Nr. 421 39.Jahrgang Ausgabe B Nr. 204 Bezugspreis: Für den Monat Geptember 200,-., Doraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, sowie Desterreich und Luremburg 248,- M, für das übrige Ausland 282,- M. Postbestellungen nehmen, an Belgien, Dänemark, England, Efthland, Finnland, Frankreich, Holland, Lettland, Luxemburg. Defter reich, Schweden, Schweiz, Tschecho Slowakei und Ungarn. Der Vorwärts" mit der Sonntagsbeilage Bolt und Zeit", der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und der Beilage Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Gonntags und Montags einmal Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Abend- Ausgabe 3 Mark Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile Toftet 40,-. Reklamezeile 180,-. ,, AleineAnzeigen" das fettgedruckte Wort 12, M.( zulässig zwei fettge druckte Worte), jedes weitere Wert 10,- M. Stellengesuche und Schlafftellenanzeigen das erste Wort 7,- M., jebes weitere Wort 5,-. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familien- Anzeigen für Abennenten Zeile 15.-. Vorwärts Berliner Volksblatt Anzeigen für die nächste Nummer müssen, bis 42 Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Lindenstraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachmittags. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 und 2506-2507 Mittwoch, den 6. September 1922 Der griechische Zusammenbruch. Türkischer Vormarsch auf Smyrna. London, 5. September.( WTB.) Den letzten Berichten von der Front zufolge greifen die Türken jetzt Dedemisch 60 m eilen von Smyrna an. Dedemisch sei eingeäschert worden. Paris, 6. September.( WTB.) Nach einer Meldung aus Konstantinopel bestätigt sich das Gerücht, daß die Griechen Bruffa geräumt haben. Die Schlacht soll erbittert gewesen sein. London, 6. September.( EP.)„ Daily Mail" meldet aus Athen, daß die griechische Regierung eine zweite note an die Mächte richten wird, in der sie um ihren materiellen Beistand bei der Wiedereinschiffung der griechischen Armee erfucht. Die Regierung trage fidh mit dem Gedanken, den Belagerungszustand in Griechenland zu erklären. „ Daily Mail" meldet aus Smyrna, die griechische Bevölkerung flüchte. Alle verfügbaren Schiffe find von Flücht lingen befeht. Die britischen Untertanen fahren gemäß den Weifungen des britischen Generalfonfuls nach Cypern ab. Während die hauptsächlich fontinentalpolitisch eingestellte Kammermehrheit zu England hinneigt, drängen die nationalistisch- fascistischen Elemente Italien in eine attive Rolonialpolitik hinein, die gegen England und Griechenland gerichtet ist. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Verlag, Haupregpedition n. InferatenAbteilung: Dönhoff 2506-2507 Marcel Sembat. Wir haben bereits in der heutigen Morgenausgabe den überaus schmerzlichen Verlust verzeichnet, den der französische und der internationale Sozialismus durch das plötzliche Hin scheiden Marcel Sembats erlitten hat. Nach Jaurès, der vor mehr als acht Jahren von natio nalistischer Mörderhand fiel und der noch immer unersetzt und unerfeßlich blieb, nach Baillant, der bald danach verschied, nach Guesde, der erst vor fünf Wochen als Frankreich warf im Herbst vorigen Jahres den Vertrag letztes Symbol der Heroenzeit des französischen Sozia von Sèvres endgültig über Bord. Es schloß mit der provisori lismus ins Grab sant, beflagen unsere französischen Genossen, schen Regierung von Angora( die offiziell Krieg gegen und wir mit ihnen, das unerwartete Hinscheiden eines die Entente führt!) einen Bertrag, in dem es sich zu jeder mate- ihrer ältesten und bewährtesten Kämpfer. Alt war Sembat riellen und ideellen Hilfe verpflichtete, und fiel so der Entente in allerdings weniger an Jahren als an Verdiensten. Ant den Rücken. Wenn heute die türkischen Truppen in der Lage find, 19. Oktober 1862 bei Paris geboren, wäre er nämlich erst in die griechische Besatzungsarmee in das Meer zu treiben, so dürfen wenigen Wochen Gechziger geworden, aber er vertrat bereits sie Frankreich dafür ihren Dant abstatten. Die Türken brachen em feit fast dreißig Jahren ein vorwiegend proletarisches Biertel 23. August, kurz bevor sich die Entente in Bencdig wieder einmal im nördlichen Teil der Hauptstadt. Es war für jeden noch so über das Schicksal Kleinasiens und die Liquidierung des griechischen begabten Führer des französischen Sozialismus angesichts des Abenteuers unterhalten wollte, überraschend aus ihren Stellungen, überragenden Genies von Jaurès, in dem ganz Frankreich die in die sie bei der vorjährigen griechischen Offensive zurückgedrängt Berförperung des ringenden und emporstrebenden Proletariats waren, vor, eroberten Estische, ir und Afiun Karahisar, mit Recht erblickte, außerordentlich schwer, fich durchzusehen. wichtige Eisenbahnknotenpunkte und Lagerstätten der Griechen, Sembat aber ist einer der wenigen gewesen, dem dies selbst trennten die griechische Nordarmee von der Südarmee und nahmen in der Glanzzeit von Jaurès gelang. Sowohl als polemischer auf dem Wege nach Smyrna Ush at im Sturm, während ihnen Schriftsteller, wie auch und vor allem als Rebner war er im Norden auf dem Wege nach der nördlichen Hafenstadt Brussa, bei den eigenen Genossen außerordentlich beliebt, bei den das sie inzwischen erreicht haben, kein ernsthafter Widerstand entärgsten Gegnern außerordentlich gefürchtet, bei allen aber gegentrat. Wenn die türkische Armee sich jetzt bis auf 60 Kilo überaus geachtet. Seine stärkste Waffe mar eine Eigenmeter Smyrna genähert hat, fo gelang dieses überraschend fchaft, die man in Frankreich feit jeher ganz besonders schätzt. schnelle Borgehen durch ein Abgehen von der Bahnlinie Uschal- nämlich der Wizz. Sembat war der geistreichfte aller parlaSmyrna, indem die Heeresleitung in gefchickter Geländeausnutzung mentarischen Redner, und dies will schon viel sagen, in einer ein südliches Talgewinde benutzte, das in derselben Richtung wie die Kammer, die an überaus witzigen Deputierten niemals arm Hauptbahnlinie nach Smyrna führt. Die Türfen nähern sich damit gewesen ist. Er sprach nur selten, aber jede Rede von ihnt jetzt von Norden, Westen und Süden der Hafenstadt Smyrna. In Kleinasien spielt sich augenblicklich die Liquidation des WeltIn Kleinasien spielt sich augenblicklich die Liquidation des Welt frieges in einer besonderen Art ab. Die Türkei steht sei 1914 im Krieg. Der Friede von Sèvres, in dem die Siegerstaaten das tür fische Reich unter sich aufteilten, sollte einen Prozeß vollenden, der bereits im vorigen Jahrhundert begonnen hatte. Bis zum Beginn des Weltkrieges war das Osmanenreich aus Europa verdrängt worden, Sèvres sollte der Türkei überhaupt ein Ende machen. Man fand eine schwache Regierung vor, die das Todesurteil unterzeichnete, aber fern von Konstantinopel, in Angora, fammelte sich unter Remal Bascha eine Opposition, die den Krieg weiterführte, um diesen„ Frieden" zu verhindern. Griechenland, dem im Frieden von Sèvres das Gebiet von Smyrna zugesprochen wurde, In Ententekreisen rechnet man offenbar nicht mehr damit, daß war eine Sensation und ein unübertrefflicher Genuß. Wenn In Ententekreisen rechnet man offenbar nicht mehr damit, daß der kleine schwarzbärtige Mann die Tribüne betrat, dann erhielt den Auftrag, die femalistische Opposition niederzuschlagen. sich die griechischen Truppen in Kleinasien halten können. Damit füllte sich der Saal ebenso bligartig, wie bei Jaurès, Briand Es setzte jener jahrelange Kampf ein, der bei wechselnden Erfolgen beginnt ein neues Rapitel in dieser Tragödie, die schon soviel Blut oder Caillaur. Dabei war sein Wig überaus fein und gebilgekostet hat und die leider auch auf wichtige Entscheidungen in der Wenn sich jetzt das Kriegsglüd endgültig auf die Seite der europäischen Nachkriegspolitik nicht ohne Einfluß blieb. Für det, fern von jeder Bulgarität, und er verstand es unübertreffTürfen wenden zu wollen scheint, so ist nicht zum geringsten Teil die Osmanen bedeutet dieses Rapitel einen großen Gewinn, auf lich, damit die Zuhörer zu gewinnen und sie sogleich mit aller die Uneinigkeit der Entente daran schuld. Mehr noch als in Europa den das tapfere und viel geprüfte Bolk, um dessen Land die Impezeigt es sich in Kleinasien, daß die Kampfgemeinschaft der Entente rialisten Europas nun schon seit Jahrzehnten würfeln, ein volles längst ein sehr pager Begriff geworden ist, weil sie sich über Anrecht hat. Daß der Sieg den Türfen den Frieden bringen die Verteilung der Beute nicht einig werden kann. Frankreich wird, ist zu hoffen, ob er auch das Ende des flein asiatischen und England fämpfen um den maßgebenden Einfluß in Klein- Machttampfes zwischen England und Frantreich beafien. Italien spielt in diesem Kampf eine schwankende Rolle. deuten wird, ist zweifelhaft. zu keinem Ende kommen konnte. Die Belgier beim Reichskanzler. würden ebenfalls diesem Ausschuß angehören. Gleichzeitig laufen hier Gerüchte über bestimmte Borschläge finanzieller Natur um, die Die belgische Delegation, die gestern abend in in den letzten Besprechungen zwischen den hier weilenden DiplomaBerlin eingetroffen ist und aus den Herren Delacroig, ten erörtert worden sein sollen. Der tschechoslowakische Minister Bemelmans und dem Finanzfachverständigen Phi- des Aeußern Dr. Benesch hatte heute eine längere Unterredung lippe besteht, wurde heute vormittag um 1/12 Uhr vom mit dem ungarischen Minister des Aeußern Grafen Banffy. Reichskanzler empfangen. Im Laufe des Nachmittags werden im Reichsfinanzministerium die Verhandlungen mit der Kommission bereits aufgenommen. Staatssekretär a. D. Bergmann ist heute morgen aus London in Berlin eingetroffen; er begab sich sofort zur Berichterstattung über seine Berhandlungen in London zum Reichskanzler. Tagung des Auswärtigen Ausschusses. Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages tritt Freitag vormittag 11 Uhr zu einer Sigung zusammen. Englische Hilfe für Oesterreich. London, 6. September.( WTB.) ,, Daily Expreß" erfährt, daß in London eine Gruppe großer Banten über die Gewährung finanzieller Unterstüßung an Oesterreich verhandelt hat. Man sei übereingefommen, mit Zustimmung der Reparationsfommission eine Summe von 20-30 Millionen Pfund Sterling anzubieten, die durch die österreichischen Ausfuhrerträgnisse zu sichern wäre und ein fünfjähriges Moratorium für die Entschädigung zur Vorausseßung hätte. Seipel in Genf. Opfer des roten Zarismus. London, 6. September.( WTB.) Reuter meldet aus Riga, daß Timofejem, einer der fürzlich zum Tode verurteilten sozialrevolutionären Führer, sich in seinem Gefängnis erhängt hat. * Timofejew war einer der besten Köpfe der sozialrevolutionären Partei. Er und Gok waren die Wortführer der Angeklagten im Moskauer Brozeß. Sein Tod wird über die Reihen der Sozialrevolutionären Partei hinaus schmerzlich empfunden. Als Opfer einer barbarischen Justiz, die die würdige Nachfolgerin 3 aristischer Rechtsmethoden ist, schieb er aus dem Leben. Die Auslandsvertretung der SR., die eine Bestätigung der Nachricht noch nicht erhalten hat, teilt uns über die Laufbahn Timofejews folgende Einzelheiten mit: dramatischen Schärfe aufzurütteln, um schließlich dem verwirrten Gegner mit einem Lächeln den Gnaden st ich zu ver fegen. Charakteristisch für seine Art ist der Schlußzsah jener Rede, durch die er, einige Wochen vor Kriegsausbruch, das neugebildete Ministerium des greisen Ribot am ersten Tage stürzen half:„ Herr Ministerpräsident, unseren Refpeft werden sie behalten, unsere Stimmen aber nicht erhalten." Im Jahre 1913 hatte Sembat die Welt mit einem Buche überrascht, das schon durch seinen Titel und noch mehr durch seinen Inhalt großes Aufsehen auch in Deutschlanders regte:" Faites un roi, sinon faites la paix!"(" Macht einen König oder macht Frieden!") Dieses Buch, das von geistreichen Bemerkungen nur so firozte, war ein glühendes Bekenntnis zur deutsch- französischen Versöh nung. Der eigenartige Titel entsprach der These: Entweder wir wollen die Revanche, dann ist das republikanische Regime ungeeignet, oder wir wollen die Republik, dann müssen wir auch auf den Revanchegedanken verzichten. Republik und Revanche zu gleicher Zeit ist ein Unding. Indessen, als ein paar Monate später der Krieg dennoch ausbrach, und zwar dank der Tölpelhaftigkeit der kaiserlich deutschen Regierung unter solchen Umständen, daß für jeder noch so pazifistischen französischen Politiker ein Zweifel über die lleinschuld Deutschlands vorderhand unmöglich war, da letzte sich Sembat mit der gesamten Partei für die Bewilligung der Kriegskredite ein. Und wenige Wochen später, als die Deutschen vor Paris standen, da trat er zusammen mit Guesde in die Regierung der Nationalverteidigung als Minister für öffentliche Arbeiten ein. Er gehört zu denen, die das Verhalten unserer Partei nicht begriffen haben- ob er seine Anfichten hierüber später etwas forrigiert hat, wissen wir nicht Eugen Timofeje w ist 36 Jahre alt, von Beruf Journalist, aber wir schulden ihm das Zeugnis, daß er stets soziasteht seit 1900 in der revolutionären Bewegung, ist seit 1902 Mit- listisch und internationalistisch gedacht hat. Das beweist schon glied der revolutionären Partei, wo er seit 1905 eine führende die Rede, die er nach Jaurès Tode und unmittelbar nach Ver= Rolle spielt, wurde von den zaristischen Gerichten zweimal zu fündung der Mobilmachung in einer großen öffentlichen langen Zuchthausstrafen verurteilt, von denen er 3 wölf Volksversammlung in Paris hielt und die er mit dem Jahre verbüßte. Durch die Märzrevolution 1917 befreit, nahm Appell schloß: Genossen, die Ihr ins Feld ziehen werdet, er regen Anteil an der revolutionären Bewegung in Sibirien, wo was Ihr auch über Deutschland in dieser Stunde denken er eine führende Rolle in der Verwaltung spielte. Ende 1917 wurde möget, vergeßt nie, daß Ihr Sozialisten seid und daß er in die konstituierende Versammlung gewählt, nach deren Spren- drüben auch viele Sozialisten Euch gegenüberstehen werden!" gung er auf dem russischen Rätekongreß im Jahre 1918 zum Mit= glied des Erekutiotomitees gewählt wurde. Im Jahre 1920 wurde er von den Bolschewisten verhaftet und befindet sich seit dem ununterbrochen in Haft. Genf, 6. September. Der österreichische Bundeskanzler Seipel hatte gestern verschiedene Unterredungen mit Mit gliedern des Völkerbundrates, der heute in offizieller Sizung die angekündigte ausführliche Darlegung des Bundeskanzlers über die Lage Desterreichs entgegennehmen wird. Außerdem soll das Finanzkomitee des Bölkerbundes, falls es damit rechtzeitig fertig wird, einen Bericht über die Finanzlage Desterreichs erstatten. Es wird jedoch von verschiedenen Seiten darauf hingewiesen, daß London, 6. September.( WTB.) Nach einer„ Times"-Meldung der Bölkerbundrat zu einem neuen schnelleren Berfahren aus Riga soll der Metropolit Benjamin und seine Gegreifen muß. So wird die Vermutung geäußert, daß der Bölfer- fährten, die im Juli von einem revolutionären Gerichtshof zum bund einen Ausschuß von namhaften Mitgliedern der Böllerbund- Tode verurteilt wurden, am 10. August in Petersburg erversammlung einsetzen will, der sich möglichst aus den Vertretern fchoffen worden sein. der Nachbarstaaten Desterreichs und der für die Hilfsaktion besonders in Betracht kommenden Großmächte zusammenzusehen hätte. " Entsprechend der Anweisung seiner Partei trat er später aus der Regierung aus. Seitdem hielt er sich ziemlich zurück, auch scheinen ihm die Ereignisse der blutigen Jahre sehr nahe gegangen zu sein, denn er hatte viel von seinem Wig eingebüßt, und seine Artikel und Reden waren viel ernster gestimmt. Sah er doch, wie die einige Sozialistische Partei, das Werk eines Menschenalters schwerster Kämpfe, durch den frevelhaften Dilettantismus der Kommunisten und auf Moskauer Befehl zertrümmert wurde. Er war in den lekten Monaten seines Lebens für die Wiedervereinigung mit der Zweiten Internationale lebhaft tätig und nahm an den dazu dienenDer italienische Sozialiffenfongreß wurde endgültig auf den den Besprechungen mit der englischen und der belgischen ParDer österreichische Bundeskanzler oder der Minister des Aeußern 1. bis 3. Dtober festgefeßt. Er wird in Rom stattfinden. tei teil. Er ist nun furz vor der Erreichung dieser ersten Etappe auf dem Wege zur Wiedererftarfung der französischen Morgen treffen sich auf den zerstörten Schlachtfeldern| Figung des Reichstages vom 14. Juli 1922 von dem Reichsjuftizund der internationalen Arbeiterbewegung unerwartet und Nordfrankreichs weitere deutsche und franzöfifche Großindu- minister dahin gekennzeichnet worden, daß die Wiederbeschaffungsviel zu früh verschieden. strielle; sie werden darin übereinstimmen, daß ihre beider- fosten nur dann berücksichtigt werden können, wenn sie Am Vorabend ihrer Wiedervereinigung, von der wir seitigen Regierungen nichts können, unfähig sind und ver- nicht der Ausdruck einer Notmartilage sind. An dieser Auffassung wissen, daß sie von Sembat und von allen übrigen Führern dienen, durch junge Leute aus den Privatkontoren der Groß- hat sich nichts geändert. Besteht teine normale Marktlage und des französischen Sozialismus mit besonderer Sehnsucht als industriellen ersetzt zu werden. Man wird sich weiter darüber man wird bei der heutigen Gestaltung des Warenmarktes, insbe das notwendige Signal zur Sammlung aller gesund gebliebe- einig sein, daß heute, da weder Frankreich noch Deutschland fondere der Zurückhaltung der Lieferanten und der zögernden Bemen Kräfte des europäischen Proletariats gegen die internatio- auf dem Weltmarkt weiter ernsthaft etwas gewinnen fann, darfsdeckung des Handels dieses annehmen müssen, so ist der Bernale Reaktion erhofft wurde, entbietet die deutsche Sozialdemo- da beide einen völlig zerrütteten inneren Markt vor sich haben faufspreis nach wie vor auf der Grundlage der individuellen Gefratie den französischen Genossen ihren schmerzerfüllten Gruß, und beide vom russischen Geschäft durch England und Amerifa fiehungskosten zu errechnen, wie fie in Anlehnung an die amtliche der zugleich ein Gelöbnis fein foll, ganz im Sinne der Mah- ausgeschloffen worden sind daß deswegen jetzt der Begründung der Preistreibereiverordnung vom Reichsgericht entnung Sembats, sowohl für die Republik, wie auch für Wiederaufbau auch ein Geschäft sei. widelt worden sind. den Frieden mit ihnen gemeinsam zu fämpfen. Die Einigung. Nach Fertigstellung des Aktionsprogramms der fünftigen Bereinigten Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, das wir heute morgen zum Abdruck brachten, sind Vertreter der beiden Parteivorstände heute vormittag auch in Beratungen über die organisatorische Wiedervereinigung eingetreten, die in erfreulicher Weise fortschreiten. Zum Entwurf des Aktionsprogramms nimmt die Freiheit" in zustimmender Weise Stellung, in dem sie schreibt: Gewiß fann man noch manche Einzelheiten aufzählen, die aufgenommen werden könnten, man kann für manche Fragen eine andere Formulierung wünschen. Aber die Frage für die MitglieDer beider Parteien ist ja nicht die, ob alle ihre Wünsche und Forderungen in dem Programm restlos erfüllt sind, sondern ob die Durch das Programm dokumentierte Uebereinstimmung in allen wesentlichen Punkten vorhanden ist. Und das ist der Fall. = Deshalb ist das Attionsprogramm als Ganzes eine Grund Tage der Vereinigung, die von den sehnsüchtig die Einigung wünschenden Massen der Sozialdemokratischen Partei wie der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei mit Freuden begrüßt werden wird. Aus dieser Ueberzeugung heraus rufen wir: Es lebe die Vereinigte Sozialdemokratische Barter Deutschlands!" Die besten Männer Deutschlands haben seit Jahren um Es soll aber nicht verfannt werden, daß diese Berechnungsart einen ehrlichen Wiederaufbau gerungen und gelitten. Erz- bei der sprunghaft fortschreitenden Geldentwertung zu einer Minde berger und Rathenau mußten darum sterben. Die Rechtspresse rung des Betriebskapitals und damit zu voltswirtschaftlich unerhat die Regierung und nicht zuletzt die Sozialdemokratie mäh- wünschten Folgen führen kann. Diesem Umstand hat das Reichsrend der vergangenen Jahre wegen ihres ehrlichen Wiederauf- gericht Rechnung getragen und in einer Entscheidung vom 7. Juli bauwillens geradezu im Schmuß zu ersticken versucht. Jetzt 1921 anerkannt, daß dem zwischen Ein- und Verkaufszeit eingefommen die Geschäftsleute, die jenen Blättern nahe- tretenen Ginten des Geldwertes Rechnung zu tragen sei. Die stehen und machen das auf ihre fapitalistische Art, was auf Berücksichtigung der Geldentwertung darf jedoch nicht bis zur vollen tilligere und nur im Interesse der beteiligten Völker und Abgeltung des eingetretenen Wertunterschiedes gehen. Staaten liegende Art bisher mißlungen ist. " Hosianna" gerufen und dabei an die verhaßte Reichsregierung gedacht! Nun wird Einzelhandel und Preisgestaltung. Nur eine angemessene Berteilung der durch das Sinken der deutschen Währung herbeigeführten Lasten zwischen Händler und Verbraucher wird zugelassen, nicht aber die Abwälzung der gesamten Last auf den Verbraucher. Wenn man auch auf die Erhaltung des produktiven Rapitals Rücksicht nehmen muß, so tann doch im allgemeinen wirtschaftlichen Interesse der wichtige Produktionsfattor Aus dem Reichswirtschaftsministerium wird uns geschrieben: ,, Arbeitstraft" in seiner Wiederherstellung und Erhaltung Die überaus schwierige Lage des Einzelhandels, der nicht weiterhin gefährdet werden. Es entsteht nun unter der Herrschaft der Wuchergesetze seine Waren zu Preisen ab die Schwierigkeit, zu entscheiden, nach welchem Maßstab die Berück geben muß, die häufig um ein Bielfaches hinter den gegenwärtigen fichtigung der Geldentwertung erfolgen folle. Das willkürliche ErTagespreisen zurückbleiben, hatte die Führer des Einzelhandels messen der Gerichte und der Verwaltungsbehörden führt zu starveranlaßt, persönlich bei dem Reichswirtschaftsminister vorstellig zu fen Unterschieden in der Beurteilung mit allen ihren nachwerden und die Frage vorzulegen, was die Reichsregierung zu tun teiligen Folgen. Nun haben sich innerhalb der Händlerschaft seit gedente, um weiteren Verlusten des Betriebskapitals, die zur Ein- einiger Zeit selbsttätig gewisse Maßstäbe für die Preisbildung herftellung der Betriebe und damit zur Verschärfung der Versorgungs- ausgebildet, die sich bestreben, eine gewisse Mittellinie einzuhalten. schwierigkeiten führen müßten, vorzubeugen. Insbesondere wurde So zieht man z. B. als Maßstab für den Umfang der Geldentbarauf hingewiesen, daß Großhandel und Industrie in steigendem wertung den vom Statistischen Reichsamt monatlich herausgegebenen Maße dazu übergegangen seien, in Auslandswährung zu Lebensmittelinder heran. Der Verkäufer ist hiernach beDer Entwurf wird den beiden Parteitagen von Augs- fatturieren, so daß der Einzelhandel gar nicht anders rechtigt, für eine im Juni eingekaufte und im Juli verkaufte Ware burg und Gera sowie dem Einigungstag pon Nürn- tönne, als den Wiederbeschaffungspreis, als weicher der Tagespreis der im Vormonat des Berkaufs eingetretenen Geldentwertung von berg unterbreitet werden, der über ihn das letzte Wort zu anzusehen sei, seinem Berkaufspreise zugrunde zu legen. beispielsweise 32 Broz. durch einen entsprechenden Aufschlag Rech sprechen haben wird. Der Reichswirtschaftsminister gab durchaus die schwierige Lage, nung zu tragen. Der so gewonnene Preis wird vielfach hinter dem mit der der Einzelhandel zu kämpfen hat, zu. Man beschuldige durch Tagespreis zurückbleiben, weil bei den heutigen schnellen Verände Deutschnationaler Wiedergutmachungswille aus unberechtigt den Einzelhandel, daß er der Preistreiberei Bor- rungen des Preisniveaus bie Bekanntgabe des Inder hinterherhintt. Herr Stinnes ist doch ein großer Mann; er hat es fertig schub leiste. Gewiß fämen Einzelfälle vor, aber im allgemeinen fei Ohne gerade dieser Berechnungsart für alle Fälle den Vorzug zu gebracht, die schwarzweißrote Welt auf den Kopf zu stellen. zu beobachten, daß im Vergleich zu den Großhandelspreisen im Klein geben, stehe ich nicht an, in einem solchen Vorgehen der beteiligten Die Deutsche Tageszeitung" wartet, wie sie heute morgen handel das Tempo fich verlangsamt. Allerdings sehe die Be Kreise selbst, das einen Ausgleich der widerstreitenden Interessen schreibt, nur noch auf die Beseitigung des nationalen Bloces völkerung nur die Kleinhandelspreise in den Kaufläden der Stadt, erstrebt, gerade wegen der freiwilligen Uebernahme der Berantin Frankreich( obwohl sie nur die deutsche Ausgabe davon ist), und deshalb der Unwille gegen sprunghafte Preiserhöhung der wortung einen erheblichen Fortschritt zu erblicken. um eine grundsätzliche Richtungsänderung der französischen Waren. Gegen die Preiserhöhung aller vom Ausland bezogenen An Stelle des schwankenden Begriffs Berücksichtigung der GeldPolitik gegenüber Deutschland entstehen zu sehen. Die Kreuz- oder im wesentlichen aus ausländischen Rohstoffen hergestellten entwertung" gilt es einen festen Maßstab zu sehen und einen Beitung" freut sich über das Lubersac- Stinnes- Abkommen, waren seien wir machtlos; wohl aber fragt es sich, ob die Produ- Ausgleich zu finden zwischen den Forderungen des Handels und denweil es ein Beweis dafür sei, daß die Privatinitiative das zenten von Waren aus heimischen Rohstoffen sowie die Landwirte jenigen der breiten Verbrauchermassen, denen die fofortige Anfertig bringe, was der jetzigen Regierung unmöglich ge- mit den Lebensmitteln, die wir im Inland erzeugen, im Preis mit passung der Preise an die aus der Notmarktlage sich ergebenden wesen sei. Die„ Kreuz- Beitung" vermag aus den verschieden- dem Dollarturs mitlaufen müssen. Tagespreise nicht zugemutet werden tann. sten Gründen den Leistungen des Herrn Stinnes, und wenn Das müsse er bestreiten, und hier liege eine ungesunde Preisfie auch den Wiederaufbau angehen, mancherlei gute Seiten entwicklung vor, die beim Produzenten beginne. Der Mi Jugendliche Dummhelfen. Während eines Demonstrationszuges abzugewinnen. Nur eines versteht sie nicht, und das ist amü- nifter erflärte weiter, daß das Verlangen des Großhandels und der fommunistischen Jugend in Offenbach brangen am Sonntag fanterweise der Kernpunkt der Stinnesschen Politit. Seine der Industrie, der Einzelhändler solle in ausländischer Wäh- nachmittag größere Trupps in die Wohnung des Stadtverordneten Tägliche Rundschau" hat in den letzten Tagen stets erneut rung bezahlen, eine außerordentliche Ueberspannung des Strebens Reffel, der der Zentrumspartei angehört, ein und zwangen ihn, mitwiederholt: der Luberfac- Stinnes- Vertrag bedeute die deutsch- nach Risikoficherung darstelle, die außerdem zu einer beschleunigteren zugehen. Neffel mußte ein Schild mit der Aufschrift: Ich bin der französische Annäherung. Dazu meint die„ Kreuz- Zeitung": Entwertung der Mart erheblich beitragen würde. Wahrscheinlich größte ehrlingsfinder" tragen. Als Polizei erschien, " Daß sich das haßerfüllte Frankreich durch solche Abmachungen, werde sich der Kartellbeirat baldigst mit dieser Frage befassen müssen. 3ogen sich die Kommunisten auf Frankfurter Gebiet zurück, woselbſt wie sie jetzt abgeschlossen find, in irgendeiner Weise beeinflussen lassen Ebenso trat der Minister der vielfach beobachteten Neigung, die fie für die Offenbacher Polizei unerreichbar waren. fönnte, ist wieder einmal ein Zeichen findlicher Auffassung von dem Preise in fürzester Frist entsprechend dem jeweiligen Dollar stande hinaufzusetzen, entschieden entgegen, indem er ausführte, daß der Kurs der Mart leider zu sehr abhängig sei von den Stim mungen der ausländischen Spekulation, die sich nicht durch die wahre Wirtschaftslage des Reiches, sondern lediglich von den polis tischen Ereignissen beeinflussen lasse. Lauf der Geschichte." Damit trifft die Kreuz- Beitung" völlig das Falsche. Der neue Wiederaufbauvertrag ist, geschäftlich und kapitalistisch gefehen, bewundernswert großzügig; er wächst auf dem Boden des Rathenau- Abkommens von Wiesbaden; die auf seinem Boden beriebene Stinnes- Bolitit erscheint nur findlich. Sie ist aber nicht kindlich, dazu ist sie zu gefährlich. In der Ferne. Von Hans Bauer. Havas veröffentlicht ein Telegramm aus Angora, nach dem die Türken die Stadt Estefchehir nach erbittertem Rampfe befeht haben. Die griechische Division foll fast völlig vernichtet sein. Die griechische Front ist an drei Punkten durchbrochen. Auf die Frage an den Minister, wie er sich zu der Anerkennung der Wiederbeschaffungspreise stelle, erwiderte er etwa folgendes: Der Standpunkt der Reichsregierung ist in der Plenar die Tendenz der Echönfärberei, der Inanspruchnahme fremden Ruhmes für eigenen bei den türkischen Generälen. Was auch alles dahinten in der Türkei geschieht; es tann nur so geschehen, wie es schon einmal geschah. Saget mir, wo Krieg tobt. Und ich will Euch sagen, wo die größten Lügner sind. Die Bekämpfung des Haarausfalls. Die eigentliche Ursache des So so! An drei Punkten durchbrochen! Und wir wissen: Haarausfalls beim Menschen hat sich troy allen Forschungen noch Die Konstantinopeler Neuesten Nachrichten" bringen einen Leit immer nicht ergründen lassen. Es läßt sich aber wie F. M. Meŋer artikel, darinnen die Feldherrngröße des türkischen Oberbefehls- in der Klinisch- Therapeutischen Wochenschrift" mitteilt, vermuten, habers gefeiert, aber auch der bewunderungswürdigen Heldentaten daß das Ausfallen des Haares entweder durch eine örtliche Erder braven Truppen gedacht wird. Und wir wissen: die türkischen frankung, wie z. B. eine Hautinfektion, bedingt wird oder aber als Wizblätter fcherzen in grellen Farben über den feig- dumm- gewiffen. Begleiterscheinung einer allgemeinen Erfrankung des Körpers, wie losen Griechen. Und wir wissen: Ein Kriegsberichterstatter tele- etwa Typhus, Grippe, Ruhr und dergleichen auftritt. In vielen graphiert einen langen Bericht nach Hause, der die zähe Tatkraft, Fällen stellt der Haarausfall auch eine Folgeerscheinung der UnterDen unbeirrbaren Siegeswillen, den stürmischen Drang nach vor ernährung in der Kriegs- und Nachkriegszeit dar. wärts bei den türkischen Soldaten schildert. Am besten charakteri Wo Haarausfall lediglich als Symptom eines Leidens zu befiere der Ausspruch des gemeinen Soldaten Ali Kem Bimba vom trachten ist, muß bei seiner Behandlung vor allem auch die Be37. Artillerieregiment die Stimmung bei der Truppe. Der habe fämpfung der Grundursache erstrebt werden. Auch genügt es nicht, nach zehnstündiger schwerer Schlacht wonnetriefend gesagt: A fu das tereits vorhandene Haar derart zu kräftigen, daß es nicht mehr a Gaudi!" Und wir wissen: Der Siegeswille testeht darin, daß in so leicht ausfällt, sondern es muß vielmehr auch der junge Nach allen türkischen Rantinen geflucht wird: Wenn doch der Affenmist wuchs gestärkt werden. Denn nur dann, wenn die durch die Er. vorüber wäre, die zähe Tatkraft darin, daß zerquälte, stumpf- frantung geschwächte Papille gefräftigt und angeregt wird, vermag gewordene Menschen Läuse tnaden, Hunger haben und an ihre sie ein Haar von normaler Länge und Lebensdauer hervorzubrin Frauen denken. gen. Es hat sich denn auch erwiesen, daß gerade bei denjenigen Patienten, die in diesem Sinne behandelt worden waren, die gewünschte Wirkung am schnellsten eintrat. Und wir wissen dieses: In den Athener Blättern und im griechi. schen Heeresbericht ist teine Rede von einer an drei Stellen durchbrochenen Front. Nur davon, daß an einigen Stellen die Front aus strategischen Gründen um einige Kilometer hat zurüdgenommen werden müssen und davon, daß Afium- Karahijfar eine militärisch pöllig belanglose Position fei, an deren Ausläufern sich die Türken hätten vorübergehend festsegen fönnen. Und wir wissen, daß in der Griechischen Allgemeinen Zeitung" erflärt wird, ein fauler Friede fei der wirtschaftliche und kulturelle Zusammenbruch Griechenlands. Man folle der großen Ahnen gedenken. Und wir wissen, daß die Hilfsgeistlichen in Griechenland ausgefnobelt haben, daß Gott im Himmel fich persönlich für die griechische Sache einseht und auf dem Standunkt steht, daß alle Türfen Schweinehunde find. Und wir wissen: In Ather ist heute die Wurst teurer geworden. Dem Oberleutnant Alexandrowitsch, der seiner Beziehun. gen zu dem konservativen Grafen Paramenos wegen, der erster Schriftführer der Griechischen Vaterlandspartei ist, noch heute in einem Refrutendepot in Athen flebt, dem macht das freilich nicht viel aus, aber die Witwe Menander in der Vorstadt, die ist ganz entsetzt darüber und stöhnt einmal über das andere, wohin das noch führen solle. Wir wissen alles! Wir kennen den Betrieb. Die Front ist an drei Stellen durchbrochen worden!" Dante! Da sehen wir der Dreck der Front, das Ungeziefer in den Anzügen der Soldaten, die Poesielosigkeit verschweinter Latrinen, da jehen wir die journalistischen Gemeinheiten und da sehen wir die Suche nach Ausreden und den Willen zur Abwälzung bei den griechischen, Als die einfachste und sicherste Heilbehandlung des Haaraus. falls hat man nun neuerdings die Quarzlichtbeftrahlung der Kopfhaut erkannt, durch die eine örtliche Blutüberfüllung der Hautgefäße hervorgerufen wird; in Verbindung mit dieser Lichttehandlung, bei der die Kopfhaut in Scheitelabteilungen bestrahlt wird, kann dann noch eine Haarwasserbehandlung vorgenommen werden. Bei Blutarmen wendet man gleichzeitig Arsen und bei ausgesprochenen Sautleiden auch Salben an, wie denn überhaupt jeder Haarausfall individuell behandelt werden sollte. Jede Ondulation und Kopfmassage ist zu vermeiden, ebenso Staubfämme und scharfe Bürsten; auch soll der Kopf nicht öfter als höchstens einmal im Monat ge. waschen werden. Ist der Haarausfall die Folge einer förperlichen Krankheit, so fann er auf diesem Wege fast immer mit Erfolg bekämpft werden. Biel schwerer ist es jedoch, die Fälle von haar ausfall zu heilen, die im Gefolge von Meurasthenie auftreten; denn hier nimmt fast jeder Fall einen anderen Verlauf und erfordert dementsprechend verschiedene Behandlungsweisen. Tödliche Injettenffiche. Von der tödlichen Wirkung eines Mückenstiches, dem ein junges Mädchen in London zum Opfer gefallen ist, war in Nr. 417 die Rede. Nicht sehr bekannt dürfte fein, daß auf ähnliche Weise ein hervorragender deutscher Denfer ums Leben gekommen ist ist- Johann Kaspar Schmidt, genannt Ma Stirner. Er wirfte in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts in Berlin als Gymnasial- und Mädchenschullehrer und ließ 1844 sein Wert„ Der Einzige und fein Eigentum" erscheinen, in lich des Jahresfestes der Kommunistischen Jugend- Internationale am Kommunistenverfolgung in Polen. In Warschau find anläß. Sonntag zchlreiche Kommunisten verhaftet worden. Berhaftungen und Beschlagnahmen von Druckschriften und Flugzetteln werden auch aus der Provinz gemeldet. In Posen ist ein großer Rommunistenprozeß im Gange. Die ganze Attion wird in Zusammen hang mit der beginnenden Wahltampagne gebracht. Der englische Gewerkschaftstongreß hat beschlossen, das Londoner Blatt" Daily Herald" anzukaufen und in eigene Berwaltung zu nehmen. dem er die Philosophie als ausgesprochensten Individualismus vertrat und den Grundfaz betonte:" Ich hab' man Sach' auf nichts gestellt." Damals, in der vormärzlichen Zeit, fand es nur wenig Beachtung, war auch nach den Stürmen der Revolutionsjahre bald ebenso vergessen wie die Person des Verfassers. Stirner schied zeitig aus dem Schulamt und lebte in Berlin als Privatgelehrter in dürftigen Verhältnissen. Im Sommer 1856 befiel ihn infolge des Stiches einer Fliege am Kopfe Blutvergiftung, und am 26. Juni starb er im Alter von noch nicht ganz fünfzig Jahren. Als am Ende des Jahrhunderts der Niehsche- Kultus auf der Höhe stand, gedachte man auch Stirners, durch dessen Wert Nietzsche zweifellos hochgradige Anregung erhalten hatte. Der aus Schottland gebürtige Dichter John Henry Macan nahm die Forschung über ihn in die Hand und gab 1898 feine Schrift Mag Stirner, sein Leben und fein Wert" heraus. Ihm gelang es auch, Stirners Grab auf dem Sophienfriedhof in Berlin zu ermitteln, und das wurde dann auch mit einem würdigen Denkstein geschmückt. Der Endeffekt. Dies ist des Krieges Endeffekt: Man ist mit sechs Prozent gedeckt! Das Kriegsgeschäft in Rompagnie Ward nunmehr liquidiert und wie! Dem Sozius, der sich Stinnes nennt, Erblüh'n besagte sechs Prozent. Das Spiel ist aus. Man bilanziert, Die Provision wird affordiert. Mit sechs Prozent Welt, tröste dich! Berzinst das große Sterben sich! Man denkt an dies, man denkt an das, An Rathenau und sonst noch was Und tommt zum Schluß und resümiert: Die Provision, fie triumphiert! Fridolin. M. Sch. Kunktchronit. In der Galerie Ferdinand Möller, Potsdamer Straße 134 c, ist loeben die erfte Herbstausstellung mit einer Sammlung Gemälde von Adolf Erbslöh München, eröffnet worden. Das Schicksal von Amundsens Gefährten. Während der ersten Ueberwinterung Amundsens im Norden Sibiriens famen zwei Expeditions. bindungen herzustellen, nicht zurüd. Sett tommt die Melbung aus Petersmitglieder Teffen und Knudsen, die ausgeschickt waren, um Ver burg, daß ihre Zeichen( oder wenigstens Gegenstände und Tagebücher von ihnen) beim Flusse Biasina in Nordwestsibirien gefunden wurden. Neiche Fischbeute in England. Ungewöhnlich große Heringsfänge werden aus Jarmouth, dem Zentrum der englischen Fischerei an der Cit tüste, gemeldet. Der Ertrag eines einzigen Tages belief fich auf 1%, Millio nen Heringe. Die einzelnen Boote hatten Ergebnijje zwischen 120000 und 170000 Stud. Das Zausend wurde mit 20-99 Schilling abgegeben. Das �elüsnöenkma! öes Mörüe?p?mzen.] 23cr kurzem wurde hier berichtet, daß in einem Hinterpommer- schen Dorf der Dsnkmalsauslchuß es nbiehnte, auf einer Erinncrunas- tafel für die gefallenen Krieger den Namen eine? gefallenen Juden mit aufzunehmen. Heute ein interessantes Gegenstück, das wir den deutsch nationalen„Leipziger Neuesten Nachr." entnehmen: Bor kurzem weihte man in Ilfeld am Harz ein Denkmal ein zum Andenken an die im Kriege gefallenen ehemaligen Schüler der dortigen Klasterschule. Auf diesem Denkmal steht der vom Falle Gagern-Stolberg bekannte Prinz zu Stolderg- Ä o ß l a, der bekanntlich kürzlich mit Eagern im Kontumazial- verfahren in Belgien wegen Mordes bzw. Beihilfe dazu zum Tode verurkeilt worden ist. Der Rittmeister von Gagern wurde 1916 durch Urteil des Feldkriegsgerichts in Brüssel wegen Tot- schlags und Meineids zur Entfernung aus dem Heere und zu IS Jahren Zuchthaus, Prinz Stclbcrg zu 6 Monaten Festungs- Haft verurteilt. Außerdem soll der Leutnant Prinz Stolderg zum gemeinen Soldaten degradiert worden fein. Er ist nicht im Kampfe gefallen, sondern erst 1920 gestorben. Der Jlfelder Denkmalsausschuß, dessen Vorsitzender der Leipziger Rechtsanwalt Hillebrand ist, hat kein Bedenken getragen, den Namen des Prinzen mit auf das Denkmal zu setzen. Es muß für die Angehörigen der übrigen Gefallenen ein selt- sames Gefühl sein, daß die Ehrentafel ihrer teuren Verstorbenen zu einer Schandtafel gemacht wird. Aber vielleicht gehören sie auch zu den„Patrioten alten Schlages", die sich innerlich gehoben fühlen, wenn der Name ihres Sohnes oder Bruders zusammen mit dem eines leibhaftigen Prinzen auf der Tafel steht— selbst wenn dieser Prinz ein Mördergehilfe war! Die Zuckerftbwnge. Eine unverftänüliche Haftentlassung. Von den zahlreichen Personen, die wegen Beihilfe zum Ra- thenau-Mord oder wegen Begünstigung der Mörder in Unter- suchungshaft saßen, hat der Staatsgerichtshcf in Leipzig einige aus der Haft entlassen. Es ist natürlich durchaus möglich, daß der eine oder andere der Beschuldigten seine Nichtdeteiligung an der Mord- tat hat nachweisen können. Sehr überraschend aber kommt die Mitteilung, daß sich unter den Haftentlafsenen auch der Leiter des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes in Schwerin, Erich Bade, befindet. Er soll sogar gänzlich außer Verfolgung gesetzt sein. Hier wurden erst un- längst mar'kante Stellen aus den Zirkularen veröffentlicht, die Bad: an seine Mitglieder versandt hat. In diesen Zirkularen war ganz offen zu heimlicher Bewossnung, zum Wafsenschmuggcl, zur Deronslalluag militärischer Hebungen usw. aufgefordert worden. Wenn diese Dinge auch nicht in direktem Zusammenhang mit dem Rathenau-Mord stehen, so zeigen sie dcch, daß Bade einer der gefährlichsten Führer der reaktionären Geheimbündelei in Norddeutschlcmd ist und schon deswegen unter strafrechtlicher Per- folgung zu bleiben hätte. Indirekt muß dieses Material aber auch dazu führen, daß Bades Beteiligung bei Beschaffung der Mord- Maschinenpistole unter dem Gesichtspunkt seiner Gesamttätig- k e i t betrachtet wird und daß seine Entlasturrgsbehauptungen nur mit äußerster Vorsicht entgegengenommen werden. Außenminister Ischikjcherin hat sich am S. September in Berlin einer Halsoperation umerzogen, die glücklich verlaufen ist. Tschi- t'cherin wird nach einer kurzen Erholung vermutlich schon nächste Woche naä) Moskau zurückkehren. Zur Hunderkfohrseie? Brasiliens am 7. September konnte das Reich wegen der finanziellen Lage einen eigenen Vertreter nicht schicken, hat jedoch als außerordentlichen Gesandten Herrn Plehn beglaubigt, um die Glückwünsche der deutschen Regierung zu über- bringen. Bei der Industrieausstellung in Rio de Janeiro ist die deutsche Industrie privat in großem Ausmaße beteiligt. Die Glückwünsche der deutschen Universitäten und der deutschen Wissen- schaft überbringt der Berliner Gchirnchirurg Prof. Dr. Fedor Krause, der auch wisienschaftliche Präparate als Geschenk für den brasilianischen Staat überbringt. Der vorstand des Deutschen Anwaltvereins hat sich gezwungen gesehen, den für die zweite Septemberwoche nach Hamburg ein- berufenen 23. Deutschen Anwaltstag abzusagen, weil er nicht in der Lage ist, die Kosten der Tagung aufzubringen. Der Dollar weiter gefallen. Infolge der anhaltend starken Nachfrage nach Zahlungsmitteln zeigt der heut« veröffentlichte Ausweis der Reichsbank vom 51. August «ine erneute Steigerung des Banknotenumlaufes um rund 23 Milliarden Mark auf rund 238 Milliarden Mark. Gleich- zeitig ist der Umlauf an inländischen Kassenscheinen um 138,7 Mil- l i o n e n Mark aus 13,8 Milliarden Mark gestiegen. Trotz dieser ungünstigen Entwicklung der Inflation macht sich au den euro- päischen Börse« heule eine festere Slimmung für die deutsche Mark bemerkbar. Das Ausland zeigt rege Nachfrage nach deutschen Noten, da es mit einem günstigen Ergebnis der heute beginnenden Ver- Handlungen zwischen der deutschen Regierung und den belgischen Vertretern rechnet. In Berlin hält sich die Spekulation sowie die Produktenbörse und Einfuhrhandel am Devisenmärkte sehr zu- rück» da man das Ergebnis der erwähnten Verhandlungen ab- warten will. Es herrscht wieder eher Abgabeneigung für fremde Zahlungsmittel. Der Dollar war bis gegen Mittag bereile auf 1250 zurückgegangen. Diese Ermattung des Devisenmarktes rief im Zu- fammenhang mit der fortdauernden Geldknappheit auch eine rück- läufige Bewegung der Effektenkurse hervor. Die In der letzten Zeit stark gestiegenen Montanwerte mußten sich erhebliche Kurssenkungen gefallen lassen. Auch Dalutapapiere lagen natur- gemäß wesentlich niedriger. Die Russenhausse ist völlig zusammengebrochen. Vevifenkurse. 100 holländiiche Giilden.. l argentinischer Papier-Peso 100 belgische Frank..... 100 norwegische Kronen.. 100 dänische Kronen.... 100 schwedische Kronen... 100 finnische Mark..... 1 japanischer Den...... 100 italienische Lire.... 1 Psund Sterling...» 1 Dollar........... 100 französische Frank... 1 brasilianischer MilreiS.. 100 Schweizer Frank.... 100 spanische Peseta?... 100 öiterr. Kronen(abgesi.) 100 rscheckische Kronen... 100 ungarische Kronen... 100 bulgarische Lewa..• Es steht seit langem fest, daß wir eine große Ueberproduk- tion an Zucker hoben. Die Freude an dieser Mitteilung wird mitleidlos gedämpft dnrch die Frage:„W o bleibt die Heber- produktiv n?" Das minderbemittelte Publikum, das Tag für Taz auf der Jagd nach billigem Jucker ist und es sich nicht verdrießen läßt, in Regen und Sonnenschein stundenlang ein Pfund Zucker zu „c r st e h e n", beantwortet diese Frage klar genug mit dem lieö- lichen:„Verschoben!" Zuweilen erfährt man auch, wie es gemacht wird, daß der Jnlandzucker über Nacht seine srohe Wieder- auferstehnng als Auslandzucker feiert.„Seh'n Sie, da kauft ei» Händler bei einem Produzenten. Und der Händler verkauft wieder an einen anderen, und so reihum, bis der letzte Händler er- klärt: ja, als Inlandzucker ist er mir zu teuer! Daun gibt er Auf- trag, den Zucker an die holländische Grenze zu expedieren und zahlt! gegen Frachtbriefduplikar. Der Zucker wird in der Fabrik in den! Waggon„Essen 143 5-11" verladen und rollt lustig nach Holland.� In Holland wird er in ZO-Pfund-Säcke umgepackt und in Waggon „Essen 143 541" wieder nach Austrag nach Deutschland zurückbeför- dert. Na, und dann ist es Auslnndzucker, und bei der Valuta? Da ist der Preis eben verständlich!" Und Auslondzuckcr ist heute unerschwinglich, deshalb sucht man die Geschäfte, die noch Zucker, der keine Weltreise angetreten hat, verkaufen, auf, und wartet geduldig, bis man„dran" ist. Der getauft? Zucker steigt im Preise ununterbrochen, trotz des Dollarrückganges, und hat stellenweise sckon eine Hohe von 100 Mark das Pfund im Einkauf erklommen. Was Wunder also, wenn die Läden mit dem Inlandzucker zu 50 bis 60 Mark belagert sind wie eine Festung. Schupo sorgt für Ruhe und Drdnung imd beschwichtigt die besonders erregten Gemüter, die bei dem Verrinnen der Zeit kaum mehr zu bändigen sind. Znckerlchlangen von 5 0 und mehr Metern sind b: ständige Einrichtungen im Straßenbild geworden. Und mit der uns eigenen Lethargie nehmen wir, wenn die erste gereizte Ner- vosität vorüber ist, auch das stundenlange Warten hin. Nur wenn der Geschäftsinhaber die Tür verschließt und die Schupo das schwere Amt des„Heerrufers" übernimmt und erklären muß, daß„aus- verkauft" sei, beginnt ein böser Augenblick. Alle, die umsonst gewartet haben und mit ängstlichen Blicken ihre Vordermänner immer wieder überzählten und die Hoffnung nicht ausgaben, auch noch„dran zu sein", werden in ihrer Enttäuschung hart. In solchem Moment wünschte man nichts sehnlicher, als daß einer von den Zuckerschiebern inmitten dieser Frauen sich als solcher er- kenntlich machen würde. Trotz Schupo würde er wohl die Schlange nicht lebend verlassen, sie würde ihn fressen, und schade um ihn wäre es nicht. Oer 7Hjci'hr!ge her? verlagsöirektor. Defchwindctte Briefmarkenfreunde und Ailmgläubige. Wegen großer Briefmarkenschwindeleien und anderen Be- trügereien wurde von der Kriminalpolizei ein erst 16 Jahre alter unternehmungslustiger junger Mann namens Hans Pittak fest- genommen. Unter dem hochklingenden Rcmen„Briefmarken-Groß- Handlung Hans Pittak, Berlin SO. 26" erließ der Bursche große Inserate in Fachzeitungen, in denen er eine demnächst stattstn- dende große Briefmarkeimuktion ankündigte. Briefmarkensammler und-Händler wurden darin eingeladen, ihm wertvolle Marken zur Versteigerung einzusenden. Diese Anzeige erregte den Verdacht der Kriminalpolizei, die den jungen Mann kannte, und die Ermittlungen ergaben, daß Pittack, der junge„Großkaufmann" in dürftigen Ver- Hältnissen bei seinen Angehörigen wohnte. Bei einer Durchsuchung wurde eine u in sangreiche Korrespondenz gefunden, die sich nicht nur über ganz Deutschland, sondern auch nach dem Aus- lande erstreckte. Besonders zahlreich in dieser Korrespondenz waren die Mahnbrief« von Leuten, die Pittak Briefmarken über- sandt, dafür aber keine Bezahlung erhalten hatten. Reben diesem Schwindel befaßte sich der„Verlag von Hans Pittak" noch mit der Herausgabe von Fachzeilschrifien, der„Illustrierten Phile- talisten-Wart«"/ der„Berliner Premieren", des„Exporthandels", der„Internationalen Filmwcli" usw. Für den Film hatte der junge Mann ganz besonders Interesse. So gründete er die„Eon- ttnental Film-Eompagn!«". als deren Regisseur und Leiter er dann auftrat. Auch eine„Film-Interessengemeinschaft" wurde von ihm ins Leben gerufan. Er versuchte führende Person- lichkeiten als Ehrenmitglieder zu werben, um so ander« Firmen leichter zum Beitritt zu gewinnen. In seinen Reklamen und Brief- bogen, die er natürlich nicht bezahlte, mar der jung« Mann immer [ehr großzügig. Zur restlosen Austlärung des ganzen Treibens ist es dringend erwünscht, daß sich weitere Deschädigte aus dem In- und Auslande bei der Inspektion L6 des Polizeipräsidiums, Gm- genkirchstrahe 33a, Hausanruf 496, melden. Ter geheimnisvolle Romanow. Zu der Erschießung des Polizeioberwachtmeisters B o t ch e n in der Neuen König st raße wird mitgeteilt, daß es durch den Erkennungsdienst der Kriminalpolizei gelungen ist, die Person- li ch k e i t des getöteten Mörders festzustellen. Fingerabdrücke, die von der Leiche gemacht wurden, ergaben, daß der Tote Personen- gleich ist mit einem am 30. Oktober 1890 zu Petersburg gebürtigen Kaufmann Iwan Romanow. Unter diesem Namen war er am 15. Juni dieses Jahres bereits einmal in das Polizeipräsidium ein- geliefert worden. Ob dies aber der richtige Namen des Toten ist, steht noch nicht einwandfrei fest. Es ist auch möglich, daß der an- aebliche Romanow im Besitz von falschen Papieren gewesen ist. Damals war er wohnungslcs. Festgenommen wurde er, weil er in einem Lokal eine große Zeche gemacht hatte und dann, da er keine Barmittel hatte, verschwinden wollte. Die Nachforschungen nach dem letzten Aufenthalt Romanows in Berlin waren bisher ergebnislos. Bei dem mit der Aufklärung betrauten Krimi- nallommsisar Gahmig haben sich verschiedene Zeugen gemeldet, die mit dem angeblichen Kriminalbeamten zusammengekommen waren, und zwar sowohl in den besseren Lokalen des Westens wie auch im Nordosten im Russenviertel. Wer über ihn weitere Angaben machen kann, wird gebeten, sich im Zimmer 45 des Berliner Polizeipräsi. diums zu melden._ Erweiterung öer Sonntagsrückfahrkarten. Die Sonntagsrücksahrkarten, die sich einer steigenden Benutzung erfteuen und als eine Maßnahme von größter vvlksgesundheitticher Bedeutung erwiesen haben, sollen, wie die Reichszentrale für deutsche Verkehrswerbung mitteilt, auf eirn neue Strecke erweitert werden: vom nächsten Sonnabend, den 9. September ab, werden Sonntags- rückfahrkarten zu fast um die Hälfte ermäßigten Preisen nach Leuenberg(Strecke Berlin— Wriezen) ausgegeben: der Fahr- preis für die Hin- und Rückfahrt vom Schlestschen Bahnhof beträgt in der 3. Klasse 22 M., in der 4. Klasse 13 M., von anderen Bahn- Höfen der Stadtbahn 30 M. bzw. 21 M. Die Rückfahrkarten gelten zur Hinfahrt bereits am Mittag des Sonnabend, zur Rückfahrt bis Sonntag nacht 12 Uhr. Ob die Sonntagsrückfahrkarten auch w ä h- rend des Winters ausgegeben werden, steht noch nicht fest: die Beibehaltung der Einrichtung wird von ihrer Benutzung ab- hängen, und sollte sich eine starke Rachstage auch im Spätherbst er- geben, so wird man die Sonntagsrückfahrkarten voraussichtlich auch über den Winter beibehalten. Lebhaste und eindringliche� Beschwerden gehen uns von verschiedenen Seiten über den Sonntagsverkehr aus der neuen Vor- ortstrecke Berlin— Wannsee— Beelitz zu. der zu gewissen Tageszeit«, unzureichend fem soll. Man soll dem Pudlik-um, das doch wahrlich geduldig genug ist, nicht Zu viel zumuten, und es ist dringend zu wünschen, daß diese Zustände geändert werd-m. Von anderer Sei!« wiederum werden wir daraus aufmerksam gemacht, baß vou Zeit zu Zeit auf der Warmseebahn, in der Nähe von Z c h l e n d c r s- W e st, ein vollkommen ausgerüsteter Lazarettzug auftaucht, dessen Wagen auch äußerlich noch immer durch große rote Kreuze gekennzeichnet werden. Die Zuschrift schlägt unter Hinweis auf den oft betonten Warenmangel vor, diese Waren wieder dem allgemeinen Verkehr zuzuführen. 3ft öiL Trennung so schmerzlich! Wie schwer manchen Behörden oder einzelnen Beamten der Per- zicht auf den Weitergebrouch der monarchischen Hoheite. zeichen wird, davon erfahren wir wieder ein paar Prcb'.m. Trotz allen Versprechungen, daß nun endlich Schluß mit dem skandalösen Unfug gemacht werden soll, trotz allen Verfügungen, daß die Bei- beHaltung monarchischer Hoheitszeichen in Hausinichrifren, Brief- papieren. Stempeln usw. unter Strafe gestellt werden soll, ist der Plunder immer noch nicht ganz beseitigt. Den Bortritt muß in unserer Aufzählung wieder, wie sich's gebührt, die Postverwaltunq haben. In Leipzig heißt dag Postamt 3 noch „kaiserlich" auf Berschlußmarten, die einem beschädigten und amtlich verschlossenen Brief, wie der uns vom Empfänger über- wiesen« Briefumschlag zeigt, ohne korrigierende Durchstreichung auf- geklebt wurden. Reden der Postverwaltung steht als würdiges Seitenstück die Eisenbahnverwaitung. In Berlin läuft aus dem Bahnhof Friedrich st rohe ein Pförtner umher, der an seinem ihn kennzeichnenden Blechschild noch eine Reliquie aus der „königlich" preußischen Zeit der Eisenbahnen, eine Königskrone von geradezu unverschämt großen Dimensionen, auffällig zur Schau trägt. Längst hätte der Mann das Ding bequem mit der Hand ab- brechen oder mit einer Zange sauber abkneiien können, aber er ris- kiert diesen Akt der Selbsthilfe wohl deshalb nicht, weil er dadurch das Mißfallen seiner Vorgesetzten zu erregen fürchtet. Auf dem Dahnhof Wildvark lstingt, wie man uns meldet, in der Restaurationshalle über der Trinkwasferleilung ein die Benutzung regelndes Vlokat, das immer noch die Unterschrift„Königliche Eiscnbahn-Inspektion 7" trägt. Versichert wird, das Wort„König- liche" sei schon von einem Fahrgast eigenmächtig ausgestrichen wor- den, aber durch Abwoichen habe man es wiederbergestellt. Leider ist auch die Berliner Polizei wieder unter den Behörden, die wir auf ihre Pflicht zur Beseitigung monarchischer Hoheitszeichen hin- weisen müssen. In der Prinz. Friedrich-Karl-Straße prangt an der Schutzpolizeikaserne immer noch in großen vergoldeten Buchstaben die alte Inschrift„K aiser- Zllexander. Garde-Grcnadier-Regiment", obwohl e« ein leichtes wäre, die an der Hauswand befestigten Metallbuchstaben zu be« leitigen. Wenn die Kaserne nicht Eigentum der Polizei ist. so hat doch die Polizei nicht nötig, sich noch dieses Jnschriftüberbleib'el aus der militärisch monarchistischen Zeit gefallen zu lasten. Diese Haus- infchrift ist nicht nur sinnlos, weil in der Kaserne kein Zllexander- Regiment mehr liegt und überhaupt keins mehr existiert, sondern heute muß auch der Zusatz„K a i s e r" wie eine dreiste Heraus- forder ung und Verhöhnung der republikanischen Bevölke- rung wirken._ Ein feiner Bater. In dem Bericht in der Sonntagnummer des„Vorwärts" über den Zusammenstoß zwischen Kommunisten und Schupo in Ehar- lottenburg war darauf hingewiesen worden, daß am Bahnhof Witz- leben der Installateur Tuschs dadurch den ersten Zusammenstoß her- beigeführt haben soll, daß er ganz offen ein Hakenkreuz trug. Run wird uns von anderer Seite mitgeteilt, daß diestr Herr Tusche. der übrigens nicht Nehringstrahe, sondern Dresselstroße wohnt, als Hakenkreuzler bekannt ist, sein Schaufenster vielfach mit Flugschriften und Blättern deulschvältischer Art ausstassiert und nicht einmal davor zurückschreckt, sein kleines Kind mit fchwarzweißrotem Fähn. chen und mit einem Hakenkreuz versehen auf die Straße zu schicken und es vor dem Haufe auf und ab gehen zu lassen. Es ist unerhört daß ein Vater sein Kind in dieser Weise als völkisches Demon- strationsobjekt auf die Straße schickt und nicht davor zurückschreckt, auf diese Weise seinen Provokationsgelüsten zu frönen. Etne Pil'ousflellung findet im Kant-Rcalgymnasium zu Karls- Horst von Mittwoch, den 6. Sspiember, bis Freitag, den 8. S»v- tember, nachmittags von 4 bis 6 Uhr statt. Eintrittspreis 3 M. Ein Lichtbildervortrag des Dozenten an der Bolkshochschule Groß- Berlin, Dr. Kurt Regelcr, über„Biologie und Nährwert der Pilze" findet am Freitag abend in der Aula statt. Eintrittspreise für Er- wachsen- 5 M., für Schüler 2 M. Ein Herrenanzug nicht unter ZOlXW) Mark. Ganz unerhörten, aber auch unerträglichen Zuständen gehen wir auf dem Gebiets der Herrenbekleidung entgegen. In einer Ver- sammlung der Schneiderzwangsinnung München wurde von feiten des Allgemeinen Arbeitgeberverbandes erklärt, daß angesichts der enorm hohen Stoffkosten, der hohen Löhne und der allgemeinen Teuerung ein Anzug unter 30 000 M. nicht mehr geliefert werden könne. Die Stofflieseranten verlangten Bezahlung in Dollar oder Fronken und gäben die Waren nur gegen Nachnahm« ab. Bei Be- stellung auf Anzüge müßte die Hälfte des Betrages als Anzahlung und die andere Hälfte bei Ablieferung verlangt werden. Gründung einer Internationalen Jugendliga. Der 2. Kongreß der Internationalen Iugendliga in Hamburg, zu dem 23 Delegierte aus 12 Nationen, darunter Dertrtter von Belgien, England und Frankreich erschienen waren, führte zur end- gültigen Gründung der Internationalen ll-eague c>l Vouth(Jugend- ligo), die bereits im August 1921 ihre Borkonferenz in Kopenhagen abgehalten halte. Der deutsche Zweig umsaßt mehrere Orga- nisationcn mit insgesamt etwa 35 000 Mitgliedern. Der Kongreß diente vorwiegend der Erörterung praktischer Maß- nahmen für die Verbindung und das Zusammenwirken der Jugend der verschiedenen Nationen im Sinne der Völkerverständigung. Ein- stimmig angenommene Leitsätze und Entschließungen appellieren an die Jugend und an die Erzieher, alles zu tun, um das künstlich ge- nährte Mißtrauen zwischen den Böltern zu beseitigen. Auf An- trag der französischen und schweizerischen Dele- zierten, die von Campargus und Cretenoud geführt wurden, beckstoß der Kongreß unter lebhaftem Betfall, für die Aufnahme 'eutschlands in den Völkerbund und für dessen Demo- kratisierung einzutreten. Zusammenstoß zweier Züge. Der am Dienstag mittag 1.45 Uhr in den Dortmunder Bahn ho, einlaufende und von Langendreer kommende Personenzug stieß auf den im Bahnhof haltenden Milch zug. Zwei Wagen des Milchzuges wurden auf den Bahnsteig ge schleudert. Ein Eisenbahnarbeiter aus Gütersloh wurde getötet 19 Personen zum größten Teil leicht verletzt. Der Verkehr wurd durch Umleitung aufrechterhalten. Wetter für morgen. Verlin und Umgegend. Trocken und überwiegend heiter, nacht? seh: kühl, iniitag« ziemlich warm, bei mäßigen östlichen Winden. Hroft-Serliner parteinachrichten. ZUorzea, Donnerstag, den 7. September. lt. und 15. Abt. Abends 7 Uhr.«Uternversainnilunz In der Schulaul-, lteaje IL Themar„Die weltlich« Schule". Reserent: Lehrer Schuntg. Ztwuioziallsten, Gruppe Schilncbrra— Friedenau. Abend» 7V, Uhr bei Gro. Sedanfttatze U. Vortrag:»Die Teuerung und die Arbetteqchast". Stau: Gewerkschaftsbewegung Die Umbildung der schwedischen Gewerkschaften. Der schwedische Gewerkschaftskongreß hat soeben eine äußerst wichtige Entschließung gefaßt. Er beschloß die Umbildung der Gewerkschaften zu Industrieverbänden. Es ist allgemein bekannt, daß die skandinavischen Gewerkschaften so ziemlich die einzigen europäischen Gewerkschaften sind, wo die Berufsorganisation noch in ihrer vollen Reinheit besteht. Allerdings hat sie praktisch längst nicht mehr die Bedeutung wie vor 25 Jahren. Denn einesteils besteht sowohl in Schweden wie in Dänemark und Norwegen eine gemeinsame Streiftaffe aller Gewerkschaften und Damit gemeinsame Bestimmungen für die Führung von großen Lohnkämpfen, andererseits bestehen zwischen den bedeutendsten ftandinavischen Berufsorganisationen( wozu auch in der Regel die finni schen zu rechnen sind) Kartellverträge zur gegenseitigen Unterstützung bei Lohnfämpfen, wie auch die skandinavischen Landeszentralen in einem ähnlichen Verhältnis zueinander stehen. = Der schwedische Gewerkschaftstongreß, der für die standinavischen Länder von überragender Bedeutung ist, hat nun auch mit der überlebten Form der Berufsorganisation Schluß gemacht. Wir begrüßen diesen Beschluß deshalb, weil er den schwedischen Gemertschaften die Gelegenheit gibt, ihre Organisationen den neuen Anforderungen anzupassen, die auf dem Gebiete des Durch dringens der Betriebe und der Vorbereitung der Sozialisierung liegen. Mit den alten Begriffen von Berufs-, Industrie- oder Betriebsorganisation kommt man da nicht mehr aus. Die Gewerkschaften müssen sich den neuen Bedingungen wir verweisen hier nur auf die vertikale Konzentration an passen, wollen sie nicht mit ihrer Wirtschaftspolitik ins Hintertreffen geraten. bung eines Bauhüttenbetriebsverbandes eine Stammeinlagey Keine Ueberffunden im fächsischen Kohlenrevier. Nachdem die Don 100 000 Mart freizustellen, wurde angenommen. Bergarbeiter des Zwickauer Steinfohlenreviers sich gegen das Vers Zur Beitrags- und Unterstützungsregelung, welche infolge der fahren einer täglichen Ueberstunde ausgesprochen haben, haben auch Geldentwertung vorgenommen werden mußte, wurde von der Ver- die Bergarbeiter im Lugau- Delsniger Revier in geheimen Abwaltung eine Borlage unterbreitet, die einstimmige Annahme fand. Stimmungen die Einlegung einer täglichen leberstunde abgelehnt. Es betragen somit die Beitragsfäße inkl. Lokalzufchlag in der Damit tommt ein Verfahren von Ueberstunden im sächsischen Steins 1. Klaffe 58 M., 2. Klaffe 48 m., 3. Klasse 40 m., 4. Klaffe 33 m., fohlenbergbau nicht mehr in Frage. 5. Klaffe 20 M., 6. Klasse 10 M., und zwar mit Wirkung ab 36. Woche, zahlbar am 9. September. Mit Inkrafttreten dieser Beitragsfäße wird gleichzeitig der bisherige Lokalzuschlag an streifende Mitglieder ab zweiter Streitwoche entsprechend erhöht und beträgt für männliche Mitglieder 75 bis 200 m., für weibliche 75 bis 160 m. pro Woche. Die Beitragstaffierung in den Zahlstellen wird vom 16. September in die Zeit von 4 bis 6 Uhr verlegt. Aus dem Bericht über die legten Lohnverhandlungen ist zu entnehmen, daß die Arbeitgeber nach längerer Beratung ein Angebot von 10 Prozent gemacht haben. Die Generalversammlung beschloß einstimmig, dieses Angebot abzulehnen und, falls durch neue Verhandlungen, eventuell Schiedsspruch, eine den Teuerungsverhält nissen entsprechende Lohnzulage nicht zu erreichen fei, zum Kampfe zu greifen. Die Belegschaften sind jezt schon auf diese Eventualität vorzubereiten. Die neuen Löhne der städtischen Arbeiter. Unter dem Borsiz des Stadtrats Coblenzer fand heute vor mittag eine Verhandlung vor dem Städtischen Tarifamt statt. Nach furzer Debatte einigte man sich bei der Festsetzung der Septemberlöhne für die kommunalen Arbeiter auf folgende Säße, die ungefähr dem Einkommen der Arbeiter im Reich und in den Ländern nach dem gestrigen Abkommen entsprechen: Achtung, Reiseartikel und Portefeuiller. Donnerstag nachm. 5 Uhr bei Wilfe, Sebastianstraße 39, Vertrauensmännerversammlung. Achtung, Tapezierer. Donnerstag abend 7 Uhr, in der Rönigsbant, Große Frankfurter Straße 117, Versammlung. Bericht von den Lohnverhandlungen. Boeker, Weberstr. 17: Sektionsversammlung. Tagesordnung: Bericht von der Deutscher Bauarbeiterverband, Sektion Tiefbau. Freitag abend 6 Uhr bei Lohnrevifion. Mitgliedsbuch des Bauarbeiterverbandes legitimiert, ohne dasselbe fein Butritt. Deutscher Wertmeisterverband, Bezirksverein Lichtenberg. Freitag, abends 72 Uhr, im Logenkafino, Knorr- Promenade: Versammlung, Vortrag. Wirtschaft Europäische Zuckernot. Nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa leidet unter dem Budermangel. Der Krieg und die unmittelbar folgende Zeit haben auf die Zuckerproduktion in allen europäischen Ländern verheerend gewirkt. Die Rübenzuderproduktion Europas einst und jetzt sei durch folgende Zahlen veranschaulicht. Es produzierten( in Millionen Tonnen): 1920/21 1912/13 Deutschland Tschechoslowakei. Desterreich- Ungarn. Frankreich · Belgien Rußland Polen andere Ländere 11,00 27,82 6,801 19,20 0,35 3,05 9,79 2,50 3,17 0,50 18,84 2,00 7,02 6,86 80,18 ganz Europa 33,22 Ungelernte Arbeiter 51,15 m.( bisher 39,15 M.), angelernte Arbeiter 51,95 M.( bisher 39,75 m.), Handwerfer 54,40 mt.( bisher 41,80 m.). Die Löhne für die weiblichen Arbeiter erhöhen sich prezentual in dem bisher gehaltenen Abstand von den Männerlöhnen. Der Magistrat fogte den Organisationen zu, daß er bereit Ergänzend sei noch bemerkt, daß der Kongreß den Anschluß an 1000 m. zu zahlen, unter der Vorausseßung, daß im Monat Sepsei, eine einmalige Wirtschaftsbeihilfe in Höhe von Aus diesen Zahlen wird ersichtlich, daß die Zuckerproduktion in Mostau mit großer Mehrheit abgelehnt hat. tember die Organisationen feine selbständigen Anträge auf Er- den meisten europäischen Ländern noch stärker zusammengeschrumpft höhung der Lohnfäße einbringen, sondern daß sie etwaige Berhand- ist als in Deutschland. Für die europäische Buderversorgung ist lungen der Gemertschaftsspigen mit der Reichsregierung über Lohn- namentlich der völlige Zusammenbruch der ruifischen Rübenzuderzuschläge abwarten. industrie von Bedeutung, weil Rußland, wie alle Agrarstaaten, einen sehr fleinen eigenen Buderverbrauch hatte. Die Industriebevölke rung ist bekanntermaßen in weit höherem Maße für Zucker aufnahmefähig als die Landbevölkerung. Die Aussichten für die Vergrößerung der europäischen 8uderproduktion sind außerordentlich rübe, da Rohrzucker durch die Valuta zu stark verteuert wird, so daß er für den Verbrauch in valutaschwachen Ländern kaum mehr in Frage fommt. Der Magistrat wird sich heute mit dem Abkommen beschäftigen, während das Städtische Lohnfartell erst am Donnerstag über die Bereinbarung Beschluß faffen will. Lohnregelung für die Reichsarbeiter. Die Generalversammlung der Betriebsräte. Zu dem Bericht über die Generalversammlung der Betriebsräte in heutigem Morgenblatt ist noch nachzutragen: Als Korreferent sprach der Kommunist Grothe, verteidigte in längeren Ausführungen die Einberufung der sogenannten Vollversammlung der Betriebsräte und die Tätigkeit der dort eingesetzten Fünfzehnerfommission. Er forderte die Kontrolle der Produktion, um dadurch der weiteren Verelendung der Masse zu begegnen. Den ADGB. Die neue Regelung der Löhne für die Arbeiter bei der Reichs forderte er erneut auf, einen Reichs- Betriebsrätefongreß einzube- rerwaltung und den Reichsbetrieben für September ift gestern mit rufen. Am Schluß seiner einständigen Ausführungen iegte er eine den Gewerkschaften vereinbart worden. Die Lohnerhöhung beträgt längere Entschließung vor, deren Annahme er lebhaft befürwortete. bei mehr als 24jährigen Arbeitern im allgemeinen in Ortsklasse A Es folgte wieder eine Geschäftsordnungsdebatte, und wurde schließ- 12 m. in der Stunde, bei mehr als 24jährigen Arbeiterinnen in lich einem vom Bureau eingebrachten Bertagungsantrag zugestimmt. derselben Ortsklasse 7,90 M. in der Stunde. Die nächste Generalversammlung soll möglichst bald stattfinden. Die Sozialisierung des Baugewerbes. Am 1. September 1922 waren die Delegierten der Berliner Holzarbeiter zu einer ordentlichen Generalversammlung bei Kliem zusammengekommen. Als 1. Punkt der Tagesordnung wurde die Sozialisierung der Bauwirtschaft" von Genossen Lüdemann be handelt. Ausgehend von dem Grundgedanken, daß neben den heutigen Tagesfragen der Gewerkschaften, Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen, ihnen größere Aufgaben obliegen, und zwar die Sozialisierungsbestrebungen im weitestgehenden Maße zu fördern, weist der Referent auf die Verhältnisse in Rußland hin, und schlußfolgernd sagt er, daß die ganze Kraft der Soziali fierungsbestrebungen nicht sofort an die Gefamtindustrie angewandt werden kann, sondern diese auf einen bestimmten Punkt zu konzenwo die Vorbedingungen dafür vorhanden sind, und das trifft im Bautrieren sei. Die Sozialisierung fann nur da vorgenommen werden, gewerbe im weitesten Maße zu. Die Erfassung der Urprodukte, wie Baustoffe, ist ernsthaft von der Organisation sozialer Baubetriebe, die sich über das ganze Reich erstreckt, in Angriff genommen worden. Um auch für Berlin und Brandenburg einen Bauhüttenbetriebsverband zu gründen, mit dem Zweck, gemeinwirtschaftliche Ausgaben zu erfüllen, indem das Großkapital mit seinen ungeheuren Buchergewinnen und Preistreibereien ausgeschaltet werden muß, ist es Aufgabe aller Organifationen, sich daran zu beteiligen. Alle größeren Berbände, die zu dieser Frage Stellung nahmen, haben bereit villigst ihre Bustimmung gegeben. Die neuen Löhne der Silberarbeiter. Die Silberarbeiter versammelten sich am Dienstag im„ Dresdener Garten", um den Bericht von der letzten Lohnverhandlung, die am Montag stattgefunden hat, entgegenzunehmen. Heipt gab einen furzen Bericht, der dura) die Kollegin Gladosch ergänzt wurde. Als Ausgleichszahlung für den Monat August gelten folgende Säße: Bollarbeiter 700 M., Frauen 700 M., Jungausgelernte 550 M. und Jugendliche 400 m. Unsere September forderung von 50 m. ist reduziert worden. Die Arbeitgeber machten folgendes Angebot: 25 m. für Bollarbeiter, 18,75 m. für Frauen, 16 M. für Jungausgelernte, 12,50 M. für Boliererinnen und 7,50 m. für Jugendliche Stundenzuschlag auf alle bestehenden Löhne für die Zeit vom 1. bis 15. September. Die Arbeitgeber gaben hierbei das Bersprechen ab, uns in der Lehrlingsfrage ent gegenzukommen. In der Diskussion fam die Meinung zum Ausdruck, betracht deffen, daß bereits in der nächsten Woche wieder neue Berdaß diese Löhne bei der jetzigen Teuerung nicht ausreichen. In An handlungen stattfinden, nehme man dieje Säge an. Bergarbeiter und Ueberschichten. Bon fommunistischer Seite werden immer wieder übertriebene Weiterer Rückgang der Konturfe im Juli. Die Zahl der Kon furse war bereits während des ersten Halsjahrs 1922 in Deutschland rückgängig. Der Juli brachte eine weitere Verminderung der Konfunsziffer auf 84 gegen 91 im Juni dieses und 301 im Juli vorigen Jahres ein Beweis, daß die erneute, Ende Juni mit verschärfter Kraft einsetzende Verschlechterung der Mark die Konjunktur zunächst noch günstig beeinflußt hat. Es ist eine treffende, wenn wahrscheinlich auch unbewußte Kritik der fapitalistischen Wirtschaft in der Inflationsperiode, wenn der offiziöse Kommentar zu dem Rückgang der Konkurse bemerkt: Die Umfehrung der Preisfurve war es, die die Lebensfähigkeit der geschäftlichen Unternehmungen bedrohte und zu einem Anfteigen der Konkursziffern führte. Heute aber wird die Preisbewegung fast ausschließlich von der Baluta, d. h. der paffiven Zahlungsblanz, bestimmt. Steigende Preise aber be günftigen fast ausnahmslos die geschäftliche Erfolgstätigkeit, so daß 3ahlungseinstellungen feltener werden müssen." Also nicht mehr persönliche Tüchtigkeit des Unternehmers, gesunde, nach den Regeln des Kapitalismus forrefte Kalfulation, unermüdliche Arbeit und was sonst noch alles die Vorzüge des fapitalistischen Unternehmers nach bürgerlichem Urteil sein sollten, find für den Erfolg" aus steigenden Preisen, die für weite und immer mehr wachsende Volks Ichlaggebend; die Volkswirtschaft zehrt vielmehr von der auf das freise erhöhtes Elend bedeuten. Besorgt muß man sich fragen, wie diese ungesunde Wirtschaft der Uebergangszeit aussehen wird, wenn die Kauftraft der Bevölkerung erlahmt und die hohen Preise einfach von den breiten Massen nicht mehr getragen werden können. meldungen von Streifbewegungen aus dem rheinisch- westfälischen Stillegung von Fabrifen in England wegen des Marksturzes. Rohlengebiet gebracht. Wie der Sozialdemokratische Parlaments- Der Marktura, der die deursche Währung fast völlig entwertet und dienst von unterrichteter Seite erfährt, handelt es sich nur um schwache die deutsche Wirtschaft auf der ganzen Linie zu starken Einschrän lokale Streiferscheinungen, die zum Teil auf die durch die Knappheit fungen und Ersparnissen gezwungen bat, führte in Südengland inan Bargeld fürzlich entstandenen Lohnzahlungsschwierigkeiten und folge des Ausbleibens deutscher Aufträge bereits aur Stillegung zum Teil auf das brutale Auftreten verschiedener Grubenherren, bon Fabriken. Wie der Deutsche Handelsdienst" erfährt, mußten In der Diskussion sprachen sich zwei kommunistisch orientierte denen das Ueberschichtabkommen noch nicht genügt, zurückzuführen. B. in Sheffield Perlmutterfabriken ihre Betriebe einKollegen aus grundsätzlicher Auffaffung gegen jedwede Unter- find. Hätten sich nicht gewisse Grubenherren wieder besonders stellen, da der bisher zu etwa 85 Proz. nach Deutschland gehende stüßung dieser Bestrebungen aus, trozdem sie zugaben, daß der Referent fachlich und mit durchschlagenden Argumenten aufgewartet hemmungslos gebärdet, dann wäre die refilose Annahme des leber- Solinger Werke fortfällt. Es handelt sich in Sheffield um die Wehabe. Zwei weitere Redner verwiesen im Gegensatz zu ersteren schichtenabkommens bei den Bergarbeitern nur eine Frage von wenigen triebe, bie für Tafelgeräte usw. Perlmutthandgriffe lieferten. darauf, daß man nicht warten könne, bis die reife Frucht einem in Tagen gewesen. Der Bergarbeiter hat ein richtiges Gefühl für die den Schoß falle. Notwendigkeit dieser schweren Tage, aber er lehnt es ab, den Kuli Ein von der Ortsverwaltung vorgelegter Antrag, zur Grün- für Wiederaufbaugeschäfte zu machen. 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