fir. 469 39.Jahrgang Ausgabe B Nr. 228 Bezugspreis: Für den Monat Ottober 250,-., voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet sowie Defterreich und Luremburg 346, M., für das übrige Ausland 515, M. Postbestellungen nehmen an Belgien, Dänemart, England, Estland, Finnland, Frankreich, Holland, Lettland, Luremburg, Desterreich, Schweden, Schweiz, Tschechoflowakei und Ungarn. Der Vorwärts" mit der Sonntagsbeilage Bolt und Zeit", der Unter haltungsbeilage Heimwelt" und der Beilage„ Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonn tags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: „ Sozialdemokrat Berlin" Abend- Ausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 4 Mark Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezetle toftet 50,-. Reklamezeile 230,- M. „ Kleine Anzeigen" das jettgedruckte Wort 12, M.( zufäffig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10, M. Gtellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort 7,- W., jedes weitere Wort 5,- M. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwe Worte. Familien- Anzeigen für Abon nenten Beile 15,- 02. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 42 Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachmittags Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 und 2506-2507 Mittwoch, den 4. Oftober 1922 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Berlag, Hauvregpedition u. Inseraten. Abteilung: Dönhoff 2506-2507 Organisation C und Rathenau- Mord. Die guten Jungen! Die reaktionäre Bresse fährt munter fort, in ihrer Art von den Rathenau- Mördern abzurücken". Der„ Tag" schildert seinen Lesern die Angeklagten vor dem Staatsgerichtshof als herrliche Idealgestalten. Die beiden Brüder Techom machen ,, den Eindruck von guten Jungen". Der Tag" erkennt bereits, daß die Techows in Dinge hineingetappt sind, über deren Tragweite sie tein Urteil hatten". Natürlich sagen alle Angeklagten die lautere Wahrheit. Auf die Frage des Angeklagten Warnecke:„ Wem wollte sich die Organisation C zur Verfügung stellen?", kommt die flare Antwort: „ Der Regierung." Man hat dabei den Eindruck, daß Friedrich Warnecke bestimmter und fester als viele seiner Mitangeklagten aus seinem Offiziersehrgefühl heraus feine Lüge über seine Lippen bringen würde. Also: Die Organisation C zum Schutze der Republik das ist die lautere Wahrheit! Wann hätte auch ein Offizier schon mal gelogen! Daß es in den Fällen Marloh, Kessel, in den Fällen der Liebknecht- und Luxemburg- Mörder lauter Offiziere waren, die munter mit den Mitteln der Verleitung zum Meineid, der Aftenbeseitigung, der direkten Lüge arbeiteten, ist dem reaktionären Blatt nur gerade entfallen. Es war anscheinend auch kein Redakteur des„ Tag" dabei, als in den Bressesizungen der letzten Kriegsmonate Ludendorffs Breßoffiziere mit strablendem Blick der Presse verkündeten, daß alles ausgezeichnet stände. " " ich aber nicht näher verkehrte, wünschte mich zu sprechen. Günther| Angefl: Jawohl und Fischer sagte mir auch, daß ein solcher as habe von dem Plan eines gewissen Stubenrauch gehört, Riel erwartet würde. Da ich annahm, das Auto follte für die Ge Minister Rathenau zu ermorden. Ich wollte von Günther fangenenbefreiung benutzt werden, so bot ich mich, als passionierter darüber nichts Näheres hören, aber mein Bruder drang weiter in Automobilist, zur Steuerung des Kraftwagens an. Kern sagte mir mich und so entschied ich mich, Günther anzuhören. Bors.: Wann dies auch bedingt zu. Borf.: Hat Ihnen Kern nicht gesagt, daß Kern und Fischer kennen lernte. Bors: Hat Ihnen Günther war das? Angefl: Etwa zweieinhalb Monate vorher, ehe ich er den damals gefagt, daß die Absicht bestand, Minister Rathenau bei einem Besuch bei Konful Bamberger zu ermorden? Angefl: Jawohl. Vorf.: Welchen Eindruck hatten Sie von der Erzählung Günthers? Glaubten Sie, daß er den Plan mitausführen wollte? Angell: Das kann ich so genau nicht sagen. Ich hatte aber den Eindruck, als ob sich Günther persönlich für die Sache interessierte. Bors. Sie haben in der Untersuchung ausgesagt, daß Sie den Stubenrauchschen Plan abgelehnt hätten? Anget: Ich sagte in der Tat, daß mit Rücksicht auf die politischen Folgen eine Ermordung Minister Rathenaus Wahnsinn sei. Bors: Welche Folgen politischer Art erwarteten Sie denn? Angefl: Außenpolitische Folgen natürlich. Ich bat Günther aus drücklich, den jungen Stubenrauch von dem Plan abzuraten, zumal Stubenrauch ja auch erst 17 ahre alt war und eben aus der Kadettenanstalt entlassen worden war. Es war eben ein richtiger Jungenplan. R.- 2. Dr. Luetgebrune: Warum hat sich Bünther gerade an den Angeklagten Techom gewandt und welche Angefl: Mein Bruder war lediglich der Vermittler zwischen Rolle hat der jüngere Bruder Techows bei diesem Plan gespielt? Günther und mir. Andere Interessen hatte er nicht. Vor f.: Sie waren doch aber auch der Ansicht, daß es nüßlich wäre, wenn Mi nifter Rathenau beseitigt würde? Angefl.: Nein. Günther hat fich an mich nur deshalb gewendet, Ein besonderer Held ist Kapitänleutnant Tillessen. Eine weil er mich als einen Angehörigen der D. C. tannte foldatische und feste Figur". Beim Untergang des Kreuzers und wohl die Hilfe der Organisation in Anspruch zu nehmen fuchte. Yord" hat er 45 Minuten im Eiswasser gestanden.( Es wäre Borf.: Schildern Sie uns nun bitte die Ereignisse vom fritibesser gewesen, menn sämtliche Täter vor der Ermordung schen 18. Juni an. Angefl: Ein Herr, der sich Knauer nannte, Rathenaus mit Eiswasser behandelt worden wären.) So sind der aber in Wirklichkeit Kern war, telephonierte mit mir und bes alle Angeklagten ausgemachte Helden, zwei natürlich ausge- stellte mich in seine Wohnung am Zirkus Busch, wo er mir einen nommen: der Angeklagte Willi Günther, dessen Vorstraße Herrn Frisch, in Wirklichkeit Fischer, vorstellte. Kern bemegen Fahnenflucht um so peinlicher ist, als er durch seine zeichnete fich mir gegenüber als Ehrhardt- Mann und ich stellte fest, nahen Beziehungen zu den Führern der daß er tatsächlich bei der Brigade gewesen war. Daraufhin nannte er mir seinen wirklichen Namen und auch den von Fischer. Kern Deuschnationalen Partei diese kompromittiert, und fragte mich, was ich von den Stubenrauchschen Mordplan hielte, und der Angeklagte Voß, der sich zu dunklen Zwecken eine Zeit lang ich erzählte ihm, daß ich entschieden davon abraten müßte. Vors: bei den linksradikalen Parteien herumgetrieben hat. Woher fannte denn Kern den Stubenrauchschen Blan? Angefl: Ein besonderer Hieb fällt gegen den Oberreichsanwalt Das weiß ich auch nicht. Ich war übrigens der Ansicht, daß Kern Ebermayer, der nach dem„ Tag" verkündet haben soll, daß und Fischer den Stubenrauchschen Plan nur deshalb fennen lernen Mehrheit vor Recht gehe". In Wirklichkeit hat der wollten, um ihn zu verhindern. Nach meiner Ansicht wollten sie Oberreichsanwalt sich auf die verfassungsmäßige Tatsache ge- nicht, daß diese Tat etwa von der Brigade Ehrhardt in die Schuhe geschoben werden könnte. Vorf.: Fischer und Kern reisten doch stützt, daß in der Republik Mehrheit Rechtschafft. Er im Lande umher, wie sie behaupteten, um die Stimmung der Leute hat bewiesen, daß das Gesetz zum Schutz der Republik, selbst tennenzulernen. Hatten die beiden etwa vor, die wenn es mit der Verfassung in Widerspruch stände, doch rech tens ist, weil der Reichstag es mit Zweidrittelmehrheit ange- zu fondieren? Angel.: Nein, nach meiner Ansicht wollten die nommen hat. So wird von der reaktionären Bresse all und jedes Moment zugunsten der angeklagten Mörder verdreht und umgebogen. Aber:„ man rüdt von ihnen ab!" * * Zweiter Berhandlungstag. Stimmung für einen neuen Kapp- Pulsch Angeklagten Niedrig als Chauffeur erwarte? Angefl: Namen wurden nicht genannt. Rern fagte mir aber, ich folle mich in meiner Wohnung bereit halten und auf seinen telephonischen Anruf wegen der Sache warten. Ich ging dann am Sonntag, den 18. Juni, nach der Unterredung nach Haus, und da Kern mich bis zum Abend nicht anrief, besuchte ich das Sommerfest der Technischen Nothilfe. Als ich morgens nach Hause fam, fand ich einen von meinem Bruder geschriebenen Zettel vor, ich folle morgens 8 Uhr auf dem Anhalter Bahnhof sein, um ein Auto aus Dresden zu holen. Ich bekam von Kern 1000 M. und einen Brief an einen gewissen Brett, der in Wirtlichkeit Brandt hieß und den. ich auf dem Hauptbahnhof in Dresden traf. Ich kannte Brandt von der Brigade Ehrhardt her. Wir fuhren dann nach Freiburg weiter und ich ging in ein Restaurant, während Brandt sich in die Wohnung des Friz Küchenmeister begab, um mit diesem über das Auto zu verhandeln. Nach sechs Stunden fam Brandt wieder und sagte, wir müßten nach Dresden trafen wir dann auf der Straßenbahn zufällig Steinbed. Dresden zurückfahren, da Küchenmeister noch unschlüssig sei. In Bors.: Hat Steinbeck Sie eingeladen, bei ihm zu übernachten? Angebl.: Das weiß ich nicht, denn er hat das mit Brandt be sprochen. Gegen 11 Uhr abends fuhren wir in Dresden nach einem Vorort, wo Steinbeck ein villenähnliches Haus öffnete und uns einlud, in seine Wohnung zu kommen. Bors.: Wie hieß der Borort? Angeti.: Das weiß ich nicht. Vorf.: wußten Sie, daß Steinbeck de utfch- völtisch war? Angefl.: Das nahm ich ohne weiteres an. Borf.: Sie haben also nach Ihrer Angabe in Dresden mit Brandt und Steinbeck über den Mordplan gegen Minister Rathenau überhaupt nicht gesprochen? Angefl.: Nein, bestimmt nicht. Bors.: Haben Kern und Fischer Ihnen gesagt, daß Sie an Brandt teine Fragen richten dürften, Sie würden doch feine Antwort bekommen? Angeft. Techow: Jawohl. Ich habe das so aufgefaßt, daß jeder nur soweit in das Vorhaben ein, geweiht werden sollte, als es zur Erledigung seiner Aufgabe nötig war. Vors.: Haben Sie Fischer und Kern als Ihre Vorge. fegten betrachtet? Angefl.: Jawohl. Bors.: Auf Grund Ihrer Zugehörigkeit zur Organisation C.? Angefl.: Kern gehörte der Organisation C. ja gar nicht an, aber er war der Leiter des Unternehmens und deswegen mußte ich feinen Anordnungen Folge leisten. Am Dienstag, den 20. Juni, begab ich mich dann mit Brandt in das Bureau des Deutschnafionalen Jugendbundes in Dresden, wohin uns Johannes Küchenmeister telephonisch mitteilte, daß er um 22 Uhr mit dem Auto nach Dresden kommen Altenmarkt. würde. Das geschah auch und wir trafen uns in einem Lokal am beiden Material für die Wahlpropaganda zufammenBrandt führte ein Gespräch mit Küchenmeister, von tragen. Vors: Für welche Partei denn? Angefl: Das deffen Inhalt ich aber feine Kenntnis hatte. Später sprach auch ich weiß ich nicht. Ich selbst erklärte Kern auch, daß ich von mit ihm, aber nur über fahrtechnische Angelegenheiten. Er schien Stubenrauch auch wenig wüßte, aber ich erklärte mich auch mich zu prüfen, ob ich auch etwas vom Auto verstände. Vors.: bereit, die beiden mit Günther befanntzumachen, der näher infor- Brauchten Sie nicht einen Chauffeurausweis? Angefl.: Ich miert war. Im Laufe der Unterhaltung sagte mir Kern, er er hatte ja einen Führerschein. Außerdem mußte ich auch die Papiere warte ein Auto aus Dresden, mit dem nationalpoli. Des Wagens haben, sonst hätte man glauben fönnen, daß ich das tische Dinge ausgeführt werden sollten. Vorf.: Was denn zum Auto gestohlen habe. Borf.: Das war das Auto, mit dem dann Beispiel? Angefl.: Es war beabsichtgit, Gefangene im befehten später die Tat ausgeführt worden ist? Angefl.: Jawohl, es war Gebiet zu befreien, die von den Franzosen unschuldig verurteilt ein 16/50 Mercedes, ein gewöhnlicher sechsfiziger Tourenwagen. worden waren. Vors.: Wenn aber Kern und Fischer sich so inten- orf.: Ein Chauffeur Buchna will von Ihnen eine Aeußerung fiv nach Stubenrauch erfundigten, mußten sie doch für den dahin gehört haben: Der Bersihende machte dann den Vorschlag. Untersuchungs- Bian großes Intereffe haben oder etwas Aehnliches beabsichtigen? richter Dr. Alfon zu laden, für den Fall, daß die von ihm auf- Angel.: Ich war durchaus der Ansicht, daß die beiden Stuben: genommenen Untersuchungsprotokolle angezweifelt werden sollten. rauchs Vorbereitungen rückgängig machen wollten. Vors: Hat Rechtsanwalt Dr. Quetgebrune widerspricht jedoch dem An- Ihnen Kern nicht gesagt, daß trage, da er, um eine Befangenheit der Angeklagten zu verhüten, vorläufig ohne Zeugen die Bernehmungen fortzufezen bittet. Hierauf wurde als erster Angeklagter der Student des Maschinenbaufaches BS. Leipzig, den 4. Oftober 1922. Als Sachverständiger erschien heute morgen Dr. Bidenbach Berlin, der von der Verteidigung als medizinischer Sachverständiger geladen ist, und der Verhandlung bis zur Erstattung feines Gutachtens beiwohnen wird. Ernst Werner Techow er einen Autoführer brauchte? Neue Dollarhausse. Heutiger Kurs: 2130. „ Die Nummer wird vorn und hinten verhängt oder abgeschraubt." Ang et l.: Das ist mir nicht erinnerlich. Wenn ich es gesagt habe, dachte ich natürlich daran, daß wir mit dem Wagen in bas besetzte Gebiet fahren müßten. Vers.: Sie sollen auch gesagt haben:„ Das bekommt man in jeder Waffenhandlung." Angefl.: Das weiß ich auch nicht. Jedenfalls bezog es sich auf dieselbe Angelegenheit. In Berlin famen wir dann um 12 Uhr nachts an, und ich machte Kern von unserer Ankunft Mitteilung. Er sagte: " Für heute ist es zu spät" und bestellte uns für den nächsten Tag nach Unter den Linden Ecke Friedrichstraße. In seinem Zimmer in zur Sache vernommen. Bor: Sie gehörten zum Deutschnationalen Jugendbund und zu dem Deutschvölkischen Schuh- und TrußDer Berliner Devisenmarkt stand heute wieder im Zeichen der Pension befanden sich außer ihm Fischer und v. Salomon. bund? Welcher Partei gehören Sie an? Angefl: Gar stürmischer Hauffe. Der Dollar stellte sich gegen mittag auf 2130. Wir brachten den Wagen in eine Garage und übernachteten in feiner. Borf.: Wie femen Sie in die Organisation Conful hin- Es handelt sich bei den Käufen vorwiegend um die Deckung des einem in der Nähe befindlichen Gasthof. Da es ein ziemlich übles Lokal war, trugen wir uns unter folschen Namen ein ein? Angeft: Darüber verweigere ich die Auskunft. Bors.: Devisenbedarfs der Industrie und des Einfuhrhandels. Durch die Am nächsten Morgen, Mittwoch, den 21. Juni, waren wir, wie verSie waren in der D. C. fürzlich durchgeführte Festsetzung eines bestimmten Kreises von abredet, an der Ede Friedrichstraße und Unter den Linden, wo größeren Bankfirmen, die allein zum Devisenhandel berechtigt find, Kern, Fischer und v. Salomon einftiegen. Wir machten dann eine ist die fleine Spefulation ziemlich ausgeschaltet Fahrt in den Tiergarten, und ich aß mit Fischer und Stern im Rafino oder auf den Umweg über diese Banken verwiesen. Die Umsätze, der Technischen Hochschule zu Mittag. Bors: War auch hier die den jezigen Kurssteigerungen zugrunde liegen, find eigentlich gar nicht von Ihrem Plan die Rede? Angel.: Nein. Für mich nicht sehr groß. Sie erklären sich nur daraus, daß am Markte ftond es ja feft, um was es sich handelte. Nachher holten wir gegenwärtig jedes Angebot fehlt, so daß die kleinste Nachfrage sprung- Günther ab und fuhren alle zusammen nach Wannsee- Nikolasee. Ich dachte, daß unterwegs Fischer und Kern mit Günther sich hafte Erhöhungen nach sich zicht. über den Stuber rauchschen Plan unterhalten würden; da ich aber auf den Wagen achten mußte, hörte ich von der Unterhaltung nichts, In Nikolajee zum Gehorsam gegenüber Ihren Vorgesehien und zur absoluten Berschwiegenheit verpflichtet? Ist das richtig? Angefl.: Jawohl. Borf.: Sie haben größere Reifen für die D. C. gemacht? Angefl: Darüber verweigere ich die Auskunft. Bors: Sie haben von Ihrer Mutter monatlich ein Taschengeld von 400 m. erhalten. Haben Sie auch von der D. C. Einfünfte gehabt? Anget: Ich bekam Aufwandgelder. Borf: Wer zahlte Ihnen diefe Gelder aus? Angefl: Darüber verweigere ich die Auskunft. Borf: Schildern Sie uns, wie Ihnen der Plan, Minister Rathenau zu ermorden, bekannt wurde. Angefl: Eines Tages fam mein Bruder und fagte mir, ein gewisser Günther, den ich flüchtig fannte, mit dem Die Effektenbörse bietet zurzeit das gleiche bewegte Bild wie im Sommer 1921. Auf allen Märkten Kurssteige rungen von mehreren hundert Prozent bei stürmischem Geschäft. Die Aufträge fommen teils aus dem Auslande, größtenteils aber aus der inländischen Provinz. -setzte ich mich an einen besonderen Tisch, weil ich ja Chauffeurkleidung trug. ( Fortsetzung in der Morgenausgabe.) Die Parteiführer in der Reichskanzlei. Zeit des Weltkrieges und darüber hinaus: nämlich die An- 1 Inzwischen hat aber schon wieder ein Mitglied der neuen Partei, sprache an die nach China abgehenden Truppen, denen der sogar ihres Parteirats", feinen Eintritt in die geeinte Partei voll. oberste Kriegsherr diesen Rat erteilte: zogen. Es ist dies Gen. Ra u Gleiwiz, der am 30. September in 11 = Wie die PPN. hören, versammelten sich die Parteiführer heute um die Mittagsstunde in der Reichstanzlei, wo sie in Kommt Ihr an den Feind, so wird berselbe geschlagen! einer dortigen Bezirksversammlung der USP. erklärte:„ Nachdem Abwesenheit des Reichskanzlers vom Vizekanzler Bauer pardon wird nicht gegeben! Gefangene werden nicht gemacht! die heutige Versammlung der Ortsgruppenvorstände und Mitglie mpfangen wurden. Die Aussprache galt in der Hauptsache Ber Euch in die Hände fällt, fei Euch verfallen! Wie vor 1000 der sich erneut und mit großer Majorität auf den Boden der Eini. der Frage der Neuwahl des Reichspräsidenten, Jahren die Hunnen unter ihrem König Ehel sich einen Namen ge- gung gestellt hat, würde es ein Unrecht von mir sein, der ich stets Sie in absehbarer Zeit nunmehr durchgeführt werden soll, nach macht, der sie noch jeht in Ueberlieferung und Märchen gewaltig er- für eine möglichst große Busammenfaffung der proletarischen Kräfte dem nach der Entscheidung in Oberschlesien die Grenzen der scheinen läßt, so möge der Name Deutscher in China auf 1000 Jahre im oberschlesischen Bezirk eingetreten bin, beiseite zu stehen deutschen Republik feststehen. durch Euch in einer Weise betätigt werden, daß niemals wieder ein und damit Verwirrung in die Reihen der Genoffen zu tragen." Chinese es wagt, einen Deutschen auch nur scheel anzusehen! Es ist ein arges Pech, daß der Klassentampf" vom 4. Oktober Redaktion Volksrecht", Zürich. 17 Moskauer Lügenmeldungen. Diese Hunnenrede" hat nicht zuletzt dazu beigetragen, einen Mann als Mitglied feines Barteirats anführt, der ein solches Genoffe Dittmann schreibt uns: Aus Zürich ist am 30. Sep. während des Krieges den Welthaß gegen das Wilhelminifche ernichtenbes Urteil über die neue, hoffnungslose Parteisember, nachmittags, folgendes Telegramm abgeschickt: Deutschland zu entfachen und machzuhalten. Für die Greuel- gründung gefällt hat.. heze der Poincaristen und der Northcliffe- Breffe, für die Bar- Jenseits des Stroms der Arbeiterbewegung. Wilhelm Dittmann, Reichstagsabgeordneter, Ritterstr. 75 baren- und Hunnenpropaganda in aller Welt hatte Wilhelm Berlin SW. 68. Der flägliche Reinfall der Kommunisten mit ihrer BeSchweizer Presse bringt nach Europa- Pres halbamtliche Mos- damit das Stichwort gegeben. Kein Wunder, daß er in seinen triebsratsdemonstration am Sonntag zeigt die Bedeutungslauer Meldung, Leitung der Unabhängigen habe vor einiger Zeit Erinnerungen" sich daran nicht gern erinnert. Daß er sich von dem Grübchen- Kanzler Bülow herein- lofigkeit der KPD., wenn sie in die Isolierung gerät. Kein unter Hinweis auf verzweifelte finanzielle Lage der Partei nachgelegt fühlte, haben wir schon gestern an dem Beispiel der Zweifel, daß an dieser Perspektive die starken Gegensätze Moskau Hilferuf gerichtet. Dritte Internationale darauf bereit er angerreise verzeichnet. Ausführlich kommt er neuer- innerhalb der KPD. sich entzünden müssen. In ihren eigenen klärt, deutschen Unabhängigen einmalige größere Unterstützung zu dings zu sprechen auf das bekannte„ Daily Telegraph"-Inter- Reihen wütet der„ AP.- Geift". Ihre Absplitterungsgruppe, gewähren. Regelmäßige Unterstügung aber troh Drohung, Unabhängige würden fich Mehrheitssozialisten anschließen, von Moskau view, das im Jahre 1908 so ungeheures Aufsehen erregte. Die die Kommunistische Arbeiterpartei, setzt der KPD. von links fategorisch abgelehnt. Erbitten per Draht sofort Erilärung von Ihnen. Geschwähigkeit des ehemaligen Kaisers hatte damals sogar den immer schärfer zu. In der„ KA3." wird die neueste fommusonst so gefügigen Reichstag zu einer Abwehrattion nistische Barole der Kontrolle der Produktion in Grund und gegen das persönliche Regiment aufgepeitscht, so daß Bülow, Boden verdammt. Ueber die Siegesberichte der„ Roten Fahne" Dieses nach der Redaktion der am 1. Oftober einge der getreue Ablatus des faiserlichen Herrn, sich veranlaßt sah, heißt es, daß sie bekanntlich an" amtlicher verlogener Stimgangenen Freiheit" gerichtete Telegramm ist laut Stempel Schon am 30. September 9,30 Uhr nachmittags beim Berliner von diesem Eingreifen Wilhelms in die auswärtige Politit ab- mungsmache bei weitem die entsprechenden Leistungen LudenBoftamt 68 eingetroffen, aber erst am Morgen des 4. Oktober zurücken und dem Kaiser nahezulegen, sich einer größeren Zu- dorffs übertreffen". Aus Ostfachsen wird berichtet, daß Ortsmir zugestellt worden, nachdem es laut Vermerken verschiedene rückhaltung zu befleißigen. In feinen„ Erinnerungen" plaudert gruppe auf Ortsgruppe der KPD. zusammenbricht. Die KAP. hält den Kommunisten ihr unabwendbares Irrfahrten gemacht hat, trotzdem eine Verfügung der Post- Wilhelm aus, daß der Inhalt des sogenannten Interviews verwaltung besteht, nach der bei Reichstagsabgeordneten, wenn lediglich die Unterredungen widerspiegelte, die der Kaiser bei eigenes Schicksal vor Augen: den hoffnungslosen Berfall sich in die Adresse zweifelhaft ist, sofort im Reichstag anzufragen ist. feinem englischen Besuch mit den verschiedensten Personen ge- Diskussionen zersplitternder Gruppen. Jede Konferenz beginnt Bur Sache felbft genügt die einfache Erklärung, daß jedes Pflogen und über die er dauernd anden kanzler be- mit Ausschlüssen und Neutonstituierungen. Begreifen die Kommunisten, daß sie mit ihrem hemmungsWort der Moskauer Meldung erst unten und erlogen richtet habe. Der Kanzler hätte ihm wiederholt seine 3 uist. Die USPD. hat stets auf dem Standpunkt gestanden, daß timmung zu diesen tapfigen Versuchen telegraphiert, mit lofen Kampf gegen die Gewerkschaften, gegen alle Arbeitereine politische Partei aus den Beiträgen ihrer Mitglieder England auf einen besseren Grüßfuß zu fom- organisationen sich nur selber ihr eigenes Grab schaufeln? existieren muß, und die Moskauer Subvention die Ursache der men". Daß Bülow ihn dann dem Reichstage und der Deffent- Nach der Einigung der großen Arbeiterparteien gibt es für sie persönlichen, moralischen und politischen Korruption der RBD. lichkeit gegenüber im Stiche ließ, hat ihn begreiflicherweise ge- nur noch ein Schicksal, das Schicksal der Sekte. ist. Offenbar ist die Moskauer Meldung zu dem Zwede er fränft. Die Treue dieses Kanzlers steht auf einem besonderen funden und ins Ausland und bezeichnenderweise nicht Blatte. Er war, was heute besonders interessant ist, der Kannach Deutschland! lanciert, um den hohen politischen Kredit, bi dat der Liberalen, als es sich darum handelte, bei den die USPD. bei den sozialistischen Parteien des Auslandes Kriegsende das parlamentarische System einzuführen. genoß, zu zerstören und die Bereinigte Sozialdemokratische Die Liberalen waren immer gläubige Gemüter. Partei Deutschlands bei ihnen von vornherein zu diskreditieren. Bei dieser Gelegenheit sei auch festgestellt, daß die USPD. nicht nur völlig ohne Schulden in die Bereinigte Partei eingetreten ist, sondern in ihren zahlreichen Presseunternehmungen auch mertvolle Bermögensobjekte mitgebracht hat. Die neuesten Moskauer Lügen über die USPD. sind damit gerichtet. Erinnerungen und Vergeßlichkeiten. Die Ledebour- Gruppe. Erste Lebensäußerungen. Der Parteibeitrag ist mit mindestens 5 M. für Männer, 3 M. für Frauen wöchentlich festgesetzt. Sozialdemokratische Partei Deutschlands" nennt, ist heute zum Das Organ der Ledebour- Gruppe, die sich selber" Unabhängige erstenmal erschienen. Es heißt laffentampf" und ist ei Wochenblatt von der Stärte eines Druckbogens. In einem Aufruf an die Arbeiterschaft Deutschlands werden die bekannten Klagen über die rein reformistische" Richtung der geeinten Partei erhoben. Die Erzählungen Wilhelms des Lezten aus seiner so. Als provisorische Parteileitung zeichnen: Ledebour Ledebour und genannten Regierungszeit tröpfeln langsam aber beharrlich Th. Liebknecht als Borsigende, Lautant, Salzbrunn und Elfe weiter durch die Spalten der nationalen Presse in die Deffent- Wichmann als Beisitzer, ferner ein Barteirat, bestehend aus Danneil lichkeit. Was der einst so große Mann mitzuteilen hat, geht Bera, Dobler- München, Baula Keller- 3widau, Obuch- Düsseldorf, über das Niveau des Anekdotenhaften fast nie hinaus. Breit Rau- Gleiwis, Reichheim- Hamburg und Walther- Bolmarstein. und ausführlich schildert er sein persönliches Verhältnis zu den Kanzlern, die ihm dienten und die Verlegenheiten, die sie ihm angeblich bereitet haben. Am meisten eingenommen ist er von feinem„ Dheim", den alten Hohenlohe, mit dem er als Reffe auf dem besten Fuße stand. Dieser hat ihm nach Wilhelms Angaben zur Erwerbung von Tsingtau und Riautschou geraten. Er hat auch empfohlen, daß der Bruder des Kaisers das Obertommando der Ostasien- Flottendivision übernahm. Aber bei aller Weitschweifigkeit der Erinnerungen passieren dem Herrn von Doorn doch sehr mertwürdige Bergeßlichkeiten. So ausführlich auch das ostasiatische Abenteuer geschildert wird, so hat doch der Schreiber der Erinnerungen eine sehr wichtige Rede vergessen, die er felber gehalten hat, für die fein Kanzler die Verantwortung trug und die um so schlimmer in die Ferne wirfte bis in die Bitterböse Gedanken. Bon EII EIL. In einem programmatischen Leitauffah wird die Einigung der Sozialdemokratie mit den Kommunisten als die Aufgabe der neuen Bartei bezeichnet. Die Einigung soll im Zeichen des Klaffentampfes nach Abstoßung unheilbar tompromittierter Führer" erfolgen. In einem weiteren Artikel von Baula Reller wird die vollzogene Einigung als Romödie" bezeichnet. Auch eine Berliner Parteileitung ist schon tonstituiert. Sie besteht aus Lautant, Schliep, Huba, Justin Braun, Albert Klein, Gesell, Bertha Lungwiz, Elfe Wichmann und Käthe Spitzweg. An Erfolgen" meldet das Blatt Ablehnung der Einigung mit 54 gegen 41 Stimmen in Stegliz, dem Wohnort Ledebours, und fast restlosen" llebergang ber Krefelber Ortsgruppe zur neuen Partei. es immer noch erträglich geht. Und sie haben ja auch recht. Zieße man der Verzweiflung Raum, müßte sich die Menschheit selbst auf geben. Aber da gibt es doch noch Menschen, für die das Rezept nicht gilt. Die fich empören. Die sich aufbäumen gegen das harte Sajid. Der Lod?! Lachhaft! Nie habe ich ernsthaft an den Tod ge- fal. Die sich nicht unterkriegen lassen wollen. Und die todeswund, bacht. Selbst nicht im Granatenregen. Eine eigentümliche, mir unbewußte Straft gab mir an den heißesten Tagen im Felde Sicher mit zerfegtem Herzen, auf der Walstatt bleiben. Was ist in diesen heit und Festigkeit. Ich wage es nicht einmal, von Heldenmut oder Jahren der Zerstörung, der Licht und Freudlosigkeit an hohem Todesverachtung zu sprechen. Aber ich erlebte es, daß in den Mut, ebler Gerechtigkeitsliebe, rüftiger Schaffensfreude und frohem Momenten höchster Gefahr, da das Leben nur an winzigen Fädchen Bukunftshoffen verlorengegangen? Unwiederbringlich! hing, mein feelisches Gleichgewicht vollkommen war. Die AufDie Welt wird arm. Nicht nur an wirtschaftlichen Gütern. regung, die Tobesangst, das hastige, verzweifelte Suchen der Kame. Ihre besten Söhne und Töchter schwinden dahin. Gerade die, die raben nach Deckungsmöglichkeiten, die, genau besehen, gar feine sich nicht so leicht einordnen: Die Hochgesinnten. Die Großherzi waren, blieben mir fremd. Ich hatte teine Borstellung vom Tode. Nicht einmal mehr hinausichrien fönnen sie ihre Qual. Fie mür. Die Einfamen. Die Feinervigen. Die Feinnervigen. Ihre Kraft erlahmt. Obgleich um mich herum fein Weizen üppig blühte Das ist anders geworden. Bon Grund auf anders. Im den ein grausames Echo finden: Man muß eben aushalten. AnFrieden! Im gebenedeiten, geheiligten Frieden! Im Frieden, der deren geht es ebenso! dem Menschen, dem denkenden, fühlenden, die lehte Lebenskraft Dagegen läßt sich nichts sagen. Das ist allgemeingültig. Ich auszehrt. Im Frieden, der Freude, Lust, idealen Gedankenschwung, erinnere mich wohl, daß ich selbst immer sehr rasch diese Formel Begeisterung, ja selbst die Liebe verzehrt. Richtiger: er verzehrt die zur Hand hatte. Damals, als noch Hoffnungsseligkeit die jugend. Kraft, zu lieben, zu hassen, zu tämpfen, zu leben. Er nagt am liche Brust erfüllte. Lebenswillen. Er untergräbt langsam, aber sicher, den Glauben an Wie lange ist das her? Es scheint Ewigkeiten. das Leben. Dieser Frieden! Und gebiert so die Gedanken an den Tod. Mrichmal staune ich aufrichtig. Daß alles so weitergeht. Als cb alles in Ordnung wäre. Gehe ich die Leipziger Straße herauf, so zwischen 4 und 6 Uhr, so hindert mich nur mein besseres Wissen, an die sorglofesten Zeiten zu denken. Aber da! Der Blinde, dort die Frau mit ihren Kindern, verhungert, elend, hier der Krüppel mit feinen Beinstümpfen, die er entblößt zeigt. Sie reden die Hände nach Gaben. Mir aber stoßen ihre ausgereckten Hände ins Herz. Lief hinein. Ich spüre den Schmerz! Den ohnmächtigen Schmerz, der mich elend macht. Ich wende mich ab. Aber mein Blid wandert immer zurük. Kann das Elend nich: faffen. Kann es nicht begreifen, daß alles so weiter geht. So! Ich weiß von älteren und alten Leuten, die sichtbar sterben. Bon denen man mit mathematischer Bestimmtheit fagen tann, um die und die Zeit wird es wohl mit ihnen zu Ende sein. Sie haben ein Stüd nach dem andern nectauft. Was nur irgend entbehrlich schien. Alte Familierstücke, fleine Bequemlichkeiten des Lebens. Nahmen Beld und gaben ihr Herzblut dafür. Mit jedem weggegebenen Stüd schwand ein Stüück Lebenskraft. Ich sehe dies Sterben. Ich fann nicht helfen. Ich weiß, tönnte ich felbft an einer Stelle helfen, würden tausend andere im Elend versinken. Und es geht alles ruhig weiter. Die Menschlichkeit erträgt auch dieses. Mein Herz schreit: Ich ertrage es nicht! Da sagen die Leute immer: Man muß die Zähne zusammen beißen. Es wird schon wieder beffer. Meistens fagen es die, denen Auch ein Begräbnis. Man schreibt uns: Am 30. September hatte ich die Ehre, einer ergreifenden Begräbnisfeier in der nicht zu unterfchäßenden Eigenschaft eines wirklich Leidtragenden beizu wohnen: Der alte Posttarif wurde unter allgemeiner Anteilnahme zahlreicher Bevölkerungsschichten opferfreudig zu Grabe getragen. Da es nicht gut anging, einen Kranz mit irgendeiner Schleife oder einer rührenden Inschrift anfertigen zu laffen, ich vielmehr das Traurige mit dem Nüglichen verbinden wollte, steckte ich einige Bahlfarten, deren jede über den Riesenbetrag von 100 Pfennigen lautete, zu mir und femmte ein Botet unter den Arm, das ich einem entfernten Verwandten als Weihnachtsgeschent zuschicken wollte. ich begab mich, mit genügenden Taschentüchern versehen, nach einem der zahlreichen Postämter Groß- Berlins und konnte hier die befrie digende Feststellung machen, daß sich der alte Postbarif eine Unzahl von Berehrern erworben hatte. Alle Welt schien heute Pakete oder Briefe fortschicken zu müssen. Im Batetraum wie an ben Brief. und Telegrammschaltern stauten sich gewaltige Menschenmengen, die bis in den Hof hinein ragten und stets neue Zufuhr erhielten. Ein turzer Blick auf das großartige Leichengefolge zeigte mir, daß es sich zumeist aus den unteren Boltstreifen zufammenseite: Alte Frauen, gebeugt unter der Last von Jahren und Pateten, Arbeiter mit grauen, arbeitsmüden Gesichtern, Proletarierfinder mit zerrissenen Schuhen und oft noch zerrisseneren Hosen oder Kleidern der Leichenrebe der beiden Postbeamten, denen die traurige Pflicht oblag, das Gewicht der dargebrachten Opferfpenden festzustellen und die Umsatzsteuer" dafür zu erheben, vernahm ich nichts. Nur langfam, in einem wunderbaren Schneckentempo, schob sich die Reihe, in die ich festgeteilt war, an den langen Tisch, das Ziel der Sehnsucht der vielen Trauernden, heran, langfam, aber umerbittlich wie das Schicksal, von dessen Tüde der alte Postbarif so jäh dahingerafft Nachspiel zum Lötener Prozeß. Die Verhandlung vor dem Gericht in Löten gegen eine große Bahl von Mannschaften des dort garnisonierenden Reichswehrbataillons, in deren Verlauf mehrere Fälle von vorschriftswidriger Behandlung von Soldaten durch Offiziere und Unteroffiziere zur Sprache tamen, wird, den PPN. zufolge, die Grundlage bilden für ein Einschreiten gegen die schuldigen Offiziere und Unteroffiziere, die in erster Linie mitverantwortlich sind für die Misstimmung unter den Mannschaften des Bataillons. Sozialistenspaltung in Italien. Rom, 4. Oftober.( Ep.) mit etwa 3000 Sfimmen Mehrheit beschloß der sozialistische Kongreß, alle Mitglieder, die für eine Beteiligung an einer koalitionsregierung find, auszufchließen. Rom, 4. Oktober.( WTB.) Auf dem Sozialistentongreß erklärte der Avani"-Direktor Serrati, es sei unmöglich, die Einigkeit der Partei aufrechtzuerhalten. Alle in diesem Sinne eingebrachten Anträge lehne er ab. Der Kongres nahm darauf mit 32 106 Stimmen einen Antrag der Marimalisten an, welcher den Ausschluß der Anhänger einer Mitarbeit mit den anderen Parteien vorschlägt. Ein Antrag der unitaristischen Mitte, der für die Einigteit eintrat, wurde abgelehnt. Rom, 4. Oftober.( WTB.) Da der Sozialistentongreß mit etwa 3000 Sfimmen Mehrheit den Ausschluß der Rechtsstehenden befchloffen hat, entstehen zwei neue Parteien, deren eine ungefähr der neugeeinten deutschen Sozialdemokratischen Partei entfpricht und achtzig Abgeordnete, darunter alle bekannten Führer sowie alle Organisationsleiter, zählt, während die andere, nach Moskau gerichtete, an deren Spitze der Avanti"-Direttor Serrafi steht, nur etroa 42 Abgeordnete umfaßt, obwohl fie auf dem Kongreß die Mehrheit hatte. Biel bemerkt wird, daß die Gesamtpartei nur noch 73 000 Organisierte umfaßt. wurde! Die belden Beamten ließen sich in ihrer Ruhe und Bürde nicht stören. Automatisch taten sie ihre Pflidyt. Ebenfo automa tisch schauten sie mit einem Seufzer auf die Uhr, als es sechs schlug. Sie schienen einen fdyweren Rampf zu fämpfen. Gottlob fiegte die Bietät gegen den Dahingeschiedenen und sie walteten auch fernerhin thres Amtes, während ein anderer forgsam bas Tor des Batetraumes schloß, um dem Zuftrom neuer Leibtragender zu wehren. Leider murde der Ernst der Handling des öfteren durch rohe, gefühlsmäßige Es durchschauerte Aeußerungen einiger Leidtragender entweiht. mich, als mein Nebenmann einem später Gefommenen, den es trieb, sich schnell seiner Opfergaben zu entlebigen, zurief: Gie Männefen, Sie brauchen ja nich so zu schleichen. Semogelt wird nich, fonft tippe id Ihnen mal mit mein Fuffzichfundpatet vorn dem Toten Schlechtes. Ich war daher froh, mich meiner OpferBauch!" Andere wieder trieben hohe Politis" oder redeten von spenden am Patetschalter entledigen zu fönnen und begab mich zu den Briefschaltern. Wehe mir! Es war fünf Minuten nach 6, ein Cerberus stand vor der Tür und ließ mich nicht ein, weil sich sonst die Herrschaften da drin beschweren würden". Die Herrschaften? Also: Die Beamten! Ich sah ein, daß niemand mehr als seine Pflicht tun tann und ging traurig heim Die Sünde wider den Geiff" beschlagnahmt. Wie die deutich nationale Niederdeutsche Zeitung" erfährt, ist der bereits vor zwei Jahren erschienene Roman Arthur Dinters Die Sünde wider den Geist" auf Grund des Gesetzes zum Schußze ber Republit befchlagnahmt worden und gegen den Buchverlag Matthes u. Boß in Leipzig und Bartenstein ein Prozeß eingeleitet worden. Von der Kunsthochschule. Der Maler Prof. Ferdinand Spiegel, der Leiter der einen Beichenschule an der Hochschule für die bildenden Künfte, hat den Bunich ausgesprochen, fein Lehramt niederzulegen. Der Künstler, der aus München vor einigen Jahren an die Berliner Hochschule berufen wurde, will wieder nach München zurückkehren. Da er aber dort noch keine Wohnung gefunden hat, hat Spiegel vorläufig noch lein Berliner Lehramt behalten. Die Hochschule bat im legten Halbjahr 18 Frauen. Im bemnächst beginnenden Winterhalbjahr werden die Unter118 eingefchriebene Schüler zu verzeichnen gehabt, darunter richtsgebühren wesentlich erhöht werden müssen, auch die für Ausländer, die bisher den fünffachen Betrag der Säge für die Reichsdeutschen bezahlen bruar bis 15. März 1923 in den neuen Ausstellungsräumen der Berliner Die Frühjahrsausstellung der Freien Gezeffion wird vom 1. Fe Galerie van Diemon, Unter den Linden 21, stattfinden. Es wird die erite Beranstaltung sein, bie die alte, unter Liebermanns Ehrenpräsidentschaft ftehende Kerntruppe der Sezeffion mit ihrem neuen Vorstande unternimint, den Mar Bechstein als Borsitzender leitet. Bet Paul Caffirer, Biltoriaftr. 85, wird eine Bastellollektion von Bon Dora i gezeigt. Studien und Tagebuchblätter aus Italien, der Schweiz und der Mar?. Das Schicksal ber Goethe- Meliquien in Frankreich. Der Ber auf der Goethe- Reliquien, der am 28. Dftober in hon stattfinden sollte, wurde aufgeschoben. Dagegen werden die anderen Stunft gegenstände in einigen Tagen versteigert werden. Die Stadtverwaltung hatte sich dafür eingefekt, daß die Goethe- Reliquien einstweilen der Versteigerung entzogen würden, bis eine endgültige Lösung dieser Frage gefunden fel Stimmungsumschwung in Gnechenlanö? Athen, 4. Oktober.(Vena). Das demobilisierte griechische Heer beginnt sich in den Garnisonen zu sammeln. In ganz Griechen- land ist ein S k i m m u n g s u m s ch w u n g gegen die Alliierten mahrzunehmen. Der neue Sriegsminister hielt eine Ansprache, in der er sagte:„Wir werden Thrazien bis zum letzten Mann und bis zum letzten Schützengraben verteidige u." Mmerika unö Sie weltschulöen. New ZZ-rk. 4. Oktober.(WTB.-Funkspruchs Wie„New Dort World" aus Washington meldet, erklärte Senator C a r a w a y, der unlängst aus Europa zurückgekehrt ist, wo er am Kongreß der inter- parlamentarischen Union teilgenommen hat, ihrem VerichterstaUcr, Frankreich bestehe darauf, das einzutreiben, was ihm nach dem Versailler Vertrag zukomme, sei jedoch nicht willens, seine internationale Schuld zu bezahlen. Der beste Dienst, den die Vereinigten Staaten erweisen könnten, wäre, Frankreich zu sagen, sie erwarteten von ihm, daß es den Bestand seiner Armee verkleinere, seine Ausgaben mit seinen Einnahmen in Einklang bringe und sein« Schuld an die Ver«mgt?>i Staaten bezahle. Es würde in Amerika nicht verstanden werden, fügte Senator Earaway hinzu, wenn die Vereinigten Staaten Europa unterstützten und dabei zuließen, daß Europa Geld vor- schwende, um Taufende von Soldaten unter Waffen zu halten. Auf der Konferenz der amerikanischen Bankiers, an der 10 Ml) Delegierte teilnahmen, hielt heute der Finanzmann L e m o n t eine Rede, in der er erklärte, die öffentliche Meinung in Amerika und Europa messe heut« der Frage der interalliierten Schul- den eine solche Bedeutung bei, daß das Reparations» Problem daneben erst in zweiter Linie komme. Deutsch- land könne keinen Betrag zahlen, der sich der im Friedensvertrag festgesetzten Reparationssumme nähere. Der Redner forderte die Amerikaner auf, sich zu überlegen, ob nicht gewisse alliierte Schulden an Amerika annulliert werden sollten. Trotz der schweren politischen Lage habe Europa Fortschritte in wirtschaftlicher Beziehung gemacht. * London, 4. Oktober.(WTB.) Eine Abordnung des Ver- bandes der britischen Handelskammern sprach gestern beim Schatzkanzler vor, um die Regierung nachdrücklichst auf die Notwendigkeit einer baldigen Regelung der Repara- tionsfrage im Interesse des britischen Handels hinzuweisen. Der Schatzkanzler versprach, die Ansichten der Abordnung einer sorg- fältigen Erwägung zu unterziehen. Sozen unter Zasciftenherrschast. Innsbruck, 3. Oktober.(WTB.) Di«„Innsbrucker Nachrichten" melden aus Bozen: Das Zivilkommisiariat sandte an die Ober- behörde nachstehende Meldung: In dieser Nacht kamen hier mit Aügen, Autobussen und anderen Verkehrsmitteln ungefähr tausend Fasclsten an. Gegen 8 Uhr morgens besetzten sie die deutsche Elisabethschule. Eine Abteilung Karabinieri und Militär, die sich in der Nähe befanden, konnten die Invasion nicht verhindern und mußten in Anbetracht der zahlenmäßigen Ueber» macht der Fascisten den Platz räumen, um beklagenswert« Zwischenfälle zu vermeiden. Während des ganzen Tages kamen noch mehrere weitere Abteilungen Fascisten in Bozen an. Der in den Nachmittagsstunden zusammengetretene Gemeinderot beschloß, alle von den Fascisten gestellten Forderungen anzunehmen, bat je- d?ch, daß die El!sab«thschule der Stadt zurückgegeben werde, während sich diese verpflichten werde, sobald als möglich ein anderes Schul- gebäude zur Verfügung zu stellen. Weiter drückte der Gemeinderat fein Bedauern über die antiitolienischen Kundgebungen in Innsbruck aus. Während des ganzen Tages dauerten di« Ber- dandlungen der beiden Parteien mit dem Zivilkommissar an. Bis I tzt sind keine Zwischenfälle verzeichnen. Die Fascisten halten Disziplin und gehorchen ihren Führern. Lebensmittelzufuhr aus polen. Warschau. 3. Oktober.(WTB.)„Przeglad Wieczom" teilt auf Grund von Informationen des Hauptamtes für Ein- und Ausfuhr niit, daß vorläufig 20000 Waggon Kartoffeln für die Aus- fuhr freigegeben wurden. In der nächsten Zeit sollen weitere 30000 Waggon Kartoffeln zur Aussuhr freigegeben wer- den. Die Ausfuhr von Brotsrüchten ist bedingungslos verboten. Ferner wurde die Ausfuhr von einer Million Gänsen frei- gegeben, weiter wurde di« Ausfuhr eiw-r bestimmten Menge Eier freigegeben, und zwar für Oktober von 80 Waggon und für No- vember von 00 Waggon, außerdem sollen 6000 Fettschwein« und ein Quantum Pferdefleisch zur Ausfuhr gelangen. Frankreichs Chauvinismus. Die Gewerkschaflskammer der fran- zösischen Luftschiff«? beschloß, dos Gesuch Fokkers um Zulassung zum Pariser Luftschiffersalon abzulehnen. Gestörte Ordnung in Ordnungszell tu d. Isar. Aus München meldet TU.: Der General Dr. von Schönaich hielt gestern in einer demokratischen Versammlung ein« Rede über das Thema Weltwirtschaft oder Untergang. Auch hier traten National- s o z i a l i st e n derart störend auf, daß es zu erregten Szenen und schließlich zu Tätlichkeiten kam, die eine Zeillang die Fort- setzung der Versammlung vereitelt«». Erst in vorgerückter Stunde konnte die Versammlung fortgeführt werden. Später bildeten sich A n s a m m l u n g« n vor dem Versammlungslokal, so daß ein großes Aufgebot von Schutzleuten die Menge zerstreuen mußt«. Vevifenkurs». 4. Oktober Kiwfer- (®elb.) Ku»1 100 holländische Gulden.. 1 argentiinicherPapier-Peso ICO belgische stfranl..... 100 norwegische Kronen.. 100 dänische Kronen.... 100 schwedische Kronen... 100 finnische Mark..... 1 japanischer Jen...... 100 italienische Lire.... 1 Pfund Sterling..... 1 Dollar........... 100 französische Frank... 1 brasilianischer MilreiS.. 100 Schweizer Frank.... 100 iranische Peseta»... 100 österr. Kronen(abgest.) 100 lichcchische Kronen... 100 ungarische Kronen... 100 bulgarische Lewa... 87752.76 43746.36 65320 50 4744 06 2135.— 2.93 6941,30 83,80 1273,40 SerkSafer («rief.) Rur» 87847.26 43854.75 66470 50 4755.05 9 07 695870 84.11 1275.60 8. Oktober ftiafer- fÄflb-) Sur. 72768.00 669.15 13458.15 32259 60 38152.25 49188.40 4154.80 903 85 8039.90 8269.65 1885.14 14307.05 382.70 85215.90 28564.25 2.60'/, 5942.55 73.90 1128.56 VeitSaftr (OtltW Snr» 72941.10 670.86 18491.85 32340.40 38247.75 49311.60 4165.20 90616 8060.10 8290.35 1589.86 14342.95 288 SO 85304.10 28635.75 2.64'/, 5957.45 74.10 1126.46 Das ist ein Limzshkiiö! Die erwarteten Streitigkeiten wegen der Höhe der gesetzlichen Miete, die zum ersten Male am 1. Oktober zu zahlen war, sind ein- getroffen. Die organisierten Hauswirte haben— was ein guter Gedanke war— allen ihren Mietern ein fcrmularmäßiges Schreiben zugehen lassen, in dem di« Erundmiete mit allen zunächst für den laufenden Monat in Betracht kommenden Abzügen und Zuschlägen genau berechnet ist. Dabei haben sich aber viele Hauswirte an einer bestimmten Stelle zu ihrem Vorteil um 15 Proz. Zuschlag verrechnet. Zur Grundmiete sind außer 5 Proz. Zinssteigerung und 50 Proz. für laufende Instandsctzungsarbeitcn, auch 50 oder 65 Proz. für Betriebskosten(Derwaltung, Hausrcinigung, Fahrstuhl und der- gleichen) zuzuschlagen. Die 65 Proz. beziehen sich nur auf„hoch- herrschaftliche" Luxushäuser mit sehr großen Wohnungen, Fahrstuhl- betrieb, besonderem Treppenhausschmuck, Schiebetüren, Zentral- Heizung und Warmwasier, ständigem Portier und auch am Tage ver- schlosiener Haustür. Nicht wenige Hauswirte haben aber auch aus ganz einfachen Häusern mit Treppenläufern, elektrischem Licht, Warmwasserversorgung(die fast nirgends in Betrieb ist) und Woh- nungen mit höchstens drei oder vier Zimmern den Begriff des Luxushauses konstruiert, der schon gegenüber den niedrigen Grund- mieten gar nicht standhält. Hier haben die Mieter oder ihre Ver- tretungen stall 65 Proz. nur 50 Proz. eingesetzt und dem Hauswirt die Klage beim Mieteinigungsamt überlassen. Vielfach ist auch Wiederherstellung der Warmwasserversorgung verlangt worden, wohl weil jetzt di« Wasserkosten von der Gesamtheit der Mieter zu tragen sind. Hierüber hat nicht der Hauswirt, sondern ausschließlich die Mieterschaft zu entscheiden. Der Jrauenmorü aufgeklärt. Der Kirchenräuber Jädicke als Täler verhaftet. Der Rcubmord in der Waßmannstr. 32 ist rasch aufgeklärt wor- den. Wir teilten bereits mit, daß nach den Ermittelungen der Kri- minalpolizei zwei Täter in Betracht kommen müßten, ein Erich Jädicke und ein junger Mann, der unter dem Spitznamen„K u r t" bekannt ifi. Die Beamten der Mordkommission kamen Jädicke auch bald auf die Spur. Er stellte sich, da Entschlüpfen nicht mehr möglich war, selbst der Krtminolpolizei und legte ein Gestand- nie ab. Die Hauptschuld sucht'er allerdings dem inzwischen ermittelten„Kurt" zuzuschieben. Wie er behauptet, verkehrt« dieser schon längere Zeit bei der Witt und pflegte auch bei ihr zu über- nachten. Er habe auch ihn, Jädicke, zu ihr mitgenommen und ver- anlaßt, ebenfalls in ihrer Behausung mehrmals zu nächtigen. Kurt habe schon mehr als einmal die Absicht geäußert, die Witt zu de- rauben. Als st« sich in der Nacht zum Montag nach langem Herum- treiben um 3 Uhr wieder in die Wittsche Wohnung begaben, habe die Inhaberin schon im Bett gelegen. Kurt habe sich nun zu ihr gesetzt und mit ihr„geschmust". Plötzlich habe er sie dann a m H a l s e g e- packt und ihr einen Knebel in den Mund gesteckt. Jetzt sei auch er, Jädicke, herangetreten und habe die Ueberfallcne sestaehaltcn. Kurt habe nun eine Leine aus der Tasche gezogen und die Wehrlos« damit an Händen und Füßen gefesselt. Wöhrend die Ueberfallene hilfslo» dagelegen habe, hätten sie beide ihre Kleidungs- und Wäschestück« zusammengepackt, alsbald geteilt und mit dem Reisekorb weggeschafft, nachdem sie auch das bare Geld noch ein- gesteckt hätten. Um die Ueberfallene hätten sie sich nicht mehr ge- kümmert. Sie Höllen sie gefesselt und geknebelt liegen lassen. Auf der Straße hätten sie sich bald getrennt und er habe Kurt seitdem nicht wieder gesehen. Seinen Beuteanteil habe er in dem Reiisekorb nach einem Bahnhof gebracht und dort einstweilen in Verwahrung gegeben. Den Gepäckschein fanden die Beamten auch noch bei Jädicke, und die geraubten Sachen wurden auf dem Bahnhos be- schlagnahmt. Jädicke ist ein gewerbsmäßiger Kirchen- einbrecher und Räuber. Auch der zweite Mörder ist heute im Laufe des Vormittags festgenommen worden. Bei einer Razzia wurde in der Nähe des Oranienburger Tors ein Mann ange- troffen, der ein Medaillon besaß, das der Ermordeten geraubt worden ist. Da die mangelhafte Beschreibung, di« von dem nur unter dem Spitznamen Kurt bekannten Täter auch stimmte, so sagte man diesem di« Täterschaft auf den Kopf zu, und der Be- treffende bequemte sich dann auch zu einem Geständnis Der Verhaftete ist der am 6. Juli 1903 zu Magdeburg geborene frühere Fürsorgezögling Paul Bierbach. Nach seinen Angaben treffen die Darstellungen Iädickes über die Tot zu. Nur hat sich diese noch weitgrausamer abgespielt. Raffinierte Paketdiebstähle eines Postschaffners. Wegen Veruntreuungen im Amte hatte sich vor dem Schwur- gericht des Landgerichts I der Posthilfsschaffner Hoffmann zu ver- antworten. Er hat, wie er selbst zugibt, fünf Pakete ihrer richtigen po st mäßigen Bestellung entzogen, indem er die Adressen und Aufgabezettel mit neuen Adressen versah. In mehreren Fällen drehte er auch die Verpackung um. Da für die so überklebten Pakete di« Begleitpapiere fehlten, stellte das zuständige Personal des Postamtes, ohne daß der Täter entdeckt wurde, Not- paketadressen aus. Die neuen Adressaten, die er vorher gebeten batte, etwa an sie eingehende Pakete für ihn aufzubewahren, er- hielten auch anstandslos die Sendungen ausgehändigt. U. a. erlangte auf diese Weise der Angeklagte Stoffe, die er an Straßenhändler oerkauft haben soll und die einen Wert von 1770 Mark hatten. Den Erlös will erzur Abtragung von Schulden und zur Anschaffung von Kleidern verwendet haben. Da die Adressaten sich im guten Glauben befanden, kam der Paket- schwindet nur durch einen Zufall heraus. Vor Gericht wollte sich der Angeklagte für seine Handlungen mit seiner Wirtschaft- lichen Notlage herausreden. Es wurde aber festgestellt, daß H. bei der für all« Beamten notwendigen Sparsamkeit sehr wohl mit seinen Bezügen hätte zurechtkommen können. Das Gericht ver- urteilte den Angeklagten zu 11 Monaten Gefängnis, nachdem die Geschworenen die Schuldfrage wegen Amtsvergehens bejahten. Kartoffelnot aus Waggonmangel? Wie man uns von unterrichteter Seite mitteilt, werden die Verladungen de« Kartoffeln zeitweise durch Waggonmangel an den Verlade st etion«« behindert. Hervorgerufen ist dieser Waggonmangel durch die Ende September infolg« der Tarif- erhöhung ab 1. Oktober erfolgten starken Anforderungen in der Gestellung der Wagen be, den einzelnen Güterabfertigungen. Die Anforderungen an die Eisenbahn sind in der Woche vom 23. bis 30. September annähernd um das Doppelte gestiegen. Wie«s heißt, sind alle Vorkehrungen getroffen, diesen Wagenmanzel schnellst«ns zu beheben. Die gestrigen Kartoffel. Notierungen an der Der- fmer Börse«rgaben für w«iße und rote Ware 310 bis 320 Mk., für gelbfleischige Kartoffeln 350 bi? 380 Mk. Junglehrerhilfe. Die Vertreter de» Deutschen LehrervereinS sind, wie wir hören, im preußischen Unterrichtsministerium vorstellig geworden, um über die Not der Junglehrer und die Mittel zu ihrer Be- Hebung zu verhandeln. ES ist bedauerlich, daß das M i n i st e- rium voelitz in dieser für unser gesamtes Schnlleben und seine innere Erneuerung so wichtigen Frage nicht selbst schon längst die Initiative ergriffen hat. Bisher ist eS gelungen, den größten Teil der stellungslosen Junglebrer in Privatbetrieben unterzubringen. Ter Rest könnte aus den reichlichen Mitteln, die der Landtag in Erkenntnis der Sachlage für.diesen Zweck bereitgestellt hat. unterstützt werden. Wir hoffen, daß der Minister sich nicht länger sträuben wird, diejenigen Schritte zu tun, die schon gestern getan werden konnten und beule getan werden müssen, um den Nachwuchs der deutschen Lchrerschait und damit die Zukunft der deutschen Schule vor den drohenden Gefahren zu be« ivahren, auf die die Sozialdemokratie von jeher mit allem Nachdruck hingeiviesen hat. Die Hoffnung der deutschen Schule ruht auf dem Lehrergeschlecht, das bisher wartend vor ihrer Pforte stehen mußte. Es ist wirklich Zeit, zu handelnl Ver Sanklehrling als MillionenSied. ZNll 15 Jahren kokainifl und Syphilitiker. Ein außergewöhnlich frecher Bankdiebstahl gelangte vor>... Schöffengericht Berlin-Mitte zur Aburteilung. Auf der Anklagebank erschien der Banklehrling Erich P f e l z e r unter der Anklage des Diebstahls. Mit ihm angeklagt waren wegen Hehlerei die Händler Pörfchko und Luther. Pfclzcr war in einem kleinen Bankhaus in der Iägerstraße erst kurze Zeit in Stellung. Während der Effektenkassierer sich gerade auf kurze Zeit aus dem Kassenzimmer entfernt hatte, ging er an den offenstehenden Schranktresor und entwendete mit kühnem Griff 1800 Dollar, 17 000 Lire, 900 holländische Gulden und verschiedene schwedische und dänische Noten, im ganzen ein ungeheures, nach Millionen zählendes Ber- mögen. Ohne Hut lief er davon und begab sich mit feinem Raub zu den mit ihm befreundeten Mitangeklagten, mit denen er die Flucht ergriff. Ein Rheinschiffer erhielt für die Ueber- fahrt nach Holland 30 000 Mark. Sie wurden aber von der holländischen Grenzwache abgefaßt und nach Deutschland zurück- gebracht. Nachdem auch ein zweiter Versuch, nach Holland zu fluch- tcn, mißlungen war, reisten sie wochenlang in Deutschland umher und lebten ein« Weile in Thüringer Badeorten, immer in den ersten Hotels, nachdem sie sich auf das eleganteste eingekleidet hatten. Schließlich gelang es ihnen, durch den polnischen Korridor nach Danzig zu entweichen. Die dortige Polizei spürte die Diebe aber auf. Als die Beamten morgens an die Tür klopften, suchte sich Pfelzer durch einen Sprung aus dem Fenster zu retten. Er wurde später, nackend in einem Kahn liegend, ergriffen. Von dem gestohlenen Gelde wurden bei den Dieben nur noch 5000 M. und 16 000 Lire gefunden. Der Angeklagte Pfelzer gab auf Be- fragen seiner Verteidiger, der Rechtsanwälte Dr. Pindor und Dr. Karl Löwenthal, unter heftigem Schluchzen eine Darstellung seines Werdeganges. Er ist der Sohn eines höheren Beamten. Nach dem Tode der Ellern wandte er sich mit 15 Jahren dem Theater zu, wurde Filmstatist und lernte dadurch das in diesen Kreisen stark verbreitete Kokainlaster kennen, dem er sich maßlos hin- gab. Nachts trieb er sich in Dielen und Tanzlokalen herum und kam dort auch mit Kreisen zusammen, die seiner anormalen Veranlagung entsprachen. Schon in jugendlichem Alter wurde er g e s chl e ch t s kr an t und schwere ärztliche Kuren zer- rütteten sein Nervensystem vollständig. Nach einer durchschwärmten Nacht will er unter dem Einfluß des Kokains den Griff in die Kasse ohne Ueberlegung getan haben. Der Verteidiger, Dr. Pindar, bat mit Rücksicht auf die große Jugend, die starke Ber- führung und�die von Sanitätsrat Dr. Topp begutachtete erhebliche geistige Mmverwertigkeit und moralische Schwäche um weit- gehendste Milde, trotz der Schwere der Tat. Das Gericht erkannte gegen Pfelzer demgemäß auch nur auf eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr 6 Monaten und rechnete dem Angeklagten noch 3 Monate Untersuchungshast an. Pörschke erhielt 6 Monate, Luther 3 Manage Gefängnis wegen Hehlerei. Mehr Stehplatze. Die Berwaltung der Berliner Straßenbahn hat vor einiger Zeit mll mehreren geschlossenen Wagen den Versuch ge- macht, zur Erleichterung des Ein- und Aussteigens und zur Der- größerung des Fassungsvermögens der Wagen, mv jedem Wagenende eine Sitzbank fortzunehmen und dafür einen Raum zur Aufnahme für stehende Fahrgäste zu schaffen. Dieser Versuch wird nunmehr ausgedehnt. Wie bereits kürzlich gemeldet, beab- sichtigt die Verwaltung der Straßenbahn, nach und nach die kurzen Wagen, die über einen Radstand von nur 2,4 Meter verfügen, so umzubauen, daß der Radstand der Wagen etwas über 3 Meter weit wird. Hierbei werden die Wagen gleichzeitig verlängert, und zwar so, daß dos Wageninnere, also der eigentliche Wagenkasten, unveränderlich bleibt, dafür aber zwei besonders tiefe, für je zwölf stehende Personen berechnete Perrons geschaffen werden. Zwei dieser Wagen, die sich durch besonders ruhigen Gang aus- zeichnen, sind jetzt versuchsweise auf der Linie 6 in Betrieb ge- normen werden. Es ist zu erwarten, daß die Verwaltung der Straßenbahn demnächst sich über die endgültige Ausgestaltung dieser Frage schlüssig wird._ Schwerkriegsbeschädiglenabteile in D-Zügea. Auf eine Anfrage aus dem Reichstag, ob es möglich fei, daß reservierte Abteile für Schwerkriegsbeschädigte auch m Eil- und D-Zügen eingerichtet würden, wie es bereits in den Personenzügen geschehen sei, hat der Reichsverkehrsminister geantwortet, daß Äbteile für Schwerkriegs- beschädigte noch den geltenden Bestimmungen auch in denjenigen Schnell- und Eilzügen bereitzuhalten sind, die häusig von Schwer- Kriegsbeschädigten benutzt werden. Erinnerungsfeier an die ßärnlner Volksabstimmung. Am 10. Oktober d. J., nachmittags 5 Uhr, findet in der Berliner Urania (Taubenstr. 48— 49 an der Kanonierstraße) ein« vom Hilfsoerein für die Südmark e. B., Berlin, veranstaltete Erinnerungsseier an die im Jahr« 1920 stottgefuniden« Kärtner Boltslrtsstimmung statt. In einem Bortrage mit Lichtbildern wird über„Kärntens Kampf und Abstimmungssieg" berichtet werden. Der Eintritt ist fr«i. Gäste sind willkommen. Die ErSssnuugSfeier der Kunstgemeinde Neukölln, die am Mon- tag, den S. Oktober, 8 Uhr abends, in der Neuen Welt, Halen- beide 168/114, statlfindel, steht im Zeichen Beethovens. Zur Auf- lührung gelangt die Nennte Sinfonie und die L e o n o r e- III- Ouvertüre, gür die Mitglieder der Kunstgemcind« Ist der Eintritts- vreiS aus 20 M. zuzüglich 0,60 M. zur Förderung der Jugendpflege sestge- setzt. Der Eintrittspreis lür Nichtmitgliedcr beträgt ZO.SO M. Karten find zu haben in folgenden Vcrkaussstellen: VollSbtldungSamt Neulölln, Rat- Haus. Zimmer 257/ OrtSstelle Britz, Rathau» Britz. Zimmer 3, OrtSstelle Buckow, OrtSstelle Rudow, Konzerltasse E, Babing, Neukölln, Bergstras,« 43, Städtisches Weltpanorama, Ncutölln, Kaiser-griedrlch-Straße 8, Gärtner, Neukölln, Wiflmannstraße 14.__ Schweres Eisenbahnunglück in Serbien. Infolge falscher Weichenstellung stieß in der Station Pen- j e o z i, südlich von N i s ch. ein aus Uesküb kommender gemischter Militär, und Zivilpersonenzug mit einem beladenen Güterwagen zusammen. Elf Personen wurden getötet, 20 schwer. 30 leicht verletzt. Die Lokomotive und vier Waggons wurden zer- trümmert._ Durch ein Gcoßseuer wurde in der vergangenen Nacht die Zi- choriendarre der Brandtschen Erben in Magdeburg vollständig vernichtet. Als Ursach« de« Brandes nimmt man Selbstent- zündung an. Der Flugverkehr England— Soniinenl. Aus einer Bettachtung der„Cologne Post" über die Ankunft des ersten englischen Verkehrs- flugzeuges aus London geht hervor, daß die Verhandlungen, die zwischen England und Deutschland üb« die Aufnahme eines regelmäßigen deutsch-englischen Luftverkehrs gepflogen worden sind, einen erfolgreichen Abschluß gefunden haben. Wetter für morgen. Berlin und Umgegend. Zeitweise etwa» ausllacend, jedoch über- wiegend trübe ml« wiederholten Regensälle» bei ziemlich srischen weftltch«, Winden. Temperatur wenig geändert. Gewerkschaftsbewegung Neue Aussperrungen! Der Arbeitgeberschuhverband der Metallindustrie, der die Ber... er Schloffereibetriebe umfaßt, hat heute vormittag 10 Uhr fämtliche Arbeiter ausgesperrt. Allerdings hat ein Teil der Betriebe diesen Wahnwih nicht mitgemacht. Es handelt sich hier um eine Affion ohne Sinn und Verstand, da der Schlichtungsausichuß heute nachmittag über die Angelegenheit verhandelt. Der Metallarbeiterverband soll gezwungen werden zu einem Vertragsabschluß, wie er den fleinen Unternehmern gefällt. Wir werden über die Aussperrung noch näher berichten. ,, Erste Bilanz." Die Rote Fahne" zieht die Bilanz des bisherigen Ergebnisses ihrer neuesten Betriebsräteaktion. Da diese Bilanz sehr dürftig ausfällt, sucht das Blatt nach Erklärungen. Der Dollar ist gefallen und scheinbar ist nichts Besonderes los". Man schimpft daher auf die Menschemisten". Bon den Demonstrationen am letzten Sonntag haben die kommunistischen Genossen mehr erwartet. Sie werden deshalb als Illusionisten bezeichnet, die beim geringsten Zeichen von Erfolg in übertriebene Begeisterung geraten( wie die Rote Fahne"), dem geringsten Zeichen von Mißerfolg und für Mißerfolg halten fie jede Nichterfüllung ihrer Phantasien zusammenklappen." Trotzdem sucht die Rote Fahne" in ihrer Illusion einen großen Erfolg herauszudestillieren, da sie ihn für ihre Leser nun einmal gebraucht. ,, Der Vorwärts" versucht nicht einmal zu spotten." Das schien uns zwecklos, wird aber von der ,, Roten Fahne" darauf zurückgeführt, daß wir wüßten:„ eine Demonstration der SPD. und USB. nebst der Gewerkschaftskommission in äußerlich ruhiger Zeit, gegen die wir Kommunisten aufgerufen hätten, wäre einfach nicht zustande gekommen." Wenn das feine Illusion ist, dann gibts teine mehr. * In der gleichen Nummer weiß die ,, Rote Fahne" ein trauriges Stückchen vom Vorwärts" zu berichten, weil wir an die letzten Vorkommnisse bei der AEG. und bei Siemens die Mahnung fnüpften, sich weder von den Trabanten des Unternehmertums provozie ren zu lassen, noch von denen der Moskauer Filialen. Solche Mahnungen sind heute auf feinen Fall überflüssig, und es ist um so besser, je mehr sie beachtet werden. Besonders der Saz, den das Blatt unter starter Hervorhebung aus dem„ Borwärts" zitiert, ist beachtenswert, dem kommunistischen Treiben in den Betrieben nicht allzu gleichgültig gegenüberzustehen. Wir begreifen, daß dies der Roten Fahne" nicht behagt und begreifen daher auch ihre Bemühungen, daraus eine Verdächtigung des„ Borwärts" abzuleiten. Es muß nach wie vor Sache, der Menschemisten" in den Betrieben sein, dafür zu sorgen, daß die Moskauer Bilanz von den Bilanzmachern noch mehr verschleiert werden muß. Generalversammlung der Metallarbeiter. Die Generalversammlung der Verwaltungsstelle Berlin am Montag in den Germania- Sälen nahm zunächst den Kaffenbericht für das 2. Quartal entgegen, der in Einnahme und Ausgabe mit 20 825 009,80 M. in der Hauptkasse abschließt. Die Einnahmen und Ausgaben in der Lokalkaffe betrugen 14 109 846,03 m. Der Bestand der Lokalkasse betrug am 31. Juli 7 360 335,39 m. Der Bericht wurde ohne Diskussion entgegengenommen. einmaligen Sozialisierungsbeitrag von 20 M. und für weibliche Mit- schaft der Unterweferorte auf den Boden der Vernunft glieder von 10 M. zu zahlen. und wenn noch so viel Siege" non unseren Freunden von links Ein weiterer Antrag des Kollegen Knaad fordert, dem§ 9 des in die Welt hinausposaunt werden." Ortsstatuts folgenden Wortlaut zu geben: " Bei außergewöhnlichen Verbandsangelegenheiten, wie Bei- Die Lohnvereinbarung in der Metallindustrie, die heute früh im tragserhöhung, Wahl der Delegierten zu Berbandstagen und Ge-„ Borwärts" veröffentlicht wurde, enthält einen Druckfehler. Die werkschaftskongressen, Neucinstellung von Angestellten( nach Maß- Arbeiterinnen erhalten, bei nicht gleichen Leistungen wie deren gabe des§ 15), desgleichen bei Wahlen für die Mitglieder der der Arbeiter, nicht 35 Broz, sondern 85 Pro 3. der Stundenlöhre engeren Ortsverwaltung( wenn mehr Kandidaten vorgeschlagen als und Affordbasen der Arbeiter. notwendig find), fofern die Generalversammlung mit 3weidrittelmehrheit nichts anderes beschließt, findet eine Ürabstimmung sammlung, Schulaula, Petersburger Str. 4. Bortrag. durch die Mitglieder statt." Dieser Antrag wurde mit großer Mehrheit angenommen. Der vorgerückten Zeit wegen mußte die Generalversammlung vertagt werden. Die gewerkschaftliche Warenverteilung. = Deutscher Berkmeister Berband, Berlin XI. Freitag 7 Uhr MitgliederverWirtschaft Die Materialverteuerung im Kleinwohnungsbau. Mauersteine Rement. Stüdentalt Gips Kantbola Fußboden gint. Dachsteine. Rohrgewerbe. • 1. Sept. 1922 " 176 320,- M. 11 034, " 73, 16 691, " 11 12,50 1 938, " " 264, 45 954, 152,50 41 300, " 55,50 " 24 470, 243,50 3 650, " 23,50 " " 108 250, 429 607,- M. Summa 1 584,50 M. Die Preise der hauptsächlichsten Baustoffe für eine Wohnung sind also von 1584,50 M. am 1. Juli 1914 auf 429 607 M. am 1. September 1922 gestiegen. Wird der Preis vom 1. Juli 1914 100 gesetzt, dann ist bis zum 1. September 1922 eine Preissteigerung auf 27113 eingetreten. Die Baustoffe sind also seit 1914 um rund das 271 fache und innerhalb eines Monats Inzwischen hat die um über das Doppelte gestiegen. Teuerung der Baustoffe sich verschärft fortgesetzt. Die Mitglieder der Berliner Gewerkschaftskommission und des AfA- Ortsfartells beschäftigten sich am Dienstag in der Königs- Für eine Wohnung von 70 Quadratmeter Wohnfläche stellten bank" mit dem Thema: Gewerkschaften und wirtschaftliche Unter- sich nach den Erhebungen der Sozialen Bauwirtschaft" die Baunehmungen und ihre Finanzierung. Friz Schmidt vom 3d2. stoffpreise in Deutschland Anfang September wie folgt: gab eingangs seiner Ausführungen ein anschauliches Bild über die Baustoffe 1. Juli 1914 Entstehung der Warenverteilung der Gewerkschaften. 700,- M. Es war im Jahre 1920, als sich eine besondere Arbeitslosigkeit in 60, der Tetrilindustrie bemerkbar machte. In den einzelnen Ministerien beschäftigte man sich eingehend mit der Arbeitslofenfrage und schritt daher zur Schaffung der produktiven Erwerbslosen= fürsorge. Zur selben Zeit stellte das Reichsarbeitsministerium allen Gewerkschaften einen Betrag von 25 Millionen Mart als Reichstredit zur Schaffung der Warenverteilung zur Verfügung. Dieser Krebit war aber an einige Bedingungen geknüpft. Bir mußten unsere Ware dorther beziehen, wo die größte Arbeitslosigkeit herrschte, und so konnte schon diese Bedingung auf die Preisgestaltung der Ware verschlechternd wirken. Waren wir gezwungen, in Chemniß zu kaufen, weil dort eine starte Arbeitslosigkeit herrschte, so fonnten wir feststellen, daß in 3midau beffere und billigere Ware zu haben war, weil hier die Unternehmer bessere Dispositionen getroffen hatten. Bon dieser Kaufmöglichkeit durften wir aber feinen Gebrauch machen. Unsere Verdienste sollten gering sein. Sämtliche Geschäftsunkosten mußten mit ben 8 bis 10 Proz. verdienst gedeckt werden. Redner ftellt fest, daß infolge der gewerkschaftlichen Warenverteilung beim Privathandel eine Preissenfung von 10 bis 25 Pro3. erzielt wurde. Deshalb famen Bestrebungen in Gang, die gewerkRückgang der Aufträge in der Industrie. fchaftliche Warenverteilung wieder zu beseitigen. Der Ausverkauf Die Berichte, welche die preußischen Handelskammern über den Deutschlands brachte eine Verringerung der Arbeitslofenziffer mit Geschäftsgang von Handel und Industrie im September dem Handelssich und so wurde uns der Reichskredit gekündigt. Die Ge- minister erstattet haben, zeigen, daß die Frage, wie Handel und werkschaften mußten Gelder aufbringen, um das Unternehmen vor Industrie nach der ungeheueren Geldentwertung dieses Sommers der Liquidation zu schüßen. Wir arbeiten jetzt mit der Produk die zur Fortführung ihrer Betriebe erforderlichen Mittel betipwerkstätte der Schneider zusammen und können daher schaffen können, noch keine Lösung gefunden hat und nach wie vor billige und dauerhafte Ware liefern. Das Unternehmen ist in Ge- als große Sorge auf dem Wirtschaftsleben lastet, daß aber das fahr! Wir brauchen 7 Millionen Mark. Bis heute haben wir erst augenfällige Mißverhältnis zwischen dem der Industrie und dem 4 Millionen, weil die Hälfte der Berliner Gewerkschaften sich an der Handel verbliebenen Rest von Betriebskapital und ihrem KapitalBeschaffung der notwendigen Gelder noch nicht beteiligt hat. Die bedarf bisher noch nicht zu Betriebseinstellungen oder Frage taucht auf: Soll das Unternehmen, wo die ungeheure Bro Betriebseinschränkungen von wirklicher Bedeutung geführt hat. fitwirtschaft und der 3 wischenhandel ausgeschal. tet werden, der Liquidation verfallen? Um das zu ver- einzelnen Industriezweigen bestand Arbeitermangel nur wenig ber Der Beschäftigungsgrad ist im allgemeinen gut, in hüten, machen wir den Vorschlag, Marken in Werten zu 20, mindert fort, und nur in einzelnen Zweigen, insbesondere der Be50 und 100 Mark auszugeben. Dieses Geld soll der Kleidungs- und Ernährungsindustrie, baben ArWarenverteilung als unfündbares Rapital verbleiben., beitseinschränkungen stattfinden müssen. Die Auf den Einzahlern aber werden Vorzugsrechte beim Eintragsbestände find allgemein zurüd gegangen. Es ist auf eingeräumt. aber völlig unübersehbar, wie weit dies auf einen Rückgang von Die Diskussion wich oft vom Thema ab und führte zur Forde- Bedarf und Kaufkraft, und wie weit es auf die Unübersichtlichkeit rung der Produktionskontrolle. Eine Entschließung in diesem Sinne der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung, die weder Käufer noch wurde am Schlusse der Versammlung angenommen. Verkäufer zu weitsichtigen Abschlüssen ermuntert, zurückzuführen ist. Bahlreiche Betriebsstörungen waren in dem immer unerträglicher werdenden Kohlenmangel, in dem vielfach wieder einfegenden Wagenmangel, in einzelnen Fällen in Ausartungen der fast gar nicht mehr aussehenden aber meist ruhig verlaufenden 2ohnbewegungen begründet. Auch die Einführung von Gleit preifen, die Fakturierung in fremden Währungen und die Forderung von Anzahlungen hat die Erteilung von Aufträgen beeinträchtigt, so daß aus ihrem Rüdgange für die künftige Beschäftigung der Industrie sichere Schlüsse nicht gezogen werden fönnen. Von dem Rückgang der Aufträge sind u. a. besonders die Maschinenbauanstalten und die Elektroindustrie betroffen. Lohnerhöhung im Malergewerbe. Der Schlichtungsausschuß beim Reichsarbeitsministerium( Reichstarifamt für das Malergewerbe) erhöhte die Löhne für Malergehilfen ab 2. Oftober für das ganze Reich durchschnittlich um 15 M. für die Stunde, ab 6. Oftober um weitere 15 M. Auch mit Bremerhaven ifts nichts. Aus Bremerhaven wird uns geschrieben: Ueber die sozialen Baubetriebe referierte Genoffe Lüdemann. Er führte furz folgendes aus: Als nach dem Kriege die Proletarier aus der eisigen Luft des Obrigkeitsstaates herausfamen, fingen fie fofort an, praktisch an das Problem der Sozia lifierung heranzutreten. Im Baugewerbe schritt man dazu, soziale Baubetriebe ins Leben zu rufen. Es seien im Augenblick 260 solcher Betriebe errichtet, die ungefähr zur Hälfte in der Form einer Genossenschaft und in der anderen Hälfte als G. m. b. 5. fungieren. Die Form der G. m. b. S. habe sich als die bessere gezeigt gegenüber der Genoffenschaft, welche stets die Gefahr in sich birgt, privattapitalistisch auszuarten. Die sozialen Baubetriebe vertreten aber im Prinzip die Ansicht, im weitesten Maße soziales Kapital heran- In der kommunistischen Presse macht eine Notiz die Runde, zu ziehen. Dieses befinde sich vornehmlich in den Gewerkschaften. wonach auf der Bremerhavener Werft" die Vertrauens Redner schilderte dann den Aufbau der sozialen Baubetriebe, leute die bekannte, an den ADGB. gerichtete Resolution angenommen die fich als Spigen förperschaft den Verband der sozialen haben. Damit fein falsches Bild entsteht, sei betont, daß die BremerDie Kölner Verbraucherkammer zur Not der deutschen Presse. Baubetriebe" geschaffen haben. Die Arbeiter haben weitestes havener Werft bis jetzt noch teine Werft ist, sondern sich mit Die Kölner Verbraucherkammer nahm in einer Versammlung eine Mitbestimmungs- resp. Selbstverwaltungsrecht. Die sozialen Bau- Reparaturarbeiten befaßt und etwa 150 Personen beschäftigt. Die Entschließung zur Linderung der Not der Presse an, in der betriebe haben vornehmlich folgende Ziele: Werftarbeiterschaft der Untermeferorte hat n es heißt, daß es den Verbrauchern durchaus nicht gleich ihrer Gesamtheit, wie schon mitgeteilt, diese Refolution gegen gültig fein tönne, wenn ein großer Teil der Zeitungen sein Er7 Stimmen abgelehnt. Dabei sei noch bemerkt, daß eine Ber- fcheinen einstellen müsse. Der Verbraucher sollte der Presse die sammlung der Hilfsarbeiter am 2. Oftober diese Reso- Treue bewahren. Reichstag und Reichsregierung werden aufgeforlution ebenfalls gegen 4 Stimmen ablehnte und folgende mit dert, durch schnelle Maßnahmen der Katastrophe der deutgleicher Stimmenzahl annahm: fchen Presse zu begegnen. 1. Steigerung der Produktion. 2. Ausscheidung des arbeitslosen Einkommens. 3. Beseitigung des Luxusbedarfs. Die Steigerung der Produktion sei ohne jedwede Arbeitszeitverlängerung möglich. Dadurch, daß man dem Arbeiter das größt möglichste Mitbestimmungs- und Selbstverwaltungsrecht gebe, erhalte er wieder Freude an seiner Arbeit. Durch die Schaffung von Großbetrieben im Baugewerbe werde die große Zahl der kleinen Unternehmer, die besonders hier vorherrschend sind, mehr und mehr ausgeschaltet. Genosse Lüdemann appelliert an das Solidaritätsgefühl aller Arbeiter und bittet, diese Bewegung ideell und finanziell zu unterstützen. Im Anschluß hieran wird ein Antrag angenommen, der den Mitgliedern empfiehlt, für männliche einen Korbmöbel f.Gärten, Balkone, Wohnz. i mod. u. dauerhafter Ausf. Korbsessel. Gr. Auswahl. Besicht.erbet. Heinr. Kaese Korb- u. Rohrmöbelf. Neuk., Berl.Str.89 Querg. pt.( Rein Lad.) Ueberall inZigarrengeschäften erhältl.ist der echte Kapitän- Kautabak nur mit Betteleinlage( Rollen, Schleifen, Stangen, Twift). Berkaufsstellen durch Carl Röcker, Lichtenberg.Str.22( Rgft.3861) Stein der Weisen Das Original aller Nagelpoliersteine Ueberall erhältlich. KOPP& JOSEPH BERLIN W 50 Potsdamer Straße 122. Garderobe auf bequeme Teilzahlung! Anzüge, Rosen, Mäntel, Kostüme, Schlupfer, Kleider, Röcke in beften Qualitäten, folld. Ausführung Grebler Weinbergsweg 4 Mantelstoffe marine Cheviot, schwere Anzugware, sehr preisw.! Trikotag. für Damen Herren u. Kinder. Neuheiten in Damen- Putz! Ella Dehmel, Neukölln, Niemetzstr. 9, Nähe Richardplatz. Telephon: Amt Neukölln 469. 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Teil: Bictor Schiff, Berlin; für Anzeigen: Wenn auch gelegentlich eine: Frühstückspause von einigen Leuten derartige Resolutionen faßt und an die Gewerkschaften sh. Glode, Berlin. Berlag Vorwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: weitergeleitet werden, so stellt sich die Gesamtarbeiter. Borwärts- Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin, Lindenstr. 3 Sichern Sie sich durch Anzahlung gekaufte Waren zur späteren Abholung! Konkurrenzlos billige Preise! Wunderbare, nur erstklassige / Anzüge Schlüpfer Winterpaletots Gummimäntel/ Hosen weit unter Tagespreis! Riesenauswahl!! Hugo Simon Spezialhaus für erstklass. Herrenkleidung Charlottenburg 133 Wilmersdorfer Str. an der Bismarckstrasse. Weltester Weg lonnend!! 133 Gold Bahngebiffe Silber Platin Brillanten kauft reell zu höchsten Tageskursen C. Käferle Uhrmacher- Juwelier Frankfurter Allee 278 Juwelen, Gold- und Silber- Bruch kauft zum höchsten Tagespreis Leibhaus Zehden, Karlstr. 24. 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