Nr. 485 39.Jahrgang Ausgabe B Nr. 236 Bezugspreis: File den Monat Oftober 250, noraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar und Memelgebiet fowie Defterreich und Luremburg 346,-, für das übrige Ausland 515,- M. Poftbeftellungen nehmen an Belgien, Dänemark England, Eitland, Finnland, Frankreich, Holland, Lettland, Luremburg, Defter reich, Schweden, Schweiz, Tschecho flowakei und Ungarn. Der„ Borwärts" mit der Gonntags. beilage Bolt und Zeit", der Unterhaltungsbeilage Heimwelt" und der Beilage Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonn tags und Montags einmal Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin". NO Abend- Ausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 4 Mark Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile foftet 50,-. Reklamezeile 230,-. Aleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 12, M.( zulässig zwei fettgebrudte Worte), jedes weitere Wort 10, M. Stellengesuche und Schlaf stellenanzeigen das erste Wort 7,-., jedes weitere Wort 5,- M. 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Favre betont, daß es notwendig sei, die gegeben: Der Abgeordnete Margaine bespricht die Wirtschaftslage Deutschlands und die Haltung der Alliierten in den letzten Monaten, um schließlich zu einer Prüfung der Lage im nahen Osten überzu gehen. Er bedaure es für das Prestige Frankreichs, daß die franzöfischen Truppen vom asiatischen Ufer zurüdgezogen wurden. Poincaré wendet dagegen ein, daß die französischen Truppen ohne Ermächtigung der franzöfifchen Regierung in Tschanat gewefen feien. Der Abgeordnete Margaine bespricht alsdann die beiden wichtigen Ereignisse, die die öffentliche Aufmerksamkeit seit dem Schluß der Rammerberatungen in Anspruch genommen hätten, nämlich die Weigerung Deutschlands, zu zahlen" und die Niederlage der Griechen in Kleinasien. Beide Ereignisse hätten eine Diskussion zwischen Frankreich und seinen Alliierten hervorgerufen. Unbegreiflicherweise habe die französische unnach giebige Politik gegen Rußland es dem„ Altdeutschtum" in Die Arme getrieben. Margaine schließt, indem er die Auf. merksamkeit auf die Bedeutung hinlenit, die es für Frankreich haben müsse, sich an der Lage im nahen Often nicht zu besinter effieren. Hierauf ergreift als zweiter Interpellant ter Abgeordnete Faure das Bort. Er bedauert, daß er einen Miston in das Konzert der Belobigungen werfen müsse, die den Erfolg der Politit des Ministerpräsidenten in der Orientfrage begrüßt hätten. Er warf Poincaré, dessen friedlichen Willen und gute Absichten er an erfenne, vor, daß er nichts getan habe, um das Land freimütig auf den Friedensweg zu führen. Der Abgeordnete bespricht als dann die Reparationsfrage. Er beschuldigt Poincaré, das Hauptsächliche um des Nebensächlichen willen vernachlässigt zu haben. Was die Reparationen anbetreffe, sei er dem Ministerpräsidenten dankbar, daß dieser erklärt habe, er werde alles tun, um die Ausführung des Versailler Bertrages sicherzustellen. Aber mas habe er praffisch erledigt? Man babe Deutschland ein ver. Schleiertes Moratorium gewährt. Er frage, durch welche Mittel man Deutschland dahin führen molle, die 150 Milliarden Goldmart zu bezahlen, die es schulde. Die abgeschloffenen Lieferungsabkommen bezeichnete Favre als einen Weg zur Realisierung. Der sozialistische Abgeordnete Barenne bemerkt, hinsichtlich der deutschen Schuld habe Poincaré der Mehrheit der Kammer zu verstehen gegeben, daß die Zahlungsfähigkeit Deutschlands begrenzt fei. Das hätte man aber schon vor sechs Monaten sagen müssen. Der Abgeordnete Favre fährt fort: Das einzige Mittel, zu einer Regelung der Reparationsfrage zu gelangen, sei zu suchen in einer vernünftigen Herabseßung der deutschen Schuld.( Proteft auf vielen Bänken, von der rechten Seite wird gerufen: Was hätten die Deutschen getan, wenn sie Sieger gewesen wären?) Favre sagte weiter, man habe behauptet, daß Franfreich feine Forderungen nur herabsehen fönne, wenn England und Ame rifa das gleiche in bezug auf ihre Forderungen machten. Er habe die Ueberzeugung, daß Amerifa und selbst England bereif feien, die Höhe ihrer Forderungen herabzusetzen. Diesen Gedanken entwidelte der Abgeordnete des längeren, da dies das einzige Mittel sei, Mil liarden Goldmart von Deutschland zu erhalten, und zwar durch An leihen, die Deutschland auf dem angelsächsischen und dem neutralen Martie abschließe. Man müsse diese Länder schonen. Der Abgeordnete Léon Daudet ruft dazwischen: Aber mir dürfen uns aus wirtschaftlichen Gründen nicht von ihnen führen lassen. Abge Die Reichspräsidentenwahl. Verschleppungsversuche. wirtschaftliche Erhebung Deutschlands zn begünstigen, um die Zahlungen an Frankreich sicherzustellen und um den Frieden in Europa zu fördern. Er wird wiederum von Léon Daudet unterbrochen, der sagt, mit dem Reichtum werde Deutschland auch sein Heer wiederherstellen. Fapre entgegnet: Nein, was die Stärte Deutschlands ausmacht, das ist nicht sein Geld, sondern die Macht der Arbeit seiner Arbeiter. Es wäre ein Berbrechen, für das es teine Sühne gäbe, wenn man nicht dem Frieden Opfer an Geld und Eigenliebe bringen Um den endgültigen Frieden sicherzustellen, müsse man eine Politik der Ausgleichung mit England und der Annäherung an Deutschland würde. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Verlag, Sandregpedition n. Inseraten. Abteilung: Dönhoff 2506- 2507 Oesterreichs Entscheidung. Die gestrige Debatte im österreichischen Nationalrat, über deren Beginn und Ergebnis in der heutigen Morgenausgabe berichtet wird, bedeutet in der Geschichte des jungen öfterreichischen Staatswesens einen Wendepunkt. Die Mehrheit der Boltsvertretung hat ihre Bereitwilligkeit erklärt, auf die Abmachungen einzugehen, die der christlichsoziale Bundeskanzler Dr. Seipel in Genf mit dem Völkerbund getroffen hat. Der Inhalt dieser Abmachungen ist be fannt. Desterreich soll eine Anleihe von 650 Millionen Goldtronen erhalten, die zu 84 Proz. von England, Frankreich, Italien und der Tschechoslowakei, zu 16 Proz. von den kleineren Staaten garantiert wird. Von diesen 650 Millionen werden 130 zur Rückzahlung früherer Ententekredite aus geschieden, so daß 520 Millionen zur Verfügung bleiben, um die zusammengebrochene Staats- und Finanzwirtschaft des Landes wieder aufzurichten. " Um diese Anleihe zu erhalten, verpfändet Desterreich seine 3ölle und sein Tabatmonopol und wird unter die Kontrolle eines Generalfommissars des Bölker. bundes gestellt. Es muß sich nochmals auf seine Selbständig. feit" verpflichten, d. h. einen Verzicht auf den Anschluß an Deutschland aussprechen. Zunächst auf zwei Jahre wird sich wollen. Daudet ruft dazwischen: Das ist absolut utopisch! das Parlament aus dem Staatshaushalt selbst ausschalten, cs Favre fährt fort, Poincaré habe anscheinend sagen wollen, daß wird praktisch auf jede andere Funktion als die der Kritik vers Clemenceau, Millerand und Briand England nicht haben die Spitze zichten. Die Regierung wird nicht seinen Aufträgen, sondern bieten können, und daß er ihnen zeigen werde, wie man zu ver. Denen des Generalfommiffars folgen, der nur in handeln habe. Er habe einen scharfen Ton angeschlagen und alle dem Maße Mittel aus der Anleihe zur Verfügung stellen wird, Probleme aufgeworfen, ohne auch nur ein einziges zu lösen. in dem die Regierung die von ihm angeordneten Einnahme. ( Widerspruch.) steigerungen und Ausgabeverminderungen durchgeführt hat. Das ist im wesentlichen der Inhalt der Abmachungen, für die Herr Seipel gestern von den Chriftlichsozialen und den gänzlich umgewandelten Großdeutschen als Retter des Baterlandes gefeiert wurde, während ihn unsere Genossen als den Auslieferer der letzten Reste staatlicher Selbständigkeit ebenso lebhaft befämpften. Aus der erregten Debatte seien nody folgende Einzelheiten nachgetragen: Es tommt hierauf zu einer bramatischen Szene, da Abg. Favre Boincaré fragt, ob er nicht befürchte, als der Kapell meister einer Bresse angefehen zu werden, die gegen fremde allierte Regierungen in der heftigsten Weise vorgehe. Poincaré verwahrt sich gegen einen derartigen Vorwurf von der Kammertribüne herab. Favre erwidert, er flage nicht an, er weise nur auf eine Gefahr hin. Er wiffe ganz genau, daß ein Regierungschef große Zeitungen zur Mäßigung anhalten tönne. Poincaré ruft mit Bebhaftigkeit: Sie flagen fügenhaft an, ich bedauere die Anklager gegen die fremden Regierungen; wenn es an mir gelegen hätte, Als erster Redner erinnerte Abgeordneter Renner( Soz.) an wären sie niemals erfolgt! Favre sagte darauf: Sie haben dem die Unterzeichnung des Vertrages von St. Germain. Damals habe Direttor einer großen Beitung, die eine derartige Rampagne gegen man unter unwiderstehlichem 3wang gehandelt. Die Sozialdemo England führt, einen wichtigen Bosten im Bölterbunde gegeben. fraten feien immer für ein Programm der Selbsthilfe gewesen Poincaré erwidert: Herr de Jouvenel ist von der französischen und hätten noch im August eine Koalition zum Zwecke der Selbstund der englischen Regierung wegen seiner Haltung in Genf behilfe vorgeschlagen. Man sei über dieses Anerbieten hinweggegangen. glückwünscht worden. Favre erklärte im weiteren Verlauf seiner Rede: es sei ge. Es sei begreiflich, daß die Sozialdemokraten unter diesen Umständen fährlich, wenn man sich nicht Deutschland annähere! Abg. Daudet die Verantwortung für einen anderen Weg ablehnen müßten. behauptete, man würde sich in diesem Falle der Gefahr aussehen, die einzelnen Protokolle eingehend, erklärte Renner, die politi den Krieg herbeizuführen, da Ludendorff in feiner letzten Rede er- Garantie des Protokolls Nr. 1 habe gar keinen Wert, da es r flärt habe, der Geisteszustand feines Landes fordere die Revanche. erstens nicht um eine eigentliche Garantie, sondern nur um eine Man müsse Deutschland nicht vernichten, das sei nicht nötig, aber Respektierung der Grenzen durch die unterzeichneten Staaten Favre empfahl eine Polifik der Klug- handele, und weil zweitens der Völkerbund in seiner gegen man müsse es zerstückeln. heit und Mäßigung. Jede andere Politik würde unvermeidlich in wärtigen Gestalt, welcher beinahe eine Art lateinische Union einigen Jahren zu einem neuen Kriege führen. geworden sei, in den Fragen des Saargebiets und Oberschlesiens nicht bewiesen habe, daß er eine Beugung des flaren Rechts verhindern fönne. Desterreich würde für die Dauer der Amortisation der Anleihe, also für 20 Jahre, der Möglichkeit einer Durchführung des Anschlusses beraubt. Das Protokoll Nr. 3 bedeute die Aus= lieferung der gesamten Volks- und Staatswirt. schaft. Die Sozialdemokraten seien auch heute noch für ein Programm der Selbsthilfe, nicht aber für die Auslieferung an eine frembe Herrschaft. Als Antwort auf das Genfer Protokoll gebe es für die Sozialdemokraten nur ein dreimaliges Nein!( Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Eine große Strömung im Lande sei gegen jede Politik der Abenteuer gerichtet. Das ganze Land werde sich erheben und dem Staatsmanne Beifall flatschen, der die Politit der Klugheit, der Mäßigung und der Toleranz in die Pragis umsetze, die es verlange. Hierauf interpellierte der sozialistische Abg. Lobet über den Achtstundentag. Als ehemaliger Gewerkschaftssekretär der Eisenbahner besprach er das Defret des Ministers für öffentliche Arbeiten über die neue Regelung der Arbeitszeit für die Eisenbahnangestellten. Nach feiner Rede, bie schließlich zu einer Zwiefprache mit dem Minister wurde, der sein Defret über den Achtstundentag verteidigte, murde die weitere Debatte auf morgen, Freitag, vertagt. Dem Orientfrieden entgegen. Minister des Aeußern Grünberger stellte fest, daß die brei Protokolle ein Ganzes bildeten und daher auch gleiche Geltungsdauer hätten. Das Parlament könne bei Annahme der Protokolle nochmals die ausdrückliche Feststellung verlangen, daß die politischen Bestimmungen des Protokolls 1 nicht länger in Wirksamkeit sein würden als die der anderen Protokolle. Für die rechtzeitige Erledigung der Garantievorlagen durch die Parlamente der garantieren. den Mächte sei volle Gewähr gegeben. Es fei feine Ueberzeugung, daß bessere Bedingungen in Genf nicht erreicht werden konnten. Das Abkommen von Mudania war zuerst von den - Kandidatur Hindenburgs? griechischen Vertretern nicht unterzeichnet worden, weil diese ihre Der Reichsminister des Innern hat an den Reichstags- find diese Instruktionen eingetroffen, so daß auch von griechischer Anweisungen aus Athen nicht rechtzeitig erhalten hatten. Inzwischen präsidenten ein Schreiben gerichtet, in dem er den 3. Dezember Seite das Protokoll nachträglich, voraussichtlich am Sonn- Schicksalsstunde sei es mit einem dreimaligen Nein nicht getan. Die Abg. Hauser( Chriftlich- Sozial) meinte, in einer solchen als Tag der Reichspräsidentenwahl vorschlägt und ersucht, eine abend, unterzeichnet werden wird. Entscheidung des Reichstags darüber herbeizuführen. InMehrheit habe nicht den Mut, die Kredite, die nach langem B. zwischen meldet die„ Natlib. Korr.", es machten sich„ leife An der neutralen 3one durch 4000 Remalisten bei Ismid. Da dies schon seien schwer und schmerzlich, aber nicht unmöglich. Die Mehrhen Reuter meldet aus Ronstantinopel eine neue Berlegung mühen endlich zu erhoffen seien, zurückzuweisen. Die Bedingungen zeichen" dafür bemerkbar, daß die Anregung der Volkspartei, der sechste oder siebente Zwischenfall dieser Art in den legten Tagen stehe fest hinter dem Bundeskanzler, der mehr für Desterreich erreicht Die Wahl zu verschieben, doch nicht ganz auf unfruchtbaren ist, und da bisher alle englischerfeits gemeldeten ähnlichen Ver- habe, als irgendein anderer.( Soz. Zwischenruf: Im Berrat hatten Boden gefallen" fei. Bir haben von solchen Anzeichen nichts legungen sich nachträglich als harmlos herausgestellt haben, ist wohl Sie auch zusammen!- Großer Lärm.) Haufer erklärte zum Schluß, bemerkt und halten nach wie vor eine Hinausschiebung der auch diesmal der Angelegenheit feinerlei Bebeutung beizumeffen. die Chriftlich- Sozialen feien bereit, die Protokolle anzunehmen.( Leb Wahl für rechtlich und fachlich unmöglich. Benizelos, der sich in London aufhält, hat bisher Lloyd George nicht erreichen können, da dieser ihn offenbar meidet. Gestern hafter Beifall bei den Christlich- Sozialen und den Großdeutschen.) sprach er im Britischen Auswärtigen Amt vor. Man nimmt an, daß des Anschlusses, sei durch die machtpolitischen Berhältnisse vorläufig Abg. Dinghofer( Großdeutsch) erklärte, der beste Weg, der er Griechenlands Vertreter auf der Friedenskonferenz sein wird. gesperrt, jener der Selbsthilfe ungangbar, also bleibe nur der ber Ueber ganz Griechenland wurde der Belagerungszustand verhängt, Kredithilfe. Die Feststellung des Außenministeriums, daß die brei Protokolle auch bezüglich der Geltungsdauer eine Einheit Das offizielle Organ der Volkspartei kündigt weiter an, daß die Frage der Wahl innerhalb der Arbeitsgemeinschaft der Mitte besprochen werden würde, und es bedauert, daß Peter sen und der demokratische Parteitag sich auf die Wiederwahl Eberts festgelegt hätten. obwohl dort alles ruhig sein soll. Die„ Boff. 3tg." will wiffen, daß sich die deutschnationale Porteileitung an Hindenburg gewandt und daß dieser sich rates über die Britte Bölkerbundsversammlung wurde im National fei die Erwägung maßgebend, daß es nach seiner EntstehungsDie Schweiz bleibt im Bölkerbund. Der Bericht des Bundes. bilden, erleichtere die Annahme Was das Protokoll 1 betrifft, fo bereit erklärt habe, eine Kandidatur anzunehmen. Es bleibt rat gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und der Kommunisten geschichte nicht in erster Linie gegen den Anschluß an Deutschland obzuwarten, ob der alte Herr wirklich politisch ahnungslos genehmigt. Ein kommunistischer Antrag auf Wiederaustritt der gerichtet sei, sondern seine eigentliche Ursache in der Rivalität genug ist, am fich zum Objekt deutschnationaler Demagogie Schweiz aus dem Bölferbund wurde mit allen gegen sechs Stimmen zwischen Italien und der Tschechoslowakei in der österreichischen machen zu laffen abgelehnt. Frage habe. Bom Standpunkte ber Anschlußpolitik seien die Pro totolle anzunehmen, da durch die Kreditgewährung Oesterreich In die Lage komme, selbständig bis zu dem Tag zu bestehen, wo der Anschluß endlich möglich sein werde. Abg. S e i tz(Soz.) verwies auf das S e l b st h i l f e p r o» gramm der Sozialdemokraten, zu besten Durchführung sie bereit seien, an einer Konföderation der Parteien mitzuwirken. Die Genfer Konvention bedeute«inen Verrat der österreichischen Jnteresten. Nackdem noch einige andere Redner gesprochen hatten, erfolgte die Abstimmung, die das schon gemeldete Ergebnis brachte. Morgen tritt in Wien ein fozialdemokrati- fcherParteitag zulammen, der zu diesen neuesten schwer» wiegenden Ereignissen Stellung nehmen wird. Was sich in Oesterreich vollzieht, hat nach drei Richtungen große Bedeutung. Es bedeutet eine Niederlage des Anschluß» gedankens, eine moralische Stärkung des Völkerbundes und fürDeutschlandeinefurchtbareWarnung. Mit einem gewissen Fatalismus ist oft gesagt worden, daß wir �österreichischen Zuständen" entgegengehen. Die Genfer Protokolle und die Wiener Verhandlungen zeigen uns, was das heißt. Die österreichischen Sozialdemokraten forderten Selbst Hilfe im Interesse der nationalen Selbstbehauptung, das ist genau dasselbe, was die deutschen Sozialdemokraten in Deutschland fordern. In Oesterreich ist es zu spät, in Deutsch- land noch nicht.— Aber, wie lange haben w i r noch Zeit? Maßnahmen gegen Stubenrauch. Zu dem Fall des Primaners Stubenrauch vom Realgymnastum in Steglitz wird dem Sozialdemokratischen Parlamentsdienst mit- geteilt, daß dem am IS. August aus der Untersuchungshast ent- lostenen und am 11. September außer Verfolgung gesetzten Stubenrauch im Anschluß an die Herbstferien durch den Provinzialschulrot Michaelis schriftlich eröffnet wurde, daß erder Schule fern- zubleiben habe, bis sein« Angelegenheit vor Gericht entschieden worden ist. Stubenrauch ist seitdem auchnichtmehr in die Schule gegangen. Aus Grund der Ergebnisse des Leipziger Pro- zestes werden die Schulbehörden unverzüglich mit dem entsprechenden Vachdruck die gebotenen Schritt« im Fall Sktbenrauch unternehmen. * Diese aus dem preußischen Kultusministerium stammende Mit- teilung gibt also zu, daß Stubenrauch erst im Anschluß an die Herbstferien vorläufig von der Schule entfernt wurde; ste besagt nicht, daß er seit dem IS. A u g u st, cm welchem Tage er aus der Untersuchungshaft kam, bis zu den Hcrbstferien, die Schule nicht mehr besucht habe. Das Reichsfchulgefch. Der Bildungsausschuß des Reichstags hat sein« Beratungen .>e» Entwurfs zum Artikel 143,2(Reichsschulgesetzentwurf) wieder «ufgenommen.— Ministerialrat von Zabn gibt zu§ 5 Erklärungen über den Leoriff.Gemeinden", die nicht als politische Gemeinden, sondern als Schuloerbände, die zur Errichtung und Er» Haltung der öffentlichen Volksschulen oerpflichtet sind, verstanden werden müssen. Er ist der Meinung, daß je nach den Ergebnissen der Abstimmung über Gemeinschafts-, weltliche oder Konfessions- schulen eventuell neue Schulverbände gegründet werden mußten. H e n s« l(deutschnational) will im 8 5 das Wort.öffentlich" vor Volksschulen streichen, er verlangt außerdem eine Verpflichtung des Reichs, Schulzweckverbände zur Errichtung und Erhaltung von nffentlichen Volksschulen nach Artikel 143,2 und von privaten Volt»- schulen nach Artikel 147,2 der Reichsoersastung zu föroern. Löwen- ' ein(Soz.) verlangt Auskunft über die Untcrhaltungspflicht der Schulverbände, die aus dem Artikel 143 folgen, er sieht in den neu zu bildenden Schulverbänden erhebliche Schwierigkeiten. Die An- ?räge der Deutschnationalen lehnt er ab, da das ganze Gesetz nur von ffentlichen Volksschulen handelt. Förderung besonderer Schulzweck- verbände für Einrichtung der Schulen nach Artikel 143,2 ist über- üssig; die Förderung von privaten Volksschulen ist verfassungs- widrig, da nach Artikel 147,2 private Volksschulen nur ganz aus- .iahmsweise errichtet werden dürfen, wenn nämlich Minderheiten für »we öffentliche Vekenntnis- oder bekenntnisfreie Schul« nicht die ausreichende Anzahl von Antragstellern aufbringen können, oder wenn«in besonderes pädagogisches Interesse vorliegt. B e u e r- ?ionn(Volkspartei) will zwar Privatschulen unterstützen, doch will er das durch ein besonderes Gesetz. Jedoch will er den Antrag zur Errichtung von Schulzweckverbänden unterstützen. H e l l m a n n (Soz.) kritisiert scharf die Absicht der Deutschnationalen, auf Um- wegen eine verfassungswidrige konfessionelle Privatschule in das Gesetz hineinzubringen und neben den lisfentlichen Körperschaften als Schulzweckoerbände noch private Gesellschaften einzufügen. Da- durch würde das Recht der Erziehungsberechtigten auf eine völlig ! ander- Grundlage gestellt als die Reichsoersastung sie vorsieht. j Mumm(deutschnational) versucht die Anträge der Deutschnatio- ' nalen alz harmlose Interpretationen des Artikels 143,2 hinzustellen und will vor allen Dingen das Recht der Erziehungsberechtigten ge- stützt wissen. Löwen st ein(Sozi) stellt richtig, daß nach der Reichsoersassung olle Schulen, auch die konfessionellen, öffentliche Schulen bleiben müssen und die Erziehungsberechtigten nur Antrags- � recht in bezug auf den besonderen konfessionellen, konfessionsfrcien oder Demeinschaftscl)arakter der Schulen hätten. Weiß(Demokrat) und Marx(Zentrum) lehnen ebenfalls die deutschnationalen Anträge ab, letzterer unter Betonung der besonderen Sympathie, die seine Partei für die Privatschulen hätte. Doch das Zentrum will die ; Privatschulfrage nicht mit dem Entwurf zum Artikel 143,2 ver- quicken. H e l l m a n n(Soz.) macht auf die großen Schwierig- leiten aufmerksam, die dadurch entstehen würden, wenn nach den Ausführungen des Regierungsvcrtrctsrs die Schulverbände nach ! dem Bedarf an Gemeinlchafts-, Konfessions- oder weltlichen Schulen � neu gebildet werden könnten. Es würde dadurch den Landes- > rsgierungen die Möglichkeit einer Beeinflussung der Ehancen für die einzelnen Schularten durch Schuloerbandsabgrenzungen gegeben werden. Dieses Verfahren würde ferner im Widerspruch besonders zu der bayerischen Schulsprtngeleinteilung stehen. Er ersucht daher die Regierung, diese Frage nochmals nachzuprüfen. 5M« Deutschnationalen beantragen zu 8 3 die Erweiterung des Kreises der Erziehungsberechtigten auf alle Eltern, ohne Rücksicht daraus, ab sie Kinder in der Volksschule haben und Dr. Philipp (Deutschnatl.) deutet an. daß sie als Erziehungsberechtigte auch Geist- liche, Lehrer und Meister ansehen.— Runkel(D. Dp.) will in ähnlicher' Weise eine Ausdehnung auf all« Eltern. Unsere Genossen weisen diesen Versuch, aus Parteirücksichten Eltern, die Kinder nur in den höheren Schulen haben, das Recht zu geben, über den Charakter der Volksschulen zu bestimmen, energisch zurück. Schließlich fanden von den Anträgen unserer Genossen folgende die Mehrheit des Ausschusses: 1. Ms Erziehungsberechtigte, die einen Antrag auf eine Schulart stellen können, sind außer den Eltern schulpflichtiger Kinder auch Eltern solcher Kinder anzusehen, die innerhalb von fünf Jahren volks- schulpflichtig werden. 2. Die Einschränkung der Regierungsvorlage auf Eltern, soweit sie im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte und der deutschen Staats- angehöriqkeit sind, zu streichen. ». Die Streichung des Gesichtspunktes, daß für die Erziehungs- berechtigten ein Pluralwahlrecht nach der Kinderzahl maßgeblich sti. Weitere Verteiülgungsreöen. Replik des Oberreichsanwalts. Zu Beginn der heutigen Sitzung teilte Scnatspräsident Dr. H a g e n s zunächst mit, daß der Gerichtshof beschlossen habe, die Angeklagten Schütt und Diestel, soweit sie des Vergehens der Bei- Hilfe zum Morde angeklagt waren, außer Verfolgung zu setzen. Seitens des Oberreichsanwalts war diese Anklage bereits vor der Hauptoerhandlung fallen gelassen. Nunmehr» so erklärte der Vorsitzende, sei der Staatsgerichtshos der Meinung, daß mangels genügenden Verdachtes die Angeklagten Schutt und Diestel, soweit sie der Beihilfe angeklagt seien, außer Nerfolgung zu setzen seien. Gegen Schütt und Diestel bleibt demnach nur die Anklage wegen Begünstigung der Töter bestehen. Justizrat Dr. Hahn gab dann noch von dem Inhalt eines bei ihm eingegangenen Telegramms Kenntnis, in dem Korvettenkapitän a. D. von Zitzewitz-Bcrlin mitteilt, daß er als früherer und un- mittelbarer Vorgesetzter Kerns und auf Grund genauer Kenntnis dessen Natur bestätigen könne, daß die gestrige Aussage Techows, daß Kern ihm mit Erschießen gedroht habe, durchaus auf Wahrheit beruhen müsse. Dann ergriff R.-A. Dr. A l s b e r g für die von ihm verteidigten Angetlagten Schütt und Diestel das Wort zu seinem Plaidoyer. Er führte aus: In der Geschichte der politischen Prozesse wird der Rathenau-Mordprozeß für alle Zeiten eine hervorragende politisch. juristische Rolle spielen, vielleicht schon deshalb, weil es der erste anonyme politische Prozeß ist. Keine Partei, keine politische Gruppe will für diese im eminentesten Sinn« des Mordes politische Tat ver- antwortlich zeichnen. Es sei völlig zweifellos, so führte der Ver- leidiger weiter aus, daß Schütt und Diestel über das wirkliche Vor» hoben der Täter getäuscht seien. Das Geständnis Techows hat er- schütternd auf Schütt gewirkt, und>ch verstehe es, wie er gegenüber diesen knabenhaften Äordgehilsen nur Worte des verzweifelten Ent- setzen? fand. Die Ofsenbarung Techows enthüllte Schütt zugleich die furchtbare Situation, in die er schuldlos verstrickt war. Mit Recht muhte Schütt sich doch sagen, daß er, der arglos die Täter bei sich beherbergt und sie bewirtet hatte, bei jedem, dem nicht die letzten Fäden dieses Zufalles bekannt waren, in den furchtbaren Verdacht der Mitwisserschaft geroten wäre. Und zu alledem traten Schütt in diesem Augenblick die drohenden nur zu ernst gemeinten � Worte Kerns vor Augen:„Verräter gehen bei uns um dl« Eckel". � die ein« besonders tiefe Bedeutung dadurch für ihn gewinnen � mußten, daß er noch den Mitteilungen Techows in der Tat den Auftakt zu einem schweren Bürgerkrieg sah. Schütt ist— und das ist durch die Beweisaufnahme voll erwiesen— dem das B er brennen der Mützen fordernden jüngeren Techow mit Ausreden ausgewichen. Die unüberlegte Beseitigung der Koppen hat, wie Schütt und Diestel alsbald richtig erkannt hätten, sie äußerlich noch mehr mit der Tat in Verbindung gebrocht und dadurch den Entschluß, mit dem sie rangen, die Tot selbst anzuzeigen, ihnen unmöglich gemacht. Dos niederdrückende Bewußtsein, daß der Schein gegen sie spräche und sie als Mitwisser erscheinen lassen müsse, habe dann auch das Ver- ljclten Diestels bei den Nochsorschungen des Kriminalkommissars Seinemayer bestimmend beeinflußt. Hierauf ergriff Rechtsanwalt G o l d stü ck er- Berlin für den Angetlagten Schütt das Wort. Der Verteidiger streifte noch einmal kurz alle Umstände, die der Entlastung seines Klienten dienen können. Er schilderte ihn als«inen Mann, der, einer demokratischen Familie entstammend, Feindschaft gegen Juden niemals gekannt habe, und der mitten im Erwerbsleven stehe gegenüber der Mehr- zahl der Angeklagten, die haltlos in der Lust schwebten, oder die ihr angebliches Studium nur als Aushängeschild benutzten. Er bat zum Schluß um die Freisprechung seines Mandanten. Dann ergriff noch einmal Rechtsanwalt Bloch für die An� geklagten Tillessen und Plaas das Wort, für die er, wie er erklärte, nicht um Mild«, sondern um die klare Erkenntnis ihr«? Unschuld bitte.— Nach einer kurzen Pause folgt dann die Replik de» Oberreichsanwalk», der sich zunächst mit der gestrigen Erklärung des Hauptangcklagten Ernst Werner Techow beschäftigte. Er halte es nicht für richtig. so führte Dr. Ebermeyer aus, wenn Techow behaupte, er fei von Kern überrumpelt worden. Denn er selbst habe in der Ver- Handlung zugegeben, daß die Gründe Kerns auch für ihn maß- yebcnd gewesen seien und er Hab« zu Schütt ausdrücklich erklärt: „Es mußte geschehen." Wenn Techow behaupte, daß Kern ihn mit Erschießen bedroht habe, so lege man diesem sogenannten Geständnis größer« Dedcutung bei als es in Wirtlichkeit habe, denn man dürfe nicht übersehen, daß nach der eigenen Aussage Techow» dieser nicht durch eine Drohung Kerns gezwungen werden ist, ihm das Ehrenwort zu geben, sondern daß erst, nachdem er den Handschlag geleistet hatte. Kern ihm erklärt habe:„Ich schien« Dich nieder, wenn Du Dich weigerst."' Dieser Drohung war als« der Entschluß Techows, die Tot als eine eigene zu begehen, voraus- gegangen, ebenso seine Tätigkeit während der Vorvereitung und die genaue Auswahl der Mordstelle. Mit dieser Bc- kundung Techows aber breche seine bisherige Aussage, er habe om Sonnabend, den 24. Juni, nur an«ine Probefahrt geglaub', völlig zusammen, so daß jetzt gewissermaßen«in tatsächliche» Geständnis vorliegt, daß et gewußt habe, was er tun sollt«. Wenn er am Sonnabend diese Tat im Zustande der Bedrohung ausgeführt habe, so könne daraus noch keine Notstandshandlung konstruiert werden. (Fortsetzung in der Morgenausgebe.) Vollar bis 27SS! ■Heute fand an der Berliner Börse der erste offizielle Devisen- Handel unter der neuen Verordnung statt. Di« BSrsenbesucher waren sich über ein« ganze Reihe wichtiger Bestimmungen der Verordnung nicht ohne weiteres klar, und es entstand über verschiedene Punkte eine lebhafte Diskussion. Die Industrie und der Einfuhrhandel konnten heute an eine Eindeckung des Devisenbedarfs noch nicht denken, da bei der Kürze der Zeit keine Möglichkeit bestand, die erforderlichen Bewilligungen der zuständigen Stellen zu beschossen. Vorläufig findet nur ein verhältnismäßig geringes Geschäft für Rechnung der internationalen Arbitrage statt, verschiedene Firnun zögern überhaupt, sich bei der unklaren Lage auf Abschlüsse einzu- lassen. Der Dollar wurde gegen mittag mit 2S7S bis 2609 gehandelt. Das bedeutet gegenüber dem hohen Kurs d>r gestrigen N a ch b ö r s e immerhin eine beträchtlich« Abschwächunz. Ein Zunö. Von Paul Packan. Am frühen Vormittag stand ich in einer stillen Straße am Tier- garten und wartet« auf die Straßenbahn. Vorher hatte ich vo-rsichtigerweise mein Portemonnaie um Rat befragt, ob ich die teure Reise auch wagen könne. Ich war froh, daß meine Rechnung stimmte, und ich freute mich auf die gewiß nicht mehr fern liegenden Zeiten, in denen eine Fahrt mit der Straßenbahn 150 M tosten wird. Denn dann wird erst so recht vor Anttitt jeder Fahrt ein großes Raten und Rechnen beginnen, das so angenehm ablenkt und zerstreut; und ich bin überzeugt, daß die häufigen Preiserhöhungen nur im Interesse des Publikum» geschehen� da, heute ohne alle Anregungen und Reiz« dahinleben muß. Mitten in diesen heiteren Gedanken bemerkte ich ein schwarzes Etwa» auf der Straße, nicht weit von der Haltestelle. Bei dem trüben Weiter dieses Tages wäre es mir nicht aufgefallen, wenn nicht ein plötzlicher Wind die Wolken vom Himmel ge- wischt hätte, so daß das kleine Ding nun im hellen Licht lag. Ich hob es auf und erkannte, daß es«in Notizbuch war, in schwarzes, schweres Saffianleder gebunden und mit dickem Gold- schnitt geschmückt. Ich hatte bislang nicht gewußt, daß es heute noch solch« Fein- hellen gibt, und ich war beruhigt darüber, daß für die Leute, die derartige» brauchen, so gut gesorgt wird. Ich blätterte flüchtig in dem Büchlein, fand aber bald, daß es wahrhaft lohnte, sich in die Lektüre zu verttefen. Auf den ersten Seiten war die Familier.geschichie der Hohen- zollern mit allen Zweigen und Nebenlinien in zierlichen gotischen Lettern abgedruckt, woraus man mit Leichtigkeit schließen konnte, daß der Herausgeber diese» Buches mit der Zell geht und wohl weiß. was da» feine Publikum verlangt. Dann kam ein Kalender auf das Jahr 1923 und darauf folgte eine andere große Wichtigkeit, die nannte sich: Meine Nummern, und sah so aus: Mein« Nummern für: Jagdkarte. Nadfahrkarte, Bantfach, Scheckbuch. Telephon. Handschuh. Zwar besitze ich weder eine Jagdkart«, noch ein« Radfahrkarte, »«der«in Sankfach, noch— ich muß mich wirtlich schämen— ein Scheckbuch oder Telephon. Abm ich habe Handschuhe. Di« stammen zwar noch vom Militär und sehen nicht sehr statt- (ich aus. Sie sind aus grauschwarzer Wolle und für meine Hönde ein wenig zu weit. Aber unser Unteroffizier sagt« immer:„Je weiter die Handschuhe sind, um so mehr wärmen sie." Und der Mann mußte es doch wissen! Ich kenne auch ihre Nummer nicht. Allein, das läßt sich ja leicht feststellen, und dann trage ich sie, um diel« Wissenschaft mcht zu ver- gessen, in dos gefundene feine Büchlein sin, und dann gehöre ich auch zu den feinen Leuten. Beseligt barg ich das kostbare Buch an meinem Busen. Da kam auch der Wagen der Straßenbahn, auf den ich wartete. Kurz bevor er hielt und ich einsteigen tonnte, hörte ich, wie je- mand in einer Wohnung nebenan„Heil dir im Siegerkranz" aus dem Klavier spielte und mit seelenvoller Sttmme dazu sang. Ich habe mal etwas von der Harmonie im Weltenraum gelesen. Jetzt wußte ich, daß das auf Wahrheit beruht. Denn was kann� wohl harmonischer zusammenpassen, als„Heil dir im Siegerkranz" und das kleine schwarze Notizbuch. Und ich dachte mir, wieviel Schönes wird mir dieser Tag noch bescheren, wenn mich am frühen Vormittag schon soviel Glanz und Glück umgaukelt. Em paar Stunden später hielt mich auf dem Potsdamer Platz ein Herr für das Finanzaeni« Helfferich. Er redete mich mit Euer Exzellenz an und hatte, während er mit mir sprach, den Hut in der Hand. Ich aber war restlos glücklichl »Der Rebbich" von Zlernheim. Seitdem Karl Sternheim von Berlin verbannt ist, finden seine Uraufführungen im Darm- städter Hessischen Landestheater statt. Leider ist zu konstatieren, daß Sternheims Witz, seitdem er sich gegen Goethe wendet und Geistesverwandtschaft zwischen sich und dem großen Lnatole France und Bernard Shaw vermessen behauptet, immer magerer wird. Seine Bedeutung steht in der Komödie des bürger- lichen Heldenlebcns(„Die Kassette".„Bürger Schippet",.1913" usw.) unbedingt fest, aber neuerdings gerät sie bedenklich auf die „mittlere Linie". Sternheims Weg« sind wundersam. Im„Ent. fesselten Zeitgenossen" ging er weit über die bis dahin angestammte «APD. und Herrn Franz Pfemfert hinaus, wandte sich von der Diktatur de, Proletariats als kaleidoskopartigem Geschwätz über- Holter Vergangenheit ab und proklamierte den überhaupt nicht mehr au» Logik sondern nur noch aus zwecklosem Einsall handeln» den neuen Menschen. Nachdem auch dieses geschehen war. kreiicrte «r den„Nebbich". Dieses„Lustspiel" hat bedenkliche Aehnlichteit mit einer Mettopoltheaterrcoue, nur daß seine Snobismen Aufguß und feine Sarkasmcn Wiederholungen sind. Die Handlung ist irgendwie zeitgeschichtlich verknüpft, sie begleitet den deutschen Spieß. bürger zu einer politischen Laufbahn, die in der legitimen ver. h-Iratung mit der Valuta gekrönt werden soll. Soweit sind wir nach dem 3. Aufzug, aber nun verläßt Sternheim der Witz, die Handlung endet in einem banalen Eiwas, zu dem— der Abschiedsverzicht der Marschallin vom..Nosenkavolier" gespielt wird. Die Aus- führung stand unter der bekannten saiirischen Regie von Gustav Hortung, die diesmal die Sr.-rnheimschen Belange dadurch ver- böserte, daß sie den Schluß mit der Marschallin am Klavierflüzel sentimental und dramatisch nahm, ob welchen Geschehnisses das Publikum außerordentlich unaufgeklärt über den Sinn des Stücke» blieb. H. v. Z. Der Schädel eines Soziallsten in der— Anatomie. Auch Schädel haben ihre Schicksale. Eine gar seltsame Geschichte hat die ,-Leipz. Volkszeitung" aus der Zell des Sozialistengesetzes ausze- graben: Richard Schumann, verheiratet, war 18S3 in einen Werbe- schriftenverbreiwnyz prozeß verwickelt und mit angeklagt, er wurde aber freigesprochen. Am 27. September l8S6 wurde er ausgewiesen. Bei seiner Ausreise gaben ihm eine Anzahl Genossen da- Gelei e. und dabei wurde ein rotes Tuch an einem Stock«ctrag-n Nlo> lich stürzten vier Polizisten in Zivil über die ruhig ihres Wege» dahinziehenden Begleiter Schumanns her und versuchten, st» de, roten Tuches zu bemächtigen.' Die Folge dieles unerwertelcu Ueberfalls war eine regelrechte Keilerei und der Ausgang din.er: zwei Polizisten haben die Flucht ergriffen, während die andern zw-, verdiente Prügel einstecken mubten. Schumann wurde daraufhin in Hall genommen und wegen Aufruhrs zu vier Jachen Zuchthaus, zehn Jobren Ehrverlust und Stellung cmter Polizeiaufstcd: ver- urteilt. Jnsqestimt wurden wegen des von Ponzssten verursachten „Aufruhrs" 10H Jahre Zuchthaus und 12� Jahre Gefängnis aus- geworien. Di« weiße Ordnungsbestie triumphierte Schumann war Sozialist und damit war das Urteil im bürger- lichen Sinne gerechtfertigt. Als sich die Zuchthaustor« hinter Sch.-- mann schlössen, war er für olle Zeit aus dem Leben und der mcn'ch- lichen Gemeinschaft ausgestrichen. Nach etwa% Jahren erlöste ihn der Tod, nicht ober leinen Leichnam. Ms später die Fvau' Schu- mann, von dem Tode ihre» benachrichtigt, um Freigabe des Leichnams bat, erhielt sie die Mitteilung, daß dieser bereits der Anatomie übergeben fei. Der Schädel Schumanns aber prangt seitdem in der Lelp- ziger Anatomie._ Da? verbot d«» H�«»°rg.Film». F» n>,?in>ge be» Heimo!> bundeS Ostweuhen b-tien KSnigSberger ssumen»nlShIIch d.S Hindenbilri?. Sewch, in ONpreutzen einen Filin bergeiUllt, ,n dem die erei-imlle der Vindendurg-Reife gezeigt werden lollten iluherdem sollte dieser sZilm ein« Drovaganda'ür Cttweiißen werden Die Filmprüsstrlle bot nunmehr di« vorftihrung des Hmdenburg-Film,»erboten. � n* s-. nunm* Da» Orientolifche Seminar, Doroth-enftr. 7,»Sit auS in die'cn, Binietiemefter einen Kurf»» in der l i t a u i l ch e n S p r« ch e ab. D'« «ulassung kann für jedermann gegen eine«ebühr von 10 3». eisolgeir. Nähere« im KeschaftS, immer vom 18. CK. ab ron 11—1 Uhr. eieflfrteb»•«"«*«•*'»eben seine giinnetungen vollende», die viele CinztlDelten über Richard Wagner und den ihm nobesieber.den Krei» bringen nnd demnächst im Verlag I. EngelhornS Vachs, w Stuttgart er« scheinen werden. Die Gemüsespende. Ein schöner Brauch beginnt sich in Berliner Kleingärtnerfreifen einzuführen. Die Anregung dazu gab der Vorsigende des Gartenund Siedlungsamtes des Bezirks 13( Tempelhof), der sich vor län gerer Zeit mit der Bitte an die Laubentoloniften und Siedler ge wandt hatte, von ihrem Ernteüberfluß zugunsten der Mermsten, der Sozial- und Kleinreniner abzugeben. Der Erfolg hat bewiesen, daß dieser Weg nicht falsch ist. Das Siedlungsamt erhielt vor längerer Zeit von den einzelnen Laubentolonisten Aufstellungen, wieviel jeber einzelne zur Verfügung stellen fönne. Wer feine Feldfrüchte übrig hatte, gab in die Sammlung irgendwelche andere Nahrungsmittel, 3. B. Nudeln u. dgl. Jezt hat die Berteilung dieser Sammlung unter die Tempelhofer Bedürftigen stattgefunden. Mit Säden und Hand wagen trafen die Empfangsberechtigten ein und empfingen auf dem Erntefelde selbst die für sie bestimmten Teile der Sammlung. Die Sammlung hat ausgereicht, jebem der Bedürftigen etwa einen Beniner Kartoffeln zur Verfügung zu stellen, eine Beihilfe, die wohl jeder zu schäzen weiß, und die mehr wert ist als eine Gabe Bar geld. Darüber hinaus hat aber die freiwillige Sammlung noch die Möglichkeit gegeben, einem Teil der Bedürftigen des Bezirks Kreuzberg zu helfen und die öffentlichen Küchen im Bezirk Tempelhof mit Winterfartoffeln zu versorgen. Bäre diese Sammlung von zentraler Stelle für den gesamten Berwaltungsbezirt Groß- Berlin angeordnet worden, dann hätten Millionen Mart nußbringender für eine Nothilfeaktion der Stadt Berlin angewendet werden können, oder aber die Attion, die jetzt in die Wege geleitet wird, hätte wesentlich reichhaltiger ausfallen fönnen, als dies unter den obwaltenden Verhältnissen bei der Finanznot Berlins möglich ist. Muttermord in Treptow. Selbstgestellung des Täfers. Eine graufige Bluttat beschäftigt die Kriminalpolizei bes Bezirksamtes Treptow. In der Laubenkolonie Marienthal hat ein 23 Jahre alter Arbeiter Otto Baer seine Mutter durch unzählige Beilhiebe getötet und sich bann selbst gestellt. In der Laubenkolonie Marienthal in der Nähe der Forsthaus. allee am Teltowfanal bewohnte die geschiebene Frau Bertha Baer die Laube 10, zu der auch ein tieiner Garten gehört. Die primitive Behausung teilten mit ihr eine Tochter und der Sohn Otto. Die Tochter verließ vor einiger Zeit die Laube. Man weiß noch nicht, ob sie vielleicht zu ihrem Bater gezogen ist, oder anderswo ein Unterfommen gefunden hat. Die Familienverhältnisse scheinen nach den vorläufigen Feststellungen schon länger arg zerrüttet gewefen zu sein. Heute morgen um 6% Uhr erschien Otto Baer auf der Revierwache Baumschulenweg und beschuldigte sich selbst, feine Mutter in der Laube erschlagen zu haben. Beamte der Bache eilten hin und fanden die Selbstbezichti gung bestätigt. Frau Baer lag mit dem Gesicht nach der Wand zu iot in ihrem Bette. Die Leiche hing halb aus dem Bette heraus. Der Ropf wies viele Beilhiebe auf, darunter zwei sehr scharfe. Bett und Laube waren ganz mit Blut belprißt und befudelt. Das Beil, mit dem die Tat ausgeführt wurde, lag in der Nähe. Das Revier 108 meldete den Mord dem Bezirksamt und der neue Leiter der Kriminalinspektion Treptow- Röpenid Dr. Ropp erschien als bald mit seinen Beamten, um den Befund genauer festzustellen und Die zur weiteren Aufklärung erforderlichen Ermittlungen einzuleiten. Die nähere Besichtigung der Leiche ergab, baß Baer blind. lings wohl zehn bis zwölfmal mit dem Beil auf den Ropf feiner im Bett liegenden Mutter eingeschlagen hat. Der Muttermörder war gestern abend mit seiner Schwester in einem Kino gewesen und erst nach Mitternacht nach Hause getommen. Er verweigert jekt jede weitere Aussage. Nur soviel ist aus ihm herauszubringen, das die Mutter schon schlief, als er heimfehrte. Er legte fich gleich in das zweite Bett, um ebenfalls zu schlafen. Wie es nun zu der Bluttat gekommen ist, darüber fagt er nichts mehr. Epätverkehr mit Neukölln. Ein gefährlicher Dachstuhlbrand lam in der legten Nacht in der Straßmannstraße 5 zum Ausbruch. Der siebente Löschzug mußte tüchtig Wasser geben und über mechanische Leitern vorgehen, weil die Treppen verqualmt waren. Es gelang trotzdem eine weitere Ausdehnung der Flammen zu verhüten. Die Mieter werden nicht fehr erbaut sein, wenn sie den Schaden decken follen. Gewerkschaftsbewegung Internationales Arbeitsamt. Die Stadtverordnetenversammlung führte im letzten Teil der gestrigen Sißung( über deren ersten Teil wir in der heutigen Morgenausgabe berichtet haben) die Beratung über die Umwandlung der städtischen Güterverwaltung in eine Berliner Stabtgüter- 8. m. b. 5. zu Ende, doch wurde die Abstim Der Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes hielt mung ausgesezt und die Sitzung um 11 Uhr geschlossen. gestern unter dem Borsiz des franzöfifchen Regierungsvertreters, Die zweite Lesung der Magiftratsvorlage über die Erhöhung Fontaine, zwei Sizungen ab. Er trat in die Beratung über die des Straßenbahnfahrpreises auf 20 m. wird wahr. Rechenschaftsberichte des Direktors des Internationalen Arbeits scheinlich in einer außerordentlichen Sizung am onamtes, Albert Thomas, ein und stellte dabei fest, daß die Zahl tag erlebigt werden. der amtlich mitgeteilten Ratifizierungen internatio= naler Abkommen auf dem Gebiete der Arbeiterorganisationen nunmehr 51 beträgt. Der Rat beschloß, daß in Zukunft der Präsident des Berwaltungsrates nicht mehr für zwei Jahre, sondern nur für ein Jahr gewählt werden soll. Er wird jedoch wiederwählbar sein. Der Verwaltungsrat nahm weiter mit Befriedigung Kenntnis, daß bie Bereinigten Staaten einen offiziösen Bertreter in den Ausschuß zur Bekämpfung des Milzbrandes entfenden wollen. Der Rat sejte Bermißt wird seit 1. Oftober der Kriegsbeschädigte Otto bie Wahl der Delegierten für die beratende gemifchte landwirtschaft enschte aus Magdeburg. Der Bermißte befand sich am 1. Ot liche Kommission auf heute fest. An den Sizungen nahmen zehn tober, abends 10 Uhr, mit Frau und Kind auf dem Schlesischen Regierungsvertreter, darunter für Deutschland Ministerialdirektor Bahnhof in Berlin. In der Zeit, in der sich die Frau auf Leymann, sechs Arbeitnehmervertreter, darunter Leipart furze Zeit entfernte, um bom Stationsvorsteher eine Auskunft ein- Deutschland, und sechs Arbeitgebervertreter teil. zuholen, verschwand der Mann und hat seitdem noch fein Lebens. zeichen gegeben. Er ist nervenleidend. Henschte ist von mittlerer Figur, hat schwarzes Haar, feinen Schurrbart, trägt grauen Militärmantel, schwarze Tuchhose. Wer über den Berbleib irgend | welche Mitteilungen zu machen in der Lage ist, wird gebeten, sie an Frau Henschke, Magdeburg, Froser Straße 3, Hof 1 Treppe, zu richten. Amtliche Vordrude als Einwidelpapier. Eine überraschende Entdeckung machten Beamte in der Markthalle am Wedding. Dort fiel ihnen auf, daß der Inhaber eines Verkaufsstandes die verkauften Waren in ungewöhnlich sauberes und festes, bedrudies Bapier einmidelte. Sie sahen näher zu und stellten fest, daß die Wickelbogen dienstliche Bordrucke des Finanzamtes Berlin Mitte sind, die noch heute gebraucht werden. müffen auf noch nicht geflärte Weise dem Amte gestohlen worden fein. Der ganze Borrat wurde beschlagnahmt. B Eine Siedlung für ehemalige Kriegsgefangene beabfidigt, wie uns die Reichsvereinigung ehemaliger Kriegsgefangener mitteilt, die betammte Schwedin Elsa Brandström in Deutschland zu schaffen. Diefem 3wed foll der Erlös ihres fürzlich erschienenen Buches: unter deutschen Kriegsgefangenen in Rußland und Sibirien" dienen. Beabsichtigt ist der Erwerb eines Gutes, welches zu Siedlungszweden enteignet werden soll. Leider besteht die Gefahr, daß gewisser for maler Bedenten halber über das in Frage stehende Gut anders verfügt wird. Es ist sehr zu wünschen, daß die zuständigen amtlichen Stellen noch in letzter Stunde ein Einsehen haben und der Plan der edlen Schwedin nicht ein Opfer des Bureautra. tismus wird. In Schweden dürfte man hierfür jedenfalls sehr wenig Verständnis haben. Ein Fühler gegen den Achtstundentag. Man schreibt uns: " Im Neuköllner Tageblatt", dem amtlichen Organ für die städtischen Behörden in Neukölln( Nr. 31, vom 6. Oftober) findet sich folgende Notiz: „ Die Gewerkschaften haben zu der Verlängerung der Arbeitszeit Stellung genommen und wollen zur Einführung einer neuen Arbeitsist die Bahn frei für die Beseitigung des schematischen Achtstundenstunde in den städtischen Betrieben teine Oppofition machen. Damit arbeitstages, der besonders in den städtischen Krantenanstalten, Heimftätten, Irrenanstalten, Rettungswesen, der Straßenreinigung, in Hofpitälern, Altersheimen, Fuhrwesen usw. oft nachteilig empfunden worden ift." Diefer Notiz gegenüber weisen wir darauf hin, daß die Ge wertschaften zu einer Berlängerung der Arbeitszeit sich bisher in feiner Weise bereit erklärt haben. Insbesondere ist die zuständige Gewerkschaft nicht gewillt, an dem Achtstundentag in seiner bis herigen Form etwas ändern zu lassen. Seit seiner Einführung im Jahre 1919 hat sich der Achtstundentag innerhalb der Anstalten und ähnlicher Betriebe auch nach der Erfahrung leitender Aerzte auf das beste bewährt. Aus diesem Grunde allein schon haben die Gewerf. fchaften feine Beranlassung, sich auf irgendwelche verschlechternde Menderungen der bisherigen Arbeitsweise einzulassen. Auf den Zwed einzugehen, den diefe Notiz verfolgt, dürfte fich erübrigen." Die Transportarbeiter für die 9.- November- Feier. Eine allgemeine Funktionärversammlung( Betriebsvertrauens Ieute, Obleute, Branchenleitungs, Agitations- und Betriebsratsmit Cine Bilzwanderung verbunden mit Pilzeffen veranstaltet am glieder, fowie Generalversammlungsdelegierte) des Deutschen Trans. 15. Oftober der Bund zur Förderung der Pilzkunde, Sekretariat: Berlin portarbeiterverbandes beschäftigte sich am Donnerstag im Gewerk Steglt, albrechtstr. 15 B. Treffpunkt Bahnhof Groß- Besten 8 Uhr vorm.chaftshaus mit der Frage der Feier des 9. November. Der ( ab Görliger Bahnhof 7 Uhr). Teilnehmer an der Voregfurfion treffen sich am 14. b. M. Bahnhof Groß- Besten 2.30 Uhr nachm. oder abends Referent, Genoffe Ortmann, teilte mit, daß über diese Frage be bet stönig- Dubromberg( bort Nachtlager) Ekgeschirr and Brot ist mit reits in einer Ausschußfizung der Berliner Gewerkschaftskommission zubringen. Richtmitglieder zahlen zu den Untoften 10 Mart extra. verhandelt worden sei. Bon einem Beschluß habe man aber vor. Sundeausstellung. Am Sonnabend und Sonntag findet in der läufig noch abgesehen, weil man erst die Organisationen selber Brauerei Königstadt, Echönhauser Allee 10/11, eine Ausstellung von sprechen lassen wollte. In feinen weiteren Ausführungen erflärte Bogern, Dobermannpinschern und Doggen statt. Die der Redner, daß alle Ursache gegeben sei, diesen Tag in würdiger Beranstaltung, für die nur reinraffige und eingetragene Hunde zugelassen Weise zu feiern. Eins werde es nur geben fönnen, entweder den worden find, dürfte von Liebhabern ſtart besucht werden, da an die besten ganzen Tag oder gar nicht zu feiern. Es frage sich nun, wie Bertreter der Siegertitel bzw. Chambionat verliehen wird. die Kollegenschaft sich dazu stelle. Der Verband habe mit Mitgliedern zu rechnen, bie teils im Handel, teils im Transport- oder Berkehrsgewerbe tätig sind. Wenn die Gewerkschaften schlüssig sind, zur Feier aufzurufen, die Mitglieder aber nicht folgen, bann ist es besser, die Feier zu unterlassen. Eisenbahnunglüd bei Kaffel. Vergangene Nacht stieß der Schlußwagen eines auf der Steigungsstrecke bei Grebenstein 3mmenhausen liegengebliebenen Güterzugs, der nach Greben tein zurückgedrängt wurde, auf einen Berfonenzug auf. Sechs Bersonen wurde verletzt. Der Materialschaden ist unbe beutend. Eine Seifenfabrit eingeäschert. Die große Seifenfabrit Schrauth in Neuwied ist mit Maschinen und Einrichtung durch einen Brand größtenteils zerstört worden. Der Schaden beläuft sich auf mehrere Millionen Marf. Die anschließende Aussprache nahm den größten Teil des Abends in Anspruch. Gegen die Feier wurde von feinem Rebner gesprochen. Nach einem Schlußwort Drtmanns wurde mit allen gegen drei Stimmen ein Antrag angenommen, der die unbeschränkte Feier des Geburtstages der Republit" fordert. Hiernach berichtete Klose über den 11. Berbandstag. Auf eine Distuffion über den Bericht murde verzichtet. Schiffsbrand auf hoher See. Der einer Schiffahrtsgesellschaft Dann wurde noch ein Antrag einstimmig angenommen, der in Los Angeles gehörende vormals deutsche Dampfer Honolulu den Hauptverstand des Verbandes beauftragt, bei den Fraktionen ist auf der Höhe von Los Angeles in Brand geraten. Die der Arbeiterparteien des Reichstages dahin zu wirken, daß 1. bie 300 an Bord befindlichen Baffagiere haben sich in die Rettungs- Beträge für das Steuerfreie Einfommen(§ 2 Abf. 6); boote begeben. Eine weitere Depesche aus St. Diego teilt mit, daß 2. die Säge für die minderjährigen Rinder(§ 17 Abs: 2) und 3. die fich die Mannschaften und Baffagiere des in Flammen stehenden Werbungstoften(§ 13) mindestens um das Fünffache pro Schiffes retten konnten und an Bord des Dampfers Entreprise" Woche erhöht werden. aufgenommen worden sind. Groß- Berliner Parteinachrichten. st., Treptow. Sonnabend, den 14. Oktober, abends 7 Uhr, Borstandsnigung, um 8 Uhr Funktionärung. Beide Sigungen finden im Lokal Mundt, Bouche Ede Riefholzstraße, statt Sämtliche Vorstandsmitglieder und Funktionäre der bisherigen USP. und SPD. müssen erscheinen. Mit Wirkung vom 1. Dftober b. 3. ist der Straßenbahnspätbetrieb für zahlreiche Linien erweitert worden. Zur Orientierung geben wir nachstehend im Zusammenhang die neuerdings festgelegten Ab fahrtszeiten der spät abents von und nach Neukölln verfehrenden Straßenbahnen: Linie 4 12.21 ab Hermannplag( Richtung Urban ftraße), 12.18 ab Birchow- Krantenhaus; Linie 5 12.14 ab Hermann piah( Richtung Hafenheide), 11.38 ab Hermannplah( Richtung Rott bufer Damm); Linie 9 1.15 ab Hermannplag( Richtung Urbanftr.), 1.52 ab Warschauer Brüde; Linie 10 8.40 ab Hermannplak( Richtung Hafenbeibe), 8.46 ab Hermannplag( Richtung Görl. Bahnhof); Linie 15 12.30 ab Herthastraße, 1.10 ab Botsdamer Plak: Linie 19 10.00 ab Steinmeftraße, 10.49 ab Alexanderplat; Linie 21 9.22 ab 101. Brig, 10.40 ab Wilhelmshav ner Straße; Linie 22 12.15 ab Köllnische Allee, 1.10 ab Aleranderplan; Linie 27 10.48 ab Richardplay, 9.53 ab Ramlerstr.; Linie 28 12.26 at Hermannplay, 11.33 abbt. 123 a, Staulsborf Gud. Sonnabend, ben 14. Diteber, abends 8 Uhr, Bersamm Dallborf; Linie 46 10.07 ab Germaniapromenade, 11.19 ab Ring bahnhof Echönhauser Allee; Linie 47 12.42 ab Rubower Straße, 185. Abt., Karow. Heute, Freitag, abends 8 Uhr, Zahlabend bei Berndt, Dorfstraße. 12.35 ab Spittelmartt; Linie 48 12.22 ab Ringbahnhof Neutöln, 1.15 ab Spittelmarkt; Linie 55 1.00 ab Brig( Rathaus), 1.45 ab Behrenstraße; Linie 155 7.00 ab Steinmeßftr., 7.42 ab Behrenstr.; Linie 58 9.50 ab Brig( Rathaus), 11.09 ab Samariterftr.; Linie 65 11.46 ab Röllnische Heide, 11.18 ab Samariterftr.; Linie 89 9.54 ab Ringbahnhof Treptow, 11.03 ab Stuttgarter Plah; Linie 18 9.52 ab Teupiger Str., 11.18 ab Bahnhof Jungfernheide; Linie 31 11.26 ab Ringtohnhof Neukölln, 12.35 ab Halenfee; Linie 6 9.43 ab Ringbahnhof Neukölln( Richtung Brig), 6.43 ab Ring bahnhof Neukölln( Richtung Hermannplag); Linie 106 10.29 ab Ringbahnhof Neukölln, 11.03 ab händelplag; Linie P 10.57 ab Anejebedftr., 11.14 ab Hafenfelde; Linie R 11.25 ab Teupizer Straße, 9.22 ab Pichelsdorf. „ Volk und Zeit", unfere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Devisenkurse. 18. Dftober Räufer Berläufer ( Gelb-)( Brief) Kurs Kurs 100 Holländische Gulben. 104619.- 104881.1argentinisch Bapier- Befo 100 belgische grant. 100 norwegische Kronen. 100 dänisce Stronen 100 schwedische Stronen. 100 finnische Mart 1 japanischer Den. 100 italienische Lire 1 Pfund Sterling 1 Dollar 100 französische Frant 1 brasilianischer Milreis 100 Schweizer Frant. 100 spanische Befetas 100 öfterr. Stronen( abgeft.) 100 tichechische Kronen. 100 ungarische Kronen. 100 bulgarische Rewa 12. Ditober Ranfer. Bertänfer ( Geld-)( Brief) Atues Kurs 95880.- 96120.968.75 971.25 888.85 891.15 18928.30 18978.70 17878.25 17421.75 48289.60 48860.40 48945.- 44055.54930.25 55068.75 49987.50 50062.50 71510.50 71689.50 65418.10 65581.90 5792.75 5807.25 1278.40 1281.60 1188.50 1191.50 11385.75 11414 25 10086.50 10813.50 11985.- 12015.- 10036.80 10963.70 2721.59 2728.41 2466.91 2478.09 20474.35 20525.65 18676.60 18723.40 807.61 808.89 291.68 292.87 50536.75 50663.25 48142.25 46257.75 40948.75 41051.25 37852.60 37947.40 8.30% 3.341/ 8439.40 8460.60 102.87 103.13 1722.80 1727.20 lung und Sahlabend im Restaurant Sanssouci, Moltte- Straße 1. Wetter für morgen. Berlin und Umgegend. Etwas fübler, bielfach nebelig fonft troden und ziemlich heiter bei schwachen veränderlichen vorherrschend östlichen inden. Gewinn- Auszug ber 12. Oftober 1922 20. Preuß. Südd.( 246. Preuß.) Klaffen- Lotterie 5. Riaffe 3. Ziehungstag Auf jede gezogene Nummer find givei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lofe gleicher Nummer in den beiden Abtellungen I und II Ohne Gewähr. Nachbrud verboten. In der Abteilung 1 wurden Gewinne über 1500 Mark gezogen: 2 za 40000 M 137172 2 zu 30000 M 215139 2 zu 10000 M 17379 24 zu 5000 M 15672 127302 184012 182079 183259 199607 234232 259795 263503 269647 35 546 371024 104 zu 3000 M 15910 20065 26317 33434 48640 E0812 62567 63330 65298 66109 89410 94973 99642 105162 106059 113885 122457 125976 129393 143747 148 58 188889 159473 169889 175994 178 46 193743 204454, 214411 215957 225074 25185 235092 238945 240550 246073 251633 256472 263650 264114 265023 286730 277883 287966 295565 316291 829510 345978 248280 350170 356780 388818 In der Abtellung 2 wurden Gewinne über 1500 Mart gezogen: 4 zu 15000 M 103444 332558 28 zu 5000 M 4814 73527 103829 112879 123885 164105 188235 204448 228439 239011 274366 276185 343484 373499 118 zu 3000 M 20570 24313 33632 28549 44190 60779 63582 68648 T0826 83642 90084 90336 1890 115909 11700 11974 120702 168095 60122 160428 163217 103701 172677 180820 18 079 195005 195182 2169: 6 230643 23816) 238258 24: 934 254849 260452 2+ 2464 26.774 270842 27.811 75393 278391 281295 85560 267273 294474 299091 03:61 30 782 3: 0909 311087 312662 318769 318968 321180 333785 33.666 339105 343073 346546 373209 In der Abteilung 3 wurben Gewinne über 1500 Mart gezogen: 4 zu 10000 M 77989 146008 28 zu 5000 M 20064 28882 37038 61839 67806 79875 119217 143997 167872 230932 282820 285753 290283 332319 124 zu 3000 M 2211 5213 9629 16955 25275 25438 25669 35818 30437 4510 47139 6.697 66707 70622 74 90 82037 86633 87087 110: 83 11512+ 118819 121159 122185 123 51 120986 128164 148012 168925 179393 190851 194 20 200384 205987 207513 223662 2300-7 230951 241376 259227 278843 281917 284941 285702 287206 295937 298430 298645 309462 813218 315040 318809 318853 329834 330691 341892 346026 357774 352458 363888 364880 872395 374816 Schiedsspruch im Bankgewerbe. Unter Borsiz von Ministerialrat Hausmann fanden gestern im Arbeitsministerium Tarifverhandlungen für das Bantgewerbe statt, bei dem der Reichsverband der Bankleitungen und die verschiedenen Angestelltenorganisationen vertreten waren. Nach langen Beratun gen fällte der Schlichtungsausschuß in später Abendstunde folgenden Schiedsspruch:" Die Oftoberbezüge feßen sich zufammen aus einer einmaligen 8ahlung an fämtliche Angestellte in Höhe von 30 Broz. des Augustgehaltes. Ferner werden die Gehälter für alle Angestellte vom 1. bis 5. Berufsjahr um 12 Broz, vom 6. bis 10. Berufsjahr um 14. Broz. und von da ab um 16 Proz. gegenüber dem Septembergehalt erhöht. Diese Steigerung tritt bei allen Jugendlichen, bei Lehrlingen und Bureauburschen nicht ein. Die Hausstandszulage bleibt unverändert. Die Kinderbeihilfen werden um 166 M. monatlich erhöht. Die Erklärungsfrist der Parteien läuft bis zum 19. Oktober. Sämtliche Arbeitnehmerbeifizer haben den Schiedsspruch abgelehnt, während die Arbeitgeber ihn annahmen. Schiedsspruch für die Märkischen Elektrizitätswerke. Eine fombinierte Versammlung der bem Zentralverband der Maschinisten und Heizer angeschlossenen Arbeiter in den Märkischen Elettrizitätswerfen am Donnerstag im Gewerkschaftshaus nahm Stellung zu dem vom fachlichen Schlichtungsausschuß gefällten Schiedsspruch über die Oktoberföhne. Nach dem Bericht von Reinefeld find folgende Löhne durch den Spruch festgefeßt worden: Gruppe 1: 95 m., 2: 92 m., 3: 89., 4: 80., 5( Mindererwerbsfähige): 66 M. und 6( Frauen): 58 M. Berheiratete ohne Rinder erhalten pro Etunde 2,50 M., mit einem Rind 6 m. und mit zwei Kindern 9,50 m, mehr. Diese Löhne sollen ab 27. September bis 31. Oftober gelten. Dem Bericht folgte eine farge Disfuffion, in der namentlich die weiten Abstufungen abfällig fritifiert wurden. Gulanet erflärte hierzu, daß es schon schwerer Kämpfe der Berhandlungstommission bedurft habe, die Staffelungen fo eng zu begrenzen, wie sie sich aus dem Spruch ergeben. Auch einefeld hob in seinem Schlußwort hervor, daß er sich stets bemüht habe, die unteren Gruppen näher an die höheren heranzubringen. Schließlich wurde der Spruch mit großer Mehrheit angenommen. BSPD.- Gewerkschaftsfunktionäre Spandaus! Montag, den 16. Oftober, nadym. 4 Uhr, im Rafino der Deutschen Werte Funktio närfizung. Die Delegierten zum Gewerkschaftstartell find befonders eingeladen. Der fichechische Bergarbeitersfreit im Mährisch- Oftrauer Revier macht sich start bemerkbar. Die Mitomizer Stahl- und Balzwerte, in denen 1000 Arbeiter beschäftigt find, haben infolge Rohlenmangeis die Arbeit eingestellt. Aus dem gleichen Grunde hat die chemische Fabril der Firma Himmelshauer die Arbeit eingestellt. Berantwortlich für ben rebaft. Teil: Bietor Schiff, Berlin; für Anzeigen: Th. Glede, Berlin. 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