- Entscheidungen der Reparationstommission abzuwarten. Wie Hilfe, wenn auch lange nicht zureichend. Jedenfalls haben Millionen blühen bringen fann, wenn es Deutschland nicht auf diefe oder jene fie auch ausfallen mögen, soviel steht jedenfalls fest, daß die hilfsbereiter Herzen für das leidende Rußland geschlagen. Mögen Weife ermöglicht wird, wieder seinen Beitrag an die Bölker und den Reichsregierung in eine Aufrechterhaltung der alten Zahlungsdiejenigen in Moskau, in deren Macht es steht, nicht durch Ge- Handel Europas beizuffenern, der in den kräffen dieses sehr be- bedingungen oder gar in ihre Verschärfung nicht einwilligen walttaten, die dem Besten unverständlich sind, diese Bewegung achtenswerten, gebildeten und falsch dargestell- fann und wird. Darum ist es abwegig und eine bewußte Nagwehen sollten nun endlich überwunden fein. Ein fieghafter fonft noch befigen mögen, niemals ift es bestritten worden, daß fie Leichtfertigkeit". Was erreicht werden soll und muß, ist die erfälten und vernichten. Der Blutwahnsinn des Krieges und seine ten Bottes liegt. Welch andere Eigenschaften die Deutschen auch Entstellung der Tatsachen, wenn die reaktionäre Presse es so hinzustellen fucht, als erfolgte dieser Schritt in grenzenlofer Friede muß der Achtung vor dem geheiligten Leben des die Eigenschaften geschäftlicher Organisation, industriellen Erleichterung der Zahlungen und, wenn irgend möglich, eine Mitmenschen, muß dem Gebote: du sollst nicht töten" wieder Fleißes und der Disziplin besessen haben. die alte Geltung verschaffen. 3ch fpreche es ganz offen als meine Meinung aus, daß Deutsch- vorerst eine Atempause läßt und seine fünftige Zahlungspflicht endgültige Regelung der Reparationsfrage, die Deutschland land nicht imftande sein wird. diefen feinen Anteil, der für Groß- feiner Leistungsfähigkeit anpaßt. Sollte es wider alles Erbritannien ebenso unentbehrlich ist wie für es selbst, zu leiffen, fo- warten und auch aller Vernunft nicht wenigstens zu einem lange es fich in feiner gegenwärtigen finanziellen Lage befindet. Ich Zahlungsaufschub tommen, so würde dadurch eine gänzlich bin niemals der Unficht jener belgetreten, die da kühn behaupteten, daß die Entwerfung der Reichsmart das Resultat wohlberechneter neue Situation geschaffen. deutscher Schlaubeit fei. Sie mag- und daran habe ich feinen 3weifel das Ergebnis einer ungefunden Finanzpolifif gewejen fein, aber ich gehöre auch zu jenen, die niemals die außer ordentlichen Schwierigkeiten verkannt haben, unter denen Deutschland seit dem Waffenstillstande in den bitteren Jahren der Niederlage und der Enttäuschung verfucht hat, seine AngelegenIch lasse diese Friedenstaube zu den Richtern Mostaus und den gemarterten Opfern fliegen. Möge sie mit einem Delzweige, von dem fein Blut tropft, zurüdfehren. Gerhart Hauptmann. Meuterei in der Kronstädter Offiziersschule? Petersburg, 21. Juli.( DE.) In der Kronstädter Offiziers schule fend vor einigen Tagen eine Meuterei von sechs unddreißig Offiziersschülern statt, die den Besuch der Klaffenübungen verweigerten und ihre Abkommentierung in die Regimenter forber ten. Das sofort einberufene Revolutions- Kriegstribunal von Kronstadt verurteilte fünf der Angeklagten wegen Bruchs des Roten Fahreneides zur erschießung, die übrigen zu Freiheits- heiten wieder in Ordnung zu bringen. ftrafen. Echte und November- Bolschewiki. Condon, 21. Juli.( I.) nach einer offiziellen Sta. tiftit, die jetzt von der Sowjetregierung veröffentlicht worden ist, beträgt die Zahl der eingetragenen Mitglieder ber Kommunistischen Partei in Rußland 287 000 Berfonen, von denen jedoch noch nicht 10 Proj. bereits vor dem Jahre 1914 zu dieser Bartei gehörten. Wechiel im Kölner Polizeipräsidium. Der bisherige Kölner Bolizeipräsident Geneffe Runge ist von seinem Bosten abherufen morden; er wird in der gleichen Eigenschaft nach alle oder Erfurt gehen. 3um tommiffarischen Polizeipräsidenten in Köln ift der Reichstagsabgeordnete Genosse 3orrgiebel bestellt worden. flucht betrifft, jo tann es nur einen Streit darüber geben, ob Was die geforderten Maßnahmen gegen die Rapitalfie in der von der Entente gewollten Form zweckmäßig sind, nicht darüber, ob die Kapitalflucht selbst zu bekämpfen ist. Die geforderten Vorschriften sind zu einem Teil bereits in Kraft und bedürfen nach den Forderungen des Garantiekomitees nur noch einiger Ergänzungen, über deren praktischen Wert man sehr im Zweifel sein tann. Offenbar hat das Garantiefomitee Ich glaube daher, wir würden einen schweren Fehler be- das Bedürfnis, erst durch die Braris bestätigt zu sehen, daß die gehen, wenn wir nicht die außergewöhnlichen Schwierigteiten in Kapitalflucht nur international bekämpft werden kann. Betracht ziehen, die die Aufgaben der deutschen Regierung in den Diefe ihre internationale Bekämpfung ist auch von der Sozial letzten Jahren auf Schritt und Triff erschwert haben. Ich meinesteils demokratie widerholt verlangt worden. Solange aber franhoffe fehr, es werde denen, die im vergangenen Kampfe Verbündete zösische Banken im Rheingebiet und willige Strohmänner im waren und auf die in diesem Augenblid die Hauptverantwortlichkeit Ausland der Hehlerei Borschub leisten, solange trotz aller für die Schritte entfällt, die in nächster Zukunft zu geschehen haben, Außenhandelsvorschriften die Grenzlöcher, durch die das Ramöglich sein, zu einer Lösung zu gelangen, die, wie es recht und pital entfliehen kann, bestehen bleiben und nicht zuletzt durch billig sei, Deutschland in den Stand fehe, eine große Strafzahlung zu Ententemaßnahmen, solange wird auch wirksam nicht durch leisten, ohne es in eine Lage zu bringen, die schließlich jede Zahlung gegriffen werden, selbst wenn noch einige Dutzend fremdsprachiüberhaupt ausschließt." ger Beamter ihre Zeit mit Paragraphentüftelei vertreiben. Neues Verbof. Der Oberpräsident für Ostpreußen hat das Lögener Tageblatt" wegen eines Urteil eines amerikanischen Republikaners" betitelten Artikels auf drei Wochen verboten. Die statistischen Angaben, die gefordert werden, sind bis auf einige Ausnahmen in der verlangten Finanzstatistik bereits jezt öffentlich zugänglich, ihr Ausbau ist sogar im allgemeinen Interesse erwünscht. Das gilt jedoch nicht für die periodischen Uebersichten, die das Finanzministerium zu erstatten hat. Hier werden Auskünfte verlangt, deren Zweck nicht ersichtlich ist. Alles in allem: Es ist eine harte Aufgabe für den fäumigen Schuldner, dem Gläubiger so weitgehenden Einblick in seine Lage zu gewähren, vor allem wenn man sich bewußt ist, daß das Gegenteil von dem Gewollten erreicht wird. Wollte das Garantiekomitee mit praktischen Vorschlägen helfen, die Steuern einzutreiben, so ließe sich darüber reden. Gibt es doch genug zahlungskräftige Leute in Deutschland, gegen deren Patriotismus die Hilfe eines unparteiischen Gerichtsvollziehers sehr gut zu gebrauchen wäre. Zu denken ist da vor allem an diejenigen, die ,, diesem Staat feinen Pfennig" geben wollen und aus den Steuerersparnissen reaktionäre Geheimbünde bezahlen können. Mit den Kontrollrechten aber wird die Garantiefommission nichts nach dieser Richtung erreichen. Sie schürt nur den Haß derer, die schon jetzt aus der Versklavung Deutschlands politisches Kapital schlagen, sie wird auch vielerorts passive Resistenz wecken, damit aber die ehrliche Arbeit an der finanziellen Gesundung Deutschlands erschweren. Wenn die Regierung das in Kauf nahm, so deswegen, weil sie mit den Zugeständnissen sich ein Recht auf Erleichterung der Zahlungen, ein Recht auf internationale Hilfe aus dem Balutaelend erwarb. Jezt hat Paris das Wort. Ein Merkmal dieser Verhandlungen verdient noch festge= halten zu werden: In den Forderungen verlangt das Garantiefomi= tee außerordentlich weitgehende Maßnahmen, um in die deutschen Finanzen denjenigen Einblick zu gewinnen, der ein Urteil über die Zahlungskraft Deutschlands zuläßt. Berlangt das nach dem Studium dicker Akten und langer Rücksprachen. Es ist aber, obwohl es aus Fachleuten besteht, noch nicht genügend unterrichtet. 3ur gleichen Zeit verlangt in Paris, von Sachkenntnis ungetrübt, Poincaré, Deutschland müsse schuldig erklärt merden, seine Zahlungsunfähigkeit selbst fahrlässig herbeigeführt zu haben! Das ist bezeichnend für die Art, wie das Bolk des freien Geistes gegenüber dem unterdrückten Gegner Politik macht eine Politik, die sich selbst richtet! Die Finanzkontrolle. Aus dem Wortlaut des Memorandums geben wir den michtigsten Teil, der von der Finanztontrolle handelt, nachstehend im Auszug wieder: I. Einnahmen und Ausgaben. 1. Beim Reichsfinanzministerium werden zwei Vertreter der ständigen Delegation des Garantiefomitees besonders attreditiert werden, von denen der eine sich insbesondere mit den Ennahmen, der andere mit den Ausgaben des Reiches befassen wird. II. Jeder von ihnen wird besonders mit dem zuständigen Staatssekretär im Reichsfinanzministerium in Verbindung stehen. Die Staatssekretäre werden diese Delegierten und ihre Vertreter mit den Abteilungsleifern in Verbindung setzen, deren Tätigkeit ihnen bei der Erfüllung ihrer Aufgaben von Nugen sein fann. III. Die deutsche Regierung wird durch Vermittlung dieser DeTegierten unaufgefordert dem Garantiefomitee nachstehende Schriftstücke zur Kenntnisnahme übermitteln: a) Den Entwurf des Reichshaushaltsplans für das nächste Haushaltsjahr. Dieser Entwurf wird zur gleichen Zeit wie dem Reichsrat mitgeteilt werden. b) Alle Gefeßentwürfe fistalischer Art. Diese Entwürfe werden zur gleichen Zeit wie dem Reichsrat mitgeteilt werden. c) Jeder Antrag auf einen Nachtragskredit zu den im Haushalt vorgesehenen Krediten, den die Reichsregierung im laufenden Haushaltsjahr im Reichstag einzubringen beabfichtigt. Diese Vorlagen werden zur gleichen Zeit wie dem Reichsrat mitgeteilt werden. Ein darwinistischer Prälat. Zu Gregor Mendels Gedenktag, am 22. Juli. Vererbung und Anpassung sind die beiden starken Pfeiler, auf denen der Entwicklungsgedanke, die darwinistische Weltanschauung beruht. Als der erste Sturm verrauscht war, ging die Wissenschaft daran, das Ganze neu zu überprüfen, zu kritisieren und neu zu begründen, wobei natürlich auch Ueberlebtes ausgeschaltet werden fonnte. Da stellte der Holländer de Vries seine ebenfalls start angefochtene Mutationslehre auf, Tschermat in Wien beschäftigte sich mit dem Studium der Vererbung an allerlei Pflanzenbastarden und Correns( Münster, heute Berlin) gelang es, eine sehr schöne Theorie der Vererbungslehre aufzustellen, die sich für die Folge äußerst fruchtbar erwies. Das Lehrbuch der Vererbungswissenschaft von Richard Goldschmidt, das die Literatur dieses Gebietes bis zum Ausbruch des Weltkrieges zusammenstellt, umfaßt auf 50 Seiten etwa 900 Nummern! Borher hatte man sich mehr um die Anpassung bemüht, den anderen Faktor. d) Jede Entscheidung des Reichsfinanzministers,[ Zu diesem Zwed werden sie von den Richtlinien in Kenntnis durch die einem Ministerium ein über die im laufenden Haus- gesezt werden, die für die Arbeiten der Prüfungsbeamten dieses haltsplan genehmigten Kredite hinausgehender Ergänzungs- Dienstes gegeben sind, und sie werden über das Ergebnis der Tätig kredit bewilligt worden ist. Diese Mitteilung wird in Ge- feit dieser letzteren, soweit diese für ihre Aufgabe von Interesse ist stalt einer monatlichen Uebersicht gemacht werden. Mitteilung erhalten. ( Es folgen Einzelbestimmungen für Etatsüberschreitungen fleineren Umfanges. Red.) e) Abschrift der monatlichen Raffenabschlüsse, die jede Zentralbehörde dem Reichsfinanzministerium einreicht und in denen für jedes Kapitel des Haushaltsplanes angegeben ist: 1. der Betrag der Ausgaben, die für Rechnung dieses Kapitels im vorhergehenden Monat gemacht sind, 2. Der Betrag, der für Rechnung dieses Kapitels seit Be ginn des Rechnungsjahres gemachten Ausgaben. f) In regelmäßigen und bestimmten Zeitabschnitten eine Mittei lung über die vom Ersparniskommissar, der nach einer fürzlich von der deutschen Regierung getroffenen Entscheidung bestellt werden soll, erzielten Ergebnisse. = Wenn die Einrichtung des Ersparniskommissariats vollzogen ist, sollen die genannten regelmäßigen und bestimmten Beitabschnitte im Einvernehmen mit der deutschen Regierung festgesetzt werden. g) zur gleichen Zeit wie den Landesfinanzämtern Abschrift der Verordnungen( règlements), in denen allgemein das Verfahren der Veranlagung und der Erhebung irgend einer Steuer geregelt wird oder in denen eine bestehende Regelung geändert wird. Das Reichsfinanzministerium wird außerdem die Runderlasse an die Landesfinanzämter, die geeignet sind, die Einnahmen und die Verbuchung der Einnahmen zu ändern, zwecks Einsichtnahme im Reichsfinanzministerium zur Verfügung der akkreditierten Beamten des Garantiefomitees halten. h) Die in der anliegenden Liste aufgeführten periodischen leber fichten, über die die Delegierten alle für dienlich erachteten Aufklärungen erbitten fönnen. VIII. Das Barantiefomitee hat davon Kenntnis genommen, daß die deutsche Regierung demnächst einen der Zentralverwaltung an gegliederten beweglichen Nachprüfungsdienst schaffen wird, der dazu bestimmt ist, die dem Reichsfinanzministerium nach geordneten Dienststellen zu inspizieren. Der Inhalt der Berichte der beweglichen Inspektionsbeamten dessen Delegierten mitgeteilt werden. wird, soweit er auf die Aufgabe des Garantiekomitees zug hat, Von Zeit zu können die Delegierten oder ihre Vertreter auf ihr Erfuchen die Inspektionsbeamten dieses Nachprüfungsdienstes zum Zwecke der Vornahme von Stichproben begleiten. Bei diesen Stichproben werden sich die Beamten des Garantie fomitees die Notwendigkeit vor Augen halten, den Gang der er maltung nicht zu stören und das Geheimnis des Vermögens uno der Angelegenheiten der Steuerzahler zu achten. Die Delegierten können eventuell mit Zustimmung des zuständigen Staatssekretärs Dienststellen bezeichnen, bei denen diese Stichproben stattfinden sollen. Im Falle der Nichtzuftimmung seitens des Staatssekretärs werden die Gründe dem Garantiefomitee schriftlich mitgeteilt werden. Der oben genannte Nach prüfungsdienst soll am 1. No= Dember 1922 in Tätigkeit sein. II. Schwebende Schuld. Zur Aufgabe des Garantiefomitees gehört es, Maßnahmen zu treffen, die es ihm ermöglichen, jederzeit den genauen Stand der schwebenden Schuld zu kennen und sich Rechenschaft zu geben über die Zahlungsmittel, die das Reichsfinanzministerium zur Deckung seiner Ausgaben verwendet. Zu diesem Zwecke wird ein er der in der Ziffer I des Ka( Diese Uebersichten sind in Anlage I erläutert. Sie verlangen pitels I diefes Memorandums vorgesehenen Delegierten oder insbesondere Auskunft über den Stand der Beranlagung für öreiner ihrer Vertreter von der deutschen Regierung bei dem Reichsperfchafts, Einkommen- und Umsatzsteuer, wobei über finanzministerium herausgegebenen und in der anliegenden Liste aufdie Einnahmen aus der Lohnsteuer besonders detailliert zu berichten geführten Aufstellungen über die staatlichen Einnahmen und ist, ferner tägliche Mitteilungen über die schwebende Schuld, zehn- Ausgaben übersenden. tägige llebersichten über die Finanzlage des Reiches, Monatsübersichten über die Reichseinnahmen an Steuern, Röllen, Abgaben und aus Reichsbetrieben, ähnliche Vierteljahrs- und Jahresberichte.) IV. Die Delegierten und ihre Vertreter werden in ständiger Fühlung mit den beteiligten Stellen des Reichsfinanzministeriums( vgl. Ziffer II) diejenigen Auskünfte sammeln, die für das Komitee notwendig sind, um in voller Kenntnis der Sachlage zu beurteilen: die Steuerprojefte, die Veranschlagung der Steue rerträge, die Veranschlagung der Ausgaben nach dem Haus= haltsentwurf oder die Ausgaben über die Ansätze des Haushalts hinaus, welche dem Garantiefomitee in der oben angegebenen Weise offiziell übermittelt worden sind. fennenlernen, welche die Zentralverwaltung zu treffen beabsichtigt, V. Die Delegierten müssen außerdem diejenigen Maßnahmen Rechnungswesens sicherzustellen. um das Funtionieren der Steuergeseze und des Aufgabe: VI. Die Delegierten und ihre Vertreter haben insbesondere die a) sich davon zu vergewissern, daß ohne besondere Geneh migung der zuständigen Stelle teine 3ahlung er folgt ist, welche die im laufenden Haushalt vorgesehenen Kredite überschreitet, b) sich von dem jeweiligen Stande der Veranlagung, von der Richtigkeit der Verbuchung der rechnerischen Ergebnisse und von der Art der Aufstellung der Statistiken zu vergewissern, c) die Ursachen von Verzögerungen fennenzulernen, die bei der Veranlagung und Erhebung der Steuern festgestellt averden, Darüber hinaus wird das Reichsfinanzministerium als Ergän= zung der zehntägigen Nachweisung( Nr. 2 der Anlage II) nähere Mitteilungen über die Zusammenfeßung der schwebenden Währung und der Umlaufszeit unter Angabe der Fälligkeiten bis zu Schuld machen, und zwar insbesondere bezüglich des Zinsfußes, der 3, 6, 9 oder 12 Monaten sowie der länger als 1 Jahr laufenden. die Aufklärungen geben, die er hinsichtlich der ihm mitgeteilten AufDas Reichsfinanzministerium wird dem obengenannten Beamten stellungen verlangt, und wird ihn in die Lage versehen, die Richtigfeit der ihm übergebenen Uebersichten zu prüfen. Zum Titel Unterdrückung der Kapitalflucht find ins einzelne gehende Richtlinien ausgearbeitet und in das Memorandum aufgenommen, die eraänzende Bestimmungen über ftimungen gedacht ist. die Bekämpfung der Kapitalflucht enthalten. Ins einzelne gehende Leitfäge fennzeichnen die Art, wie die Durchführung dieser BeStatistiken. Hier werden Statistiken des Außenhandels verlangt, folche für Verkehr und Schiffahrt, dann eine Produktionsstatistit und eine Finanzstatistik. Für die Ausfuhr wird die Uebersicht ge= trennt nach solchen Posten, die in Mark, und solchen, die in fremder Währung abgeschlossen sind, gefordert. Vertrauensvotum für Lerchenfeld. München, 21. Juli.( WTB.) Der Landesausschuß der Bayes rischen Boltspartei tagte am Freitag unter dem Vorsiz des Parteivorsitzenden Speck in München. Die Bersammlung war aus allen Teilen des Landes zahlreich besucht. In Anwesenheit des Ministerpräsidenten Graf Lerchenfeld und der anderen vier d) sich Rechenschaft zu geben über die Tätigkeit, welche von dem der Partei angehörenden Staatsminister wurden eingehende BeVeranlagungsdienst bei Anwendung der gesetzlich vorgesehenen ratungen über die politische Lage gepflogen. Der Landesausschuß Prüfungsmaßnahmen ausgeübt und welche von den Steuer- ist zu dem einhelligen Entschluß gekommen, mit allen gesezhebestellen bei Anwendung der gesetzlichen Verwaltungsmaßlichen und parlamentarischen Mitteln den Standpunkt nahmen entfaltet wird. Bayerns gegen die Reichstagsbeschlüsse in der Frage des Schukes VII. Die Delegierten werden ferner, soweit es sie angeht, über der Republik aufs entschiedenste zu wahren. Dem Midie Arbeiten und Ergebnisse des Buch- und Betriebsprünisterpräsidenten und den übrigen Mitgliedern der Reichs- und Landfungsdienst es unterrichtet werden. tagsfraktion wurde das vollste Bertrauen ausgesprochen. Langschädel oder Kurzschädel, ob Schichthaar oder Wollhaar u. a. m., die alten Unterscheidungsmerkmale erscheinen auf einmal in neuer Beleuchtung. Und was noch mehr wert ist, die Betrachtung wird fruchtbar für die Zukunft des Menschengeschlechtes, wenn wir erst einmal so weit sein werden, daraus für die sich immer dringlicher ankündigende Eugenik die nötigen Schlüsse zu ziehen. Mendel selbst ist 1884 in Brünn gestorben, ohne zu ahnen,| segungen Urtypen wieder herauskommen, sei es in diefer oder jener welch großen Einfluß seine Versuche dereinst auf die Welt ausüben Richtung, mehr oder minder vollkommen. Das sind die sogenannten würden. Heute weiß jeder halbwegs Gebildete etwas vom Mende- Atapismen, Rückschläge. Haarfarbe, Augenfarbe, Schädelform, ob lismus, von mendelnden Eigenschaften, von der Bererbung durch Gameten, von dominierenden und rezessiven Eigenschaften. Es ist eine wunderbare, verblüffend einfache und doch wieder teilweise komplizierte Lehre, die manchmal anmutet wie reine Mathematik. Die bei der Kreuzung von Erbsen, Bohnen und Habichtsfräutern beobachteten Gesezmäßigkeiten besagen: Kreuzt man Pflanzen oder Tiere, die in bezug auf ein Merkmal( z. B. Blütenfarbe) wesentlich voneinander verschieden sind, so zeigen die Nachkommen in der ersten Generation alle nur das Merkmal eines der beiden Erzeuger. Dieses Merkmal ist dann vorherrschend, während das andere nur versteckt verhanden ist, wie die nächste Generation zeigt. In dieser zweiten Generation zeigen dann drei Viertel der Abkömmlinge das vor herrschende, ein Biertel zeigt aber wieder das versteckte Merkmal. Dieses letzte Merkmal bleibt nunmehr in allen folgenden Generationen der betreffenden Abkömmlinge konstant und vererbt sich unverändert stets weiter, während das vorherrschende Merkmal sich schon in der dritten Generation wieder spaltet. So erweckt das, was eigentlich mehr Nebenbeschäftigung eines Amateurs war, die fast vergessene Arbeit eines katholischen Geistlichen die tiefsten Ausblicke. Dr. K. M. Der Mann mit den goldenen Rippen. Breslau beherbergt einen Mann, der im wahrsten Sinne des Wortes einen„ Echah in feinem Bufen" trägt. Die Lebensgeschichte des heute Vierundvierzigjährigen hat mit seinem 29. Lebensjahre die Straße des Alltäglichen verlassen. Im Jahre 1907 war er als Schlossergeselle gelegentlich einer Arbeit auf dem Dache eines drei Stockwerke hohen Etwa im Jahre 1900, als das noch in den Anfängen steckte, Hauses von einem Windstoß in die Tiefe geschleudert worden. Mit machte man eine ganz wunderbare Entdeckung. Nämlich: die Idee schweren und scheinbar tödlichen Verlegungen wurde er nach der war schon einmal gedacht worden, die grundlegenden Versuche waren Sowohl Mendel wie Correns begannen ihre Versuche mit der Klinik gebracht, wo die Aerzte einen Bruch des Schädels und eine schon vierzig Jahre früher gemacht und vor fünfunddreißig Jahren Blütenfarbe an Pflanzen, aber die gefundenen Regeln galten ebenso 3ertrümmerung fast des gesamten Brustkorbes nur eine Rippe veröffentlicht worden, und zwar in einer ungemein flaren, wiffen- für andere Eigenschaften. Man wünscht vielleicht Kaninchen oder war ganz geblieben fonstatierten. Der Fall schien hoffnungsios. schaftlichen, klassischen Darstellung, freilich in einer vergessenen Zeit- Schafe zu züchten, die ein besonders gefärbtes Fell haben, man Dech die ärztliche Kunst befam Unterstügung durch die gesunde schrift eines naturforschenden Vereins in Brünn. Der diese Versuche züchtet Tiere mit Angorawolle, Geflügel mit einem eigens ge- Ronstitution des Verunglückten. Bei sorgfamster Pflege und Beangestellt hatte, war ein katholischer Geistlicher und Lehrer namens wünschten Gefieder, stichelhaarige Hunde. Man sucht ein Schwein, wachung, und ohne die geringste Bewegung ausführen zu dürfen, Gregor Mendel, der in der Stille seines Klostergartens diese ein Rind, das gegen Rotlauf, gegen Klauenfeuche größeren Wider- Dann beschlossen die Aerzte, einen Versuch zu machen, ihn dem geverbrachte der Mann nicht weniger als 4½ Jahre in der Heilanstalt. ganz einzigartigen Experimente mit der Züchtung von Pflanzen an- stand besitzt als unsere gewöhnlichen Tiere. Man braucht Hennen, wöhnlichen Leben und der Arbeit wiederzugeben. Er wurde in die stellte, nebst Betrachtungen, die fast dem Gesichtskreis gerade eines die feinen besonderen Brutinstinkt haben. Man wünscht eine Zwerg- chirurgische Klinik gebracht, wo nunmehr damit begonnen wurde, Geistlichen meilenfern liegen. Die wissenschaftliche Welt begeht heute rasse oder eine Riesenrasse von Hunden, Pferden, Rindern zu züchten. fein Knochengerüft zu ergänzen und zu ersehen. In den Schätei seinen hundertsten Geburtstag, denn er ist am 22. Juli 1822 in einem Der Gärtner will von einer Pflanze eine Sorte züchten, die den wurde eine Metallplatte eingesetzt und der Brrfferb durch goldene Dorfe Heinzendorf in Desterreichisch- Schlesien geboren. spezifischen Duft des Gewächses in verstärktem Maße aufweist, oder Rippen ergänzt, die den edleren Weichteilen die notwendige Stüze Wie es Erfinderschicksale gibt, so gibt es auch Entdeckerschicksale. er will zu Dekorationszwecken geeignete Blattformen, bizarre Blüten, boten. Nach 2½ Jahren war das Wunderwerf vollendet. Der Mendel wurde später Abt und Prälat und kam vor Amtsgeschäften Behaarungen, Stachelfreiheit u. a. m. erzielen. Fortgesetzt werden Mann konnte die Klinik verlassen und seinen Angehörigen übergeben nicht dazu, feinen Untersuchungen, die sich durch geniale Frage Rassen von Getreide auf den Markt gebracht, die gegen Frost, gegen werden. Seit jener Zeit ist er auch wieder beruflich in einer Zistellung und konfequente Berechnung des Möglichen auszeichneten, Rost, gegen Trockenheit widerstandsfähig sind, die besonders früh garettenfabrik tätig, wo er eine Maschine zu bedienen hat. Damit wäre die Lebensgefchichte des Mannes mit den golden fortzuführen. Nur zwei kleine Abhandlungen hat er geschrieben, die oder besonders spät reifen, die hohen Ertrag an Körnern oder auch Rippen" erschöpft, wenn nicht noch eine Angelegenheit mit hineinheute zu den klassischen Schriften der Naturforschung gehören, wie an Stroh oder an beiden bringen. Täglich erscheinen neue Sorten spielte, die einer gewissen Phantastik nicht entbehrt. Für die Wisetwa Werke Linnés oder Darwins. Aber er hat doch versucht, andere von Zierblumen oder Früchten, kommen neue Rassen von Nutztieren, derherstellung des verunglückten Schlossergehilfen wurden seinerzeit Botanifer für seine Sache zu intereffieren. Er schickte seine Schriften von Sporttieren. Früher sprach man einfach von Zuchtwahl, heute von der Berufsgenossenschaft Beträge bereitgestellt, die auch für die u a. an Nägeli in München, der auch über einer Vererbungs- helfen die Mendelschen Regeln, den Zufall ziemlich auszuschalten. damalige Zeit erheblich genannt werden mußten. Den größten Auftheorie brütete. Und hier sehen wir so recht, was Forscherschicksal Das ist nur eine Seite des sogenannten Mendelismus. Eine wand beanspruchte die Beschaffung des für die Rekonstruktion seines ist. Nägelis Aſſiſtent war damals Schwenden er und Schwen- andere ist seine Hilfe zur wissenschaftlichen Erkenntnis, z. B. des Brustkorbes erforderlichen Edelmetalls, vornehmlich des Platins und deners Assistent war später Correns, der Neuentdecker der Mendel- Menschengeschlechts. Daß gleiche Eltern gleiche Kinder ergeben, er- des Goldes. Und die Angehörigen des Patienten mußten einen schen Lehre! Wie viel schneller hätte alles gehen können! Aber scheint natürlich; aber alle Menschen sind ja etwas verschieden, und Revers unterzeichnen, wonach sie sich damit einverstanden erklärten, Nägeli konnte sich mit den Mendelschen Gedanken nicht befreunden, so kommen die Unterschiede, die sich fortpflanzen. Man braucht daß die Werte nur leibweise überlassen wurden und noch dem Tode des Schlossergesellen wieder Eigentum der Berufsgenossenschaft wür und Schwendener, der später in Berlin der Altmeister der Botanik nicht bis zu den Bastarden aus verschiedenen Rassen, etwa Weißen Der Krieg und vor allem die Nachfriegszeit hat bekanntlich wur, wurde erst in seinen legten Jahren, etwa 1910, durch seinen und Negern, verzubringen. Wohl alle jezt bestehenden Rassen sind eine enorme Werifteigerung des Platins und des Geldes gebrecht, damaligen Affiftenten Claußen gewonnen; er trug dann in der Tat eigentlich Mischrassen, aber nach den Mendelschen Gesetzen müssen so daß der Mann mit den geldenen Rippen heute im mahrsten die Mendelschen Lehren in seinem Kolleg vor, dreißig Jahre zu spät. in bestimmten Fällen unter mathematisch berechenbaren Boraus- Sinne des Wortes ein enormes Vermögen in seiner Brust trägt, den. " Die Säuberung notwendig. Leistungen der abgesetzten Regierungspräsidenten. Getreideumlage oder Zuchthaus. Der Landbund organisiert den Widerstand gegen die Sicherung des Brotes für die Armen. Bus Münster i. W. wird uns geschrieben: Im Münsterlande und in Münster zählen die reaktionären Vereinigungen an die drei- Bir teilten gestern abend mit, daß der Landbund im Big, gibt es Geheimorganisationen, versteckte Waffenlager, sabotie Kreis Lebus feine Mitglieder versehentlich" zum Kampfe rende Berwaltungsbeamte und Landräte, die in ihrem gegen die Ernährungssicherheit des deutschen Volkes aufgeAmte die schwarzweißrote Flagge aufziehen lassen. Im Bereiche rufen hat. Das amtliche Kreisolatt für den Kreis Simdes Wehrkreiskommandos haben sich innerhalb der Reichswehr Zu- mern, die ,, Hunsrücker Zeitung", vom 7. Juli leistet es sich stände herausgebildet, die nach energischer Bemedur rufen. Wäh- fogar, den Vorstand des Oberrheinischen Landbundes an her rend der Kommandierende der Reichswehr in Münster, Herr von vorragender Stelle seine Mitglieder auffordern zu lassen, daß 20ßberg, sich zu einer in Münster stattfindenden Tagung des fein Mitglied des Oberrheinischen Landbundes sich an der Bundes der Aufrechten einladen läßt und sich nachher bei Durchführung des Gesetzes in irgendeiner Form dem hochverräterischen Guscvius damit entschuldigt, daß er leider beteiligt". Die Herren des Vorstandes unterzeichnen mit ihren nicht erscheinen könne, daß er aber dem Bunde großes Interesse Namen. Jetzt sollten diese Vaterlandsverräter von der zuentgegenbringe, gehen in der Reichswehr folgende Dinge vor: ständigen Stelle persönlich aufgefordert werden, an der Durch Zwischen den republikanisch gesinnten Leuten und den Monarchisten führung des Gesetzes im Rahmen der sie zwingenden Bestimfommt es nicht nur zu mündlichen, sondern sogar zu tätlichen mungen mitzuwirken. Weigern sie sich, an der Sicherung der Auseinandersetzungen. Die Offiziere sind durchweg mon- Boltsernährung mitzuarbeiten, dann mögen sie ins Zuchthaus archistisch. Rundgebungen monarchistischer Art werden loyal ge- fommen, wo sie hingehören. fördert; gegen Republikaner wird rücksichtslos vorgegangen. In verschiedenen Räumen der Kasernements sind die monarchistischen Reichswehrsoldaten und die Republikaner der Reichswehr ge= trennt untergebracht. Während man aus dem einen Zimmer Wir berichteten im gestrigen Abendblatt über die Konferenz der nationalistische Lieder hört, werden in den anderen Räumen revolu- Berliner USP.- Funktionäre. Die dort mit großer Mehrheit angetionäre Lieder gesungen. Das alles wurde uns von Reichswehrnommene Entschließung lautet: foldaten unanfechtbar ausgesagt. Republikanische Angehörige einer schlüsse der Zentralleitung und der Reichstagsfraktion, insbesondere Die Funktionäre der USP. Groß- Berlins billigen die Behiesigen Kompagnie werden ihrer Gesinnung wegen dauernd schi- die Schaffung einer Arbeitsgemeinschaft durch beide sozialistischen faniert und mit Arreststrafen bedacht. Gegen Angehörige der ehe- Reichstagsfraktionen. maligen Freikorps aber, die in den Kantinen und Mannschaftsräumen monarchistische Propaganda betreiben, die Fahne der Republik und die Regierungsvertreter verächtlich machen, wird nicht eingeschritten. Diese Zustände sind nur möglich durch die große Duldsamkeit, die die hiesigen Behörden den Rechtsbolschewisten angedcihen lassen. Der bisherige Regierungspräsident, Herr mer veldt, hat durch seine Nachlässigkeit gegen rechts so großen Schaden in Münster entstehen lassen, daß seine Absetzung längst gegeben Auch Major Kirsch dürfte feine Stunde mehr im Amte hiciben. Nachfolgendes Material möge dies belegen: Nach zuver= mar. Die Stellungnahme der Berliner USP. Pilsudski zurückgetreten. Einem Drahtbericht der Telegraphen- Union aus Morkhau zufolge, dem allerdings eine offizielle Bestätigung bisher fehlt, ist der Rücktritt Pilsudskis nunmehr vollendete Tatsache. Damit wäre die polnische Strife in ein kritisches Stadium eingetreten, denn während sich Korfanty bei so ziemlich genau der Hälfte des polnischen Barlaments hochgrabiger Linbeliebtheit erfreut, ist der Staatschef General Pilsudski eine außerordentlich populäre Figur, sowohl in der Armee als Gründer der polnischen Legion wie auch in der Arbeiterschaft als ehemaliger Sozialist. Die Erbitterung der Arbeiterschaft gegen die Ernennung Korjantys zum Ministerpräsidenten durch den Sejm- Ausschuß hat sich bereits in einem großen Protest streik Luft gemacht und würde durch die Demission des Staatspräsidenten noch gesteigert werden. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, weist der JuſtizBegnadigungsrecht des Reichspräsidenten in Militärstcafsachen. minister in einer Allgemeinen Verfügung darauf hin, daß sich nach einer Mitteilung des Reichswehrministeriums die Fälle häufen, in denen nach Ablauf einer von dem Präsidenten des Reichsmilitärgerichts oder dem Reichspräsidenten zugebilligten Bewährungsfrist die endgültige Begnadigung durch die Gerichte ausgesprochen wird. Der Justizminister bemerkt, daß in diesen Fällen die Ent fcheidung darüber, ob der bedingt Begnadigte sich während der Bewährungsfrist bewährt hat und endgültig begnadigt werden soll, dem Reichspräsidenten zusteht. fihen, wie es scheint, ganze Abteilungen von Dunkelmännern, die Hakenkreuze in Reichsbanffonten. In der Reichsbant sich ein Bergnügen daraus machen, möglichst ungeniert auf die Die Machterweiterung der Arbeiterklasse tann nur das Werk Republik zu husten. Jetzt haben solche Leute sogar eingeführt, in einer in sich geschlossenen Arbeiterklasse sein. Die Verabschiedung den Kontrollbüchern die einzelnen Effektenfonten mit 5ofender Gesetze zum Schuße der Republik bilden erst einen Anfang. Bu freuzen anzuzeichnen. Narrenhände beschmieren bekanntlich Lifch ihrer Durchführung und zu der schleunigen Niederwerfung der Re- und Wärde. Es wird Zeit, daß sie mal was auf die Pfoten beattion ist das Maximum der Einigung im Kampfe herbeizuführen. kommen! und anzuwenden, die geeignet sind, diese Einigung zu einer dauernden Die Parteileitung hat daher auch weiterhin alle Mittel zu prüfen zu gestalten. Der kommende Parteitag hat auch hierüber die letzte Entscheidung zu fällen." " Wirtschaft Der Kampf gegen Außenhandelsfiellen und Ausfuhrabgabe. üffigen Angaben von Schupobeamten herrschen unter der Schuh- Mörderorganisation als Kaffeekränzchen. Interessentenfreise der Industrie und des Handels versuchen mit polizei ähnliche Zustände wie bei der Reichswehr. Angehörige des Die Untersuchungsaktion in der Mordsache Rathenau hat ein viel Eifer und Ausdauer den Nachweis zu führen, daß wir in der früheren Freikorps Schulz erfahren eine ganz offentsichtliche Be- wandfrei erwiesen, daß die in Deutschland bestehenden rechtsradika- Konkurrenz auf dem Weltmarkt nicht mehr mitkommen. vorzugung. Weltere republikanische Beamte werden zu- len Organisationen nichts weiter sind, als Musterstätten für geheime Man flogt, daß die Spanne, die zwischen Inlands- und Auslandsrüdgefeht; 13 republikanische Beamte wurden aus Münster Mörderverbände. Anläßlich deffen hat sich die Mehrzahl der Staats- preis bestand, immer mehr verschwindet und damit der Vorsprung uner fadenscheinigen Gründen entfernt. Als man nun dem Mi- regierungen veranlaßt gesehen, den„ Bund nationalgefinnter Sol- aufgehoben wird, den die deutsche Industrie bisher gegenüber dem daten", den nister des Innern, Genossen Severing, die„ Missetaten" der Ge- bieten. Damit hat jedoch die Eristenz dieser Organisationen noch mäßige Agitation für die Aufhebung der Außenhandelssteüen Bund der Aufrechten" und andere Verbände zu ver- Ausland besaß. In Verbindung damit steht eine ganz plan. maßregelten darlegte, zeigte sich, daß man die Beamten nur ihrer nicht aufgehört; denn tagtäglich ergeten sich neue Beweise, die ein und die Aufhebung der Ausfuhrabgaben. Man will einen freien Gesinnung wegen entfernt hatte. Darauf wurde ihre Rückversehung illegiales Fortbestehen der genannten Berbände bestätigen. Der und uneingeschränkten Warenverkehr, der sich durch irgendwelche Oc verfügt, nachdem Bernehmungen beim Regierungspräsidenten die E03. Parlamentsdienst" ist in den Besitz einwandfreien Materials hördliche Maßnahmen oder finanzpolitische Belastung nicht gehindert vollkommene Unschuld der„ Delinquenten" dargelegt hatten. Das Re- gelangt, das eine finanzielle Umgruppierung und Neuorganisation fieht. Die Sozialdemokratie hat wiederholt auf das Ungesunde der gierungspräsidium wurde angewiesen, die Beamten wieder nach des Bundes der Aufrechten" beweist. Am Sonntag, den 16. Juli, Entwicklung hingewiesen, als die Inlandspreise weit über das Maz Münster zurückzuversetzen. Darauf hat der jetzige Kemmandeur der fand im Evangelischen Vereinshause zu Bochum eine Delegierten des Zulässigen und volkswirtschaftlich Begründeten hinaus stiegen. Schupo, nach Aussage eines nunmehr im Zivildienst tätigen Wacht. fonferenz des Bundes der Aufrechten" statt, bei der zirka 60 Ver- Gerade die Interessenten des Handels und der Industrie haben aber meisters, dem Herrn Major Kirsch vom Regierungspräsidium tele- waren. Nahezu alle Teilnehmer waren bewaffnet. Als Referent marktpreis die notwendige Voraussetzung für eine gedeihliche innere treter der Ortsgruppen in Westfalen und des Rheinlands anwesend immer wieder betont, daß diese Angleichung an den Weltphonisch gesagt, man solle dem Herrn Minister melden, die Rücktrat der Zentralleiter des verbotenen Bundes, Kaufmann Wunderlich wirtschaftspolitische Entwicklung ist. Leichtfertig setzte man sich über versetzung sei erfolgt. Damit folle man die Sache als erledigt aus Berlin, auf, der sich zurzeit als Schriftsteller ausgibt, jedoch den Einwurf der Sozialisten hinweg, daß eine etwaige Besserung betrachten und die Leute da lassen, wo sie seien! lediglich die illegale Neuorganisation des Bundes der Mart nach einem Ausgleich der Inlands- und Auslandspreise betreibt Die Ausführungen und Anweisungen Wunderlichs ver- auf den Außenhandel zurückfallen würde. Jezt, wo die Ausgleichung stießen in gröbster verbrecherischer Weise gegen das Verbot des in der Preislage annähernd eingetreten war, mehrten sich allerdings Innenminister und gegen die Verordnung des Reichspräsidenten. die Stimmen, die das Bedenkliche eines solchen Zustandes hervor Wunderlich teilte den Delegierten z. B. mit, daß der Bund der hoben. Dennoch bleibt, zumal nach der neuen Verschlechterung der Aufrechten" der Druckerei des Berliner„ Reichsboten" 86 000 m. mart, eine erhebliche Spanne zwischen Inlands- und Auslandspreis, schulde. Da sämtliche dem Bunde der Aufrechten" zugewiesenen der die Konkurrenz der deutschen Industrie stark begünstigt. Die Gelder beschlagnahmt werden, sollen fortan alle Mittel unter der Aufhebung der Ausfuhrabgabe ist ganz unange Chiffre Schulden für Druckaufträge" der Druckerei des Reichs- bracht, im Gegenteil, es würde sich bei dem gegenwärtigen Stand boten" in Berlin überwiesen werden. Das bedeutet nichts anderes der Mart empfehlen, die Ausfuhrabgabe erheblich zu erhöhen, um als die Fortseßung der Finanzierung und damit die einen Teil der Ausfuhrgewinne, die unberechtigterweise den kapitaAufrechterhaltung der geheimen Organisation! Diese Feststellung liftischen Interessenten zufallen, der Finanzverwaltung zugute femfindet in den weiteren Ausführungen Wunderlichs ihre Bestätigung. men zu lassen. Wunderlich empfahl z. B. den Delegierten weiter, nicht in andere In diese Klagen mischt sich bereits aus Industriekreisen das Vernationale" Bünde überzutreten. Man solle sich vielmehr bei langen, die Löhne im Inland abzubauen. Bemerkenswert ist, Kaffeekränzchen" und" harmlosen" Ausflügen treffen, bei mas darüber die Industrie- und Handelszeitung" in Nr. 152 ausdieser Gelegenheit einen harmlojen Bestfartengruß mit der Unterschrift sämtlicher Teilnehmer nach Berlin senden. Dadurch bekomme die Zentralleitung einen Ueberblick über die Zahl ihrer Mitglieder. Ferner teilte Wunderlich mit, daß am 22. Oktober in Berlin ein Verbandstag stattfindet, der vor der Deffentlichkeit als„ Konzert" ausgegeben werden soll. Schöne Zustände. Wie die PPN. hören, haben sich in der Schuhpolizei Marien werder infolge der Untätigkeit des früheren Regierungspräfidenten Grafen Baudiffin unerfreuliche Zustände entwickelt. So hat unlängst ein Schuhpolizeioffizier vor versammelter Mannschaft fich dahin geäußert, daß es in Preußen nicht beffer werden könne, solange dieſe Jammerregierung( er gebrauchte einen derberen Ausbruck) beſtehe. Ein anderer Offizier derselben Schutzpolizei hat die Mannschaft gegen das Verbot der Teilnahme an einem Reiter fest durch den Miniſter des Innern aufgewiegelt. Auf Grund von Vorstellungen der Koalitionsparteien aus dem Bezirk Marienwerder hat der Minister des Innern angeordnet, daß eine Miniſte rialkommission sich sofort dorthin begibt und die regierungsfeind liche Agitation in der Schutzpolizei unterdrückt. Die beiden schul digen Offiziere hat der Minister des Innern sofort vom Dienst fuspendiert. nach dem in einer Zeit der entfesselten Habgier sich möglicherweise verbrecherische Hände ausstrecken fönnten. Es ist daher begreiflich, daß der Mann mit den goldenen Rippen ein Gegenstand besonderer Bewachung ist. Aber er lebt und freut sich seines Lebens, und will noch lange der dantbare Schuldner seiner Berufsgenossenschaft und seiner Aerzte bleiben. Ein Fehlurteil der Filmoberprüffielle. Die hessische Regierung hatte gemäß§ 4 des Reichslichtspielgesetzes bei der Filmoberprüfstelle beantragt, den Film Fridericus Rex zu verbieten. Dieser Antrag gelangte vor der Oberprüfstelle unter Vorsitz ihres Leiters Bulce zur Berhandlung. Als Sachverständige waren geladen der Reichskommissar für die öffentliche Sicherheit Künzer und die Reichstagsabgeordneten Dr. Etresemann und Dr. Fleischer. Nach eingehender Berhandlung, in der die Sachverständigen, insbes sondere der Reichskommissar für die öffentliche Sicherheit bekundet hatten, daß der Film nicht geeignet sei, die öffentliche Ordnung und Sicherheit zu gefährden, wurde der Antrag Hessens zurückgewiesen. In der Begründung dieser Entscheidung wurde ausgeführt, daß es Aufgabe der Polizei sei, Störungen der öffentlichen Ruhe und Ordnung zu verhindern. Es sei aber nicht Ausgabe der Filmoberprüfftelle, eine vorübergehende Störung oder eine nur zu befürch= tende Störung zu verhindern und einen Film zu verbieten, bei dem zwar Störungen versucht würden, aus Gründen jedoch, die außerhalb fcines Inhaltes liegen " Der Delegierte der etwa 150 Mann starten Münsterischen Orts: gruppe, Herr Gusevins, äußerte unserm Gewährsmann gegenüber: „ Der Mort an Rathenau ist leider viel zu früh gekommen." Eine der Delegierten in Bochum war auch Fräulein Hedwig Dicererzieht nach ihren eigenen Angaben ihre Kinder im Geiste der hoff Recklinghausen. Sie ist Lehrerin on einer Privatschule und Rache. Am Tage der Ermordung Rathenaus hat sie eine Freu denfeier veranstaltet. geführt werden können, bieten einmandsfreie Anhaltspunkte für die Die vorstehenden Einzelheiten, die auf Wunsch noch weiter aus= Bersuche rechtsradikaler Führer, die verbotenen Organisationer illegal meiter besteher zu lassen. Mit der Auflösungsverfügung der einzelnen Staatsregierungen ist also der verfolgte Zwed no ch lange nicht erreicht. führt: ,, Nicht nur im Bergbau. sondern auch in anderen Industrien mehren sich die Anzeichen, daß die Preise der Industrieerzeugnisse den Weltmarktpreis erreicht oder überschritten haben und daß die ausländische Industrie nicht nur die deutsche auf ausländischen Weltmärkten verdrängt, sondern auch den Absatz im deutschen Inlande einengt. Erneut ist in diesem Zusammenhange darauf zu verweisen, daß der Lohnabbau im Auslande meiter forl= schreitet und damit eine Verbilliguna der ausländischen Broduktion eintritt, die sich in einem meiteren Nachlassen der Westmerktpreise bemerkbar machen fann und damit zu einer weiteren Berschlechterung der Konkurrenzfähigkeit unserer Industrie auf dem Auslandund Inlandmarkt führen muß. Daß das Ausland diesem Bicl schon näher gekommen ist, bemeift die Verminderung der deutschen Ausfuhrmengen. Es fenn gar fein Zweifel fein, doß in der Berminderung der deutschen Ausfuhr jich die Berteuerung der deutschen Bestehungskosten seit Februar dieses Jahres auswirkt und daß dabei neben der Verteuerung der Kohlen und Frachten auch die Steigerung der Löhne ihren bedeutenden Anteil hat." land Gewiß sind die Löhne im Ausland in den letten Monaten start herabgedrückt, aber zu gleicher Zeit sind auch die Preise für Lebensmittel, besonders in England und Amerita, erheblich rückwärts geDer Abgeordnete Genoffe Giebel hat im Reichstag eine Anfrage gangen. Dennoch bleibt im Vergleich mit den Löhnen in Deutschcingebracht, die unter anderem besagt: umgerechnet nach unserer Währung eine so große Diffe Nach mir gewordenen Mitteilungen ist das Verwaltungs- renz, daß diese Lohnherabsetzungen im Ausland nicht die Erfiäbureau des deutsch nationalen Jugendbundes, rung für die Annäherung unserer Warenpreise an den AuslandsMauerstr. 87, befremdlicherweise mit seiner Fernsprech. marft abgeben. Hier beruft man sich auf den Rückgang der Löhne leitung an die Reichsfernsprechzentrale im ehe- im Ausland nur in der Abficht, auch in Deutschland unter dem VorSomohl der Reichskommissar wie der Filmoberzensor scheinen maligen preußischen Kriegsministerium in der Leipziger Str. 5 an mand, daß wir nicht mehr fonkurrenzfähia find, zum Lehnabbau uns hierbei eine beneidenswerte Weltfremdheit offenbart zu haben. geschlossen. Das Bureau steht unter der Leitung des ehe überzugehen. Dafür liegt ein berechtiater Grund nicht vor. Wenn irgendein Film, so hat der Fridericus die öffentliche Ordnung maligen Offiziers v. Bülow. strie und Handel werden sich auch darüber flar werden müssen, daß gefährdet. indem er zu monarchistischen Rundgebungen Anlaß gab. die übermäßigen Gewinne, die sie im Außenhandel erzielt haben, Konfeffionelle Statistik in der Tschechoslowakei. Die letzte Volfsrunmehr eine gewisse, durchaus tragbare Beschränkung erfahren müssen. Die tapitalistischen Interessentenkreise werden sich daran es wird nicht minder notwendig fein, daß die Regierung Maßnahmen gewöhnen müssen, einmal wieder genau zu faltulieren unh ergreift, die geeignet sind, das Bersyleppen deutschen Rapitals nach dem Ausland zu verhindern. zählung in Böhmen ergab 78,2 Broz. Personen römisch- katholischer Sepp Gerter deutschnationaler Zutreiber. müssen. Oerter deutschnationaler Zutreiber. Religion, 9,8 Proz. Religionsloje, 6,5 Proz. Anhänger der Nationalfirche, 4 Proz. Protestanten, 1,5 Broz. Juden. im eigenen Heim, Selofter tr. 43, eröffnet. " InduBraunschweig, 21. Juli.( Cig. Drahtbericht.) Anläßlich einer propotatorischen Rede des jetzt parteilosen Demagogen Derter fam es heute vormittag in der Sigung des Braunschweigischen Landtages zu einem Handgemenge zwischen Derter und einigen von ihm schwer gereizten unabhängigen Abgeordneten. Kaum hatte sich ein Erhöhung des Goldzollaufgeldes. Für die Zeit vom 26. Juli bis Knäuel um Derter gebildet, als mehrere deutsch nationale Ab- einschließlich 1. August 1922 beträgt das Goldzollaufgeld 10 400 mit den unabhängigen Abgeordneten handgemein wurden. Die ganze dieses Jahres in Erscheinung getretene Stabilisierung der geordnete ihm von der rechten Seite des Saales zu Hilfe eilten und Prozent. Breisstabilisierung in Sowjetrußland. Die im Mai und Juni Szene machte offensichtlich den Eindruck, als ob die Dertersche Pro- Lebensmittelpreise in Sowjetrußland hat auch in der ersten potation auf Verabredung mit den Deutschnationalen geschehen wäre. Hölfte des Juli angedauert. Die Steigerung der Preise für InDas Verzeichnis der national wertvollen Kunstwerke, deren Ausfuhr ohne Genehmigung verboten ist, ist erschienen und vom Sefre tariat III des Reichsministeriums des Jumern gegen Einsendung von 20 M. und Porto zu beziehen. Es kommt leider febr spät und für manche Fälle zu spät, um so mehr ist zu wünschen, daß alle Behörden ihre Aufmertiamkeit darauf richten, daß dieser nationale Kunstfonds unangetastet bleibt. Die Goethe- Bühne, eine neue Bühnengemeinde, wird, nachdem ihr fünstlerischer Leiter Otto Peterson die Konzession erhalten hat, im Herbst Das Schicksal der Tüneldorfer Theater bat sich nun dahin entschieden, daß tatsächlich die Direktion Dumont- Lindemann fich gezwungen Die Sigung wurde sofort auf eine Viertelstunde vertagt. Nachdem duftriemaren hält zwar an, doch ist ihr Tempo wesentlich fiebt, das Schauspielhaus" zu schließen. Die städtischen Theater( Stadt- die Fraktionen anschließend Stellung zu dem Zwischenfall genommen langfamer geworden. Auch die Baluta- und Goldpreise im theater und Apollotheater) verbleiben unter der Leitung des Intendanten hatten, wurde im Aeltestenausschuß beschlossen, den Landtag bis auf freien Verkehr der schwarzen Börse" waren gegen Ende Juni nach Gin Ausschuß für Verdeutschung in der Sprachlehre. Zur ein weiteres zu vertagen. Damit befindet sich Braunschweig im Zustande einer vorübergehenden Steigerung auf den Stand von Ende Mai heitlichen Verdeutschung der Fachwörler in der Sprachlehre hat der Reichs- einer latenten Regierungsfrise. Das bestehende Rumpffabinett wird zurückgegangen. Die staatliche Handelsstelle für Kohlen bietet verminister des Innern auf Anregung der Gesellschaft für deutsche Bildung die Regierungsgeschäfte weiterführen, bis mit der neuen Seffion die schiedene Sorten von Steinfohlen franto Moskau( Bahnhof) zum einen Ausichuß eingesetzt. zu Mitgliedern wurden berufen: Dr. Bojunga in Frankfurt a. M., der die Frage angeregt hat, Dr. Düiel in Berlin- Frage der Regierungsumbildung von neuem aufgerollt werden wird. Preise pen 67,6 bis 113,7 und Koks zu 183,4 Rubel pro Bud Friedenau, Profeffor Eduard Engel in Bornim, Dr. Krüger an der Berliner In den Kreisen der sozialistischen Fraktionsgemeinschaft ist man der Julihäffte betrugen für Kattun 70, Batist 150. Gotin 145 pro Ar(= 16.38 Kilogramm) an. Die Moskauer Detailpreise in der ersten Technischen Hochschule und Prof. Sütterlin in Freiburg i. B. Drahtlose Verbindung zwischen England und Indien. Wie der und seine Neuwahl nicht zu umgehen sein wird. Der am Mon- Bfund, Stiefel 2800 Rubel das Baar, Eiseneimer 240, Aerte 500. Ansicht, daß die Auflösung des Braunschweigischen Landtages fchin, Sofchleife 110, Petroleum 12, Nägel 35 bis 65 Rubel des britische Gene: albostmeister mitteilte, beabsichtigt die indiche Regierung eine groke diabtlose Station zu errichten, die die direkte Verbindung mit Eng- tag stattfindende Unterbezirksparteitag der SPD. Braunschweigs wird Sensen 450 Rubel das Stüd. land vermitteln joll Die Arbeiten sind bereits in Angriff genommen. Sämtliche Preise verstehen sich i zu der politischen Lage entscheidende Beschlüsse fassen. Rubeln Muster 1922( 10 000 Rubel alten Musters). Dr. Willy Beder. Gewerkschaftsbewegung Der Streik der Schiffsingenieure. Bom Berband Deutscher Schiffsingenieure und Seemaschinisten wird uns geschrieben: Wie war die Lage der Sache der Schiffsingenieure und Seemaschinisten bei Ausbruch des Streiks? Ein vom Reichsarbeitsminifterium eingefehter Schlichtungsausschuß hatte einen Spruch gefällt. Dieser Spruch mußte von den jezt Streifenden abgelehnt werden, weil er nicht das von den Schiffsingenieuren und Seemaschinisten als notwendig Erfannte enthielt. Dieser Spruch ließ neben Grundfäglichem noch eine Regelung der Entlohnung durch Verhandlungen offen. Die zur Verhandlung erschienenen Schiffsingenieure und Seemajajinisten wurden faltgestellt, weil der Zentralverein Deutscher Reeder durch den Mund des Dir. Böger erklären ließ, daß er mit den Borgenannten nicht verhandeln wolle. Die jest Streifenden fuchten sofort Hilfe beim Reichsarbeitsministerium. Diefes war nicht in der Lage, unmittelbare Hilfe zu leisten. Weitere Berfuche bekannter Hamburger Persönlichkeiten, die beiden Parteien zu Berhandlungen zusammenzubringen, scheiterten an der Hartnäckig. beit des Zentralvereins Deutscher Reeder. Und so war der Ausbruch des Streifs unvermeidlich. Bie hoch war die Entlohnung der Schiffsingenieure bei Ausbruch des Streifs? Der 1. Ingenieur erhielt 5500 m., der 2. Ingenieur 4200 M., der 3. Ingenieur 3800 m., der 4. Ingenieur 3425 Mart, der Assistent 2450 bis 2750 M. Dabei ist zu berücksichtigen, daß der deutsche Seemann gezwungen ist, infolge 5-6monatlichen und noch längeren Fernseins von Deutschland eine Menge seiner Bedürfnisse in valutastarten Ländern zu decken. Die deutschen Schiffsingenieure und Seemaschinisten kämpfen für eine Bezahlung von Ueberstunden, weil ihre Arbeitstraft in unverantwortlicher Weise ausgebeutet wird. Der deutsche Schiffsingenieur und Seemaschinist wird heute noch bis zu 16 Stunden täglich mit Arbeit beschäftigt, mit Arbeit, über deren Schwere fich ein Landansässiger keine Vorstellung machen kann. Es gehört feinesfalls zu Ausnahmen, wenn Schiffsingenieure und Seemaschinisten in total erschöpftem, bewußtlosen Zustande an Deck getragen werden. Ueberstunden fönnen mit Leichtigkeit vermieden werden, wenn das Personal vermehrt wird. Die fich im Streit befindlichen Schiffsingenieure und Seemaschinisten sind sich bewußt, die Allgemeininteressen des deutschen Wolfes ihren eigenen bis zum äußersten vorangestellt zu haben. Sie lehnen es deshalb ab, für den Ausbruch dieses gerechten Streifs verantwortlich gemacht zu werden. Die Schuldigen suche man in den deutschen Reederfreifen. Verhandlungen über die städtischen Löhne. Die gestern zwischen dem Magistrat und dem Lohnfartell über den 12. 2ohntarif erfolgten Verhandlungen wurden nicht zu Ende geführt. Die Fortsetzung findet im Laufe der nächsten Woche statt. Vereinbart wurde, daß auf die Löhne des 12. Lohntarifs ein Vorschuß von mindestens 1000 m. gezahlt wird, und daß für weibliche und jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen die prozentual auf sie entfallenden Säße zur Auszahlung lommen sollen. Die Auszahlung foll bei der nächsten Lohnzahlung am Freitag, den 28. Juli erfolgen. Der Magistrat wird heute in einer außerordentlichen Magistratssigung diesem Vorschlag zustimmen. Wie uns der Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter mit teilt, muß bei einer Beurteilung der neuen Forderungen der städtiichen Arbeiter berücksichtigt werden, daß die darin verlangten Loanfäße felbit bei ihrer vollen Bewilligung noch hinter den bis zu 8 Mart höheren Stundenlöhnen der Privatindustrie zurückbleiben, würden. Wenn in der Deffentlichkeit über die deur Magistrat entstehenden Mehrausgaben bohe Zahlen genannt würden, so sei ferner zu be denken, daß es sich bei der städtischen Arbeitnehmerschaft um rund 75 000 Arbeiter und Hilfsangestellte handelt, und daß schon aus diesem Grunde selbst die geringste Lohnerhöhung, die für den einzelnen Arbeiter faum ins Gewicht fällt, in ihrer Gesamtheit bei der großen Zahl der in den städtischen Betrieben Beschäftigten natürlich erhebliche Summen ausmacht. Schiedsspruch im Buchbinderstreik. Nachdem die Bohnverhandlungen gescheitert waren, wurde das Arbeitsministerium angerufen. Der vom Reichsarbeitsministerium gebildete Schlichtungsausschuß hat gestern unter dem Vorsitz von Aufgepaßt!! Schuhputz Nigrin mit Garantieblatt ist reine Terpentinölware, ohne Ersatz. Generalvertretung und Lager: Adolf Reimschüssel, Berlin S 42, Luisenufer 40. Staatstheat. Volksbühne Central- Theater ( Schauspielhaus) Operetten- Gastsp. 8 Tagl. 7, Unr: Ein Prachtmädel Tagl. 7%, Uhr: Robert und Bertram U. Urania 8 Uhr: Einstein- Film Theater des Ostens ( Rose- Theater) 5 Uhr: Konzert 7%, U.: Dorns Resi Reichshallen- Th. Während der Ferien der Stettiner Sänger Tägl. 7, Uhr: Gastspiel der Dr. v. Möllendorf getagt und folgenden Schiedsspruch gefällt: 1 Wir haben uns daraufhin an das Reichsarbeitsministerium aeMit sofortiger Wirkung und als Bestandteil des neu abzuschließen- wandt. Demnächst findet eine Sigung statt, die über unseren AnDie Ortsverwaltung. den Manteltarifs wird die regelmäßige Arbeitszeit trag entscheiden wird. Don wöchentlich 48 Stunden allgemein eingeführt. Als Abfindung für diejenigen Arbeitnehmer, welche bisher auf Grund Deutscher Holzarbeiterverband, Berlin. der Biffer 3 des Manteltarifs das Borrecht fürzerer Arbeitszeit beAchtung, Bauarbeiter! Für Einfezer sind die Siedlungsbauten faßen, wird die Differenz, sofern sie vom Arbeitgeber in Anspruch Tempelhefer Feld, Rohrdamm und Postschecamt wegen Differenzen genommen wird, bis zum 30. September 1922 gemäß 3iffer 36 des gesperrt. Alle Arbeiten, die von Jalousiearbeitern der Firma Manteltarifs vergütet. Für die Zeit vom 21. Juli bis 19. August 1922 werden die Freese, Niederschönhausen, auf Neubauten und Ausbauten ausgeführt werden, ebenfalls alle Jaloufiereparaturarbeiten. find Spigen löhne( bisher 22,40 m.) um 8,50 m. erhöht. Streifarbeiten, da die Firma nicht die Tariflöhne zahlt. Für ( Dieser Saß ist so errechnet, daß er die Spitzenlohnerhöhung für die Holzpflasterarbeiten besteht feine Sperre über obige Firma. Buchdrucker gemäß Abkommen vom 12. Juli 1922 annähernd er. Holzpflasterarbeiten besteht keine Sperre über obige Firma. reicht.) Den Parteien bleibt es überlassen, die Staffelung selbst zu vereinbaren. Die Zulage gemäß 3iffer 76 des Manteltarifs wird auf 1 m. bzw. auf% m. erhöht. Beiden Parteien wird aufgegeben, fich bis zum 22. Juli 1922 über die Annahme bzw. Ablehnung dieses Schiedsspruches dem Reichsarbeitsministerium gegenüber zu erklären." Beide Parteien haben sich inzwischen verständigt, den Schiedsspruch anzunehmen. Heute beginnen die speziali. fierten' ohnverhandlungen, so daß zu hoffen ist, daß schon in furzer Zeit der Streit beigelegt sein wird. Achtung! Buchbinder! Achtung! Für die streitenden Kolleginnen und Kollegen der reinen Buchbindereien, Geschäftsbuch- und Briefumschlagfabriken ist heute vormittag 10 Uhr im großen Saal der Neuen Welt, Hasenheide, wichtige Streifverfammlung. Das Erscheinen aller ist unbedingt notwendig! Bertrauensleute und Betriebsräte dieser Branchen treffen sich bereits um 9 Uhr vorDie Streifleitung. mittags in der Neuen Welt. Forderungen der Wach- und Schließangestellten. Die Branchenversammlung der Wach- und Schließangestellten vom Donnerstag im Gewerkschaftshaus wählte zunächst die Kollegen Dammer und Bärtner als 1. und 2. Branchenleiter und beschäftigte sich dann mit der Lohnfrage. Die heutigen Löhne von 2985 bzw. 3312 M. pro Monat reichen bei weitem nicht aus, um bei der jetzigen Teuerung auszukommen. Die Funktionäre schlugen der Versammlung für den Monat August die Säge von 5000 m. für Separat wächter und von 5300 M. für Revierwächter vor. Einen Sturm der Entrüftung erregte ein Schreiben der Direktion der Berliner Bach und Schließgesellschaft, worin mitgeteilt wurde, daß eine Zulage für August abgelehnt, dafür aber ab 1. September ein Lohnabfommen getroffen werden soll, das den Wächtern einen Lohn von 4800 m. bzm. 5100 m. auf drei Monate bietet. Die einsehende Disfuffion erklärte das Angebot als eine Berhöhnung; aber auch der Borschlag der Funktionäre ging der Versammlung nicht weit genug. Erst als sich die Wellen der Erregung gelegt, fonnten den Versammelten die Gründe flargemacht werden, weshalb die Funktionäre nicht höhere Borschläge machten. Bei der Abstimmung wurden dann gegen eine große Minorität die vorgeschlagenen Säße ange: nommen. Die Versammlung befaßte fich alsdann mit der Auflösung des Facharbeitsnachweises und nahm hierzu eine Entschließung an. Darin wird gegen die geplante Berreißung des Facharbeitsnachweises und dessen Angliederung an die Abteilung für ungelernte Arbeiter protestiert, da die Bermittlung von Arbeitskräften im Sinne der Wächter wie der Gesellschaften nur durch einen Facharbeitsnachweis erfolgen fönne. Die Wachund Schließangestellten feien feine ungelernten Arbeiter. Ihr Beruf erfordere physische wie geistige Kräfte. Die Organisationsleitung dürfe kein Mittel unversucht laffen, den Facharbeitsnachweis in feiner heutigen Form aufrechtzuerhalten. Die Entschließung soll der Deputation für Gewerbe und Arbeit übermittelt werden. Verband der Maler. Die Streifunterstüßung für die letzten Tage wir Montag, 6 Uhr, in allen Streiffofalen ausgezahlt, wobei die Bücher zurüd. gegeben werden. Anschließend Aussprache über weitere Agitation in den Bezirken. Achtung, Metallarbeiter! Wir haben uns wegen Nachverhandlung über den Tariflohn für Monat Juli mit dem Verband Berliner Metallindustrieller am 12. Juli in Verbindung geicht. Der VBMJ. lehnt eine Nachverhandlung über die Julitariflöhne ab. Er teilte uns gleichzeitig mit, daß die Ausgleichsaulage bon 2.75 auf 8,75 M. für Klasse I und von 2 auf 3 M. für Klasse II in Zukunft gezahlt wird. Metropol- Städt suby. Technikum Sternberg Meckl Residenz- Th. WIND RIEN Varieté Behrenstr. 54 8 Uhr Infolged großen Erfolges verlängertes Gastspiel Carl Bolesko und 8 weitere Varieté- Schlager Das Residenz Schulprogramm Sänger Dir.: Mider lardo. Ab Sozialdemokratie 1. August wieder: Stettiner Sänger v. RICH. LOHMANN Ein prakt. Handbuch für Eltern, Lehrer u. Erzieher, in dem nicht nur die Forderungen Theat.a.Kottbus.Tor der Sozialdemokratie Intimes Theater Rottbus. St.6( Moritzpl.16 077) zufammengestellt Die beiden Lessing- Th.s: Die Peitsche und? Jeden Abend 7½ U. ind, fondern auch die Lauf doch nicht Nachtigallen habendi. 8 Uhr: immer nackt herum nachten Möglichkeit. zur( chrittweifen ErGastspiel FreyersLeip- reichung des Zieles Deutsch. Theat. Der Schildpattkamm Neues Operett. Th. ziger Sänger Perimutter von Davos 7 Potasch und Deut. Künstler- Th. U: Die Mädels Stg. 7: Potasch Sommerspielzeit Lichtenstein, Seidl u. Perlmutter Allabendi. 8 Uhr: Kammerspiele Die erste Nacht Neues Volkstheater 8: Der Raub der Sabinerinnen Gastspiel Hugo Thimia WIEN vom Wiener Burgtheater Stg. 8: Der Raub d. Sabinerinnen Gastspiel Hugo Thimig vom Wiener Burgtheater. Gr.Schauspielk. ( Karlstraße) 7 Die Maschinenstürmer Stg. Die Ma. schinenstürmer Theater i. d. BERLIN 71/ Heuchler Schiller- Th.Charlbg. 8 Uhr: Die kl. Sünderin Von Jean Gilbert dargelegt werden. ziger Sänger Preis Mark 15, Progr.- Wechsel Blüthgen- Ronzert 1.Aug:: Wiederauftreten der Elite- Sänger. Zelt I. Direktion: Th. a. Nollendorfpl. Richard Weise. 734 Uhr: Jägerstraße 63 Verliebte Leute Verliebte Leute Täglich 830 Das RiesenKöniggrätz. Str. Varieté Programm 8: D. wunderlich. Geschichten des Kapellm Kreisler 4 Uhr ab 6 Uhr Theater desWestens Das große 8 Uhr: Italien Ballett Stagione Ileana Leonicoff VarietéKaffee Berliner Prater- Programm Komödienhaus m. intern. TanzU, Gretchen" Vorführungen Berliner Th. 7.45: Madame Flirt! Kalte und warme Küche Kein Weinzwang! Theater Nachm. 3-6 Uhr und Kastanienallee 7-9. Sonntags mittag 11 bis 2 Uhr Täglich: Die Prinzessin v. Mil Militär freikonzerte Operette in 3 Akten ausgeführt von den sowie Spezialitäten. Kapellen d. ReichsBeginn 5 Uhr. wehr Buchhandlung Vorwärts BERLIN SW 68 LINDENSTR. 2 Garderobe für Herren und Damen noch wirklich auf billig Tellzahlung Anzüge Raglans Damen- Mäntel Kostüme Röcke Beiser Lothringer Str. 67. Maschinenbau Elektrotechnik Hochbau Tiefbau TAUENTZIER Täglich 8 Uhr: VARIETE Im Tauentaten Palast 830 Von der Gelbsucht. Die Ortsverwaltung. Zu unserem Artifel in Nr. 338 wird uns von der Reichsgewerk. schaft Deutscher Eisenbahner und Anwärter mitgeteilt, daß der Reichsverkehrsminister die Denunziation des Bormelcher gegen die Radikalinskis", die nach Leipzig einen Delegiertentag einberufen hatten, damit beantwortete, daß den Denunzierten durch Telegrammbrief freie Fahrt nach Leipzig gewährt wurde. Das war die einzig richtige Antwort für eine Handlung, die jeden anständigen Menschen mit Efel erfüllen muß. % Zuschriften ohne Namensangabe des Einsenders und seiner Adresse gehen uns wieder häufiger zu. Sie müssen deshalb dem Papierforb überantwortet werden, selbst wenn die darin enthaltenen Angaben richtig erscheinen, wie z. B. über die„ Lohn verhältnisse im Bro der Auslandsdeutschen" für Reinmachefrauen, Boten, Arbeiter und Handwerker, und in der Klage über hohe Gebühren für Gepädträger". Wer wahrheitsgetreu berichtet, hat feinen Grund, der Redaktion feinen Namen und seine Adresse zu verschweigen, da die Redaktion Dritten gegenüber feinen Gebrauch davon macht. Wer es dennoch tut, muß sich jedoch von vornherein sagen, daß sein Schreiben zwed. los und es daher töricht ist, es anonym einzusenden. Wer zur Rebaftion, an die er sich wentet, damit sie für seine Sache eintreten foll, kein Vertrauen hat, kann auch für sich kein Vertrauen von ihr erwarten. Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter. Montag 7 Uhr bei Kliems, Safenheide( Fleiner Saal), Bezirksverfamlung des 14. Bezirks( Neukölln). Berband der Maler. Montag 6 Uhr werden in allen Streiflokalen GroßBerlins die lesten Tage der Streitunterstützung ausgezahlt und die Bücher auridgegeben. Anschließend Aussprache über weitere Agitation in den Begirfen. Aus der Partei. Heinrich Rie fe t. Am Freitag vormittag, 9% Uhr, ist der Reichstagsabgeordnete, Genosse Heinrich Riefe, Alterspräsident des Deutſchen Der Berstorbene gehörte mit zu den Gründern der SozialReichstages, nach längerem Leiden im 80. Lebensjahre gestorben. demokratischen Parten des Landes Braunschweig. Er war 40 Jahre lang sozialdemokratischer Stadtverordneter der Landeshauptstadt. Seit 1918 gehörte er dem Braunschweigischen Landtage als Abgeordneter an. Im Jahre 1920 wurde er in den Reichstag gewählt, den er als Alterspräsident eröffnete. Unsere Partei verliert in ihm einen Genoffen, der troß seines hohen Alters noch zu den Rührigsten und unermüdlichsten in der Werbetätigkeit zählte. Berantw. file ben rebatt. Teil: Franz Klübs. Berlin- Lichterfelbe: für Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag Borwärts.Berlag Gm. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin, Lindenstr. 3. Gierzu 1 Bellage. statt Fleisch- Teigwaren Makkaroni, Nudeln oder Hörnle, vollwertiger Ersatz für Fleisch, dabei um vieles billiger. Bekömmlich für Gesunde und Kranke. Deutscher Metallarbeiterverband. Verw. Berlin Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unfere Kollegin, die Arbeiterin Therese Gerbstädt Christburger Straße 41, am 17. d M. geftorben ift. Einäscherung findet Mon Fedora Varieté- Spielplantas, ben 24. Sult, vormittags 11% 16r. Rauchen gestattet! Tilla Durieux Waldem. Staegemann Trianon- Th. Komische Täglich 8 Uhr: Eine Frau 78% Oper 73 Der Meister Das Weltstadt- ohne Bedeutung vom Montmartre VarietéProgramm. 4 Uhr Tanztee Kalte und warme Küche. Kein Weinzwang. Adele Sandrock Luise Werkmeister Offenbachs Liebesleb. im Krematorium Baumschulenweg, Riefholzstraße, statt. Ferner starb am 19. b. t. unser Kollege, der Arbeiter Albert Röglin Sagowfr. 17 Die Beerdigung findet am Montag, den 24. Juli, nachm 3 Uhr. von der Leichenhalle des Heiland Kirchhofes in Plößenfee aus fiatt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet 122/12 Pickel, Sommersprossen, Allgemeine Ortstrantenfaffe für den Berwaltungsbezirk XI ber Stadt Berlin Schöneberg- Friedenau Das Oberversicherungsamt Berlin hat am 6. Juli 1922 den IX. Rachfrag zur Raffenfagung vom 19. Mai und 20. Dftober 1913 genehmigt. Es werden folgende Bestimmungen geändert: In§ 20 wird der Höchstbetrag für fleine Seilmittel bezw. der Zuschuß für größere Heilmittel von 100 R. auf 300 Mt. erhöht. Das Krankengeld wird unter Wegfall der bisherigen sechsmonatigen Bartezeit auch für Sonn- und Feiertage gewährt. Jn$ 25 wird der Betrag für Hilfsmittel gegen Berunftaltung und Vertrüppelung Don 300 M. auf 1200. erhöht. Hau.unreinigkeiten usw. Jn§ 27 wird die Nichtgewährung bes weiden schmerzlos, un- Aranfengelbes bei Buziehung einer Arant merkbar für die Um- heit burch schuldhafte Beteiligung bet gebung, abgeschält Die Ortsverwaltung. durch echte Vater. Schlägereien oder Naushändeln" gestrichen. Philipp- Schälkur, danach kommt anmutige, junge, zarte Haut zum Vorschein, Raise au ben Stoften der Krankenhauspflege In§ 84( Familienhilfe) gewährt die Laboratorium Dresden- Zschachwitz 146, in Berlin erhältlich bei Elefanten- non Chegatten einen Zuschuß von zwei Apotheke, Leipziger Straße, am Dönhoffplatz. Hochaktuell! Hochaktuell! Soeben erschlen! E. PREOBRASCHENSKI: Die Ergebnisse der Genueser Konferenz und die wirtschaftlichen Aussichten Europas Der Verfasser. Mitglied der russischen Delegation in Genua, behandelt in dieser Schrift folgende Fragen: 1. Die Kräftegruppierung und das Interessenverhältnis verschiedener Staaten vor der Genueser Konferenz/ 2. Sowjetrußland und die Genueser Konferenz/ 3. Die Genueser Tagung/ 4. Die kapitalistische Disziplin/ 5. Die Ergebnisse der Genueser Konferenz für Sowjetrußland/ 6. Die Zukunftsaussichten Preis 30. Mark Verlag Carl Hoyin Nachi. Louis Cahnbley, Hambg. 8 Drittel der entstandenen Kosten für jeden Tag, höchstens aber 40 M. täglich und für jedes Kind in Höhe von zwei Drittel der entstandenen Roften für jeden Tag, höchstens aber 20 M. täglich bis zur Dauer von 26 Wochen für jeden Krantheitsfall. Das Sterbegelb für ein Kind bis zu einem Jahre wird auf ein Viertel des Mitgliebersterbegeldes bemessen. In§ 35 find die Bestimmungen wegen ber Wartezeit wie folgt geändert: Der Anspruch auf die Mehrleistungen der Rranfentafie entsteht erft nach einer Warte zeit von 6 Monaten. Ausgenommen hierDon find: die Gewährung der Krankenpflege auf die Dauer eines Jahres, die Bewährung des Krankengeldes für Gonn und Festtage, sowie die Gewährung des Rrankengeldes auf die Dauer Doit 39 Wochen. In§ 48 ift beftimmt, daß die Beiträge auf neun Hundertstel des Grund: ohnes bemeffen find. In§ 67 wird durch Streichung bes Abfah 3 auch den Dienstboten Anspruch auf Sausgeld eingeräumt. 3n§ 116 ist bestimmt, daß Bekannt auch machungen im „ SchönebergFriedenauer Lotalanzeiger" erscheinen. Auf schwebende Unterstügungsfälle finbet biefer Nachtrag teine Anwendung. Der Nachtrag tritt( mit Ausnahme bes bereits vom 3 Juli 1922 ab wittsamen $ 48) am 24. Juli 1922 in Kraft. Berlin- Schöneberg. 22. Juli 1922. Der Vorstand. Arthur Schuldt, Borsigender. Frig Senß, Schriftführer. 168,5 Nr. 34239. Jahrgang Beilage des Vorwärts Sonntägliche Wanderziele. Der Unterspreewald. = Sonnabend, 22. Juli 1922 Etappenhelden. Kriegsverbrecherprozeß in Gent. H # Am kommenden Donnerstag beginnt, wie wir dem Berliner Tageblatt" entnehmen, vor dem Schwurgericht in Gent ein Tegel, ursprünglich 1660 als Jagdschloß erbaut, der Wohnsitz der Prozeß, der ein während des Krieges vor dem deutschen FeldkriegsBrüder Alexander und Wilhelm von Humboldt, die gericht in Brüffel verhandeltes Verfahren wieder aufrollen soll. Er Mit den Fernzügen vom Görlizer Bahnhof bis Halbe( bei auch in dem schönen, leider unzugänglichen Schloßpart begraben betrifft die Ermordung des belgischen Grafen d'Udekem den Zügen von der Stadtbahn in Niederschöneweide umsteigen). liegen. d'Acoz auf Schloß Rudderpoorde bei Brügge, die im Sonntagsrückfahrkarte, die zur Hinfahrt am Sonnabend schon von Wir gehen etwas nach links und biegen dann auf der Herms- Frühjahr 1915 von dem Rittmeister Freiherrn v. Gagern und dem 12 Uhr mittags an berechtigt. III. Klasse 21 M., IV. Klaffe 17 M. dorfer Chaussee rechts ab. Sturz nachdem wir die Kremmener Leutnant Prinz v. Stolberg Wernigerode Uslar be. Ein umfangreiches Waldgebiet, das zugleich reich an Seen und Eisenbahn überschritten haben, wenden wir uns nach rechts und gangen sein soll. Beide gehörten der Garde- Kavallerie- Division an. Wafferläufen ist, dehnt sich von Königswusterhausen bis Lübben haben bald die Wiesenniederung mit dem Mühlenflich erreicht. Der eigentliche Mörder soll der Rittmeister v. Gagern sein, der mit aus. Den Glanzpunkt bildet der Unterspreewald. Bom In zahlreichen Windungen schlängelt es sich dahin. An einem Bahnhof Halbe wandern wir auf der Chauffee durch Kiefernwalo kleinen Beispiel sehen wir hier, was die großen Flüsse und Ströme der stark hysterischen Frau des sehr reichen Grafen ein Verhältnis zu dem 5 Kilometer öftlich gelegenen Wendisch- Buchholz nicht so übersichtlich vor Augen führen. Ein derart gewundener unterhielt. Das Motiv der Tat war, wie seinerzeit das deutsche Feldan der Dahme, die wir vor der Stadt überschreiten. Wir können Lauf ist ein Mäarter, so genannt nach dem gleichfalls in zahl- friegsgericht feststellte, gemeine Habgier. v. Gagern strebte hierher auch mit dem Postauto fahren. Die erste Kunde von dem reichen Windungen fließenden Mäandros in Kleinafien. Das nach dem Riesenbesitz des belgischen Grafen. Städtchen geht auf 1346 zurüd, wo es zum Aufsichtsbezirk des Tegeler Mühlenfließ entspringt in der Gegend von Basdorf und Die Ermordung ging nach dem deutschen Untersuchungsergebnis Brobstes zu Storfow gehörte. Vor dem Ort wandern wir von der Schönerlinde. Nach der Vereinigung mehrerer Quellbäche fließt es folgendermaßen vor sich: Eines Tages fuhren der Rittmeister und der Chauffee nach Süden, am Wehr über den Umflutkanal zur Bürger- an Schildow, Lübars und Hermsdorf vorüber nach Tegel. Es ist Prinz im Automobil vor dem Schlosse des Grafen vor und erklärten heide. Am Beginn des Waldes halblinks zum Westende des eine der zahlreichen Rinnen, die den Barnim entwässern. Wir diesem, sie hätten den Auftrag, ihn in das Hauptquartier der 4. ArRöthener Gees. Rechts liegt der 142,5 Meter hohe Wehla wandern dem Fließ entgegen und tommen zur Siedlung mee in Thielt zu bringen. Seine fönigliche Hoheit Herzog Albrecht berg, dessen Vermessungsgerüst wir schon von Wendisch- Buchholz Dohnlate. Der Weg zeigt uns schöne Uferpartien, da das Fließ von Württemberg, der Armeeführer, wünschte ihn sofort zu sprechen. aus sehen fönnen. Auf dem Südufer des Köthener Sees nach om Waldrande seinen Lauf nimmt. Am jenseitigen Ufer liegt Der Graf folgte ahnungslos der Aufforderung. Als das Auto durch Köthen, und dann in der Nähe des Sees nach Groß Freie Scholle, eine der ältesten genoffenschaftlichen Siedlun- den Wald fuhr, ließ es der Freiherr v. Gagern anhalten. Jetzt erasserburg, eine alte Wasserburg" am Rande des Unter- gen Berlins. Wir wandern jegt auf der Chauffee weiter, die uns flärte er dem bestürzten Grafen, daß einer von beiden zuviel auf der Spreewalds. Der Unterspreewald bildet den nördlichen Teil der von bald zum Bahnhof Hermsdorf bringt. Von hier fahren wir Welt sei und ein ,, Duell" entscheiden müsse, mer von ihnen übrig der Spree durchflossenen großen Niederung, in der sie sich in zahla rach Berlin zurüd. Weglänge 8 Kilometer. bleibe. Sie zerrten den Grafen vom Wege ab und drückten ihm eine reiche, negartig miteinander verbundene Arme teilt. Das Gebiet Pistole in die Hand, die wohl gelaben, aber unbrauchbar war. Der des Oberfpreewalds liegt bei Lübbenau, während sich der Unterunglückselige Graf war auf den ersten Schuß nicht tot, sondern nur Spreewald unterhalb von Lübben etwa 15 Kilometer weit nach minder schwer verwundet. Er war bei vollem Bewußtsein und er= Norden erstreckt; er ist 3,5 bis 6 Kilometer breit. Wendische Sprache tannte jegt, daß seine Ermordung beschlossen war. Er beschwor den und Sitten sind im Unterspreewald völlig erloschen; auch die eigenMörder sowohl als auch den dabeistehenden Prinzen, ihn am Leben artigen Trachten, die im Oberspreewald üblich sind, fehlen hier. zu lassen. Er wolle unter Eid versprechen, den Vorfall geheim zu Etwa der dritte Teil des Unterspreewalds ist von prächtigem Laubhalten. Weder der Prinz noch der Freiherr erhörten sein Flehen. wald bedeckt, in dem die Erle vorherrscht. Bon Gagern hielt die Pistole an die Schläfe seines Opfers und drückte erbarmungslos ab. Dann scharrte er ihn mit Hilfe einer im Automobil mitgeführten Schaufel wie einen Hund im Walde ein. Freiherr und Prinz wurden erst zwei Jahre später zur Verantwortung gezogen. Im Februar 1917 zu Brüssel. 52 Kriegsgerichtsräte, die den Armeen des Westens angehörten, wohnten der Verhandlung des Feldfriegsgerichts bei. Ebenso ein besonderer Vertrauter des Kaisers. Die Anflage lautete gegen v. Gagern auf Mord und gegen den Prinzen von Stolberg Wernigerode Uslar auf Beihilfe zum Mord. Das Urteil erfannte nur wegen Totschlags auf Strafe. In der Begründung hieß es, es sei nicht erwiesen, daß die beiden Täter dem Toten mit Abficht eine unbrauchbare Pistole unterschoben hätten. Aber der weite Schuß, der sogenannte Fangschuß", sei zweifellos, Totschlag" gewesen. So tam v. Gagern sehr billig weg, noch billiger der Brinz. Der letztere erhielt nur sechs Monate Feftungshaft, die er nicht einmal abzufigen brauchte.- Beide sollen nun am fommenden Donnerstag, 27. Juli, von dem Genter Schwurgericht, natürlich in Abwesenheit, nochmals abgeurteilt werden. Müffen wir auf eine Kahnfahrt verzichten, dann wandern wir von Groß- Wafferburg füdlich bis zur Chaussee von Schlepzig nad) Krausnid. Links führt sie durch den Buhl, ein prächtiges Waldgebiet, nach Schlepzig. An der Stelle des Gasthofs Zum grünen Strand der Spree" stand bis zum 19. Jahrhundert ein schon 1374 erwähnter Eisenhammer, der den Raseneisenstein der Umgebung verarbeitete. Bon der Chauffeetreuzung erreichen wir nach rechts in furzer Zeit das freundliche Dorf Krausnic, am Südhang der Krausnider Berge gelegen, zu denen auch der Wehlaberg gehört, Bon Krausnid wandern wir halbrechts durch den Wald am Wehlaberg vorüber zum Bahnhof Oderin. Von hier treten wir die Heimfahrt an. Den Fahrpreisunterschied bis Halbe müffen wir zuzahlen. Weglänge etwa 28 Rilometer. Am Tegeler Mühlenfließ. In Tegel beginnen wir die Wanderung. Wir gelangen dorthin entweder mit der Vorortbahn vom Stettiner Vorortbahnhof oder mit der Straßenbahn( Linie 22, 26, 125, 126). Bon der Endhaltestelle der Straßenbahn an der Berliner und Schloßstraße wandern wir durch die Hauptstraße zum Strand des Tegeler Sees hinab. Bir tommen an der„ trummen Linde" vorüber, einem uralten Baum, den man ausgemauert hat, um ihn zu stüßen. Tegel, jest ein dicht bevölkerter Industrieort Groß- Berlins, war bis vor meni gen Jahrzehnten ein stilles Dörfchen, nach dem die Berliner auf Sommerfrische zogen. Der Name Tegel ist der plattdeutsche Austrud des hochdeutschen Wortes Ziegel, wie das Dorf in der Pfarrmatritel von 1716 auch wirklich genannt wird. Der Tegeler See erstreckt sich in einer Länge von 4 Rilometer und Breite von 1,5 Kilometer bis zur Havel bei Spantau. Wir wenden uns rechts auf der Uferpromenade zur Brücke über das Mühlenfließ, das hier in den Tegeler See mündet. An der Mündung befinden fich umfangreiche Hafenanlagen, auch endet hier die Industriebahn Den Friedrichsfelde, die im großen Bogen nördlich um Berlin führt. Jenseits der Brüde mandern wir nach rechts zur Schloßstraße zurück. Rechts liegt die Humboldtmühle, jezt eine Dampf: mühle, die früher vom Fließ getrieben wurde. Mühle und Dorf find 1361 von den Roanen in Spandau gekauft worden, die fie bis zur Reformation behielten In der Nähe der Humboldtmühle kam es 1410 zu einer Schlacht zwischen der Berliner Bür. gerschaft und dem Raubritter Dietrich Quizon, der den Berlinern das Bieh von der Weide getrieben Latte. Hierbei wurde der Berliner Ratsherr Niklas Wins fowie cine Anzahl anderer Berliner gefangen genommen und nach der Jeste Bößow verschleppt. Links sehen wir das Schlößchen 59] Der Ruf durchs Fenster. Roman von Paul Frant. von Erwachen Sie, Richard Faltin, fühlen Sie Schwere und Drud aus Kopf und Gliedern weichen, öffnen Sie die Augen und feien Sie meines Befehls cingedent." Der Arzt kehrte dem Medium den Rücken. Jetzt wird es wohl erlaubt sein, fich eine Zigarette anzuzünden?" fragte er, worauf der Prä felt blitzschnell eine auf dem Schreibtisch stehende filberne Raffette ergriffen hatte, deren getriebenen Deckel er öffnete. ,, Hier, Herr Doktor, bedienen Sie sich. Und auch Sie, meine Herren," rief er. „ Ich denke, daß man inzwischen das Automobil bereits ftellen lassen könnte," sagte Klaus Garbislander. ,, Wollen wir denn die Fahrt sofort unternehmen?" fragte Tudolin. ,, Natürlich!" entgegnete der Schriftsteller. In weniger denn fünf Minuten wird Richard Faltin erwacht sein; wir dürfen nicht lange zögern." Der Präfekt drückte auf den Klingeltaster, worauf ein Bo lizist das Zimmer betrat, dem Tudolin einige Borte in russischer Sprache zurief, worauf der Mann wieder verschwinden wollte, von Garbislander jedoch am Arm erfaßt und zurückgehalten wurde. ,, Er tönnte Mantel und Hut des Patienten auch gleich zur Stelle schaffen..." sagte er, worauf der Mann, ehe er das 3immer verließ, noch eine zweite Weisung empfing. " Ich bin neugierig, wie noch nie in meinem Leben.. murmelte der Bankdirektor, der die ganze Zeit über feinen Blid von Faltin gewendet hatte, der nun, nachdem er einen fiefen Atemzug getan, die Augen aufschlug. Da er den Bant Direktor jah, tat er nichts dergleichen, und mit feiner Miene Derriet er, daß er miffe, men er vor sich habe. Er erhob sich nach mehrmaligen vergeblichen Versuchen, vorerst schwankend, tortelnd wie ein Betrunkener, von seinem Stuhl, und schien hierauf angestrengt jemand oder etwas zu suchen. Mittlerweile mar der Polizist erschienen, der Richard Faltins Garderobe brachte; Jordan half feinem Medium in den Mantel und drückte ihm den Hut aufs Haar. Auch die übrigen hatten sich inzwischen reisefertig gemacht. Wie wird das Sonntagswetter? NW W ... N.. NO SW " S" Ma so GU wwwwwww Sturm Regen und Veränderlich Schön Wind Gewitter 30די 30 20-20 10 10 0 0 10 10 Am letzten Sonntag drang ein außerordentlich umfangreiches atlantisches Tiefdruckgebiet von der Nordsee nach der südlichen Ostsee vor, wo es sich nach Vereinigung mit einem zweiten aus lang in der Nähe der deutschen Küste liegen blieb. Unter seinem Südeuropa hergekommenen Tief noch verstärkte und mehrere Tage Einfluß dauerte das trübe, kühle, windige Regenwetter in fast ganz Deutschland bis nach Mitte der Woche mit nur kurzen Unferbrechungen fort. Besonders in Pommern und Brandenburg kamen ungewöhnlich starke Niederschläge vor, die sich an vielen Orten täglich wiederholten. Beispielsweise fielen von Sonntag bis Montag morgen in Greifenberg 52, in Rügenwalde 68, in Köslin sogar 102 mm, von Montag bis Dienstag in Puttbus auf Rügen 77, morgen in Berlin 43. in Eberswalde und Frankfurt a. O. 60 mm in Küstrin 70, in Landsberg 78 und von Dienstag bis Mittwoch Regen. In der Nacht zu Dienstag erhoben sich in Nordost- und Mitteldeutschland stürmische westliche Winde, die bis gegen Abend anhielten. Erst zwischen Mittwoch und Donnerstag nach mittag klärte sich der Himmel im größten Teile des Reiches und wurde es auch wieder etwas wärmer. Am Freitag stieg das zwischen einzelnen leichten Regenschauern mehr und mehr auf Thermometer in Berlin bis 24%, Grad Celsius. Nach Entfernung des nördlichen Tiefs ist ein Hochdruckgebiet von Frankreich nach Süddeutschland und Deutschösterreich gelangt, jedoch rückt bereits ein neues Tief. vom Atlantischen Ozean ziemlich rasch gegen Skandinavien vor. Bei uns dürfte sich daher der Wind nach Südwesten. vorübergehend nach Süden drehen, das Wetter am Sonnabend und wohl auch am SonnW Das Urteil, das in diesem Falle von einem deutschen Feldkriegsgericht gegen zwei Vertreter der Aristokratie gefällt wurde, muß jedem gefunden Rechtsempfinden ins Gesicht schlagen. Die hier gedes deutschen Volkes" in der glorreichen Zeit", die durch ihre Verfennzeichneten Etappenhelden gehören zu jener Sorte von Führern werfenheit mit dazu beigetragen haben, die Stimmung der in entbehrungsreichen Kämpfen fich verblutenden Truppen und des in der Heimat schaffenden Boltes herabzudrücken, und die das deutsche Anfehen, auf das ja gerade in diesen Kreisen so überaus hoher Wert gelegt wurde, schändeten. Waffenfunde auf dem Schlesischen Bahnhof. Der Herr im Haufe" hat nichts gewußt". Gestern wurde auf Beranlaffung des Bezirksbetriebsrats der Eisenbahndirektion Berlin, der durch den örtlichen Beamtenrat des Polizeipräsidiums ersucht, die in den dortigen Diensträumen befind Schlesischen Bahnhofs benachrichtigt war, die Abteilung la des lichen Waffen zu beschlagnahmen. Die Feststellung der Kriminalbeamten ergab, daß im Materialienmagazin 14 Gewehre mit der dazugehörigen Munition im Schrant persteckt waren. Wie uns mitgeteilt wird, war gerade der Chef des Eisenbahntag vormittag trocken und ziemlich heiter bleiben betriebsamts, Herr Regierungsbaurat Dr. Steinbrecher, dem und die Erwärmung noch zunehmen. Nachmittags der Personenbahnhof unterftellt ist, anwesend. Dieser Herr wollte oder abends ist jedoch am Sonntag neue Trübung den beiden vom Polizeipräsidium entsandten Beamten die Be und wieder etwas Regen wahrscheinlich. fchlagnahme verbieten und erklärte ihnen, daß er nur auf zur Seite, und der Präfekt überblickte nochmals die Infassen des Wagens, die Teilnehmer an der Expedition. Der Bankdirektor und der Schriftsteller saßen in der Fahrtrichtung, wäh rend Doktor Jordan den Rückenfiz erhalten hatte. ,, Wenn es gefällig ist!" rief der Präfekt, der voraneilen wollte, dem Faltin jedoch den Weg vertrat, worüber Herr Tudolin einigermaßen verblüfft war. ,, Sie vergessen," klärte der Schriftsteller ihn auf, daß er den Befehl erhalten hat, uns zu führen, daß er das Bersprechen gegeben, gehorsam zu sein, und daß er infolgedessen auch von Ihnen, Herr Präfeft, in seiner Pflichterfüllung sich nicht stören lassen.will!" 19. Faltin eröffnete den Zug, der über die Treppe hinabschritt und den Herr Tudolin im Barterre verließ, da er allenfalls noch zwei Leute zur Bedeckung mitnehmen wollte. Als Garbislander von der Absicht Tudolins erfuhr, bat er ihn, Zivilagenten und keine Schuyleute heranzuziehen, da es doch galt, vorerst größeres Aufsehen zu vermeiden. Während der Präfeft die zunächstliegende Tür geöffnet hatte und dort eingetreten war, hatten die anderen ihren Weg fortgesetzt, bis sie das vor dem Tor wartende Automobil erreicht hatten. ,, Da wir sechs Personen sind, fönnen wir unmöglich in einem Wagen untergebracht werden!" rief der Arzt. ,, Richard Faltin muß sich auf jeden Fall neben mich sehen," erklärte der Präfekt, der inzwischen die Gruppe erreicht hatte. Was fällt Ihnen ein?" unterbrach ihn Doktor Jordan. Faltins Plaz ist neben dem Chauffeur!" Nichts anderes wollte ich sagen, da ich doch selbst chauffiere." ,, Und ich benüße mit den Agenten einen zweiten Wagen," entschied Herr Ljubatschow, der die beiden stämmigen Männer, die der Präfekt zur Bedeckung der Gesellschaft ausgewählt und eingereiht hatte, in ein Gefährt einsteigen hieß, das er in zwischen herbeigewinkt hatte und in das er als letzter nach folgte, nachdem er dem Lenter eingeschärft hatte, sich dem vor anfahrenden Automobil auf den Fersen zu halten.. Der Chauffeur hatte inzwischen seinen Play verlassen und ihn dem Bräfekten abgetreten, vor dem er ehrerbietig die Mütze 30g, die Herr Tudolin ihm in der nächsten Sekunde aus der Hand nahm, um sie auf den eigenen Kopf zu sehen, worauf er auch seinen Stadtpelz gegen das Lederjakett des Chauffeurs vertauschte, der den Wagen flint anfurbelte, während Tudolin, hinter dem Volant sigend, die Handschuhe über die Finger streifte. Inzwischen befand man sich in voller Fahrt. ,, Sehen Sie nur, wie Faltin unsern Führer dirigiert flüsterte Direktor Roos, der faffungslos erstaunt war. ,, Was wundert Sie daran?" fragte der Arzt. In Gedanken versunken?" wendete er sich unvermittelt an den Schriftsteller, der, die schmalen Lippen aufeinandergepreßt, schweigend dasaß. Da er feine Antwort erhielt, sendete er den Blick durch das Seitenfenster auf die Straße, über die sich die ersten Schatten einer früh und vorzeitig einfallenden Dämmerung fenften. Das Getriebe, das hier im belebten Stadtteil herrschte, war bunt und lebendig. Ameisen gleich tribbelten die Bassanten über die Steige und Straßen, und von einer hastigen, zugleich zwecklosen Geschäftigkeit schienen sie erfüllt. Allmählich wurde es stiller und die Wogen der Fußgänger ebbten ab oder schlugen doch nur seltener über die eine oder die andere Passage. Unter den legten elektrischen Lampen, deren Helligkeit die mit billigem Borstadttand geschmückten Schaufenster in ihrem fümmerlichen Glanz erstrahlen ließ, spazierten geschmückte Frauen, die an den Straßeneden wartend standen und einander zuriefen. Soldaten, junge Leute gingen, die Weiber mit einem feden Lächeln musternd, vorbei; die Gefich ter im hochgeschlagenen Mantelfragen geborgen, als ob sie geradeaus schauten, dennoch ständig blinzelnd und die Augen verdrehend, stolperten und stelzten vielerlei Gestalten vorüber. Frauen gingen da und dort, Schrittmachern gleich, voran und verschwanden hierauf in trüb beleuchteten Hauseinfahrten. Seide raschelte, Pelzwerf glänzte, Straßentot fäumte Spizenunterröcke; Hochgewachsene waren da, rot geschminkt, puppenhaft, mit überhängenden Haaren, die durch grellfarbige Bän der gehalten wurden, wie bei zwölfjährigen Mädchen. Aus ausgeschnittenen Lackschuhen erwuchsen dünne Beine, von Seis denstrümpfen umspannt, die Röde fielen nicht viel weiter als über das Anie, die Brüste waren an den Rörper gepreßt, mo= durch eine kindhafte, eben erst in Entwicklung begriffene Jus gendlichkeit vorgetäuscht wurde, die natürlich zu der herausfordernd bemalten Frake in traffem Widerspruch stand. Ein füßlicher Geruch von Parfüm und Schweiß schwamm über ( Fortsegung folgt.) Der Motor ratterte und fnatterte, der Chauffeur sprang dem Ganzen... dem Bahnhof Herr im Hause sei und daß niemand sonsts über die Waffen zu bestimmen habe. Diese seien Eigentum der Eisenbahndirektion Berlin und für den„ Selbstschutz" bestimmt. Als er jah, daß die Beamten der Abteilung la trozdem ihre Pflicht erfüllten, lentte er ein und sagte, daß er ja eigentlich von dem Vorhandensein der Gemehre nichts gewußt" habe. Der ebenfalls anwesende Materialienverwalter des Schlesischen Personenbahnhofs erklärte, daß er den Vorstand des Bahnhofs, Herrn Amtmann Bott, wiederholt auf die ver borgeren Gewehre aufmerksam gemacht habe. Diefer habe jedoch stets erwidert: Lassen Sie die Gewehre ruhig dort im Schrank stehen." Der Vorstand Dr. Steinbrecher und der Amtmann. Bott stehen in dem Ruf, äußerst reaktionäre Beamte zu sein. Ihr Verbalten bei der Waffenbeschlagnahme scheint diese über sie verbreitete Meinung zu bestätigen. Es erscheint dringend notwendig, das Ber halten dieser Herren Borgesetzten einer Nachprüfung zu unterziehen. Die Untersuchung gegen v. Kähne. Der gestern von dem Potsdamer Untersuchungsrichter vernommene Förster Lacher bestritt ebenso wie Herr v. Rähne, an dem Tod des Larse irgendwie beteiligt gewesen zu sein. Eine Gegenüberstellung mit Herrn v. Kähne soll bisher noch nicht erfolgt sein. Gestern nachmittag hat der Untersuchungsrichter mit mehreren Gerichtsbeamten nochmals an Hand der Aussagen des Belastungszeugen Rehfeldt eine eingehende Inaugenscheinnahme des angeblichen Tatortes im Wald von Pezzom und der Fundstelle der Leiche vorgenommen. Die Falle in der„ Grille". Ein Schupoabenteuer. Im Januar dieses Jahres wurde zwei Beamten von der Schupo mitgeteilt, daß in dem Lokal„ Grille" in der Jägerstraße durch gefneipt" werde, und zwar würden noch Gäste durch den Hauseingang hineingelassen. Als sie ebenfalls versuchten, durch den Hauseingang Einlaß zu erhalten, fanden sie die Tür verschlossen. Gleichzeitig schloß jemand unter hohnlachen die Haus tür von außen zu, so daß die Beamten buchstäblich in der Falle faßen, während die Gäste heimlich durch den Vorderausgang auf die Straße hinausgelassen wurden. Passanten, welche dies beobachtet hatten, machten eine Streife der Schupo aufmerksam, die einen Wächter Hermann Müller als denjenigen festnahmen, der die Haustür verschlossen hatte. Wegen dieser Freiheitsberaubung, durch die die beiden Beamten eine Stunde lang im strömenden Regen auf dem dunklen Hofe stehen mußten, war Müller vom Schöffengericht zu 500 Mart Geldstrafe verurteilt worden. Hiergegen legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein mit dem Hinweise, daß es sich um einen feinesfalls leicht zu nehmenden Verstoß gegen die öffentliche Ordnung handle. Die Berufungsinstanz der Ferienstraffammer des Landgerichts I schloß sich dieser Auffassung an und erkannte auf 1 Monat Gefängnis mit der Maßgabe, daß bedingte Begnadigung eintrete, wenn der Angeklagte 3000 Mart an die Staatstaffe gezahlt habe. Die Beisehung des verstorbenen Journalisten Oscar Thiele findet heute, Sonnabend, den 22. Juli, vormittags 11½ Uhr, von der Halle des Alten Jakobi- Friedhofes in Neukölln, Berliner Str. 1/2, am Rollkrug, statt. Süße Spnisan bereitet man vorteilhaft mit Süßstoff. Man löft eine H.Dadung für 1,20 M. in 1 Liter warmen Baffers auf und verwendet diefe Lofung wie 3uder. Süßffoff fchmedt völlig rein, ist billig und befömmlich. Erhältlich in Rolonialwaren, Drogenhandlungen und Apotheken Lebensmittelpreise des Tages. Zufuhr: Fleisch ausreichend. Geschäft still. Fische genügend, Geschäft flau. Obst und Gemüse reichlich, Geschäft flott. handelspreise: Groß- Berliner Parteinachrichten. Bezirksvorstand. Trescomstraße, Funktionär- Ronferenz. Heute abend 6 Uhr Sigung des Bezirksvorstandes im Sefre Am Freitag galten in der Zentralmarkthalle folgende Klein- fariat, Lindenstr. 3. Erscheinen aller Mitglieder ist unbedingt notwendig. 86-101 M. Hammelfleisch 50-80 M. Kalbfleisch 50-76 M. Rückenfett 131. Abt. Niederschönhausen. 8½ Uhr bei Benkert Nachf., Uhland-; Ede Rindfleisch 60-72 M., ohne Knochen 75-83 M. Schweinefleisch Heute, Sonnabend, den 22. Juli: 96-99 M. Rindertalg 77-79 M. Schellfisch 10-18 M. bis 16 M. Seelachs 12-16 M. Kabeljau 15-18 M. Rotzungen 12 In Eis: Schleie 48 Bernau. Mitgliederversammlung abends 8 Uhr im Elnfium. Vortrag über die bis 51 M. Hechte 45-55 M. Aale 70-80 M. Lebende Aale 78-98 M. legten politischen Ereignisse. Zahlreiches Erscheinen Pflicht. Schleie 70-80 M. Eier 7,10-7,50 M. das Stück. Naturbutter 85 bis 99 M. Margarine 50-60 M. Weizenmehl 18-21 M Maisgrieß 13 M. Morgen, Sonntag, den 23. Juli: Hafergrütze 16-17 M. Reis 15-22 M. Kartoffeln( neue) 70-88 M. 9. Areis. Wilmersdorf. Sommerfest im Viktoriagarten, Wilhelmsaue, 4 Uhr. Bund. Spinat 8-9 M. Grüne Bohnen 14-17 M. 10 Pfund. Blumenkohl 15-35 M. der Kopf. Mohrrüben 2,50-5 M. das Kohlrabi 15-18 M. die Mandel. Schoten 8-10 M. Zwiebeln 10-12 M. Einschränkung der städtischen Beherbergungssteuer. Die städtischen Körperschaften hatten bekanntlich einen Nach= trag zur Beherbergungssteuerordnung beschlossen, der Personen( Deutsche und Ausländer) vorsieht, die am 1. Januar die Verfünffachung der Steuersäge bei Vermietung an 1921 ihren Wohnfig nicht im Deutschen Reiche hatten. Auf die Vorstellungen der Vertretungen des Hotelgewerbes und der Zentralstelle für den Fremdenverkehr hin hat nunmehr der Magistrat diese Novelle für die praktische Durchführung wesent lich eingeschränkt. Er hat beschlossen, die Steuer nur in der Höhe zu erheben, daß die städtische Beherbergungssteuer höchstens 45 Proz. des von dem Gast zu zahlenden Gesamtentgelts( einschließlich Steuer) beträgt. Ferner soll die Novelle erst vom 15. August ab zur Anwendung gebracht werden. Gestohlene Granaten. Am 20. d. M: sind vom Flugplah Niederneuendorf, Wo schaft Geschosse lagern läßt, etwa 100 Stüd 7,7 3entimeterdie Norddeutsche SprengstoffgefellGeschosse gestohlen worden. Ueber die Täterschaft ist bisher nichts bekannt. Auf die Gefährlichkeit der Geschosse wird hingewiesen, da diese noch nicht vollständig entladen find. Zweckdienliche Angaben wolle man der Amtsverwaltung Hennigsdorf bei Tegel zukommen lassen. der Staliger Straße 117 hervorgerufen. Der SchuhmacherEin Mordgerücht wurde gestern durch eine Schießerei in meister Raphael Kal mustie war mit seinem Sohne, der im Nebenhause ebenfalls eine Schuhmacherei betreibt, infolge eines Familienzwistes in Streit geraten. Als der Sohn gegen den Bater tätlich wurde, griff dieser zum Revolver und schlug auf den Sohn an. Jezi sprang die Mutter dazwischen und entri ihrem Manne die Waffe. Dabei ging ein Schuß los, und die Kugel traf den elten Kalmuktie in die Schulter so schwer, daß er nach dem Krankenhaus gebracht werden mußte. Schüffe auf einen Bororfzug. Gestern morgen gegen 29 Uhr wurde ein Vorortzug in der Nähe der Hohenzollernbrüde am Rudolfplay, unweit der Eisenbahnwerkstätte I, beschossen. Eine Kugel durchschlug die Scheibe eines Abteilfensters und flog auf der anderen Seite durch das offene Türfenster wieder hinaus. Mehrere Fahrgäste wurden durch Glassplitter leicht verlegt. Für die Ermittlung des Täters ist wie in allen diesen Fällen wieder cine Belohnung von 500 Mart ausgesetzt. zahlen mt.it fofort Ecolóa Bei schlechtem Wetter in den Sälen. Banner und Fahnen mitbringen. Die Genossen für die Raffen toinmen um 3½ Uhr. Jungsozialisten. Treffahrt am Hölzernen Gee. Bahnfahrt bis Rönigswuster hausen. Es beteiligen fich geschlossen die Gruppen Friedrichshain, Trep tow, Güden, Neukölln und Briz. Die übrigen Gruppen sind zur Teilnahme aufgefordert. Für alle, die bereits Sonnabend fahren, ist Gelegen heit zum Uebernachten in der Herberge König, in der Nähe der Försterei. Jugendveranstaltungen. 6 Uhr Jdeal- Baukantine. Bohnsdorf. Wanderung nach dem Lehnissee. Treffpunkt Sonntag früh 5 Uhr Bahnhof. Brig. Wanderung nach den Müggelbergen. Treffpunkt Sonntag hagen Bühlsdorf Birkenwerder. Hermsdorf. Wanderung Lehnig- SchmachtenTreffpunkt Sonnabend 17 Uhr Bahnhof Hermsdorf. Mahlsdorf. Wanderung nach Eberswalde. Treffp. Sonnabend 6 hr Strom, Ede Turmstraße. Bahnhof. Moabit. Spielfahrt nach Papenberge. Treffpunkt Sonntag 26 Uhr Reukölln- Nord. Wanderung nach Rönigswujte: hausen, Utleisee. Treffpunkt Sonnabend 7 Uhr Reuterplay. Nordosten. Stralauer Biertel. Wanderung nach Rönigswusterhausen, Todnigsee. TreffWanderung nach Gatow- Cladow. Treffpunkt 6 Uhr Aleganderplag. puntt Sonnabend 17 Uhr Rudolphplay. Brenzlauer Borstadt. Elternwonberung nach dem Croffinfee. Treffpunkt Sonntag 6 Uhr Bahnhof Prenzlauer Allec.- Reinickendorf- Oft. Wanderung Bernau-- Liepnissee. Treffpunkt Sonnabend 6 Uhr Bahnhof. Steglig. Wanderung Zeuthen- Rauchfangswerder. Treffpunkt Sonntag 7 Uhr Breitenbachplay. Köpenicker Viertel. Banderung Bernau- Liepnisfee. Treffpunkt Sonnabend 28 Uhr Stettiner Vorort nad Königswusterhausen- Senziger See. Reichenberger Biertel. Wanderung nach Fangschleuse- Störizsec. bahnhof. Treffpunkt Sonnabend 6 Uhr Görliger Bahnhof. Südwesten. Wanderung Blücherplag. Treffpunkt Sonnabend 16 Uhr Tempelhof. Elternwanderung zum Gütergoger Gee. Treffpunkt Sonntag 7 Uhr Behnhof. Treptow. Wanderung nach Botsdam- Lienewigſee. Gorinfee. Treffpunkt Sonntag 26 Uhr Bahnhof. Treffpunkt Connabend 6 Uhr Bahnhof. Wedding. Wanderung Zeperniddem Mogener Gee. Treffpunkt Sonntag 6 Uhr Hochbahn Bülowstraße. Westen. Wanderung nach Arbeitersport. ter dem Rathaus in Reinidendorf- Oft) Boruffia I- Sanfa- Hohenneuendorf 1. An fang 5 Uhr. Borher Spiel der 3. und 2. Mannschaften. 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Zappe hier einzureichen Es ist erwünscht, jedoch nicht Bedingung, daß der Bewerber beide juriftische Staatsprüfungen abgelegt hat. Osterwied a.$., den 10. Juli 1922. Der Magistrat, Barner. Hier ist ein 195/5 Frontenputzer H. Matz& Co., Tüchtige Pelzmaschinennäherinnen Magistratsrat Beugbo ftraße 3. ( elektr. Betrieb) verlangt Seidel, Andreasstr. 41. 37/12 Eiſenbetonpoliere gesucht für Dauerftellung on Berliner und auswärtigen Baustellen. Nur erfahrene Poliere wollen fich schrift. lich unter genauer Angabe der bisherigen Tätigteit melden an, Huta", Hoch- und Tiefbau A.-G. Charlottenburg. Berliner Straße 142 Bildhauer gesucht auf beffere Herrenund Speisezimmer Albert Gleifer, Möbelfabrit Berlin 0, Markusstr.18, Hof4, Aufg.4 balbigft einzustellen Demfelben sollen der Mehrere erfahrene Borsig im Gewerbegericht, Berfiche Schloffer und rungsamt und Mieteinigungsamt fowie eielschmiede für Reparaturen von Lokomotiven u. Lotoausge die Justiziarfachen übertragen werden. 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