Nr. 423 39.Jahrgang Ausgabe B Nr. 205 Bezugspreis: File den Monat September 200,- 2 voraus zahlbar. Unter Kreuzband fülr Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet, sowie Defterreich und Luremburg 248,- M., für das übrige Ausland 282,- M. Postbestellungen nehmen, an Belgien, Dänemark, England, Esthland, Finnland, Frankreich, Holland, Lettland, Luxemburg, Defter reich, Schweden, Schweiz, Tschecho Slowakei und Ungarn. Der Vorwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Zeit", der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und der Beilage Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Gonn tags und Montags einmal Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Abend- Ausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 3 Mark Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezet foftet 40,- M. Reflamezeile 180, „ Aleine Anzeigen" das icttgedruckte Wort 12, M.( zulässig mei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wati 10, M. Stellengesuche und Schlaf stellenanzeigen das erste Wort 7.- M.. jedes weitere Wort 5,- M. Worre liber 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familien- Anzeigen für Abonnenten Zeile 15,-. Anzeigen für die nächste Summer müssen bis 4 Ahr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden. straße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachmittags. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Donhoff 292-295 und 2506-2507 Donnerstag, den 7. September 1922 Borah soll Europa aufklären. Paris, 7. September.( EE.) Der„ New York Herald" mel- im Februar 1921 in der französischen Deputiertenkammer als eine def, eine Gruppe englischer Parlamentarier, die ein engeres Ju- Antwort. In Erwiderung einer Rede des nationalistischen Abgejammenarbeiten zwischen Großbritannien und den Bereinigten ordneten Barrès, der verlangte, man solle die Rheinländer durch Staaten anstrebt, luden den amerikanischen Senator Borah eine fluge Wirtschaftspolitik gewinnen, sagte Herr Tardieu etwa ein, nach Europa zu fommen, um den Ententevöltern die folgendes: brutale Wahrheit in der Reparations-, interalliierten Schul- Das war meine Politik gewesen. Ich hätte für den Wiederden- und Abrüftungsfrage tlarzumachen. Diese Perfön- aufbau aus Berlin Baumaterialien umsonst befommen fönnen. lichkeiten wünschen, daß Senator Borah eine Reihe von Vorträ- Ich habe vorgezogen, sie zu bezahlen und an rheinische Industrielle gen halte, um in Europa die wahren Stimmungen Amerikas zu vergeben.... bekanntzugeben. Die Einladung erfolgte nach den letzten Erklärun- Dann kam das Wiesbadener Abkommen. Es fam auf gen Borahs, der ausgeführt hatte, daß eine Annullierung der alliier- Beranlassung des ermordeten Rathenau. Es knüpfte an die schon ten Kriegsschulden solange nicht erfolgen fönne, als Europa feine erwähnten Vorschläge der Reichsregierung an. Es sollte, wie gegenwärtige Politik der Rüstungen und der Reparationen Rathenau im Reichstage sagte, teine Reparationsgewinn[ er geben. Das Wiesbadener Abkommen ist von Frankreich nie aufrechterhalte. Warum England revidieren muß. bennt worden. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Berlag, Haupregpedition u. InferntenAbteilung: Dönhoff 2506-2507 Das Arbeitsnachweisgeseh. Am 1. Oktober tritt das Arbeitsnachweisgeset in Kraft, das am 13. Juli vom Reichstag verabschiedet wurde. Es sieht drei Stufen vor: die öffentlichen Arbeitsnachweise, die Landesämter für Arbeitsvermittlung und das Reichsamt für Arbeitsvermittlung. Schon diese Dreiteilung offenbart das Streben nach Vereinheitlichung und durchgreifender 3 entralisation, das das Gesetz beherrscht. Auch bisher war es das Bemühen des größten Teiles der Arbeitsnachweise, ihre örtliche Gebundenheit zu überwinden und eine Arbeitsvermitt lung nach größeren Gesichtspunkten zu organisieren. Aber die Bemühungen mußten einen provisorischen Charakter behalten, folange feine gesetzliche Regelung ihnen entgegenkam. Es ist deswegen zu begrüßen, wenn im Reichsamt und in den Landen, denen eine großzügigere Regelung des Arbeitsmarktes desämtern nunmehr übergeordnete Instanzen geschaffen wer= den, denen eine großzügigere Regelung des Arbeitsmarktes bufteht. So heißt es im§ 15 des Gesetzes ausdrücklich: ,, Die Landesämter haben den Arbeitsmarkt zu beobachten und den Ausgleich von Angebot und Nachfrage zwischen minifter fann mit Zustimmung des Reichsrates den Landesämtern den einzelnen Arbeitsnachweisen zu fördern... Der Reichsarbeitsweitere Aufgaben zur Regelung des. Arbeitsmarktes übertragen. Auch die obersten Landesbehörden können derartige Aufs gaben den Landesämtern übertragen." Schließlich tam auf Grund des Wiesbadener Abkommens der Condon, 7. September.( EE.) Det Führer der Union der Versuch des Verbandes Sozialer Baubetriebe, im Arbeitslosen, Henry Homes, erklärte gestern abend, eine große Einverständnis mit den Geschädigten und den französischen Gewerk Demonstration aller englischen Arbeitslosen werde in einigen Tagen stattfinden. Aus allen Teilen Englands schaften, praktische Wiederaufbauarbeit zu leisten. Die Bevölkerung würden sich Arbeitslosenbataillone zu Fuß nach London be- der ausgewählten Drischaften war mit dem Plan einverstanden. Da geben, um einer großen Demonftration in der Whitehall beizuwoh- fam der Druck der französischen Behörden und eine BerleumdungsWenn auch in ruhigen Zeiten die lokalen Arbeitsnach nen. In Portglasgow bei Glasgow plünderten Arbeitsloje tampagne der offiziöfen französischen Preffe.... weise genügen, um den Arbeitsmarkt zu regeln und die überetwa fünfzig Geschäfte. Sieben Berhaftungen wurden vorgenom- Guggenheimer, der selbst Reichskommissar war, so schön fagt, den treten brauchen, so bietet der§ 15 doch eine vortreffliche HandIhm folgte das Bemelmansabkommen, das, wie Herr geordneten Instanzen nur selten praktisch in Erscheinung zu bureaukratischen Einfluß ausschaltet", d. h. die Kontrolle, daß es habe, in Zeiten industrieller krisen ganz anders tatfeine Reparationsgewinnler geben kann, dafür aber die kapitalistische fräftig einzugreifen, als es den Arbeitsnachweisen bisher mög" Provision" einschaltet. Auf diesem Abkommen basiert der lich war. Boraussetzung dafür ist allerdings, daß der ReichsBertrag Stinnes- Luberfac. Jetzt stimmt die französische Regierung rat, an dessen Zustimmung die Landesämter bei durchgreifenzu. Die Moral von der Geschichte mögen vor allem die Franzosen deren Maßnahmen gebunden sind, nicht hemmend wirkt. Denkfelber ziehen. men. Bradburys Rücktrittsabsicht. Paris, 7. September.( EE.) Der„ Petit Parifien" meldet aus London: Sir John Bradbury hat, mie bekannt, schon wiederholt die Absicht befundet, sich aus der Reparationstommission zurückzuziehen. Man spreche jetzt bereits von seinem Nachfolger und nenne als folchen Lord Elst on vom Ministerium für Indien, der auch dem englischen Kriegsfabinett angehört hat. Bemelmans' Zuversicht. Paris, 6. September.( Havas.) Bemelmans gab dem Berliner Berichterstatter der Agence Havas folgende Erklärung ab über den Berlauf des ersten Tages der Verhandlungen zwischen den beiden belgischen Delegierten und der Reichsregierung: Die heutigen Beprechungen hatten nur vorbereitenden Charakter. Morgen vormittag 10 Uhr werden wir uns bei dem Reichsfinanzminister einfinden, um zu hören, wie die Borschläge der deutschen Regierung lauten. Schon jetzt fonnten wir feststellen, daß die deutsche Regierung von dem gleichen Standpunkte ausgeht wie wir, nämlid; davon, daß die praktische Lösung der Entscheidung der ReparationsLuberfac und Reibel über das Stinnes- Abkommen. Paris, 7. September.( EE.) Dem„ Homme Libre" sagte Senator uberfac, daß die Aufnahme des Abkommens in dem beratenden Komitee für die Naturallieferungen ausgezeichnet gewesen sei. Die Anschauungen der Regierung zeigt ein Brief des Ministers Reibel, werin es heißt:„ Die Regierung gibt dem Grundfaz dieser Abmachungen ihre Zustimmung. Die Kom bination, auf der fie beruhen, bietet ein wirkliches Interesse sowohl hinsichtlich der Ausdehnung der Naturallieferungen als auch hinsichtlich der Beziehungenzu Deutschland." Lubersac unterftrich die Bedeutung des Artikels 7, der auf den Wunsch Stinnes eingeführt wurde: Die Rüdlieferung von Reparationsfohlen bar wäre, daß in solchen Fällen auch das Reichsamt als Zentralinstanz in Erscheinung tritt. Hierüber bemerkt aller dings das Gesetz nur, daß dem Reichsamt die Aufgabe zufällt, den Arbeitsmarkt zu beobachten und den Ausgleich von Angebot und Nachfrage zwischen den verschiedenen Gebieten zu regeln. Die flarere Formulierung des§ 15 in veränderter Form auch auf das Reichsamt zu beziehen, wäre nicht unnüg gewesen. Gerade für Krisenzeiten muß eine möglichst zentrale Leitung des Arbeitsmarktes vorgesehen sein, wenn man in dieser Hinsicht über die Zustände der vorgesetzlichen Regelung hinwegkommen will. fommiffion die große Konferenz, die in Brüssel vor Ende des werde in folgender Weise gefchehen: Die französische Regierung wird zentral gestalteter Arbeitsnachweis fann sich nicht mit der ReBesonders wichtig war es, in dem Gesetz den Aufgabenfreis der amtlichen Arbeitsnachweise so zu um= reißen, daß die psychologischen Voraussekungen für eine vor aussehende und bewußte Gestaltung und Beherrschung des Arbeitsmarktes fünftig mehr als bisher zur Geltung kommen. Ein gelung von Angebot und Nachfrage begnügen, er muß auch die Möglichkeit haben, die Ursachen der Bewegungen am Arbeitsmarkt zu erfassen, er muß sich ein Bild von der Gesamtlage, von dem Andrang zu den einzelnen Berufen, von der Borbildung der Anfänger usw. machen können, d. h. der Arbisher auf die Ich habe die Ueberzeugung, daß die deutsche Regierung uns ernst- die deutschen Kohlen der Genossenschaft der Korporativgesellschaften hafte und genügende Sicherheiten bieten fann, die uns davon ent- zur Verfügung stellen, und diese wird sie Stinnes für die Lieferung binden werden, die Goldreserve der Reichsbank in Anspruch zu der Materialien wieder zuführen. Durch die sechsprozentige Pronehmen, ein Mittel, zu dem wir nur in der äußerst en Notwendig vision würden die deutschen Lieferungen nicht höher zu stehen fomfeit unsere Zuflucht nehmen würden. Wenn man dennoch diese men als gleichwertige auf dem französischen Markt gekaufte. Frank Reserve angreifen müßte, fo würde es sich nur um einen äußerff reich habe ein Intereffe daran, wieder aufzubauen, meil es dann ein Statistik stüßen, er muß sich die Statistik zum Teil durch eigene geringen Betrag handeln. Ich bin daher Optimist und glaube, großer Abnehmer für seine eigene Induſtrie werden könnte, wähdaß die Berhandlungen sehr rasch fortschreiten werden. 3ch rechne rend es jetzt nur in befcheidenstem Maße faufen tann, solange die damit, daß wir am Sonnabend nachmittag wieder abreifen können. Bewohner der zerstörten Gebiete keine Heimstätten haben. Vor Die Besprechungen der Reichsregierung mit der belgischen Dele- dem Kriege habe Frankreich 3 Millionen Rubikmeter Holz gekauft; gation haben heute vormittag um 10 Uhr in der Reichskanzlei be- jetzt würden von Deutschland etwa 1,5 Millionen Kubikmeter für das gonnen. Die Berhandlungen scheinen einen günftigen Berlauf zu ganze Jahr verlangt werden. Lubersac wünscht nehmen, dürften aber heute kaum zu Ende gehen, da sehr viele teine Heranziehung deutscher Arbeiter in großem Maßstabe. fomplizierte Einzelheiten zu besprechen und eine ganze Reihe beiderseitiger Vorschläge zu beraten find. Im Laufe des Nachmittags 2ber bei den niedrigen Preisen, zu denen die Deut. werden Einzelbesprechungen stattfinden müssen, so daß die Kon- chen arbeiten fönnten, hätten die Geschädigten ein ferenzen etwa drei Tage in Anspruch nehmen werden. Zur Vorgeschichte des Stinnes- Vertrages. Der Bertrag Stinnes- Luberfac hat eine Vorgeschichte, die ans Licht gezogen werden muß. Bom Dezember 1918 datieren die ersten deutschen Vorschläge für den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete Nordfrankreichs. Sie tamen vom Borstand des Deutschen Bauarbeiterverbandes. Interesse daran, sich der deutschen Arbeitskräfte zu bedienen. Es gäbe aber ein Mittel, deutsche Arbeitskräfte heranzuziehen, indem man Material in Deutschland selbst verarbeiten laffe. Beobachtung erst felbst schaffen. Das aber hat eine Erwei terung des Zuständigkeitsfreises zur Vorausleßung. So ist es denn nicht mehr wie folgerichtig, wenn den Landesämtern die Berechtigung erteilt wird ,,, von Gemeinden und Gemeindeverbänden, Handels-, Landwirtschaftsund Handwerkskammern, von Krankenkassen und Krankentassenverbänden, sowie von wirtschaftlichen Bereinigungen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer und von anderen mit der Arbeitsfürsorge befaßten Stellen Auskunft über die Lage des Arbeitsmarktes zu fordern", und wenn dem Reichsamt das Recht eingeräumt wird, Erhebungen über die Lage des Arbeitsmarktes, über Arbeitsbedingungen, Ausstände und AusSperrungen, sowie über die Mitgliederbewegung der Bereinigungen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer vorzunehmen. Minister Reibel erklärte, daß die bisher von Deutschland geforderten Naturallieferungen 3 Millionen nicht übersteigen. Es In denselben Rahmen fällt es, wenn Landesämter und müßten erst in größerer Anzahl Mandatare ernannt werden, die die Reichsamt zur Berufsberatung und LehrstellenAufträge zu übermitteln und die Waren in Empfang zu nehmen vermittlung herangezogen werden. Fällt die Arbeitsverhätten. Es würden aber alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden, mittlung von Arbeitern und Angestellten in gleichem Maße in damit die Geschädigten nicht gewiffen- oder kapitalslosen den Aufgabenbereich der amtlichen Nachweise, wie§ 2 das vor Im April 1919 wurden dann von der Reichsregierung Bermittlern in die Hände fallen. Das Interesse der französischen sieht, dann müssen ihnen auch die notwendigen Vorarbeiten offizielle Borschläge gemacht. Die Verhandlungen darüber zogen Industrie werde durch die Naturallieferungen nicht verlegt, auch unterstellt werden. Es kann nicht verkannt werden, daß dasich bis zum Herbst hin. Es wurde ein Reichskommiffariat, dann ein wenn der Minimalzolltarif bei der Einfuhr angewendet werde. durch die Frage der Berufsberatung in ein neues Stadium besonderes Ministerium errichtet. Das Deutsche Reich erbot sich, auf Reibel gab seiner Freude Ausdruck, daß die deutschen Industriellen tritt. Obwohl man ihre Bedeutung für die Gestaltung des Areigene Roften nach den Plänen und Angaben der französischen Be- die Materialien liefern wollen. Die Kohlenrüd stelllung beitsmarktes seit langem erkannt hat, überließ man sie bisher hörden ganze Gebietsteile aufzubauen. Die Idee, die zerstörten Ge- dürfte erst erfolgen, menn das Programm der Kohlenlieferungen, mehr dem Zufall örtlicher Regelung. Erst in allerjüngster Zeit biete Nordfrankreichs aufzubauen, löste in weiten Volksfreisen eine das die Reparationsfommission aufstellte, hinsichtlich Quantität und begann man das wichtige Material der Berufsberatungsstellen tiefe, fittliche Welle aus. Organisationen entstanden, Pläne und Qualität durchgeführt würde. Sollte es sich herausstellen, daß nach generellen Gesichtspunkten zu sichten und zu verwerten Schriften wurden ausgearbeitet. Dieser tiefgreifende Wille zur wirk- Deutschland mit den Kohlenfendungen in einem Monat im Rüd- und auch hier blieb das meiste der Privatinitiative überlassen. lichen Wiedergutmachung brach sich an den nationalisti- stand bliebe, so würden von den zurückgestellten Rohlen ent- Es ist wohl als Folge des Arbeitsnachweisgesetzes zu bezeich schen Vorurteilen der Regierenden in Frankreich. sprechende Mengen abgezogen werden. Reibel erflärte noch, nen, wenn jetzt von Regierungsseite die Anordnung zur EinMan wollte teine Wiederversöhnung durch Wiedergutmachung. Die daß alle Mitglieder des beratenden Komitees für die Naturalliefe- führung einer Berufsberatungsstatistit getroffen in Aussicht gestellte Antwort auf die deutschen Vorschläge ist nie rungen, des Comité de torgas( bie Bereinigung der Hüttenbefizer) worden ist, nach der alle örtlichen mit Berufsberatung sowie gefommen. und des Komitees der Bergwerksbefizer das Abkommen billigten. Anlern- und Lehrstellenvermittlung befaßten Stellen gehalten Es sei denn, man betrachtet das Eingeständnis des Abgeordneten( Die Stellungnahme der französischen Arbeitervertretun sind, einmal jährlich nach bestimmten Grundsäzen den und vormaligen Ministers der befreiten Gebiete André Tardieu gen wird nicht gemeldet. Red.) Landesarbeitsämterrn über ihre Berufsberatungs- und Ver miMungstätigkelt Bericht zu erstatten. Die LandesSmter sind verpflichtet, diese Berichte dem Reichsamt weitcrzurcichen. Die Ermittlung wird zum ersten Male im Juli/August 1923 durchgeführt. Für die Statistik sind folgende Gesichtspunkte vorgesehen: 1. Rein zahlenmäßig den Umfang der Tätigkeit der Beratung?. Leile, d. i. ihren Geschäftsverkehr festzustellen, um ein Bild ihrer Wirksamkeit, ihrer relativen Bedeutung für die Berufswahl, insbesondere des jungen Nachwuchses zu bieten. Es handelt sich -lso um eine Geschäftsstatistik. 2. Zahlenmäßige Aufschlüsse über die Art, Richtung und >en Erfolg der Tätigkeit des Berufsamtes zu gewinnen, sowetl >ie gezogenen Grenzen es zulassen. 3. Auf Grund dieser zahlenmäßigen Unterlagen aller Beratung?- stellen Gesichtspunkte herauszustellen, die praktischen May- nahmen, zunächst also solchen organisatorischen und berufspoti- ischen Charakters, die Richtung zu geben vermögen. Die Zielsetzung der Berufsberatungsstatistik ist also von vornherein stark auf das praktisch Unumgängliche beschränkt worden. Das ist zu verstehen, wenn man berücksichtigt, datz sich auf diesem Gebiet erst einmal gewisse Grundsätze für die Praxis herausstellen müssen, die einen weiteren minutiöseren Ausbau gestatten. Auf der anderen Seite wäre es u. E. aber verfehlt, wollte man der wissenschaftlichen Arbeit und Experimenticrfreudigkeit auf diesem Gebiet von vornherein Handschellen anlegen. Gerade hier könnte die statistische Erfassung psychologischer Momente der Aus- gangspunkt für eine mehr psychologische Beobachtung der Fluktuationen auf dem Arbeitsmarkt werden, wie ja über- Haupt Berufswahl und Arbeitsmarkt nach dem Sinn des Ge- setzes in ein engeres Verhältnis miteinander gebracht werden sollen. Es wäre zu bedauern, wenn das Arbeitsnachweis- gefetz auf halbem Wege stehen bliebe und an einer rein bureau- kratischen Umformung des Arbeitsnachweiswesens sein Ge- nügen fände. So sehr im organisatorischen Gedanken sein Hauptwert liegt, so sehr müßte es in einer organischen Er- starrung haften bleiben, wenn nicht die Gestaltungskraft tat» kräftiger und weitsichtiger Persönlichkeiten das Neuland er- spähte und beackerte, das die Neuregelung bereitstellt. Für statistische Arbeiten, die das enge Netz des zunächst Vorgesehe- neu durchbrechen, sollte also auch amtlicherseits Platz geschaffen werden. An Verständnis scheint es an diesen Stellen nicht zu fehlen, wenn man von der Stellung, die der Frau in allen Instanzen des Arbeitsnachweisgesetzes eingeräumt worden ist, Rückschlüsse ziehen darf. Wie stark Berufsberatung und Arbeitsmarkt einander berühren, zeigt dieLageunfererakademischenVe- rufe, wenn sie auch vorerst nicht von dem Arbeitsnachweis- gefetz erfaßt werden. Ein großer Teil der Studenten kann elterlicherseits die Kosten für das Studium nicht mehr auf- bringen. Sie sind auf einen Broterwerb während des Stu- diums angewiesen, und müssen nach Beendigung des Studiums oft jahrelang Gelegenheitsarbeit tun, ehe sie in ihrem eigentlichen Beruf Anstellung finden. Hier spielt die Arbeits- Vermittlung eine große Rolle, aber noch nicht die, die ihr zu- kommt. Es ist an und für sich erfreulich, wenn man junge Lehramtskandidaten nach Beendigung ihres Studiums in den Banken und in ähnlichen Berufen unterbringt, bis sie ihre Anstellung als Lehrer finden. Aber wer will leugnen, daß hier noch sehr viel von lokaler Initiative abhängig ist und daß die Fluktuation(zeitweilige oder dauernde Ab- Wanderung in andere Berufe), über die unterrichtet zu sein in jeder Hinsicht wertvoll für die Oeffentlichkeit wäre, so gut wie gar nicht erfaßt wird? Wer will leugnen, daß der erbitterte Kampf zwischen Aerzten und Kran- kenkassen zum guten Teil auf die katastrophale Ueber» füllung des Aerzteberufes zurückzuführen und daß es ein Fehler in der Regie des Arbeitsmarktes ist, wenn Berufs- beratung und Arbeitsnachweis hier versagen? Das mag auf Gründen beruhen, die heute noch außerhalb der gesetzlichen Einflußnahme liegen; die Nutzanwendung daraus könnte der amtliche Arbeitsnachweis aber auch in dem von dem Gesetz verzeichneten Rahmen bereits ziehen. Die Internationale vor 50 fahren. Die Kongresse im Haag und in Mainz. Ernste Erinnerungen werden wach, wem, wir uns mit der Zeit vor fünfzig Jahren beschäftigen. Die„Internationale Ar- beiter-Assoziation", welche 1864 ins Leben getreten war und unter der Geistesführung von Karl Marx und Genossen anfangs glänzende Fortschritte gemacht hatte, war seit dem Deutsch-Franzö- stschen Kriege und der Niederwerfung der Pariser Kommune stark gefährdet. Dazu herrschte in ihren eigenen Reihen großer Zwist, indem die radikaleren Elemente, wie sie namentlich in der von dem russischen Revolutionär Michael B a k u n i n geleiteten„Internationalen Alliance der sozialistischen Demokratie"' und den Anhängern des französischen Kommunarden B l a n q u i vertreten waren, gegen den in London seßhaften Gcneralrat ankämpften und für den An- archismus Propaganda machten. Diese Reibereien sollten zum Aus- trag kommen auf dem Kongreß der Internationale, der im Eep- teinber 1872 im Haag tagte und von vierundsechzig Delegierten besucht wurde. Während Marx und Engels persönlich erschienen, war Bakunin durch körperliches Leiden am Kommen behindert, ferne Anhängerschaft aber ziemlich stark vertreten. Schon bei Prüfung der Mandate, die mehrere Tage in Anspruch nahm, traten sie polemisch hervor. Auch sah sich der Kongreß genötigt, eine Kommission von fünf Mann zur Prüfung der Frage der Alliance einzusetzen. In den öffentlichen Sitzungen, die am 8. September begannen, wurde zu- nächst der Bericht des Generalrats über die Tätigkeit der Inter- nationale seit dem letzten Kongresse, der 1863 in Basel getagt hatte, erstattet. Daun gab es erregte Debatten über den Generalrat selbst, indem die Bakunisten ihn ganz zu beseitigen oder doch seine Befug- nisse auf ein Minimum herabzudrücken suchten. Den dahingehenden Anträgen trat namentlich Marx in gediegener Rede entgegen und erreichte, daß sie nicht nur abgelehnt wurden, sondern daß auch die Macht des Generalrats noch verstärkt wurde. Befremden erregte anfangs ein Antrag von Engels, den Sitz des Generalrats nach New Port zu verlegen, da die europäischen Städte keine Sicherheit mehr böten; er wurde mit knapper Majorität angenommen. Die Erregung wuchs bei den Verhandlungen über die politische Aktion, bei der auch ein schärferer Ton einsetzte. Die von dem Franzosen v a i l l a n t eingebrachte Resolution, die schließlich zur Annohme gelangte, gipfelte in den Worten:„In dem Krisgsstand der arbeitenden Klasse ist ihre ökonomische Bewegung und politische Aktion untrennbar vereint." Zu besonders stürmischen Auftritten kam es, als die Fünfer- tommission die Erklärung abgab, die Statuten der Alliance liefen denen der International« zuwider, daher feie« Bakunin und die Konnten wir weiterkämpfen? Die bekannte Schrift des Genossen Köster„Konnten wir im Herbst 1913 weiterkämpfen?" hat den Reaktionären großes Unbc- Hägen bereitet, weil ihre zwingende Darlegung der m i l i t ä r i- s ch e n Ursachen des Zusammenbruchs der Dolchstoßlegende eiil Ende bereitet. Deshalb hat sich der General v. Kühl mit einer Gegenschrift abgeplagt, die jetzt von der Rechtspresse eifrig zitiert wird. Generäle können bekanntlich immer noch weiterkämpfen; wenn schließlich der hungernde, frierende, übermüdete, verlauste, nervenüberreizte Mann versagt, so liegt das ausschließlich an seiner Schlappheit und der Schuld böser Hetzer. Aber selbst General v. Kühl muß die Einschränkung machen: Daß wir den Kampf noch auf lange Dauer hätten fortführen oder gar noch den Sieg erringen können, und daß allein die Heimat am Zusammenbruch schuld sei, sind bekannt- lich Behauptungen, die kein Kundiger mehr bei uns auf- stellt. Das heißt immerhin, daß die Deutschnationalen, denen der Sieg„zum Greifen nahe" war, nicht gerade zu den Kundigen ge- hören.— Aber der Streit, ob wir im Oktober 1318 weiterkämpfen konnten oder nicht, ist längst vor Köster und Kühl erledigt worden. Wir empfehlen die Lektüre des amtlichen deutschen Weiß- b u ch e s über die Vorgeschichte des Waffenstillstandes. Es enthält u. a. das Protokoll emer Besprechung beim Reichskanzler vom 13. Oktober 1918, in der der Staatssekretär Solf berichtet: Ich habe Ludendorff gefragt, können Sie noch drei Monate die Front halten? Dudendorff hat gesagt:.Mein". Ludendorff hat damit in der klarsten Form bestätigt, daß wir nicht weiterkämpfen tonnten, und e r mußte es doch schließlich wissen._ Das Beispiel von Hamborn. Die Kommunisten sind bekanntlich Besitzer eines deutschen Reichspatentes, durch dessen Anwendung allen Röten der arbeiten- den Bevölkerung abgeholfen werden kann. Wenn die Sozialdemo- kratischen Parteien und die Gewerkschaften sich weigern, dieses un- fehlbare Mittel anzuwenden, so kommt das nur daher, weil sie allesamt von Stinnes gekaust sind. Wie einfach die Geschichte ist, setzt die„Rote Fahne" an dem Beispiel von Hamborn ausführlich auseinander. Dort ist es dem Kontrollausschuß der Betriebsräte am 1. September ge- lungen, die Preise für Lebensmittel um 43 Proz., die für Manufaktur-, Textil- und Lederwaren um 23 Proz. herabzusetzen. Was in Hamborn los war, geht aus der Darstellung der„Roten Fahne" mit genügender Deutlichkeit hervor. Aus Angst vor Plün- derungen haben die dortigen Kaufleute sich bereit finden lassen, ihre Vorräte zu herabgesetzten Preisen auszuverkaufen. Neue Vor- räte wurden aber nicht beschafft. Darum soll jetzt durch den Reichsbetriebsrätetongreß„die Kontrolle der Produktion mit der über die Warenverteilung einheitlich organisiert" werden. Uns will scheinen, daß das Problem erst bei diesem Punkt be- ginnt. Die Kaufleute zu zwingen, ihre vorhandenen Vorräte zu herabgesetztem Preis oder auch ganz umsonst herzugeben, das ist ein höchst einfacher, rein mechanischer Vorgang. Die dauernde Versorgung der Bsvölkerung mit dem notwendigen Lebcnsbedarf zu organisieren, ist aber etwas ganz anderes. Diese dauernde Ver- sorgung kann durch anarchische Eingriffe nur gestört werden. Man kann vorhandene Warenvorräte beschlagnahmen und zu beliebigem Preis in Umsatz bringen, ober wenn dosProblemderWieder- b e s ch a f f u n g nicht gelöst ist, dann ist das Resultat nur eine rasche vollständige Erschöpfung der Warenvorräte und nackte Hungersnot. Mit kommunistischen Rezepten kann man bei uns nur Z u- stände rote in Rußland herbeiführen und das Elend der Ar- beiter nicht lindern, sondern nur ins Ungeheuerliche vermehren. Mit diesen Rezepten kann man nur Leuten imponieren, die noch nicht einmal bei den Anfängen volkswirtschaftlichen Denkens angelangt sind. Wir wollen uns ruhig weiter Stinnesknechte schimpfen lassen, wenn es uns nur gelingt, die Arbeiter von Torheiten abzuhalten, deren traurige Folgen sie und ihre Angehörigen am eigenen Leibe zu spüren bekämen. De valera gefangen? Gerückten aus Cork zufolge sind die SufstandSführer De Balera und ErSkine ShilderS gefangen genommen. beiden anderen Hauptführer der Alliance, Guillaume und Schitzguebel, von der Internationale auszuschließen. Totsöch- lich wurden Bakunin und Guillaume ausgeschlossen. Doch sagten sich bald auch viele andere Radikale von der Internationale los, und diese erhielt dadurch einen schweren Stoß. Doch genehmigte der Kongreß eine Londoner Resolution auf Gründung internationaler Gewerk- schaften und eine zugunsten der von der englischen Regierung ver- folgten und eingekerkerten Irländer. Dann hielt Marx die Schluß- rede. Im Zusammenhang mit diesen Verhandlungen tagte in Mainz der Parteitag der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschlands, gewöhnlich die E i j e n a ch e r genannt. Er mußte konstatieren, daß die Bewegung immerhin einen Rückgang erlitten hatte, aber auch, daß sie wieder begann Fortschritte zu machen. Beachtenswert ist, daß hier ein Antrag, der den Genossen den Austritt aus der Landes- kirche förmlich zu Pflicht mochte, abgelehnt wurde, dafür aber eine Resolution Annahme fand, die solchen Austritt empfahl. Die Spaltung der Internattonale nahm in der nächsten Zeit zu, da Iura- Föderatton, Blanquisten u. a. sich von ihr lossagten, und hatte zur Folge, daß sie nur noch wenige Jahre eine Scheinexistenz führte. Max Schütte. Da» Gist der Kröte entdeckt. Lange hat man vergebens ver- sucht, das Gift unserer einheimischen Kröte chemisch zu analysieren. Vor einiger Zeit gelang es nun H. W i e l a n d, aus der Haut der Kröte einen kristallisierten Stoff zu isolieren, und nun ist es, wie H. Heller in der„Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" berichtet, demselben Gelehrten gelungen, den Giftstoff selbst zu gewinnen und damit zum erstenmal Ausschluß über das Krötengist zu geben. Um den Stof zu erlangen, wurden mehrere tausend Krötenhäute mit Alkohol erschöpfend ausgezogen; der so erhaltene Alkoholextrakt wurde im luftleeren Raum eingedampft und getrocknet. Der hinter- bleibende Rückstand wurde durch Waschen mit Petroläther von Fett befreit und dann abermals mit absolutem Alkohol ausgelaugt. Nach. dem dann der Alkoholauszug noch mit Wasser versetzt war, schied sich«ine zuerst teigige, dann pulvrig werdende Masse ab, der durch eine kombinierte Behandlung mit Petroläther und Alkohol der Gift- stoff entzogen werden tonnte. Es schieden sich farblose, feinnadlige Kristalldrusen ab die den ursprünglichen Giftstoff unserer einheimi- schen Kröte darstellen. Wieland gibt ihm den Namen B u f o- t o x i n. Das Bufotoxin ist stickstoffhaltig und enthält noch eine ne Reihe anderer chemischer Zusammensetzungen. Daß man es iesem Stoff wirklich mit dem ursprünglichen Giftstoff unserer Kröten zu tun hat, tonnte noch auf einem zweiten Wege bewiesen werden. Es wurden nämlich bei 333 Kröten mit einer Pinzette ohne scharfen Rand die Hautdrüsen, besonders die sogenannten Öhr- drüsen, ausgedrückt. Man gewann'dadurch einen fast weißen Milch. saft, der sofort nach der Isolierung im lustleeren Raum getrocknet wurde und schließlich vier Gramm einer harten glasigen Masse er- gab. Aus dieser Masse kristallisierte sich dann nach weiterer Be- Handlung ein Stoff aus, der sich noch Schmelzpunkt und Eigen- Deutsthnationale und Futterkrippe. Tie Beförderung des Herrn Tr. Teerbcrg. Seitdem die Deutsche Volkspartei in Preußen mit in der Re- gierung sitzt, wird auch sie von den Deutschnotionalen nach den üblichen Hetzmethoden behandelt, an deren Emporkommen die Volkspartei freilich selbst nicht ganz schuldlos ist. Ein Artikel der ,Kreuz>Zeitung" hatte unlängst der Bolksxartei in beliebter Manier „Futterkrippenpolitik" vorgeworfen. Dagegen fetzt sich nun das offizielle Organ der Deutschen Bolls- parte!, die„Nattonalliberale Korrespondenz" heftig zur Wehr, und hält den Deutschnattonalen vor, daß es auch Angehörige ihrer Par- tei gibt, die gerne ein höheres Staatsamt von der Republik entgegennehmen. Sie exemplifiziert dabei auf den deutschnationalen Landtagsabgeordneten und Wahlkreisvorsitzenden Rechtsanwalt Dr. D e c r b e r g, der beim Justizetat als Sprecher seiner Partei hervorgetreten ist. Die„Nationalliberale Korrespondenz" schreibt: Herr Dr. Deerberg ist vor einigen Monaten vorn preußischen Iustizininister zum Landgerichtsrat mit der Aussicht aus eine demnächst sreiwerdcnde Landgerichtsdlrektorstelle in Berlin ernannt worden. Ueber die immerhin ungewöhn- l i ch e Tatsache, daß ein deutschnationaler Abgeordneter aus- gerechnet in die Dienste der von seiner Partei auf das schärfste befehdeten Republik tritt, hat bisher noch niemand das Urteil eines„Drangs nach der Futterkrippe" gefällt. Erst der Logik der .Lveuz-Zeittmg" mußt« es vorbehalten bleiben, ein derartiges Urteil auch über einen hervorragenden Parteifreund auszu- sprechen. Daß für die Deutschnationalen Staatsämter nur„Futterkrippe" sind, solange andere sie innehaben, ist alt. Der Fall des Dr. Dcer- berz hat aber noch nach ganz anderer Richtung hin Bedeutung, weil er wieder einmal die seltsame Personalpolitit kennzeichnet, die im preußischen Justizministerium des Herrn A m Z e hn h o f f getrieben wird. Herr Dr. Deerberg hat erst im Juli durch eine hervorragend taktlose Rede nach dem Rathenau-Mord die Entrüstung fast des gesamten Landtages hervorgerufen. So besaß Herr Dr. Deerberg die Dreistigkeit, die Schutzgesetzgcbung für die Republik als„A n gst g e s« tz g e b u n g" anzusprechen. Den über die Ermordung Rathenaus trauernden und empörten Land- tag provozierte er durch einen Hymnus auf die s ch w a r z w e i h- rot« Flagge usw. Aber all das verblaßt gegen die Tatsache, daß Herr Dr. Deerberg noch Entschuldigungsworte für die deutschnattonalen Movdyesellen fand. Er sagte nach dem amtlichen Sitzungsprotokoll(161. Sitzung, Spalte 11741): Waren es nicht unentwickelte, unreif« Persönlich- teilen? Diese Menschen wurden Verbrecher aus einer Bcrwir- rung, aus einem Fanatismus heraus, den die Geschichte der poli- tischen und sozialen Umwälzung aller Völker aufzuweisen hat. Die„Verwirrung" und der„Fanatismus" der Harden-Atten- täter bestand bekanntlich in einer Geldprämie von 33 333 Mark bar. Doch dies nur nebenbei. Sehr ernsthaft muß gefragt werden, ob einem Manne von solcher Denkart der Posten eines Landge- richtsdirektors in Bertin, und damit die Leitung eines der größten Landgerichte anvertraut werden darf. Freilich dürft« Herrn Dr. Deerberg diese Versprechung zu einer Zeit gemacht worden sein, als noch der Personalreferent des Justizministeriums ein Herr war, der gleichzeitig das Amt eines deutschnationalen Ver- einsvorsitzenden bekleidete. Futtertrippenpolittk? ver Staalsgerlchtshos in Leipzig wird, nach Meldung eines Mittagsblattes, am 11. September erstmalig seine Tätigkeit aus- üben. Zur Verhandlung stehen drei Verfahren, die sich gegen die Studenten Mengert. Laun und B« ch e r e r, sämtlich Mit- glieder süddeutscher Universitäten, richten. Die Angeklagten haben sich wegen Beschimpfung der deutschen Republik zu oerantworten. Wie die BK-Karr. hört, ist mit dem Deginn der Verhandlungen in der Mordsache R a t h e n a u keinesfalls ovr Ende dieses oder Anfang nächsten Monats zu rechnen. Frankreich in Gefahr. Nack der Fabrikexplosion in St. Denis bei Paris fand man bei den Aufräumungsarbeiten eine deutsche Fahne, die des Duisburger G a r d e v e r e in s. Es ist eine Untersuchung im Gange, um festzustellen, wie diese Fahne nach St. Denis gelangt ist. Polnischer Minderheitenschuh. DoS Warschauer Blatt„NgU Kurjer" veröffentlicht einen Protest jüdischer Schriftsteller gegen die Schließung von sechs Warschauer jüdischen Schulen. schaften als identisch mit dem Bufotoxin erwies. Durch die un- mittelbare Gewinnung aus den Drüsen ist also sicher festgestellt, daß das Bufotoxin der eigenllich« Giftstoff der Kröte ist. Die genauer« chemische Zusammensetzung diese» neuen Stoffes muß noch nach- gewiesen werden, doch ist sehr wahrscheinlich, daß der Giftstoff in naher Verwandtschaft zu den Gallenstofsen steht. Schlafen als Angewohnheit. Die Frage, wieviel der Mensch schlafen soll, ist schon sehr viel erörtert worden, und es gibt An. Hänger der Theorie, daß die Menschen zu viel und daß sie zu wenig schlafen. Die erster« Anschauung behandell den Schlaf als eine Sacke der Gewöhnung. Wir schlafen z. B. nicht des Nachts, weil es dunkel ist, sondern weil wir von Kindheit an daran gewöhnt worden sind, abends zu Bett zu gehen. Ein Mindestmaß von Schlaf braucht natürlich jeder Mensch, um seinen Nerven und seinem Gehirn die nötige Ruh« zu gönnen. Aber wenn man sich daran gewöhnt, zu viel zu schlafen, so macht man sich damit nur müder, verliert kostbore Zeit und schädigt seine Gesundheit. Jemand, der sich daran gewöhnt hat, zehn Stunden zu schlafen, wird sich bereits unwohl fühlen, wenn er nur acht Stunden schlafen kann, obgleich diese Zeitspanne für den erwachsenen Menschen vollkommen aus. reicht. Männer, die viel geleistet haben, sind mit erstaunlich wenig Schlaf ausaekornmen. Zu den bekannten Beispielen wie Kant und Napoleon kann der Astronom Herrschet hinzugefügt werden, der bei seinen astronomischen Beobachtungen die ganze Nacht aufblieb und am Tag« nur wenig schlief, sowie der Erfinder des Telephons Graham Bell, der sich selten mehr als vier Stunden Schlaf gönnte. Männer brauchen weniger Schlaf als Frauen und Kinder. Trotz. dem gibt es genug, die sich«in« ganz unnötig lang« Schlasdauer angewöhnt haben. Di« alt« Regel, daß man acht Stunden arbeiten, acht Stunden sich erholen und acht Stunden schlafen soll, kann, was den Schlaf anbetrifft, ruhig auf eine geringere Stundenzahl herab- gesetzt werden._ (Ein Buch kür da» gungernde Rußland! Fridjof Nansen hat m Bclltn ein Werl zum Ablchtutz gebracht, da« zu dem Zwecke, der Hill«, attion gegen die Hungersnot w Ruhland neue Mittel zuzuführen, zum ersten Mal nach dem Kriege die geistigen Kührer aller Nett zur gemein. jamen Herausgabe eines Buche» vereinigt bat. Da» Buch ist so ein« «abenlommlung westeurobäischer Autoren und Künstler für die sterbenden Kinder Rußlands. las Buch gelangt vorerst in deutscher, sranzössscher, englischer und spanischer Sprache zur Ausgabe. In der BöobltStsgkeltS» Bcranftaltnng zugunsten de» Ober- schlesilchen Hillsbundes, dt« am Sonntag, den 13. September, vormittags 11 Uhr in der StaatSoper stattfindet, werden sowohl der Reichs- präfident als auch der preußische Ministerpräfident das Wort ergreisen, während Ludwig W ü ll n er, Michael Bohnen und Maxv. G chillings am künstlerischen Teile der Veranstaltung mitwirken. flrine TanderauSftellun, Märkischer Fayencen de» 17. und 1». Jahrhunderts wird während September und Oktober im Schloß» museum gezeigt. Sie umsaßt rund tausend Kayencegesäße. zumeist Leib- gaben a»Z Privaibefitz, Museen und den Schlössern. Der größte Teil ent- sällt aus zwei von Holländern in Berlin begründete Manusakturen, die während ihrer Blütezeit von lS00 vis 1740 zu den bedeutendsten Kauen«- sabriken in Deutschland zählten. Außerdem ja* dte Kadrrtcri von Potsda» Rhetniberg tntft IrauHurt frtvfifttn Der saarländische Nißtrauensmann. Wer der ucm Völkerbundrat wiedergewählte„Vertreter der] Saarbevölkerung' in der Saarregierung ist, zeigt eine dem Völker-! bundrat vorher zugegangene Denkschrift der politischen Parteien' des Saorgebiets, in der es heißt: Im Jahre 1S19, al? Hector Bürgermeister von Saarlouis war, richtete die Stadt eine Denkschrift an die noch nicht bestehende Re» gierung-kommission durch Vermittlung der Friedenskonferenz von Versailles zu fänden der französischen Regierung. Diese Denk-! schrift überreichte Dr. Hector in französischer Uebersetzung, wobei durch Weglassungen und Hinzufügungen der Sinn dahin geändert wurde, daß Saarlouis treu seiner f r a n. zö fischen Vergangenheit sei und daß es dem Adressaten, in diesem Falle also Frankreich, seiner Loyalität und Treue oersichert-, aus der sachlichen Denkschrift wurde eine Beschwerde. schrist über die preußische Staatseisenbahnverwaltung. Frankreich beruft sich wieder auf die franzosenfreundliche Ge- sinnung der Bevölkerung von Saarlouis. Heute, wo die F ä l» s ch u n g bekannt wird, liegt die Quelle dieser Behauptung klar zu- tage.— Die Denkschrift der politischen Parteien und der Mehrzahl der Mitglieder des Landesrats stellt das deutsche Original und die französische Uebersetzung nebeneinander. Tut alles nichts, Hectors Abschied findet nicht statt. Run erst recht nicht._ Polens �luföringlichkeit. vanzig, 7. September.(TU.) Heute traf hier ein Teil des briti- schen rslottengeschwaders ein, morgen kommen weitere Kreuzer. Zu- gleich mit der englischen Flotte erschien in Danzig die ganze pol- nische Kriegsflotte. Di« polnische Flotte nimmt aus diese Art Anteil an der Begrüßung des englischen Geschwaders. Die Engländer werden in ihrer Beurteilung Polens durch dieses Verhalten kaum irregemacht werden. junger auf üer sibwarzen Erüe. Genf, 7. September.(MTB) Das Oberkommisiariat teilt mit, daß in der Ukraine immer noch große Hungersnot herrscht, die Lebensmittelzufuhren genügten nicht, um der Not Herr zu werden. 250 Lebensmittelverteilungsstillen mühten infolge mangelnder Zu- fuhren geschlossen werden, wonach 90 000 Menschen unversorgt bleiben müßten, wenn nicht schleunigst weitere Hilfe eintreffe. Der Krieg in Kleinasien. Bor Smyrna soll eine Entscheidungsschlacht bevorstehen. Die englischen Behörden begannen bereits mit der Ueberführung der englischen Kolonie nach Cypern. Eine große Anzahl Engländer be- schloß aber, in Smyrna zu bleiben, weil man von den Türken Feind- seligkeiten nicht besürchte. Inzwischen dringen die Türken weiter vor: sie haben einen kommandierenden General, zwei Korps- 1 kommandanten und vier Obersten gefangen genommen, außerdem weitere vierhundert Offiziere verschiedener Grade und 10000 Mann. Da« Gerücht wird verbreitet, daß der griechische oberkomman- dierende General Trikupis von den Kemalisten gefangen genommen wurde. Die englische Regierung nahm den französischen Vorschlag an, wonach die alliierten Regierungen bei der griechischen inter- venieren sollten, um den Metzeleien und Brandstiftungen der ob- ziehenden Griechen in Kleinasien Einhalt zu gebieten. Eine Kom- Mission reiste aus Angara in die von den Griechen geräumten Ge- biet« ob, um die Schäden fkstzustellen, die die Griechen angerichtet hoben. Die kemalistische Regierung wird vollständige Re. paration dieser Schäden fordern. Der Emir von Afghanistan beglückwünschte Mustapha Aemol zu den letzten Erfolgen der türki- schen Armee, der Vertreter Frankreichs in Angara, ein Oberst, schrieb gleichfalls an Kemal. „Secolo" meldet, daß in den Smyrnaer Straßen zwischen türkischen und griechischen Einwohnern gekämpft wird. Die griechische Flotte ist vor Smyrna eingetroffen und hat mit der Ein- schiffung de» zurückflutenden Heeres begonnen. Der Sriechenkönig Sonstankin soll Athen verlassen haben— unbekannt wohin. Iallenäer Devisenkurs. Im Hinblick auf die matte Haltung der deutschen Mark an der gestrigen New Porker Börse zeigte sich im Bormittagsverkehr eine etwa» lebhaftere Nachfrage der Berliner Banken nach ausländischen Zahlungsmitteln. Der Dollar stieg wieder bis auf 1300. An der Börse lag sedoch einiges Angebot in Devisen vor. Man nimmt an, daß die Industrie unter dem Drucke der Geldknappheit einen Teil der gehamsterten Devisen vertauft, um die laufenden Zahlungen bestreiten zu können. Der Dollarturs bewegte sich gegen Mittag zwischen 1225 und 1237. Das Geschäft ist immerhin nicht allzu bedeutend. Das herauskommend« Material wird von Ein- fuhrgeschäften glatt aufgenommen. An den Efektenmärtten setzte sich die rückläufige Bewegung der Kurse noch weiter fort. Die Spekulation sieht mit ernsten Besorgnissen dem kommenden Quartalsultimo entgegen, der «in« ganz ungewöhnliche Anspannung des Geldmarktes bringen dürste. Besonder» groß waren die Kurssentungen am Markte der Montanwert« und bei den Dalutapapieren. Das Publikum scheint vorläufig an seinem Effektenbesitz festzuhalten. Allerdings liegen aus diesen Kreisen auch so gut wie gar keine Kauforders vor. Devisenkurse. 100 holländiiche Gulden.. 1 argentinischer Papier-Peso 100 belgische Frank..... 100 norwegische Kronen.. 100 bänistbe Kronen.... 100 schwedische Kronen... 100 finnische Mark..... 1 japanischer Den...... 100 italienische Lire.... 1 Pfund Sterling..... 1 Dollar........... 100 französische Frank... 1 brasilianischer MilreiS.. 100 Schweizer Frank.... 100 spanisch« Peseta»... 100 österr. Kronen(abgest.) 100 tschechische Kronen... 100 ungarisch« Krone»... 100 bulgarisch« Lewa... Serlin unö öie Teuerung. Der Magistrat verhandelle erneut über Mahnahmen gegen die Teuerung und zur Hilfeleistung für den unbe- mittelten Teil der Bevölkerung. Bei der verzweifelten finanziellen Notlage waren umfassende, der ganzen Be- völkerung der Stadt zugute kommende Mahnahmen für rechtzeitig« Versorgung mit Lebensmitetln und Brennstoffen nicht zu finanzieren. Nur über ein« bescheidene Kartoffelreserve wird noch verhandelt. Dagegen beschloß der Magistrat, wenigstens für den ärmsten Teil der Bevölkerung Erleichterungen zu schaffen. Dabei ist an einmal ig e Winterbeihilsen, an die Empfänger von Armenunterstützungen, an Unterstützungs- erhöhungen und an Brenn st offbeihilfen an Unbemittelt', gedacht worden. Ferner soll die V o l k s s p e i s u n g, die am 1. Oktober eingestellt werden sollte, auch während des Winter- Halbjahres fortgeführt und die Armenspeisung durchgeführt werden. Endlich soll die Milchverbilligung in der bisherigen Weise fortgeführt und die Zuschüsse für die privaten Krippen und Horte erhöht werden. Die Durchführung dieser Maßnahmen erfordert bei der Wohlfahrtspflege rund 120 Millionen, bei der Jugendfürsorge rund 80 Millionen. Die ent- sprechenden Dorlagen werden heute dringlichst den Stadtverord- neten vorgelegt werden. Ihre Durchführung ist jedoch nur möglich, wenn sofort fließende Mehreinnahmen geschaffen wer- den. Der Magistrat beschloß deshalb, die W e r k t a r i f e so zu erhöhen, daß �0 Proz. des obigen Betrages durch die Gaswerke und 60 Proz. durch die Elektrizitätswerke aufgebracht werden. Er beschloß weiter die Verdoppelung der Hundesteuer für das zweite Halbjahr und die schleunige Einbringung einer Der- zehrssteuer(Schlemmer st eu er) in Anlehnung cm das kürzlich von Preußen empfohlene Statut. Eine Vorlage hierfür soll unter Hinzuziehung der Handelskammer und der Gastwirt« ausgearbeitet werden. Von dem Gefrierfleisch, welches die Er- nährungsdeputation beschafft hat, sind wöchentlich etwa 150 Zentner von der Bevölkerung abgenommen worden. Der Preis hierfür hat sich neuerdings auf 83 bis 84 M. erhöht wegen teuereren Einkaufs. Dies« Preise haben auch beim Frischfleisch weiteren Steigerungen entsprechend gegengewirkt.__ 20000 Zentner K»ks befchlaznahmt. Verteilung an die Krankenhäuser und Schulen. Auf dem Lagerplatz an der Gotzkowskybrücke waren 2 0 000 Zentner Koks eingelagert worden, die im Frühjahr dieses Jahres von der Stern-Dampfer-Gefellschaft (Spree und Havel) aus den Lagerbestonden der Gasanstalt Morien- darf gekauft worden waren. Der Kots lagerte seit langen Monaten, da die Besitzerin offenbar keine Verwendung für das Heizmaterial hatte. Infolgedessen sah sich das städtische Kohlenamt veranlaßt, der Angelegenheit nachzugehen. Bei der Untersuchung stellt« es sich heraus, daß für die Gesellschaft kein Bedürfnis vorlag, so große Mengen Koks einzulagern, um so mehr, als der Dampferverkehr m diesem Monat zum großen Teil eingc stellt wird. Das Kohlenamt Berlin beschlagnahmte deshalb heute morgen die gesamten Vorräte und ließ sie durch Lastautomobil« abfahren Der Koks wird unverkürzt den Groß Berliner Krankenhäusern sowie den Schulen zur Verfügung gestellt, um den dringendsten Bedarf dieser Anstalten zu decken. Die Hohenzollernstandbilder Neuköllns. Wie erinnerlich, hatten die Kommunisten in Neukölln vor einiger Zeit den Antrag gestellt, die Hohenzollernstandbilder Neuköllns e i n zuschmelzen und den aus dem Derkauj des Metalls erzielten Erlös für Wohlfahrtszwecke zu verwenden. Dieser Antrag stand gestern auf der Tagesordnung der Neuköllner Bezirksoer- sammlung. Nach der Begründung des Antrages durch die An- ttagsteller wurde von bürgerlicher Seite ausgeführt, daß die Hohen- zollernstandbilder aus privaten Mitteln ausgeführt worden sind, und daß sie dann, nach der Enthüllung dem früheren Magisttat Neukölln übergeben worden seien, der für die Erhaltung der Denkmäler einzutreten versprochen yat. Wenn die Standbilder jetzt entfernt werden sollen, so müßte dies von der Zentralbehörde Berlins, dem Berliner Magistrat, angeordnet werden, da nach dem Gesetz Groß- Berlin nur dieser ein verfügungsrecht über die Standbilder hat, da er an die Stelle des Neuköllner Magistrats getreten ist. Demgemäß beschloß dann die Versammlung, oie ganze Angelegenheit dem erliner Magistrat zur Erledigung zu überweisen. An die Beratung über diesen Punkt schloß sich eine längere Lebensmitteldebatt«._ Ist Sapern fluslanö! vayernkinder in Berliner Schulen. Immer hat Bayern im deutschen Bund eine Sonderstellung zu behaupten gewußt. Unsere deutschen Brüder aus Bayernland brauchen, auch wenn sie ihren Wohnsitz in Preußen haben, noch heute, z. B. hinsichtlich der Schulpflicht ihrer Kinder, sich nicht nach den Vorschriften Preußens zu richten. Noch im Sommer 1922 mußte in Berlin die Schuldeputatton folgendes Rundschreiben den Rektoren der Gemeindeschulen zugehen lassen: „Nach Auskunft des Herrn Unterrichtsministers besteht ein Abkommen mit Bayern wegen gegenseitiger Durchführung der Schulpflicht nicht. Schulpflichtige Kinder in Berlin, die die bayerische Staatsangehörigkeit besitzen, unterliegen daher auch nicht dem Schulzwang.* Dieser Standpunkt des preußischen Unterrichtsministers mag juristisch einwandfrei fein— dos Schreiben der Schuldeputatlon ist unterzeichnet von ihrem fünften Magistratsrat Dr. Liebrecht—, ober der deutsch« Schulmann wird das nicht oer- stehen. Hier möchte man wirtlich fragen: Ist Bayern Ausland? Trotz Beschlagnahme? Im Wohnungswesen erleben wir doch die sonderbarsten Dinge. Daß Wohnräume, obwohl das Wohnungsamt sie beschlagnahmt hat, Monate hindurch unbenutzt bleiben— wer wird das für möglich halten? In C h a r l o t t e n- bürg wundert man sich, daß im Hause Augsburger Str. 74 eine große Wohnung von acht Zimmern, die bereits Mitte November 1921 frei wurde, noch im September 1922 nicht wieder bezogen ist. Damals beschlagnahmte dos Woh- nungsamt die Räume, doch zog einstweilen kein neuer Mieter ein, weil erst Reparaturen ausgeführt werden sollten. Bis in den Mai 1922 merkte mar. nichts von dem Beginn der Arb»it, aber dann wurde es in der Wohnung lebendig— und die Reparaturen kamen in Gang. Sie rückten jedoch so langsam vor, daß die Wohnung noch jetzt unfertig ist und kein Mensch in ihr Hausen kann. Was hat bisher das Wohnungsamt dzu getan, auf einen rascheren Fortgang der Reporaturarbeiten hinzuwirken, damit in dieser Zeit des Wohnungsmangels die Räume nicht länger unbewohnt zu bleiben brauchen? Der Eigentümer des Hauses hat keinen Schaden davon, denn er erhält pünktlich seine Miete. Warum die Wohnung nicht fertig wird und der neue Mieter drei Dierteljahre hin» durch die schwer« Miete für das nicht bewohnte Quartier zahlt, darüber zerbricht mancher sich den Kopf. Aber vielleicht findet sich hinterher ein Valutastorker Ausländer, der die Wohnung möbliert übernimmt und eine den Verlust wettmachend« Miete zahlt. Zu unserer aus S ch ö n e b e r g in Nr. 400(25. Zlugust) ge brachten Nachricht über die unbenutzten Räume im„Schutzverein* [ Haus" M o tz st r. 22 können wir heute mitteilen, daß inzwischen da» j Wohnungsamt sich aufs neue um diese Angelegenheit gekümmert hat. Eine Kontrollkommission hat am 2. September die Räume nochmals besichtigt und ist zum Ergebnis gelangt, daß angesichts der auf ein Winziges zusammengeschrumpften Tätigkeit des„Deutschen Schutz- bundes", der in dem Hause bisher seine umfangreichen Bureaus ge- habt hat, 30—40 Räume freigemacht und wieder zu Wohnungenverwendetwerdenkönnen. Der Siemens- Schuckert-Konzern hatte durch Vertrag mit dem„Deutschen Schutz- bund" die Räume an sich zu bringen gesucht, so daß sie ihrem eigent- liehen Zweck— das Haus ist ursprunglich als Wohnhaus gebaut— weiter entzogen geblieben wären. Die bsfe Konkurrenz. Der Tip der„Vogelscheuche". Als„Vogelscheuche" war ein zu langjährigen Zuchthausstrafen verurteilter gewerbsmäßiger Wohnungseinbrecher Karl Matthe? entkommen, der nach seiner Aburteilung in Berlin zur Strafoerbüßung nach Regensburg überführt worden war. Von dort wurde er einem Arbeltskommando zugeteilt. Von der Arbeits- stelle aber lief er in seinen Anstaltskleidern davon. Um ober nicht erkannt zu werden, mußte er sich andere Kleider verschaffen. Auf einem Felde hatte nun ein Landwirt, um das Wild abzuhalten, eine sogenannte„W i l d s ch e u ch e" aufgestellt und sie mit einem noch verhältnismäßig guten Rock und einer alten zerrissenen Hose be- kleidet. Diese Sachen tauschte Matthe» gegen seine Anstaltskleidung um, zog die Bekleidung der„Vogelscheuche" an und dieser seine Zuchthäuslerbekleidung. In diesem Aufzuge gelang es ihm auch, sich nach Berlin durchzuschlagen. Im Cafe„Dalles" bekam er einen Tip, nachdem bei einem Kellner in der Linienstraße etwas zu machen sei. Sofort machte er sich an die„Arbeit", kantelte dessen Wohnungstür auf und fand zunächst einen Ueberzieher, der 150 Doli ar enthielt. Während er weiter suchte, wurde wiederum an der Tür geschlossen. Es waren, wie sich später heraus- stellte, Konkurrenten des Matthes, zwei andere Ein- b r e ch e r, die ebenfalls im Cafe„Dalles" den Tip erhalten hatten. Sie benahmen sich aber ungeschickt, und ein« Nachbarin wurde auf sie aufmerksam. Diese alarmierte die Polizei, doch waren die beiden letzten Einbrecher verschwunden. Matthes aber faß in der Falle und wurde festgenommen. Er trug noch die Kleidung der„Vogelscheuche". Auf dem Polizeipräsidium legte er sich zwar zunächst einen fal» schen Namen bei, wurde aber vom Erkennungsdienst als der entsprungene Zuchthäusler Matthes erkannt. Er wird nach Regens. bürg zurücktransportiert werden. Gasstrafen statt Gasprämieu! Zu den nicht unangenehmen Kriegserinnerungen gehörte es, daß sparsame Gasverbraucher mit Prämien bedacht wurden. Diese Der- günstigung ist aufgehoben worden Statt der Prämie hat man eine Art von Strafzuschlägen eingeführt. Wer weniger ver- braucht, als er mindestens verbrauchen soll, hat bei einem fünf- flommigen Gasmesser für je 3 Kubikmeter 3 M., bei einem zehn- flamnügen Gasmesser 5 M. mehr zu zahlen. Das ist also be» strafte Sparsamkeit. Weiß davon die Stadtverordnetenver- sammlung? Der Gaepreis ist doch wirklich schon hoch genug und wird noch teurer werden. Da bedarf es für sparsame kleine Haus- Haltungen keiner Strafzuschläge, die stark nach bureaukratischcr Geld- macherei riechen._ Verdoppelung der Gewerbesteuer in Berlin. Der Magistrat ist über den Vorschlag der Finanzdeputation hinausgegangen und hat beschlossen, die Gewerbesteuer für das zweit« Halb» jähr 1922 zu verdoppeln. Turn- und Sportverein„Fichte"-Berlin. 7. September öffentliches Turnen, Turnhalle Gormannstraße 4. 8— 10 Uhr. Männer und Iugendabtetiungen. Gäste willkommen. Russischer Unterricht. Drei russische Dierteljahrskurse eröffnet das Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht, Berlin W. 35, Potsdamer Str. 120, demnächst im Rahmen seiner wissenschaftlichen Borlesungen, und zwar für Anfänger am 18. Oktober, für Kenner der Anfangsgründe am 16. Oktober und für Borgeschrittene am 20. Oktober, abends 8 Uhr. Der Unterricht soll in 10 Doppelstunden erteilt werd«n. Nähere Auskunft gibt der Leiter der Uebungen. Prof. Dr. Adolf Kossen, Berlin W. 30, Schwäbische Stt. 3(Fernruf: Kursürst, 4302: Sprechzeit: 3— 1 Uhr), sowie die Geschäftsstelle de» Zentralinstituts von 9 bis 6 Uhr, Sonnabends von 9 bis 2 Uhr (Fernruf: Kurfürst, 9918/19), von der auch die Anmeldungen ent- gegengenommen werden. Sein 50 jnbrigeS BerufSIuViläum begeht morgen der Tchtsssseher Paul Heitmann, Bergmannstr. 20. „Kindernot, Schnlnot, Vehrernot". Die im Bunde ent» fchiedener Schulreformer vereinigten Erzieher, Lehrer, Elicrn, Junglehrer und Jugendlichen berufen mit dielem Thema auf Sonnabend, den 9. September, abend»?>/, Uhr in die Aula de» Friedrich. Wilhelm- KymnasiiimS, Kochstr. 13 in Berlin, eine öifentltche Kundgebung ein, die sich mit der unauibaltsam steigenden Not der Schulen. Schüler, Lehrer und Junglehrer insbesondere in Groh-Bcrlin besahen und die zur Abhisse notwendigen Mahnahmen fordern soll. Redner sind: Junglehrer Adolf Koeb, Lehrerin Käthe Feuersinck, Arzt Dr. Max Hodann. Junglehrer Wilhelm Schran, Stadtschulrat Dr. Anna Siemsen, Pros. Paul O e st r e i ch. Zu einer vestchtigung der Neuköllner Garten-SlrbeitSschul« unter Führung ihres Echöpser« Herrn Rektor Aug. Hehn ladet die Zentrale der sretheitltchen Elternbeiräte an den höheren Schulen Groh-Berlin» aui Sonnabend, den g. September ein. Treffpunkt: 4 Uhr Ringbahnhos Reulölln oder 4 Uhr 15 Minuten Kanalbrücke der Rudowcr Straffe. Nachzügler ebensall» Kanalbrücke. „Kulturfortschritt." Der Generalinspekteur der französischen Artillerie hat erklärt, man könne mit Sicherheit annehmen, daß die Schußweite der schweren Artillerie im nächsten Kriege 140 Kilometer betragen werde, vielleicht sogar 200 Kilometer. England würde mit so weittragender Artillerie von seiner Küste aus Brügge, Lille, Arras, Amiens, Havre und den Süden von Cherbourg unter Feuer nehmen und überhaupt rings um die Inseln des vereinigten König- reiche einen Gürtel von 140 Kilometer Breite beherrschen können. Französische Geschütze würden andererseits Harwich, London, Portsmouth, Southampion, Dorcheftcr, Dartmouth und die Küft« von Cornwall beschießen können. Die ganze eng- tische S ü d k ü st e würde in der Reichweite der fran- zösischen Geschütze liegen. Frankreich und England würde« also in der Lage sein, einander direkt oder flankierend anzugreisen. Solch ein Fall sei ja glücklicherweile höchst unwahrscheinlich, ober nion müsse sich gegen das Unerwartete schützen. Die ehemalige Geliebte Raspuiln» ist von der Budapester Po» lizei verhaftet worden. Sie war Tänzerin am ehemaligen Zaren- Hofe mit Namen Erienka Feodorowna, die angeblich auf Veranlassung eines heimkehrenden ungarischen Kriegsgefangenen nach Budapest gekommen war und sich hier mit Wahrsagerei beschäftigte. Da dieser Erwerb nach ungarischem Gesetz verboten ist, dürfte die Feodorowna nach Rußland abgeschoben werden. Bei einer Eisenbohnkalastrophe auf dem Bahnhof in Dortmund wurde ein Eisenbahnarbeiter getötet und neun« zehn Personen verletzt. Ein einlaufender Personenzug war auf einen im Bahnhof haltenden Milchzug ausgefahren. Zwei Wagen des Milchzuge« waren dadurch auf den Bahnsteig gefchleuderi worden. Wetter für morgen. Berlin»nd Umgegend. Ziemlich kühl, zeitweise auiklarend, jedoch überwiegend bewölkt und etwa« neblig, bei gröffleincil« schwachen, nörd» lichen Winden, keine erheblichen Niederschläge. Cei Ankauf Fahrgeldvergüt. Gewerkschaftsbewegung Der Lohn im Eisenbahnbetriebe. Gegen die Fascisten. Das Bureau des Internationalen Gewerkschaftsbundes, als VerEine Streifversammlung, die am Mittwoch vormittag um 10 Uhr| nehmen. Strehlom gab am Schluß der Versammlung befannt, im großen Saal bei Kliem tagte, war so start besucht, daß die daß die Verhandlungen über die Verbindlichkeitserklärung des Räume nicht ausreichten; die Streifenden standen bis auf die Straße. Schiedsspruches noch nicht beendigt seien. Sie befinden sich in guter Kampfftimmung und find bereit, ihre Forderungen bei der äußerst günstigen Konjunktur im Gewerbe unter Das Bureau des Internationalen Gewerkschaftsbundes hat an Der Vorstand des Deutschen Eisenbahner- Verbandes hat ein allen Umständen durchzusetzen. Der Streit wird auf der ganzen Buch mit dem Titel„ Der Lohn im Eisenbahnbetriebe in der Zeit Linie geführt. Arbeitsberechtigungsscheine werden zurzeit nicht er den italienischen Ministerrat folgendes Schreiben gerichtet: vom 1. April 1918 bis 1. April 1922"*) herausgegeben, das die teilt, fomit find alle, die bei der Ausführung von Rohrleger- und Literatur über die Leistungen und Methoden der deutschen Gewerk- Bauklempnerarbeiten betroffen werden, als Streitbrecher zu treter von 25 Millionen in den freigewerkschaftlichen Arbeiterorganischaften um einen wertvollen Beitrag vermehrt. Die Darstellung betrachten. Die unter den Tarif für die Metallindustrie, die chemische sationen Europas, Kanadas, Südamerikas und Südafrikas organibeginnt mit der Schilderung des alten Lohnsystems bei der preußi- Industrie fallenden oder die im Hotelgewerbe tätigen Betriebs fierter Arbeiter, hat in seiner Sigung vom 10. und 11. August d. I. schen Eisenbahnverwaltung vor und während der Kriegszeit. Es Rohrleger sowie die unter dem Bertrag für das Tiefbaugewerbe die letzten Nachrichten über die von den Fascisten seit geraumer Zeit irird in Erinnerung gerufen, daß der Arbeiter nach diesem Lohn- arbeitenden Tiefbau- Rohrleger werden von dem Streit nicht besystem, das als ein Dienstalterssystem bezeichnet werden troffen. Sie dürfen jedoch in keinem Falle die Arbeit der bestreiften walttaten zur Kenntnis genommen. fann, den Höchstiohn erst nach nahezu 20jähriger Tätig. Betriebe ausführen. Alle Bauarbeiter, Portiers, Hausfrauen werden ersucht, Solifeit erreichte, so daß ein Eisenbahnarbeiter nach einer Betriebszugehörigkeit von so langer Dauer etwa den Lohnfah bezog, den darität zu üben, auf eventuelle Streifbrecher zu achten und sofort ein gleichwertiger Arbeiter der Privatindustrie vielfach telephonisch oder schriftlich Mitteilung über Streifbruchfälle zu machen. Meldungen find unter genauer Angabe der Arbeitsstelle schon im 21. Lebensjahr verdiente. und womöglich des Namens des Streikörechers an die Streifleitung im Lokal, Berlin SD., Melchiorstr. 15, Telephon: Moritzplatz 1854, in der Zeit von 9-5 Uhr zu richten. Ein Kapitel über die Beseitigung dieses Lohnsystems der preußischen Eisenbahnverwaltung schildert den durch die Revolution veranlaßten Uebergang zu völlig neuen Verhältnissen in der Entlohnung der Eisenbahnarbeiter. In diesem Kapitel und in den folgenden Absätzen des Buches cntrollt sich ein Bild von dem wirken der Gewerkschaf= ten in der Revolution, das durch die Ausnutzung der gegebenen Situation durch schnelles und entschloffenes Bugreifen gefennzeichnet wird. Die wahrhaft revolutionäre Umgestaltung des Entlohnungssystems im Eisenbahnbetriebe erfolgte zunächst durch eine Vereinbarung, daß ab 1. Dezember 1918 allgemein ein Stundenlohn gezahlt und alle Stücklöhne und Prämienverfahren beseitigt werden sollten. Dieser radikale Eingriff erscheint, verglichen mit dem sorgfältig ausgeflügelten Entlohnungssystem der alten preußischen Eisenbahnverwaltung, zunächst wie eine brutale Vergröberung der Lohnformen. Aber diese grundsätzliche Abkehr von den heimtückischen " Feinheiten" der alten Lohnordnung war zunächst notwendig, wenn das Alte mit der Wurzel ausgerissen werden sollte. Durch diese erste Vereinbarung, die auf Verhandlungen des Deutschen Eisenbahner- Verbandes mit den zuständigen preußischen und Reichsbehörden beruhte, war der Weg zum Tarifvertrag Der Streik in den Wurstfabriken ist beigelegt. Bom Zentralverband der Fleischer wird uns geschrieben: Die Arbeit ist am Mittwoch früh in den Wurstfabriken zu den neuen Bedingungen wieder aufgenommen worden. Für das Zustandekommen der Einigung setzte sich der Herr Oberbürgermeister Böß ganz besonders ein, und es gelang seinen mehrstündigen Bemühungen auch, auf folgender Grundlage eine lebereinstimmung zu erzielen. Sämtliche Löhne und Gehälter werden ab 1. September um 80 Prozent erhöht. Die pst scheidet aus dem Tarifvertrage aus und wird in den Betrieben abgeschafft. Die neuen Löhne sind bei steigender Teuerung am 15. September zu revidieren und den Verhältnissen anzupassen. Maßregelungen dürfen nicht stattfinden. Abschriften der neuen Lohnfäße sind im Bureau, Zorndorfer Straße 32, zu haben. Die Personalpolitik der Reichspostverwaltung. Ueber die Personalwirtschaft der Reichspostverwaltung entnimmt die ,, Telegraphen- Union" einer amtlichen Berlautbarung folder in den weiteren Kapiteln des Buches genauer beschrieben wird, gendes: Wie bereits in der dem Rechstag vorgelegten Denkschrift eigentlich schon beschritten. Nachdem sich unter dem Druck der vom 21. Februar 1922 angeführt wurde, hat die Reichspostverwalrevolutionären Umstände auch die preußische Eisenbahnverwaltung tung im Kalenderjahr 1921 im ganzen 26 100 Arbeitsfräfte zu Berhandlungen mit den Gewerkschaften bereitfinden mußte, war abgestoßen. Eine weitere Verminderung des Personalbein Zukunft innerhalb des Eisenbahnbetriebes tein Vorgang, standes um 7959 Röpfe ist in dem Vierteljahr vom 3. Januar bis der sich auf die Entlohnung der Arbeiter bezog, mehr möglich, ohne 31. März 1922 vollzogen. Auf die Verminderung des ständig erdie einflußreiche Beteiligung der Gemerftfch afforderlichen Personals auf das niedrigste Maß ist mit allem ten. Diese Entwicklung mußte in verhältnismäßig furzer Folge Nachdruck hingewirkt worden. Bei einer größeren Zahl von Verzur vertragsmäßigen Festlegung der nunmehr wiederholt getroffenen fehrsämtern wurde die Personalbesetzung durch Beauftragte des Vereinbarungen zum Tarifvertrag führen. Ministeriums gründlich geprüft, mit dem Ergebnis, daß aus diesem Anlas im ganzen bis jetzt etwa 2500 Kräfte entbehrlich gemacht sind. Die schon im Dezember 1921 verfügte frühzeitige Einforderung ärztlicher Zeugnisse von Kranfgemeldeten, hat eine Abnahme des Krantenstandes herbeigeführt. Bei Beendigung der diesjährigen Urlaubszeit( September/ Oftober) feht hinsichtlich der Abstoßung von Arbeitsfräften eine größere Welle ein. Das Reichspoftministerium gibt in fürzester Zeit auf Grund der in den letzten Monaten bei der Besichtigung der Berkehrsämter gewonnenen Erfahrungen Richtlinien für die Bemessung des Personals aus. Die Ausführung dieser Richtlinien wird zu einer erneuten Prüfung des Personalbestandes der Aemter und zu einer weiteren Verminderung des Perfonals führen. 9500 Postbeamte werden, wie bereits gemeldet, im Roll und Steuerdienst Verwendung finden. Es wird mit Unterstügung des Reichsfinanzministeriums nachdrücklich darauf hingewirkt, daß die anderen Verwaltungen durch Entlassung eines Teiles ihrer Angestellten noch Raum für die Aufnahme einer größeren 3ahl von Beamten der Postverwaltung schaffen. Der Tarifvertrag bot nun die Grundlage für alle weiteren Arbeiten, die sich in zwei Richtungen bewegten: möglichst schnelle Anpassung der Löhne an die Preise sowie ständig zunehmende Verfeinerung der Entlohnungsmethoden, um den Eigenarten aller Kategorien der im Eisenbahnbetriebe beschäftigten Arbeiter gerecht zu werden. Nach der Uebernahme der Eisenbahnen durch das Reich mußte die Umwandlung des preußischen Tarifes in den Reichslohntarif vor sich gehen, der am 11. März 1921 unterzeichnet wurde. Dem Reichslohntarifvertrag wird in der Schrift des Deutschen Eisenbahner- Verbandes ein besonderes Kapitel gewidmet. Das geschieht mit Recht, denn der Reichslohntarifvertrag für die Arbeiter der Reichseisenbahnverwaltung muß zu den wichtigsten und bedeutungsvollsten Werken gezählt werden, die durch die Entwidlung des Tarifvertragwefens in Deutschland hervorgebracht worden sind, und zwar nicht allein wegen der hohen Bedeutung der Arbeiter gruppe, für die der Vertrag bestimmt ist, sondern zugleich wegen feiner inneren Gestaltung, die den komplizierten Berhältnissen des riesenhaften Betriebes mit allen ihren Besonderheiten Rechnung zu tragen sucht. Die Schrift liefert somit auch einen wertvollen Beitrag zur Beurteilung der Lebenshaltung der Arbeiter= schaft in den letzten Jahren. In einem Borwort wird die Fortführung der Darstellung in einer späteren Veröffentlichung in Ausficht gestellt. th Achtung! Blumen- und Federnarbeiterinnen! Bom Berband der Fabritarbeiter wird uns geschrieben: Der Schlichtungsausschuß für die Bekleidungsindustrie war in anerkennenswerter Weise bemüht, möglichst bald einen Termin anzusehen; er schlug Montag, den 4. September, nachmittags 4 Uhr, Dor. Die Arbeitgeber haben diesen Termin abgelehnt, angeblich, Streik der Rohrleger, Helfer und Bauklempner. weil sie ihre Herren nicht so schnell zusammenbekommen. Infolgedessen findet der Termin erst am Montag, den 11. September, nachAm Montag abend nahm eine stark besuchte Versammlung der mittags 4% Uhr, statt. Für die Zwischenzeit haben wir den Arbeit Rohrleger, Helfer und Bauflempner Stellung zu einem Schiedsgebern vorgeschlagen, vorläufig am nächsten Lohnzahlungstage auf spruch des Schlichtungsausschusses über die Löhne für September. Die Auguftlöhne 75 Prozent Zuschlag zu zahlen. Auch dies haben Die Arbeitnehmer hatten eine Nachzahlung von 10. pro die Arbeitgeber abgelehnt. Stunde für die zweite Hälfte des August gefordert, mit der Begründung, daß die Löhne in der ersten Hälfte des August nur um 14 Proz., in der zweiten Hälfte nur um 20 Broz. erhöht wurden, trotzdem im Juli nachgewiesenermaßen eine Berteuerung des Lebensunterhalts um mindestens 35 Proz. eingetreten war. Sie forderten ferner einen Abschluß des Lohnabkommens bis zum 16. September. Für die Bauarbeiter, Maurer und Zimmerer ist das Lohnabkommen benfalls bis zum 16. September geschlossen worden. Trotz dieser Tatsache und trotz der weiteren sprunghaften Entwicklung auf dem Lebensmittelmarkt fällte der Schlichtungsausschuß einen Schiedsspruch, der die Löhne auch für die zweite Hälfte des September, d. h. also für den ganzen Monat September, auf 64 m. bis 68 M. festsette. Die Forderung auf eine Nachzahlung für August wurde durch den Schiedsspruch abgewiesen. Mit Neunzehntelmehrheit beschloß die Branchenversammlung, diesen Schiedsspruch abzulehnen und am Dienstag in den einzelnen Betrieben nach den Bestimmungen des Statuts eine Abstimmung über den Streif herbeizuführen. Bei dieser am Dienstag stattgefundenen Abstimmung wurde in allen Betrieben der Streik beschlossen, in der übergroßen Mehrzahl der Betriebe fogar ein stimmig. *) Im Buchhandel 50 M., an Mitglieder 25 m. 3abugebiffe sowie Gold-, Silber-, Platin- Bruch zerbroch. Gegenstände genan denselben Wert kauft und zahlt höchste Tagespreise Barheine Edelmetallverwertung Invalidenstr.2, v.Irechts, kein Laden Eingang Elisabethkirchstraße Uurnians Flut Zur Ausscheidung frankhafter Stoffe aus Blut u. Säften, bei offenen Füßen u. gegen Hautunreinigkeiten iit Blufceinigungspulver Saltarin seit über 30 Jahren wirt fam erprobt.. 15,00, 3 Dojen 42,50 Otto Reichel, Berlin 43, Gisenbahnstr. 4. Korbmöbel f.Gärten, Balkone, Wohnz. i mod. u. dauerhafter Aust. Korbsessel. Gr. Auswah! 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Prinzenste.- Fahrtvergütung Lohnbewegung der Straßenbahner. gegen die Arbeiterorganisationen verübten GeDie mehr als tolerante, unbegreifliche Haltung Ihrer Regierung gegenüber dem Treiben der Fascistenbanden, die unter den verschie= densten Vorwänden die Gebäude der Arbeitergewerkschaften, Genossenschaften und der Arbeiterpresse zerstören und ein äschern, ja selbst vor der Ermordung der Arbeiter führer nicht zurückscheuen, hat die Mitglieder des Bureaus mit tiefer Erregung erfüllt. Diese unerhörte Situation hat mit Recht eine immer mehr anwachsende Entrüftung unter der Arbeiterklasse aller Länder hervorgerufen, zumal sie nicht zu begreifen vermag, wie es geschehen kann, daß die italienischen Gewerkschaften, deren verdienstvolles Wirken in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage umstritten ist, Gewalttaten ausgesetzt, verfolgt und ihre Führer unausgesetzt mit dem Tode bedroht werden können, ohne daß sich Ihre Regierung zu irgendwelchen Schuhmaßnahmen bemüßigt sieht. Im Namen aller Gewerkschaften und angeschlossenen Arbeiter erhebt das Bureau entschiedenen Protest gegen die Haltung Ihrer Regierung gegenüber den Fascisten und ihrem verbrecherischen Treiben. Zu diesem Proteft glauben wir uns um so mehr berechtigt, als Ihre Regierung eines der einflußreichsten Mitglieder des Völkerbundes ist und als solches den Versailler Vertrag unterzeichnet hat, der im Teil XIII festlegt, daß der Völkerbund der Arbeiterklasse die freie Ausübung des Versammlungsrechts garantiert und ihr eine erträgliche Existenz zu sichern bestrebt ist. Wir gestatten uns, an Ihre Regierung die dringende Aufforderung zu richten, Maßnahmen ergreifen zu wollen, die ihrer in Verfailles gegebenen Unterschrift zur Ehre gereichen und geeignet sind, in einem möglichst furzen Zeitraum das Gut der gewerkschaftlichen und genossenschaftlichen Arbeiterorganisationen sowie das Leben der Führer vor den Miffetaten der Fascisten zu schützen. Weltkongreß der Bäckereiarbeiter. Die Exekutive der internationalen Union der Lebens- und Ges nußmittelindustrie beruft zum 14. und 15. Oktober einen Weltkongreß der Bäckereiarbeiter nach Köln a. Rh. Der Kongreß wird sich in der Hauptsache mit dem gesetzlichen Verbot der Nacht- und Sonntagsarbeit in den Bäckereien beschäftigen. Bekanntlich stehen die organifierten Bäckereiarbeiter seit längerer Zeit in allen Ländern, wo die Nachtarbeit gesetzlich verboten ist, im scharfen Kampfe mit dem Unternehmertum, das bestrebt ist, die Nachtarbeit wieder einzuführen. Die Beteiligung an der Tagung wird nach den vorliegenden Berichten eine große sein. Auch die Organisation der englischen Bäckereiarbeiter hat auf ihrem 12. Jahreskongreß, der erst dieser Tage in Swansea stattfand, beschlossen, zwei Delegierte zum Welttongreß abzuordnen. Deutscher Berfmeister- Verband. Fachgruppe 29. Metallschraubenfabrikation. Freitag, 7 Uhr, Mitgliederversammlung im Bereinslokal, Neue Friedrichstr. 1. Wichtige Tagesordnung. Sport. Drenzel schlägt Vandoolaeghe. Gestern abend fand unter starter Beteiligung des Publikums der mit Spannung erwartete Borkampf zwischen Prengel und Bandoolaeghe( Frankreich) statt, der mit einem überlegenen Siege Prengels endete. In der 6. Runde gab der Franzose auf. Prengel war gut trainiert und konnte so muchtige Haken geben, daß der bisher noch nie durch knock out besiegte Franzose es sich diesmal gefallen lassen mußte. In der 5. Runde rettete ihn der Gongschlag vor dem Auszählen, und in dem Augenblick, als er die and hob, hatte Brengel eine Serie feiner überaus trockenen und harten gut gezielten haten angebracht, so daß er wieder schwamm". Prengel ist im Abblecen der gegnerischen Schläge bedeutend besser geworden und er hat aus dem Kampf mit dem Engländer Davies viel gelernt. Dem Franzosen muß man eine kaum glaubliche Härte und Zähigkeit nachrühmen. Der Kampf war offen und brauchte vom Ringrichter so gut wie gar nicht getrennt werden. Eingeleitet wurde der Abend durch das Paar Davison( England) gegen Rolauf. Der Engländer erhielt eine zweimalige Verwarnung wegen Haltens, mußte fich aber nach 10 Runden mit Unentschieden zufriedengeben. In der 5. Runde wurde Rolauf über dem linken Auge start angeschlagen, so daß seine Schläge unsicher wurden. Der Kampf um die Deutsche Fliegengewichtsmeisterschaft fand Kohler( Berlin) und Friedemann( Hamburg) im Ring. Er ging über 20 Runden und wurde vollkommen durchgefämpft; obgleich to her bereits nach der dritten Runde das rechte Handgelenk brach, qualifizierte er sich als ein Kämpfer mit großem Stehoermögen. Der Kampf war frei und die Technik des Berliners verhalf ihm trotz der Verlegung zu seinem Siege. Der Meistergürtel und ein großer Blumenstrauß mit schwarzrotgoldener Schleife Die Berhandlungsfommission nahm sofort dazu Stellung und waren neben einer von verschiedenen Seiten gestifteten Prämie von erklärte, daß das Angebot vollständig ungenügend sei. Wir ver- 27 000 m. die Trophäen, die er aus dem Kampfe gewann. langen eine Auszahlung von 1000 m. als Vorschuß. Die Verhand- Im Schwergewicht mußte sich Podzuhn, zum Kampfe gegen lungskommission werde das Angebot nur empfehlen, wenn keiner- Breitensträtter, den er herausgefordert hatte, qualifizieren, und stand lei Bindungen darin enthalten seien. im Ringe Hans Wagener( Duisburg) gegenüber. Nach der zweiten Runde schon wurde der Kampf abgebrochen wegen Ueberlegenheit des riesigen Wagener. Im Reichstafino", Reue Königstraße, nahmen am Mittwoch die Straßenbahner den Bericht vom Berbandstag und den Bericht über den 13. Lohntarif entgegen. Schauer gab einen Ueberblid über die Tätigkeit des Verbandtsages, während Strehlow eine Ergänzung dazu gab. Zum 13. Lohntarif führte Schauer aus, daß die Verhandlungen beim Reiche stattgefunden haben. Der Magiftrat hat uns folgendes Angebot unterbreitet: Ungelernte 12 M., Angelernte 12,20 m. und für Handwerker 12,60 m. Stundenzulage. Die Kinderbeihilfe soll 2 m. betragen, während die Frauenbeihilfe die alte bleiben soll. Lebhafte Klage wurde in der Diskussion darüber geführt, daß eine vollständige Lohnauszahlung niemals stattfinde, denn 10 Tage Lohn bleiben immer in der Kaffe. Der Lohn müsse wöchentlich ausgezahlt werden. Zum Angebot des Magistrats, so führte Schauer Bevantwortlich für den redakt. Teil: Bictor Schiff, Berlin; für Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag Vorwärts- Berlog G. m. b. S., Berlin. Drud: noch aus, werde am Donnerstag die Tariffommission Stellung| Borwärts- Buchdruderci u. Berlegsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin, Lindenstr. 3 Drum prüfe, wer sich ewig bindet! ges, geschützt 20 2000.0 Als Selbsthersteller liefere ich in Qualität und Preisen einzig dastehende Trauringe 1 Ring, Dukalengold, von 1350,- a3 1 Ring, 585 gestempelt, von 1000,- an 1 Ring, 333 gestempelt, von 650,- an Garantieschein für gesetzlichen Goldin halt. Ausführlicher Katalog nach auswärts geg. Rückporta. H. 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DE JONG Berechtigte Übertragung aus dem Holländischen vis GEORG GARTNER Dieses Buch erinnert in seiner packenden aufwühlenden Realistik an die Kunst Zolas. Es zwingt zum Lesen in einem Zuge und hinterläßt stärkste Eindrücke Preis 75,- Mk. fchön gebunden Buchhandlung Vorwärts, Berlin Lindenstraße 2