Str. 414 39.Jahrgang Ausgabe A nr. 203 Bezugspreis: Für den Monat Geptember 200,- 2., voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, sowie Desterreich und Luremburg 248,- M, fir das übrige Ausland 282,- W. Bostbestellungen nehemn an Belgien, Dänemart, England, Esthland, Finnland, Frankreich, Holland, Bettland, Lugemburg. Defter reich. Schweden, Schweiz, TschechoGlowalei und Ungarn. Der Borwärts" mit der Sonntags beilage Volt und Zeit", der Unterhaltungsbeilage Seimwelt" und der Beilage Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin" Morgen- Ausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 6 Mark Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezetle foftet 40,- M. Nettamezeile 180,- 9. KleineAnzeigen" das fettgedruckte Wort 12, M.( zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Bort 10, M. Stellengesuche und Schlaftellenanzeigen das erste Wort 7.-M., lebes weitere Wort 5,- M. Worte liber 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familien- Anzeigen für Abonnenten Seile 10.- W. Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Lindenftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr frith bis 5 Uhr nachmittags. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 und 2506-2507 Sonnabend, den 2. September 1922 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Verlag, Hauptexpedition u. InferatenAbteilung: Dönhoff 2506-2507 Gegen die Teuerung. Die gewerkschaftlichen Spizenorganisationen haben am] Freitag zu den bisherigen Maßnahmen der Reichsregierung gegen die Teuerung Stellung genommen. Soweit die weiteren Bläne der Reichsregierung bekannt sind, werden sie von den Gewerkschaften als vollkommen ungenügend er achtet. Die Spitzenorganisationen haben deshalb in einem Telegramm an den Reichskanzler um sofortige neue Berhandlungen mit der Reichsregierung gebeten. Deutsch- belgischer Zwischenfall. eine gewisse Sicherstellung des Kartoffelbedarfs bedeuten. In der Bierfrage hat fein deutscher Bundesstaat gegen die Herabfeßung der Stammwürze grundsäglichen Einspruch erhoben. Bayern wünscht nur eine Ausnahme für sein Erporibier; für den fegung der Stammwürze auf etwa 8 Proz. einverstanden. Das inländischen Verbrauch innerhalb Bayerns ist es mit der Herabwerden. treibeumlagepreis wieder zur Entscheidung. Der Kar toffelpreis erscheint gegenwärtig angesichts der günstigen ErnteBrüssel, 1. September.( EE.) Eine amtliche Mitteilung befagt: erwartungen nicht übermäßig hoch. Man wird deshalb die EinHeute um 3.30 Uhr morgens wurde in Oberkaffel ein belglicherwendungen gegen Wiedereinführung einer gewissen KartoffelzwangsPosten durch Revolverschüsse getötet, ein Unteroffizier, der ihm zu Hilfe eilen wollte, ebenfalls erichoffen. Als die Wache ein- wirtschaft wahrscheinlich stark beachten, zumal sehr günstige Liefeschrift, fah man mehrere Männer fliehen. Die Wache drang in ver- rungsverträge der Genossenschaften fchiedene noch geöffnete Gasthäufer ein und verhaftete etwa 12 Perfonen. Die Untersuchung dauert an. Die belgische Regierung Hierzu schreibt der„ Soz. Parlamentsdienst": hat dem General Rucquon befohlen, in der ganzen Stadt HausDie Reichsregierung war auf dem besten Wege, gegen Teue- fuchungen abbatten zu laffen und den deutschen Behörden mitrung und Wucher vorzugehen. Ihre angekündigten Maßnahmen zuteilen, daß, falls die Schuldigen nicht innerhalb sechs Stunden haben bei den breiten Boltsmassen größte Sympathie gefunden, Andere Magnahmen sollten ergriffen werden, wenn diese Bedinverhaftet seien, die deutigen Behörden verhaftet würden. leider aber blieb es bisher nur bei dem Anfang. Die gungen nicht erfüllt würden. Außenminister 3 as par bat den erbot des Branntweinausschants wird auf der HamBeröffentlichung einer Verordnung über die Beschränkung der Ein- deutschen Geschäftsträger Dr. Landsberg im Namen der belgischen burger Zusammenkunft am Mittwoch weiter erörtert werden. Gegen fuhr, die übrigens äußerst unzulänglich erscheint, und die Ausarbei- Regierung, bei der deutschen Regierung energifchen Einspruch ein- die Schlemmerei in den Gastwirtschaften besitzen eigentlich die Ge= burger Zusammenkunft am Mittwoch weiter erörtert werden. Gegen fung einer Verordnung über die Erhöhung der Ausfuhrabgaben, zulegen und Entschuldigungen der deutschen Regierung zu die Schlemmerei in den Gastwirtschaften besitzen eigentlich die Gemeinden schon gute Handhaben, da sie nach der Gewerbeordnung von der man sich ebenfalls nicht viel versprechen foll das find fordern. Weitere Maßnahmen werden vorbehalten. Dem belgischen bis jetzt die einzigen Maßnahmen-, können den Hunger des dar- Obertommiffar im Rheinland und der interalliierten Rheinland- die Konzession beschränken tönnen. Immerhin haben wir ein neues benden Bolfes nicht füllen. Wir verfennen feinesfalls, daß die fominiffion wurde mitteilung von dem Vorfall gemacht, und dieje Gefeß ausgearbeitet, daß die Konzessionspflicht verschärft und Reichsregierung in den lehten Tagen durch die schwebenden Re- gebeten, die notwendigen Maßnahmen zum Schuhe der bel- unter bestimmten Boraussetzungen die Zurücknahme der Kongischen Truppen zu treffen. parationsverhandlungen außerordentlich stark in Anspruch genommen Aus den vorliegenden Meldungen ist über das Motiv der Tat, 3effion gestattet. Ferner sollen die Wohnungsämter in 3uwar, aber wir haben kein Berständnis dafür, daß das unbedingt auf über die Täter und über die näheren Umstände nichts Sicheres zu funft bei der Verwendung von Räumen als Schantstätten mit gehört Kosten der arbeitenden Schichten geschehen mußte. Inzwischen ist ersehen. Es bedarf einer besonderen Versicherung nicht, daß ein Auch gegen Bucher und willkürliche Preiserhöhung find an sich die Not größer geworden. Sie erfordert weitergehende Meuchelmord, wenn ein solcher begangen wurde, gleichgültig an Maßnahmen, als sie bisher von der Regierung geplant waren. mem er begangen wird, schärfte Mißbilligung findet. Eine fofor. Die gefeßlichen Bestimmungen scharf genug. Die Vertreter des Zunächst verlangen wir, daß, bevor man hastet und eilt, um bald tige Aufklärung liegt nicht nur im belgischen, sondern auch durchaus Einzelhandels sind bei mir gewesen undhaben nachzuweisen versucht, im deutschen Interesse. daß der Kleinhandel den Inderpreisen sogar nachhinke. Auch die die Erhöhung der Umlagepreise, insbesondere auch für das erste Bertreter der Margarineindustrie haben sehr nachbrücklich Drittel, vornehmen zu können, zunächst einmal für unsere Gehaltsund Cohnempfänger gesorgt werden muß, deren Gehälter mit der Breistafeln im Kleinsten Gemüseladen eine Art Meldestelle für durch den Preis der ausländischen Dele bestimmt wird. Sie feien darauf hingewiesen, daß der gesamte Margarinepreis fast allein Bewegung des Dollars nicht fortschreiten. Jetzt muß endgültig Börsennotierungen geworden, die den stündlich wechselnden also unweigerlich gezwungen, mit der Devise zu laufen. Immerhin Klarheit darüber gefchaffen werden, ob man in der gegenwärtigen Dollarstand wiedergaben. Mögen sie jetzt auch ehrlich wider haben die Margarinefabritanten von der beabsichtigten PreiserNot den Handel weiterhin frei schalten und walten lassen will und spiegeln, was tatsächlich geschehen ist. höhung start abgelaffen. Es läßt sich natürlich mit den Wucherge= ob ferner weiterhin zugefehen werden soll, wie für den Groß- und Es wäre dennoch falsch, immer wieder alles Heil von der fehen noch mancherlei unternehmen, wenn auch leider die Gerichte Kleinhandel jede Entwertung der Mark für neue Preisfeftfehungen Reichsregierung zu erwarten. Es bleibt die hohe Aufgabe der fich meist auf den Standpunkt gestellt haben, daß man den börsenmaßgebend ist, während das Sinten des Dollars keine Berücksichti- politischen und wirtschaftlichen Vertretungen des leidenden mäßigen Preis ohne weiteres nehmen kann. Aber z. B. gung findet. Wo bleibt die zugesicherte schärffte Anwendung der Teils unseres Boltes, mit den Behörden Hand in Hand zu für Nähgarn wird heute mehr als das Bierhundertfache des FrieWuchergefehe? Wann gedenkt man dem endlosen unerhörten arbeiten, nötigenfalls sie auch mit einem etwa notwendigen denspreises verlangt. Das hat nicht einmal mehr mit dem DollarTaumel auf dem Produktenmarkt durch energische Maßnahmen Zuwachs an Energie zu unterstützen. Entscheidend ist aber, stand etwas zu tun, jondern nußt nur wucherisch die Tatsache aus, entgegenzutreten? Wie lange soll sich das Volk das Unwesen an daß der einzelne zu jeinem eigenen Teil praktisch auf die daß die deutsche Produktion den Bedarf nicht deckt. der Börje noch gefallen laffen? Preisgestaltung Einfluß nimmt. Er möge sich rühren und Beim Zucker dürfte die nicht schimpfen oder randalieren. Durch eine zertrümmerte Fensterscheibe fällt fein Fleischpreis und mit Schimpfworten Rüdfehr zur Zwangswirtschaft unvermeidlich Dermag niemand die Margarine billiger au machen. Unter- fein. Leider läßt sie sich wohl für diese Rampagne nicht mehr schätzen wir aber nicht den Einfluß des denkenden, ruhigen pflichten, Likör- und Schokoladenfabriken und dgl. nicht mehr mit burchführen. Immerhin kann das Reich das Zuckerſyndikat verund zielbewußt handelnden Konsumenten. Er gehört vor die Front. inländischem Zucker zu versorgen. Die wären dann auf ausEs ist auffallend, daß die nicht zu bestreitende augenblick- Die Unzufriedenheit der Leitungen der Arbeitnehmerver- ländischen Zucker angewiesen und die Einfuhr von ausländischem liche Entspannung unserer außenpolitischen Lage, die eine bände ist wahrlich fein lebermut. Sie haben oft genug be- Bucker würden wir selbstverständlich mit Rücksicht auf den DevisenRückwirkung auf den Dollarkurs haben müßte, sich bisher wiesen, wie ernst es ihnen um das Allgemeinwohl ist. Wenn bedarf unter Kontrolle halten. noch nicht auszuwirken vermochte. Wir überschäßen den sie jezt dringlich werden, so ist das ein Zeichen für die verEntscheid der Pariser Sigung der Reparationskommiffion 3 weifelte Lage der Millionen, die fich willig und auch nicht. Pessimisten haben in gewissem Sinne recht, wenn sie in schwierigsten Zeiten ihrer Führung bisher immer wieder fagen, daß es ja nur ein Hinausschieben der Vollstreckung des anvertraut haben. Das wird auch so bleiben, wenn ihr Todesurteils über die deutsche Wirtschaft sein könne. Die nicht die Zügel entgleiten, weil sie in ihrem Wollen nicht andere Meinung hat aber ihre auch nicht zu unterschäßende unterstützt wird. Unterschägung der Not des Volkes, ja Berechtigung: Wenn Deutschland für einige Monate feine auch nur Gleichgültigkeit ihr gegenüber, bedeutet heute Gift Bargeldleistungen aufzubringen hat, wenn die Fundierung für unseren geschwächten Bolts- und Wirtschaftsförper. Es ist der Schatzwechsel fachlichen Berhandlungen zwischen der deut- hohe Zeit; die Reichsregierung hat jetzt die Arme frei, fie schen und der belgischen Regierung vorbehalten bleibt, wenn foll fie gebrauchen, fie muß sich rühren. Die übergroße Frankreich für die nächsten Monate durch jenen Entscheid auf Mehrheit aller Lohn- und Gehaltsempfänger, die entsetzlich den Weg etwas friedfertigerer Politif geführt ist, so muß leidenden Invaliden, Kleinrentner, Witwen und Walsen, die sich das in unserer Wirtschaft ausdrücken. notleidenden freien Berufe verlangen es. Es ist die allerhöchste Zeit, daß die Reichsregierung endlich entfchieden zugreift. Das Bolt wünscht mehr als lediglich eine Ankündigung von Maßnahmen, die bisher nur auf dem Papier stehen. Hunger fut weh, das möge die Reichsregierung gerade in diesen Tagen nicht vergessen! Noch gar teine Entscheidungen sind auf dem finanzpoliti. ichem Gebiet gefällt. Und doch liegen gerade hier die wichtigsten Entscheidungen. Wir haben zuerst eine Flucht aus der Mark in die ware erlebt. Dann sind die deutschen Industriellen und Kaufleute direkt aus der Mart in die fremde Devise geflüchtet. Sie haben nicht nur ihren Einfuhrbedarf gedeckt, sondern sich auch schon für den fünftigen Einfuhrbedarf decken wollen. Hierauf hat man in Dollar zu rechnen und neuerdings in Dollar zu handeln begonnen. Von der Leipziger Messe ist bekannt, welch spontanen stürmischen Protest das hervorgerufen hat. Diese Entwicklung bedeutet eine gar nicht zu unterschäßende Gefahr für den Fortgang der deutschen Wirtschaft, Industrie und Handel, Großhandel wie Kleinhandel, find nicht fapitalstark genug, um dieses Ueberspringen in eine Goldwährung mitbraucher, sondern auch der Zwischenglieder droht zu versagen. Nach machen zu können. Die Konsumfraft nicht nur der letzten VerUeberall, wo der aufmerksame Beobachter hinhört, melden Wie weit ist der Kampf gegen Teuerung und Wucher? fich die gleichen Zeichen. Es gibt leider bei uns eine ganze Ein Vertreter der PPN. hatte heute Gelegenheit, den Reichs- meiner festen Ueberzeugung muß hier Durchgreifendes geSchicht von Menschen, die über die Möglichkeit, daß die Mart wirtschaftsminister Schmidt zu fragen, wieweit die Maßnahmen schehen. in der Lage ist, etwas zu steigen, nicht allzu sehr erfreut der Reichsregierung zum Kampfe gegen Wucher und Teuerung find. Sie hatten Dispositionen in anderer Richtung getroffen. gediehen feien. Der Minister erwiderte: Die Widerstände gegen die Devise: fontrolle find allerdings sehr start. Sie fürchten, persönlichen Schaden zu leiden, wenn ihnen die tatsächliche Entwicklung nicht recht gibt. Hier ist der Hebel fint bie notwendigen Maßnahmen bereits erfolgt. Die Verordnung geworden, und fie erffären jede Devisenkontrolle für undurchführbar. Soweit das Reichswirtschaftsministerium allein zuständig ist, Das Devisengeschäft ist jetzt ein Hauptgeschäft der Banken anzusetzen. Die Reichsregierung hat nunmehr die Aufgabe, fiber bie Erhöhung der Ausfuhrabgabe allgemein Ich bin überzeugt, daß weite Kreise der Industrie und des Handels jetzt mit aller Kraft und planmäßig an die Auswertung 60 Pro3. Auffchlag auf die bisherige Ausfuhrabgabe ist erganinnerlich ganz anders zu der Frage stehen. der veränderten Grundlage unferer Finanz- und Volkswirtfchaft heranzugehen. Sollten dabei einzelne, die an der Börse gen. Ebenso der erste Teil der Einfuhrsperre, nämlich die Außer der Devisenkontrolle brauchen wir nach meiner Meinung oder sonstwie fchief" liegen, unter die Räder fommen, dann Einfuhrverhofe für Tabat und alle seine Nebenprodukte, furafriftige Goldschabwechsel, um der Flucht aus der haben sie das zu tragen. Die Arbeiter, ja, die ganze breite et enfo für Summern, Rafaoichalen und Rafaomaffe. deutschen Marf entgegen zu wirken. Natürlich ist das für die FiMaffe des Volkes ist seit Jahren der duldende und leidende Für weitere Einfuhrverbote, z. B. für zahlreiche Arten von Süd- nanzverwaltung ein sehr großes Risifo, wenn man annimmt, daß Teil unseres Boltes. Er ist ein Grundpfeiler unserer Wirt- früchten bedarf es der Zustimmung des Ernährungsministeriums. der Dollar noch einmal weit über 2000 steigen fönnte. Aber es ist fchaft, im Gegnfaz zu manchen Kreisen, die sich mehr um den Was die Einfuhrverbote anbetrifft, so bleibt die Einfuhr von noch fein anderes Mittel vorgechflagen worden, um die Markflucht Dollar fümmern, als uns allen nüßlich ist. Ratao bohnen frei. Die Einfuhrsperre für Tabat ist natürlich noch kein anderes Mittel vorgeschlagen worden, um die Markflucht Eine selbstverständliche Auswirkung der Erleichterung nicht als dauernd gedacht. Sie wird aufgehoben, sobald die nichts unternehmen, zerrütten wir das ganze Wirtschaftsleben. unferer Lage muß ein heruntergehen der Preise außerordentlichen Zollerhöhungen in Kraft ge. Es muß auch den Millionen geholfen werden, die auf Renten aller Lebens- und Nahrungsbedürfnisse wer- treten sind, die wir für notwendig halten. Bekanntlich find froß und dergleichen angewiefen sind. Ihnen müssen wir nicht nur erden. Wo die Preise auf Grund entgegengesetter Einflüsse des Einfuhrverbotes durch das Loch im West en ständig große höhte Bezüge geben, sondern vor allem Sachleistungen, Maffennicht fallen wollen, dort muß die Reichsregierung fie fto ßen, Mengen Tabaffertigfabritate eingeführt worden. speisungen und Wärmestuben, und auf diese Weise ihre Konsumkraft daß sie fallen. In den jüngst vergangenen Wochen sind die f Auf dem Gebiet der Ernährung steht zunächst der Ge- fünftlich erhalten. " Forderungen der Berliner Arbeiter. Igarine auch nicht vor den einschnetbenbften Maßnahmen zurüdzuschreden, wie auch gegen den Auslauf Deutschlands durch Die gestrige Versammlung unserer Berliner Parteifunktionäre valutastarfe Ausländer mit allen nur möglichen Mitteln einzus hat folgende Entschließung gefaßt: schreiten. Das Ministerium des Innern wird bereits in diesen Tagen mit " Angesichts der immer mehr und mehr sich zu einer Ratastrophe auswirkenden Leuerung aller Lebensmittel und der nicht ge- einigen unmittelbar vor dem Abschluß stehenden Verordnun rechtfertigten nur auf das Steigen des Dollars gestützten gen herauskommen, die in der Richtung der in der Sitzung des maßlosen Berteuerung aller sonstigen Gebrauchsgegenstände Staatsministeriums diskutierten Vorschläge liegen und die u. a. auch insbesondere auch der reinen Inlandserzeugnisse erhebt die Funk- den Unfug der Schlemmerlotale erheblich einschränken werden. tionär konferenz der SPD. gegen diese willkürliche Herauffezung und Ueberhaupt werden die Verordnungen diejenigen gesetzlichen Handeinseitige Festsetzung der Preise, die einer unerhörten Bewuche- haben bieten, die nach Lage der Dinge und bei den schwierigen Verrung der minderbemittelten Bevölkerung gleichfommen und die hältnissen die eine nichtstabilisierte Währung mit sich bringt, über Not zu einer Katastrophe gestalten, schärfften Protest. haupt zu schaffen sind. Die Funktionäre verfennen nicht, daß ein Teil dieser Bertenerung zurückzuführen ist auf außenpolitische Vorgänge, für die ein Ausgleich in sofortiger Erhöhung aller Löhne und Behälter gefchaffen werden muß. Die Funktionäre fordern daher fofortiges Eingreifen der Regierung zur Sicherstellung der notwendigsten Nahrungsmittel und Gebrauchsgegenstände zu erschwinglichen Preisen. Die Funktionäre schließen sich vollinhaltlich den Forderungen der Gewerkschaften an und fordern Parteivorstand und Fraktion auf, gemeinsam mit der USB. und den Spitzen organisationer. der freien Gewerkschaften alle Maßnahmen zu er greifen, die geeignet sind, die Lebensmittelnot zu lindern und die Ernährung für die nächsten Monate, insbesondere für den fommen den Winter sicherzustellen. = Die Regierung wird aufgefordert, mit den Verbraucherorganifationen und den landwirtschaftlichen Verbänden Bereinbar un gen über Lieferungen vor Rchrungsmitteln usw. zu treffen. Soweit zur Sicherung der Ernährung öffentliche Be wirtschaftung erforderlich ist, ist diese ohne Verzug durchzuführen. Es fann nicht angehen, daß bei der gegenwärtigen Not einzelne Schichten der Bevölkerung sich auf Kosten der Allgemeinheit in ungerechtfertigter und schemlosester Weise bereichern. Die Funktionärfonferenz anerkennt, daß die Regierung den Forderungen der Gewerkschaften und der Parteien ernsthafte Beachtung geschenft und einige dieser Forderungen übernommen hat. Darüber hinaus muß aber gefordert und erwartet werden, daß soll das Schlimmste vom Volfe abgewendet werden unver züglich alle Maßnahmen getroffen und durchgeführt werden, die die jetzt unerträgliche Lebensmittelnot beseitigen. Die Funktionärfonferenz erwartet vom Bezirksvorstand, daß er bei allen in Frage kommenden Körperschaften in diefem Sinne wirkt und erforderlichenfalls in öffentlichen Bersammlungen Bericht erBorher hatte die Versammlung sich mit dem neuen Mietsgesetz befaßt. Wir berichten darüber an anderer Stelle. ſtattet." Das preußische Staatsministerium und der Kampf gegen die Tenerung. Das preußische Staatsministerium befaßte sich in seiner heutigen Sigung ausschließlich mit einer Besprechung der Maßnahmen, die als aussichtsreich für eine Bekämpfung von Wucher und Preistreiberei auf dem Lebensmittelmarkte und bei den lebenswichtigen Bedarfsartikeln in Frage kommen. Als taugliche Mittel zur Durch setzung der Bemühungen um die Sicherung der Boltsernährung wurde u. a. angesehen: Wiedereinführung des vielerorts nicht mehr bestehenden 3 manges zur Preisauszeichnung sämtlicher Waren und besonders genauer Gerichts- und Preisbezeichnungen des Badwerts in den Bädereien. Heranziehung der Konsumentenfreise zur Kontrolle der Preise in den Geschäften und auch auf den öffentlichen Lebensmittelmärkten. Man war sich weiter darüber flar, nach Möglichkeit die für das Bublifum vielfach bestehenden. Schwierigkeiten aus dem Wege zuräumen, daß Anzeigen megen Preiswuchers auch sofort bei der richtigen Stelle angebracht werden fönnen. Die Notwendigkeit einer Einschränkung der Zahl der immer mehr überhand nehmenden Ausf chantstätten von Weinen und Likören und vor allem die unbedingte Bermeigerung von Konzessionen für die Neuerrichtung von Weinstuben, Dielen und Bars wurde einstimmig anerkannt Ebenso setzte sich das Staatsministerium für den großzügigen und umfassenden Ausbau der für den Winter geplanten Boltsfüchen und Massenspeisungen ein. An die Reichsregierung wird die Anregung gerichtet werden, zur Sicherung des Bedarfs der Bevölkerung an 3 uder und Mar Die Büste Emils des Elften. Sie stammte aus der feuchtfröhlichen Zeit, da Herr Baldauf fein zehnjähriges Mitgliedsjubiläum im Gefangverein Blümlein blüh auf!" feierte. Mit diesem Zeitpunkte haite früher ein regelmäßig übendes und steuerzahlendes Mitglied Anwartschaft auf ein Bierseidel. Da man aber wußte, daß Familie Baldauf an germanischen Trinfgefäßen reich gesegnet war, mußte man ,, auf etwas an deres kommen", auf etwas Neutrales, vielleicht auf etwas für die gute Stube". Damit wurde zugleich auch die Frau gewonnen und für die Zwecke des Vereins milder gestimmt. Man wußte, daß Frau Baldauf einen leeren Blumenständer, eine Art Baneelbrett befaß. Dort hatte einst die künstliche Balme gestanden, ehe sie der Sturm umwarf und fnicte. ,, Gut, wir geben ihr eins aufs Paneelbrett!" sagte man, aber was?" Die Fabrikanten der damaligen Geschmacksrichtung hatten zur Verwilderung des Kunstfinnes das Ihrige getan, und man faufte, wenn's nur glänzte und billig war. So entschied sich die Kommission, die mit der Beglückung des Jubilars beauftragt war, für eine Kolossalbüfte des das Fürstentum beherrschenden Regenten Emils des Elften. Frau Baldauf war etwas enttäuscht, sie hatte einen Kronleuchter erwartet; der fam also erst beim 25jährigen Jubiläum. Emil der Elfte im Schmucke des Feldwebelbartes a la 66 mußte fich 15 Jahre langweilen auf seinem Piedestal und bekam jede Woche einen flüchtigen Wischer mit dem Staublappen. Allmählich wurde auch er schadhaft und unzeitgemäß und wanderte hinauf in die Bodenfammer. Verbot der„ D.A.3. Auf Grund des Gesetzes zum Schuße der Republik hat die Regierung die„ Deutsche Allgemeine Zeitung" auf acht Tage verboten. Ursache des Verbotes ist ein Artikel in der Freitag- Morgenausgabe der DA3. von Professor Paul Lensch mit der Ueberschrift Keine Illusionen" sowie ein weiterer Artifel in der Freiag- Abendausgabe„ Unannehmbar und undiskutabel". Beide Artikel beschäftigen sich mit der Entscheidung der Reparationskommission und enthalten in diesem Zusammenhang schwere Angriffe auf die Reichsregierung. So sagt der Artikel Paul Lenschs, daß sich die Reichsregierung durch ihre sprichwörtliche Unzuver lässigkeit im Ausland schon längst um allen Kredit und um alles Ansehn gebracht habe". Weiter heißt es: " Das Kabinett Birth hat das Vertrauen des Auslandes nie besessen und das des Inlandes längst verloren." Umbildung der öffentlichen Brotversorgung. Im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft ist eine Berordnung ausgearbeitet worden, durch die die öffentliche Brotversorgung auf die Minderbemittelten beschränkt werden soll. Durch diesen Entwurf werden, wie die„ Dena" erfährt, als nicht verforgungsberechtigt diejenigen Personen erklärt, deren Einkommen Wiewohl diese Angriffe außerordentlich schwer sind und 1921 für Alleinstehende 30 000 Mart, für den Haushaltungsvorstand mit Recht von der„ Germania" als ein„ Dolchstoß" in dem 30 000 Mark und für jede weitere Person im Haushalt 10 000 Mart jezigen fritischen Augenblick bezeichnet werden, möchten wir überſtiegen hat. Wer nachweist, daß sein Einkommen 1922/23 das doch bezweifeln, ob ein Verbot auf Grund des Schutzgesetzes Dreifache des foeben angegebenen Einkommens nicht übersteigt, die richtige Abwehr bedeutet. Jedenfalls wollen wir uns, bleibt versorgungsberechtigt. Hiernach würde also eine Familie mit 2 Kindern erst bei einem Einkommen von mehr als 180 000 marf im nachdem das Verbot erfolgt ist, während seiner Dauer nicht nächsten Wirtschaftsjahr von der öffentlichen Brotversorgung ausges fritisch mit diesen Artikeln auseinandersetzen. Doch muß auf fchloffen sein. Die große Masse der Angestellten und Beamten wird ihre tatsächliche Bedeutung mit einigen Worten hinDie Artikel sind zweifellos feine Privatfich dennoch am Genuß des Markenbrots erfreuen fönnen. Das viel gewiesen werden. leicht auffällige Zurüdgreifen auf das Einkommen von 1921 erflärt arbeit ihrer Verfasser, sondern im Einverständnis mit dem fich aus dem Wunsch, eine fertig abgeschlossene Periode der Rechnung Herausgeber der„ DA3.", mit Herrn Stinnes, geschrieben. zugrunde zu legen. Nach der Verordnung wird den Kommunalver. In diesem Lichte gewinnen Säge besondere Bedeutung, wie bänden freie Hand gelaffen, wie sie den Ausschluß der Höherbemittel 3. B. der: Es sei beinahe komisch, in der Aktion der ten vom Anspruch auf das Markenbrot durchführen wollen. Zumeist ndustrie eine Rettungsaktion zugunsten der deutschen dürfte die Borlegung der Einkommensteuerquittung für 1921 ver- Regierung zu erblicken. Damit sett Herr Stinnes seinen langt werden. Kampf gegen die Erfüllungspolitik des Kabinetts Wirth unentwegt fort, war der zweite Artikel bestätigt, in dem er die Entscheidung der Reparationsfommission als unannehmbar und nicht einmal diskutabel bezeichnet und mit den Worten schließt: Heute ist das Martenbrot schon aus Qualitätsgründen eine Angelegenheit der Minderbemittelten, es erscheint reichlich fraglich, ob Deswegen überhaupt noch solch fomplizierte Berechnung der Bezugs. berechtigung notwendig ist. Milliarden für Sozialrentner. Die Renten empfänger aus der Invaliden und Angestelltenversicherung erhalten bisher schon neben einer erhöhten Rente laufende unterstützungen. Zu außerordent lichen Notstandsmaßnahmen für sie stellt das Reich jetzt außerdem den Betrag von 1 milliarde Mard den Ländern zur Verfügung. Diese oder die Gemeinden, oder beide zusammen, sollen dazu aus eigenen Mitteln wenigstens% der aufzuwendenden Beträge beisteuern, so daß rund 1,2 Milliarden Mart außerordentliche Mittel zur Linderung der gegenwärtigen Notlage der Sozialrentner als bald verwendbar sind. Die Reichszuschüsse an die Länder für Maßnahmen zur Unter. stüßung notleidender Kleinrentner sind von 500 Millionen Mart auf 1 Milliarde Mark erhöht worden. Die Teuerungszuschüsse für Kriegsbeschädigte und Kriegerhinterbliebene, die durch Gefeß vom 21. Juli 1922 mit Wirkung vom 1. August 1922 ab neu geregelt waren, sind durch Verordnung vom 11. August für den Monat September_um durchschnittlich 66% Pro3. erhöht. Außerdem soll noch im Sep. tember eine Nachzahlung erfolgen, die durchschnittlich die Hälfte der am 1. September zahlbaren Teuerungszuschüsse betragen wird, so daß die Teuerungszuschüsse gegenüber den Auguft- Beträgen insgesamt um rund 140-200 Proz. erhöht sein werden. Die Reichsmittel der sozialen Kriegsbeschädigten- und Kriegerhinter bliebenen für sorge sind bereits von 500 Millionen auf eine Milliarde Mark erhöht worden. wird In letzter Stunde aber haben wir neuerdings die Forderung aufzustellen, daß in der deutschen Politik alle Demagogen, Phantasten und Narren, daß alle vom Größenwahn beseffenen Apostel neuer Wirtschaftslehren in den Schatten zurüdtreten, aus dem sie zu Deutschlands Unglück in dunkler Zeit hervorgekommen sind. Sie haben das deutsche Volk in den Ruin geführt. Mögen sich Männer finden, die das Schlimmste abwenden, bevor sich die Tragik unseres Schicksals vollendet. Das ist allerdings eine Kriegserklärung gegen die Regierung in der denkbar demagogischsten Form. Für den verSöhnenden Humor sorgt in diefer Situation allein die Rote Fahne", die ihrem Leitartikel über die Entscheidung der Reparationsfommission die Ueberschrift gibt: Stinnes triumphiert". Schutz der Republik in Braunschweig. Braunschweig, 1. September.( TU.) Die braunschweigische Staatsregierung hat eine neue Verordnung zum Schuße der Republik erlassen. Danach werden Regimentsfeiern und andere Bersammlungen von Angehörigen ehemaliger Truppenteile bis auf weiteres verboten. Ausgenommen sind Veranstaltungen solcher Bereinigungen, die, wie der Reichsbund der Kriegsbeschädigten, nicht wesentlich auf dem Grundsage der Traditionspflege beruhen, sondern in der Hauptsache die Förderung der wirtschaftlichen und sozialen Belange ihrer Mitglieder bezwecken. In der Verordnung find Strafen von drei Monaten bis fünf Jahren Gefängnis ange fündigt. Auf dem Gebiete der Krantenversicherung eine Aufbesserung der Leistungen durch Herauffezung der Höchst grenzen für die Bemessung des Grundlohns vorgesehen; außerdem wird die Versicherungsgrenze erhöht. Auf dem Gebiete der Un. fallversicherung wird ebenfalls eine Erhöhung der VersicheTreugelöbnis der rheinischen Polizeibeamtenschaft. Der neue rungsgrenze und einiger für die Berechnung der Leistungen maz Polizeipräsident von Halle a. d. S., Genosse Paul Runge, hat bei gebender Beträge erfolgen. Auch in der Angestelltenverfeiner Berabschiedung aus dem Amte des Kölner Polizeipräsidenten ficherung wird die Versicherungsgrenze erweitert werden. die Kölner Polizeibeamtenschaft gebeten, weiterhin für das Deutsch tum in der Rheinprovinz zu wirken. Insbesondere sei die unifor mierte Polizei in Köln berufen, das Anschen des Staates hochzuhalten. Regierungsrat Albrecht erwiderte als Vertreter des Beamtenförpers. Er gebe das Gelöbnis, daß die gesamte Polizeibeamtenschaft dem Reich die Treue halten werde. Polizeipräsident Richter, der vorgestern in Bremerhaven abgefahren war, ist wegen der politischen Lage funtentelegraphisch zurüdberufen worden und landete in Cherbourg, von wo er nach Berlin zurückkehrt. ist nun eine neue Epoche auch für die reichen Schäße diefes wich- sich der Frauengunst nicht mönchisch versagt. Da überfällt die tigen Zweiges unserer Sammlungen eingetreten. Unter der Leitung Moral das Kokottchen, das sich Baronin nannte. Sie hat sich von Prof. Schuch hardts ist der Umzug in die Neuaufstellung( im einem Zeremonienmeister für ihren Aufstieg drillen lassen. Jetzt ersten Stock des ehemaligen Kunstgewerbemuseums) nun wird der Meister ein Quälgeift. Sie möchte dem Präsidenten mehr glücklich beendet. Der Preffe war am Freitag Gelegenheit entschlüpfen und wieder einmal fröhlich und frei auf dem Montgegeben, sich vom neuen Stand der Dinge zu überzeugen.( Die Er- martre speisen. Es geht nicht. Für die Königin der Halbwelt gilt öffnung für das Publikum findet Sonntag, den 3. September statt.) das gleiche Gesez wie für die anderen Kronenträgerinnen. Sie In den weiten hellen Räumen bietet sich ein neues Museum dar, weint, aber fie muß regieren. Wenig Lustigkeit, viel Geschwafel das für die Aufklärung der Massen von hervorragender Bedeutung und Schwerfälligkeit. Bier Dramatikerhände fnüpften. Bier Hände werden fann und muß. In wohlgeordneten Gruppen wird hier lasteten oft viel zu arg auf dem Fortgang des Spiels. Trotzdem. die Geschichte der Menschheit entwickelt, von der zumeist keinerlei dachten der Direktor und der Regisseur, der den teuren Rotstift Ueberlieferung zeugt; was die methodische Arbeit der Ausgrabungen schonte, und Frau Konstantin, daß eine Bombenrolle hier aus den ältesten Seiten an erschlossen hat, wird hier vorgeführt: gegeben fei. Man denke: Von der Jodkaliftimme bis zum Ge die wahre Geschichte der Menschheit, die Arbeits- und Kultur- trällere der vornehmen Dame und bis zum Geplärre der Halbweltgeschichte ist. Von der ältesten Steinzeit bis ins farolingische Zeit- regentin! Nun ja, das innere Beug und das Schneiderinnenzeug alter werden in übersichtlicher Gruppierung die Leitformen der Ent- der Frau Konstantin ist heiter, es reicht auch zum Ernste, es wird widlung geboten. virtuos gehandhabt. Doch nur die Virtuofität bleibt sichtbar. Das Ganze ist faum zu ertragen. Nieten in dem Stüd überall, Nieten auch in dem Spiel der Virtuofin, der es nicht gelingt, all die Schadhaftigkeit des geschickten und wieder plump gezimmerten Theaters zu vertuschen. Fräulein Lia Eibenschüz, Herr Kluber. tanz, Herr Schroth und Herr Haase dressierten sich auf den Pariser Ton. Es nußte nicht viel. Die Importe schmeckte nicht gut. Steinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit! Welch eine mächtige Beitspanne und welch ungeheuren Aufstieg schließen diefe Namen in fich, die hier lebendig veranschaulicht werden! Welche Fülle von Typen und welcher Reichtum von einzigartigen Funden find hier ver sammelt! Haufers Urzeitmenschen: der homo mousteriensis und aurignaciensis Schliemanns und Dörpfelds Troja- Ausgrabungen, Birchows Sammlungen und nicht zuletzt die Ergebnisse von Schuchhardts Forschungen in Rumänien usw. find hier zum ersten Male in würdiger und übersehbarer Weise ausgestellt. Eine eingehende Führung werden wir in einer der nächsten Nummern der Heimwelt" bringen und dabei neben der verdienten Anerkennung für die Leistung Prof. Schuchhardts weitergehende Wünsche vorbringen. M. H. Eröffnung der Großen Boltsoper. Die Große Bolksoper, das Bieles bleibt noch zu tun, damit die Sammlung volkstümlich forge für künstlerisches Gelingen, steht nun wirklich da. Werk dreijähriger Arbeit an Propaganda und monatelanger Borwerde, fie muß noch viel profitieren von der Museumspolitik, die schlimmster wirtschaftlicher Not ein milder Glanz. Oper des Volkes, In alles in leichtfaßlicher Anschaung übersetzt, die Milieus rekonstruiert der arbeitenden Menschen, derer, die nach Kunst und Musik hungern. und neben den Längsschnitten Querschnitte verwendet. Aber die Mit einem schöneren Aufflang fonnte die Direktion Lange im Grundlage ist gelegt, und Berlin ist um eine bedeutende Bildungs- eigenen Haus( bisher Theater des Westens) den Geburtstag nicht stätte reicher. feiern als mit einer Freischüß- Aufführung. Sie wurde mit Beifall aufgenommen und verdient als erste Leistung Respekt. Wieviel war zu arbeiten, wieviel einzelnes mußte berechnet, zusammengestellt, gedrillt und freigemacht werden, damit überhaupt ein Ensemble an Orchestermusitern, Thor, Solisten zustandekam. Bor tische Stimme. Viel wird zu sagen sein über ein Soliftenmaterial, dem Eindruck, daß das Werk steht, verstummt im Augenblid triIn dem zunächst kaum ein Künstler von erſtem, aber auch keiner von drittem Rang zu sein scheint, von einem Orchester, das an vielen Stellen noch schüchtern, in mehr Perioden noch stumm und ungebändigt blieb, von einem oft allzu gemächlichen Tempo, an dem der treffliche Kapellmeister ößling nicht ganz unschuldig war, von allzu ftilifierten Details der Regie. All dies soll nach der zweiten Vorstellung, dem Lohengrin", erneut behorcht und geprüft werden. Nicht die Nachtſtunde, sondern ein froher Tag soll die neue Stätte der Kunst und ihren Willen prüfen. K. S. In der Zeit der Not, da die oberen Räumlichkeiten auf reale Werte hin geprüft wurden, entdeckte man neben der Petroleumlampe auch Emil den Elften. Daraus wird Geld gemacht!" sagte Frau Baldauf, und da man im Städtchen feine deutschvölkische Walhalla besaß, trug fie die Büste in einen Laden, an dem„ Ein- und Verfauf" zu lesen war. Dort lagen in schöner Eintracht Schuhe jeden Alters, falsche Delgemälde mit bayerischen Bergen, Zahnstifte und und Marcel Gerbidon. Die neue Saison, die alte Litanei. Die Custspielhaus:„ Die Schule der Kofoffen" von Paul Armont österreichische Feldmüßen nebeneinander urd wurden zu höchsten Szene wird nicht zum Tribunal, sondern zum Kokottenstübchen. Preisen gekauft. Ein solcher Händler schreckt vor nichts zurüd, er Borläufig zögert man noch, das Schlafzimmer oder die Badewanne blieb auch gefaßt, als Frau Boldauf Emil den Elften auf dem La- auf die Bühne zu bringen. Wahrscheinlich wird noch der Fühler dentisch enthüllte. Haben Sie Bedarf?" fragte sie fleinlaut. Der nach dem ausgestreckt, was die Theatergäste bei erhöhten Eintritts Trödler besah sich die Angelegenheit fühl bis ans Herz hinan, gudte, preisen verlangen und vertragen. Dabei ist dieses Stüd, aus Paris betlopfte... Der Kopf ist hohl!" fagte er, sonst fönnte ich bezogen, in ein jämmerliches Deutsch übersetzt, im ersten Afte ganz den Bronzewert bezahlen.. 5 Mark will ich geben!" Frau Bald furzweilig, im zweiten langweilig und im dritten triefend von auf graute vor dem langen Rückweg. Sie strich die 5 Mark ein und einer Moral und Sentimentalität, die sicher allen Kaffeeschwestern zu verließ den muffigen Laden. Dann legte sie noch 3 Mark dazu und Herzen geht. fuhr mit der Elektrischen nach Hause. 2. B. Es handelt sich um die junge Dame, die aus der horizontalen Lebenslage Kapital schlagen und bis zum Gipfel ihres Berufes hinauf will. Das gelingt diesmal. Aus dem Kleinfofottchen wird Das Berliner vor- und frühgeschichtliche Museum. geschichtliche Abteilung der staatlichen Museen, wie die amtliche Be Spenders. Noch weiter empor, und das Fräulein vom illegitimen Die vor die Inhaberin einer angenehmen Wohnung und des dazugehörigen zeichnung dieser Sammlung immer noch lautet, führte früher in den Bett wird Schloßbefizerin. Ja, ganz Paris fennt die Dame, fie unübersehbaren Maffen des Völkerkunde- Museums ein wenig be- hängt als Reflame für Bufenhalter in den Straßenbahnen. Der achtetes Dasein Mit der Neugestaltung dieses und anderer Museen Präsident der Republik wird mit ihr speisen, und es heißt, daß er unentgeltlich geöffnet werttäglich von 10-9 11r. Im Dom beginnt Walter Fischer feine regelmäßigen Drgel. fonzerte wieder am Donnerstag, den 7. Sept., abends 8 Uhr. EntStraße 7a) find nen ausgestellt Drude und Handschriften, der Rudol nahme eines Programms( 5 M.) berechtigt zum Eintritt. In der Bibliothek des Kunstgewerbemuseums( Prinz- Albrecht finischen Druder Rudolf Koch und Rudolf Geritung in Offen bach am Main, Zeugnisse neuer deutscher Buchfunst und Schönschreibelunit Nr. 414 39. Jahrgang Beilage des Vorwärts Sonntägliche Wanderziele. Das Hermsdorfer Fließ. Sonnabend, 2. September 1922 selbe gilt vom Hausbrand, dessen Kontingent von Jahr zu Jahr herabgesetzt werden mußte und weit unter dem normalen Bedarf liegt. Die Gaswerte sind auf fieben 3ehntel ihres Bedarfs herabgedrückt und haben jetzt Vorräte für durchschnittlich nur 8 Tage. Ebenso schlimm steht's um die Eisenbahnen. Sie haben zurzeit von deutscher Berlin zurüd. Beglänge bis Echilbow 10 Kilometer, bis Nordend Kohle für 3½ Lage, dazu von englischer Kohle für 6-7 Lage, das 15 Kilometer. Wie wird das Sonntagswetter? N. SWS wowinn NO .SO GL Sturm Regen und Veränderlich Schön Wind Gewitter 30320 דידי 30 20 20 10. 10 0 0 10 10 °° sind zusammen für etwa 10 Tage Borrat, während zu ihrer Sicherung ein Vorrat für mindestens 21 Tage nötig wäre. Polen nimmt von seiner Förderung nicht nur ungewöhnlich viel Kohle für sich in Anspruch, sondern auch die besten Kohlensorten, Lokomotiv: und Gaskohlen. Die Beeinträchtigung Deutschlands ist bei diesen Kohlen noch stärker als bei der Gesamtmenge. Aus Oberschlesien erhielten die deutschen Eisenbahnen 1922 im März 308 000 Tonnen, im Mai 309 000 Tonnen, im Juli nur 121 000 Tonnen. Auch die Preisbemessung ist sehr ungünstig. Die polnisch- oberschlesische Kohle foftete im August schon 215 Mark pro Tonne mehr als die deutsch- oberschlesische. Der Reichskommissar äußerte zum Schluß die Befürchtung, daß im Winter infolge Kohlenmangels auch Störun gen in der Industrie eintreten tönnten. Maßnahmen gegen den Wucher. Polizei zur Unterstützung der Käufer. Dem Hermsdorfer Fließ, dessen unteren Lauf wir als Tegeler Mühlenfließ bereits fennengelernt haben, gilt diese Wanderung. Bom Stettiner Borortbahnhof fahten wir mit den Vorortzügen der Nordbahn( Hermsdorf, Birkenwerder oder Oranienburg) bis Maidmannslust. Vom Bahnhof bringt uns die nach Lübars führende Straße zur Lübarfer Ziegelei. Der hier abgebaute Ton ist Sep- 1 tarienton aus der Mitte des Tertiärzeitalters. Erdgeschichtlich sind diese Ablagerungen verhältnismäßig jung; sie gehören bereits der Neuzeit der Erdgeschichte an und werden von der Jetztzeit durch das Eiszeitalter getrennt. Immerhin sind aber einige Millionen Jahre vergangen, seit das Meer, das diese Tone absetzte, hier wogte. Wir wandern die Landstraße weiter. Lints zieht sich das Lal des Fließes hin, dessen breite Sohle völlig eben ist. Rechts erstrecken sich ziemlich hoch ansteigende Bergtetten, der ehemalige Uferrand. Das eigentliche Fließ ist nur ein schmaches Rinnfal im Berhältnis zur Breite des Tals. Die Wassermassen, die dieses Tal ausmuschen, waren bedeutend mächtiger. Es waren die Schmelzwasser am Ende der Eiszeit. Ein stattlicher Fluß zog zu jener Gestern fand unter Borsiz des Oberbürgermeisters im Berliner Zeit durch das Tal, dem Berliner Urstrom zu, in den er bei Legel Rathaus eine Besprechung statt. Es wurde darüber beraten, durch mündete. Als sich die Echmelzwasser verlaufen hatten, versiegte der Fluß, und die tiefste Stelle des Tals wird von dem Hermswelche Mittel der Bewucherung und Ueberteuerung vorgebeugt dorfer Fließ durchzogen, das die Höhen des Niederbarnim entwerden könne. Die Besprechungen werden heute fortgesetzt. In wässert. Das Tal wurde in ein Moor umgewandelt, auf dem fich den Markthallen werden besondere Aushänge angeschlagen die Erle ansiedelte und Bruchwälder bildete. Heute sind diese werden; mit der Wucherabteilung des PolizeipräWälder ausgerodet und das Gelände ist in Wiesen umgewansidiums ist vereinbart, daß besondere Stellen zur Aufdelt worden. Nur an vereinzelten Stellen sind noch Teile des Am letzten Sonntag war hoher Luftdruck von West- nach flärung und geeigneten Unterstützung des Publikums Erlenwaldes erhalten geblieben. Diese Stellen sind zu naß und Mitteleuropa vorgedrungen, der Himmel klärte sich daher in West- eingerichtet werden. tommen für die Grasnugung nicht in Frage. Durch die jährliche deutschland, dann östlich der Elbe ziemlich rasch auf und es Mahd wird es unmöglich gemacht, daß ein Baumbestand fich ent- wurde allgemein wärmer. Schon am Montag überschritten die Bürgerliche Hausfrauen für Wucherfreiheit. wideln kann. Wir sehen hier die gleichen Verhältnisse vom Men Temperaturen westlich der Elbe vielfach 25 Grad Celsius und am Der Hauptausschuß der Preisprüfungsstelle Groß- Berlin hat den schen hervorgerufen, die bei den großen Strömen( Weichsel, Warthe, Dienstag herrschte fast im ganzen Reiche trockenes, heiteres und Beschluß gefaßt, auf dem gesamten Warenmarkte die WiederOder, Elbe usw.) durch den jährlichen Eisgang und das Hochwasser für die Jahreszeit recht warmes Wetter. Im oberen Rheintale beschaffungskosten für die Preisbemessung einzusetzen. verursacht werden. Diese besorgen hier gewissermaßen eine zeigte das Thermometer in den Mittagsstunden 30, am Mittwoch natürliche Mahd, so daß sich natürliche Wiesen zu beiden Seiten zu Magdeburg 31 und zu Halle sogar 32 Grad Celsius. Das Luft- Dieser Beschluß, der den bestehenden Gesetzen und der Rechtdruckhoch zog nun nach Osteuropa weiter und vom Ozean her[ prechung des Reichsgerichts widerspricht, öffnet des Stromes ausdehnen. An verschiedenen Stellen treiten sich folgte ihm langsam ein umfangreiches, weit nach Süden ausge- Wucherfreiheit Tür und Tor, weil danach auch die älteste Toristiche aus. Dann grüßt das freundliche Dörfchen Lüdehntes Tief. Die Winde drehten sich nach Süd und es blieb zwar und am billigsten eingekaufte Lagerware zu den berühmten Tagesbars herüber, das wir durchwandern. Jenseits führt der Weg noch warm, aber die Bewölkung nahm in Westdeutschland all- preisen bei der Wiederbefchaffung verkauft werden dürfte. Er kam cm Talgrunde weiter. Aus den Hängen rechts vom Wege rieseln mählich zu. In der Rheinprovinz begann es zuerst zu regnen und dadurch zustande, daß die Vertreter der bürgerlichen Quellen, deren Wasser sich nach kurzem Lauf mit denen des Herms- dann breiteten sich die Regenfälle, die anfangs nur gering waren, Hausfrauenvereine, Frau Justizrat Mühsam und eine dorfer Fließes vereinen. Auf dem jenseitigen Ufer zieht sich der ostwärts etwa bis zur Elbe hin aus. Als der südliche Ten Frau Hauptmann Fied, mit den Unternehmern dafür stimmwestlichen Tiefdruckgebietes nach der Nordsee vorrückte, entKindel hin, ein schönes Waldgebiet, das menig aufgesucht wird. standen an seinem Südostrande flache Teiltiefe, die durch Mittel- ten, während die Arbeiter dagegen auftraten. Ein VerLeider ist auch hier die Abholzung im Gange. deutschland nach der südlichen Ostsee weiterzogen. Infolgedessen mittlungsvorschlag, wonach entsprechend der Rechtsprechung des Der Weg steigt auf die Hochfläche hinauf; lints unten im Tal drehten sich die Winde im Westen mehr nach Südwesten und West Heimsgerichts Kaufpreise aus alten und neuen Preisen unter 3uliegt Schilbow. Wir fommen auf die Liebenwalder Chauffee und führten merkliche Abkühlung herbei, die sich langsam auf grundelegung amtlicher Indegziffern erlaubt werden sollten, fand und können nun entweder links nach Schildem gehen, um mit der Ostdeutschland ausdehnte. Das Tief ist am Freitag nach Ablehnung. So begünstigen bürgerliche Konsumentenvertreter den Wucher, Kleinbahn über Reinickendorf- Rosenthal nach Berlin zurückzu- Mitteleuropa gewandert und hat nunmehr auch in dem übrigen Teil Deutschlands Regenfälle hervor. Norbend. Die Chaussee führt meist durch Riefelfelder wodurch durfte, ist für die nächsten Tage mit überwiegend der Bucherverfolgung jede Grundlage entziehen. Es ist zu hoffen, fehren, oder wir wandern rechts über Blankenfelde nach geruten. Da es seine Lage zunächst nur wenig ändern über den sie dann öffentlich zetern, indem sie durch ihre Beschlüsse das eigenartige Bild der hügeligen Landschaft start beeinträchtigt trübem, zu Regenfällen neigendem Wetter und mit daß die zuständigen Behörden gegen diese Art der Wucherbewird. Bon Nordend führt die Straßenbahn( Linie 47, 57) nach weiterer Abkühlung zu rechnen. fämpfung" ganz energisch protestieren werden. Kohlenforgen. Was wird der Winter bringen? Der Reichsfohlentommissar, Geheimrat Struß, gab gestern der Presse einige Ausfünfte über die Schwierigkeit der Beschaffung von Kohlen für den kommenden Winter. Die Lage sei, versicherte er, in diesem Jahre noch sehr piel ungünstiger als im vorigen. Seine Ausführungen er streďten sich nur auf die Frage, wie die Abtretung von Teilen Oberschlesiens an Polen die Versorgung Deutsch lands mit oberschlesischer Kohle beeinträchtigt. Fünfundsiebzig Kohlengruben gab es in ganz Oberschlesien und neunundfünfzig davon fielen an Bolen! Die bei Deutschland verbliebenen Gruben förderten im Jahre 1913 11 118 000 Tonnen, im Jahre 1921 aber nur 7273 000 Tonnen. Die Förderung in ganz Oberschlesien ist ungefähr in demselben Berhältnis zurüd gegangen: fie stellte sich in 1913 auf 43 801 000 Tonnen, in 1921 auf 29 668 000 Tonnen. Durch die Abtretung hat das Deutsche Reich drei Viertel der Kohlenförderung Ober fchlesiens eingebüßt. Dieser Verlust bedeutet gegenüber der gesamten deutschen Kohlenförderung( ohne Saarbeden) etwa ein 26] Der Sprung in die Welt. Ein Jungarbeiterroman von Artur Zickler. ,, Das ist meine Frau Anna," sagte Westmann fröhlich, „ die sich darüber freut, daß ihr Mann wieder heimgefunden hat und das ist ein neuer Freund, Hans Onfreder, ein Wandersmann noch jung an Jahren. Wir fragen beide um einen warmen Löffelstiel an und hoffen, daß sich die gnädige Frau unserer erbarmen wird." Wo der Zucker bleibt. der Fünftel. Verloren ist auch der größere Teil der fiskalischen Gruben, deren Förderung von besonders guter Qualität war. Die im VerDer Preis des Zuckers hat eine schwindelnde Höhe erreicht, bei tehrswesen Polnisch- Oberschlesiens seit der Abtretung eingeriffene der es einem Angestellten oder Arbeiter unmöglich ist, ein Pfund Unordnung hat dort Förderung und Versandt start ge mindert. Die Förderung betrug 1922 in ganz Oberschlesien im dieses Lurusartikels" zu faufen. Bekannt ist, daß Schoto. labenfabriten und Liförfabriten große Mengen März 3 194 000 Tonnen, im Mai 2 967 000 Tonnen, aber im Juli 3uder aufgekauft haben, wodurch die Zuckerknappheit und in Polnisch- Oberschlesien 2075 000 Tonnen, in Deutsch- Oberschlesien die Preissteigerung noch verschärft worden sind. Erfreulicherweise 688 000 Tonnen, zufammen nur 2 763 000 Tonnen. Der Bersand ist die Regierung entschlossen. eine Aenderung herbeizuführen, aber hat sich noch ärger verringert als die Förderung, so daß die Halden fie sollte schnell und energisch durchgreifen. Da ist z. B. die Litörbestände sich start gemehrt und von Ende Mai bis Ende Juli fich fabrik C. A. F. Kahlbaum Aktiengesellschaft in verdoppelt haben. Am meisten hat der Versand nach Deutschland Berlin, über die uns gemeldet wird, daß sie in ihrem Betrieb zu nachgelassen. Den gegen die deutsche Eisenbahnverwal Adlershof zirfa 336000 kilo 3uder liegen hat. Dieser Zucker tung erhobenen Borwurf, daß sie die Wagengestellung wurde zu dem billigen Preis von 15,57 mi. pro Kilo eingekauft, läffig betreibe, erklärte der Reichstohlenfommiffar für un hatte also damals einen Rechnungswert von über 5 Millionen begründet. Uebrigens habe der Lokomotivenbestand sich gegen. Mart. Derselbe Zucker hat jest unter Zugrundelegung eines über dem Vorjahre wesentlich gebessert. Durchaus unwahr sei, Kilopreises von 120 m. einen Gesamtwert von 40 Millionen daß von Deutschland aus nationalen Gründen bei der Ab- Mark. Auch in Berlin lagert für die Firma noch ein kleiner Zuckernahme polnisch- oberschlesischer Rohle Schwierigteiten gemacht porrat, der billig gekauft wurde. Der aufgestapelte Zucker foll jetzt werden. Wir nehmen, sagte er, von dort soviel Kohlen, wie wir so schnell wie möglich eingefocht werden. friegen fönnen, auch die minderwertigen Kohlen. Denn im Osten 31. August ab arbeiten drei Schichten und das bei derfelben ist der Kohlenmangel besonders groß! Die Rübenernte wird gut Firma Kahlbaum, die erst vor kurzem Arbeiter entlassen hat! Die ausfallen, aber die Zuckerfabriken find fast noch ohne Kohlen. Auch Hausfrauen stehen in Reihen an, um nur ein Biertelpfund des als die Kohlenlieferung für den Drusch ist noch sehr im Rückstand. Das| Nahrungsmittel unentbehrlichen Zuckers zu erwerben. Dort aber Bom und wandte die Augen von ihr ab. Als sein Blid sie wieder traf, hatte sie den ihren fest auf ihn gerichtet und wich ihm auch nicht aus. Im gleichen Augenblick spürte Hans, daß im tiefften Grunde seiner Empfindungen ein Ton aufflang, der ihn seiner Ruhe beraubte. Das fremde Mädchen hatte ihn gefangen. Noch einmal sahen sie sich an und wußten Bescheid übereinander. Die ganze Gesellschaft verlor den Sinn für Hans, er erschrat, als die anderen zum Aufbruch rüsteten. Gerda ging als erste und allein. Wir sehen uns wieder!" sagte sie zu Hans mit einer Stimme, in der ein leises fernes Läuten war. radikalen Jugendbewegung als Führer an. Sie unterschieden| Ausdruck seltsam an. Ihre Stirn war rein und klar, darüber fich wesentlich voneinander. Der Schlosser, ein nachdenklicher wölbte fidy eine straff gebundene Fülle schwarzen Haares. Mensch, wog jedes Wort, das er sprach, mit schwerer Zunge Hans beobachtete sie langé. Sie blieb völlig unbewegt, nur ab, der Tischler dagegen redete lebhaft und wenig durchdacht, ihre Augen gingen von einem zum andern. Nur Hans wurde er ließ fich feine Zeit und begleitete seine Rede mit heftigen übersehen, er merkte, daß sie seine Beobachtung gefühlt hatte Bewegungen feiner langen Hände. Der Schriftsteller hielt sich zurüd, er galt zweifellos als Autorität, wurde im Streit der Meinungen oft als Schiedsrichter angerufen. Die ältere Frau, deren Mann heute nicht anwesend sein fonnte, warf nur Broden unverfälschten Münchener Dialekts in die De batte, gewöhnlich dann, wenn Anna Westmann etwas gesagt Anna Westmann verschwand lachend in der Küche, wandte hatte, was sie zu beträftigen wünschte. Von den Mädchen sich in der Tür aber nochmals um und sagte ernsthaft mit den sprach nur eine, die Schwester des Studenten, eine temperaAugen zwinfernd: Man streicht sich aber die Füße ab, wenn mentvolle Jüdin mit furzgeschnittenen Haaren. Hans merkte, man zu feinen Herrschaften tommt..." Sie war im Rechte; daß fie viel mehr gelesen als verstanden hatte und daß sie es wurde fehrt gemacht und das Bersäumte nachgeholt. Dann nur soviel sprechen durfte, weil ihre Angeregtheit gut zu ihrem verfügten sich die beiden Männer in Westmanns Arbeits- hübschen Gesicht stand. Das andere Mädchen, blond und Es war ausgemacht, daß Hans bei Andreas Pauli im immer, wo es Hans schwer wurde, seinen Blick von den ftupsnäfig, fagie nichts, aber fie lächelte viel und ohne Grund. 3immer schlafen sollte. Borerst muß ich mit dir noch etwas Hunderten von Büchern abzuwenden, die sich in einem riesigen Die ernsthaftesten Bortführer, Thomas Westmann und An- reden." Der ernste Ton, mit dem ihm Westmann das sagte, Regal aufreihten. dreas Pauli, gerieten oft schroff aneinader. Weftmanns Art überraschte Hans. Sie gingen beide allein in das Arbeits" So, mein Junge," mahnte Westmann nach dem Effen, zeigte den Westfalen, er war eigenwillig, fräftig im Argu- zimmer zurück, wo der Rauch der Zigaretten um die Lampe jeht wirst du dich ein wenig langlegen und ausruhen. Gegen ment, fühn in der Behauptung und doch nicht ohne nüchternen schwebte. Westmann faßte Onfreders Hand und hielt sie fest. Abend fommen unsere Freunde, dann werde ich dich wecken. Sinn für das Reale. Ihm stand der Jude Bauli ebenbürtig Hans, wir fennen uns erst so furze Zeit, daß es mir Damit du ungestört bist, leg dich in das Zimmer von Andreas gegenüber. Florett gegen den Säbel, beschlagen im Wissen, Pauli, das ist einer unserer Kameraden, ein Student, der bei geschickt im Ausweichen, überlegen im Vorstoß, gewandt in schmerzhaft ist, eine Forderung an dich zu stellen, die du leicht Hans fah ihn verständnislos an. uns. wohnt." Westmann öffnete ein Gemach, das durch der Formulierung. Der Streit ging um Sinn und Tattit der mißverstehen kannst... " Ich weiß, was mit dir los ist. Ich gebe dir um deinetherabgelassene Jalousien verdunkelt wurde, Hans legte sich auf politischen Machteroberung. Hans fam es bei der Beobach das Sofa und schief ein. tung des Disputes weniger auf den Stoff und das Ergebnis willen den dringenden Rat, dich von dem Mädchen fernzuAls ihm Licht zwischen die geschloffenen Lider drang, an, als auf die Methoden des Widerstreites, die wesentlich halten!" hast du Stotternd fragte Hans: Was gegen fie?" schlug er die Augen auf und sah einen langen jungen Mann, einfacher waren als die vor ihm vorgebrachten. Er hätte sich ,, Nichts aber ich fenne sie. Sie ist nichts für dich. der ihm zunickte und höflich fragte:„ Habe ich Sie gestört?" am liebsten mit dem Schloffer allein auseinandergesetzt, der Hans spang verlegen auf. Andreas Pauli ist mein Name. seinem Wesen am nächsten kam. Eben begann er, diesem ein Sie ist schlimmer als Gift für dich. Sie wird dich aus allen Thomas hat mir schon von Ihnen erzählt. Drüben ist schon wenig zu fefundieren, als es flingelte und Frau Anna einen Geleifen werfen; denn du bist kein Mann, sondern noch ein die Gesellschaft beisammen und ich bin gekommen, Sie herüber verspäteten Gaft hereinbrachte, ein Mädchen in Onfreders Jüngling. Du wärest nicht der erste, der an ihr zerbricht, zuholen." Sie schüttelten sich die Hände; Hans wusch sich Alter, die allen anderen bekannt zu sein schien. Sie wurde doch wäre es um dich besonders schade. Versprich mir in die noch die Augen aus, dann gingen beide zur Gesellschaft hin- Gerda genannt, nickte allen nur zu und blieb am Türpfosten Hand, daß du sie meiden wirst... Hans spürte das Hämmern seiner Schläfen und senkte über. Es waren acht Leute da, zwei Arbeiter, ein Student, stehen. Hans murde von ihr erst bemerkt, als er ihr seinen den Kopf. Nun. ein befannter volkswirtschaftlicher Schriftsteller, zwei junge Stuhl anbot. Sie schüttelte den Kopf und blieb stehen. Mädchen und eine ältere Frau. Westmann war gerade dabei, Hans Onfreders Interesse an der Unterhaltung wurde„ Ich fann es nicht versprechen..." Westmann brannte eine Menge Rigaretten au stopfen. Hans beteiligte sich nicht schwächer, die Neuangefommene reizte feine Aufmerffamteit fich eine neue Zigarette an und lief im Zimmer auf und ab. ,, Da hat Bureden feinen 3med," sagte er halblaut, wie an den lebhaften Gesprächen, er begnügte sich damit, die ein mehr. Sie trug ein schwarzes, einfaches Kleid mit weißem zelnen Menschen zu beobachten und fennenzulernen. Die Kragen, in dem fleinen, blaffen Geficht zogen zwei schwarze zu sich selbst. Dann blieb er vor hans stehen. beiden Arbeiter, ein Schlosser und ein Tischler, gehörten der mandelförmig geschnittene Augen durch ihren rätselhaften 11 " ( Fortsetzung folgt.) Fruchthonig mit Bienenhonig und Ananas. werden hunderttausende Kilo zü Likör verarbeitet. Stunde zu Stunde. Abends gegen 10 Uhr begannen dann die Frau Anna Kreibe fonnte bis jetzt noch nicht ermittelt werden. Das fann ein profitables Geschäft für Kahlbaum werden. Unter systematischen Plünderungen der Grünfram-, Bäder- Man ist darum auch weiter bemüht, ihren Aufenthaltsort festzuden Arbeitern der Firma herrscht, wie man uns sagt, starte Erregung und Fleischläden, Butter-, Schuhwaren- und Kleidergeschäfte. Zustellen. Für die Aufklärung des ganzen Verbrechens, das immer über diese Zuckeraffäre. nächst versuchten Beamte der Schutzpolizei von Eberswalde, die noch in vollkommenes Dunkel gehüllt ist, hat die Behörde eine BeAusschreitungen zu verhindern. Trotzdem wurden eine ganze Reihe lohnung von 2000 M. ausgefeßt. Gleichfalls harrt auch der einige von Geschäften gestürmt und völlig ausgeplündert, so die Butter- Nächte vorher verübte Ueberfall auf zwei junge Leute in der Jahnhandlung pon Krüger und das Konfettionsgeschäft von ein- ftraße noch seiner Aufklärung. Auch für die Aufklärung dieses tuch. Als dann die Plünderer gegen 11 Uhr in die Weinhandlung Ueberfalles ist eine Belohnung von 2000 m. ausgesetzt worden. von Kretschmar eindrangen, fam es zu dem Zusammenstoß mit Mitteilungen, die auf Wunsch auch streng vertraulich behandelt werden Schußpolizeibeamten und zu der verhängnisvollen Schieße den, nimmt Kriminalfommissar Gahmig, Zimmer 45a des Polizeirei. Auf das telegraphische Ersuchen an das Berliner Haupt- präsidiums, entgegen. fommando wurde von hier fofort eine tombinierte Hundertschaft Milchpreise. Von Montag, den 4. September ab, beträgt der mit Lastkraftwagen nach Eberswalde befördert. Sie brauchte jedoch Preis für Kartenmilch 30 M. je Liter, für freie Vollmilch 34 M. je nicht mehr einzugreifen, da sich die Menge inzwischen Liter. Die Preise sind für Kleinhandelsgeschäfte und Abmelkwirtzerstreut hatte. Die Berliner Beamten wurden zur Verstärkung schaften( Molkereien) die gleichen. Die AI- und All- Mild farten der Straßenpatrouillen herangezogen. Außerdem wurden besondere werden wie bisher mit je 3/4 Liter, die BI- und BII- Milchlarten Posten vor den geplünderten Geschäften aufgestellt. Während der sowie die Karten für werdende Mütter( A- Karten) wie bisher mit geftrige Vormittag ziemlich ruhig verlief, versammelten sich gestern je 1 Liter Frischmilch beliefert. rachmittag wieder viele Frauen vor dem Rathause. In den Abendstunden trat jedoch völlige Ruhe ein. In den Kampf zwischen Bienenzüchtern und Kunsthonigfabrikan ten leuchtet ein Prozeß, der gestern vor dem Schöffengericht BerlinSchöneberg gegen den Kunsthonigfabrikanten August Bimmer wegen Nahrungsmittelverfälschung verhandelt wurde. Unter der Bezeich nung: Fruchthonig mit Bienenhonig und Ananas" hatte 3. ein Erzeugnis in den Handel gebracht, das in der Hauptsache aus Ingwerzucker, einem Prozentsatz Bienenhonig und Ananasfrüchten bestand. Hiergegen war von den Bienenzüchtern Strafantrag gestellt worden, da es sich um eine Irreführung des Publikums han deln sollte, weil mit dieser Bezeichnung beim Käufer die Vorstellung ermedt würde, daß er reinen Bienenhonig mit Früchten kaufe. Der Berteidiger des Angeklagten. Rechtsanwalt Bahn, überzeugte das Gericht, daß durch die Signatur das Erzeugnis hinreichend als in der Hauptsache aus Kunsthonig bestehend gefennzeichnet sei. Aus diesem Grunde wurde der Angeklagte freigesprochen. Die Amtsanwaltschaft verzichtete auf das Rechtsmittel der Berufung. Es sei aus diesem Anlaß noch einmal darauf hingewiesen, daß das Gefeß nur zwei Bezeichnungen fennt, nämlich " Honig" und" Kunsthonig", und daß nur naturreiner Bienenhonig als Honig" bezeichnet werden darf. berichtet: Die Vorgänge in Eberswalde. Wieder völlige Ruhe. Ueber die bedauerlichen Ausschreitungen in Eberswalde und den Zusammenstoß der Plünderer mit den Schugpolizeibeamten, bei dem eine Person, ein Pole Romanowsti, getötet und zehn Personen verlegt wurden, wird polizeilicherseits noch Die Unruhen begannen bereits am Donnerstag vormittag gegen 8 Uhr, als mehrere Frauen auf dem Wochenmarkte Reben gegen die ungeheure Teuerung führten und dann einige von ihnen auch versuchten, die Marktstände zu stürmen. Die Erregung verbreitete sich unter der Bevölkerung immer weiter und wuchs von 8 0000000 Coco Central- Theater Deutsch. Theat. Ein Prachtmädel Uhr: Das Glas Deutsch Opernhaus Wasser Sonntag 8: Theater, Lichtspiele usw. Opernhaus 72 Uhr: Volksbühne 74, Ur Othello Die Ratten U. 6 U: Tristan u. Isolde 3 Gas Wasser Das friedrich- Wilhelmst. Th. Kammerspiele RU.: Wie fessle Ich meinen Mann 72: Die Jungfern vom Bischofsberg Große Volksoper im Theat. d. Westens Ste. 72: Die Jungfernvom BischofsSchauspielhaus Lessing- Th. Der Freischütz berg 72 Uhr: Napoleon Residenz- Th. Täglich 8 Uhr Hanneles Sommerspielzeit. Allabendl. 8 Unr: Uhr: Intimes Theater Gr.Schauspielh. 3: Die Peitsche und? Der Schildpattkamm auf doch nicht Deut. Künstler- Th. Sommerspielzeit Allabendi. 8 Uhr: ( Karlstraße) immer nackt herum 78: Orpheus in Lustspielhaus der Unterwelt 72 Uhr: Schule Stg. 784: Orpheus in d. Unterwelt der Kokotten Metropol- Theater Theater 1. d. Himmelfahrt Die erste Nacht. Die Bajadere Königgrätz. Sir. v.Gerh. Hauptmann Carola Toelle Sandrock, Becker. Sonnt.4: Gläubiger Trianon- Th. Täglich 8 Uhr: Der große Erfolg Das kleine Schokoladenmädchen Sonnt 4 Uhr kl. Pr. FEMINA Kleines Th. 8 Komische Oper 8 Nur noch bis Sonntag, 3. Sept. Der Meister Uhr Neues Operett.- Th. 8: D. wunderlich. 73U. Die tolle Lola Geschichten des Neues Th. am Zoo Kapellm. Kreisler SU: Scampolo Komödienhaus Neues Volkstheater 7112 8 Uhr: Karussell Uhr. Die erste Geige mit Maria Orska Vom Montmartre Schiller- Th. Charl. Offenbachs Liebesleb. Gastspiel Dr. Waldemar Staegemann Tägich 8 Uhr: Theat.a.Kottbus.Tor Totentanz Moritzplatz 16077 8 Uhr Alf- Heidelberg Beriner Theat. Thalia- Theater 71/2 Uhr Voranzeige: Sornab., 9.9. Premiere Madame Prinz Don Juan Pomades Th. a. Nollendorfpl. Operette v. Schanze: U.Dein Mund... und Welisch. Musik von Leo Fall. Irene Triesch Jeden Abend 71½ U. Sh 31/2: Vettura da Fritzi Massai ya. G Paul Biensfeld| Sonnt 4 Uhr kl Pr.: Totentanz und Sonn- Theater am Kurfürstendamm tag nachm. 3 Uhr ELITEKurfürstendamm Nr. 208 R. A. Roberts, E. Wirl 3 Uhr: Die kleine L.Haskel, Charl.Ander Sünderin Theater in d.Kommandant. Str. 8: Liebe u. Trom Sänger petenblasen E. Behmer, R. Hold. Lene Holstein. Wallner- Theater Casino- Theater Zu den Mordüberfällen an der Hafenheide. Die bei dem vor einigen Tagen in der Graefeftraße auf die unverehelichte Zimmermann verübten Mordüberfall gleichfalls nicht unerheblich verletzte Lebensmittelpreise des Tages. Fische gering, Zufuhr: Fleisch ausreichend, Geschäft reger. Geschäft flott. Obst und Gemüse reichlich, Geschäft flott. Eine folgenschwere Explosion hat, wie der Pariser Matin" meldet, in einer großen industriellen Anlage in der Nähe von Nancy stattgefunden, als Arbeiter damit beschäftigt waren, von den Schlachtfeldern kommendes Eisen in die Hochöfen zu bringen. Drei Arbeiter wurden getötet, fünf schwer verletzt.In Paris sind an zwei Stellen Sprengförper entdeckt worden. Auch auf dem Gleise der von St. Etienne nach Puy führenden Eisenbahn wurde ein Sprengkörper gefunden. Brand dreier Fabriken. Die Nasierapparate fabrit Lohrber, die Schuhfabrik von Klein und die MetallwarenAm Freitag galten in der Zentralmarkthalle folgende Klein- fabrit Mathaei sämtlich in Offenbach brannten gestern bis auf die Grundmauern nieder. Der Schaden wird auf viele Millionen handelspreise: Rindfleisch 70-90 M., ohne Knochen 90-105 M. Schweinefleisch geschätzt. 170-200 M. Kalbfleisch 70-118 M. Hammelfleisch 75-110 M. Liesen 250 M. Schellfisch 38-46 M. Kabeljau 55 M. Seelachs 40-50 M. In Eis: Aale 95-115 M. Hechte 74-95 M. Schleie 110 M. Plätzen 25 bis 30 M. Lebende Aale 115–130 M. Bleie 75-80 M. Eier 11.50-12,50 M. das Stück. Naturbutter 220-250 M. Margarine 180-200 M. Weizenmehl 45-58 M. Reis 48-60 M. Erbsen 50-55 M. Graupen 36-40 M. Kartoffeln 30-40 M. zehn Pfund. Weißkohl 4-5 M. Wirsingkoh! 6 bis 7,50 M. Kohlrabi 10-20 M. die Mandel. Rotkohl 7 M. Grüne Gurken 10-16 M. das Stück. Mehrrüben 4-6 M. Steinpilze 20-25 M. Sonntag, den 3. und 10. September, finden im Theater i. der Königgrätzer Straße zwei Vorstellungen von Die wunderlichen Geschichten des Kapellmeisters Kreisler in gleicher Besetzung statt. Nachm. 3 Uhr( ermäßigte Preise) Abends 8 Uhr( gewöhnliche Preise) Der Blaue Vogel" 99 Golizstr. 9. Tel. Nollendorf 1613 Anf. 8 Uhr. Vorstell allabendl, Gemischtes Programm usammengestellt aus den besten Nummern des 1. u. Programms Billettverkauf a. d. Theaterkasse v. 11 bis 2 Uhr u. v. 6 Uhr abends; auch an allen Theaterkassen. Urania 8 Uhr: Vom Fels zum Meer SCALT Tügl. 8 Uhr Internat. Varieté Sonntag 3.30 zu halben Preis, das volle Programm Berliner Prater- Th. Kastanienallee 7-9. Persön!. Gastspiel Kriegsschiffe von einem Postdampfer gerammt. Nach einer Savasmeldung aus Buenos Aires hat der amerikanische Postdampfer Region" auf der Fahrt von Rio de Janeiro nach New York beim Berlassen des Hafens mehrere Kriegsschiffe gerammt, die im Hafen vor Anker lagen. Dabei brachte er den Transportdampfer zon Ardo" zum Sinten und beschädigte vier Kreuzer. Auch der Kai wurde beschädigt. Ein Leutnant und mehrere Matrosen wurden verlegt. Finmachen Bernhard Rose in Har nicht drängeln WIEN u. Das deutsch. Lied Beginn 5 Uhr. Alhambra am Moritzplatz Paul Förster Deutschlands größter Improvisator Ballett Celly de Rheidt tanzt den ,, Vampyr" Das intern. Programm Volkspr WarmeKüche Pickel, Sommersprossen, te vatur Hau unreinigkeiten usw. schmerzlos, unfür die Umabgeschält echte VaterVolks- Uhr: D. keusche 8 Uhr: Die Berliner Posse Philipp- Schälkur und Tutogen- Hautbleichseife, danach kommt anmutige, preise! Lebemann Lämmelmanns junge, zarte Haut zum Vorschein, Laborator um Dresden- Zschachwitz 146, in 734: DieLiebesprobé Vorvkf. 11-12 u. 4-6 m. Guido Thielscher! Bummelfahrt Berlin erhältl. bei Elefanten- Apotheke, Leipziger Str., am Dönhoffplatz. Theater des Ostens ( Rose- Theater) 5 U. 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Die Entscheidung der Reparatiouskommissto« fordert von der Reichsregierung keine befristete Defchlnstfastung über Annahme oder Ablehnung, infolgedessen bat das Reichskabinett in feiner am Areilug vormittag abgehaltenen Sitzung beschlossen, zunächst die Rückkehr des Staatssekretärs Schröder aus Paris abzuwarten und erst auf Grund von Schröders Informationen über die Begleit- umstände, die zu der Entscheidung führten, Befchluh zu fassen. Staatssekretär Schröder wird erst am Freitag vormittag In Verlin eintreffen. Sofort nach feiner Ankunft wird das Kabinett zu- fammentreten. öraöburp hat nicht mehr erwartet. Dem Pariser Berichterstatter der„Ü i m e s* erklärte 2 r a d- bury, obwohl er im Jntereste des deutschen Kredits einen u n b e- dingten Aufschub vorgezogen hätte, so sei doch, wenn die not- wendigen Vereinbarungen erzielt werden könnten, die für dieses Jahr notwendige Erleichterung gewährt. Er fei dankbar, daß zurzeit eine Regelung gesunden worden sei, um eine V e r- schlimmerung der Krisis in der Reparationskommiffion und in Europa abzuwenden. Die Reparationskommission sei nicht mehr in direkter Weise an den Verhandlungen beteiligt, die in Berlin oder Brüssel stattfinden müßten. Belgien und Deutschland würden untereinander ein Abkommen zu treffen haben, wie die Schatz- b o n d s garantiert werden könnten. Es würde bedauerlich fein, wenn es notwendig wäre, Gold in auswärtigen Banken, in Kopenhagen oder Bern, zu deponieren. Aller Wahrschein- lichkeit nach werde dies vermieden werden. Di« Schatzbons sollten von Deutschland gesichert werden, und Deutschland werde einen Aufschub erhalten. Natürlich werde dagegen eingewendet, daß ein Teil der Goldreserve des Reiches verpfändet werden müsse. Aber er hoffe, daß diese Abmachungen keine große Bean- spruchung dieser Goldreserve bedeuten würden. Wenn es notwendig fei, würde die Zustimmung der Reichsbank eingeholt werden müsien, im ganzen fei seiner Ansicht nach die Vereinbarung so b e- friedigend, wie man erwarten konnte. ver französische Kabinettsrat. Paris, 1. September(EE.) Das amtliche Communique über den heutigen Ministerrat lauter: Nachdem die Reparotionstommis- ston Deutschland dos erbetene Moratorium nicht gewährt«, war der Ministerrat der Anschauung, daß er im Augenblick die Entscheidung der Kommistion zur K e n n t n i s zu nehmen habe. Da Belgien gemäß seiner Vorzugsrechte die Gesamtheit der nächstfälligen Zah- lungen zu erhalten hat und Belgien nicht nur selbst die von der Kommission angenommene Zahlungsweise guthieß, sondern sie so- gar in Vorschlag brachte, war der Ministerrat der Meinung, sich seine Handlungsfreiheit vorbehalten zu.sollen, bis die in Aussicht genommenen Bedingungen erfüllt seien. Im Sinne des vom Ministerpräsidenten in London unterstützten Gedankens beschloß der Ministerrat, darauf zu dringen, daß baldmögllchst eine Konferenz zusammentreten soll, zu der alle Alliierten ausnahmslos de- rufen werden sollen. Diese Konferenz soll die Frage der i n t e r- alliierten Schuld en und der Reparationen in ihrer Gesamt- heit prüfen. Andererseits faßte der Ministerrat Beschluß über den Wortlaut der Antwortnote an B a l f o u r. Das neue Metgesetz. Heinrich Dietz' Feuerbestattung. Slullgark, 1. September.(Eigener Drahtbericht.) Unter zahl- reicher Beteiligung der Stuttgarter und auswärtiger Parteigenossen fand heute im Krematorium des Stuttgarter Friedhofes die Be- stattung des Genosten Keinrich D i e tz statt. Außer den Stuttgarter Parteigenosten waren Vertreter des Parteioarstandcs, der württem- bergischen, der Augsburger und der Wiener Parteiorganisationen an- wcsend. Genosse fjildenbrand würdigte in einer längeren An- spräche das arbeits- und erfolgreiche Lebenswerk des Verstorbenen, seine beharrliche Arbeit unter dem Sozialistengesetz. Er hob ins- besondere seine Verdienste um die Verbreitung der sozialistischen Literatur hervor. Keil gedachte in warmen Worten der Arbeit des Verstorbenen für die württcmbergische Parteiorganisation. Wels sprach im Namen des Parteivorstandes Worte der Dankbar- keit für die Lebensarbeit von Heinrich Dietz. F r o h m e dankte im Auftrage der Hamburger Genosten für die dortige Wirksamkeit des Verstorbenen. C r i s p i e n widmete für die Unabhängige Sozial- demokratische Partei Deutschlands Worte des Dankes und der An- ertennung dem Förderer der w'stenschaftlichen sozialdemokratischen Literatur. Weitere Kranzniederlegungen folgten von dem Gesamt- personal der Firma H. W. Dietz. von A l b r e ch t für den All- gemeinen Deutschen Kewerkschaftsbund, von G ö h l m a n n für den Hauptausschuß der Stuttgartsr Gewerkschaften und von Miller für die USP. Württembergs. Umrahmt war die Trauerfcier von Orgeloorträgen und Ge- sängen des Freien Dolkschors. Hapern vor öem Ueberwachungsausfchuß. Im Ueberwachungsausschuß des Reichstages begründete Abg. Dr. R o s e n f e l d(USP.) seinen Antrag auf Ein- bcrufung des Ueberwachungsaussthustes. Rosenfeld ist der Aus- fassung, daß mindestens durch das Zugeständnis eines süddeutschen Sondcrsenats an Bayern Vereinbarungen getroffen seien, die den Bestimmungen des Gesetzes widersprechen. Das gleiche sei beim Reick'sbeamtengcsetz und ebenso beim Reichskriminalgesetz der Fall. — Der Abgeordnete der Bayerischen Volksxartei, Dr. B e y e r l c, erzählte von einer großen Austegung, die in Bayern geherrscht habe, als die Zusammensetzung des Staatsgerichtshofes bekannt wurde, und wußte noch andere Märchen aufzutischen, nur nicht das mit- zuteilen, was die Gesetzgebung zum Schutz der Republik voll recht- fertigt. Reichskanzler Dr. W i r t h holte das nach, was Herr Deyerle vergessen hatte. Er zitierte Stellen aus dem„Bayerischen Kurier", worin dem Minister R a t h e n a u und ihm vorgeworfen wird, daß sie die Volschewisierung Deutschlands im Auftrage von Moskau erstrebten und lediglich aus diesem Grunde eine Entwaffnung der Konterreoo- lution im Sinne gehabt hätten. Außerdem zitierte der Reichskanzler erlogene Anwürfe eines� anderen Organs der Bayerischen Voltspartei gegen der. Reichspräsidenten E b e r t und den Minister R a t h e n a u, indem er der Bayerischen Vslkspartei gleichzeitig den guten Rat gab. auf die ihr nahestehende Presse mäßigend ein- zuwirken. Im übrigen verwies Dr. Wirth auf den Ernst der gegen- wärtigen außenpolitischen Lage, die wahrscheinlich auf lange Jahre hinaus entscheidend für die deutsche Nation sein werde. Was er mit Bayern vereinbart habe, werde loyal durchgefürt werden. Zum Schluß erklärte der Kanzler, daß die Vereinbarungen mit Bayern keinesfalls ein Aufgeben der Hoheitsrechte des Reiches oder eine Bevorzugung Bayerns gegenüber den anderen deutschen Ländern bedeute. Reichsjustizminister Dr. Rodbruch verwahrte sich entschieden gegen die Behauptungen Nosenfelds. Die Schranken der Schutz- aesetzc seien in keiner Weise durchbrochen, und jeder Rcservatpolitit sei energischer Wider st and geleistet worden.— Reichs- Die gestrige Versammlung der Berliner Parteifunktionäre ehrte vor Eintritt in die Tagesordnung das Andenken des Genossen Eerisch durch Erheben von den Plätzen. Als Referent zu den Mietengesehen führte Genosse Felgentreu aus: Die Zwangswirtschaft auf dem Wnhnungsmarkt ist beibehalten worden. Die Spruchtätigkeit der Mieteinigungsämtcr ist leider nicht immer einheitlich gewesen. Das ist auf die Dauer unerträglich geworden. Das Reichsmietengesetz, das am 1. Juli in Kraft getreten ist, soll hier Besserung schaffen. In Vorbereitung ist ein Mieters chutzgesctzentwurf und der Entwurf eines Gesetzes zum Schutz der Wohnungs- losen. Wenn nämlich der Mieter sich gegenüber dem Vermieter ungebührlich benimmt oder von der Wohnung keinen Vernunft- gemäßen Gebrauch macht, soll die Kündigung ausgesprochen werden können.(Zwischenruf: Kautschuk!— Zustimmung.) Wenn der Mieter in Zahlungsverzug geraten ist, soll der Vermieter berechtigt sein, die sofortige Aufläsung des Mietverhältnisses zu verlangen. Wenn endlich der Vermieter nachweist, daß er ein überwiegendes Interesse gegenüber dem Mister an den von diesem bewohnten Räumen hat, kann das Gericht die Kündigung aussprechen. Hier gibt der Entwurf dem Richter allerdings weiten Spielraum. So, wie der Entwurf ist, ist er für uns n i ch t a n n e h b a r. Es ist ein großer Mangel. daß der Entwurf bei Mietftrcitigkeiten dos Verfahren vor dem Amtsgericht vorsieht. Was die Schöpfer dieses Entwurfs, die die Abneigung des Volkes gegen die ordentlichen Gerichte kennen müßten lZustimmung), zu diesem Dargehen veranlaßte, ist nicht be- könnt. Der Redner empfiehlt die Schaffung von Wohnungs- Volksgerichten. Wir haben großes Interesse daran, daß Ein- richtungen geschaffen werden, die die Teilnahme des Volkes an unserem Rechtsleben ermöglichen.(Sehr richtig!) Eine b e- grüßenswerte Verwaltungsmaßnahme der Stadt Berlin ist darin zu sehen, daß es möglich sein soll, gegen Sprüche der Mieteinigungsämter Einspruch zu erheben. Die einzelnen Miotcinigungsämter werden als Unterabteilungen des Zentralmiet- einigungsamtes betrachtet, das sich vorbehält, die Spruchtätigkeit auf Antrag nachzuprüfen.— Der Glaube, daß durch das Inkrafttreten des Reichsmictengefetzes alle übrigen gesetzlichen Bestimmungen auf- gehoben seien, insbesondere die des Bürgerlichen Gesetzbuchs, ist ein großer Irrtum. Das Reichsmietengesetz geht von der G r un d m i e t e aus, die nach der am 1. Juli 1914 vereinbarten oder gezahlten Friedensmiete berechnet wird. Hier- von werden 29 Proz. abgezogen, da sie auch Kosten für Wasser, Reparaturen usw. enthielt. Dazu kommen dann in Berlin S Proz. für die inzwischen erhöhten Hypothekenzinsen, serner 59 Proz. für Betriebskosten, bzw. 65 Proz. in Häusern mit Warmwasserversorgung, und weitere 59 Proz. Zuschläge für Instandhaltung und große Reparaturen, die 59 Proz. nicht überschreiten dürfen. Diese gesetzliche Miete tritt nur da in Kraft, wo sie schriftlich gefordert wird. Für gewerbliche Räume und möblierte Zimmer sind besondere Zuschläge festgesetzt worden. Das Gesetz sieht gesetzlicheMietervertretu�goii vor. Damit werden die Mietcrräte gesetzlich. Es ist dringend zu empfehlen, von dieser gesetzlichen Befugnis Gebrauch zu machen. Das Reichsmietengesetz ist ein Kompromiß, es stellt jedoch einen Fortschritt dar.(Zustimmung.) Es kann nicht nur daraus ankommen, die Mieten niedrig zu holten, sondern es müssen auch die Häuser in bewohnbarem Zustand bleiben. Die Hausbesitzer laufen nicht umsonst gegen dieses Gesetz Sturm. Wir müssen darauf achten, daß niemand eine Miete zahlt, die nicht mit dem Gesetz im Einklang steht. Wir müssen versuchen, möglichst zahlreich in den im Gesetz festgesetzten Schlichtung? st ellen vertreten zu wer- den. Bor allem aber sollte jeder Mieter sich mit dem Inhalt des Reichsmietengesetzes vollkommen vertraut machen.(Beifall.) Ueber die Verordnungen des Magistrats zum Reichsmietengesetz sprach Genosse Bürgermeister Ritter: Dem Haus- wirt ist das absolute Herrscherrecht genommen und die Mitwirkung der Mieter festgesetzt.(Beifall.) Der Magistrat von Berlin ist nun verpflichtet, die Ausführungsbestimmungen des Gesetzes vorzube- reiten. Die politischen Analphabeten der„Roten Fahne" weisen immer auf den„sozialistischen Magistrat" hin. Es muß aber betont werden, daß wir noch in der Privatwirtschaft leben, und daß der Magistrat, in dem die Vertreter verschiedenster Parteien sind, mit einer Stadtverordnetenversammlung zu arbeiten hat, in der die Kommunisten fast immer mit den D e u t s ch n a t i o n a l e n zu- sammenarbesien.(Zustimmung.) Die zur Vorbereitung der Ausführungsbestimmungen eingesetzte Kommission hat den Wert eines von den Minderbemittelten bewohnten Typenhauses zu 299 999 M. angenommen, für Reini- gungsmittel 1999 M. pro Jahr berechnet, für die Reinigung 1529 M., Beleuchtung 3599 M. und für Müllabfuhr 4829 M., zusammen 11 929 M. Wenn man den Wert der Friedensmiete zu 14 999 M. jährlich annimmt, so wird sie durch diese sehr gering bemessenen Ausgaben fast gänzlich aufgezehrt. Der Magistrat erhält fast täglich Angehote, Häuser zu kaufen, well es Hausbesitzer gibt, die sich nicht mehr holten können. Der Zustand der Häuser darf sich nicht dauernd verschlechtern. Die Erhöhung der Hundesteuer hat die Zahl der Hunde nicht vermindert. Es ist aber wichtiger, Wohnungen in Ordnung zu bringen, als Hunde zu halten. Der Grundbesitz unterliegt der Gefahr der Ueberfremdung. Es ist unglaublich, wieviel Ausländer in Verlin Grundstücke erwerben. Nach der Statistik von 1929/21 hoben 438 Ausländer in Berlin Häuser erworben. Es gibt eine Firma im Westen Berlins, die die Ausländer animiert, für ein Trinkgeld Häuser in Berlin zu erwerben. Dies hat der Magistrat bei den Ausführungsbestimmun- gen berücksichtigt. Es ist für die Portiers in den besseren Häusern gerade nicht sehr, angenehm, daß der Oberpräsident die für sie vorgesehenen Abgaben gestrichen hat.(Zustimmung.) Die Versammlung beschloß, in der Diskussion lediglich eine Fragestellung zuzulassen, um so recht viele Genossen zu Worte kommen zu lassen. Auf die zahlreichen Fragen über die vielen Einzelheiten des Mietengesetzes ging Genosse Felgentreu In seinem Schlußwort ausgiebig ein. minister des Innern Dr. Köster wies darauf hin. daß die ge- troffenen Abmachungen für alle Länder gelten, und daß es sich bei den Verhandlungen nicht um die Anerkennung, sondern um die Ausführung der Schutzgesetze gehandelt habe. Es sei lediglich in dem Protokoll das ausführlich festgelegt, was zum Teil schon in den Reichstagsoerhandlungen über die Ausführungsbestimmungen münd- sich zugesagt wurde. Die Exekutive nach dem Reichstriminalpolizei- gesetz bestehe nach wie vor. Abg. Genosse Dr. B r a u n- Franken erteilte dem bayerischen Volksparteiler Beyerle die gebührende Antwort. Merkwürdig wäre, daß Herr Beyerle an allen namentlichen Abstimmungen über die Schutzgesetze sich nicht beteiligt habe, und man könne be- haupten, daß er bei keiner Abstimmung im Saale ge- wesen sei. Herr Beyerle hätte weit mehr Glauben gefunden, wenn er nicht so vieles verschwiegen hätte, sondern auch darauf eingegangen wäre, daß das offizielle Organ der Bayerischen Volks- partei erklärte, der gegenwärtige Konflikt mit der Reichsregierung sei nur der Ansang eines Kampfes gegen die Weimarer Verfassung. Wenn Kardinal Faulhaber, der Erzbifchof von München, in unerhört-r Weise über die Republik und die Verfassung gesprochen habe, so könne man sich als geschulter Politiker wohl hineindenken, daß es den Mitgliedern des Katholikentages unmöglich war, einem Kardinal der römischen Kirche öffentlich zu widersprechen. Aber man dürfe jetzt wohl darauf hinweisen, daß der vorhergehende Katholikentag in Frankfurt erklärte, jede Regierung sei von Gott eingesetzt, und jeder Regierung sei deshalb von einem Katholiken Treue und Gehorsam zu schenken. Braun stellt dann noch fest, daß die Partei durchaus unbefriedigt fei über die Tatsache der Verhandlung mit der bayerischen Regierung, wie über die Art und das Ergebnis der Verhandlung. Alle Parteien errennten es als große staatsmännische Leistung des Reichspräsidenten an, daß er altes getan har, um seine Machtbefugnisse nicht auszunutzen und in friedlicher Weise zu einem Ausgleich mit Bayern zu kommen. Die Reichsregierung, insbesondere die sozialdemokratischen Minister, würden in n or m a l e n Zeiten, wenn Deutschland nicht unter so hartem Drucke und mitten in Gefahren stünde, niemals daran ge- dacht haben, derartige Verhandlungen zu führen. Nach eingehender Aussprache stellte Genosse Schcidemann als Vorsitzender fest, daß Anträge nicht vorliegen, und der Ausschuß die Angelegenheit zunächst mit dieser Aussprache für erledigt halte. Nächste Sitzung Dienstag 12 Uhr(Besoldungsangelegenheiten). Neue Anklage gegen Knill! (*in Handgranatenanschlag gegen Parvus-Helphand. Auf Grund der Aussagen, die der Jäger Runge seinerzeit � der„Dorwärts"-R edaktion gemacht hat, ist gegen den Leutnant a. D. K r u l l, wie wir bereits meldeten, dos Verfahren wegen Ermor- dung Rosa Luxemburgs wieder ausgenommen worden. Krull hat nach der bestimmten Aussage Rungcs den tödlichen Schuß auf Rosa Luxemburg abgegeben, wegen des Diebstahls der Uhr Rosa Luxem- burgs ist er bereits zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Nun läuft nach Meldung einer Gerichtskorrespondenz gegen Krull und den an der Uhrenaffäre beteiligten Leutnant a. D. Bracht noch ein weiteres Verfahren auf Grund des§ 49a StGB.(Vorbereitung von Verbrechen). Beiden Verdächtigten wird vorgeworfen, seinerzeit einen Anschlag gegen Parous-Helphand bis ins ein- zelne vorbereitet zu haben. Es handelte sich dabei um einen Handgranatenanschlog gegen Parvus in dessen Villa in Schwanenwerder, die In die Lust gesprengt werden sollte. In letzter Minute wurde das Attentat entdeckt und da- durch oerhindert. � Wie wir dazu erfahren, ist ein Handgranatenanschlag gegen Ge- nassen Parvus tatsächlich in der geschilderten Weise vor mehr als Jahresfrist versucht worden. Das Berliner Polizeipräsidium er- langte damals Kenntnis von dem Vorhaben und entsandte Mann- schaften nach Schwanenwerder, die die Ausführung des Planes ver- eitelten. In das Charakterbild der deutschvöltischen Desperados vom Schlage Krull, Weicherdt, Ankermann und Konsorten würde ein« solche Tat durchaus passen._ Die griechische Armee in kleinasieu ist nach Londoner Blätter- Meldungen in sehr traurigem Zustand; der türkische Durchbruch hindert die Verbindung zwischen den griechischen Snneeteilen. WirtseKafi Neue Erhöhung der hnpolhekenzinsen. Ein Anfang Juni in Kraft getretenes Gefetz sah die Erhöhung der Berwaltungskostenbeiträge bei Tilgungsdarlehen der Hypo- thekenbanken und ähnlichen Kreditinstituten um V* Proz. vor und gab dem Reichsrat das Recht, weitere Erhöhungen dieser Sätze zu genehmigen. Absicht dieser Mahnahme war, die Hypothekenbanken für die Geldentwertung schadlos zu holten. Praktisch hatte sie ein« Erhöhung der Hypothetenzinsen oder der mit ihnen verbundenen Beiträge zur Deckung der Verwaltungskosten zur Folge. Das Gesetz war noch nicht zwei Monate m Kraft, als eine Reihe von Hypo- thekenbanken an den Reichsrat des Gesuch richtete, erneut, und zwar diesmal um 1 Proz. höhere Verwaltungskostenzuschläge zu genehmigen. Der Vorfall wäre für die Arbeiterschast nicht von großem Interesse, hätte er nicht eine Erhöhung der auf dem Grund» besitz ruhenden Lasten zur Folge, die wiederum eine Erhöhung der Mieten oder bei Siedlern, die oft unter großen Opfern kleine Grund- stücke erworben haben und selbst bewirtschaften, eine Erhöhung der Zinslast nach sich zieht. Sie wäre unbedenklich, ja selbst im Interesse des Wohnungsbaues erwünscht, wenn ihr Ertrag produktiven Zwecken, besonders der Herstellung neuer Wohnungen dienen würde. Das ist aber nicht der Fall. Um so mehr muß es beftemden, daß dieser Antrag jetzt gestellt wird, wo man im Interesse der Mieter Erhöhungen der Mietzuichläg« zu vermeiden sucht. Abgesehen davon, ist es aber auch unerwünscht, daß die aus lange Frist abgeschlossenen Hypotheken durch Aenderung der Zins- bzw. Dcrwaltungskostensätze auf ein« unsichere Basis gebracht werden und sich damit der Entwicklung zu„freibleibenden" Preisen bedenklich nähern. Run ist festzustellen, daß eine ganze Reihe von großen Hypo- thekenbanken, die früher ebenfalls die Erhöhung der Derwaltungs- kostenbeiträge gewünscht hatten, das neue Gesuch nicht untere schrieben hoben. Man ist sich sogar in den Kreisen der I n t e r» e s s e n t e n durchaus nicht darüber einig, daß die neuerlich« Erschwerung des Hypothekenkredits notwendig ist. Vielmehr er- suchen diese Banken, die Ausfälle durch eine bessere Organisation der Betriebe und durch Ausnutzung der anderwärts, z. B. in der Industrie, sich bietenden Verdienstmöglichkeiten wettzumachen. Es ist mindestens zu Hessen, daß auch die Meinung dieser Kreise gehört wird, ehe der Reichsrat von seinem weitgehenden und in der Volks- Wirtschaft einschneit enden Recht der Entscheidung Gebrauch macht. Devisenkurse. Die amtliche Kurstabelle gibt an, wieviel Mark man aufwenden muß. um die in der ersten Spalte genannte Einheit der auf das be- zeichnete Land lautenden Währung zu erwerben. 109 holländische Gulden.. I argentiiiiichcrPapier-Peso 100 belgische Frank..... 100 norwegische Krone».. 100 dänische Kronen.... 109 schwedische Kronen... 199 finnische Mark..... 1 japanischer Den...... 100 italienische Lire..., 1 Pfund Sterling..... 1 Dollar........... 100 französische Frank... 1 brasilianischer MilreiS.. 100 Schweizer Frank.... 100 spanische Pesetas... 100 öfterr. Kronen(abgest.) 190 tschechische Kronen... 199 ungarische Kronen... 199 bulgarisch« Lewa..- Gewerkschaftsbewegung Deutscher Transportarbeiterverband. Distrikt Köpenid und Umgegend. In Demonstrationszügen zogen die arbeitslosen Neue Cohnabkommen für Handelsarbeifer. In der Damen-, Buchdrucker in den letzten Tagen vor verschiedene Großbetriebe Blusen, Kleiderkonfektion, Herren-, Knabenkonfektion und Herrenund vor die Bureaus der Organisation, um Forderungen zu stellen. wäiche- Branche haben die Lohnverhandlungen am 31. August zu Sie stellten die Forderung, daß auf 10 arbeitende Rolle einer Verständigung geführt. In den übrigen Fachgruppen der BeWie das Reichsarbeitsministerium arbeitet. gen 1 Arbeitsloser eingestellt werde und zur Linde- Kleidungsindustrie sind Berhandlungen dieser Tage zu erwarten. Tarifverträge, wenn sie für die betreffende Industrie von rung der Not eine Beihilfe außer der ftatutarischen Unterstützung Tarifabzüge sind im Bureau Bimmer 31 des Deutschen Transportberwiegender Bedeutung sind, werden allgemein ver- bewilligt werde. Die Weberarbeit soll generell verboten arbeiter Verbandes gegen Ausweis der Mitgliedschaft erhältlich. bindlich erklärt, d. h. ihre Bestimmungen bilden für alle Unter- werden. nehmer und Arbeiter der betreffenden Industrie die rechtliche Grund- Zu diesen Anträgen der Arbeitslosen nahm Donnerstag eine Gonnabend 7% Uhr bei Stippekohl, Köpenid, Schönerlinder Str. 5, allgemeine lage des Arbeitsverhältnisses. Diese Errungenschaft der Revolution, Funktionärversammlung der Buchdrucker in der Bock- Bersammlung des Distrikts. Pflicht aller Kollegen ist es, zu erscheinen. Berband der Gemeinde- und Staatsarbeiter. Bezirks 18, Weißenfee. Mondie nicht nur die Arbeiter, sondern auch die Unternehmer vor der brauerei Stellung. Albrecht vom Gauvorstand gab einen RückSchmuskonkurrenz schüßt, wird durch das Reichsarbeitsministerium blick auf die Situation im Gewerbe und beleuchtete die Verhältnisse, tag 6 Uhr in der Aula des Realgymnasiums Woelfpromenade, Bezirksverfammlung. Branche 10, Echulreinigungsfrauen. Dienstag 8 Uhr in der in einer Weise gehandhabt, daß der Zwed der Verordnung vom die fich innerhalb der letzten drei Wochen völlig überftürzt hätten. Aula des Sophien- Realarmnasiums, Steinfstr. 31-34, Betriebsversammlung. 23. Dezember 1918 in ihr Gegenteil verfehrt wird. Er legte dann die Stellung des Gauvorstandes zu den Anträgen dar. Branche 7, Part und Friedhof. Mittwoch 6½ Uhr in der Aula des SophienWir haben in Nr. 352 des Vorwärts" vom 28. Juli auf die Der Antrag, auf je 10 Mann einen Kollegen einzustellen, lasse sich Realammnasiums, Steinstr. 31-34, Brandenvollversammlung. AfA- Funktionäre der Metallindustrie. Montag abend 62 Uhr im großen merkwürdige Anwendung der Berordnung an der Hand des Reichs- unter den jetzt obwaltenden Verhältnissen schrerlich durchführen. Gaal von Haverlands Feestfälen, Neue Friedrichstr. 35, Versammlung. manteltarifs für das deutsche Holzgewerbe hingewiesen. Noch viel Die Ueberstunden müßten auf alle Fälle auf den äußerst minitrasser liegt der Fall bei gewissen landwirtschaftlichen malen Gaz herabgedrückt werden, um dafür Arbeitslose einzustellen. Berträgen. Der Erirabeitrag folle um meitere 20 m., also auf 25 m. erhöht werden( Gesamtbeitrag zurzeit 58 m. pro Woche). Dafür solle die Ertraunterstützung pro Woche um 300 m., also auf 450 M.( vor der ersten Wochen ab) erhöht werden. Hinzu kommen die erhöhten statutarischen Unterstüßungsfähe. In einer längeren Debatte wurde das Arbeitslosenproblem völlig aufgerollt und eine Reihe weiterer Borschläge diskutiert. Einig war man sich darin, daß dem Ueberstundenwesen energisch zuleibe gegangen werden müsse. Der Vorstand müsse eine scharfe Ron trolle vornehmen und Ueberstunden dürften nur mit Genehmigung der Vertrauensleute geleistet werden, die eine genaue Kontrolle zu führen und den Bauvorstand zu berichten haben. Die meisten Redner betonten aber, daß man die gut gemeinte Forde 17. Kreis. Lichtenberg. Sonntag, den 3. September, nachmittags 4 Uhr, in rung, auf 10 Rollegen einen einzustellen, jetzt schwerlich durch führen könne. In der Abstimmung stimmte man dem Vorschlag des Vorstandes in der Beitrags- und Unterstützungsfrage zu. Beschlossen wurde weiter, daß die Betriebsräte resp. Vertrauensleute in den Betrieben in Verhandlungen eintreten, um auf 10 Kollegen möglichst einen unterzubringen. Das Meierei und Käsegewerbe, ein Produktionszweig, deffen Betriebe und Berufsangehörige zahlenmäßig wenig in die Erscheinung treten, dessen volkswirtschaftliche Bedeutung( man denke nur an die Milchversorgung der Städte) eine zweifellos große ist, besteht zu 90 Proz. aus Kleinbetrieben. Beschäftigt werden hier außer einem Berwalter in der Regel 2-3 Meiereigehilfen. Da diefe, zumeist jugendliche Leute, fast immer in Rost und Logis bei dem Verwalter bzw. Besitzer find, so find fie natürlich der Willfür des Arbeitgebers ausgeliefert. Um der freien Gewerkschaft, dem Verband land- und forstwirtschaftlicher Angestellter, entgegenzuarbeiten, schließen die Arbeitgeber ihrerseits Tarifverträge ab. Das geschieht in der Weise, daß fie fich für irgendeine Provinz als Arbeitgeberverband auftun und auch gleich einen „ Arbeitnehmerverband" aus dem Boden stampfen. Wie der zwischen diesen beiden Kontrahenten( in Wirklichkeit ist es natürlich nur ein Vertragskontrahent) abgeschlossene Tarifvertrag" aussieht, fann sich jeder vorstellen; es genügt, wenn wir hier mitteilen, daß unter anderem für die Provinz Schleswig- Holstein im Jahre 1921 ein Bertrag abgeschlossen wurde, der neben zehn. stündiger Arbeitszeit für eine Ueberstunde 75 Pf. festsetzt! Trogdem das Reichsarbeitsministerium vom Berband land- und forstwirtschaftlicher Angestellter mündlich und schriftlich wieder holt über den Charakter der Tarifkontrahenten soweit sie sich als Arbeitnehmervertretung aufspielen informiert wurde, find eine ganze Reihe derartiger, die Arbeitnehmer dieses Berufes auf das schwerste schädigende Verträge unter der Begründung, daß sie Don überwiegender Bedeutung feien", vom Reichsarbeitsministerium für allgemein rechtsverbindlich erklärt worden. Praktisch hat das zur Folge, daß fein Schlichtungsausschuß, der zwecks Festsetzung eines Tarifvertrages angerufen wurde( durch freie Bereinbarung schließen die Arbeitgeber mit der freien Gewerkschaft überhaupt keine Tarifverträge ab), zu feinem Schiedsspruch kommen fonnte, well ein allgemeinverbindlicher Tarif besteht. Aber leider ist diese Tragikomödie damit noch nicht abgeschlossen, sondern durch das Hinzutreten von St. Bureaufratius bekommt fie noch eine entsprechende Fortsetzung. Da man sich vorher nicht an die einschlägigen Bestimmungen hielt, die den Begriff tarifberechtigte Arbeitnehmerorganisation ziemlich genau umgrenzen, so flammert man fich um so zäher an Paragraphen und legt die Verordnung über Tarifverträge vom 18. Dezember 1918 in der Weise aus, daß nur die Bertragskontrahenten Antrag auf Löschung des bestehenden allgemeinrechtsverbindlichen Tarifvers trages stellen fönnen. So in Thüringen, Anhalt, Oldenburg, Regierungsbezirk Raffel, Freistaat Hessen und einer ganzen Reihe anderer Bezirke. Die Ver tragskontrahenten denfen natürlich aus naheliegenden Gründen gar nicht daran, Antrag auf Löschung im Tarifregister zu stellen, und so Taufen die Tarifverträge", weil sie doch von überwiegender Bedeutung" find, bis ja bis die Arbeiter und Angestellten dieses Gemerbes zur Selbsthilfe greifen und die Milverfor gung ganzer Bezirke lahmiegen, was ganz besonders in der heißen Jahreszeit zur Folge hat, daß Hunderttausende von Litern Milch dem Berderben ausgesetzt werden. Wenn je, fann man hier sagen: Bernunft wird Unfinn, Wohltat Plage. Es ist Zeit, daß der Reichsarbeitsminister gewissen Beamten seines Ministeriums näher auf die Finger sieht und ihnen begreiflich macht, daß sie, trotz ihrer Herkunft und Erziehung, nicht die Interessen der Unternehmer und Agrarier zu vertreten haben. Die Angestellten der Berliner Metallindustrie. Der Schiedsspruch abgelehnt. Das Ortsfartell des Afa- Bundes teilt uns mit: Die am 31. August 1922 in den Betrieben getätigte Ira b. it immung hatte das Ergebnis, daß der am 24. August 1922 gefällte Schiedsspruch mit überwältigender Mehrheit abgelehnt wurde. Die Ablehnung wurde dem Reichsarbeitsministerium mitgeteilt. Der Verband Berliner Metallindustriellen hat in der Zwischenzeit zur erneuten Verhandlung am Sonnabend, den 2. Sep tember, borm. 11 Uhr, eingeladen. Ueber das Ergebnis dieser Verhandlung wird in einer Afas Funktionärversammlung der Metallindustrie am Montag( siehe Verammlung anzeige) berichtet und Beschluß gefaßt werden, Jeder Afa- Funktionär der Metallindustrie ist verpflichtet, unhedingt die Veriammlung zu besuchen. Zur Lage im Buchdruckgewerbe. Einigung in der Knabenkonfektion. M In einer Bersammlung der in der Knaben- und Burschentonfektion beschäftigten Mitglieder des Deutschen Bekleidungsarbeiter verbandes am Donnerstag in Haverlands Festsälen berichtete Branchenleiter Alde über den Verlauf der Lohnverhandlungen mit den Arbeitgebern. Bom Fabrikantenverband der Berliner Knaben- und Burschenfonfeftion sind folgende Zugeständnisse erreicht worden: Für Stüdlohnarbeiter( Werkstatt- und Heimarbeiter) wird der bisher gezahlte Teuerungszuschlag von 3200 auf 4850 Proz. mit Wirkung für alle Sachen, die am 28. August in Arbeit gegangen find, erhöht. Arbeiterinnen über 18 Jahre erhalten im 3eitlohn außerdem bei einem Tarifarundlohn bis 27,50 M. einen Zuschlag von 40 m., bei einem Tarifgrundlohn über 27,50 M. 30 M. Zulage. Der Tariflohn für 3uschneider wird von 2215 auf 3325 m. erhöht. 3 uschneiderinnen erhalten nach einjähriger Lehrzeit wöchentlich 850, nach weiterer einjähriger Tätigkeit 1350, nach zweijähriger Tätigkeit 1615, nach dreijähriger 1935 und nach vierjähriger Tätigkeit 2310 M. Die Auswirkung dieser Abmachungen ist für Stepperinnen und Garniererinnen eine Erhöhung des Stundenlohnes auf 39 M. und ein Mehr von 614 M. wöchentlich; für Handnäherinnen, Ausfertigerinnen, Verknüpferinnen und Futterzurichterinnen eine Erhöhung des Stundenlohnes auf 34 M. und ein Mehr von 555,60 m. wöchentlich. Nach Schluß der Aussprache wurde das Angebot mit allen gegen fünf Stimmen angenommen. $ Aus der Damenmäntel- und Kostümkonfektion. Bom Deutschen Bekleidungsarbeiter Verband, Filiale Berlin, Sebastianftr. 87/38, ging uns folgende Notiz zu: „ Nachdem nun wieder alle Preise für Lebensmittel und Bedarfsartikel gewaltig gestiegen sind, wurden auch für obige Branche neue Lohnforderungen gestellt. Troßdem die Lohnverhältnisse in der Damenkonfektion nicht die besten sind, wird beim Verkauf der Waren immer wieder gesagt, daß an den Zuguspreisen die hohen Arbeitslöhne schuld find. Es ist eine recht faule Aus rede, die dasselbe bedeutet wie Haltet den Dieb!" Viele Zwischen meister verstehen es sehr gut, die Heimarbeiterinnen zu täuschen, so daß noch Mäntel und Kostüme zum halben Tariflohn angefertigt werden. Leider sind es vielfach Arbeiterfrauen und Arbeiterlinder, die den Weg zur Organisation nicht gefunden haben und daher in der heutigen Zeit noch so billig arbeiten. Den Organisierten sind sie ein gewaltiges Hemmnis und bedeuten den größten Schaden für alle. Es ist Zeit, daß auch die dem Verband noch Fernstehenden erwachen und sich mit uns zum Kampf gegen Fabrikanten und Meister in Neih und Glied stellen. Sieht man denn nicht den Lugus und das gute Leben der ſelben? Es ist schwer, die Löhne so hoch zu treiben, wie es nötig ist, wenn nicht alle in dieser Branche Beschäftigten die Forderungen vertreten. Darum ist es unbedingt erforderlich, daß alle Arbeit nehmer der Damenkonfektion die Bersammlung am Montag abend 6 Uhr in den Arminballen, Kommandantenstraße 58/59, besuchen, damit die Arbeitgeber sehen, daß auch die Werkstatt- und Heimarbeiterinnen der Berliner Damenkonfektion die Lammesgeduld berloren haben und aus ihrem Traum erwacht sind." Streit in den Wurstfabriken. In einer überfüllten Versammlung, die gestern abend bei Boefer, Weberstraße, stattfand, beschloß das gewerbliche und kaufmännische Personal der Wurstfabriten einstimmig, nachdem die Unternehmer sämtliche Forderungen abgelehnt hatten, am Sonnabend früh in den Streit zu treten. Die Krise im Zeitungsgewerbe wirft ihre düsteren Schatten ceits auf das gesamte Buchdruckgewerbe. Die Zahl der Ar- Achtung! SPD.- Delegierte zur Generalversammlung der Bebeitslosen steigt von Woche zu Woche. Eine begreifliche Un- triebsräte und zur Gewerkschaftstommiffion. Sonnabend nachmittag ruhe und Erregung macht sich unter den aus dem Produktionsprozeß 5 Uhr findet in den Sophiensälen". Sophienstr. 17/18, eine wichtige Ausgestoßenen bemerkbar. Stehen die Buchdrucker mit ihren Bersammlung der Delegierten zur Betriebsräte- Generalversammlung, Löhnen doch weit unter dem Durchschnitt der Löhne der gelernten fowie der Obleute der Großbetriebe, Richtung Amsterdam, statt. Arbeiterschaft. Aus diesem Grunde war es auch unmöglich, fich in Tagesordnung wird in der Versammlung befanntgegeben. Erscheinen ten Zeiten der guten Ronjunttur einen Notgroschen zurückzulegen ist dringend notwendig. Parteiausweis der USPD. und SPD. und nun machen sich die Tage der Arbeitslosigkeit doppelt fühlbar. legitimiert. SPD.- Betriebssefretariat. Groß- Berliner Parteinachrichten. Am Sonntag, den 3. September, findet im Lichtenberger Stadion nachmittags 3 Uhr ein großes Spiel- und Sport. eft des Vereins Arbeiterjugend Groß- Berlin statt. 100-, 400- und 1500- meter- Cauf, Hochsprung, Weitsprung, Kugelstoßen, Speerwerfen, Olympische Stafette u. a. m. Außerdem Konzert unter Mitwirkung des Männerchors Friedrichshain". Programm 3 m. 13. Ateis. Tempelhof, Marienfelde und Lichtenrabe. Sonntag, den 3. September, Ausflug nach Blankenfelde. Treffpunkt Bahnhof Mariendorf. Von dort Abfahrt 8,43 Uhr vormittags bis Mahlow, von hier durch den Wald nach Blankenfelde, Lofal Schröder( unter Mitwirkung des Gefangvereins). Schwarz' Sommer- Theater, volfstümlicher Runstabend, bestehend aus Ronzert, Gesang, Rezitationen und Tanz. Eintritt 6,50 M. Bahlreiche Be teiligung erwünscht. Sonntag, den 3. September, im Lobal Echonad, am Rummelsburger See, Gartenfest der weltlichen Schule, Pfarr-, Ede Scharnweberstraße. Rege Beteiligung erwünscht. Heute, Sonnabend, den 2. September: Charlottenburg- Spandau. Ab 15. September findet die juristische Sprechstunde wieder statt. 15. Abt. 7 Uhr Treffpunkt fämtlicher Genoffen bei Obligo, Stralfunder Str. 11. Entgegennahme wichtiger Mitteilungen. 17. bt. 7 Uhr auf dem Schulhof Tegeler Straße, wichtige Besprechung fämt. Ticher Genossen. bt. 7% Uhr bei Bose, Kolonieftr. 15. Treffpunkt fämtlicher Bartet. 20. genossen zur Entgegennahme wichtiger Mitteilungen. Die Funktionäre müssen unbedingt erscheinen. 36. Abt. 7 Uhr Funktionärägung bei Behrendt, Liebigftr. 24. 119. Abt. Lichtenberg. 7 Uhr Funktionärversammlung bei Giede, Möllen. dorfstraße 42. 123. Abt. Saulsborf. 7 Uhr Funktionärßigung im Jugendheim Adolfstraße. 137. st. Reinidendorf- West. Die Beerdigung der Genoffin Baumann findet nachmittags 3 Uhr auf dem Gemeindefriedhof, Humboldtstraße, statt. 3. Morgen, Sonntag, den 3. September: bt. Ausflug mit den Frauen nach Pfaueninsel. Botsdam. Führung Gen. Otto Menjer. Abfahrt mit der Wannsee- oder Stadtbahn. Treffpunkt vormittags 9 Uhr am Bahnhof in Wannsee. Mundvorrat ist mitzubringen. dorf, Gerichtftr. 52. 21. Abt. Früh 10 Uhr außerordentliche Funktionärversammlung bei Nauen35. Abt. Familienousflug nach Wilhelmsberg, Lokal Suk, Berliner Str. 92. Treffpunkt 2% Uhr nachmittags Fordenbed- Plag. Gäste willkommen. 53. Abt. Charlottenburg. Familienausflug nach der Mödewigbrüde, Haus Melwio. Treffpunkt mittoos 12 Uhr bei Lur, Ufnaustr. 1. ferenz der Funktionäre und Betriebsvertrauensleute sowie der Kreisver treter. Wichtige Tagesordnung. Jeder Bezirk muß vertreten fein. 95. Abt. Reukölln. Früh 9 Uhr bei Grieger, Leffingitrake 9, wichtige KonMännerfor Berlin- Mitte. Ausflug nach Birkenwerder. Restaurant Japan. Treffpunkt Stettiner Vorortbahnhof 8% Uhr früh. Die Abteilungen wer ben gebeten, sich zahlreich zu beteiligen. um Jugendveranstaltungen. Achtung, Abteilungsleiter! Die Ordner zum Spattfeft müffen spätestens 2 Uhr im Stadion, bie besonders beauftragten Abteilungen um 19 Uhr anwesend fein. Alle nicht verlauften Theaterkarten zum 10. September find unbedingt mit. zubringen. Arbeitersport. Arbeiter Kabfahrer.Bund Colidarität, Berlin. 1. Abteilung: Sonntag frith 6 Uhr Heiligenfce Babetour. Wiemer. Mittags 1 Uhr Saatwinkel. 2. Abt.: Früh 4 Uhr Röthfee. Start Blanufer 63. Anter. Die Freie Turnerschaft Wilmersdorf hält am Sonntag, den 3. September, auf ihrem Vereinsipielplaß in der Württembergischen Straße( unweit Fehr. belliner Platz) in Berbindung mit der Austragung der Meisterschaften des 4. Bezirks ein offenes Sportfest ab. Da Ronkurrenzen aus Stettin, Rathenow, Leipzig, Brandenburg. Magdeburg und Groß- Berlin am Start sind, darf man intereffante Rämpfe erwarten. Borkämpfe vormittags 9 Uhr, Hauptkämpfe nachmittags 2 Uhr. Der Hallenturnbetrieb wird in nächster Woche wieder aufaenommen. Auskunft beim Sportfeft. Alle Genoffen, die mit ihrem Gut und Blut an der Errichtung des Turnplates beteiligt waren, werden am Sonntag erwartet. Die Freie Turnerschaft Neukölln- Briz begeht am Sonnabend, den 2. September, in der Neuen Welt, Hasenheide, ihre 27. Gründungsfeier. Beginn abends 7½ Uhr. Ein Spiel und Sportfest im Lichtenberger Stabion veranstaltet am Sonntag, den 3. September, der Verein Arbeiterjugend. Zum Austrag kommen 100- Meter- Lauf, Böllerball für Mädchen, Olympische Stafette für Burschen, 200- Meter- Lauf für Mädchen, Faustballwettspiele, Rugelstoßen, Speerwerfen. Hoch- und Weitsprung, Turnen der Vereinsbarrenriege, 400- und 1500- meterauf, um Schluß Reigentänze und Fackelreiaen. Programm 3 M., im Borverkauf bei den Abteilungstaffierern 2,50 M. Parteigenoffen und genofsinnen, Alle Ordner müssen spätestens um unterstüt zahlreich diese Beranstaltung. 9 Uhr auf dem Sportplak sein. Ein großes Werbe- Sportfest veranstaltet das Arbeiter- Sport- Rartell, Beairt Bantow, am Sonntag, den 3. September, auf dem Gemeindesportplay an Der Bichelswerder Straße. Beginn der Bortämpfe 7% Uhr morgens. 11 Uhr Antreten zum Umzug auf dem Andreas- Hofer- Blab, Um 1 Uhr Beginn der Beranstaltung. Dienstag, den 5. Geptember, wichtige Vertreterfizung bei Schöneck, Pantow, Floraftr. 15, Eingang Görschstraße, pünktlich 7% Uhr. Endabrechnung vom Sportfest. Berantwortlich für den rebatt. Teil: Bittor Schiff, Berlin; für Anzeigen: Th. Glocke, Berlin. Verlag Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderci u. Berlagsanstalt Baul Singer u. Co., Berlin, Lindenstr. 3 Sierzu 1 Beilage. Deutsche Teigwaren Makkaroni, Nudeln, Hörnchen Schaffen körperliches u. geistiges Wohlbefinden, Vollgefühl der Kraft und Arbeitsfreudigkeit. 90 jeia WENESTI RUND AMCAY BERLIN RUND NES WENE WENES RUN RUND FEINE MILDE CONSUM- ZIGARETTE MIT UND OHNE GOLD!