Nr.49339.Jahrgang Ausgabe B Nr. 240 Bezugspreis: Für den Monat Oftober 250,- M voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memeigebiet fowie Defterreich und Zuremburg 346,- MR, für das übrige Ausland 515,- M. Bostbestellungen nehmen an Belgien, Dänemart. Eng. land, Eiland, Finnland, Frankreich, Holland. Lettland, Luremburg, Defter reich, Schweden, Schweiz. Tschecho flowakei und Ungarn. Der Vorwärts" mit der Sonntagsbeilage Volt und Zeit", der Unter haltungsbeilage Seimwelt" und der Bellage„ Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Abend- Ausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 5 Mark Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezetle loftet 60,- M. Reflamezeile 300,-. Aleine Anzeigen" das jettgedruckte Wort 14, M.( zulässig zwet fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12, M. Stellengesuche und Schla Stellenanzeigen das erste Wort 8.- M.. jedes weitere Wort 6. M. Morte ilber 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familien- Anzeigen für Abonnenten geile 20.-. 1 Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4½ 2hr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Lindenftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachmittags. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 und 2506-2507 Mittwoch, den 18. Oftober 1922 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Verlag, Hanvregvedition n. InseratenAbteilung: Dönhoff 2506-2507 Neue russisch- französische Freundschaft. Die städtischen Arbeitsnachweiſe. : 11 Hetze Presse. haben. Das Landesarbeitsamt Groß- Berlin, das in seiner jetzigen Form seit etwa Jahresfrist errichtet ist, führt die im Arbeitsnachweisgesetz vorgesehenen Aufgaben in der Hauptsache schon durch. Es muß jezt nur in seinem organisatorischen und verLondon, 18. Oftober.( WTB.) Der gestrige Temps"-Ar-| ten" System noch den Vorzug vor dem„ schlechteren", das er von Berlin zu einer planmäßigen Durchorganisation seiner ArbeitsZur Durchführung des neuen Arbeitsnachweisgefeges geht fikel über Rußland wird in der englischen Preise viel beachtet. Der einem Wahlfieg der Arbeiterpartei befürchtet. Der„ Evening nachweise auf die 20 Bezirke über. Wie fast bei jeder MaßPariser Berichterstatter der„ Daily Mail" fchreibt: Ueberall in Paris Standard" teilt mit, daß man in zuständigen politischen Kreisen nahme des Berliner Magistrats begann auch diesmal eine merde angekündigt, daß Verhandlungen auf Eröffnung von Be- schon Vermutungen über die Zusammensetzung des fünftigen ka nahme des Berliner Magistrats begann auch diesmal eine ziehungen zwischen Frankreich und Rußland bevorständen. Der binetts der Arbeiter anstellt und als wahrscheinlichen Die Ausführungen im„ Berliner Lokal- Anzeiger" vom 4. Of heftige Preßkampagne in der bürgerlichen Presse. Besonders Zeitpunkt sei nicht weit entfernt, wo offizielle Annäherungs- nisterpräsidenten Clynes, ferner Henderson als Justizminiſter, tober, 5. Oktober und 6. Oktober 1922 und von Dr. Paul versuche der Sowjetregierung ein bereitwilliges Ohr im Haldane als Lordkanzler, Snowden als Schahlanzler, Tom Michaelis im Berliner Tageblatt" vom 5. Oktober 1922 französischen Ministerium finden würden. Seit der Genuejer Kon- Shaw als Außenminister, Thomas als Kriegsminister dürften den Kenner des Berliner Arbeitsnachweiswesens ohne ferenz habe eine entscheidende Aenderung in der Hauptrichtung der und Macdonald als Staatsfefretär für Indien nenne. französischen Außenpolitik stattgefunden. Der Pariser Berichterstatter Lloyd George wird am Sonnabend im größten Kinofaal Rücksicht auf seine Parteistellung lebhaft in Erstaunen gefeht der„ Westminster Gazette" schreibt: In der Aufregung der Wahl- von Leeds reden; es heißt jetzt wieder, daß die Neuwahlen bis zum kampagne dürfe Großbritannien nicht die wichtige internationale Januar verschoben werden sollen. Entwicklung aus dem Auge verlieren, die stattfinde. Wenn die briflfchen Diplomaten nicht aufwachten, so würde sich England bald in der Isolierung befinden, die um so unangenehmer wäre, als fie aus feinem eigenen Willen entstanden sei.„ Daily News" berichtet Paris, 18. Oktober. Die Pariser Polizei hat zu Reklamezwecken waltungsmäßigen Aufbau den Vorschriften des Gefeßes angeaus Riga: Moskauer Telegramme meldeten, daß infolge des günsti- gestern zwei ausländische kommunistische Delegierte zum französi. paßt werden. Es ist zu erwarten, daß durch den weitgehenden gen Eindrucs, den der franzöfifche Abgesandte Herriot über die schen Kommunisten kongreß verhaftet, die der italienischen bzw. Einfluß. den der Verwaltungsausschuß nach dem Arbeitswirtschaftlichen und sozialen Verhältniffe in Rußland gewonnen ungarischen Bartei angehören. Der französische kommunistische nachweisgefeß bekommen hat, die in ihm ausschlaggebenden habe, erwartet werde, daß ein franzöfifch- russisches Handels ab- Rongreß beschäftigt sich noch immer mit der Frage der Taftit der Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter den weiteren Ausbau Partei, d. h. er sucht eine Verständigung zwischen den verschie ganz nach den praktischen Bedürfnissen des Wirtschaftslebens denen Richtungen der Partei zu finden. Diese Debatte soll heute vornehmen werden. Diese Interessenten werden sicher nicht fortgesetzt werden. Als Bertreter der russischen Kommunisten sprach geneigt sein, wie von einigen Seiten befürchtet zu werden gestern manuility und erwähnte, es sei das erstemal, daß scheint, den Arbeitsnachweis nach irgendeinem Brinzip" einein russischer Kommunist einem Kongreß der französischen Kom. zurichten und ihn in ein für die Berliner Verhältnisse nicht passendes Schema zu pressen. munisten beiwohne. tommen demnächst erörtert werden würde. reich in Moskau vertreten. Nach verschiedenen Meldungen soll dann Cuberjac FrantMostau, 18. Oftober.( WTB.) Die französische Holz industrie richtete an den Petersburger Holztrust eine Anfrage über die Möglichkeiten des russischen Holzerports und die Wiederaufnahme eines normalen Geschäftsverkehrs. Abzug der Japaner. Mostau, 17. Oftober.( WTB.) Aus Tichita wird der Beginn der Näumung Bladiwostoks durch die Japaner gemeldet. Die 6. Division ist bereits verladen. Am 25. Oktober wird der letzte Transport Wladivostock verlassen. Gleichzeitig verläßt die japanische Militärmission Charbin. Entente- Appell an Morgan. Paris, 18. Oftober.( WTB.) Chicago Tribune" behauptet zu wissen, daß Bierpont Morgan aufgefordert worden sei, als amerifanisches Mitglied in die geplante neue Kommiffion zur Stabilisierung der deutschen Mart einzutreten. Diese Kommission sei das Kernflüd des Bradburyschen Projekts. In englischen Kreisen der Reparationsfommiffion habe man versichert, daß Morgan vertraulich zugesichert habe, der Aufforderung nachzukommen, wenn es alle beteiligten Allierten in freundschaftlichem Einvernehmen wünschen. Bradbury beabfichtige, die Mart auf etwa 750 für einen Dollar 3n stabilisieren, während er noch vor einigen Wochen sich mit der Abficht getragen habe, die Stabilisierung auf 500 vorzunehmen. Ein weiterer Aufschub werde möglicherweise zwingen, 1000 anzusehen. London, 18. Oftober.( Ep.) Gestern ist hier ein Sonder. gefandier des Präsidenten Harding, William Thompson, cingetroffen, mit einer besonderen Miflon in Europa beauftragt, über deren Charakter aber nichts befannt ist. nehmen. Barthous Gegenvorschlag. Kommunistenausweisungen in Paris. Die Reichspräsidentenwahl. Heute um 10 Uhr vormittag traten die Fraktionsführer abermals beim Reichskanzler zu einer Besprechung zusammen. Auch sie blieb ohne Ergebnis. Man sprach über einen Bor schlag des Zentrums, die Wahl am 1. Juli 1925 vorzunehmen und bis dahin den gegenwärtigen Reichspräsidenten durch verfaffungänderndes Gesez in seinem Amt zu bestätigen. Die Sozialdemokraten stimmten diesem Vorschlag nicht zu. Heute nachmittag berät die sozialdemokratische Fraktion. Ein Münchener Fafciftenanschlag. Es muß als ein erfreulicher Erfolg des Landesarbeitsamts hervorgehoben werden, daß es ihm gelungen ist, in furzer Zeit durch Zusammenlegung leistungsunfähiger Einrichtungen einzelner Borortgemeinden die Zahl der öffentlichen Arbeitsnachweise von 30 auf 20 zu vermindern. Dabei werden von den jetzt in der Einrichtung begriffenen 20 Bezirksarbeitsnachweisen 6 auf das Gebiet von Allt- Berlin verteilt werden, das bis zur nangriffnahme der Neuorganisation nur über zentrale Bermittlungseinrichtungen für die Gesamtvermittlung der ungelernten Arbeiter und Arbeiterinnen verfügte und gleichzeitig Die überwiegende Fachvermittlung für Groß- Berlin durch zentrale Einrichtungen zu bewältigen suchte. Die jetzt vorgesehenen 20 Bezirksarbeitsnachweise sind nach der wirtschaftlichen Struktur der Bezirke abgegrenzt. Sie werden nach einheitlichen Gefichtspunkten ausgebaut, so daß nicht, wie bisher, Auf die preußische Gesandtschaft. einzelne Bezirke ganz mangelhafte Arbeitsnachweise, in denen München, 18. Oktober( Mib.) 3n der hiesigen preußischen Männer und Frauen, Gelernte und Ungelernte noch in einem Gefandifchaft ist man einem Anschlag auf die Spur gelommen, Raum vermittelt werden, befizen, während andere Bezirke der glüdücherweise noch rechtzeitig entdeckt werden konnte. Bei dem über vorbildliche Einrichtungen verfügen. Die Frage der Einheizen der Zentralheizung des Palais, tas zum Teil an die Dezentralisation der Vermittlung ist längst feine PrinzipienRhein- Main- Donau-.- G. vermietet ist, und in deffen Räumen frage mehr, sondern lediglich eine praktische Frage, die nach fich die Privatwohnung und die Kanzlei des Gesandten befinden, rein fachlichen Gesichtspunkten beantwortet werden muß. Bei zeigten fich Störungen, die eine unerwartete Aufklärung fanden. Es dem Gebietsumfang von Groß- Berlin und nach den Erfahwurde festgestellt, daß der Haupthahn des Kessels derart zu- rungen der Kriegs- und Nachkriegszeit ist jetzt für Sachkundige gedreht war, daß es zwei Männern nur mit aller Arajt gelang, eine Diskussion über die zwingende Notwendigkeit der jetzt ihn zu öffnen. Außerdem waren Gegenstände cinmontiert, durchgeführten Organisation gar nicht mehr möglich. Es muß so daß das Röhrensystem nicht geheizt werden tonnie. Nach An- darum lebhaft befremden, wenn in der Presse behauptet wird, ficht der Sachverständigen liegt 3 weifellos cin Anschlag vor, daß zwanzig neu e öffentliche Arbeitsnachweise in Berlin geder, falls er nicht rechtzeitig entbedt worden wäre, zu einer effel- fchaffen werden sollen, um für schon vorhandene Anwärter explosion, Beschädigung des Gebäudes und Gefährdung von Beamtenstellen zu schaffen und bewährte Barteifreunde" an Menschenleben hätte führen können. Die Ermittlungen nach den die Futterkrippe zu bringen. Der Personalbedarf in den öffentTälern find im Gange. lichen Arbeitsnachweisen ist in der letzten Zeit nicht vermehrt, sondern vermindert worden. Neueinstellungen find weder notwendig noch beabsichtigt; es fann im Gegenteil damit gerechnet werden, daß man in Zukunft durch eine Verbesserung der Vermittlungstechnik und der Zusammenarbeit der einzelnen Bezirksarbeitsnachweise unter der Leitung des Landesamts mit weniger, aber dafür beffer geleitetem und geschultem Bersonal auskommen wird. Der Wiener Parteitag. Paris, 17. Oficber.( WTB.) Die Reparationsfommission wird am Freitag die Lage infolge des weiteren Marksturzes und den Vorschlag von Sir John Bradburn prüfen. Es bestätigt sich, daß Barthou einem Gegenvorschlag für die Kontrollmaßnahmen über die deutschen Finanzen verlegen wird. Laut dem Betit Barisien" Nach Einsehung des Barteirats und Beendigung der großen wird Poincaré heute nachmittag Kenntnis von dem Vorschlag Debatte über die Genfer Abmachungen beschäftigte sich der Parteitag der Sozialdemokratie Deutschöftereichs mit dem inneren Leben der Verschiebung der Brüffeler Konferenz? Bartei. Er beschloß die Erhöhung des Barteibeitrages um tausend Paris, 18. Ottober.( EE.) Nach dem" Matin" wird es immer Kronen im Monat. Julius Deutsch zeigte in einer temperament wahrscheinlicher, daß England den Aufschub der Brüsseler Ron vollen Rede die machtpolitischen Rüstungen der Reaktion in der Geferenz wünsche, und euch die belgische Regierung sei der Ansicht, stalt des Fascismus, der sich in jedem Lande in anderer Abtönung daß eine Teilnahme Ameritas an dieser Konferenz nicht zu und unter anderem Namen, aber in vollem Wesensgleich. erwarten sei, weshalb man einen besseren Augenblick abwarten folle heit gefahrdrohend ausbreite. Ihm sei Widerstand durch die Wehr In Paris glaubt man, daß es besser sei, wenn die Brüffeler Ron haft ma chung des Proletariats, insbesondere durch die Wehr ferenz nicht während der englischen Wahlen stattfinde und daß die haftmachung der proletarischen Jugend zu bieten. Darum seien neue englische Regierung die englischen Konferenzteilnehmer die Arbeiter turnvereine auf das fräftigste zu fördern und ihr inftruiere. Aber Frankreich könne einer Bertagung der allgemeinen Wirkungsfreis sei auch auf die jugendlichen Arbeiter zu er. Debatte über das Reparationsproblem nur zustimmen, wenn in der strecken. Vor allem aber sei der Arbeiter ordner organisation das Zwischenzeit feinerlei Entscheidungen getroffen werden, durch die der Lösung dieses Problems vorgegriffen werde. Was die Zahlungen Deutschlands anbelangt, so wird feinerlei Beschluß gefaßt werden, folange eine Möglichkeit besteht, daß gleichzeitig das Problem der interalliierten Schulden geregelt wird. Um die englischen Neuwahlen. Die 20 Bezirksarbeitsnachweise, die jetzt unter Leitung des Landesamts errichtet sind, bedeuten eine Vereinfachung gegenüber dem früheren Zustand mit erst 43 und dann 30 Arbeitsnachweisen, die als vollkommen selbständige Einrichtungen in den Vorortgemeinden unter eigenen Deputationen bestanden und oft nicht nur nicht mit-, sondern gegeneinander arbeiteten. wollte man nur eine Zentralstelle und in den Bezirken Nebenftellen errichten, so würden die Bedürfnisse in den Bezirken nicht genügend berücksichtigt werden und die Bezirksverwaltungen in ihrem Intereffe und ihrer Arbeitsfreudigkeit beeinträchtigt werden. Sie würden über Bevormundung durch die 3entralverwaltung flagen. größte Interesse zuzuwenden. Der Parteitag beschloß in diesem Sinne. Glödel gedachte des Kampfes gegen die frechen leber griffe des Rleritalismus in der Schule und Mar Winter der Das Verständnis Die Mängel der früheren Organisation des ArbeitsnachyBedeutung der Kinderfreunde bewegung. des Parteitages für die Notwendigkeit des ernstesten Kampfes gegen weises und der Erwrbslosenkontrolle kommen deutlich zum die Alkohol gefahr tam in der Refolution zum Ausdrud, auf dem Ausdruck in den Zahlen der langfristig Erwerbslosen in Großnächsten Bartcitag, wenn es die Berhältnisse erlauben, die Alkohol. Berlin, die im Verhältnis zu den Erwerbslosen im Reich und frage als besonderen Bunft der Tagesordnung zu behandeln, und in in Breußen außerordentlich hoch waren. Dabei ist zu berückIn einer Kritik Lloyd Georges und seines Regierungssystems dem einstimmigen Beschluß, die Feier des 1. Mai und fichtigen, daß die langfristig, d. h. länger als 6 Monate untermachte der unabhängig- fonservative Führer Lord Salisbury 12. November( Tag der Republik) alkoholfrei zu begehen. stügten Erwerbslofen nicht gleichbedeutend sind mit den länger dem Premier den Vorwurf, er habe es nicht verstanden, eine ernste als 6 Monate Arbeitslosen, deren Zahl ein Mehrfaches der Krise zu vermeiden, und diefe Krise habe der englischen Außenpolitik einen schweren Schlag verfekt. Sie hätte vermieden werden abhalten wollen, foll nach Englands Wunsch eine allierte Each hat. Es waren am 30. April 1921 von 136 394 Unterſtüßten Der Orientfriedenskonferens, die die Türfen durchaus in Smyrna Unterstützten ohne Berücksichtigung der Kurzarbeiter betragen können. Lloyd George habe auf das griechische Pferd gefeßt, verständigenkonferenz vorausgehen. Frankreich wünscht Baris als 43 914= 32,19 Proz. länger als 6 Monate unterſtüßt, mähals die Türken schon unbeftreitbare diplomatische Erfolge errungen Tagungsort. Franzöfifche Blätter melden griechische Plünderend der Durchschnitt in Breußen 21,70 Broz. und im Reich - Troz allebem aber gibt Salisbury dem jezigen schlech rungen usw. beim Abzug aus Osthrazizn. 22,71 Pro3. betrug. Im Mai 1922 hatte Groß- Berlin noch hatten. 27 116 Vollerwerbslose, darunter 12 252= 45,2 Proz. langfristige, gegenüber 23,9 Proz. im Reich und 29,10 Proz. in Preußen. Nach straffer Durchführung der Kontrollmaßnahmen und besserer Zusammenarbeit der Erwerbslosenfürsorge mit dem Arbeitsnachweis ist es gelungen, die Zahl der Erwerbs- losen schnell herunterzudrücken. Ende September d. I. waren nur noch 2341 Erwerbslose und davon 78= 3,3 Proz. langfristige, in Groß-Berlin vorhanden. Es ist ferner erinnerlich, wie schwierig sich die Ueber- führung der Berliner Erwerbslosen in die Bedarfsgebiete ge- staltet hat, insbesondere in die Landwirtschaft. Es erwies sich als unmöglich, aus dem Heer der sich in den Berliner Arbeits- nachweisen drängenden Arbeitslosen die wirklich für die Land- Wirtschaft geeigneten auszusondern. Nur ein nach Bezirken und fachlich gegliederter Arbeitsnachweis kann durch sorgsame individuelle Behandlung derartige Fehlvermittlungen ver- meiden. Ebenso sind wirksame Umschulungsmaßnahmen, wie bei- spielsweise die Umschulung von Bauhilfsarbeitern zu Bau- Handwerken,, d-ie sich in diesem Jahr als dringend notwendig erwiesen hat, nur durchzuführen, wenn die einheitlichen Nicht- linien vom Landesamt mit den Interessenten beraten und fest- gesetzt werden und die Erfassung der für die Umschulung ge- eigneten Arbeitnehmer und Betriebe vom Bezirksarbeitsnach- weis übernommen wird, der fein Gebiet genau kennt. Weder Massenvermittlungsstellen noch bedeutungslose Zwergeinrich- tungen, wie wir sie früher in Groß-Berlin zahlreich hatten, sind in der Lage, derartige Maßnahmen richtig auszuführen. Dasselbe gilt für jede Art Nachschulung und Arbeitsberatung. Auch Aufgaben der produktiven Erwerbslosenfürsorge lassen sich in Groß-Berlin nur lösen, wenn das Landesamt die Lei- tung in der Hand hat, die in anderen Landesämtern gemachten Erfahrungen auswertet und der Bezirksarbeitsnachwois die Auswahl unter den Erwerbslosen trifft. Der öffentliche Arbeitsnachweis hat im Gesetz keine Monopolstellung erhalten: er muß durch die Güte seiner Ein- richtungen, seine Leistungsfähigkeit und Ueberlegenheit über die anderen Formen der Arbeitsvermittlung erweisen. Es kann nur dankbar anerkannt werden, daß es der Deputation für Arbeit und Gewerbe gelungen ist, die Neuorganisation des Groß-Berliner Arbeitsnachweiswesens so weit zu fördern, daß jetzt bei Inkrafttreten des Arbeitsnachweisgesetzes schon die Vorbedingungen bestehen, um die dem Landesamt und dem öffentlichen Arbeitsnachweis im Gesetz zugewiesenen Aufgaben und die in absehbarer Zeit zu erwartende Arbeitslosenversiche- rung durchzuführen._ Die»eöeljmmgen'" Alörüer. Maurcnbrecher besingt sie. Die„Deutsche Zeitung" hatte vorgestern mittels gefalsch- ter Zitate behauptet, daß der„Vorwärts" das Attentat Friedrich Adlers verherrlicht hätte. Wir haben sofort nach- gewiesen, wie gröblich unser Text verstümmelt worden war. Aber heute erst wird der Zweck des ganzen Manövers klar: die„Deutsche Zeitung" bringt nämlich einen zweispaltigen Artikel Max Maurenbrechers zur Verherrlichung der Rathenau-Mörder. Der Angriff gegen uns sollte wollte nur die Deckung für diesen Artikel sein, in dem es u. a. heißt: Es ist im Grunde Edelsinn, nicht Gemeinheit, was sie(die Rathsnau-Mörder) zu Verbrechern gemacht Hot. Sie Halden w einer demokratisch entnervten Zeit aus ihre Offiziersehre und auf ihr Ehrenwort, auf Führertum und Gefolgschaft, auf Unterordnung in ihrem Kreis und unbedingten Gehorsam. Also nunmehr wisien wir, daß Rathenau aus Edelsinn ermordet worden ist. Maurenbrecher kann aber noch höher. Er schreibt: Sie(die Rathenou-Mörder) lebten in ihrer persönlichen Lebensführung nicht wie die Erzberger und Scheide- mann, die ihre politische Tätigkeit als Hungerleider be- gönnen und als oppositionllfe Parlamentarier und Oppositionsminister zu riesigem Vermögen kamen. Duftere Gegend. Don I o st. Wir sind also zum Kloster Engelsburg gepilgert. Nämlich: das Kloster steht auf der Spitze des Engelsberges, der einen feinen Wein hervorbringt. Aber der ehrwürdige Vruller bot uns nur Apfel- most. Bier und schnöde Limonade an. Ein altes Weiberl, mit dem ich listig ein Gespräch anknüpfte, als wir die 400 Stufen wieder hinunterstiegen, erklärte uns, daß„sie" schon seit 12 Wochen keinen Wein mehr hätten. Aber in der„Krone" unten gäbe es noch Bischofsberger. Der Bischofsberg ist der Nachbarberg de» Engelsberges und der Wein ist dort fast ebenso gut. Verdutzt und unsicher, obwohl wir ganz städtisch gekleidet waren, sagte die Kronenwirtin auf mein höfliches Ersuchen: sie werde„nachsehen". Ich hatte nämlich genau wie das erwähnte alte Weiberl,„ä Schöpple BischofsbSrjer" gesagt. Die Kronenwirtin beriet sich lange mit ihrem Mann. Wir be- kamen einen abschlägigen Bescheid. 1920er wäre noch da. Wir gingen vom„Grünen Baum" zum„Goldenen Lamm". von da zum„Weißen Roß". Vergebens. Endlich, dem Verzweifeln nahe, nachdem wir beim„Schwarzen Bären" an drei oerfchlosienen Türen gepocht hatten, fand ich hinten, neben dem Stall, noch«ine vierte Tür. Das war die richtige. Mit der natürlichsten Miene, als käme ich täglich durch diesen Schleichweg, entbot ich der Bärenwirtin meinen Gruß. Dom Wetter kamen wir auf die Feldarbeit, die Ernteaussichten usw. Dann kam der entscheidende Satz:„Gäwwe S« uns ä Schöpple Bischofsbärjer, awwer Aanunzwanziger." Ich hatte die Bärenwirtin offenbar überrumpelt. Außerdem war ihr Mann abwesend. Ebenso selbstverständlich schenkte sie uns zwei Schoppen ein: jedem einen. Und rechnete uns nur zwei Mark mehr als den not» leidenden Bauern.' „illa ja," sagt« mir nachher ein weiser Mann,„warum sollen die Bauern den Wein nicht selber trinken? Sie haben alles, was Sie brauchen: Neue Häuser, neue Möbel, neue Wäsche, jeder min- bestens sechs Paar Schuhe: was sollen Sie mit dem Papier machen?" Ich war aber doch hochbefriedigt, denn es war mir gelungen, ihnen ein Schöpple abzujagen. Herrschaften, war der süß und stark I Daß die nationale Landwirtschaft durch die niedrigen Preise zum Lieferstreik oeranlaßt wird, davon war ich nun felsenfest überzeugt. Hinauf mit den Preisen für Kartoffeln und Getreide! Dann wird für den Nährstand die Hälfte der Anbaufläche genügen, um olles zu haben» was er braucht und er kann zu seinem Wein noch Kognak trinken. * Es war schon Nacht, als wir über Regensburg nach Linz und weiter südlich fuhren, eine schwarze, stern- und mondtlor« Nacht. Der Zug fuhr mit österreichischer Gemütlichkeit. Ich lugt« hinaus nach den Ortschaften, um mich zu orientieren. Erzberger ist von der Lande gemeuchelt morden, Ge- nosie Scheidemann wäre auf ein Haar ihr Opfer ge- worden. Ist es schon ein Gipfel der Niedertracht, das Mordgesindel auf Kosten seiner Opfer herauszustreichen, so wird die Sache noch schlimmer durch die elende Ver- l e u m d u n g s s u ch t. Es ist überflüssig, Genossen Scheide- mann an dieser Stelle gegen hundertmal widerlegten Klatsch zu verteidigen. Aber feststellen wollen wir, daß es in schreiendem Gegensatz zu den Prozeßergebnissen steht, wenn Max Maurenbrecher an drei Stellen seines Artikels die„Rein- h e i t der Lebensführung" der von ihm geliebten Mordgesell- schaft betont, wenn er z. B. schreibt: „Katilmarifche Existenzen" sind sie(b!« Nathsnau-Mörber) nicht, in keinem Sinne des Wortes... Katilina und seine Leute waren eine sittlich verwüstete Gesellschaft heruntergekommener Schlemmer, allesamt bis über die Ohren verschuldet, die mit der proletarischen Revolution nichts cn-dcres wollten, als sich ihren Gläubigern auf eine anständige Weise zu entziehen. Deren Gegenöilder sitzen heute zu Dutzenden unter S o z i a l i st e n und K o m m u n i st e n. Zu ihnen gehören diese national en Jünglinge mcht! Was hat der Prozeß ergeben? Die Ermordung Rothe- naus wurde in Dielen und Likörstuben, bei Sekt- und Wein- gelogen verabredet. Kern ließ bei seinem Eintreffen in Ber- lin sofort Wein anfahren, und aus die verwunderte Frage eines der jüngeren Mordkomplicen, woher denn das Geld käme, hatte er nur die bezeichnende Antwort:„Dafür langt's immer no ch." Für Tillessen und Genossen war die Verschwörertätigkeit ein einträgliches Geschäft: die Horden- Zlttentäter ließen sich 30 000 M. in bar auszahlen, ehe sie zur Tat schritten und brachten das Geld auf der Stelle mit Weibern durch. So sehen die von Maurenbrecher gepriesenen„natio- nalen Jünglinge" aus, zu deren höherem Ruhme ohne jeden Beweis die sozialistische Jugend verunglimpft wird! Die Techow und Genossen waren in der Tat„katilinarische Exi- stenzen". Die Glorifizierung dieser Gesellschaft kennzeichnet das moralische Niveau ihrer deutschnationalen Anhänger und Verehrer._ �Rano". Man schreibt uns: Ein sich des besten Leumunds erfreuender Berliner bewarb sich, da er beschäftigungslos war, um eine Stelle im R a n o(Reichsarbeitsnachweis für ehemalige Offiziere, Heeres- ongehörige und Polizei). Diese Einrichtung, die ja aus reiner Menschenfreundlichkeit und Nächstenliebe, ohne nach Konfession und politischer Gesinnung zu fragen, allen ehemaligen Ossi- zieren und Heeresangehörigen Stellungen verschaffen soll, hat in letzter Zeit in recht fürsorglicher Weise für die Beamten der Polizei, insbesondere der Schutzpolizei, dieses Amt übernommen. Einem um Arbeit Nachsuchenden wurde heute folgende Auskunft: „Es tut uns sehr leid, daß wir uns für Sie nicht ver- «enden und eine Stelle nicht beschaffen können, da die Ermittlungen ergeben hoben, daß Sie der Sozialdemokratischen Partei, also schlecht gesinnten Leuten angehören." Der Betreffende sah, daß der mit ihm Sprechende, ein früherer Major, ein ziemlich umfangreiches Aktenstück vor sich hatte, aus dem er sinne Weisheit über den Bittsteller nahm. Ein Zeichen, daß die Herren doch gut informiert sein müssen über die politische Stellung. nähme des einzelnen, aber auch ein Zeichen dafür, daß einmal alle Sozialdemokraten, allo auch unser« sozialdemokratischen Reichs- und Landesminister, schlecht gesinnte Leute sein müssen, und zweitens, daß von einer unparteiischen, nur aus sozialem Wohl- wollen stammenden Arbeitsvermittlung des berühmten Rano wohl keine Rede mehr sein kann. Ganz besonders aber sollen sich die» einmal die Beamten der Schutzpolizei merken. Es soll nämlich schon passiert sein, daß(un- freiwillig oder freiwillig) entlasten« Beamte, die den Nachweis bringen, daß sie erstens einer Rechtspartei, am liebsten der Deutschnationalen Dolkspartri, angehören, und zweitens, daß sie nicht Mitglieder des verhaßten Schräder- Verbandes sind,' ohne weiteres eine Stelle bekommen, ja, daß man sich an die Berbandsleitung des Reichsverbandes sogar schon gewandt hat, um darauf aufmerksam zu machen, daß Stellen für tüchtige, ge- Aber es kam nichts. Nur schwarz in schwarz. Und immer so fort, stundenlang. Eine Rachtwüste. Da fiel es mir ein: Als ich vor drei Iahren zum ersten Male durch die zerstörten Gebiete Nordfrankreichs fuhr und morgen» beim Fenster Ausschau hielt, um zu sehen wo wir waren, sah ich zunächst nichts. Nichts als eine rostgrau«, endlose, tote Fläche. Nur Unkraut, mannshohes welkendes Unkraut. Stundenlang fuhren wir fo, bis die ersten sichtbaren, vom Unkraut noch nicht überwucherten Mauer- stümpf« austauchten. Hier hatte der Krieg Triumphe gefeiert. Und nun wieder so ein« Wüst«. Kein Licht schimmerte, das uns die tröstliche Gewißheit menschlicher Ansiedlung gegeben hätte. Das einst so fröhliche Oesterreich sitzt im Finstern. Auch das ist der Krieg. Immer noch._ Schillertheater:„Rosenmontag", von Otto Erich Harkleben. Hartlebens früher so oft gespiettes Offiziersdrama wirkt heute bereits wie ein Historischees Dokument, das von versunkenen Welten Kunde gibt. Ohne daß der Autor irgendwie ein Tendenzstück wider den preußischen Militarismus beabsichtigt hätte, spiegelt das Werk doch das Wesen des öden Kastenhochmuts die seelische Derkrüppclunq und Verkümmerung, die in besten Tendenzen liegt, frappant ein» dringlich wider. Die schmutzig-verleuderischen Schiebungen, mit denen die beiden Randows, die Bettern des jungen Offiziers, dessen Karriere durch die Liebe zu einem wackeren, aber nach dem Ehren- kodex nicht standesgemäßen Mädchens gefährdet scheint, ihn laszu- reißen suchen, die Brutalitär oes älteren Kameraden, der ihnen Beihilfe leistet, leuchten in die abgründige Berkehrung menschlichen Empfindens tief hinein, stimmen in den Grundzügen überragend mit den Erinnerungen zusammen, die ehemalige Kadettenschüler wie Werner von Schulendorf, neuerdings veröffentlicht haben. Das ist ber Hintergrund des Ganzen, der durch die bunte, hier und da auch heitere Mannigfalttqkeit der Szenen überall hindurchschout. E» mutete wie Selbstverspottung an. daß ein Teil des Publikums der Red«, in welcher ein hinzugereister bürgerlicher Kommcrzienrat das militärisch« Regime im Kreis der Offiziere feiert, klatschend applaudiert.— Unter den Figuren des Offizierkorvs traten die beiden Gegenpole, der roh-gewistenlose Streber und Schürzenjäger des Herrn Willi Eberhardt und Hans Rudorfs auf- rechtNuger Freund in der Darstellung durch P a« s ch k e mit scharf umrissener Charakteristik hervor. Den weichmütigen Helden, der, als die Verleumdung durcbichaut. zu der verlastenrn Gcliebien zurückkehrt, um dann ohnmächtig die Schlingen, in die«r sich verstrikt hat, zu zerreißen— noch durchtanzter Rosenmontagsnocht mit ihr zu sterben, gab Albert Johannes, ein noch ganz jugendlicher Schauspieler, mit wechselndem Gelingen. Gertrud S e l l e war eine sympathisch schlichte Traute. Menzels Offiziers- burfche rief viele Heiterkeit hervor. dt. Holländische Konzerte in Devtschland. Anläßlich der sich auf Hamburg und Berlin erstreckenden Deutschland. Reise de« Amsterdamer Coneertgebouw-Orchesters, das unter seinem Dirigenten Willem Mengelberg in Hamburg mehrere Konzerte veranstaltet, fand Dienstag nachmittag im Ham- stnnungstreu- Polizcibcamte frei sind.' Es wäre vielleicht überhaupt einmal ganz gut, wenn man sich von zuständiger Seite ein wenig mit der Institution und mit den Bvreauräumcn des Rano beschäftigte, vielleicht— käme allerlei Interessantes dabei heraus. Zentrum unü Haperisthe Volkspartei. Aus der letzten Sitzung des Reichsausschustes der Zentrums- partei teilt die„Germania" mit, daß dort der Abg. Hofmann- Ludwigshafcn einen Bortrag über das Verhältnis des Zentrums zur Bayerischen Bolkspartei gehalten habe. Der Reichsausschuß sei der einheitlichen Meinung,„daß eine Wiedervereinigung im Interesse der Erhaltung und Festigung der christlichen Kultur- guter und der Kräftigung des Reichseinheitsgedan- k e n s in der jetzigen trostlosen Lage unseres deutschen Volkes a n- zustreben sei." Diese Wiedervereinigung würde unter den gegenwärtigen Um- ständen ohne einen katastrophalen Rechtsrutsch des Zentrums nicht zu bewerkstelligen sein. Das Zentrum hat seinem reaktionären rechten Flügel die Domäne Bayern kampflos überlasten, die Ideen der Demokratie und der Rcichseinheit hoben infolgedessen im früheren bayerischen Zentrum, das heute Bayerische Voltspartei heißt, allen Boden verloren. Außerhalb Bayerns aber ist die sortschritt» lichere Richtung im Zentrum zu stark, als daß die Wiedervereim- gung ohne den Verlust wertvoller Elemente vollzogen werden könnte. Nahrungsnot unü Alkohol. Der Arbeiter-Absttnentenbund hat an den Reichs- kanzler folgende offene Anfrage gerichtet: „Herr Reichskanzler! Nach Zeitungsmeldungen haben Sie vor Vertretern der ausländischen Presse die Sicherung der Brot- Versorgung des Volkes als die wichtigste Aufgabe der Regierung bezeichnet. Sie erklärten:„E r st V r o t für das Volk, dann Wiederherstellung... Aus Gründen reiner Menschlichkeit müssen wir unserem Volke das Brot sicherstellen, um zu ver- hindern, daß es. in Elend und Werzweiflung versinkt." Ist Ihnen bekannt, daß trotz der stets wachsenden Schwierigkeiten, aus dem Ausland genügend Getreide für die Brotversorgung zu erhalten, dauernd im Inland gewaltige Mengen Ger st e zur Her- stellung eines überflüssigen, ja schädlichen Genußmittels verwendet werden? Wisien Sie davon, daß im Rechnungsjahre 1921 nach den Erhebungen des statistischen Reichsamtes in Deutschland 13 Millionen Zentner Gerste zn Bier vergoren worden sind? Was gedenken Sie zur Beseitigung dieser unverantwortlichen Vergeudung wertvollen Brotgetreides zu tun? Die darbenden Massen erwarten eine schnelle Antwort." Die Anfrage der abstinenten Genossen ist durchaus berechtigt. Auch der Alkoholkonsument muß einsehen, daß erst die Brotversor- gung des Volkes gesichert sein muß, ehe Getriebe in Bier verwandelt werden darf. Die neue Verordnung der Regierung betr. die Ein- schränkung der Bierherstellung ist gänzlich unzureichend, da dadurch nur eine ganz geringe Verminderung des Gersteverbrouchs er- reicht wird. In München soll übrigens zum heurigen Oktoberfest— trotz dieser Verordnung— wieder 13prozenliges Starkbier hergestellt werden. In der„Ordnungszclle" scheint man nicht nur die Ueber- tretung von Gesetzen zum Schutz der Republik, sondern auch die Uebertretung von Gesetzen zum Schutz der Bolksernährung als bayerisches Reservatrecht anzusehen. Oktoberbier ist natür'icb eine„Stammescigenart". die gegen Eingriffe des Reichs verteidigt werden muß! Klara Zetkin oder Ledebour? Die Ledebour-Gruppe hat nun gleichfalls ihren Kandidaten zur R c i ch s p r ä s id e n t e n w a h I aufgestellt. Er heißt natürlich Ledebour. Also, der Kampf kann beginnen! Rücktritt Dr. Hummel». Aus Karlsruhe wird gemeldet: Staats- Präsident Dr. Hummel hat jüngst dem badischen Kabinett von seiner Absicht Mitteilung gemacht, mit Ablauf seines Staatspräsidiums sein Amt als Unterrichtsminister niederzulegen. Er ist zu diesem Entschluß gekommen, weil er ein Angebot nicht zurückzuweisen zu dürfen glaubt, das ihn wieder auf das Gebiet seiner eigentlichen wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Interesien zurückführen. Dr. Hummel wird nach Rücktritt von seinen Aemtern unter Beibehaltung seines Landtagsmandats in die chemische Großindustrie übertreten. burger Rathaus ein Empfang statt. Bürgermeister Dr. Diestel hieß die holländischen Gäste herzlich willkommen und hob unter Hinweis auf die unlösbar verbundenen Schicksale Hollands und Deutsch- lands hervor, daß für Europa keine besser« Zeit kommen würde, be» vor nicht seine Völker erkannt hätten, daß sie durch eine Schicksals. gcmeinschast zu einer Einheit verbunden seien. Dr. Diestel sprach schließlich den Wunsch aus, daß die hohe Kunst Mengelbergs in diesen festlichen Togen unseren Mut zur Arbeit für eine neue glück. liche Zeit stärken möge. In seiner Erwiderung fand der Präsident der Concertgebouw-Gcsellschoft, Jonkheer R o e l l, herzliche Worte des Dankes für den prachtvollen Empfang und überbrachte die besten Wünsche des niederländischen Ministers des Aeußern und des Kultusministers für ein gutes Gelingen des Mdsikfestes. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß es die jahrhundertealten Bande zwischen Hamburg und Holland noch mehr stärken möge. Ende dieser Woche wird da» Amsterdamer Orchester in der Philharmonie konzertieren. Zeitungswisienschafi. Die wachsende Bedeutung, die die Zei- tung im sozialen Leben der Menschheit gewinnt, findet ihren Au». druck in der stärkeren wisienschaftlichen Beschäftigung mit der Presse. Es ist in den letzten Jahren ein« neue Wissenschaft entstanden, die Zeitungswissenschaft. Gelegentlich einer Besprechung eines Werkes des Nationalökonomen Ferdinand Tönnies weist Conrad Schmidt in den„Sozialistischen Monatsheften" auf diese Ersckeinung hh. Unser« Universitäten und anderen Hochschulen beschäftigen sich immer mehr mit dem Z-itungswesen: es werden besonder« Lehr- aufträge über dieses Gebiet erteilt, Seminare errichtet und Ucbun» gen abgehalten. So hat nuerdings das Institut für Literatur, und Theaterwissenschaft an der Universität Kiel ein« Abteilung für Zeitung-wisienschaft eingerichtet, die weiter ausgebaut und ein« umfosiend« Vorbildung für all« Zweige des Journalismus gewähren soll. Uebungen üb-r Geschichte des Zeitungswesens werden ver. cnstoltet und in einer Arbeitsgemeinschaft eine Kritik der münd- liehen und schriftlichen Ueberliefeningen übernommen. In der philasophischen Fakultät der Universität F r e i b u r g wurde dem früheren elsäsiischen Oberlehrer Wilhelm Kapo ein Lektorat iür Zeitungswesen und Publizistik übertragen. An der Universität Leipzig, wo es bereits seit längerer Zeit ein Institut für Zettungswisienschaft gibt, hat sich sogar ein besonderer Prioatdozent für Zeitungskunde habilitiert, nämlich der stellvertretende Direktor des Leipziger Statistischen Amtes, Walter Schöne. Seine Habilila- tionsschrift behandelt« den Einfluß der periodischen Presse auf di« Entstehung und Entwicklung der staatswissenschaftlichen Literatur, besonders der Statistik._ Rflr Ernst»aller.' Die wir hören, hat der Dei-lsche vazistlli'ch« Tttidentenbund mr leinen Tlusrus zuguMlen de» Dichter» Sriill Toder, den auch wir veröfientlickten, bereits viel« tausend Untcrichrilte!, ans allen Teitc» Teutichl mds, aus allen Volksichichieu rmd aus allen reoublilanüchen Parteien sowie der Deutschen Pollsparlei erballen. Zu den Unter,- chneim gehören u. a. die Projesloren Einllein.«chürking. p Schulze-�ävernitz. terner Hermann Hesse. Heinrich und Thomas Mann. Gras Harry Keßler. ReichslagSpräsideut Löbe u. r>. a. Auch au» dem LuSlande liegen zahl- Bergarbeiterdebatte im Landtag. Im Landtog wurde heute, Mittwoch mittags, die Große Anfrage der Deutschen Volkspartei über den Verkauf städtischen Hausbesizes an Ausländer von der Tagesordnung abgesetzt, weil der Minister für Volkswohlfahrt, der beantworten will, erst heute abend von einer Dienstreise zurückkehrt. Auch die Großen Anfragen unserer Genossen über den Fall Stubenrauch, der Deutschnationalen, gleichfalls darüber, und schließlich eine Große Anfrage unserer Genossen über die Bersagung der Bestätigung von Lehrpersonen als Ret ioren in Berlin wurden abgefeßt. Eine Kleine Anfrage der Deutschen Boltspartei wünscht umgehend nähere Mitteilungen über den Fall des in den Rathenau- Prozeß verwickelten Schülers Stuben rauch. Anscheinend will die Deutsche Volkspartei so die Debatte über den Fall Stubenrauch verhindern. Der Gefeßentwurf über die Errichtung eines Provinzialsynodalverbandes Grenzmark BosenWestpreußen wird gegen die Stimmen der Linken angenommen. Genosse Gehrmann betont, daß die Sozialdemokratie gegen den Gesetzentwurf stimmen müsse, da er unnötigerweise den Beamtenapparct vermehre. Es folgt die gemeisame Beratung einer fommunistischen Großen Anfrage über das Grubenunglück auf der Zeche „ Helene- Amalie" und eines kommunistischen Urantrags bezüglich der Anstellung von Grubenkontrolleuren. Hilfe für die Sozialrentner. Amtlich wird uns geschrieben: Um die schwierige Lage, in welche die Sozial- und Kleinrentner infolge der ständig sinkenden Rauftraft des deutschen Geldes geraten sind, nach Möglichkeit zu mildern, haben Reich, Länder und Gemeinden schon seit vielen Monaten umfassende Maßnahmen ergriffen, die im Laufe der Zeit immer weiter ausgebaut sind und noch werden. Der leuchtende Schuhmann. der Provinz unter dem Bergeben, sich nach ihrem Befinden erkun digen zu wollen, persönlich auf oder ließen sie durch) Beauftragte Der Polizeipräfeft im Scag soll eine neue Art der Berkehrs- besuchen und bearbeiten; dabei auch andere Personen, die von den regelung erfunden haben, die besonders für den Nachtverkehr auf Borgängen irgendwie Kenntnis erhalten hatten. Diese Manipu den Straßen benutzt werden soll. Die Schuhleute sind mit einer lationen, bei denen auch reiche Geldmittel ohne Zweifel eine Rolle fleinen Laterne verfehen, die ihren weißen Handschuh be- Untersuchungsgefängnisses und in Krankenhäuser hinein. Die Bes gespielt haben, erstreckten sich auch bis in die Krankenstation des leuchtet. Wünscht der Schuhmann ein Automobil oder einen Wagen handlung der Kundinnen führten Frau Jühlke und ihre Tochter anzuhalten bzw. den Verkehr nach einer anderen Richtung zu nicht immer selbst zu Ende. Um sie ganz zu vollenden, sprangen stoppen, so preßt er nur den zweiten und dritten Finger der Hand mehrfach auch Aerzte ein, mit denen sie in Verbindung standen. zusammen. Dadurch wird der Stromkreis geschlossen, und eine Lampe Die Patientinnen blieben in solchen Fällen nur einige Tage bei den leuchtet auf, die seinen weißen Handschuh weithin beiden Frauen, bis ein gewisses Stadium der Behandlung erreicht sichtbar grell beleuchtet. Die erhobene hand ist so zu war, und wurden dann den Aerzten zugeführt. Die Frauen und mädchen, die sich in die Behandlung der beiden begaben, mußten einem leicht erkennbaren Signal in der Nacht geworden. Sobald Mädchen, die sich in die Behandlung der beiden begaben, mußten der Fingerdruck aufhört, erlischt das Spiel. Die Erfindung dürfte und nach höhere Summen sofort anzahlen. Für die ganze Befrüher 2000 m. und entsprechend dem Fallen des Geldwertes nach auch für Berlin nicht ohne Interesse sein, besonders im Hinblick auf handlung wurden bis zu 40 000 Mart gefordert und bezahlt. eine nicht sehr lichtvolle Zukunft. Wenn z. B. aus den bekannten Bei Beteiligung eines Arztes wurde mit diesem verrechnet. Ein Sparsamteitsrücksichten heraus Lie Beleuchtung der Straßen noch Rechtsanwalt, der Frau Jühlke und ihre Tochter ständig vermehr als bisher er geschränkt werden sollte, dann fann man sich trat, wird beschuldigt, daß er durch dritte Personen in Betracht wohl vorstellen, wie der in Dunkelheit gehüllte Potsdamer Platz noch kommende Personen habe beeinflussen und instruieren lassen. Auch mehr als Fisher eine Gefahrenquelle für die geplagte großstädtische gegen ihn sowie gegen die Aerzte ist Belastungsmaterial zuMenschheit wird. Welch einen zauberhaften Eindrud muß es dann fammengetragen und dem Gericht übergeben worden. machen, wenn mitten in der Dunkelheit gespensterbleich eine weiße Die unerschwingliche Butter. Hand aufleuchtet und mahnend und drohend Chauffeure und Kutscher dirigiert und dem geängstigten Fußgänger wie ein Rettungszeichen in tiefer Nacht erscheint. Aber lieber ist es uns doch noch, wenn von hohen Kandelabern die hellen Bogenlampen strahlen, gegen die die blendend weiße Hand des Schuhmanns in nichts versinkt. Auf in die Parteiversammlungen! Den Sozialreninern, d. h. den Rentenempfängern der Inva Die ersten gemeinsamen Mitgliederversammlunger der Verliden und Angestelltenversicherung, wird durch das sogenannte Notstandsmaßnahmengesetz vom 7. Dezember 1921 ein bestimmtes einigten Sozialdemokratischen Partei finden heute abend in den Mindestjahreseinkommen gesichert, dessen Höhe innerhalb gewisser Abteilungslokalen statt. Aus diesem Grunde wird der heurige Mittreichsrechtlich bestimmter Grenzen die Gemeinden bestimmen. So woch ein wichtiger Tag im Organisationsleben der Berliner Partei weit das von der Gemeinde festgesetzte Gesamtjahreseintommen sein und bleiben. Nachdem die Spaltung die Genossen so lange aus durch die Invalidenrente und die sonstigen Einfünfte des Renten- einander gebracht, sollen sie sich jetzt wieder zu dauernder gemeinempfängers nicht erreicht wird, sind von den Gemeinden Unter- famer Kleinarbeit zusammenfinden. fügungen bis zu diesem Betrage zu gewähret. Die Grenzen, bis Parteigenossen, denkt an die historische Bedeutung dieses Augenzu denen die Gemeinden bei der Gewährung ihrer Unterstützung blicks und erscheint vollzählig. Erinnert auch die Säumigen an die gehen können, sind entsprechend dem Kursrückgang der Mart wieder. holt erweitert worden. Eine neue Erhöhung der Unterstützungen wird Reichsrat und Reichstag in der aller nächsten Zeit vorgelegt werden. Neben den Mitteln für eine laufende Unterstützung für Sozialrentner hat das Reich den Ländern neuerdings den Betrag von 1 Milliarde Mark zur Verfügung gestellt, die zur Beschaffung von Wintervorräten für den Sozialrentner, insbesondere von Nahrungsmitteln und Heizstoffen, verwendet werden soll. Die auf die einzelnen Länder entfallenden Beträge sind diesen bereits zu gewiesen. Pflicht, diese ersten gemeinsamen Mitgliederversammlungen zu Rundgebungen für die proletarische Einheit zu gestalten! Frauenmörder Obendorf vor Gericht. Der Prozeß vertagt. Heute früh wurde im fleinen Saale des Schwurgerichts beim Landgericht I das Verfahren gegen den Hausdiener Oskar Alfred Obendorf eröffnet, dem bekanntlich zur Last gelegt wird, seine Geliebte Anna Wrobel in seiner Wohnung, Zionskirchstr. 3, ermordet und die Leiche nach der Tat zerstückelt und teilweise verzehrt zu haben. Für die Kleinrentner sind für das Rechnungsjahr 1922, also für die Zeit vom 1. April 1922 bis zum 30. März 1923 500 mil. lionen Mart an Reichsmitteln bereitgestellt worden. Diese Reichs- Obendorf macht bei seiner Vorführung den Eindrud eines ermittel werden auf 1 Milliarde Marf erhöht, ein größerer Teil- regten zerrütteten Menschen, dessen Gesichtsausdruck unbetrag ist ebenfalls den Ländern schon zur Berfügung gestellt. Die heimlich lebendig ist und der mit furzen raubtierartigen Bewegungen Verwendung der bereitgestellten Mittel ist freier gestaltet als bei die Vorgänge im Gerichtssaal verfolgt, sich häufig zu seinem Berden Sozialrentnern. Die Länder und Gemeinden fönnen sie verteidiger R.-A. Dr. Kurt Pindar niederbeugt und einen offenficht lichen Willen zu gesellschaftlichen Formen an den Tag legt. Als wenden zu Einzelunterstützungen der verschiedensten Art, sowie zur die Zeugen den Saal betreten, segt er einen Kneifer auf, den er sich Unterstützung von Heimen und Anstalten, die den Kleinrentnern felbft verfertigt hat. Unter den Zeugen ist auch die Schwester dienen. Auch die freie Wohlfahrtspflege, die sich der Kleinrentner der Wrobel, die in wilder Erregung auf die Anklagebant zu annimmt, fann aus den Mitteln unterstützt werden. Bean sonach Reich, Länder und Gemeinden nach Maßgabe ihrer Kräfte für die Bedürftigen zu sorgen sich bemüht haben, so ist die Hilfe der Behörden angesichts der ungeheuren Not weitester Kreise der Bevölkerung doch nicht ausreichend. Eine allgemeine Sammlung, die in der nächsten Zeit eingeleitet werden wird, soll dem Gedanken Ausdrud geben, daß es eine Aufgabe der gesamten deutschen Volksgemeinschaft ist. ihren in Not befindlichen Brüdern in dieser schweren Zeit zu helfen. Rumänien weist Tschechoslowaten aus! An der tschecho slowakisch- rumänischen Grenze sind etwa 4000 tschechische Staatsangehörige eingetroffen, die aus Rumänien ausgewiesen wurden; in der Hauptsache Ingenieure, Elektrotechniker, Beamte und Arbeiter, die mit vierstündiger Frist fort mußten. Die Ausgewiesenen haben zum Teil ihr ganzes Vermögen und ihre Familien zurüclaffen müffen. Es erfolgen offizielle Schritte. Der Kleinhandel fordert die Zwangswirtschaft. Seit der Aufhebung der Butterauktionen sind die Mißstände in der Milch- und Butterversorgung in Groß- Berlin noch ungünstiger geworden, als sie es vorher schon waren. Die Lage hat sich weiter. hin scharf zugespigt, und die durch die Butterpreise bedingte Fest fehung der Milchpreise, die von Woche zu Woche steigen, hat jetzt unter dem organisierten Milchhandel eine Bewegung ausgelöst, die die Wiedereinführung der 3wangswirtschaft im weitesten Umfange( fich einer an? Red.) fordert. Wie ungesund die Preisbildung für Butter gemorden ist, beweist die Tatsache, daß der Kleinhandel, um überhaupt Ware zu erhalten, 40 bis 50 Mart über den höchstpreis für Butter zweiter Qualität anlegen muß, während erste Qualität nur noch von sehr großen Feinkost geschäften und Hotels gekauft werden tann. Dabei läßt sich feststellen, daß der Butterkonsum der Bes völkerung in den letzten vier Wochen einen weiteren sehr starten Rückgang erfahren hat, und daß als Hauptabnehmer heute nur noch Hotels und Pensionen in Frage kommen. In erschreckender Weise ist auch der Milchverbrauch weiter Bevölkerungsfreise in Berlin zurückgegangen. Während auch hier die Beobachtung zu machen ist, daß lediglich Hotels und Cafés größere Posten von Milch und Sahne, zum Teil in fondensierter Form abnehmen, ist der Verbrauch der Familien, der sich durch den Kleinhandel kon trollieren läßt, seit dem Juli um fast 30 Proz. zurückgegangen. Während noch in den Sommermonaten, als die Milchpreise erträg lich waren, erhebliche Milchknappheit herrschte, läßt sich die jeŋt eingehende Milch nicht mehr unterbringen. Da mit Sicherheit anzunehmen ist, daß die Aufwärtsbewegung der Milchpreise auch jetzt noch nicht ihren Abschluß gefunden hat, so ist mit einem weiteren Rückgang des Milchkonsums durch die Bevölkerung zu rechnen und es besteht die Gefahr, daß infolge der übermäßig hohen Preise eine Versorgung der Säuglinge mit dem notwendigen Quantum Milch leidet. Es verdient festgehalten zu werden, daß jetzt wieder gerade die Kreise, die nicht laut genug für die Aufhebung der Zwangswirtschaft eintreten fonnten, jeht ihre Wiedereinführung fordern. Die Herrs schaften sehen jetzt eben, daß es ihnen selbst an den Beutel geht, sonst würde die butternotleidende Verbraucherschaft noch länger mit den Phrasen über die„ freie Wirtschaft“ gefüttert werden. Die Zigarre als Alibibeweis. stürzte und dem Obendorf mit erhobenen Fäusten drohend zurust: Ein eigenartiger Erpreffungsperfuch wurde im Ber " Du hast meine Schwester umgebracht." D. hat diese liner D- 3ug an einem Reisenden verübt. Der Betreffende befand Borgänge völlig ruhig durch feiner Kneifer beobachtet. fich in einem berg i. Ga. als Arbeiterkind geboren ist, daß seine Eltern sich aber wurde die Dame" dringlicher und drohte, ihren Begleiter in den Bei jeiner Bernehmung gibt er an, daß er unehelich in Frei- fangten steil mit einer Dame, die plößlich von ihm Geld verablehnende Antwort des einigermaßen Erstaunten in seinem 10. Lebensjahre verheirateten. Sein Vater war Schuhmacher, feine Mutter arbeitete in einer Spinnerei. Er war in Berdacht zu bringen, fie belästigt zu haben, falls er ihrer Forde rung nicht willfahren würde. Als auch das nichts half, riß fie folge der engen Wohnungsverhältnisse genötigt, von fich die Bluse auf und zog die Motleine. Dem herbeiKind auf mit seiner Schwester zusammen zu schlafen und behauptet, eilenden Bugpersonal gegenüber beschuldigte sie den Reisenden eines durch frühzeitigen Geschlechtsverkehr mit ihr feine Gesundheit zer belästigenden tätlichen Angriffes. Den Beweis könne rüttet zu haben. Er hat dann weite Wanderreisen gemacht. Schließ man an ihrer Kleidung und ihrem Haar sehen. Die kritische Lage lich kam er nach Berlin. In einem Tanzlokal in der Auguststraße für den Ueberraschten wurde indes dadurch gerettet, daß er dem will er dann Anfang Mai 1920 die Wrobel fennengelernt haben, Bahnpersonal gegenüber auf die unversehrte Asche seiner die ihm gleich am ersten Abend in die Wohnung folgte. Er will Bigarre hinweisen konnte, die bei einem wirklichen Ueberfall doch fie am nächsten Morgen wieder fortgeschicht haben. Mitte Mai ging faum an der Bigarre geblieben wäre. Durch diesen Gegenbeweis er dann als Bademeister nach Wannsee. Die Wrobel sei dann immer gelang es, die Erpresserin zu entlarven, die sicherlich mit allen wieder gekommen und schließlich ganz zu ihm gezogen. Sie habe, Schifanen arbeitete, hier aber ihren Meister gefunden hatte. was ihm sehr unangenehm war, auch Männerbefuche in seiner Woh nung empfangen. Er schilderte dann den Hergang in der mordnacht, wie er betrunken war und auf die Wrobel eingeschlagen habe und wie er sie am Morgen in einer Blutlache gefunden habe. An die Bernehmung des Angeklagten schloß sich das Gutachten des Gefängnisarztes Dr. Hirsch, der sich im Gegensaß Die Einschränkung des Devisenverkehrs scheint doch eine gewisse zu einem ausführlichen Gutachten des Gerichtsarztes Prof. Dr. Strauch befindet. Er hat den Angeklagten nur wenige Birtung auf die Rursbewegung der Mart auszuüben. Dle Tage zu beobachten Gelegenheit gehabt und beantragt aus diesem gestrige New Yorker Börse meldete einen Schlußturs für die Mart, Grunde nach§ 81 StrẞD. die flinische Beobachtung des der sich mit dem Berliner amtlichen Kurse des Dollars ungefähr Angeflagten auf die Dauer von 6 Wochen. Diesem deckte. Auch heute weren rennenswerte Aenderungen faum zu Antrage schließt sich der Verteidiger an, worauf das Gericht die verzeichnen. Das Geschäft hielt sich im engen Rahmen; der Devisen. Bertagung beschloß. bedarf des Inlandes wird vorläufig durch Angstverläufe Don Hamsterern, die im Hinblick auf bie erwartete Berschärfung der Devisenverordnung erfolgen, befriedigt. Kursstillstand. Am Effettenmarkte hält die fefte Stimmung noch an. Insbesondere scheint das Spetulations fieber weitere Kreise ir der Proving ergriffen zu haben. Die Umsätze waren heute wieder bedeutend. Dem Börsenvorstend liegen Anträge vor, die auf die Wiedereinführung von Börsenruhetagen hinzielen. Andererseits macht sich bei einer ganzen Reihe vor. Banten gegen folche Pläne ein gewisser Widerstand bemerkbar, da die Spefen angeblich durch die geringen Umfäße der Bormonate nicht gededt wurden. 100 Holländische Gulden. 1argentinisch Papier- Peio 100 belgische Frant. 100 norwegische Kronen 100 dänische Kronen 100 schwedische Stronen. 100 finnische Mart 1 javanischer Jen 100 italienisce Lire. 1 Pfund Sterling • 1 Dollar 100 französische Frank 1 brasilianischer Milreis. 100 Soweizer Frank. 100 spanische Resetas 100 öfterr. Kronen( abgest.) 100 tichechische Kronen. 100 ungarische Kronen. 100 bulgarische Lewa Devisenkurse. 18. Oftober Käufer Berkäufer ( Gelb.)( Brief-) Aurs Kurs 17. Oftober Käufer. Berläufer ( Geld-)( Brief-) Aurs Kurs Der Wegelagerer mit der Maske. Bon einem mastierten Wegelagerer wurde gestern abend in der zehnten Abendstunde ein junger Kaufmann Hugo B. aus Potsdam. mit seiner Braut überfallen und ausgeplündert. Das Paar hatte von Potsdam aus einen Ausflug nach dem Grunewald gemacht und suchte abends den nächsten Bahnhof. Als es am Schlachtenfee einen neben der Chaussee herlaufenden Waldweg ging, trat plötzlich aus einem Gebüsch ein elegant getleideter Mann mit nahm zunächst dem jungen Mann die Brieftasche mit 10 000 m. einer Pistole in der Hand hervor, rief Hände hoch" und ab. Dann wandte er sich auch dem Mädchen zu und raubte ihm die goldene Uhr und einen Ring vom Finger. Der Räuber 30g fich, ständig die Pistole auf die Ausgeplünderten gerichtet, unter Bedrohungen mit der Beute in das Gebüsch zurück und verschwand. Wirt und Gäste des Lokals Schlachtenfeer Hof, denen die Beraubten den Ueberfall mitteilten, benachrichtigten die Bezirkswache Nitolassee und diese das Ueberfallfommando. Eine Streife nahm die Ermittelungen auf; die Nachforschungen blieben jedoch er. folglos, weil schon einige Zeit verstrichen und auch niemand in der Nähe gewesen war. 111258.75 113141.22 110461 75 110738.25 Ein lohnendes Geschäft. 1036 20 1138.80 1016.20 1018.80 20074.85 20125.15 19825 15 19874 85 3wei Hebammen, ein Arzt und ein Rechtsanwalt find wegen 52284.55 52415 45 52164.75 52285.25 Verbrechens gegen das feimende Leben verhaftet worden. Die beiden 57777.65 57922.35 56429.35 56570.65 Hebammen, eine Frau Jühlke und ihre Tochter, Frau Opik, be 77403.10 77596.90 75905.76095.- trieben ihre Praxis in der Neuen Königstraße. Frau 3. war wegen 6796 45 6813.55 6616.17 6633.30 des gleichen Delittes schon mehrfach bestraft worden. Zuletzt im 1348 30 1351.70 1348.30 1351.70 Jahre 1907. Die Ronzession wurde ihr jedoch erst im Jahre 1920 12184.75 12250.25 11960.- 11990.12858.90 13215.10 12584.25 12615.75 entzogen. Seitdem benutzte sie vielfach den Namen ihrer Tochter, 2896.87 2908.63 2846.43 2853.57 die mit ihr Hand in Hand arbeitete. Durch unverfänglich flingende 21672 85 21727.15 21423.75 21476.85 Anzeigen in Provinzzeitungen gewannen die beiden reiche Kund821.59 322.41 fchaft. 53383.15 53516.85 52933.75 53066.25 Auf Grund von Anzeigen wurde auch mehr als ein Verfahren 44195.65 44305.35 48145 60 43554.40 eingeleitet, aber es tam niemals zu schlüssigen Beweisen. Nunmehr 4.02 wurden beide Frauen auf Grund durchschlagenden Materials ver 9336.70 haftet. Beide hatten die Beteiligten so bearbeitet, daß sie vor Ge 110.14 richt zu guter Leht widerriefen, was sie bei den Borvernehmungen 1872.65 1877.85 betundet hatten. Sie suchten zu diesem Zwed auch Kundinnen in 821.59 822.41 3.99 9313.30 109.86 Schelmischer Direttorenmiz muß die Hoch- und Untergrundbahnbenutzer über den neuesten Preissprung trösten. Die hohen Herren erzählen und platatieren nämlich auch was von billigeren Blods. Das haben sie zum 1. Oktober auch getan, Blocs hat's aber nicht gegeben. Die Herren sollten ihre Wige nicht zu oft wiederholen, sonst wirken sie nicht mehr. Ein englischer Reford im motorlofen Flug. Bon dem englischen Flieger Raynham wurde im Gleitflug ein neuer Reford aufgeftellt. Er blieb nämlich 1 Stunde 53 Minuten in der Luft. Luftschifffatastrophe. Das amerikanische Militärluftschiff C. A. ist, als es aus der Halle geschafft wurde, in Brand geraten und völlig zerstört worden. Vier Leute der Besayung wurden verlegt.. Wetter für morgen. Berlin und Umgegend. Trocken und vielfach heiter, seitweise wollig, nachts sehr fühl, um Mittag ziemlich mild bei mäßigen östlichen bis südöst lichen Winden. Groß- Berliner Parteinachrichten. Die Abteilungs- Schriftführer werden gebeten, über den Berlauf der heutigen ersten gemeinsamen Mitgliederversammlungen einen furzen Bericht an das Bezirkssekretariat Lindenstr. 3, 2. Hof 2 Tr., einzusenden. Der Bezirksvorstand. Sungsozialisten Gruppe Friedrichshain. Der irrtümlich für Mittwoch angefeste Bortragsabend findet erst am Dounerstag abends 7 Uhr in der Gemeindeschule Straßmannstr. 6/7 statt. 5. Frühere USPD. Berwaltungsbezirt, 15., 16., 17. Diftrift. Donnerstag abend 7 Uhr Stzung der Rinderschußkommission bet witschus, Petersburger Str. 4. 15., 16. und 17. Distr. und Stralau. Die 15 Genoffen und Genoffinnen die als Mitglieder des Kreisvorstandes vorgeschlagen find, treffen sich am Donnerstag abend bei Rofin, Gubener Str. 19. Vorträge, Vereine Vorträge, Vereine und Versammlungen. Männerchor Friedrichshain. Freitag, ben 20. b. Mts. 8 Uhr treffen sich sämt liche Sangesbrüder im Freischüz" Fruchtstr. 36 a. Sport. Eröffnungsrennen im Sportpalaft. Um fommenden Sonntag wird die wintersaison im Sportpalast mit einem Radrennen ihren Anfang nehmen. Das Programm bringt als Glanzpunkt ein Stunden- Prämienfabren für 14 fahrer. Eingeleitet wird der Tag durch ein Eröffnungs fahren mit mehreren Vor- und Zwischenläufen. Ein Wal- fowie ein Ent meldungen von 8 holländischen und 4 italienischen Fahrern vor. Auch der schädigungsiabren vervollständigen das Programm. Es liegen bereits An meritaner Obrt wird sein Winterquartier in Berlin ausschlagen. Ebenso will der Australier Roß in allernächster Zeit nach Berlin fommen. Nach alledem dürfte gleich am Eröffnungstage mit einem ausgezeichneten Sport aufgewartet werden. Gewerkschaftsbewegung Französische Gewerkschaftskonferenz. In der französischen Gewerkschaftsbewegung findet gegenwärtig ein Umwandlungsprozeß statt, von dem die Konferenz der Gewerkschaftsvorstände urd Departementsfartelle, die am 13. und 14. Oktober in Paris stattfand, Zeugnis ablegte. Die frühere tumultuarische. mehr auf Außenwirkung und für den Augenblick berechnete Zaftil hat einer ruhigeren, vorausschauenden, auf Dauer mirfung berechneten Methode Play gemacht. widmen. Dieser Umschwung tatiert eigentlich schon aus den letzten Jahren, die dem Kriege vorhergingen. Der Krieg hat diese Entwicklung aus verschiedenen Ursachen beschleunigt, denn durch die boischemistische Welle, die im Jahre 1921 zur Spaltung führte, unterbrochen. Seit der Spaltung hat diese Entwicklung mit verstärkter Kraft eingesetzt. Bon den turbulenten und demagogischen Elementen, die einen „ revolutionären" Gewerkschaftsbund gegründet haben, befreit, können die Gewerkschaften sich jetzt der Verteidigung der Arbeiterinteressen Die Gewerkschaftstonferenz hatte sich in der Hauptsache mit der Zurückweisung des Generalangriffs der Unternehmer, unterstützt von dem unter dem Bolschewistenschrecken gewählten reaktionären Barlament und der Regierung, zu befassen. Gegenwärtig stehen die Seeleute im offenen Kampf gegen die Einführung der Regierungsverordnung, die den Achtstundentag auf hebt. Sämtliche Organisationen der Seeleute, von den Schiffs= fapitänen bis zu den Mannschaften, gehen gemeinsam vor. Unterstügt werden sie dabei von den Haferarbeitern. Die Konferenz beschloß die Aktion der Seeleute durch geeignete Maßnahmen, besonders durch finanzielle Beihilfe, zu unterstützen. Es wurde auch ein Antrag angenommen, der an den Internationaler Gewerkschaftsbund das Ersuchen richtet, die internationalen Organisationen zu veranlaffen, den Widerstand gegen die versuchte Durchbrechung des Achtftundentags zu organisieren. In einem ähnlichen Kampfe befinden sich die Eisenbahner, doch ist ihre Berteidigung schwieriger infolge der Zersplitterung der Eisenbahner und deren organisatorische Schwäche. Nach dem von den Kommunisten hervorgerufenen Generalftreit im Frühjahr 1920, der verloren ging, trat ein großer Rückschlag ein. Die Spaltung tat den Rest. Die Eisenbahner und die Bauarbeiter sind die einzigen Gruppen, die in nennenswerter Zahl der„ revolutionären" Gewerkschaftszentrale angehören. Es wurde also die Frage aufgeworfen, ob und wieweit die Gewerkschaften mit den Abgespaltenen, die die Einheitsfront" predigen, zusammengehen können. Die Gewertschaftstonferenz lehnte ein Zusammengehen mit den Abgefpaltenen a b. In der angenommenen Resolution heißt es, daß die Tore der Gewerkschaften allen offen stehen, daß aber die Einheit der Arbeiterklasse sich nur innerhalb der Gewerkschaften, die dem Gewerkschaftsbund angehören, vollziehen könne. Schließlich wurde beschlossen, den nächsten Gewerkschaftsfongreß nach Paris Anfang 1923 einzuberufen. Er wird sich in der Hauptfache mit Organisationsfragen, mit der Zurückweisung der wirt. fchaftlichen Realtion und mit der Umbildung der Wirtschaft und der Arbeiterkontrolle in den Betrieben befassen. Kapitalistisches Wohlwollen. Man schreibt uns: „ Der Betriebsrat der Firma W. Spindler A.-G., Färberei und chemische Waschanstalt, wollte für die Belegschaft interfartoffein beschaffen. Nach längerer Berhandlung erklärte fich die Firma bereit, den hierzu notwendigen Geldbetrag dem Betriebsrat zu leihen. Den finderreichen Arbeitern sollte infofern eine Erleichterung geschaffen werden, als ihnen pro Woche nur der Betrag für je ½ Zentner Kartoffeln vom Lohn abgezogen würde. Als nun der erste Waggon Kartoffeln antam, lehnte die Firma nicht nur dieses versprochene Entgegenkommen ab, sondern auch die leihweise Bezahlung der Startoffeln überhaupt. Ganz abgesehen von diesen Vorgängen hat die Firma außerdem in einem en den Betriebsrat gerichteten Schreiben eine Entschädigung verlangt für Abnugung der Schienen und der Drehscheibe, die sich auf ihrem Grundstüd befinden, wie auch für die Inanspruchnahme der Pferde, die überhaupt nicht gebraucht wurden. Wollte die Firma dabei noch ein besonderes Geschäft machen? Wie fehr muß doch der Firma W. Spindler A.-G. das Wohl ihrer Arbeiterschaft am Herzen liegen, wenn sie in so hervorragender Weise ein Zeugnis ihrer Arbeiterwohlfahrt ablegt! Es muß ungeheuer schwer fein, von den vielen Millionen, die die Arbeiterschaft der Firma crarbeitet hat, auch nur einen winzigen Bruchteil für die Beschaffung von Kartoffeln zu leihen. In Anbetracht dessen, daß die Hälfte sofort und die andere Hälfte nach Ankunft der Sendung gezahlt werden sollte, mußte der Betriebsrat drei weitere Waggons Kartoffeln abbestellen. Den wirtschaftlich am schwächsten, den finderreichen Arbeitnehmern ist nun die Gelegenheit genommen, sich für den bevorstehenden Winter mit Kartoffeln einzudecken. Sie können ja mit ihrem Lohn von zirfa 2000 m. wöchentlich, den die Firma Spindler zurzeit noch zahlt, die jeweiligen Tagespreise der Kartoffeln bezahlen. Lohnbewegung der Wachangestellten Berlins. Unter der Arbeiterschaft Berlins gibt es wohl feine Branche, die mit ihren Löhnen derartig zurücgeblieben ist, wie es bei den Wachangestellten der Fall ist. Obwohl die Verantwortung jedes ein zeinen Wächters groß ist, werden zurzeit Löhne von monatlich 7700 bis 8000 m. gezahlt. Es war infolge der nunmehr ins Ungeheuere gewachsenen Teuerungsverhältnisse notwendig, an die Wach. gesellschaften mit neuen Lohnforderungen heranzutreten. Es mur den Forderungen in Höhe von 23 000 bis 24 000. M. pro Monat ge= stellt. Diese Forderungen bezeichnete die Berliner Wach- und Schließgesellschaft als Fantasie". Wir bemerken dabei, daß leider bei den Abonnenten die Bezahlung auf Widerstand stößt, obwohl doch gerade diese immer Wert darauf legen, nur junge und fräftige Menschen als Wächter ihres Eigentums zu sehen. Es sind oft Millionenwerte, welche dem Wachangestellten anvertraut werden. Bei Wind und Wetter, selbst den Tod nicht scheuend, muß der Wächter feine Pflicht erfüllen. Ein schlecht bezahlter Wächter ist aber auch leicht der Verführung aus gesetzt, wenn die Familie und er selbst Hunger leidet. Das ist BerVSPD. 92. Abt. Neukölln Bezirk 33. Unser Genoffe, der Buchdruder Alfred Klepzig iit am 14. 10 verstorben Einäfcher morgen Donnerst nadim 5 Uhr im Kremator BaumSchulenweg, Riefbolzstraße. Rege Beteiligung der Genossen uno Genofsinnen wird erwartet. 6.15 Der Abteilungsvorstand. Restehandig Bezirksv. Berl. VSPD. 43. Abt. Bezirk 135/136 ( 6. Kreis). Unser Genosse Albert Schulz, Tischler, Rottbu fer Damm 24, 1st verstorben. Beerdigung morgen. Donnerstag, nachm/ 23 Uhr, auf dem alten Jafobitirchhof Neukölln, Ber liner Str. 16/14 Perser- Teppiche Klaviere, Flügel Brücken höchste Tagesor.zahlt ferer. Pallasstr. 9. Rurf. 9104 Haarpuder Bettwäsche a.d.GrupeGoltzsit. Z waldstraße Herren- u.Damenstoffe, Seiden, Samt, sämtliche Futterartikel zu Fabritpreisen: Dam. Semd., Handtüch, Tischt., Schürz. Ausschneiden! Hasenbedeutend unter Preis Eckebrecht, heide 93 Gold- SilberPlatin- BruchGegenstände, Quecksilber kauft zum höchsten Tageskurs Heinrich Trapp Beuthstr.10, Spittelmarkt. Korbmöbel f. Gärten.Balkone, Wohnz i mod. u. dau erhafter Aust. Korbsessel. Gr. Auswahl Besicht.erbet Heinr.Kaese Korb- a. Rohrmähelf. Neuk., Berl.Str.89 Querg. pt.( Kein Lad.) " Aus der Partei. anlassung genug, um dem Bachangestellten einen Lohn zu zahlen, der den heutigen Verhältnissen entspricht. Wenn die Gesellschaften die Bachangestellten zur Verzweiflung treiben, dann dürfen sie nicht Der Landesvorstand der USP. Badens stellt entgegen der Beüberrascht sein, wenn in den nächsten Tagen eine Entladung eintritt. Die Firmen Harun- al Rafchid- Hintersatz- Ben und das Wach- und hauptung der Roten Fahne" in Berlin, daß die Ortsgruppen Sicherheitsinstitut Monopol" zahlen bereits ab 16. Ottober die von der USP. Badens die Verschmelzung mit der SPD. ablehnten und den Bachangestellten geforderten Lohnjähe. Neuregelungen der die Ortsgruppe Sandhofen mit 40 Mitgliedern geschlossen zur Löhne erfolgen bei beiden Firmen am 1. und 15. jeden Monats. Kommunistischen Partei übergetreten sei und fämtliche Mitglieder Es muß also auch bei den anderen Gesellschaften möglich sein, zu das fommunistische Parteiblatt bestellt hätten, die Tatsache fest, daß Abschlüssen zu kommen, mit denen die Wächterschaft zufrieden ist. noch nicht ein Duhend Unabhängige in Sandhofen der KomAuskunft über Wachgesellschaften erteilen wir in unserem Bureau, munistischen Partei beigetreten sind. Ebenso verhält es sich mit dem Bayreuther Str. 31. Kurfürst 9832. Uebertritt" in 2ahr und an dem Uebertritt in Friedrichsfeld, mit dem die Kommunisten in den Betrieben prahlen, auch an ihnen ist tein wahres ort. Die Sünde gegen die christliche Gewerkschaft! Die Arbeiterschaft der Papierfabrit in hofolpe bei Kirchhundem war bisher geschlossen im Verbande der Fabritarbeiter Deutschlands organisiert. Der fatholische Ortsgeistliche sette nun alle Hebel in Bewegung, nüzte Kanzel und Beichtstuhl, um die Arbeiter zum Uebertritt in den christlichen Fabrik- und TransDer Herr drohte den Arportarbeiterverband zu veranlassen. beitern, die aus ihrem Verbande nicht austreten, mit dem Ausschluß aus der Kirche und der Verweigerung der Sakramente. Die Gewerkschaftsgenossen in Hofolpe wollten nicht glauben, daß ihr Vikar zu solchen Drohungen berechtigt sei. Sie wandten sich daher mit einem Schreiben an den Bischof in Baderborn. Der Proletarier", das Organ des Fabritarbeiterverbandes, hat dieses Schreiben in seiner jüngsten Ausgabe( Nr. 42) veröffentlicht: ,, Wir sind seit Jahren Mitglied einer freien Gewert. schaft. aus dem Grunde, weil wir darin unseren größten wirtSchaftlichen Vorteil erblicken. Wir haben uns seit Beginn unserer Mitgliedschaft im freien Berbande stets und ständig um gemerfschaftliche Dinge gefümmert. Auch wurde uns von seiten unserer Organisation niemals eine Zumutung gestellt, die gegen unsere fatholische Gesinnung verstoßen hätte. Nun aber ist der Herr Bitar unserer Gemeinde... an uns herangetreten mit dem Berlangen, wir sollten und müßten der freien Gewerkschaft den Rüden fehren. Dazu fonnten wir uns nicht verstehen, weil wir auch unseren wirtschaftlichen Intereffen Rechnung tragen müssen. Wir erblicken in unserer Organisation die beste Vertretung unserer Interessen, ohne dabei zu vergessen, unserem fatholischen Glauben in Treue zu dienen. Der Herr Vitar ist nun über unsere Stellungnahme fehr erbittert, mas von uns sehr bedauert wird. Nach seinen Aeußerungen sollen alle diejenigen, die einer freien Gewerfichaft angehören, von den heiligen Satramenten ausgefchloffen und aus der Kirche ausgesperrt werden. Es ist anzunehmen, daß er diese Strafen über uns zu verhängen gedenkt. Wir fragen deshalb den hochwürdigen Herrn Bischof, ob es zutrifft, daß solche Strafen über uns tommen fönnen, bloß des halb, weil wir dieser Gewerkschaft angehören. Wir ersuchen den Herrn Bischof, uns eine Antwort darauf zu erteilen " Die Gewigheit über diese Frage liegt uns sehr am Herzen. Wir zeichnen in tiefster Ehrfurcht vor dem Herrn Bischof ( folgen Unterschriften.) Bierzehn Tage darauf schickte das Bischöfliche Genera! Bitariat, Paderborn( 3.-Nr. 5203) die Antwort: ., daß es den fatholischen Arbeitern in Hofolpe nicht ge. stattet werden kann, den freien Gewerkschaften als Mitalieder anzugehören. Die freien Gewerkschaften schulen ihre Mitglieder für den Sozialismus, wie einwandfrei nachgewiesen werden kann. Es ist außerdem in Hofolpe die Möglich feit gegeben, fich den christlichen Gewerkschaften anzuschließen. Wenn ein fatholischer Arbeiter in Hofolpe troz aller Aufklärung bei den freien Gewerkschaften verbleibt, fo fchließt er sich von selbst vom Empfang der Gatramente aus. Wir erwerten, daß die katholischen Arbeiter in Hofelpe die Sugehörigkeit zur katholischen Kirche höher schäben als die Zugehörigkeit zu den freien Gewerkschaften." hat man je einem Arbeitgeber mit der Ausstoßung aus der fatholischen Kirche und der Verweigerung ihrer Eatramente be. droht, weil er einer nicht christlichen" Arbeitgeberorganisation angehört? Das ist freilich schon deshalb nicht der Fall, weil es wohl für Arbeitnehmer, nicht aber auch für Arbeitgeber christliche Organisationen gibt. Diese Spaltung der Intereffenvertretung fonnte man nur den Arbeitern bieten. Wie lange noch werden sie fich das gefallen lassen? Betriebsräteschule. An folgenden Kursen der Betriebsräteschule tönnen sich noch neue Hörer beteiligen: Beuteum: Sophien- 2yzcum, Beinmeisterstr. 16-17, Birtfdjaftspolitische Beitund Streitfragen( Donnerstag 8 Uhr). Geographische Grundlagen der Wirt schaftspolitit( Freitag 6 Uhr). 8immernummern siehe an der schwarzen Tafel am Eingang. Nordwesten: Friedrich- Werderfches Cymnasium, Bochumer Str. 8b, Die Unternehmung als Grundlage der tapitalistischen Wirtschaft( Donnerstag 8 Uhr, Bimmer 201). Norden: Gemeindeschule Greifenhagener Str. 58, Die Arbeitsorganisation im industriellen Großbetrieb( Donnerstag 6 Uhr, Simmer 6). Der Einzel- Ar beitsvertrag im Rahmen des gesamten Arbeitsrechts( Donnerstag& Uhr, Zim mer 6). Cinführung in die Wirtschaftsgeschichte des legten Jahrhunderts( Don nerstag 8 Uhr, Zimmer 3). Suboflen: Leibniz- Gymnasium, Mariannenplag. Die Unternehmung als Grundlage der kapitalislifden Wirtschaft( Dienstag 6 Uhr, Bimmer 19). Die Reparations und Balutafrage und die Lage der Arbeiterschaft( Dienstag 7 Uhr, 8immer 17). Gewerbehygiene( Donnerstag 8 Uhr, Phyfitzimmer). Often: Textil- Fachschule, Warfaauer Plaz 6-8, Die Stellung der Frau im industriellen Großbetrieb( Donnerstag 8 Uhr, Zimmer 117). Die Arbeitsorganisation im industriellen Großbetrieb( Freitag 16 Uhr, 8immer 117). Buchbaltung und Bilang( Freitag 18 Uhr, Zimmer 117). Nicht nur Betriebsräte, sondern alle freigewertschaftlich organisierten Rolleginnen und Kollegen tönnen die Betriebsräteschule befuchen. Hörerkarten ( zum Preise von 15 M., für Arbeitslose unentgeltlich) werden im Bureau der Betriebsrätezentrale, Engelufer 24-25, 2. Sof I, ausgegeben. Auch lönnen die Kollegen die Kurse direkt aufsuchen und den Hörerbeitrag dort beim Vertrauensmann zahlen. Berband der Gemeinde. und Staatsarbeiter, Filiale Groß- Berlin. Untergruppe Müllabfuhr und Müllverbrennung. Donnerstag abend 7 Uhr in den Brachtsälen Alt- Berlin Hochzeitssaal", Berlin O, Blumenstr. 10. Manielstoffe marine Cheviot, schwere Anzugware. sehr preisw.! Trikotag für Damen Herren u. Kinder. Neuheiten in Damen- Putz! Ella Dehmel, Neukölln, Niemetzstr. 9, Nähe Richardplatz. Telephon: Amt Neukölln 469 300 Mr. Bahlen wir Cdolda wenn nicht sofort Flöhe( Brut), Cause, Wanzen vernichtet Schwaben, Holzwurm. 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Vor 18 Jahren trennte sich die Ludwigshafener bas bisherige Kopfblatt der Pfälzischen Post", die Pfälzische Preffe", sich ebenfalls auf eigene Füße gestelt. " " Die deutschöfferreichische Sozialdemokratie hat bereits 553 022 Mitglieder. Desterreich ist das einzigartige Land, in dem jeder sechste Einwohner in den sozialistischen Gewerkschaften und jeder zwölfte in der Sozialdemokratischen Partei organisiert ist. Die Parteipreffe umfaßt in dem kleinen Lande, das neben Wien nur noch eine Stadt mit über 100 000 Einwohnern hat( Graz) sieben Tageszeitungen, elf Zeitungen, die dreimal, zweimal und einmal in der Woche in einer Gesamtauflage von 488 000 Eremplaren erfcheinen. Daneben erscheinen mehr als fünfzig Gewerkschaftsblätter mit einer Auflage von 1100 000 Exemplaren, dann eine Fülle von Zeitschriften, die der politischen, wirtschaftlichen, pädagogischen und ethischen Aufklärung dienen; das wissenschaftliche Organ der Partei, der Kampf", der Betriebsrat" und" Werkstatt und Wirtschaft", die der Beobachtung der gewerkschaftlichen Probleme dient, dann die Monatsschrift der Konsumgenossenschaft, die„ Sozialistische Erziehung", die Eltern- und Kinderzeitungen der Kinderfreunde, die " Freie Schule", das Organ des sozialdemokratischen Schulvereins, der Jugendliche Arbeiter", der Freidenfer", der Abstinent" und eine ganze Reihe Sportblätter. Die Parteibuchhandlung hat im vergangenen Jahre 36 Bücher und Broschüren in ciner Auflage von mehr als 335 000 Eremplaren herausgegeben: eine refpeftable Zahl in Ansehung der wirtschaftlichen Nöte des Landes! Weit mehr als zehntausend Bersammlungen wurden im Berichtsjahr abgehalten; in dem kleinen Burgenland allein nur während der fünfwöchigen Wahlbewegung an die dreihundert! Die Zentralstelle für das Bildungswesen organisierte allein in Wien 121 Schulen für alle Zweige des politischen Wissens, die 1790 Abende erforderten; daneben viele Hunderte Einzel- und Lichtbildervorträge. Der Verband der jugendlichen Arbeiter vermittelte im verflossenen Jahre 8431 Vorträge und Vorlesungen, nebst Führungen in Muscen, an Die die breihunderttausend Genossen teilnahmen. denen Kunststelle veranstaltete allein in Wien 409 Theaterpor= stellungen und Konzerte von fünstlerisch erlesenem Wert, die von annähernd 400 000 Personen besucht waren. Die Zahl der den Arbeiterzentralbüchereien entliehenen Bücher betrug im legten Jahre 302 359; sie ist um die Hälfte größer als im legten Friedensjahr. an Berantwortlich für den rebaft. Teil: Bictor Schiff, Berlin; für Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag Vorwärts- Verlag G. m. b. SH.. Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Baul Singer u. Co.. Berlin, Lindenstr. 3 Gewinn- Auszug ber 20. Preuß.- Südd.( 246. Preuß.) Klassen- Lotterie 5. Klasse 7. Biehungstag 17. Citober 1922 auj jede gezogene Hummer ind zwei gleich hohe Gewinne gejanec und aivor je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beider 2bteilungen I und II Ohne Gewähr. Nachbrud verboten. In der Abteilung 1 wurden Gewinne über 1500 Mart gezogen: 2 zu 16000 M 213206 2 zu 10000 M 222365 22 zu 5000 M21404 74122 126348 150122 263897 271846 278644 291968 297160 323369 335213 154 zu 3000 M 31 0 6679 7014 14767 206 4 24393 26522 81422 24640 84999 40805 41933 42574 4 519 45276 45:52 46902 52918 00:13 67175 677 4 72946 80.99 5842 0878 91693 9: 591 954-7 00189 106074 113-81 1185 4 12.448 1.8972 12430 13779 144257 14480 148 32 151179 16: 083 163222 16 888 1640 6 168061 9294 186908 1913 3 196594 1997 9 20 93 20410 208E03 2099 8 2 7966 221152 221284 147997 251843 268 26 26: 5.6 278681 2617 6 296499 298 85 198662 8790 80.71 307959 080 1 312639 322177 33 120 561 16.35 955 356 73 364441 In der Abteilung 2 wurden Gewinne über 1500 Mart gezogen: 2 zu 3,000 3 4: 674 2 zu 15000 M 17003 18 zu 5000 M 14486 87037 44880 114216 135220 174502 180837 218398 859215 114 zu 3000 M 625 1079 7715 13231 19689 20405 3: 364 50522 53086 54848 56.81 18122 79824 05: 0 83178 863 0 93306 946 4 94987 99674 09 24 1 1546 1 0.67 1 094 135740 1416.5 1.5219 160.69 667.6 73433 1 8749 179897 182026 210 21 2 27.8 217.6 2.606 2.4113 2:03:24 37205 239.09 4.617 45616 41920 256546 30 850 308022 315472 3.6399 3.9.76 336795 44512 2482 0 348 63 355483 67.09 3 93 4 In der Abteilung 3 wurden Gewinne über 1500 Mart gezogen: 4 zu 80.00 M 187441 217279 4 zu 560001059 6 217185 2 zu 10000 Dl 105171 14 zu 6000 M 4145 102378 254484 247333 760019 292181 348240 102 2000 584 5122( 065 13 18 13509 28:51 4483 49451 58150 8664 7.4 6 91439 184 9 727 961 987.05: 46 1122.4 116 07 121820 122608 1304 0 140413 146600 1540 0 1557 8164924 16: 41+ 166: 26 166 76 184.94 1:07 7 2037 5 20 368 2.0548 216165 223618 224394 2: 467+ 229054 245428 47 77 249 52 252 87 6.377 265 9 2: 9059 260866 26-8 6 2723.7 272 98 2767c489914 29460: 3.1680 316969 318041 32.716 3.037 336781 341330 246439 49 54 3: 4119 7 676 37 689 Die in dem vorstehenden Gewinn- Auszug nicht enthalten.n niedrigeren Gewinne find aus den Listen zu erschen, die bei den staatlichen Lotterie Einnehmern zur unentgeltlichen Einsicht ausliegen. 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