Nr. 371 ckZY.�ahrgaag Ausgabe g Nr. 7 7� Bezugspreis: Für den Monat August 90,— SU, voraus zahlbar. Unter Kreuzband ftir Deutschland, Danztg, Saar- und Memelzebiet. sowie Oesterrei» und Luzemdurg 138,— SDt, für da» übrige Au»land 172.— M PosldefteHnngen nehmen an Belgien, Danimarl, Eng. lanb, Esthiand, Finnland. Franlrrich. Holland. Lettland. Luiembura, Oester- reich, Schweden. Schweiz. Tschecho- Slowakei und Ungar«. Der.Vorwärts� mit der Sonntag». beilag«.Volt und Feil*, der Unterhaltungsbeilage„Heinnvett* und der Beilage.Siedlung und Kiewgarten' erscheint wochentäglich zweimal. Sonn- tag» und Montag» eintnal. Telegramm-Wreffe: «Sozlaldemotra» Oer Nu- Avend-Ansgabe Devltnev Volksbletkt 2 Mark Anzeigenpreises« einspaltig« Ronuaieillezeiie kostet 23.— M. Reklamezeil« 125t— M .ftlcin*MB$elg«n- da» fettgedrulli- Wort 7,— M. szulässtg zwei kettge- druckt« Worte), jede» weitrre Wori M. Stellengesuche und Schi-!- stellenonzeigrn da» erst- Wort 3)1., jede» weitere Wort 3,— M. Worte übet U Buchstaben zählen für zw- Wort». Familien-Anzeigen für Abon nentea geile 10.— M Anzelgm, für die n S ch st e Rumme, tniiste« bt» 4'/t BP« nachmittag» im Hauptgefchäst, Berlin SWS», Anden- strgst« abgegeben«erden. Seiiffnel bor S Uhr srüh di« 5 Uhr nachmittag«. �entralorgan ckr Sozialdemokrat» fchen parte» Deutfcblands Redaktion und Verlag: SV öS, tinöenstraße Z Dönhoff L92— 895 tfrermpeaicr, unh AS96-8507 Dienstag, den 8. August 1988 vorwarts-verlag S.m.b.h., Sw SS, Linöenstr.Z Fernsprecher- poincares Londoner Rede. Ein Moratorium gegen„produktive" Pfänder. Die Londoner Reparationskonferenz beschäftigt sich Haupt- sächlich mit der Frage des Moratoriums. Die Reparations» kommiffion, die die letzte Entscheidung darüber zu fällen hat, ob und in welchem Ausmaß Deutschland ein Zahlungsaufschub gewährt werden soll, hat ihren Beschluß bis nach der Londoner Konferenz zurückgestellt. Damit ist der tatsächliche Entscheid in der Reparationsfroge in die chand der interalliierten Staats» männer gelegt worden. Der Vertreter Englands in der Reparationskommifsion, John Bradbury, schlug in der letzten Sitzung der Kommission vor, für den Rest des Jahres 1922 Deutschland von den Reparationszahlungen in bar zu suspendieren und den alliierten Regierungen zu gleicher Zeit zu empfehlen, dieses Verfahren auch auf die sich aus dem Aus- gleichsverfahren ergebenden Zahlungen auszudehnen. Ueber die Zahlungsmodalitäten für die Jahre 192Z und 1924 müßte dann in Kürze die Entscheidung gefällt werden. Die Vertreter Italiens und Belgiens schloffen sich dem an. der Ver- treter Frankreichs blieb mit seinem Einspruch allein. Es ist nicht bekannt, ob Bradburys Vorschlag, wie es nach seiner Aufnahme in der Reparationskommission natürlich gewesen wäre, die Grundlage für die Londoner Besprechungen bildet. Bekannt ist lediglich, daß die Konferenz mit längeren Aus- führungen Poincar6e eröffnet wurde, die in einem neuen Vorschlag Frankreichs gipfelten. Der Plan selbst soll vorläufig geheim geHallen werden. Er unterliegt der Begutachtung eines S a ch v e r st ä n d i g e n st a b e s, der für den Behuf gebildet wurde. Mit der Frage der deutschen Reparationen beschäftigt sich also augenblicklich das Garantiekomitee, die Reparations- kommifsion, der Oberste Rat und der von ihm eingesetzte Sach- verständigenausschuß. Dieses Verfahren erinnert sehr an die Methoden, mit der gewisse mißliebige Fragen im politischen Leben behandelt zu werden pflegen. Ob es dem Ernst und der Dringlichkeit der Materie angemessen ist, mag dahingestellt bleiben._ Wenn man einer halbamtlichen franzosischen Meldung Glauben schenken darf, geht Poincarös Plan darauf hinaus. für die Gewährung eines Moratoriums von Deutschland pro- duktivePfänderzu verlangen. Damit wäre also gesagt, daß Frankreich gegen das Moratorium an und für sich keine Einwände mehr erhebt. Es fragt sich nur, wie lange der Zahlungsaufschub befristet sein soll. Denn es liegt auf der chand, daß mit einer kurzen Galgenfrist nicht viel anzufangen ist. Selbstverständlich ist es, daß Deutschland für eine Stun- dung gewisse Garantien geben muß. In dieser Hinsicht hat »uns das Garantiekomitee nicht im unklaren gelassen, und die deutsche Regierung hat ebensowenig gezögert, diesbezügliche Rechte der Alliierten anzuerkennen. Neuartig ist es hingegen, wenn Poincarö nun plötzlich mit produktiven Pfändern kommt. Was in dieser Richtung von Ausbeutung der staatlichen Bergwerke und Wälder, Beteiligung an großen Industrie- Unternehmungen oher gar, wie es der.Matin" wissen will, von Zollschranken zwischen Deutschland und den besetzten Gebieten einschließlich des Ruhrreviers erzählt wird, ist denn doch einigermaßen sinnwidrig. Das hieße etwa soviel als:„Ja, gewiß, ein Moratorium sollt ihr haben, aber bezahlen müßt .ihr trotzdem." Es wird also abzuwarten sein, inwiefern hier das Gerücht seinem großen Meister Poincarö voraufgeeilt ist, wie ja überhaupt die geheimnisvollen Drohungen des französi- schen Minister* in letzter Zeit mehr Dekorationsstücke seiner Taktik, als Kundgebungen eines unbeugsamen Willens waren. Es sei nur daran erinnert, wie zögernd dem ungeheuerlichen Dokument Poincarös in der Frage der Ausgleichs- z a h l u n g e n. das Deutschland, die Alliierten und die ge- samt« gesittete Welt gleichermaßen vor den Kopf stoßen mußte. die Tat folgt. Das ist an und für sich zu begrüßen, wenn es auch gänzlich unverständlich bleiben muß, wie es das Ver- antwortungsgefühl eines Staatsmannes zulasien kann, mit derartigen Dingen Fangball zu spielen. In seiner ausgedehnten Londoner Rede hat Poincar� sehr ausführlich von Frankreichs Finanzelend und Deutschlands selbstverschuldeter Lage ge- sprachen. Vielleicht forscht man in Frankreich einmal darüber nach, wieviel von der dortigen finanziellen Misere auf eigenes Konto zu buchen ist. Im übrigen darf Deutschland als Ant- mort auf die nicht ungewohnten Angriffe von französischer Seite auf die sehr eingehenden Berichte des Garantiekomitees hinweisen. C o n b o n, 7. August.(Reuter.) Die heutige Konserenz dauerte sechs Stunden. Polncar«. und Lloyd George hielten lange Reden. P o i n c o r 6 legte einen endgültigen Rlan vor. von dem er wünscht, daß er g e h e l m gehalten werde. Dieser Plan wird einem Ausschuß der Finanzminister unterbreitet werden, der morgen vormittag zusammentreten und dann der allgemeinen Konferenz De- richt erstatten wird. poincarös Erklärung. Pari», 7. August.(2BI58.) Der Sonderberichterstatter der.Agence Havos" in London schreibt: Der erste Tag der Konferenz war fast vollkommen durch eine Erklärung ausgefüllt, die Minister- Präsident Poineart im Laufe der Vormittags- und der Nach» mittagsfitzung auf Verlangen Lloyd George» über die durch das deutsche Moratoriumsverlangen geschaffene Lage abgegeben hat. Der französische Ministerpräsident erinnerte zunächst an di« ver- schiedenen Verfehlungen Deutschlands im Laufe der drei Jahre gegenüber dem Friedensvertrage von Versailles, namenllich an die Nichtauslieferung der Kriegsbeschuldigten, an die Entwaffnung, die nur unvollkommen sei, und stützte fich in dieser Beziehung auf die Auskünfte, die er von dem Vorsitzenden der interalliierten Militärkontrollkommisston in Berlin, General Rollet, erholten habe. Ueb ergehend zur Reparalioasfmge erinnerte Poincars daran, dr-tz di- Alliierten die Schuld Deutsch- lande, die Kriegskosten und jede Indemnität ausgeschlossen und die Reparationen, di« da» Deutsche Reich schulde, auf ein Minimum beschränkt hätten. Sie sollten nur enthalten die Militärpen- s i o n e n, sowie die Schäden, die den Zivilpersonen und deren Eigentum zugefügt wurden. Bis jetzt hätten die Familien der er- schössen«» französischen Staatsbürger im Norden und Osten Frank- reiche noch keine Kompensationen vom Deutschen Reiche erhalten. Was deren Höh« anbetreffe, so sei die Reparationsschuld im April 1SZ1 sehr mäßig mit lZ2 Milliarde» Goldmark berechnet worden, auf die man übrigens 12 Milliarden, von denen 29 Milliarden, die am 1. Mai 1922 fällig gewesen seien, angerechnet habe. Frankreich habe erwartet, daß damit feine Opfer ein Ende erreicht Hätten. Es habe sogar daran gedacht, daß eine Regelung der interalliierten Schulden dank der Liquidation der Schatzbonds, die der Zahlungsplan von London vorgesehen habe. eintreten könne. Es wäre einer derartigen Gesamtoperation günstig gesinnt, vorausgesetzt, daß ein Prioritätsrecht für die ver- wüsteten Gebiete geschaffen werde. Aber die süngsten Ereignisse (der Riinistcrpräsident hat später ausgeführt, daß es sich um die Rote Balfours Handel«) verhindere im Augenblick die Durchführung diese- Planes. Poincarö erklärte weiter, Deutschland Hab« die Geldzahlungen nicht regelmäßig geleistet. Trotzdem ihm eine bedeutende Herab- Minderung für die Zahlungen des Jahres 1922 bewilligt worden fei, verlange es jetzt noch ein vollkommenes Moratorium für die Jahre 1923 und 1924. Andererseits aber habe die Frage der lnteralliierlen Schulden einen neuen Charakter angenommen, an dem Frankreich picht schuld sei. Man habe Frank- reich an sein Schulden von den verschiedensten Seiten erinnert. In Amerika gebe augenblicklich Parmentier der Regierung Auf- tläkung, die sie für notwendig halte. England seinerseits habe die Absichten in der Rote Balfours kundgegeben. Das Ergebnis fei, daß Frankreich, das die Reparationstosten für 10 verwüstete Departement» zu seinen Lastm trag«, nicht von heute auf morgen veranlaßt werden könne, einen Teil seiner äußeren Schuld in Ihrer Gesamtheit zu bezahlen, während es ihm un- möglich fei, feine Forderungen bei Deutschland einzuziehen. Unser Land, so fuhr Poincare fort, das schon für Deutschland 90 Milliarden Goldmark vorgeschossen hat, davon die Hälfte auf Reparationskonto, muß also da» Defizit in seinem Budget vergrößern. Dos ist ungerecht. Nach den Worten Lloyd Georges darf man Deutschland nicht zur Verzweiflung treiben. Aber auch Frankreich nicht! Wenn wir die Ausführung des Friedensvertrages verlangen, so sind wir weder imperia- l i st i s ch noch militaristisch. Wir wollen auch Deutschland nicht zerstückeln, wir wollen nur dem Ruin entgehen. Wir sind bereit, an dem Wiederausbau Europas mitzuarbeiten, der aber unmöglich gemocht wird, wenn Frankreich zusammenbrich» und wenn es nicht seine Reparationskosten zurückerhält, wie die Ko n f e- renz der Sachverständigen im Jahre 1920 in Brüssel sie festgestellt hat. Aber es sei unmöglich, in Frankreich die Aus- gaben zu vermindern und die Steuern zu erhöhen. In dieser Rich- hing sei die Bemerkung Sir Robert Hörne», die er jüngst gemacht habe, nicht ganz begründet. Frankreich habe tatsächlich 10 ver- w ü st c t e Gebiete, die nicht einmal normale Steuern bezahlten. Die Zahl seiner Toten und Verwundeten sei viel größer als die Englands. Seine soziale Gliederung sei sehr verschieden von der England», und ferner sei«in Vergleich der beiden Budget, praktisch schwierig. Frankreich habe seit drei Jahren sich stark mit Steuern de- lastet. Es sei am Ende feiner Kraft. E» erhalte sich nur durch den Kredit, der ihm uuerläßtich sei, um den Wiederausbau der verwüstete» Gebiete während der Dauer eines Moratorium« fortsetze» zu können, das mau Deutschland bewilligen werde. Man wende wohl ein, daß sich Deutschland wegen der Entwertung der Mark und wegen der Unmöglichkeit, in der es sich befindet, ausländische Devisen für seine Barzahlungen zu kaufen, in einer prekären Lage befinde. Dieser Fehler liege an Deutschland selb st. Zur Unterstützung seiner Ve> hauptung führte Poincare alle übertriebenen Ausgaben an, die das Deutsche Reiche mache, um seine Handelsmarine zu ver- stärken, feine Eisenbahn- und Schiffsweg« zu verbessern usw. Außer- dem habe sich Deutschland nicht ernstlich mit Steuern betastet. Es habe absichtlich seinen Notenumlauf vergrößert. Wenn Frankreich auch in der gleichen Weise gehandelt hätte, würde e« ebenfalls herabgesunken sein. E» sei also unerträglich, daß Frank- reich die Folgen einer Lage über sich ergehen lasse, für deren Ab- änderung Deutschland nlcht nur nichts getan habe, sondern im Gegenteil. Poincare forderte, daß im Falle die Reparationskommission Deutschland ein Moratorium bewillige, so kurz es auch sein möge, die Alliierten als Gegenleistung produktive Pfänder verlangen sollten(innere Kontrolle, Ausbeulung der staatlichen Dergwerke, der Dominialwälder, Beieiligung an den großen Zndustriegesellschaften usw.). Der Ministerpräsident erklärte zum Schluß, was seine Grundsätze anbetresie. sei er unnachgiebig. Es wurde beschlossen, die Erklärung PoincnrSs einer Sach- ver st ändigenkom Mission zu unterbreiten, die morgen vor- mittag unter dem Vorsitz des englischen Schatzkanzlers Hörne um Uli Uhr zusammentreten soll. In diesem Ausschuß wird Frankreich durch Finanzminister de Lasteyrie vertreten. Der Ausschuß soll erklären, ob der Ertrag der ins Auge gefaßten Pfänder ergiebig fei, und auch die Kosten der Verwaltung im Vergleich zu den erwarteten Einnahmen feststellen. Llopö Georges Antwort. Auf die Rede Poincarös, welche die ganze DormUtagssitzung des Obersten Rates ausfüllte, antwortete am Nachmittag Lloyd George, der nach dem„Petit Puristen" schon am Vormittag ziem- lich lebhafte Bemerkungen gemacht haben soll. Lloyd George er- innert« daran, daß Großbritannien ebenso wie Frank- reich gelitten habe. Die Bankers Trust Company in New Park habe soeben eine Aufstellung veröfsentlicht, wonach Frankreich während des Krieges 37'4 Milliarden Dollar, Italien 1414 Milliarden Dollar und das Britische Reich 49>4 Milliarden Dollar ausgegeben habe. Wenn Frankreich 80 Milliarden Franks für Deutschlands Rechnung ausgegeben habe, so habe Großbri- tannien, abgesehen von den Steuern, die es sich während des Krieges auferlegte, 50 Milliarden ausgegeben. England habe zwei Millionen Arbeitslose gehabt, e» besitze jetzt noch 1 400 000. Die Bevölkerung der verwüsteten Gebiete mache im ganzen vielleicht nur zwei Millionen Menschen aus, während die Arbeitslosen Englands mit ihren Familien ungefähr 5 Millionen ausmachen. Poincare bestehe fest aus dem Versailler Friedensvertrag: wem verdanle man es aber, wenn Deutsch- laiid jetzt in weitem Umfange entwaffnet sei? Es fei außerstand«, einen Krieg zu fähren, es wisse noch au« Erfahrung, wieviel Zeit es beanspruch«, sich dazu zu rüsten. Deutschland habe kaum g«> nug Soldaten, um die Ordnung im Innern des Landes aufrechtzuerhalten. Was di« Reparationen anlangte, so habe es trotz seiner drei Revolutionen und trotz der Schwäche seiner Re- gictungcn schon 10 Milliarden Goldmark gezahlt. Der Garantieausschuß habe über die deutschen Steuern günstig berichtet. Der Niedergang der Wechsel- kurs« sei ein sicheres Thermometer, um den deutschen Ruin zu erkennen. Sodann schlug Lloyd George die Einsetzung de« Sach- verständigenausschusse« vor. Roch Lloyd George sprach Schanzer in etwa gleicher Wesse wie Lloyd George, indem er, wie der„Petit Parisien" berichtet, die ungünstige Finanzlage Italiens schilderte. Er erklärte, man müsse in Betracht ziehen, daß allzu streng«e Maß. nahmen in Deutschland Unruhen zur Folge haben könnten. Der belgische Ministerpräsident Theunis erklärte dann, Lloyd| Leiden fröhlichen Gemüt. Der Name Gerisch wird unter den George habe von Reparationen gesprochen, die deshalb nötig seien, besten unserer Führer stets genannt werden. Dank und Anweil viel zu reparieren fei. Die Haltung eines jeden richte sich nach erkennung für die der Partei allzeit treu geleisteten Dienste seinen Bedürfnissen nach Reparationen. Nach dem" Petit Parisien" wird ihm gewiß sein. foll Theunis unter Anerkennung der schwierigen Finanzlage Deutschlands geäußert haben, die deutsche Regierung habe niemals so nachgegeben, wie es zu wünschen gewesen sei. Hayashi- Japan sagte, das einzige Ziel der Alliierten müsse sein, soviel Geld wie möglich zu erhalten. Auch er stimmte dem Vorschlag Lloyd Georges zu. Alwin Gerisch Renderung des Reichswahlgesetzes. Ein Entwurf eines Gesetzes zur Aenderung des Reichswahl gesetzes ist dem Reichsrat zugegangen. Der vorliegende Entwurf beschränkt sich in der Hauptsache darauf, nach den Erfahrungen, die bei den letzten Wahlen zum Reichstag und zum Preußischen Landtag Notschrei aus Schlesien. gemacht sind, einige Vorschriften mahltechnischer Natur abzuändern, die Verpflichtung zur Uebernahme ehrenamt= Immer wieder fommen Hilferufe aus Deutschschlesien. Iicher Tätigkeit bei der Durchführung der Wahlen genauer Das verbrecherische Selbstschutzgesindel haust dort wie Räuber- zu regeln und den Erfaz der gemeindlichen Wahlbanden des Dreißigjährigen Krieges. Privatbriefe, die uns fosten zweckmäßiger zu gestalten. Außerdem aber ändert er die übermittelt werden, flagen übereinstimmend den Selbstschutz Wahltreiseinteilung in einer Reihe von Fällen ab, indem an, der zur Landplage geworden ist. Das gleiche Bild zeigt er einige übergroße Wahlkreise( Westfalen- Nord, Westfalen- Süd, ein Hilferuf, der von der öffentlichen Gemeinde- Hessen- Nassau und Bayern) im Einverständnis mit den beteiligten persammlung Deschowitz beschlossen und von sämtlichen Ländern so verkleinern will, daß auf jeden durchschnittlich 1,5 Millionen Einwohner treffen. Anwesenden unterschrieben wurde: Deschowitz( D.- Schl.), den 1. August 1922. " Eine Ausnahme ergibt sich für Berlin, das mit Rücksicht auf die Bildung von Groß- Berlin" mit seinen vereinigten früheren Bororten zusammen den neuen 2. Wahlkreis bildet, der die jetzige Stadtgemeinde Berlin" mit 3 003 770 Einwohnern umfaßt und auch einen eigenen Wahlkreisverband bildet. Die nach der FortUm- nahme der früheren Berliner Vororte übrig bleibenden Teile der früheren Wahlkreise Potsdam I“ und„ Botsdem II" werden zu einem Wahlkreise Potsdam" zusammengefakt, der mit dem unverändert bleibenden Wahlkreis Frankfurt a. d. O. den Wahlkreisverband Brandenburg bildet. Den alten Kämpen Bebel, Auer und Singer aus dem früheren Parteivorstand ist nun auch Alwin Gerisch im Tode gefolgt. Uns trifft diese Trauerbotschaft heute völlig Wir hier unterzeichneten Einwohner von Deschowig lenten überraschend, war er doch noch vor einigen Tagen wohlgemut durch eine öffentliche Gemeindeversammlung die Aufmerksamkeit im Bureau des Parteivorstandes. Gerischs engere Freunde der Behörden auf das verbrecherische und gewalttätige Treiben des wußten, daß er sich wegen eines schweren Nieren- und Blasen- wilden Selbstschutes. Besonders der hiesige Ort und seine Umleidens einer neuen Operation unterziehen mußte, die nach gebung leiden unter dem Terror dieser Banden. ärztlichem Gutachten für sehr gefahrvoll gehalten wurde. Dennoch hat keiner geglaubt, ihn so plötzlich verlieren zu müssen. Am Freitag mußte sich Gerisch zur Operation in die Klinik begeben; Sonnabend nach der Operation fühlte er sich wesentlich von seinen Schmerzen erleichtert, am folgenden Tage trat jedoch Herzschwäche ein und am Dienstag früh 7 Uhr erlöste ihn der Tod von seinen Leiden. Die aufregende und nervenzerrüttende Tätigkeit in der Partei war die Ursache eines ähnlichen Leidens, an dem auch Auer die lezten Jahre seines Lebens schwer zu tragen hatte. Seit 1890 gehörte Gerisch dem Parteivorstande an, erst als Sekretär, später als Raffierer, bis ihn sein Leiden 1912 zwang, diese Stellung aufzugeben. Als ein rechtes Proletarierkind am 14. März 1857 im sächsischen Erzgebirgsdorf Rautenkranz geboren, hat er seinen fächsischen Klaffengenossen bis zum letzten Tage proletarische Gesinnungstreue bewahrt. In feinen belletristischen Schriften fam dies ganz besonders zum Ausdruck. Frühzeitig fam Gerisch in die Arbeiterbewegung. Von Mitte der achtziger Jahre bis 1892 war er Vorstandsmitglied und dann Rendant im Berliner Metallarbeiterver= band, dem er als gelernter Maschinenbauer angehörte. In der Zeit des Ausnahmegesetes war Gerisch opfermutig für die Partei tätig, und als in Halle nach dem Fall des Sozialistengesezes die Partei sich zum erstenmal neu fonftituierte, mählte sie den damals er st 33 jährigen Gerisch zu ihrem Borsitzenden, während Bebel zunächst noch Raffierer blieb. Auf dem Berliner Parteitage 1892 übernahm Gerisch dann das Raffiereramt und Bebel den Vorsiz. Sechsund zwanzig Jahrelang hat er der Parteileitung angehört, zahlreiche Unternehmungen der Partei, besonders ihre Drucke reien, fragen als Firma seinen Namen und geben damit Kenntnis von der hohen Achtung, die er in der Partei genoß, wie von seiner finanziellen Tätigkeit. Klar hatte er erkannt, daß im großen Industriegebiet Rheinland- Westfalen ein reiches Tätigkeitsfeld für die Partei und ihre Presse bestand. Die großen Druckereien und Parteiblätter in Bielefeld, Bochum, Dortmund, Essen, Ludwigshafen und andere sind die Früchte seines tatkräftigen Arbeitens. Seine sächsische Heimat, der Plauensche Kreis, wählte Gerisch 1894 zum Reichstagsabgeordneten; er gehörte dem Reichstage bis 1898 an, später wieder von 1903 bs 1906. Die angegriffene Gesundheit verbot ihm 1912 wieder zu kandidieren. Trotzdem hat der nie rastende Geist Gerisch bei all seinen Lebden nicht tatenlos werden lassen. In der Treptower Gemeindeverwaltung stand er immer noch feinen Mann. Dort war er der Vertrauensmann für viele Parteigenossen, die auf seinem persönlichen Rat großen Wert legten. = So wurde u. a. in der Nacht vom 11. zum 12. Juli cr. die 16jährige Tochter der hiesigen Witwe Johanna Michalet von Der deutschbleibende Teil Oberschlesiens bildet einen eigenen einem sich Jagsdorf nennenden Angehöragen des hiesigen SelbstWahlkreis, der mit den niederschlesischen Wahlkreisen einen Wahlschutes schwer mißhandelt und vergewaltigt. In der Nacht vom 28. zum 29. Juli cr. wurde durch Selbstschutz- freisverband Schlesien bildet. Sachsen ist in Zukunft in die drei mit den gleichnamigen Kreishauptmannschaften zusammenfallenden angehörige bei dem Landwirt Krziwik in Krassowa ein Einbruch Wahlkreise Dresden- Bauzen, Leipzig und Chemnitz- Zwickau geteilt, perübt. Die Täter raubten 3000 M. Bargeld und Bekleidungs- die zusammen den Wahlkreisverband Sachsen bilden. Stücke und mißhandelten die Angehörigen mit Totschlägern derartig schwer, daß an dem Aufkommen eines der Familienmitglieder gezweifelt wird. Solche und ähnliche Fälle lassen sich eine ganze Anzahl anführen und mehren sich von Tag zu Tag. Der Streit um den Bahnhofsbuchhandel. Berlin, 7. Auguft.( TU.) Der Reichsverkehrsminister hat auf die Anfrage des Abgeordneten D. Schreiber wie folgt geantwortet: Eine Anzeige der verbrecherischen Handlungen erfolgt in den Es ist unzutreffend, daß der Firma Stilfe ein Monopol für den meisten Fällen nicht, weil die Betroffenen oder die Anzeiger die Bahnhofsbuchhandel eingeräumt werden soll. Da die bisherigen Rache der Täter fürchten müssen. preußischen, noch jetzt in Geltung befindlichen Bestimmungen über Der hiesige Selbstschuk, insbesondere die Leitung, betätigen fich die Pachterhebungen es nicht ermöglichten, bei der Bachtfestsetzung in republiffeindlichem Ginne. Bei einem vor kurzem statt der Geldentwertung in der wünschenswert schnellen Weise zu folgen, gefundenen Vergnügen wurden Lieder gesungen, welche die Repits werden neue, für das ganze Reich gültige Bestimmun blik und die Reichsfahne ver un glimpfen. Anwesende, die sich gen für die Bahnhofsbuchhandlungen vorbereitet, deren endgültige an dem staatsfeindlichen Treiben nicht beteiligen, wurden be- Festellung binnen furzem bevorsteht. In diesen Bedingungen ist schimpft und mißhandelt. eine Berechnung der Pacht nach Hundertjägen vom Umgerissen und zerstüdelt. Von einer Ehrenpferte wurde die Reichsfahne herunterfaß vorgesehen. Um die daraus entspringende höhere Einnahme für die Reichstasse baldigst zu erreichen, ist für die mit der Firma Stilte abgeschlossenen Berträge eine Umstellung der Pachtberechnung bereits vom 1. Juli 1922 ab in Aussicht genommen. Eine Ausdehnung der mit Stilfe abgeschlossenen Berträge auf weitere Bahnhofsbuchhandlungen ist damit nicht verbunden. In den bisherigen Vertragsbeziehungen tritt also abgesehen von der BachtberechWir fordern daher, um diesem Treiben ein Ende zu hereiten, nung eine Aenderung nicht ein. Die neuen Bestimmungen daß seitens der zuständigen Stellen energische und durchgreifollen mit den Verbänden der Schriftsteller, Berleger und fende Maßnahmen getroffen werden. Insbesondere verlangen wir Buchhändler besprochen werden. Ich beabsichtige, zu dieser die Stationierung eines genügend starten Polizeikommandos in Besprechung auch Mitglieder des Reichstages hinzuzuDeschowiß, weil unser Ort wegen seiner Lage an der Hauptbahn vom ziehen. Berbrechergesindel besonders start heimgesucht wird. Diese Vorgänge find geeignet, das Vertrauen der hiesigen Bevölkerung zur preußischen Regierung aufs Schwerste zu erschüttern. weil besonders die unteren Bolfsi.hi hien leider der Meinung sind, daß die Behörden diefes Treiben des Selbstschutzes nicht nur nicht ahnden, sondern stillschweigend bulbe. Beschlüsse in München. " München, 8. Auguft.( Tul.) Zu der aus Berlin fommenden Meldung, daß der bayerische Gesandte gestern dem Reichspräsiden ten mitgeteilt habe, Graf Lerchenfeld werde mit den Ministern Dr. Schwener und Dr. Gürtner am Mittwoch früh zu Verhand lungen nach Berlin tommen, erfahren die Münchener Neuesten Nachrichten", daß Dienstag vormittag in München noch eine Sigung des Ministerrates stattfinden soll, welche die letzten Entscheidungen treffen wird. ten Entscheidungen treffen wird. Diese Beschlüsse werden Graf Lerchenfeld und die beiden anderen Minister nach Berlin mit nehmen. 11. Verleumdung der Wohlfahrtsarbeit. Otto Ernst beschmutzt das eigene Nest. Deutsch- Amerikanern in einer Hamburger Weinstube stellte Hamburg, 8. August.( Eig. Drahtbericht.) Bei einem Essen von der zur radauantisemitischen Suite der Deutsóvölkischen gehörende Dichter Otto Ernst die unglaubliche Behauptung auf, daß von den 800 000 m., die von Deutsch- Amerikanern dem Kreise Pinneberg für Wohlfahrtszwede überwiesen wurden, 600 000 m. für Berwaltungszwecke draufgegangen seien. Nur 200 000 m. wären im Sinne der Spender verwendet worden. Daran fönne man ertennen, wie es heute in Deutschland zugehe. möchten das doch nach ihrer Rückkehr in Amerika erzählen Die Deutsch- Amerikaner und verhindern, daß noch weitere Gelder in Amerika für Deutschland gesammelt würden! Wie sich jetzt herausgestellt hat, ist von den BeReiner Idealist, von immer versöhnlichem Geiste beseelt, der DDP. erläßt zum 11. Auguft einen Aufruf, in dem es heißt: hauptungen des Otto Ernst nichts wahr; sie sind eine leichtfertige lebte Gerisch mit den Parteigenoffen und seinen nächsten Freunden in guter Kameradschaft und wahrer Freundschaft. Sein Scheiden bewegt uns und alle seine Freunde aufs tiefste. Ein edler, guter Mensch ging von uns. An seiner Bahre senten sich mehmutsvoll die Banner unserer Partei. Im Geiste meilt er unter uns mit seinem trotz aller Marie, hol die Tafel rein.. Dieser Tage trete ich in ein Beschäft. Mittelgroß, grad so, daß der Befizer noch mitarbeiten" muß. Aber in seinen Bewegungen merkt man es deutlich, er hat es nicht mehr lange nötig. Billige Seife sehe ich in dem Laden. Eine schwarze Tafel im Schaufenster zeigt in unbeholfenen Ziffern, daß sie„ noch“ fünfzehn Mart das Doppelstüd toftet, Vor mir eine Rette von Frauen, die große Einkäufe machen. Alles in einer Haft, als hätten sie Angst, daß es morgen noch einmal so teuer ist. Auf einmal höre ich, wie der Chef zu einem Mädchen fagt: Marie, hol die Tafel rein." Das Mädchen tut es; ich bin neugierig, was das zu bedeuten hat. Wo eine Tafel ist, hängt nicht weit davon auch ein Schwamm. Das ist auch hier der Fall. Der Mann mit dem schwarzen Brett löscht die ganze Bescherung aus, d. h. nur die Preise, dann sett er frei ist der Mensch ganz neue, natürlich höhere Ziffern da Das Fett steigt von 112 auf 125 M., der Zuder von 36 auf 39 M. das Pfund, die Butter von 126 auf 135 m. und so fort mit Wonne für den Schreibenden natürlich. hinter. Was ist denn das?" frage ich. „ Der Dollar ist auf 855 gestiegen, das Zeug muß e'nuff." " Was hat denn das mit diesen Vorräten zu tun, die hier liegen?" Er sieht mich bösartig an. Damit ich, wenns e'nunner geht, zusehen kann, wenn Sie es wissen wollen." Seine Schlagader schwoll an, ich merkte es deutlich, daß er mir am liebsten das Stäsemesser an den Kopf geworfen hätte. " So, so," gab ich dem Mann zurück, hoffentlich vergessen Sie es nicht, wenn es mal abwärts geht, hören Sie?" Er sah mich nur mitleidig an. Ich kaufte zwei Stüd Seife, die mährend meines turzen Aufenthaltes auf 17 M. geflettert maren. Ich machte mir so meine Gedanken, wo denn die Arbeiter, Angestellten und Beamten, die Redakteure und die Schriftsteller ihre Tafel stehen haben. Wenn die auch gleich so sagen könnten: Marie, hol die Tafel rein...?" Das wär fein.. Tho. Alwin Gerisch als Schriftsteller. Alwin Gerischs Fähigkeiten waren mannigfaltiger Art. Er war nicht nur der Parteimann und berufene Führer breiter, aufstrebender Massen, in ihm stedte auch ein Stück Künstlertum. In diesem Künstlertum, das sich in zahl reichen Erzählungen und Romanen erprobte, loderte ein zäher Kämpfergeist für alles Wahre, Freiheitliche und Lichtvolle. Gerischs In der Weimarer Berfassung ehren wir das eigene Werk des deutschen Bürgers, an dem jeder mitgeholfen hat. Demütigen Hauptes stehen wir vor den guten, dauernden Leistungen der Vergangenheit, das Herz voll von dem Glauben an eine neue deutsch 3 ukunft. Wir ehren unsere Bäter, indem wir die Aufgaben der neuen, demokratischen Zeit erfüllen!" der e Berleumdung und eine gewissenlose Schmähung der deutschen Wohlfahrtsarbeit. Hoffentlich halten die geschmähten Institutionen die Beschimpfung in ihrer Auswirkung auf Amerika für bedenklich genug, um dagegen entschieden Stellung zu nehmen. Sie haben alle Ursache dazu, ihre Wohltätigkeitsarbeit gegen dererlei schmutzige Borwürfe zu schützen. läufige Entscheidung gefällt. Es wird Ludwig untersagt, sein Drama aufführen oder drucken zu lassen. Begründet wird die Entscheidung im Gegensatz zum Reichsgericht mit dem sogenannten Persönlich feitsrecht, das in diesem Falle verletzt sein soll. dichterisches Schaffen wurzelte in einer starten, innigen Heimat sliebe. Seine erzgebirglerischen Waldleute waren es, an denen sein Herz hing. Ihre Armut, ihre Unwissenheit, ihre Weltabgeschiedenheit waren ihm immer wieder das Milieu, in das er feine Aufklärung bringende und sozialistisch handelnden Haupt- Die höheren Instanzen werden hoffentlich recht bald zu den helden hineinsekte. Ungezählte solcher Skizzen hat er geschrieben. früheren Entscheidungen des Reichsgerichts zurückkehren. Denn es und immer verstand er es, den richtigen Ton zu treffen. Seine in wäre ein unerträglicher Zustand, wenn ein Wilhelm, der sich seit läst er er",„ Maria und Josef"," Die Husterhütte nicht auch von anderen in Szene gesetzt werden dürfte, wenn eines ,, Neuen Welt" abgedruckten Arbeiten( ,, Der Gottes seinem Regierungsantritt ununterbrochen in Szene gefeht hat, usw.) wurden förmlich verschlungen; die verhältnismäßig hohe Auf- der Hauptafteure der letzten 30 Jahre nicht einmal Afteur in einem lage seiner Buchveröffentlichungen( Verlag der Buchhandlung Vor- Drama sein darf, das von Bismarcs Entlassung handelt. Leute, märts) hat denn auch bewiesen, wie sehr literarische Gaben der von die die Mit- und Nachwelt im Stile dieses Raisers herausgefordert Gerisch gepflegten Art in den Kreisen der Parteigenossen verlangt haben, dürfen nicht einen Schutz beanspruchen, der für den Käsewurden. Gerisch verstand es meisterlich, seine Romanhauptfiguren händler Lehmann berechtigt sein mag. fo zu zeichnen, wie sie von den Arbeitern gesehen werden wollten. Reforfionen. Die Franzosen sind nie um schöne Namen verSie entsprechen nur zu einem Teil der Wirklichkeit, er idealisierte fie legen, wenn sie uns mit besonders unangenehmen Maßnahmen gern, läuterte ihr Wollen. Um so fräftiger und realer wirkte der bedenken. Schon Leffings Niccaut de la Marliniere nennt die Untergrund, auf dem er sie handeln ließ. Alle Nebenfiguren waren deutsche Sprache eine plumpe Sprad", in der man gewisse Dinge es auch, die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gegenfäße gegen- mertung wird man erinnert, wenn man von der neuesten Erfindung derbes, festes, ferniges Landproletariat. Meisterlich verstand er nicht elegant und schonungsvoll ausdrüden fann, und an diese Be einander auszuspielen: Fabrikantentypen, höhere Beamte. Rament Boincarés, den„ Retorsionen", lieft, die wir Deutschen in unserer lich den Geistlichen wischte er gern eins aus; am trefflichsten ist plumpen Sprache Erpressungen“ nennen fönnten. ihm eine solche Gegenüberstellung zweier sich befehdenden Welt ist ein französischer Terminus technicus des Völkerrechts, der mit ,, Retorsion" anschauungen( chriftliches Muckertum und Sozialismus) in der groß großer Geschicklichkeit auf die genenwärtige Lage angewandt wird. angelegten Friedhofsszene im Gotteslästerer" gelungen. Nach den Angaben berühmter Bölkerrechtslehrer, wie Calvo, von Aus dem erzgebirgischen Milieu heraus fällt wohl nur eine, bisher Martens, Rivier u. a., wird der Begriff in der Grande Encyclo noch nirgends veröffentlichte Arbeit in Romanform, um die fich pédie" folgendermaßen definiert:„ Die Retorsion tritt in dem Fall Rahmen spannt. In allen literarischen Arbeiten Gerischs fritt ein die zwar vollkommen gesetzmäßig und erlaubt, aber unhöflich, schroff Groß- Berliner Arbeiterleben zur Zeit des Sozialistengefeges als auf, wo ein Staat sich gegen einen anderen in einer Form benimmt, Erzgebirgsheimat start hervor. zärtliches Sichverfenten in die volkstümlichen Eigenarten seiner und schädigend ist, worauf der andere Staat ähnliche Maßnahmen Auch auf diesem Gebiet dürften aegen den ersteren ergreift. Der beleidigte Staat fann dieselben feine Schöpfungen späteren Zeiten noch manches Wertvolle geben. Maßregeln gegen die Untertanen des anderen Staates in feinem Berischs Stärfe war in erster Linie fein start ausgeprägter Sinn Bande anwenden, die der erstere Stoat gegen die Untertanen des für alles Volkstümliche, das lag ihm im Blute; das half ihm selbst zweiten Staates gebraucht hat; er fann die Handelsbeziehungen dort über Schwierigkeiten, wo seine Erzählungen ins allzubreite erschweren usw. Die Beziehungen, die zwischen den zivilisierten gerieten. Was er der deutschen Sozialdemokratie an Schöngeistigem Staaten herrschen, verbieten es, sofort zu Retorfionsmaßregeln zu alten ein Spiegel, in dem sie ein Etüd eigenen Lebensganges die Retorfionen sind erst dann rechtmäßig, wenn die Verhandlungen gegeben, wird noch lange erfreuen: Den Jungen ein Ansporn, den greifen; es müssen erst Unterhandlungen vorangegangen sein, und zu erschauen wähnen. L. ergebnislos waren. Die Retorsion ist eine Art Repreffalie, wenn noch das Szepter führte, suchte er auch die Kunst zu dirigieren. Vor gegen einen Zustand, den man der internationalen Billigkeit und Der Kaiser a. D. darf nicht dramatisiert werden. Als Wilhelm man dies Wort im weitesten Sinne nimmt; aber sie richtet sich nur allem duldete er nicht, daß in den von ihm abhängigen Theatern Höflichkeit widersprechend ansieht, während die Repreffalien fich Hohenzollern anders als in der von ihm genehmigten Fassung auf- gegen einen ungerechten oder unrechtmäßigen Zustand richtet." geführt wurden. In der Republit genießt der Ertaiser scheinbar noch ähnliche( Vor) rechte: seine Berfon darf nicht auf die Bühne mesenheit von Vertretern aus fast allen europäischen Staaten und aus Der zweite internationale Joo- Kongres wurde in Dessau in An gebracht werden wenigstens nicht in einer Form, wie es der Amerita durch Reichstagsabgeordneten Peus- Deffau als Präsidenten er freischaffende Autor will. in dem Prozeß, den der frühere Kaiser gegen den Schriftsteller in anhaltischen Schulen als Unterrichtsfach einzuführen. Das Berliner Landgericht III bat öffnet. Der anhaltise en Egullommission wurde der Beschluß mitgeteilt, Jdo Emil Ludwig megen seines Bismard- Dramas„ Die laffung"( darin treten sowohl der Kaiser wie die damaligen maß angegliedert werden. Als Leiter ist Prof. Albrecht Mendelssohn- Bartholdy Ent. Ein Institut für auswärtige Politik soll der Berliner Univerfitat gebenden Persönlichkeiten handelnd auf) angeftrengt hat, eine vor- in Aussicht genommen. Unter der Fascistendiktatur. " Erntefeste. Die vorüber Mannes virnehmen fonnte. Ein besonds trasfer Fall spielte Rom, 8. August.( ED.) Die Regierung ist von der Besserung sich in der Schmidstraße ab Dort standalierten abends nach 12 Erntefefte fünden nun des Herbstes Nähe. Getinte von buntem Uhr vor dem Hause Nr. 40 die drei Gebrüder Erich, Kurt und Willi der allgemeinen Lage befriedigt. Der Ministerrat hatte einen Papier ziehen sich wahllos durch das Land der kleinen Leute, die Andre. Nachdem eine aufmerksam gewordene Polizeistreife ihnen eingehende Besprechung mit dem Abgeordneten Grandi, dem die Feste feiern wie fie fallen. Ja, es scheint, daß fie um fo aus her und brachten ihnen erhebliche Bißwunden an den Händen Ruhe gebot, fielen die Burschen über die Beamten Führer der Fascisten der Tostanen. Wie die Epoca" aus gelaffener und luftiger sind, je geringer das Fleckchen Erde ist, in und Faust schläge ins Geficht bei, so daß diese ärztliche Hilfe auf Mailand meldet, hat der geheime Attionsausschuß der das sie ihre Spaten fentten, das Samenforn legten und mit grünen der Rettungsstelle in Anspruch nehmen mußten. Fascisten 72 der bekanntesten Organisatoren und Pflanzen besteckten. Welche Mühen waren nach der Werktagsarbeit gehenden Baffanten fer.nten das Verhalten dieses Kleeblatts" nicht Führer der sozialistischen Bewegung von Mailand auf die und an den Sonntagen aufzuwenden! Wie wurde jedes Pflänzchen, billigen und riefen polizeiliche Hilfe für die Beamten herbei, mit Lifte der zu vernichtenden Gegner gefeßt. Unter diesen jedes Beet und jeder Strauch sorgsam behütet. Wie oft mußten im deren Unterstützung die Einlieferung zur Bache erfolgte. befinden sich auch die Abgeordneten Turati und Treves. Die regenarmen Juni die schweren Wassertannen auf den Gartenpfaden Gemeindeverwaltung des Mailänder Vorortes Greco hin und her gewuchtet werden! Wie oft suchten die Augen sehnwurde von einer Abordnung Fascisten zum sofortigen Rüdsüchtig nach einer Wolte an der sommerlich durchfluteten HimmelsRaubmord im Walde. tritt aufgefordert, da sonst das Gemeindehaus besetzt würde. tuppel! Wie nun der Regen kam, drohte alles zu ertrinken und der auf einen aus dem Waldboden herausragenden Arm, der zu einer In einer honung bei Göledors stieß ein Bilziuter Die sozialistische Verwaltung von Verona ist zurück- Gorge war fein Ende. Nun geht der Wind über die kahlen Felder. dort verscharrten Leiche gehörte. Die sofort benachrichtigte getreten. In der Provinz Livorno haben sich verschiedene Millionen von Erntewagen schwanken unter der Wucht der goldenen Landjägerei erkannte in der Leiche den seit etwa 15 Monaten ver fozialistische Sektionen aus Furcht vor fascistischen Ueberfällen auf- Alehren stöhnend in die Scheuer und die Kleinen, die ihren Ernte- schwundenen Landwirt Miller aus Gölsdorf. Müller pflegte gelöst und ihre roten Fahnen den Behörden übergeben. In segen in Rucksäcken heimwärtstragen, denten mit Schauer an den eine ganze Barschaft mit sich herumzutragen. Wie festgestellt worden mehreren Orten verwüsteten die Fascisten die Arbeitskammern und Tag, wo der Garten die letzte Gabe, die letzte Frucht dieses Jahres ist, ist Geld und Uhr verschwunden. Unter dem dringenden Vers zwangen die sozialistischen Bürgermeister zum Rücktritt. Der Vize- verschenken wird. Dann ist für sie der Winter da, den sie so sehr Gölsdorfer Einwohner Weniide verhaftet. Die Obduktion der dacht, den Müller ermordet und beraubt zu haben, wurde der präsident des Buchdruckerverbandes wurde von einem fürchten. Und darum sind sie noch einmal auf dem Land, dem sie Reiche fand gestern statt. Es wurde festgestellt, daß der Tod Unbekannten meuchlings erschossen, weil er sich gegen den ihre Arbeit anvertraut hatten, von ausgelassener Fröhlichkeit. Abends, durch Schrotichüsse in die Brust eingetreten ist. Wenfide Fascismus ausgesprochen hatte. wenn sich der Mond über die schwarzen Steinfästen der Riesenstadt leugnet, die Tat begangen zu haben. Er befindet sich in Werder erhebt, dann strahlt das Gartenland an solchen Festen im sanften in Haft. magischen Glanz ungezählter Lampions, die, von leisem Windhauch berührt, ein Bild unruhevollen Lebens darstellen. Dazwischen aber jauchzt das junge Volk im Uebermut und die Alten wetteifern oft Diktatur des Proletariats". Entrechtung der russischen Arbeiter. Mailand, 8. Auguſt.( EP.) Das Hauptergebnis der Zusammen Borbereitung des Kongresses ist nach dem„ Corriere della Sera" die Rücknahme aller Freiheiten an die Arbeiter, nach dem schon die Industrie von der Zwangswirtschaft befreit morden war. Auf Antrag Lenins werden die Arbeiterbünde so umgestaltet, daß ihnen jede Möglichkeit politischer Ein mischung entzogen wird. Die Arbeiter werden auf die technische und verwaltungspolitische Entwicklung der Industrie und Gewerbeunternehmen feinen Einfluß mehr ausüben fönnen. Ebenso wird die Verpflichtung der Arbeiterschaft aufgehoben werden, den Gewerkschaften anzugehören. Alle Redner gaben überein stimmend die Notlage der russischen Industrie zu. Rad ef und Sufolnikom sprachen über die Internationalen und erflärten, nach dem Mißlingen der Konferenzen von Genua und vom Haag sei man auf die eigene und innere Kraft angewiefen. Gutolnikom schloß: Wir müssen erst unser eigenes Haus reinigen. Ein mildes Sowjetgericht. = Mostau, 8. Auguft.( ED.) Nach mehrtägigen Verhandlungen hat das Moskauer Revolutionstribunal die sechs der Kommu nistischen Partei angehörenden Arbeiter und Fabrikbeamten, die ihren Kollegen Spiridono w aus Rache ermordet hatten, weil er die von ihnen in der Fabrik betriebene Raubwirtschaft in der„ Prawda" bloßgestellt hatte, zu Freiheitsstrafen von 1 bis 5 Jahren verurteilt. Dem Antrag des Klägers auf Todesstrafe wurde mit der Begründung abgelehnt, daß die Angeklagten durch ihre Tat feine gegenrevolutionären 3wede verfolgt hätten". In Moskau rechnet man neuerdings mit der Möglichkeit eines Prozesses gegen die Mensche wisten( ruffische Sozialdemofraten). Die Sowjetregierung hat in Abänderung des neuen Strafgefeß buches verfügt, daß die Todesstrafe nur Personen gegenüber angewandt werden dürfe, die das 18. Lebensjahr erreicht haben. Rom, 8. Auguft.( Frif. 3tg.) Die sozialistischen Abgeordneten der Kammer und der Gewerkschaftsbund sandten Telegramme an die Sowjetregierung, worin sie im Namen der Menschlichkeit die Begnadigung der Sozialrevolutionäre erbitten. Endkämpfe in Jrland. Freistaatstruppen gegen Freischürler. London, 8. August. EP.) Die unbemerkte Landung freistaatlicher Truppen in der Grafschaft Kerry war das Signal für einen neuen heftigen Angriff der Armee des Freistaates auf einer Front von 160 Kilometern. Mehrere befestigte Punkte vor Cork wurden bereits eingenommen. Das Hauptquartier de Baleras in Kilmanrod in der Grafschaft Limerick scheint ebenfalls vor der Kapitula tion zu stehen. Gestern abend waren die freistaatlichen Truppen nur noch einen Kilometer vom Zentrum der Stadt Cork entfernt. Sie verfügen über zahlreiche Artillerie, die sie unter großen Schwierigkeiten durch das Gebirgsgelände herbeigeführt haben. Gedenktafel für die Nationalversammlung. Zur Grinnerung an die Tagung der deutschen Nationalversammlung in Weimar wird am Freitag im Deutschen Nationaltheater in Weimar eine Gedenktafel enthüllt. Devisenkurse. Da die bisher aus London vorliegenden Meldungen der Börse noch feinen flaren Ueberblick über die politische Lage gewähren, herrscht am Devisenmarkte auch heute noch weitgehende zurückhaltung. Der Dollar wurde mit ganz geringen Beträgen mit 758 bis 760 gehandelt. Es herrscht hier Abgabeneigung. Am Effektenmartte machte die Hausse in Rheinstahl, Wienerbankverein, Desterreichische Kreditanstalt und anderen Spezialwerten weitere Fortschritte. Im großen und ganzen ist jedoch das Geschäft ziemlich ruhig. Auch hier verhält sich die Spekulation vorläufig abwartend. Die amtliche Kurstabelle gibt an, wieviel Marf man aufwenden muß, um die in der ersten Spalte genannte Einheit der auf das bezeichnete Land lautenden Währung zu erwerben. 100 bolländische Gulden. 1 argentinischer Papier- Peso 100 belgische Frank 100 norwegische Kronen 100 dänische Kronen 100 schwedische Kronen. 100 finnische Mark 1 japanischer Yen. 100 italienische Lire 1 Pfund Sterling 1 Dollar 100 französische Frant 1 brasilianischer Milreis. 100 Schweizer Frant.. Kurs 8. August 7. Auguft Käufer Verkäufer Räufer. Verkäufer ( Geld-)( Brief-)( Geld-)( Brief-) Kurs Kurs 8475.65 Kurs " Die Nord- Süd- Bahn wird fertig. " 44 mit ihnen. Alles wiegt sich im Klange der Musik, die Bläserchöre mittleren Friedrichstraße nähern sich allmählich ihrem Ende. Die Bauarbeiten an der Untergrundbahn Nord- Süd in der anstimmen. Buweilen aber tut es auch ein Leierkasten, die echte, Selbst die schwierigen Arbeiten unter dem Tunnel der Untergrundrechte Musik der armen Leute", andere aber sind vornehm und bahn Leipziger Blaz- Spittelmarkt, der von der Nord- Süd- Bahn im entlocken den Geigen und Mandolinen die Löne, nach denen sich die Zuge der Mohrenstraße gekreuzt wird, und von dem aus ein Ber Paare im Rythmus schwingen. Ansprachen werden gehalten und geschaffen wird, sind jetzt soweit beendet, daß ein großer Teil der gern bejubelt. Man ist bereit, alles, aber auch alles schön zu finden. vorläufigen Pflasterung in der Friedrichstraße fertigDie Kleinsten sind vom Onkel Pelle entzückt und für sie erreicht das gestellt werden konnte und die Straße für den Längsverkehr, der Fest seinen Höhepunkt, wenn sie nach der Musik mit leuchtenden feit Jahren gesperrt war, teilweise wieder freigegeben werden konnte. Stoclaternen bewehrt im Sternenschein durch die Gärten wandern. Gleichmäßig mit dem Rohbau fortschreitend wird auch an dem Dann hat es für den fernen Zuschauer den Anschein, als ob ein Innenausbau der Bahn gearbeitet, die ihrer endlichen Fertig Glühwürmchenschwarm in unruhvollem Fluge fich bewege. Wenn stellung wenigstens auf der Stammstrede entgegengeht. aber der Abend besonders schön ist, dann können sich die Feiernden gar nicht trennen. Immer wieder locken die Walzertöne zum Tanz und die Nacht trägt sie so weit... und dann wiegt sich manches junge Baar fern vom eigentlichen Festplatz im Taft und taucht in die Dunkelheit und um die hellen Lampions schwirren verliebte bunte Falter.... „ Sie haben Geld gefunden!" Die Straßenräuber mit dem Verlierertrid. einmal in voller Blüte. Jetzt betreiben ihn drei Männer und eine Der Verlierertrid steht augenblicklich in Berlin wieder Frau. Sie machen fast täglich reiche Beute. Diese Vorverkauf von Beeren- und Pilzscheinen. Bekanntlich besteht für die preußischen Staatsforsten die Bes ftimmung, daß zum Sammeln von Beeren und Pilzen nur die Inhaber von Erlaubnisscheinen befugt sind; diese Scheine wurden bisher nur auf Antrag von den Oberförstern ausgestellt, mußten dann auf den Forsttafsen eingelöst werden, und galten nur für das Gebiet derjenigen Oberförsterei, für welche sie ausgestellt waren. Die Regierung in Potsdam hat für dieses Jahr eine Ein. richtung getroffen, welche dem Publitum den Bezug Es ist ein Abkommen dahingehend getroffen worden, daß für Rech, der Scheine ganz außerordentlich bequem macht. nung der Regierung, Forstabteilung in Potsdam, in den Bahneiner anderen angesprochen und schließlich gefragt, ob sie nicht mit in die Berlin umgebenden Staatswaldungen vorwiegend in Frage Auf einer Bant am Anhalter Bahnhof wurde eine Dame von den auf den Fern- und Vorortbahnhöfen, welche für die Fahrten hofsbuchhandlungen und Zeitungspertaufsstä n. gehen wolle, um etwas zu essen zu kaufen. Auf der Straße verlor" tommen, Erlaubnisscheine zum Sammeln von Beeren und ein Herr vor ihnen ein Paket. Die zweite Dame hob es auf, um Pilzen verlauft werden, welche für alle Staatswaldungen auf dem nächsten Hausflur einmal nachzusehen, was darin fei. Sie des Regierungsbezirtes Potsdam gelten. rief dann auch die erste nach dem Flur. Da fam der„ Berlierer" Bettel haben eine rosa Farbe, find fortlaufend numeriert und dazu und erklärte der ersten Dame ins Geficht: Meine Dame! Sie fragen das Siegel der Regierung Potsdam. Für haben Geld gefunden! Die Dame verneinte und reichte ihre Gültigkeit ist nur erforderlich, daß der Inhaber mit Tinte ihm bereitwilligst ihre Handtasche zur Durchsuchung, Als der Herr in gleicher Weise wie auf den Monatskarten der Vorortbahnen damit fertig war, gab er mit einer Entschuldigung die Tasche mit seinen Namen, Wohnort und Alter eigenhändig einträgt. den Papieren, die er herausgenommen hatte, zurüd, mit dem Be Scheine fofte: 10 M. und 20 Broz. Unfostenzuschlag, im ganzen merken:„ Nein, Sie haben mein Geld doch nicht. Erst später, als der„ Berlierer" und ihre Bekanntschaft vom Bahnhof bereits alfo 12 M. das Stüd. Verkauft werden die Zettel in den Bahnverschwunden waren, entdeckte fie, daß der Herr ihr 30 000 m.hofsbuchhandlungen folgender Bahnhöfe: Schlesischer Bahnhof, gestohlen hatte.-Auf dem Bahnhof Zoologischer Garten büßte leranderplah, Friedrichstraße, Lehrter Bahnhof, Zoologischer Garein Rückwanderer, der von Amerika bertam, 800 Dollar Bahnhof Gesundbrunnen( Borhalle), Anhalter Bahnhof, Bahnhof ten, Charlottenburg, Potsdamer Hauptbahnhof( Fernbahnsteig), ein. Hier traten drei Männer auf, die ihm bei der Unterbringung Botsbam, Stettiner Bahnhof( Borortsbahnhof), Görlizer Bahnhof, des Gepäcks ihren Beistand anboten. Einer gab sich als ein Ber Stettiner Bahnhof, Bahnhof Friedrichshagen, Grünau, Bahnhof treter der Amerifalinie" aus. In einem geeigneten Augenblic tauchte wieder der Verlierer" auf und erbeutete 800 Stralau Rummelsburg, Beusselstraße, Jungfernheide, Spandau. Ein anderer Reisender wäre beinahe um 2000 Dol West, Ertner, Eichwalde Schmöckwig, Charlottenhof, Oranienburg. lar gekommen. Nur durch seine Borsicht und Aufmerksamkeit rettete er fie. Die Bande, die es besonders auf Aus- und Rückwanderer abgesehen hat, besteht aus Galiziern. Es ist der Kriminalpolizei jetzt gelungen, die Persönlichkeiten der drei Männer und des Weibes festzustellen und alle vier werden wohl schon in den nächsten Tagen hinter Schloß und Niegel fizen. Dollar. 1 Die Verfassungsfeiern in Berlin. Die Um allen Republikanern, die zu den großen Beranstaltungen der Parteiorganisationen und der Jugend feinen Einlaß mehr finden, Gelegenheit zu einer Feierstunde zu geben, hat sich das Kartell republikanischer Verbände zu Berlin entschlossen, zur Teilnahme an einem großen Abendmeeting vor dem Alten Museum und dem Dom im Lustgarten aufzurufen. Im Rahmen musikalischer republikanischen Parteien auf die Bedeutung des Tages hinweisen. Darbietungen werden um 8.15 Uhr abends etwa zehn Redner aller Bekannte Berliner Schauspieler werden Verse aus der Achtundpierziger Literatur sprechen. Nach Schluß der Kundgebung formiert sich ein allgemeiner Fadelzug, der sich mit dem aus dem Friedrichshain kommenden Zuge der republikanischen Jugend vereinigen und zum Staatstheater ziehen wird. bes Abends bildet ein gemeinsamer Umzug durch die Straße Unter Prügel, auf der Polizeiwache? uns mitgeteilt. Am Mittwoch der vergangenen Woche gegen 11 Uhr Folgender Vorfall, der dringend der Aufklärung bedarf, wird abends fuhr der Fuhrwerksbefizer Blanke ohne Laternen mit feinem Bagen über den Hertha- Platz in Niederschönhausen. Der Wagen wurde wegen Nichtmitführung der Laternen von der Schutzpolizei angehalten. Der Arbeiter Hans Sonntag, der sich ebenfalls auf diesem Wagen im angeheiterten Zustande fand, sprang vom Bock herunter, um die Pferde zu führen, wurde aber sofort von der Schupo zur Rathausmache Niederschönhausen gebracht. Der Fuhrwerksbefizer tonnte jetzt ungehindert weiterfahren. Sonntag wurde auf der Wache nadend ausgezogen, Hände und Füße gefesselt, und dann geschla. gen. Drei seiner fünstlichen Zähne bühte er dabei ein. Ueber die hierbei erlittenen Verletzungen besikt S. ein ärztliches Attest, das uns vorgelegt wurde. Da Fälle dieser Art leider nicht vereinzelt dastehen und Klagen über Mihhandlungen auf der Polizeiwache uns wiederholt zugegangen find, so wäre die Frage am Blake: Ist die Prügelstrafe mit Wiffen und Willen der verantwortlichen Stellen wieder eingeführt worden? „ Schupofreuden". den Linden. Den Abschluß des unfug, geradezu zu einer besonderen Art von„ Sport" zu werden. Das Schießen auf Vorortzüge scheint zu einem ständigen So wurde gestern schon wieder auf einer westlichen Strede auf einen Vorortzug geschossen. Als um 8 Uhr ein Zug nach Berlin gerade an Steglig vorbeigekommen war, traf ihn eine Rugel. forschungen auf, von dem Schüßen war jedoch keine Spur zu Eine Radfahrerpatrouille der Schuhpolizei nahm sofort die Nachfinden. Auf seine Ermittlung ist wieder eine Belohnung von Dr. Riemann im Simmer 34 des Polizeipräsidiums entgegen. 5000 Mt. ausgefekt. Mitteilungen nimmt Kriminalfonimiffar Eine Schülermühe ist in unserer Haupterpedition, Lindenstraße 3 ( Raden), abgegeben worden. Der Verlierer fann dort diese abholen. Wiener Preise. In der Bülowstraße follte ein Herr B. aus der Steinmetzstraße festgestellt merden, meil er feinem Hunde trotz wiederholter Auf- In diese Woche hat in Wien miederum eine neuerliche forderung nicht den vorgeschriebenen Maulforb anlegte. Statt aller ungeheure Teuerungswelle eingesetzt. Die Kohle Antwort schlug er rit einem Lederriemen auf den Beamten foftet bereits 315 Kronen per Kilogramm, das Fleisch ist bis auf ein und entriß ihm das Seitengewehr. Mit Hilfe eines 20 000 Kronen per Kilogramm gestiegen, ein Liter Milch kostet zweiten Beamten wurde B., der sich noch immer heftig widersetzte, feit heute 1640 Kronen, die Kartoffeln 2000 Kronen. Die Kaffeehäuser sind mit ihren Preisen bedeutend in die Höhe gezur Wache geführt. Der Weinpreis wurde auf 800 bis 1000 Kronen per Biertel verteuert. Das Brot foftet nunmehr 2500 Kronen, eine Graßenbahnfahrt wird auf 350 Kronen verteuert werden. Bigarren und 3igaretten wurden um durchschnittlich 50 Broz. verteuert. Es ist klar, daß derartige Steigerungen die Leverungswelle wiederum in der bedenklichsten Weise in Bewegung setzen müssen. % gangen. Ein ähnlicher Fall ereignete sich in Neukölln, Ede Hermann und Bieberichstraße. Dert faßen mehrere junge Burschen oben auf 29573.03 29637.60 30262.10 30337.90 dem 3eitungsfiost. Als ein Polizeibeamter fie aufforderte, 27590.60 276.60 277.90 278.60 diese Stätte zu verfassen, weigerte sich der 16 Jahre alte Arbeiter 5847.65 5862.35 5817.70 5832.30 Mar P. aus der Wissmannstr. 22 ganz entschieden, indem er die 18058.65 13091.31 13333.80 18366.70 Beamten gröblich beschimpfte und sie für„ perrückt" erklärte. Nach 16329.55 16370.55 16604.20 16645.80 dem man ihn gewaltsam von dem Riost heruntergeholt hatte und 19875.10 19924.90 20074.85 20125.15 er zur Wache gebracht werden sollte, warf er sich auf die Erde und 1609.95 1614.65 Bei dem Eisenbahnungiüd in Sulphur Springs in Amerika 1624.95 1629.05 schlug um sich. Den angelegten Knebel zerriß er. Erst durch An sind nach einem offiziellen Bericht 38 Reisende getötet und 349,50 350.50 wendung von Gewalt war der Widerstand zu brechen. Die 137 verlegt worden. 3449.35 zahlreich angesammelte Menschenmenge nahm eine drohende 3424.30 altung gegen die Beamten ein, die ihrerseits größte 753.45 Mühe hatten, sich die Angreifer vom Leibe zu halten. Als ein 6132.70 Beamter der Selcho- Wache Neukölln in einem Hause der Wissmann 82. 101.13 ftraße eine Amtshandlung vornehmen wollte, wurde er auf der 14182 25 14217.75 Treppe von dem bort wohnenden Ernst D. mit einem Fabr. 11460.65 11489.35 rade mutwillig angerannt. Allem Anschein nach hatte 1.53 1.57 D. damit sein Ziel noch nicht erreicht; als der Beamte sich sein Ber1872.65 1877,35 halten verbat, nahm er das Rad und schlug damit um sich. Der Be 43.06 amte hat dadurch Verlegungen im Geficht davongetragen, 461.60 so daß er erst mit Hilfe eines Kollegen die Feststellung des rabiaten 762.04 100 österr. Stronen( abgeft.) 101.45% 100 spanische Befetas 100 tschechische Kronen. 1875.65 100 ungarische Stronen. 100 bulgarische Lewa.. 48.48 751.40 3484.35 3440,65 763.96 3415.70 715.55 6117,30 100.87 42.94 460.40 Groß- Berliner Parteinachrichten. Abteilung. Steglitz. Mittwoch, den 9. August, abends 8 Uhr: Sahlabend in ben Bezirkslokalen. Bei der Mitgliederversammlung im Gymnasium spricht Genoffe Lepère über Außenpoliti!". Wetter für morgen. Berlin und Umgegend. Mägig warm, zeitweise aufflarend, aber noch unbeständig, bei meist schwachen füdwestlichen Winden mit Regen und Ge witterneigung. Gewerkschaftsbewegung niften Eisenbahner, seid auf der Hut! Aus Eisenbahnerfreifen wird uns geschrieben: Bertreter zu richten. Einigung im Textilgsoßhandel. Wirtschaft Die im Textilgroßhandel beschäftigten und dem Deutschen Transportarbeiterverband angeschlossenen Hilfsarbeiter waren am Montagabend im großen Saal der Bößow- Brauerei verfammelt, um den Bericht des Branchenleiters Wolter über die Ergebnisse Zur Bilanzaufstellung der Genossenschaften. ber erneuten Bohnverhandlungen zu hören. In Ausführung des Die kommunistischen Organisationszerstörer sind wieder am Beschlusses der in voriger Woche im selben Gaal stattgehabten Ber- Wiefel( Erfurt) vor falscher Beurteilung der Bilanz ,, werte" und In der Konsumgenossenschaftlichen Rundschau" warnt Richard Bert. Die Einigung, die auf dem besten Wege ihrer Berwirklichung jammlung sind die Arbeitgeber aufgefordert worden, nochmals mit erläßt eine Barnung, die nicht nur von den Konsumgenossen ift, erfüllt sie mit Schrecken. Sie verboppeln nun ihre Angriffe. Na den Bertretern der Arbeiterschaft über die Lohnzulagen zu verhan- fchaften beachtet werden sollte: türlich richten sie ihre Angriffe besonders dahin, wo die Einigung deln, und am letzten Feitag ist es bereits zu Berhandlungen geam nötigsten ist, wo auch die ersten Anzeichen der Befferung fich fommen, die ben Erfolg hatten, daß die Arbeitgeber die bereits zu Bareneingangs steht der Warenerlös und der Warenbestand am Dem Beftand an Waren am Jahresanfang zuzüglich bes fundtun. Mit Hochdruck werden die Angriffe gegen den gebilligten neuen Löhne noch etwas erhöht haben. Es soll der bis. Jahresschlusse gegenüber. Die Differenz ist die Roh ersparnis. Die Deutschen Eisenbahnerverband" gerichtet. Die bevor- herige Lohn jugendlicher Arbeiter im Alter son 14 bis 16 Jahren Jahresschlusse gegenüber. Die Differenz ist die Roh ersparnis. Die stehenden Wahlen zum Verbandstag find den Kommu von 262 M. ab 31. Juli auf 420 M. und ab 26. August bis 2. Sep- öhe der Rohersparnis wird beeinflußt durch den Wert, den ich eine willkommene Gelegenheit, um ihre Lügen und tember auf 435 m. erhöht werden. Im Alter von 16 bis 18 Jahren Bestände am Beginn und Ende des Jahres, so finden wir eine dem Warenbestand am Jahresschlusse beimesse. Bergleichen wir die Spaltungshetze gegen die Organisation und ihre verantwortlichen von 360 M. auf 575 Mt. bzw. 595 M., im Alter von 18 bis 19 Jahren riesenhafte Bermehrung am Jahresschluß. Diese Vermehrung Don 500 M. auf 800 m. bzw. 825 m. und im Alter von 19 bis Der Auftakt zur Wahl wurde bereits seit längerer Zeit von der 20 Jahren von 565 m. auf 905 m. bzw. 930 m. erhöht werden. ist aber nur eine rein aahlenmäßige, benn im günstigen Falle KPD.- Presse und ihren Anhängern getan. Wie von der Moskauer Bei 20 bis 21 Jahre alten Arbeitern erhöht sich der zugebilligte wird, wenn nicht eine beträchtliche Betriebserweiterung erfolgt ist, Seite gearbeitet wird, mögen folgende fleine Beispiele beweisen. Lohn von 685 m. auf 1100 m. bzw. 1130 ml., bei denen im Alter mengenmäßig nicht mehr Ware da sein als am JahresDer„ Kommunistische Gewerkschafter" beschäftigt sich in seiner Mr. von 21 bis 22 Jahren von 775 M. auf 1240 m. bzw. 1280.mäßig geftiegener Lager in vielen Fällen der Menge der Waren beginn. Im Gegenteil, ich wage zu behaupten, daß trok zahlen29 mit dem Münchener Verbandstag. Eine Reihe von Behauptun Bei den über 22 Jahre alten ledigen Arbeitern steigt der Lohn von gen wird in dem fraglichen Artikel aufgeführt, ohne daß dazu auch 900 m. auf 1440 m. bzw. 1485 m., bei den über 20 Jahre alten nach ein Weniger vorhanden ist. Das Fehlen der Betriebsmittel nur die Spur eines Beweises erbracht wird. In dem besagten Ar- verheirateten Arbeitern von 945 auf 1510 m. bzw. 1560 m. und warenwerten nichts gewonnen, obwohl der gesamte bilanzhat hier einschränkend gewirkt. Wir haben also an wirklichen tikel wird unter anderm dem Vorstand der Vorwurf gemacht, daß bei den Berheirateten mit 1 Kind von 1000 auf 1600 m. bzw. mäßig ausgewiesene Ertrag im Warenlager investiert wurde. er nicht für den Ausbau der Industrieorganisation eingetreten fei. 1650. Die Lohnerhöhungen betragen hiernach rund 60 bis m. Ein Beweis fehlt natürlich. Wörtlich sagt der Artikelschreiber 65 Broz. Nach einer sehr langen Aussprache, in der für und gegen zahlenmäßige höhere Bewertung unserer Warenbestände, die realen Unser Ertrag stellt sich also als nichts anderes dar als eine weiter: die Annahme gesprochen wurde, stimmte die Mehrheit der sehr start den Gelegenheit Anlaß, um in fleinlichen Grenzftreitigkeiten mit die Lohntommiffion durch die Wahl der Kollegen Bandamme, fich in Berlust umsehen. Das Barenbestandtonto gleicht einem Bielmehr nahmen die Führer des DEB. bei jeder sich bieten besuchten Versammlung schließlich der Annahme zu. Hierauf wurde erte haben sich nicht vermehrt, und demzufolge muß auch bei einer Rückbildung der Warenpreise das, was heute als Gewinn erscheint, anderen Organisationen ihre Kraft zu vergeuden." Kirchmeier und Horn ergänzt. Dann wurde beschlossen, für Es hat für die Grenzstreitigkeiten fuchenden" Führer des DEB. die drei höchsten Lohnstufen den Beitrag auf 24. festzusetzen. Ballon, der, mit Luft aufgepumpt, rund und prall erscheint, in dem m. Maß aber, wie die aufgepumpte Luft wieder entweicht, in fich fich nur eine Gelegenheit geboten" und dies betrifft den Borstoß bes Metallarbeiterverbandes, die Eisenbahnwerkstättenarbeiter für zusammenfinten muß. Bollten wir auf diese Scheinwerte unserer Drohender Buchdruckerstreif in Frankfurt a. M. fich zu reklamieren. Doch der Artikelschreiber im RG." weiß fehr Warenbestände unsere Dispositionen aufbauen, müßte ein grenzengut?, daß selbst der G." in früheren Artikeln und nebenbei In einer von über 5000 Personen besuchten Bersammlung der lofer Mißerfolg die unausbleibliche Folge sein. Diese Unsicherheit auch alle tommunistischen Gewerkschaftsfunktionäre stets die An- Frankfurter Buchdrucker und Schriftfetzer wurde gestern abend gegen an die Beleihung von Warenlagern nur mit äußerster Borsicht in den Warenwerten ist ja auch die Ursache, warum die Banten sicht des Vorstandes des DEB. in dieser Ange 114 Stimmen der Streit beschlossen. Ob Verhandlungen mit den Tegenheit vertreten haben. Doch den Höhepunkt der Unternehmern stattfinden, steht noch nicht fest. Es ist deshalb auch Demagogie erreicht folgender Sag des angeführten Artikels: nicht zu sagen, wann die Arbeit wieder aufgenommen wird. Auch „ Das Goslarer Protokoll, das eine Arbeitszeitverlängerung die sozialdemokratischen Blätter erscheinen nicht. und eine Einschränkung der Rechte der Betriebsräte enthält, wurde vom DEB. unterzeichnet." Dem verantwortlichen Redakteur des KG.", Ottmar Geschte, ist sicherlich bekannt, daß diese Behauptung die vollkommenste Unwahrheit darstellt. Doch nichts hindert ihn, getren den Moskauer Grundsägen, die dreistesten Lügen in die Welt zu posaunen. Jeder Eisenbahner weiß, daß in Goslar im vorigen Jahre die PersonalDezernenten der einzelnen Eisenbahnbirektionen zusammen waren, um sich über juristische Spitfindigkeiten in der Beschneidung der Arbeiterrechte zu unterhalten. Ganz abgesehen davon, daß diefe Tagung einen internen Charakter für den einen Tariffontrahenten hatte, wäre es ja vollkommen Irrfinn, wollte irgendein Gewert fchaftler fich bei einer derartigen Gelegenheit bemühen, dem Gegner Fingerzeige zu geben, Der Achtstundentag in Frankreich. Der französische Gewerkschaftsbund macht die Ergebnisse einer Erhebung über die Durchführung des Achtstundentages in Frant reich bekannt, denen das Internationale Arbeitsamt folgende Angaben entnimmt: Im Transportgewerbe ist der Achtstundentag bzw. die 48- Stunden- Woche nicht allgemein, weil die verschiedenen Arten der Transportmittel Schwierigkeiten bereiten. In der Regel haben die Straßenbahner der kleinen Städte eine Arbeitszeit von acht Stunden täglich bzw. 48 Stunden in der Woche oder 96 Stunden innerhalb zwei Wochen. In anderen Städten und Bezirken wird der Durchschnitt berechnet für drei oder gar vier Monate, doch überschreitet er in der Regel acht Stunden je Tag nicht. Manche GeEisenbahner, laßt Euch nicht auf den Gimpelfang dieser Leute fellſchaften haben die Arbeitszeit um eine Stunde verlängert, wie heit, um Euch auf ein falsches Geleise zu schieben. Stimmt am diefe Stunde wird als Ueberzeit bezahlt. Im Fuhrwerksgewerbe, ein. Sie appellieren an Eure berechtigten Gefühle der Unzufrieden dies nach den Anweisungen für die Verwaltungen möglich ist, aber August für die Kandidaten der Richtung ganz gleich, ob es sich um Kraft- oder von Pferden gezogene Wagen Amsterdam. In den Berliner Anträgen zum Berbandstag hat handelt, find die acht Stunden Arbeitszeit gewöhnlich auf einen Zeit. die Richtung Amsterdam die Wege positiver Gewertraum von elf bis zwölf Stunden verteilt, einschließlich der Zeit für ( haftspolitif aufgezeigt, was fich von den kommunistischen die Essenspausen usw. Anträgen nicht behaupten läßt. Die Kandidaten der Richtung Amsterdam sind die Kollegen: 13. Beyer, Baul,.A.Tf, Berthelfer; Bonazi, Mag, B.A.Gd., Schlosser; Hahn, Baul, Ga.- Ahg., Ladefchaffner; Jajer, Friz, Ortsbüro, Angestellter; Klein, Mag, Bw.Bur., Maschinenpuber; Butte, Hermann, Stat.Stb., 3ugführer; Schüler, Karl, Rangierer, Rgb.Ru.; Szelinsti, Alfred, 2.A.T., Schmied; Beefer, Johann, Ortsbüro, Angestellter. Nur für diese Kollegen gebt Eure Stimmen am 13. August ab. Wilde Streifs. Der Konflikt bei der Firma Borsig in Tegel, der infolge übertariflicher Forderungen der Maschinisten und Heizer entstanden war, ift nunmehr endgültig beigelegt worden. Sechs Maschinisten und Heizer, deren Stellen inzwischen neubesetzt waren, find entlassen worden, die übrigen haben heute die Arbeit wieder aufgenommen. Die Belegschaft der Daimlerwerfe in Marienfelbe, die im Laufe der vergangenen Woche in den Streif getreten war, weil sie zu den tariflichen Lohnbedingungen nicht mehr arbeiten wollte, ist am Montag ebenfalls auf ihrer Arbeitsstelle erschienen und hat die Arbeit zu den alten Bedingungen wieder aufgenommen. Es handelt sich dabei um wilde" Streifs, die ohne Verständigung und ohne Genehmigung der Organisation ausbrachen. So fehr wir begreifen, daß die Arbeiter sich gegen die hereinbrechenden Leuerungswellen zur Wehr sehen, sehen müssen, so sehr war nen wir aber vor allen impulsiven Bewegungen, deren Endresultat nur eine Schwächung der Arbeiter sein kann. Bugleich noch eine Bemerkung. Es gehen uns in der legten Zeit häufig Rundgebungen von Betriebsräten oder Belegschaften zu, die in der Regel Forderungen an die Gewerkschaften oder die Bartei enthalten. Natürlich wird verlangt, daß wir diese Entschließungen, deren Länge oft mit ihrem unbefümmerten Radikalismus gleichen Schritt hält, veröffentlichen. Das fönnen wir schon wegen Blazmangels nicht. Außerdem richten sich diese Beschlüsse an die falsche Adresse. Wir sind nicht die Gewerkschaften und nicht die Parteiorganisation. Es hieße das Pferd beim Schwanz aufzäumen, wollten wir Forde rungen einer Belegschaft vertreten, ehe die dafür zuständige Organi fation Stellung genommen hat. Gerade in Zeiten der Not muß darauf gesehen werden, daß nicht alles brunter und brüber geht, sollen nicht die Interessen der Arbeiter unter die Räder kommen. Bei den Glasarbeitern ist der Achtstundentag allgemein und nirgends in Gefahr. die Durchführung des Achtstundentaggefeßes, der am 24. März 1921 Für die Holzarbeiter besteht ein besonderer Erlaß über erging. Er ist ziemlich allgemein beachtet worden, weil das Gewerbe mit den dadurch gleichzeitig gestatteten 120 Ueberstunden im Jahre austommt. Seit einiger Zeit jedoch werden von Arbeitgebern wie auch von Arbeitern Bersuche gemacht, die Borschriften zu umgehen. Im Klavierbau wurde der Nachweis erbracht, daß die Broduktion unter dem Achtstundentag größer ist als früher unter dem Zehn stundentag, obwohl die Arbeitsmethoden und Maschinen die gleichen geblieben sind. Für die Sägemühlen und Spielwarenindustrie find Ausführungsbestimmungen noch nicht erschienen. Wo. der Achtstundentag eingehalten wird, geschieht dies infolge des guten Willens des betreffenden Unternehmers. Handelsangestellte haben in größeren Städten mehr oder weniger allgemein den Achistundentag. In Meineren Städten arbeiten sie zwischen acht und neun Stunden. Für den Bergbau ist die achtstündige Arbeitszeit Borschrift, bei lebertagarbeit ausschließlich der Bausen; für Untertagarbeit wird die Zeit von der Einfahrt des ersten bis zur Auffahrt des lehten Arbeiters gerechnet und einschließlich 30 Minuten Bause. Die Mehrzahl der Bergarbeiter ist entschlossen, sich gegen alle Versuche zur Wehr zu sehen, die darauf hinausgehen, die Arbeitszeit der Arbeiter unter Tage von der Einfahrt des letzten bis zur Auffahrt des ersten Arbeiters zu rechnen und die Pausen nicht mehr als Arbeitszeit anzusehen. Dadurch würde nämlich die Arbeitszeit auf neun bis zehn Stunden verlängert werden. Erfolg versprechen sie sich jedoch besonders, wenn es gelingt, die Zufuhr frember Rohlen ins Land zu hindern und eine internationale Aktion der Bergarbeiter zustandezubringen. Die Häute und Lederarbeiter arbeiten allgemein acht Stunden, doch sind die 48 Stunden wöchentlich so verteilt, daß der Sonnabendnachmittag freibleibt; nur die Gerber arbeiten an allen sechs Wochentagen je acht Stunden. Nur selten sind Versuche gemacht worden, mehr Ueberstunden zu arbeiten, als die Ausführungsbestimmungen zulaffen. Bund der technischen Angestellten und Beamten. Abt. Tegel: gliederversammlung, Donnerstag abend 71, Uhr, Rest. Hamused, Hauptstr. 6. Gold-, Silber, Platin- A 300 Mr. le vir Geelon zahlt unüberbietbare Preise, Flöhe( Brut), Cäuse, Wanzen vernichtet. da zur Selbstfabrikation dringend benötige. Schwaben, Solzwurm, Ratten, Mäuse. Gold Trauringfabrik R. Felske, ou haben in allen Apotheken ut. Drogerien. Silber Grosse Frankfurter Strasse 67. 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Nein, gerade weil das so ist, weil die Geldentwertung noch weiter schreitet und unsere Warenvorräte noch mehr aufbläht, gerade deshalb müssen wir uns mit aller Eindringlichkeit flarmachen, daß die Gefahr des Sturzes wächst, gerade deshalb müssen sich unsere Aufmertfamkeit verdoppeln und unsere Gegenmaßnahmen vervielfältigen." Berkehrsfragen der Reichsbahn. In den nächsten Tagen er scheint das dritte Heft der Schriften und Mitteilungen aus dem wirkungen der politischen Verhältnisse auf das Verkehrseichsverkehrsministerium Die Reichsbahn"( Berlag Georg Stille, Berlin). Diesmal behandelt der Band einerseits die Nüdwefen, wie die internationalen Berkehrsfragen auf der Weltwirtschaftskonferenz in Genua, die oberschlesischen Eisenbahnen int deutsch- polnischen Abkommen und die deutschen Eisenbahnen als Verhältnisse der Neichsbahn und ihre Wiederaufbauarbeit eingehend Objekt des Versailler Vertrages; andererseits werden die inneren erörtert. Das Seft enthält wertvolles Material zum Akkords und maichinelle Hilfsmittel, über Wagengestellung und ihre Beziehung Brämienwesen, zum Erfaß geistiger und förperlicher Arbeit durch zur Stohlenförderung. Die Tarifpolitif ber Reichsbabn wird in ihrer Abhängigkeit von den Selbsttosten behandelt, der Berliner. Stadt- und Borortverkehr und seine Verkehrsmittel sind zahlenmäßig namentlich nach der tariflichen Seite untersucht und be mäßig namentlich nach ber tariflichen Seite untersucht und be Auslandes verglichen. Mehrere Artikel befassen sich auch mit wertet. Der Schnellzugverfehr Deutschlands wird mit dem des wichtigen technischen Problemen, wie der Wärmewirtschaft der Reichsbahn und der Verwertung von Feuerungsrückständen in gemeinwirtschaftlichem Betriebe. Schmiergelder für Zollermäßigung. In den Bereinigten Staaten tam dieser Tage ein interessanter Fall des Zusammen wirkens internationalen Stapitals gegen Zollerhöhungen zur Sprache. In der Sigung des amerikanischen Senats vom 6. August machte der Senator Harrison aufsehenerregende Ent hüllungen in der Frage der Buderzölle. Er sagte, daß die tubanischen Buderproduzenten den amerikanischen Juder importeuren 14 millionen Dollar angeboten hätten, wenn sie dafür sorgen würden, daß der Zuderzoll für tubanischen Buder nicht erhöht würde. In Anbetracht dieser Enthüllungen und der jüngsten Enthüllungen über die Baumwollzölle besteht in Washington die Absicht, eine allgemeine Untersuchung über die Ausarbeitung der Bolltarife einzuleiten, die in den Bereinigten Staaten ohnehin start auf den Schutz der eigenen Industrien abgestellt sind. Auch Mannheim verlangt Wiedereinführung der Zuderzwangs wirtschaft. Der Stadtrat von Mannheim beschloß infolge der un der Zwangswirtschaft für Zucker den Deutschen Städtetag zu er befriedigenden Verhältnisse auf dem Zuckermarkt seit Aufhebung fuchen, die Wiedereinführung der staatlichen Bewirtschaftung des Buckers mit dem Ziel zu fordern, daß für jede Person eine Mindeftmenge Inlandszuder 3u einem behörblich geregelten Preise sicher gestellt wird. Berantw. file ben rebaft. Teil: Franz Klühs. Berlin- Lichterfelbe; file An Mitaeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Budbruderei u. Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin, Lindenstr. 8. Korsette aus la Stoffen u. in all. Preislagen eimpfiehlt Metall: ankaufsstelle Spezial Arzt Dr. Scotti Osten für Haut- und Geschlechtskrankheiten, BERLITZ veraltete Harnleiden. Syphilis- Kuren. Grüner Weg 30 Blutuntersuchung. Aeltest.Löser- Institut. 9-1.4-8 zahlt Tagespreise für Korsettfabrik Rich. 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