Nr.50639.Jahrgang Ausgabe A nr. 249 Bezugspreis: 2., Für den Monat Oktober 250, Doraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet sowie Defterreich und Lugemburg 346,- M., für das übrige Ausland 515,-. Boftbestellungen nehmen an Belgien, Dänemark, England, Estland, Finnland, Frant reich, Holland, Lettland. Luxemburg, Desterreich, Schweden, Schweiz Tschechoslowakei und Ungarn. Der ,, Vorwäris" mit der Sonntags beilage ,, Boll und Zeit", der Unterhaltungsbeilage, Seimmelt" und der Beilage ,, Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Morgen- Ansgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Mark Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezcile toftet 60, M. Reklamezeile 300,-- 92. ,, Aleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 14, M.( zulässig zwei fettge. druckte Worte), jedes veitere Wort 12, M. Stellengesuche und Schlaf. stellenanzeigen das erfte Wort 8, M., jebes weitere Wort 6.- M. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familien- Anzeigen für Abonnenten Zeile 20. M. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4½ Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW.68, Lindenftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nacm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Donhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2306-2507 Donnerstag, den 26. Oktober 1922 Die Forderungen der Sozialdemokratie Die Verhandlungen der sozialdemokratischen Fraktion mit der Reichsregierung über Maßnahmen, die geeignet sind, den fortschreitenden Währungsverfall einzu ämmen, sind am Mittwoch nachmittag fortgelegt worden. Als Grund lage für diese Verhandlungen dienten Beschlüsse, die die Sozialdemokratische Reichstagsfraktion am Dienstag in einer mehrstündigen Sitzung gefaßt hat. Ihr Inhalt fann folgender weise turz zusammengefaßt werden: Die wichtigste Boraussetzung für die Gesundung der Wirtschaftsverhältnisse ist eine planmäßige Affion zur Stühung der Mark. Zu diesem Zwed ist ein Devisenfonds bereitzustellen, der aus. reicht, um den tatsächlichen Bedarf der deutschen Wirtschaft nach fremben Sahlungsmitteln innerhalb der drei nächsten Monate zu befriedigen. Dafür ist auch ein Teil des Goldbestandes der Reichsbank in Anspruch zu nehmen, der so am besten in der Zeit schwerster wirtschaftlicher Bedrängnis den Interessen des Bolkes nutzbar gemacht werden kann. Die sozialdemokratische Fraktion ist selbstverständlich für die Aufrechterhaltung der Devisenordnung. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Posticheckfonto: Berlin 375 36- Banttouto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depositenkasse Lindenstraße 3 „ Kontrolle der Produktion". Bon D. Dalin. Nach einer furzen Unterbrechung beginnt in der Roten Ebenso ist ein Verbot der Berwendung von eingeführtem Mais zu Fahne" wieder die Agitation und Propaganda für den Brennereizweden streng durchzuführen. langen Aufrufe; Ortskonferenzen, Bezirkskonferenzen, ProReichsbetriebsrätetongreß. Es erscheinen wieder die metervingtonferenzen werden einberufen, und die große Parole heißt Kontrolle der Produktion". Es ertönt wieder das Schimpfen über die„ Sozialdemokratischen Verräter", die der Arbeiterschaft feine Kontrolle überlassen wollen und nur die Geschäfte des Kapitalismus besorgen. So schreibt und schimpft jeden Tag die Rote Fahne", monoton und langweilig, wie eine verrostete Nähmaschine. Bei dem jezigen Stand des Dollars ist es dem Reich fast unmöglich gemacht, Nahrungsmittel zur Aufrechterhaltung der Bolts ernährung einzuführen. Das hat die Fraktion bereits veranlaßt, im Reichstage einen Antrag auf vollständige Erfassung der wichtigsten Nahrungsmittel zu stellen. Dieser An trag ist am Montag abgelehnt worden. Die Fraktion wird trotzdem diese Forderung erneut auch der Regierung gegenüber vertreten, weil sie der Ueberzeugung ist, daß der Segen der freien Wirtschaft" zur Aushungerung der breitesten Schichten des deutschen Boltes führen muß. Die sozialdemokratische Fraktion ist sich darüber klar, daß eine endgültige Ordnung unserer Finanzen und Gesundung unserer Wirt schaft nur herbeigeführt werden kann, wenn die Verhandlungen mit ter Reparationsfommission zu einem für Deutschland günstigen Abschluß führen. Sie weiß, daß die deutsche Wirtschaft insbesondere durch die gesteigerten Kohlenlieferungen an bie Entente unerträglich belastet wird und daß die Bassivität unserer Handelsbilanz wesentlich beeinflußt ist durch die starke Einfuhr ausländischer Kohlen. Die derzeitige wirtschaftliche und finanzielle Gituation des deut schen Boltes verpflichtet die deutsche Regierung und die Parteien, von sich aus alles zu versuchen, was den weiteren Verfall der Mart aufhalten kann. Wenn eine endgültige Lösung dieser schwierigen Probleme auch ohne Hilfe des Auslandes nicht erfolgen tann, so werden doch alle diejenigen, die uns helfen wollen, fragen, was denn von uns aus geschehen ist, um Befferung zu schaffen. Nach vielen Jahrzehnten sozialistischer Aufklärungsarbeit follte man es eigentlich nicht für möglich halten, daß derartige Dinge auch nur von einem denkenden Arbeiter ernt genommen werden. Ist es denn heute nicht jedem lesekundigen Menschen befannt, daß der Sozialismus nichts anderes bedeutet, als die Kontrolle der Gesellschaft über ihre Produktionsmittel? Ist es, denn nicht jedem bekannt, daß die Sozialisierung, wenn sie praktisch auf die Tagesordnung fommt, auch in gesellschaftlichen Rollettivorganen ihren Ausdruck findet, die die Produktion verwalten und kontrollieren soilen? In einem Lande aber wie Deutschland, wo die Arbeiterschaft eine Hälfte der Bevölkerung ausmacht, und in der Städten fogar die Mehrzahl der Bevölkerung bildet, ist den Arbeiterorganisationen eine Mehrhet in den Wirtschaftsorganen zugesichert, falls die Arbeiterschaft einheitlich aufzutreten imftande ist. Wo die Produktionsmittel einmal Eigentum der Gesamtheit geworden sind, muß auch die Kontrolle über sie von der Gesamtheit und ihren Organen ausgeübt werden; und ist die Arbeiterschaft ein beträchtlicher Teil der Gesamtheit, so fann fie auch entscheidenden Einfluß bei der Produktionskontrolle ausüben. So bedeutet die Sozialifierung nichts anderes als die Produktionskontrolle des werktätigen Volkes. Der mit ihr beabsichtigte 3wed ist nur deshalb nicht vollständig erreicht worden, weil von einer einzelnen Maßnahme, und noch dazu von einer negativen, nie ein voller Erfolg zu erwarten war. Deshalb waren auch zu ihrer Ergänzung anderweitige Maßnahmen porgeschlagen. Sie fanden aber hei den einzelnen Refforts so starten Widerstand, daß sie nicht durchneführt wurden und somit auch den Erfolg der Derisenordnung gefährdeten. Dem weiteren Fallen der Mart fann aber nur Einhalt getan werden, wenn mit der Durch- Die Verhandlungen mit der Regierung, die noch nicht führung der Stüßungsaktion auch die Devisentontrolle ver beendet wurden, follen am Donnerstag in Besprechun härft wird. Es fann nicht beftritten werden, daß der private gen mit den Parteiführern fortgelegt werden. Je Devisenhandel zur wildesten Spekulation geführt hat. Diese Spe- nach dem Ergebnis diefer Berhandlungen wird zu entscheiden fulation muß unterbunden werden, weil sie das Lebensintereffe der sein, ob die sozialdemokratische Reichstagsfraktion noch wät breiten Masse, die Erhaltung der Kauffraft der Mart, gefährdet. rend der kurzen Ferien zusammentreten wird, um die sich aus Was aber die tommunistische Agitation unter„ Kontrolle Das kann nur dadurch geschehen daß Devisen ausschließlich der Lage ergebenden weiteren Schritte zu beschließen. der Produktion" versteht, ist etwas ganz anderes. Der Bevon der Reichsbant( eventuell in Verbindung mit dem von triebsrat eines jeden Werkes soll die geschäftliche Praris feiner ihr zu bildenden Stüßungstonsortium), und zwar nur für JImport Die„ Germania" veröffentlicht einen Auffah über die Direktion fontrollieren, und die eigentliche Herrschaft über die zwecke und zur Erfüllung ausländischer Zahlungsverpflichtungen, Depisennot, der ganz richtig den Sturz der Mark in der Haupt- Produktion sollte den einzelnen Betriebsräten überlassen abgegeben werden. Andererseits muß den eine wertbeständige An- fache auf die unmöglichen Finanzbestimmungen von Ber- werden. Bei Borsig sollen die Mitglieder des dortigen Be= lage ihrer flüffigen Geldmittel suchenden Kapitalbefizern Gelegen failles und London zurückführt, dann aber in der refignierten triebsrats ,, fontrollieren", bei Krupp die Struppfchen Betriebsheit gegeben werden, ohne in frembe Devisen flüchten zu müssen, Bemerkung gipfelt: räte, bei der Straßenbahn- die Straßenbahner, in der ihre Kapitalien gegen Entwertung zu sichern. Als wirksame positive Darin liegt das Grundproblem der ganzen Währungsfrage und Schiffahrt die Mannschaft eines jeden Schiffes. Das ist das Maßnahme ist deshalb die im Verhältnis zu der Wichtigkeit dieser Frage erscheint die Be- gerade Gegenteil einer gesellschaftlichen Produktionskontrolle. deutung von Maßnahmen, die wir von uns aus treffen Das bedeutet die Zerstückelung der Veltswirtschaft unter einfönnen, nur ganz geringfügig. zelne Arbeitergruppen und Betriebsräte, die die Produktion Ausgabe einer werfbeständigen Anleihe * durch die Reichsbank zu verlangen. Um auch die fleinen Sparer Eben diefer müde Steptizismus ist es, den wir bekämpfen. nur schädigen fann. Die Betriebsräte, die neben den Ge gegen die Geldentwertung zu schützen, müßte den Sparkassen die Der schwere Druck von außen darf uns nicht dazu verleiten, mertschaften als sozialpolitische Organe oft auf der Höhe sind, Erlaubnis gegeben werden, Spargelder in Goldrechnung zu über- im Innern die Zügel schleifen zu lassen. Solange das Aus- find feineswegs imstande, die Produktion technisch und genehmen. Der Ertrag dieser Geldanleihe muß der Reichsbant ins- land auch nur mit einem Schein von Recht sagen kann, daß schäftlich zu verwalten, da sie unter einem ganz anderen Gebesondere zur Kräftigung der Stügungsaktion für die Mark zur wir unterlassen, das Mögliche zur Ordnung unserer Wirtschaft fichtspunkt gewählt worden sind. Die Fachkenntnisse und die Verfügung gestellt werden. Neben diesen eigentlich währungs zu tun, sind wir der Gefahr ausgesetzt, statt einer vernünftigen langjährige Braris, die zu einer guten Verwaltung gehören, politischen find aber auch finanz- und wirtschaftspolitische Maß- Regelung der Reparationen ausländische Kontroll. fehlen den Betriebsräten, was sie felbst auch immer zugeben. nahmen notwendig. In diesem Zusammenhang verlangt die Frat maßregeln zu belommen. Erst wenn das Ausland ver- Bedeutet der Kapitalismus eine Anarchie der Produktion, so tion erneut, daß die nünftigerweise teine Ratschläge erteilen kann, die wir nicht muß diese Anarchie in ungeheurem Maße zunehmen, wenn Steuereinziehung beschleunigt schon uns selber gegeben und ausgeführt haben, ist das Re- jedes industrielle Werf, jeder Betrieb unter die Kontrolle und die Geldentwertung zu Lasten der Steuerpflichtigen erfolgt, wie parationsproblem aus allen Hüllen herausgeschält und die feines Betriebsrats gerät. Ein unerhörtes Chaos der Prosich das durch die Praxis ganz von selbst beim Lohnabzug ergibt. zwingende Notwendigkeit geschaffen, zu seiner Lösung zu in dem Augenblick einsetzen, wo die Betriebsräte versuchen buktion und eine unerhörte Preissteigerung würden Um der Bevorzugung der Befihenden ein Ende zu machen, müssen die Steuern in Höhe des Kursmertes der Mart zur Zeit Bis dahin aber sind eigene Maßnahmen auch notwendig, wollten, auf diese russische Weise den Kapitalismus aus Der Beranlagung erhoben werden. Wirtschaftspolitisch muß durch die um die not nicht ins Grenzenlose wachsen zu den Angeln zu heben. Und dieses fommunistische Mittel soll laffen. Solche Maßnahmen schlagen wir vor um der Sache ausgerechnet dazu dienen, die Produktion zu steigern, die Hemmung der Cuguseinfuhr, felbft willen. Was wir wollen ist ihre Annahme und Aus- Preise zu senken, und die Lebensverhältnisse der Arbeiterführung; es find nicht die politischen Konsequenzen, die sich schaft zu verbessern! aus ihrer Ablehrung ergeben müßten, vor denen die Bartei aber auch nicht zurückschrecken kann, wenn im Rat der Regierung die verhängnisvolle Resignation der Germania" die schreiten. durch Zollerhöhung, in besonderen Fällen auch auf dem Wege des Einfuhrverbots eine Befferung unserer Handels- und Zahlungsbilanz erfolgen. In dieser Zeit der Not darf auch unter feinen Umständen zugelassen werden, daz Kartoffeln und Getreide zur Er zeugung von Trintbranntwein verbraucht werden. Oberhand behält. Was in der Geschichte einmal sich als Tragödie abspielt, wiederholt sich zum zweiten Male oft als Poffe. In Rußland war die Geschichte der Arbeiterkontrolle" die Tragödie ber ruffischen Arbeiterschaft. Es war im Jahre 1917, in der Zeit massenhafter Arbeiterentlaffungen, während der großen Demobilisierung der Industrie. Da verfuchten einzelne Gruppen der Arbeiterschaft, sich durch eigene Mittel zu helfen. Die immer das Ergebnis der Wahl sei. England und Europa befänden Arbeiterfontrolle" war das Mittel, um die überschüffigen Lloyd George's Programmrede. sich noch in großen Schwierigkeiten. Der Menschheit gehe es Arbeiter vor der Entlassung zu schüßen, die Produktion mögCondon, 25. Oktober.( WTB.) Lloyd George legte in feiner schlecht. Da dürfe man nicht streiten, sondern man müsse mithelfen. lichst aufrecht zu halten und den Erlös aus dem Verkauf der Rede auf der heutigen Zusammenkunft der nationalen Liberalen Man müffe eine Politit des Friedens unterstützen. Dies erzeugten Waren für die Arbeiterschaft zu verwenden. Die die Politik feiner Anhänger dar. Der frühere Premierminifter er fei der einzige Weg zur Wohlfahrt, der einzige Weg, um den Wieder Folge war aber ein furchtbarer Niedergang der gesamten InPärte, Groß- Britonnien fomme an erster Stelle, jede Bartei, selbst aufbau der Welt zu erreichen, das einzige Heilmittel. Man müsse dustrie. Es war ein flaffisches Beispiel der Reich tümerfeine eigene dagegen an zweiter oder sogar an lehter Stelle. Eng für die traditionelle Bolitit Englands einstehen und Mäßigung und Güterverteilung mit unvermeidlicher Proland bürfe nicht ver feinen Berantwortlichkeiten zurückschrecken. in der Behandlung internationaler Angelegen. Duftions fatastrophe. Wenn die russische Industrie Ein Groß- Britannien, das sich auf Weltfonferenzen begebe mit heit en üben, sowie nach besten Kräften zusammenwirten in den letzten fünf Jahren so stark zurückgegangen ist, fo Furcht vor seinen Berantwortlichkeiten, würde von diesem Augen- mit allen Alliierten. England dürfe sich nicht an den haben die acht Monate der Arbeiterkontrolle"( August 1917 blid an aufhören zu zählen. Die englische Bolitik müsse fried- Wagen irgendeines anderen Landes binden lassen. Lloyd George bis April 1918) ihr die stärksten Schläge versetzt. Das wurde liebend, dürfe jedoch nicht furchtfam fein. Groß- Britannien habe seine fuhr fort: Wenn in der Frage der Meerengen England seine bald auch von den Kommunisten selbst erkannt. Nach einem Miffion. Abweichungen von dieser Politik werde er sich widersehen. Attion und seine Politit vollkommen von seinen Alliierten ab- halben Jahr wurde die Arbeiterkontrolle" durch andere VerEr gebe ſeinen Anhängern den Rat, teine Bendetta gegen früheres hängig gemacht hätte, so würde die Freiheit der Meerengen ver- maltungsmethoden erjeszt: an ihre Stelle trat die bureaufraUnrecht zu üben. Man müsse geradeaus in die Zukunft schauen loren fein. Man könne die Dardanellen nicht durch papierne Be- tische Verwaltung- derfelbe schwerfällige Bureaukratismus, und sehen, welche Dienste man dem Lande erweisen fönne. Ber schlüsse freihalten. Er trete vollkommen für das Zusammenwirken unter dem die kommunistische Wirtschaft drei Jahre lang litt, allem dürfe man, welche Regierung auch an der Macht sei, ihr mit den Aufferten ein, aber Großbritannien habe seine eigenen bis die Sowjetregierung sich entschließen mußte, zum Rapifeinerlei parteifüchtige Oppofition entgegenstellen. Berantwortlichkeiten und seine eigene Miffion in der talismus zurückzukehren! Es war eine wahre Tragödie für Es müßte fair play für jede Regierung bestehen, welches auch Welt. die ehrlichen Elemente des russischen Kommunismus: vom trolle" zum kommunistischen Bureaukratismus, und von diesem zurück zum Kapitalismus! ft tapitalismus zur Arbeiterkontrolle", von der Arbeiterfon-| Verfolgung antisemitischer Ausschreitungen.] Das Münchener Justizministerium möge daher tun, was ihm beliebt. Biel Freunde wird es bei seinem Vorgehen nicht Der preußische Justizminister Am Behnhoff finden. Schon beginnen immer weitere, selbst rechtsstehende Und heute, wo diese mit Blut und Tränen geschriebenen hat unter dem 23. September 1922 folgende Verfügung er reise, von dem Fechenbach- Urteil abzurücken. Die volkspartelSeiten der russischen Geschichte jedem offen stehen und der lassen: liche Zeit" nennt die in München ausgesprochene Strafe von Wiederholt sind, insbesondere aus dem Bezirk eines Oberlandes- 33 Jahren Zuchthaus erschreckend hoch" und spricht wirkliche Sinn und Inhalt der kommunistischen Arbeiterfontrolle" mit aller Deutlichkeit zutage getreten sind, ist es nichts gerichts, fälle zu meiner Renninis gelangt, in denen gegen anii aus, daß man 3 weifel hegen könne, ob diese Strafe dem anderes als Leichtsinn und Berbreden, wenn man semitische Ausschreitungen nicht mit dem erforderlichen Verbrechen der Angeschuldigten entspreche. Wenn trotden deutschen Arbeitern anrät, die russische Tragödie nach- Nachdruck eingeschritten ist. E. H. ersuchte ich, dahin zu wirken, daß dem die Zeit" es nicht unterlassen kann, gegen uns den Vorden deutschen Arbeitern anrät, die russische Tragödie nach von den Staatsanwaltschaften gegen solche Ausschreitungen tat- muri zu erheben, daß wir die Verräterei beschönigten" und zuahmen. Nachträglich haben auch die kommunistischen Theoretifer und Schriftsteller eingesehen, daß die Arbeiterton- fräftig eingeschritten, daß insbesondere alsbald eine damit einen„ Tiefstand des moralischen und vaterländischen trolle" alles andere bedeutet als wirtschaftlichen Fortschritt Anklage in der Hauptverhandlung mit Nach brud vertreten berartige Vorwürfe auf Grund ihrer eigenen Kritik des Urteils trolle" alles andere bedeutet als wirtschaftlichen Fortschritt erschöpfende Aufklärung des Sachverhalts herbeigeführt und die Empfindens"" zeigten, so hat die Zeit" nur übersehen, daß und Steigerung der Produktion. Heute wird die Geschichte wird. Ich ersuche auch zu prüfen, ob es sich zur Erreichung diefes gegen sie selber erhoben werden könnten nämlich anders dargestellt: Ist das System der Betriebsräte das Bieles empfiehlt, die eingeleiteten Berfahren der Kontrolle durch von Leuten, die der Beit" gegenüber das gleiche Maß von technisch vollkommenste? Gewiß nicht. Aber darin den Leiter der einzelnen Staatsanwaltschaften oder einen Ab- Böswilligkeit und Verdrehungssucht befizen wie sie uns gegen besteht gar nicht seine funktionelle Rolle.. teilungsvorsteher zu unterstellen. Das alte Syftem wird zerflüftet und gespalten durch solche über. Denn selbst die Zeit" fönnte allmählich begreifen, daß Organisationen, wie bie revolutionären Betriebsausschüsse in wird regelmäßig dann anzunehmen fein, wenn die Beleldigung usw. sondern daß unser Kampf der willkürlichen AusEin öffentliches Interesse an der Strafverfolgung es uns gar nicht einfällt, den Landesverrat zu verteidigen, Rußland, die Betriebsräte in Deutschland oder andere ähn als Ausflug und Ausdruck allgemeiner antisemitischer behnung des Landesverratsparagraphen auf Tatbestände liche Vertretungsorgane." So fóreibt der kommunistische Gesinnung begangen ist. Bei Anzeigen von Bergeben gegen gilt, die nichts mit ihm zu tun haben. Theoretiker Bucharin in seiner Defonomie der Transfor$ 130 Bf. G. B. ist zu beobachten, daß die Juden als Klasse im mationsperiode"( G. 140/141). Er gibt also offen zu, daß Sinne diefer Borschrift anzusehen sind( Entscheidung des Reichs- Bäder noch einmal aus dem Konflikt herauszuwinden, der In der Deutschen Tageszeitung" sucht sich Herr Baul die Arbeiterkontrolle der Betriebsräte nur ein Mittel der gerichts in Straffachen Bd. 32 S. 352). Wenn es bei Verfahren ihm durch seine Doppelstellung als Vorsitzender des Reichsver politischen Machteroberung, aber zur Sebung der aus§ 166 Bf. G. 2. zweifelhaft erscheint, ob die Beschimpfung sich bandes der deutschen Bresse und Schriftleiter eines reattionären Produktion vollkommen unzulänglich ist. Er gibt offen zu, daß die Produktion unter der Arbeiterkontrolle" gegen eine„ Einrichtung" oder einen„ Gebrauch“ der jüdischen Blattes erwächst. Er präzisiert jetzt seinen Standpunkt dahin, leidet. Otto Neurath- schreibt er hat recht, wenn er Religionsgefelifchaft richtet, wird es sich empfehlen, wegen Anhörung daß das Gericht doch wohl in der Bewilligung mildernder geeigneter Sachverständiger mit den Organisa. fagt, daß die Ausschüsse nach ihrer ganzen Konstruktion für tionen der jüdischen Staatsbürger in Verbindung hätte ertennen follen. Aber dieser Kompromißftandpunkt läßt tonde hätte weiter gehen und auf Festungshaft rein geschäftliche Broduktionsaufgaben wenig brauchbar find. zu treten, und die Frage, ob gegen ein freisprechendes Erben Kern der Sache unberührt. Es handelt sich zunächst gar Die Bersegung des alten und der Rohaufbau kenntnis das zulässige et smittel einzulegen ist, forg nicht um die strenge oder milde Beurteilung des Tatbestandes, des neuen Apparates, das ist der von uns ange- fältig zu prüfen." strebte Typ der Produktionsverwaltung." fondern es handelt sich darum, ob die Berichterstattung über Geheimorganisationen und Waffenlager, die dem Gefeß und bem Friedensvertrag zuwiderlaufen, überhaupt den Tatbestand des Landesperrats darstellen tann. Nicht danach, ob Zuchthaus oder Festungshaft verhängt worden ist, hat gerade die Presse in erster Linie zu fragen, fondern für sie ist der springende Bunkt, ob sie eine derartige Einschränkung der Berichterstattung stillschweigend dulden Also genau wie die fommunistische Regierung zunächst die alte russische Armee vollständig zerfetzte und zerstörte, um später eine neue Armee aufzustellen, so will auch die fommunistische Theorie zunächst die alte Produktion vollständig zersetzen und zerstören, um nach einer mehr oder weniger langen ,, llebergangsperiode" ein neues Produktionssystem aufzurichten. Hier liegt die große Scheidelinie zwifchen Sozial demokratie und Kommunismus. Denn, wenn die Produktion zersetzt und zerstört wird, wie soll die Gesell schaft leben, bis die neuen Produktionsformen aufgerichtet find? Ohne Armee ist das Leben der Gesellschaft möglich, ohne Produktionsapparat jedoch ist höchstens eine Lebenshaltung denkbar, wie sie heute die russischen Arbeiter mit einem Monatslohn von 5 bis 10 Goldrubel haben. B. Die Deutsche Tageszeitung" erhebt über diese Verfügung ein ungeheures Gefchrei, als ob damit eine privilegierte Son berstellung für die jüdischen Mitbürger geschaffen würde. Sie wehflagt, der Jude werde in Preußen Tabu für jeden Staatsbürger, der nicht zum auserwählten Volf gehört". In Wirklichkeit liegt die Sache gerade umgelehrt. Eine Anzahl Gerichte haben bisher systematisch den Juden jeden Schuß gegen Ausschreitungen und Eingriffe antisemitischer Rohlinge fann. verweigert. Wir erinnern nur an die bekannten Fälle, So viel aber sollte selbst die bayerische Regie. in denen das Ausfpuden am Judenfriedhof für straffrei rung aus dem Schwanken und der Ratlosigkeit der Rechtserklärt wurde, ebenso die Absingung des Liedes Blut mub presse begreifen, daß sie in dem Kampf um das Fechenbach fließen, Judenblut". Ja, felbft der Ruf Schlagt die irteil moralisch alles gegen fich hat, daß dieses Juden tot!" in einer Demonstration, die tatsächlich Exceffe Schreckensurteil ihrem eigenen Anfehen wie dem ihrer Juſtiz gegen Juden beging, wurde von einer preußischen Gerichts in höchstem Maße abträglich gewesen ist, von den behörde für nicht strafbar erflärt. Wenn der preußishe Nun ist die Sowjetregierung so weit, daß sie nicht nur Justizminister gegen diese Berwilderung des Rechtsbewußt schädlichen Folgen für die Reichsaußenpolitik ganz zu fchweigen. die kommunistische Wirtschaft aufhebt, sondern auch die Ar- feins durch antisemitische Einflüsse porgeht, so tut er lediglich beiterfontrolle" in privaten Betrieben direkt verbietet. So feine Pflicht. Denn zu welchen Konsequenzen die ungehinderte hat der Zentralrai der Gemerffchaftsverbände am 20. Dt- antisemitische Heze führt, das haben der Mord an Walter tober 1921, natürlich mit Zustimmung der Regierung, in Rathenau und das Bombenattentat auf die Mannheimer feiner Refolution erklärt: Die Gewerkschaften Börse wohl deutlich genug bewiesen. müssen gegenwärtig von der Arbeitertontrolle" in privaten, verpachteten und fonzeffionierten Unternehmungen Man tomme uns nicht mit der Nedensart, daß in Rußland, wo die Kommunistische Partei am Staatsruder ist, eine Arbeiterfontrolle" unnötig sei. Denn selbst die Sowjetpreffe it heute mit Korrespondenzen überfüllt, die von einer scored lichen, in Deutschland ganz undentbaren Ausbeutung der ruffischen Arbeiterschaft Beugnis ablegen. Kritik am Fechenbach- Urteil. absehen". In München scheint man durch das Echo des Fechenbach Urteils einigermaßen nervös zu werden. Wie das bei schlech tem Gewissen üblich ist, fehrt sich die Nervosität gegen die unbequeme Kritik, die man totschlagen möchte, weil man sie nicht widerlegen fann. Die Münchener Neuesten Nachrichten" fordern, daß sich das banerische Justizministerium mit dem Borwärts" befassen möge. Es Prifelt in Bayern. Münden, 25. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Zu den An deutungen der Münchener Bost", daß ein Regierungsmedhjel in Bayern wegen der banerischen Teuerungsdenkschrift bevorstehe, schreibt die Bayerische Volkspartei- Rorrespondenz in auffallend zu rüdhaltender Weise: Diese Meinungsverschiedenheiten zwischen der Regierung und der Bayerischen Bolts. partei brauchen aber nicht die Ursache zu weitgehenden Folgen zu sein, wie sie in der Münchener Post" angedeutet sind. Die„ Augs burger Bolfszeitung" gibt zu, daß sich die Lage ersichtlich zuge. fpigt hat und daß sich Graf Lerchenfeld vor folgenschwere Entscheidungen gestellt sehen könne. Die Dentschrift sei durch den Gang der Ereignisse als erledigt zu betrachten. 500 Prozent Wohnungsbauabgabe. In Deutschland handelt es sich, das muß mit aller Uns fann gar nichts Angenehmeres gefchehen, als daß Schärfe gesagt werden, nicht um Einzelerscheinungen in den uns Gelegenheit geboten wird, das Münchener Schreckens- und Betrieben, die lokal geheilt werden könnten, sondern um all- Fehlurteil in öffentlichem Gerichtsverfahren an den Branger gemeine voltswirtschaftliche Krisenerschei zu stellen. Im Falle Dreyfus, dem der Fall Fechenbach) immer nungen. Es ist die unaushaltsam fortschreitende Ent- ähnlicher wird, hat die französische Realtion ja auch zunächst wertung der Mart, die alle Verbesserungen, Lohn- die Kritif durch Anflagen einzuschüchtern versucht. Emile Der Wohnungsausschuß des Reichstages hat in seiner erhöhungen, Errungenschaften des gewertschaftlichen Kampfes Bola, Scheurer- Kestner usw. wurden wegen ihres Kampfes für geftrigen Sigung beschlossen, dem Plenum die Annahme der zunichte macht. Gegen die Entwertung der Mark durch Ar- das Recht vor Gericht gestellt; aber gerade ihre Prozesse haben Regierungsvorlage zu empfehlen, in der die Erhebung einer beiterkontrolle zu kämpfen, ist aber ebenso töricht, wie mit die Entrüstungslawine über den Justizmord ins Rollen ge- Wohnungsbauabgabe in Höhe von 500 Broz. der FriedensPapierfugeln gegen eine Festung schießen. bracht. Imiete gefordert wird. Politischer Ausflug. Bon Bruno Frei. Sonntag um acht Uhr morgens fammelten sich auf dem Bots. damer Platz die heldischen Ausflügler, die Ausflügler ins Heldische. Man merkte es an den zusammengerollten Fahnen, man hat noch nie fleine Kinder ohne Fahnen Helden spielen gesehen! unter den Mäntein hervorlugien. 11 zufügen, daß das deutsche Brettl viel schwerere Aufgaben zu lösen| Schwarzen fraß. Mit ganz auserlefenen Landschafts- und Tier hat, falls es überhaupt eine inftierische und nicht bloß eine erotisch aufnahmen wartete der Bortragende auf. Im Film wurde man aufgemachte Geftangelegenheit sein will. Es muß natürlich die Zeit dann mit der Eisenindustrie der Eingeborenen bekanntgemacht. Man spiegeln und tann sich nicht ins Nirwana des Deforativen flüchten. fah die Hochöfen aus Lehm, die man nach jeder Beschickung ertalten Also Spott, Ironie, Satire? Ja, aber nur feine, die die Kunden läßt, ebenso erblickte man die Baumwollindustrie der Eingeborenen vertreibt. Politik? Ja, mit antirepublikanischen Spitzen. Das und die Baumwolle in ihren wechselnden Schicksalen vom Felde bis zahmgeworbene Größenwahn" bäntel von Gustav Gründum fertigen Kleid. Schomburgt gedenkt Dezember wieder nach die gens verzichtet ganz auf den politischen und zeitfatirischen Ein- Liberia zu fahren, wo man feinen Deutschenhaß tennt. Das ist schlag und gibt nur Unterhaltsamfeiten: fleine Szenen und Chan- ja auch erflärlich, denn die Leute dort lernten ernste Forscher, tiefDraußen lachte das herbstliche Land unter der warmen Lieb- fons. Sein Schlager ist die Beruffung der Wandervögel, benannt gründige Wissenschaftler fennen, die sich wohl immer, wenn die Verfosung der Sonne, lachte das traurige Lächeln des Herbstes, das der neue Mensch", von ihm selbst mit Ese Ehser, zum Quieten hältnisse nicht gar zu widerwärtig sind, durchfeßen werden. Unend die reife Frau so schön macht, wenn sie den Bärtlichkeiten ihres luftig herausgebracht. Daneben ein paar gute Coupletfänger: lich geschadet haben hem deutschen Ansehen aber die Herrchen, die jugendlichen Freundes lauscht. In verspäteter Schönheit nahm der Harald Bauffen und Erich Walter. wegen und Weiberarschichten Deutschland verlassen mußten Garten von Sanssouci Abschied vom Leben, noch ein letztes Mal in und dann„ Kultur" nach dem schwarzen Erdbeil brachten. c. b. die Strahlen der Sonne geschmiegt. Wehmut weht durch den sterbenden Wald, erschauernd ahnt der Mensch, wie das Verwesen Leben ist und das Sterben Auferstehen. Heiterer Friede liegt in der Landschaft; fein Geschöpf und sei es das verworfenste und niedrigste fann sich der Macht der Mahnung entziehen, die im fallenden Laub verborgen liegt. Doch vom Neuen Balais her gröhit ein Chor: Fest steht und treuuu, die Waacht, die Waaaacht am Rhein. Die Wilde Bühne", die unter Trude Hefterbergs Prinzipalschaft steht, hat fich ein neues expreffionistisches Milieu zu gelegt und gibt der Szene auch Farben, wenn auch lange noch nicht genug. Bizig, viel gewandt und in manchen Sätteln gerecht ist der verantwortliche Hausdichter: Walter Mehring. Er hat Schmiß, Ein- und Ausfallsfreudigkeit und padt Stimmungen des Tages. Aber als Vortragender ist er nur zweiten Ranges. Die Musil besorgt anschmiegsam W. N. Heymann. Die echteste der Brettikünstlerinnen ist hier Trude efterberg selbst; aus ihren Die menschlichen Grammophonplatten sind aufgezogen. Gesten und Blicken fichert verführerische Schelmerei. In LandsEin Zug kommt durch die Allee. Die Fähnlein sind entfaltet: frechts und Soldatenliedern entwickelt Räthe Rühi raffiges Tem schwarzweißrot und schwarzweiß. Mit Gott für Kaiser und Reich! perament. Famos ist Friz Kampers als Urbaner in feiner Bierjährige Krieger zufünftige natürlich! irippeln hinter Barodie auf die Oberammergauer. Dora Paulsen bringt den heldenhaften Gymnasiasten. Zum feierlichen Stechschritt sind die Berliner Chanson zu Ehren, zierlich und zärtlich. Spielmannspoefte Beine zu kurz. Schwestern und Mütter trotten hinten nach, für und Bauerntänze führten Aders- Garden vor. Wilhelm Bendom alle Fälle. Es könnte einer der niedlichen Jungen die Nase ist als Plauderer voller Scharm, als Darsteller einer besseren Sache" geputzt haben wollen. Oder sonst was. geht er bart an die Grenzen des Vor einem fleinen Rundbau stehen viele Menschen. Bolizisten Möglichen. Endlich: Szenen, in denen Meinhart Maur eine ber Republik schreiten auf und nieder. Einer antwortet auf meine groteste antimilitaristische Vision von Scheerbart mit Wucht und Frage, was das fei, mit gedämpfter Stimme und strenger padendem Rhythmus geftaltet oder als angeflagter Mörder der Miene: Da liegt die Kaiferin!" Berhaftet wurde ich nicht, Juftiz, der Gesellschaft und den großen Schlächtern bissige Wahr weil ich sofort tegütigend nachwies, daß ich hier fremd sei. Sum heiten fagt. erstenmal in Potsdam! Die Wilde Bühne" gibt vieles, aber sie fönnte mehr geben, wenn sie stärkere Abwechslung( statt des einen Mehring) und einen ganzen Kerl brächte. Es braust ein Ruf, wenn auch nicht wie Donnerhall, aber doch, nämlich vom Turm der Garnisontirche. Achtundvierzigmal des Tags predigt das Glockenspiel dem deutschen Volk: Ueb' immer Treu' und Redlichkeit!" und es nügt nichts. Auf dem Bahnhof werden die Fahnen doch wieder eingerollt und vorsichtshalber unter den Mantel gesteckt, wo sie schließlich auch ganz gut aufgehoben sind. Noch einmal und noch einmal füßt die Sonne den Wald. Eie leben einander so sehr und vollen den Abschiedstag auskosten bis zur Neige. sind die beften! Die Hakenkreuziprechplatten gröhlen nur noch aus der Ferne. Die Natur lacht. Ban und Nymphe tichern. Ihr glaubt es nicht. Ich hab's gehört. Und bin doch traurig. männliche Rototten d. Hans Schomburgt, der, einer Forschertätigkeit hingegeben, 17 Jahre in Afrifa weilte, hielt in der Urania einen Vortrag über Liberia. Frisch, anschaulich und überaus lehrreich sprach er von diesem Meinen Lande an der Nordwestküste des schwarzen Erdteils. Er machte eine scharfe Trennung zmifchen den Liberianern und den Eingeborenen. Die Liberianer find Schwarze, die, von den meri fanern gewaltsam zur Auswanderung gezwungen, ohne Anlehnung an ein Mutterland Liberia eroberten. Liberia ist frei, es hat einen Präsidenten, Etaatsminister, 13 Unterhaus und 9 Oberhausmit glieber. Staatsform, Häuferbau, die Fahne und noch manches andere lehnen fich dem amerikanischen Muster, an. Die Regenzeit ist in Liberia besonders schlimm, denn es regnet jeben Eag 24 Stunden 7 Monate lang. Der ewige Regen ist natürlich auch Forschungsreisen nicht zuträglich. Intereffant waren ferner die Schilderungen Berliner Kabaretts. Die Kenner find darüber einig, daß die der Erlebnisse am Kongo. Man fah Bilder von der Kongo- Bahn, der russischen Kabaretts in Berlin mehr Elil, Charakter und Einheit man nachsagt, daß sie bei ihrer Entstehung auf jedem Kilometer das fichkeit haben als die deutschen. Gerechterweise muß man aber hin-| Leben eines Weißen und auf jedem Meter das Leben eines Der unbekannte Reichspräsident. Eine schier unglaubliche Postgeschichte erzählt Stefan Großmanns Tagebuch": Einen Brief mit der Adresse An den Herrn Reichspräsidenten Ebert" hat die Berliner Boft fürzlich mit dem Bermerk zurückgehen laffen: Ohne nähere Adressenangabe unbestellbar." Der in Berlin tatsächlich vorhandene Herr Ebert ist für gewisse Posibeamte also nicht vorhanden. Um so bemerkensmerter, daß der in Berlin tatfächlich nicht mehr vorhandene Wilhelm II. für die gleiche Kategorie von Bofibeamten gottlob noch immer vorhanden ist. Dieser Tage fam eine Karte aus Belgien an, französisch, wenn auch falsch geschrieben. A monsieur l'Empireur" lautete die Anschrift: ge deichnet war fie" Un homme avec deux femmes". Der Inhalt war wirr, faum richtig zu entziffern, es sprach ein Geisteskranker daraus. In diesem Falle verstand der Boftmann nicht nur die fremde Sprache, er ergänzte diensteifrig sogar selbst die Adresse mit dem für das frühere Hofpoftamt durchaus zutreffenden Tintenstift vermert Berlin C. 2, Schloß". Leider befindet sich in Berlin C. 2, Schloß, nicht mehr das Hofpoftamt, sondern das Institut für angewandte Psychologie, Direktor Brofessor Otto Lippmann. Das war also die geeignetste Instanz, Betrachtungen über die Geistesver faffung nicht nur des belgischen Schreibers, sondern auch des deutschen Bostmenschen anzustellen. " " Eine Borrede Poincarés zu den Geschichtstabellen Er- Wilhelms. Der franzöfifche Berleger Alfred Cestes hat den Verlag der befann ten Beschichtstobellen" Kaiser Wilhelms für Frankreich über. nommen. Er bringt zu gleicher Zeit und im felben Format eine Antwort heraus, die von zwei franzöfifchen Historifern Charles Appuhn und Pierre Renouvin verfaßt ist. In dieser Gegenschrift werden die von Wilhelm angeführten Zeugnisse fritisch beleuchtet. zu dieser Widerlegung hat nun Poincaré ein Vorwort ge schrieben. in dem er darzutun fucht, daß die Geschichtstabellen" auf geschichtliche Wahrheit feinen Anspruch machen können. Man scheint die Stilübungen unferes Berflossenen in Frankreich ernster zu nehmen als in Deutschland. Wir tennen ihn beffer. 30. April au spielen, ist jest in der Lage, ihre Spielzeit im Theater des Die Große Boltsoper, die zunächst nur die Absicht baite, bis Bestens auf den nächsten Sommer auszudehnen. Neu hinzutretende attienzeichner erhalten infolgedessen noch Stammüte. Die Ausgabe neuer Zeichnungsscheine erfolgt Monbijouplak 7 und im Bureau des Theaters des Beftens, Rantstr. 9. Die Reise der Reparationskommission. Paris, 25. Oftober.( WTB.) Unter den Delegierten der Ne parationstommiffion, die am Sonntag nach Berlin abreisen, befinden sich nach einer Havas- Meldung Barthou, Bradbury, Salvage Raggi und Delacroig mit sämtlichen Beisitzern. Mit ihnen reift der Generalsekretär der Kommission und einige Beamte, im ganzen 15 Personen. derung zu erfüllen. Bor, einer ablehnenden Antwort beabsichtigt der Ranzler, am Sonnabend mit Führern der Industrie in Verbindung zu treten, um die zahlenmäßigen Unterlagen für die ablehnende Antwort zu gewinnen. Um unser Wirtschaftsleben im Gang zu er halten, um Eisenbahn, Gas- und Elektrizitätswerte genügend zu verforgen, ist in den letzten Monaten für 8 bis 9 Milliarden Papiermart ausländische Kohle eingeführt worden. Unter diesen Umständen würde die Erfüllung der Forderungen der Entente den Zusammenbruch unseres gesamten Wirtschaftslebens bedeuten. Regelung der Ausgleichszahlungen. Wirtschaft Währungsstüßung oder was sonst? das Gold der Reichsban! zur Stützung der Währung heranEine außerordentlich fachliche Würdigung findet die Frage, ob gezogen werden soll, in einem Leitartikel der" Frankfurter Zeitung". Nachdem sie den Widerstand der Reichsbantleitung gegen die Berwertung eines Teiles des Goldes zu Währungszweden beleuchtet hat, schreibt sie: Nach Bariser Meldungen soll der Berliner Aufenthalt der Res parationsfommiffion ein bis zwei Wochen dauern. Journal" Jchreibt: Barthou, der wirkliche, so notwendige und so unge. Im ganzen ist es eine Frage der Entschlußfähigkeit und buldig erwartete Ergebnisse erzielen will, hat gewiß nur widerDas von den Vertretern des Reichsausgleichsamts mit den Ber- des Mutes. Es handelt sich um ein verzweifeltes Mittel, um einen willig die Reise nach Berlin angenommen. Er hat durch seine tretern der allierten Ausgleichsämter am 21. Oftober unter Vor- letzten Verfuch. Und niemand vermag zu garantieren, daß der VerAbstimmung nicht die Einmütigkeit verhindern wollen, gibt sich aber behalt der Ratifikation vereinbarte 21 blommen über die fünftige juch gelingen, daß nicht schließlich die Flut auch noch diefe letzte sehr wahrscheinlich keinen 31fusionen über die abfolute 23 i regelung der Bahlungen im Ausgleichsverfahren und die große 2itempause, die wir unbedingt brauchen, rechtzeitig und Barriere überspülen werde daß die Neuregelung der Reparation fungslosigkeit dieses Beschlusses hin. Wenn die Repara- bat im wesentlichen folgenden Inhalt: Deutschland ist bis zum 10. Juli 1923 von jämflichen Barin der richtigen Weise fommen werde. Niemand vermag das zu tionstommission nach Berlin geht, wird sie eine leere Staffe zahlungen im Ausgleichsverfahren befrelt. Zur Begleichung der noch garantieren. Aber diejenigen, die deshalb das Wagnis ablehnen, feststellen. Nicht die deutsche Regierung wird ihr die Mittel be- müssen Antwort auf die Frage geben, was sie denn ihrerseits zeichnen, die zum Nutzen Frankreichs ausgenügt werden könnten. bes kompromiffes auf 24,2 Millionen Pfund Sterling geschätzt wird, Deutschland werden soll, wenn wir in fetischistischer Anbetung umgedeckten deutschen Debetfalden, deren Umfang vorläufig im Wege an positiven Mitteln vorschlagen, und was aus Im ganzen hat man einige Tage verloren.- Petit Jour verpflichtet sich die deutsche Regierung, Schaganweifungen in Höhe benn darum handelt es sich vor dem Goldschatz liegen bleiben und nal" sagt, die Entscheidung bedeute augenscheinlich ein Rom pro- dieses Gesamtbetrages auszustellen, die vom 10. Juli 1923 an bis untätig den Wagen dem Abgrund weiter zurollen lassen, bis es den miß zwischen der französischen und der englischen These und sei zum 10. Oftober 1928 in monatlichen, von 300 000 Bfumd allmählich untätig den Wagen dem Abgrund weiter zurollen lassen, bis es den deshalb für die Beziehungen der beiden Länder unter dem neuen bis auf 500 000 Pfund ansteigenden Teilbeträgen fällig sind. Die Siegern endlich belieben werde, uns zu retten. Jeder Tag, der jetzt englischen Ministerium ein gutes Vorzeichen. Bradbury hat Shakanweisungen werden bei der Reichsbank hinterlegt, die als ungenügt verstreicht, bedeutet neue Ggpropriation der. erklärt: Wir nehmen die kontrolle an, wenn die Franzosen bereit einzieht. Stellt sich im weiteren Verlauf des Ausgleichsverfahrens expropriiert sind, bedeutet neue Gefährdung der erklärt: Wir nehmen die Kontrolle an, wenn die Franzosen bereit Treuhänder der alliierten Ausgleichsämter die Beträge bei Fälligkeit ienigen Schichten, die ohnehin schon fast tis aufs letzte find, über ihre Ausführung mit Deutschland zu verhandeln, anstatt heraus, daß der deutsche Gesamtschuldenüberschuß den Betrag von großen Boltsmassen, neue Berrüttung der Wirtschaft und fie aufzuzwingen. Das ist die ganze Erklärung der Reise der Re- 24,2 Millionen Pfund Sterling übersteigt, fo werden über den Rest- eine Entstaatlichung des Staates, der, immer unfähiger parationsfommiffion nach Berlin. Das Moratorium, das betrag weitere Schahzanweisungen ausgegeben, die vom 10. November zur normalen Erfüllung seiner Funktionen, nachgerade in ein ScheinBradbury vorgeschlagen und das die französische Delegation formell 1928 ab in Monatsraten von 500 000 fund fällig sind; erweist sich in entgegengesetter Entwicklung die Wirtschaft ihr eigenes Leben leben hineingerät, während unabhängig von ihm und vielfach gerade zurückgewiesen hat, weil es zur Rompetenz der Brüsseler Konferenz dagegen der Gesamtbetrag der deutschen Schuld als geringer, so wer- in entgegengesetter Entwicklung die Wirtschaft ihr eigenes Leben gehört, scheint nunmehr grundsätzlich als eine von der Reparations- den die zu seiner Deckung nicht erforderlichen Schahanweisungen weiter untätig bleiben, nicht Rettung, sondern schlimmstes Berweiterführt. Ueberdies: von den Siegern haben wir, wenn wir tommiffion ins Auge gefaßte Lösung beseitigt. Deutschland zurückgegeben und etwa zuviel geleistete Barzahlungen bar zurückerstattet. Eine Bürgschaft für die Schahz bund angesonnene Entmündigung, hängnis zu erwarten. Die Deutschösterreich von dem Bölkeranweisungen oder eine anderweitige Garantie ist nicht vorge Borschläge Frankreichs an noch mehr die neuesten sehen. die Reparationsfommission zeigen Das Abkommen soll zunächst der Reparationsfommission mit wenn wir sie nicht freiwillig versuchen, ein Zwang, der die es. Was uns droht, ist der 3wang zur Sanierung, Wenige Tage nachdem die preußische Staatsregierung geteilt werden. Für den Fall ihres Einverständnisses ist eine Frist Regierung des Reiches völlig zum Büttel der Sieger und zudem Reich vorgeschlagen hat, angesichts des großen Mangele von sechs Wochen für die Ratifitation durch die beiderseitigen gleich deren Willen auch für die Art und für die Mittel der Saan inländischem Kunstdünger die Landwirte mit dem Regierungen vorgesehen. Db deutscherseits ratifiziert werden fann, nierung maßgebend machen soll: was dann aus der deutschen Wirt teuren Chilifalpeter für das Umlagegetreide zu bezahlen, wird davon abhängen, ob die Regelung der Reparationsfragen die schaft würde, wenn das Ausland entschiede, was aus der Mart tommt folgende Meldung aus Paris, die sich würdig den Möglichkeit einer Erfüllung des Abkommens offen läßt. werden und auf welchem Niveau eine Stabilisierung eintreten oder anderen selbst mörderischen Anschlägen der Politik des gar( ein unvorstellbarer Gedante) ein neues Geld an die Stelle der Bloc national auf die deutsche Volkswirtschaft anreiht: Mart gesetzt werden soll, das mögen sich diejenigen beantworten, beren ganze Weisheit in fatalistischer Untätigkeit besteht. Entschlußfähigtelt und Mut fut uns not, denn wir haben wirklich nicht mehr sehr viel zu verlieren, wir haben auch teine Zeit mehr zu verlieren. Kunstdünger- Reparation! Paris, 25. Offober.( WEB.) 3m ministerrat wurde auf Vorschlag des Landwirtschaftsministers beschlossen, neben den übrigen Sadlieferungen von Deutschland auch den für die franzöfische Landwirtschaft erforderlichen Stidftoff zu verlangen. Neue Kohlenforderungen der Entente. Im Zusammenhang mit einer in der Presse verbreiteten Mel dung über eine Ententenote mit neuen Kohlenforderungen erfährt die Telunion von zuständiger Seite: Eine Note der alliierten Regierungen ist im Laufe des Monats Oktober eingetroffen, die neue Kohlenforderungen an die deutsche Regierung stellt. Am 21. Juli d. J. war zwischen der deutschen Regierung und den Alliierten vereinbart worden, daß in der Zeit vom 1. August bis zum 1. November 1725 000 Tonnen deutsche Kohlen und 25 000 Tonnen oberschlesische Rohle an die Alliierten geliefert werden sollten. Wenn die gesamte deutsche Kohlenförderung 8,3 Millionen Sonnen übersteigt, sollte die deutsche Regierung 20 Broz. des Ueberschusses an die Alliierten abtreten. Nach dem Verluste OberSchlesiens und bei der Haftung der polnischen Regierung war es der deutschen Regierung unmöglich, oberschlesische Kohle zu beschaffen. Unter empfindlicher Schädigung der deutschen Wirtschaft gelang es in den Monaten August bis Oktober 1,6 Millionen Tonnen Kohle an die Alliierten zu liefern. Trogdem traf.Mitte des Monats eine neue Note der Alliierten ein, die außer den vereinbarten 1 725 000 Tonnen Rohle noch 20 Pro3. des Förderungsüberschusses verlangt. Dieser Ueberschuß würde monatlich weit über 200 000 Tonnen ausmachen. Die Reichsregierung fieht sich nicht in der Lage, diese ForOesterreichische Finanzmaßnahmen. Wien, 25. Oftober.( WTB.) Nationalrat. Die Regierung brachte eine Vorlage ein, in der der Finanzminister ermächtigt wird, zur Deckung des Defigits durch Begebung furzfristiger aus den internationalen Sanierungsfrebiten rückzahlbare Schatzscheine Kredite bis 80 Millionen Goldtronen oder deren Gegenwert in Papiertronen zu beschaffen. Der Finanzminister wird gleichzeitig ermäch tigt, zur Sicherstellung dieser Kredite, sowie des vom Nationalrat befchloffenen 750- Milliarden- Kronen- Kredits die Erträgnisse der Zölle und des Tabakmonopols ganz oder teilweise zu verpfänden. In der Begründung diefer Borlage wird erklärt, daß die Regierung mit den österreichischen Finanzinstituten Verhandlungen über die Aufbringung von 100 bis 130 Millionen Goldfronen angeknüpft habe, die schon sehr weit gediehen feien. 30 Millionen Goldkronen übernehmen die österreichischen Kreditinstitute feft, etwa 20 Millionen Goldkronen sollen im Bublifum untergebracht werden, wobei die Banten den Erfolg der Emission garantieren sollen. Eine deutschvölkische Perle. Neuer Prozeß vor dem Staatsgerichtshof. heute der Landwirtschaftseteve Rudolf 3iepte aus Leipzig, 25. Oftober. Vor dem Staatsgerichtshof steht Greifswald, der beschuldigt wird, nach dem Rathenau- Morde einen 5 aftbefeh! gegen die Mörder Rathenaus abgerissen und an feine Stelle ein Spottgedicht folgenden Wortlauts geflebt zu haben: Niedergeknallt ist Walter Rathenau, Die goltverdammte Judensau, Und auch den Dr. Wirth, Haut auf den Schädel, daß es tfirrt. Nieder mit der Republit. Gezeichnet A. G. D. C. Auf die Frage des Borfizenden erwidert der Angeklagte, daß das bedeute: Attiengesellschaft Ober- Confusionsrat. Es ist auch unsere Meinung, daß Deutschland feinen Tag mehr zu verlieren hat, will es ernstliche und entscheidende Maßnahmen gegen die Währungszerrüttung treffen. Die Gleichgültigkeit gegenüber dem Berfall der Mart steht denjenigen schlecht an, die als Sachwalter der Bolts interessen berufen sind, darüber zu machen, daß nicht die Kauffraft der breiten Boltsmassen dem eigensüchtigen Gewinnstreben derer anheimfällt, die sich im Befit fremder Währung befinden und feine Rücksicht auf das Boltsganze fennen. Die deutschen Kohlenbestände und die Reparationslieferungen. Der Reparationsfommission sind fürzlich auf ihr Erfuchen die Zahlen der Bestände an Kohlen der Reichseisenbahn, der Gasund der Elektrizitätswerte amtlich mitgeteilt worden. Die Bestände der Reichseisenbahn beliefen sich am 30. Juni 1922 auf 730 896 Tonnen für 16 Tage; am 31. Juli auf 834 472 Tonnen für 18 Tage; qm 31. August auf 1220 132 Tonnen für 23 Tage. In demselben Zeitraum hat die Reichseisenbahn große Mengen engTonnen, am 31. Juli auf 1293 800 Tonnen; lischer Kohlen angekauft, die sich beliefen bis 30. Juni auf 666 300 am 31. Auguft auf 1890 650 Tonnen. Die Bezüge englischer Kohlen, die als Vorräte für den Winter angetauft waren, sind, wie diese Zahlen ergeben, größer als die Bestände der Eisenbahn. Daraus geht hervor, daß die inländischen Zufuhren nicht einmal den normalen Sommerverbrauch haben decken können und daß hierfür sogar die als Winterreserve gedachte englische Rohle hat angegriffen werden müssen. Bestände an inländischen Rohlen hat so. mit die Eisenbahn überhaupt nicht. Die Zahlen für die Gaswerte lauten: Stand am 30. Juni 1922 389 028 Tonnen; Maria Montessori, die am 27. Ottober in Berlin einen Vortrag am 31. Juli 366 749 Tonnen; am 31. August 470 164 Tonnen. über ihre Erziehungsmethode halten wird, war die erste Bis zum 31. August 1922 hatten die Gaswerte rund 487 000 To. Frau, die in Italien stubiert hat. Als junge Hilfsärztin tat sie an ausländische Kohlen bezogen, also mehr als ihr Bestand am der Psychiatrischen Klinik in Rom Dienst. Unter den ihr anverMit Recht hob der Reichsanwalt herror, daß man den Prozeß 31. August war. Auch hier also das gleiche Bild, wie bei der Eisentrauten Stranfen waren auch eine Anzahl schwachsinniger Kinder. Biepte vor den Staatsgerichtshof gebracht habe, weil einmal gezeigt bahn. Die Elektrizitätsmerte hatten an Bestand von Ende Juni Diesen Kindern zu helfen, war ihr Sinnen Tag und Nacht. Als werden mußte, daß mit der Verfolgung solcher Sachen Ernst gemacht 22 375 354, Ende Juli 357 637, Ende August 457 619. An ausechter Wissenschaftier begann sie ihr Werk damit, daß sie monatelang ein Urteil des Etaatsgerichtshofs als durch das eines lokalen Gerichts vom 1. Jaruar bis 31. August 1922 bezogen: 280 400, außer den wird. Das kommt der Deffentlichteit in ganz anderem Maße durch ländischen Kohlen haben die Elektrizitätswerte in dem Zeitraum vom frühen Morgen bis zum Abend mit, den Kindern zusammen war, aber nichts anderes tat, als sie scharf zu beobachten. Gie er zum Bewußtein, das über einen gewiffen Umkreis faum hinaus von den füddeutschen Werken bezogenen Saarfohlen, über die fannte, daß der Weg zu ihren Seelen und zur Entwicklung ihres bringt. Der Wirtschaftseleve Biepte ist ein verheßter, dummer, leicht Bahlen noch nicht vorliegen. Diese Zahlen ergeben mit erschreckenVerstandes nur über die Entwicklung ihrer Sinne führen fonnte. finniger Junge, Portolaffendefraudant und nationaler Held, ein Pro- der Deutlichkeit, daß der notwendigste Inlandsbedarf schon im Und sie erdachte schöne Spielzeuge, die so beschaffen waren, daß Be- duft völlischer Erziehung, die er in der Arbeitsgemeinschaft Roßbach Sommer nicht durch inländische Zufuhr an Kohlen hat gedeckt Und sie erdachte schöne Spielzeuge, die so beschaffen waren, daß Beund auf den Hörsälen genoffen hat. Er schämt jich nicht, zu behaup werden können, weil die Kohlenproduktion in einer dem Bedürfnis fchäftigung mit ihnen gleichzeitig Sinnesübungen waren. Nach einer ähnlichen Methode, die die junge Aerztin während ihrer weite- ten, daß er die rohe Beschimpfung eines Toten und die des Landes nicht Rechnung tragenden Weise zu Reparationsliefe ren Arbeit mit den Kindern fand und entwickelte, fernten sie bald Aufforderung zuan Mord als einen Scherz aufgefaßt hat. rungen hat verwandt werden müssen. Es ist darum um so unverauch schreiben, lefen und rechnen. Nach zwei Jahren wurden die Der Staatsgerichtshof fällte nach einhalbstündiger Beratung Ständlicher, daß die neueste Feftiehung der Entente des monatlich zu Kinder mit gleidhaltrigen Kindern der Boltsschule zusammen geprüft, folgendes Urteil: Der Angeflaate wird wegen Abreißens des öffent liefernden Rohlenquantums troß diefer einleuchtenden Zahlen nicht und die kleinen Schwachsinnigen standen in ihren Kenntniffen nicht lichen Haftbefehls gegen die Mörder Rathenaus wegen Bergehens nur nicht eine Herablegung des bisherigen Quantums, sondern sohinter ihren glücklicheren Altersgenossen zurück. Die Prüfungs- gegen den§ 5 der Verordnung zum Schuße der Republik sowie des gar eine Erhöhung auf 1950 000 Tonnen monatlich vorsieht. tommission sprach der erfolgreichen Lehrerin ihre bewundernden§ 6 des Gesetzes zu einer Gesamtstrafe von neun MonaGlüdwünsche aus, aber Maria Montefiori war mehr erschrocken als ten Gefängnis, von denen drei Monate auf die Untersuchungsmitteln seit einiger Zeit von der Reichsbant nicht voll befriedigt wer Gegen die Zahlungsmittelnot. Da der Bedarf an Zahlungs erfreut. Wie ist es möglich, fragte sie sich, daß meine armen Kleinen haft angerechnet werden, verurteilt.. Aus der Urteilsbegründung ist den fann, ist zur Beseitigung der erneuten Zahlungsmittelnot, die Die normalen Kinder in ihren Schulleistungen einholen, zum Teil zu erwähnen, daß der Staatsgerichtshof Bös willigkeit bei besonders in den Industriegegenden, aber auch sonst start auftritt, fogar überflügein fonnten? Schlägt man denn beim Unterricht der Begehen berat angenommen hato Die außerordentliche Roheit vom Reichsfinanzminister die Ausgabe von Notgeld durch Ge normalen Kinder einen falschen Weg ein? Dieser Gedanke ließ fie der Gesinnung eine Borstrafe des Angeklagten fielen meinden und größere Werke, auf deren Antrag in zahlreichen Fällen nicht mehr los. Go entschloß fie fich, ihren Beruf aufzugeben und erschwerend ins Gewicht. die Erziehungswissenschaften zu studieren. Reifen durch Deutschland, Frankreich und England unternahm sie zu dem 3wed, alle Einrich tungen, die in diefen Ländern für die Erziehung und den Unterricht normaler Kinder getroffen waren, zu stubieren. Sie fehrte nach Rom zurüd, und mit der gleichen Liebe und Geduld, die sie einst den kleinen Böglingen in der Universitätsklinik zugewandt hatte, begann fie die normalen Rinder in den Kinderheimen der Gesellschaft für gemeinnütziges Bauwesen" zu beobachten. Mit diesen Kleinen erarbeitete sie die Erziehungs- und Unterrichtsmethode, nach der jetzt in allen Ruſturländern, bis nach Indien und Japan, hin, Kindergärten und Schulen eingerichtet werden. Die meisten und die am besten ausgebauten Schulen nach dem Montessori- Brinzip haben Holland, England, die Bereinigten Staaten und Spanien. Dreiviertel Milliarden Dollar Schaden durch einen Käfer. Das amerikanische Aderbauministerium veröffentlicht eine Schäßung, der zufolge der durch den Baumwollwurm verursachte Schaden bei der Baumwollernte von 1921 auf 750 Millionen Dollar angegeben wird. Es ist die gemaltigste Schädigung, die bisher durch dieses gefrähige Infekt hervorgerufen wurde. Der Baumwollwurm ist ein fleiner, graugrüner Käfer von etwa ein Biertelzoll Länge; er 1 Dollar wanderte aus Merito in die Bereinigten Staaten ein und machte 1 französischer Frank ich zum ersten Male im Jahre 1893 in den Baumwollfeldern von 1 brasilianischer Milreis Teras bemerkbar. Dann ist er Jahr um Jahr weiter nordwärts 1 Schweizer Frank. gewandert und hat den amerikanischen Baumwollfeldern bereits un- 1 fpanischer Beseta geheuren Schaden zugefügt. 100 österr. Stronen( abgeft.) 1 tschechische Krone Wilhelm Bode, der Goethe- Forscher, ist in Weimar infolge eines Straßenunfalls verstorben. Seine Arbeiten waren dem Leben Alt Weimars, foiveit es sich um Goethe gruppierte, und dem intimen Lebensbilde Goethes gewidmet. Devisenkurse. 1 holländischer Gulden 1 argentinischer Papier- Beso i belgischer Ftant. 1 norwegische Krone 1 dänische Krone. schwedische Strone 1 finnische Mart. 1 javanischer gen 1 italieniste Lire 1 Pfund Sterling 25. Oftober 24. Oktober Käufer Verkäufer Käufer Berkäufer ( Geld-)( Brief-)( Geld-)( Brief-) Kurs Sturs Kurs Kurs genehmint morden. Wie der preußische Minister des Innern durch eine Verfügung befanntgibt, hat der Finanzminister genehmigt, daß die Regierungshaupttaisen und deren Sonderlaffen auch dieses Notgeld als vollgültiges Zahlungsmittel annehmen. Das Notgeld ist nur im örtlichen Zahlungsverkehr zu verwenden und möglichst häufig bei den Ausgabestellen in Reichsgeld umzuwechseln. Dagegen ist es nicht zufäffia. zum Umwechseln von Reichsneld in Notgeld besondere staatliche Mittel aufzuwenden und diese als Vorschuß zu führen, Zur Annahme des Notooldes bei Zahlungen aus den staatlichen Kassen ist niemand verpflichtet. 1745.62 1754.38 1720 68 1729.32 1603 48 1611.52 1581.03 1588.97 Sta te Preissteigerung für Walseifen. Der Richtpreisausschuh 291.76 293.24 279.30 280.70 des Deutschen Stahlbundes hat die Gifenpreise start herauf 800.804.785.53 789.47 gefekt und zwar den Thomasstabeifenpreis um 17 070 892.76 897.24 883.78 888.22 gleich 21 Proz. des bisherigen Preises. Diefes foftet jegt 98 270 m. 1192.- 1198.- 1174.05 1179.95 oder etwa den 1000fachen Borkriegspreis. 106.93 107.47 103.74 104.26 2139.63 2150 37 179.55 180.45 179.55 180.45 2119.68 2180.82 Stürmische Preisfteigerung für Häute. Die in Hamburg abgeheltene Auftion der Norddeutschen Hänteverwertung, die teilweise 19850.25 19949.75 19800.87 19699.18 fehr stürmisch verlief, ergab für Großviehhäute durchschnitt. 4408.95 4431.05 fich dreifach erhöhte Bretfe gegenüber September. 311.71 813.29 Pro Pfund wurden bis über 700 Mark bezahlt. 4463.81 4486.19 5.88 491.23 809.52 Erhöhung der Zuschüsse zum Berufsschulwefen. Die fortschreitende Entwertung des Geldes hat auch das Berufsschulwesen 674.19 in Bedrängnis gebracht. Um die Heranbildung eines feistungsfähi5.92 gen Nachwuchses für Industrie, Handel und Gewerbe ficherzustellen, 142.64 143.36 hat der preußische Handelsminister eine erhebliche Erhöhung 1.78 ber ftaatlichen Zuschüsse für die Berufsschulen in Aussicht gestellt. 30.95 Die Mittel sollen den Gemeinden so schnell wie möglich überwiesen 1 ungarische Strone 1 bulgarifcher Lewa 317.20 318.80 493.76 496.24 817.95 822.05 681.29 684,71 6.03 6.07 144.13 144.87 1.76 1,78 28.92 29.08 488.77 805.48 670.81 30.80 100 Bolenmart galten im freien Verkehr etwa 85 M. 1.71 werden. Gewerkschaftsbewegung Deputat und Barlohn. müssen. tragt, den Schlichtungsausschuß anzurufen. Da infolge des tariflosen Zustandes ein Vertragskontrahent im Sinne der Berordnung über Tarifverträge nicht vorhanden ist, werden sämtliche Mitglieder des Bdal. einzeln vor den Schlichtungsausschuß geladen werden Vom Vorstand des Deutschen Landarbeiterverbandes wird uns Wenn die Mitglieder des BDA. glauben, daß sie Sonderabgefchrieben: tommen mit den einzelnen Angestellten treffen fönnen, so werden Im ,, Berliner Tageblatt" hat Dr. August Müller in drei Artikeln sie hierbei auf den allerschärfsten Widerstand stoßen. Die Angestelldie Frage Valuta und Leuerung" behandelt. Im Schlußabsah des ten des Architekturgewerbes betrachten nach wie vor den Tarifverletzten Artikels vom 14. September 1922 beschäftigt sich Dr. Müller trag als die einzig mögliche Regelung ihres Dienstverhältnisses und mit den Naturalbezügen der landwirtschaftlichen Arbeiter. werden durch solidarisches Handeln den Arbeitgebern beweisen, daß Ganz allgemein wird gegen den Ueber verbrauch an Naturalien die Zeiten des Herrn- im- Hause- Standpunktes endgültig vorbei der Landwirte dung genommen, besonders aber gegen die sind. Deputate landwirtschaftlicher Arbeiter. Dr. Müller vermißt eine einheitliche und gleichmäßige Regelung der Mengen an Deputat in den Tarifverträgen. Dies ist nicht möglich, weil nach alten Ueberlieferungen in der Landwirtschaft ganz verschiedenartige Entlohnungsformen seit jcher üblich find Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß ein sehr erheblicher Teil der landwirtschaftlichen Arbeiterschaft überhaupt tein Deputat bezieht. Denn es gibt auch einen großen Teil landwirt fchaftlicher Arbeiter, der überhaupt nur Barlohn bezieht. Auch ist zu beachten, daß die große Zahl der Knechte und Mägde neben einem geringen Barlohn nur die freie Station hat. Die Mengen an Deputatgetreide und Kartoffeln sind in allen Tarifen für das Jahr berechnet. Dies ist nicht flar und deutlich betont in der Abhandlung von Dr. Müller. Es ist ferner falsch, wenn gesagt wird, Deputate bis zu 50 Zentner Getreide kommen nicht sehr selten vor. Diese hohe Deputatmenge ist in Bommern und Mecklenburg- Strelitz zu verzeichnen. In Medlenburg- Schwerin werden 41 Zentner Getreide gewährt, in Dipreußen 35 Zentner, in Schlesien nur 20 3entner, in der Ostpriegnig nicht 36, fondern 26 Zentner, in der Provinz Sachsen, wo wir bekanntlich die intensivste Landwirtschaft haben, nur 12 Zentner Getreide, alles pro Jahr berechnet. Der Barlohn, der an die Landarbeiter pro Jahr gewährt wird, ist verhältnismäßig niedrig; in Ostpreußen 3. B. 2400 m. pro Jahr, wozu 30 Proz. Zu flag fommen, die ab 1. Juli 1922 bewilligt wurden. Dachdecker und Baugewerksbund. Der Zentralverband der Dachdecker hat eine Urabstimmung über den Anfdy uß an den Baugewerisbund vorgenommen. Obgleich das Verbandsorgan seit Monaten für die Verschmelzung mit dem Baugewerbsbund eintrat und obgleich schon auf mehreren Verbands tagen die Gimmung der Delegierten für den Anschluß an den Baugewerfsbund war, haben die Mitglieder bei der Abstimmung den Anschluß abgelehnt. Bon rund 13 000 Angehörigen des Dachdeckerverbandes haben allerdings nur 7105= 55 v. H. von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht. Devon stimmten 3173 für den Anschluß. 3910 dagegen; der Rest der Stimmen war ungültig. Da noch nicht einmal eine einfache Mehrheit zustandegekommen ist, so ist vorläufig noch mit einer großen Geanerschaft der Verschmelzung zu rechnen. Bemerkenswert an der Abstimmung ist, daß der größte Teil der kommunistischen Mitglieder mit ein gestimmt hat und eine große Bahl deshalb gegen den Anschluß stimmte, weil noch eine Anzahl baugewerklicher Berufe, darunter besonders die Z3im merer, nicht mit in den neuen Bund gehen. Die Konferenz verurteilt dieses Vorgeben der fommus niitischen Betriebsräte mit aller Schärfe, weil es offensichtlich nur den Zweck hat, als Agitation für die Kommunistische Partei und deren Ziele zu dienen und ist der Meinung, daß in der beutigen Zeit jede Bersplitterung bermieden und die Sammlung aller freiheitlich gesinnten Kräfte der Arbeitnehmer oberstes Gebot sein muß. Amerikanische Unternehmerpolitik. Gegen den Plan einer weiteren Einschränkung der Ein wanderung, der dem Einwanderungskomitee des Repräsentanten hauses bereits vorgelegt worden ist, haben die Arbeitgeber eine Bewegung ins Bert gefeßt, um zu erreichen, daß fünftig die Zahl der nach den Vereinigten Staaten Zugelassenen über die Quote: von 3 Proz. wieder heraufgesetzt werde. Den Stahlwerken, den Kupferbergwerfen und schmelzen und anderen Industrien, die vorBugsweise zugewanderte Arbeiter beschäftigen, ist es sehr um eine stärkere Beschichtung des Arbeitsmarktes zu tun- begreiflicherweise, nachdem es ihnen immer schwerer fällt, ungelernte Kräfte für die schwere Arbeit in ihren Betrieben zu gewinnen, die auch unter den noch immer recht zahlreichen Neuankömmlingen wenig Gegenliebe mehr findet. Hierin ist auch die Erklärung zu suchen für die zum 1. September, wie es schien, ganz aus freien Stücken erfolgte unvermutete Lohnerhöhung des Stahltrustes für seine sämtlichen Arbeiter Es stellte sich nämlich heraus, daß der Trust einerseits eine Abwanderung von Arbeitern feststellen und anderseits mit der nicht mehr sehr fernen Wiederkehr einer Hochkonjunkturperiode rechnen mußte. Als einziges Mittel, seine ungelernten Arbeiter zu halten, blieb ihm nur die Lohnerhöhung. Forderungen der Beamten. Im Reichsfinanzministerium sprach am Mittwoch vormittag eine Delegation der Spizenorganisationen der Beamten vor, um die Anberaumung neuer Teuerungsverhandlungen zu beantragen. Der Vertreter des Reichsfinanzministers Ichnte es ab, einen Verhandlungstermin festzusehen und begründete diesen Standpunkt unter Berufung auf die demokratische Staatsform damit, daß des Ministerium nicht über die vom Reichstag für den Oktober fest efekten Zulagen hinausgehen könne. Die Vertreter der Spiken= organisationen werden ihren Vorständen Bericht erstatten und wahrscheinlich schon in den nächsten Tagen über die zu ergreifenden Maßnahmen Beschluß faffen. Erhöhung der Bergarbeiteriöhne. Jm Reichsarbeitsministerium wurden am Mittwoch die Berhandlungen über die Erböhung der Bernarbeiter löhne fortgefeßt, nachdem fich am Dienstag eine ge mischte Kommiffion mit der Frage beichäftigt hatte. Die Berband lunen baben den ganzen Tag in Anspruch genommen und waren in später Abenditunde noh nist zum Abschluß gelangt Der Streit bei der Firma Krupp ist beendet. Die Arbeit wird, Af- Mitglicher ber Selsindustrie. Freitag, 27, Oftober, abends 7 Uhr, int Sochzeitsfacl der Sophien- Säle, Perlin CO., Sophienstr. 17/18, Bersammlung. Verband der B binder und Papiervera beiter. Alben Mappen und Galanteriebranche: Heute nachmittcg 5 Uhr bei Wilte, Sebastianstr. 39, Ber trauensmännerfißung cemeinsam mit den Sattlern. Tagesordnung: Neue Lohnforderungen und Bericht von den Tarifverhandlungen. Erscheinen aller Vertrauensmänner erwartet bestimmt die Branchenleitung. Deutscher Verkehrsbund und Betriebsrätefongreß. Gine am 23. Oftober vom Deutichen Verfehrsbund in Berlin abgehaltene, aus allen Bezirken des Reiches beftiate Konferenz des Beirats, des erweiterten Beirats und der Vorsitzenden Es würde zu weit führen, aus dem komplizierten Entlohnungs- der Bezirfsräte für Betriebsvertretungen, die zur Regelung organis system in der Landwirtschaft noch Einzelheiten hier anzuführen. fatorischer Fragen über die Zusammenfassung der Betriebsräte und Lr. Müller fagt: Hoffentlich haben die Führer der Landarbeiter Betriebsobmänner im Deutschen Berkehrsbund einberufen war, nahm ein Gefühl dafür, daß das doch nicht weiter geht. Eine Reduzierung unter Punkt Verschiedenes auch zu rem projeft etten fommunistischen wie uns telegraphisch gemeldet wird, beute früh wieder aufder übermähig hohen Naturalbezüge landwirtschaftlicher Arbeiter ist Reichsbetriebsrätefongreß Stellung Nach furzer Aussprache wurde genommen. eine unerläßliche Maßnahme." Dr. August Müller richtet diese Mahnung an eine vollkommen gegen 1 Stimme eine gegen die Abbaltung des Kongresies gerichtete falsche Adresse, denn Vorstand und Gauleiter des Deutschen Resolution angenommen, die in ihren entscheidenden Abschnitten Landarbeiterverbandes sind schon seit langem der Auffassung, wie folat lautet: daß die hohe Deputatgewährung für die Landarbeiter gar nicht in deren Vorteil liegt, sondern nur den Verhältnissen in den einzelnen Bezirken entsprechend angemessene Mengen an Deputat. Das Bes streben des Deutschen Landarbeiterverbandes geht darauf hinaus, möglichst den fast überall noch überaus niedrigen Barlohn der Landarbeiter zu erhöhen. Die hohen Mengen des Deputats find ein Kampfobjett jener Richtung unter den Landwirten, die zum Reichslandbund und wieder ganz besonders zur Richtung des Pommerschen Landbundes gehören. Jene Arbeit gebertreise haben aus zweierlei Gründen heraus die Deputatmengen in den legten Jahren erhöht: einerseits, um die Bandarbeiter in ihre Gefolgschaft zu bringen zum Kampf gegen die Getreides umlage, und ferner, um die freigemertschaftliche Organisation der Landarbeiter zu belämpfen und bewußt einen Gegenfa 3 zwif hen ländlicher und städtischer bzw. industrieller Arbeiterschaft herbeizu führen. In jenen Gebieten Deutschlands: Pommern, Mecklenburg und zum Teil auch Brandenburg, wo die rechtsradikale Richtung des Bommerschen Landbundes ihren Einfluß ausübt, wird die gelbe Bewegung unter den Landarbeitern gefördert, und in diesen Gebieten bestehen auch die höchsten Deputate. Die Konferenz ist der Auffassung, daß die fortschreitende Verelendung der Mossen nicht durch die Einberufung eines Reichsbetriebsrätefongresies aufgehalten werden kann, sondern nur durch weckmäßige, zielichere und instematische Arbeit der Vertreter der Gewerkschaften und politischen Par eien. Aus der Partei. Un die Genoffinnen! = Die Nr. 21 der„ Gleichheit" ist als erste gemeinsame Nummer des Zentralfrauenblettes der geeinten Partei in Gestalt einer Revolutions edent- und Werbenummer erschienen. Sie foftet im Einzelverkauf 6 M. Die Nummer enthält Beiträge befannter Genoffinner Die Konferenz betrachtet die Einberufung des fommunistischen der Bereinigten Sozialdemokratischen Partei., Lore Agnes und Reichsbetriebsrätefongrefies als einen Verstoß gegen die ge- Toni Pfülf erinnern an die Zeit vor vier Jahren. Marie verticaftlichen Grundsäße und erwartet von den Besuchacz legt dar, nas die Sozialdemokratie für die Frauen betriebsräten und Betriebsobmännern des Deutichen Verkehrsbundes, daß fie sowohl die Beteiligung am kongreß wie an Geldsammlungen deutet, Clara Bohm Schuch gibt einen Ueberblick über die politische Lage. Toni Sender nimmt die Stellung der Frau in für denselben entschieden ablehnen." den Gewerkschaften zum Thema. Ueber unsere Sozialpolitik seit 1918 berichtet& uise Schröder. Außerdem werden noch verschiedene andere die Frauen interessierende Fragen behandelt. Auch die Kleinen find nicht vergessen. In der Beilage Kinder-, land" finden sie u. a. ein schönes Märchen und eine Plauderei, die ihnen den Sinn von Krieg und Frieden und Völkervcrföhnung veranschaulichen sollen. Löhne in der Knopfindustrie. In einer Versammlung aller in den Betrieben des Verbandes der Fabrikanten von Metallknöpfen usw. beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen am Montag in der Aula der Sophien- Schule wurde von Frl. Gladosch über den am 19. Oktober vom Schlichtungsausschuß gefällten Schiedssprich berichtet. Der Schlichtungsausschuß war angerufen worden, weil feine Berständigung mit den Arbeit gebern über die Löhne erreicht werden konnte. 6. Oftober bis 2. November erholten: Werkzeugmacher 72 bis 82 m., Dreher, Betriebsfchloffer und Graveure 82 M., Galvaniseure und Gürler 79 M., Scheifer 80 M., Einrichter 73 M., Transport arbeiter 72 M., Brenner und Heizer 77 M., Durchschnitts- und Maschinenarbeiter 72 M., Ausschläger und Kratzer 72 M. und Fallwerfsarbeiter 77 M. Tarifbewegung im Architekturgewerbe. Bom Bund der technischen Angestellten und Beamten wird uns geschrieben: Zwischen dem Bund deutscher Architekten und dem Bund der technischen Angestellten und Beamten ist ein Reichstarifvertrag abgeschlossen worden, welcher am 30. September d. J. ablief. Die Kündigung war vom Bund deutscher Architekten erfolgt. Auf die Anfrage des Bundes der technischen Angestellten und Beamten, ob der B2. bercit sei, einen neuen Reichstarif abzuschließen, erhielt der Bund der technischen Angestellten bisher immer ausweichende und unflare Antworten. Aus einem Rundschreiben des Bundes deutscher Architekten vom 14. Oftober 1922 geht nun einwandfrei hervor, daß der BdA. nicht die Absicht hat, einen neuen Reichstarif ab zuschließen, sondern daß er einen tariflosen Zustand vorzieht. Auch der Borstand des Landesbezirkes Brandenburg lehnt es ab, mit dem Bund der technischen Angestellten und Beamten eine tarifliche Vereinbarung zu treffen. Die überwiegende Mehrzahl der technisch und fünstlerisa tätigen Angestellten des Architekturgewerbes sind jedoch Mitglieder des Bundes der technischen Angestellten und Beamten Jugendliche Arbeiterinnen von 14 bis 18 Jahren je nach und haben ihre Organisation beauftragt, mit allen Mitteln auf die dem Alter 28 bis 36: Regelung der Affordlöhne dahin, daß die Abschließung eines Tarifvertrages hinzuwirken. Aus dem erwähn- bis zum 5. Oftober bestehenden Sätze um 28 Proz. erhöht werden ten Rundschreiben geht hervor, daß vom Vorstand des BdA. regel- bis zu einem Höchststundenverdienst von 62 M.( bei Spikerinnen mäßig die Inderziffern an die Mitglieder des BdA. bekanntgegeben| 64,50 M.) bei durchschnittlicher Leistung. werden sollen, damit diese in der Lage sind, nach eigenem Ermessen Die durch den Spruch gewährten Löhne wurden von den DisDie jeweiligen Gehaltsfäße festzusehen. fuffionsrednern als unzureichende gekennzeichnet. Die Versammlung Die technisch und fünstlersch tätigen Angestellten haben jedoch stimmte schließlich der Annahme unter der Bedingung zu, daß feineswegs die Absicht, sich stillschweigend einer solchen Gehalts- fofort Schritte zu neuen Lohnverhandlungen noch vor dem 2. Nofestsetzung zu fügen und haben deshalb ihre Organisation beauf- Ivember eingeleitet werden. GARBATY Arbeiterinnen bei der Einstellung 48 m., nach einem Vierteljahr 52 M., Affordbasis 52 M.; Epikerinnen 54 M., Asfordbasis 55 M. Jugendliche Arbeiter von 14 bis 18 Jahren je nach dem Alter 29 bis 39 m. Lehrlinae: 3m 1. Jahre 14 M.,. im 2. 16 M., im 3. 18 m. und im 4. 21 m. OITTMANN Die Genossinnen und Genossen haben also das regfte Interesse daran, für möglichst weite Berbreitung dieser Nummer zu sorgen. Vor allem müssen sämtliche Novemberveranstaltungen zur Werbearbeit benutzt werden. Bestellungen sind zu richten an die Buchhandlung Vorwärts, Berlin S. 68, Lindenstr. 3. Genoffinnen, agifiert für unser Frauenblatt, werbt neue Ceferinnen! Berantwortlich für den rebatt. Teil: Bictor Schiff, Berlin; für Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Verlag Vorwärts Berlag G. m. b. S. Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei n. Berlagsanstalt Paul Singer u. Co. Berlin, Lindenstr. 3 Hierzu eine Beilage und Unterhaltungsbeilage Seimwelt". Guter Rat. Cine Geschichte für jung und alf. Sie wollte zur Nachbarin gehen; vielleicht wußte die einen Nat. Deren Kinder waren frisch und lugelrund und den ihren wollte nichts schmecken. Gie betrat die saubere Stube der Nachbarin. Alt und jung saß gerabe bei Tisch und ließ es sich gut schmecken. Ach", jammerte die Frau, wenn doch die Meinen einmal so effen würden". " Ja", sagte die Nachbarin, denen schmeckt es immer; sie wollen auch nichts anderes mehr als Borath". Sennen Sie Poraths Kinder- und Krantennahrung nicht? Das ist die Hafer und ist nahrhaft, eratebig unb billig. Den Erfolg sehen Sie ja!" Go sprach stolz die Nachbarin. Kraftloft für jung und alt in gejunden und franken Tagen; fie schmeckt vorzüglich YORK Xets Qualität! Nr. 506 39. Jahrgang Beilage des Vorwärts Was soll der Junge werden? Donnerstag, 26. Oktober 1922 An üppig grünen Himbeersträuchern fanden wir noch zwei vollreife töstliche Beeren. Wenn dann aber eines Tages das allerletzte Laubblatt herunter ift, dann bleiben uns für den langen Winter unsere ernsten mär fischen Kiefern, hier und da ein paar schöne Fichten und die immergrünen, den Winter überdauernden Sträucher. Mit ihnen haben wir auch im Winter die Jllusion einer grünen, d. h. frischen Natur. Nochmals die Brotkarte. zu ihre Das Arbeitsfeld und die Aufgaben des Berufsberaters. Nach den von den einzelnen Berufsämtern herausgegebenen Werkstatt arbeitet, fommt müde und abgespannt nach Hause und Berichten wird in letzter Zeit der Berufsberatung ein steigendes verspürt feine Luft, mehr, sich viel mit feinen Stinern zu beschäftigen. Intereffe entgegengebracht. Es ist dies ein Beweis dafür, daß Rommt die Entlassung, dann wird auch Rat eschafft sein. Und ist heute, wo die Unsicherheit des gesamten Arbeitsmarktes jo augen die Arbeit der Berufswahl und der Unterbringung in eine geeignete eine Lehrstelle noch nicht gefunden, nn wird schon das Berufsamt Ueber die Durchführung der Verordnung zum Ausschluß der scheinlich ist, die Eltern sich mehr als früher bewußt sind, daß tie Lehrstelle übernehmen. Und wenn nicht, dann wird der Junge eben Befferbemittelten von der Markenbrotversorgung bestehen noch Wahl des Berufes und der Lehrstelle allerwichtigste Faktoren für die Fabritarbeiter oder sonst ungelernter Arbeiter wie der Bater. Man häufia im Publikum Zweifel. Unter anderm wird mitgeteilt, daß Zukunft des Kindes darstellen. Eltern und Jugendliche brixan dark dem Arveiſervater feine Infereſſenotates an der Zukunft feiner vielfach Haushaltung reie Brot Au berweiſen find, für före dem Berufsberater das Vertrauen entgegen, das dieser unbedingt finder verwerfen. Er liebt seine Buben und Mädel ebenso sehr, ordnung auf haben muß, wenn sich seine Arbeit fruchtbringend gestalten soll. Und wie der Vater einer anderen sozialen Schicht. Er will nur ihr Hausangestellten die Brotfarten in Anspruch nehmen und nicht roiederum muß der Berater den Natsuchenden Vertrauen schenken. Butes; aber die Maschine, die aeifttätende Taaesarbeit macht ihn abliefern. Nach Auskunft des Reichsministeriums für Ernährung Und deshalb und Landwirtschaft ist ein solches Verfahren unzulässig und fest Er muß verstehen die Eltern in ihrer Forge um die Zukunft des stumpf und gleichgültig für solche Fürsorgearbeit. Kindes und den Jugendlichen in seinem nach Auswirkung trajtool mus fich der Berufsberater dieser Arbeiterjurend ganz besonders die betreffenden Hausbaltungsvorstände der Gefahr der Bestrafung strebenden, noch in die rechten Bahnen zu leitenden Tatendrange. annehmen. Er muß diefe Jungen noch individueller behandeln, als aus. Haushaltungen sind nämlich entweder in ihrer GesamtEr muß sich hineindenken, hineinfühlen können in die Gedanken er es schon für gewöhnlich tut. Seine ganze Liebe zur Jugend muß beit mit Martenbrot zu veriorgen oder in ihrer Geer diesen Menschenkindern entgegenbringen und ihnen die Bere iamtheit zum Bezug freien Brotes verpflichtet, melt des Jugendlichen. Er muß ewig jung bleiben, stets mit der tungsstelle als einen Ort erscheinen laffen, wo fe nicht nur in beruf- je nachdem das Einkommen des Haushaltungsvorstandes einschließ Jugend leben und seine Beobachtungen an der Jugend wieder der licher Fragen, sondern in allen Angelegenheiten der Jurendnot Rat lich der ihm zuzurechnenden Einkommen der Hausbalt angehörigen Jugend nufbringend machen. So wird sich zwischen Berufsberater und Trost finden fönnen. Um aber diese soziale Not in der Ar- die in der Verordnung gefeßten Grenzen von 30 000 m, und je und Jugendlichen eine Brücke des Verstehens, des Vertrauens beiterjugend und überhaupt in Arbeiterkreisen verstehen zu können, 15 000 überschreitet oder in ihnen bleibt. Es wird daher noc spannen, die auch bestehen bleibt, wenn der Jugendliche seiner Eig- muß der Berufsberater starte Fühlung mit dem Proletariat haben, mals darauf hingewiesen, daß die Haushaltungen die nicht markenbrotberechtigt sind, auch auf die Brotfarten für das Hauspersonal nung gemäß untergebracht ist. Es wird sich dann, wie sich aus der wenn er nicht sogar ihm entstammt. verzichten oder sie, soweit sie diese schon erhalten haben, zurückBragis schon ergeben hat, ereignen, daß der Jugendliche eines Tages den Wunsch hat, seinen einstigen Berater zu besuchen. Und liefern müssen. schließlich ist es ja auch für die Berufsberatung von großer Wichtigkeit, daß sie Gelegenheit hat, das Berufsschicksal des Jugendlichen zu beobachten. Die Persönlichkeit des Beraters. das Vertrauen erweckende Moment. Fragen der Vorbildung. Der Berufsberater muß unter das Volt gehen und seine Not sehen, damit er feine Schwächen verstehen und verzeihen lernt, und seine sittliche Kraft und Stärke bewundern kann, damit er Liebe zu den Menschenkindern empfindet und wieder Liebe und Dankbarkeit empfängt. Die Arbeiterjugend muß er sich ansehen, wie sie tatkräftig und siegesgewiß im Kampfe um das littere Dasein steht, und wie fie mit leuchtenden Augen in die Zukunft schaut, in die Zukunft, die ihr endlich das Menschenrecht bringen soll. Franz Schnelle. Laubriß. * Der neueste Brotpreis. Mit Rücksicht auf die bevorstehende Erhöhung ver Breise für Gas und Elektrizität ist der Magistrat über den Vorschlag der Ernährungsdeputation, betreffend Festsetzung des Großbrotpreises, noch um 50 f. hinausgegangen und bat den Preis auf 99 Mart festgelegt. Den übrigen Vorschlägen( Schrippe 3,50 M., und Weizenfüchenmebl je Brund 31 M.) ist der Magistrat beigetreten. Die neuen Preise treten am 30. Oftober in Kraft. Schwerer Poftraub in Hegermühle. Das Postamt ausgeplündert. Ein ungewöhnlich dreistes Räuberstück hat sich vorgestern abend un das dortige Bostamt drangen plötzlich sechs Männer ein, die Masten trugen und scharfgeladene Pistolen hatten. unter Vorhaltung dieser Waffen zwangen die Räuber die im Boſtamt anwesenden Beamten, sich in ein Amtszimmer zu begeben, wo die Räuber alle einschlossen. Sie drohten den Beamten, daß sie sofort alle niederschießen würden, wenn einer es magen follte, um Hilfe zu rufen oder zu versuchen, zu entfliehen. Sie padten für 3 Millionen Mark Bostwertzeichen und 1½ million Mart bares Geld zusammen und verließen damit das Amt, nachdem sie die Beamten noch angewiesen hatten, sich vorläufig ruhig zu verhalten, da eine draußen stehende Wache sonst jeden er= schießen werde, der es wagen würde, das Gebäude zu verlassen. Wie festgestellt werden konnte, waren die Räuber auf Fahrrädern davon gefahren. Als man später ihre Spur aufnehmen wollte, waren sie längst verschwunden. Da es sich zweifellos um eine Berliner Verbrecher bande handelt, wurde auch die Berliner Kriminalpolizei fofort verständigt. Auf die Ergreifung der Verbrecher und die Wiederbeschaffung des geraubten Gutes wird eine hohe Belohnung ausgefeßt. Die Erfolge in der Berufsberatung find abhängig von der Bersönlichkeit des Beraters. Die Arbeit einer Beratungsstelle fällt mit dem wahren Berufsberater. Für die Beratung der Jugendlichen: st eine bewährte Führernatur notwendig. Und deshalb halte ich auch für die Ausübung der Berufsberatung die in der Jugendbewegung fichenden Führer am geeignetsten, wenn sie sich mit dem gewaltiger. Wissensstoff aus der Nationalökonomie und Rechtswissenschaft( allgeUnter der Bezeinung Oftober fann man sich nichts vorstellen, meine Rechtsfragen, Rechtsverhältnisse der Lehrlingshaltung), Pinchologie und Pädagogik eingehend bekannt gemacht haben. Gerade wenn man nicht lateinisch fann. Otto heift acht. Der altrömische 6 Uhr in Hegermühle bei Eberswalde abgefrielt. In diefe Jugendführer müssen mit der Jugendkunde vertraut sein, wenn Kalender fannte nur zehn ziemlich ungleich lange Monate. begann fie überhaupt Erfolge in der Jugendbewegung und Jugenderziehung mit dem März und schloß mit dem Dezember, der überlegt tatsäch. erzielen wollen, und erscheinen deshalb für die Stellung eines Belich auch der zehnte heißt, wie Oftober der achte. Oft hat man rufsberaters besonders geeignet. Das Alier des Berufsberaters nun verfucht, für die alten lateinischen Monate namen deutiche einscheint nicht so sehr ins Gewicht zu fallen. Jedoch wird eine Berfö- zuführen, und besonders unsere Eprachreiniger geben sich in diefer lichkeit mittleren Alters zu bevorzugen sein, jedenfalls darf er aber weder ein Mummelgreis noch eine sehr jugendliche Person sein. Bei Hinsicht alle erdenkliche Mühe. So kann es leicht geschehen, daß dem einen fehlt der Konner mit der Jugend und bei dem anderen man eines Tages einen Brief mit der Datumsbezeichnung 23. Weinmonds, oder 21. Gilbbarte oder gar 31. Laubriß erhält, ohne daß man etwas damit anzufangen weiß. Denn alle drei sind deutsche Bezeichnungen für das lateinische Wort Oftober. Weinmond ist Und endlich: Aus welcher sozialen Schicht soll der Berufsberater noch am verständlichsten. Gilbhart besagt, daß es der Monat iſt, stammen? Fragen wir uns zunächst einmal, welche Jugendlichen, in dem die Blätter gilben, d. b. gelb werden. Laubrig will iagen, die aus den höheren oder aus den Volksschulen, machen die Haupt- daß das Laub von den Bäumen reißt. Und in diefem Stadium frequenz des Berufsamtes aus? Soweit ich feststellen konnte, über- des Monats sind wir gerade jetzt. Die letzten falten Frostnächte wiegt stets die Zahl der ratsuchenden Boltsschüler um cin Bielfaches. Höhere Schüler kommen seltener in das Berufsamt, weil ihr Lebens- lassen in der Tat den Namen gerechtfertigt erscheinen, denn jetzt weg durch die weitergehende Schulbildung genauer vorgezeichnet ist, reißt es das Laub mit Madt von den Bäumen. Am meisten müssen und auch ihre Eltern sich frühzeitig mit der Frage Welchen Beruf Kastanien, Aborn und Platanen heran, deren Handförmige Blätter foll unser Kind nach der Schulentlassung ergreifen?" beschäftigen. in weitem Umkreis um die Bäume den Boden bedecken. Die Eltern haben hier intensiver über die Terufswahl des Sohnes schwerem Flug und bartem Aufschlag gehen die Blätter zu Boden. oder der Tochter nachgedacht, haben einen fleinen Fonds angelegt, Wo Buchen und Erlen stehen, berricht ein ununterbrochenes deutder die ersten Kosten für die Ausbildung bestreiten kann, und haben lich nicht nur sichtbares, sondern auch börbares Blätterregnen Der aufsehenerregende nächtliche Einbruch bei dem Fabrif mehr als einmal Gelegenheit genommen, mit den Lehrern Rücksprache zu halten, um zu erforschen, welche Neigung sich bei dem In stiller Abenddämmerung hat dieses balbleife lattern etwas un- befizer Jaffé, der schon zirmal das Moatiter Strafgericht be heimliches. Einen merkwürdigen, beinahe abichreckenden Anblid schäftigt hatte, hatte noch ein Nachspiel vor der 2. StrafKinde in der Schule besonders start gezeint hat. Es werden dem Berufsberater also nur solche Fälle zu Gesicht kommen, wo die bieten die Eichen, die angeblich das deutsche Weien fennzeichnen fammer des Landgerichts I, unter Vorsitz des Landgerichtsrats Eltern noch schwankend sind, ob sie diefen oder jenen Beruf für ihren sollen. Sie, die sich im Frühjahr am spätesten im neuen Blätter- Dr. Wegel. Angellagt waren jetzt der Schuhmacher Paul Kirsti und der Schlosser Karl Retac wegen schweren Diebstahls Sohn wählen sollen. Eine bestimmte Richtung und eine gewisse schmuck zeigen, verlieren jest zwar noch fem Blatt, aber der ganze Grenze der Berufsmöglichkeit ist hier stets geneben. Schmud ist bereits vertrodnet, fiebt wie verrostet aus und bleibt im strafverschärfenden Rückfalle bzw. gewerbsmäßiger Hehlerei. In der Nacht zum 20. April d. I. drangen der inzwischen zu auch so den ganzen Winter hindurch bis zum Frühjahr an den Bäumen hängen. Ziemlich unversehrt stehen noch die Afazien, deren 1½ Jahren Zuchthaus verurteilte Arbeiter Anton Patet und der eirude Fliederblächen noch ganz prall grün find. Wenn man zieher und einem Messer bewaffnet waren, in die in der Hohenjezige Angeflagie Kirsti, die beide nur mit einem Schraubenaber darauf achtet, wird man sie eines Worgens wie abgemäht zollernstraße 10 gelegene Wohnung ein, indem sie von außen an auf dem Boden liegen sehen. Auch die Apfelbäume haben noch ein der Fassade entlangfletterten, eine Scheibe einschlugen und dann grünes frauses Blattkleid. Ganz zu schweigen von den Sträuchern. das Fenster durch die Deffnung hindurch aufriegelten. Sie ent. Liebe zum Proletariat. Ganz anders aber schaut es bei unseren Volksschülern aus. Ist nur ein Kind vorhanden, so werden sich die Verhältnisse so gestalten, wie sie bereits bei dem höheren Schüler geschildert wurden. Sind mehrere Kinder vorhanden, dann ist die Berufswahl schwieriger. Der Vater, der Tag für Tag in der Fabrit, auf dem Bau oder in der 43] Sachawachiat der Eskimo. Bon Ejnar Mittelfen. Aber sie hungert vielleicht," fagte Sachawachiaf still, ,, es tann auch sein, daß sie sich nach ihrem eigenen Land sehnt, wie ich mich damals sehnte, als ich in Point Hope wohnte. Nein, ich will sie hier herauf haben, wenn es möglich ist willst du Felle für sie mitnehmen?" Mit Faffadenkletterer. Die Nachtvisite in der Tiergartenvilla. Ja, Migi," begann Douglamana ,,, ich will das, was ist lang und falt, da tann sie warme Sachen wohi gebrauchen Sachamachiat will. Es ist lange her, daß er Iglurut gekannt und," fügte sie hinzu, halb lachend, halb weinend ,,, Sachahat. Er hat Kinder mit mir, und wie es auch gehen mag, ich machiat sagte, daß sie nicht nähen fonnte damals- und werde doch seine beste Frau bleiben. Wir hatten darüber ge- sie hat es seitdem vielleicht auch nicht gelernt!" Die Liebesgaben oben auf die Ladurg gebunden, machte sprochen, bevor Sachawachiaf zu dir ging. Ich will wie er." Sie waren unerschütterlich in ihrem Entschlusse, mochte Migi sich auf den Weg. Er knallte mit seiner langen Peitsche, Migi noch so viel davon reden, wie verfehrt es sei, zwei ein furzes und scharfes Musch" tönte durch die stille Frost Frauen im Haus zu haben. Die beiden Estimos bestanden luft, der Schlitten fnirschte in allen seinen Fugen, die Hunde auf ihrem Kopf, und schweren Herzens gab er ihnen das BerJa," sagte Migi, das will ich, und ich will ihr so gut sprechen, Häute und Belzwert mit nach Candle zu nehmen, helfen, wie ich kann, doch ich glaube, es ist unflug von dir, sie dort so gut wie möglich zu verkaufen, und für den Erlös daß du Igluruk hier herauf haben willst. Gib den Blan auf. Schlitten und Hunde für Igluruf anzuschaffen. Gib mir die Felle, die du entbehren kannst, dann will ich sie, Sie waren sichtlich erleichtert, als sie das Versprechen er wenn ich dahin komme, wo sie wohnt, verkaufen, und für halten hatten. Geld kann sie leben und sich pflegen." 11 30gen an, die Reise, die tausend Meilen lange Tour, begann Doch zurück auf der Flaxmann- Insel blieben Sachawachiaf und Douglamana und zeichneten sich als zwei scharfe Sil houetten gegen den hellen Morgenhimmel ab, sie winkten und riefen Abschiedsworte. Der Weiße drehte sich um und winkte wieder, während seine Gedanken ein halbes Jahr voraus in die Zukunft flogen, dann würden sie vielleicht auch auf der„ Ich vertraue dir," waren Sachawachiats letzte Worte, felben Scholle Erde Seite an Seite stehen und einem Schlitten Aber nicht lange," murmelte Sachawachiat ,,, sie verbraucht es gleich. Nein, laß sie hier herauf kommen, dann bevor er an der Seite seiner Frau das Haus verließ und nach entgegensehen, der langsam und mühselig sich nach Osten vorforge ich für sie, für den Rest ihres Lebens, versprich mir, feinem eigenen Iglu ging. Doch in der Tür stand Migi uno wärtsarbeitete und worin Igluruf saß. sah den beiden nach; er grübelte welch anderer außer Monate vergingen. Langsam fuhr Migi die Küste ent„ Du hast Zeit zum Nachdenken, Sachawachiaf, tu nichts diesem Estimo würde das getan haben, welch anderer hätte fang, traf weiße Männer und Eingeborene, plauderte mit allen, Uebereiltes" ermahnte der Weiße,„ ich will dir helfen, wo so wie er vergeben und welch andere Frau hätte in dieser die er traf. Der Gesprächsstoff war in der Regel Sachaich kann, aber nur unter der Bedingung, daß Douglamana Sache zu dem Manne gehalten, außer gerade Douglamana? wachiat, alle fannten seinen Namen, die meisten feine und Und Migi sah dem alternden Baare nach und dachte an Igluruts Geschichte. Mehr noch wußten, wie er den Weißen felbst tommt und sagt, sie will Igluruk herhaben, sonst wage die Zukunft, wenn dort drei an Stelle der zwei gehen würden. beigeftanden, die im Eise eingefroren waren und vor Hunger ich es nicht zu tun." Lange saßen sie und sprachen miteinander. Sachawachi at Sachawachiat in der Mitte, die prächtige, tüchtige Douglamana an Storbut gestorben wären, wenn Sachawachiat ihnen nicht immer eindringlicher in dem Grade, wie die Erinnerung an an der einen Seite, und Igluruf, die verwüftete, verwöhnte, geholfen hätte. Und Migi bat alle Weißen um Hilfe für Igluseine frühere Frau in ihm lebendig wurde, während Migi ihn untaugliche Iglurut an der anderen. Was würde Sacharut, wenn sie die Küste entlang nach Norden fahren würde; marnte, aber ohne Erfolg; Sachawachiat bestand auf seinem wachiak dann wohl denken, würden Ruhe und Frieden, die das versprachen fie und hätten es auch gehalten: der Mann, Kopf, und als er endlich nach Hause ging, versprach er, den in das vorher so unruhige Gemüt eingezogen waren, bleiben, der in jenem Frühjahr die Flotte bei Icy Cape rettete, hatte näch ten Tag mit Douglamana wiederzukommen. oder würden sie verschwinden und ihn in größerer Sorge Anspruch auf Hilfe aller Weißen. Doch sie schüttelten den Kopf, armer Sachawachiat, das läuft nicht gut ab! Migi wartete gespannt. Ob es wirklich möglich war, daß zurücklassen als je? Am Weihnachtsabend, fast drei Monate, nachdem Migi die Estimofrau ihrem olten Mann erlaubte, seine frühere Als der Schlitten inftand gesetzt wurde, brachten SachaFrau zurückzuholen? Würde sie jetzt auf ihre alten Tage eine wachiak und Douglamana Häute und Pelzwert, das beste, die Flarmann- Insel verlassen hatte, näherte er sich Candle. Nebenfrau dulden? fonnte fie fich in den unvermeidlichen was sie besaßen, und als der Reisetag anbrach, tamen die Die Hunde waren müde, ihre Pfoten abgenugt, langsam famen Bant und Streit finden, der die Folge devon sein würde, nur beiden Alten nach seinem Iglu herunter. Sie sagten nicht sie vorwärts. damit der Mann, Sachamachiat, feine Gemütsruhe hatte und viel, stumm gingen fie umber und sahen den Reisevorbereitun tat, was ihm recht schien? Aber faum, daß es hell geworden gen des Freundes zu. Still halfen sie, wo sie fonnten, und als war, tam Sachawachiat und Douglamara mit ihm. der Schlitten endlich bereit war und die Hunde ungeduldig im Geschirr sprangen, zog Douglamana einen fleinen Leder Nun," fragte Migi, habt ihr es euch überlegt?" Stumm und ernsthaft sahen die alten Leute und fahen sack hervor. den Weißen an; dann schüttelte Sachawachiak den Kopf. ,, Nimm den mit, Migi," fagte sie. Da sind die Belz„ Nein, wir wollen uns ihrer annehmen, sprich du, Dougla- fachen drin, die ich für mich selbst für den kommenden Winter mana, laß Migi hören, was du zu sagen hast." genäht habe; sie sind warm und gut, gib sie Iglurut, die Reise! Er peitschte die Hunde, rief und schrie sie laut an, wäh rend er selbst im Zugfeil ging und mehr zu schleppen hatte, als alle Tiere zusammen. In die Stadt wollte er, wenn es möglich war. Die Hunde waren reisemüde, er noch mehr, und er sehnte sich so unfagbar nach ein wenig Ruhe und Ge mütlichkeit, selbst nach dem wenigen, was die nördlichste Goldgräberstadt Alastas in dieser Hinsicht bieten konnte. ( Fortjeßung folgt.) Eine Gedächtnisfeier für Minna Caner wird am 1. Robenter, wendeten außer drei Perserbrüden das gesamte Familienfilber im| Direktion der Straßenbahn find zahlreiche Beschwerden darüber gute Gesamtwert von zirka 42 Millionen Mart. Die Beute wurde gegangen, daß die Schaffner erklärten, nicht befugt zu sein, die dem Tage ihres 81. Geburtstages, abends 8 11hr, im Roswitha- Saal, noch in derselben Nacht in einem Auto zu dem Angeklagten Re- Kinder zugunsten der alten Leute von den Sizplägen zu weisen. Lügowplab 8, von ihrem Freundeskreis veranstaltet. Eintritt nur tad gebracht, der das Silber zertrümmerte und an unbekannte Die Städtische Verkehrsdeputation hat sich in einer bungen wegen der Karten werden an Eise 2ü ders, Berlin W 30, Neue gegen arten, die, soweit der Plaz reicht, abgegeben werden. Mel Metallschieber verfaufte. Bor Gericht beantragte der Staatsanwalt ihrer legten Sigungen mit dieser Frage beschäftigt. Auf Grund Winterfeldistr. 17, Gartenhaus IV, erbeten. Zuchthausstrafen von 2% bzw. 1% Jahren, während ihres Beschlusses werden demnächst die Beförderungslie Rechtsanwälte Dr. Karl Loewenthal und Dr. Puppe vorschriften der Straßenbahn dahin ergänzt werden, daß als strafmilbernd aus tatsächlichen und rechtlichen Gründen ein: Kinder bei Platzmangel ihren Sitz auf Verlangen des Schaffners milbere Strafe bzw. Berurteilung nur wegen einfacher Hehlerei an erwachsene Personen abzutreten haben. für geboten hielten. Das Gericht billigte dem Angeklagten Kirsti mildernde Umstände zu und nahm bei Retad auch nur einfache Oehlerei an. Das Gericht erkannte gegen Kirsti auf 2% Jahre Gefängnis und gegen Retad auf 1½ Jahre, unter Anrechnung von je fünf Monaten der erlittenen Untersuchungshaft. varen. Die Nottreppen der Nord- Südbahn. Bezirksbildungsausschus Groß- Berlin. Für sämtliche Theaters und Openvorstehungen im Monat Dhjober wird ein Zuschlag von 10 M. pro karte erhoben. Berlojung von Kunstwerten, Keramiken und Büchern: 8iehung am 1. Dezember cr. Los pro Stück 20 M., zu haben im Bureau des Bezirksbildungsausschusses Lindenstr. 3, 2. Hoj, 2 Tr., Zimmer 8, und bei den Bildungsausschußmitgliedern der Abteilungen. Für bedürftige Kinder. Wir werden gebeten mitzuteilen, daß der In haber der Schuhfirma Fuchs, Schönhauser Allee 72, bei dessen geplanter Geschäftseröffnung es infolge eines bedauerlichen Reklamemißgeschids zu erregten Szenen kam, dem Bezirksamt Prenzlauer Berg, Deputation für Wohlfahrt und Jugendpflege Abt. Jugendamt, die Summe von 20 000 Mart( swanzigtausend) für bedürftige Kinder zur Verfügung gestellt hat. Wintergarten. Die Direktion teilt mit, daß der Wintergarten ent gegen allen in letter Zeit mit größter Sarinädigkeit immer wieder auftauchenden Gerüchten weder einen Umbau zu Hotelzweden noch irgendwelche sonstige Veränderung der Einstellung des Baritégeschäfts beabsichtigt, oder beabsichtigt hat, sondern seiner alten Tradition entsprechend den Betrieb und zwar unter Aufwendung größter Kosten für die Engagements aufrecht erhält. Mit dem fortschreitenden Ausbau der Nordsüdbahn werden nunmehr auch allmählich alle diejenigen Einrichtungen eingebaut, die für die Sicherheit der Reisenden bestimmt sind. Neu, und bei Berliner Untergrundbahnen bisher noch nicht verwendet, sind die NotWeil ihr Taschengeld ,, nicht reichte". ausgänge, die in regelmäßigen Abständen auf freier Strede Einer hiesigen Großfirma verschwanden wiederholt zwischen den Stationen liegen, und die es den Reisenden Balete, die in Berlin auf einem Postamt aufgegeben worden ermöglichen sollen, im Falle der Not direkt aus dem Tunnel auf die Der Verbleib war niemals festzustellen und die Poftver Straße gelangen zu können. Diese neuen Notausgänge haben an waltung wurde verantwortlich gemacht. Jetzt. ist es der Kriminal- einfachster Eisenkonstruktion eine nach oben führende Leiter von postdienststelle gelungen, das Abhandenkommen der Sendungen genügender Breite, die bis direkt unter das Schußgitter des Straßenaufzuflären. Zur größten leberraschung aller Beteiligten ausganges führt. Durch eine sinnreiche Hebelporrichtung ist das Burden als diejenigen, die die Patete verschwinden ließen, die Schuggitter, das den Notsajacht verschließt, mit einem Gegenbeiden Söhne des Geschäftsinhabers und der Hausgewicht verbunden, das durch einen leichten Handgriff ausgelöst, den Armes Danzig! Die polnische Regierung hat verfügt, daß ab diener festgestellt. Dieser hatte die Sendungen aufzugeben, sie ganzen Abschluß des Notganges zu heben imftande ist. Ereignet aber wieder entwendet, bevor sie abgingen. Die Söhne des Chefs sich nun innerhalb des Tunnels ein Unfall, so werden die Fahrgäste 1. November an die Danziger Eisenbahner ohne Rücksicht auf waren ihm dabei behilflich. Auf ihre Veranlassung hin bandelte von einem Beamten bis zu der fraglichen Treppe geführt, dort wird Nationalität und staatliche Zugehörigkeit die Gehälter und Löhne er. Sie waren auf den Gedanken gefommen, fich so ibr Taschen- der Verschluß ausgelöst und die Reisenden stehen außer Gefahr auf in polnischer Währung ausgezahlt werden sollen. geld, mit dem sie nicht auskommen zu fönnen glaubten, zu ver- der Straße. Besonders sinnreich ist die Anlage des Treppenmehren. Den Inhalt der Pakete hatten sie zu dem Zwed jedesmal geländers, das sich bei Deffnung des Notausganges ebenfalls selbsttätig über die Straßenbortfante hinaus bis etwa 1,10 Meter in der Münzstraße verkauft. Alle drei wurden festgenommen. über dem Straßenpflaster fortsegt, so daß auch weniger gewandte Personen den Notausgang ohne Mühe benutzen fönnen. Der Kanal über die Berge. Der unter dem Berdacht von Millionenschwindeleien verhaftete Däne Henry Lander bestreitet, daß er mit dem Hotelschywindler Nilsen identisch sei. Er behauptet, daß er von 1912 bis 1913 in Brafilien gewesen sei und dort ein Kanalprojett aus gearbeitet habe, durch das man Schiffe über die Berge bringen lönne. Der von ihm projettierte Ranal follte von Santos nach San Paolo durch fieben Schleufen geführt werden. Die Pläne und die Zeichnungen follen nach seiner Behauptung bei der dänischen Botschaft in Brüssel liegen. Er bestreitet weiter entschieden, in Berlin Betrügereien begangen zu haben. Ebenso will er den verschiedenen Frauen, zu denen er in Beziehung getreten fei, feinerlei Heiratserfprechungen gemacht haben. Er fei einmal im Frühjahr mit einer Dame verlobt gewesen, das Berlöbnis sei aber bereits im Mai aufgelöst worden. Mit den anderen Damen will er nur in einem Siebesverhältnis gestanden haben, ohne ihnen jemals die Ehe zu versprechen. Es babe fich nur eine von diesen Damen mit 100 000 M. en feinem Geschäft beteiligt, und das Geld foll, wie er erklärt, noch norhanden sein. Der Beschuldigte stellt die ganze Anzeige als einen Giferfutsalt hin. Rechtsanwalt Dr. S. Eisenstaedt hat jetzt für den Beschuldigten die Haftentlassung gegen eine Raution von 200 000. beantragt. Internationale D- Jug- Diebe. Ein seltsames„ Rautionsangebot". Achtung! Konsumgenossenschafter! Heute abend 6 Uhr findet in der„ Neuen Welt", Hafenheide, die Generalversammlung der Konsumgenofienichaft statt. Hierzu ist das Erscheinen aller Mitglieder notwendig. Unsere Genossen müssen voll zählig ericheinen. Es gilt, die kommunistischen Einflüsse von unserer Genossenschaft fernzuhalten. Bei der Wahl der Aufsichtsratsmitglieder stimme jedes Mitglied für die vom Genossenschaftsrat empfohlene Liste Bethte. AI8 Legitimation gilt nur die grüne Quit. tung starte über abgelieferte Martenblätter. Der hilfsbereite" Gaffe. In hilflosem Zustande wurde die 41 jährige Frau Anna Schmidt in ihrer Wohnung am Grünen Weg von Nachbarsleuten aufgefunden. Ihr aus einem Lokal herbeigerufener Ehemann, der 46 Jahre alte Hermann Schmidt, ber start angetrunken war, leistete ihr nicht nur teine& ilfe, fondern miß bandelte sie in der robesten Weise. Man rief schleunigst einen Arzt herbei, der aber bei seinem Eintreffen nur noch den inzwischen eingetretenen Tod festzustellen vermochte. Der Gatte wurde der Kriminalpolizei übergeben. Groß- Berliner Parteinachrichten der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei. Arbeiterbildungsschule. Der Kursus am Freitag, den 27. Oktober, des Genoffen Dr. Neder findet in dieser Woche nicht statt. 14. Kreis Realölln. Donnerstag, den 26. 5. M., 7% Uhr Sigung des Bildungsausschusses der vereinigten Sozialdemokratie im Lesezimmer der städtischen Bibliothek( Badeanstalt), Ganghoferstraße. Sonntag, den 29. b. W., 2 Uhr, in der Urania, Taubenstraße, Lichtbildervortrag: Reise durch Thüringen". Billetts a 6,50 M. find an der Raffe zu haben. 14. Kreis Neukölln. Freitag, den 27. Oktober, 6 Uhr, äußerst wichtige Sigung der vereinigten sozialdemokratischen Elternbeiräte mit den proletarischen Kinderfreunden, den gemeldeten Helferinnen und allen Genossen und Genoffinnen, die zur Mitarbeit bereit sind. Erscheinen Pflicht. 17. Kreis Lichtenberg. Freitag, den 27. Oktober, 7 Uhr im Rathaus, Möllen dorffftr. 6, 8immer 25, Gigung der kommunalen Kommission der fr. USPD. Die Mitglieder der Wohlfahrtskommission der SPD. nehmen auch daran teil. Auch die Stadt- und Bezirksverordneten müssen erscheinen. 17. Kreis. Freitag, den 27. d. M., 7 Uhr, öffentliche Elternversammlung in der Echulaula Pariaue. Thema:„ Das Elend unserer Boltsschulen uns was hat zu geschehen?" 23. 70. 85. Heute, Donnerstag, den 26. Oftober: Abt. 7 Uhr Bersammlung der Freunde der weltlichen Schule in der Schul aula Ofener Straße. Bortrag: ,, Bekommen wir zum 1. November die weltliche Schule?" Referent Genosse Hennide. Abt. Wilmersdorf. 7½ Uhr bei Vieper, Holsteinische Str. 60, Bersammlung der Funktionäre der vereinigten Sozialdemokratie. Wichtige Tagesordnung. Erscheinen Pflicht. Abt. Sempelhof. 7% Uhr in Tempelhof, Werder- Schule, Fecuenabend. Sungjozialisten. Gruppe Tempelhof- Mariendorf: 7½ Uhr Vertragsabend bet Habzuweit, Tempelhof, Werderstraße. Gruppe Friedrichshain: 7½ Uhe in der Gemeindeschule Straßmannfir. 6, Bortrag über Die materialistische Grappe Trep Geschichtsauffafjung". Referent Genoffe Dr. Fris Schloß. Gruppe tow: 7% Uhr im Jugendheim, Elfenfic. 8, Unterhaltungsabend. Säben: 8 Uhr im Lotal des Genoffen Ospalsti, Wilhelmstr. 133, Borivag des Genoffen Lepinsti über Jungsozialismus und Kunst" tag, den 27. Oktober, 7 Uhr, im Sophien- 2yzeum, Weinmeisterstr. 16/17 ( Berfammlungsraum wird unten an der schwarzen Tafel bekanntgegeben), Ronferenz aller Funktionäre der vereinigten Sozialdemokratie. Tagesord nung: 1. Die wirtschaftliche und politische Entwidlung und unsere nächsten Aufgaben. 2. Freie Aussprache. 3. Organisationsfragen. Drei internationale Taschendiebe, die längere Zeit hindurchschlossene Erklärung, die dem Preußischen Ministerium für Kunst, Kriminal( Blone und Grüne) Polizei. Donnerstag, den 26. Ottober, und FreiLie von den Berliner Hauptbahnhöfen abfahrenden D- Züge unsicher gemacht und dabei insbesondere valutastarfe Ausländer um Wert fachen und Geldbeträge in Höhe von mehreren Millionen Mart bestohlen hatten, wurden vom Schöffengericht Berlin- Mitte auf längere Zeit unschädlich gemacht. " 86. 101. Morgen, Freitag, den 27. Oftober: bt. 7 Uhr Versammlung der Anhänger der weltlichen Schule in der Aula der 208. Gemeindeschule, Gothenburger Str. 2. Thema: Berichterstattung über die Lage im Kampf um die weltliche Schule". Referent Gen. Krengiger, Sigung des Abteilungsvorstandes. t. 7% Uhr im Konferenzzimmer der„ Borwärts"-Redaktion, Lindenstr. 3, st. Mariendorf. Pünktlich 7½ Uhr Funktionärversammlung in der Aula der 2. Cemeindeschule, Königstraße. Abt. Treptow und 102. Abt. Baumschulenweg. Bildungsausschuß: 14. Borführung wissenschaftlicher Filme in der Treptower Sternwarte. 3 Uhr für Rinber, 4 M. Eintritt. 6 Uhr für Erwachsene, 15 M. Eintritt. 8 Uhr für Erwachsene, 20 M. Eintritt. Rarten an der Kasse. Straße 43. Yung. Referent Stadtverordneter Genosse Kroffin. Die Straßenführer Laden ein. Gegen die monarchistisch- militaristischen Geschichtslehrbücher richtet sich eine vom Deutschen Friedenstartell beWissenschaft und Volksbildung sowie den Landtags- und Reichstagefraktionen zugegangen ist. Das Ministerium wird ersucht, durch eine unmißverständliche amtliche Antwort darüber Klarheit zu schaffen, ob Schüler zur Anschaffung solcher Geschichtslehrbücher verpflichtet werden können. Die Erklärung weist darauf hin, daß entgegen den früher vom Minister Haenisch herausgegebenen ErEs waren dies der Eisendreher Lederer, der Arbeiter laienen vom 6. Dezember 1919 und vom 8. April 1920 die alten 19. Mortinger und der Kaufmann Krahl. Am 1. September d. J. monarchistisch- militaristischen Lehrbücher noch offiziell und die hatten zwei Beamte des Taschendieb- Dezernates des Berliner Bo- Schüler verpflichtend benutzt werden und in den Lehrbücherverzeich- 39. lizeipräsidiums infolge einer Reihe eingegangener Anzeigen über niffen der Schulen mit aufgeführt sind. Das Friedensfartell berBeraubungen von Ausländern den Auftrag erhalten, langt, daß der jegige Minister die Geschichtslehrbücher- Erlasse von den vom Lehrter Hauptbahnhof nach Hamburg abfahrenden D- Zug Haenisch unzweideutig als gültig unterstreicht und das Necht der zu beobachten. Schon hier fielen ihnen die drei jezigen Angeklagten, Jugend auf Schutz vor realtionären Geschichtsflitterungen wahrt. die sich in verdächtiger Weise an die vor den Coupés 1. Klasse stehenZum Gefpöff wird die Republif, wenn immer wieder Reichs 119. Not. Lichtenberg. 7½ Uhr Funktionärversammlung bei Sieke, Möllendorffden Fahrgästen herandrängten, auf. Bei Abgang des Zuges ver- und Staatsbehörden in amtlichen Schriftstüden noch als„ faiserlich schwanden sie in einem Coupé 2. Klaffe, gefolgt von den Beamten. oder„ töniglich" bezeichnet werden. Die folgenden Fälle, die 143. Abt. Waidmannsluft. 7½ Uhr bei Arlt, gemeinsame Mitgliederversamm Die drei Berdächtigen spazierten nun durch den ganzen Zug und wir den zuständigen Stellen zur Beachtung empfehlen, sind sämtlich beobachteten insbesondere diejenigen Personen, die sich durch wert noch im Ottober 1922 vorgekommen. Als unforrigiert volle Lederfoffer bemerkbar machten. Plöglich schlug ein„ faiserlich" gaben sich in postamtlichen Zeitungsbestellungen noch aus Hamburg stemmender Reisender Lärm und erklärte, mit allen bas Bostamt Schönheide( Erzgebirge) und das osta mt 2. Zeichen des Entfehens, daß ihm soeben sein goldener Chrono- Berlin NW. 87. Von einem unforrigirt föniglich" preußischen meter im Werte von einer Viertel Million Mart gestohlen worden& andgericht Botsdam erzählte ein eingedruckter Stempel sei. Die drei Diebe wurden in einem Coupé 1. Klaffe fe ft ge- auf der Rückseite eines Briefumschlages, den zur Versendung eines 51. Abt. Charlottenburg. nommen, Uhr und Kette maren jedoch verschwunden. Sie boten Schreibens die Reichsdisziplinartammer zu Potsdam den Beamten 50 000 Mart Bargeld an und stellten eine noch noch benutzt hatte. Unforrigiert töniglich" bayerisch ist die Uni. größere Summe jin Aussicht, wenn man fie laufen ließe. Sie be- veriitätsbibliothek Erlangen nach Angabe eines zeichneten dieses Angebot als Raution". Bei der späteren Unter- Stempels, der auf dem Umschlag eines von ihr versandten Briefes fuchung der Koffer der Festgenommenen in deren Logis, einem Dor- mit der Hand aufgedrückt war. Vor jezt etwa drei Monaten wurde nehmen Pensionat im Westen, wurden noch mehrere äußerst mert in einem Erlag des Reichspostministers der Weitergebrauch der volle goldene Uhren beschlagnahmt, die offenbar ebenfalls Bezeichnung„ faiferlich" mit Strafe bedroht. Wie die Drobung aus D- Bug- Diebstählen herrührten. Trotzdem bestritten die Angeklagten vor Gericht, fich strafbar gemacht zu haben. Das Gericht ging mit Rücksicht auf die außerordentlich hohe Gemeingefährlichkeit berartiger Straftaten noch über den Antrag des Staatsanwalts hinaus und erkannte wegen vollendeten und versuchten Diebstahls so mie versuchter Beamtenbestechung gegen Lederer auf 3 Jahre 6 Monate, gegen Mortinger auf 2 Jahre 3 Monate und gegen Krahl auf 2 Jahre und 4 Monate Gefängnis. Der Wiederbeschaffungspreis. # gewirkt hat, zeigen die oben mitgeteilten neuesten gälle. Db übrigens aus solchem Anlaß ichon mal ein Postbeamter wirklich bestraft worden ist? Auch bei der Reichsdisziplinarkammer handelt es sich nicht um einen nur vereinzelten Fall, sondern um einen von vielen. Aber wir glauben nicht, daß der Vorsitzende der Neiche disziplinarkammer und Präsident des Landgerichtes zu Potsdam schon mit Strafe wenigstens gedroht hat. Frauenveranstaltung am Freitag, den 27. Oktober: Kreis Eiergarten. 7½ Uhr gemeinsame Frauenversammlung mit ber ft. USPD. in den Arminiushallen, Bremer Str. 73. Tagesordnung: Unfere gemeinsame Arbeit". Referentin Genoffin Hedwig Wachenheim. Den Parteigenossen zur Renntnis, daß Genoffe Ernst Lewin, der infolge eines Bauunfalls tödlich verunglüdte, am Gonn abend nachmittag 3½ Uhr im Krematorium Gerichtstraße eingeäschert wird. Rege Beteiligung erwartet der Abteilungsvorstand. Jugendveranstaltungen. Heute, Donnerstag, den 26. Oftober: Verein Arbeiterjugend Groß- Berlin. Neukölln- Nord: Jugendheim Münchener Str. 52, Bericht von der GeneralBortrag: Seguelle Fragen". versammlung. Stralaner Biertel: Jugendheim Gemeindeschule Naglerstr. 3, freiberstr. 54, Bortrag: Revolutionen und deren Bedeutungen Süden: Jugendheim Gemeindeschule StallWesten: Jugendheim Gemeindeschule Ballasstr. 15, 2eseabend:" Die Räuber" bon trag:„ Die Stellung der Mädchen in unserer Bewegung". Schiller. Friebenau: Jugendheim Offenbacher Str. 5a, Mädchenabend. Bor Vorträge, Vereine und Versammlungen. Milchverbilligung. Das Jugendamt des Verwaltungsbezirks ei nidendorf, gibt befannt, daß auch weiterhin an milchbezugsberechtigte Personen auf Antrag, bei besonders wirtschaftlicher im Bürgerfaal des Rathauses, Königstraße, Vortrag von Herrn SteinDeutsche Friedensgesellschaft, Ortsgruppe Berlin. Freitag abend 7 Uhe Die Preisprüfungsstelle Hannover hatte beim Generalftaats- ot lage, ein Buichuß von einem Drittel des jeweiligen Wilchpreises geschneider über„ Das Berhältnis zwischen Kommunismus und Pazifismus“. anwalt in Celle angefragt, ob die Gerichtsbehörden zu der Stel- währt wird, und zwar: a) den Schwangeren, drei Wionate vor der Entlungnahme, daß der Wiederbeschaffungspreis im Handel bindung bis zur Entbindung, b) den Kindern bis zum vollendeten zweiten erlaubt sei, befugt feien. Der Generalstaatsanwalt hat geantwortet, Lebensjahre. Als Grundlaß ist festgesetzt, daß bei einer Normalfamilie Briefkasten der Redaktion. daß die Staatsanwaltschaften seines Bezirkes bis zu einer Gesetzes- erkannt werden kann, wenn der Mann den ortsüblichen Verdienst hat. tasten bestimmten Anfrage füge man einen Buchstaben und eine Summer ( Mann, Frau und zwei Kindern) eine außerordentliche Notlage nicht an- Briefliche Austunft wird nicht erteilt. Jeder für den Brief änderung oder bis zur Bekanntgabe allgemeiner Richtlinien durch die Anträge werden bis zum 20. jeden Monats entgegegengenommen. Regierung nach wie vor dazu angehalten würden, bei allen Berfahren bei. Cilige Anfragen trage man in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3, wegen übermäßiger Preisforderung in Uebereinstimmung mit der Eine städfifche Stenotypisten- Prüfungsstelle für männliche und 1. Hof part. lints, vor. Schriftftüde und Berträge find mitzubringen. ständigen Rechtsprechung, besonders des Reichsgerichts, davon aus weibliche Stenotypisten hat der Arbeitsnachweis der Stadt Berlin P. 51. Der Vertrag bedurfte zu seiner Rechtsgültigkeit der notariellen oder gerichtlichen Beurkundung. 9. 74. Der Pfändung unterliegen nicht wöchent zugehen, daß die Gestehungstoften als Grundlage der im Einvernehmen mit der Schuldeputation eingerichtet. Die ich 230,77 M. oder monatlich 1000 Mt., ferner ein Drittel des Wehrbetrages Preisforderung zu dienen haben. Allerdings müsse dabei auch Prüfungen finden wöchentlich einmal statt. und zwar in den Fächern: des Lohnes. Ist der Arbeitnehmer unterhaltspflichtig, fo erhöht sich ber un er Geldentwertung in angemessener Weise Rech Kurzschrift, Maschinenschreiben und selbständige Anfertigung von Pfändbare Teil des Mehrbeirages um ie ein Gechsfel für jede unterhaltspflich. tige Perfon, jedoch höchstens um zwei Drittel des Mehrbetrages. Diese besonaung getragen werden, da nach§ 1 der Berordnung gegen Schreibmaschinenarbeiten nach Angabe. Die Leitung der Prüfungen bere Begünstigung für unterhaltspflichtige Arbeitnehmer findet leech auf den die Preistreiberei vom 8. Ma. 1918 die gesamten Verhältnisse zu bat Herr Fortbildungsschuldirigent Scholz von der 7. Wahlfort- 50 000 9. jährlich übersteigenben Teil der Bergütung teine Anwendung. Afterpäter. Rufen Sie das Pachteinigungsamt an. 2. 1. 1. und 2. Die berücfichtigen sind. Der Generalstaatsanwalt macht dann auf eine bildungsschule übernommen. Ueber die Prüfungsergebnisse stellt gefegliche Miete tann der Vermieter nur bann fordern, wenn er eine schrift Reidsgerichtsentscheidung besonders aufmerksam, daß die die Prüfungskommission, die sich aus dem Leiter nnd einem Verliche Erklärung abgegeben hat, bas en bie Stelle ber bereinbarten Miete bie durch die Geldentwertung herbeigeführten Lasten nur beschränft zu treter des faufmännischen Arbeitsnachweises sowie einem Vertreter gefehliche treten foll. 3. und 5. Sie müffen gegen beide den Klageweg be beritafichtigen und nicht im ganzen auf den Verbraucher abzuwälzen der Angestelltenschaft zusammeniegt, ein amtliches Zeugnis aus. sind. Bei der Bedeutung dieser Angelegenheit hat der GeneralNeue Eintrittspreise für die Nationalgalerie. Auf Anordnung taatsanwalt jämtlichen Oberstootsanwälten des Bezirks Hannover des Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung sind mit eine in dicfem Ginne gehaltene Anweisung zugehen laffen und auch Wirkung vom 1. Oktober b. I. ab für den Besuch der Nationalgalerie der Preisprüfungsstelle Hannover eine Abschrift davon übermittelt.( ehemaliges Kronprinzenpalais und Bildnissammlung) folgende EinKinder auf der Straßenbahn. trittspreise festgefeßt: Jahrestarten 300 M., Semesterfarten 150 M., Jahresfarten für Studierende und Schüler 50 m Tagestarten fosten Montags 50 M., an den übrigen, mit Ausnahme der eintrittsfreien Tage, 25 M. Reichsdeutsche oder Deutschösterreicher, die fich als solche ausweisen fönnen, zahlen abgesehen von der Teilnahme an Führungen, ein Fünftel der Gebühren, In der Deffentlichkeit ist wiederbolt Klage darüber geführt worden, daß Kinder, die zu balbem Fahrpreise auf der Straßenbabu befördert werden, Sippiäße felbit bann einnehmen, wenn Erwachsene und vor allem alte Leute stehen müssen. Auch der Weinbrand fchreiten. 4. Wenn feine Preise vereinbart find, so müssen Sie die angemessenen bzw. die üblichen zahlen.- W. 24. Die Frage ist strittig. Bunächst ist der Tarif. vertrag maßgebend. Evtl. müfen Sie den Klageweg beschreiten. B. G. 100. Der legte eas muß heißen: Siur wer nachweist, daß fein Einkommen im Birtfaftsjahr 1922/28( 16. Augufl 1922/15. orgungsberechterfache des genennten Eintommens nicht übersteigt, bleibt verforgungsberechtigt, Regierungs- und Finanzsupernumerare. Schriftführer Lamprecht, Potsdam, Supernumerar bei der Eteuerverwaltung. beim Berband der Alte Luisenstraße 23. Wetter bis Freitag mittag. Sm östlichen Küstengebiet überwiegend bewölft und verschiedentlich leichte Niederichläge, in den anderen Gegenden vielfach beiter, nur im Norden zeitweise flärter bewöltt; sonst oden. In den Mittagsstunden überall ziemlich mild. In der Nacht zu Freitag wieder Frost. Alfe Reserve Winkelhausens Wa Der Fall Stubenrauch im Landtag. Kultusminister Dr. Boelig Es ist richtig, Ausschreitungen kommen vor Der Landtag erledigte zunächst die Anfrage über den Berkauf des Hausbesizes. In Beantwortung des An- verliest hierauf zunächst den Wortlaut der Antwort auf die vom griffs des Hausbesitzervertreters, Abg. Ladendorff, äußert sich Abg. Dr. Steffens und Buchhorn( D. Vp.) eingebrachten Kleinen und ich bedauere sie; sie kommen vor bei Schülerfahrten und TurnAusländer auf die Wohnungszwangswirtschaft zurückzuführen. Ministerium festgestellt worden wer. der Minifter Hirtfiefer: Es ist falsch, den Hausverkauf an Anfrage vom 17. Oftober, die am vergangenen Freitag in seinem festen, sie fommen auch vor, wenn die Schüler auf dem Schulpla Diese Erscheinung ist lediglich eine Folge der Dollarentwicklung. versammelt sind. Es darf aber nicht versucht werden, die Schule Es werden doch von den Ausländern nicht nur Häuser gekauft, son- 28. Juni, zunächst unentschuldigt, im Unterricht. Am 29. Juni, wird wieder ernst gearbeitet. Man tut daher den Schulen bitteres Danach fehlte der Schüler der Unterprima Stubenrauch am in ihrer Gesamtheit dafür haftbar zu machen. In unseren Schulen dern alles, was sich an Sachwerten überhaupt erfassen läßt. Die bevor die übliche Anfrage an die Eltern nach dem Grunde der Unrecht, wenn man sie für die Tat der Brüder Techow oder Methode, alle Mißstände im Wohnungsbauwesen auf die Zwangs Schulverfäumnis hinausgegangen war, wurde dem Direktor bekannt, für die Aeußerungen von Stubenrauch verantwortlich macht. wirtschaft zu schieben, ist bequem. Ladendorff hat wegwerfend von daß Stubenrauch in die Strafsache wegen des Rathenau- Mordes Die Frage der Schuld ist nicht so leicht zu beantworten. Der ProDen paar tausend" Wohnungen gesprochen. Allein in diesem verwickelt und am 27. Juni nachmittags perhaftet worden sei. zeß in Leipzig hat ein Urteil gesprochen im allgemeinen über ErJahre sind 60 000 Wohnungen neu erstellt worden. Der private Erst am 21. Juli ging der Anstalt eine amtliche Mitteilung des Ober- fcheinungen der Kriegs- und Nachkriegszeit. Wir haben es hier Häuserbau hat nichts geleistet, trotzdem seit drei Jahren das Bereichsanwaltes zu, daß gegen Stubenrauch durch Antrag auf Er- mit fchlagnahmerecht und die Höchstmietenverordnung aufgehoben sind. öffnung der Boruntersuchung die öffentliche Klage erhoben worden In einem Falle ist die Wohnungsmiete von 9000 auf 150 000. fei. Bon dieser Mitteilung machte der Direitor dem Provinzial aus der Bahn geworfenen Egiffenzen gesteigert worden; dies Beispiel lehrt, wohin wir kommen, wenn der Schulfollegium sofort Meldung. Am 19. August brachte der Vater zu tun, die zum Teil dem Radikalismus verfallen waren, und um Mieter schußlos bleibt. Abg. Hirsch( S03.): des Schülers diesen zu dem Direktor, legte ihm den Schein über Phantasten, die zum Teil in einem Milieu aufgewachsen sind, die Entlassung aus dem Untersuchungsgefängnis vor und bat um das den Nährboden für eine hoffnungslose Staatsverneinung abBenn es dem Hausbesik nur darauf anfäme, das Eigenkapital Wiederzulassung des Schülers zum Unterricht, damit er noch seine geben muß. engemessen zu verzinsen, so würden wir uns im Ausschuß bald Bersetzung erhalten fönne. Der Direktor gestattete, daß Jugendvereine, die auf Grund einer Verordnung feines Borgängers Der Minister bespricht weiter die Bildung der Schüler- und einigen. Es handelt sich aber um einen Borstoß der organisierten er am 21. Auguft Hausbesitzer gegen jeden Mieterschuh. Wir wollen nicht, daß die Haenisch gebildet worden und nicht überall zum Segen ausgeschlagen wieder die Schule besuchen fönne, Mietzufchläge den Hausbefizern zufallen, damit sie sich an den Mie- indem er ihm die äußerste Zurückhaltung feinen Mitschülern gegen Berantwortung ablehnen. find. Für die Tätigkeit dieser Vereine müssen die Schulen jedc tern bereichern. Sie sollen ebenso wie die Wohnungsbauabgabe zum über zur Pflicht machte. Bugleich erstattete er Meldung an das Neubau von Wohnungen verwendet werden. Unsere Häuser dürfen Provinzialschultollegium. Unter dem 18. September zeigte der nicht Spekulationsobjekte werden. Zu diesem 3wed kaufen fie aber Bater des Schülers dem Direktor an, daß sein Sohn nach einer die Ausländer nur. Wohin ein Abbau der Zwangswirtschaft führen Mitteilung seines Verteidigers durch den Beschluß des Staatswürde, wissen wir. In einem Hause, das augenblicklich in Chac gerichtshofes am 11. September 1922 außer Verfolgung gefeßt lottenburg gebaut wird, würde die Miete für Stube und Küche ohne worden sei. Nach den Herbstferien fehlte der Schüler dann wieder jede Heizung jährlich 60 000 Mark betragen.( hört, hört, fints.) beim Beginn des Unterrichts und wurde von dem Bater damit entWir werden alles tun, um die Mieter vor Ausbeutung zu schüßen. schuldigt, daß er zur Zeugenvernehmung nach Leipzig geladen fei. Die Große Anfrage geht an den Wohnungsausschuß. Danach beginnt das Haus die Beratung der Großen Anfragen der So- Sobald dem Direktor dann aus den Zeitungsberichten über die Prozeßverhandlungen befannt wurde, welche Rolle der Schüler in der zialdemokraten und der Deutschnationalen über den Mordsache gespielt habe, ersuchte er nach dem Vortrag des Provinzialschulfollegiums den Bater, feinen Sohn bis auf weiteres nicht zur Schule zu schicken und eine Entscheidung des ProvinzialSchulfollegiums abzuwarten. Seitdem hat Stubenrauch die Schule nicht mehr besucht. Fall Stubenrauch. Abg. Frau Dr. Wegscheider( S08.) begründet die fozialdemokratische Anfrage, deren Wortlaut bereits bekannt ist. In unseren höheren Schulen gibt es Herde betont unfere Genoffin, die vergiftend wirken für die deutsche Republit. Der Schüler Stubenrauch hat noch die Kühnheit gehabt, auszusagen, nach der Lektüre des Testaments Friedrichs des Großen entspreche die Tat feinen Ansichten. Die nationalistische Bergiftung der mitt feren Schulen ist nur möglich, weil die reaktionären Lehrer sich ficher fühlen. Im Lyzeum in Wilhelmsburg werden Schüler, die fhwarzrotgoldene Bänder an der Mühe tragen, als Berräter am Vaterland e" beschimpft. Sonst trägt man dort seit 1922 schwarzweißrote Bänder an den Schülermühen. In der Geschichtsstunde ist das Wort gefallen, am Berluft Elfah- Lothringens feien die sozialdemokratischen Landesverräter fchuldig.( Lebhaftes hört, hört! bei den So3.) Sonderbarerweise hat sich in Steglig feine Mutter gefunden, die dagegen protestiert hätte, daß ihre Kinder mit einem Menschen wie Stubenrauch auf der Schulbant figen. Sehr beeinflußt, wird die Jugend durch die Jugendbünde. Der Jugendbund„ Bismare" verfolgt nach feinen Sagungen deutschvöl. tische Biele.( hört, hört, finks.) An der Spize feines Organs steht das Motto: Mit Gott für Kaiser und Reich." Unter anderem eriſtiert auch ein Jugendbund der Deutschen Volkspartei, alles an fich harmlose Bünde.( Buruf rechts: Arbeiterjugend!) Eine Sonderrolle spielt der Deutschnationale Jugendbund. Seine Anhänger tragen den Gardestern mit den schwarzweißroten Farben. Das ist in der heutigen Zeit eine schwere Brovokation.( Lebhafte Ruftim mung fints. Stürmische Rufe rechts: Die rote Fahne!) Im Drgan des deutschnationalen Jugendbundes wird unaufhörlich gehegt. Die Konferenz von Genua wird der zionistische Rongres von Genua" genannt.( hört, hört! links.) Auch die nationale Jugend von Steglitz nennt sich unpolitisch, veranstaltet aber an Bismards Geburtstag eine Sonnenwendfeier.( Große Heiterfeit rechts.) Ich würde selbstverständlich auch Schülervereine ablehnen, die provokatorisch den Sowjetstern an der Mühe tragen. Bei dieser Sachlage ist festzustellen, daß seit dem Prozeß vor dem Bei dieser Sachlage ist festzustellen, daß seit dem Prozeß vor dem Staatsgerichtshof, aus dem die Rolle des Unterprimaners Stuben rauch zum ersten Male genauer bekannt wurde, sofort das nötige geschehen ist, um den Schüler vom Unterricht fernzuhalten. Ihn von der Anstalt zu verweisen, solange er in Untersuchungshaft war, lag feine Möglichkeit vor, da die Verhaftung als solche noch feinerlei objektive Feststellung über Schuld oder Unschuld bedeutet. So entfchicben ich der Auffassung bin, baß zerstörer, wo sie auch fiben mögen, sollen getroffen werden, sei es, Es gibt nur Staatszerstörung oder Staatsbejahung; die Staatsdaß sie auf dem Wege des internationalen Brole= tariats gegen den Staat angeben, sei es, daß fie mit dem Repoloer in der Faust Politit machen wollen. Wir sind bereit, unferem in der schwersten Not befindlichen Vaterlande zu helfen. Koalitiospolitik treiben, heißt gegenseitig Vertrauen zueinander haben und sich gemeinsam für den Wiederaufbau einzusetzen.( Lebhafter Beifall.) Die Besprechung der beiden großen Anfragen wird beschlossen. Abg. Wilbermann( 3tr.) weist die Angriffe des Abg. Delze gegen Fehrenbach zurück. Das, was er gesagt hat, fann ich voll und ganz unterstreichen.( Zustimmung im Zenirum- dauernde Zurufe bei den Deutschnationalen.) Parteipolitik gehört überhaupt nicht in unsere Schulen hinein. Jeder Lehrer hat die Pflicht, der Jugend rechtung vor der Obrigkeit, auch vor der bestehenden, zu verschaffen. Abg. Steffens( D. Vp.): Wir müssen uns entschieden dagegen menden, daß die Farben Schwarz- Weiß- Rot herabgewürdigt werden. Aeußerungen, wie sie Stubenrauch getan hat, verurteilen wir aufs Schärfste. Man darf aber nicht immer die Schule verantwortlich machen. minister wie ein Eiertänzer herumgegangen. Der Fall Stubenrauch Abg. Scholem( Romm.): Um das Wort„ Republit" ist der ist der Fall der höheren Schule. ein Schüler, der Mordpläne faßt oder auch nur äußert, auf der Schule nicht weiter be. laffen werden darf, so deutlich muß doch andererseits festgestellt werden, daß ein bloßer Verdacht einer solchen Handlung noch feine ausreichenden Unterlagen für eine Verweisung von der Anstalt bietet. Andererseits find in der Behandlung der Angelegenheit zweifellos ben führt, wird es Zeit, daß endlich gegen biefe Heße eingeschritten Abg. Hartmann( Dem.): Wenn die antisemitische Hetze zu MorFehler gemacht worden. Der Direktor hätte, als ihm die Verhaftung den führt, wird es Zeit, daß endlich gegen diefe Heze eingeschritten des Schülers befannt wurde, sofort dem Provinzialschulkollegium wird. Es iſt bezeichnend für die Berwirrung in unserer Jugend, Meldung erstatten follen. Die Unterlaffung hat einen praktischen baß alle die Leipziger Angeklagten ihre Handlungen als nationale Schaden nicht nach sich gezogen, indes immerhin zur Folge gehabt, Sache bezeichneten. Es ist höchste Zeit, dafür zu sorgen, daß auch daß das Provinzialschulkollegium nicht rechtzeitig unterrichtet war. den deutschpöllischen Organisationen gehörig auf die Finger geklopft alls der Schüler aus der Haft entlassen wurde, hätte der Direktor ihn wird. Es hat sich in Leipzig herausgestellt, daß auch bei den anderen unter allen Umständen vorläufig jungen Angeflagten nachgewiefenermaßen auf der Schule derartige Dinge ausgehedt worden sind. Es ist Aufgabe der Schulaufsichts= behörden, alle Ausmüchse zu beseitigen. Wenn unser Bolt ein Ganzes werden soll, dann müssen diese gemeingefährlichen Schülervereinigungen beseitigt werden.( Beifall bei den Demokraten.) vom Schulunterricht ausschließen müssen. Wenn es ihm nicht bekannt war, daß Haftentfaffung nicht gleich deutend mit Unschuld ist, so hätte er die Entscheidung seiner vor gefehten Behörde anrufen sollen. Auch das Provinzialschulkollegium bat darin falsch gehandelt, daß es auf die Meldung des Direttors, der Schüler fei wieder zum Unterricht zugelassen worden, nicht sofort das nötige veranlaßt hat. Abg. Hauschild( Soz.): 50 Der Minister hat also zugegeben, daß schwere Fehler im Fall Stubenrauch gemacht worden sind. Wir freuen uns über diese Gegen das Provinzialschulfollegium und den Direktor wird mit Einficht. Aber wir finden, daß die Schulleitung und das Lehrerad allem Nachdruck follegium das Notwendigste versäumt haben. Die Herren mußten auf disziplinarem Wege eingeschriften wiffen, was sie von dem Schüler Stubenrauch zu halten haben. werden. So beabsichtigte ich, die Anfrage am Freitag vergangener Die Herren fannten die Vorgänge und hätten dementsprechend sofort Vier Jahre hat die Republik vergeblich versucht, den Gedanken Woche zu beantworten. Inzwischen sind aber neue Momente bekannt handeln müssen. Wenn der Prozeß in Leipzig z. B. verschoben bes Volksstaates in den höheren Schulen lebendig zu machen. Wir geworden. Der Reichstagsabgeordnete Fehrenbach hat, wenig worden wäre wir sind sicher, Stubenrauch wäre heute noch auf haben eben bort eine fyftematische Tötung des Staatsgebantens. tens nach Pressemeldungen, in einer Reichstagsrede vom 20. Oftober der Schule. Der Bergleich, den der deutschnationale Abgeordnete ( Stürm. Widerspruch rechts.) Dafür fann nur der Minister ver- mitgeteilt, daß Stubenrauch über die Mordpläne gegen Rathenau Delze vorhin angestellt hat, ist völlig deplaziert. Man kann unmögantwortlich gemacht werden.( Buruf des Abg. Koch[ Dnat.]: De in Schülertreisen gesprochen habe, ein Umstand, der bisher weder lich den jungen Liebknecht mit dem Schüler Stubenrauch in Barallele nurzieren Sie man weiter!) Wenn ein Abgeordneter etwas erfährt, durch die Ermittlungen des Direttors, noch die des Provinzial- fehen. Das, was seinerzeit der Kultusminister, Genosse Haenisch, gas von einem Mifstande zeugt, dann muß er es an die Deffent Schulkollegiums, noch bei den Verhandlungen innerhalb meines zur Beteiligung des jungen Liebknecht an den Berliner Unruhen gelichkeit bringen. Mit dem Wort„ Denunziation" wollen Sie( nach Ministeriums festgestellt worden war. Ich habe es deshalb für fagt hat, unterschreiben wir auch heute noch. Der junge Liebknecht rechts) eine abfichtliche Täuschung.( Buruf bei den Soz.: Echt christ angebracht gehaften, ein Mitglied meines Ministeriums nach Leipzig beteiligte fich in feiner Weise an den Ausschreitungen der Mordfich Pfui!) Wir brauchen endlich Geschichtsbücher für unfere zu entfenden, damit er dort die Aften des Staatsgerichtshofs ein- brenner. Sein Idealismus kann mit den Meuchelmordgedanken des Jugend, die uns nicht mehr fächerlich machen. Aber man weiß ja, jehe und fefiftelle, welche Aussagen der Primaner Stubenrauch in Schülers Stubenrauch in feiner Weise verglichen werden. Der Fall daß die wahre Liebe des Ministers nicht der Republif gehört. Die dieser Hinsicht gemacht hat. Stubenrauch hat deswegen in weiten Kreisen so große Entrüftung Roalition darf den Parteien nicht die Freiheit der Kritik nehmen. Der von mir entsandte Beamte ist diese Nacht zurückgekehrt. hervorgerufen, weil er einen Blid in einen Abgrund von Unmoral Eine parteipolitische Schule können wir nicht brauchen, dafür aber Er hat in Leipzig indes nur die Aussagen des Stubenrauch in der und Berkommenheit in den nationalistischen Kreisen der deutschen Staats- und Boltsgefinnung. Fort mit der Alkohol- und Tabatpest Boruntersuchung einsehen können, während das Stenogramm der Jugend tun ließ. Wir freuen uns über die mannhaften Worte, die auch in unserer Jugend! Auch in das Reffort des Kultusministe- Hauptverhandlung, soweit es die Aussagen Stubenrauchs angeht, der frühere Reichskanzler Fehrenbach am Staatsgerichtshof in Leipzig riums müssen Beomite hinein, die politische Berantwortung tragen. noch nicht übertragen worden war. Bei dem Vortrag des von mir zum Fall Stubenrauch gesprochen hat. Wir freuen uns doppelt, daß ( Lebh. Zurufe rechts: Aha, aha! Sozialdemokraten!) Dem barf entjanden Beamten erhielt ich vom Provinzialschulkollegium die er sich im Reichstag abermais zu diesen seinen Worten bekannt hat. sich der Minister nicht verschließen..( Beifall bei den Soz. Lebh. Nachricht, daß das Lehrerkollegium des Paulsen- Realgymnasiums Am Herrn Minister wäre es gewesen, gerade im Anschluß an diese Burufe rechts: Und der Fall Stubenrauch?) auf Anordnung des Herrn Oberpräsidenten gestern Stellung zu Worte alle Lehrer und Lehrerinnen zu mahnen, endlich von der Die Große Anfrage der Deutsch nationalen fnüpft an dem Fall Stubenrauch genommen hat, und sich gegen seine Ver- nationalistischen Vergiftung der Jugend abzulassen. Diese Veran die Aeußeruna Fehrenbachs in Leipzig, daß in solchen Gr weifung von der Anstalt, dagegen für eine fille Entfernung aus- giftung geht von den nationalistischen Jugendbünden aus, und desziehungsanstalten Zustände herrschen, die geradezu gemeingefährlich gesprochen habe. Ich habe mich daraufhin fofort mit dem Herrn halb hat unsere Genoffin Frau Dr. jur. Wegscheider sehr gut daran find für das deutsche Volt", und fraat, was das Staatsministerium Oberpräsidenten in Verbindung gefest und bin mit ihm darüber getan, wenn sie diefe Bünde einmal genau schilderte. Vor allem tun will, um dieser haltlosen Beschuldigung der seiner Obhut ander einig, baß eine Ausführung dieses Beschlusses vor Meldung des der Deutschnationale Jugendbund bildet eine ständige Ursache lebtrauten höheren Lehranstalten wirksam zu begegnen. Beschlusses an den Herrn Oberpräsidenten nicht in Frage kommen hafter Beunruhigung unserer Schulen. Wenn der Minister unter tönne. Der Oberpräsident teilt mir soeben telephonisch mit, daß Berufung auf Worte Stresemanns im Reichstag seine Stellung zum er die Ausführung des Beschlusses des Lehrerkollegiums Staat und zur Republik hier nochmals zu präzifteren versucht hat, inhibiert hat. Sie dürfen überzeugt sein, daß ich mit aller so möchten wir doch von ihm verlangen, daß er seinen Worten Strenge vorgehen werde, und daß ich selbstverständlich auf dem nun endlich einmal auch die Konsequenzen folgen läßt. Standpunkt stehe, daß ein Schüler, der solche Mordpläne auch nur er von der Bejahung des Staates, fo wie er vor uns steht, gesprochen hat, gut, dann muß er auch im Sinne der Reichsverfassung äußert, auf den Geist unserer Schulen einzumirten sich bemühen. Reichsverfaffung aber verlangt die Förderung des republikanischen Gedantens und des Gedankens für Bölferversöhnung. Wir müssen barauf bringen, daß in unseren Schulen, vor allem in unferen mittleren Schulen, diesen Gedanken Rechnung getragen wird. Wer republikanischen Gedanken dienen.( Lebhafter Beifall.) heute der Staatsbejahung dienen will, muß der Republik und dem Abg. Delze( Dnat.): Die leidenschaftlichen Darlegungen der Borrednerin haben alles mögliche berührt, nur nicht den Fall Stubenrauch.( Lebh. Zustimmung rechts.) Wir befinden uns in ganz ähnlicher Lage wie vor hundert Jahren nach den Befreiungs. friegen; es scheint aber leider, als ob die aus einer Zeit zu ziehende Lehre ganz ungenuht bleiben foll. unter feinen Umständen auf der Schule bleiben darf. Der von mir mit den Erhebungen in Leipzig betraute Beamte hat sich noch heute morgen in meinem Auftrage zu dem Provinzial fchultollegium begeben und dort die weiteren Maßnahmen in die Wege geleitzt. Wenn Die Im Jahre 1919 wurde in Berlin ein Sohn Liebknechts festgenommen, der sich am Aufstand beteiligt hatte; aber damals ift man gegen diefen Oberprimaner Liebknecht nicht eingeschritten. ( Rufe rechts: Was fagen Sie nun?) Der vormalige Reichstargler Fehrenbach hat im Reichstag legten Freitag fich ausdrücklich zu feiner Leipziger Aeußerung befannt. Mit aller Entschiedenheit weise ich den Vorwurf zurück, daß an den höheren Lehranstalten eine bewußte Berhöhnung des Staatsgedankens betrieben wird. StaatsNach diesen kurzen, aber überaus wirkungsvollen Ausführungen gedante und Staatsform werden hier verwechselt. Herr Fehren unferes Genoffen Hauschild, die trog der vorgerüdten Zeit auf bas bach hat unbewiesene Behauptungen aufgestellt, er ist das Opfer müde Haus starten Eindruck machten, tam noch ein deutschnationaler falfcher Informationen. Mit der Boltsgemeinschaft verträgt sich der wird. In bezug auf die Geschichtstücher lasse ich durchaus den vor Redner zu Worte. Einige persönliche Bemerkungen folgten, und nach Klaffenkampf nicht. zwei Jahren ergangenen Erlaß des Ministers Haenisch beachten. 18 Uhr vertagte sich das Haus auf Dienstag, den 21. November. Bestas Selfenpulver Dixin erleichtert Washes Ohne Chlorates In meinem Erlaß vom 4. 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