Nr. 411 39.Jahrgang Ausgabe B Nr. 199 Bezugspreis: Für den Monat September 200,-, Doraus zahlbar. Unter Kreuzband fülr Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, sowie Desterreich und Luxemburg 248,- M, für das übrige Ausland 282,- M. Poftbestellungen nehemn an Belgien, Dänemark, England, Efthland, Finnland, Frankreich, Holland, Lettland, Luxemburg, Defter reich, Schweden, Schweiz, TschechoGlowatei und Ungarn. Der Vorwärts" mit der Sonntagsbeilage Bolt und Zeit", der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und der Beilage Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonn tags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin" Abend- Ausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 2 Mark Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile foftet 40,- M. Reflamezeile 180,-. „ Aleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 12, M.( zuläffig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere. Bort 10,-. Stellengesuche und SchlafStellenanzeigen das erste Wort 7.- 902., jedes weitere Wort 5,- M. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familien- Anzeigen für Abonnenten 8eile 15,-. Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 42 Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Lindenftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachmittags. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 und 2506-2507 Donnerstag, den 31. August 1922 Kurze Vertagung in Paris. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Berlag, Haupregpedition n. InseratenAbteilung: Dönhoff 2506-2507 Der Betriebsrat als Kontrolleur. Von Kurt Heinig. Die Reichsregierung ist über die Entwicklung der Repa-| den Stellen ber afflierten Mächte und den liefernden Syndikaten, Berliner Arbeiterbewegung Bastionen zu errichten, an denen rationsfrage im Laufe des heutigen Vormittags nicht unter- vertreten durch die Herren Hugo Stinnes, Beter Radner, richtet. Bekannt ist in amtlichen Stellen nur, daß die für übfen und Silverberg unter Beteiligung der Reichsregie heute vormittag geplante Sihung der Reparationsfommiffionies baben vor. Die Berhandlungen über die Lieferungen von rung, aufgenommen werden und schlägt als Verhandlungsort auf nachmittags verlagt wurde. Nach wie vor isto 13 fönnten sich dann unmittelbar an die über die Kohlen anjeder Optimismus über den Gang der Entscheidung unange- fchließen, nachdem sie in entsprechender Weise durch Erörterungen bracht. Die Uneinigkeit, die sich in London zeigte, hat inner- zwischen der Reichsregierung und den Produzenten vorbereitet sind. halb der Reparationsfommission ihren Fortgang gefunden Die Weiterführung der Berhandlungen mit den Industriellen hat und wird jedenfalls zum Schaden Europas vorläufig eine Bei- natürlich legung nicht finden. nur dann einen Zwed, Die große Preffe der Ententeländer sagt den weiteren wenn uns die Reparationstommiffion wenigstens einen Finger Verhandlungen der Reparationsfommission einen sehr un- eig dafür geben kann, ob überhaupt Aussicht besteht, daß man günstigen Berlauf voraus; das Moratorium werde abge lehnt werden, weil Deutschland wie wir bereits ge meldet haben die verlangten Garantien nicht gebe. Nach glaubhaften Pariser Meldungen hat die französische Re gierung in Brüssel angefragt, wie sich die belgische Regierung zu französischen militärischen Maßnahmen gegen Deutschland verhalten würde. Nach dem Pariser„ Deuvre" hat der stellvertretende amerikanische Delegierte in der Reparationskommission, Logan, gestern das Wort genommen, um das belgische Projekt Theunis zu unterstützen. Er erklärte, daß, wenn Amerika in diesem Augenblick auch nicht offiziell in die Debatte eingreifen könne, es sich doch vorbereite, im Novem ber bestimmte Vorschläge zu machen. Ein System, das die Rechte Belgiens aufrechterhält und diese allein stehen gegenwärtig in Frage, müßte unbedingt angenommen auf der Grundlage diefes Gedankens zur Gewährung des beantragten Zahlungsauffchubes bis Ende 1922 tommen tann. man fann nicht verlangen, daß etwa jetzt schon fertige Lieferungs. perträge vorgelegt werden, ohne daß man weiß, wohin derartige Berhandlungen führen. Wenn die Reparationsfommiffion der Anficht sein sollte, daß der ganze Gedante der Lieferungen nicht aus reiche, um den Zahlungsaufschub zu gewähren, so würde die deutsche Regierung nicht die genannten Industriellen zu Reifen und zu Ginzelverhandlungen veranlassen. Es muß wenigstens eine Siche fungsauffchub für den Fall bewilligt, daß über die Einzelrung dafür gegeben sein, daß die Reparationstommission den Zah heiten noch eine Berständigung erzielt werden wird. Ich bitte daher die Reparationstommission, mir zunächst eine Antwort auf die Frage zu geben, ob der Gedante der Lieferungsverträge geeignet erscheint, als Bedingung für den Zahlungsaufschub zu dienen. Wird diese Frage verneint, dann hat die Verfolgung dieses Gedanfens feinen Zwed. Wird die Frage grundsäßlich bejaht, so fönnen die Einzelverhandlungen mit den genannten Industriellen Das" Deuvre" erklärt, daß der einzige Lösungs- fofort aufgenommen werden. vorschlag, der noch in Betracht komme, der belgische sei, aber von diesem wolle Poincaré nichts wissen. Wenn aber heute in der Reparationsfommission zuerst über diesen Antrag abgestimmt würde, so würden England, Italien und Belgien dafür stimmen, womit der Antrag angenommen wäre. In diesem Falle würde die Erörterung unter brochen werden, damit Deutschland Zeit hätte, die Ent scheidung der Reparationsfommission anzunehmen, und damit Boincaré Zeit hätte, sie abzulehnen. Wenn aber der belgische Vermittlungsvorschlag nicht als erster zur Abstimmung fäme und die Delegierten sich zunächst über das Mora torium auszusprechen hätten, dann erscheine der Bruch sicher. werden. Die Lieferungsverträge. Paris, 30. Auguft.( WTB.) In der heutigen Nachmittags. fizung der Reparations tommiffion führte der deutsche Bevollmächtigte Staatssekretär Schröder folgendes aus: Als bei den informatorischen Besprechungen mit Sir John Bradbury und Herrn Mauclère deutscherseits der Vorschlag gemacht wurde, die Holz- und Rohlenlieferungen durch privatrechtliche Ver träge unmittelbar mit den Lieferanten zu sichern, hatte vorher mit einem gerade in Berlin anwesenden Bertreter der Kohlen. industrie gesprochen werden fönnen, der grundsätzlich einver standen war. Die Anregung der deutschen Regierung geht dahin: Es sollen feste Lieferungsverträge zunächst bis Ende 1923 Diese Antwort wird wohl heute nachmittag gegeben werden. Dollar: 1700-1725. In Berliner Finanztreisen war heute vormittag bekannt, daß die Dinge in Paris sich in einem für Deutschland wenig günsti gen Sinne entwideln. Allerdings war man der Meinung, daß die in fenfationeller Aufmachung gebrachte Meldung eines hiesigen Vormittagsblattes:„ Die deutschen Borschläge abgelehnt", nicht völlig zutreffend sei. An der Börse herrscht sogar über diefe Stimmungsmache eine gewisse Entrüftung. Im Bormittagsverkehr zog der Dollar zeitweilig bis 1800 an. An der Börse bewegte sich der Kurs gegen Mittag zwischen 1700 und 1725. Die hiesige Spetulation ist der Meinung, daß heute in Paris doch immerhin noch ein Moratorium auf furze Frist, wenn auch unter schweren Bedingungen zustande fommen werde. Man nimmt an, daß der belgische Bor fchlag vielleicht mit gewiffen Abänderungen angenommen wird. Die Börse verhält sich naturgemäß infolge der noch herrschenden Ungewißheit sehr zurückhaltend. Das zeigt fich besonders an den Effettenmärtten, wo außerdem die anhaltende Geldknappheit das Geschäft start unterbindet. Selbst am Markte der Auslandsrenten und sonstigen Balutapapiere war die Bewegung heute nicht mehr so stürmisch wie gestern. Die Kommunisten versuchen wieder einmal, innerhalb der fich der Strom der zunehmend einheitlicher werdenden ArLeiterbewegung von neue m zerspalten soll. Diesmal sind es die Betriebsräte, die als Hebel benutzt werden. Die Betriebsräte sind eine alte Liebe der Kommunisten. Aus einem ganz einfachen Grunde: Die Gärung unserer Zeit ließ überall dort, wo Arbeiter oder Angestellte tätig sind, den alten Gegensatz zwischen politisch und wirtschaftlich Interessierten und Gleichgültigen verschwinden, Auch der Letzte wurde in den Strudel der täglich wechselnden Zeitfragen und Tagesprobleme hineingezogen. Aus diesem Chaos wuchs mit der fommunistischen Bewegung der Betriebsrat hervor. Kern des Betriebsrätegedankens aber in anderer Richtung, als Die deutsche Arbeiterbewegung entwickelte den gefunden manche seiner Bäter erhofft hatten. ist ein Ehrenmal der sich ihrer Ziele, ihrer Macht und Das Betriebsrätegeset, trotz aller seiner Mängel, der gegnerischen Kräfte bewußten Arbeiterbewegung. Es ist ein Stüd Eindringen in die bis dahin dem Arbeiter völlig fremde Organisation der kapitalistischen Wirtschaft. Sicher hat das Betriebsrätegesetz reichliche Mängel. Sie zu beseitigen ist die Aufgabe der Arbeiterbewegung, der Gewerkschaften und der sozialistischen Parteien. Für den einzelnen Betriebsrat ist sein Aufgabenkreis durch das Gesetz vorgeschrieben. Im Rahmen des Gesetzes ist er ein bedeutungsvoller Vorposten im Kampfe der breiten Massen, stellt er fich neben das Gefeß, das ihn geboren hat, dann handelt er, sagen wir höflich, reichlich unvorsichtig, denn er fägt den Ast ab, auf dem er sitzt. Die Kommunisten wollen dennoch immer wieder aus dem Betriebsrat eine eigene Einrichtung des Klaffentampfes machen. Der Betriebsrat ist ihnen ein Mittel zum pon litischen Rummel Man lese doch einmal mit einiger Ueberlegung, was die geftrige fommunistische Betriebsräteversammlung alles tun will. Sie ist für Selbsthilfe, sie möchte die Erhöhung der Löhne für alle Industrien einheitlich und zentral durch fämpfen, dabei sollen die Preise reguliert werden, die Produktion ist zu kontrollieren. Das gleiche soll mit der Berteilung aller Güter geschehen, und der Betriebsrat soll auch der Wohnungsnot steuern. Das ist für den Betriebsrat, der heute in jedem Unternehmen, zumal in größeren Betrieben, für seine Kollegen und Kolleginnen die unentbehrliche und meist überbelastete Hilfe in allen An gelegenheiten des Arbeitsverhältnisses ist, etwas reichlich. Die Kommunisten meinen, dennoch sei ihr Programm leicht durchzuführen. Man bildet Rontrollausschüsse, diese regulieren die Preise, überwachen die Produktion und kontrollieren das ganze Wirtschaftsleben des Reiches. Sollte man es für möglich halten, daß solch ein Unsinn auch nur ein Dußend Anhänger zu gewinnen vermag? Damit den Betriebsräten der Kopf völlig verdreht wird, ist weiter vorgeschlagen, daß sie das Bant- und GeschäftsAuf dem Wege zur Einigung. geheimnis durchbrechen sollen, daß sie in den Apparat Die Einigungsverhandlungen zwischen der Sozialdemo- und daß sie die Beschlagnahme und Verteilung aller Lebensder Stadtverwaltung und Länder einzudringen haben und die für diese Zeit festgefeßten Beträge in der gleichen Weife frafischen Partei und der Unabhängigen Sozialdemokratischen mittel, Kleidungsstücke, Textil- und Lederwaren, Kohlen und abgeschlossen werden, in der sonst im geschäftlichen Verkehr solche Partei find in gutem Fortgang begriffen. Es wurde bereits Bohnungen leisten sollen. Außerdem haben sie alles zu Lieferungsverträge abgeschlossen zu werden pflegen. Es würden bekanntgegeben, daß die beiden Barteivorstände fchon vor überwachen, was in die Städte auf der Eisenbahn heranrollt, hierbei insbesondere auch die im geschäftlichen Berfehr sonst üblichen mehreren Tagen den Beschluß faßten, ein Aktionsprogramm die Lurusproduktion ist Iahm zulegen, und die LurusSicherungen vorgesehen werden fönnen. Ein solches Verfahren auszuarbeiten, das am 3. September beraten werden soll. gaststätten sind von den Betriebsräten zu schließen. würde einen sehr erheblichen Unterschied gegenüber dem bisherigen nunmehr haben fich die unabhängigen Sozialdemokraten entdarstellen. Bisher mußte die deutsche Regierung die von Zeit zu Da die tommunistischen Berliner Betriebsräte- selbstZeit durch die Reparationstommission festgesetzten Lieferungen auf fchloffen, mit Rücksicht auf die Verhältnisse ihren Parteitag, die Produzenten verteilen und von ihnen die Lieferung fordern. der ursprünglich auf den 1. Oftober angefeht war, auf den verständlich zur Tatkraft der gewerkschaftlichen SpitzenEine solche Forderung fonnte mit den privaten, sonst über. 20. September vorzuverlegen. Der unabhängige organisationen tein Zutrauen haben, wurde ein Ausschuß nommenen Verpflichtungen für Lieferungen foflibieren, und Parteitag findet in Gera flatt, auf seiner Tagesordnung steht von 15 Personen bestellt. Das soll wohl die Keimzelle der es fonnten sich infolgedessen bei der Disposition über die produ- hinter dem Geschäftsbericht und dem Bericht der Reichstags- Rontrollausschüsse werden. Die fünfzehn Männecken haben zierten Mengen für die Produzenten erhebliche Schwierigkeiten fraktion als besonderer Punkt„ Einigung des Prole innerhalb von vier Wochen einen Reichsbetriebsrätekongreß für die Möglichkeit der, Reparationslieferung ergeben. Wire da fariats". Referenten sind Crifpien und Ledebour. einzuberufen, zu dem die Delegierten durch Urwahl aus den gegen ein unmittelbarer Lieferungsvertrag von den Produzenten Die Zahl der Delegierten ist auf 200 feftgefeht, die ursprüng- Betrieben selbst hervorgehen sollen. fofort für die sämtlichen Lieferungen bis Ende 1923 übernommen, In simples Deutsch übersetzt heißt das doch: Da die Ge dann haben die Lieferanten bei der Uebernahme sonstiger Liefe lichen Wahlfermine werden beibehalten. rungsverpflichtungen diese von ihnen freiwillig übernommenen Wenn die beiden Parteitage in den politischen Fragen Instanz, wertschaftsinstanzen völlig versagt haben, greift die Arbeiterprivatrechtlichen Reparationsverpflichtungen von vornherein und in der Frage der Einigung des sozialistischen Proletariatschaft zur Selbsthilfe: ste wählt eine Inst a nz, bereitet einen zu berücksichtigen und können ihre Gesamtdispofitionen hiernach zu übereinstimmenden Beschlüffen kommen, dann soll die Mög- gleiche, geheime und direkte Wahl zustande zu kommen hat. Reichstongreß von Instanzen vor, der durch allgemeine, treffen. Dann ist eine lichkeit gegeben fein, daß am Sonntag, den 24. September, Diese Ober instanz, die gegen den Willen der Instanzen unmittelbare und bedingungslose Gewähr eine gemeinsame Tagung beider Parteien stattfindet, als deren Ort Nürnberg in Aussicht genommen ist. der Durchführung gegeben, ebenso wie für jeden anderen privat. rechtlichen Lieferungsvertrag. Die deutsche Regierung hat dann sofort maßgebende Vertreter ber Rohlenindustrie nach Berlin zufammenberufen und hat mit thnen ein grundsägliches Einverständnis darüber erzielt, die Ber handlugnen dahin fortzuführen, daß die Lieferungen durch privat wirtschaftliche Organisationen übernommen werden. Hierbei wur ben bie Formulierungen über die Einzelheiten noch nicht aufgestellt. Man ist vielmehr davon ausgegangen, daß es sich sehr empfiehlt, diefe Formulierungen alsbald in Verhandlungen mit den abneh menden Stellen der alliierten Mächte zu suchen. Die deutsche Regierung schlägt deshafb vor, daß sofort zu diesem Swede unmittelbare Berhandlungen zwischen den abnehmen. Bern, 31. August.( Tul.) Die Leitung der sozialistischen Partei der Schweiz hat an das in Frankfurt tagende Erekutivkomitee der Wiener Arbeitsgemeinschaft eine Erklärung gesandt, in der es heißt, die Bereinigung der USB. mit der Sozialdemokratischen Bartet Deutschlands bedinge die Uebertragung dieser Einigung auf internationalen Boden. Keinesfalls jedoch schließe die Gelb ständigkeit der Wiener Arbeitsgemeinschaft die Möglichkeit einer internationalen Bereinigung zur gemeinsamen Aktion mit anderen internationalen Klaffenorganisationen aus, sofern es sich um die Durchführung sozialistischer Been unb Ideale handele. einzuberufen ist", wird dann, na, was wird sie schon? Sie wird ein Programm aufstellen. Und mit diesem Programm wird eine Ober- Oberinstanz des Reichsfongreffes zur Regierung gehen und die beschlossenen Forderungen mehr oder weniger höflich vorlegen. Oder meinen die kommunistischen Drahtzieher, daß die von ihnen gerufenen Betriebsräte nach dem Kongreß wieder nach Hause fahren und die Belegschaften, die sie zur Tagung gesandt haben, mit beschlossenen Resolutionen fattfüttern sollen? Oder meint man gar nichts, sondern lebt in der Hoffnung, daß verdrehte Köpfe am ehesten politisch mild werden? Eines ist bei den Forderungen der Betriebsräte sicher richtig! Die deutschen Arbeiter leiden heute entsetzlicher als je unter der Entwertung der Mark, dem Wucher aller Säu!>ecUNtt Ößt Ksid�&tüßhr— Lebensmittel, kurz der Not ihrer sozialen Lage. Sie kämpfen_ f• unter dem Aufgebot all ihrer organisierten Kräfte gegen den' Rcpuvukanern. Sturz in das volle Elend. Erfahrene Leute, die in jahrzehnte- i Im Reichswehrregiment Nr. 18(Paderborn), langem Kampf eine schwere Schulung durchgemacht und sich dessen Durchznarsch durch Kassel mit klingender Musik am Tage das Vertrauen der breiten Massen erworben haben, drängen � nach der Beisetzung Rathenaus seinerzeit den Protest aller überall unter dem natürlichen Schwergewicht und der Be-.drei Koalitionsparteien hervorrief, fühlten sich eine Anzahl deutung der Massen, die hinter ihnen stehen, auf Abhilfe.! r e p u b l i k a n i s ch gesinnter Soldaten durch das mo n- Ueberau sind sie am Werke. Sie haben wohl vor den neu- Zarchistische Treiben ihrer Vorgesetzten bedruckt. Sie backenen„Instanzen" ein?? voraus: sie wissen in der Wirtschaft! verfaßten eine Veschwerdeschrift, die etwa 60 von ihnen unter- Bescheid, sie kennen das Material, aus dem sie aufgebaut, sie! zeichneten und die folgende Punkte betraf: kennen die Gegner. Wenn es nur darauf ankäme, radikale � Am 27. Januar 1922 wurde in der Senne bei Paderborn des Forderungen zu stellen, sie schriftlich zu fixieren und sie im � früheren Kaisers Wilhelm II. Geburtstag gefeiert. Hierbei nahm Bedarfsfall, sagen wir einmal, in ehrlichem Glauben an ihren! Teil u a. Feldwebel Risse von der ersten Kompagnie. Beim Wert und ihre Kraft, in Versammlungen zu begründen,� Verlaus der Feier ja hinauszuschreien, wenn damit ihre Wirkung schon gewähr-! geh genannter Feldwebel die Monarchie hochleben. leistet wäre— die kapitalistische Gesellschaft b est ü n d e! Oberschützen B. und K.(Namen im Original ausgeschrieben. längst nicht mehr. Mit Reden und mit Resolutionen ist noch kein Wucherpreis, kein Syndikat und noch kein Gegner, der reale Macht hinter sich hatte, umgeworfen worden. Aber die Kommunisten haben ja das„Rezept". Wir zitierten es oben schon. Wie soll nun der Betriebsrat im ganzen Reiche einheit- lich und zentral die Löhne erhöhen? Er wird sich a n s e i n e G e w e r k s chji f t wenden, ohne sie ist er ein politischer Red.), welche zufällig anwesend waren, weigerten sich, in den Ruf mitauszubrechen, worauf Feldwebel Risse g?gen die beiden tätlich vorgehen wollte. Erst als Risie aus dem Lokal entfernt war, tra: Ruhe ein. Ferner trägt Risse noch heut« auf der Ausgehmütze den schwarzweißroten Adler, ebenso die Herren Hauptmann Walter, Leutnant Stein, sowie die Oderschützen B a m b a ch, Gertner. Kröger, Ulrich, Hartmann und Funke der ersten, Oberschütze Schlegel und R o t h der vierten und Schütze Hanswurst Wie soll der Betriebsrat die Preise regulieren, M e i n i ck e der dreizehnten Kompagnie. Wir können es nicht oer- wie wurden sie im sowjetglücklichen Rußland reguliert? So weit wir uns erinnern können, machte man dort zu diesem Zweck Gesetze, mit dem allerdings bedauerlichen Erfolg, daß sie auf dem Papier stehen blieben. In Deutschland haben mir bisher immer noch Gesetze gemacht, die einigermaßen zur Geltung gekommen sind. Das ist der bescheidene Unterschied. Und nun die Kernfrage? Wie soll der Betriebsrat die Pro- duktion kontrollieren? Soll er etwas kontrollieren, was er nicht versteht? Oder versteht er es heute schon, die Produktion zu kontrollieren? Es mag so eindeutig wie möglich ausgesprochen werden:. Der Betriebsrat hat bisher in der kurzen Zeit seiner Existenz� sehr viel gelernt. Er hat es verstanden, die Interessen seiner stehen, daß dieses trotz des Verbotes möglich ist. Feldwebel Risse hat auf seiner Stube das Bild des Exkaisers hängen, darunter das Bild des Reichspräsidenten Ebert in der Bade- hose, das er sich irgendwo ausgeschnitten hat. Nach unseren Anschnu- ungen bedeutet dies eine direkte Verhöhnung des Herrn Reichspräsi- denten. Wie ist es fernerhm möglich, daß noch auf verschiedenen Stuben schwarzwcißrote Fahnen und Kaiserbilder hängen? Es ist doch un- möglich, daß der Herr Kompagniechef dies« Zeichen monarchistischer Gesinnung noch nicht gesehen hat, da d'e Kompagnierevier« doch öfters kontrolliert werden. Ebenso findet man im Kameradschaftsheim nur rechtsstehende Zeitungen, die Ne Maßnahmen der Regie- rung ins Lächerliche ziehen. So lag z. V. die Nummer des, Kladde- radatsch" vom S. August 1S22 aus, in der fast jedes Bild eine Be- spöttelung und Verhöhnung der Regierung ist. Statt daß diese Zel- tungen verboten und dafür Blätter mit einwandfreien Artikeln be- schafft würden, unterstützt diese Sache auch noch der Herr Bataillons- kommandeur, Herr Oberstleutnant Hahn, indem der Herr Oberst- leutnant die Zeitungen noch selbst beschafft. Wir finden es fernerhin unvereinbar mit dem Treufchwur auf die Republik, daß bei der Einweihung des Unkerofflzierkasines das Lied„heil dir im Siczerkranz" Kollegen zu oertreten. Viele Betriebsräte haben auch schon einen wertvollen Einblick in die Produktion bekommen, den sie vorher nicht hatten. An diesem Gewinn ändert auch der Umstand nichts, daß so mancher Betriebsrat, der in der Beleg- schaftsverfammlung fabelhafte Reden zu halten vermochte, durch eine gewöhnliche Unternehmerzigarre oder durch eine Mark Extrazulage plötzlich allerlei Einsichten und mancherlei � Verständnis für kapitalistische Produktion bekommen hat. Der � Betriebsrat ist dennoch für die Arbeiterbewegung ein unge-. heuerlicher Gewinn, der in seiner Auswirkung nicht leicht� überschätzt werden kann, weil er mit beiden Füßen in der� r'(I' ,ch' i_m lebendigen Körper der Wirtschaft steht, qesungen wurde. Als vor einiger Zeit die erst« Kompagnie vom Jeder Betriebsrat, der das erkannt hat, wird es weit von sich j zur Kaserne zurückkehrt«, stimmten die Oberschützen Gert- weisen, von morgen ab gezwungen zu sein, die„Produktion-------—--...— zu kontrollieren". Wer nicht aus eigenem zu dieser Erkennt- nis gekommen ist, hat am russischen Beispiel gesehen, daß die Kontrolle der Produktion nicht so einfach ist. Dort ist die Sowjetregierung selbst zum verruchten kapitalistischen System der hochbezahlten Direktoren und Organisatoren zurückgekehrt. Die deutschen Arbeiter wollen diese Umwege nicht mit- machen. Deswegen, so hoffen wir, werden sie in ihrer über- wältigenden Mehrheit den kommunistischen Betriebsrätelärm als das sehen, was er wirklich ist: als einen Versuch, an der flammenden Not des Proletariats ein übles kommunistisches Parteisüppchen zu kochen. Der Betriebsrat ist einGlied derdeutschenAr- b e i t e r b e w e g u n g. In ihr hat er bedeutende Funktionen. Mit ihr wird er auch in Zukunft etwas sein, ohne sie ist er haltlos, bedeutungslos und für den Kapitalismus eine lächer- liche Vogelscheuche, die von Gnaden der Unternehmer lebt. Teuerungskrawalle in Braunschweig. In Braunschweig kam es nach Meldung der TU. im Anschluß an eine von den freien Gewert-' schaften veranstaltete Teuerungsdemonstration zu Ausschreitungen in.... und vor der Markthalle, die geschlossen werden mußte. Die Polizei fast acht Tagen noch sitzt. Das Regiment hat den Gefreiten ner, Bambach und Funke das Lied„Stolz weht die Flagge schwarzweißrot" an. Einige Leute, die sich das oerbaten, erhielten zur Antwort: „hier marschiert die Reaktion, wenn wir erst soweit sind, treten wir mit Füßen". Was damit ge- meint ist, steht außer allem Zweifel. Erst heute wieder trug Ober- schütze Gertner auf seiner Dienstmütze den schwarzrotgoldenen Adler umgekehrt. Auf die Frage, was das bedeute, gab Gertner zur Ant- wort: „Wir stürzen die Republik". Die monarchistischen Elemente scheinen starke Rückendeckung zu haben, denn sonst würden sie sich nicht so offen zeigen. Jünger« Ka- meraden, deren Eharakter noch nicht so gefestigt ist, werden dadurch nur geschädigt und wankelmütig, zum Nachteil der Republik. Der Erfolg war ein außerordentlicher. Der Hauptmann Schienemann von der 1. Kompagnie ließ die Leute, die das Schreiben unterschrieben hatten, in seiner Gegenwart oer- nehmen. Der Gefreite Schulze wurde von ihm gefragt, ob er das Schreiben geschrieben habe; hierauf antwortete Schulze als ehrlicher Mensch mit ja; darauf wurde er sofort fest- genommen und in Arrest geführt, wo er heute nach verhinderte Plünderungen. ! Schulze der Staatsanwaltschaft übergeben wollen, diese Uehnte jedoch ab, weil sie keinen Grund hierfür I fand; trotzdem wurde Schulze in Arrest behalten. Die übrigen Soldaten, die unterschrieben hatten, wurden mit Zuchthaus und Degradierung bedroht. Herr Reichswehrminister G e ß l e r, der sich über„Lügen- Propaganda gegen die Reichswehr" beschwert, nimmt vielleicht diesen Fall zur Kenntnis. Er sieht daraus, wie gut es Re- publikaner in seiner Reichswehr haben! Staatsbürgerliche Erziehung! In einem Erlaß, den das thüringische Ministerium für Volksbildung an die thüringische Lehrerschaft richtet, heißt es: Der Staat fordert von der Lehrerschaft die staatsbürgerliche Erziehung der üugend im Geiste der Republik. Die neue republi, konische Schule erfordert ein neues republikanisches Lehrergeschlecht. Die Republik wird rücksichtslos ein- schreiten gegen die, die ihr Amt zu monarchistischer und anti- republikanischer Beeinflussung der Jugend mißbrauchen. Künslig wird kein Schulaussichlsbeamler ernannt und kein Schul- leilcr bestätigt werden können, der nicht die unbedingte Gewähr dafür biete!, daß er als überzeugter Republikaner dazu imstande ist, positiv im Sinne des republikanischen Skaatsgedankens inner- halb der Schule zu wirken. Schulaufsichtsbeamten und Schul- leitern, die diese Gewähr nicht bieten, wird die Weiterausübimg ihrer Schulaufsichts- und Schulleitertätigkeit entzogen werden müssen. Es handelt sich um den Ausbau unserer Schule zu einer Schule der Republik, der Freiheit, der Selbstoerantwortlichkeit, der Vöikeroersöhnung, der reinen Menschlichkeit und der sozialen Ge- rechttgkeit. Ferner ordnet der Erlaß an, daß die Bilder sämtlicher Monarchen, Heerführer usw. sowie sämtliche Symbole der Monarchie aus den Schulräumen zu entfernen sind.— Zur Nachahmung den anderen Länden empfohlen! Thüringen ist freilich ein Land mit sozialistischer Mehrheit und Regierung. » Die a n h a l t i n i s ch e Staatsregierung hat einen Bortrag des Berliner Hetzprofesiors Dr. R o e t h e, den die Deutschnationale Partei in Dessau angekündigt hatte, auf Grund Z 14 des Reichs- gesetzes zum Schutz der Republik oerboten. Dos Verbot wird damit begründet, daß Professor Roethe in Dessau als ein Redner bekannt ist, der bei seinen Reden in schwerster Weise den inneren Frieden gefährdet, die republikanische Staatssorm beschimpft und die Mitglieder und Einrichtungen der republikanischen Regierungen beschimpft und verleumdet. Er hat in einer Versammlung der Deutschnationalen Volkspartei in Dessau am 19. April 1921 von einer„ehrlosen Rationalver- s a m m l u n g", von«inem„deutschen Halunkenparla- m e n t" gesprochen und ferner in unmittelbarem Anschluß an die demokratische Verfassung gesagt,„di« Novemberdemokraten, die auch anders konnten, seien keine Deutschen, wer die Massen nicht verachte, werde sie nicht beherrschen". Er hat serner von der Negierung gesagt, sie kenne keine Verantwortung, das preußische Ehrgefühl in der Regierung sei geschwunden usw. Hier- nach liegen bestimmte Tatsachen vor, die vermuten lassen, zumal die Deutfchnationale Partei seinerzeit diese schwersten Ver- letzungen nicht nur gebilligt, sondern besonders gelobt hör, daß auch in der neuen Versammlung der gleichen Partei mit dem gleichen Redner das gleiche geschieht. Kähne in Freiheit! Wie erinnerlich, hatte in der Sache Kähne die Potsdamer Straf- tammer einer Beschwerde des Verteidigers stattgegeben und die Haft- entlassung des Herrn v. Kähne aus dem Potsdamer Unterfuchungs- gefängnis verfügt, wogegen wiederum die Potsdamer Oberstaats- anwallschaft Beschwerde beim Kammergericht eingelegt hatte. Nun- mehr hat das Kammergericht als letzte Instanz die Beschwerde des Potsdamer Oberstaatsanwalts als unbegründet zurückgewiesen. Kähne bleibt also ans freiem Fuß. Auch sein ehemaliger Förster L a ch e r ist inzwischen ausderHaftentlassen worden. Im übrigen nimmt die Untersuchung in der Totschlagsaffäre Laase ihren Fortgang--- und die Schießerei auf Petzow natürlich auch! Kein Alkoholverbot in Schweden. Bei der Volksabstimmung über ein Al'obolverbot waren 897 521 Stimmen dafür und 937 423 Stimmen dagegen. In den Städten wurden 299 883 Stimmen für und 495 459 Stimmen gegen, aui dem Lande 396 336 Stimmen iür und 531 963 Stimmen gegen ein Verbot abgegeben. Unser Kaiser. Der leutselige Prinz. Als Wilhelm II. noch ein kleiner Prinz war, ging er oft mit seiner Wärterin in den königlichen Gärten von Potsdam spazieren. Eines Tages nahm das scharfe Adlerauge des zukünftigen Monarchen einen alten Gärtner wahr, der vor einem Beete kniete und Tulpen- zwiebeln in die Erde legte. August Plüddecke, so hieß der biedere Greis, hatte über das Gesicht ein großes graues Wolltuch gebunden, dessen Zipfel wie ein paar Ohren von seinem Kopf abstanden. So- gleich riß sich der Prinz von der Hand der Wärterin los, lief auf den Gärtner zu, deutete auf das Tuch und fragte:„Hadd du Weh- wehchm?" Als wäre er vom Blitz berührt, sprang der alte Mann in die Höhe, schlug die Enden semer Holzpantoffeln mit lautem Klappen zusammen, denn er hatte in Neuruppin bei den Dierund- Zwanzigern gedient, und antwortete mit bebender Stimme:„Zu Befehl, Königliche Hoheit, Zahnreißenl Aber jetzt ist es auf einmal vorbei!" Noch ein leuchtender Strahl aus dem hellen Auge des Hohenzollernfprosses traf den Gärtner, dann sprang der Prinz fröh- lich wieder von dannen, begleitet von den heißen Segenswünschen d.'s treuen Untertans. August Plüddecke aber wurde von der Zeit an nie mehr von Zahnschmerzen geplagt und blieb tönigstreu bis an fein seliges Ende. Der Kaiser und se ine Kompagnie. Diese Geschichte ist ausfürlich erzählt in dem N i c o l a I f ch e n Lesebuch für Berliner Gemeindeschulen, gedruckt 1920 (Neunzehnhundcrtzwanzm, im dritten Jahre der deutschen Republik). Sie beginnt mit den Worten:„Die große Leutseligkeit unseres Kaisers, durch die er sich im Fluge die Herzen seiner Untertanen (1929!) eroberte, ist bekannt." Dafür ist der lebende Beweis Wilhelm Tabbert.„Wilhelm Tabbert, ein biederer Pommer, kommt mit einem Geichältswagen du KSniggrätzer Straße in Berlin entlang- gefahren. Plötzlich wird er von hinten angeredet:„Guten Tag, Tabbert! Was machen Sie?" Eine Wendung Tabberts— und er erblickt seinen früheren Kompagniechef, den Prinzen Wilhelm, der ihn im dichtesten Straßengewühl erkannt hat. Wie leuchteten da Tabberts blaue Augen!" Sieben Jahre später wied-rholt sich der Fall. Tabbert sitzt als Kutscher auf einem Bierwagen.„Ein Blick des(damaligen) Kronprinzen genügt: Tabbert ist«rkann» Sofort winkt er ihn zu sich und reicht ihm vom Pferde herab die Hand."— Dann bei der Silberhochzeit Wilhelms II., als die Kaiserkompagnie im Schloßhof antritt, ist Natürlich Wilhelm Tabbert ebenfalls zur Stelle, wird erkannt und durch besondere kaiserliche Huld ausge- zeichnet. Die Erzählung endet in dem Lesebuch für unsere jungen Republikaner:„Tabbert lebt heute als angesehener Hausbesitzer und Gastwirt in Weihensee." Aber der eigentliche Schluß fehlt noch, darum sei er hier nach- getragen. Es war In der Rooembernacht 1918, da Wilhelm sich anschickte, von Belgien nach Holland zu verreisen. Bon einem plötzlichen Darmleiden gepackt, stürzte er aus seinem Zimmer und einen dunklen Gang entlang. Da stieß er plötzlich gegen einen alten Kriegsfrei- willigen, der vor den kaiserlichen Gemächern Wache stand. Und obgleich es so dunkel war, daß man die Hand vor den Augen nicht sah, erkannt« der Monarch doch auf der Stelle Wilhelm Tabbert, redete ihn bei seinem Namen an und trug ihm auf, Berlin zu grüßen. Mit schluchzender Stimme und Tränen in den blauen Auqm ant- wartete der biedere Pommer:„Auf baldiges Wiedersehn, Majestät!" Jetzt wohnt Wilhelm Tabbert wieder in Weißensee, hat noch zwölf Häuser mehr und eine Likörfabrik mit starkem Export und ist Vorsitzender der deuffchnationalen Ortsgruppe. Als Beiträge für das neue Bolksfchullesebuch geliefert von T h. A. G. Quarkkeulchen. Der heißeste Fleck der Erde. Die höchste Temperatur, die auf der Erde überhaupt gefunden wird, lastet aus einer öden tiesliegenden Ebene in Kalifornien, die das Todcstal genannt wird. Dieser heißeste Fleck der Erde, der etwa 29 Kilometer breit und 259 Kilo» meter lang ist, hat nach d«r Schilderung in einem New Parker Blatt eine Höchsttemperatur von 169 Grad Fabrenheit, jedoch auch um Mitternacyt noch zeigt das Thermometer 129 Grad Hige> Die Erde wird hier im Sommer unter der Einwirkung der Sonnenstrahlen so heiß, daß man sich die Hand verbrennt, wenn man emen auf dem Boden liegenden Stein oder ein Stück Eisen berührt. Aus diesem Gebiet erhält die Welt die größte Menge Borax. Bis vor kurzem mußte dieses werwolle Salz durch besonders erbaut« Lastkraftwagen zu der etwa 399 Kilometer entfernten nächsten Eisen bobnstation gebracht werden. Das Gewinnen des Borax und der Abtransport gehören zu den schwierigsten Arbeiten. Man hat Wagenführer tot aufgesunden, die noch eine Flasche mit Wasser in der Hand hielten. In wenigen Stunden wird das Wasser, dos in Gesäßen mitgeführt wird, so stark erhitzt, daß es zum Sieden kommt. Die Ingenieure baden nun ein erftaunliäics Stück Arbeit geleistet, indem sie dieses Tal des Todes und der Hölle durch ein« Eisenbahn mit der Außen- weit verbanden. Dazu bedurft« es der Anlag« von Eisenbahn- viadukten, die viele Kilometer lang sind iwd aus starken Balten ge- zimmert wurden. Der furchtbarste Feind bei dielen Arbeiten war die erbarmungslose Sonne. Man kann sich von ihrer Einwirkung eine unaesähr« Vorstellung machm, trenn man hört, dab ri' Schreibtisch, der für einen Ingenieur hingestellt wurde, durch die Einwirkung der Hitze in wenigen Tagen in Stücke zerfiel. Durch sie Eisenbahn ist die Boraxgewinnung sehr erleichtert, sie erfolgt in einem Ausmaß von drei Millionen Tonnen jährlich. Die Kinderlähmung. Aus Marburg(Lahn) wird geschrieben: Seit einiger Zeit ist hier in der Umgebung die spinale Kinder- lähmung epidemisch geworden. An 59 Fälle sind bereits zu ver- zeichnen. Die Schulen sind geschlossen, di« Kindergottesdienste ein- gestellt, und die Behörden warnen Leute, in deren Familien dies« Krankheit austritt. Kinos, Versammlungen usw. zu besuchen, um die Krantheitskeim« nicht zu übertragen. Di« Ansteckungsgefahr ist sehr groß. Auch Erwachsen« sind schon betroffen. Der Erreger ist noch unbekannt. Mit Vorliebe werden von der Krankheit Kinder im Alter von 2 bis 4 Jahren befallen. Sie zeigen keinen Appetit, sind außergewöhnlich reizbar und schreien bei der geringsten Be» rührung. Im Anschluß an groß« Schweißabsonderungen bei 39 und 49 Grad Fieber treten dann für diese Krankheit besonders charak- teristische Lähmungen ein. Erstmal'g ist die spinal« Kinderlähmung im Ähre 1996 aufgetreten und hat namentlich in Hessen-Nassau Opfer gefordert. Zur gleichen Zeit wurde sie auch aus Amerika ge- meldet. Sie erlosch dann, um setzt wieder zu erschcmen. Man hofft, daß die Isolierungen der Erkrankten ein Weitcrgreifen ver- eiteln. In einer japanischen Goldfischfarm. In Japan gibt es Be- schäftigungen und Berufe, die den Bewohnern anderer Länder höchst merkwürdig und ungewöhnlich erscheinen. Dazu gehört das Züch- ten von Goldfischen, das in der Umgegend von Tokio vielfach und mit gutem Erfolg betrieben wird. Ein Besuch auf einer solchen Goldfischfarm wird in einem Londoner Blatt geschildert.„In drei Weihern wimmelte es von Goldfischen, deren Zahl der alte Züchter auf 89 999 angab," schreibt es..Di« Ufer der Teiche waren dicht mit Iris bewachsen, die sich bis zur Taillenhöhe erhoben und in allen Farben glänzten, vom dunkelsten Purpur bis zum zartesten Lila. Dahinter dehnte sich dann das junge Grün der weiten Reis- selber. Aber das Lustigste auf dieser Goldfischsarm war das Häus- chen des Züchters, klein und zierlich wie ein Spielzeug, in bunten Farben schillernd, innen von einem preziösen Reiz, der unwillkürlich an die Goldfische gemahnte, wie wenn der Geschmack des Bewohners von seinem Beruf beeinflußt wäre. Im Mittelpunkt der ganzen Anlage befand sich ein Wasserquell, dessen Strömung durch die Küche geführt worden war und vermöge einer geschickten Wasserleitung an den Fischteichen endigte. Allerlei bunte Steine waren in diesem kleinen Strom angebracht und verliehen ihm ein phantastisches An- sehen, und er hat« den praktischen Zweck, daß in ihn einige Goldfische zur Beobachtung und zur Beurteilung de? Wachstums gebracht werden konnten. Auf Grund einer feinen Kenntnis der Lebensg«, wohnheiten des Goldfisches werden h'er die Tiere im großen ge- züchtet, und wenn sie ausgewachsen sind, dann werden sie noch Tokio gebracht und an die Goldfischverkäufer. abgegeben, die mit ihren Wasserbehäliern durch die Straßen rennen, indem sie die Gefäße an den Enden einer langen Stange auf den Schultern balancieren. Sie rufen mit lauter Stimme die niedlichen Insassen ihrer Gefäße aus und preisen wohl auch eine besondere Züch< tung an." Junkerspott über �rbeiterpolitik. Die„Kreuzzeitung" wendet einen Leitartikel auf, um die An- träge zum sozialdemokratischen Parteitag ins Lächerliche zu ziehen. Ein Hanswurst aus Lberlößnitz i. S. reißt im Jahrmarktbudenstil zu den Anträgen„Witze*. Für dos geistige Niveau des Adelsblattes mögen folgende Proben dienen. Zu dem Vorschlag des Porteivor- standes, den Mitgliedsbeitrag auf mindestens 3 M. wöchentlich fest- zusetzen, wird bemerkt: Wieviel Wochen Arbeitsniederlegung, Straßenunruhen und sonstige politische Kampfmittel wären wohl das„Gebot der Stunde*, um einer Regierung, die den Arbeitern solche Summen als direkte Steuern abknöpfen wollte, ihre Blutsauger- politik abzugewöhnen! Zu einem Antrag Hamburgs auf Abschaffung aller Titel aus den wilhelminischen Zeiten:„Was wird Exzellenz Scheide- mann dazu sagen."(Weder Genosse Scheidcmann noch sonst ein sozialdemokratischer Minister hat je den Titel Exzellenz ange- nommen.) Zu einem Antrag der Ortsgruppe Heinrichswalde auf Beseitigung der monarchistischen Domänenpächter:„Die rcpublika- nische Gesinnung wird dem Wachstum der Früchte förderlich sein.* Zu einem Antrag Hamburg, Mittel bereitzustellen, die Angehörigen der werktätigen Bevölkerung das Rechtsstudium ermöglichen: „Warum das Rechtsstudium? Wenn die Laienrichter(!) der organi- sierten Arbeiterschaft angehören, so ist der Befähigungsnachweis' er- bracht.* Zu einem Antrag Waldenburg, die Immunität auf die Gemeindebehörden auszudehnen:„Fahrkarten 1. Klaffe sollten den 2? lltXI bis älllXX) Gemeindebeigeordneten auch zugebilligt werden-, das spielt doch bei den Ucberschüffen der Reichseisenbohn keine Rolle.* In dieser Tonart geht es spoltenlang. Es ist ganz gut, wenn die Arbeiter auf diese Weise einmal erfahren, wieviel Verständnis für ihre Gedanken in den Köpfen der Hochwohlgeborenen vorhanden ist, die„nichts gelernt und nichts vergessen* Hadem Italiens tzüfe. Rom. 31. August.(EP.) Der italienische Schatzminister Para- tore hat nach einer längeren Besprechung mit Facta die Derhand» lungen mit Schuller abgeschlossen. Im Derein mit den alliierten Regierungen schickt sich di« italienische Regierung an zur Ausführung eines Planes für die wirtschaftliche und finanzielle Unterstützung Oesterreichs. Dem Schatzamte wurde bereits die Erlaubnis erteilt, die Auszahlung des Kredits von 70 Millionen Lire vorzuschießen. Nlaffenverhaftunqen in Petersburg. Auf Befehl der politischen Staatsverwaltung(der Nachfolgerin der„Tscheta") wurden unter den Petersburger Arbeitern und Eisenbahnern zahlreiche Haussuchungen und Verhaftungen vorgenommen. Die Ursache sind di« fortgesetzten Unruhen, di« in- folge der Einschränkung der Produktion und der Entlassungen in den Betrieben stattfinden. Die Verhafteten werden gruppenweise aus Petersburg nach entfernten Derbannungsorten de- portiert. Vor kurzem brachten di« beiden Petersburger Blätter «P r a w d a* und die„K r a s n a j a G a z« t i j a* eine Mitteilung über einen großen Brand im Petersburger Hafen. Da nachträglich von dem Petersburger Sowjet festgestellt wurde, daß diese Meldung nicht den Tatsachen entspricht, wird es die beiden kommunistischen Blätter wegen Verbreitung unwahrer Meldungen vor das Revolu- tionstribunal ziehen. Es ist das erstemal seit der Oktoberrevolution, daß sich bolschewistische Blätter vor Gericht zu verantworten haben werden. Im Bezirk Lyon haben sogar die Kommunisten gegen dos Todesurteil wider die Sozialrevolutionäre protestiert. Turkeftan unabhängig? Paris, 31. August.(MTB.) Havas meldet aus Buchara Einzel- heilen über die Vorgänge in Zentralasien. Danach wurde E n v e r Pascha, der den Oberbefehl über die aufständischen Truppen über- nommen hatte, im Mai dieses Jahres von den Deputierten zum Emir von Buchara ernannt. Infolge seiner Popularität gelang es ihm, den Anschluß der gesamten Bevölkerung an die nationale Re- gierung zustande zu bringen. Nach den letzten Wahlen schloß sich ein anderer revolutionärer Führer, der Fürst Schir Mohammed .. Bey, mit einer Armee von 80 000 Mann Enver Pascha an, dessen Heer nunmehr 150 090 wohl ausgerüstete und bewaffnete Leute um- faßt. Nachdem Sowjetrußland infolge eines Ultimatums Enver Paschas die Unabhängigkeit des neuen Staates anerkannt hat, wird nunmehr die Grenze des unabhängigen Turkeftan gebildet durch Chinesisch-Turtestan im Osten, Afghanistan und Persien im Süden, die russischen Provinzen am Kaspischen Meer im Westen: im Norden verläuft die Grenze parallel mit dem Aralsee und um- faßt u. a. die Städte Buchara und Samarkand. Mit dieser Meldung sind allerdings die Nachrichten unverein- bar, wonach Moskaus Heere Enver Pascha besiegt hätten. Der verprügelte General. Ein« Tannenbergfeier in Zwenkau bei Leipzig, als deren Redner General v. Franyois vorgesehen war, wurde von der erregten Arbeiterschaft verhindert. Der General wurde ausgepsifscn, die Versammlung mußte geschloffen werden. Bedauerlicherweise wurde nachdem der General beim Verlassen des Saales von einer Anzahl Personen überfallen und verletzt.— Wenn wir es auch oerstehen, daß die Arbeiterschaft sich gegen provozierend« nationalistisch« Feiern zur Wehr setzt, so sollten doch derartige Erzcffe dabei durchaus vermieden werden. Devisenkurse. Die amtliche Kurstabelle gibt an, wieviel Mark man aufwenden muh um die in der ersten Spalte genannte Einheit der auf da» be- zeichnete Land lautenden Währung zu erwerben. IDl) hollündisckie Guide».. 1 argentinischer Papier-Peso 100 belgische Frank..... 100 norwegische Kronen.. 100 dänische Kronen.... 100 schwedische Kronen... 100 finniiche Mark..... 1 japanischer Aen...... 100 italienische Lire.... 1 Pfund Sterling..... 1 Dollar........... 100 französische Frank... 1 brasilianischer MilreiS.. 100 Schweizer Frank.... 100 spanische Peseta?... 100 ösierr. Kronen(abgest.) 100 tschechische Kronen... 100 ungarische Kronen... 100 bulgarische Lewa... Die fehienöen Sttttergramme. Naturbutter ist heute für die weitesten Volksschichten ein Luxus- artikcl. Will einer aber doch— so um den Ersten herum— wissen, wie eigentlich gute Butter schmeckt, so kauft er fein bescheidentlich ein achtel Pfund gleich 62� Gramm. Daß sogar bei dieser äußerst minimalen Menge einzelne Luttergeschäfte es fertig bringen, einen kleinwinzigen— sagen wir„Schmu*— auszuüben, beweist das folgende: Unser Gewährsmann geht in ein Buttergcschöft und verlangt ein achtel Pfund Butter, erhält aber nur 00 Gramm„brutto für netto Kaffa*, Differenz 2� Gramm. Auf den Hinweis, daß das doch eigentlich nicht angängig fei. erhält er die lakonische Antwort, daß er sich doch nicht in einer Apotheke befände. Ein Zweigrcmm- gewicht sei nicht vorhanden, während andere Geschäfte meinen, daß 00 Gramm für ein achtel Pkund„handelsüblich" wären. Was bei diesem lieben handelsüblichen Brauch oerdient wird, soll ein Bei- spiel beweisen: Kostet die Bulter 240 M.(heute steht sie im Preise schon höher) und es werden nur geringe Mengen, z. B. ein achtel Pfund,»erlangt, so verdient der Butterhändler jedesmal am achtel Pfund 1,10 M. oder pro Pfund 8,80 2t. über Gebühr, denn der Käufer erhält ja nur 00 Gramm statt 0254 Gramm. Wo geringe Mengen gekauft werden, ergibt sich ein ganz netter Nebenverdienst. Eine Beschwerde bei der Handelskammer hatte das Ergebnis, daß man mitteilte, die Handelskammer habe zur Frage, ob 00 oder 0254 Gramm bei Erfordern eines achtel Pfund Butter das richtige sei.„noch nicht Stellung genommen*. Im Fachausschuß für Nah- rungs- und Genußmittel war die Auffaffung vorhanden, daß es zwar üblich sei, auf Erfordern von ein achtel Pfund 00 Gramm zu ver- abfolgen. Man solle in Zukunft eben nur noch— ein zehntel Pfund kaufen. Das ist nun also der einzig« Ausweg. Die Hausfrauen haben «s nun in der Hand, ob sie den Butterhändlern 10 Gramm schenken wollen oder nicht. Wenn sie nicht wollen, so müffen sie dem Rat der Handelskammer folgen. Eingewickelt! Das werben heute wir alle. Zehnmal und noch öfter an einem Tage. Jeder, der etwas zu verkaufen hat, wickelt uns ein wi« die Butter, die Wurst oder den Hering. An Menschen dazu fehlt es nicht, wohl aber an Einwickelpapier. Alte Zeitungen von sauberer Beschaffenheit stehen hoch im Preise. Das Kilo wird schon m i t IS bis 20 M. bezahlt. Schlächter, Gemüse- und Obsthändler reißen sich um solches Papier. Wer also seine Zeitung gut aufl)ebt, kann damit ein Geschäft machen. Jeder Leser erhält monatlich zwei Kilo Papier, di« dem Verlage ISO M. kosten, aber dem Leser 30 bis 40 M. wieder«inbringen. Um diese Summe verringert sich, wenn man die gelesenen Zeitungen sammelt und als Einwickelpapier verkauft, das monatliche Be- zugsgeld._ Der Nachtverkehr der Straßenbahn. Unter dem Vorsitz des Stadtbaurats Dr. Adler fand Mittwoch im Verwaltungsgebäude der Straßenbahn eine Konferenz statt, die sich mit der Frage der Ausgestaltung des Berliner Straßenbahn verkehre und der weiteren Verbesserung der Dertehrsverbindungen beschäftigte. E» wurde ein« Reihe wichtiger Beschlüsse gefaßt, und zwar soll in erster Linie der Abend- und N a ch t v e r k e h r aus der Stra- ßenbahn so ausgedehnt werden, daß auf den wichtigsten Linien die letzten Wagen das Stadtinnere etwa um1Uhr4SMin. nachts nach den Außenbezirken zu verlassen. Auf diese Weise wird es möglich sein, den wachsenden Ansprüchen an den Abendverkehr zu genügen und namentlich auch für olle Berliner Fernbahnhöfe Straßenbahnanschlüsse an die letzten, nach Mitternacht eintreffenden Fernzüge zu gewähr- leisten. Diese Verbesserung dürfte bereits imLausedernächsten Woche eintreten. Daneben wird der Schaffung besserer Verbindun- gen zwischen den verschiedenen Bahnhöfen größte Aufmerksamkeit geschenkt. Im Laufe der nächsten sechs Wochen sollen dann ferner, den zahlreichen Wünschen einer Reihe von Bezirksämtern und der Bevölkerung in den Außenbezirken folgend, wichtig« Verkehrsver- befferungen durch Ausbau bestehender und Schaffung neuer Linien erfolgen. Unter anderem ist beabsichligt, von Stralau, das jetzt nur eine halbstündige Verbindung mit dem Alexanderplatz hat,«ine viertelstündige Verbindung mit dem Leipziger Platz und dem Westen zu schaffen und damit einem alten Wunsch der Stralauer Bevölkerung entgegenzukommen. Ferner will man die Linie 00, die in der Bergstraße in Steglitz endigt, bis zur Mariendorfer Straße am Steglitzer Stadtpark weiterführen. Ebenso soll die Linie 80 über ihren jetzigen Endpunkt am Straßenbahnhos Westend hinaus bis zur Kirschenallee in Westend weitergeführt werden. Die näheren Einzel- heilen über diese und noch weitere Vertehrsverbesserungen werden in der nächsten Zeit bekanntgegeben werden. Tuberkulose-Ionös für lungenkranke Kinder. Der Verband der Lungen- und Tuberkulose-Erkrankten Deutsch- lands erläßt folgenden Aufruf: Eine der verbreitetsten Krankheiten ist die Tuberkulose, von der alle Schichten des Volkes in gleicher Weise befallen werden. Infolge der Unterernährung und der Not, welcher das Volk während des Kriege» ausgesetzt war und auch noch heute ist, griff die Tuberku- lose(genannt: die weiße Seuche) immer mehr um sich. Elend und krank wachst unser« Jugend heran! Um nun die kranken Kinder in eine Heilstätte oerschicken zu können oder im Sommer aufs Land, damit die kommende Generalion wieder zu kräftigen und gefunden Menschen heranwachsen kann, fehlen uns die Mittel, um dies durch- führen zu können. Die Aerztcfchaft sowie auch wir sehen mit Schrecken das immer größer werdende Elend. Wir allein sind nicht in der Lage, wirklich durchgreifend dem entgegentreten zu können, dazu bedarf es der Mithilfe aller. Darum richten wir an alle die dringende Bitte, mitzuhelfen an der Bekämpfung der Tuberkulose durch Ueberfendung der not- wendigen Geldmittel. Es geht um das Glück unserer ge- liebten Kinder und Kindeskinder. Gelingt es nicht, dem Würge- engel Tuberkulose Halt zu gebieten, versinkt unser ganzes Volk in den Abgrund. Darum öffnet Hänoe und Herzen! Gebt Sonne denen, die frieren! Sonne an warmer, immer wieder duld- samer Nächstenliebe! Schwer genug ist die Arbeit. Jahrzehnte mühevoller Tuberkulosebekämpfung waren vergeblich. Darum wollen wir— das Volk selbst— dazu beitragen, um die Tuberkulose zu hemmen! Darum dürfen wir nicht verzagen, sondern müssen fest zusammenstehen. Höchste Pflicht sei uns die Liebs und Sorge für unsere Jugend und Volksgenossen. Volt in Not, Welt vorm Tod! Denkt an eure Kinder und Tuberkulöse! Alle Gaben sind an unseren 1. Kassierer»ntw Postscheckkonto Nr. 84108, Max Eonrad. Berlin N. 39. Pantstr. 3, v. 1 Tr., mit dem Kennwort„Tuberkulosefonds* einzusenden. Park-Vandalen. Im Treptow«? Park sind in der Nacht zum 13. August 14 Bänke, 18 an der großen Spielwiese und 4 an der Spree, mit den massiven Füßen aus dem Loten gerissen und umgestürzt worden. Don dem Material wurde nichts gestohlen. Aehnliche Zerstörungen sind im Laufe des Sommers wiederholt vorgekommen. Offenbar handelt es sich um Racheakte sener El«. mente, die wegen ihres skandalösen Treibens so oft aus dem Park verjagt werden mußten. Die Reparatur der 14 Bänke hat 2 85 0 M. gekostet. Bürgermeister Ärunow vom 15. Berwaltungs- bezirk hat das Polizeiamt Treptow gebeten, bei der Schutzpolizei di« Vermehrung der nächtlichen Parkstreifen besonders in den Räch- ten zum Sonntag zu erwirken. Die Parkwächter allein seien dem Gesindel nicht gewachsen. Ihre Bewaffnung ist durch den Friedens- oertrag nicht erlaubt, die Anschaffung von Dressurhunden stößt auf geldliche Schwierigkeiten. Mit der Angelegenheit wird sich da eine planmäßige Zerstörung vorliegt, auch die Bezirksversammlung zu beschäftigen haben._ Ein geisteskranker Messerstecher! Zu der Bluttat in der Gräfeftraize. Der Totschlag der Fabritarbeiterin Zimmer in der Gräjc- straße scheint nach den Feststellungen der Kriminalpolizei mit dem in der Nacht zum 20. d. M. in der Iahnstraße oerübten Verbrechen zusammenzuhängen, wo, wie wir mitteilten, der 21 Jahre alte Bank- beamte Fritz Will plötzlich von einem noch unbekannten Manne zwei Messerstiche in den Kops erhielt und sein Begleiter, der ebenso alte Bügler Max Z a h l i k aus der Weserftr. 205, durch einen Bauchschuß getötet wurde, als er den Messerstecher verfolgen wollt«. Es hat den Anschein, als ob es sich in beiden Fällen um die Tat eines geisteskranken Messer- st e ch e r s handelt. Zur Aufklärung beider Fälle ist es dringend er- wünscht, daß sich Zeugen des Borfalles in der Gräfe- und des in der Jahnstraße bei Kriminalkommissar S a h m i g im Z i m- mer 45 des Berliner Polizeipräsidiums melden. Die Ermittelungen nach der am 1. Dezember 1884 geborenen Frau Anna Kreide, geborenen Fleischer die Augenzeuge des Uebersalls auf Frl. Zimmermann gewesen ist, waren bisher erfolglos. Wie be- richtet, hatte sie den Beamten ihre frühere Wohnung in der Pank- straße angegeben, aus der sie aber unbekannt verzogen ist. Auch der Begleiter der Zimmermann, der diese mit einer Droschke nach Hause gebracht hatte, hat sich bisher noch nicht gemeldet. Die Gummiknüppel der Bismarck-Leute. Der deutschnational orientierte Bismarck-Bund versammelt sich wöchentlich zweimal in der Schulaula Danziger Str. 23, um dort sein Vaterland mit„großzügigen* Hetzreden zu retten. Auch Lobreden schwingt man, und zwar aus Wilhelm den Ehemaligen, Ludendorff usw. Am Dienstag abend kamen diese Herrschaften wieder in der Schulaula zusammen. Eine Büste der Exkaiserin und Lorbeerkränze mußten dazu herhalten, den Raum festlich zu schmücken. Als man fragte, was hier eigentlich los sei, erhielt man die geheimnisvolle Antwort: Hi st arischer Gedenktag.(Lies richtig: Sedan- und Tannenbergfeier.) Bald erklangen„Vater- ländische Weisen". Erstens„Heil Dir", zweitens„O Deutschland* und drittens„Es braust ein Ruf". Unten auf der Straße hotte sich nach und nach eine Menschenmenge eingefunden, die empört diesen Vorgängen folgte. Der erste Vorsitzende der zu- künftigen Vaterlandsretter gab jetzt bei der Feier bekannt, daß die Arbeiterjugend die Aula stürmen wolle, davon nach unserer Jnfor- mation gar keine Rede sein kann, worauf die Bismarck-Jünger mit ihren Totschlägern und Gummiknüppeln auf den Tisch schlugen und meinten:„Laßt die nur kommen.* Unterdeffen hatte oas Publikum die Schupo geholt, die auch, als sie die bekränzten Bilder Ludendorffs und Hindenburgs sah, die Ver- sammlung schloß. Bei einer sofort vorgenommenen Unter- suchung der Bismarck-Jünger wurden sechs Gummiknüppel (Marke Kunz«) und Totschläger gefunden. Die Leute sind auf der Polizeiwache 3öa in der Pappelallee festgestellt worden. Ein größerer Brand kam in der letzten Nacht in einer Fabrik in der Frankfurter Ale« 319 zum Ausbruch. Als der 1. Löschzug dort ankam, hatten die Flammen an Oel und Jmmo- bitten schon so reiche Nahrung gesunden, daß mit mehreren Schlauchleitungen kräftig gelöscht werden mußte. Die Eni- stehungsursache ist noch nicht aufgeklärt. Unterstützt die Zeitungsfrau! Ein Leser schreibt uns: In meinem Hause sind zwei„Dorwärts"-Abonn{rnten, einer in der ersten, der andere in der vierten Etage. Ich laffe die Zeitung für den Genoffen in der vierten Etage bei mir eine Treppe abgeben und befördere sie selber oder durch meine Kinder„höhere» Orts". Der Zeitungsfrau erleichtere ich ihren schweren Dienst und die an- deren Abonnenten haben den Dorteil davon, indem sie ihre Zeitung etwas früher erhalten. Genoffen, handelt in ähnlichen Fällen ebenso, zum Nutzen eurer Mitmensche» und der Partei! Wetter für morgen. Berlin«nd Umgegend. Eiwa» kühler, zeiiwcile ausllarend, jedoch übeiwlegend bewölkt bei mäßigen wesilichen Winden. Oester eiwaS Regen. Die Granate in der Pariser Untergrundbahn. Von Arbeitern der Pariser Untergrundbahn, die mit der Ueberwachung der Schienen beauftragt sind, wurde gestern eine Granate auf den Schienen gefunden. Als einer der Ar- beiter die Granate aufheben wollte, explodierte sie und z e r- riß ihn in Stücke._ Bei dem Schiffbruch de» japanischen Kreuzer» Iliilaka wurden 13 Personen gerettet. Die Zahl der Toten beläuft sich auf ungefähr 300. Es ist hohe Zeit. Morgen beginnt der neue Monat. Willst du den„Bor- wärts* regelmäßig zweimal täglich ins Haus gebracht haben, dann bestelle sofort! Der„Vorwärts", das Zentralorgan der stärksten politi- schen Partei Deutschlands mit erheblich mehr als einer Million Mitgliedern, unterrichtet all« politisch Interessierten sachlich, schnell und zuverlässig. Nachstehender Bestellzettel ist auszufüllen und an di«. Hauptgeschäftsstelle des„Vorwärts*. Berlin SW. 68, Linden- straße 3, einzusenden.(In Orten außerhalb Groß-Berlins ist der„Vorwärts* bei der Post zu bestellen.) Ich abonniere den„Vorwärts" mit der illustrierten Sonntagsbeilage„Volk und Zeit*, der Unterhaltungsbeilage „Heimwelt* und der 14tägig erscheinenden illustrierten Bei- läge„Siedlung und Kleingarten* in Groß-Verlin täglich zweimal srei in» Hau». Name Wohnung: -Straße Nr. vorn_ Hos— Ouergeb.— Sestenfl.— Tr. links— rechts bei— feien unternommen worden, um endlich zu einem Schiedsspruch zu Ein ungetreuer Gewerkschaftskaffierer. Gewerkschaftsbewegung gelangen. Zunächst ging es zum Wohlfahrtsminister und dann zum Betrügereien und Unterschlagungen beim„ Bund technischer Jubiläum der Berliner Transportarbeiter. 25 Jahre Organisationsarbeit. Die Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Transportarbeiter erbandes hat zwar seit Neujahr 1922 ihr 25 jähriges Jubiläum chon hinter sich. Da nun aber in der nächsten Woche der 11. Ber" " Demo". Hier versprach man uns so schnell wie möglich zu Angestellten" führten die Kaufleute Gizinger und May, sowie helfen. Am Dienstagvormittag fanden neue Verhandlungen statt, die Ehefrau Mah vor die Ferienstraffammer des Landgerichts III. wobei uns der Gewerberat örner erklärte, daß der Ober G. soll als Kassierer den Bund um etwa 100 000 Mart geschädigt präsident den Spruch noch nicht für verbindlich erklärt habe, haben. Die Betrügereien wurden derart ausgeführt, daß auf Forweil sonst das ganze Reichsmietengeses umgestoßen mularen des Bundes von G. Berechnungen von Reisekosten aufgewerden müsse. Vom 1. Ottober ab fei ein Ausweg stellt wurden; diese ließ er von dem Ehepaar May mit fingierten gefunden. Sämtliche Schiedssprüche erklärt dann nur der Namen unterschreiben. Dann fälschte er noch die Unterschriften von Demo" für verbindlich. Was soll aber bis zum 1. Ottober Revisionsbeamten, worauf ihm der Betrag an der Kasse anstands bandstag in Berlin abgehalten wird, erscheint die„ Berliner geschehen? Die Forderungen für September müssen los ausgezahlt wurde. Das Manöver glüdte dem Kleeblatt in Mitteilungsbeilage" der Bezirksverwaltung Groß- Berlin jest aufgestellt werden. Nachdem Knebel für die Maschinisten 63 Fällen. Außerdem unterschlug G. 20 000 m. für das PostDas Gericht erkannte auf Ge zum Verbandsorgan, dem„ Courier", am 2. September in einer und Heizer gesprochen hatte, tam in der Diskussion die Meinung zeitungsamt bestimmte Gelder. besonderen, den Verbandstagsdelegierten gewidmeten 14 seitigen zum Ausbruck, daß, wenn die augenblidlichen Löhne nicht sehr fängnisstrafen von 1½ Jahren und 9 bzw. 6 Monaten. Ausgabe. Die Festschrift soll die Entwidlung und die snell eine Berbefferung erfahren, man lieber den Portierberuf an den Nagel bängen solle. Ferner wurde die Frage der Arbeiter- Der Bezirk Sachsen des Deutschen Eisenbahnerverbandes zählt Kämpfe, wie auch die Errungenschaften der Berpreise eingehend erörtert. Es müsse möglich gemacht werden, nicht wie in dem Konferenzbericht am Mittwoch morgen infolge liner Organisation während der 25 Jahre ihres Bestehens daß wieder eine wöchentliche Bezahlung des Abonnements- eines Druckfehlers zu lesen war 1900, fondern 19000 Beamte, veranschaulichen. Den Alten, die mitgearbeitet und mitgefämpft preises stattfinde. Diätare, Hilfsbeamte und Angestellte als Mitglieder. Für den Monat September wurden folgende Forderungen haben, soll sie das Gedächtnis auffrischen und die Erinnerung weden Aus dem Ruhrgebiet berichtet die„ TU.":„ Die Wiedereinan ernste und heitere Tage. Allen denen, die im Laufe der Jahre aufgestellt: Hauswarte 2600 M. mit Abstufungen von 50 M., geführung von Ueberschichten wird von linksradikaler Agitation zur und namentlich nach dem 9. November 1918 sich dem Verbande angeschlossen haben. soll sie zeigen, unter welch traurigen Berhältnissen lernte Facharbeiter 2700 mofreiniger 2500 m. hege gegen den Bergarbeiterverband ausgenugt. In in bezug auf Lohn und Arbeitszeit die Berufsangehörigen vor und Reinemachefrauen 35 M. die Stunde. Die Extra pielen Städten des Ruhrgebietes sind Versammlungen einberufen, in denen die Arbeiterschaft durch die Redner zur Sabotierung der Maßnahmen aufgefordert wird, die in Stunden höchster Not von 25 Jahren zu fronen hatten; wie durch den Berband nach und nach Leistungen sollen ebenfalls eine Erhöhung erfahren. Unternehmern und Arbeitnehmerorganisationen vereinbart wurden." die Handels- und Transportarbeiter Berlins sich Achtung und AnDaß die Kommunisten, insbesondere auch die Unionisten, sich diese fehen nach jeder Richtung hin erfämpft haben, so daß sie heute nicht mehr als Parias behandelt und betrachtet werden." felten günstige Gelegenheit" nicht entgehen lassen würden, war von Das Bureau der Berliner, das mit den Utensilien ausgestattet wurde, die von hilfreichen Kollegen zusammengetragen waren, biente den arbeitslosen Mitgliedern zugleich als Aufenthaltsraum. Selbst verständlich mußte auch ein„ Bonze" da sein, der so unter den Augen der Arbeitslosen und damit unter ihrer Kontrolle seines Amtes waltete. Freilich, einen Angestellten konnte man damals noch weniger voll bezahlen als voll beschäftigen. So wirfte denn der Genoffe Dreher je als holbe Kraft im Verbandsbureau und im Ortsbureau, wofür Hauptverwaltung und Ortsverwaltung den Wochenlohn mit je 13,50 m. zufammen aufzubringen hatten. Die Jahre 1897 und 1898 galten der Agitation unter den Transport, Speditions- und Kohlenarbeitern, für die im folgenden Jahre bereits Lohnbewegungen erfolgreich durchgeführt werden konnten. Die Spediteure wollten grundfäßlich" für die Zahlung eines Mindest wochenlohns von 18 M. eintreten. Kutscher, die nach 8 Uhr abends zum zweitenmal auf die Tour geschickt wurden, sollten dafür 50 Entschädigung erhalten, gleichviel ob diese Arbeit noch eine, zwei oder drei Stunden erforderte. Der Organisation gelang es, die zustimmung der meisten Firmen zu diesen grundfäßlichen Vereinbarungen zu erlangen, in vier Fällen jedoch erst durch Streit. f. Im Rohlengroßhandel wurde für die Kutscher( 1899) eine wöchentliche Lohnzulage von 3 M. durch Streit erreicht, wodurch die Löhne auf 21 M. für Einspänner und 22,50 M. für Zweispänner stiegen, bei einer Arbeitszeit von 6 Uhr früh bis 7 Uhr abends mit insgesamt zwei Stunden Pausen. Aus dem Versicherungsgewerbe. Der Streit in Le Havre flaut ab. Die Straßenbahner nehmen den Betrieb wieder auf, wie auch an vielen anderen Stellen die Arbeit wieder aufgenommen wird. Bom Zentralverband der Angestellten wird uns gefchrieben: Die tarifliche Schiedsstelle, welche am 28. Auguft unter Borsitz vornherein klar. ber vom Reichsarbeitsministerium benannten Herren: Professor von Moellendorf, Geheimrat Tenius und Münzdirektor Dr. Pickert aufammentrat, hat durch eine Entscheidung die Bezüge der Versiche rungsangestellten für den Monat August durch prozentuale Zulagen neu geregelt. Danach erhöhen sich die Juli- Bezüge der Lehrlinge und Jugendlichen um 34,6 Prozent, der Angestellten bis zum vollendeten 20. Lebensjahre um 46 Prozent, der Angestellten vom vollendeten 20. Lebensjahre ab um 61,5 Prozent für den Monat Auguft. Die sozialen Bulagen als auch die Orts- und Besehungszuschläge bleiben für den Monat August weiterbestehen. Die Spefenfäße wurden dagegen ebenfalls um 60 Prozent erhöht. Diese Entscheidung der Schiedsstelle gilt zunächst für die Direftions, Berwaltungs- und Provisions- Generalagenturangestellten derjenigen Arbeitgeber, welche dem Arbeitgeberverband deutscher Bersicherungsunternehmungen bzw. dem Arbeitgeber- Reichsverband deutscher Versicherungsvertreter angeschlossen find. Gegen die Autoraferei! Die Abteilung Kraftfahrer des Deutschen Verkehrsbundes schreibt ums: Die bürgerliche Bresse ereifert sich in legter Zeit gegen angeb lich unsinniges Fahren der Kraftwagenführer. Man beruft fich dabei auf eine halbamtliche Notiz der Deutschen Allgemeinen", wonach in Zukunft rüdsichtslos gegen die Autoraferei eins gefcritten werden soll. Wir sind weit davon entfernt, wirklich rücksichtslose Fahrer in Schuh zu nehmen, wohl aber fühlen wir uns verpflichtet, die Deffentlichkeit sowie auch die Verkehrsbehörden auf Mißstände aufmerkiam au machen, die wir als eine der Hauptursachen für vorkommende linfälle ansehen müssen. Am 1. Mai 1900 standen über 5000 Straßenbahner im Streit. Nach drei Tagen waren auch hier ansehnliche Verbesserungen erwirkt. Die ersten Erfolge führten zu Anschlüssen lokaler Organifationen, der Geschäftsdiener und Bader, der Mineralwasserarbeiter, Wir verstehen hierunter in erster Linie die überaus lange Leitergerüstbauer, Bierfahrer und anderer. Die Vereine der Haus- Arbeitszeit, zu der die Berufskraftfahrer von ihren Arbeit diener und der Droschfenfutscher tamen 1906 zum Verbande. Wäh- gebern gezwungen werden. Hier muß unbedingt Abhilfe gerend der Krisenjahre 1907 bis Mitte 1909 ging die Mitgliederzahl fchaffen werden und wenn die Verkehrsbehörde den Willen hat, das llebel an der Wurzel zu paden, so find wir gern bereit, wieder zurück. Sie betrug Ende 1907 32 604, Ende 1908 29 950. Es führte zu weit, hier auf alle Rämpfe und Erfolge einzu- unser einwandfreies und reichhaltiges Material zweds Information gehen. 1912 betrug die Mitgliederzahl bereits 50 942. Während zur Verfügung zu stellen. der Kriegszeit ging die Mitgliederzahl zurück auf 17 315 bis Ende 1915 und weiter auf 15 000 bis Ende 1916. Ende 1917 waren 32 780 Mitglieder zum Heeresdienste einberufen. Nur so glauben wir, wäre eine größere Berkehrssicherheit ge währleistet; gerechterweise sollte aber auch das Publikum durch die Verkehrsbehörden des öfteren darauf hingewiesen werden, daß beim leberschreiten des Fahrdammes mit Rücksicht auf den gegen die Borkriegszeit ganz erheblich gesteigerten Verkehr größte Vorsicht und Aufmerksamkeit geboten erscheint. Wirtschaft Das Statistische Jahrbuch für das Deutsche Reich liegt nun im 42. Jahrgang vor. Dadurch, daß eine Reihe während des Krieges vernachlässigter Gebiete der Statistit, so insbesondere der Außen. handel, wieder mit ausführlichen Zusammenstellungen aufge nommen worden sind, hat dieses Buch wieder seinen vollen Wert als statistisches Nachschlagewerf erhalten. Der neue Jahrgang ent hält auch eine furze Würdigung der Tätigkeit des Statistischen Reichsamts, das jetzt seit 50 Jahren besteht. Er fostet 25 m. und ist im Berlag Politik und Wirtschaft" erschienen. Ungarische Banknoten von einer Million Kronen. Das ftaatliche Noteninstitut hat heute Kassenscheine in drei Wertstufen von 100000, 500 000 und 1 million Kronen emittiert, damit im Zusammens hang mit der Verwertung der Ernte und der allgemeinen Preissteigerung der Geldverkehr glatter abgetidelt werden kann. Sport. Nofellen- Köln Sieger im Auguft- Lehr- Preis. Auf der Nad. rennbahn Treptow stand gestern abend der neue Meisterfahrer Thomas seinen in der Meisterschaft unterlegenen Rivalen Saldow, Sawall und Rosellen noch einmal gegenüber. Genau wie die Meisterschaft in Hannover, so nahmen aber auch die geftrigen Daner rennen feinen regulären Berlaus. Gleich beim Ablauf der die Schrittmacher Motore im 25 Kilometer- Rennen tollidierten Wittig und Junggeburth miteinander, gingen kopjüber den Zement und Wittigs Motor auf stand im Nu in hellen Flammen. Blüdlicherweise nahmen die beiden Schrittmacher einen ernstlichen Schaden und auch das Feuer war bald ge löscht. Da aber beide Motore betriebsunfähig wurden, sprangen Bajorath und Thormann als Erfagleute ein. Der Fahrer Saldow und der neue Meister Thomas fanden sich hinter den Eriatleuten wenig zurecht. Budem ift hormann beim besten Willen auch heute fein Sriti. macher mehr für die Extraklasse. Wiederholte Radschäden aller Fahrer beeinträchtigten außerdem den Wert der Dauerrennen erheblich. Behielt in der Meisterschaft Thomas das beffere Ende für sich, fo erhaschte es gestern im August- Lehr- Breis zufällig Rosellen. Die überaus zahlreich erschienenen Zuschauer wurden aber durch spannend ber laufene Fliegerrennen zum Teil entschädigt. Hier waren Hahn, Dstar Ziez und Frik Hoffmann die Helden des Abends. AlfredAm 31. Dezember 1919 war die Mitgliederzahl auf 125 205 geStiegen, Ende 1921 auf 154 000 Mitglieder. Der Deutsche Portier Verband ist im Oftober 1919 mit 5102 Mitgliedern übergetreten; am 1. April 1920 trat auch die Geschäftsdiener. Abschluß der Verhandlungen über die städtischen Löhne. Ergebnisse: August- Lehr Preis. Dauerrennen über 1 Std.: und Badervereinigung zum Berbande über, so daß Zwischen dem Berliner Magistrat und den Bertretern des 1. Rosellen- Köln 65,440 Stilometer, 2. Sawall 63,630 Stilometer, 3. ThomasBreslau 61,170 Kilometer, 4. Saldom 55,680 Stilometer. nennenswerte Gegenorganisationen im Berliner Handels- und städtischen Lohnkartells finden heute die abschließenden Berhand- Görnemann. Geben trennen, 25 Stilometer: 1. Sawall 22 Min. Transportgewerbe nicht mehr bestehen. Die Bibliothet des lungen über die Regelung der Auguftlöhne statt, die im wesentlichen 23%, Sel.; 2. Rosellen 300, 3. Thomas 610, 4. Saldom 2030 Meter zuBerbandes zählt etwa 12 000 Bände. auf der Grundlage der Reichs- und Staatsarbeiterlöhne erfolgt und rüd. Kudela Erinnerungsrennen, 4 Runden: 1. Hahn Richard. den ungelernten und angelernten Arbeitern der Stadt Berlin einen 2 Min. 7, Sel.; 2. Hoffmann, 3. Behrendt, 4. Schröder. Buschlag von 11 M., den Handwerkern einen solchen von 11,40 M. Scheuermann Breis, 15 Runden: 1. Dstar Tiek 6 Min. 10%, Set; auf die bestehenden Stundenlöhne bringt. Die Festsetzung der städti- 2. Häusler, 3. Schulz, 4. Petri. schen Löhne für September dürfte ebenfalls im Anschluß an die in der nächsten Woche stattfindenden neuen Verhandlungen über die Reichs- und Staatsarbeiterlöhne erfolgen. Forderungen der Hausbesorger. In einer gut besuchten Bersammlung der Hausmeister, Fabritpförtner, Heizer usw. gab Kucsinsti einen Bericht über den ergangenen Schiedsspruch. 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Lichtenberg 11, Rummelsburg, Stralex: Lichtenberg, Bog hagener Str. 62. Neukölln II: Siegfriedftr. 28/29. Neuköln- Brig: Mittag, Brig, Chauffeeftr. 82. Niederschöneweide: Schindler, Fennstr. 28. Nowawes: Rari Rrohnberg Eisenbahnstr. 10. Dranienburg: Seine. Loenhardt. Stralfunder Str. Oberschöneweibe: Robert Paul Mathildenftr. 5. Bankow: Rikmann Mühlenstr. 70. Botsdam: Frau ad, Kurfürstenstr. 11. Rahnsdorf: Teichert, Forststr. 7. Reinidenberf- Oft Schönbola: Albert Bable Brovina Straße 56( Baden) Reinidendorf- Rosenthal: Heinrich Gorski, ftraße 28. Schmargendorf: Rehab. Breite Str. 4. Schönebeza: Belziger Str. 27. Senzig, Mittenwalde, Schenkendorf, Rieberlehme, Chauffeeftr. 54. SauptSlidende: udwig Halsteftr. 36. Tegel, Borfigwalde, Reinidendorf- West, Tegelort, Joers. felde, Conradshöhe, Wittenau, Waidmannslust, Herms. borf, Hohenneuendorf, Birkenwerder: Paul Atenast, Borfigivalde, Rauſchſtr 10. Teltow: Säfel. Ritterstr. 29. Tempelhof: Raiser Wilhelm- Str. 18. Sempelhof: Randler, Hohenzollernkorfo 5. Erebbin: Göring. Bahnhofstr. 62. Treptow: Weiß. Kiefholaftr. 18b. 6. Weißensee: Grennte, Berliner Allee 54. Gillmann, Carmen- Sylva- Straße 57. Wilban- Hoherlehme: Rub. 2ettow. Wilhelmshagen, seffenwinkel: Schulze, Wilhelmshagen. Wilhelmstr. 81. Wilmersdorf: Bischoff, Gafteiner Str. 12 und Wilhelms. are 42 Tübinger Str. 2a. Wittenau: Wilh. 8immermann. Rofenthaler Str. 46. Eichendamm 22. Boltersborf: Surbaum Behlendorf, Schlachtensee, Ritolassee: Zehlendorf, Teltower Straße 3. Rene Beuthen, Miersdorf: A. Behling. Bahnhofstr. 2. Lichtenberg III. Friedrichsfelde: Frankfurter Allee 185. Laden. Mühle, Bernsdorf, Cablow: friedewald, Senzig, Boen: Witt. Bahnhofstr. 25. Lichtenrade: Franz Bichura, Raiser- Friedrich- Str. 9, Restaurant. Wilhelm- Str.&. Siemensstadt: Friefe, Böbickersteig 10. Lichterfelbe- Dit, 2antwis: S. Benet, Bantwit Raifer Staaten: Bältel. Efchenwinkel 16. Steglig: Frost, Düppelstr. 85. 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