Nr.343 39.Jahrgang Ausgabe B Nr. 165 Bezugspreis: Bierteljährlich 180.- M., monatlich 60,- W rei ins Haus, voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memel gebiet, sowie Desterreich u Lugemburg 108,- M., für das übrige Ausland 142, M. Bostbestellungen nehmen an Belgien, Dänemart, England, Esth land, Finnland, Frankreich, Holland Lettland, Luxemburg, Defterreich, Schweden, Schweiz, Tichecho- Slowakei und Ung Der Borwärts" mit der Sonntags. bellage Bolt und Beit", der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und der Beilage Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin" Abend- Ausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 2 Mark Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezetle toftet 25,-M. Reklamezelle 125.-M. Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 7, M.( zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 6, M. 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Hinsichtlich der Handelsbilanz sei es Frankreich möglich, trotz seines Wunsches und trotz verschiedener Studien, sich irgendeine flare Borstellung von der Ausfuhr zu machen. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Verlag, Sauptegpedition u. Inseraten. Abteilung: Dönhoff 2506-2507 Der Kampf ums Brot. Ueber den Auseinandersehungen bei den DeutschnatioDer französische Ministerpräsident spricht alsdann in seinem als die Stellung zur deutschvölkischen und zur Verschwörernalen ist außer acht gelassen worden, daß noch andere Ursachen Paris, 22. Juli 1922.( WTB.) Die Morgenblätter veröffent lichen weitere Nachrichten über den Inhalt der Weisungen, Memorandum von den Heilmitteln. Er lehnt die Vorschläge des Ga- politik in ihren Reihen zum Sprengpulver geworden sind. Die die Ministerpräsident Poincaré dem französischen Ver- rantiekomitees ab und erklärt, daß die Untersuchung ungenügend fel. Getreideumlage ist angenommen. Das ist ein Sieg des treter im Reparationsausschus, Dubois, angesichts des deutschen Nach ihm müsse der Garantieausschuß vollkommen die Machtbefugnis ermordeten Rathenau über die Deutschmonarchisten, der ihnen Ersuchens um ein Moratorium gegeben hat. Hiernach bemüht sich ausüben, die ihm die Artikel 241 und 243 des Friedensvertrages vor- im ganzen Reiche zunehmend mehr zu schaffen macht. der französische Ministerpräsident, die Gründe zu widerlegen, auf behielten. Er müsse nach Berlin übersiedeln und an Ort und Stelle die die deutsche Regierung ihr Verlangen stüßt. Am 12. Juni, als sie eine ununterbrochene und stabile Uffion ausüben. Der Landbund und seine politischen Freunde in den die Note überreichte, habe die deutsche Regierung hauptsächlich die Staatsparlamenten und im Reichstag haben draußen seit England ist überrascht. Entwertung der Mark also die Verpflichtung, unter sehr Monaten ihre ganze Agitation auf den großen Schwur eingeLondon, 22. Juli.( WTB.) Der diplomatische Mitarbeiter des stellt: Nieder mit der Getreideumlage! Unter schwierigen Bedingungen ausländische Devisen zu laufen- angeführt und auch die Notwendigkeit des Antaufes von Brot" Daily Telegraph" schreibt, die Nachricht, daß Poincaré, ohne diesem Schlachtruf ist die deutschnationalistische Bropaganda getreide herangezogen. Die französische Regierung bemerke vor die Fertigstellung des Berichts der Garantiefommiffion abzuwarten, um verfchiedene Konflikte mit ihren ländlichen Anhängern den französischen Bertreter in der Reparationsfommission ersucht herumgekommen. Es wurde ja immer offeneres Geheimnis, allen Dingen, daß man Lat, alle Alliierten aufzufordern, eine absichtliche Richterfüllung daß die bedingungslose Gefolgschaft in den Reihen im besondurch das Deutsche Reich und ein Moratorium von höchstens sechs deren der kleinen und mittleren Bauern und der nicht rein Wochen zu erklären, hat in London einigermaßen überrascht. agrarisch eingestellten Kreise einer zunehmend merkbarer Vorläufig kann bemerkt werden, daß diese Instruktion des französi- merdenden Unzufriedenheit, stellenweise sogar scharfer Opposchen Premierministers an den franzöfifchen Vertreter in der Repa- fition gegen die Parteihäuptlinge gewichen war. rationskommission den Eindruck macht, daß Poincarés frühere Auffassung aufgegeben ist, wonach die Kommiffio nais, eine unabhängige und souveräne Körperschaft, ihre wohlerwogenen Urteile ohne jeden Eingriff der einzelnen Regierungen fällen follte. Man ist in London nicht geneigt, wegen der Tragweite des Vorgehens Poincarés und wegen seiner Absichten, irgendwelche übereilten Schritte zu tun, aber man empfindet beträchtliches Mißtrauen. Selbstverständlich kann der Vorschlag der Bevon einer schlechten Berwaltung. schränkung des Moratoriums auf eine Zeitdauer von sechs Wochen Außerordentliche Ausgaben feien gemacht worden. Man sei fogar als eine reine Uebergangsmaßnahme betrachtet werden, so daß in soweit gegangen, das Eisenbahnnetz durch Linien zu vervollkommnen, der Zwischenzeit eine umfassende Erörterung und Entscheidung der die nur ein strategisches Interesse hätten und die Deutschland Bor- Alliierten über die ganze Reparationsfrage erfolgen kann. Indeffen stellungen von der Botschafterkonferenz eingetragen haben. Außer gibt das Beharren auf einer baldigen Erklärung der vorsätzlichen dem seien die deutschen Staatsbürger für die Liquidierung nichterfüllung durch Deutschland der Angelegenheit ein ernst es ihrer Güter im Auslande zu viel höheren Gägen entschädigt worden, Aussehen. Man hatte in weiten Kreisen gehofft und selbst in als sie die alliierten Staatsbürger unter den gleichen Berhältnissen französischen Kreisen vorgeschlagen, daß, bevor diese sehr wichtige erzielt hätten. Gewisse Einnahmen seien fyftematisch nicht in Frage in der Kommission aufgeworfen werde, die allierten Minister folcher Höhe erhoben worden, wie es hätte geschehen müssen. Bei präsidenten und Finanzminister zusammenkommen müssen, um einen spielsweise erhebe die deutsche Regierung Eisenbahntarife Weg für ein Abkommen über die Angelegenheit innerhalb der Romnach einem wahrhaften Dumping, und man fönnte feststellen, mission vorzubereiten. Auf diese Weise hätte eine Meinungsper daß ihre Eisenbahntarife nur den fünften Teil von dem darstellten, schiedenheit vermieden werden können. was Beispieltarife nur den fünften Teil beispielsweise in der Tschechoslowakei bezahlt werde. Was die Getreideantäufe an und nennt den Schritt Poincarés überlegt und folgenbetreffe, so stelle man fest, daß Deutschland sich wohl hüte, zu einer stärkeren Ausmahlung zu schreiten. Es scheine sich flar zu ergeben, daß der augenblickliche Stand der Dinge einer Gruppe von Industriellen zugute tomme. In Wirklichkeit fämen die Hauptschwierigkeiten, in die die deutsche Regierung geraten sei, vor allen Dingen Deutsch- polnisches Vorabkommen. Die deutsch- polnischen Verhandlungen in Warschau haben am 20. Juli zum Abschluß eines Vorabkommens geführt. Die hauptsächlichsten Bestimmungen dieses Abkommens besagen: 1. Die deutsche Regierung verpflichtet sich, Gesuche um Ausfuhr nach Polen ebenso zu behandeln wie die Ausfuhr nach allen anderen Ländern. 2. Bolen verpflichtet sich, Deutschland den Transit durch Polen nach Rußland zu gewähren. Bur Ausgestaltung dieses Abkommens werden um den 1. September die Verhandlungen in Dresden und war schau beginnen. Es ist geplant, sechs Kommissionen zur Prüfung der ganzen Materie einzusetzen. Korfanty erledigt. Die Nachricht von dem Rücktritt Bilsudskis bestätigt sich nicht. Amtlich wird vielmehr gemeldet, die Wahl Kors fantys zum Ministerpräsidenten fei erledigt, da ihm auch der Klub der Verfassungsfreunde seine weitere Unterstützung versagt habe. Pilsudski werde nunmehr die Bildung eines über den Parteien stehenden Kabinetts Dornehmen. Ein Kabinett Orlando? Rom, 22. Juli.( EE.) Orlando wurde beauftragt, das neue Rabinett zu bilden. Es besteht die Absicht, ein Koalitions fabinett auf breiter Grundlage, jedoch unter Ausschluß der Im übrigen sieht, Daily Telegraph" die Lage als überaus ernst schwer, während„ estminster Gazette" in dem Memorandum Poincarés lediglich eine Berzögerungsaktion erblickt und dieses Verfahren als politische Taschenspielerkünfte be zeichnet. Der Kampf gegen die Getreideumlage war die Kraftprobe des eichslandbundes und seiner politischen Freunde. Fiel die Getreideumlage, dann war man für dieses Jahr der Parteisorgen draußen auf dem Lande ledig. Der städtischen Anhänger fühlte man sich sicherer, sie sind ja meist weniger robusten und mehr fügfamen Gemütes, um ihre Stimmen hatte man weniger Sorge, auch für den Fall, daß die Getreideumlage zerschlagen wurde. In den Städten genügte ja meist die idealistisch erscheinende nationale Phrase. Ein patriotisches Blafat, ein Appell an die schwarzweißroten Gefühle, das genügte nach after Erfahrung, um die Unzufriedenheit einzudämmen. Aber das flache Land machte Gorge. hatten. Die Getreideumlage wurde im Reichstage angeJegt fam der Sturm, den Fischer und Kern entfesselt nommen. Nun ist Not im Lande. lungen, in den Bundeszeitungen und in der deutschnationalen Hundert ja tausendmal war in den LandbundversammBresse versprochen worden, daß bei einer Annahme des Ge feges mit allen Mitteln dagegen angelaufen werden würde. Das ganze Register wurde gezogen: Boykott, Zerund aus den einzelnen Teilen des Reiches fommen die Forde störung der Maschinen, Bauernstreif. Jetzt ist es so weit, rungen, man besteht auf seinem Schein und verlangt von der rung, gegen das preisregulierte Brot. Bon der anderen zentralen Leitung den Kampf gegen die BoltsernähSeite her macht sich für den Reichslandbund die Notwendigkeit geltend, an der Durchführung der Getreideumlage mitzuarbeiwwwten. Bleibt er Gewehr bei Fuß, was er als das mindeste versprochen hat, stehen, dann wird, darüber ist er sich klar, die Getreideumlage ohne ihn gemacht. Alle die Möglichkeiten, die hier wie überall eine positive Mitarbeit bei der Ausfüh rung eines Gesets zulassen, auf sie muß er verzichten, wenn er denen folgt, die er wild gemacht hat. Damit begibt er sich aber gegenüber den anderen, gesünder und auch dem Bolte gegenüber Derantwortlicher Denkenden andere Organisation, die er haßt wie der Teufel das Kreuz. feines Eristenzrechtes. Der Reichslandbund würde dann die ft är ten, er würde ihr seine eigenen Mitglieder zutreiben, ganz abgesehen davon, daß das bei den nächsten Wahlen auch allerlei unliebsame politische Auswirkungen haben würde. Die Kohlenlieferungen. Paris, 22. Juli.( p.) Die Reparationstommission hat geffern beschlossen, daß Deutschland in den Monaten August bis Oktober 1725 000 Tonnen kohle und Kots zu liefern haben wird, darunter 620 000 Tonnen Rots und 100 000 Tonnen Steinkohle für Rofsbereitung. förderung auf über 3 300 000 Tonnen stellt, sollen von dem UeberFalls sich in den betreffenden drei Monaten die deutsche Kohlenschuß 20 Proj. außer den genannten 1725 000 Tonnen geliefert werden Baris, 22. Juli.( CP.) Das beratende Romitee für Sachleistungen befahloß gestern, daß für die Sachleistungen ein besonderer Tarif in Anwendung kommen wird, der in allernächster Zeit veröffentlicht werden und zur Durchführung gelangen wird. Dieser Tarif wird aber weiteren Revisionen unterworfen bleiben. Das Komitee wird sich in zwei Wochen nach dem Infrafttreten des Tarifs wieder versammeln, um die ersten Ergebnisse desselben zu überprüfen und etwaige Abänderungen zu be= raten. Das Komitee beschäftigt sich außerdem mit der Kontrolle über die Sachleistungseinfuhren, um den möglichen Mißbräuchen vorbeugen zu fönnen. Die Amsterdamer Konferenz. läßt an alle Kreislandbünde zur Umlage eine eisung, Jetzt mindet und dreht sich der Reichslandbund. Er erin der er betont, daß es jetzt heiße, nachdem die Getreideumlage angenommen sei, die Landwirtschaft mit allen zu Gebote stehenden Mitteln, besonders in Berücksichtigung aller anderen zusammentreffenden Mißstände vor dem Ruin zu schützen. Was soll das heißen? Der Freiherr v. Richthofen, der diese Weisung unterschrieben hat, deutet es nur an. Heißt es doch in der Weisung weiter: Deshalb muß es Aufgabe der Landbünde sein, jeden Landwirt gegen zu hohe Veranlagung durch sofortigen begründeten Einspruch in den Beschwerdeausschüssen zu schüßen und ihn Die Amsterdamer Konferenz, die bekanntlich Vertreter, der Gewerkschaftsinternationale, der Wiener Arbeitsgemeinschaft und der Zweiten Internationale vereinigte, hat beschlossen, eine Kommission zur Prüfung der wirtschaftlichen Lage Deutschlands au vertreten." einzusetzen. Die Kommiffio: t, die am 7. August in Brüssel zu ihrer ersten Sigung zusammentreten wird, besteht aus folgenden Ge- gen mitarbeiten, d. h. nicht etwa ehrlich, damit die Man will also entgegen aller demagogischen Zusicherun noffen: Bon den Gewerkschaften Fimmen( Holland), Thomas minderbemittelte Bevölkerung ein preiswertes Brot befommt, ( England) und Souhaux( Frankreich), von der Zweiten Inter- sondern demagogisch, um die Durchführung des Gesetzes zu äußersten Rechten und der äußersten Linten 34 ayters( Belgien), von der Wiener Arbeitsgemeinschaft Wall. erschweren. Aber das läßt sich ja für die Zukunft gar nationale Tom Sham( England), Bels( Deutschland) und fchaffen. Giolitti, der sich gegenwärtig graphierte an Echanzer, daß er seine Kur nicht unterbrechen und in- head( England), Otto Bauer( Oesterreich) und Leon Blum nicht vorausbestimmen, wie es werden wird. In welcher folgedessen nicht nach Rom tommen fönne. Dem ,, Giornale d'Italia" Zwidmühle die Leutchen ihren Anhängern gegenüber sitzen, ( Frankreich). zufolge, foll er Orlando als den geeignetsten Ministerpräsidenten be- gresses, der Bertreter aller drei Internationalen umfassen soll, Er lautet: Bon Genossen Bels murde der Plan eines Weltfon zeigt der entscheidende Bassus der Weifung des Reichsbundes. zeichnet haben. Die Anhänger Giolittis haben gegen eine Er in die Debatte geworfen. Nach den bisherigen Abfichten ist eine nennung Orlandos zum Ministerpräsidenten im allgemeinen nichts Ronferenz der Wiener Arbeitsgemeinschaft für den September in gung von Strafen bei Nichterfüllung( Differenz,, Die Erfüllung der Umlage bezüglich der Verhän einzuwenden, dürften aber selbst, mit Ausnahme des gegenwärtigen Karlsbad, ein Arbeiter und Sozialistenkongreß in Hamburg für zahlungen 25 Broz. zum Marktpreis) würde die Landwirtschaft ohne Rolonialministers, Amendola, feinen ihrer Anhänger in das neue den 8. bis 13. Oftober gepiant. Der Vorschlag des allgemeinen weiteres ruinieren." Rabinett entsenden. Weltfongresses foll weiter verfolgt werden, wenn der Bericht der Wirtschaftskonferenz vorliegt. Mailand, 22. Juli.( EE.) Der hiesige Gen er alftreit ist phne Zwischenfall beendigt worden. Das Exekutivkomitee der Zweiten Internationale tritt am 12, August in Brag zusammen, Die Agrarier wissen selbst, daß ihnen fein vernünftiger Mensch glaubt, daß sie an der Erfüllung der Getreideumlage Afterben werden. Sie sind sich aber darüber flar, daß das Um lagegesetz dem Reiche genügend Machtmittel gibt, um den Landwirt an die Erfüllung der auferlegten Pflicht zu halten. Deswegen heißt es: Lavieren und Zeit gewinnen. Der jetzt befolgten Taktik innerster Kern ist, die Durchführung der Getreideumlage soweit als irgend möglich hinausziehen, denn dffmit werden die freien Marktpreise hoch getrieben, nicht nur der Umlagepreis wird in diese Entwicklung mit- gezogen, auch der Weizen der Deutschnationalen blüht dann wieder. Und das erscheint jenen Drahtziehern bitter nötig. Der Landesvorstand des Bundes der Landwirte in Bayern verkündet, in der gleichen Richtung arbeitend, jetzt nochmals, daß man an der Durchführung des Gesetzes nicht mitarbeiten wolle. Dann heißt es weiter:„Der Tatsache aber, daß das Getreideumlagegesetz nun gegen unseren Willen zur Durchführung kommt, können wir uns nicht ver- schließen. Wenn wir auch nicht mithelfen werden zur w i l- l i g e n Erfüllung der hieraus sich ergebenden Lasten, so muß es doch unsere Aufgabe sein, durch eine zweckdienliche Mithilfe unseren Mitgliedern diejenigen Möglichkeiten für ihre Wirtschaften zugängig zu machen, die das Gesetz zuläßt. Dazu gehört u. a. die Einflußnahme aufdiePreis- ge staltung über den ersten Ablieferungstermin hinaus. Dazu gehört die tätige organisatorische und j u r i- st i s ch e Mithilfe...." Für die Reichsregierung ist nunmehr das Kampffeld klar zu überschauen. Alle Erklärungen des Reichslandbundes und seiner Einzelorganisationen beweisen, daß die am Staats- und Reichswohl interessierten Bauern gegenüber der Demagogie der Landbundführung unterlegen sind. Die angekündigte Mitarbeit ist eine Konzession an sie, soll sich aber g e g e n ihren Willen auswirken. Das Umlagegesetz gibt der Regierung die Kraft, die sie braucht zur Durchführung des Ernährungsplanes. Letzt heißt es zupacken. Wir wiesen schon in unserer heutigen Morgenausgabe daraus hin, daß der Vorstand des oberrheinischen Landbundes es sich sogar leistet, im a m t- l i ch e n Kreisblatt für den Kreis Simmern offen zum Kampfe gegen die Getreideumlage aufzufordern. Hier muß die Entscheidung fallen. Die Drahtzieher des Reichslandbundes wissen, daß sie gegen das Gesetz, wenn es e r n st angewendet wird, nicht aufkommen. Sie wissen, daß sie dann auch von ihrei\ vernünftigen Mitgliedern und Anhängern nicht unterstützt werden, weil sich jene darüber klar sind, daß ein wilder Brot- preis einen Dolchstoß in den Rücken des deutschen Volkes bs- deutet. Es wird sich die Front der Freunde Deutschlands bilden, gegen die auch die wildeste deutschnationale Phrase nicht aufkommt. Erst gestern hat im Preußischen Staatsrat bei der Bera- tung der preußischen Getreideumlage der Zentrumsver- t r e t e r, der Gutsbesitzer Pauli-Rheinprovinz erklärt, daß die dem Zentrum nahestehende Landwirtschaft die Umlage loyal durchführen werde. Regierung, bleibe hart! Das deutsche Volk braucht das Brot, es kann mir einen erschwinglichen Preis dafür zahlen. Diese Einsicht wächst auch bei d e n städtischen Deutschnationalen, die aus ehrlicher Ueberzeugung der Vergangenheit noch nachhängen. Auch sie werden jede Bestrafung, sie werden das schärfste Zugreifen des Staates gegen die Störer der Getreideumlage begrüßen. Es darf nicht gewartet werden, bis sich die heimtückische und zugleich feige Politik, die jetzt in allen Organen des Reichslandbundes sich ankündigt, zur Aus- Wirkung kommt. Die ersten, die es wagen, gegen die Ge- treideumlage und ihre Durchführung unzukämpfen, sie muß die volle Schwere des Gesetzes tresfen, sie sind Anhänger einer wirtschofllichen Organisation Consul, sie müssen aus den Reihen der freien Staatsbürger ausgemerzt werden. Serliner USP. unö Einigung. Ueber die Funktionärversammlung der Berliner USP. Funktionäre veröffentlicht die„Freiheit" einen ausführlichen Bericht, dem wir sagendes entnehmen: Ledebour als Korreferent trat Levi scharf entgegen. Als Unabhängige, jagte er, werden wir nie in die Regierung kommen, das geben die Bürgerlichen nicht zu. Wir müssen erst Rechtssozia listen werden, um Minister werden zu können. Einseitiges Ver handeln mit der SPD. führe nicht zur Einigung, sondern zu neuer Zersplitterung. Solle man sich m i t N o s k e vereinigen, da mache er nicht mit. Ledebour beantragte eine Resolution, wonach die volle Selbständigkeit der USP. unbedingt aufrechterhalten wer den muß. In der Debatte bezeichnete U l m e r unter großem Tumult, der ihn zum Abtreten veranlaßte, Ledebour? Rede als jämmerliche und kleinliche Demagogie.— M i n st e r sprach gegen Koalition und Eini- gung.— Breitscheid erklärte, es gebe kein Zurück, die Unab- hängigen müßten ihre Ideen aufrechterhalten, auch in der kommen- den ei nheitlichen Gesamtpartei.— H i l f er d i n g sagte unter lebhaftem Beifall:„Der Parteitag muß die Eini- gung zur Wirklichkeit machen!"— In gleichem Sinne sprachen Ella S e g e r und Rief st ah l. Dittmann erNärte, die ver- schiedentliche Behandlung, die die Bürgerlichen den Sozialisten beider Fraktionen zuteil werden lassen, zeige ihre Absicht, die Bewegung zu zersplittern und zu lähmen. Gerade deshalb sei die Zeit reif, um an die Einigung heranzutreten.(Stürmischer Beifall.) In seinem Schlußwort sagte Ledebour: Die SPD. sei zur Verschmelzung noch nicht reif. Es könne Parteipflicht sein, die Disziplin zu brechen— Levi wandte sich scharf gegen die Kam- munisten und schloß:„Wir wollen die Einigung. Ob sie kommt, da- zu hat jetzt das Wort die SPD." Die Resolution Ledebour wurde mit lt00 gegen 100 Stimmen abgelehnt und mit der gleichen Mehrheit die schon bekannte Resolution angenommen. Danach ist anzunehmen, daß im Fall der Einigung eine kleine von Ledebour geführte Gruppe absplittern wird. Kpd- Gpportunismus. Die„Freiheit" macht eine amüsante Feststellung: Die Kam- munisten haben im Reichstag zwar gegen das Schutzgesetz ge- stimmt, dem ohne ihre Mitwirkung eine Zweidrittelmehrheit ge- sichert war, aber für das Beamtengesetz, das gefährdet war und erst durch ihre Zustimmung Zweidrittelmehrheit erhielt. Gegen dieses Gesetz stimmten 135 Abgeordnete, dafür 278, darunter 12 Kom- munisten. Diese haben sich also als„Jasager" betätigt und das Kabinett Wirth gerettet, also genau dasselbe getan, was sie den Unabhängigen vorwerfen. Auch sie sind ganz oberfaule Opportunisten. Das hat unlängst die„Komm. Arbeiterzeitung", das Organ der KAPD. Berliner Richtung� schon festgestellt, als sie über den„Block von Stinnes bis Koenen" schrieb. Skeuersreiheit für Vlinden-Auhrhunde. Wie der amtliche preu- ßische Pressedienst mitteilt, soll für F ü h r h u n d e von Blinden und für Militärdien st Hunde nach einer gemeinsamen Ver- sügung des Ministers des Innern und des Finanzministers grund- sätzliche Steuerfreiheit gewährt werden. Entsprechend soll einem Wunsche des Iustizministers zufolge Wachhunden gegenüber, die in Gefangenenanstalten veridendet werden, verfahren werden. öazille will Keil entlassen! In der letzten Sitzung des Reichstags hat Genosse Keil den deutschnationalen Herrn B a z i l l e gezeigt, wie er ist. Er hat damit ein Beispiel dafür geliefert, wie mitunter die Leute aussehen, die sich über die„Mißwirtschaft der Republik" betlagen. Run haben Bazille und seine Freunde im Württembcrgischen Landtag den An- trag auf„Entlassung des Ministers Keil" gestellt, weil dieser durch seine Enthüllung über die Praktiken Bazilles„sein Amt gröblich mißbraucht" habe. Ein Antrag, Bazille an Stelle Keils zum Minister zu machen, ist noch nicht gestellt. Aber das kommt wahr- scheinlich noch! Ernste Lage in Hapern. Tie Stellung der Parteien. München, 21. Zuli.(TU.) Zur politischen Lage berichlck heute abend die bayerische Stcatsregierung: Die Entscheidung über das verhalten Bayerns den neuen Ausnahmegesetzen gegenüber ist heute noch nicht zu erwarten. Die Lage wird aber allgemein als sehr ernst angesehen. Die beiden sozialistischen Land- tagsfraktionen sowie die Landes zentrale der soial- demokratischen Parteien Bayerns treten am Montag zu Lcsprechun- gen der politischen Lag? in München zusammen. Das Organ der deutschen demokratischen Partei in Baern, die„Süd- deutsche demokratische Korrespondenz", spricht die Forderung aus, daß die Republik- Schuhgesehe nun auch von Bayern ordnungs- gemäß und loyal durchgeführt werden. In der offiziellen Entschlisßung der Demokratischen Partei heißt es: Der Landcsaus- schuß der Deutschdemckratischen Partei in Bayern hat in seiner heutigen, aus allen Teilen Bayerns überaus stark besuchten Sitzung c i n- stimmig die bisherige Haltung der Demokralijchcn Landtags- fraktio« gebilligt. Ebenso hat er einstimmig die von der Fraktion in der„Süddeutschen demokralischen Korrespondenz" er- lassene Kundgebung der gegenwärtigen politischen Lage gutgeheißen. Damit sind die Richtlinien auch für das weiters Verhalten der Frak- lion und der Partei gegeben. Zum Verständnis dieser demokratischen Entschließung ist anzufügen, daß in der erwähnten Kundgebung demokratischen Landtagssraktion gegen jede Politik Stellung g« nommen war, Bayern verfassungs- und wortbrüchig zu machen, daß aber andererseits eine völlig unparteiische Durchführung$sr neuen Gesetze gefordert wurde, so daß niemand in die Lage komme, über einseitige ausnahmcrcchtliche Benachteiligung zu klagen, und daß nicht in dem Gesehe ein Mittel zur Knebelung politischer Ueberzeugung und Gesinnung gesehen werde. Heute abend wird nun auch die Bayerische Mittelparlei(Deutschnalionale Partei) noch zur Loge Stellung nehmen. Wahlsieg eines englischen Arbciterkandidaten. Bei der Roch- Mahl für das Unterhaus im Wahlkreise Gowcs wurde einer ,.Est-Europe"- Meldung zufolge der Arbeiterkandidat Grenfell mit 13 296 gegen den Koalitionsliberalen William. der 9841 Stimmen erhielt, gewählt. Im Wahlkreise Northdown wurde zum Nachfolger dcS ermordeten FeldmarschallS Henry Wilson der frühere Gcneraikaplan der englischen Truppen in Frankreich SimS ohne Gegenkandidat gewählt. Lanötagsauflöfung unü Regierungskrise! München, 22. Juli.(Eig. Drahtbericht.) Die Rechts- Parteien des bayerischen Landtages mühen sich vergebens, eine Form zu finden, in der sie, ohne Loslösung Bayerns vom Reich, die landesgesetzliche Sabotage der Reichsschutzgesetze durchführen können. Die Bayerische Volkspartei stellt sich auf den Standpunkt, mit allen gesetzlichen Mitteln die Rechte Bayerns zu wahren, und die sogenannte Mittelpartei(Deutscynationale) verlangt von der Regierung, daß sie die Reichsregierung zwingen, ihre Gesetze unter allen Umständen einer Revision zu unterziehen. Eine Land- tagsauflösung.die auch die Sozialdemokratie fordert, wie eine Umbildung der Regierungskoalition unter Ausscheiden der Demokraten und des Baucrnbundcs unter Einbeziehung"der Deutschnationalen liegt im Bereich der Möglichkeit. Trotz aller Preßhetzc bleibt die Bevölkerung in Stadt und Land vollkommen gleichgültig. Rote Plakate fordern in München zur Volksabstimmung auf. Ein Rundschreiben an die bayerische Geistlichkeit verlangt von den Landgemeinden, ungesäumt Protest nach München zu schicken.mit etwa folgenden Inhalts:„Nieder mit den Schandgesetzen, wir fordern von der Regierung unbedingte Ab- lehnung." Die Kulturschanöe von NisKerschönenfeiö. München, 22. Juli.(Eig. Drahkhcnchl.) Ueber den Strafvollzug in Rieders chönenseld werden folgende Einzelheiten bekannt: Seit der Ermordung Rathenaus werden keine Zeitungen, auch keine bürgerlichen Zeitungen mehr an die Gefangenen abgegeben, so daß sie sich über dos Reichs- amne stiegeseh nicht informieren können. Die Zci- tungskritiken über Tollers„Maschinenstürmer" wurden dem Verfasser nicht ausgehändigt. Auch die Bitte, die Kritiken in ausgeschnittener Form ihm zuzuweisen, wurde a b ge l e h n t. Das Uebersetzungsexeinplar eines andern Dramas von Toller wurde b e- fchlaguahmt. Ebenso die Glückwunschkarten der Aus- sührung von Tollers„Maschinenstürmer". Eine Beschwerde M ü h s a m s an den Reichsjusiizminister wurde beschlagnahmt, da das Reichsjustizministerium keine vorgesetzte Behörde sei. Die Gesänge- nen werden wegen geringfügiger Disziplinarstrafen neuerdings in Zellen eingesperrt, die l.SO Meter breit und 3,60 Meter lang sind. Die kühle Slonöe. Wenn früher in der heißen Jahreszeit die Sonne den echten oder gut imitierten Berliner versengte, so dacht? er in erster Linie an seine„kühle Blonde". Die kühle Blonde war die Geliebte des Spreeatheners. Bisweil-n nannte er sie zärtlich„kleene" oder stolz „stoße Weiße". Es gab aber auch Leute, welche die Blonde nicht liebten und einer rötlichen Färbung den Vorzug gaben. Der echte Weißbiertrinker blickt aber auf diese Himbecr-Leute, die ganz aus der Art geschlagen sind, mit Verachtung herab. Während des Krieges ist die kühle Blonde aus der Mode ge- kommen. So noch und nach kommt sie wieder auf, aber ihre Popu- larität wie vor dem Kriege wird die Berliner Weiße wohl nie wieder erringen. Es ist ja auch jene breite Behaglichkeit aus der Welt cnt- fchwunden, die sich so schön mit der„großen Weißen" verturg. Wenn der Vater dieses umfangreiche Ding mit dem über den Rand quellenden Schaum aus den Händen des Eonymeds empfing, um es am Tische herumwandern zu lassen, und die sechs oder acht Familien- Mitglieder sich daran erquickten, so war das ein Anblick für„Iötter". Heut— ach du meine Güte! Heut wird ja die Weihe schon sauer, wenn sie an ihren eigenen Preis denkt. Das Drolligste an der echten Berliner Weißen ist aber, daß sie gar keine Berlinerin ist. Ein Witzwort sagt, der echte Berliner stamme aus Posen oder aus Breslau. So steht es auch mit der echten Berliner Weißen, diesem obergörigen Weizenbier, das vor etwa dreieinhalb Jahrhunderten von einem Hamburger er- funden wurde. Es ist, wie Emil Dominik festgestellt hat, identisch mit dem„Halbcrstädtrr Broihan", der um das Jahr 1574 von dem Bürger Westpha! an der Ecke der Gerberstraße in Halberstadt aus- geschenkt wurde und bald eine große Beliebtheit erlangte. In den Berliner Taxen aus dem Jahre 1740 heißt das Bier„Brühan". Da- mals kostete das Quart 1 Groschen und 7 Pf-nniqe, also 21 Pfennige. Heute kostet die„große Weiße" 10 M. Den Namen Broihan ver- dankte es seinem Erfinder, dem hamburgischen Bierbrauer Conrad Broihan, der das Rezept— eine Mischung von Weizen- und Gersten- malz ohne Zusatz von Hopfen— zu dem Sud gab. Später ging man dazu über, das Bier aus reinem Weizenmalz berzustellen. was auch aus einer kurfürstlichen Verordnung aus dem Jahre 1680 her- vorgeht. Der echte Berliner braucht sich aber durch diese Enthüllung nicht aekränkt zu fühlen Nicht darauf kommt es an, wo zufällig ein Menschenkind oder eine Erfindung das Licht der Welt erblickt hat, sondern wo sie heimisch geworden und zur Berühmtheit gelangt sind/ Es ist eben der Berliner, der die Bedeutung dieser genialen Halber- städte? Erfindung entdeckt und sich mit der kühlen Blonden so innig vermählt hat. Di« Halberstädter werden uns das nicht weiter übel nehmen— sie haben ja dafür andere Zelebntäten— z. B. die Halberstädter Würstchen, die vielleicht in Berlin erfunden und in Halberstadt zur Berühmtheit gelangt sind. Weshalb das so ist, wissen wir nicht, und die Julihitze verbietet es uns, darüber nachzudenken. »--»Ober, ne kühle Monde!*— trotz alledem. „Prinz Don Juan." Im Thalia-Theater spielt sich die Operette eines neuen Mannes ab, unter vielem Beifall und Dacapos. Die Premieren draußen sind nicht anders als die in Berlin W., und die Operetten leider auch nicht. Dieses Genre ist uns verloren- gegangen. Was heute bekannt, morgen gespielt, übermorgen Gasten- Hauer wird, gleicht sich in hundert Fällen wie ein Ei dem anderen. Der Komponist C o r z i l i u s sagt noch, was andere schon gesagt haben. Er tut es mit Ernst, Geschick und ohne Borurteil, weiß in den rhythmischen Kniffen der schon nicht mehr ganz neuen Tänze Bescheid, singt auch eine freie lyrische Melodie, klappert alles in be- rühmten Klischees der Instrumente ab. Ein Schlager? Dos„rot- gelockte Mägdelein" mag dafür gelten. Vielleicht hätte der Musiker mehr hergegeben, mehr eigenes aus den Fingerspitzen hingesetzt, wenn der Text(von T h i e m a n n und Pflanzer) weniger nach Schauspiel und Tragödie als nach Lustspiel und Posse hinzielte. Die alte Wiener Operette sparte den Rühreffekt und das große pathetische Moment für den zweiten Aktschluß. Es passiert in Minuten so viel, wie leibhaftiglich in Monaten geschehen könnte, und wir sind doch auf dieser Welt der begrenzten Möglichkeiten. Mehr Striche, mehr Tempo— und die lustigen Inseln träten wirkungsvoller aus dem Meer des Theatralischen heraus. Auch dürfte es nicht stilvoll sein, wenn die 5)errschasten auf der Bühne teils in Morgen-, teils in Abend- und Tagestoilctten erscheinen, nur um zu zeigen, wieviel gute Schneider es in Berlin gibt. Gespielt wurde gut und flott und fcsch. Der Prinz Don Juan, Erich P o r e n s k i(der sich schließlich als gesuchter Sohn eines Milliardärs entpuppt, dessen Tochter er zum Glück hochzeitlich verschont hatte), wetteiferte mit dem Detektiv Viktor D a n g e r in der Rolle des unwiderstehlichen Liebhabers. Beide sangen gut, ober mit engem Kehlkopf. Fräulein S e l l i n g zeigte gute Gesangs- und Bewegungsallüren, die kleine Else Bottich er Keckheit und Witz. Humorisch war der Bater Karl P l a t e n s, und allen voran trug trotz oder wegen der vielen Zwei- deutigkeiten der treffliche Stomikcr Siegfried 21 r n o zur Lachlust bei. Das Derbe schlug ein, und es ist zu erwarten, daß dieser Don Juan Glück bei allen Frauen und Männern hat. Kapellmeister Oswald-Fäuslein wirkte verdienstvoll am Pult und fing manche kleine Entgleisung geschickt auf. K. S. Das Residenz-Theater brachte S a r d o u s früher oft gespielte „F e d o r a" mit T i l l a D u r i e u x in der Titelrolle. Einst, in den 60er und 70er Jahren und noch ein gut Stück in die 80er, hinein, galten die Sardou, Dumas, Augier, die Beherrscher der französischen Bühne, bei uns als kecke Neuerer, als Vorposten entschiedener Modernität, die jenseits muffiger Theaterkonoention auf den Bret- tern Konflikte der lebendigen Gegenwart behandeln wollten. Man übersah die Enge der Probleme, die Fadenscheinigkeit der Charak- teristik, das Theatralische im Aufbau der Handlung, bis dann der junge Naturalismus, durch Zola im Roman und Ibsen im Drama repräsentiert, revolutionierend unvergleichlich weitere Perspektiven öffnete. Das Publikum selber lernte im Theater anders sehen und hören, und was man früher bewundernd angestaunt, erschien nun als geschminkte Unnatur, hinter der sich kalt berechnender Kalkül verbarg. Einen stärkeren Gegensatz als der zwischen Ibsens überall in dunkle seelische Tiefen hineinleuchtender Dialog, Hauptmanns in- dividualisicrend farbensatier Sprache und dem salonmäßiqen Kon- versationsstil jener auf der anderen Seite ließ sich in der Tat kaum denken. Urteil und Empfinden schlug völlig um. Man gewöhnte sich, mit Achselzucken von der Theatermoche der Franzosen zu sprechen, und vergaß dabei, oft ungerecht, wie viel Talent trotz allem darin steckte. In der„Fedora" jongliert Sardous bewegliche Erfindungskraft mit der Figur einer russischen Fürstin, die den Geliebten durch ein 2lUentat verloren hat und rachsüchtig sich zugcschworen, den nach Paris geflüchteten unbekannten Mörder den"heimischen Gerichten zuzuführen. Sie entdeckt den Täter, denunziert ihn und bestellt die Häscher. Indes der Mörder ist kein Nihilist, wie sie gemeint hat: er tötete den Schänder seiner häuslichen Ehre. Daraufhin verliebt sie sich in ihn und nimmt, als er am Ende doch erfährt, daß sie ihn denunziert hat, Gift! Man kann von der Geschichte kein Sterbens- wörtchen glauben, doch die Behendigkeit, mit der der Autor die Karten mischt und für olle Utensilien einer weiblichen Birtuosen- rolle vorsorgt, hat etwas Unterhaltsames.— T i l l a D u r i e ux füllte den leeren Rahmen glänzend aus. Bewegung, Sprache, Mimik spiegelten das Auf und Ab der Leidenschast so ausdrucksvoll bedent- sam wieder, daß man stellenweise das Erklügelte der Konstruition darüber fast vergessen konnte. Selbst über den Thcatercoup des Sterbens breitete sie einen Schimmer ernsthafter Natur. In der auch sonst wohlausgeglichenen Darstellung find insbesondere Else W a s a als Fürstin Soukareff und Waldemar Staegemann als der Verfolgte zu nennen. Wieder und wieder mußte die D u r i e u x, von stürmischem 2lpplaus gerufen, erscheinen. dt. Ein verschwindender Berggipfel. Das Observatorium auf dem Gipsel des P i o d u Mi di, das in einer Höhe von 8500 Fuß liegt, ist einer Katastrophe zum Opfer gefallen. Eine Terrasse von Por- phyrgestein, die die Spitze des Berges bildet, ist zusammengestürzt. Die Ursache für diesen Zusammenbruch des Mrggipfels liegt in der Bildung von Höhlen, die während des Winters wahrscheinlich ent- standen sind, aber bisher mit Schnee gefüllt waren, der nun ab- schmilzt. Ein großer Teil des Observatoriumsgebäudes ist in die Höhlen gestürzt. Die 2lstronomen, die den SZau bewohnten, haben sich glücklicherweise retten können, und es sind bereits Ingenieure unterwegs, die untersuchen sollen, ob die noch stehenden Teile des Gebäudes gestützt werden können oder ob der ganze Gipfel so unter- höhlt ist, daß das �Laboratorium aufgegeben werden muh. „Thuzbe". In unserer gestrigen Abcndnummer war von treu- deutscher„C h u z b e" die Rede. Einige Leser fragen an. was das Wort bedeutet.„Chuzbe" entstammt einer uralten, ehrwürdigen Sprache, die zahlreiche Ahnfrauen deutfchvöikischcr Adelsfamilien redeten, und bedeutet das Gegenteil von Bescheidenheit. Urania-Vorträge. Sonnlag:.Die Insel Rügen": Montag: „Unser schönes R iel engebirg e": Dienstag:„Die Schönheit der deutschen Landschaft": Mittwoch u. Freitag:„Der Ei n bei n film": Donnerstag:„DaS schöne Schwabenland"; Sonnabend: Die ma- lerische Marl". Die Gutenberg-Buchhandlung, Tauentzienftr. b,»eigt«!n» Ausstellung russisch er Künstler: Robm Gemen, KandinSk� Jszelenoss, Lagorio, Maerson-Pringsheim. Zum Schutze der Republik. Die Sonntagsrückfahrkarten. 11 Die neuen Milchpreise. und die dem Blinden zustehenden Unterhaltungskosten für Bremen, 22. Juli.( Eigener Drahtbericht.) Endlich hat sich den Führer hund von 35 auf 235 v. 5. erhöht. Die Reichsregie der bremisch- bürgerliche Senat dazu aufgerafft, auf Grund der rückfahrkarten ein, um auch den Minderbemittelten die Möglichkeit Zustimmung des Reichsrates und der Ausschüsse des Reichstages ab Ende Mai führte die Eisenbahndirektion Berlin die Sonntags- rung ist ermächtigt, bei zunehmender Teuerung die Zuschüsse mit Verordnung des Reichspräsidenten auch in Bremen Maßnahmen eines Erholungsausflugs zu geben. Die Karten, die auf vielen zuändern. Wenn auch nicht alle Wünsche erfüllt find, so bringt das zum Schuße der Republik zu treffen. Nach einer heute morgen Strecken eine Ermäßigung auf die Hälfte des gebefferungen. Bor allem gibt es die Möglichkeit, daß auch LeichtbeGefeß gegenüber den bisherigen Berordnungen doch wesentliche Ber veröffentlichten amtlichen Bekanntmachung hat er die im bremischen wöhnlichen Fahrpreises bedeuten, gelten für die Hin- schädigte und erwerbsfähige Witwen, die bisher ausgeschlossen waren, Staatsgebiet bestehenden Ortsgruppen des Bundes der fahrt zunächst nur an den Spät nachmittagen der Sonnabende, für die Teuerungszuschüsse erhalten. Aufrechten verboten und aufgelöst. Nachdem die Auflösung die Rückfahrt bis Sonntag( bzw. zweiten Feiertag) mitternacht; des deutschvölkischen Schutz- und Truzbundes bereits voraufgegangen vor kurzem sind, wie die Reichszentrale für Deutsche Verkehrswar. Ebenso ist auf Grund dieser Verordnung das hier bestehende werbung" mitteilt, diese Bestimmungen wesentlich erleichtert worden. reaktionäre Schmutz- und Hezblatt„ Der rote Sand" von der Die Hinfahrt tann auf allen Strecken bereits am Sonn ab auf 11,40 m. je Liter für Kartenmilch und 14,80 m. je Liter Der Magistrat hat den Milchpreis für die Zeit vom 24. d. M. Kriminalpolizei beschlagnahmt und auf 14 Tage verboten abend mittag 12 Uhr angetreten werden. worden wegen eines Artikels, in dem mehrere Mitglieder der früheren für freie Milch festgesetzt. und jetzigen republikanischen Reichsregierung, Reichspräsident Ebert, weist, daß durch ihre Einführung einem wirklichen Bedürfnis abge der Stadt Berlin, zunächst auf einer sehr erheblichen Erhöhung des Die Zahl der bisher ausgegebenen Sonntagsrückfahrkarten be- den bisherigen Verkaufspreisen beruht, so erklärt das Nachrichtenamt Die bedeutende Steigerung gegenüber die Minister Bauer, Köster und der frühere Minister Scheidemann holfen wurde; an den einzelnen Sonntagen schwankt die Benutzung Gestehungspreises für Milch frei Berlin; dieser regelt sich bekanntöffentlich beschimpft wurden. mit der Gunst oder Ungunft des Wetters. Wie im Fernverkehr, so lich nach dem Butterpreise auf Grund des Verhältnisses von 1: 10. Frankfurt a. M., 22. Juli.( TU.) Der Oberpräsident der Pro- ist auch in diesem Nahverkehr der Stettiner Bahnhof am Benutzlich Mit der Erhöhung der Butternotierung durch Landwirtschaft und vinz Hessen- Nassau hat unterm 20. Juli jede Veranstaltung, Feier stärksten beteiligt. An einem Sonnabend und Sonntag im Mai Handel, auf welche die Stadtverwaltung ohne Einfluß ist, war demund Sizung usw. der Orts- und anderen Gruppen des Jung wurden dort allein 7328 Rückfahrkarten ausgegeben, was einer Be- gemäß ein Ansteigen des Milchpreises unvermeidlich. deutschen Ordens in der Provinz Hessen- Nassau bis auf weite- segung von etwa 15 Personenzügen entspricht. Die Strecke nach Erfurt, 21. Juli.( TU.) Gestern nachmittag wurde hier der Tiefensee brachte es am ersten Julisonntag auf 2054 Rückfahr- 3ur Durchführung des Reichsmietengesetzes in Berlin. farten. Am schwächsten werden die Karten nach Bees= Kapitänleutnant Wolfgang Dietrich aus Erfurt festge tom benutzt. Jedenfalls wurden an einem schönen Junisonntag teilt bezüglich der vom Magistrat zu erlassenden Bekanntmachung Der erste Borsitzende des Micleinigungsamtes der Stadt Berlin nommen, weil er verdächtig ist, den Rathenau- Mördern Fischer insgesamt 10 866 Ausflügler auf Sonntagsrückfahrkarten zum Reichsmietengesetz mit Rücksicht auf zahlreiche einzelne Anfragen und Kern bei der Flucht behilflch gewesen zu sein. befördert, davon 6417 bereits am Sonnabend und 4449 am Sonntag folgendes mit: früh: das sind 22 Personenzüge vollbesetzt an einem Eonnabend und Durch die vom preußischen Wohlfahrtsministerium erst in der Die Indiskretion der„ Kreuzzeitung". Sonntag, die dem Wiederaufbau der Volksgesundheit dienen! Der Eremplar der preußischen Gesetzesfammlung vom 15. Juni 1922 vielfach angeregten Erweiterung der Geltungsdauer mieten gesetz sind den Gemeindebehörden über die ihnen im herausgegebene Ausführungsverordnung zum Reichs= Die Kreuzzeitung" hatte bereits am Freitagabend das dieser Sonntagsfarten bis zum Montag früh stellen sich Reichsmietengesetz zugedachten Aufgaben hinaus sehr umfangreiche Memorandum des Garantiefomitees, das zur Veröffentlichung noch leider betriebliche Schwierigkeiten entgegen; denn am Montag früh Arbeiten übertragen worden, deren sorgfältige Erledigung in der nicht freigegeben war, veröffentlicht. Erklärt wird diese Veröffent- find die Züge durch den Berufsverkehr überlastet und fönn Biermillionenstadt Berlin naturgemäß erhebliche Zeit in Anlichung, wie sich jetzt herausstellt, dadurch, daß der Text des Memo- ten den Strom der rückkehrenden Sonntagsausflügler nicht bewäl- fpruch nehmen muß. Die unter Hinzuziehung von Vertretern der randums, der dem Grafen We starp als Mitglied des Auswärti- tigen. Man darf aber doch wohl hoffen, daß die Wünsche des organisierten Vermieter und Mieter sofort in Angriff genommenen gen Ausschusses zugegangen war, in dessen Abwesenheit irrtümlicher- Publikums, die Geltungsdauer der Karten bis Montag mittag Arbeiten sind inzwischen jedoch soweit fortgeschritten, daß der Maweise sich auf den Redaktionsschreibtisch der Kreuz- 12 Uhr ausgedehnt zu sehen, hiermit nicht endgültig als abgetan, giftrat in einer seiner nächsten Sitzungen zu der Frage der Mietzeitung" verflog und so veröffentlicht wurde. sondern einmal versuchsweise erprobt werden. zinsbildung und den sonstigen Fragen des Reichsmietengesetzes abschließend Stellung nehmen wird. Es wird daher, gebeten, von Anfragen abzusehen, da diese nur unnötigerweise den Dienstbetrieb belasten. res verboten. Wir möchten, so bemerken die PPN. dazu, die Entrüstung der Rechtsparteien sehen, wenn etwa dem ,, Borwärts" und seinem Chef= redakteur ein ähnliches Mißverständnis" unterliefe. Geßlers Rathenau- Feierlichkeiten. Wenn wir uns recht erinnern, haben sonst die dienstlichen Schreiben der Reichswehr feine unnötigen Höflichkeitsfloskeln. Aber:„ treudeutsch"," Ich bin ein Preuße", und teine Rücksicht auf die von der Reichsregierung angeordnete Rathenau- Feiern es lebe die Republit, wie ich sie auffasse". Finanzamtsschikane. Drei unerhört freche Raubüberfälle. Wenn man die nachstehend berichteten, unerhört frech und brutal ausgeführten Raubüberfälle liest, muß man zur Bermutung kommen, daß die nächtlichen Straßen Berlins unbeschützt dem Banditen- und Brigantentum zur Verfügung stehen. Auf diese Weise geht es ganz unmöglich weiter. Gin schwarzweißroter Laden. Gepanzerte Kriminalbeamte. Jum 75. Geburtstage Mar Liebermanns. Die städtischen Behörden Berlins haben Mar Liebermann zu seinem 75. Geburtstage durch Bürgermeister Gen. Ritter, Stadtbaurat Dr. Ludwig Hoffmann und dem stellvertretenden Stadtverordnetenvorsteher Dr. Meyer die Glückwünsche der Stadt Berlin überbeacht. Schon wieder ein Schuß auf ein Vorortzug. Als gestern nachmittag um 5% Uhr ein Zug der Wannseebahn sich auf der Strede zwischen dem Botanischen Garten und Steglitz befand, erhielt er plötzlich einen Schuß. Die Kugel zertrümmerte eine Scheibe an einem Abteil 3. Klasse, traf aber zum Glück feinen Fahrgast. Ein Beamter der Schutzpolizei stellte fest, daß der Schuß von zwei Knaben abgegeben wurde, die an der Bahnstrede auf einem Baume saßen. Die Tangenichhe waren aber bereits verschwunden. Auf ihre Ermittlung ist, wie in allen Fällen. eine Belohnung von 5000 m. ausgesetzt worden. Der Berliner 300 in Gefahr? Die neuen Teuerungszuschläge führten unsere 300- Berwaltung vor einigen Tagen vor den Schlichtungsausschuß. Sie machte dort geltend, daß die beiden Ueberteue rungszuschläge für Mai und Juni schon heute einen Fehl= betrag von mindestens 3 Millionen für den Winter bedeuteten und die Schließung des Betriebes unweiger= ich nach sich zögen. Trotzdem wurde der 300 zur Zahlung verurteilt. Der Borsigende des Gerichts führte dabei aus, daß es Sache des Staats bzw. der Deffentlichkeit sei, ein so wertvolles, gemeinnügiges Institut durch Beihilfen lebensfähig zu erhalten. auch bei der Berliner Kriminalpolizei sogenannte Panzermesten Nach dem Vorbild von London und Newyork hat man jetzt Wir veröffentlichten fürzlich einen Brief des Reichswehrministers ,. eingeführt. Der Panzer besteht, wie die in dem er auf eine Beschwerde der Kasseler Stoalitionsparteien u. a. " Dena" erfährt, aus schuppenartig aneinander gereihten, besonders gehärteten, fleinen antwortet:„ die Musik set ein Teil der Truppe und habe die dienstBon fünf unbekannten Straßenräubern überfallen wurde in Stahlplättchen, die dem Träger die größte Bewegungsfreiheit lassen. liche Bestimmung, ihren Geist zu beleben". Das geschah in Kassel der Nacht zum Donnerstag der 40 Jahre alte Kunstmaler Richard Die bisher vorgenommenen Schießproben, auch mit den stärksten bekanntlich so, daß die Reichswehr unter den Klängen des„ Ich bin Rauch aus der Prinzenstraße 40. Als dieser gegen 1% Uhr ahnungs- Kalibern der Repetierpistolen, habe die Kugelsicherheit dieser Panzer ein Preuße" einrüdte, als die drei Regierungsparteien eine von los die Holzmarktstraße entlang ging, fiel plöglich eine ganze Bande bewiesen. Da der Herstellungspreis ein verhältnismäßig hoher ist, 60 000 Personen besuchte Kundgebung veranstalteten. Jetzt be- über ihn her, schlug ihn nieder und raubte ihn aus. Die Verbrecher konnte vorläufig nur eine geringe Anzahl angeschafft werden, die tommen wir aus dem schönen Städtchen Tempelburg in begnügten sich nicht mit seiner Brieftasche, die 1800 m. enthielt, und den Beamten für besonders gefährliche Affionen zur Verfügung Pommern die Mitteilung, daß dort am 1. Juli das 3. Bataillon feiner filbernen Herrenuhr mit einer schmalen goldenen Kavalier- stehen. des Reichswehr- Infanterie- Regiments Nr. 5 im Quartier einrückte. fette, sondern zogen ihm auch noch mit Gewalt den golde= Der Einmarsch erfolgte auf Befehl des Obermusilmeisters unter nen Trauring vom Finger. Bevor Hilfe herbeikam, waren Deutschland über alles" und" Ich bin ein Preuße". So hatte die Räuber mit der Beute verschwunden. Der Ring ist 2. S. auch Tempelburg seine Rathenau Feier der Reichswehr. 14. 12. gezeichnet. Noch schlimmer erging es heute früh gegen Damit nicht genug. Nach Abmarsch der Truppe erließ der Stom- 3½ Uhr dem 23 Jahre alten Arbeiter Oskar Brit aus der Genmandeur des 3. Bataillons öffentlich eine Bekanntmachung an den thiner Straße 39. Ihn sprachen am Kupfergraben mehrere geehrten Magistrat der Stadt Tempelburg". Er bedankt sich darin Männer um 3igaretten an. Als er sich weigerte, sie ihnen zu fchön für die Aufnahme und unterschreibt: mit treudeutschem Gruß, geben, überfielen sie ihn, schlugen ihn zu Boden, raubten ihm seine Wolff. Oberstleutnant. Barschaft von 600 m, warfen ihn zuguterlegt in die Spree und liefen davon. Es gelang dem Bedrohten, schwimmend einen Salt zu finden, an dem er sich feftflammerte. So hielt er ich eine Stunde lang über Wasser, bis ein Schiffseigner ihm zu Hilfe tam, ihn herausholte und nach der Rettungs stelle der Klinik in der Ziegelstraße brachte. Im Grunewald wurde in der vergangenen Nacht um 12% Uhr der 21 Jahre alte Kaufmann Paul Keil aus der Bismarckstraße 4 in der Georg- Wilhelm- Straße von zwei Männern überfallen und seiner Barschaft, die ebenfalls 800 M. betrug, beraubt. Die Räuber versetzten ihm soWill da ein Delegierter der Deutschen Friedensgefellschaft zum lange Fausts chläge und Fußtritte, bis er besinnungsInternationalen Friedenskongreß nach London fahren. Er wohnt in los zusammenbrach und liegen blieb. Leute, die des Beges famen, Ludwigsburg im schönen Lande Württemberg. Die britische Regie- fanden den Ueberfallenen hilflos daliegen und veranlaßten seine rung gibt sofort die Einreise erlaubnis. Das Finanzamt, Ueberführung nach dem Krantenhause. Der Ueberfallene hat andas Pazifisten nicht leiden fann, macht Schwierigkeiten. Der An- scheinend schwere innere Verlegungen erlitten. Mitteilungen zur geflagte so wird man in Deutschland auch heute noch mitunter Aufklärung nimmt das Raubdezernat der Kriminalpolizei im behandelt, wenn man für internationale Verständigung eintritt Bimmer 80 des Polizeipräsidiums entgegen. Dringend der Aufmuß Papiere und Belege, Steuerbescheinigungen und finanzielle flärung bedarf u. a. die faum glaubliche Tatsache, daß der in der Sicherheiten beibringen, daß er die Reise nicht zur Verschleppung von Spree Geworfene eine Stunde lang in dem Wasser zubringen Privatvermögen benutzt. Das erscheint als ein löblicher Grundsay. mußte, ohne daß das eine Polizeipatrouille gewahr wurde. Aber muß ein Mann, der zu einem Friedenskongreß fährt, der seine Vermögensaufstellung abschließend mit dem 31. Dezember 1921 vorlegt, der in Ludwigsburg Grundbesiz hat, der seine Steuern bezahlt Furchtbare Eisenbahnfatastrophe in der Ukraine. Zwischen den hat, der um die Nennung einer Summe zur Sicherheitsleistung bittet, In dem Hause Königgräger Straße 41/42 befindet sich das Stationen Romanowo und Petschenomfa hat sich infolge eines verdie Genehmigung zur Ausreise bekommen? Darauf fann nur mit Kolonialwarengeschäß von Felix Junker. Der Herr befigt die brecherischen Anschlages eine furchtbare Eisenbahnfatastrophe ereinem großen schwarzweißroten ein geantwortet werden. Dreistigkeit, die in seinem Schaufenster ausgestatteten Likör- und eignet. Der in der Richtung der polnischen Grenze fahrende PostIn solchem Fall verlangt das Finanzamt eine Vermögensaufstellung Schnapsflaschen mit schwarzweißroten Fähnchen zu bestecken. Das aug entgleiste. Bis jetzt wurden 14 Tote, 5 Schwernerlegte und 14 pom heutigen Tage. Es weiß wohl, daß dies bei einem wirkt in einer Gegend, in der nicht nur Republikaner wohnen, Leichtverwundete geborgen. Die genaue Zahl der Toten fonnte bis Berlagsbuchhändler nur auf Grund einer Inventur aufgestellt wer- sondern auch viele Ausländer logieren, doppelt herausfordernd. jezt noch nicht festgestellt werden. Vier dicht besetzte Waggons den kann, und das würde mindestens vier Wochen dauern. Auf eine Frage, warum er das lue, meinte er, das sei schon lange find gänzlich verbrannt. Bis dahin ist der Friedenskongreß erledigt, dann fann er vielleicht bei ihm üblich und da unser Gewährsmann betonte, daß er eine die Genehmigung zur Reise bekommen. folche Dekoration ungehörig finde, meinte Herr Junker, er lege Wir sind der Auffassung, daß hier die zuständigen Reichsstellen gar feinen Wert darauf, daß der Betreffende einen Einfauf bei entsprechend energisch und schnell einzugreifen haben. ihm mache. Andererseits aber wollte sich Herr Junker durchaus nicht zu der allgemein gütigen Erflärung bereit finden, daß er mit dem Dekorieren der schwarzweißroten Fähnchen fagen wolle, Oesterreich und die Sozialdemokraten. er lege feinen Wert auf die Kundschaft von Republikanern. Auch Wien, 22. Juli.( WTV.) In einer gestern abgehaltenen großen trag„ Die Farbe der Republit" gesagte: Wer die schwarzweißrote in diesem Fall gilt natürlich das vor einigen Tagen in den Beifozialdemokratischen Vertrauensmännerver Fahne zeigt, will damit sagen, daß er ein Feind der Republit ist sammlung referierte Präsident Seiz über die politische Lage. und bleiben will. Die republikanischen Angestellten, Beamte und Er betonte, es gebe feinen voltswirtschaftlich gebilde Arbeiter jener Gegend werden mit ihren Hausfrauen hoffentlich ten Sozialdemokraten, welcher nach den furchtbaren Er- ein Auge auf das Geschäft des Herrn Junker haben. fahrungen Ungarns und Rußlands der Ansicht wäre, daß heute ein fozialistisches Gemeinmejen möglich sei. Der Friedensvertrag von St. Germain mache Desterreich zu einem anor- Die den Schwerkriegsbeschädigten sowie den erwerbsunfähigen malen Staat mit anormaler Wirtschaft. Die Arbeiterschaft gebe Kriegerwitmen bisher gewährten Leuerungszuschüsse haben aber nicht die Hoffnung auf, daß sie sich auch über die schlimmste durch Beschluß des Reichstages vom 30. Juni d. 3. auf gejez Zeit hinwegretten werde bis zu dem historischen Augenblick, da die lichem Wege eine Neuregelung erfahren. Nach dem neuen GeMachtnerhältnisse gestatten würden, den Anschluß an das große fet, das am 1. Auguft d. J. in Kraft tritt, beträgt der monatliche deutsche Wirtschaftsgebiet zu vollziehen. Teuerungszuschuß für Schwerbeschädigte bei einer Minderung der Erwerbsfähigkeit um 50 bis 80 v. 5. 500 M., bei Minderung der Erwerbsfähigkeit um mehr als 80 v. S. 750 m., für Schwerbeschädigte, die nur auf die Rente angewiesen sind und nachDie deutschen Arbeiter für Frankreich. Bom 23. bis 30. Juli. weislich einen Erwerb auszuüben nicht imstande find, 1000 M., für Boltsbühne: Robert und Bertram. eine Witwe( sofern sie erwerbunfähig oder einer erwerbsunfähigen Spiethaus: Operettengastspiel: Die beiden Nachtigallen. Opernhaus: Geschlossen. Paris, 21. Juli.( EP.) Senator Gouge hatte dem Minister Witwe gleichgestellt ist) 500 m., wenn sie nur auf die Rente ange- Botasch und Perlmutter. Schan Deutsches Theater: der öffentlichen Arbeiten Le Trocquer eine Entschließung des wiesei und nachweislich einen Erwerb auszuüben nicht imstande ist, effing- Theater: Der Schildpattkamm. Kammerspiele: Der Raub der Sabinerinnen. Theater in der Königgräger Straße: Landwirteverbandes des Gommedepartements mitgeteilt, worin 700 m., für eine vaterlose Waise 250 ml., für eine elternlose Waise Die wunderlichen Geſchichten bes Rapellmeisters veisler. Deutsches OpernRlage über die Verwendung deutscher Arbeits- 300 m., für einen Elternteil 300 M. und für ein Elternpaar 500 spielbans: Die Maschinenstürmer. haus: Geschlossen. Schiller- Theater: eine Günderin. Großes SchauNeues Bolts- Theater: Die fräfte außerhalb der zerstörten Gebiete geführt wird. Der Mi- Mart. Außerdem erhält der Schwerbeschädigte, wenn er für Kinder Scuder Erste Geige. Die Tribüne: Der weiße Bär und die schwarze Pantherfage. nister hat auf diesen Protest heute schriftlich geantwortet, daß die zu forgen hat, neben dem Teuerungszuschlag für Ausführung der Arbeiten durch die Deutschen nur als ergänzen jedes Kind 200 m. Empfänger eines Uebergangs sheater: Fedora. Trianon- Theater: Moral. Resibenz Zentral- Theater: Ein des Mittel, Reparationen zu erhalten, betrachtet werden wird Brachtmädel. Ложіфе geldes, Empfängerinnen einer Witwenbeihilfe und Emp= Oper: Der Meister Dom Montmartre. und daß auf die so ausgeführten Arbeiten Anleihen aufgenommen änger eines Hausgeldes während der vollen Kalender Theater: Brinz Don Juan. Metropol- Theater: Ge schlossen. Renes Operetten- Theater: Die Mädels von Davos. Thaliawürden, deren Kapital den zerstörten Gebieten zugute fommen monate der Heilbehandlung, auch wenn eine geringere Minderung Theater bes Westens: Italienisches Ballett. Theater am Rollendorfplag: Verlichte Leute. werde. Kleines Theater: Celly de Rhend. der Erwerbsfähigkeit als 50 v. 5. festgestellt ist, erhalten monatlich Schäferstündchen. Die Dame phne Kopf. Setikübel. Wallner- Theater: Ge schlossen. Theater des Oficis( Rose- Theater): Dorns Res. Theater am 450 M., und wenn Hausgeldempfänger für Kinder zu sorgen haben, surfürstendamm: Der schwarze Pierrot. Intimes Theater: Die Peitsche neben dem Teuerungszuschuß für jedes Kind 200 und..? Besuch im Bett. Lauf doch nicht immer nackt herum. Walhalla Mart. Die nach§ 87 des RBG. zu gewährende Teuerungszulage Theater: Er und seine Schwefter. wird für das Sterbegeld auf 200 v. H., die Pflegezulagelseuchter. Wallner- Theater: 30. Rigoletto. Rachmittagsvorstellungen. Neues Bolts- Theater: 23. u. 30 Zum Waffenfund auf dem Schlesischen Bahnhof wird mitgeteilt, baß der Reichsverkehrsminister eine Untersuchung angeordnet hat, beren Ergebnis alsbald bekanntgegeben wird Teuerungsmaßnahmen für Militärrentner. Wetter für morgen. Berlin und Umgegend. Warm und zunächst ziemlich beiter, bei mäßigen südlicher Winden. Nachher zunehmende Bewölfung mit Gewitter. neigung. Sport. Schwimmer Michel versuchte es vergeblich, den Kanal zu durchMißlungene Durchschwimmung des Kanals. Der französische schwimmen. Nachdem er 16% Stunden geschwommen war und sich nur noch vier Meilen von der englischen Küste befand, mußte er aufgeben und das ihn begleitende Schiff besteigen. I Die Sieger am 4. Tag der. Kölner Rennsportwoche. Der vierte Tag der großen Rennsportwoche war vom Wetter begünstigt. Im Gesamtlassement gewann der Weltmeister Rütt- Berlin den Großen Der große Preis von Köln für Steher wurde von Weiß Frankfurt mit Breis von Deutschland. Ostermeher wurde 3meiter, Stabe Dritter. 99,970 Stilometer gewonnen, Zweiter wurde Caldow Berlin, Dritter Sawall Berlin und auf dem letzten lak endete Müller Köln, der für Bauer- Berlin startete. Das Punttejahren über 4000 Wieter gewann der Weltmeister Rütt. Theater der Woche. M SS Berliner Theater: Madame Flirt. Deutsches Künstler- Theater: Die erste Nacht. Romödienhaus: Gretchen. Bremen 30,20 m., Hannover, Braunschweig 29,75 M., Freistaat] Es wird weiter über London gemeldet, daß Gompers, der Gewerkschaftsbewegung Lippe Detmold 29,80 M., Provinz Sachsen- Anhalt 30,50 M., Präsident des amerikanischen Gewerkschaftsbundes, an die Res Ein Schädling der Zandarbeiterinteressen. Die Berbrüderung des Zentralverbandes der Land arbeiter mit dem Landbund zeitigt Früchte, die für jeden Landarbeiter ungenießbar find. In Schlesien ist der deutschnationale Zentralverband der Landarbeiter forporativ dem Landbund angeschlossen. Damit ist ihm jede Schwungkraft ge= nommen und als Arbeitervertreter ist er zur Ohnmacht verurteilt. Das zeigt folgendes Beispiel: Rheingebiet 33 50 W., 1. 8. 36, W., Westfalen 33,50 M., ab 1. 8. gierung die Aufforderung gerichtet hat, eine Konferenz zwischen Ar36,-., Helfen, Hessen- Nafiau 83,50 M., Rheinpfalz 31,75 W. In den Reichstarifverträgen betragen die Vertragslöhne: für beitgebern und Arbeitnehmern einzuberufen, um dem gegenwärtigen 32,62 M. Für die Stod, Peitschen-, Bieifen- und veriv. Industrien Regierung, sich mit der Einführung englischer Kohle zu behelfen. die Bürsten, Pinsel- und Bleistiftindustrie 30,12 W., ab 5. 8. Streit ein Ende zu bereiten. Inzwischen beabsichtigt die amerikanische 29,90 W., jedoch finden gegenwärtig neue Lohnverhandlungen statt. Bei der ausgezeichneten Organisation der englischen Berg- und Für die Berlmutter, Galalith, Steinnuß- und Hornindustrie Transportarbeiter besteht jedoch wenig Aussicht, daß diese Absicht 30,15 M. in bedeutendem Umfange verwirklicht werden kann. A Cohnverhandlungen für die Staatsarbeiter. Am heutigen Löhne für die Staatsarbeiter. Seitens der Spigenorganisationen ft. auf Grund einer Vereinbarung der Führer des Allgemeinen Eisenbahnerverbandes Staruppe zum Verhandlungsleiter beſtimmt Arbeiter und Fahrpersonal der Mitropa. Die Gewerkschaftskommission Berlins und Umgegend hat zum In zwei gut besuchten Bersammlungen am 19. und 20. Juli im fommenden Mittwoch eine Plenarversammlung nach dem„ Englischen In der Nr. 15 der Zeitung Schlesischer Landbund" ist eine Rosenthaler of wurde über die, vom Zentralverband der Hotel-, Garten", Alexanderstr. 27, um 6% Uhr, einberufen. Auf der TagesAufrechnung des Cinfommens der schlesischen Landarbeiter ver- Restaurant- und Café- Angestellten sowie dem Deutschen Transport ordnung steht die Neulonstituierung des Ausschusses der Gewerk öffentlicht, und zwar nach Tarifpreisen, nach Marktpreisen und nach arbeiterverband geführte Lohnbewegung berichtet. Mit Zweidrittel- fchaftskommission sowie ein Referat von. Dr. Wagner über die Kleinhandelspreifen. Mehrheit wurde dem Schiedsspruch des Reichsarbeitsministeriums Aufgaben des Berbandes sozialer Baubetriebe. Auf Grund dieser Aufstellung wird dem Lohngärtner nach vom 18. Juli zugestimmt. Die neuen Löhne laufen bis Marktpreisen ein Einfommen von rund 33-34 000 t., nach Klein 15. August 1922. Für den Monat Juni sind noch 18 Proz. nach Sonnabend beginnen die Verhandlungen über die Erhöhung der zuzahlen. Ferner sind für Juli 30 Proz. und für die erste Hälfte im Auguft 40 Broz. auf die Löhne vom Mai zu zahlen. U. a. beträgt das Einkommen eines Fleischers oder Konditors im Juli 1196 M. pro Woche, bis 15. Auguft 1288 M.; das einer Küchengehilfin im Juli 650. pro Woche, bis 15. August 700 m. sowie Rost während der Fahrt. Der Silberputzer erhält im Juli 780 m. pro Woche, bis 15. August 840 M. und ebenfalls Kost während der im Juli 1185 M. und vom 1. bis 15. August 1274 M. pro Woche. in Höhe von 1196., bis 15. August 1288 M. Der Kutscher erhält Lagerarbeiter über 20 Jahre erhalten im Juli 1170 M., bis 15. August 1260 M.; Lagerarbeiterinnen über 20 Jahre 793 M. im Juli und 854 M. bis 15. Auguft. Der Schiedsspruch sieht außerdem vor, daß die Nachzahlungen schnellstens zu erfolgen haben. handelspreisen ein solches von rund 38-39 000 Mt. errechnet. Diese Aufstellung haben sich nun die Finanzämter und das Landesfinanzamt der Provinz Schlesien als Unterlage zur Versteuerung der Landarbeiter dienen lassen., In einer Zeitschrift des Finanzamtes des Kreises Bunzlau an den Kreisleiter des Deutschen Landarbeiterverbandes heißt es u. a.: „ Was die Neubemessung der Natural- und Sachbczüge der De- Fahrt. Ferner bekommt der Kraftfahrer einen Wochenlohn für Juli putatempfänger auf dem Lande anlangt, so werden die Zusammen stellungen in Nr. 15 des Organs Schlesischer Landbund guten Anhalt bieten fönnen." einen Gegen diese Methode ist bei dem Landesfinanzamt durch den Deutschen Landarbeiterverband Einspruch erhoben worden. In mündlicher Berhandlung konnte eine Einigung nicht erzielt werden, da das Landesfinanzamt, auf diese Zahlen pochend, ein möglichst hohes Cinkommen fonstruieren will. Durch die Vertreter des Deutschen Landarbeiterverbandes ist darauf hingewiesen, daß die schlesischen Landarbeiter wenn es nach der Aufstellung geht, auf die fich das Landesfinanzamt stützt - die Hälfte ihres Barlohns als Steuer abgeben müßten. Dem Zentralverband, der, wie erwähnt, forporatives Mitglied des Schlesischen Landbundes ist und nach seiner eigenen Darstellung einen erheblichen Einfluß auf die Führung ausübt, ist die Belastung der schlesischen Landarbeiter zu danken. Lehrlingsausbeutung in Kleinbetrieben. worden. Wirtschaft Produktionskredite des Borläufigen Reichswirtschaftsrats setzte sich Reichswirtschaftsrat und Kreditnot. Der Unterausschuß für in einer Entschließung für die Aufhebung des Depotzwanges für festverzinsliche Papiere ein. Der anwesende Regierungsvertreter widersprach dieser Forderung nicht. Dagegen erhob er, von den Arbeitervertretern unterstüßt, Einspruch gegen die weitergehende Forderung der Aufhebung des Bankgeheimnisses, um so die aus Steuerfurcht brachliegenden Kapitalien der Produktion Wir brachten erst fürzlich einen allgemeinen Hinweis auf die zuzuführen. Obwohl gegen dieses Verlangen im Hinblick auf die Mißstände, die sich in den Kleinbetrieben vielfach eingenistet haben Steuerflucht des Befihes schwerste Bedenten sprechen, forderte der und denen die Gewerbe- Bolizei energisch zu Leibe gehen müßte. Ausschuß die Cinfhränkung der Auskunftspflicht der Banken Die Klagen darüber wollen nicht aufhören und wir sind deshalb auf solche Fälle, wo schon ein Strafverfahren eingeleitet ist. Ferner gezwungen, einen derartigen Mustermeister" öffentlich mit vollem richtete er an die Spizenverbände der deutschen Wirtschaft das Erdieses Herrn das Gewissen zu schärfen. Namen zu nennen. Vielleicht hilft das, den Gesinnungsgenossen suchen, die Wiedereinführung des durch Barzahlungen und Borauss zahlungen fast außer Gebrauch gefommenen Handelsmesels Bom Zentralverband der Fleischer, Ortsverwaltung Berlin, dadurch zu erleichtern, daß fie die Lieferungsbedingungen ändern. merden wir auf den Fleischermeister Getschmann, Brinz- Eugen Die Entschließung, die wohl noch den wirtschafts- und den finanz Straße 15, aufmertfam gemacht. Der gute Meister entließ seinen politischen Ausschuß des Reichswirtschaftsrates beschäftigen wird, Gesellen, weil dieser die tarifmäßige Bezahlung verlangte und Mit- fennzeichnet die Sorge, mit der man in der Industrie die wachsende glied feiner Organisation ist. Inzwischen behilft er sich mit dem Kreditnot verfolgt. Bezeichnend ist dabei, daß auch die Bertreter der Lehrling. Daß für diesen Lehrling der Achtstundentag dabei zu Reichsbant für die Wiederherstellung des Bankgeheimnisses einem in nebelhafte Fernen entschwundenen Traum wird, braucht eintraten. mohl nicht erst gesagt werden. Von einem Geschäftsmann, der vornehmlich auf Arbeiterfundschaft angewiesen ist, müßte man vernünftigerweise etwas anderes erwarten. Schiedsspruch in der Metallindustrie. Die Tarifverträge der Holzarbeiter. Die Entwickelung der Tarifverträge des Deutschen Holzarbeiter verbandes zeigt das Aufgehen fleiner Verträge in große, weite Geneffenschaftsbanken. Während in den meisten Ländern die Landesteile und Berufskreise umfassende Tarifverträge. Die Zahl Genossenschaften ihren Geldverkehr durch eigene, bankmäßige Unterder Verträge wird immer geringer, während die Zahl der unter abteilungen besorgen lassen, sind in anderen besondere Bankden Verträgen stehenden Betriebe und Personen immer mehr zu unternehmungen auf genossenschaftlicher Grundlage entstanden, nimmt. Von 1135 Tarifverträgen im Jahre 1913 ist die Zahl der Verträge, an denen der Deutsche Holzarbeiterverband beteiligt so in Schweden, Norwegen, Dänemark, Lettland, Litauen und auch in der Tschechoslowakei. Das Schiedsgericht des Reichsarbeitsministeriums hat am geftri tonfumgenossenschaften gründete 1920 eine eigene Ilgemeine ist, bis zum Jahresschluß 1921 auf 345 gefunten, denen 23535 BeDer Verband der tschechischen triebe und 352 598 Perionen, davon 308 237 Verbandsmitglieder, gen Freitag unter dem Vorsiz des Reichsministers a. D. Wiffell Genossenschaftsbanf in Brag, deren Kapital inzwischen unterstehen. Gegen das Jahr 1920 find das 41 Verträge we- einen Schiedsspruch über die Neuregelung der Gehaltssäge für die von 3 auf 5 Millionen Stronen erhöht wurde. Daneben bestehen niger, aber 679 Betriebe und 25 044 Personen mehr. Angestellten der Berliner Metallindustrie gefällt, und Bleistiftindustrie, für die Stod-, Peitschen-, Pfeifen- und ver- den Barteien zu keinem Resultat geführt hatten. Die Entscheidung bant hielt am 8. März ihre Generalversammlung ab, auf der Reichstarifverträge bestehen für die Bürsten-, Piniel nachdem die in der vorigen Woche geführten Verhandlungen zwischen zwei um die gleiche Zeit gegründete Bantunternehmungen der landwandten Industrien und für die Perlmutter, Galalith, Steinnuß der Schlichtungsbehörde bringt den Angestellten für den Monat Juli 12 581 Attien mit 554 Stimmen durch 62 Delegierte vertreten und Hornindustrie. Für das Tischlergewerbe, Möbeljabritation u. dal. eine Erhöhung der bisherigen Gehaltssäke um rund 28 Pro 3., waren. bestehen außer 78 Drtstarifverträgen noch zwei Bezirks- und die durch Berdoppelung der Grundgehälter, Erhöhung der Teuerungseinlagen im letzten Jahre um 7%, Millionen Kronen, die Höhe Nach den Berichten der Geschäftsleitung sind die Spar22 Landestarifverträge. Für die Sägewerksindustrie bestehen 49 Drts- zulage auf 150 Broz. und dementsprechend auch der Familienzulage ber laufenden Guthaben um 21 Millionen Kronen gewachsen. Instarifverträge, 7 Landestarifverträge und 9 Bezirkstarifverträge. erreicht wird. Die neuen Gäke sollen vom 1. Juli ab in Kraft gefamt erreichten die Einlagen des Geschäftsjahres den Betrag von Außerdem besichen noch Tarifverträge für die Kortarbeiter, Schirm- treten. Weber die Arbeitgeber, noch die Angestellten der Berliner 48 Millionen. Es fonnte ein Gewinn von 6 Broz. verteilt und ein Metallindustrie haben bisher zu diesem Schiedsspruch Stellung geDer Verband Berliner Metallindustrieller wird sich erst am kommenden Mittwoch über seine Haltung schlüssig werden, während die Funktionäre des AfA- Kartells am Montag dazu Stellung macher, Stamm- und Haarschmuckarbeiter, Storbmacher, Stellmacher und Wagenbauer, Schuhleistenarbeiter, Vergolder, Drechsler, Bildhauer und Modelltischler, darunter 7 Bezirksverbände. Im Jahre 1921 wurde der Reichsmantelvertrag für das deutsche Holzgewerbe geschaffen. Er umfaßt von der vorstehend genannten Zahl der Tarifverträge für das Tischlergewerbe, Möbelfabrikation und dal. 21 Landestarifverträge und 13 örtliche Verträge mit 17 031 Betrieben und 184 088 Personen. Der Reichsmantelvertrag ist jetzt vom Reichsarbeitsministerium mit Ausnahme einiger Baragraphen mit wirtung ab 1. April 1922 für allgemeinverbindlich erklärt worden. Außerdem besteht die Allgemeinverbindlichkeit noch für den Reichstarifvertrag für die Perlmutter, Galalith, Steinnußund Hornindustrie und für eine Reihe von Bezirks- und Ortsver trägen. Die tariflich festgesette wöchentliche Arbeitszeit schwankt awlichen 44 bis 48 Stunden. Bis zu 45 Stunden arbeiten 8297 Personen, über 45 bis 46 Stunden 109 601 Berfonen, über 46 bis 47 Stunden arbeiten 70 101 Personen und über 47 bis 48 Stunden arbeiten 164 599 Personen. nommen. nehmen. " Angestellte der Kunst- und Bauschlofferelen! Mit dem Arbeit geberverband wurde gestern folgende Vereinbarung getroffen: ,, Auf die bisherigen Junigehälter sind noch 10 Pro3. nachzuzahlen und auf die so neu gewonnenen Gehälter ist für den Monat Juli ein Zuschlag von 30 Broz. zu zahlen." AfA- Bund, Ortsfartell Groß- Berlin. Gefährliche Streiflage in Amerika, größerer Betrag für Rückstellungen verwendet werden. Der Reservefonds erreicht den Betrag von rund 1 Million Stronen, der Personalfonds dagegen einen solchen von 100 000 Stronen. Eine Getreideanleihe in Rußland. Die russische Regierung haf die Auflage einer sehr eigenartigen inneren Anleihe verfügt. Man gibt eine fogenannte Getreideanleihe heraus, d. h. es werden Obligationen angeboten, die auf eine bestimmte Menge Brotgetreide dieses Jahres und Januar nächsten Jahres erfolgen. Das Bud Gelauten. Die Lieferung dieses Getreides soll in den Monaten Dezember treide wird mit 35 Goldrubel in der Anleihe feftgelegt. Der Käufer diefer Obligationen muß aber dazu die neuen Geldzeichen, die in diesem Jahre herausgegeben wurden, verwenden, die so um zuwechseln find, daß für einen neuen Rubel, den man fälschlicherweise als Goldrubel bezeichnet, 10 000 Papierrubel eingebracht werden müssen. Die Höhe der Anleihe ist auf 10 Millionen Pud Aus Washington wird gemeldet: In Regierungsfreifen herrscht fonds von 10 Millionen Goldrubel vorhanden. Man nimmt an, Getreide festgelegt. Es ist außerdem angeblich ein Garantiestarter Beffimismus wegen des Streits der Bergarbeiter, Textil- daß diese Goldsicherheit aus den Erträgnissen der Beschlagnahme des arbeiter und Eisenbahner. Der amerikanische Kabinettsrat be- Kircheneigentums gewonnen ist. Für die Anleihe besteht ein beFerien sind in den Tarifverträgen vereinbart bis zu 21 Tas fchäftigte sich gestern ausschließlich mit dieser Frage. Es berührte stimmter Anreiz, denn bei der schlechten Versorgung mit Brot würde gen. Jedoch enthalten die meisten Tarifverträge die Bestimmung, peinlich, daß Bräsident Harding den wöchentlichen Empfang der der Inhaber einer solchen Obligation sich seinen Bedarf sichern können. daß 3 bis 6, resp. 8 bis 7 Tage Ferien je nach der Dauer der Journalisten absagte, und man hatte den Eindruck, daß der Präsident Er kann die Obligationen in Mehl umtauschen, und die Mühle Beschäftigung gewährt werden. Bur Schlichtung von Streitigkeiten, die aus dem Lohn- und Arbeitsverhältnis nichts über die Lage sagen wolle, weil das Geheimnis die beste fann sich auf Grund dieser das Getreide befchaffen. Die Voraus hervorgehen, bestehen örtliche Schlichtungsorgane und als höhere Bolitif in der gegenwärtigen fritischen industriellen Situation fei. fetzung ist nur, daß die Regierung imftande ist, das Getreide zu Instanzen Landes- und Reichstarifämter. Präsident Harding telephonierte dem Präsidenten Hooper vom die man von den Bauern fordert, dazu verwenden, und wenn diese Die Vertrag löhne werden durch örtliche, bezw. bezirk. Eisenbahnerarbeitsamt in Chicago nach Washington zu fommen, um nicht langt oder ihr Eingang nicht gesichert ist, müßte der Garantie liche oder zentrale erhandlungen festgesetzt. In den Reichs, wegen des Eisenbahnerstreits zu konferieren. Dieser wohnte auch fonds zum Auflauf von Getreide im Ausland Verwendung finden. Landes- und Bezirkstarifverträgen sind die Bertragsorte in Orts- der Kabinettssigung von gestern bei. Nach mehreren fruchtlosen An- Bei den unsicheren wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen im Haffen eingeteilt. Die Löhne werden in furzen Zwischenräumen ftrengungen hat es das Eisenbahnerarbeitsamt aufgegeben, den Streit Lande ist leider wenig damit zu rechnen, daß die Naturalabgabe voll immer wieder neu festgelegt und betragen gegenwärtig im Tischler zu schlichten. Man glaubt, daß der Kampf bis zu Ende geführt eingeht, und dann würde die Aktion nicht die Sicherheit bieten, die gewerbe, Möbelfabrikation u. dal. für männliche Facharbeiter in werden muß. Auch die Unterhandlungen der Vertreter der Eisen- geboten ist. Der Vorteil für die russische Regierung wäre der, daß für eine gute Einführung einer solchen recht eigenartigen Anleihe den höchsten Alters- und Ortsklassen pro Stunde in den einzelnen bahnarbeiter mit der Senatskommission sind gescheitert. Vertragsgebieten: Württemberg u. Baden 33,- M., Bayern 32.-M., fie durch die Anleihe in den Besig von Geldmitteln käme, deren fie ab 29. 7. 34, M., Thüringen 28,70 m., ab 28. 7. 31,70 M., Gouverneure der Staaten Pensylvanien und Ohio haben den Truppen bringend bedarf. Sadsen 32,25 M., ab 27. 7. 34,50 W., Schlesien 29,- m., Provinz befohlen, die Kohlengruben zu belegen. Daraufhin haben Brandenburg 29,90 M., Groß- Berlin 38,05 W., ab 1. 8. 86,40 m., fich in Ohio die Kohlenarbeiter versammelt, um gegen die Ostpreußen 23,80 M., Mecklenburg 23,20 M., Hamburg 33,50 M., Gruben zu marschieren. Dampfer- Extrafahrt. ab Waisenbrücke ( Neu- Kölln q. Wasser). Jed. Gonntag, Mont., Dienst. u. Mittw. n. Zeupit( Torn. Joyl), Abf 8 Uhr morg. Ab Stralau, Reft.Tübbecke, 25 Min. spät. Ab Schlütersteg Bhf. Friedrichstr. J. Dienst, Mittw. u.Donnerst, n.Brandenburg a S, Abf. 71/2 morg. An Vereine, Gewertsch., Schulen s. Dampfer zu vergeb. Tel Aleg. 5325. Langwaldt& Schmolke, C2, An d. Stralauerbr. 8 Artur Ziekler liest morgenSonntag, mittags 12 Uhr, aus eigenen Werken im Kleinen Theater Unter den Linden 44 Eintritt 8 u. 10 M. Perser- Teppiche Klaviere, Flügel höchste Tagespr. zahlt Herer, Pallasstr. 9, Kurf. 9104 Willst du preiswert Metzner Hosen Kinderwagen Welthaus Metall- Bettstellen, Kinderu. Korbmbbel, Korbwaren, Rusestühle, Puppenwagen, Alle Kinder- Fahrzeuge usw. Größte Auswahl Berlins. Andreasstr. 23, Andreasplatz Brunnenstr. 95, Beusselstr. 67 Leipziger Str. 54, Neukölln, Bergstr. 133 Spandau, Charlottenstr. 24a. Quecksilber kauft höchstzahlend Heinrich Trapp, Beuthstr. 10 ( Laden nahe Spittelmarkt) kaufen, mußt zu Hosen- Anders laufen. A. Anders, Beusseistr. 25 Fahrräder! Möbel, Kleidungsstücke, Nachlässe kauft Koch, Neukölln Bergstr. 55, Laden. Geschlechtskranke Syphilis, Männerschwäche, Frauenleiden. 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