8. Nr.377 39.Jahrgang Ausgabe Br. 182 Bezugspreis: Für ben Monat Auguft 90,- 9., Doraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar und Memelgebiet, fowie Defterreich und Sugemburg 138,-, für das übrige Ausland 172,- M. Bostbestellungen nehmen an Belgien, Dänemart, Eng land, Efthland, Finnland, Frankreich, Holland, Lettland, Luxemburg, Defter zeich, Sweden, Schweiz, Tschecho Glowakei und Ungarn. Der Vorwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Seit", der Unter haltungsbeilage Heimwelt" und der Beilage Siedlung und Aleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonn tags und Montags einmal Telegramm- Abreffe: Sozialbemofrat Berlin Abend- Ausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 2 Mark Anzeigenpreis: Die einspaltige Ronpareillezette foftet 25,- M. Reklamezeile 125.-. Aleine Anzeigen" das fettgedrudte Wort 7, M.( zulässig zwei feftgetrudte Borte), jedes weitere Bort 6. M. Stellengesuche und Eclatllenanzeigen das erste Wort 4, M., edes weitere Wort 3,- M. Worte ber 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familien- Anzeigen für Abon nenten geile 10,- Dr. Vnzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4½ 2hr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Lindenitraße 3, abgegeben werden. Geöffnet 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachmittags. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Donhoff 292-295 unb 2506-2507 Freitag, den 11. August 1922 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Verlag, Hanptegpedition a. Inferaten Fernsprecher: abteilung: Dönhoff 2506-2507 Der Tag der Republik. Der 11. August als Opfertag. Der= Seit Bestehen der Republik stand Berlin noch nicht so unter Bayern, unser Schwaben, unser Baden, unser Hessen, Stellungnahme von der chriftlichen Elaatsauffaffung bestimmt wird dem Eindrud ber schwarzrotgoldenen Fahne, wie es am heutigen unser besonderes Land. Aber mir lieben unser Deutsch. Als lebendiges Mitglied des deutschen Zentrums befundet die Berfassungstage der Fall war. Außer den staatlichen Gebäuden, land über alles. Mit einem Hoch auf das deutsche Zentrumspartei des Saargebites öffentlich, daß sie der denen das Flaggen zur Pflicht gemacht war, bemertte man eine Baterland, in das die Festversammlung lebhaft einstimmte, Stellungnahme des deutschen Zentrums in allem treu zuftimmt. ganze Anzahl privater Gebäude, die das schwarzrotgoldene wurde die Ansprache geschloffent. Der gemeinsame GeDie Zentrumspartei des Saargebietes sieht demgemäß im Luch aufgezogen hatten. In den Straßen machte fich in den ersten fang des Deutschland Liedes schloß sich an. Die faffungstreuen Berhalten aller Kreise, Stände, Konfessionen und Bormittagsstunden der feierliche Anlaß nicht sonderlich bemerkbar, Festrebe war umrahmt von musikalischen Darbietungen, die eine Landesteile Deutschlands ein vaterländisches Gebot der Stunde und da der offizielle Feiertag ja noch nicht festgesetzt ist. Was aber weihevolle Stimmung auslöften. Gegen 1 Uhr hatte die amt- ein startes Unterpfand für die Wiederaufrichtung des deutschen irgendwie freifommen fonnte, ftrömte zum Rönigsplaß, mo liche Feier ihr Ende erreicht. Bolles in einem starten Deutschen Reich." vor dem Hauptportal des Reichstagsgebäudes ein wichtiger Teil der Verfassungsfeier vor sich gehen sollte. Der hin und wieder einNach Beendigung der Feier im Reichstag nahm die Ehrenfetzende Regen war allerdings der ganzen Feier nicht sonderlich fompagnie wieder Aufstellung. Als der Reichspräsident in Begleigünstig, doch ließ er gegen 12 Uhr merklich nach und auch ein tung des Reichskanzlers den Reichstag verließ, murde wieder das beiterschaft von Minden und Umgegend gefaßt. Nachdem sie Einen anerkennenswerten Beschluß hat die organisierte Arleichter Wind jezte ein, der das schwarzrotgoldene Tuch sich beffer„ Deutschland"-Lied angeftimmt, das die Menge zum Teil entblößten sich bereits dank der Opferwilligkeit der Mindener Arbeiterschaft in entfalten machte. Vor dem Hauptportal am Fuße der großen Hauptes mitfang. Bei der Abfahrt des Reichspräsidenten wurden der„ Tonhalle" ein eigenes Heim und durch Pachtung der Frcitreppe waren zwei große Fahnenmasten aufgestellt worden, von lebhafte hochrufe auf die Republik ausgebracht. Auch die Wittefindsburg auf 30 Jahre ein Ferien- und Erholungs. denen herab mächtige Banner in den Reichsfarben wehten. Ein anderen bekannten Mitglieder der Reichsregierung wurden von heim und eine Jugendherberge schaffen fonnte, ist es ihr Viertel vor 3wölf traf die Ehrentompagnie mit flingendem der Menge herzlich begrüßt. Spiel ein und nahm unmittelbar vor der Freitreppe, die Front dem jezt gelungen, auch die Herausgabe einer eigenen sozialdemokra Reichstag zugefehrt. Aufstellung. Dann kam der Reichskanzler in tischen Zeitung zu ermöglichen, die vom 1. September ab erscheinen Begleitung seines Staatssekretärs. Punkt Zwölf fuhr der Reichs. soll. Jetzt soll am 11. Auguft für die Presse ein allgemeiner Bei der heutigen Berfaffungsfeier in Weimar wird nachmit Opfertag eingelegt werden. War es zunächst der Wille der Arpräsident vor. Er wurde vom Reichstanzler und General Seedt empfangen und geleitet. Die Ehrentompagnie trat ins Gewehr tags um 4 Uhr die am Deutschen Nationaltheater angebrachte Gebeiterschaft, schon in diesem Jahre den 11. August als Verfassungs. und die Kapelle intonierte unter Trommelwirbel einen Präsentier denktafel enthüllt, die dauernd die Erinnerung an die deutsche feiertag durch allgemeine Arbeitsruhe zu begehen, so ist man davon marsch. Während des Abschreitens der Front ging die Mufit lang Nationalversammlung in Weimar und das Weimarer Berfassungs wieber abgekommen. In der richtigen Erkenntnis, daß ein Unterfam in das„ Deutschland- Lieb" über und hallte noch lange fort, als wert wachhalten soll. Die Einweihungsrede hält der thü- nehmen um so leistungsfähiger ist, je gesunder es finanziert ist, der Reichspräsident bereits die Stufen emporschritt. Inzwischen ringische Staatsminister Baudert, seinerzeit Mitglieb der Natio- hat sich die Arbeiterschaft am Dienstag durch einen Beschluß ihrer hatte der Regen ganz nachgelassen. Die gewaltige Menschenmenge, nalversammlung. Außerdem wird eine von dem bekannten Arbeiter Bertrauensleute ein freiwilliges Opfer auferlegt. Den Bedie sich eingefunden hatte, blieb noch lange um den Königsplah bichter Rari Bröger geschriebene„ Republikanische Hymine" zum trag von drei Stundenlöhnen wird jeder Arbeiter und Arversammelt, wo die Reichswehrkapelle zu einem Mittagstonzert Bortrag gebracht werden. beiterin an die Gewerkschaftszentrale abführen, die dann den GeAufstellung nahm. samtbetrag als zinsfreies Darlehen an die Weser. marte" abgeben soll. Die Feier im Reichstag. Verfassungsfeier in Weimar. Verfassungsfeier im Saargebiet. Saarbrüden, 10. August.( MTB.) Anläßlich des deutschen Berfassungstages veranstaltet die demokratische und sozial Für die heutige Verfassungsfeier, die um 12 Uhr im Reichstag demokratische Partei am 11. August im Saalbau eine tagte, war ber Gigungsfaal mit schlichtem Grün geschmückt worden. gemeinsame Feier. Die Redner der beiden Barteien werden Ueber dem Sig des Präsidenten hatte man den Dreiflang" Einig.der Bedeutung des Tages entsprechende Ansprachen halten. Die fcit und Recht und Freiheit", von Eichenlaub umrahmt, 3entrumspartei des Saargebietes, erläßt folgende Kund als Motiv der Feier angebracht. Die Diplomatenloge war von den gebung: Heute vor drei Jahren hat die Bolksvertretung des deut Bertretern der auswärtigen Mächte start befeht, ebenso die Tri- fchen Reiches die Beimarer Berfaffung zum Gefeß erhoben. Die tünen und der Saal selbst. Als der Reichspräsident erschien, deutsche Zentrumspartei hat in ihrem letzten Aufruf erklärt, daß sie erhoben sich die Bersammelten von den Plägen. Die Festrede treu zu dieser Berfassung steht und eine Partei ist, deren hielt der badische Staatspräsident Dr. Hummel. Wir geben von diesem Beispiel zur allgemeinen Nachahmung Renntnis. Das Berfassungs- Dreimarkfüd. Die ersten Stücke des neuen Hjartgeldes, etwa 1000 an der 3ahl, sind heute als Berfassungsgedenkmünzen in den Berkehr gebracht worden. Es sind Dreimarkstücke aus Aluminium mit geripptem Rande. Die Borderseite trägt die Wertbezeichnung; die Rückseite den neuen Reichsadler, mit der Umschrift: VerfassungsTag, 11. August 1922. Er erinnerte zunächst daran, daß der erste demokratische Reichstanzler, Prinz Mar, ein Badener war, und daß sowohl der Reichspräsident wie die Kanzler Fehrenbach und Birth Heute morgen haben in einer furzen Schlußfihung die Bertreter deutschnationalen Anhaltischen Rundschau" anonyme Artikel cus Baden stammen. Dem Reichspräsidenten und dem Kanz der Reichsregierung und der bayerischen Regierung die letzte Formu- gegen eine Verordnung des Staatsrates zu veröffentlichen, die die ler sprach Dr. Hummel für ihre Person und ihre Politik das lierung für das Ergebnis der Einigungsverhandlungen gefunden. Bereidigung der Beamten auf die anhaltische Verfassung uneingeschränkte Vertrauen des badischen Der Konflikt der Reichsregierung mit Bayern ist dadurch beigelegt anordnete. Er beftritt die Rechtsgültigkeit dieser Verordnung, be Boltes aus. Er verwies auf die traditionslose Geschichte und eine völlige Eingung erzielt. Das Protokoll über die Verhand- zeichnete sie als nötigung zum Falfcheide" und erklärte, des durch weltgeschichtliche Mächte vor 100 Jahren fünstlich lungen ist abgeschlossen und vom Reichstanzler Dr. Wirth und vom dieler Eid brauche niemanden in seinem Gewiffen geschaffenen badischen Staates und betonte die starten demo- bayerischen Ministerpräsidenten Graf Cerchenfeld unterzeichnet wor- zu binden! Dabei richtete Lange auch persönliche Angriffe, fratischen Empfindungen, die gerade in seiner süddeutschen den. Die bayerische Delegation ist bereits heute vormittag um 10 Uhr gegen den demokratischen Staatsrat Dr. Cohn, bem er vorwarf, er Heimat von jeher wirfjam waren und die ihren Niederschlag nach München abgereift und wird die Vereinbarung dem bayerischen habe seinen Treueid gegen den Landesherrn gebrochen. In einem fanden in zahlreichen Freiheitsliedern, die als Ausdruck der ministerrat vorlegen. Das Protokoll ist, wie die Dena" erfährt, fehr weiteren Artikel sprach er von dem„ findischen Bildersturmerlaß des Sehnsucht nach einer freieren Verfassung vom Bolte gefungen umfangreich. Es enthält zunächst eine Erklärung der bayerischen Staatsrats" und nannte die neue Grundwertsteuer einen„ legaliwurden. In großem Wurf gab der Redner fodann einen Regierung, daß die bayerische Sonderverordnung aufgehoben werden fierten Raub am Brivateigentum". Wegen dieser Artikel wurde leberblid vom Geist der Weimarer Verfassung. wird. Danach folgen Erklärungen der Reichsregierung zu den drei gegen Lange das Disziplinarverfahren eingeleitet. Der der gekennzeichnet sei durch demokratische und soziale Tendenz. Gefehen zum Schutz der Republit, Beamtendisziplinargesetz und anhaltische Disziplinargerichtshof verurteilte ihn jetzt zur Dienst. Ville Deutschen, gleichviel welchen Stammes oder Standes, Reichstriminalpolizeigesetz. Materiell bleiben diese Gefehe vollkommen entlassung. Aber er beließ ihm die Hälfte der gesez. fellen gleichermaßen mitverantwortlich sein für das Wohl des aufrecht erhalten und ihr Inhalt unverändert. Die Reichsregie- lichen Bension auf Lebenszeit. Bolles und des Reiches. Es ist ein großer Gedante, daß ein rung hat jedoch bezüglich der Ausführungsbestimmun- Herr Lange fann also auch in Zukunft noch ein leidlich behag ganzes Bolt sich seine Verfassung selbst schaffen, daß der ein- gen 3usicherungen gegeben, durch die jede Befürchtung liches Leben führen. Er fann sich freuen, daß er so milde Richter zelne nicht mehr einem einzelnen sich unterzuordnen hat, über eine Bedrohung der Staatshoheit der Bundesstaaten beseitigt gefunden hat. Unter dem alten System wäre das nicht möglich sendern nur der Gesamtheit der Nation, ihrem Wohle wird. Sie ist den Wünschen der bayerischen Regierung soweit ent- gewesen. und Gedeihen. Auch frühere Verfassungen haben nicht gegengekommen als es möglich war, ohne den Inhalt der Gefeße und fofort im Bolle dauerndes Verständnis und dauernden die Autorität der Reidsregierung zu verletzen. Zum Schluß enthält Gleichtlang ausgelöst. Aber in der besonders schweren Zeit, das Protokoll noch eine Erflärung der Reichsregierung zur Frage bie uns beschert ist, fann ein dauernder Widerstreit der bundesstaatlichen Oberhoheit. awischen den wirtschaftlichen und geistigen Kräften mit den Bestimmungen der Verfas Stettin, 11. Auguft.( 2.) Die vaterländische Einheitsjung nicht bestehen bleiben. Deshalb ist die freudige und opferwillige Mitarbeit aller notwendig, um auch unter front pommerns" hat ein Telegramm an den Grafen Lerchenfeld dem schwarzrotgoldenen Banner wieder Wohlstand und Freude gerichtet, worin es heißt: Wir fühlen heute mehr denn je mit dem erwachsen zu lassen. Gerade die Kräfte der Jugend und des bayerischen Volke, das sich durch Wahrung seiner Hoheitsrechte allein in der Lage fieht, der Stimmung der überwiegenden Maffe der deutschen Geisteslebens müssen sich zur Verfassung neu einstellen. Die Jugend besonders darf nicht ihre Ideale in der deutschen Bevölkerung amflich Ausdrud zu geben. Bergangenheit fuchen, sondern mit Begeisterung muß fie Reuem zustreben. Zum Schluß gab der Redner feiner Genugtuung darüber Ausdrud, daß es in den beiden letzten Der frühere anhaltise Finanzpräsident Lange, ber Tagen nach schwierigen Berhandlungen gelungen sei, Gegen- 37 Sahre im anhaltischen Staatsdienste geftanden, war im Jahre fählich feiten zwischen Bayern und dem Reich 1919 in den Ruhestand getreten und bezog zuletzt ein Ruhegehalt zu beseitigen. Bir alle, schloß der Redner, lieben unser von 220 000 Mart im Jahre. Trotzdem hielt er es für nötig, in der Verständigung zwischen Reich und Bayern. Pommern und Bayern. Ein mildes Urteil. Ein beachflicher Beschluß. In einer Bersammlung der Sozial. demokratischen Partei in Weimar wurde beschlossen, dem Partei. tag folgenden Antrag zur Beratung und Beschlußfassung zu unter. breiten: Der Parteitag erwartet von den Vertretern der Partei in den Parlamenten, in der Reichsregierung und in den Regierungen der Länder, daß sie nach den ungünstigen Erfahrungen der jüngeren und jüngsten Vergangenheit fünftig der Lösung der Personenfragen bei der Besetzung von Staatstommiffa. riaten für die öffentliche Ordnung, sowie der Auswahl der leitenden Beamten wichtiger Polizeiförper, insbesondere auch der neuen Reichsfriminalpolizei ganz besondere Aufmerksamkeit zuwenden. Nur Gesinnungsrepublikaner, bei denen neben ihrer selbstverständlichen nötigen fachlichen Eignung die un bedingte Treue und Hingabe für die Republik und ihre Sicherung außer allem Zweifel steht, dürfen mit Zustimmung von Sozial bemofraten in solche Stellen berufen werden." In den Reichswirtschaftsrat berufen wurde der Hauptgeschäfts führer des Deutschen Landwirtschaftsrats und des Reichsausschusses der deutschen Landwirtschaft Prof. Dr. Da de. wird immer rfn dunkler Tag in der Geschichte der Berliner Ar- beiterbewegung bleiben. Er zeigt uns, was trotz jahrzehntelanger sozialistischer Erziehungsarbeit an Entartung und Verwilderung möglich geblieben ist. O Zum Urteil im Moskauer Prozeß bemerkt die„Freiheit": Was bedeutet dieses Urteil? Es bedeutet, daß die vorurteilten Sozialrevolutionäre in jedem Augenblick erschossen werden können, in dem es der bolschewistischen politischen Polizei„festzustellen" be- liebt, daß irgendein wirkliches oder gewesenes Mitglied der sozial- revolutionären Partei in Rußland oder im Auslande bei einer Tätigkeit„erfaßt" wird, die die Bolschewisten als bewaffneten Kampf oder als Spionage bezeichnen. Es bedeutet, daß jeder Lockspitzel in der Art von Semenow oder Konoplewa imstande ist, aus Geheiß einer bolschewistischen Behörde jeden Augenblick das zu einer Erschießung notwendige„Material" zu verschaffen. Es bedeutet, daß Götz und feine Genossen zu einer unglaublichen Qual oerurteilt sind, einer ewigen Erwartung, ihrer Erschießung, völlig ausgeliefert der Willkür ihrer Schergen. Es be- deutet schließlich, daß ein Kampf um die Köpfe dieser Männer, die dem Tode schon mehrmals ins Antlitz gesehen und die zaristischen Gefängnisse und Zuchthäuser vollauf ausgekostet haben, auch weiter- hin innerhalb der bolschewistischen Partei geführt wird,— ein Kanrpf, der vorläufig zu einem„Kompromiß" geführt hat, dessen Grausamkeit alles Erdenklich« übertrifft." Em üeutfchnationales Mörderneft. Hier ist schon mehrfach von dem Fgll Hörn lein die Rede gewesen, der ein Musterbeispiel für das Treiben deutschnationaler Mörderorganisationen bildet. Hörnlein wandte sich, wie unsere Leser bereits wissen, an das deutschnationale Partei- sekretariat in Osnabrück mit der Angabe, daß er an der Ermordung Erzbergers beteiligt sei und über die Grenze müsse. Der deusschnationale Parteisekretär Landwehr, der deutschnationale Reichstagsabgeordnete Major Hen- n i n g und die deusschnotionalen Fabrikanten Meyer und Frömbling taten sich dann zusammen, um Hörnlein zur Flucht zu verhelfen. Meyer und Frömbling gaben Geld. In einer Zu- schrift an unser Osnabrücker Parteiblatt hat Meyer die Naivität zu erklären, daß er Hörnlein„nur" einmal 100 ZR. gegeben und ihm später„nicht mehr als 2C00 ITC." nachgesandt hebe. Unser Ostia- brücker Parteiblatt stellt aber dazu fest, daß Meyer und Frömbling dreimal Geld an Hörnlein gesandt und ihm außerdem mit ihrem Geld auch noch«inen photographis chen Apparat gekauft haben, um ihn unter der Flagge eines„Wiener Journalisten" über die Tiroler Grenze zu schaffen. Ferner stellt unser Osnabrücker Blatt folgendes fest: Bei der Besprechung zwischen Major Henning, Meyer und Frömbling waren sich die drei Genannten darüber einig, daß Hörnlein sehr wohl der Mörder Crzbargor sein könne, und beschlossen, Hörnlein unter allen Umständen über die Grenze zu helfen. Masor Henning hak es hierbei übernommen, einen falschen Paß usw. für Hörnlein zu beschaffen. Dieser Paß sollte, sobald ihn Henning be- schafft hätte. auf dem Parkeisekrelariak der Deutschnaüonalen Dolkrparlei in Hannover in Empfang genommen werden. Di« Bemühungen des Masors Henning, einen falschen Paß zu beschaffen, blieben„leider", wie Major H. mitteilte, ohne Erfolg. Darauf entschlossen sich Meyer und Frömbling, den deutschnationalen Parteisekretär Landwehr nach Bayern zu enlsenden, um hier für Hörnlein Unterschlupf zu finden. Bayerische Empfang?» station war der in rechtsradikalen Kreisen Bayerns bekannte Major a. D. Kriebel. Als Legitimation diente Landwehr eine Visitenkarte Frömblings, die in der Mitte Zickzack- förmig auseinandergeschnitten wurde und deren eine Hälfte Major Kriebel zugesandt erhielt, während die andere Hälfte Landwehr als Legitimation mitnahm. Bei seiner Ankunft mußte Landwehr die Hälfte vorlegen, und nachdem durch das Zusammenpassen der beiden Hälften seine„Vertrauenswürdigkeit" festgestellt war, wurde Land- wehr dem rechtsradikalen Professor Stempfle zur Erledigung seines Auftrages zugeführt. Dieser half Hörnlein über die Grenze, wobei auch eine Studentin namens St ende beteiligt war. Nach einigen Tagen bekam jedoch Frömbling ein Telegramm aus Bayern des Inhalts, daß„die Frömblingsscife nicht guk sei", womit offenbar gesagt worden sollte, daß Hörnlein sich den Rechts- radikalen verdächtig gemacht habe. Kurz darauf wurde' Hörnlcin jenfeiks der Grenze ermordet ausgefunden. Dasselbe Schicksal traf Fräulein S t e u b e. Sie reist« in dar Sache Hörnlein nach Osnabrück und wurde wenige Tage nach ihrer Rückkehr von Osnabrück gleichfalls in München ermordet. Täter sind zwei flüchtige Mitglieder der Organisation C. Grund der Ermordung ist m beiden Fällen:„Beseitigung unbeque. mer Mitwisser." Soweit die Tatsachen. Wir gestatten uns nur eine Anfrag«: Was hat die Münchener Polizei des Grafen Lerchenfeld im Falle dieser beiden unzweifelhaften Morde getan, um die Mörder festzustellen und zu verhaften?, 500 flusweisungen aus dem Elsaß. Straßburg. 10. August.(DJIB.) Die Presseabteiluug des Generalkommissariats gibt bekannt: Die Ausweisungsmitteilungen be- ginnen a m F r e i l a g. den 11� um S Uhr und betreffe» S 0 0 P e r- fönen. Diese verteilen sich wie folgt aus die einzelneu Bezirke: Departement Haut-Rhin 100, Bas-Rhin 150, Moselle 250. Die Aus» weisungsmaßnahmen müssen bis Sonnabend Mitternacht durchgeführt sein. Die Ausgewiesenen werden die Grenze einzeln überschreiten. Es werden keine Züge zusammengestellt. Die Lonöonee Krise. London. 11. August.(EP.) Eine V o l l s i tz u n g der Konferenz ist auf heute vormittag 11 Uhr anberaumt worden. Die englischen Minister sind gebeten worden, in London zu oerbleiben, damit gegebenenfalls heute nachmittag nach der Vollsitzung der Kon- ferenz ein weiterer Kabinettsrat stattfinden kann. In englischen und anderen, den verschiedenen Delegationen nahestehenden Kreisen hält man jetzt die Möglichkeit eines Bruches für wenig wahrscheinlich.- Man sieht allgemein voraus, daß die Konferenz noch einige Tage dauern wird. Paris, 11. August.(EP.) Wie der„Maiin" schreibt, ist P o i n- c a r e im Interesse der europäischen Solidarität bereit, die Ver. Handlungen in London solange fortzusetzen, bis der Be» weis erbracht sein werde, daß sie zu keinem Ende führen könnte. Unter keinen Umständen werde er aber einem Moratorium zu- stimmen, wenn nicht zugleich produktive Pfänder ergrifsen würden. Diese Garantien müßten nicht nur beschlossen, sondern bis ins Einzelne festgelegt werden, da die Reparationskommission schon oft Beweise ihrer Schwäche gegenüber Deutschland an den Tag ge- legt hätten. Ruftlsche Kronprätenöenten. Der russische Großfürst Kyrill, der sich in Frankreich aufhält, wendet sich mit einem Manifest an das russische Bolk und an das russische Heer, in dem es heißt: »Infolge des Fehlens von Nachrichten über die Rettung des Großfürsten Michael Alexandrowitfch(Bruder Nikolaus II.) betrachte ich, als dem Thronfolgegesetz nach Nöchstberufcner, Mitglied des kaiserlichen Hauses, es als meine heilige Pflicht, mich andieSpitze aller russischen befreienden Bestrebungen zu stel» len, als Schützer des Zarenthrones bis zu dem Zeit- punkt, da das Gerücht von der verbrecherischen Ermordung Seiner Majestät des Kaisers Nikolai Alexandrowitfch und Seiner Kaiserlichen Hoheit des Zesarewitsch Alexey Nicolajewitsch widerlegt sein wird, oder aber, wenn all diese Hoffnungen sich nicht bewahrheiten sollten, bis zu dem Tage, da der allrussische Voltstag den rechtmäßigen Zaren berufen wird." Das Pariser Organ des Kadettenführers M i l j u t o w bemerkt dazu, daß alle echten russischen Patrioten sich niemals mit der Wiederherstellung der Monarchie einve>' standen erklären wür» den; die russischen Monarchisten seien zu sehr von dem alten Regime durchdrungen, um in Ruhland jemals etwas Gutes leisten zu können. Em kappiftischer§rei'heitsapoftel. Bekanntlich gehen die Völkischen mit dem Plane um, eine eigene Partei zu gründen, für die sie den Namen einer„F r e i h e i t s- partei" mißbrauchen wollen. Außer Herrn S o n t a g, der unseren Lesern als Intimus Ludendorffs und durch seine Briefe an diesen bekannt ist, spielt dabei eine besondere Rolle der Direktor des Pommerschen Landbundes v. Dewitz, der gleichfalls zu den In- timen der Klique Sontag-Ludendorff gehört. Er hat jüngst in Star- gard ein« Rede gehalten, die von der„Deutschen Zeitung" unter dem Titel:„Eine Freiheitspartei?" veröffentlicht wird. Herr v. Dewitz ist auch sonst der Welt kein Unbekannter, seine Beziehungen zu der Berschwörerklique um Ludendorff sind nicht erst jungen Datums. Er gehört nämlich zu den Personen, die an der Borbereitung des Kapp-Putsches aktiv Anteil gc- nommen, namentlich auch den V e r s ch w ö r e r s i tz u n g e n in den Bureauräumen Kopps, Berlin, Diktoriasttaße, teilgenommen haben. Als Zeuge im Jagowprozeß spielte Herr v. Dewitz die denkbar kläg- lichste Rolle. Er litt nämlich an akuter Gedächtnisschwäche. Aus die Fragen des Oberreichsanwalts Dr. Ebermeyer, wer ihn— Herrn v. Dewitz— nach der Biktoriastraße eingeladen habe, wer Teilnehmer der Sitzung gewesen sei, was man dort verhandelt habe, wem die Räume gehört hätten usw., wußte Herr o. Dewitz keineAntwort, sondern fuchtelte verzweifelt mit den Armen. Er hatte alles ver- gessenl Es hätte damals sehr nahe gelegen, den gedächtnisschwachen Herrn vom Fleck weg zu verhaften, aber das Reichsgericht begnügte sich, ihn wegendringenden BerdachtesderMittäter- schaft nicht zu vereidigen. So sieht der Mann aus, der im Bunde mit dem Herrn Sontag da- deutsche Bolk mit einer neuen„Frciheitspartei" beglücken will. Daß er Herrn v. Kahr in seinem Bortrag als„den großen nachrevo- lutionären bayerischen Staatsmann" bezeichnet, paßt nur in dieses Bild. Herr v. Kahr, der unter dem Wahrzeichen des u n u n t e r- brochenen Belagerun gs zu st andes regierte, ist in der Tat ein Symbol für eine„Freiheitspartei" Dewitz-landbürGlerischen Ur- sprunas. Eme Kulturschanöe! Sie feiern die russische Mordjustiz! Die Kommunisten veranstalten am nächsten Montag, 7 Uhr abends, in der„Neuen Welt" eine Versammlung mit der Tages- ordnung:„Revolutionäre Klassenjustiz gegen Konterrevolutionäre". Hauptrednerin des Abends ist die Frau Staatsanwalt im Mostauer Prozeß, Klara Zetkin. Daß eine solche Versammlung überhaupt möglich wird, zeigt, wohin die kommunistische Agitation einen, wenn auch kleinen Teil der Berliner Arbeiterschaft gebracht hat. Dos bestialische Mos- kauer Urteil, das zwölf Männer und zwei Frauen ins Ge- fängnis niederdrückt, um sie auch die Ovalen ständiger Todesangst auskosten zu lassen, diese Tat raffiniertester Henkergrausamkeit, die von menschlichen Gehirnen überhaupt ersonnen werden konnte, sie soll in einer Versammlung Berliner Arbeiter verteidigt und ver- herrlicht werden! In der ftanzösischen Kommunistenpartei haben sich mutige Stimmen gegen die Moskauer Schmach hervorgewagt. Die deutsche Kommunistenpartei tuscht und singt gehorsam das Lob dessen, dessen Brot sie ißt. Ja, wäre es noch Fanatismus, der diese Leute dazu veranlaßt«, viehische Grausamkeit an politischen Gegnern zu rechtfertigen, so müßte man das verurteilen, aber es bliebe immer noch eine Em- schuldigung. Aber von solchem Fanatismus kann hier gar nicht die Rede sein. Es sind einfach taktische und noch mehr materielle Gründe, die die deutschen Kommunistenführer zwingen, mit den russischen Bol- schcwiki durch Dick und Dünn zu gehen. Was sich da offenbart ist nackteste Gemeinheit der Gesinnung, die auf die letzten Reste von Menschlichkeit pfeift, wo sie glaubt, ihren Vorteil wahr- nehmen zu können. Und dieses erbärmliche Treiben zu unterstützen, sollen sich Ber- liner Arbeiter hergeben! In der„Neuen Welt", in der B e b el und I au res das Evangelium sozialistischer Menschlichkeit verkündeten, soll dem asiatischen Götzen, dessen Altar von Menschenblut raucht, gehuldigt werden? Und wenn es nur tausend Berliner Arbeiter sind, die sich zu einem solchen Unternehmen hergeben— dieser Tag Schauöer öer Ehrfurcht.. Manchmal fühlt man doch eine tiefe Leere, einen unausgefüllten Abgrund in sich, wenn man einen wackeren Mitmenschen aus Herzensgründe schwärmen sieht und so gar nicht mit kann. Ich nehme an. daß Professor Eugen Wölbe ein wackerer Mann ist und aus den Spotten seines innerlichsten Gemüts feine Schwaden aufsteigen läßt(im Sonntagsblatt der„Kreuzzeitun g"). „Kein Sammelgebiet befriedigt Gemüt und Phantasie"— schreibt der Wackere in Inbrunst und Einfalt—„in dem Maße wie die Handschriften berühmter Persönlichkeiten. Der Anblick ihrer Schrift- züge zaubert dem pietätvollen Betrachter ganze Kultur- und Ge- schichtsepochen vor die Seele. Ein Schauder der Ehrfurcht durch- graust ihn, wenn er in den Händen Blätter hätt, über welch« die Blicke und die Feder der Hohen und Großen dieser Erde dahin- strichen." Ja, es gibt noch— Gott sei Dank— echte Teutonen, die vor den wahrhaft Großen Demut und Hingabe empfinden und auch in den Abfällen der Weltgeschichte noch erhabene Kultgegenstände ent- decken, wert, im Heiligenschrein des Patrioten entfaltet zu werden und mit Andacht und hohem Gefühl zu erfüllen. Herr Wölbe hat die Prachtstücke seiner Weihegabe den pro- fanen Sterblichen nicht länger vorenthalten wollen. Im Gegenteil, er spendet sie freigebig der Zeit- und Nachwelt. Und so erfahren wir aus den erhebenden Briefen von Königen und Fürsten, aus den Albumsprüchen der bedeutendsten Heerfiihrer der Jetztzeit— was alles der Literatur und Kulturgeschichte verloren ginge, wenn eben Herr Wölbe mit seinem Gemüt nicht wäre. Erfreuen wir uns auch seiner Gaben und geben wir ihnen eine etwas größere Breise des Wirkens. Fangen wir mit Wilhelm II. an, der uns immer besonderen Schauder eingeflößt hat. Er schreibt am IS. März 18L1 an einen General: „Vor wenigen Tagen las ich die Anzeige vom Ableben Ihrer Frau Mutter. Von ganzem Herzen spreche ich die innigste Kon- dylation aus und wünsche Ihnen, daß Ihnen der Herr mit seinem reichsten Trost helfen und Sie stärken möge, das schwere Unglück in Ergebung zu tragen. Mittlerweile haben wir auch wieder Hoftrauer bekommen und für die verstorbene alte Königinwitwe von Dänemark, eine Großtante meiner Frau. Endlich ist bei uns die Ruhe eingetreten nach so vielen Festen und kann man sich etwas einwohnen. Mit den besten Grüßen an die Ihrigen Ihr treuer Wilhelm, Prinz von Preußen." Das Entzücken des Herrn Wölbe wird in diesem Falle nur ein wenig gestört werden durch die von schlechtem Sprachgefühl zeugende Umstellung der Wortfolge seit uns(„und kann man sich"). Aber es bleibt doch ein Raiserbrief, geeignet, jede treue Brust höher schlagen zu lassen. Wie rührend ist nicht ein Brief des vierzehnjährigen Krön- Prinzen Wilhelm an«inen Studiengenossen: „Lieber Muckil Bringe doch nachher die Räder mit. Wir wollen von Mi bis 7 Uhr noch radeln. Dein treuer Freund 16. Mai 1896. Wilhelm." Die ganze Bedeutung dieses entschiedenen Radelwillens ist sicher noch von keinem Historiker ausgeschöpft. Den vollen Pulsschlag der Zelt aber erklimmen(unsere Hingerissenheit macht diesen etwa ungewöhnlichen Ausdruck verzeihlich) vollends die schönen Albumsprüche aus der Kriegszeit. Tirpitz dichtet: Ziel erkannt, Kraft gesponnkl Pflicht getan, Kopf obenanl Feldmarschall v. d. Goltz variiert das beliebte Thema vom Stahl- bad des Krieges: „Schwere Krieg«, wie wir ihn gegenwärtig durchzukämpfen haben, stärken die stilliche Kraft in einem tüchtigen Volke und ge- währen ihm längere Dauer in der Geschichte. Und als der ganze Segen des Stahlbades offenbar wurde, trom- petete Ludendorsf unentwegt: „Lernen wir nach diesem tiefen Fall in Erinnerung an unsere im Glauben an Deutschlands Größe gefallenen Helden, die dem Vaterlande jetzt so fehlen, wieder Deutsche zu werden und stolz zu sein, daß wir es sind." Ach ja, lernen wir aus diesem Rückfall in tiefste Devotion vor fürsllichem Briesabfall(warum nicht auch vor Windeln!), aus dieser Knechtseligkeit, die je dem Wisch„der Großen" in Ehrfurcht erstirbt, welch einen Stall die deutsche Republik noch zu reinigen hat. Haeckel» Gehirn. Haeckel hatte gewünscht, daß sein Gehirn nach seinem Tode von dem Ienenser Prosessor Friedrich Maurer anato- misch untersucht werde. Der Gelehrte teilt die vorläufigen Ergeb» nisse seiner Untersuchung in der„Deutschen Medizinischen Wochen- schrift" mit. Nachdem das Gehirn konserviert war, wurde eine größere Anzahl photographischer Aufnahmen gemacht, und die beiden Hemisphären wurden in Zinn abgegossen. Seine Ergebnisse saßt Maurer dahin zusammen, daß„wir ein monumentales Elitemenschen- gehirn vor uns haben". Do Haeckel 83 Jahr« alt wurde, sind selbst- verständlich Altersveränderungen wahrzunehmen: ober Haeckel war bis in sein« letzten Lebenstage vollkommen im Besitz feiner Der- standesträft«. Da er der Form feines Schädels nach zu den Meso- zephalen gehört«, hat das Gehirn im ganzen eine rundliche Form. Das Gesamtgewicht des Gehirns betrug, bei der Sektion festgestellt, 1575 Gramm. Da das mittlere Gewicht des Gehirns bei einem 30- bis<(>j ädrigen Manne 1Z75 Gramm ist, so erscheint dos Gewicht des Haeckelschen Gehirns außerordentlich groß. Di-' linke Hemisphäre ist etwas stärker als die rechte, eine sehr verstündliche Erscheinung, da Haeckel Rechtshänder war. Bei der Bettachttmq der Hemisphären fällt besonders die robuste Ausbildung der Zentralwindungen gegen- über der feineren Gliederung des St'rn- und Hinterhauptlappens auf. Während der Befund des Gehirns im allgemeinen nichts Heber- raschendes bietet, läßt sich an einer Stelle«ine besonder« Furchen- gestaltung erkennen, nämlich eine mächtige Ausbildimg der löge- nannten Kalkarinusrinde, des Seh Zentrums. Mit dieser Fest- stellung werden die Zusammenhänge des Gehirnbefundes mit der be- sonderen Begabung Haeckels aufgezeigt. Haeckel war in hohem Maße Augenmensch: er beobachtete die Natur in allen Formen und hat die subtilsten Dinge an kleinen Organismen, besonders an Radiolarien, untersucht. Es ist also sehr natürlich, daß das Seh- Zentrum bei ihm so hervorragend ausgebildet war. Die Natur- beobachtungen boten ihm das Material für feine Gedankenarbeit. Er hatte sich eine objektive Grundlage für feine Folgerungen selbst geschaffen und nahm, entsprechend seinem historischen Sinn, die Ge- danken seiner Borgänger imh Mitarbeiter in geschickter Form in seine Anschauungen auf. Wir finden nun in seinem Gehirn den Gz'rus angularis reich gegliedert und ebenso die obere und die mittlere Stirnwindunq sehr fein entwickelt. Es sind also gerade die Teile der Großhirnrinde vorzüglich ausgebildet, von denen man weiß, daß sie für die kombinatorische Denkarbeit besonders in Be- tracht kommen.„Der Tätigkeitsdrang und das nicht zu unterdrückende Bedürfnis, sich anderen mitzuteilen, war bei Haeckel aufs Stärkste ausgebildet," sägt Maurer zum Schluß.„Sein Gehirn bot dafür eine durchaus geeignete Grundlage."_ Schwarz-Not-Eolö. Bon Ferdinand Freiligrath. (17. 3. 1848.) In Kümmernis und Dunkelheit, Da mußten wir sie bergen! Nun haben wir sie doch befreit, Befreit aus ihren Särgenl Ha, wie das blitzt und rauscht und rollt! Hurra, du Schwarz, du Rot, du Gold! Pulver ist schwarz, Blut ist rot, Golden flackert die Flamme! DieFreiheitistdieNation, Ist aller gleich Gebieten! Di« Freiheit ist die Auktion Bon dreißig Fürstenhütenl Die Freiheit ist die Republik! Und abermals die Republik! Pulver ist schwarz, Blut ist rot, Golden flackert die Flammet Ter Berliner Zlonliinstler-Berein veranstaltet anläßlich der lll.Mufik» Fachausstellung am Sonnabend im Sporlpalaft-Kajmosaal einen zweiten Abend mit neuen Berken. Das tägliche Brot. Hochzeit mit Diebesjagd. Ein netter Bräutigam. 13. Verbandstag der Tabakarbeiter. 3. Verhandlungsfag. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Von dort aus sollte sie am vergangenen Dienstig beerdigt werden. Als man nun Am fommenden Montag treten die neuen Preise für dem Verstorbenen das Totenhemd anziehen wollte, entdeckte man am Brot auf Marten und markenfreies Gebäd in Kraft. Die vereinigten Rüden eine ganz fleine Wunde, deren Art nicht ohne Saltulationsfommiffionen der Bäckereiverbände haben folgende Reiche anzuordnen. Dabei fand man, daß Copernick nicht über die Anträge zum Statut und Wahlreglement. Der weiteres zu erkennen war. Das gab Beranlassung, die Obduktion der Die heutigen Verhandlungen begannen mit der Generaldebatte Breise festgelegt. Cin martenfreies Brot 45 M., eine einem Herzschlage ertegen, sondern hinterrüds erschossen Borstand hat darauf verzichtet, eine eigene Vorlage über die GeSchrippe 2,25 M., Kaifertrötchen, Hörnchen usw. 3 M. Ruchen worden ist. Die Rugel stedte noch im Rörper. Es ist eine 7- milli- staltung der Beiträge und des Unterstützungswesens einzureichen, stücke 5 M., Zwieback, geröstet 60 M. pro Pfund, Einbad 45 m. pro meter- Steinmantelgeschoß. Copernic ist also ohne Zweifel er fondern begnügt sich damit, Abänderungsvorschläge zu den bereits Pfund. mordet worden. Ob ein Raubmord vorliegt, steht noch nicht fest. vorliegenden, insbesondere den aus Hemburg gestellten Anträgen, Leider werden auch diese Preise, die etwa eine 50 prozentige Es fehlt allerdings ein Portmonnaie, in dem der Ermordete lediglich zu stellen. So schlägt er eine Sechsstufung der Beiträge Steigerung gegenüber ben bisher geltenden bedeuten, nicht allzu einen Siegelring aufzubewahren und bei sich zu tragen pflegte. Dor, beginnend bei Stufe 1 mit 4 M., endigend bei Stufe 6 mit lange in Kraft bleiben. Vielmehr muß leider mit der Tatsache geworden, denn die Borderseite der Kleidung war start beschmutzt, und gen schlägt er vor, teine abzuschaffen, höchstens die UmzugsunterDer Mord ist wahrscheinlich nicht am Fundort der Leiche verübt 30 M. Von den bestehenden Unterstügungseinrichtun rechnet werden, daß in etwa 8 bis 10 Tagen neue Preise auch Schleiffpuren deuten auf einen anderen Tatort hin. Mitteilungen fügung, die bestehenden aber auch nicht besonders weit auszubauen, in Straft treten bzw. Gewichtsverminderungen der zur Aufklärung des Verbrechens nimmt die Kriminalpolizei Des um so die erhöhten Mittel möglichst für den Kampf flüffig zu Badware vorgenommen werden. Die ständigen Erhö- Bolizeiamtes Hallesches Tor im Zimmer 45 entgegen. hungen der Preise für Brot und Gebäd find vor allen haben. Die fünftigen Verbandstage schlägt er vor, auf 75 Delegierte zu begrenzen, dafür aber ein neues demokra Dingen darauf zurückzuführen, daß in den letzten 10 Tagen die Preise tisches Element in die Verbandsmaschinerie einzuführen durch für Mehl um durchschnittlich 200 M. pro Tag in die Höhe gegangen find. Die laufende Erhöhung der Mehlpreise bedingt eine so geSchaffung eines Beirats Don 21 Mitgliedern. waltige Erhöhung des Betriebskapitals, daß schon jetzt eine Anzahl fleinerer und mittlerer Bäckereibetriebe den Zahlungsverpflichtungen behrt, und die vielleicht einem modernen Operettendichter Stoff zu mit er feinen Aufgaben gewachsen ist. Eine nicht geringe Reihe In der Diskussion erklärten sich alle überzeugt, daß der Ber Eine Diebstahlgeschichte, die einer gewissen Komit nicht ent- band in beffere Finanzverhältnisse hineingebracht werden muß, da gegenüber den Mehllieferanten nicht nachkommen fönnen. Es ist des- einem neuen„ Schlager" geben kann, tam vor der Ferienftraflammer Don Distuffionsrednern empfahl dazu außer der Erhöhung der halb mit der Tatsache zu rechnen, daß in der nächsten Zeit außer sehr des Landgerichts 2 zur Verhandlung. Die Eheleute 5offmann, Beiträge einen mehr oder minder weitgehenden Abbau der soge erheblichen Entlassungen von Bädergehilfen auch die die in Neukölln einen Handel mit Räucherwaren betreiben, waren nannten reinen Unterstützungseinrichtungen, wogegen andere Redner. Schließung finanziell schwacher Betriebe eintreten am 2. Dezember 1919 zur Hochzeit des Bruders des H. eingeladen insbesondere solche aus ländlichen Diftriften, aus den dortigen Ber wird. Die Bäckereiverbände werden in diefen Tagen zusammentreten, und hatten bei Tisch über die Lebensmittelporräte, die hältnissen heraus fich für die Zweckmäßigkeit, ja Unentbehrlichkeit um zu verfuchen, eine gleitende Stala für den Brotpreis sie zu Hause hatten, gesprochen und damit geprahlt. Der glückliche auch dieser Formen der Verbandsunterstüßungen lebhaft einsekten. zu schaffen. Auf diese Art und Weise glaubt man, daß das Gewerbe Bräutigam soll nun der Antlage zufolge sich einen Sicherheitsschlüssel Alle vorliegenden Anträge und gemachten Anregungen wurden der den eintretenden Preisschwankungen für Mehl usw. schneller als zur H.schen Wohnung angeeignet haben und dann zwei andere Statutenberatungstommiffion überwiesen. bisher entgegentreten fann." Das kann ja nett werden. Der Lohn, Hochzeitsgäste, die sich im vorgeschrittenen Stadium der Trunkender schon jest kaum zur Dedung des täglichen Lebensmittelbedarfs heit befunden haben wollen, angeftiftet haben, einen Diebstahl ausreicht, wird nach den angekündigten Maßnahmen, mit denen hier in der H.schen Wohnung auszuführen. Diese, ein Mag den Preisschwankungen entgegengetreten" werden foll, zum Leben einge und der Maurer Erwin Schäfer gingen darauf ein erst recht nicht mehr genügen. Jede Lohnerhöhung aber wird im und führten den Diebstahl auch ous. allgemeinen zum Anlaß genommen, wesentlich höhere Berteuerungen zu begründen und wenn es dann gar nicht mehr weiter geht, weil die Kaufkraft der Bevölkerung erlahmt, wenn das Betriebskapital völlig unzulänglich wird, dann wirft man die unnüßen Arbeiter auf die Straße und schimpft letzten Endes wieder auf die hohen Löhne, die diese furchtbare Not erzeugt haben. Der Segen der freien Wirtschaft tann nicht besser illustriert werden. " Hinterrücks erschossen. Ein acht Tage später entdeckter Mord. Ein Mord an einem Straßenbahnschaffner ist unter eigenartigen Umständen erst acht Tage nach der Tat feftgestellt worden. Der 63 Jahre alte Straßenbahnschaffner Gottlieb Copernic aus der Bergmannstraße 21, ein verheirateter Mann, hatte in der Nacht zum 2. b. M. bis um 2 Uhr früh Dienst. Dann verließ er den Bahnhof Kreuzbergstraße, um heimzugehen. Um 5% Uhr morgens fand ihn ein Inspektor der Schultheiß- Brauerei am Bittoriapart in einem Strauchwert an der Lichterfelde Straße tot auf. Er lag mit dem Kopf bergabwärts auf dem Rüden. Seine Dienstmüze hatte er noch auf. Irgendeine Verlegung oder Blut war an der Leiche oder der Kleidung nicht zu sehen. Man nahm deshalb an, daß der Mann einem Herzschlage erlegen sei. Devisenkurse. An der Börse wird es als ein großer Uebelstand empfunden, daß gerade an den Tagen politischer Hochspannung und stärkster Schwankungen am Devisenmarkte die amerikanischen Funt telegramme ausbleiben oder start verstümmelt ankommen. Hierdurch wird dem Markte die Orientierung sehr erschwert. Es scheint überhaupt, als ob gegenwärtig die internationale Nachrichten übermittlung fehr start unter dem Einfluß von Groß fpetulanten stände. Auch hierüber führt man in Börsentreifen lebhafte Klage. In Berlin wurde heute bei Beginn des Geschäftes am Devisenmarkt der Dollar mit 837 gehandelt. Es traten jedoch Gerüchte auf, wonach die Verhandlungen in London sich noch weiter ungünstig gestaltet haben sollen. Infolgedessen zog der Dollar gegen Mittag auf 858 an. An der Effektenbörse war das Geschäft im großen und ganzen lebhaft. Das Interesse der Spetulanten wandte sich jedoch in stärkerem Maße wieder den ausländischen Renten zu, während am Markte der heimischen Industrieaktien verschiedentlich Glattstellungen erfolgten. Immerhin war am Montanmarkte der Umsay bedeutend und zum Teil auch eine beträchtliche Erhöhung des Kursniveaus zu verzeichnen. Im weitern Verlauf der Börse wurde die Tendenz des DevisenIm weitern Verlauf der Börse wurde die Tendenz des Devisenmarktes noch fester, da der Reichsbankausweis vom 7. Auguft befannt wurde, der wieder eine Steigerung des Notenumlaufes von 8,7 Milliarden auf 198,4 milliarden aufweist. Sehr starke Nach frage herrschte am Rentenmartte, wo durch ausländische Käufer die 3prozentige Reichsanleihe eine fenfationelle Steigung ron 268 auf 302 Proz. erfuhr. Man bringt diese Kurssprünge mit dem Materialmangel in Zusammenhang. Bekannt lich liegen bei den Berliner Banten nur noch vereinzelte Stüde, bie übrigens auch an verschiedenen Auslandsbörsen gehandelt werden und sich infolgedessen besonderer Beliebtheit erfreuen. Eine Ueberraschung bot der Börse die Kurssteigerung der hier gehandelten Aktien der amerikanischen Baltimore und Ohio- Bahn um 550 Proz. Am Montanmartte überschreiten Harpener Attien den Kurs von 5000. Der Dollar stellte sich um 1 Uhr auf 858. Die amtliche Kurstabelle gibt an, wieviel Mart man aufwenden muß, um die in der ersten Spalte genannte Einheit der auf das bezeichnete Land lautenden Währung zu erwerben. 11. August Käufer Berkäufer ( Geld-)( Brief-) Sturs Kurs 10. Auguft Käufer. Berkäufer ( Geld-)( Brief-) Rurs Kurs 100 holländische Gulden..33438.10 83541.90 33458.10 33541.90 1 argentinischer Bapier- Beso 312.35 100 belatiche Frank 100 norwegische Kronen. 100 dänische Kronen 100 schwedische Kronen. 100 finnische Mart 1 japanischer Yen. 100 italienische Lire 1 Pfund Sterling • • 813.65 310.85 811.65 6541.80 14856.40 14893.60 14881.85 14918.65 Ausflug in die Sächsische Schweiz macht. Die Donnerstag- Sigung fällt aus, da der Verbandstag einen „ Bolt und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt Dann hielt ufung( Hauptvorstand) das einleitende Referat lang als ein wesentlicher Richtgedante bei der Lohnpolitik, die früher zum Punft, ohnbewegungen". Dem Borstand galt jahre. so erheblichen und gefährlichen Lohnunterschiede zwischen Nord- und Süddeutschland mehr und mehr auszugleichen, um auf diese Weise die von den Fabrikanten als Schuhmittel angewandte Fischtonserven und eine Gans, fomie geringe Barmittel, die aus dem nordischen Gebiet nach den füddeutschen ländlichen BeEs handelte fich um Kleider, Wäsche, Nahrungsmittel, u. a. Verlegung der Fabritation wahllos in einen Sad gestopft und mitgenommen wurden. Während zirken zu verhindern. Nach der Richtung hin und auch im ganzen die beiden Diebe nun eine Droschte besorgten, tamen die Wohnungs- genommen sind unverkennbare Erfolge durch den Verband erreicht. inhaber zurück und vermißten den Sicherheitsschlüssel. Gegenwärtig deutet aber alles darauf hin, daß die mit dem Steigen Der Ehemann H. stieg durch ein Abortfenster in die Wohnung ein der Teuerung immer bitterer notwendig werdende Verbesserung und öffnete mit einem zweiten Schlüssel. Ein Liebespärchen, das der Löhne sich in Zukunft faum noch auf dem Wege des Bera fich unter dem Hausflure aufhielt, schlug Lärm, als die Droschte mit handelns allein wird erreichen lassen. Die Stellungnahme der Deder Beute abfahren wollte und nun entwickelte sich die übliche Jagd legierten zu diesem äußerst wichtigen Punkt der Tagesordnung fam nach dem Diebe. Heinze war in der Droschte unter den noch nicht zum Abschluß. Wirkungen des Alkohols eingeschlafen, während Schäfer sich noch aus dem Staube machen konnte, allerdings ohne seine Beute mit nehmen zu fönnen. Heinze wurde, da die beiden anderen, der neugebadene Ehemann und Sch. zunächst nicht auffindbar waren, in einem besonderen Strafverfahren zu 4 Monaten Gefängnis wegen Diebstahls verurteilt. Er trat hier als Beuge gegen seine der heutigen Bostauflage bei. früheren Komplicen auf, hatte aber, toie der Staatsanwalt betonte, beiden anderen Tätern entspann fich ein edler Wettstreit, indem sie ein, mert würdig schwaches Gedächtnis". Zwischen den fich gegenseitig die Schuld zuschieben wollten und der eine den Das Boltsschuhhaus Isma hat im Hause Köpenider Straße 68, Nähe Brückenanderen und umgekehrt als den größeren Lumpen hinzustellen nraße, einen Berkauf von Herren, Damen- und Kinderstiefeln jeder Art eröffnet. trachtete. Dagegen machte die als Zeugin vernommene Ehefrau H. Bir verweisen auf die Anzeige in vorliegender Nummer. darauf aufmertfam, daß sie, da sie sich unter dieser Gesellschaft" nicht wohlgefühlt habe, die Hochzeit vorzeitig perlaffen habe. Während der Staatsanwalt beide Angeklagten als Mittäter ansehen wollte, machte Rechtsanwalt Mendel geltend, daß es sich um eine sogenannte betrunkene Geschichte handele, Sch. sei zudem damals noch unbescholten gewesen und bat um eine milde Bestrafung. Der Bruder Hoffmanns verteidigte sich selbst und richtete u. a. an feinen Mitangeklagten Ech., der einen modernen Anzug wahl zum Berbandstag nach München. Mit der eigenen Beharr Am Eonntag müßt ihr entscheiden über die Delegiertena trug, die bezeichneten Worte:" Bon wat hafte denní den Anzug ge- lichkeit propagieren die Kommunisten ihre Kandidaten zur Ber fooft, Du Lümmel?" und befchuldigte, ohne sich selbst zu beschönigen, bandstagswahl, um in München ganze Arbeit" zu leisten. Aber den Zeugen Heinze und Beklagten Sch., daß sie nur vom Diebstahl wie sieht diese Arbeit“ der Moskauer Einheitsapostel aus? Nach Das Gericht erkannte schließlich gegen Schäfer auf monate Gefängnis unter Berneinung der Frage der Mitgefunden, Märtyrer geschaffen. Zuguterlegt wird die Konflikts. 4 Monate, gegen den mehrfach vorbestraften Hoffmann auf berühmtem Muster werden Konfliktsstoffe gesucht und täterschaft. 5. wurden 3 Monate, Sch. jedoch nur ein Monat der frage abgeladen, in die Betriebe, in die Maffen geschleudert, neuer erlittenen Untersuchungshaft angerechnet. elender Arbeiterhaß gepflanzt. Das ist der Boden, den die Reaktion für ihre Pläne braucht. lebten. Ein erpreftes Geständnis? Bor einiger Zeit wurde die Leiche der Hausangestellten Stahnte mit einer Schußwunde in der linten Schläfe am Wannsee aufgefunden; der äußerliche Befund sprach durchaus für einen Luftmord und der kurze Zeit nach der Tat verhaftete Bortier Springer legte damals vor der Kriminalpolizei auch ein dahinlautendes Geständnis ab. Dieses Geständnis hat er aber jetzt widerrufen. Springer, der mit der Ermordeten drei Jahre lang ein Berhältnis unterhalten hatte, versucht sie nun als heimliche Prostituierte hinzustellen und behauptet jetzt, daß ihm sein damaliges Geständnis abgepreßt worden sei. Er gibt an, daß die Stahnte lebensmüde gewesen sei und sich in seiner Gegen. mart selbst durch Erschießen das Leben genommen habe. Der Berteibiger Springers will auch einen umfangreichen Beweis dafür antreten, daß die Stahnte, die schon seit längerer Zeit lebensmüde gewesen sei, sich kurz vor der Tat mit Selbstmordgedanten getragen habe. Geschäftliche Mitteilungen. Gewerkschaftsbewegung 87 Eisenbahner wacht auf! Noch behaupten die Kommunisten, die alleinigen Bertreter der Einheitsfront zu sein. Diese Einheitsfront bedingt bei den Rommunisten den Kampf der Arbeiter gegen Arbeiter. Darum Kollegen, mer das wirkliche Arbeiterinteresse in München vertreten fehen will, fann nicht zugeten, daß Bertreter dorthin gehen, die die Arbeit der Reaktion beforgen, sobald es sich um ihre Parteidisziplin handelt. Die Arbeiterschaft wird nicht aus ihrem Elend befreit, wenn fie auseinandergehegt wird. Folgender Ausspruch eines Kandit aten der RPD. muß genügen, um den Kollegen das Ziel der KPD. auf dem Verbandstag in München vor Augen zu führen. Er sagte:„ Wir müssen ben morschen Bau der Gewerkschaften zerschlagen." Das bedeutet praktisch, die revolutionäre Errungenschaft, das gemertschaftliche Machtinstrument der Reaktion auf Schimpf und Schande ausliefern und mit ihm das gesamte klassenbewußte Proletariat. Kollegen! Darum feine Stimme den Beauftrag ten von Moskau. Die Amsterdamer Richtung hat sich in marristischen Kampfmethoden bewährt. Ihr ist es zu ver banken, wenn unfere Organisation ein unzersplittertes Instrument des Klaffentampfes geblieben ist. Wer gewillt ist, den ehrlichen halten und die proletarische Einheitsfront herbeizuführen, der wähle Klaffentampf weiter zu führen, eure Einheitsorganisation hochzu halten und die proletarische Einheitsfront herbeizuführen, der wähle nur bie Randidaten der Amsterdamer Richtung: nur die Kandidaten der Amsterdamer Richtung: auf Beyer, Max Bonazi, Paul Hahn, Friz Mar Klein, Jaser, Hermann Puzte, Alfred Selinski, Johann Beeser. Wegen Unftiftung zum Gifimorbe, bei der es zum Glück bei einem Bersuche geblieben ist, wird ein gewiffer Baul Rusch von der Kriminalpolizei gesucht. Der Anschlag richtete sich gegen den Justiz wachtmeister Gotthold Hielscher aus der Kanalstraße 18a zu Blößensee. Diefer machte gestern nachmittag die Anzeige, daß seine 17 Jahre alte Stieftochter Martha versucht habe, ihn zu vergiften, indem sie Gist unter den Brotaufstrich gemischt habe. Das mädchen wurde verhört und es ergab sich, daß es tatsächlich den Brotaufstrich mit Gift vermischt hatte, um ihren Stiefpa ter um. zubringen. Sie hatte es auf Beranlassung des Paul Rusch Im kapitalistischen Solde. getan, der sich ihr gegenüber für ihren richtigen Bater ausgab. Die Deutsche Bergwertszeitung" läßt sich aus Frankfurt a. M. Rusch hat früher mit ihrer Mutter in wilder Che gelebt. Sie stand über den Internationalen Bergarbeiterfongreß berichten. Das ganz in seinem Banne und hat sich unter diesem Zwange zu dem Solidaritätsbetenntnis der europäischen Berg ersuche anftiften lassen. Deshalb hat Hielscher von einer Straf- arbeiter mit den streifenden amerikanischen Bergleuten, das anzeige gegen feine Stieftochter Abstand genommen. Rusch ist ver- in dem Beschluß zum Ausdruck fommt, den dem Internationalen Bergarbeiterverbande angeschlossenen Landesverbänden zu empfehlen, ben Kameraden in Amerika aufzubringen, hat es dem sr. Berichteine finanzielle Beihilfe von 10 000 Pfund Sterling für die streifenerstatter des Unternehmerorgans start angetan. Er bemerkt dazu: Behntausend Pfund Sterling find tein Pappenstiel. Aber man Gelb übrig, wenn es sich um Finanzierung von Streifs und noch ficht, auch die deutschen Bergarbeiter haben noch eine ganze Menge bazu in anderen Ländern handelt. Man wird bei Gelegenheit der nächsten Erhöhung der Bergarbeiterlöhne sich dieses Beschlusses, der deutsches Gelb nach dem Auslande verschleudert, erinnern dürfen." schwunden und wird verfolgt. Ein Postpaketmarder wurde auf frischer Tat am Rönigsgraben ertappt und dem Polizeigewahrsam zugeführt. Straßenpassanten beobachteten dort, wie ein halbwüchsiger junger Bursche von einem dort stehenden Handwagen, der gerade mit Postpateten beladen werden follte, ein Patet fortnahm und damit das Weite uchen wollte. Der hierauf aufmertfam gemachte Hausdiener setzte dem Burschen nach, der auf der Polizei als der erft sechzehn jährige Herbert R. aus der Petersburger Straße festgestellt wurde 42. Abteilung. Die Bezirksführer werden ersucht, zu der am 18526.80 18578.20 18601.70 18648.30 Sonnabend, den 12. August, in den Blüchersälen stattfindenden 22621.65 22678.85 22571.75 22628.25 Verfassungsfeier einzuladen. Freunde und Gönner unserer Partei 1817.70 1822.30 1802.70 1807.80 399.50 400.50 3920.05 8929.95 3855.15 8864.85 866.41 868.59 6966.25 6983.75 117.85 16779.00 10821.00 13588.00 18617.00 1.541 1.50 2162.70 2167.25 60.08 473.60 8875.15 1 Dollar 861.91 8884.85 871.09 100 franzöfifche Frant 1 brasilianischer Milreis. 100 Schweizer Frant. 100 spanische Beietas 100 österr. Kronen( abgest.) 100 tschechische Kronen. 1.50% 2157.30 100 ungarische Stronen. 59.92 100 bulgarische Lewa... 472.40 60.92 484.35 herzlich willkommen. Schwerer Betriebsunfall im Ceunawert. Infolge eines Kurz. [ 1uffes ereignete fich im Bau 14 des Leunawertes bei Merseburg ein folgenschwerer Unfall. Von 10 rbeitern, bie an 118.15 einer Dachtonstruktion beschäftigt waren, wurde einer getötet, die übrigen mehr oder weniger schwer verletzt. 1.541 2172.75 Wetter für morgen. Berlin und Umgegend. Beitweise etwas aufflarenb, aber ziemlich 61.08 fahl und überwiegend bewölkt, mit wiederholten leichten Negenfällen und 485.65 schwachen westlichen bis nordwestlichen Winden. Wer, das meifte Geld nach dem Ausland verschleudert und im Auslande in Sicherheit" bringt, wäre erst festzustellen. Die deuts fchen Bergarbeiter aber werden nicht erst die Unternehmer um Gr laubnis fragen, was sie mit ihrem sauer verdienten Gelde tun dürfen und mas nicht. Sie wissen, daß sie am Ende einmal in die gleiche Lage tommen fönnen, in der sich jetzt ihre amerikanischen Kameraden befinden und dann ihrerseits auf die internationale Solidarität der Bergwertsgewaltigen natürlich sehr unangenehm wäre. Das gibt Bergleute der übrigen Länder rechnen können was den deutschen jedoch dem Soldschreiber der Bergwerts- Beitung" noch lange nicht bie Berechtigung, die deutschen Unternehmer aufzufordern, sich dafür ,, bei Gelegenheit der nächsten Erhöhung der Bergarbeiterlöhne" zu rächen, die deutschen Bergleute durch Stockprügel auf den Magen für ihre Solidaritätsbefundung zu strafen. Die Bergleute würden sich das auch nicht gefallen laffen und diese hämische Scharfmacherei erschwerte höchstens die Berhandlungen. Auch in dieser Uebung zeigt sich ein Wandel. Früher warnte den Gewerkschaften anzubahnen. Auch soll versucht werden, ein Zu 1 bie Maternehmerpreffe vor der Beitragsleistung zur deutschen Berg- fammengehen mit den Betriebsräten der Großbanten, denen des arbeiterorganisation, verdächtigte die Organisation und ihre Führer Reiches und denen von Handel und Industrie herbeizuführen. Nicht und drohte, widrigenfalls" mit Höherhängung des Brotforbs. Das mehr allein Konzentration des Bankfapitals, sondern Konzentration hat sich als nugios erwiefen und nun versucht man es mit der Ber- der ausgebeuteten Banfangestellten führt zum Ziele!" dächtigung der internationalen Bestrebungen. Auch das ist vergeblich. Rene Löhne in Geschäfts- und Industriehäusern. Die Lohnbewegung der Portiers, Heizer, Fahrstuhlführer, Reinemachefrauen ufw. endete vorläufig mit einem Schiedsspruch), den der Schlichtungsausschuß Groß- Berlin am 9. August gefällt hat. Der Schiedsspruch sezt folgende Lohnerhöhungen fest: Für die Zeit vem 16. bis 31. Juli 1922 sollen auf die bestehenden Löhne Zulagen von 175 Mt., für den Monat August weitere 325. pro Woche gezahlt werden, und zwar für alle männlichen Arbeitnehmer die gleichen Beträge. Reinemachefrauen in Geschäftsund Industriehäusern erhalten für die Zeit vom 16. bis 31. Juli 1922 eine Stundenzulage von 2,25 Mr. und für den Monat Auguft eine meitere Zulage von 4,50 Mt. Der Schiedsspruch kann ab Mitte nässter Woche im Bureau, Bayreuther Str. 31, in Empfang genommen werden. Konzentration der Bankangestellten. Man schreibt uns:„ Ein bedeutsames und bahnbrechendes Ereignis ist durch die Zusammenfassung sämtlicher Betriebsräte der Brivat, Klein- und Mittelbanken eingetreten. Dem Rufe des Betriebsrats der Firma Carsch Simon u. Co. waren fast sämtliche Betriebsräte dieser Firmen gefolgt. Es wurde der Arbeitsaus schuß der Betriebsräte der Banfangestellten geschaffen mit der Aufgabe, sofortige Berhandlungen gemeinsam mit Schiedsspruch in der Damenkonfektion. In einer überfüllten Versammlung der in der Damen-, Kindermäntel- und Kostümkonfektion Beschäftigten gab Schindler den Bericht von den Verhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß. 2m 15. Juli wurde den Arbeitgebern die Forderung auf 50 Pro3. Zulage unterbreitet. Am 26. Juli wurde verhandelt, und da er flärten die Arbeitgeber, ur 20 Broz. zulegen zu können. Die Berhandlungen scheiterten. Eine Branchenversammlung am 1. August lehnte ebenfalls die 20 Pro3. ab. Der Schlichtungsausschuß mußte angerufen werden. Beim Termin am letzten Mittwoch sahen auch die Arbeitergeber ein, daß ihr Angebot von 20 Broz. zu niedrig fei; sie wollten nun 30 Proz. ab 7. August zahlen, während in der Herrentonfektion eine Zulage von 40 Broz. erfolgt ist. Die Zulage ab 1. August wollten die Herren Zwischenmeister auch nicht eintreter laffen. Der Schlichtungsausschuß fällte folgenden Schiedsspruch: 25 7. Auguft 40 Broz. Zulage auf alle Zeit- und Stücklöhne, auch für Position 1 bis 3. Im Schlußwort stellte Echindler einige fleine Unrichtigkeiten flar, die sich in der Diskussion ergeben hatten. Ferner geißelte er die Lauheit der Kolleginnen und Kollegen. Würden alle mithelfen am Bau der Organisation, so würden wir auch schneller vorwärtskommen. Bei der Abstimmung ergaben sich 977 Stimmen für und 211 gegen den Spruch. Somit ist der Schiedsspruch ange nommen. 3um amerikanischen Eisenbahnerstreit hat Präsident Harding einen letzten Appell an die Streifenden gerichtet und sie aufgefordert, die Arteit wieder aufzunehmen. Gegenwärtig sind nur die Werkstättenarbeiter im Ausstand. Die Führer von 16 Eisenbahngewerkschaften sind zusammenberufen worden, um über die Eröffnung einer Sympathieaktion für ihre ftreibenden Kollegen zu beraten. allgemeine Funktionärfonferenz der chemischen Industrie im Saal 4( Großer Saal) Achtung Funktionäre der chemischen Industrie! Morgen nachmittag 5 Uhr des Gewerkschaftshauses. Engelufer 25. Berichterstattung von den legten Berhandlungen über die Auguftlöhne. Zutritt haben alle freigewerkschaft ich organisierten Funktionäre. Legitimationstarte und Mitgliedsbuch find vorzuzeigen. Verband der Fabritarbeiter. Die Branchenleitung. Porass's Kinder- und Fraukaunahrung ist sehr ergiebig und billig! In der Diskussion wurde verlangt, neue Forderungen aufzu stellen. Besonders beschäftigte man sich mit einzelnen 3wischenmeistern und verlangte daher festeren Zusammenschluß aller Heimarbeiterinnen. Der Schiedsspruch genüge lange nicht, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Neue Forderum- Berantw. für den redatt. Teil: Franz Klühs. Berlin- Lichterfelde; für An gen seien unvermeidlich. zeigen: Th. Glede, Berlin. Berlag Vorwärts- Berlag G. m. b. S.. Berlin. Drud: Bormärts- Buchdruderei u. Berlagsanftalt Baul Singer u. Co., Berlin, Lindenstr. 8. Neu eröffnet Volksschuhhaus ISMA SO, Köpenicker Straße 68, Nähe Brückenstraße ( im Hause des Neuen Volkstheaters). Wir führen nur erstklassige Fabrikate in besten Qualitäten und verkaufen nach unserer Devise: ,, Die billigen Preise dem Volke". Ueberzeugen Sie sich selbst!- Besichtigen Sie unsere Schaufensterauslagen! 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