Ur. 15. krscheint täglich außer MantagS. Preis pränumerando: Viertel- lährlich 3,30 Marl, monatlich 1,10 Ml,, wöchentlich 28 Psg, frei .n's Haus, Einzelne Nummer - Psg. Sonntags-Nummer mit illuftr. Sonntags-Betlage„Neue Welt" 10 Pfg. Post-Abonnement: ..30Mr, prvQuartlll. Unter Kreuz- »and: Deutschland u, Oesterreich- Ungarn 2 Ml,, für das übrige Ausland 3Ml,pr,Monat, Stngelr. ,n der Post- geitungs- Preisliste sür 1398 unter Nr. 7128. 13. Jahrg. JnsertionS-Gebühr beträgt für die fünsgespalteno Petitzetle oder deren Raum 40 Pfg,, für Vereins- und Bersannnlungs- Anzeigen 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn- »nd Festtagen bis 9 Uhr Vor- mittags geöffnet. Fernsprecher: Amt 1, Ur. ibOS. Telegra»»»- Adresse: «Koiiatdcmokrat Kerlinl' VolKsbMt. Zentralorgan der s ozialdemokratischen Partei Deutschlands. Ztedaktion: LV. 13, Aeutb-Straß- 2. HTpedition: 8V. 13, ZZeutb-Straße 3. Ges scheideneu Mitteln, unvollkommenen Betriebseinrichtungcn ansgerüsteten und unwirksam gewordeneu Handelsmethodcu anwendenden Gewerbetreibenden außerordentlich schwer, vielfach unhaltbar geworden ist; daß diese Erwerbskreise von der mächtigeren Konkurrenz häufig erdrückt und ihre iUn- gehörigen aus dem Kreise der selbständigen Unternehmer in die Reihen des um Lohn arbeitenden Proletariats hinaus gestoßen werden: wer wollte alles das leugnen und wer wollte es auch diesen, den wirthschaftlichen Zusammen- bruch vor Augen sebenden Leuten verdenken, wenn sie sich ihrer Haut zu wehren suchen so gut es geht, wenn sie auf Mittel und Wege sinnen, den oben skizzirten Gang der ökonomischen Eutwickelung aufgehalten— wenngleich in den Augen der Wissenden diese Mittel ganz unwirksam sind, das gewünschte Resultat zu schaffen und diese Wege nur zu nebelhaften Luftschlössern führen. Jenen kleinbürgerlichen, rückständigen, zünftlerischen, Feuilleton. zopfigen Biittelstandsleuteu wird man das gewiß nicht vet denken. Man wird sie zu belehren suchen über die Unabweudbarkeit ihres Schicksals, mau wird sie für die Partei zu gewinnen suchen, die aus dem unvermeidlich gewordenen Zusammenbruch des jetzigen Wirthschaftssystcms die Kulturgüter retten, die Volks- wirthschaft auf anderer, zweckmäßigerer Grundlage organisiren will. Mau wird diese Aufklärung und diese Propaganda versuchen, obgleich man weiß, daß die Erfolge bei dem noch„selbständigen", noch„besitzenden" Mittelstande infolge seines Klasseniustiuktes nur geringe sein werden, daß der heute„selbständige" Handwerksmeister, der seinem Einkommen nach wirlhschnftlich schon längst ein Proletarier ist, den Gang der Weltgeschichte erst dann begreifen lernen, erst dann auch proletarisch denken wird, wenn er vor dem Fabrikthore steht und um Arbeit bittet. Daß aber auch eine hohe, wcltsehende, aus gelehrten Männern zusammengesetzte Regierung sich in den engen Gedankenkreisen dieses untergehenden Mittelstandes bewegt; daß sie das tastende Greifen des Ertrinkenden nach dem Strohhalm in ein System von Gesetzesparagraphen bringt und dadurch glaubt, die wirthschaftlichc Entwicklung auszuhalten zu können,— das können wir beim besten Willen nicht als einen genügenden„Befähigungsnachweis" zum Regieren an- erkennen. Oder ist es nur das menschlich ja auch begreif- liche ahnungsvolle Grauen, von dem eine hohe deutsche Re- gierung gepackt werden mag, wenn sie das eben aus dem Untergang des Kleingewerbes resultircude riesenhafte Wachsen des Proletariats und damit der Sozialdemo- k r a t i e erblickt? Hört auch sie ihr Todtenglöcklem schon läuten? Fühlt auch sie sich schon als Ertrinkenden, der nach dem Strohhalm greift? Genug. Toub cornprendre c'est tont pardonner. Wir begreifen es und wir verzeihen es, daß sich die Regierung mit den untergehenden Schichten der Gesellschaft solidarisch erklärt. Aber dieS menschliche Mitempfinden soll uns doch nicht hindern an der Kritik. Schon vor wenigen Tagen besprachen wir das von der Regierung dem Reichstage vorgelegte Gesetz zur Bekämpfung des„unlauteren Wettbewerbes", das den gekennzeichneten kleinen, im Rückschreiten begriffenen Gewerbetreibenden allerlei Hoffnungen macht und— nicht erfüllen wird. Und jetzt ist dem Reichstag wieder so ein Gesetz zugegangen, würdig des Bürgermeisters von Schilda. Es heißt„Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Abänderung der Gcwcrbc-Ordunng", und enthält eine längere Reihe allerlei kleinlicher Maßregeln zum scheinbaren Nutzen des Znnftbürgerthums. Tie wesentlichsten dieser Maßregeln sind bedeutende Scherereien und Erschwerungen für Konsumvereine und ferner die Erklärung der Handelsreisenden zu Hau sirern. Die Geschäftsreisenden sollen denselben Er- schwernngen des Geschäftsbetriebes unterworfen werden, wie sie im Interesse der„ansässigen" Gewerbetreibenden vor etwa zehn Jahren sür den Hansirhandel geschaffen worden sind. Die ungünstige Lage der seßhaften Gewerbetreibenden 3m(Bxii. [Nadjbnid verböte»,; 61 Roman von Georges Renard. Antorisirte Uebersetzung von Marie Kunert. Ein beifälliges Gemurmel ging durch den Kreis. Harlcbecke begann: Glücklicherweise ist noch Besserung möglich. Wir zeigen Tag für Tag, wie man das Unbestimmte, das, was sich nicht in Worten ausdrücken läßt, sagen muß, wie man die scharfen Umrisse der Dinge mit dem Nebelschleier des fernen Hori- zonts umhüllt. Es ist sehr schade, rief Hausen, daß die Sprache so schwerfällig ist. Darum habe ich es mir zur Aufgabe ge- macht, sie zu bändigon, sie zu brechen! Kann man denn diese Satzbildungen in ihrer albernen Einförmigkeit noch dulden; Sätze, in denen das Subjekt immer vor dem Wort einhertrabt wie ein Zeremonienmeister vor einem Fürsten? Und dazu immer dieselben abgenützten, unsauberen Worte, unsauber, weil jeder Mund sie braucht! Hier muß man reforniiren, wenn man etwas Neues schaffen will. Ach, meine Herren, wie unendlich schweigsam, geschmeidig wie eine Schlange ist doch die deutsche Sprache! Und sie besitzt die bewunderungswürdige Eigenschaft, alle Worte, deren sie bedarf, zu annektiren, umzuschmieden! Das ist nöthig, um die Kunst des Schreibens zu erleichtern. Hansen setzte nunmehr seine Theorie mit der un- erschütterlichen Sicherheit und Unfehlbarkeit eines Papstes auseinander. Schwätzer! murmelte Rens vor sich hin. Doch das Gespräch wurde jetzt durch den Eintritt eines hochgewachsenen, mißmüthig dreinschauenden jungen Mannes unterbrochen. Sein Gesicht, sein Bart und sein Ueberrock waren lang, die Gesichtsfarbe bleich, der Bart schwarz, der Ueberrock schwarz. So sah er aus, wie die personisizirte Trauer. Unwillkürlich spähte man nach den Spuren silberner Thränen ans seinem Anzug. Jedenfalls mußte der junge Mann eine bedeutende Persönlichkeit sein, denn jeder stürzte ihm entgegen, und Frau Desaubiers selbst erhob sich halb, um ihm die Hand zu reichen. Wer ist das? fragte Renö Cayrolaz, den er in eine Fensternische zog. O! der, antwortete Cayrolaz, der ist— sehr stark! Er ist— wie soll ich sagen?-- ein Transformist, ein Vielgestaltiger. Er gehört stets der Richtung an, die gerade Mode ist. Zuerst war er der Wüthendste unter den Realisten. Er hing sich an Zola's Rockschöße, um mit ihm in die Höhe zu kommen. Heute ist er Mystiker und Döcadent. Er geht mit der aufgehenden Sonne. Morgen dreht sich die Sonne, und der Karren wird nach allen Regeln zum Idealismus zurückgeschoben. Dann wirst Du ihn als be- geisterten Idealisten, als Apostel und Propheten der neuen Lehre wiederfinden. Du siehst,— die ganze Tonleiter, mein Lieber. Die Ucberzeugungen werden gewechselt, so oft es verlangt wird. Nur eine einzige hat er nie ge- ändert, das ist die, daß seine Person es verdient, die ganze Welt zu beschäftigen. Man muß ihn sehen, wie er es versteht, sein kleines geliebtes Ich immer wieder zu verkaufen, es in Stücke zu zerschneiden und mit allen möglichen Saucen zu serviren; es stets von neuem zu zeigen, umzuwenden und auszubreiten! Er leidet an Hyper- trophie, an Ichsucht. An dieser Krankheit stirbt man jedoch an kleinen Orten sei nicht sowohl in der Zunahme des Wettbewerbs der Hausir er, als darin zu suchen, daß weite Kreise der Bevölkerung bei ihren Einkäufen und Bc- stellungen sich nicht an den Gewerbetreibenden ihres Wohn- ortes wendeten, sondern ihren Bedarf aus Waarenhäusern und Versandtgeschäften der großen Städte oder direkt von dem Produzenten bezögen. Dieser Geschäftsverkehr werde aber wesentlich durch Geschäftsreisende, sogenannte „Tetailreisende", vermittelt, die sich nicht nur an Wieder- Verkäufer, sondern auch direkt an das Publikum wendeten, um Aufträge zu erlangen. Hierdurch werde den seßhaften Gewerbetreibenden eine sehr empfindliche Konkurrenz gemacht, da die großen Ge- schäfte, für die die Reisenden thätig sind, meistens billiger liefern— folglich Erschwerung dieses Geschäfts- betriebes zu gnnsten der Seßhaften. Die Handlungsreisenden, die Privatkundschaft besuchen, werden für H a u s i r e r erklärt, bedürfen wie diese eines Erlanbnißscheins, der ans allen möglichen Gründen verweigert werden kann, können höher besteuert werden, wie andere Gewerbetreibende, müssen nach demselben Gesetz- entwürfe mindestens 25 Jahr akt sein, dürfen noch nicht mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt gewesen sein, dürfen eine Menge Waaren überhaupt nicht verkaufen:c. w.— alles, weil ihre Konkurrenz dem seßhaften Mittelstände, den „lauteren Konkurrenten" unbequem ist. Wie das Publikum dabei fährt? O, das zahlt eben einfach den ansässigen Zünftlern die von diesen verlangten bedeutend höheren Preise, als sie ihm sonst von den Reisenden offerirt wurden. Heißt das nicht ausgleichende Gerechtigkeit?! Natürlich wird das Gesetz, wenn es eingeführt werden sollte, auch nicht im allergeringsten den gewünschten Zweck erreichen. Dem kleinen Gewerbetreibenden wird von der unerwünschten Konkurrenz, die ihm der„Dctailreisende" beim Publikum macht, auch nicht der kleinste Bruchtheil ver- loren gehen. Dazu hat sich der Kamps um die Existenz denn doch schon zu sehr verschärft, der in allen Erwerbs- kreisen tobt, ob Groß- ob Klcinindustrie, um auf solche kleinliche Mittel hin sofort zu verstummen. Unzufriedenheit und Erbitterung wird das Gesetz in den bethciligten Kreisen der Reisenden genug erzeugen; auch auf einigen Zugang zur Sozialdemo- k r a t i e hoffen wir bei dieser Gelegenheit; aber die Ein- richtung des„Detailreisenden", der unmittelbar mit dem Publikum verkehrt, wird man dadurch nicht los werden. Man wird die Reisenden den mancherlei Beschränkungen unterwerfen, die schon jetzt für Ha u s i r e r gelten. Die früher„Detailreisende" hießen, werden jetzt offiziell„H a n s i r e r" genannt. Das ist aber auch alles. Den N a m e n ist mau los; die Sache ist geblieben. Lohnt es sich da wirklich, fortwährend an der Gewerbe- Ordnung hcrumznflicken, fortwährend dem Kleinbürgcrthum neue Hoffnungen zu machen— mit der sicheren Voraussicht, daß sich diese Hoffnungen nicht erfüllen werden? nur langsam! O, der Bruder wird es noch lange treiben. Behalte seinen Namen gut, er heißt Alexis Koreff. Wieder ein Ausländer! Nur sehr wenig! Koreff, geborener Dumont aus Batignollcs bei Paris, von einem französischen Vater und einer russischen Mutter, deren Namen er angenommen hat. Uebrigens gehört es zum guten Ton, ausländisch auszu« sehen. Inzwischen war Alexis Koreff schon mitten im Zuge, die unergründlichen Tiefen der slavischen Seele, vor allem der seinigen zu offenbaren. Er schilderte die Einsamkeit, die sein Inneres kahl und unermeßlich wie die Steppen, düster und öde wie das Nichts erfüllte. Er sprach davon, wie er in einen unendlichen Gram versänke, der gleich einem uferlosen Meere ihn auf aschgrauen Wogen von dannen trage. Außerdem kündigte- er an, daß er den Ueberfluß seiner Verzweiflung in einem dreihundert Seiten langen Bekenntniß ausströmen würde, das den Titel: Nieder mit dem Leben! führen sollte. Renö, den dieser Pseudo- Russe reizte, wagte einen Einwand. Aber fürchten Sie nicht, sagte er, daß diese Literatur nach Chateaubriand, Benjamin Constant, Musset und einem Dutzend anderer nicht etwas verbraucht und banal ge- worden ist? Alexis Koreff richtete einen erstaunten Blick auf den Kühnen, der ihm diese Frage gestellt hatte, klemmte sein Monocle ins Auge, um ihn besser zu sehen und ließ ihm dann tropfenweis widerwillig aber ruhig seine Antwort zukommen: Mein Pessimismus ist so bitter, daß er jeder Kon- kurrenz spottet, mein Herr. Ich predige den Selbstmord der ganzen Welt. Ich verfluche das Leben im Menschen, Die Präsidentenwahl in Frankreich. Auf der letzten Seite deS Hauptblattes finden unsere Leser den Be- richt über die Wahl Felix Faure's zum französischen Staatsoberhaupt. Doütij'die XU�luuil sfit. Berlin, den 17. Januar. Aus dem Reichstag. Bei sehr starker Besetzung der 9lbju ordnetentmuke nahm heute das Haus in zweiter Lesung fast ohne Debatte die Anträge Hompesch auf Beseitigung des Jesuitengesetzes an. Für den Antrag- stimmten', außerdem Zentrum und den Polen und Welfen, die gesammte Linke mit Ausnahme der Mitglieder der Freisinnigen Vcr- einiguug und dem Abg. Langerhans. Hierauf trat das Haus in die Berathung des zweiten Punktes der Tagesordnung: Abänderung der Strafprozeß- Ordnung, ein. Der sehr umfängliche Entwurf wurde vom Staatssekretär im Reichs-Justizamt begründet, während die Abgeordneten Rintelen(Zentrum) und Enncccerus eine theil- weise sehr absprechende Kritik übten. Um 5 Uhr trat Ver- tagung ein, nachdem vorher bereits der Berathungssaal sich vollständig geleert hatte. Morgen Fortsetzung der heutigen Tagesordnung.— Der Bundesrath hat in seiner heutigen Sitzung die Vorlage betreffend den Entwurf eines Gesetzes wegen Ab- ändernug des Zollvereinigungs-Vertrages vom 8. Juli 1867 den zuständigen Ausschnffen überwiesen.— Ter Ttaatsrath wird nicht in seiner Gesammtheit berufen werden, es soll vielmehr nur die wirthschaftliche Abtheilung desselben zusammentreten. Wie die„Kreuz- Zeitung" hört, steht dazu die Berufung von 14 neuen Mit- gliedern des Staatsrathes bevor.— Die Umsturzvorlage und der deutsche Buchhaudel. Die„Allgemeine Buchhändler- Zeitung" enthält aus der Feder des Buchhändlers Friedrich Thieme einen Artikel, in welchem ausgeführt wird, daß, wenn die Um- sturzvorlage angenommen werde, ein großer Theil der deut- schcli Verlagswcrke der Maßregelung verfallen, und der deutsche Buchhandel dem Ermessen der Richter und Polizeiorgane preisgegeben sei. Das„Leipz. Tageblatt" sucht in einem B. gezeichneten Artikel (der so albern und servil ist, daß man hinter dem B. nur eine Person vermuthen kann) diese Befürchtungen dadurch zu zerstreuen, daß gesagt wird, in Deutschland gebe es Gott sei Dank keine Reaktion, und die Bestimnmngen der Umsturzvorlage würden blos gegen Sozialdemokraten an- gewendet werden. Die Vertreter der Regierung haben bekanntlich das G e g e n t h e i l gesagt. Und das B. vergißt auch, daßchas Umsturzgcsetz sich ausdrücklich als eine Ergänzung des g e m c i n e n Rechts darstellt, die für alle Parteien und Individuen gleichmäßig gilt. Unsere Herren Buch- bändler werden also wohl thun, sich durch das B. nicht in falsche Sicherheit wiegen zu lassen.— Aufgepaßt: Ter von uns wiederholt, zuletzt in Nr. 7 des„Vorwärts" dcnnnzirte Polizei-Auarchist R i e k e n aus Cleve hat den Boden in Zürich zu heiß gefunden; er hat sich ans dein Staub geniacht und ist nach— Deutschland zurückgekehrt. Er soll sich in Jena unter falschem Namen aufhalten. Unsere Jenaer Genossen niögen sich ein wenig umsehen, vielleicht entdecken sie den Herrn. Wie uns aus bester Quelle mitgetheilt wird, hatte die Londoner Polizei den Ricken der Züricher Polizei als deutscheu Polizeispitzel denuuzirt. Infolge dessen wurde Ricken in Zürich polizeilich beobachtet und als ersah, daß infolge dessen für ihn dort nichts zu machen war, kehrte er der„wilden" Schweiz den Rücken und wall- sahrtete heim zu seinen polizeiväterlichen Penaten. Aus Bochum wird uns übrigens berichtet, daß Ricken in der Pflanze, im Stein, ja bis in die Sterne, bis in 'ene nebeligen Fernen hinein, wo es noch einmal entstehen öunte. Mehl Buch wird der Werther des neunzehnten Jahrhunderts, die Bibel des Todes sein. Rcuö schwieg völlig niedergeschmettert und verneigte sich ironisch. Er begriff, daß man in einer solchen Gesellschaft weder Möller« noch Voltaire liebt und daß man sie als persönliche Feinde behandelt. Ja, als Feinde; denn jeder der Herren fühlte dunkel, daß er ihrem ätzenden Spott nicht entgangen wäre, und vergalt ihnen dafür gleiches mit gleichem. Die Plauderei war wieder in Fluß gekommen. Der Universal-Selbstmörder sprach kühn den Satz aus, daß Demokratie gleichbedeutend mit Unwissenheit-und Rohheit sei, daß da, wo das Volk herrscht und regiert, der Kunst, die für die Kenner allein bestimmt sei, nichts übrig bleibe, als zu sterben. Cayrolaz protestirte. Er wollte Amerika zitiren, aber Amerika war verdächtig. Da rief er Rena zu Hilfe. Erzähle doch, was Du in der Schweiz gesehen hast. Ach, der Herr ist Schweizer? rief Frau Tösaubiers mit plötzlichem Interesse, das ihre schwarzen Augen auf- flammen ließ. Renö öffnete schon den Mund, um zu antworten, als Cayrolaz ihm leise die Worte zuflüsterte und ihn dabei mit dem Ellenbogen anstieß: Laß' sie dabei! Aber Ren» achtete nicht darauf. Nein, Madaiue, ich bin Franzose und zwar in Frank- reich geborener Franzose. Alsobald erlosch der Blick der schönen Kreolin, und Nene verschlinimerte seine Sache noch dadurch, daß er er- klärte, seiner Ansicht nach sei die Kunst nicht sür eine kleine Gemeinde Eingeweihter; sie habe vielmehr eine soziale Aufgabe zu erfüllen, sie solle und müsse die Bildnerin und Erzieherin des Volkes sein und jedem geistig regen Menschen lieb und verständlich werden. Ein schmollender Zug legte sich uni die Lippen von Frau Dösaubiers. Das ,var das Signal zu einem allgemeinen Angriff auf die Ideen Renä's. Was wird dann aus all' den Feinheiten der Form und der Gedanken werden? rief Hansen. Aus den Ge- stählen, die man in der gewöhnlichen Sprache nicht zum Ausdruck bringen kann? Aus diesen feinsten Schattirnugen in der Seelenstinimuug, die man schon mit Mühe in seinem eigenen Innern entwirrt? dort vor einiger Zeit sich ebenfalls aufhielt und in dem Kreise der Genossen verkehrte. Er benützte seine Anwesenheit dort besonders dazu, um die Genossen unter allerlei Vor- spiegeluugcn— anzupumpen. Wir können unseren Genossen nur wiederholt den Rath geben, nicht jeden Unbekanuten sofort in den Kreis ihres Vertrauens zu ziehen. Solche Lumpe, wie Ricken einer ist, werden ihre schmutzigen Ab- sichten nie erreichen, wenn die Parteigcnoffen die noth- wendige Reserve beobachten.— Arbeitsprogramm deS LaudwirthschaftSratheS. Die diesjährige L3. Plenarversammlimg des deutschen Landwirlhschasls- ralhes ist auf den 4. März anberaumt worden, während dessen ständiger Ausschuß am Tage vorher zusammentritt. Auf der Tagesordnung des Plenums befinden sich außer geschäftlichen Allgelegenheiten.- Welcbe Maßregeln können zur Hebung der Getreidepreise in Deutschland ergriffen werden?— Welches find die Wirkungen der Beseitigung des Jdentiläts- Nachweises?— in Verbindung mit der Frage der Beseitigung der gemischten Transilläger.— Die Nothwendigkeit der Ab- änderung I. des Zuckersteuer-Gesetzes, 2. des Branntweinsteuer- Gesetzes.— lieber die gesetzliche Ziegelung des Verkehrs mit Dünge- und Futieriuitteln.— Die Errichtung l a n d w i r t h- fchaftkicher Schösse ngerichte.(?? Es sind damit wohl Institutionen nach Art der Eewerbegerichte gemeint? N d.„V.") — Vorschläge zur Aenderung der inneren Organisation des deutschen Landwirthschastsralhes.— Eridlich Berichte der Kom- Missionen: betr. die ländliche Arbeiterfrage, die Regelung der Gebräuche im Dünger-»nd Fultermittcl-Handel, das Feuer- und das Viehversicherungsiveseii. Die Begehrlichkeit der Agrarier leuchtet auch aus diesem Programme hervor.— Zur Laudtagswahl in Württemberg. Unser Stuttgarter Korrespondent schreibt: Schon vor mehreren Wochen meldeten wir, daß den bürgerlichen Parteien der Schrecken in die Glieder gefahren bis jetzt wurde dies auch voll bestäligt. Schon 14 Tage sind seit der aintlichen Aiisschreibung des Wahl- termins verstrichen und immer noch ist für die Hauptstadt Slutt- gart die deutsche und die konservative Partei auf der Suche nach einem Kandidaten.— Viele der Kandidaten wollen um allen Preis in den Landtag koniuicil und verleugnen theilweise ihr Partei- Programm. Zwei„demokratische" Kandidaten gaben ihren Wählern die Erklärung, entgegen ihrem Partei- Programm, das Trennung von Staat und Kirche verlangt, im Interesse der Kirche zu Handel», einer der„demokratischen" Kandidaten er- klärte, in xuvoto Religion„treu zu seinem Bischof zu hallen," um ja nicht die Stimmen der katholischen Wähler zu verliere». An Lokalabtreibungen und Lokalveriveigerungcn gegenüber unserer Partei überbietet eine Partei die andere. Da die In- dustrie nur auf einige größere Städte sich konzenlrirt und überall nur kleinbürgerliche und lleiiibäuerliche Verhältnisse zu treffen sind, so hat unsere Partei einen schivierige» Standpunkt und breitet sich unsere Idee nur langsam aus; trotzdem wurden verflossener Woche wieder in eineiii sogenannten dunklen Erdtheil zwei sozialdemokratische Vereine gegründet.— Nächsten Sonntag gelangt das zweite Wahlflugblatt in ca. 250 000 Exemplaren in ganz Württemberg zur Berbeilung. Noch ein deutscher Staat als Lotterie- Unter- nehmer. Die hessische zweite Kammer hat mit 23 gegen 17 Stimmen den Antrag auf Einführung einer staatlichen Klaffenlottcrie in Hessen genehmigt. Man sieht hieraus, wie in den Zeiten des Kampfes für Religion, Ordnung und Sitte in„praktischem Christen- thum" gemacht wird.-» Ter Patriotisvlns muß katholisch, evangelisch, jüdisch und atheistisch besonders gepflegt werden. Die „Germania" schreibt nämlich: Als Prämien für Schüler aller Volksschulen werden Hestchen „Wilhelm II." sogar an katholische Pfarrer zur Vcrtheilimg an die katholische» Schulen von der königlichen Regierung von Arnsberg gesandt, in welchen Seite 30 folgende Stellen aus Kaifer-Reden vorkommen:„Das ist die gesegnete Frucht der Reformation... als ein Bekenntniß zu dem seligmachenden Glauben von der Gnade Gottes, wie er durch den Dienst der Reformatio» sür die evangelische Christenheit wieder erschlossen ist." Was soll es heißen, katholischen Pastoren die Vertheilung solcher Hefte zuzumuthen? Tie lliegierung sollte doch einsehen, daß durch solche Maßregeln nicht der Patriotismus gefördert, sondern Gefühle ganz anderer Art in katholischen Kreisen geweckt werden.— Geben Sie sich Mühe, sie klar auszudrücken, antwortete Rene. Es giebt zwei Arten der Kunst zu schreiben: die eine will dem Leser Anstrengungen ersparen, die andere dem Autor. Ich halte mich au die erste, welche der fran- zösischen Theorie entspricht. tarlebeke erwiderte: ie vertheidigen den französischen Geist, der so ober- flächlich, so frivol ist, wie jeder sagt und wie selbst die bekanntesten französischen Kritiker behaupten? Mein Gott ja! antwortete Rens. Ich verthcidige den Geist meines Landes, weil ein Volk nicht mit dem Geiste eines andern denken oder schaffen kann. Es ist sehr gut, wenn man fremde Länder kennt und schätzt, aber sich von ihnen beherrschen lassen, das ist zuviel. Nun finde ich, daß wir seit sechzig Jahren und länger nacheinander oder auch gleichzeitig genügend englisch, deutsch, orientalisch, italienisch, russisch und was weiß ich noch gewesen sind. Das ist genug des fremden Krams. Wie wäre es denn, wenn wir versuchten, wieder Franzosen zu werden, ganz einfach wir selbst zu sein? Diejenigen, welche stets anderen nachahmen, werden nie nachgeahmt werden. Ein Volk, das originell zu sein weiß, wird hingegen von seinen Nachbarn studirt und nachgeahmt. Glauben Sie vielleicht auch, daß das gegenwärtige Frankreich und unsere angefaulte Gesellschaft noch imstande sind, eine Literatur hervorzubringen, dieses Namens würdig ist? Alexis Koreff»var es, der Renö mit diesen Worten anredete. Warum nicht? sagte Rene. Ich bin nichtstvie Sie, mein Herr, ein Liebhabersdcs Todes, ein Prediger des Selbstmordes. Wenn ich das Unglück hätte, derartige Ansichten zu be- sitzen, würde ich ganz gewiß damit anfangen, mich selbst um- zubringen. Ich bin auch nicht wie Sie, mein Herr, über- zeugt und glücklich über die unheilbare Tecadence in der Welt, die uns umgiebt, einer Welt, die im Begriff scheint, sich aufzulösen, weil sie von den mit einer Metamorphose (Verwandlung) verbundenen Schmerzen befallen ist. Ich glaube fest, daß das demokratische Frankreich, wenn es erst einmal begründet ist, so gut sein goldenes Zeitalter der Literatur haben wird, wie das feudale und katholische Frankreich das seinige zur Zeit des heiligen Ludwig, wie das nionarchische Frankreich seinen idealen Ausdruck in der Zeit Ludwigs XIV. gefunden hat. (Fortsetzung folgt.)! Ein Reiusals. Das„Leipziger Tageblatt" schreibt: Leipzig. 15. Jcinnar. Herr Liebknecht hat Pech. Kauin ist er von der sozialdemokratischen„Neuen Zeit" in bezng auf die„ F ä l s ch u n g" d e r E rn s e r Depesche Lügen gestraft worden, da passirt ihm das herbe Geschick, von den eigenen „Genossen" desavouirt zu werden, in derselben Angelegenheit zum zweiten Male. Und dieses Mal ist es noch dazu der„Vor- wärts" selbst, der seinen Chefredakteur in die Tinte bringt. Der „Vorwärts" schreibt nämlich im Leitartikel der letzten Sonntags- lUllnincr wörtlich folgendes: „Herr v. Koller hat von dem Umfang und der Wuchtig- kcit seiner Aufgabe keinen Begriff— er vertyeidigt die Umsturzvorlage, wie ein Polizei- Wachtmeister eine Verordnung über das Droschkenwesen vertheidigen würde, und lächelt dazu ebenso vergnügt, wie cinftens vor 24 Jahren Herr Olivier in Frankreich, als er „leichlen Herzens" das Kaiserreich in den Krieg mit Deutschland riß." Herr Liebknecht wird natürlich auch dem Verfasser dieses Artikels vorwerfen, er sei„mit den Thatsachen nicht vertraut", und mit der„Fälschung" der Emser Depesche„unentwegt" zu bekannten Zwecken weiter krebsen. Letzteres allerdings. Aber dem Verfaffer dieses Arlikels wird er keinen Vorwurf machen, sintemalen er selber der Verfasser ist. Der Nichtswisser des„Leipziger Tageblatt" weiß natürlich auch nicht, daß O l i v i e r der französische Minister war, der am eifrigsten und blindesten kopfüber in die durch Fälschung der Emser Depesche gestellte Falle ging — entgegen den Warnungen des Thiers.— Herr v. Treitschke schreibt über den Beruf der Schnllchrer im fünften Bande seiner deutschen Geschichte: „Mau vergaß die erprobte Wahrheit, daß der Schulmeister nicht zu viel wissen darf, wenn er nickt die Freude an seinem schölle», anspruchslosen Berus verlieren soll." Die„Kreuz- Zeitung" hebt diesen Satz als besonders bemerkenswerth hervor, sie charakterisirt damit recht treffend die Bilduiigsfeindlichkcit der Junker, die ihre Söhne Offiziere und Korpssludcuteii werden lassen, das Volk aber und seine Lehrer i» tiefster Unwissenheit erhalten möchten, damit es sich auch weiter von ihnen gängeln laffe.— NeueS Monopol in der Schweiz. In der Cburer Stadlverordneten- Versaninlluvg wurde der Antrag gestellt, die E i S gewinnung auf städtischein Gebiete zu monopolisiren, woraus für die städtische Kasse ein jährlicher Gewinn von 0000 bis 7000 Franken resultiren würde. Der Antrag wurde zu weiterer Behandlung dem Magistrat überwiesen. Ueber den Rücktritt des Präsideilten Casimir P e r i e r ist die ganze Welt einstimmig in der vollstäudigeu Verurtheilung des Maimes, der vor 5 Monaten von den Reaktionären diesseits und jenseits der Vogesen mit hellstein Jubel als französisches Staatsoberhanpr begrüßt wurde und heute eiu politisch t o d t e r Mann ist. Hören wir, was die englische Presse sagt: „Standard" schreibt heute, das Manifest sei nichts anderes, als das Geständniß moralischer Feigheit. Angesichts des Feindes habe Perier die Flucht ergriffen.—„Daily Telegraph" spricht sich in verwundertem Tone darüber ans, daß Perier in seinem Manifest seinem Nachfolger die Pflichten des Präsidenten vorschriebe, und meint, es wäre doch an ihm geivesen, diesen Pflichten selbst nachzukommen. Aus Paris wird tclegraphirt: Das S ch r e i b e n C a s i m i r P e r i e r' s an die Präfi- deute» des Senats und der Kammer findet allgemeine Mißbilligung. Die konservativen Blätter erblicken in dem- selben eine wahre Anklageschrift gegen das republikanische Regime. Die Organe der Sozialisten sagen, ihr Sieg koinme zur rechten Zeit, um Frankreich und die Republik vor einem nicht wieder gut zu machenden Unglück zu bewahren. Die republikanische Presse beklagt sich bitter über die„Desertion" Casimir Perier's. Die radikalen Zeitungen sage», sie hätten niemals ans die Mitwirkung Perier's gehofft, um die Nothwendigkeit der Versaffungsrevision zu beweise». Der Senator R a n c erklärt im„Matin", die Bolschaft Casimir Perier's sei ein Anklageakt gegen die repu- blikan lsche Regierung vor Frankreich und dem A u s l a n d e.— Der„Figaro" theilt die Aeuße- rungen zahlreicher Mitglieder des Parlaments über den Rücktritt Casimir Perier's mit, welche ohne Ausnahme den Rücktritt in scharfen Worten ver urt heilen. Boissy d'Anglas erklärt de» Rücktritt als eine Desertion, für welche Perier in Anklagezustand versetzt werden sollte. Ein anderer Parlamentarier beklagt die Schläge, welche die Republik erlitten, mit den Worten:„Nach der Ermordung C a r« o t' S der Selbstmord Perier's!" Die Kandidate« sür die Präsidentschaft der Re- publik. Gleich nach dem Rücktritte Casimir Perier's wurden zahlreiche Namen als Kandidaten jür die Prä- sidentschaft der Republik genannt. Hierbei zeigte sich aber, wie arm die frmuösische Bourgeoisie an Namen von gutem Klang ist. Die Panama- und anderen Skandale haben alle von der Oberfläche weggefegt, die früher als Führer des französischen Bürgerthums galten. Nur Namen zweiten und dritten Ranges wurden genannt, so Loubct, Dupuy, Felix Faure, Spnller, Waldeck-Rousseau, die Generale Saussier und Mercier und als Kandidat der Radikalen und Sozia. listen der Ecgeiikandidat Perier's, der jetzige Präsident der Kammer Brisson. Am meisten wurde für Waldcck- Rousseau, dem Vertheidiger des Panamisten Eissel, Propa» ganda gemacht. Die Aussichtslosigkeit der Kandidatur Dupuy und der beiden Generäle wurde bald all- gemein eingesehen. Auch für die alten Loubet und Spuller erwärmte sich niemand, so blieben Brisson, Felix Faure und Waldeck- Ronsscan allein in Frage. Briffon ist ein ehrlicher, ernsthafter Radikaler alter Schule, Waldcck- Rousseau ein Rechtsanwalt und Freund Gambetta's. dessen Intimität mit den Panamisten bekannt war und ihm des- halb schadete. Felix Faure war bis vor kurzem ein gaiiz unbekannter Mann. Zwischen diesen dreien schwankte die Wahl.- Einer der letzten Akte des Casimir P e r i e r'schen Regimeiits war die brutale Verhaftung des Deziutirlen Carnand in Roanne, wo seit Wochen— seit dem 21. Dezember vorigen Jahres— ein Ausstand der Weber besteht. Carnand, der von der sozialistischen Kanimer- fraktion nach Roanne geschickt war, um die Streikenden zu organisiren und um Nuhestörungen zu verhindern, erfüllte geiviffcilhaft seine Aufgabe. Als er gegen das Vorgehen der Polizei gegen einige Streikende Verwahrung einlegte, wurde er v e r h a f t e t und ihni die Abgeordnetenschärpe zerrissen. Er ist noch in Haft unter der Anklage des Widerstands gegen die Staatsgewalt— so daß gegenwärtig zwei sozialistische Abgeordnete— Gerault-Richard und Carnand— gefangeii sind, während ein dritter— Döjeante— unter der Anklage der Aufreizung der bewaffneten Macht zum 4. Februar vor Gericht geladen ist und voraussichtlich— so wie man seine Richter kennt— zu einer längeren Gefänguißstrase verurtheilt werde» wird.— Die itnlieuischen Sozialisten hielten Sonntag(13. Januar) in Parma ihren Nationalkongreb ab. Vertreien waren die So- zialisten von Mailand, Turin, Neapel, Florenz, Pavia, Cremona, Jvrea, Sampierdarena. Siovara, Mantua, Rovigo, Lodi, Ferrara, Alba, Siena, Pisa, Ancona, Parma und anderen Städten. Man beschloß, der sozialistischen Presse größere Aufmerksamkeit zu- zuwenden und in den Wahlkreisen Wahlausschüsse zu gründen. Ter Kongreß dauerte von 9 Uhr früh bis 6 Uhr nachmittags. Es wurden sehr wichtige Maßregeln zum Schutze der durch die gegenwartige Regierung bedrohten Freiheiten beschlossen.— Kcuofse Costa, der schon während mehrerer Legislatur- Perioden dem italienischen Parlamente angehört hat, kam am letzten Sonntag(13. Januar) in dem durch den Tod Filopanti's sreigewordencn Wahlkreise Bndrio in die Stichwahl und wird aller Wahrscheinlichkeit nach am nächsten Sonntag als Sieger aus dem Wahlkampse hervorgehen. Er erhielt bei der Hauptwahl 1474 Stimme», sein" Gegenkandidat, General Mirri, für welchen der ganze Regienmgsapparat in Bewegung gesetzt worden war, brachte es ans 1479 Stimmen. (Erforderlich waren 1488 Stimmen.) Fünf Stimmen Unter- schied nach allen Bemühungen und Drohungen Crispi's— das ist ein klägliches Resultat für die Regierung. Für Eofla's Kandidatur waren mit großem Eifer die sozialistischen Abgeordneten Agnini und Prampolini eingetreten, die in ver- schiedenen Ortschaften des Wahlkreises, unter enthusiastischen! Beifalle, sprachen und ein lebhaftes Bild von der wirthschaft- lichen, politischen und moralischen Lage des Landes entwarfen; sie forderten die Wähler ans, ini Namen der öffentlichen Moral für Costa zu stimmen. Am 12. d. Mts. hielt Costa selbst im Teatro Consorziale zu Budrio eine glänzende Rede. Er sprach von der Vergewaltigung der vcrfaffungs- mäßigen Freiheiten und versicherte, daß er, gewählt oder nicht, den Kampf für die Befreiung der arbeitenden Klaffen und zur Vertheidigung der Freiheit fortsetzen werde. Die Rede machte einen tiefen Eindruck und wurde oft von minutenlang währenden Beifallssalven unterbrochen.— Crispi's Rache an De Feliee Giusfrida. Wir haben bereits gemeldet, daß De Feliee Giusfrida, der unglückliche Ab- geordnete von Eatania im Zuchthause zu Volterra schwer er- krankt ist. Es dürste auch deutsche Leser interessircn, über dieses .Mnsterzuchthaus" und über die Bcbandlung De Fclice's näheres zu erfahren. Das Zuchthaus zu Volterra„il Mtzstio"(Die Schraube) genannt, in die schrecklichste Strafanstalt Italiens, in welcher zahlreiche freiheitliebende Männer ein frühes Grab gc- funden haben. Es ist eine Festung, die für die zu Einzelhast Verurtheilten zum Zuchthause umgewandelt wurde. Die Zuchthäusler, etwa 599 an der Zahl, können mit einander niemals in Verbindung treten. Jede Zelle hat eine Art von Hinterstube, wo die Gefangenen zu bestimmten Stunden eine etwas weniger verpestete Luft athmen dürfen. Niemals dringt die Sonne in diese traurigen Räume, in welchen dicht bei einander die Urheber furchtbarer Verbrechen und die Opfer der Crispiffchen Schreckensherrschaft leben. De Felice's Zelle soll die„gesündeste" im ganze» Zuchthanse sein. Aber für ihn. der auf der„Sonneninsel" geboren, ilt, wie der Speichellecker Carducci in seiner Hochzeitsode an Frl. Crispi die Insel Sizilien benennt, die Zuckthauslust und die Einzelhaft todtbringend. Der Gesängnißinspektor giebt zu, daß die aus den sonnigen Südprovinzen Italiens kommenden Verurtheilten das größte Sierblichkeits-Konlingent stellen. Und in diese Gruft hat Ehren-Crispi seinen Feind bringen lassen, hier muß der unglückliche De Feliee im blühenden Manncsaller elend zu gründe gehen! Er lies! und schreibt, aber die Fcuchtigkeii, die unaufhörlich durchsickert, hat ihn überwunden, und er leidet an Podagra und an einer unheilbaren Brustlrankbeit. Der Gefängnißdirektor Custermann hat ibm jetzt die Benutzung einer doppellen Decke und wollener Unterkleider gestattet; aber daß er täglich mehr als 15 Pfennige für sich ausgebe, wurde ihm nicht erlaubt. Man kann sich also ausmalen, wie der Abgeordnete von Catania zu leiden hat. So muß einer der besten Männer Italiens zu gründe gehen, während sein Mörder auf dem Ministersessel sitzt und das ganze Land begaunert.— Ter schtvedische Reichstag wurde heute vom König eröffnet. Die Thronrede kündigt Gesetzesvorlagen an betr. größere Forderungen für die Flotte, ferner betreffs der Alters-, I n v a l i d i t ä t s- und U n» fallversicherung der Arbeiter und der Er- höhung des Getreidezolles.— Vom chinesisch- japauische» Kriegsschauplatze. Nach einer Meldung der„Times" aus Tieutsin von gestern hat sich auch i» der Schlacht bei Kaiping die japanische Taktik der chinesischen überlegen gezeigt. Unter den 2900 Getödteten und Verwundeten waren viele höhere Offiziere. Die Generale Schui und Ma standen mit genügenden Streitkräflcn in der Nähe des Schlachtfeldes, ohne die Gelegenheit zu ergreifen, den Feind niederzumachen. Pavlcmreukcu'ischies. Tie Kommission zur Berathuug der Umsturzvorlage trat gestern vormittags 10 Uhr zusammen. Außer dem Staats- sekretär des Neichs-Justizamtes Nieberding war eine ganze Anzahl von Negierungskommissaren anwesend Mit Rücksicht aus die umfassende Debatte im Plenum wurde einstimmig von einer Generaldebatte Abstand genommen und sofort in die Spezial- debatte eingetreten. Zu Beginn derselben beantragte Spahn um Vorlage a) der einschlägigen Bestimmungen der europäischen Straf- »echte, b) desjenigen thatsächlichen Materials, welches der Regie- rung zur Begründuug ihrer Vorloge zur Verfügung stehe. Ter Abgeordnete begründete seine» Antrag damit, daß er das im Plenum vorgebrachte Material für ungenügend erklärte. Bebet schloß sich diesem Antrage an und beantragte außerdem noch der Kommission die einschlägigen Entscheidungen des Reichsgerichts ebenfalls vorzulegen. Stumm spricht gegen den Autrag Bebel und verwahrt sich außerdem dagegen, daß die Verhandlungen etwa zur Vorlage des von Spahn verlangte» Maieriols ausgesetzt werden sollen. Zur Sache mußte der Redner zugeben, daß Verbrechen, wie sie die III und lila unter Strafe stellen(Ausforderung zu und Anpreisung von Verbrechen), z. Z. in Teutschland nur sehr sporadisch vorkommen, man müsse aber die Thüre zumachen, ehe es zu spät sei. Staatssekretär Nieberding erklärt es für sehr schwierig, die konkurrirenden Bestimmungen der fremden Strasrechle vor- zulkgen, doch soll dies geschehen, so weit dies möglich sei. Das Material, welches zur Begründung der Vorlage venützt wurde, könne aber nicht vorgelegt werden, da dasselbe thcils zu um- fänglich. iheils i» Gerichtsakten oder Erkenntnissen ein- geschlossen sei. Die Reichsgerichts- Erkenntnisse zu beschaffen, sei un- ausführbar, ba darüber die lausende Session hinginge, ohne daß die Kommission ihre Arbeiten beginnen könnte. Eneccerus spricht gegen die Anträge, L e n. z ,n a n n dafür. Letzterer erklärt, daß ihm nicht e i n gerichtliches Erkenntniß bekannt sei, in dem bei Vergehen gegen§ III auf das Maximum der jetzt zulässigen Strafe, 1 Jahr Gesängniß. erkannt worden sei. Womit wolle man nun die Erhöhung dieses Maximums auf 3 Jahre rechtfertigen? Herr v. Hammer st ein glaubt, daß die schriftliche Mittheilung des thatsächlichen Materials, mit Rücksicht auf die s e k r e t e n Ouellen, aus denen es stammt, Un- zuträglichleiien im Gefolge haben lönnte. Dieser Auffassung traten Bebel und Auer entgegen, indem sie besonders darauf ausmerksam machten, daß Vorgänge, welche so g e h ei gehalten werden müssen, daß sie gar nicht einmal der Kommission vor- gelegt werden dürfen, für die Begründung der Vorlage sicher ohne Bedeutung sein iverden. Handle es sich ja doch nur um das that- sächliche Material selbst, und nicht um die Quellen, aus denen es geflossen ist. An der weiteren Debatte betheiligcn sich, zum theil wieder- holt, die Abgeordneten Osann, v. S t u in»i, 31 i n t e l e n, Spahn, Le nzmann, v. Buchka, Bach em, B e b e l, Lerno, der eine Statistik mittheilt, aus der hervorgeht, daß auf grund der 110 und III durchschnittlich pro Jahr nur 31 Verurtheilungen erfolgt seien. Nach einer Reihe persönlicher Bemerkungen erfolgt die Ab- stiinmung. Der Antrag Spahn unter a wird mit großer Majorität angenommen, ebenso der Antrag b mit 14 gegen 13 Stimmen. Tasjelbe 3?esu1tat ergiebt sich bei der Gesammtabstimmung über den Antrag Spahn. Ter Antrag Bebel wird gegen fünf Stimmen abgelehnt. Das Zentrum stellt den Antrag, die Berathnngen bis dahin auszusetzen, bis das durch den Antrag Spahn verlangte Material vorliegt, die Nationalliberalen und Konservativen widersprechen, ebenso die Abgg. Lenzmann und Dr. Barth. Es wird beschlossen, die nächste Sitzung aus Mon- tag anzuberaumen. Autrag auf Erweiterung der Diöziplinarbefügnisse. Der Antrag zur Frage der Erweiterung der Tiszipliuarbefugnisse des Präsidenten des' Reichstages liegt jetzt im Wortlaut vor. Tr. Pi e sch e l und Gamp haben ihn in der Geschästsordnuugs- Kommission oes Reichstages gestellt. Er lautet:„Die Kommission wolle beschließen, dem§ 60 der Geschäitsordnnng folgenden Ab- sah 2 hinzuzulügcn: Ein Mitglied des 3!eichstngcs, welches in gröblicher Weise die Ruhe des Hauses stört, die Würde desselben odcr den Anstand verletzt, lauu auf Antrag des Präsideuten durch Mebrheilsbesckluß des Hauses, ivelcher ohne Debatte erfolgt, für die Dauer des Sitzuugslagesz von der Thcilnahme an der Sitzung ausgeschlossen werde»." Leistet der Betroffene den» Beschlüsse leine Folge, so kann der Präsident nach tz 61 der Geschäfisordnung verfahren. Auf Antrag des Betroffenen kann derselbe vor der ZIbstinimnng zu einer Aeußmmg zur Geschäftsordnung verstattet werden, aber nur darüber: 1. cb er etwa seine Thälerschafl in Abrede stellt, 2. odcr ob er um Entschuldigung bitten will. Zu der hcutigeu Sitzung der Wahlprüflings-Kommissioi, wurden zuerst einige schrislliche Berichts verlesen. Dann wnrde die Wahl des Abg. B ö ck e l- Marburg vorläufig bcau standet»nd Bcweiserbebung über eine Reihe der im Protest behaupteten Uuregelmäßigkeiteir und Wahlbeeinstussungen beschlossen. Tie Regierung in Kassel hatte z. V. an die Lehrer des 5!reises ein Zirkular gerichtet, worirr ihnen bei Androhung weiterer Schrille jegliche Agitation für den„volksthüm- lichen Kandidaten" Schott(dentschsreisinnrg) untcrsagl wurde. Weiter wurde im Wahlprotest behauptet, der L a» d r a t h habe einer Reihe von Gerneindeir für den Fall, daß dort der konscr- vative Kandidat gewählt würde, aus K r e i s»r i t t e l n Geschenke irr Aussicht gestellt, z. B. Viehwagen, Foblenstall, Waldstreu und Moos sc.*)— Die beanstandete Wahl des Abg. Dr. Görtz- Lübeck wurde nach dem Ergebniß der eingeholten Erhebungen für giltig erklärt, da auch nach Abrechnung der in Frage kouinienden Slininren die absolute Mehrheit nicht in Frage gc- stellt würde. «» » Dem Herrcnhause ist der Entwurf eines Gesetzes über die Entschädigung für Verluste durch Schweine- krankheiten zugegangen. Danach sollen die Provinzial- verbände und die diesen entsprechenden Koinmunalverbände, sowie der Stadtkreis Berti» beschließen können, für die an Seuchen und anderen Krankheiten gefallenen Schweine oder für getödtele Schweine, die sich als mit einer Seuche oder einer andern Krank- beit behastet erweisen, eine Entschädigung zu gewähren, die nicht weniger als die Hälfte und nicht mehr als drei Viertel des Werihes des Schweines betragen darf. Ferner ist dem Herrenhause der Entwurf eines Gesetzes über die Abänderung des Aussiihruuasgesctzes zur Zivilprozeß-Ordnung und des Gesetzes wegen Aus- stellung gerichtlicher Erbbescheinigungen zu- gegangen. Der Mticher Anarchisten-Prozeß. M i t l w o ch- S i tz u n g. Das Verhör der Angellaglen zieht sich außerordentlich in die Länge. Deshalb werden die Zeugen aus zwei Tage beurlaubt. Das Verhör von Müller wird fortges-tzt. Müller erklärt, nicht zu wissen, wer die Bombe für das Attentat Renson von Maastricht nach Lüttich gebracht hat. Er hat bei Westkamp den Gegenstand rvteder erkannt, den der lliuffe am Tage vorher i» Maastricht her- gestellt hat. Aber er giebt vor nicht zu wissen, welchem Zwecke der Eegensiaud dienen sollte. Wille und Leidecker hallen den Gegenstand auch gesehen. Westkamp hat den Pjropfen heraus- genommen und das Oel ist auf den Fußbode» geronnen, wo es einen Fleck zurückgelassen hat. Am 6. Mai erklärt er, haben sich die heute Ange- klagten bei Westkamp zusammengefunden, um sich über die Aussagen zu einigen, die sie der Polizei niachen wollen. Sie haben sich dahin entschieden, daß Müller alle Schuld auf sich nehmen sollte. Müller rvar damit einverstanden; später hat er aber seine Meinung geändert. Ilm 1. Mai hat sich Müller ans den Bahnhof von Longdoz begeben, um dort Leibecker. zu erwarten. Er habe dort Leidecker geralhen, die Beziehungen mit dem Russe» aufzugeben und sich nicht weiter mit diesen Sachen zu be- ickiäfiige». Die Theile der Bombe, welche Leidecker mitgebracht halte, waren bis dahin bei Wesikamp aufbewahrt. Westkamp leugnet dies. Müller: Westkamp hat die Sachen hieraus aus seiner Wohnung iveggcschafft, um sich nicht im Falle seiner Verhaftung zu kompro- mittiren. Müller macht hierauf noch eine Reihe weiterer die übrigen Angeklagten belastenden Aussagen, Präsident: Wer hat die Attentate veranlaßt? Angeklagter: Jedenfalls der Russe. Präsident: Und die anderen? Müller: Ich kann niemanden bestimmt nennen. Der Russe hatte viele Bekanutschnslen, vor allem von gut angezogenen Leulen; ich habe dieselben dem Untersuchungsrichter beschrieben. Der Russe erhielt häufig Werlhbriefe auS Frankreich und England." Müller erklärt hierauf, daß durch die Dazwischenkunft Broich ein Mann namens Platzbecker ihm 500 Frks. geboten habe, wenn er eine Bombe in einem Violinfutteral auf den Ball des Gouverneurs tragen wollte. Broich erklärt hierauf aus Befragen, daß er hiervon gar nichts wisse. Müller bemerkt, daß eis der Angeklagten seine Feinde seien, und daß ihre Aussagen bei der Besprechung am 6. Mai bei Westkamp abgekartet seien. Bei derselben waren nur Deutsche anwesend. Leblauc und Arnold waren dabei nichtzugegen. Der Rechtsanwalt Tcmartean erklärt, daß Müller vorher behauptet habe, lu,ß Arnold und Leblanc bei dieser Besprechung zugegen gewesen find. Müller: Das ist möglich. Auf Befragen seines Vettheidigers erklärt er ferner, daß er nicht Anarchist sei. Er sei auch nicht Sozialist, wohl aber werde seine Auslieferung von Deutschland gefordert. *) Durch diese Beeinflussung wurde möglicherweise verhindert, daß an stelle des konservativen Kandidaten der freisinnige zur Stichwahl gelangte, was unter Umständen ein anderes Ergebniß hätte zur Folge haben können. Dem hiermit abgeschlossenen Verhör Müller's folgt eine lange Diskussion zwischen Präsidenten, Staatsanwälten und Ver- theidiger wegen der zahlreichen Widersprüche, in die sich Müller verwickelt halte. Hierauf folgt das Verhör von Vach. Bach erklärt, daß er Anarchist sei, aber weder zu den Terroristen noch Dynamilarden gehöre. Im Jahre 1892 war er zufällig in dem Cafe Schlebach. Zu jener Zeit hatte er keine Ahnung vom Anarchismus. Die engen Beziehungen mit Schlebach babe er nur angeknüpft, weil er Deutscher sei. Bach war auch in London, wo er den anarchistischen Klub„Autonomie" besucht hat. Er bestreitet, die Anarchisten Meunier und Shapira gekannt zu haben. Shapira hat aber vor dem Untersuchungs- richter in Lüttich erklärt, daß Bach ein Anarchist sei. Bach bestreitet, einen Brief zu kennen, der am 29. November an Wilke abgesandt wurde und der mit dem Anfangsbuchstaben von Vach gezeichnet ist. In diesem Briefe, den der Präsident verliest, ist von Shapira die Rede und auch von Arzeneimitteln,»velche der Unterzeichner sich zu hohen Preise» verschafft hat und die zu gefährlich seien, um durch die Post geschickt zu werden. Sie würden deshalb durch Boten von London nach Lüttich gesandt werden. Wilke bemerkt, daß man einen solchen Brief bei ihm nie habe finden können. Bach bekundet, daß er nichts mit Attentaten zu thun habe, daß es Zeitverschwendung sei, ihn über die Bor- bcreitnng zu solchen zu fragen. Es iverden hierauf Zigarrenkisten vorgezeigt, von denen die eine ans dem Fenster des Bürgermeisters, die andere in einem Koffer bei Bach gesunden wurde. Bach erklärt, eine ähnliche Kiste von Westkamp erhalten zu haben. Dieser erinnert sich aber nicht daran. Er erklärt hierauf in langen Ausführungen, in welcher Weise er die Bekanntschaft des Russen gemacht habe. Es sei dies am Tage der Erplosion bei Saint- Jacques gewesen, an dem Bach als Mittelsperson zwischen dem Russen und Müller gedient habe. Stach der Explosion sei er Müller begegnet, der mit der Urheberschaft des Attentats geprahlt habe, ohne aber Glauben zu finden. I» Gemeinschaft mit Müller sei er dein Russen und drei anderen Personen, zwei Männern und einer unbekannte» Frau, begegnet. Schluß der Bormiltags-Sitzung. Nach mittagssitzung. Bach fährt fort, er habe keine Bomben bei dem Russen gesehen. Die Frage des Präsidenten, ob er in Arnold und Leblanc diejenigen wieder erkenne, die nach der Explosion von St. Jaqnes den Stusse» begleiteten, beantwortet Vach mit nein. Bach erklärt,-, keine Kenntniß von dem ?ltte»tat 3tenson gehabt zu haben. Am Abend des 3. Mai sei er bei Westkamp gewesen; er habe das Haus um 10Vs Uhr abends verlassen; Westkamp sei nicht zugegen gewesen. Er sei am 9. Mai außer Arbeit getreten und habe sick am nächsten Tag zu Fuß nach Maastricht begeben. Auf Anrathen Müller's hat er dort V l i e g e n aufgesucht, um durch ihn Arbeit zu erhalten. Vliegen babe ihn mit einem errn bekannt gemacht, der ihn zu dem Russen geführt habe. er letztere wollte ihn mit einem Packet nach Lüttich schicken; er habe das verweigert. Am nächsten Tage habe ihn der Russe zu einem Attentat auf den Siichter Renson bereden wollen; als er dies verweigerte, suchte ihn der Russe zubewegen, Kaffeehäuser in die Lust zu sprengen. Seine Weigerung habe den Russen ärgerlich gemacht, er(Bach) hingegen habe ihn einen Feigling genannt, da er nicht selbst handeln wolle. Präsident: Der Stusse behauptet, Sie haben den Vor« schlag gemacht, die Castis zu sprengen. Bach: Er lügt. Nach meiner Ueberzeugunz ist die Propaganda der That für den Anarchismus nur schädlich. Präsident: Haben Sie das Packet nach Lüttich gelragen? Ja! Es enthielt Flugblätter und Briese sür Müller. Präsident: Am 20. Mai haben Sie an den Unter« suchiingsrichler geschrieben, daß, wenn man Sie in Freiheit setzen würde. Sie ein geplantes Attentat verrathen würden, welches an Schrecken alle dageivesenen übersteigen würde. Bach: Der Russe wollte Kaffeehäuser in die Luft sprengen. Präsident: Sie sagte» auch, daß Sie dem politischen Leben den Rücken kebreu wollten? Bach: Jawohl! Ich will mich nicht mehr mit Politik be- schästigen, ich habe jetzt 8 Monate im Gesängniß zugebracht, weil ich einige Briefe von Maastricht hierher gebracht habe. Nach einigen Bemerkungen der Bertheidiger wird die Sitzung um 5Vt Uhr aufgehoben. paftehtarfivirfttsn. Ueber die Umsturzvorlage referirte Genosse G e r i s ch am Sonntag, den 13. Januar, in einer Versammlung in Adorf in Sachsen, und am Dienstag, den 15. Januar, in einer Ver- sammlung in L a n d s b e r g a. W. Beide Versammlunge» waren überfüllt und wurden die Ausführungen des Referenten mit lautem Beifall aufgenonimen. Am Mittwoch, den 16. Januar, lagie in D r i e s e u eine Versammlung der Flößer des Netze- bezirkes. Anwesend waren gegen zweihundert Flößer, die zirka dreilausend ihrer Benifsgenossen vertraten. Genosse G e r i sch referirte in dieser Versammlung über das neue Gesetz betreffend die privatrechtlichen Verhältnisse der Flößerei. Die Versammlung folgte den Ausführungen des Referenten mit größtem Interesse und stimmte den von diesem gemachten Verbessernngs-Vorschlägen zu. Da auf Annahme der letzteren durch den gegenwärtigen Reichstag indeh kaum zu rechnen sei, forderte Genosse Gerisch am Schlüsse seiner Ausführungen die Flößer auf, das Beispiel der übrigen fortgeschrittenen Arbeiter nachzuahmen und eine ge- werkschaftliche Organisation zu gründen, um durch die- selben die allerschlimmsten Mißstände im Flößerei- Be- triebe zu bekäinpsen. Auch diese Anregung fiel auf fruchtbaren Boden. Die Versammlung beschlop einmüthig die Gründung eines Flößcrverbandes sür den Netzebezirk und setzte zur Vorberathung der Statuten eine Kommission von zehn Mann ein. In Wittenberge i. d. M. fand am 15. Januar eine Volksversammlung stall, welche von 1000 Personen, worunter viele Frauen, besucht war. Genosse Jahn aus Berlin referirte über:„Die Umsturzvorlage und die politische Lage." Trotz mehrfacher Aufforderung meldete sich keiner der anwesenden Gegner zum Worte. Die Versammlung erklärte sich e i n st i m m i g für die bereits in Berliner Versammlungen an« genommene Resolution. In Barmstedt fand am 8. d.M. eine gut besuchte Volks- Versammlung statt, in welcher Genosse K i in m e l- Hamburg über die Umsturzvorlage referirte. Nach dem Neserat wurde eine Protestresolution einstimmig angenommen. Genosse Theodor v. Wächter hat neuerdings zwei Vor- träge in der Schweiz gehalten und zwar in W i n t e r t h u r und Zürich und waren beide Versammlungen sehr gut besucht. In ersterer Stadt fand die Versammlung in dem prächtigen Stadthans-Saale, einem Werke Gottfried Samper's, statt. In Zürich behandelten die Genoffen Seidel und Lang den Wächter- schen Vortrag:„Warum ich als Pfarramts-Kandidat Sozial- dcmokral wurde", kritisch. *• Agitation gegen die Tabaksteuer. U eberall im Reiche find die Tabakardciter eifrig bemüht, die Tabaksteuer zu be- kämpfen. Aus allen Gegenden Deutschlands laufen Berichte ein, wonach fast in jedem Dorf, wo Tabaksindustrie vorhanden, Protestversammlungcn stattfinden. In B r a n n s ch w e i g fand eine Versaminlung statt, zu der, trotzdem man das Anschlagen von Plakaten an die öffentlichen Säulen verweigert hatte, gegen 1200 Personen erschienen waren. Der angekündigte Referent Reichstags-Abgeordneter v. Elm war durch den Tod seines Vaters leider verhindert und übernahm Genosse Ewald das Referat. Eine Protestresolution fand einstimmige Annahme. In Mittel- und Süddentfchland wurden im Laufe der letzten Woche Versammlungen abgehallen in: Helmarshausen, Kassel, Groß auheim, Kleinanheim, Krotzenburg, Diedeskeim, Biebrich, Bingen Hanau und Froschhausen. In anderen Orten Südoeulschlands werden ebenfalls Versammlungen gegen die Tabaksteuer ver anstaltet werden. In allen zum lheil seh: gut besuchten Ver sammlungen sprach Genosse Kerrl von Bremen. Der Verlau der Versammlungen war ein guter, in einigen derselben fanden Gründungen von Zahlstellen des Deutschen Tabakarbeiter Vereins statt. «» * 35 000 Flugblätter, welche in ihrem Inhalte die Folgen einer etwaigen Annahme der in Aussicht stehenden Tabak Verbrauchssteuer klarlegten und gleichzeitig eine Einladung an die Bremischen Einioohner zu einer Protestversammlung gegen diese Vorlage enthielten, wurden am Sonntag Morgen in kurzer Zeit in Bremen verbreitet. *» Ten« Bericht des Vor st an des des Sozialdemo- kratischen Vereins zu Elmshorn entnehmen wir folgende erfreuliche Einzelheiten: Die Einnahme der Kolportage, die in E l m s h o r n in den Händen des Wahlvereins sich be findet, betrug pro 1894 3998,30 M., die Ausgabe 2447,24 M. so daß ein Kasseubestand von 1551,03 M. verbleibt. Hiervon wurden gezahlt an den Kolporteur pro Woche 20 M. in Summa 1040 M., so daß im Jahre 1894 seitens der Kolportage ein Reingewinn von 510,03 M. erzielt wurde. Der Reingewinn im Jahre>893 betrug 894.81 M., ist also im Jahre 1894 um 115,25 M. gestiegen. Die Abonnentenzahl der„Schleswig- Holsteinischen Volks- Zeitung" betrug am Schlüsse 1893 204, am Schlüsse 1894 340, ist also um 133 gestiegen. Am 1. Januar d. I. ist die Abonnentenzahl auf 350 gestiegen. Die Einnahme des Wahlvereius betrug pro 1894 1994,34 M., die iilusgabe 1715.10 M., ergiebt einen Kassen bestand von 279,24 M. An Hauptposten wurden hiervon ver. wendet zur Agitation 1093,45 M., an den Vertrauensmann 400 Mark. Die Mirgliederzahl des Vereins betrug am Schlüsse des Jahres 1894 102, eingetreten sind im Laufe des Jahres 35 Mit- glieder, 19 sind ausgetreten. Versammlungen fanden II statt. *» Johannes Wedde. 21m* 12. Januar d. I. war es ein halbes Jahrzehnt, daß einer unserer edelsten Mitkämpfer für immer die Auge» schloß. Das„Volksblatt" für Harburg nimmt Veranlassung, dem Tobten einen Nachruf zu widmen. *• Bei den Gctverbegerichtöwahlen, welche jüngst r» Greuchen(Solothurn) und in der Stadt Bern stattfanden, wurden die Kandidaten der organisirte» Arbeiterschaft ohne Opposition gewählt. In Bern ist Genosse Steck zum Stell. Vertreter des Vorsitzenden, des liberalen Advokaten Slreiff gewählt. « »» Aus Dänemark schreibt man uns: Ein Gesetzantrag zum Schutze der Arbeiter bei durch LUitatio» vergebenen Staatsarbeiten ist beim dänischen Folkething durch die sozialdeinokratisäie Partei eingereicht und gelangte zur ersten Beratbung. Der Antrag geht davon aus, daß in den Licitationskontrakten und den Bedingungen für öffentliche Staats- und Kommunalarbeiten Garantieen geschaffen werden müssen für die rechtzeitige Bezahlung des Arbeitslohnes und einen üblichen Tagelohn für die betreffende Arbcit, d. h. den Mininialtagesloh» der Preislourante des culsprechen den Gewerkes oder den Minimalakkordpreis. Ferner soll in den betreffenden Kontrakten ein Minimallohn für jede Stunde Nachtarbeit, sowie Sonntags- und Feiertagsarbeil festgesetzt werden. Die normale Arbeitszeit bei den erwähnten Arbeiten darf 10 Stunden nicht überschreiten, abgerechnet die Eß- und Ruhezeit. Die Debatte im Reichstag wurde namens der sozial- demokratischen Partei durch Hördum eingeleitet, der hervorhob, daß die Partei prinzipiell ein Gegner der Fortgcbung von Staats- und Kommunalarbeiten sei und die Ans- führung derselben durch den Staat und die Komniune selbst wünschte, aber daß zur Zeit keine Aussicht auf die Abschaffung sei und man sich daher begnügen müsse, die Arbeiter vor Ausbeutung zu schützen. Hördum war in der Lage, eine lauge Reihe von schliminsteii Ausbentungssälleu vorzuführen. Bei der sich entivickelndeii Debatte zeigte sich, daß einzelne der Bestiminungen Aussicht aus Annahme habe», inden. sich eine Reihe Redner der anderen Parteien dafür aussprachen. Nur der Goldschmied Christinnsen von Odense sprach sich gegen den Antrag aus, der nur der sozialistischen Partei als Propaganda dienen solle. Auch der Verkehrsminister hielt es für bedenklich, daß die Tarife der(sozialistischen) Fachvereine maßgebend sein sollten. Es wäre das eine staatliche Anerkennung derselben. Im übrigen erkannte er an, daß eine Reform nothwendig sei. Der Antrag wurde schließlich einem Ausschuß von 11 Mitgliedern iibenviesen. — Bemerkt sei noch, daß die Partei den Antrag bereits zum vierten Male einbringt und ihn einbringen wird, bis er an- genomnien wird. Bisher wurde er stets abgelehnt, weil er „sozialistisch" sei.'! »» Todtenliste der Partei. Ein alter Freiheitskämpfer, der Genosse A. vo» Elm sen., der Vater des Reichstags- Abgeordneten von Elm, ist am 15. d. M. unter großer Be- theiligung beerdigt. Es folgte» zahlreiche Mitglieder des Sozialdemokratischen Vereiiis. des Neuen Bürgervereins von 1846, des Zigarrenarbeiter-Verbandes, die beiden letzteren Ver- eine mir ihren Fahnen, und des Kanipfgenossen-Vereins von 1348. Der Verstorbene betheiligte sich im Jahre 1843 an der Erhebung Schleswig-Holsteins gegen Dänemark; später trat er der gewerkschaftlichen und politischen Organisation der Arbeiter bei. Er war ein Sohn des Volkes, ein Mann, der bis zum letzten Athemzuge für die Sache des Proletariats eintrat. * ♦ » Polizeiliches, Gerichtliche»:c. — Zu 14 Tagen Gefängniß ivar Genosse Kluß, Redakteur der„Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung", verurtheilt worden, weil er die Kanalkommission beleidigt haben sollte. In der betreffenden Notiz hieß es, daß der Sturm das ganze Dach einer Handwerkerbaracke total heruntergeweht, die Leute in ihren Betten gefroren hatten, so daß die Verwaltung sich genölhigt sah, denselben noch eine Decke zu liefern und daß die Bretterbude, genannt Baracke, sich gut bezahlt niache, da i» einer Kammer acht Mann schlafen, wovon jeder für die Nacht 20 Pf. bezahlen müsse. Hieran war die Bemerkung geknüpft, daß die Hamburger Boden- ivncherer sich auch nicht besser bezahlen ließen.— Die gegen das Urtheil eingelegte Revision hatte insofern Erfolg, als das Reichs- gericht die Sache an die Vorinstanz zurückverwies. Der Wahrheits- beweis der in dem Artikel behaupteten Thatsachen wurde im wesentlichen erbracht; die Strafkammer kam jedoch auch diesmal zu dem obigen Erkenntniß.— Genosse B r e c o u r, der frühere Verantwortliche desselben BlatteS, wurde wegen Beleidigung eines Hafen-Polizeibeainten zu 50 M. Geldstrafe verurtheilt. — Wegen Beleidigung eines bürgerlichen Zeilungsredakteurs wurde der Genosse F e l d m a n n, Redakteur des„Proletarier", zu 100 M. Geldstrafe verurtheilt. Der Hergang ist kurz folgen- der: Vor einiger Zeit erschien im„Freiburger Boten" ei» Artikel, welcher sich in schärfster Weise gegen die zum Zweck einer Ein- Wirkung auf die Gastwirthe gegründeten Arbeiterkasinos wandte. tierauf brachte der„Proletarier" eine ebenso schroffe Entgegnung. iese Entgegnung hatte so gesessen, daß der Verleger des „Freiburger Boten", Herr Schröter,„gehorsamst"— wie es im Strafantrag heißt— die Bestrafung des Redakteurs des„Prole- tarier" erbat. Natürlich erhob denn auch die Slaatsanwaltschast wegen der Lappalie im öffentlichen Interesse Anklage, anstatt den Mann auf den Privatklageweg zu verweisen. In der Schöffengerichts- Verhandlung beantragte der Amtsanwall nicht weniger als 300 M. Geldstrafe oder 30 Tage Gesängniß. Die Beleidigung sei, weil sie durch die Presse geschehen, eine besonders schwere. Genosse Feldmann wandte sich gegen das hohe Strafmaß, nahm die Wahrung berecbligter Interessen für sich in Anspruch und übergab dem Gerichtshof einige Exemplare des„Freiburger Boten", damit sich derselbe überzeugen könne, daß die Sprache, die der„Bote" der Sozialdemokratie gegenüber anschlüge, durchaus keine gewählte sei. Nach längerer Berathung fällte der Gerichtshof oben mitgetheiltes Urtheil. D i e Wahrung berechtigter Interessen müsse, so führte der Schöffengerichts- Vorsitzende aus, dem An geklagten als Vertreter d e r S o z i a l d e m o kr a t i e zugestanden werden. Eine Bestrafung müsse aber dennoch eintreten, wenn auch nicht in der vom Amtsanwalt beantragten Höhe. Fall Stolle in neuer Auslage. Dem Sohn des Genossen Stolle, der in Gesau einen Gailhof bewirlhschaftet, war es bekanntlich untersagt, während seines Urlaubs die Schankräume seines elterlichen Geschäfts zu betreten. Einen noch schlimmeren Fall von Aufenthaltsbeschränkung im Elternbause ist der„Cbemiiitzcr Beobachter" mitzutheilen in der Lage. Der Sohn des Gastivirtbs E d e r vom Schützenhaus in Chemnitz hat seiner Mililärdienstpflicht als Einjähriger genügt. Als solcher wohnte er im Ellernhause. Von der Militärbehörde war nun dem junge» Eder aus das strengste verboten worden, die Gast- wirthschafr seines Vaters zu betreten, da diese unter dem Militärboykoit steht, so daß der junge Mann sich nur in den Wohnnngsränmlichkeiteii seiner Eltern bewegen durfte und somit ein ganzes Jahr lang in seiner Bewegungs- freiheil im Elternhause einem bedrückende» Zwang unter- stellt ivar. — Genosse Margraf, Redakteur der„Deutschen Berg- und Hüttennrbeiter-Zeitung" zu Essen, wurde zu vier Monaten Gesängniß verurtheilt. Ter Amtsanwalt hatte zwei Jahre beantragt. Revision ist von beiden Sei'en eingelegt. TZebek/Uclik. Uutersnchuligen über Arbcitölosigkcit hat das Mausion- touse-Comiiee in London angestellt und im Frühjahr die rbeitslosen im Osteude Londons auf die Probe gestellt in bezug auf ihre Willigkeil und Fähigkeil zur Arbeit. Das Komitee ver- öffentlicht nun die Ergebnisse dieies Experiments. Vo» 414 Ge- suchstellern wurden 141 ausgewählt, die nicht ein ungebräuch- liches Gewerbe hatten, verheiralhet, unter 55 Jahre alt und seit 12 Monaten im Ostende Lonton's ansässig ivaren. Diese wurden auf einer Allmend bei Abbay Mills beschäftigt. Man fand, daß die Mehrzahl zur Klasse der ungelernten Arbeiter ge- hörte, die selten eine bleibende Beschäftigung gehabt hatten: ebenso ergab sich, daß von 141 Unbeschäftigten 94 in London geboren sind und nnr 33 vom flachen Land gekommen waren. Die Arbeitslosigkeit sei daher als ein städtisches Produkt anzusehen. Dies stimmt mit den kürzlich von der Londoner Schulbehördc ver- öffenllichte» Zahlen überein, wonach weitaus die größte Zahl der aus den Schule» entlassenen Kinder nie einen Berus lernen. Das genannle Komitee spricht sich in bezug auf die Arbeits- losigkeit und Willigkeit der Geprüften befriedigt aus. Nur 14 wurde» wegen Trägheit oder schlechten Betragens fortgeschickt; und die Qualität der Arbeit war gut.— Das widerlegt am besten die Phrase von den„arbeitsscheuen Subjekten", und die Behauptung, daß jeder Arbeitswillige auch Arbeit finde» könne. Die Objektivität lind Wahrheitsliebe des Komitee's wird wohl auch vom eingefleischtesten Bourgeois nicht bezweifelt werden können. Jfclizc JTcutiec Präsident der französischen Repnbli?. Im ersten Wahlgaug erhielt B r i s s o n 344, Felix Favre 216, Waldeck-Ron sseau 195 Stimmen. £§ wurde ein zweiter Wahlgang erforderlich. Für den zweiten Wahlgaug trat Waldeck-Roussean zn gunstcn Faures zurück. Die Wahl des letzteren erscheint gesichert. Im zweiten Wahlgang wählte der Kongreß den bisherigen Marineminister Felix Fante mit 435 Stimmen znm Präsidenten der Republik. Brisson erhielt 363 Stimmen. « «» Ueber den Wahltng und die Wahsvorgänge liegen die folgenden Depeschen des Wolff'schcn Burean's vor: Paris, 17. Januar, 10.80 Uhr Vorm. Die Stadt zeigt ein durchaus ruhiges Gepräge. Von 9 Uhr früh ab begaimen die Deputirren und Seuatore» flch»ach Versailles zu begeben. Challemel-Lacour als Präsident der Nationalversammlung hatte ich bereits in früher Morgenstunde in dem Palais zu Versailles eingefunden. Als ernste Kandidaten gelten Waldeck-Rouffeau, Brisson und Felix Faure, welcher sich jedoch bei einem ziveite» Wahlgang zu guiisteil Wnldeck-Rousseau's zurückziehen würde. P a r i s, 17. Januar. Fünf Deputirte der allcniaurstischen Richtung erließen gestern ein Manifest, in welchem sie erklären, ie wollen keine militärische Diktatur, sie seicu bereit, energisch gegen jeden Versuch der Reaktion und für die Befreinng der Arbeiter zu kämpfen. Paris, 17. Januar. Die Minister begaben sich um 12 Uhr vom Bahnhof Saint Lazare»ach Versailles. Ei» Zwischenfall ist nicht vorgekonniien. Mehrere Mitglieder des diploinatischen Korps fuhren mit demselben Zuge nach Versailles. 200 Polizei- Agenten versehen am Bahnhofe den Dienst. In Versailles herrschte eit II Uhr vormittags überall äußerst reges Lebe». Versailles, 17. Januar, nachmittags 2 Uhr 20 Mi». Die Minister trafen um 12 Uhr 45 Minuten mittags znm Kongresse ein. Dupuy erklärte, er sei nicht Kandidat für die Präsidentschaft der Republik. Mehrere Mitglieder begaben sich nach dem Kongrebsaale; in den Couloirs iverden Stiminzettel mit dem Namen Brisson's, Waldeck-Ronffeau's und Fanre's ver- theilt. Es herrschte»och vollkommene Unsicherheit hinsichtlich der Wahl. Um I Uhr eröffnete Challemel-Lacour, welcher den Vorsitz führt, den Kongreß. Michelin(Ncvisioiiist) verlangt das Wort, um die Einberufung der koiistitliirenden Versanimlimg zu verlangen. Baudry d'Assoii verlangte ebenfalls das Wort. Der Präsident Challemel-Lacour verweigerte dasselbe und ordnete, ohne sich um die Einwürfe zu kümmern, die Eröffnung der Stimmenabgabe für die Wahl des Präsidenten der Republik an. Die Abstimmung begann um 1 Uhr 20 Minuten. Es scheint icher, daß ein zweiter Wahlgang erforderlich sein wird. Die Tribünen für das Publikum sind überfüllt. Versailles, 17. Januar, nachmittag; 3 Uhr 35 Minuten. Die Sitzung des Kongresses verlief bisher ohne Zwischenfall. Einige Sozialisten erklärten, sie seien Gegner der Präsidentschaft und sie würden ihre Stimmen nicht abgeben. Als bei dem Namensaufruf sich das Fehlen Mirman's ergab, erschollen seitens der Sozialisten Prolestrufe. An de» Zugängen zu dem Kongreß- >ebäude halten sich einige Neugierige emgefunden. die sich indessen ehr ruhig verhielten. Paris, Donnerstag, 17. Januar, 4 Uhr 12 Min. nachm. Hier herrscht vollkommene Ruhe, es macht sich nirgends eine Er- regung bemerkbar. Die Straßen haben ihr gewohntes Aussehen. Versailles, Donnerstag, 17. Januar, nachm. 5 Uhr 20 Min. Die ricktigen Zahlenverhältniffe beini erüen Wahl- gange waren folgende: Abstimmende 794, Abwesende oder Stimmenthaltungen 73. Brisson erhielt 336, Felix Faure 244, Waldeck-Rouffeau 184, Cavaigiiac 3, Meline 4, Dupuy 4 Stimmen. Waldeck-Rouffeau verzichtete im zweiten Wahlgange öffentlich zu gunsten Felix Fanre's. Versailles, Donnerstag, 17. Januar, nachm. 5,40 Uhr. Kongreß. Nach der Proklamation des Resultates des ersten Wahlganges theilte der Präsident Challemel-Lacour mit, einige Mitglieder hätten die Suspension der Sitzung verlangt.(Heftiger Widerspruch auf der Linken). Der Kongreß lehnte die Snspension ab. Der zweite Mahlgang wurde um 4 Uhr 40 Minuten eröffnet. Versailles, Donnerstag, 17. Jan., abds. 6 Uhr 30 Min. Der zweite Wahlgang war um 3 Uhr 15 Min. beendigt. Die Sozialisten betheiliglen sich an der Wahl in der Absicht, die Stimmenzahl für Brisson zu vergrößern. In den Couloirs be- sprechen zahlreiche Gruppen lebhaft das Endergebniß. Das Bureau Herold versendet die folgenden Telegramme: Versailles, 17 Januar Mittags 12'/? Uhr betraten die Kongreßmitglieder den Saal, dessen Tribünen überfüllt waren. Challemel Laconr eröffnete den Nationalkongreß um 1 Uhr durch Verlesung der betreffenden Verfaffungsartikel. Gegen IVe Uhr begann das Volum. Der Abgeordnete Baudry d'Asson theilte auf der Wahltribün« mit, er werde folgenden Antrag ein- bringen:„Die Präsidentschaft der Republik wird abgeschafft." d'Asson suchte zu beweisen, daß er durch Artikel 29 des Reglements das Recht zur Einbringung dieses Antrages habe. Der Sozialist Toliffainl wollte ebenfalls einen Antrag einbringen. Als er vo» den Saaldienern an seinen beabsichtigten Er- klärungen verhindert wurde, rief er:„Es lebe die soziale Re- publik!" Der Sozialist Avez. der sich an dem Eingaug des Saales postirl hatte, rief bei dem Aufruf seines Naniens:„Ich einhalte mich der Wahl. Fort mit der Präsidentschaft!" Diese Kundgebung verursachte gioße Heiterkeit. Dem Alterspräsidenten Blanc wurde eine Ovation dargebracht. Als Brisson seine Stimme abgab, machte sich vielfach eine erregte Stimmung bemerkbar. Versailles. 17. Januar. Die sozialistischen Abgeord« ueten erhoben gegen dicAbwesenheilMirmansProlest. Derselbe hatte an Challemel-Laconr ein Schreiben gerichtet, worin er darüber Be- schwcrde führt, daß ibm, entgegen dem bisherigen UfuS in der Militärverwallung, nicht genatlet worden fei, den National- kongreß zu besuchen. Ter Abgeordnete Janrös nahm an der Wahl lheil, ebenso der vorgestern in Roane verhaftete Carnaud. Gerault-Richard war nicht anwesend. Die sozialistischen Ab- geordneten— fünf derselben enthielten sich der Abstimmung— gaben ausnahmslos ihre Stimmen für Brisson ab. Paris, 17. Januar. Vor dem Bahnhofe Saint Lazare und in den aiiliege»den Straßen ist eine dichte Menschenmenge ver- sanniielt. Versailles, 17. Januar. Kongreß. Als die Wahl Felix Faurc's verkündet wurde, erhoben die Sozialisten lärmenden Widerspruch. Versailles, 17. Januar, abends 9 Uhr 15 Min. Die offiziellen Zahlen des Stichwahl-Ergebnisses sind: Felix Faure 430, Brisson 331 Stimmen. Die Sitzung wurde unter Tumult geschloffen. Versailles, 17. Januar. Kongreß. Als Challemel- Laconr mit der Verkündigung des Abstiinmnngsergebnisses begc nn trat tiefe Stille ein. Aber in dem Augenblicke, als er sagte Felix Faure 435 Slimnien, erhoben sich Beifallsrufe auf der rechten Seite, dann erhoben sich die Sozialisten und schreien: Nieder mit den Dieben! Nach Mazas! Es herrschte ein unbeschreiblicher Tumult. Auf der rechleu Seite rief man: Nieder mit der Kom- in u n e! Als Challemel Laconr erklärt, Faure sei ge- wählt, erheben sich die Mitglieder der äußersten Linken und die Sozialisten und rufen ungestüm Brisson's Namen. Dies« Kundgebung dauerte zwei Minuten. Hierauf läßt Challemel Lacour das Protokoll der Sitzung verlesen. Die Sozialisten be- harrten bei dem Protest gegen die Wahl. Baudry d'Asson besteigt die Tribüne und verliest seinen Antrag auf Verfassungsrevision. Rufe auf der linken Seite:„Genug!" Cballemel-Lacour entzieht den» Redner das Wort. Die Sozialisten protestiren gegen die Ausschließung Mirman's und Gerault- Richard's. Dann versucht Michelin zu gunstcn der Ver- fassuiigsrcvision zu sprechen, aber Challemel- Lacour erklärt die Sitzung für aufgehoben. Die Sozialisten protestiren heftig und riifeii:„Es lebe die soziale Revolution!" Der Saal leerte sich schnell um 7 Uhr 30 Minuten. DetreHHen. Wolff'S Telegrapheu-Bureau. Költt, 17. Januar. Nach einer Depesche der„Kölnischen Zeitung" ans Dortmuiid verurtheilte das Schwurgericht den Bergmann Robert Wecker aus Unna»oegen Tyiiamitverbrechens zu 10 Jahren Zuchthaus. Iägemdorf, 17. Januar. Heute früh brannte die Tuch- fabrik von Gebrüder Horny ab. Der Schaden beträgt 200 000 Gulden. München, 17. Januar. Der bayerische Brauerbuud tritt am 22. Januar zusammen zur Berathung über die Errichtung eines Landesverbandes bayerischer Brauereien zum Schutze gegen Verrnfscrklärnngen. Prag, 17. Januar. Während der heutigen Sitzung des Landtags' durchbrachen Schneemassen das Glasdach über den Couloirs und fielen herab auf eine Gruppe von Abgeordneten. Fournier wurde dadurch leicht verletzt. Die Sitzung wurde nicht unterbrochen. P-llinzoua, 17. Januar. In dem Maggio-Thal verschüttete eine Lawine ein Haus. Ein ziveijähriger Knabe und ein Mädchen von 20 Jahren wurden getödtet, ein junger Bursche wurde am Kopf schwer verletzt. Mailand, 17. Jan. Heute Nachmittag um l�js Uhr wurde der Geiiernl-Staatsniiwalt des hiesigen Apvellhofes, Celli, in seine»» Kabinet durch ein Individuum ermordet, das ihn unter falschem Namen zn spreche» verlangte. Der Mörder faßte Celli an der Kehle und durchschnitt ihm die Schlagader. Celli starb nach einigen Augenblicken. Der Mörder wurde alsbald verhaftet; derselbe iieiint sich Attilius Bellochio und stellt sich irrsinnig, er aiitivortet nicht auf die an ihn gerichteten Fragen. Man glaubt, es handle sich um einen Anarchisten. Kopenhagen, 17. Januar. Einige Deputirte der gemäßigten Linken bringen im Folkething den Antrag ein, den gesetzlichen Zinsfuß für die hypothekarischen Anleihen von 4 auf 3'/i pCl. herabzusetzen. London, 17. Januar. Nach einer Meldung der„Times" aus Buenos-Aires von gestern hat infolge der Weigerung des Präsidenten Saenz Pena, eine Amnestie für politische Gefangene zu erlassen, das gesammte Kabinet seine Demission eingereicht. Andley, 17. Januar. Die Rettungsversuche in dem über- schwemmten Bergwerk sind wegen erneuter Hindernisse aufgegeben worden. New- Aork, 17. Januar. Nach Meldungen aus Colon wurden dort Maneranschläge angebracht, welche eine Verschivörnng zur Einäscherung der Stadt ankündigen, falls die Löhne nicht entsprechend der Vertheuerung der Lebensmittel erhöht würden, und welche Drohungen gegen die Eisenbahnen und deren An- gestellte enthalte».(?? R. d.„V.") In der Befürchtung von Unruhen hat die Regierung Truppensendui'gen aus Bogota und Panama verlangt. Den Einwohnern von Colon ist nach 9 Uhr abends der Aufenthalt auf den Straßen untersagt. Verantwortlicher Redakteur: I. Tierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Badiug in Berlin SW., Beuthstraß« 2. Hierzu zwei Beilage«. 1. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Nr. 13. NerrlmnentsverWiLu. Deutscher Reichstag. 17. Sitzung v o ni 17. Januar 1895, 1 U h r. 91m Tische des Bundcsraihes: Anfangs niemand, später N i e b e r d i n g. Auf der Tagesordnung steht die zweite Berathung des An- träges der Abgz. Grafen Hompesch und Genossen wegen Aufhebung des Jesuitengesetzes. Hierzu liegen zwei Anträge vor: 1. Vom Abg. Richert, nur de» Z 2 des Jesuiteugesetze- aufzuhebeu, nach welchem die Angehörigen der Gesellschaft Jesu, »venu sie Ausländer sind, ausgewiesen werden können, wenn sie Inländer sind, ihnen der Ausenthalt in bestimmten Bezirken untersagt werden kann. Ter Orden bliebe danach vom Gebiete des Reiches ausgeschlossen. 2. Vom Abg. Förster, der das Jesuitengesetz ausheben, aber bestimmen will, daß ausländische Angehörige des Ordens ausgewiesen oder internirl werden könne». Zum.§ 1 bemerkt Abg. Richert(dfr. Vg.), der auf der Journalistentribüne schwer verständlich ist, da er fortgesetzt nach rechts hinüber spricht, also der Tribüne den lltücken zuwendet: Wenn der Antrag Hompesch unverändert angenommen wird, so haben wir nur einen theoretischen Ausspruch des Reichstags, denn kraft der Partikular-Geseygebung würde der Jesuitenorden im größten Theile von Deutschland doch nicht zugelassen werden. In Preußen regeln die Gesetze von 1875, 1880 und 1887 diese Materie speziell dahin, daß der Jesuitenorden ausgeschlossen ist, auch wenn das Jesuilengesetz im Reicde aufgehoben wird. In einem Bundesstaate ist der Jesuitenorden sogar durch die Verfassungsurkunle verboten. In Baden ist die Niederlassung des Jesuitenordens an eine behördliche Genehmigung geknüpft, auch dort würde die Annahme des Antrages an der gegen- wältigen Situation nichts ändern. In Württemberg kann nur kraft des Gesetzes der Jesuitenorden zugelassen werden, er bedürste dazu also der Uebereinstiuimung der gesetzgebenden Körperschaften. Ist es unter solchen Verhältnissen richtig, alles zu verlangen und auf einer prinzipiellen Erklärung zu bestehen, wenn man vielleicht das Mittel in der Hand hat, durch praktische Politik etwas zu erreichen? Ter Gerechtigkeitssinn des Volkes in allerdings durch das Jesuitengesetz verletzt. Wenn Sie meinen Antrag annehmen, würde die Entschließung des Bundes- ralhcs vielleicht eine andere sein. Heute ist das Zentrum nur in der Lage, seinen Antrag mit knapper Mehrheit durchzuhringen. Auf meinen Antrag würde der Bundesrath eingebe», und damit wäre der Gewissen-druck des Volkes beseitigt. Ich wäre auch bereit, über die Aushebung des ganzen Jesuitengesetzes zu vcr- handeln, wenn das Zentrum die Vorbedingungen dazu sormuliren wollte, die wir verlangen müssen. Bei der Umsturzvorlage wird es sich, zeige», wie das Zentrum die Frage weiter behandelt. Ich wünsche im Interesse des Zentrums und derer, die hinter demselben stehen, die Annahme meines Antrages. Abg. Friedberg(nall.) bestreitet, daß das Jesuitengesetz ein Ausnahmegesetz sei. Aber die Orden unterliegen dem Vereins- gesetz, und wenn das nicht der Fall sein sollte, dann würde sich die Zulassung der Orden als eine Bcnachtheilignng aller anderen Vereinigungen Herrn sstellen. Uebrigens ist der"Orden der Jesuiten auch von» heiligen Stuhle nicht inimer gleichmüßig behandelt worden; jetzt ist das Verhältniß des heiligen Stuhles zum Orden nicht besonders günstig.«Widerspruch im Zentrum.) Ter Jesuiten- ordeu ist in§ 1 des Jesuitengesetzes verboten; es ist deshalb nothwendig, daß eine Bestrafung der Uebertretung dieses Verbotes bestimmt wird. Diese Strafe ist in§ 2 enthalten. Wenn die Regierung aber geglaubt hat, durch die Jnternirung der deutschen Jesuiten die Sache zu mildern, so ist das Gegen- theil erreicht worden; es ist dadurch Aufregung in die katholische Kirche getragen worden, weil dsn Jesuiten gegenüber allein noch eine Ausnahmebestimmung gilt, welche nicht einmal mehr den Sozialdemokraten gegenüber angewendet wird. Ein großer Theil meiner Freunde wird deshalb doch, ohne den prinzipiellen Standpunkt der Partei aufzugeben, für den Antrag Rickert stimmen. Abg. v. Stumm(Rp.): Meine Freunde werden gegen den Antrag stimmen. Abg. Lieber(Z.): Daß wir durchaus geneigt sind, für den Antrag Rickert zu stimmen, muß ich bestimmt verneinen. Es wird das abhängen davon, in welcher Reihenfolge der Antrag zur Abstimmung kommen wird. Kommt der Antrag Rickert zuerst zur Abstimmung, so werden wir nicht dafür stimmen, durch diesen Antrag den Antrag Hompesch zu ändern oder zu beseitigen. Wird dagegen unser Antrag abgelehnt und kommt dann erst.der Antrag Rickert zur Abstimmung, so sind wir nicht geneigt, aber genöthigt, für den Antrag Rickert zu stimmen, aber nur in zweiter Lesung. Dem Antrage Rickert können wir ebensmvenig wie im vorigen Jahre Geschmack abgewinnen. Wir danke» Herrn Rickert für sein Entgegenkommen, aber was vom Gesetze noch übrig bleibt, ist immer noch genug, um das Gefühl des katholischen Volkes zu verletze». Wir halten den§ 1 des Jesuitengesetzes für ein Aus- nahmegesetz im krassesten Sinne des Wortes, nicht blos gegen die katholische Kirche, sondern gegen jeden einzelnen Katholiken des Reiches, der vermöge seiner Eigeuschast als Staatsbürger das Recht hat, als Mitglied des Ordens zu leben und zu sterbe». (Zustimmung im Zentrum). Die Veriveisrmg auf die Be- stimmungen über strafbare Verbindungen ist nicht zutreffend; stimmen Sie für den Antrag des Grafen Hompesch. Abg. Rickert: Wenn auch mein Antrag heute nicht an- genommen wird, so hoffe ich doch, daß die Diskussion schon genug gewirkt hat; ich hoffe, daß die verbündeten Regierungen zu der Einsicht kommen werden, daß eine Vorlage, welche den§ 2 des Jesuitengesetzes aufhebt, aus eine große Mehrheit im Reichstage zu rechnen hat. Damit schließt die Debatte.§ 1 des Antrages Hompesch wird angenommen; dafür stimmen die Sozialdemokraten, die freisinnige Volkspartei, die süddeutsche Volkspartei zum theil, die Polen und das Zentrum, sowie der Abg. Krupp, Damit ist der Antrag Ricken und der Antrag Förster erledigt. Im übrigen wird der Antrag des Zentrums ohne wettere Debatte angenommen. Es folgt die erste Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend Aenderung und Ergänzung des Gerichts- verfassungs-Gesetzes und der Etraf-Prozeß- ordnung(Wiedereinführung der Berufung zc.). Staatssekretär im Reichsjustizamt Nieberding: Die Frage wegen der Besetzung des Präsidiums hat in der Tis- kusston einen breileren Raum eingenommen, als sie verdient. Man hat besorgt, daß, wenn die Vorschläge der Regierung in diesem Punkte beachtet werden sollten, wiederum die Justiz- Verwaltung verleitet sein würde, in unzulässiger Weise eine» Einfluß auf die Gerichte auszuüben. Das»st aber nur eine Frage rein geschäftlicher Ordnung. Es sollen zweifellose Mißstände beseitigt werden. Wenn Sie andere Wege dafür finden, wenn das Vertrauen zu der Edrenhastigkeit unserer Richter so gering ist, daß man die Vorschläge in diesen Punkten nicht zum Gesetz erheben will, dann soll das für die Regierung eine Frage untergeordneter Bedeutung sein. Die Hauptrolle in dieser Vorlage spielen 1. Die Berufung gegen die Urtheile der Strafkammern. 2. D i e Be- Freitag, den 18. Januar 1893. seitigung gewisser prozessualer Formen. 3. Eine Einschränkung des jetzigen Wieder- aufnah meverfahrens gegenüber den rechts- kräftigen Urtheilen, und 4. die Frage der Entschädigung unschuldig Verurtheilter. Diese Fragen bilden ein Ganzes, dessen gemeinschaft- liche Berathung die verbündeten Regierungen wünschen Wenn letztere zugeben, daß die Einführung der Berufung nicht länger zu verweigern war, so verkennen sie andererseits nicht, daß hierdurch die Schwerfälligkeit unseres Prozeffes noch ver- größert wird und daß noch andere Bedenken sich an die Ein- sührung dieses Rechtsmittels knüpfen, namentlich, daß Organi« satiousaufgaben denjenigen Staate» gestellt werden, in welchen die Bezirke der Oberlandesgerichte sehr groß sind, und daß diese erhebliche Schwierigkeiten bieten. Es ist nicht gerade erwünscht, in unfern langsam fortsckireitendeu Prozeß noch eine neue Instanz einzuführen. Im jetzige» Prozeß vermehren sich die Revisionen in einer Weise und belasten t«durch den höchsten Gerichtshof des Reiches derart, daß ernste Besorgnisse sich daran knüpfen. Männer wie Windlhorst haben in früheren Jahren anerkannt, daß wenn wir Bcrusssenatc mit fünf Richterstellen herstellen, wir Strafkammern erster Instanz mit drei Richtern besetzen können. Wenn man sich die Sensationsprozesse der letzten Jahre ins Gedächtuiß zurückruft und sieht, wie durch Benennung immer neuer Zeugen, die schwer oder gar nicht zur Gerichtsstelle zu schaffen waren, die Prozesse verschleppt wurde», wie durch Ver- miltelung des Gerichtshofes die Angeklagten an die Zeugen Fragen ricktcten, durch welche deren Ebre auf das Peinlichste berührt wurde, so daß man zweifelhast sein konnte, ob die An- geklagten sich auf der Anklagebank befanden oder die Zeugen, so muß man zugeben, daß derartige Zustände zu Skandalen aus- arten können, die im Interesse der Gerechtigkeit und der Autorität des Gerichts unmöglich gemacht werden müssen. Unsere Vorschläge"bezüglich des Wiederaufnahme- Verfahrens bewegen sich aus dem Bode» der Anträge, welche den Reichstag iviederholt beschäftigt haben. Der Gesetz- entwurf will die Entschädigung unschuldigVerurtheilter einführen für jeden, der im Wiederaufnahnieverfahre» frei- gesprochen ist. Wollen wir nun verhindern, daß nicht auch solche Personen zur Entschädigung gelangen, die nur freigesprochen sind, weil ihre Schuld nicht nachgewiesen iverden konnte, die aber immerhin schuldig sein können, so wird es nölhig sein, das Wiederaufnahmeverfahren in einer Weise zu beschränken, die einigermaßen die Garantie giebt, daß nur solche Leute frei- gesprochen werden, deren Schuld als dargethan gelteu kann. Zu dem Vorschlage der Entschädigung unschuldig Ver- u r t h e i l l e r haben sich die verbündeten Ii e g i e r u n g e u nur ungern entschließen können. Sie haben früher wiederholt darauf hingewiesen, daß die Regierungen der Einzel- staate» in Fällen dieser Art mit ihre» Mitteln Heisend eingetreten sind. Der Weg der Gnade ist nach Ansicht der verbündete» Rcgieruiigcn am meisten geeignet, ein durch eine Aktion des Staates begangenes Unrecht wieder gut zu machen. Die ver- bündete» Regierunge» befinden sich aber auf diesem Gebiet einer Zeitströmung gegenüber, die unwiderstehlich dahin drängt, das- jenige was bisher im Wege der Gnade gewährt worden ist, mit einem Rechtsanspruch zu untkleiden, und nachdem der Reichstag eine Reibe von Jahren sich zum Träger dieser Auffaffung gemacht hat, haben die verbündeten Regierungen sich bereit erklärt, Bestimmungen dieser Art in den Gesetzentwurf ans- zunehmen. Bei der Frage der Kompetenzbcstimmung zwischen dem Schöffengericht, Landgericht, Strafkammer und Schwurgericht schlagen die verbündeten Regierungen einmal vor, die Straf- kanimern von einem Theil ihrer Geschäfte zu entlasten und ge- wisse Strafsachen aus die Schöffengerichte zu übertrage»; es handelt sich dabei wesentlich um die Strasfälle, welche nach§ 75 der Strafprozeß- Ordnung die Slraskammerii bereits aus die Schöffengerichte zu übertragen befugt sind. Eine Mehrbelastung der Schöffengerichte tritt nicht ein, weil sie schon jetzt diese Sachen übertragen erhalten, dagegen tritt eine erhebliche Entlastung der Strafkammern ein und wir erreichen eine erhebliche Beschleu- nigung dieser Sachen, weil diese nicht mehr den Umweg über die Strafkammern zu uiachen brauchen. Das ist ei» Gewinn, den wir in jetziger Zeit, wo alles schreit, die Justiz möge etwas prompter arbeiten, nicht unter- schätze» dürsen. Bei der Kompetenzkknderung zwischen Schwur- gerichtet! und Straskammern handelt es sich um eine kleine Anzahl von Verbrechen, die bisher zur Zuständigkeit der Schwur- gerichte gehören, Amtsverbrcchen.Urkundcufälschungen, betrügerische Bankrotts zc., die erfahrnngsniäßig den Schwurgerichten außerordentliche Mühe machen, iveil dabei umfangreiches, verwickeltes Material und schwierige Rechtsfragen vorkommen. Durch diese E» t l a st u n g der Schwurgerichte erreichen wir auch wieder eine erhebliche Beschleunignng. Man hat das als e r st e n Schritt zur Abbröckelung der Schtvur gerichte bezeichnet. Ter Gedanke an eine Abschaffung der Schwurgerichte liegt für uns in unabsehbarer Ferne, wir haben keine Veranlassung, irgend einen Schritt zu ihn», der die Schwurgerichte in ihrem Ansehe» vor dein Lande einschränkt und ihre Thätigkcit beeinträchtigt, aber wir wollen den Schwurgerichten eine Thäligkeit abnehmen, die»ach der Qualität der Geschworenen sich nicht für sie eignet. Wir wollen nicht eine Verringerung, sondern eine Stärkung des Ansehens der Schivurgerichle. Wir haben den Entwurf bald. möglichst der öffentlichen Kritik unterbreitet und wir können für die eingehende Kritik nur dankbar sein; die Kritik ist ernst und gründlich geivesen, wie die Regierung es wünschte. Keines- ivegs geht aber, wie man auch gemeint hat, die Ten de ii z der Vorlage dahin, den Schutz, den die Strasprozeß-Ordniing dem An- geklagten gewährt, zu verringern und zu schmäler n. Das wäre ja ein starker Jrrtbum der Regierung gewesen in einer Zeit, wo die öffentliche Meinung so empfindlich gegen die Beeinlrächtigung eines Rechts ist. In der Kommission werde ich nachweisen, daß die Stellung des An- geklagten keineswegs ungünstiger»vird; andererseits ist unser Strafprozeß nicht nur dazu da, dem Angeklagte», sondern auch der verletzten Rechtsordnung und den Interessen der bürgerlichen Gesellschaft Schutz zu gewähren. Haben Sie nach der Richtiiug andere Vorschläge zu machen, so kann ich versichern, die ver- kündeten Regierungen werden dabei ehrlich und ohne Vorurtheile, und ohne sich an den Buchstaben der Vorlage zu klammern, mit Ihnen arbeiten. Abg. Rintelen(Z.): Die Vorlage bedarf der gründlichsten Prüfung in der Kommission. Die Vorlage hat den große» Vorzug, daß sie in keiner Weise als eine Parteivorlage betrachtet werden kann. Schon in den siebziger Jahren war eine große Strömung gegen die Abschaffung der Berufling. Die Abschaffung war ei» Mißgriff« das bat endlich auch die Reickisregierung ein- gesehe», welche sich Jahre lang den Anträgen des Reichstages wegen Wiedereinführung der Berufung widersetzt hat. Ebenso verhält es sich mit der Entschädigung unschuldig verurtheilter Personen. Redner giebt eine geschichtliche Darstellung der ganzen Reichstagsverhandlungen über diese Fragen und geht dann die einzelnen Vorschläge des Gesetzentwurfes durch. Nicht einverstanden sei das Zentrum damit, daß der Umfang der Beiveisauf nähme«in- 12. Jahrg. geschränkt werden solle und daß über die Ablehnung eines Richters der betreffende Richter mir entscheiden soll. Dagegen ist eine Aende- rung des Zustelllingswesens mit großer Befriedigung zu begrüßen. Redner hat immer auf den Slandpunkl gestanden, daß der Zeugeneid nicht vorher, sondern nachher geleistet werden sollte. Mit der Beschleunigung der Strafprozesse sei das Zentrum im Prinzip einverstanden, ebenso mit dem Kontumacialverfahren. In bezug auf das Wiederaufnahmeverfahren wäre zu überlegen. ob nicht die stenographische Niederschrift der Verhandlungen sich empfehlen würde; denn in vielen Fällen kommt es schließlich auf ein einzelnes Wort an. Redner wendet sich, namentlich im letzte» Theil seiner Rede halbrechts, und ist deshalb auf der Journalisten- tribüne nicht verständlich. Daß die Zuständigkeit der Schöffen- gerichte erheblich vermehrt werden kann, ist schon lange Ansicht des Zentrums, weil dadurch die Mitwirkung der Laien bei der Rechtsprechung vermehrt und das Zutrauen der Bevölkerung zum Gerichte erhöht wird. Die Beschränkung der Schwurgerichte in solchen Fällen, wo es sich um besonders schwierige Rechtsfragen Handell, ist gerecht- fertigt. Die Garantien, welche im Prozeßverfahren einmal vor- Händen sind, sollte man beibehalten; wären sie noch nicht vor- Händen, so könnre man freilich die Frage aufwerfen, ob ihre Einführung nothwendig sei. Aber bedenklich ist die Vor- schrift über die Vertheilung der Geschäfte durch die Justizverwaltung. Es ist vorgekommen, daß zu eiuei» Richter gesagt wurde: In den Zivilkammern sehen wir auf die Tüchtigkeit; aber in die Strafkammer werden Sie niemals kommen, Sie werden auch nicht Präsident werden! Dahin kommt man, wenn die Verwaltung die Geschäfte vertheilt. Bisher wurde niemals ein jüngerer Richter zum Vor- sitzenden über ältere Richter gemacht; diese Rücksicht ans das be» rcchtigte Gefühl der Richter sollte man auch in der Zukunft nehmen. Redner empfiehlt, über die Vorschläge des Entwurfs hinaus die Frage zu prüfen, ob nicht ein Rechtsmittel gegen die Urtheile der Schwurgerichte geschaffen werden müsse; es gebe sonst in de» kleiiisten Dingen ein rechtes Mittel, nur gegen die Urtheile der Schwurgerichte nicht. Ferner macht Redner auf die Absurdität aufnierksam, daß jemand, der wegen mehrerer Vergehen angeklagt ist, bei Einlegung der Revision von einem Vergehen freigesprochen wird: in bezug auf die anderen wird aber der Thatbestand vom Reichsgericht als feststehend anerkannt; bei der nochmaligen Ver- Handlung wurde aber nachgewiesen, daß er die Strafthal, wegen der er verurtheilt ist, garnicht begangen hat. Da das Reichs- gericht aber den Thalbestand als feststehend anerkannt bat, so konnte der Richter nur auf die niedrigste Strafe erkennen, aber nicht freisprechen. Schließlich empfiehlt Redner die Einsetzung einer Kommission von 23 Mitgliedern. 9lbg. Enueccerus(natl.): Ein Hauptlichtpunkt der Vorlage ist die Gewährung einer Entschädigung an unschuldig Ver- »rtheilte, wodurch"den Beschlüffcn des Reichstages nachgegeben worden ist. Daß die Entschädigung nicht gewährt werden soll, wenn auf dem bei der Wiederaufnahme Freigesprochenen ein schwerer Verdacht lastet, ist zu billigen. Zlber daß der Anspruch auf Entschädigung nur gewährt werden soll bei ausgesprochener Unschuld, wäre nicht berechtigt. Ich bin der Meinung, daß in diesem Falle die Entschädigung gewährt werden m u ß, während sie im andere» Falle gewährt werden kann. Die Kommission wird auch prüfen, wie es mit der Entschädigung für unschuldig erlittene Untersuchungshaft zu halten sei. Auch hier muß nach Ansicht meiner Freunde die Entschädigungs- Pflicht anerkannt werden. Die Gegner der Berufung werden in der Vorlage nicht viel Gutes finden. Ich bin Freund der Berufung, und sämmtliche Juristen meiner Fraktion sind der- selbe» Meinung. Es ist gesagt worden, daß eigentlich nur Optimisten und Idealisten Freunde der Berufung sein können. Ich bekenne mich als ein solcher Optimist; ich glaube, daß nianche Wlängel der erste» Instanz, die zum theil auf die Angeklagten selbst zurückgeführt werden können, in der zweite» Instanz ausgeglichen werden könne». Aller- Vings erscheint in der Berufungsinstanz manches ab- geblabt; aber kommt nicht auch manchmal sehr viel Neues und Wichtiges vor, wodurch die Sachlage ganz verändert erscheint. In Rechtsfragen giebt es die Revision, soll es in Fragen der Thatsachen leine wiederholte Prüfung geben? Die Vorlage ist aber mit verschiedenen Dingen belastet, die sie recht bedenklich mache». Dazu gehört die Besetzung der Strafkammern mit drei Richtern. Es kann die Freisprechung also nur erfolgen, wenn zwei Richter für, einer gegen die Freisprechung sind. Jetzt kann eine Schuldigsprechung von vier Richtern unter fünf erfolgen. Dahin gehört ferner die Aufhebulig der Boruntersilchung. Dadurch wird eine Garantie gegen die Klage- Erhebung genommen; denn mancher Beschuldigte verlaugt die gerichtliche Untersuchung, die aber in Ztikunsl nicht einmal iunner erreicht werden kann. Wcnil das Gericht den Umfcuig der Beweisaufnahme bestimmen soll, dann können sehr leicht Mißbräuche vorkoulmen. Es sind allerdings oft Zeugen vernommen worden, die zur Sache nichts zu sagen hatien, sondern nur den Gegner des Angeklagten schlecht machen wollten, aber solche» Mißbräuchen kann nian auf andere Weise entgegentreten. Es solle» keine Zeugen zurück- gewiesen werden, welche über vom Gericht als erheblich an» erkannte Thatsachen Aussagen machen können. Die Protokollirung sänimtlicher Zeiigennussagen widerspricht dem sonstigen Bestreben der Vorlage, die Prozesse zu beschleunigen. Jedenfalls wird aber durch die Protokollirung die Mündlichkeit des Verfahrens der zweite» Instanz behindert; denn man wird sich aus die schriftlich vorliegenden Zeugenaussageu berufen. Daß die Verusungsschrist innerhalb 8 Tagen eingereicht und innerhalb weiterer 3 Tage gerechtfertigt werden muß, benachtheiligt die unerfahrenen Leute und treibt sie de» Winkelkonsulenten in die Arme. Nach allen diesen Mängeln könnte man fragen, ob die Wiedereinführung der Berufung überhaupt ein Vortheil ist. Ich möchte die Be- jahuiig dieser Frage allerdings bezweifeln, will aber mein letztes Wort noch nicht gesprochen haben. Ich halte die Be- rufung au die Oberlandesgerichte für besser als die Be- rusung an ein Fünf-Richler-Kollegium bei den Landgerichten. Bezüglich der Vereidigung entscheide ich mich für den Nacheid. aber bedenklich ist mir die Bestimmung, daß möglichst schon in der ersten Verhandlung die Vereidigung erfolgen soll. Diese Regel sollte mau nicht ausstellen. Eine Beschleunigung des Vcr- fahrens ist an sich gerechtfertigt, aber das Versahren, welches die Vorlage vorschlägt, wonach gegen den Angeklagten schon am zweite» Tage nach seiner Ergreifung verhandelt werden lau», sollte man doch nur einsühren, wenn der Angeklagte geständig ist; denn sonst würde er in der Beschaffung der Zeugen, die seine Unschuld beweise» sollen, behindert sein. Bezüglich der Wiederherstellung des Resumes der Vorsitzenden der Schwur- gerichte wird man nicht zu viel Anhänger im Hause finde». Die Vertheilung der Geschäfte durch die Justizverwaltung ist nicht annehmbar. Das Präsidiuni der Gerichte ist dazu viel besser im stände. Vertheilt die Verwaltung die Geschäfte, dann wird man bei irgend welcher mißliebigen Verurtheilung ihr den Vorwurf der Tendenz daraus machen. Da es nicht ausgeschlossen ist, daß die Zeit der Session nicht ausreicht, um die ganze Vorlage zu beraiheu, so möchte ich an die Regierung die Bitte richten, nachträglich zu prüfen, ob nicht für die Mittelinstanz Schöffengerichte eingeführt werden können, nicht gerade zum Ersatz der Schwurgerichte, aber damit Gerichte vorhanden sind, wo nicht ein Richter, sondern >ii«hrere Nichter»eben de» Schöffen sitze». Denn es ist doch eine selisrnne Erschcimilig, daß über leichte Vergehen zwei Schöffen und ein Richter urtheilen, bei schweren Vergehen nur Richter und bei de» schwersten urtheilen nur Laie» über die Schuldsrage. Vei den Verwaltungsgerichtcn hat sich das Zusammenarbeiten von Laien und Juristen besonders bewährt. Hoffe» wir, daß es gelingen wird, den wirklich anerkannte» Mängeln unser Straf- Prozeßordnung auf die eine oder andere Weise abzuhelfen.(Beifall.) Staatssekretär Nicberdiiig: Ich will meinen vorherigen Ausführungen»och hinzufügen, daß die Strafkammern von der Befugniß, gewisse Strafsachen an die Schöffengerichte zu über« weisen, bei etwa 90 pCt. dieser Sachen Gebrauch machen, während 10 pCt. bei den Straskammern bleiben. Die Siraf- kaminern werden also durch den Versuch bezüglich der lv pCt. ganz entlastet, bezüglich der 90 pCt. von dem Vorverfahren ent- lastet. Jnsgesainml würden nach dem Entwurf, obwohl es sehr schwierig ist, hierüber Zahlen anzugebe», die Straskammern um höchstens 13 pCt. aller Sachen entlastet. Um 43/4 Uhr wird die Berathung auf Freitag 1 Uhr vertagt. Nommunales. Stadtverordneten• Versammlnng. Oeffentliche Sitzung vom Donnerstag, den 17. Januar 1693, nachm. 5 Uhr. Zu Beginn der Sitzung wird der neugewählte Stadtv. Privat- dozenl vr. zur. P r e u ß in sein Amt eingeführt und auf die Städte-Ordnung verpflichtet. Die Abtheilungen und die ständigen Ausschüsse haben sich lonstituirl. In den Ausschuß für die Vorlage, betreffend den Abschluß eines Vertrages mit der Firma W. u. S. Löwenthal über den Druck des Gemeindeblatles, der Sitzungsberichte u. s. w. ist auch der Stadtv. V o g t h e r r gewählt worden. Diesem Ausschusse werden zwei Zuschriften überwiesen, die von den Firmen Grunert und Löwenthal aus Anlaß der letzten Debatte an die Versamm- lung gerichtet worden sind. Am 20. Januar 1894 beschloß die Versammlung, die VerHand- 'lung über die ablehnende Antwort des Magistrats auf den Be- schluß der Versammlung betr. die Errichtung einer vollständigen höheren Lehranstalt in der T e m p e l h o f e r Vorstadt auf 6 Monate szu vertage n. Ein ähnlicher Beschluß wurde im November bezüglich der Angelegenheil einer neuen höheren Lehranstalt in Moabit gefaßt. Beide Angelegenheiten stehen heute wieder auf der Tagesordnung. Stadtv. Schwalbe bittet, die Sache um weitere zwei Monate zu vertagen und dann für die Frage einen Ausschuß einzusetzen. Stadtv. Hentig hätte es lieber gesehen, wenn schon jetzt ein Ausschuß eingesetzt würde. Im Stadtlheil Moabit und iin Hansaplatz-Bezirk verlange man allgemein ein Gymnasium,! nicht eine Realschule. Stadtv. Sachs! will mit dem Stadtv. Schwalbe die Sache erst noch zwei weitere Monate ausreifen lassen. Stadl-Schulrath F ü r st e u a n beschränkt sich auf den Hin- weis, daß die Erhöhung des Schulgeldes und die Finanzlage im allgemeinen für die Stadt die Errichtung neuer höherer Anstalten augenblicklich als recht bedenklich erscheinen läßt. Auf seine wiederholte Anfrage, ob der Magistrat schon einen Bescheid von den betreffenden Staatsbehörden erhalten habe darüber, ob diese dem Vcdürsniß nach neuen höheren staatlichen Lehranstalten in Berlin zu entsprechen geneigt seien, bleibt Stadtv. Hentig ohne Antwort. Ei» Antrag Hentig, schon jetzt einen Ausschuß einzusetzen, wird abgelehnt, die Angelegenheit auf weitere zwei Monate vertagt. In die Steuerdcputation wird an stelle des Stadtv. Seeger der even in die Versammlung eingetretene Stadtv. Dr. Preuß gewählt. Die Projekte zn Neubauten auf den städtischen Nieselgütern werden genehmigt. Nach Erledigung kleinerer Vorlagen schließt die Si�ung um 6*/» Uhr. UoKerles. Ei» Jahr ist eS heute her, feit eine der größten Groß- thaten der preußischen Monarchie vollbracht wurde. Bislang zählte der 16. Januar in der Hoshistorigraphie zwar auch schon zu den Tagen ersten Ranges, bislang wurde den armen Kindern in der Volksschule zwar auch in einem sogenannten Geschichts- Unterricht schon auseinander gesetzt, was für ein herrliches Er- eigniß die Königskrönung von 1701 und gar die„Kaiserkrönung" von 1371 gewesen, aber dem Gedenken des Volkes ist der 18. Januar erst seit einem Jahre, seit der glorreichen Affäre am Friedrichshain überliefert worden. Wir wollen die Vorgänge, die sich dort nach Auflösung der Arbeitslosen-Versaminlung abspielten, hier nicht im einzelnen wiedergeben. Sie sind noch zu frisch in der Erinnerung aller, und wer wirklich nach der bedeutungsvollen That v o m 13. Januar noch keinen Begriff von p r e u ß i s ch e r Staatsraison hatte, der wurde am 8. und 9. Mai, als sich vor den Herren Brause weiter und B e n e d i x der be- rühmte Preßprozeß abspielte, bis aus die Nagelprobe gewahr, was es mit der Kultur des ordnnngsschützenden Gummi- s ch la u ch s auf sich hat. Wir wollen auf die Vorgänge, die selbst weit hinein in bürgerlichen Kreisen gar manchem die Augen geöffnet haben, also nicht weitläufig eingehen, sondern am heutigen Erinnerungstage nur kurz darlegen, wie Erwartung und Erfüllung sich mittler- weile zn einander gestellt haben. In der Prozeßverhandlung, die bekanntlich mit der Ver- urtheilung der angeklagten Redakteure zu schwerer Strafe endete, sprach der mit der Zeit ja zu weiterer Berühmtheit gelangte Staatsanwalt Benedix die folgende Er- Wartung aus: „Zweifellos wird der Segen dieses Prozesses da- durch, daß er Klarheit herbeigeführt hat. ein weittragender sein und wohl auch für die Eurwickelung unseres poli- tischen Lebens von hochgradiger Bedeutung bleiben, weil für jeden, der hören und begreifen will, klar gelegt ist, daß das Mißtrauensvotum, welches die sogenannte Oeffentlichkeit dem Polizeipräsidium dargebracht hat, in Wirklichkeit zu einem Vertrauensvotum des großen durch die Verhandlungen aufgeklärten Publikums geworden fein wird." Diese Erwartung stand felsenfest bei dem Herrn Staats- anmalt; keiner der Vorgänge vom 13. Januar vermochte seine Uederzeugung zu crschüller». Keiner.„Daß etwa im Eifer des Gefechts." so meinte er in seinem Plaidoyer,„von einzelnen vielleicht ein Jagdhieb ausgetheilt ist, der überflüssig war, mag ruhig vorgekommen sein; darum handelt es sich nicht; in dieser Beziehung wird jedem einzelnen sein Recht werden, und hat einer«in zerschunden es Nasenbein davon- getragen, so kann er auf Schadenersatz klagen; das ist sein gutes Recht. Ich habe auch meinerseits das Ver- langen, daß allen, welche hier vernommen worden, ihr Recht werde, und in diesem Sinne werde ich jede einzelne Aussage der Entlastungszeilgen nachprüfen daraufhin, ob die Geschädigten nicht unter denen waren, welche den Augriff aus die Polizei machte n." Diese N a ch p r ii f» n g muß wohl ein recht negatives Re- sultat gehabt habe», denn wenigstens hat man nachher von keiner einzigen staatsanwaltlicheu Anklage wegen„Angriffs" auf die Polizei gehört. i Aber bei alledem waren, wie schon erwähnt, die Thaten der Polizei in der Schlacht am Friedrichshain nach staatsanwalt- licher wie gerichtlicher Feststellung zweifelsohne. Die Polizei stand gereinigt da— in den Augen des Herrn Brause welter schon gleich zn Anfang der Verhandlung— denn bereits bei der Vernehmung des zweiten Angeklagten, bevor also der Zeugenapparat in Aktion getreten war, äußerte der Vorsitzende seine Ueberzeuguug dahin, daß die ganze Sache aus- gebauscht, daß aus nichts ein großer Elephant ge- in a ch t sei! Diese Ueberzeugung wurde in dem Vorsitzenden auch nicht weiter erschüttert. Er hörte vom Vertheidiger Berg, daß dieser irgend einen Punkt feststellen wollte. Autwort: Sie können überhaupt nichts fest- stelle n. Er hörte von dem Kriniinalkomurissar B ö s s e l, daß die in Arbeiterkleidung gesteckten und mit Gummischläuchen be- waffueten Beamten bei der Affäre zum theil durch u n i f o r m i r t e Beamte verwundet worden seien. Er hörte Herrn v. Egidy's Worte, daß die feindselige Er- regung der d e u t s ch e n Soldaten in Frankreich nicht so groß gewesen, wie die der Schutzleute bei diesem Vorfall, daß jedermann im Vaterlande, der noch sür sich die Bezeichnung patriotisch, religiös, ehrlich, gesittet, edel, gut, ordnungsliebend oder auch nur feinfühlig in Anspruch nehme, von einem un< säglichen Schmerze erfüll: sein würde, wenn er Zeuge dieser 13 Minuten am Friedrichshain gewesen wäre. Er hörte aus dem Munde desselben vereidigten Zeugen, daß nach seinem Empsinden nicht ein Schatten von Ver- a n l a s s u n g zun» Einschreiten bei der Polizei vor- Händen gewesen wäre. Der Vorsitzende hörte weiter von einem als Zeugen vereidigten Berichterstatter bürgerlicher Blätter, daß die Versammellen dem Befehl, schneller zu gehen, zw eise l- los nachgekommen sind;„keiner hat sich widersetzt, die Leute sind schneller gegangen, aber durch das Hineinreiten der Schutzleute i» eine große Panik versetzt worden. Sie waren sroh, von der Siraße zu kommen"! Er hörte weiter die zeugeneidliche Aussage,„daß die Flüchtenden aus den Häusern berausgeholt wurden, daß sechs, acht Schutzleute einen Plann aus einem Hause der Friedenstraße herausgebracht und mit der Jaust gehauen haben, daß er mächtig geblutet hat. Ties alles hörte der Vorsitzende und seine Meinung von der Stellung der Presse in dieser Angelegenheit blieb dieselbe, wie sie zu Ansang war. „Tie erhitzte Phantasie derer, die diese Artikel schreiben, spricht immer von ausgehungerten Leuten, welchen man die Sorge um Arbeil auf dem Gesicht ansehen konnte. War es nicht vielmehr der Schnaps, den man ihnen ansah?" „Durch eine Zeitung nach der anderen wird die Cache imnier größer und immer mehr aufgebauscht. Der Redakteur weiß also immer, daß die Sachen ausgebauscht sind. Bei allen Sachen, die wir in den Zeitungen lesen, sind wir doch überzeugt, daß sie zum theil nicht wahr sind." „Die Oeffentlichkeit e x i st i r t nicht." „Jeder vernünftige Mensch weiß, daß die Idee der Lock- spitzet nur in einigen konfusen Köpfen existirt." Das sind so ein paar Auslesen aus den von Herrn Brause- weiter in dieser Angelegenheit geäußerten Ansichten. Das Ilrtheil des Gerichtshofs war denn auch diesen An- sichten entsprechend. Es erhielten: Schmidt vom„Vorwärts" 5 Monat Gefänguiß, Keßler vom„Volksblatt" 3 Monat Gefängniß, Wißberger von der„Berliner Zeitung" ebenfalls 3 Monat Gefängniß, Zach au vom„Sozialdeniokrat" 2 Monat Gefängniß, a r n i s ch von den„Lichtstrahlen" 2 Monat Gefängniß, r ü t t e f i» vom„Berliner Tageblatt" 300 M. Geldstrafe, Perl vom„Tageblatt" 300 M. Geldstrafe, Schütte von der„Fahrzeitung" 130 M. Geldstrafe. Wir wissen nicht, ob der Vorsitzende, der„im Namen des Königs" dies Urlheil ausgesprochen hat. mit den: Staatsanwalt die gleiche Ansicht von dein Vertrauensvotum hegte, das das Publikum nach diesem Prozeß der Polizei ausstelle» werde. Bekannt ist nur, daß nach dieser gerichtlichen Aufklärung der Vorgänge vom 18. Januar und nach Fällung der erwähnten Urtheile auch kein einziges, noch so r e g i e r u n g s- treues Blatt eine anerkennende Aeußerung über Gericht und Polizei verlautbaren ließ. Vielmehr erging sich gerade nach Be- endigung des Preßprozcsses eine ganze Reihe durchaus loyaler Organe in so scharfer Kritik der erwähnten Vorgänge, wie sie unsere aufs ärgste beschnittene Preßfreiheit nur zuläßt. Aber»och mehr. Eine andere Beleuchtung erhielt die Polizeithat vom 18. Januar noch durch einen Kollegen des Herrn Brausewctter, durch den Landgerichts-Direktor R ö s e l e r. Der Anarchist Paivlowicz, der am 30. Mai v. I. vor der vierten Straskammer des Landgerichts I stand, hatte sich in einer öffenl- lichen Versammlung über die Vorgänge am Friedrichshain mit einer Schärfe geäußert, an die auch nicht entfernt die abgemessene Kritik heranreicht, mit der die angeklagten Redakteure sich be- gnügt halten. Herr Röseler, der den Angeklagten zu 14 Tagen Gefängniß verurtheilte, sühlte sich in der Gerichtsverhandlung veranlaßt, zu fragen, ob denn bei der G u m m i- schlau ch-Praxis nicht die Gefahr vorliege, daß ein Krakehl, der vermieden werden soll, sich vermehre, wen» das Publikum glaube, sich die Angriffe von Zivilpersonen nicht gefallen lassen zu brauchen. Auch wurde in dem von Herrn Röseler gesprochenen Urthcil koustatirt, daß der Gerichtshof sich aus die Seite der Entlastungszeugen gestellt habe. Man wird gestehen, daß dies Bild ein bei weitem anderes war, als das von der Kammer Brausewetter entworfene und man wird ferner wohl noch reckt lange zu warten haben, bis das Publikum mit dem von Herrn Benedix erhofften Ver- lrauensvotum herausrückt. lieber den Effekt der„G u m in i s ch l a u ch- A f f ä r e" und der„Affäre B r a u s e w e t I e r" ist man sich wohl nirgendwo mehr im Unklaren. Er äußert sich in der Abwendung weiterer Schickten des Volks vo» der Herrlichkeit des Polizeistaals und in den Erfolgen, welche die Partei des arbeitenden Volks, die Sozial- demokratie weiter davon getragen. Für daS Proletariat war auch der 13. Januar 1694 ein Gedenktag, trotz alledem und alledem, und er wird u u- vergessen bleiben in der Geschichte. Vom Rothstand. Der Vorstand der„U n t e r st ü tz u n g s- lasse zur Vertheil ring von Volksküchen speisen an nothleidende Faniilie n". die mit dein„Verein Berliner Volksküchen von 1800" in persönlicher Ver- bindung steht, aber von diesem getrennt verwaltet wird, macht durch die Zeitungen bekannt, daß die Kasse„wegen der herrschen- den Arbeit s losig kei t in diesem Winter wieder stark in Anspruch genommen wird". Das ist ein neues Zugesiändniß, daß in Berlin infolge der Arbeitslosigkeit ein größerer Roth- stand besteht. Dabei muß jedoch in betrach: gezogen werden, daß sich in den Verhältniffen jener Kasse der Rothstand etwas anders wiederspiegelt als in dem Besuch der Volksküchen selber. In den Volksküchen giebt es be- kanntlich nichts umsonst. Sie können also nur von denen besucht werden, die wenigstens noch ein paar Pfennige für ei» Mittag- oder Abendessen übrig haben. Für die Aller- ärmsten, die nicht einmal mehr das können, ist die Unterstützungs- lasse bestimmt. Wie stark diese in Anspruch genommen wird, lehrt der letzte Jahresbericht über 1893/94.„W:r unterstützten", heißt es darin,„im ganzen 2000 Faniilie», viele mehrmals, bei denen meist, wie die rechcrchireuden Damen meldeten, un- eschreibliche Zustände des Jammers undu Elends herrschten." Man glaube jedoch nicht, daß die Unterstützungen so reichlich waren, daß sie dieses furcht- bare Elend auch nur einigermaßen hätten lindern könne». Auf„2000 Familien" kamen nur 6280 ganze Portionen, 21 347 halbe Portionen und 1996 Suppen. Der Ausdruck„im ganzen 2000 Familie», viele mehrmals" bedeutet übrigens augenscheinlich nicht:„2000 verschiedene Familien"— sonst käme ja auf jede nur etwas mehr als 2 ganze, etwas mehr als 3 halbe Portionen und noch nicht ganz 1 Suppe innerhalb eines ganzen Jahres!— sondern:„2000 Unterst ü tz u n g e n", die sich auf eine geringere Anzahl von(zum theil mehrmals unterstützte») Familien verlheilen. Auf wie viele Familien, wäre dann in den: Bericht nicht angegeben. Gesagt wird nur, daß die Anweisungen auf Unterstützungen„auf 8, 14, 20 Tage, auch auf 1 Monat lauten." Wie oft aus nur 3 Tage und wie selten auf 1 Monat, ist aus dem Bericht, den: für die Zukuust eine größere Ausführlichkeit und Klarheit zu wünschen wäre, wiederum nicht zu ersehen. Wer übrigens glaubt, die Kasse werde nur im Winter in Anspruch genommen, der befindet sich in einem Jrrthum. Nach den An- gaben des Berichtes könnte es beinahe so scheinen. Aber eine vom Vorstand ausgehende Zeitungsnotiz(„Voss. Ztg." 20. Juni 1834) lehrt, daß auch im Sommer, wo noch am ehesten Arbeit zu finden ist, der Hunger die Armen zwingt, sich an die Kasse zn wenden.„Die Unlerstützuugskaffe des Vereins für Nothleidende," hieß es damals,„wird auch im Sonuner fortwährend in Anspruch genonimen, ist jedoch gänzlich erschöpft," worauf die übliche Bitte um Geschenke folgte. Bedarf es noch stärkerer Beweise sür das Vorhandensein eines fortdauerndes Nothstaudes? lieber die Petition deS Vereins Verliner Volksschul- Lehrerinuen um Aufbesserung der Gehaltsverhältnisse der städti- schen Lehrerinnen ist die Stadtverordneten- Versammlung zur Tagesordnung übergegangen. Es ist dies, so wird uns geschrieben, um so bedauerlicher, als durch das Eingehen auf den Inhalt der Petition eine schwere Schädigung zur Sprache gekommen wäre, die die Lehrerinnen bei Einrichtung des Dienstaltersetats erfahren habe». Währeud de» Lehrern die ganze Privatschulzeit an- gerechnet wird, bleibt bei den Lehrerinnen sowohl die Zeit, in der sie init voller Verantwortlichkeit und voller Stundenzahl das Ordinariat einer Privatschulklasse verwaltet haben, als auch die Zeit ihres interimistischen Dienstes an Berliner Gemeindeschuleu unberücksichtigt. Der genannte Verein hat eine neue Eingabe an den Magistrat gerichtet, die lediglich diesen einen Punkt, die Aufhebung dieser für die Lehrerinnen kränkenden Ungleichheit, zun: Inhalt hat. Die Schul-Gesuudheitspflege hat in den Berliner G e m e i n d e s ch u l e n niemals sonderliche Beachtung erfahre». trotz fortgesetzter Agitation der Lehrer und Lehrerinnen und inehrercr dasselbe Ziel versolgcnder Anträge sozialdemokratischer Stadtverordneten. Jetzt hat aber die Schuldeputation, wie der „Volkszeitung" mitgetheill wird, in einer Verfügung auf die wohlthäligen Folgen einer verständigen Gesundheitspflege hin- gewiesen und der Lehrerschaft empfohlen, sich und die Kinder damit bekannt zu machen. Gesundheitspflege als besonderen Lehrgegenstand einzuführen, sei nicht rathsam. Schließlich wird in der Verfügung besonders die Nothwendigkeit einer gesunden Körperhaltung betont und Sorge für reine Luft, richtige Temperatur, Beleuchtung und Reinlichkeit der Klaffen empfohlen. Der Lehrerschaft wird hier- nur eine Aufgabe gestellt, die schwer zu erfüllen ist, weil die von der städtischen Verwaltung getroffenen Vorkehrungen, auf die die Verfügung hinweist, ungenügend sind. Wie es n:it der Luft, Te'.uperatur, Beleuchtung und Reinlichkeit in de» Gemei»de- schulen bestellt ist, das ist von uns und selbst von bürgerliche» Blättern wiederholt an sehr drastische» Einzelfällen gezeigt worden. Bekannt ist auch, daß die Lehrerschaft mehrfach gegen Mißstände auf diesem Gebiete protestirt hat. Was besonders die gesunde Körperhaltung anbetrifft, so würde sie sehr erleichtert werden, wenn die alten Marter- bänk« endlich durch Bänke neuerer Konstruktion ersetzt würde». Es ist jedoch noch wenig Aussicht vorhanden, daß das einmal geschieht. Die im Auftrage der Schuldeputation vom Stadt-Schulinspektor Zwick verfaßte Denkschrift über das Verliner Gemeindeschulwcsen bemerkt hierzu:„An einzelnen Stellen sind zwar versuchsweise neuere Ban.kkonstrukiionen benutzt, inveß zu allge:»eiuer Einführung eines neue» Systems hat sich die Schulverwaltung bis jetzt nicht entschließen können." Das ist leider begreiflich; denn die Sache würde Geld kosten, und sür die Gemeindcschulen ist bekanntlich noch niemals so rasch und so reichlich Geld zur Verfügung gestellt worden, wie für Schloßplatz- Verschönerungen und Empfänge fremder Potentaten. Ganz aussichtslos sind natürlich einstweilen die anderen, noch kostspieligeren Forderungen, die in: Interesse der Gesundheit der Gcmeindeschulkinder wiederholt aufgestellt worden sind, als z. B. die, daß man nicht mehr, um Raun: und Lebr- kräfte zu sparen, 00 und 70 Kinder in eine einzige Klasse steck:, daß man die Korridore und Treppen breiter, die Höfe geräumiger anlegt u. s. w. lieber die Größe der Höse bemerkt die zilirle Denkschrift, selbstverständlich ohne ein Wort des Tadels;„Sie ist so, daß für sämmtliche Kinder mindestens eine in geschlossenen Reihen erfolgende Bewegung in den Pausen noch staltfinden kann, meistens auch noch Platz für Bewegungsspiele vorhanden ist. Gewöhnlich wird jfür den Hofraun: pro Schüler N/e Quadratmeler freier Raum gerechnet." Mit den: Platz sür Spiele dürfte es bei l�je Quadratmeter windig aussehen, und wer sich die Mühe gemacht hat, eine größere Zahl von Geineindc» schulhöfen daraufhin in den Pausen zu besichtigen, der wird uns bestätigen, daß leider oft nichts weiter übrig bleibt, als die Kinder in Reih' und Glied den Hof abschreiten zu lassen. Im Winter macht das für Kinder, die von außen dünn gekleidet und von innen schlecht gewärmt sind, den Aufenthalt aus de» Höfen be« sonders unbehaglich. Die Flasche Wei» und der Dagekohu sollen den im königlichen Schloß beschäftigt gewesenen Arbeitern jetzt — ein wenig spät zwar— in frcigiebigstsr Weise überreicht werden. Am gestrigen Tage wurde uns u. a. von einem bereits in: Juni v. I. aus dem Schloß entlassenen Arbeiter ein ihm zu- gestelltes Schriftstück folgenden Inhalts vorgelegt: Berlin, königl. Schloß, 15. Januar 1893. Die Auszahlung des allerhöchst bewilligten Geldgeschenkes nebst Wein an die beim Umbau des königlichen Schlosses im vergangenen Jahre beschäftigt gewesenen Bauhandwrrker ze. findet an: 18. und 19. d. M., von Nachmittag 3 Uhr ab in: Bureau des Unterzeichneten statt. Zu Ihrer Legitimation haben Sie vorstehendes Schreiben, sowie Ihr Krankenkaffen-Berstcherungsbuch mitzubringen. Der königliche Hof-Bau-Juspektor. Geyer. Die Arbeiter äußern die unrichtige und von uns selbst- verstündlich in jeder Beziehung zurückgewiesene Ansicht, daß ihnen wesentlich der„Vorwärts" zu der kleinen Gratifikation verholfen habe. Man weiß, wie wir über derartige Wohlfahrts- richtungen denken. Der„verein zur Speisung armer Kinder nud Roth- leidender" richtet in einem Ausruf„an alle Menschenfreunde die herzliche, dringende Bitte, ihm bei seinen Bestrebungen zur Linderung der N o t h gütige Beihilfe zu leisten". Die Roth sei seit Beginn der Külte wieder sehr groß geworden. Eine groß« Zahl sonst fleißiger und arbeitsamer Familien, theilweiie brotlos oder durch Krankheit heimgesucht, leide schwer durch Hunger und Kälte. Der Berein vertheile Lebens- und Stärkungs- mittel. Decken, Strohsäcke, auch Brennmaterial. Er gebe täglich 6 bis 7000 hungernden Gemeindeschulkindern das fehlende Frühstück und vertheile in den Volkskindergärreu ch in der stadtijchen Vlintcnanstalt warmes Mittag- favot u. s. w. Seine Mittel seien aber in diesem Winter schon beinahe erschöpft, und doch kämen zu den vielen Hunderten von Gesuchen, die bisher noch nicht hätten be- rücksichtigt werden können, täglich neue. Die„vermögende Be- völkerung Berlins" werde daher dringend gebeten, Beiträge an die Vorsitzende Frau Agnes Blumenseld, Uorkstr. lS, einzusenden. Der Aufruf sagt unseren Lesern wieder einmal nichts Neues. Sie kennen das darin geschilderte Elend und brauchen sich nicht erst, wie die besitzende Klasse, durch„wohlthätige" Ver- eine darüber belehren zu lassen. Sie haben es entweder schon an sich selber erfahren oder doch oft genug in ihrer nächsten Nähe an anderen beobachtet. Die bürgerliche Presse sucht den Nothstand als weniger schlimm darzustellen oder ganz zu leugne» und spricht, wenn die Arbeiterpresse ihrer traurigen Pflicht, seine Aeußerungen beobachtend zu verfolgen und täglich zu registriren, nachkommt, von llebertreibung oder Erfindung; wobei sich dann zuweilen das Seltsame ereignet, baß vorn iin redak- tionellen Theil der Nothstand frech weggelogen wird und die Arbeitslosen ohne weiteres sammt und sonders zu Arbeitsscheuen gemacht werden, während in den Jnseratenspalten so und so viel Aufrufe die Noth in den grellsten Farben schildern. Der vorliegende Aufruf lhut dasselbe; aber er ist aus zwei Gründen noch ganz besonders bemerkenswerth. Er spricht von großer Noth, von Hungernden und Frierenden, von einem täglich wachsenden Andrang Hilfloser, von einer bereits jetzt eingetretenen Erschöpfung seiner Mittel, und doch baben wir eigentlich noch gar keine rechte Kälte gehabt. Der Dezember war ganz außerordentlich milde, und auch der Januar iit bisher viel milder als im Vorjahre verlaufen. Wie soll das erst im Februar und März werden, wenn das letzte Kleidungs- stück und das letzte Hansgeräth versetzt ist? Der zweite Punkt, der uns bemerkenswerth scheint, ist der reichliche Gebrauch, den der Au-ruf von Ausdrücken, wie: Menschenfreunde, barmherzige Seelen». s. w. macht. Das sieht über alle Maßen human a s, und der satte Spießbürger, der den Aufruf liest, sagt sich gewiß beruhigt und mit Genugthung: Ja, es giebr doch noch barmherzige Menschen, die den Armen aus reiner Uneigennützig- keit helfen wollen. Unsere Leser wissen, daß wir von der un» eigennützigen Nächstenliebe, aus der die zahreichen„wohl- thätigen" und„gemeinnützigen" Veranstaltungen angeblich hervor- gegangen sein solle», nicht viel halten. Die meisten dieser Unter- uehmungen gehen, wie wir oft genug nachgewiesen haben, zurück auf den Wunsch, dem Proletariat durch einige gnädig hin- geworfene Bettelbrocken den Mund zu stopfen, damit es die Bourgeoisie nicht zu sehr bedrängt. Nicht alle dieser falschen „Wohlthäter" und„Volkssreunde" lassen den Pferdefuß Egoismus so offen und ungenirt sehen; aber zuweilen erwischt man ihn selbst bei denen, die ihn mit großem Eifer zu verbergen sich be- mühe». Frau Blnmenfeld sucht ihn nicht einmal zu verbergen. In der Vorrede, die sie zu der von ihr ins Deutsche über- setzten Schrift„Die Speisung armer Schulkinder" von Pfarrer Cäsar geschrieben hat, erklärt sie, warum sie es für wichtig halte, die Menschen und besonders die Jugend„aus dem Elend zu be- freien".(Durch Schulsuppen gleich„aus dem Elend befreien"—!) Sie sagt;„Nichts führt sie mehr auf Abwege,«mcht sie ge- neigter, schlechte» Rathschlägen und Beispielen zu folgen, der Verführung zu unterliegen, den Predigern des Umsturzes zu lauschen, als fortgesetztes häusliches Elend." Der Satz ist lehr- reich, weil er die ganze Scheinheiligkeit und Heuchelei des Wohl- thätigkeits-Humbugs aufdeckt. In unseren Tagen— die Schrift erschien 1892— wirkt er aber auch erheiternd, trotz des bitteren Ernstes der Sache. Die Schulsuppen als Waffe gegen die „Prediger des Umsturzes"! Heiliger Nieberding! Neber die soziale ivedeutungSlosigreit der Arbeiter- kolonie» verliert heuligen Tages bekanntlich niemand ein Wort mehr; man weiß, daß diese Anstalten den Unglücklichen, welche wider Willen die Landstraße bevölkern, eine kaum nennens- werlhe Hilfe bringen. Dies zeigt auch recht deutlich das Berliner Unternehmen in der Reinickendorferstr. 36a, welches zur Zeit, trotz des grauenhaftesten Elends nur von etwa gut hundert Personen bevölkert ist. Kein Wunder. Ueberwiegt doch auch hier die Bei- und Arbeits- Pflicht ganz bedeutend die geringen Vortheile, welche das Institut den Arbeitslosen bieten soll. Tie Arbeitszeit beginnt in der Berliner Kolonie morgens um 7 Uhr und dauert formell bis 7 Uhr abends, ohne von nennenswerthen Pausen unterbrochen zu werden. Die Frühstücks- und Vesper-. pausen dauern je 15 Minuten, die Mittagspause nimmt eine Stunde in Anspruch— auf dem Papier. Denn in Wirklichkeit ist, da fast nur die vierzehntägige Lehrzeit im Wochenlohn gc- arbeitet wird, von einer Pause überhaupt kaum die Rede; das Essen wird schnell heruntergeschluckt und dann geht es sofort wieder an die Arbeit, um das reichlich bemessene Pensum zu schaffen. Da überhaupt nur in zwei Fächern, nämlich in der Kisientischlerei und der Bürstenbinderei gewerblich gearbeitet wird, so hat sich ein jeder der Kolonisten, ohne Rücksicht auf die Profession, die er früher betrieben, in eine dieser Abtheilungen, in die er kommandirt wird, hineinzuarbeiten. Nun ist es, wie leicht erklärlich, den meisten Kolonisten kaum möglich, bei dem gewöhnlich auch nur minderwerthigen Rohmaterial das iür Kost. Logis und Alters» Versicherung angerechnete Pensum in der Höhe von 5,63 M. zu verdienen, und daher wird fast immer die Arbeitszeit bis LVs Uhr abends ausgedehnt. Aber auch so gelingt es nur wenigen, eine nennenswerthe Summe über das Pensum hinaus zu ver- dienen, sodaß gar oft, trotz angestrengter Thätigkeit, der Kolonist beim Verlassen der Anstalt den christlichen Schuldschein unter- schreiben muß, in dem er sich verpflichtet, den Betrag bei Ge- legenheit zurückzuzahlen, der an dem zu seiner Beköstigung je. festgesetzten Verdienstpensum fehlt, lieber die Beköstigung sowohl in quantitativer wie qualitativer Hinsicht wird sehr geklagt. Es giebt, nachdem man bereits um 5>/z Uhr aufgestanden, um 6>/« Uhr eine Mehlsuppe und eine Schnitte Brot. Vor der Suppe und nach der Suppe wird gebetet. Wenn das Frühstück zu Ende ist, haben alle 5iolonisten aus dem Gesangbuch heraus 3 bis 4 Strophen zu singen, ivorauf der Pastor eine Predigt hält; die Formalität dauert etwa eine halbe Stunde und dann gehls an die Arbeit. Um 9 Uhr ist Frühstückszeit, während der zwei dünne und dünnbestrichene Schmalzstullen verzehrt werden. Zur Mittagszeit, die um 12 Uhr beginnt, giebt es eine ganz dünne Schnitte Schwarzbrot und°/4 Liter warmes Essen, das aus Sauerkraut, Erbsen oder Linsen besteht; «in kleines Stückchen Fleisch findet sich auch darin. Gebetet wird natürlich wieder vor und nach dem Essen. Zum Vesper giebr es eine dünne Schmalzstulle und zwei Tassen Kaffee. Abends 7 Uhr wird zum Nachlessen geläutet; dasselbe besteht aus Buchweizengrütze, Kartoffelsuppe oder auch aus 12 Pell- kartoffelu mit einem Hering. Auch hier wieder zweimaliges Gebet. Aber auch damit ist die Christlichkeit in der Zlrbeiter- kolonie noch nicht zu Ende; abends 9 Uhr ist eine halbstündige „Andacht" und dann geht es punkt halb zehn zu Bett. Man begreift, daß ein derartiges Leben für einen Kultur- menschen keine besonderen Reize hat. Groß sind die Klagen über die verhältnißmäßig hohen Preise für die Wäsche; die Kolonisten, welche meist nur mit großer Mühe ein paar Nickel über das Pensum verdienen, müssen für das Waschen eines Hemdes 16 Pfennig und für ein Taschentuch 5 Pfennig zahlen! Mehr Lohn und Essen und entsprechend weniger Christenthum. das ist der Wunsch fast aller Unglücklichen, welche die Arbeiterkolonie als letzte Zufluchtsstätte aussuchen müssen. Von dem großen Segen, den der letzte Schnee den Arbeitslosen in Berlin gebracht baben soll, wußten hiesige Blätter vor kurzem viel zu fabeln. Wie unbedeutend verhältniß- mäßig dieser„Segen" war, ersieht man an der Zeitungsmeldung. daß die Schneefälle der Stadt rund 260 600 M. gekostet haben; davon sind für Schneeabsuhr 160 060 M. draufgegaugen, wogegen für die 2460 Hilfsarbeiter nur etwa 40 606 M. ausgegeben wurden. Macht pro Mann noch keine 16 M.! König Stuw« und Nanck u. Hartman«. Die Christlich« Sozialen haben ein Vcrsammlungsplakat an die Anschlagsäulen kleben lassen wollen, welches das Thema verzeichnet enthielt: „Die Angriffe des Herrn v. Stumm gegen christlich-foziale Geistliche." Dies Plakat wurde von den Herren Nauck u. Hart- mann zurückgewiesen, weil die Majestät des Herrn v. Stumm an den Anschlagsäulen nicht genannt werden dürfe. Aehnliche Zensureingriffe haben die Arbeiter sich bekanntlich schon mehrfach von den Pächtern der Anschlagsäulen gefallen lassen müssen. Die Kommission der Brauer und Brauerei-Hilfsarbeitcr quittirt über folgende Eingänge: Vom Gesangverein Kreuzberger armonie 119,66, vom Gesangverein St. Urban 220 M., durch übner und Schubert. Tie Opfer der Explosion auf dem Petroleum-Lagerhof sind jetzt endlich gefunden worden. Der 20jädrige Maurer Kart Engelmann ist am Donnerstag Morgen um 3 Uhr und der 24- jährige Maurer Otto Wolff erst um 16 Uhr 26 Minuten aus den Schuttmassen herausgearbeitet worden. Beide waren natür- lich todt. Engelmann lag auf dem Rücken, beide Hände und das Gesicht zeigen Brandwunden; er ist nur wenig entstellt und durch das einschlagende Mauerwerk erschlagen. Wolff wurde mit leicht gebeugten Knien, die linke Hand vorgestreckt, die rechte zusammengeballt, aus dem Trümmerhaufen gezogen. Sein Gesicht war mit einer Maske aus Draht bedeckt, wie sie Steinschläger zum Schutz gegen abfliegende Steinstücke tragen. Er hat viel schwerere Brandwunden erlitten, als Engelmann, und sein linkes Hosenbein ist völlig abgerissen worden. Wie es scheint, hat er sich mit der Linken gegen die Wand der Zisterne gestützt und mit der Rechten ein Streichholz entzündet, als die Katastrophe eintrat, und die stürzenden Trümmer ihn in der Stellung festkeilten. Beide Leichen sind nach dem Schauhause gebracht worden. Der Polier Klemann hatte beide Arbeiter beaustragt, den Deckel der Zisterne abzuheben, sie aber vor dem Betreten des Innern gewarnt. Unmittelbar an der Zisterne lagerten mehrere Fässer mit Spiritus. Die empor- schiebende Feuersäule hat acht Fässer ergriffen und zur Ent- zündung gebracht. Der brennende Spiritus ergoß sich zum theil in die Zisterne. Die abgerissenen Stücke Mauerwerk, die die beiden Arbeiter unter sich begruben, sind zum theil einen Meter im Quadrat groß. Die Feuer- wehr hat nahezu 24 Stunden mit je dreistündiger Ablösung ge- arbeitet; das Maueriverk mußte aus der Zisterne mit Hilfe von Stricken herausgezogen werden. Petroleum ist nicht zur Ent- zündung gelangt; die Petroleumfässer lagerten in einiger Ent- sernung. Der Schaden beläuft sich auf 5006 M. Tie neue Borsig'sche Fabrik soll nach einer Meldung des „Berl. Tagebl." bei Dalldorf errichtet werden. Ter Geschäftöauöschuss der ärztlichen Standesvercine be- schäftigte sich gestern Abend mit dem Vorgehen der Gewerbe- deputation gegen den Verein der freigewählten Kassenärzte. Wie die medizinische Wochenrundschau„Medico" mittheilt, herrscht nur eine Auffassung darüber, daß dasselbe ungerechtfertigt sei und man kam zu dem einstimmigen Beschluß, das ganze Material behuss weiterer Maßnahmen der Aerztekammer zu unterbreiten, die wahrscheinlich anfangs Februar zusammentreten wird. Man darf auf den Ausgang dieses Kampfes, der die Aerzte und weitere Kreise aufs lebhafteste interessirt, gesannt sein. Keine Verrohung der Jugend. Auf grund des ß 11 des Preßgesetzcs berichtigt der Vorsitzende der„Verbindung Branden- burgia", Herr cana. zur. Max Neumann, Zimmerstr. 27 III, wie folgt: Die in der Morgen-Nummer vom 15. Ihres Blattes unter der Spitzmarke„Die Verrohung der Jugend" gebrachte Mit- tbeilung von einer„Mensur" unserer Verbindung ist unwahr. Es handelte sich lediglich um ein Uebungsfechten mit stumpfen Waffen und allen Schutzvorrichtungen. Bei dieser Gelegenheit wurde einer der Fechtenden durch einen äußerst seltenen Zufall durch die enge Drahlmaske hindurch leicht an der linken Seite der Stirn verletzt. Wir vermuthen, daß aus diesen Thal- fachen die aufgebauschte Mittheilung Ihres Blattes hervor- gegangen ist. Die„aufgebauschte Mittheilung" unseres Blattes durchlief bekanntlich die ganze Berliner Presse; es ist dabei gleichgiltig, ob das Ding„Mensur" oder„Uebungsfechten" genannt zu werde» verdient. Wir bleib»» bei unserer anfänglichen Meinung, daß die„studirende" Jugend besseres zu thun hat, als sich an der- artigen„Hebungen" zu ergötzen und wir sind durch die Dar- stellung des Herrn eancl. zur. auch nicht von unserer Anschauung bekehrt, daß dieselben Leute, die sich zum Spaß gegenseitig die Backe zerschinden, später als wohlbestallte Staatsanwälte bei Ge- legenheil nicht genug über die Verrohung der proletarischen Jugend und des„niederen Volkes" zu wehklagen wissen. Uebcrzieher au der Kette. Im Universitätsgebäude sollen die Ueberzieher der Studenten an die Kette gelegt werden. Bei den» Umbau sind die Garderobeuhalter aus gesundheitlichen Gründen aus den Hörsälen entfernt und in die Wandelgänge verlegt worden. Obwohl nun eine größere Zahl von Sicherheits- beamten thätig ist als früher, hat es sich nicht vermeiden lassen, d'aß unter den neuen Verhältnissen den Studenten immer mehr Paletots gestohlen wurden. Um das nach Möglichkeit zu be- feitigen, hat die Universitätsbehörde, einer Lolalkorrespondenz zufolge, Ketten herstellen lassen, die durch die Aermel gezogen und durch eine Schloßvorrichtung das unbefugte Entfernen der Ueber- zieher verhüten sollen. Der rechtmäßige Besitzer erhält einen Schlüssel, der nur ihm es ermöglicht, die Kette zu lösen und den Paletot abzunehmen. Wen» der Versuch sich bewährt, gedenkt man die Einrichtung allgemein einzuführen und allmälig die ganze Wisicuschaft an die Kette zu legen. Arbeiterrisiko. Fürchterlich zugerichtet wurde am Donners- tag Morgen ein Arbeiter in der Wäschefabrik von Müller u. Sub- mann. Grüner Weg 119. Trotz des bestehenden Verbotes ver- suchte der Arbeiter Karl Winter ohne Benutzung der Schutz- Vorrichtung, einfach mit den Händen, den Treibriemen auf die Transmission zu bringen. Die Maschine erfaßte den Unglück- lichen und schleuderte ihn mehrere Male mit herum; Winter, ein schon bejahrter Mann, erlitt Bein- und Armbrüche, sowie eine Zermalmung des Rückgrates. Noch lebend wurde er vermittelst Krankenwagens nach dem Krankenhause Am Friedrichshain ge- bracht, doch ist jede Hoffnung auf Erhaltung seines Lebens aus- geschlossen. Die trostlose Frau und 6 Kinder beweinen ihren Ernährer. ficht. Ein schwerer Uilglücköfall ereignete sich gestern in der am Charlottenburger User belegenen Dachpappenfabrik von Albert Tamke. Als mehrere junge Mädchen(!) mit dem Hinauswinde» von schweren Lumpe»ballen beschäftigt waren und die- selben schon eine beträchtliche Höhe hinaufgezogen hatten, gab es vermuthlich infolge mangelhafter Befestigung eines dieser Ballen plötzlich einen heftigen Ruck an der Kette, wodurch die letztere nachgab. Da die Mädchen die nach unten strebende schwere Last nicht zu halten vermochten, drehte sich naturgemäß die Winde in schleunigster Gangart nach rückwärls. Die 18 jährige Anna Rudolph versuchte nun, den Hebel der Winde zu ergreifen, was ihr aber nicht gelang; sie wurde vielmehr von der zurück- schlagenden Kurbel so unglücklich an der Stirn getroffen, daß sie beivußtlos zusammenbrach und nach ihrer in der Bismarckstraße belegenen Wohnung geschafft werden mußte, wo sie schwer da- nieder liegt. Für jeden Fünfzigsten ein Vogel! Eine originelle Ein- richtung hat der„Berliner Kanarienzüchter-Verein" für die Aus- stelluug getroffen, die er in der Zeit vom 18. bis 22. d. M. in der Alexanderstr. 37, Ecke Kaiserstraße, veranstaltet. Jeder fünfzigste Besucher erhält nämlich einen Kanarienvogel unentgelt- lich. Ob das zieht? Sittlichkcitsverbrechen. Eine Mahnung für Eltern, früh heranreifende Mädchen nicht o h n e A n f s i ch t an allen wog- lichen Belustigungen theilnehmen zu lassen, bietet folgender Vor- fall: In der 3. und 4. Gemeindeschule in der Alten Jakobstraße bemerkten gestern Vormittag einige Schülerinnen zwei� junge Männer, welche sich in verdächtiger Weise auf dem Schulhofs aufhielten und plötzlich in der Retirade verschwanden. Die Beobachterinnen gingen nach und überraschten hier die beiden Männer mit zwei I3jährigen Schülerinnen der ersten Klasse in einer Situation, welche Z 176 Nr. 3 des Strafgesetzbuchs mit Zuchthaus bis zu 16 Jahren und selbst beim Vorliegen mildernder Umstände mit Gefängniß nicht unter 6 Monaten bestraft. Die Beobachterinnen machten sofort ihrem Lehrer Mit- theilung. Der Rektor ließ die jungen Männer, von denen der eine 17, der andere 21 Jahre alt ist. festhalten und die Polizei holen. Die Arrestanten wurden später mit dem grünen Wagen nach dem Polizeipräsidium überführt. Die beiden Mädchen, welche die Bekanntschaft der jungen Männer auf der Eisbahn gemacht haben wollen, sind bis auf weiteres vom Schulbesuch ausgeschlossen worden. Wege» Sittlichkeits-Berbrechens ist nach einem Rixdorfer Lokalblatt eine Untersuchung gegen den Zigarrenhändler Sch. in der Hermanstraße eingeleitet worden. Derselbe wird beschuldigt. ein löjähriges Mädchen, das bei ihm bedienstet war, an einem Dezcmber-Abend v. J.> in dem Augenblick als es die Verkaufs- bude Sch.'s reinigte, in das Innere derselben hineingezerrt und dort vergewaltigt zu haben. Ei»„uetter" Geistlicher ist Mittwoch Abend verhaftet worden. Er forderte in der Dämmerstunde einen vierzehn- jährigen Barbierlehrling auf, ihm nach seiner Wohnung in der Chausseestraße gegen eine Entschädigung ven 16 M. einen Koffer zu tragen. Der Lehrling that dies. Als er mit dem Geistlichen dessen Wohnung betreten hatte, wurde die Thür von innen ver- riegelt. Ter Mann versuchte, sich an dem Knaben zu vergehen. Dieser sing an zu schreien und gelangte schließlich auf die Straße. Hier wartete er, bis sein Auftraggeber das Haus ver- ließ und veranlaßte die Festnahme. Der Festgenommene nennt sich William Meridalh, giebt an, Engländer zu sein und will früher dem geistlichen Stande angehört haben. Wegen Trunk- sucht habe er eine Stelle als„Seelsorger" nicht finden können. Das Altentat auf den Lehrling stellt er als einen unschuldigen Scherz dar, den er sich in England öfter erlaubt und wobei er sich nichts Scblimmes gedacht habe. Außerdem will Meridath sinnlos betrunken gewesen sein. Da er Ausländer ist, wurde er verhaftet. Erhängt hat sich am Donnerstag Morgen die Ehefrau des Gastwirths P r i tz k o w, Jnvalidenstr. 102. Die Unglückliche ist Mutter dreier Kinder. Die Geige im angeblichen Werthe von 3660 M., die, wie wir berichteten, aus dem Orchester des Zentral-Theaters gestohlen worden war, ist ihrem Eigenthümer ivieder zugestellt worden. Sie war von dem Dieb für sechs Mark versetzt worden. Polizeibericht. Am 16. d. M. vormittags cfiplodirten auf dem Petroleum-Lagerhose, am Süd-Ufer, die xn einer seit Monaten leer stehenden Zisterne vorhandenen Spiritusgase. Zwei Arbeiter betraten, der ihnen ertheiltcn Vorschrift zuwider, die Grube, ohne zuvor den Verschluß derselben geöffnet zu haben, und entzündeten wahrscheinlich ein Streichholz, um in dem dunklen Räume sehen zu können. Durch die entstandene Explosion stürzte die gewölbte Decke der Grube ein und verschüttete die beiden Arbeiter. Trotz der durch die Feuerwehr sofort vor- genommenen Aufräumungsarbeiten gelang es erst in der Nacht, die Leiche des einen Arbeiters und im Laufe des nächsten Vor- mittags die Leiche des zweiten Arbeiters aus den Trümmern herauszuholen. WitteruiigSiibersicht vom 17. Januar IKD!». Wetter-Prognose für Freitag, 18. Januar 18S3. Mildes, zeitweise heiteres, vorherrschend wolkiges Wetter mit etwas Regen und müßigen südwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Gerirliks-Zcttulig. Ohne Umsturzgesetz. In dem umfangreichen Prozeß gegen Teistler und Genossen wegen Verbreitung verbotener Druck- fchriften». s. w. dauerten die vor der 9. Strafkammer geführten Verhandlungen gestern noch bis zum Nachmittag. Die Oeffent- lichkeit wurde erst bei Verkündigung des Urtheils wieder her- gestellt. Der Staatsanwalt Strähler beantragte gegen Teistler und Otto Harnisch je vier Jahre Gefängniß, gegen Fritz Harnisch zwei Jahre, gegen Frau Harnisch 6 Monate und gegen Frau Teistler 1 Monat Ge- fängniß. Der Gerichtshof erkannte den Angeklagten Teistler des wiederholten Vergehens gegen Z 130(Aufreizung), § 131(Schmähung von Staalseinrichlungen), Z 166(Beschimpfung der Religion) und tz 23 des Prcßgesetzes für schuldig und ver- nrtheille ihn zu I Jahr 6 Monaten Gefängniß. Otto Harnisch wurde wegen wiederholten Vergehens gegen die Religion und gegen tz 23 des Preßgesetzes zu 1 Jahr G e- fängniß, Frau Harnisch wegen Vergehens gegen tz 28 des Preßgesetzes zu 60 M. Geldstrafe verurtheilt. Der Angeklagte Fritz Harnisch und Frau Teistler wurden freigesprochen. Bei der Strasabmessung hat der Gerichtshof die erheblichen Vorstrafen des Angeklagten Teistler und andererseits den Inhalt der Druck- fchriften und die in Frage stehenden sehr groben Bergehen gegen die öffentliche Ordnung und die Religion in belracht gezogen.— Ein Antrag des Rechtsanwalts Berg auf Haftentlassung des Teistler gegen eine Sicherheit von 5600 M. wurde vom Gerichtshof abgelehnt. Otto Harnisch beruhigte sich bei dem Urtheil; Teistler behielt sich seine Entscheidung vor. Fritz Harnisch wurde aus der über acht Wochen währenden Untersuchungshast sofort entlassen. Die„Bürgerliche VereinSbäckerei, eingetragene Genossen- fchaft mit beschränkter Haftpflicht" war eine Gründung des Kauf- maNns Rudolf K a t t e t n und des Malers Reinh. P e tz l a r, die sich gestern beide wegen wiederholten Betruges vor der 4. Strafkammer des Landgerichts I zu verantworten hatte». Die bürgerliche, oder wie sie auch genannt wurde, christliche Vereins- bäckcrei, hatte den Hauptzweck, der in der Müllerstraße thätigen sozialdemokratischen Genosse nschastö-Bäckerei den Garaus zu inachen und unirde auch zu diesem Zwecke in dasselbe Haus in der Müllerstraße verlegt. Der An- geklagte Kattcui behauptet, daß ihni Pastor Tiestelkamp und ein inzwischen verstorbener Stadtrath Weise versprochen haben, die genügenden Geldmittel herzugeben, um das Haus in der Müllerstraße anzukaufen und damit die Thätigkeii der sozial« demokratischen Bäckerei zu unterbinden. Aus dem Hausankauf ist aber schließlich nichts geworden und auch bezüglich der weiteren Geldmittel, die ihm von vielen hochstehenden Personen in Aussicht gestellt waren, sah sich der mit vollem Optimismus in den Strudel stürzende Kattein gelauscht.— Am 30. Dezember 1893 wurde die Bereinsbäckerei von den beiden Angeklagten mit einer Mitglieder- zahl von vorläufig 13 Personen ins Leben gerufen. Der einzelne Geschästsantheil betrug 5 M., nach dem Statut durfte niemand über 10 000 Geschäftsantheile erwerben. Schließlich waren es 43 Mitglieder mit 280 Geschästsantheilen in Höhe von 1400 M., von denen jedoch nur 284 ZR gezahlt sind. Mit diesem Betriebs- kapital und einem gleich im Anfang aufgenommene» Darlehn von 1000 M. ivurde das Geschäft begonnen. Ter Vorstand wurde von den beiden Angeklagten gebildet, von denen keiner Fachmann oder mit der technischen Leitung eines solchen Unter- nehmens vertraut war. Die Angeklagten haben sich nun das Betriebskapital dadurch zu verschaffen gesucht, daß sie eine ganze Reihe von Personen als Leiter von Filialen, Komtoiriste» anstellten, welche größere oder geringere Summen zur freien Verfügung des Geschäfts stellen mußte». Tie betr. Personen hatten kein Bedenken, solches zu thun, denn sie glaubten aus den Unterhaltungen mit den Angeklagten enlnehnien zu dürfen, daß es sich um ein in größten Dimensionen geplantes und gut fundirtes Unternehmen handele. Schon im Zlpril be- gannen die Zahlungsschwierigkeiten, Anfang Juni fehlten fast alle Baarmittel und am 16. Juni mußte der Konkurs angemeldet werden, nachdem eine Schuldeulast von 7000 M. vorhanden war. Dieser Krach war nicht der erste, den Kattein durchmachte: er hatte früher schon einmal eine «Berliner Vereinsbäckerei" in der Schulstraße begründet, die den- selben negativen Erfolg hatte. Die vertrauensseligen Leute, welche in der geschilderten Art ihr Geld für das Unternehmen hingegeben, sind um dasselbe gekommen. Die Angeklagten be< riefen sich wiederholt darauf, daß sie in denr guten Glauben sein durften, daß ihnen die in Aussicht gestellten Beträge auch gewährt werden würden. Der Gerichtshof nahm mir dem Rechtsanwalt Dr. Coßmann an, daß die Angeklagten— der Staatsanwalt setzte ein„leider" hinzu— von dem Betrugt Paragraphen nicht getroffen werden könnten, da die Vorspiege lu»jj falscher Thatsachen nicht genügend festgestellt sei. Der Gerichtshof sprach daher die Angeklagten frei, der Vorsitzende drückte aber die Ueberzeugung des Gerichts dahin aus, daß die Angeklagten mit größtem Leichtsinn in das Unternehmen getreten seien und dieser Leichtsinn schuld an den Verlusten der Ge- schädigten gewesen sei. Das Abendmahl i» der BessernngSaustalt. Eine recht bezeichnende Szene, die sich während einer evangelisch-lntherischen Religionshandlung zutrug, führte gestern den„Handelsmann" Hermann Skupin auf die Anklagebank der ersten Strafkammer am Landgericht II. Der Angeklagte ist schon 46 mal vorbestraft, darunter 43 mal wegen Bettelns. Aus der Korrektionshaft ist derselbe»och nicht viel herausgekommen und auch jetzt befindet er sich wieder im städtischen Arbeitshause zu Rummelsburg. Mitte Juni v. I. war er daselbst entwiche», doch wurde er bald wieder gepackt und aufs neue der Anstalt zugeführt. Um den strengen Disziplinarstrafen ganz oder thcilweise zu entgehen, nieldete er sich am nächsten Tage, dem 28. Juni, zur Theilnahine am Abend- mahl(!). Als der Anstaltsgeistliche Pastor Mitwede de» Kelch mit dem Weine reichte und an den Eingeklagten kam, suchte dieser den Kelch an sich zu reißen, vermuthlich um den Wein allein auszutrinken. Es mag wohl öfter vorkommen, daß Korrigenden beim Abendmahl bemüht sind, einen möglichst großen Schluck Wein zu nehmen, denn der Geistliche war auch in diesem Falle vorbereitet. Er hielt den Kelch s o fest, daß es dem Angeklagten nicht gelang, mehr als üblich zu trinken. Nun merkte der Geistliche zwar, daß hinter ihm eine gewisse Unruhe herrschte, er kümnierte sich nicht darum und setzte die Religionshandlung fort. Beamte und andere Häftlinge haben aber gesehen und gehört, daß der Angeklagte den genommenen Wein auf den Talar des Geistlichen spie und dabei eine sehr burschikose Aufforderung an den Pastor richtete, den Wein allein auszutrinken. Der Angeklagte suchte die That weder abzuleugnen noch zu beschönigen. Er gab nur an, er habe die D i s z i p l i n a r st r a f e n wegen seiner Flucht gefürchtet und eine Handlung begehen wollen, die ihn ins Gefängniß oder Zuchthaus brächte, um den ewigen Qualen des Arbeitshauses zu entgehen. Sein Wunsch wurde zwar erfüllt, denn das Unheil lautete auf ein Jahr Gefängniß. damit hat aber der Angeklagte nicht viel ge- wonnen, denn wenn er aus dem Gefängniß kommt, muß er doch wieder in das Arbeitshaus, um die ihm zudiktirte Korrektions- hast zu beendigen. Soziale Zum Kapitel vom Wahnwitz dcS Protzenthumö. I» der„Gleichheit" lesen wir: Bekanntlich werden im Winter die Pferdebahnschienen in den meisten Städten vom Schnee durch Salz besreit, das diesen rasch zum Schmelzen bringt. Da in der Folge die Füße der Hunde leicht wund werden, so ist ein „findiger" Kopf auf den Gedanken gekommen, die theuren Neros und Dianas durch Gummischuhe zu schützen. Diese Gummi- schuhe sind sehr theuer und kommen natürlich nur an die Pfoten „edler" Thiere, plebejische Köter gehen nach wie vor„barfuß". Gunimischuhe für Hunde! Wie lichtvoll illustrirt diese That- fache nicht den Wahnwitz des Protzenthums und den Wahnwitz unserer gesellschaftlichen Verhältnisse. Hunde werden fürsorglich mir Schuhen bekleidet, vorausgesetzt natürlich, daß es„bessere" Hunde,„vornehme" Hunde, Hunde„von Raffe" sind. Hundert- lausende von Kindern gehen ohne Schuhe oder mit zerrissenem Schuhwerk durch Wetter und Wind, weil es Kinder der „Kanaille", der Klaffe sind, für welche bei dem jetzt üblichen „Theilen" nur die Knochen des gesellschaftlichen Reichthums ab- fallen, den sie selbst erzeugt. Potemkim'sche Dörfer. Hamburg soll auf seine Sitt- lichkeit hin geprüft werden. Dem Hamburger„Echo" ent- nehmen wir darüber folgendes: Wie wir erfahren, trifft morgen oder übermorgen ein Beamter der Reichsregiernng hier ein. um die Sittlichkeitsverhältnifle zu studirew Jedenfalls hat dazu die seiner Zeit von den Sozialdemokraten im Reichstag zur Sprache gebrachte Angelegenheit der Bordelle die Veran- laffung gegeben. Damals hat Bundesbevollmächtigter Senator Burchard erklärt, es gebe in Hamburg keine Bordelle. Zweifellos wird der Reichsbeamte auch davon überzeugt werden, denn alle „Beherberger", wie man in Hamburg offiziell, aber euphemistisch die Bordellwirthe nennt, haben den Befehl erhalten, in der kritischen Zeit, die ihnen jedenfalls bekannt gegeben wird, Abends lO'/j Uhr ihre„Etablissements" zu schließen. Ter Reichsbeamte wird also dann berichten können, daß in Hamburg keine Bordelle bestehe» und die sozialdemokratischen Redner— die Unwahrheit gesagt haben. Vielleicht aber wird einmal vom Reiche jemand entsandt werden, dessen Besuch nicht angekündigt wird, und dann dürfte ihn ein Gang durch die Schwiegerstraße, die Ulrikusstraße, die Klefeckerstraße K. belehren, daß„Hamburg bei Nacht" sehr interessant ist. An Entschädigungen leistete die Unfall-Ver- sicherung seit dem 1. Oktober 1886: 1886 1 918 366 M., 1887 8 923 930 M., 1888 9 681 447 M.. 1889 14 464 203 M., 1890 20 315 319 M., 1891 26 426 377 M., 1892 32 340177 M.. 1893 38 160 770 M., mithin zusammen in den Jahren 1886/93 149 230 889 M. Dazu kommen noch Verwaltungs-Ausgaben und Rücklagen, welche letzteren Ende 1893 rund 100 800 000 M. be- trugen. Tie Ausgaben für Entschädigung steigen feit 1887; sie umfaßten 1892 83 pCt. der Einnahme», 1893 83 pCt.; man wird daher ivohl auch für 1894 mindestens 83 pCt. in An- rechnung bringen dürfen. Geschieht dies, so ergiebl sich, daß von 1886 bis Ende 1894, also in 8Vs Jahren, rund 328 Millionen Mark für Unsall-Versicherungszwccke aufgebracht worden find. Schtoarze Listen sind, wie im schneidigen Preußen- Deutschland, so auch in Oesterreich, dem Lande der „Schlamperei" gang und gäbe. Bei der„Montan- Gesellschaft", der fast sämmtliche Eisenwerke Steiermarks gehören, werden alle Arbeiter, die sich irgendivie in der Arbeiterbewegung beinerkbar machen, aufs Pflaster geworfen. Außer der Uebung, den Gemaßregelten die Zeugnisse dadurch zu kennzeichnen, daß der sonst übliche Vermerk:„Der Wiederaufnahme st e h t nichts im Wege", weggelassen wird, hat sie auch noch schwarze Listen, und werden die Gemaßregelten den Betrieben im Zirkularwege bekannt gegeben. Hier ein Beweis: Oesterreichisch-AlpineMontangesellschaft. Sektion II. Direktion. Berg- und Hüttenwesen. Nr..... Wien, am 24. August 1894. Antwort auf Nr..... An alle Werke! Laut Bericht der Hüttenverwaltung S ch w e ch a t cläo. 19. d. M., Nr. 106, wurden nachstehende ÄIrbeiter, welche eine Lohn- erhöhung erzwingen(!) wollten und. weil diese abgeschlagen wurde, einen Streik in Aussicht stellte», entlassen.— Und nun folgen die Namen von 6 Arbeitern unter genauer Angabe ihrer Nationale. Tann heißt es weiter: Die drei erstgeununten Arbeiter waren die Rädelsführer. Genannte sind daher in unseren gesellschast- lichen Werken nicht mehr auszunehmen. Betriebsdireklion der Oesterreichisch-Alpinen-Montangesellschaft: W. H u p f e r. Da diese Ausbeutergesellschaft, so bemerkt hierzu die Wiener „Arb.- Ztg.", Eisenwerke in Steiermark, Kärnten und Nieder- Oesterreich besitzt, bedeutet eine derartige niederträchtige Maß- regel für einen. dort einheimischen Eisenbahnarbeiter die Unmöglichkeit, in seiner Heimath jemals wieder in einem Eisenwerke oder auch Bergwerke Arbeit zu bekommen. Er muß seine Hcimath verlassen, ohne Aussicht, jemals in derselben wieder Arbeit zu finden. Da sage noch jemand, der Kapitalismus fördere nicht die Heimathsliebe, da behaupte noch jemand, er fördere nicht die Freizügigkeit, oder die'Arbeiter sähen Gespenster, wenn sie hinter geivissen Strichen, Punkten und Bemerkungen in Arbeitszeugnissen den geheimen Steckbrief wittern. lieber die Hungerrevolte in St. F u n d l a n d, schreibt uns ein gelegentlicher London: Aus den bis jetzt hier veröffentlichten Telegrammen über die Vorkommniffe in St. Johns ist folgendes zu entnehmen: Am 7. Januar wurden in den Straßen morgens vier Per- soneu gesunden, die dem Hungertode nahe waren. Zwei davon starben bald, die anderen liegen krank auf der Polizei- Station. Große Vvlksmasscn— den Hunger im Gesicht — bewegten sich am Vormittag durch die Straßen. Nach einer Resolution, die in einer Volksversamm- lung gefaßt wurde, fragten drei Männer den Kapitän des eng- lischen Kriegsschiffes Tourmaline, ob er das Volk mit Geivalt davon zurückhalten werde, sich Brot durch Erstürmung der Lager- Häuser zu erwerben. Er versprach, erst mit dem Gouverneur zu unterhandeln und dann die Frage zu beantworten. So sagte er auch am Morgen des 8. Januar und rietl, der Menge, dem Gouverneur die Rolhlage klarzulegen. Die Masse zog nun niit Fahnen, die die Ausschriften„Givs vs bread"(Gebt uns Brot), „Work or bread"(Arbeit oder Brot) trugen, zum Gouverneur- Amte. Dort wurde den Leuten gesagt, es seien Berathungen im Gange darüber, welche Schritte gcthan werden würden. Die Masse hielt strenge Ordnung und Theile besuchten die Wohnungen der Sladlbeamtcn, um zu hören, was vorginge. Eine große Menge ging zum Legislative-Gebäude und wünschte die regierenden Beaniten zu sprechen. Ein Wärter dieses Hauses wurde geschickt, der einfach antworten sollte: Zutritt verweigert die Herren seien sehr beschäftigt. Verdrießlich über das traurige Schicksal und gerade satt, von Pontius zu Pilatus geschickt zu werden, erbrachen die Hungrigen die Thür und überwältigten die drei Wache habenden Gendarnien. Ehe Polizeiversiärkung kam, vergingen drei bis vier Minuten und dann verließ die Menge das Haus, ohne daß Widerstand geleistet worden war. Am Nackimitlage ging eine große Menge nach dem Sitzungs- gebäude der Verwaltungsbehörde. Starke Polizeibesetzung umgab das Haus. Die Thüren waren verbarrikadirt. Aber als die Leute abermals zurückgewiesen wurden, wurden die Polizisten verdrängt. Zwei davon wurden mit F ä u st e n geschlagen Ter Präsident kam nun auf den Balkon und hielt eine Rede, darin er zeigte, daß er vollständig die Lage der Arbeitslosen verstehe. Er" versprach heiligst, binnen drei Tagen allen Arbeit verschafft zu haben.„Aber wir haben Hunger jetzt schon. Gebt uns für heute Brot, oder wir plündern die Läden." Dieses Wort wurde bald zur That. 6 Bäckerläden, 1 Fleischerladen und 1 Fett- und Buttergeschäfl wurden geplündert. Er- brachen wurden nur die zwei letzteren. Die Bäcker sahen ein, was folgen würde, und verfchenkteii ihr Brot. Nachdem die 2 Laden erbrochen waren, wurden die englischen Blaujacken zur Verstärkung der Polizei in die Straßen geschickt. Zwei(nach einem anderen Telegramm vier) Schreier sind verhaftet. Eine Mißhandlung durch die Polizei hat nicht stattgefunden. Die Polizei hat vielmehr gegen hungrige Arbeitslose gehandelt, wie sie sollte— mit Vernunft, nicht niit Säbeln. Weitere Ruhe- störungen find bis jetzt nicht gemeldet. ; o h n s, New- Korrespondent aus (Bmu o vfc hi} Q ff Ii ickies. Achtung, Porzellauarbeiter! Die Firma TH.P ätsch in F r a n k s u r t a. O. suchte ihren Drehern zum neuen Jahre dadurch eine Freude zu bereiten, daß sie ihnen eine Lohn- reduzirung von 10 bis 80 pCt. ankündigte. Erst im Jahre 1892 wurden den Tellcrmachern die Löhne um 20 pCt. gekürzt. ämmtliche Dreher gehören dem Verbände an und werden nun Mann für Mann in den Lohnkamps eintreten. Wir ersuchen veshalb alle Arbeiterblälter, hiervon Notiz zu nehmen, damit der Zuzug von Drehern nach Frankfurt a. O., Firma Tb. P ä t s ch, erngehalten wird. An die Vorsitzenden der örtlichen Gelvcrkschaftö- kartelle und Vertrauensleute. Von feiten der AgitationS- kommission der Handels-Hilssarbeiter, sowie von dem Verband der Fabrikarbeiter sind der Generalkommission Mittheilungen zu- gegangen, wonach an verschiedenen Orten die Vorsitzenden der Gcwerkschaftskartellc den genannten Organisationen, resp. den von diesen ausgesandten Agitatoren, bei der Einberufung von Versammlungen nicht das nölhige Entgegenkommen gezeigt haben. So wird z. B. von der Agitationskommission der Handels-Hilssarbeiter darüber geklagt, daß in zwei Städten der Vorsitzende des Gewcrkschaflskariells, obwohl wochenlang vorher verständigt, zu dem bestimmten Tage keine Versammlung ein- berufen babe, daß ferner die Agitationskommission von einem Karlellvorsitzenden aus drei verschiedene Schreiben keine Antwort erhalten babe. Diese Fälle sind sehr bedauerlich, da den Organisationen durch die Nickteinberusung der Versamm- lungcn bedeutende, unnöthige Kosten erwachsen, weil der Agitator genöthigt ist, mehrere Tage uuthätig verbringen zu müssen. Auch gelegentlich der in diesem Jahre von der General- kommission veranlaßten Agitation in der Nahrungsmittel- Industrie wurden in vorgenannter Beziehung ähnliche Er- sahrungen gemacht. Dem weitaus größten Theile der örtlichen Gewerkschaftskartelle ist ein derartiger Vorwurf nicht zu machen und wir wollen wünschen, daß diese paar Zeilen dazu beitragen, daß jene einzelnen, welche sich bisher einer solchen Unterlassungs- süude schuldig gemacht haben, für die Zukunft vom Solidariläts- gefühl beseelt, den Organisationen bei Einberufung von Ver- sammlungen ec. hilfreich die Hand bieten. Die G e n e r a l k o m m i s s i o n. Gewerkschaftspresse.„Der Eisenbahner". Zentral- organ des österreichischen Eisenbahn-Personals, erscheint in einer Auflage von 11000 Exemplaren. In Deutschland ist ein Organ, das die Interessen der Eisenbahn- Angestellten in enischiedener Weise wahrnimmt, noch nicht vorhanden. Auch sind die geringsten Anfänge einer Organisation noch nicht ge- schaffen, während in allen anderen Ländern, in einigen sogar ganz respektable, bestehen. Diese traurige Thatsache ist nun nicht etwa ein Beweis von dem Wohlergehen unserer Eisenbahner, sondern die Proletarier unserer Staats- Eisenbahnen stehen der- maßen unter der staatlichen Bevormundung— um keinen stärkeren Ausdruck zu wählen—. daß jede selbständige Regung unterbleibt. Für den Fall, daß sich Leser unseres Blattes— denn wir wissen genau, daß wir eine Menge Anhänger unter den Eisenbahn- 'Angestellten haben— für afceu genanntes Fachblatt interessiren, lassen wir hier die Adresse sDgen:„Der Eisenbahner", Wien VI, Mollardgasse 10, ersdieint alle 14 Tage und kostet 36 Kreuzer (60 Pfennig) pro Vierteljahr. Tie Petition des GewerkvereiuS christlicher Bergseute an den Reichstag hat folgenden Wortlaut:„'Mehr als je ist in anbctracht der wirthsdiastlidien Verhältnisse der Arbeiter das Be- dürfniß nach einer sachgenossenschaftlichen Vereinigung zu einer unabweisbaren Nothwendigkcil geworden. Wir haben daher mit Freuden von der Einbringung eines diesbezüglichen Antrages Kenntniß genommen und hegen die Erwartung, daß recht bald dem Gesetzentwurse, betreffend die Verleihung von Korporations- rechten an Berufsvereine. die verfassungsmäßige Zustimmung er- theilt wird. Soll jedoch das in Aussicht genommene Gesetz seine» Zweck erfüllen, dann erachten wir es für dringend noth- wendig, daß den eingetragenen Berufsvereinen auch besliminte Rechte eingeräumt werden. Zu diesen rechnen wir insbesondere die Errichtung von Zlrbeitsnachiveisungen und die Unterstützungen von Berufsgenossen bei Lohnstreitigkeiten.bei unverschuldeter Arbeit?» losigkeit, bei Arbeitsausständen und bei den leider vielfach vor- kommenden Arbeitsausschlüssen seitens der Arbeilgeber. Nicht minder unerläßlich ist die Beschlußfassung über alle die mit dem Berussinteresse zusammenhängenden Fragen. Soll der wirth- schaftlich schwäckzere Theil des Volkes durch ein Gesetz, betreffend die eingetragenen Berufsvereine, geschützt und gefördert werden, dann bitten wir nur einem solchen die Zustimmung zu geben, in deni die oben bezeichnete» Hauptpunkte enthalten sind. Eines hohen Reichstags ebrerbietigst ergebener Zentralvorstand des Gewerk- Vereins christlicher Bergarbeiter für den Oberbergamts- Bezirk Dortmund. Altenessen, 6. Januar 1398. Ginnt Ztaatsbcitrag zu den Kosten der in Basel statt« findenden Generalversammlung des schweizerischen Typographen« bundcs hat die dortige Regierung auf Ansuchen der Baseler Typographia bewilligt.— Welch ein„wildes Land" muß die Schweiz sein. In Deutschland wurden wohl schon Gelder bewilligt an Krieger-, Turn-, Lkarnevalsvereine und der- gleichen, aber an Arbeitervereine!— Die schweizerischen Eisenbahn-Arbeitervereine haben sich NUN durch Urabstimmung der Mitglieder zu e i n e r Organisation, dem Eisenbahnarbeiter-Verband, zusammengeschlossen. In Lugano(Kanton Tessi») haben die Maurer und ver- wandten Arbeiter eine Gewerkschaft gegründet, die bereits 300 Mitglieder zählt. Sie verlangen von den Bauunternehmern Lohnerhöhung und Einführung deS Zehnstundentages, worauf nur einige derselben eingehen wollen. Die Arbeiter haben nun die Intervention der Iiegierung angerufen. Taö Komitee der Streikenden von Roanne— in Frankreich— wendet sich an die deutschen Arbeitern mit der Bitte, den Zuzug von Webern aus Deutschland fern- zuhalten, und so iveit es sonst möglich, die Sache der Streikenden zu u n t e r st ü tz e n, die gegen die Vergewaltigung durch das Unternehmerlhum, das ihre Organisation zerstören will, unter sehr schwierigen Verhältnissen ankämpsen. Die Adresse, an welche mau sich zu wenden hat, ist: >lons. I) e v i II e Comite de la Grfeve des Tisseurs de Eoanne Louise du Travail. Roanne(Loire). (Frankreich). tte*raiumUutast es weniger angezeigt, wie hier in England, solche Dinge nach dem zu beurtheilen, als was sie sich, abstrakt genommen, darstellen. Nicht um abstrakte Prinzipien handelt es sich hier, sondern um ganz konkrete Jnteressenfragen des Augenblicks. Die Liste der Abstimmung im parla- mentarische» Komitee über den betr. Beschluß ist in dieser Hin- ficht sehr charakteristisch. Es standen sich die Annehmenden und Ablehnenden in gleicher Stärke gegenüber: sechs gegen sechs, und nur die Stimme des Vorsitzenden gab für die ersteren den Aus- schlag. F ü r den Antrag stimmten: B u r n s(Maschinen- bauer ic.), C o w e y(Bergarbeiter). H a r f o r d(Eisenbahn- Angestellter), Holmes(Weber), Jnskip(Schuhmacher), M a w d s l e y(Spinner) Gegen: Broadhnrst(Steinhauer), Jack(Former), Sheldon(Irische Sektionen). Thorne (Gasarbeiler), T i l l e t(Docker) und Wilson(Matrosen). Man sieht, auf der einen Seite nur Vertreter alter und großer Organisationen„gelernter" Arbeiter, auf der anderen Vertreter tbeils kleinerer Organisationen, theils von Organisationen der „Ungelernten". Ferner: aus der einen Seite nur Leute, die außer- halb der erklärt sozialistischen Organisationen stehen, auf der anderen zwei Mitglieder dieser Organisationen(Thorne und Tillet) und Leute wie B r o a d h u r st und Wilson, die eine Mittelstellung einnehmen. Und schließlich, wer von bekannteren Persönlichkeiten der Arbeiterbewegung würde nach dem neuen Statut aus den Trades Unions-Kongreffen ausgeschlossen werden? Ganz sicher Keir Hardie, Tom Mann und andere Mitglieder der Jnvependenl Labour Party, desgleichen H. Broadhurst und, nach seiner eigenen Behauptung, auch B u r n s selbst, der wesent» lich an dem Zustandekommen des Beschlusses mitgewirkt hat. Tom Mann war in Norwich Kandidat der Jndependcnt Labour Party und anderer Sozialisten für das Amt des parla- m entarischen Sekretärs. Broadhurst ist ein möglicher Kompromißkandidat, für den die Jndependent Labour Party aus taktischen Gründen stimmen würde, wenn sie keine Aussicht hat, einen strammen Partcimann durchzubringen. Der jetzige Sekretär, Sam Woods, ist nur mit schwacher Majorität gewählt worden und keine so starke Persönlichkeit, einer solchen Koalition gegen- über die Majorität mit Sicherheit zusammenzuhalten, wenn die bisherigen Zulaßbedingungen und Abstimmungsregeln bei- behalten werden. Gelten aber die neuen Bedingungen, so ist seine Wahl oder die irgend eines anderen, den großen Organi- sationen genehmen Kandidaten unbedingt sicher. Es ist daher nicht ganz ungerechtfertigt, wenn gesagt wird, die Aenderung ziele in erster Reihe gegen die Jndependcnt Labour Party und deren Freunde, und sehr begreiflich, daß man sich von dieser Seite anfs eifrigste gegen sie ins Zeug legt. Stellt es sich heraus, daß das Parl. Komitee— resp. dessen Mehrheit— in der That seine Vollmacht überschritten hat, so ist der Opposition der Sieg fast gewiß und der„Staatsstreich" endet mit demGegenthcil dessen, was er bezweckte. Bedauerlich wäre dann nur, wenn das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, und die ganze Statutenänderung verworfen würde. Denn das jetzige Statut ist in der That vcr- besserungsbedürjtig. � Eine ganz fehlersreie Form der Vertretung und Abstimmung soll freilich noch gefunden werden. Wird z. B. nach den ver- tretenen Massen abgestimmt, so beherrschen eine Handvoll großer Organisationen oder vielmehr deren jeweilig maßgebende Elemente den Kongreß und das hat seine sehr großen Bedenken. Da wäre die Zuweisung wichtiger Anträge an die Urabstimmung ebenfalls vorzuziehen. Ebenso ist es sehr zweifelhaft, ob die Bestimmung, die Delegirten müßten zur Zeit ihrer Wahl in der von ihnen vertretenen Branche arbeiten, irgend welchen Werth hat. Ist eine Organisation berechtigt, sich vertreten zu lassen, so kann man ihr wohl die Freiheit lassen, zu wählen, wen sie will. Im allgemeinen bringt es die Natur der Sache mrt sich, daß die Weberorganisation nicht einen Schloffer und die der Schuhmacher nicht einen Schreiner mit ihrer Vertretung beauf- tragen werden, aber wenn sie es thun, so werden sie auch ihre Gründe dafür haben, und es ist reine Zünftlerei, es ihnen zu verbieten. Aber eS sprechen in diesen Dingen so viel persönliche Rivalitäten, Antipathien und Gruppeninteressen mit, daß solche Erwägungen ganz in den Hintergrund gedrängt werden. Hüben und drüben wird die Opportunität das entscheidende Wort sprechen. Ist doch auch der Gegensatz gegen die Jndependenl Labour Party bei sehr vielen ihrer Gegner nur eine Frage p er sön lich er Natur oder bloßer Taktik, resp. Opportunität, aber keineswegs ihrer prinzipiellen Stellung zum Sozialismus. Und ebenso vielfach im umgekehrten Falle. Daher die sonst widersinnigen Positionen von Burns einerseits und Broadhurst andererseits. So wenig ehrenvoll sie für die Genannten, so sind sie doch nicht die einzigen widersinnigen Erscheinungen in dieser Affäre. Und das ist die nicht sehr erquickliche Moral davon.— Gevickks-Zeikung. Gewerbegericht. Interessant in mehrfacher Beziehung ist folgender Fall, den die Kammer VI erledigte. Der Bierfahrer K. verlangte von der Aktiengesellschaft„Schultheiß-Brauerei" eine Lohnenlschädigung. Ter Vertreter der Brauerei überreichte dem Gerichtshof eine Arbeitsordnung, deren Z 9 seiner Meinung nach die plötzliche Entlassung des Klägers rechtfertigt, weil dieser sich weigerte, einige Strafwachen zu halten. Der Paragraph bestimmt, daß derjenige sofort entlassen werden könne, der seinen Vorgesetzten verböbnt oder sich weigert, eine ihm vom Vorgesetzten übertragene Arbeit auszuführen. Ter Kläger behauptete, der Kellermeister Tyllmann habe ihn durch Grobheilen und Schimpf- reden gereizt, sonst hätte er vielleicht noch die Strafwachen geleistet, die übrigens ungerechter Weife über ihn verhängt seien. Keller- meister Tyllmann sagte aus. der Kläger sei an dem Tage des Monats, an dem er„äu zour" zu halten, d. h. das Licht aus- zudrehen, die Wasserleitung abzustellen und die Thören zu schließen halte, sehr nachlässig in der Erfüllung dieser Pflicht gewesen. Aus diesen Gründen habe er, Zeuge, dem Kläger die Strafe zu- diktirt, die derselbe sich dann wiederholt geweigert habe aus- zuführen. Dabei habe Kläger ihn als weniger wie sich selbst bezeichnet.-- Ter Kläger wurde unter folgender Begründung abgewiesen: Daß er dem Zeugen Tyllmann erklärt habe, er wolle die Strafdujouren nicht machen, hätte der Kläger selbst zu- gegeben. Dahingestellt bleiben könne, ob der Kläger zu einer Strafe Anlaß gegeben habe, oder ob der Zeuge befugt gewesen sei, diese Strafen zu erlheilen. Sie seien eben nicht nur eine Strafe, sondern auch eine übertragene Arbeit ge- wesen. Da nun mit dürren Worten im Z 9 der Arbeitsordnung stehe, daß jeder sofort entlasten werden könne, der eine ihm von seinem Vorgesetzten übertragene Arbeit verweigere, wäre auch die Entlassung des Klägers b e- r e ch t i g t. Die Weigerung, ihren Arbeitern den wohlverdienten Lohn nicht zu zahlen, hatte für den„Bauunternehmer" Jaaow und den„Bauherrn" Schöneich ein unangenehmes Nachspiel. Die Herren gedachten mir dem Maurermeister Ellroth ein„Geschäft" zu machen, die Sache ging aber für dieselben schief, wie der Berliner sagen würde, und sie blieben, weil ohne Geld, ihren Arbeiter» den Verdienst mehrerer Arbeitslage schuldig. Die Ar- beiter bemühte» sich, zum Theil auf direkte Veranlassung Schöneich's. nach ihrem Gelde, ohne es zu erhalten. Ihre Ge- duld ging schließlich zu Ende, so daß sie ihre Bemühungen beim Gewerbegericht fortsetzten. Die Kläger, einmal süns Maurer, dann zwei Sleinträger, dann wieder ein Maurer, beanspruchten nunmehr aber nicht nur ihren Verdienst, sondern auch eine Eni- schädigung für die Zeit, welche sie bei ihren vergeblichen Be- mühungen versäumt hatten. Bei den einen waren dies sechs, bei den anderen sieben Tage. Die Kammer III unter Assessor Lohmeyer sprach den Leuten auch gemäß ihrem Antrage die Entschädigung außer dem unstrittigen rückständigen Lohn zu. Der Vorsitzende betonte in der Begründung des Urtbeils ans- drücklich, daß es nicht daraus ankomme, ob den Klägern seitens der Beklagten oder eines derselben versprochen sei, sie erhielten auch die Tage ihrer Bemühungen nach ihrem Verdienst bezahlt. Zur Rechtfertigung des Entschädigungsanspruches gen ü g•.> e s. daß die Kläger so und so vielTage lang nach ihrem Lohn unter tvegs gewesen und dadurch verhindert worden seien, andere Arbeit zu bekommen.--- Anderer Meinung wie die Kammer III scheint die Kammer VII zu sein. Zwei Arbeiter, die für den Händler Tohrmann im Auftrage des Fuhrherrn Möhricke Bretter gestapelt hatten, sahen sich»ach dreitägiger Thütigkeit vor die Alternative gestellt, den beiden wegen ihres Lohnes nach- zulaufen. Drei Tage versäumten sie sich so, dann klagten sie beim Gewerbegericht, wo sie ebenfalls außer auf ihren Verdienst auf eine Entschädigung für die drei Tage Anspruch erhoben. Während der Beklagte Möhricke zur Zahlung des Lohnes verurcheilt wurde, wies das Gericht unter Assessor Blankenstein die Kläger mit der letzteren Forderung ab. Grund: Die Kläger hätten den Herren Möhricke und Dohrmann nicht wegen des Lohnes nachlaufen brauchen, sondern hätten gleich beim Gewerbegericht klagen können. Vom ReichS-Versicherungöamt. Wann ein Leisten- bruch als Unfall, derzumRentenbezuge e v e n t berechtigt, und wann derselbe nicht als solcher anzusehen ist. Die Frage betrachtet daS Reichs- Ver- sicherungsamt mit derjenigen für entschieden. ob der Vruch direkt auf eine Betriebsverrichtung als seiner Ursache zurückzuführen ist, oder ob in dieser Verrichtung nur die Gelegenheitsveranlassung dafür lag, daß eine sckon vorhanden gewesene Veranlagung zum Bruch zun, vollendeten Bruch wurde. Der Arbeiter Schütze war zu Falle gekommen, als er einen zwei Zentner schweren Sack auf seinen Schultern forttragen wollte. Er verspürte gleich daraus heftige Seitenstiche, weshalb er sich ärztlich untersuchen ließ. Ter Arzt stellte einen doppelten Leistenbruch fest. Wenige Tage später arbeitete Sch. unter Benutzung eines Bruchbandes weiter. Von der Verussgenoffenschast und vom Schiedsgericht mit einem Rentenanspruch zurückgewiesen, wurde demselben auch vom Reichs- Vcrsicherungsamt in letzter Instanz das Anrecht auf eine Unfall- rente nicht zuerkannt. Es wurde gerade darauf der größte Werth gelegt, daß der Kläger nach jenem unglücklichen Fall, den er dem Gerichtshof näher schilderte, einen doppelten Leisten- bruch hatte. Hieraus schloß nian nämlich, daß nicht ein Be- triebsunfall, eine plötzliche Gesundheitsschädigung infolge der Thätigkeit im Betriebe vorliege, sondern daß beim Kläger schon eine weitergehende Veranlagung zum Leistenbruch vorhanden ge- wesen sein müsse, so daß dessen Fall nur den Austritt drZ Bruches veranlaßt«, ihn aber nicht verursachte. Ganz vernünftige Ansichten über die Stellung und die Aufgabe eines Zeitungsredakteurs offenbaren sich in einem Reichsgerichts-Erkenntniß, das im„Reichs-Anzeiger" ver- öffentlicht wird. Der verantwortliche Redakteur einer Zeitung kann, nach einem Urtheil des Reichsgerichts, III. Strafsenats, vom 2S. Jum 1394, für untergelaufene, den Sinn entstellende Druckfehler nicht strafrechtlich(§ 21 des Preßgesetzes) verantwortlich gemacht werden, beispielsweise hinsichtlich einer durch den Druckfehler verursachten Beleidigung, wenn ihn in der Auswahl des Kor- rektors und des sonstigen technischen Hilfsversonals keine Schuld trifft.— Der Redakteur H. veröffentlichte in der von ihm geleiteten Zeitung einen von ihm verfaßten Artikel, in welchem ein an sich wahrer Vorgang berichtet wurde. Durch Versehen des Setzers, Verlauschung der Zahlen 3 und 9, erhielt der Artikel in der Form, wie er zum Abdruck gelangte, eine entstellende Beziehung auf dritte Personen, welche sich hierdurch übler Nachrederieb. Di« Unteroffiziere, die sich so gröblich an ihren Untergebenen vergangen haben sollten, belegte er, wahrscheinlich in der Erregung, mit beschinipsenden Namen. Der kommandirende General des VI. Armeekorps, v. Le- winsky, stellte infolgedessen für das Unteroffizierkorps gegen den Herausgeber und Redakteur des„Neufalzer Sladtblattes", Buch- druckereibesitzer Max Silz, Slrafanlrag. Das Landgericht zu Glogau, vor dem Silz sich am 23. September 1893 zn verantworten hatte, sprach ihn indessen von Straf« und Kosten frei, weil in den an den Erlaß geknüpften Bemerkungen keine Personen namhaft gemacht waren, die sich vielleicht hätte» beleidigt fühlen können. Gegen das freisprechende Urtheil legte die Stnatsanwaltschast Revision ein. Das Reichs- gerichl hob das Urtheil des Landgerichts Glogau auf und verwies die Sache zur nochmaligen Verhandlung an das Land- gericht zu Breslau. Der Termin zur Verhandlung fand am 1Z. Januar er. statt. Der Angeklagte, der vom persönlichen Erscheinen entbunden war. wutde durch einen Gloaauer RechtSamvalt vertreten. Dieser trat einen in allen Stücken gelungenen Wahrheilsbeweis an. Durch verschiedene Zeugen, welche kommissarisch vernommen worden waren, ivie auch durch Verlesung einiger kriegsgerichl- licher Erkenntnisse, welche letztere unter Ausschluß der Oeffentlich- keit fiattsand, wurde festgestellt, daß in Oberschleflen grobe S o l d a t e n in i ß h a n d l u n g e n vorgekommen sind. Das Urtheil des Breslauer Landgerichts ging deshalb dahin, daß keine verleumderische Beleidigung nach � 186 des St.-G.-B., sondern nur eine einfache vorliege, die in den verletzenden Ausdrücken im inlriminirten Artikel erblickt werde, weshalb nur auf eine niedrige Geldstrafe zu erkennen fei. Das Urtheil lautete auf 30 M. oder drei Tage Haft. Nachklänge vom Bielefelder Weberstreik. Ei» früherer Arbeiter der Delius'schen Fabrik war von Herrn Delius denunzirl worden wegen Nölhigiing und fand vor einigen Tagen Ver- Handlung vor der Bielefelder Strafkammer statt. Es bandelt sich um den Streik in der Fabrik jenes Herrn. Ter Angeklagte soll die Weberin Hültemann. alS sie wieder zur Arbeil in die Fabrik zurückkehren wollte, durch Droluing mir Schlägen davon zurückgehallen haben. Z 240 des Strafgesetzbuches. Der Dhaibestand, der sich ans denZeugeiianssagen ergab, war folgender: Die Hültemann, ein IS jähriges Mädchen, welche insolgedesjen auch noch nicht vereidigt werden konnte, halte sich in die Sireikliste«in- tragen lassen und auch den Brief an die Firma Delius unterschrieben. Ihre Eltern aber dachten darüber anders. Der alte Hüllemann, ü6 Jahre alt, Arbeitsmann auf der Glashütte, und seine Frau, 51 Jahre alt. deren Unterthänigkcit aus ihrem ganzen Auftreten. aus jedem Wort ihrer Zeugenaussage spricht, betrachten das Arbeiten für de» Fabrikanten als die Lebensaufgabe des Arbeiters. Also stellten sie dem Mädchen einen Buckel voll Prügel in Aus- ficht, wenn sie nicht arbeiten wolle, und so kam dieselbe am 30. August, wenn auch traurig und widerwillig zur Fabrik, um die Arbeit wieder aufzunehnien. Hierbei wurde sie nun von den konlrollirenden Arbeitern abgefaßt, zur Rede gestellt, und als sie die Schuld aus ibre Ellern schob, ihr versprochen, daß Rücksprache mit denselben genommen werden sollte, was übrigens auch geschehen ist. Vergnügt ging sie nach Hanse; da aber kam sie scbön an, und in ihrer Roth, ans- Furcht vor den Prügeln zu Hause, log sie ihren Ellern vor, daß sie vom Arbeiter Rolfs mit Schlägen bedroht worden sei. Auf dieser ihrer, in Hinblick auf die drohenden Prügel doch sehr erklärlichen. ja. sogar menschlich entschuldbaren Lüge, welche sie auch bei ihrer gestrigen Vernehmung, offenbar wiederum aus Furcht vor der Behandlung zu Hause und wohl auch aus Furcht, Herrn Erich Delius zn mißfallen, nicht zurückzunehmen wagte, beruhte die ganze Anklage. Demgegenüber verdiente natürlich die Ans- sage des Angeklagten, sowie der Weberin Backhaus vollen Giauben. Der Staatsanwalt beantragte zwar trotzdem vier Wochen Gefängniß, der Gerichlsbos sprach aber noch dem über- zeugenden Plaidoyer beS Herrn Jusiizraths Bachmann den An- geklagten frei und legt« die Kosten der Staatslaffe auf. Ueber den nationalen gewerkschaftlichen Zentral- verbaud, welchen der Führer des Chicagver Eisenbahn- Streiks. D e b s. kurz nach Beginn des großen Streiks unter dem Namen„Amerikanische L a b o u r Union" ins Leben gerufen hatte, schreibt uns unser New-Uorker Kor- respondent: Dieser Verband hatte binnen wenigen Tagen am Gründungs- orte selbst eine Miigliederzahl von über 1000 erreicht, sodaß man damals zu der Hoffnung berechtigt war. daß diese Organisation, welche aus der Basis des„neuen Trabes- UnioiiiSmiiS" stand, sich binnen kurzem über das ganze Land aus- breiten, zunächst die fortschrittlichen nationalen und lokalen Organisationen an sich ziehen und schließlich eine ein- heilliche Arbeiterbewegung daraus entstehen werde. Indessen nahmen jene Organisationen noch keine bestimmte Stellung zu dem Verband, da sie erst abwarten wollten, wie sich die Dinge sowohl in der Federation of Labor wie im Orden der Knighis of Labor entwickeln würden. Und da das Resultat der Jahres- Versammlung«» beider Körperschaften gezeigt, daß die Majorität der TeUginen zu denselben nicht den pulen Willen desaßen, end- lich wenigstens die Einheitlichkeit der Bewegung herbeizuführen, im Gkg-nlheil die auf den vorigen Jahresversammlungen»in- geleiteten Schritte zur Erreichung„harmonischen Zusammenwirkens" rückgängig machten'), so würde die neue Organisation jetzt gute „Chancen" haben. Allein man hat seit jener Zeit kein Lebens- zeichen mehr von ihr erhalten und es scheint somit, daß die Gründer den Mnlh verloren und das Unternehmen drangegeben haben.— Wie sich nun die Dinge weiter entwickeln werden, ') Die Generalversammlung des Ordens durch den Beschluß, unter Umgehung der Beamten der nationalen Verbände«inen allgemeinen Arbeilerkongreb einzuberuseu, die Konvention der Föderation durch direlte„Kriegserklärung" an den Orden. darauf kann man wirklich sehr gespannt sein. Es wird übrigens angenommen, daß sich die zu einem der beiden Zentrallongresse gekörenden nalionalen und lokalen Organisationen, fo weit sie bisher ons freundschastlichem Fuße gestanden(was freilich fast> ur von den fortschrittlichen, d. h. von sozialisiiscbeni Geiste durchdrnnge- nen gesagt werden kann) nicht an den Konrenlionsbeschlnß stören werden; es liegt aber aus der Hand, daß derselbe im allgemeinen die Veranlosjnng zu schweren Konflikten geben und veranlassen wird, daß die durch einen früher oder später eintretenden Aus schwung der Produktion gebotene günstige Situation nicht so ausgenutzt werden kann, ivie es wohl sonst geschehen könnte.— Ich glaube schon milgelheilt aii habe», daß Teds und die übrigen oberen Beamten der Am. Rnilway Union erklärt batien, gegen die erkannten Strafen von 6 resp. 3 Monaten Gefängniß nicht nppelliren zu wollen, da es ja doch nichts nutzen und nur weitere Kosten verursachen würde; dieselben betrugen bis dahin schon das hübscbe Sümmchen von 25000 Tollars, und die Kasse der Union ist erschöpft. Nun haben aber die Gewerkschaslen Cdicago's be- schloffen, für Aufbringung weiterer Mittel zu sorgen, um die Weileriührung des Prozesses— die von den Vertheidigern(selbst- verständlich!) empfohlen wird— zu ermöglichen. Die Ver- urlbeilten kälten ihre Strafe am 1. Januar anlreien sollen, doch haben sie einen Aufschub bis znni 8. erhalten.— lieber die gegenwärtige Lage der Union ist nichls bekannt; der Versuch ihrer Ausbreitung ini Osten(zunächst New-Iork) scheint vorläufig leinen Erfolg gehabt zu haben. Derselbe Korrespondent berichtet uns noch folgendes: Ten Reigen im Kampfe um Hebung der seit Eintritt der Krise in fast allen Jndilstriezweigen enorm herabgedrückten Löhne haben im neuen Jahre die Arbeiter der Schuhfabriken am Hanptsitz dieser Industrie, Haverhill in Maffaelusetis eröffnet; an dem infolge einer— für den Fall besseren Geschäftsganges versprochenen— geringen Lohnerhöhung ansgebrochenen Streik sind über 6000 Personen beiheiliat. Ferner befinden sich 700 Arbeiter der C a r n e g i e' s ch e n Stahlwerke zu Braddoik wegen erneuter Lohnrednktion im Streik, wodurch die gleiche Zahl anderer Arbeiter ebenfalls zum Feiern gezwungen ist, welche auf 3000 anivachsen wird, wenn leine Ersatzkräsle für die ersteren gesunden werden. Auch in H o m e st e a d ist wieder einmal„reduzirl" worden, und zwar lind es wiederum die„skilled Laborers", denen am meisten ab- gezwackt wurde. Alan munkelt von einem bevorstehenden „Generalstreik" in sämmtlichen Carnegie'schen Werken; da es aber seit dem letzten Streik an jeglicher Organisation unter den Arbeitern mangelt, ist daran wohl nicht zu denken. VerfÄinittlungen. Eine von der lokale» Richtung der Koufektlo»?- Schneider einberufene Versammlung tagte Montag Abend bei Gründet in der Brunnenstraße, um den Bericht ihrer Tclegirten von der am Sonntag statlgefundenen Konferenz der Konsellions- arbeiter und-Arbeiterinnen entgegen zu nehmen. Zahlreich an- wesend waren die Vertreter der zentralen Richtung sowie einige Telegirte von außerhalb. Die Berichterstaiiuug, die der Herr W i e s e m a n n gab, enthielt leider keine Wiedergabe der Ver- dandlungen, sondern einen in Verdächtigungen gegen einzelne Personen auiarienden Angriff. Entgegen seiner Stellung aus der Konferenz weist Redner jede Vereinigung zurück und fordert zur Stärkung seines Vereins auf, um den Verband endlich zu vernichten. Kulii's Bericht bewegt sich ungefähr im gleichen Fahrwasser; auch er lehnt jede Vereinigung ab. Nachdem Mahlte einige linrichtigkeiten der Vorredner richtig gestellt hat, erklärt Timm nach einem derartigen heuchlerischen Benehmen der beiden Berichlerstatler einmal ausführlich aus alle Beschuldigungen eingehen zu wollen, womit dann für fernere Zeiten Kulik und Wiesemann sür ihn einfach abgetban seien. Vorweg giebt er de» Versammelten in gedrängter Kürze ein Resume von den Verhandlimgcn auf der Konferenz, und theilt die dort gefaßte» Beschlüsse mit. Sodann widerlegt Redner eingehend Punkt für Punkt alle Angriffe und Berleumdunge». Von einige» auarchistilchen Elemenien wird während dieser Aus- sührungen ein unbeschreiblicher Lärm gemacht. Dieses widerliche Gebahren setzte sich fort, wie Liepelt-BreSlau da« Wort erhielt, um die sich isolirt Slelleuden aus die Koiiscquenzeii ihrer Handlungsiveise hinzuweisen. Muscheck steht ebenfalls auf dem Bode» Kulik- Wiesemann's. Ein Schlußantrag wird abgelehnt, und es erhall nunmehr der Verbands- Vorsitzende Holzhäuser-Flensburg das Wort. Stach der gesirigen ttenferenz, so bemerkt Redner, habe er eine bessere Sliinniung vermuthet. Aus«igeuer Erfahrung wisse er, daß diejenigen Leute, die eine Organisation zuerst gründlich ausnutzlen. dann, wenn es für sie»ichls mehr zu holen gab. deren größte Gegner wurden. Z» einem erfolgreichen Komps«, mng derselbe geführt werden aus welchem Gebiet er wolle, gehört Orgauisalio» und Disziplin als Grundbedingung. Ein Bild,»vi« es sieb ihm in gegenwärtiger Versammlung geböte», sei ihm unbegreislich in der Stadl der Intelligenz.(Tobendes Lärmen.)— Bei der Rrilik T S t e r o w's, die er an der eigenthümlichen Bericht- erstattung übt, erhebt sich ein solcher Lärm, daß der überwachend« Beamte die Versammlung auslöste. Ter verein Berliner Droschkenkutscher hielt seine dies- jährige ordentliche Geiieralversammlnng unter reger Belheilianng in den Armin-Hallen ab. Von der Verlesung deS Geschäfts- berichls für das letzte Vierteljahr 1894, sowie des bereits verössentlichlen fpezialistrten Kassenberichtes nahm die Versamm- lung Abstand, woraus der Jahresbrichl deS Vereinsvorsitzenden Schütte den Anwesenden nnlerbreilet wurde. AuS den Be- richten ist dcrvorzuheben, daß der Verein 916 zahlende Mitglieder zählt und ein Vermögen von 3164,99 M.(baar 1102,73 M., in Ausständen und Tarlehen 2262,26 M.) besitzt. Nach Bericht und auf Antrag der Revisoren wird der Vorstand von der General- Versammlung entlastet, welcher insgefammt seine Aemter niederlegte. Ter bisherige Vereinsvorsitzende, W. Schütte, trat nach zivölfjähriger Thätigkeit endgiliig von diesem verantwortnngs- und arbeitsreichen Posten zurück, welcher nunmehr dem Kollegen K n ü t t e r übertragen wurde. Zum Siellverlreier wählre die Generalversanunlung Dabeloiv, zum Kassirer Stiller, zum Stellvenretcr Schreiber, zum Echriflfübrer A. H oman n, znni Sicllvertreier F r. Pinscher, zu Beisitzern F r. Hanisch, Franz Rietz»nd F r i y Lü dicke, zn Revisoren Bernhard Kraus«. August P e e st und Wilhelm Schütte. Di« Anträge Bück'le: I. Die Generalversammlung beschließt, daß die Vorstandssitzungen von jedem Vereinsniltgiiede. so weil es der Raum gestatier, bei- gewohnt werdeii lönnkii und sich ein jedes Vereinsmitglied an den Beralhnngen belheiligen und Anträge stellen kann, sieb jedoch der Abstinimnng eiilhalten hat; 2. die stallgehabte sreie Ver- sngiing des Borsitzenden über das Vereinsverniöge» gänzlich auf- zuhcbcn; 3. die al« Vorschuß aus dem Vereinsvermögen zum Hntsireik geleistete Summe im Frühjahr 1894 als hierzu gespendet aiizuerkennen, werden abgelehnt. Bou Herrn Kornblnm. Stallschrriberstraße, gehl uns zu dem von uns am Sonnabend voriger Woche veröffentlichten Bericht über die Versammlung des Verbandes der in Buch- bindereien beschäftigten Arbeiter eine Berichtigung in, in ,der Herr Kornbluin erklärt, daß in dem betr. BersammlunaSbericht eine falsche Angade über die Zustände in seiner LnxuSpapier- Fabrik enthalten sei. ES sei unrichtig, daß eine Strafe von 50 Pf. für den Fall festgesetzt sei. daß jemand das Klosel zwei- mal am Tage benutze; eS versteht sich, daß derartiges überhaupt nicht als„Vergehen" angesehen»nd in seiner Fabrik unter Strafe gestellt werde. Britz. Ter hiesige Volks-Bildungsverein tagte am 4. Januar. Nach der Bekanntgabe des Kassenberichts, der«inen Bestand von 74.8S M. aufweist, ging die Persammkung zur Besprechung der Vereinsongelegenheilen über. Es wurde bescklcssen, die Mit- glieder Rausch, Bosse und Müller aus den, Verein auszuschließen wegen Nichtbeachtung der Vereinebeslrebungen. grell z>»r»Inlsnns der Kurean An gestellten Kretin« und Umgegend. S-ule. FreUag, abend««X Uhr, Eihung bei Rölllg, Neue grtedUchstrabe u: Borna-,. Arbeiter Ktlduv?»fch»le. grittag, DdendS von 7X— Uhr: Lcklür«' BX— 10» Udr; Nord-Echule, Miillernrahs 179a und Südoti-Schule, Waiden, aiiir. U: Teullch(Ltterotur.) Bei allen UnleiiichlSlächern werde» neue Sbellnehmer, Tomen»nd He»en, jeder Zelt aufgenommen. Arbeiter- hovpeebnvd Kerlin« lind Hiingegettd. Borfltzender Ad. Nil-wanv, Balenatterfiraße s.— Alle Aenderungen im Vereins. kalender find zu> irirnn an Fiird. storium, Manleuffeliir. es, v. 2 Tr. Kreitag. IUI nnf?, nnd« Jid-iM e— I l Ubr. Aulnadme von Mttgliedern. llollegia, Vlanleuffelstr. 9 bei Nowack.— st otf er'lcher Männer chor, Tckiönhaufsr Allee SS, del Kelle.— Ardetter-Seiangvereln Nord, Kastanien- Allee u, bei Aupustln.— stumme,'scher Eelangverein, Langelirahe 6» bei Tempel.»- Ai beller-Sesangvereln Spandau in Spandau, Neunmelllerttr. 5, b-t Nadlk«. — Buibblnder-Männerchor. Holzmarlllir. Z, bei Teier.— v ereinl« Sangelbrüder Moadtt, Perledergerstr. ss bei g. Herrmerfchmidr.— lSefangver. Maiglöckchen 1, Hochstr. ssa. b. Will«.— Semüldlichleil, Neue grUdrichstr««. b. Rölllg. D e u l fch e Lieberiafel, Bluinenfir. ss, b. Miedeinann.— Tnvograrbia, Selongv. Berl. Buchd, ucker u. Schrifigießer, Armindalle», Kominandanienstr. so.— Sssangv. L or b e e r»w e t g. Swine- mundo ftr. BS bei Hüdner.— Gesangverein Rheingold, Bülchingar. 7, bei Jolob.— Sängerchor der Maler, Annennr. S bei Alvert Prost.— Geia, gvcreiv M e l o d l a. R>rdorf, Bergftr. i«2 bei Schlmlüie.— Jril- Naunpnstrobe es bei grist Zubcil.— Brandenburger Männer« Gesa ngveretn in B.andenburg o. H., Mengerll Boltlgarlen, Beiglirode. — Gesangverein Frena II6.— So h a n n t, Rildcrsdorfeistr.»6, Eclelltchafishaus Ostend.— Sängerveretn orgenfret. Admiralnr lSa, Mäikilcher Hof.— Sanaelsreunb. Piogonerftr. 62 bei«amloirsky.— Geiangverein S ä n g erl e li«, Urban. st, aste 6« bei Schriet.— Gesangverein Wacht auf l, Wörlberlir. i» bei Schmidt.— Gesangverein Hand in Hand l, Reichenbergerstraste 21 bei Tauschte.- G-Iang- und Oichenerne, ve,ein Slraiauer Lieder- laset, Ruminelsdura, Hauplstr. bZ bei Bowintel lSesang).—»esangveretn Treu und Gin ig reit, Rixdorf. Prinz Handjerqslr. 6B bei Reden.— Gesangverein Frohsinn, Rummeisburg, Gothest, aste, Gck« stanistraste, bei McrlenS.— Gesangverein d e> Melailarbeiier(Ol,). Blnmensir.«6. — Margenralh s,(iSbortotleiiburg, Bismarck str. 71 bei st.aufe.— G i n- trachl Z. Ebeiswaide. Gifenvahnstr. 77 bei Dtdal.— Rosenihaler B o r st a d i. Beruauerstr. 17. K»nd der gesilligen Arbeiterverein« Kerlin» und pmgegend. Alle Zulchriflen slnd ,u senden an P. ist ent, Adalberlstr. 26. Freitag: Skalklub sta iro. Abend? 8 Uhr bei Flick, Simeonslr. 22. vekang-, Gurn» und gesellige iNerrine. Kreitag. Ouarteitvereiü W e d d t n g. AbendZ BX Uhr. bei Schafer, Neue Hachslraste i«.— Privat. Tbeaierverein Grekeendo, Abends 9 Uhr, bei Schulz. Puilbüferstr. 66.— Dergnügungsverein Tbusneldo, Freiiag, Abend« SX Uhr, bei Zubeil, Lindenstraste ,06.— Mnstkveiein Hoffnung fO st) Freiiag« Abends von Ii Uhr. Nebungsllunde Gr. Franlsurierstr. 123 dei Gold. Berliner Turngenofsenichaft. Die erste MännerabiheiliMst iurin Frettog und Dieniiag Abend von»1— iah Uhr in der Turnhalle de» Lesstng-SvmnoftumS Panlür.«— io.— Turnverein aesundbrunnen die i. Männer.Abldeiiung luri» heule Abend von 8X—>0X Uhr in der Turn- balle de? Lilstng GumnafiumS, Panlstr. 2-10.— straft- undAretsten» klvb Beroltna jeden Dienstag und Freiiag Uedunasstund« bei»rüstner. Waldemarstr. 12. Turnverein Germania iMilglied de» deulschen«r- beiier-TurnerbundeS) lurni Dienstags und Frettags Abends von Bj— 10) Uhr Ackerstr.«7.- Turnverein Fichte(Milglten des Arbetier-Turnerbund«« DeuiichlandS.) Tie zwetle Männer-Ablhellung lurni jeden Dienstag und Sreilag Abend« von s—>o Uhr in der Sk aliherftr.»-i/«l.- stiafl-Turnve-etu offnu ng übl jeden Freiiag Adend von»—>1 Uhr bei Schubmacher, idücklcrstr. io— Mustkvere.n Hofjnung, Adendl von 2- ll Uhr Uebungt» stunbe ProSkauersiraste 26- 27 bei Schneider.— ZilherNud Waldrose, Abends» Uhr, Manleussilstr. b«. Panerre-Restauranl.— verein« r ü»» Tann«, AvendS 9 Uhr, bei«ailer, Marlulliraste s. Sfaiklub Schr. ttl. Adend«» Uhr, bei Triitelwttz, FaNtnNetnstr. 7. — Tanzlehrer-Beretn Solidarität, Restaurant Schneider, Annenstraste l«, Abend« sx Uhr, S-Hung. Lift- und{üehutirhluk». Freitag.« a r l M a r r. Abend«»X Uhr, bei Gruber. Mariendorserslr. 6.— W« st« n, bei H. Werner, vülowstr. 62. — Lese- und DiSlulirklub ,.A u s t I ä r u n g", jeden Freitag Abend 7X Uhr det L. Ferger, Sedaft.anstr. 72. S,h ung. l,«i,»«-r»>,il»», al l liit»»t»»»e»p«»r«. llettiag everj Friday at 9 p. m. al Eohercs Restaurant, KSnigstr. 62. Lecturer Mr. X Eloih. Guesta are welcome. VevnKisÄztesz Ei» evangelischer Jesuit. Am Sonntag ist, wie die „Rat.- Ztg." niiitheilt, in der hiesigen Dreisalligkeitskirche Graf Paul von Hoensbrcech zur evangelischen Kirche übergetreten. Gras Paul von Hoensbroech hat sich als Jesuit durch euer- gische Bekämpfung des Prolestautismiis einen Namen gemacht, dann durch seinen Austritt aus dem Jesuitenorden und seine hierauf solgeuden Angriffe auf die kirchliche Gemeinschaft, der er angedörl hatte. I» der letzten Zeit hat er ebenso einfältige wie dreiste Jtrtikel gegen die Sozialdemokratie geschrieben. Der evangelischen Kirche ist zu diesem Zuwachs nicht zu gratuliren. Einen Charakter mehr bat sie nicht gewonnen. Ter frühere Rcichstags-Abgeordnete Frhr. v. Münch muß sich nach der„Schwöb. Tagw." voni U.d.M. ad der Beobachtung seines Geisteszustandes in der psychiatrischen Klinik in Tübingen unierzicheil, zur Fesistcllnng. ob er bei Abfassung einer Broschüre im Februar 1893. in welcher seine Veruriheilung wegen Be- leidigung des Giheimen Hofraihs Colin als amtsverbrecherisch bezeichnet war, zurechnlingssähig gewesen ist. Di« Beobachtung des Geisteszustände« des Freiherrn v. Münch ist aus grund des Gutachtens eines Sachverständigen angeordnet worden. Ter„alte Tödler" ist tobt, so berichtet die„Leipziger VollS-Zeitiing". Ter Kriminal-Oberwachmeister a. D. Johann Gottlob Töbler in Leipzig, ist im 7d. Lebensjahr« verstorben. Bei Nennung seines Namens werden taufenden der älteren Leipziger Genossen Erinnerungen an die sozialiftengesetzliche Zeit erwachen, während der der„alle Töbler" sich fast ausschließlich mit der Ueberwachung der sozialdemokraiischen Bewegung am Orte befaßte. Manche Episode aus vergangener Zeit tritt den Genossen wieder vor das geistige Auge, die trotz des beiligen Ernstes unseres Kampfes des hnmoristischen Austricks nicht ent- bchrle, sür den unfreiwilligerweise der„alte Töbler" sorgte. Mit eigenartiger Freundlichkeit bejörderte er Hunderle unserer Genossen im Laufe der Zeil auf die Polizeiwachen oder ins Ge- sängniß. Um so lebhafter entsinnen sich jedoch unsere Genossen der Fälle, in denen es ihnen gelungen, den ge- wandten Beamten zu dupiren. Einen geradezu unbeimlichen Eindruck aber macht« der Beamte, der im Volksmnnd« den Beinamen.Grünauge" führte, wenn er sich den tbälignen unserer Genoffen damaliger Zeit mrt den Aueweisnngsdetreten nahte, durch die sie von Frau und Kind, aus ihrem ganzen Wirkungskreise binauS in die Fremde vertrieben wurden. Aller Eifer des„allen Töbler' und seiner Oberen aber vermochte eS nicht zu verhindern, daß die sozialdemokratische Bewegung trotz aller Verfolgungen, Ausweisungen und Gefängnißstrafen immer tiefere Wurzel sedlug und sich nilsbreilete. Heuie, wo der Alle auf der Todtenbahre liegt, steht die Leipziger Sozialdemokraiie, wie allüberall, mächtiger nnd geschloffener denn je da, so daß die Reaktion von neuem daran ist, neue Unterdrückuiigspläne zegen sie zu schmieden. Wie den„alten Töbler" wird die Sozial- semokralie auch die Träger neuer Zwangsgesetze überleben. Einaclanfene Druckschriften. Per Kvilaldemvlirat, ZeiUral-Wocheiiblail der iozlaldemofiaiislhen Partei Deulsäiiniids lExpediiion in Berlin SW., Beuihnrabe 2). Z» beziehen durch all« ZettungSspedilenre. Da« Abonnement delrägl durch die Post oder in Berlin durch dt« Zrilungsspedtleur» pro Ouaitat 1,20 M. Kreuzband 1,80 M. Die Rr. 2 vom>7. Zamiar hat folgevden Fvbal!: Wochenschau, u- Gastmir s Sinrz.—Die Umkiüi zdebane im Retchsiage.— Brief an« Eng- iand.— königsoank.— Di« Wirihschaftspolitil de» Vaterunser.— Parier- Nachrichten.— Wie man uns behandelt. Frauenrechlliche Harmonieduielet.— Die Schwei» im Jahr« l»»i.— Brief aus Holland.—„Unabhängige und Anarchisten".— Gewerkschaft- liches.— Todtenlist».— Liieralur. Ehriftu« und die Armen. Bon G r«i» z. Leipzig. Verlag von Schupp. von Huter». Heinde. Sklbftverlag. 26 Seiten. Preis 20«f. An» pvest» nnd liebe. «« Seiisn. Preis 1.6a ÜJ) Naturische Krirf» gegen dl» modern, Lichtung an eine» Naturischen. Von Perer Johannes Thiel. Berlin. Verlag des dtdlivgraphischen Bureau«. >0» Seiten. Für de» Juhalt der Inserate über- nimmt die Redaktion dew Pnblikum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Freitag, den lS. Januar. Gpernhan«. Siegsried. Schauspiriliau». Wie die Alten suugen. Dentsches Theater. Klein Eyolf. Arrlinrr Theater. Das zweite Ge- ficht. Zefstng-Theater. Nach dem Ma» növer. Ein goldenes Herz. Nene» Theater. Andrea. Keslbrnz-Theater. Fernand's Ehe- konlrakl. Friedrich. Milhrlmstädt. Theater. Orpheus. �chiller-Theater. Hagar's Sohn. Theater Zlnter d,u Linde«. Der Probekuß. KellraUiance.Theater. Onkel Bräfig. Tentral Theater. O! diese Berliner. Adolph Ernst-Theater. Ein fideles Korvs. Aieranderpiah» Theater. Das Privailogis. Die Direktrice. Llatioiiai. Theater. So sind sie Alle. Reichohallentheater. Spezialitäten- Vorslellnng. Amerirau- Theater. Epezialitäten- Vorstelliing. Apollo- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Kaufiiia»,»'» Narivt». Svezialitären- Vorstellung.__ Neue freie Volksbühne Sonntag, de» 20. Jan.(II. Abtheilung.) „Die zärtlichen Verwandten". 206/14 �elijller-l'kester. tvlsllnsn-l'kvstei'.) V» IIa sr-ldeeteretrtt»»«. Freitag, den 13. Januar, abends 8 Uhr: Hagar'» Kohn. Sonnabend, den 19. Januar, abends 3 Ubr: Hagar'» Sohn. Sonntag, den 20. Januar, nachm. 3 Uhr: De» Meere»«nd der Liebe Welle«. Abends 8 Uhr Krieg im Frieden. viobior- Abend» im Bürgersaale deS Rathbauses. abend» 7Vz|lhr: Heinrich Heine-Abend. Montag, 21. Januar, abends 8 Uhr, Hagar'» Sohn. Dirnitag, 22. Januar, abends 8 Uhr: Hagar'» Sohn._ National-Theater. Große Frankfurternraße 132. So fniö fie Alle! Posse mit Gesang in 8 Akten(S Bildern) von W. Mannstädt u. A. Weller. Musik von W. Mannstädt. Regie: Max Samst tkassenöfsnung 61, Uhr. Ans. 7>/a Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonnobrud, 19. Januar: Volks Vorstellung zu bedeutend ermäßigle» Preise»: Maria Stuart. lZeutral-'l'dkatör Alte Jabobftraste Ur. SV. llmil Vbowas a. v. Anna Bäcliera. Joieflne vorn. Änm 187 Plate; G. diese Berlinct! Große Posse mit Gesang und Tanz in 6 Bildern von Julius Freund. Musik von Julius Einödshofer. Anfang»/es Uhr. Morgen: O, diese B e p I i n e p I Adolph Ernst-Theater Auftreten der Grotesktiinzerin Miss Rose Batclielor vom Priuce ol Wales Theater in London. Zum 81, Male: Ein fideles Corps- Große Gesangsposse mit Tanz. Nach dem englischen„A Gaioly 6lrl" von Jonas Eidney, frei bearbeitet von Eduard Jacobson und Jean Kren. Ansang V'/a Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Wss- Inkolge dr»»rohen An- d.ango bleibt die Kasse von Dor- «rillag» 1<> Dhr n»nntrrbro,hen geöffnet."Sm Passase-PanopticiiRi. Neu 1 Der Meister: Neul I. Prof. Prdr. Schwinge's Wandernde Licht bilder. ii. Das Lied von der Glocke In 15 lebenden Bildern mit transparentem Hintergrund. Mnsik von Romberg. Rob. Biberti I Kaulmann's Vapiete. | Das Sensationellste der Saison! Slmiäftc!!! Ulmtdlc!!! der Kolossal-Hensch als Pauline vom Ballet-HWS ist«tohl die«rdrolligste Nnmmero, welche je in einem Speiialitäten-Theater enga- girt war. Ferner: Das Riesen-Programm mit 16 Glanznummern ohne pause. Castan's Panoptikum. nie ünneinejen!� Dir Riefe» de» dunkeln Erdlheil»: vis Umh, 40 Männer, Kranen u. Kinder. Das scheckige Mädchen Marielta, Kilinaektt-Aliaztelluaz vom Mgl. Opernhans in Berlin. FllN"UM Knrgstr. SS, nebe« der Dorf», j Gr. CreziMt.-VorMug Auftreten von 20 Künstlern allerersten Ranges. Sonntags;| Vorstellung�UHr. Der ca. 5000 Personen fassende Saal steht den pp. Vereinen und Gewerlschasten zu Festlichkeiten zur Verfügung. Auch können an allen Tagen bis 3 Uhr nach- mittags Versammlungen abgehalten werden. vi» vipevtlon. y r a n i a Anstalt für volksthümliche Naturkunde. Am Landes-Ausst�llungspapk (Lehiter Batini! oi). Geöffnet von S-IO Uhp. Täglich Vorstellung Im wissenaohalt- liehen Theater. Näheres die Anschlagzettel. Circus Renz Caplsfraaae. Freitag, den IS. Iannar» abend» 71/» JIHrt Croie Kmikkr-BolsiMg. Humor: Mih: Laune: Austreten sämmtlicher Clowns und des beliebten August Mr. Lavater Lee, in ihren wirkungsvollsten Enirees. Außerdem: Das Äpportirpferd Mehr. Hierauf: Prinz-kZarneval und sein Gelolge, vorgef. v. Hm. R. Renz. Das Schulpferd Mikado. Hierauf: d. irläud. Springpferd Rlltz, ger. v. Frau Renz- Stark. Auftreten d. Herren Tasileskn und Banola am 3facheu Neck. Ziveiles Austreten der exceutrisch-musikalischen Clowns Gebrüder Perwand. Grand double Pas de denx serienz. Auftreten des Herrn Gustav HttUemann (als Gast) mit dem Schulpferde Olnclnalns. Zum Schluß: As, lllls, M stöMll W! Origiiial-Sporl-Schauüück in drei Ab- tbeilungen v. Tireklor Pr. Renz. Morgen, Sonnabend, abends 7>,eUhr: Gala-Verslellung. Senntag, den 20. Januar: 2 Vor- stellungin. Nachm. 4 Uhr(ermäßigte Preise) und abends 7»/, Uar. Fr. Renz, KoiumissionSralb. Rur noch kurze Zeit! Eireus k. Lehumauu. Priediicb Karl-Ufer. Texas Jack's American Prairie Life-Sliow. Täglich, abend» 7l/s Rh», Grosse Vorstellung. Untep den Linden 21. Jeden Sonntag NaoHmlttag OrlentallscheÄ|i"Fam.ili1tan0r!t119' utteuiMWbuvm! zn halb. Preisen. Zauber und BeV'S Wunder. Täglich Anfang 1,8 Uhr. B Verein der Schäftebranche. Konnabend, den 19. Iannar, abend» 8 Uhr, Rosenlhalerstrast« 67: General-Ner Sammlung. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Berichterstattung über den Erfurter Schudmacher-Kongreß: Kollege Plelscher. 8. Endgiltig« Entscheidung über unseren Anschluß an die Zentralisation. 4. Vorstandswahl. Gäste willkommen. Die Versammlung wird pünktlich erössnet. j2904b Wlciler. StfentliiSe Sttimmliuj Nähere siehe Sonntag an dieser Stelle. sl83/l4s Der M ertrauen»ma»n Verblllld der Sattler md Tapezirer. MW" Versa»n»»«lunaoi»"MS Oeutruw, am Sonnabend, den IS. Iannar, abends 8'� Uhr: bei Herrn Mienrcke, Alte Jakobstr. 83. Tagesordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordnelen Genossen J. Auer. S. Diskussion. 3. Abrechnungen. 4. Wahl des Vorstandes und Zeiuralkassirers. 5. Verschiedenes Nnfilan bei Herrn Kriigrr, Fennstr. 5. Tagesordnung: 1. Vortrag htUlUCU deS Kollegen Riedel über: Die Entwickelung des Eigenlhums. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 214/5 Zu zahlreichem Besuch ladet ein Di» Cigappen>Fabpikanten !! billigster Einkauf!! W. Hermann Kifiller Berlin_ Alexanderstr. 22. Streng reelle Bedienung. AI frelntxtwähnmZ nach Uebereinkunftü Ein Jeder mache den Versuch. Für uue Mk. 6.—(Fabrikpreis) vers. 1 brillante, extra • solid gebaute Kouzert-Ziig- Harmonlka mit i0 Tasten, 2 Registerzügen, 2 doppelte» Bässen, voll stand, ff. Nickelbeschl. u. Zuhalier, ff. Ausstatt., starke, breite, unzerbrechl. pat. Tonzungen, schöne, volle, doppel- chörige Orgelmusik, groß n. weil auS- ziehbar«» 3fachcn Doppeldalg, jede Falte ist mit Slahlschutzdecken versehen, Ivo- durch Beschädiguug unmögl. 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Zuzug». d Küchenmöbel-FabriK VON Gsksn Lppnngvi», G»urralstraffr 8, Wrißenfee, ist unbedingt fern zu halten. 143/13' Die Kontrollkommission. Mulikinftnlntnttn-Ssrbttttt- Streik! Die Kollegen der Piano»Fabrik VON Göns A Kallmann haben infolge Maßregelungen und Lvhusorderuugen die Arbeit nieder- gelegt. Zuzug ist strengsten» fernzuhalten. Gleichzeitig ist für die Branche Zu- sammensetzer der Pianosabrit Kunze & Sahn, Blumenstr. 70, infolge Maßregelung laut öffentlicher Versammlung vom 1». Januar er. die Sperre ver- hängt worden. 193/18 Die Lohnkommlssion. Horngriff- Rabpler bei Dampf- betrieb erhallen dauernde Arbeit in 2198b* Richter's Stockfabrik. Malmö, Schweden._ Versilberer n. gl. Leisten. Göpfert, Markusstr. 4t. 2 Tr.' Achtung! Achtung! Iteitflj, 18. Iß«««, oomittags 10 Uhr: �#�8 grosse-�! Arbriislosra- Vcrsammlnngen in folgenden Lokalen: t. Kreis i Feen-Palast, Burg- u. Wolfgangstraßen-Ecke. 2. Kreis s Möhring, Admiralstraße Nr. 18 c. 3. Kreis i Arminhallen, Kommandantenstraße Nr. 20. 4a Kreis- Xeller's kestsäle, Koppenstraße 29. �vnserthans Lanssvnei, Kottbuserstraße 4a La Kreis i Brauerei Friedrichshain, Königsthor. 6a Kreis s Kolberger Salon, Kolvergerstraße. Swinemiind. Gesellschaftshaus, TmemMech. Tagesordnung in allen Versammlungen: vie«rlieitzllizlglieit.»nIi'Neßei.WillntPi. WtT Keine Tellersammlung.-UW Lü3/i2 vis Vertrauellspersoileo. Achtung! Maurev* Achtung! Zentralverband deutsch. Maurer, Filiale Berlin II. Sonntag, den 30. d. M., vormittag» tOV- Uhr, in den„Avminhallen", Koinmandantenstratze Nr. 20: g: Mitglieder-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht der örtlichen Verwaltung und Neuwahl derselben. 2. Ab- rechnnng des Kassirers vom 4. Quartal 1394. 3. Gewerkschaftliches. Der Uorstand. AM- Kollegen! Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert das Er- scheinen sämmtlicher Mitglieder._ 191|11 Zentral-Krankenkasse der Kuchbinder Km Sonntag (Nermaltnngvstelle Kerlin) «ton 20. Uanuan lSSS, vonmittag» lv UNr, de, Aß««II«■«* aleJnuar I099y vurmiiiäg» I DeigmUller, Alte Jakobstrasse 48a s Haupt Versatnenlung. Tages-Ordnung: 1. Geschäfts- und Kassenbericht. 2. Kontrollbericht. 3. Neuwahl des gesammten Vorstandes(stehe Bekanntmachung des Zentralvorstandes in der „Buchbinder-Zeirung"). 4. Verschiedenes. Die Mitglieder werden aufgefordert, zahlreich zu erscheinen, Haupt- sächlich die großjährigen, da nur diese wahlberechtigt und wählbar sind. fijM- Buittungvbuch lrgitimirt. 76/9_ Die Grtsoermaltnng. Achtung. Zimmerer! Verein der Zimmerer Berlins und IImZeZend. Sonntag, de» 30. Jannar, vormittag« pünktlich 10 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstrahe Kr. 30(großer Saal): wtr Ge«ewl-Versßinml««g. Tages-Ordnung: I. Abrechnung vom 4. Quartal 1394. 2. Anträge auf Statuten- änderung. 3. Vereinsangelegenheilen. Zutritt hat jeder Zimmerer. Die Mitglieder werden ersucht, recht pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Neue Mitglieder werden ausgenommen. 293/14_ Der Vorstand. Freie Vereinigung der Eraveure, Clseleure. Sonntag, den 20. Jannar 1895: Herrenparthie nch Grunewald, Paulsborn. Kachzüglrr: Hchildhorn 133/17 Abfahrt: Schlesische: Bahnhof 3 Uhr 30 Min. Da« Nergnügnngs-Komiter. Lü!� Holz-«. Vrettertriiger! � Sonntag, drn 30. Jannar. vormittags lO'fs Uhr, Märkischer Aof, � � Admiralttraßr 1«e: Mitglieder-Versam«llung. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 4. Quartal 1894. 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes. Sämmtliche Mitglieder werden ersucht, zu erschemen. da die Mitglieds» Billcts ausgegeben werden. sI46/10j_ Der Dorstand. rauerei Wchelsdorf Telephon: Amt Spandau Nr. 13. Telephon: Berlin Amt VI Nr. 1116. empfiehlt ihre aus bestem Malz und Hopfen hergestellten Biere. 13432* DM- Lagerbier, hell, HW Erportbier, dnnkel, Markgrafen-Kran«ach Nicdtrlage: Berlin, Kö«igin-Mg«ßaßraie 1, am Hafcnplatz, Ringbahnbogen 1— ö. für Mehl und Hülsenfrüchte, sämmtliche uvoullclll Kolonial- und Backwaaren, Vogelfutter. As Gaiaerty N., Oderbergerstrasse 7. II Mampe mif Pomeranzen WM- HaiBti anerkannt gut, Literflasche k 1,10, 1,60, 3,10, bei 5 Flaschen k 10 Pf. billiger. Echt Sionsdorter Likör ä Liter 1,30, 5 Liter 5,50, 10 Liter 10,—. Jngber- Likör, magenstärkend, Literflasche k 1,10, 160, 3,—. Hicnbeer-, Kirsch-, Johannisbeersaft, vorzügl., Literflasche ä 1,30. Ilugaraaein, med. süß, Ve Ausbruch k Literflasche M. 3,10. 323M* Eugen Neumann& Co., Belle-Allianceplatz 6a, Neue Friedrichstr. 81, Oranienstr. 8, Genthinerstr. 39. Potsdam, Waisenstr. 87. Möbel- Gelegenheitskauf zu außergewöhnlich j billigen Preisen. Für Brautleute ganze Einrichtungen von 200—1000 M. 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Tierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max©«ding in Berlin. SW, Beuthstraß: 2.