Nr.517 39.Jahrgang Ausgabe B Nr. 251 Bezugspreis: Für den Monat November 400,-., voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet sowie Oesterreich und Luxemburg 496,-M., für das übrige Ausland 665,-M. Postbestellungen nehmen an Belgien, Dänemark, England, Estland, Finnland, Frankreid, Solland, Lettland, Lugemburg, Defterreich, Schweden, Schweiz. Tschechoslowakei und Ungarn. Der ,, Bormärts" mit der Sonntags. beilage ,, Bolt und Zeit", der Unterhaltungsbeilage ,, Heimwelt" und der Beilage ,, Siedlung und Kleingarten" erfcheint mochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: » Sozialdemokrat Berlin Abend- Ausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 7 Mark Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezetle to ftet 80,-. Reflamezeile 400,- 932. ,, Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 20, M.( zulässig zwei fett gedruckte Be), jedes weitere Bort 16, M. Stellengesuche und Schlaf ftellenanzeigen das erste Wort 10, M., jebes weitere Bort 8,-. Worte über 15 Buchstaben aubten für zwei Worte. Familien- Anzeigen für Abonnenten Beile 25,-90. Anzeigen für die nächste Nummer milffen bis 4% Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin GB.68, Linden ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Dönhoff 292–295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Mittwoch, den 1. November 1922 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depositenkasse Lindenstraße 3 Havenstein schützt das Reichsbankgold. Gegen die Stütung der Mark. Bährend die Reichsregierung mit der Reparationsfom- ehe wir nicht ein ausreichendes Moratorium erhalten| 3mmerhin wolle fich das Reichsbant- Direttomission in entscheidungsschweren Berhandlungen steht, hätten und eine für uns tragbare Lösung des Reparations- rium einem einmaligen Bersuch Effektentreiberei. die inneren Auseinandersegungen über die Gegenstände, die problems nicht wenigstens in sicherer Aussicht steht. Und nicht dort zur Beratung stehen, vielleicht besser geschwiegen. Die minder sei ein Erfolg dadurch bedingt, daß auch die übrigen, hier zur Ausgabe solcher Schazanweisungen nicht Absicht zu solcher Zurückhaltung wird aber dadurch durch sehr ernst mitsprechenden und auf eine Regelung drängenden Fragen: widersehen, wenn die Gesamtsumme auf einen geringfügigen kreuzt, daß das Wolffsche Telegraphenbureau foeben einen Be- Steigerung der Arbeitsleistung, Einschränkung Goldmartbetrag beschränkt bleibt, der Erlös der Schazanweisungen richt über die Sigung des Zentralausschusses der Ausgaben, Ausgleichung des Budgets, Besserung der der Reichsbant als Sicherheit zugeführt wird und die Rediskontierder Reichsbant vom 28. Oktober veröffentlicht, der eine Handelsbilanz durch Hebung der Ausfuhr und Einschränkung ber barkeit bei der Reichsbant vor Fälligkeit oder eine Beleihung bei scharfe Rede des Vorsitzenden des Reichsbankdirektoriums, Luguseinfuhr einer Lösung entgegengeführt werden. Solange diese den Darlehnskaffen ausgeschloffen ist. Dr. Havenstein, gegen die bekannten Pläne des Reichs. Vorausseßungen nicht gegeben feien, sei insbesondere die Ein. Den Ausführungen des Vorsitzenden über den Goldschahz wirtschaftsministeriums enthält. Da es für die Anhänger fegung des Goldschazes der Reichsbank der Reichsbant stimmte der Zentralausschuß zu. In der Frage dieser Pläne unmöglich ist, die Argumente Dr, Havensteins ein völlig untaugliches Mittel der Ausgabe von Goldschazanweisungen traten die Mitglieder unwidersprochen ins Land gehen zu laffen, wird es notwendig und darüber hinaus eine Verkennung seiner Aufgaben und eine den vom Reichsbankdirektorium geltend gemachten Bedenken fein, die Disfuffion auch unter den gegenwärtigen erschweren schwere und nicht wieder gutzumachende Gefährdung der Zentral- bei. Ein Teil der Mitglieder glaubte noch weitergehen zu den Umständen fortzusehen. notenbant. Die Belastung des Reichsetats durch die Reparations- müssen und lehnte sogar die Vornahme eines Versuches unter Für heute sei nur so viel gefagt, daß ein Teil der Bor- laft- Bar- wie Sachleistungen sei völlig untragbar, und unsere den vom Borsitzenden dargelegten Boraussetzungen ab. aussetzungen, von denen Dr. Havenstein ausgeht, von feiner Handels- und Zahlungsbilanz sei noch sehr viel ungünstiger, als die Seite bestritten wird. Es ist richtig, daß das Ziel der Mart- bisher veröffentlichten handelsstatistischen Zahlen erkennen ließen, stabilisierung aus eigener Rraft allein, ohne fremde und das Passivsaldo des Etats wie der Zahlungsbilanz könne nur Hilfe nicht zu erreichen ist. Die ftrittige Frage aber ist, durch fortgesezte und erschredend große Berläufe von ob beshalb mit der Einsehung der eigenen Kraft gewartet martins Ausland gedeckt werden. Bei dieser Lage der Dinge Die Flucht vor der Mart nimmt an der Börse Wiener For werden soll, bis die fremde Hilfe da ist, oder ob nicht vielmehr tönne mit dem Einfeßen des Goldschahes höchstens für eine furze men an. Da der Weg zum Devisenmarkt für die Hamsterer und erit durch die Einſegung der eigenen Kraft die fremde Hilfe Zeit eine vorübergehende Besserung erzielt werden, auf die dann Spekulanten versperrt ist, wirft sich das flüffige Rapital auf den mobil gemacht werden kann. aber ein um so rapiderer Absturz folgen müßte, und die ertauft wer. Effettenmartt. Hier waren heute groteste KurssteigeEbenso besteht tein Streit darüber, daß die Pläne den würde durch ben bauernden Berlust des Golb.rungen zu verzeichnen. So eröffneten Gelsenkirchener Bergwerks attien mit einem Kurse von 15 000, d. h. 7000 Prozent über dem des Reichswirtschaftsamts mit einem gewissen Risiko sabes oder eines großen Teiles davon verbunden sind. Hier besteht der Gegensah der Meinungen Im Sommer dieses Jahres habe die Reichsbant, einem brin- legten. Deutsch- Luremburger mit 11 000. An allen Mallertafeln aber darin, daß die Gegner jener Pläne, wie Herr Dr. Haven- genden Wunsche der Regierung entsprechend, mit starten prangen die Pluszeichen. Es liegen ungeheure Kauforders ftein, das Risiko gar nicht groß genug schildern fönnen, wäh- Mitteln( rund 230 millionen Bolbmart) auf des in und ausländischen Publikums vor. Man führt die augenrend ihre Anhänger der Meinung find, es gäbe für die dem Devisenmarkt interveniert. Die Abwärtsbewe- blickliche Flüffigteit des deutschen Geldmarktes darauf zurück, deutsche Wirtschaft tein schlimmeres Rifito, gung der deutschen Baluta sei dadurch aber keineswegs gehindert, daß vom Ausland große Martbeträge nach Deutschland zurüdals das Laufenlaffen der Dinge wie fie sind. sondern höchstens für einige Wochen verlangsamt worden. Der Darum glauben wir auch nicht, daß das Problem auf dem Goldbestand der Reichsbant liege gegenwärtig nicht, wie vielfach Bege dürftiger Kompromisse und mühsam abgepreßter fleiner behauptet werde, brach, sondern leiste durch sein bloßes Borhanden Konzeffionen, wie sie Dr. Havenstein zum Schluß in Aussicht sein der deutschen Wirtschaft unschätzbare Dienste; denn er sei stellt, gelöst werden kann. die Grundlage unserer Währung wandern, wogegen ein lebhafter Export von Effetten stattfindet. Am Devisenmarkt verhält sich der berufsmäßige Handel im Hinblick auf die noch ungeklärte Situation in den Verhandlungen mit der Reparationsfommission abwartend. Die Grundstimmung ist aber auch hier feft. Der Dollar wurde gegen Mittag mit 4550 gehandelt. Das Ergebnis der Schweizer Wahlen. Ein Erfolg der Sozialdemokratie. Eine stärkere Ablenkung der Nachfrage vom Devisenmarkt und ebenso die Grundlage der gesamten Wirksamkeit und Aktionsmird allerdings nicht zu erreichen sein, wenn man bestrebt ist, traft der Reichsbant. Ihm allein fei es zu verdanken, daß in Die Gesamtsumme der auszugebenden Schaßscheine auf einen Deutschland die Währung noch nicht völlig zufammengebrochen ift so niedrigen Betrag wie möglich zu beschränken; denn es ist und sich die daraus zu erwartenden chaotischen Wirkungen haben ohne weiteres flar, daß die Stärke der Ablenkung in geradem vermeiden lassen. Der Goldschatz der Reichsbank sei aber auch der 3ürich, 1. november.( TU.)( Frff. 3tg.".) Die Wahlen Berhältnis steht zur Stärke des Ablenkungs faftors, und alleinige Träger und gleichzeitig die Grenze bes Rrebits, in den eidgenöfifchen Nationalrat am Sonntag haben folgendes Erdas ist eben die Summe der auszugebenden Schazanweisun- den die Reichsbant genieße und fortgefeht für Reich und Wirtschaft gebnis gezeifigt: 59 Freifinnige und Demokraten( 59), 44 katholisch gen. Ebenso flar ist, daß die Schazanweisungen allein das nugbar mache. Die Bezahlung der Einfuhr und der Reparationen Konservative( 41), 43 Sozialdemokraten( 38), 35 BauernZiel eines Stabilisierung der Mark erreichen fönnen, wenn in dem bisherigen Umfange fei nur deswegen möglich gewesen, gewerbler und Bündlergruppe( 31), 10 liberale Demokraten nicht eine Stügungsaftion unter teilweiser Inanspruchnahme weil die Reichsbant noch einigen Kredit im( 3entrum 9), außerdem 3 fozialpolitische Gruppe( Grüffianer 6), des Reichsbankgoldes hinzutritt. Es scheint, daß hier dasselbe Auslande habe, der den Verkauf von Mart im Auslande 2 Kommunisten( 3), 2 Parteilofe( 2). Die Vermehrung der sozialSpiel versucht wird, wie mit der Devisenverordnung. Diese zwecks Devisenbeschaffung immer noch gestattet. Es sei bekannt, demokratischen Sihe geschah auf offen der kommuniffen war auch nur als ein Teil einer großzügigen Aktion gedacht. daß die Beschaffung von Nahrungsmitteln und und Grüttlaner. Die Gesamtmacht der Sozialisten beläuft fich Da aber die anderen Teile steden blieben, fam fie allein notwendigen Rohstoffen während des Krieges wesentlich nur da nun auf 22 Pro3. der Gesamtstärke des Nationalheraus, und mun erklärten die Gegner der Gesamtaftion burch ermöglicht wurde, daß Kredit: unter Garantie der Reichsbant rates. triumphierend:" Seht ihr, es hilft nichts!" Der Terror der Fascisten. im Auslande aufgenommen wurden. Der Reichsbank sei das die Eine ausführlichere Auseinandersehung mit Herrn Dr. Garantieleistung ermöglichende Vertrauen im Hinblick auf Havenstein behalten wir uns vor und lassen nun den Bericht den vorhandenen Goldbestand auch ohne deffen förmliche Belastung Rom, 1. November.( TU.) Leider verlief der gesteige Tag über seine Rede folgen. eingeräumt worden. Die Aufbringung der im vorigen Jahr: an Dr. Havenstein beschäftigte fich zunächst mit der starken Krebit die Entente geleisteten ersten Goldmilliarde sei zu einem fowohl in Rom wie anderwärts nicht ohne Zwischenfälle. Die Beise erfolgt sei, um Warenvorräte festzuhalten, oder übermäßige Reichsbank ihren Kredit einfegen konnte, weil sie einen entsprechen verwüsteten sie die Wohnung des kommunistischen Abgeordneten anspruchnahme der Reichsbant, die zum Teil in mißbräuchlicher erheblichen Teil wiederum nur dadurch möglich gewesen, daß die Fafciffen und Nationalisten befehten in Rom den Sig der sozialistischen Parteileitung und die Arbeitskammer. Ferner Bestände ankaufen zu können. In Unterstützung solcher preis- den Goldbestand hatte. Wenn für Verpflichtungen des Reiches auch Bombacci und drangen, wie bereits furz gemeldet, in Nittis Wohtreibenden Aktionen dürfe sich die Reichsbant nicht her- noch die Unterschrift der Reichsbant als zufäßliche Garantie ver geben. Im Anschluß hieran legte er die Auffassung des Reichsbant- langt werde, wie beispielsweise im Falle der belgischen nung ein. Ferner wurde der Direktor der Tribuna" auf der Straße Direktoriums hinsichtlich der echi el, so habe das den gleichen Grund. Mit dem Berlust des verprügelf. In Mailand tam es in einigen Außenquartieren zu verGoldbestandes sei der Kredit und die Attionstraft der Reichsbant fchiedenen Zusammenffößen, wobei einige personen verwundet wurverloren. Damit verschwinde aber gleichzeitig auch jegliches Fun. den. Die Fascisten besetzten zwei Bersammlungslokale und entdament für die unerläßliche fünftige Wiederaufrichtung unserer wendeten die dort vorhandene Munition. Beim Verlassen des Avanti" trugen fie die gesamte Redaffionsbibliothet auf die Straße und zündeten sie an. Weitere Zwischenfälle ereigneten fich in Die Ausgabe von Goldschahanweisungen Novara, Padua, Brescia und Turin. Verwendung des Goldbestandes der Reichsbank Rom, 31. Oftober.( TU.) Nachdem sich die Arbeiterschaft in und hinsichtlich der Frage der Goldshaganweisungen eingehend dar. Insbesondere führte er aus: es sei durchaus verständlich, daß Währung. Infolge der gegenwärtigen Not Deutschlands in weiten Kreisen der Bevölkerung der Wunsch bestehe, es müsse währungspolitisch etwas habe das Reichsbank- Direktorium grundsäglich widerraten. Bon geschehen, um dieser Not abzuhelfen. So dringend notwendig es anderen Bebenten ganz abgesehen, sei das für die Reichsfinanzver. Mailand gegenüber einem Generalitreit abwartend verhält, erläßt aber für Deutschland auch wäre, den Niedergang unserer Währung waltung mit der Verpflichtung zur Einlösung verbundene Risiko, zu hemmen und wieder zu stabilen Berhältnissen zu kommen, so halte falls die Ausgabe größeren Umfang annehme, untragbar und unter nunmehr auch der 211gemeine Gewertschaftsbund an es doch das Reichsbankdirektorium in Uebereinstimmung mit beinahe Umständen für das Reid, wie nicht minder für die Reichsbant, wenn die Arbeiterschaft di: Aufforderung, dem Aufrufe der kommunisti. allen bisher gehörten Sachverständigen, insbesondere auch der Kon- die zur Einlösung der Goldschakanweisungen nötigen Mittel wieber- fchen Gewerkschaftskommission zum Generalftreit nicht Folge zu ferenz von Genua und dem Pariser Bantier- Komitee, für um von der Reichsbant entnommen werden sollten, für diese selbst leisten. Der Allgemeine Gewerkschaftsbund fordert die Arbeitervöllig aussichtslos und unmöglich, fatastrophal. Eine Verwendung des Goldbestandes der Reichsbant fchaft vielmehr auf, sich ruhig zu verhalten und Bertrauen in die für uns, aus eigener Kraft, d. h. ohne internationale als Unterlage für diese Schazanweisungen sei unmöglich; eine Bufunft zu haben. Hilfe, diefes Ziel zu erreichen oder, wie die Konferenz von Genua dauernde Befferung oder gar Stabilisierung der Baluta tönne auf Der IV. Kongreß der Kommunistischen Internationale wird am ausdrücklich erklärt hat, auch nur einen Versuch in der Richtung der diese Weise feinesfalls herbeigeführt werden. Daß die Schazan 4. November in Petersburg eröffnet werden. Am 7. November Stabilisierung der Währung zu machen und mit währungstechnischen weisungen Devisennachfrage vom Devisenmarkt und Warennachfrage wird bie erste Sigung in Mostau abgehalten, in der Lenin eine nder währungspolitischen Maßnahmen hier einen Erfolg zu erzielen, vom Warenmarkt in größerem Umfange ablenten und den Sinn Rede balten wird. Am 20. November wird der Internationale ehe nicht die Grundursache der Not Deutschlands beseitigt wird, d. h. für Sparsamkeit wieder beleben würden, sei taum zu erwarten. Gewerkschaftstongreß eröffnet. Das unhaltbare Fechenbach- Urteil. Das Reichsjustizministerium über das Anklagedelift. Wie wir schon mitgeteilt haben, ist die unter Berufung auf die Münchener Staatsanwaltschaft aufgestellte Behauptung des Bayerischen Kuriers", daß der Oberreichsanwalt Eber. mayer die Rechtsauffassung des Fechenbach- Urteils über Landes verrat teile, unwahr. Der Oberreichsanwalt ist mit dem Falle Fechenbach nicht befaßt worden; seine grundsägliche Stellungnahme zum Landesverrat nach§ 92 Nr. 1 des Strafgesetzbuchs in einer anderen bayerischen Sache, der Münchener Staatsanwaltschaft gegenüber stützt sich auf folgende, ihm im März 1922 vom Reichsjustizministerium übermittelte Aufzeichnung: nicht in der Mitteilung von der Eristenz eines verbotenen Waffenlagers, sondern in der Mitteilung, daß die deutsche Regie. rung heimlich ihren Verpflichtungen aus dem Friedensvertrage zu widerhandele. Dies wird meist in den Fällen zutreffen, in denen bar einer Entente tommiffion anzeigt. jemand das Vorhandensein eines verbotenen Waffenlagers unmittelIn letzter Zeit ist gegen Personen, die in der Preffe mit teilungen über das Vorhandensein verbotener Waffen Lager" gemacht haben, wegen Landesverrats auf Grund des§ 92 Rr. 1 des Strafgesetzbuches eingeschritten worden. Die Anmendung der Strafvorschrift fest objektiv voraus, daß die Geheimhaltung dieser Nachricht gegenüber einer anderen Regierung für das Mit dieser maßgebenden Auslegung vergleiche man nun die BeWohl des Reiches oder eines Landes erforderlich ist. Diese Vorausfegung liegt wesentlich auf tatsächlichem Gebiet und wird in erster gründung des Fechenbach- Urteils: Beröffentlichungen über geheime Linie von der Beurteilung begutachtender Stellen abhängen. Dabei Waffenlager und bewaffnete Organisationen sind immer dann darf aber der rechtliche Gesichtspunkt nicht außer Betracht bleiben, als Landesverrat anzusehen, wenn ausdrücklich gesagt oder auch daß eine Nachricht nur dann als eine geheim zu haltende im Sinne nur durch Stillschweigen der Anschein erweckt wird, daß eine Redes§ 92 Nr. 1 angesehen werden kann, wenn aus ihrer Bekanntgabe gierung diese Dinge begünstigt." Der Sachverständige im Münch die Gefahr ernster außenpolitischer Berwidlun ner Prozeß. Dr. Thimme, hat im„ Borwärts" zwingend nachgegex droht. Das Reich oder das Land muß also ein erhebliches wiesen, welches Fehl urte il dort gesprochen worden ist. Die überaußenpolitisches Intereffe haben, zwar nicht an dem Vorhanden fein verbotener Baffenlager, wohl aber daran, daß zeugende, weil so einfache und flare Darlegung der obersten deutschen etwa vorhandene verbotene Waffenlager den Verbandsmächten ver. Justizbehörde gibt dem Münchener Urteil juristisch den Rest. heimlicht werden. Der Umstand, daß Deutschland nach dem Friedensvertrage zur Ablieferung der Militärwaffen verpflichtet ist, Arbeiterpreffe und Fechenbach- Urteil. braucht ein solches Interesse an der Berheimlichung verbotener Der Vorstand des Vereins Arbeiterpreffe hat am DiensWaffenlager nicht zu begründen. Das außenpolitische Intereſſe tag einmütig zu der Bedrohung der Sicherheit der journalistischen Deutschlands bewegt sich vielmehr in einer anderen Richtung: es geht dahin, die durch den Friedensvertrag auferlegte Verpflichtung Berufsausübung durch das Urteil des Münchener Volksgerichts möglichst vollständig zu erfüllen, nicht aber dahin, die Tatsache, folgende Kundgebung beschlossen, die dem Reichsjustizminister über. daß eine vollständige Erfüllung troß aller Anstrengungen noch nicht mittelt worden ist: möglich gewesen ist, zu verbergen. Um die Verpflichtung zur Waffenabgabe Der Hermes- Prozeß. ( 2. Tag.) In seiner weiteren Vernehmung erklärt Minister Dr. Hermes im eigentlichen Staatsdienst seit 1918 tätig zu sein. Zeuge von Subjektiv setzt die Bestrafung abgesehen von dem Vorfaz Heimburg, Referent für die Schädlingsbefämpfung, befundet: der Bekanntgabe voraus, daß der Täter weiß, die Geheimhaltung Etaismäßig waren nur wenige Mittel zur Bekämpfung vorhanden. der Nachricht sei für das Staatswoohl erforderlich. Nimmt er irr Deshalb regte Herr Hermes an, daß der Ausschuß für Dele und tümlich an, daß das Staatswohl durch die Bekanntmachung nicht Fette etwa 300 000 M. zur Verfügung stelle. Das geschah. Danach berührt werde, so irrt er über ein Tatbestandsmerkmal. Eine Ver- haben wir uns den Verteilungsplan überlegt. Da eine großzügige urteilung ist daher, auch wenn man der obigen Auffassung hinsicht Bekämpfung mit dieser Summe nicht möglich war, wollten wir das lich des objektiven Tatbestandes nicht beitritt, nur möglich, wenn Geld hauptsächlich zur Propaganda verwenden. Das war 1919. Herr dem Angeklagten nachgewiefen wird, daß er sich der Notwen- Hermes hat großes Interesse für den Weinbau gezeigt. Vors: digkeit, die Nachricht im außenpolitischen Intereffe geheim zu halten, Schon vor den Weinlieferungen? R.-A. Alsberg: Hatten Sie bewußt gewesen ist. Hat er, ohne sich das flar zu machen, lediglich den Eindrud, daß Herr Hermes den Winzerverband begünstigen zu dem Zwecke gehandelt, die Aufmerksamkeit der deutschen Behörden wollte? Zeuge Heimburg: Nein. R.-A. Dr. Levi: Wissen auf den gesetzwidrigen Zustand zu lenten, so muß aus subjektiven Sie etwas über die tatsächliche Verwendung des Geldes? Beuge: Gründen die Freisprechung erfolgen. Nein. Zeuge Huber( damals Staatsfefretär unter Hermes im Ministerium, jekt Regierungspräsident in Ansbach) foll Auskunft geben über die Zuderzuweisungen und befonders darüber, ob auch noch andere Lieferungen außer den im Prozeß erwähnten stattges funden haben und befundet: Es tamen eine Reihe von Gesuchen der Winzer um Zuder. Bors.: Hatten Sie von dem Trierschen Winzerverband schon vor der Sigung vom 18. Dezember 1920 Renntnis? Zeuge: Ich denke ja. Borf.: Sie sind also aufgefordert worden, zur Sigung zu kommen und das Gesuch ist dort besprochen worden? Zeuge: Ja. In der Sizung war der Weinreferent gegen die Buckerzuweisung, der Zuckerreferent war natürlich erft recht für Zurückhaltung. Vorf.: War die Stellung Diehls abio lut ablehnend? 3euge: Das ist schwer zu sagen. Vorf.: Hat Diehl vielleicht auch andere Vorschläge gemacht für einen Ausgleich in der Zuwendung? 3euge: Ich glaube, ja. Herr Jaffe, der Re ferent für die tefekten Gebiete, war aus politischen Gründen für die Zuweisung. Ich war ebenfalls für die Ruweisung. Wiederholt maren aus der Moselgegend Klagen und Wünsche laut geworden. Am 18. Dezember wurde über die Art der Bufeilung gesprochen. Ich glaube nicht, daß diefes Thema gerade vom Herrn Minister angeschnitten wurde. Der Weg über die Kommunalverbände war nicht mehr gangbar, daher sollte der Wen über die Interessentenperbände eingeschlagen werden. Ich hatte Bedenken gegen die Ausschaltung der Länder, der Minister war für die Ausschaltung. Bors: Hatten Sie das Gefühl, daß der Minister den Winzerverband beaünftigen mollte. 3euge: Nein. Generalstaatsanwalt v. 2indow: Hat der Herr Minifter im Zeuge: Die Entschei Amt Eingaben besonders behandelt? dung lag bei den Abteilungsvorständen. Beune Ministerialrat Jaffé, Referent für die besetzten Gebiete im Ernährungsministerium, berichtet über die Wünsche und Klagen. der Winger. Er habe den Gedanken der Zudereinfuhr zurückgewiesen und dabei angedeutet, ob nicht ähnlich wie beim Einmachezucker auf andere Weise geholfen werden könne. Das Münchener Volksgericht hot im Prozeß Fechenbach und Genossen wegen Landesverrats, sowohl in der Prozeßführung wie in seinem Urteil, eine Stellungnahme befundet, die der Ausübung zu erfüllen, hat das Reich getan, was in seinen Kräften stand: es hat der journalistischen Berichterstattung schwerste Gefahren eine planmäßige Entwaffnungsaktion durchgeführt, insbesondere in dem Entwaffnungsgefeß vom 7. August 1920 die Ablieferung aller in den Weg stellt. Es hat die Zuziehung journalistischer Sachver Militärmaffen bei schwerer Strafe und unter Ausschreibung von Be- ständiger abgelehnt und sich selbst als fachverständig genug bezeichnet. lohnungen vorgeschrieben und besondere Stellen zur Durchführung Die eigenart ge Schwierigkeit der journalistischen Tätigkeit läßt es der Entwaffnung eingerichtet. Als Regel muß ferner angenommen ganz ausgeschloffen erscheinen, daß sich Berufsfremde und Laien ein werden, daß auch die mit der Durchführung der Entwaffnung be- richtiges fachliches Urteil über die Problematif des Zeitungsbericht trauten Behörden ihre Pflicht erfüllt haben. Unter diefen um erstatterd enftes bilden fönnten. Wenn das Münchener Boltsgericht ständen enthält die bloße Mitteilung, daß sich irgendwo ein Waffen- fich selbst für fachverständig genug erklärt, so kann das nicht anders lager befindet, nichts weiter als die Bekanntgabe einer objektiv dem gewertet werden benn als Ausfluß einer objettiven Ueber Friedensvertrage zuwiderlaufenden Tatsache. Diese Tat- fchätzung feines Vermögens. Ein Gerichtsurteil, das nicht auf fache für sich allein kann angesichts der zur Durchführung der Ent- die fachlich richtige Bewertung der zur Erörterung stehenden Borwaffnung getroffenen Gesetzes- und Verwaltungsmaßnahmen nur gänge sich aufbaut. muß ein Fehl urteil sein. den Schluß rechtfertigen, daß es einigen Berfonen, wie unvermeidlich, Der doch zu Wort gekommene einzige politische Sachverständige, gelungen ist, die deutschen Gesetze und Behörden zu hintergehen, der bekannte Historifer Dr. Thimme, hat ein Gutachten abgegeben, nicht aber den Schluß, daß das Reich schuldhaft die Erfüllung seiner das zugunsten der Argeflaaten sprach. Dennoch ist es zur BerBerpflichtung vernachlässigt hat. Allerdings ist bei der durch den urteilung zu außerordentlich hohen Strefen gekommen. Eine beFriedensvertrag gefchaffenen Lage Deutschlands die Möglichkeit nicht fondere Gefährdung der journal stischen Berufstätigteit Begt aber in ausgefchloffen, daß die Verbandsmächte die Tatsache, daß es der Re- folgenden Worten der Urteilsbegründung: gierung trotz aller Bemühungen nicht gelingt, sämtlicher Waffen habhaft zu werden, zum Vorwand nehmen, um dem Reich Schwierig teiten zu bereiten. Das wäre aber ein Mißbrauch der durch den Friedensvertrag gefchaffenen Gewaltverhältnisse und wird die Aus. nahme bilde. Im Regelfall wird die deutsche Regierung, wenn sie darlegen kann, daß sie ihre Schuldigkeit getan hat, etwaigen Vorstellungen der Berbandsmächte wegen der Eristenz verbotener Waffenfager ruhig entgegensehen tönnen. Jedenfalls find außenpolitische Schwierigkeiten, die möglicherweise hieraus entstehen, minimal im Vergleich zu denen, die sich aus dem Bekanntwerden der Tatsache ergeben würden, daß die Deutsche Regierung die öffentliche Anzeige über die Exiflenz von Waffenlagern als Landesverrat verfolge und dadurch ihr eigenes Interesse an der Berheimlichung dieser Waffenlager dokumentiere. " Beröffentlichungen über geheime Waffenlager und be waffnete Organisationen find immer dann als Landes verrat anzusehen, wenn ausdrücklich gefagt oder auch nur durch Stillschweigen der Anschen erweckt wird, daß eine Regierung diefe Dinge begünstigt." Wenn diese Stellungnahme Gemeinout ber beut. fchen Rechtspflege würde, wäre das das Ende der Sicherheit der journalist schen Berufsführung und eine schwere Verletzung der verfaffungsmäßig garantierten Preßfreiheit. In einigen Blättern wird mit Recht trifistert, daß der Weins prozeß des Ministers Dr. Hermes genau in den Tagen abgehalten wird, in denen der Reichsfinanzminister seine Kraft besser an anderer Stelle, nämlich bei den Verhandlungen mit der Repa rationsfommission, einsetzen würde. Hierzu erfahren wir, daß auf seiten der beklagten Freiheit" Redaktion durchaus die Bereitschaft zur Bertagung vorhanden war, daß aber Herr Dr. Hermes fich der Bertagung widersetzte. So begreiflich auch der Versuch des Herrn Dr. Hermes nach einer raschen Klärung dieser menig erfreu lichen, aber nicht weltbewegenden Angelegenheit ist, so hätte eine Vertagung den Reichsinteressen jedenfalls besser entsprochen. Ein neues ruffisches Blatt in Berlin. An Stelle der sozial revolutionären Zeitung" Golos Roffi" erscheint in Berlin eine neue unpartetife Beitung Dni"(„ Tage"), die von einer Gruppe Tintsdemokratischer Politiker geleitet wird und ibre Spalten der freien Aussprache der ruifischen demokratischen Gruppen öffnen will. auch Kerenski ist an der Schriftleitung des Blattes beteiligt. Der fowjetukrainische Handelsvertreter in Deutschland, Herr Augem, ist nach längerer Abwesenheit nach Berlin zurückgekehrt. Herr Außem bat, wie der Dit- Expreß erfährt, in Moskau Bes ratungen bezüglich gewiffer Modalitäten des Rapallo- Vertrages im Zusammenbang mit der bevorstehenden Ausdehnung dieses Vertrages auf die Utraine gehabt. Man erwartet nunmehr eine Beschleunigung dieser Angelegenheit. Ein Sonderausschuß bei der Berliner sowjetruifiichen Handelsvertretung ist zurzeit mit der Bor bereitung und Zusammenstellung des Materials für den Entwurf Der Verein Arbeiterpresse, der die Berufsvertretung aller im Dienste der modernen Arbeiterbewegung tätigen Journalisten ist, bittet dringend um beschleunigte Maßnahmen zur Klärung der erwähnten Prozeßvorgänge und der Urteilsbildung des Mün Hiernach wird es bei der öffentlichen Bekanntgabe verbotener chener Boltsgerichts. Er bittet ferner, durch Anwendung geeigneter Waffenlager schon obejftio regelmäßig an dem Tatbestande des§ 92 Maßnahmen die schmere Beunruh gung des für Wirtschaft und Staat Nr. 1 fehlen. Dieser Tatbestand wird vielmehr in der Regel gleich wichtigen deutschen Journalistenstandes durch das Münchener nur vorliegen, wenn mit der Bekanntgabe zugleich der ausdrückliche Urteil zu beseitigen und die verlegte Rechtssicherheit für die oder stillschweigende Vorwurf verbunden ist, daß die deutschen Ausübung des journalistischen Berufes wiederherzustellen. Behörden das Borhandensein von Waffenlagern im Widerspruch zum Insonderheit bittet er um Verwendung dafür, daß den Opfern des Friedensvertrage und zu der innerstaatlichen Gefeßgebung begün- Münchener Urteils die Freiheit wiedergegeben wird, die sie bei einer stigen oder dulden. In diesem Falle liegt aber der Schwerpunkt sa chverständigen Behandlung des Prozesses behalten hätten. des deutich- russiichen Handelsvertrages beschäftigt. Hauptversammlung der Volksbühne. Am Montag abend fand im Rosenthaler Hof" die diesjährige Sjauptversammlung der Berliner Boltsbühne E. B. statt, in der sich die in den 5 Mitgliederversammlungen gewählten Delegierten zu fammenfanden. Es war eine Zusammenkunft in einer für die Voltsbühne sehr ernften Zeit. Die wirtschaftliche Entwicklung der letzten Monate bedeutet eine gewisse Gefährdung der wichtigen Kulturarbeit der Boltsbühne. Die fortgesette Geldentwertung zwang die Vermaitung des Vereins zu wiederholten Beitragserhöhungen, und schließlich muß damit gerechnet werden, daß ein Teil der Mitglieder nicht mehr in der Lage ist, die Borstellungen zu bezahlen. Dabei ist, worauf der Borsitzende des Vereins, Georg Springer, in feinen Ausführungen nachdrücklich hinwies, der Berein bemüht, über all größte Sparfamfeit zu üben. Tatsächlich sind die Beiträge der Boltsbühne ja auch durchaus noch nicht in dem gleichen Berhältnis geftiegen wie die Preise der meisten anderen Lebensbedürfnisse, nicht einmal in dem gleichen Maße wie die Löhne der meisten Arbeiter. Denn wenn ein Arbeiter in der Vorfriegszeit im allgemeinen zwei Arbeitsstunden opfern mußte, um die 1,30 m. Beitrag für eine Abendvorstellung aufzubringen, so entspricht der vom 1. November an zu zahlende Beitrag von 100 M. für eine Abendvorstellung doch nur dem, was ein Arbeiter heute im allgemeinen in einer Stunde verdient. Aber die Steigerung der Preise für Lebensmittel und Kleidung, die weit über die Erhöhung der Arbeitslöhne hinausgeht, legt manchem nahe, auf all das zu verzichten, was nicht im engsten Sinne des Wortes dem Lebensunterhalt dient. So bedeutet die unausgesezte. Geldentwertung immerhin für die Voltsbühne die Ge fahr des Abspringens von Mitgliedern, und gerade solcher, für die fie eigentlich gedacht ist und auf die es ihr am meisten antommen muß. Gine Gefahr, die noch durch den Verschleiß billiger Theaterfarten solcher Bühnen, die in erster Linie dem zahlungsfähigen Bublifum dienen, aber nicht selten das„ Bolt" als Füllsel benötigen, verstärkt wird. vor trog aller wirtschaftlichen Schwierigkeiten auf einer durchaus| faffen und sie in ein neues Melodrama umzugießen, das den Angefunden Grundlage steht und mit gutem Gelingen seine hohe schein eines modernen Schauspiels haben sollte." Doch tiefer AnKulturmiffion erfüllt. Der Bericht bot einen ausgezeichneten Ueber- fchein( das trat in dieser Neuaufführung mit ihrer glänzenden Be blick über die vielseitige fünstlerische Arbeit der Organisation. Der setzung der Hauptrollen wieder schlagend hervor) ist mehr als das. Die lebhafte Debatte bewies, daß das Vertrauen der Mitglieder hinter den abenteuerlichen Berwicklungen und Effekten tauchen hinter der Vereinsleitung steht. Die künstlerischen Leistungen des ganz eigenartige, tief ins Seelische leuchtende Streiflichter auf Vereins fanden durchweg Anerkennung, der Geschäftsführung gegen und in das Pathos des Heldentums mischt sich bei den Verhandüber wurde zum Ausdruck gebracht, daß die übergroße Mehrzahl lungen des englischen Kriegsgerichts( es ist die Zeit des amerikanider Mitglieder jedenfalls die Notwendigkeit der Beitragserhöhungen schen Unabhängigkeitsfrieges) zugleich die zersetzendfte, den Zynis vollfommen einsehe und dem Verein die Treue halten werde. Eine mus militärischer Gewaltherrschaft ironisierende Perfiflage. Reihe von Anfragen und Anregungen wurden in die Debatte ge- trogige Bursche Alfred Bassermann's war von prächtiger Na worfen und behandelt. Zwei Anträge fanden einstimmige Annahme. turwüchsigfeit. Ein gründlicher Verächter aller Heuchelei, fehrt er Der eine erhebt Einspruch gegen die Konkurrenz, die der wichtigen zuerst felbst gegen Pastor Anderson und beffen junge, schöne Frau, fulturellen Arbeit des Vereins durch manche Betriebsräte und Ge- für die sein Herz in heimlicher Berehrung glüht, borstigste Stacheln wertschaften bereitet wird, indem sie Theaterbilletts von privaten Ge- hervor. Wundervoll gelangen die entscheidenden Szenen des zweiten, schäftstheatern zu ermäßigten Preisen verschleißen, ohne daß eine innerlich bewegtesten Attes. Winterstein, in der Figur des organisierte Befucherschaft einen Einfluß auf die Theaterführung Bastors, und Else Heims als Gattin standen ihm in voller Ebengewinnt und ohne daß die Besucher gegen hohe Nachzahlung für bürtigkeit zur Seite. Wie die männlich- schlichte Herzlichkeit des Kleiderablage, Programmzettel usw. gefchützt werden. Die zweite Geistlichen, der ihn vertrauensvoll mit seiner Frau allein läßt, Resolution besagt: Richards Mißtrauen besiegt, wie durch seine ungelenken Reden das Gefühl, das er für diese Frau hegt, in leisen Wendungen hindurch fcheint, wie in der Frau, die ihn gehabt hat, die Sympathie sich regt dies stille innere Geschehen fam zu lebendig ergreifendem Aus brud. Der spöttische General des Kriegsgerichts war durch Kurt Göz brillant vertreten. John Gottomt, der im Stüd den jün= geren Bruder des Helden, einen blonden Trottel, wirffam spielte, führte die Regie. Starter, verdienter Beifall dankte den Künstlern am Schluffe. Die am 30. Oftober 1922 tagende Delegiertenversammlung der Volksbühne E. B., zusammengetreten im Auftrage von 167 000 Mitgliedern, wendet sich an die gesamte Mitgliedschaft mit dem ernsten Appell: für die Zwecke unserer Organisation und ihrer gemeinnügigen Theaterunternehmungen tein Opfer zu scheuen. Die Kosten der Theaterführung sowie die Kosten für die so nötige Fertigstellung des Hauses am Königsplay zwingen immer noch zu Beitragserhöhungen, die getragen werden müssen zur Aufrechterhaltung unseres von aller Welt anerkannten Kulturwertes. dt. Die billigen Gamaschen. Man fann mit beftem Willen nicht sagen, diefer oder jener Gegenstand foftet so oder soviel. Die DiffeJedes Mitglied, jeder geistig und fünstlerisch Interessierte renzen sind zu grotest. Wer Zeit, Geld und Nerven hat, die Stadt helfe an diesem Werte, das vielen Taufenden das unentbehrlichste zu durchwandern, mag auch heute noch auf ganz unwahrscheinlich geiftige Brot vermittelt, auch durch Entnahme von Teilschuldver- günftige Gelegenheitstäufe ftoßen. Die Spannweite der Preise ist schreibungen für den Baufonds. Auf seinem Wachsen beruht die oft von ungeheuerlicher Ausdehnung. Ein fleines Beispiel. Ich nächste Zukunft unserer Organisation." taufe für mein Töchterchen warme Wintergamaschen. Setze es mir Schwere Sorgen bereitet dem Verein auch die Bollendung der Die ausscheidenden Verwaltungsmitglieder wurden sämtlich in den Kopf, die Stadt folange abzuflappern, bis ich etwas Er Bolksbühne am Königsplay, deren Herstellung aus der ehemaligen wiedergewählt. Der Kaffenabschluß, bei dem Einnahmen und Aus- fchwingliches finde. Ja, ich riskiere von allem Anfang an einmal Kroll- Oper der Verein bekanntlich in Angriff genommen hat. Die gaben sich fast völlig die Wage halten, wurde genehmigt. Mit etwa 60 M. Fahrspesen. Hier ein paar Aufzeichnungen von der rapide Geldentwertung hat die Baufoften in den letzten Monaten zu warmen Worten, die durchbrungen waren von dem Glauben an die Odyssee nach den Gamaschen. Erstes Geschäft, mittlerer Ordnung, einer außerordentlichen Höhe hinaufgetrieben. Die Wirtschaftlich Zukunft der Boltsbühne, schloß der Leiter Kurt Baate die Ver- Lage: Weften, Preis 1800 M. Zweites Geschäft Warenhaus im feit des Betriebes wird durch die Berteuerung des Baues nicht ge- fammlung. Zentrum, Preis 2200 M. Drittes Geschäft: Spezialhaus 2000 m. fährdet, da ja die erhöhten Mitgliederbeiträge auch eine weit größere Biertes Geschäft: Lage: ganz weit draußen, Breis 3000 m. Fünftes Berzinsung und Tilgung des Baugeldes gestatten. Aber sehr schwie Tribüne:„ Der Teufelsschüler" von Bernhard Shaw. Etwa zwei Geschäft: Lage: abseitige Nebenstraße, indifferente Gegend, Preis rig gestaltet sich in einer Zeit ungewöhnlicher Geldknappheit die Auf- Jahrzehnte ist es her, daß Shaw, der Ire, zum erstenmal in einer 1200 M. Sechftes Gefchäft: mittlerer Ordnung, nahe dem Weften. bringung der letzten 30 Millionen, die zur Fertigstellung des Baues Aufführung der„ Helden" durch die alte Freie Bolfsbühne vor einem Und hier fand ich ein Paar Gamaschen gleicher Qualität und gleicher noch benötigt werden. Die Möglichkeit besteht, daß der Verein noch deutschen Bublikum erschien; ein paar Jahre später wurden ebenda Größe alte Ware wie die Verkäuferin versichert, für höret, ein größeres Bankdarlehen erhält. Aber in erster Linie fommt Miß Warrens Gewerbe und Der Teufelsschüler gegeben. Wie ftaunet, faßt euch an die Nase, kneift euch in die Wange! für vierdoch alles auf eine tatkräftige Hilfe der Mitglieder an, die dem Ver- über seine duftig- zarte Candida" hat er sich auch über seinen ro- undachtzig Mart! Die Spannweite betrug alfo 84 zu 3000 Mart, cin jeden noch fo geringen Betrag als Darlehen geben fönnen, wo busten„ Teufelsschüler", der in der Sammlung Stüde für Buri- fomit ungefähr das Bierzigfache! Das flinat wie ein gut erfundenet für er ihnen festverzinsliche und binnen 25 Jahren rückzahlbare taner" erschien, gelegentlich luftig gemacht. Er erzählt, daß er die in Spaß, ist aber von a bis& wahr. Jest will id noch Butter suchen Teilschuldverschreibungen aushändigt. regung durch einen berühmten Londoner Melodramatiker erhalten. meinetmegen alte Ware für 84 M. das Pfund. Da ein Pfund So beschloß ich, all die abgedroschenen Zwischenfälle und abge Butter in Berlin an 800 m. foftet, würde die Preisspannweite 3 ftandenen Situationen, die in den Londoner Spettafelstüden der nur das Zehnfache betragen. Aber ich fürchte, das Gamaschenglü m. Pr. letzten zehn Jahre so treue Dienste geleistet hatten, zusammenzu. wird mir auf dem Buttermarkt nicht hold sein. Der Geschäftsbericht des Bereinsvorsitzenden war natürlich in erster Linie diesen wirtschaftlichen Sorgen der Vereinsleitung gewidmet. Er gab aber auch den Beweis, daß der Verein nach wie " Berlins Millionenverkehr. Cs ist schwierig, einen eindrucksvollen Begriff zu geben von den gewaltigen Anforderungen, die eine Millionenstadt an ihre Verkehrsmittel stellt. Jetzt liegt die Verkehrsstatistik der Reichs bahndirektion Berlin für das Jahr 1921 vor, und die dort gefammelten Zahlen, die die Reichszentrale für deutsche Berkehrsroerbung" mitteilt, sind von einer überraschenden Wucht. Der Garnisonfriedhof in der Hasenheide stand heute vormittag aus Anlaß des Allerheiligentages der katholischen Kirche im Zeichen der französischen Farben. Wie alljährlich hatte man auch in diesem Jahre die Gräber der in der Gefangenschaft verstorbenen fran8öfifchen Soldaten mit fleinen französischen Fähnchen geschmückt, die hier und da inmitten der anderen Gräberreihen auf leuchteten. Die in Berlin weilenden Franzosen sowie franzöfifche Militärs waren auf dem Friedhof zahlreich erschienen, um der Gedenffeier beizuwohnen. Gegen 10 Uhr erschien der französische Geschäftsträger Herr de Saint Quentin, worauf sich der Zug zu den einzelnen Gräbern bewegte: Herr de Saint Quentin gedachte in furzen Worten der hier fern der Heimat Ruhenden. Kranzniederlegungen beschlossen die Feier. Gewerkschaftsbewegung Spitzel bei der Reichsbahn. Vor einigen Tagen erhielten wir von befreundeter Seite folgendes geheime Rundschreiben zugestellt: Reichsbahndirettion. 32a. 34. I. II. III. Pr. N. Geheim. An Berlin, den 18. Oftober 1922. -w die Herren Vorstände der Betriebs-, Berkehrs- und Maschinenämter. sowie die Leiter der Eisenbahnmerke des Bezirks. Je besonders. Betr.: Einrichtung einer Melbestelle für den Nachrichtendienst. Wir haben für den Bezirk der Reichsbahndirektion Berlin eine besondere Stelle für den Nachrichtendienst eingerichtet, die unter Leitung des Regierungsbaurats Binder steht. Als sein Vertreter ist der Eisenbahninspektor Ludwig Dietrich bestimmt worden. ist der Eisenbahninspektor Ludwig Dietrich bestimmt worden. Nachdem die Telephonadressen der beiden Herren angeführt sind, heißt es weiter: noch heute an der 100. Schule amtiert, während Lehrer Splinter aus ihr hat ausscheiden müssen, verdankt dieses Ergebnis dem Eifer seiner Freunde, die gegen Splinter ein Kesseltreiben begannen und einen Teil der Eltern zur Stellungnahme gegen ihn veranlaßten. Im Lehrerkollegium bestanden schon längere Zeit merkliche Gegensäge zwischen der anscheinend deutschnationalen Mehrheit und einer linksgerichteten Minderheit, zu der auch Lehrer Splinter gehörte, und gerade er bekam manche Probe davon zu fosten. In der Elternversammlung, die am heutigen Mittwoch, um 7 Uhr, 2m stärksten belastet erscheinen die Stadtbahnhöfe, die in der Schulaula Reichenberger Straße, Ecke Forster Straße, stattden Stadt, Ring- und Vorortverkehr bedienen, und da ist es vor findet, wird hoffentlich nicht nur in den Fall Kaefer, sondern auch in allen anderen der Schlesische Bahnhof, der Millionenzahlen die Treibereien gegen Splinter gründlich hineingeleuchtet werden. aufweist: im Jahre 1921 wurden an den Schaltern dieses Bahnhofs insgesamt 9 338 971 Fahrkarten verkauft, das entspricht etwa 20 Millionen Reisenden jährlich, die auf diesem Bahnhof nur einsteigen, so daß der gesamte Berkehr auf dem Schlesischen Bahnhof mit 100 000 Menschen täglich( ohne den Fernverkehr!) nicht zu hoch angegeben ist. Es folgt der Stadtbahnhof 300, der 9 200 127 Fahrkarten im Jahre 1921 verfaufte( gegen 6,85 Millionen im Vorjahre), dann der Bahnhof Bellevue, Bahnhof Alexanderplatz mit 8,139 Millionen, Charlottenburg mit 7,961 Millionen, Friedrichstraße mit 7,356 Millionen, der Ringbahnhof Gesundbrunnen mit 6,545 Millionen, der Stadtbahnhof Warschauer Straße mit 6,399 Millionen ( gegen 4,689 Millionen im Borjahre!) und der Ringbahnhof Schönhauser Allee mit 6,272 Millionen( 1920: 4,284 millionen!). Im ganzen hat die Berliner Stadt, Ring- und Borortbahn rund 560 Millionen Reisende im Jahre 1921 befördert. Die Das Plakat der Komischen Oper. Eine Gruppe von Stadtver beliebteste Vorortstrede ist jene nach Botsdam und ordneten hat einen dringlichen Antrag eingebracht, auf Grund dessen das Plakat der Komischen Oper von den Anschlagsäulen entfernt erder, auf der nicht weniger als 55,4 Millionen Fahrten aus- werden soll. Dem Anirage ist die Dringlichkeit abgesprochen worden, geführt wurden; in weitem Abstand folgt die Strede nach Königs- er ist aber auf die Tagesordnung der nächsten Stadtverordnetenvermusterhausen mit fast 30 Millionen Reisenden, die Strecke nach sammlung gesetzt worden. Zu dieser Angelegenheit schreibt uns der trauenswürdige Bedienstete über die Stimmung und Groß- Lichterfelde und Bossen mit 24 Millionen; der Stettiner Vor- Befizer und Leiter der Komischen Oper, Herr Direktor James oribahnhof mit seinen drei Strecken nach Oranienburg, Bernau und Klein:" Es ist bedauerlich und mir außerordentlich unangenehm, Welten hatte rund 38½ Millionen Reisende zu verzeichnen. Bei daß ein Plakat, das nur den allein gen 3wed verfolgt, den interdiesen Zahlen find allerdings die Reisenden nicht mitgezählt, die von nationalen Charakter einer Revue zum Ausdruck zu bringen, und Stadt- oder Ringbahnhöfen kommen und dann auf Vororistrecken das dadurch verbildlicht wird, daß ein Reichswehrsoldat und ein übergehen; die Zahl dieser Reisenden beträgt rund 70 Millionen, die fleinerer gehaltener französischer und englischer Soldat auf ein Schild fich auf alle Vorortlinien verteilen. Interessant ist auch das Ber- hinweisen:" Die Revue ist international", derart misverstanden worden ist. Aus dem Antrage auf Entfernung ist aber zu erkennen, hältnis der Benußer der zweiten und dritten Klaffe; daß die Herren die Revue nicht gesehen haben können, denn sonst während die Benutzung der zweiten zur dritten Klasse sich auf der wüßten sie, daß niemals ein Direktor vorher gewagt hat, soviel paterStadtbahn wie 7:20 verhält, auf der Ringbahn wie 1: 7, fchwankt ländische Tendenz in einem Bühnenwert zum Ausdrud zu bringen, Dieses Verhältnis auf den Vorortftreden zwischen 1: 7( 3. B. Berlin- und das in zielbewußter Absicht. Ich würde mich aber freuen, wenn Oranienburg), bis 1: 5( Königswusterhausen) und die Wannseebahn, das so angefendete plakat recht viele Ausländer in das Theater die die westlichen Vororte bedient, befördert ein Viertel ihrer ziehen würde, damit meine vaterländische Propaganda, die am Reisenden in der zweiten Klasse. Schluffe sogar durch ein Ballett Schwarz- Rot- Gold" nach drücklich betont wird, eine um so größere praktische Wirkung erzielt. um sich von alledem durch eigenen Augenschein zu überzeugen, bin ich gern bereit, den Herren Antragstellern den Besuch des Theaters zu ermöglichen, und bin sicher, daß dann jener Antrag, der in der era der Völkerannäherung und des Wiederaufbaues völlig unzeitgemäß ist, faum noch zur Debatte stehen wird." Im Fernverkehr, der gegen das Vorjahr etwas zurückge. gangen ist, weist von den Berliner Bahnhöfen der Stettiner Bahnhof die größten Zahlen auf: er verkaufte 1921 nicht weniger cls 2 299 450 Fahrkarten; es folgt der Anhalter Bahnhof mit 1859 327 und der Schlesische Bahnhof mit 1119 215 Fahrkarten; der Lehrter Bahnhof mit 893 382, das Mitteleuropäische Reisebureau, das allein 802 141 Fahrkarten für Berliner Bahnhöfe verkaufte, der Potsdamer Bahnhof mit 777 868 und der Görliger Bahnhof mit 593 933 Fahr farten. Insgesamt wurden in Berlin 14 931 016 Fahrkarten verfauft( gegen 17,6 Millionen im Jahre 1920). Onkel Gräfig in Berlin. Was harmlojen Leuten begegnet. Auch uns erscheint das auf allen Anschlagfäulen sichtbare Blafat pollkommen unanstößig. Velleicht aber ist es gar nicht diese Form der Reflame, sondern die Revue selber, die den Antragstellern wider den Strich geht. Es gibt Leute, die Schwarz- Rot- Gold", selbst in Gestalt eines Balletts, nicht vertragen fönnen. Wir ersuchen, uns alle Nachrichten, die für die Beurteilung der Stimmung und Borgänge unter dem Bersonal von Bedeutung sind, Insbesondere sind meldepflichtig: Nachrichten über beabsichtigte an die angegebene Meldestelle auf geeignetem Wege zuzuleiten. Streifs, Sabotageabsichten, Demonstrationen, Transports fontrollen, Waffenfunde, staatsfeindliche Unternehmungen und Pläne sowie über Unruhestifter und Hezer unter dem Personal. Bon der Einforderung ständiger Berichte sehen wir ab, erwarten jedoch, daß die Herren Amtsvorstände und Werkleiter fich in geeigneter Weise durch die Dienſtſtellenleiter und sonstige vers Bewegungen unter ihrem Personal unterrichtet halten und uns gegebenenfalls rechtzeitig über ihre Beobachtungen und Feststellungen Bericht erstatten. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß es sich bei diesem Nachrichtendienst auf keinen Fall um Bespizelung des Personals handelt, sondern um einen Beobachtungsdienst im Interesse der Allgemeinheit, der mit Rücksicht auf die derzeitigen gez.: Wallbaum. Berhältnisse notwendig erscheint. 4 Troß der Versicherung, daß es sich nicht um eine Bespigelung des Personals handle, ist es in die Augen springend, daß es sich dabei um nichts anderes handelt. Wir können uns fein unwürdigeres, demoralisierenderes System denten, als die Auswahl von vertrauenswürdigen Bediensteten", die ihre eigenen Kameraden als Unruhestifter, Hezer und Demonstranten denunzieren sollen. Wenn es sich nur darum handeln sollte, die Stimmung unter dem Personal zu kennen, dann hat man den durch Gesetz eingesetzten Betriebsrat bzw. die Gewerkschaften. Dieses Rundschreiben muß restlos zurüd genommen werden. Zur kommunistischen Betriebsrätebewegung in Köln. Bon zuverlässiger Seite wurde der Rheinischen Zeitung" gedyrieben:„ Der sogenannte Arbeitsausschuß der oppofitionellen Betriebsräte" für das Wirtschaftsgebiet Köln tagte am 20. Oftober im Lokale Maisarth in Deuzz. Dort wurde berichtet über den Stand der Bewegung. Lindner, Sche Il und Florin beklagten sich bitter darüber, daß nur einige Großbetriebe die Bewegung unterstützten. Die Mittel- und Kleinbetriebe hätten vollständig Reffung auf hoher See. Das französische Segelschiff Corperfagt. Es gelte, die Bewegung auf eine breitere Grundlage zu faire" ist auf der Fahrt von Boulogne nach Sorient auf der stellen, sonst bestehe Gefchr, ein völliges Fiasto zu erleben. Höhe von Quaffant untergegangen. Die Matroien des Cor- wurde dann auch beschlossen, sich mit den Arbeiterräten der großen faire, die ins Meer gesprungen waren, wurden bei hohem Seegang von der Brfaßung eines deutschen Schiffes gerettet. Die Franzosen rühmen, so meldet Haves" die von ihren Rettern bewiesene Opferwilligkeit. Wetter für morgen. Groß- Berliner Parteinachrichten der Bereinigten Sozialdemokratischen Partei. Renkölln. Kindersäug- Kommiffion. Donnerstag, ben 2. November, abends 7 Uhr Ein Bauernfängerstückchen, das an die von Friz Reuter fo humorvoll geschilderten Erlebnisse des Onfel Bräfig in Berlin lebhaft erinnert, spielte einem Landwirt aus dem abgetretenen Polen recht übel mit. Dem Landwirt, der sein Gut perfauft hatte, um sich auf Reichsgebiet wieder anzukaufen, war der Kaufpreis von 3 Millionen Mart in einem Scheck auf die Berliner Reichsbant zugestellt worden. Als er nach Berlin kam, um das Geld zu erhalten, fragte er am Berlin und Umgegend. Nachts ziemlich flar, etwas tälter, am Bahnhof einen Mann nach dem Wege zur Reichsbant. Der Gefragte Tage rasche Erwärmung, Trübung und Niederschläge bei frischen südlichen erbot sich bereitwilligst, ihn dorthin zu begleiten. Nach Einlösung bis südwestlichen Winden. des Sheds besuchten der Landwirt und sein Führer eine Wirtschaft in ter Dranienburger Straße. Hier lud ein dritter Mann namens elfatsch, in seinen Kreisen der Fett topp" genannt, den Begleiter des Landwirts, einen gewissen Hoffmann mit dem Spizz namen der schwarze Ernst", den er natürlich ganz zufällig" traf, zu einem Spielchen ein, das in der Lekannten Weise arrangiert wurde und bei dem der Landwirt nicht weniger als 180000 Mt. perior. Trotzdem merkte der Mann nicht, daß er Bauernfängern in die Hände gefallen war. Auf der Straße traf der Landwirt dann ben, lempner Mar", mit dem er die Friedrichstraße hinauf fhlenderte, um in einer Wirtschaft in der Martgrafenstraße zu landen, wo ganz zufällig" wieder zwei Bekannte des Klempner Mar faßen, der Bielefelder" und der Kartoffelhändler". Diese rieten ihm, durch Kartoffelhandel den. Rest des Geldes wieder hereinzuholen und der„ Kartoffelhändler" zeigte sich nicht abgeneigt, das Geschäft mitzumachen und mit dem Landwirt in die Provinz zu fahren, um Kartoffeln aufzufaufen. Als der Landwirt für einen Augenblick die Gaststube verließ, stahl ihm die Gesellschaft sein Gepäck mit dem Rest feines Geldes, Jekt gingen dem Landwirt endlich die gen auf und er wandte sich nun doch an die Kriminalpolizei, der cs gelang, die ganze Gesellschaft hinter Schloß und Riegel zu bringen. Ein großer Teil des Geldes wurde von der Kriminalpolizei gefunden und dem Landwirt wieder zugestellt. Der Wirt läßt es nicht machen! Die Scheu der meisten Berliner Hauswirte, in ihren Mietfajernen die nötigen Reparaturen pornehmen zu lassen, hat in der Kriegszeit und mehr noch in den Jahren nach dem Kriege zu einer früher nicht für möglich gehaltenen Bernachlässigung ihrer Häuser geführt. Nachdem die Frage der Reparaturfoftenübernahme durch die Bestimmungen über die Abgeltung auf die Mieter ihre den Hauswirten erwünschte Lösung gefunden hatte, tonnte man sich der Hoffnung hingeben, daß nun die schlimmsten Mängel der Häuser und Wohnungen in nicht zu ferner Zeit beseitigt sein würden. Es versteht sich von selbst, daß auch in Zukunft nicht etwa den Mietern, sondern dem Hauswirt oder seinem Berwalter die Pflicht obliegt, sich harum zu fümmern, daß Haus und Wohnungen benutzbar bleiben. linbeareiflich scheint uns daher, daß in dem Hause Liebigstr. 28 der Wirt einen seit 16 Wochen bestehenden Mangel der Wasserzuführung nicht so hat beseitigen lassen, wie die Mieter es fordern dürfen. Infolge eines Wafferrohrbruches ist über die betroffenen Wohnungen die Wassersperre verhängt, deren Befeitigung bisher nicht erreicht werden konnte, weil der Wirt erklärte, er laffe es nicht machen. Die Mieter leiden unter diesem Zustande und haben mit Rücksicht darauf, daß auch den Klosetts die Spülung fehlt, die Polizei in Kenntnis gesetzt, aber Abhilfe ist nicht erfolgt. Da der Wirt nicht in seinem Hause, sondern im vornehmen Westen wohnt, so empfindet er nicht selber, was seine Mieter drückt. Diese sind jetzt entschlossen, die 3 ahlung der Miete zu der= weigern, weil der Wassermangel vertragswidrig ist. Um den Schrippenrektor. T Die im Vorwärts" furz angedeutete Affäre des Rettors Raefer von der Berliner 100. Mädchen Gemeinde. fchule( Reichenberger Str. 67), bem Unregelmäßigteiten bei der Berteilung von Frühstüd für notleidende Schulkinder vorgeworfen worden find, hat eine über die Person Dieses Schulmannes hinausreichende Bedeutung. Verwunderung und Unwillen ruft in der Elternschaft das Verhalten des Provinzialschulkollegiums hervor, das dem Reftor nur einen Verweis erteilte und schließlich nicht ihm die von der Berliner Schuldeputation für nötig gehaltene Berfegung zudiftierte, fondern gegen den um die Aufhellung dieser Affäre sich bemühenden Lehrer Splinter die Versegung verfügte. Rettor Raefer, der Sigung der Kinderschutz- Rommission im Rathaus, Zimmer 1. Pünktliches und vollzähliges Erscheinen erforderlich. Vereinigte SPD. Donnerstag, den 2. November, abends 85. Abt. Tempelt of. 8 Uhr, gemeinsamer Frauenabend in der Werderschule, Tempelhof. Wichtige Tagesordnung. Die Genossinnen der früheren USP. find hierzu eingeladen. Jugendveranstaltungen. Morgen, Donnerstag, den 2. November: Verein Arbeiterjugend Groß- Berlin. Achtung, Kreisvorsigenbe! Morgen, Donnerstag, den 2. November, abends 7 Uhr, findet im Jugendsekretariat, Lindenstr. 3, eine Sigung der Kreisvorsigenben mit dem Bezirksvorstand statt. Tagesordnung: Alle Kreis Die Einigung mit der sozialistischen Proletarierjugend. vorstände müssen erscheinen. Gewinn- Auszug ber 20. Preuß- Südb.( 246. Preuß.) Klassen- Lotterie 19. Bichungstag 5. Klaffe 31. Oftober 1922 ur jede gezogene Dumniet jind gives gleich hohe Gerouze gefolien, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Qubteilungen I und II Ohne Gewähr. Rachbrud verboten. In ber 1. Ziehung wurden Gewinne über 1500 Mark gezogen: 8 zu 10000 M 8:54 105112 250059 268461 24 zu 5000 M 736 75353 173037 225623 228946 233561 254032 317523 324985 333698 337584 329979 116 zu 3000 M 7862 8650 11436 16402 18006 19179 19290 22380 27084 36743 61660 72065 83243 84440 86950 95321 97353 102166 105003 121431 123819 1301 8 46313 161307 165780 167598 180324 186: 45 201403 202363 203242 204879 205299 205666 206801 225005 225 57 231014 282711 235120 248696 253645 260921 273753 279411 30 896 305080 307748 323348 334965 340841 351678 355483.35 662 363120 368771 369150 372409 In der 2. 8lehung wurben Gewinne über 1500 Mart gezogen: 2 zu 10000 M 75981 14 zu 6000 M 101727 119380 142253 15: 090 151102 275632 309518 132 zu 3000 M 8854 11461 15885 17822 29931 34739 42161 52093 53867 72114 73761 76438 76338 79588 80102 82604 87252 91565 9: 938 114386 118235 123325 127623 1: 3554 137088-146632 148716 167158 199535 170823 178714 192329 198083 202691 203201 221274 228380 228590 229098 229980. 242726 247722 249541 250110 252459 257691 264678 2745 8 282347 283473 287395 302530 304742 306483 306993 310 43 312981 315705 318852 326132 336049 345503 350282 356039 35 284 372746 In der 3. Ziehung wurden Gewinne über 1500 Mart gezogen: 4 zu 10000 M 14535b 162606 26 zu 6000 M 42846 67229 109938 142054 143767 285402 269351 299956 317712 3.94 3 3 9:30 349050 358055 132 zu: 0001421 878 16675 18682 21757 29647 39233 39747 45729 54564 55662 61770 62631 67:41 9046 80:28 87811 103993 105991 134343 14 464 49846 163683 163: 38 182497 183415 186935 180665 1913.5 195061 1962 8 196 31 198742 20: 253: 03869 206294 221256 2265 0 227166 228506 228636 230735 237027 241110 24: 042 2:48 9 243785 282054 296899 300304 301066 30 585 3110 6 316191 81776 326669 3.8356 328245 333838 337.83 341927 42039 945945 3 3885 35 0 1 3648.9 Die in dem vorstehenden Gewinn- Auszug nicht enthaltenen niedrigeren Gewinne find aus den Liſten zu ersehen, die bei den staatlichen Lotterie einnehmern zur unentgeltlichen Einſicht ausliegen, Es Betriebe wegen des Ausschusses in Verbindung zu sehen und überall zu versuchen, die Sammellisten zirkulieren zu lassen, denn das scheint die Hauptsache zu sein. Außer den genannten Führern" waren nur junge Burschen erschienen, die sich zum Schluß gegen= seitig Vorwürfe machten, daß man die gefaßten Beschlüsse nicht ausgeführt habe." Der Gewährsmann des Blattes stellt fest, daß die ganze Ge schichte nur Bluff ist, und daß die angeblich große Bewegung Dollständig verfracht ist. Troßdem phantafiert die fommunistische Bresse in ihrem Bericht über eine Tagung am Sonntag in Effen, an der außer 211 KPD.Vertretern, 42 USPD. umd 28 SPD.- Mitgliedern auch Christliche, Hirsch- Dundersche und Syndikalisten teilgenommen hätten, von einem rheinisch- westfälischen Arbeiterparlament" Don Kommunisten Gnaden. Die rheinisch- westfälischen Betriebsräte hätten den ersten Grundstein zum Aufbau der Betriebsrätebewegung für ganz Deutschland gelegt. Lohnabkommen der Tapezierer. In einer Versammlung der Tapezierer Groß- Berlins, die am Dienstag abend im Lokal ,, Königsbant" taqte, wurde von Riel meyer über das Resultat der am selben Tage mit den Arbeit gebern geführten Lohnverhandlungen berichtet. Die Forderung der Lohnkommission, auf die bestehenden Stundenlöhne einen Zusching Don 60 Proz. zu gewähren, wurde von den Arbeitgebern in der vier. stündigen Verhandlung abgelehnt. Ihr letztes Angebot waren fo gende Stundenlöhne: Junggehilfen 105 m., ältere Gehilfen 155 M.. gelernte Näherinnen 120 M. und ungelernte 85 M. Diese Löhne sollen ab 1. November gelten. Bei Bewilligung der geforderten 60 Proz. hätte fich der Spizenlohn ouf 179 m. gestellt. Die Diskussion ergab eine starte Unzufriedenheit mit dem geringen Zugeständnis der Arbeitgeber und zwei Redner sprachen sich entschieden für Ablehnung diefes Angebots aus. Schließlich wurde dieses jedoch gegen eine erhebliche Minderheit angenommen. Arbeiterfeindliche Gastwirte. Der Zentralverband der Hotel, Restaurant- und Café- Angestellten ersucht uns um folgende Beröffentlichung: Ehrenpflicht der Solidarität der Arbeiter und Angestellten ist es, nachstehende Restaurants und Saalgeschäfte zu meiden, um den Inhabern nicht mit ihrem Gelde zur Last zu fallen: Arminhallen( Ballhaus Mar und Morik) Kommandantenstraße; Schultheiß, Hafenheide( Unions- Brauerei); 3um Krokodil"( Hackepeter), Brunnenstr. 15; 3um Krofodil" ( Hackepeter), Schöneberg, Hauptstraße. Die genannten Betriebe find für organisierte gastwirtschaftliche Angestellte gefpert. Die betreffenden Unternehmer beschäftigen Mitglieder der gelben Streitbrecherorganisation. Am rabiatesten gegen seine Angestellten handelt der Unternehmer Schill, Inhaber der Lokale Zum Krokodil". Der Herr benötigt ein besonderes Auto, um alle die Termine vor dem Innungsschiedsgericht, Amtsgericht, Gewerbegericht und dem Schlichtungsausschuß wahrzunehmen, in denen er infolge seines Verhaltens gegen die Angestellten erscheinen muß. Die Arbeitszeit wird bei ihm von 8 Uhr früh bis 12 Uhr nachts diftiert. Neue Löhne im Malergewerbe. Das Haupttarijamt für das deutsche Malergewerbe hat den Lohn für Groß- Berlin für die Zeit vom 4. November bis einschließlich 1. Dezember d. 3. wie folgt festgesetzt: Für Maler über 20 Jahre 150 m. pro Stunde, unter 20 Jahre 142,50 M. pro Stunde, Anstreicher über 20 Jahre 149,50 m. pro Stunde. Die Novemberlöhne der Staatsarbeiter. In den gestern beendeten Verhandlungen mit den Staatsarbeitern wurden folgende Stundenlöhne für Ortsklasse A für den Monat November festgesetzt: Gruppe 1 123 M., Gruppe 2 120 M., Gruppe 3 117 m., Gruppe 4 114 M., Gruppe 5 112 M., Gruppe 6 110,50 M., Gruppe 7 109 m. Dazu temmt ein Frauenzuschlag von 5 M. und ein Kinderzuschlag von 8 M. pro Kind und Stunde. Diese Sätze sind von Ortsflaffe zu Dristlasse um 2,50 M. abgestuft. Die Verhandlungen über die Bes amtengehälter haben heute nachmittag begonnen. Berantwortlich für den rebatt. Teil: Bictor Schiff, Berlin; für Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Verlag Borwärts- Berlag G. m. b. S.. Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderei u. Verlagsanstalt Paul Ginger u. Co., Berlin, Lindenstr. 3 ********* Eilen Sie Noch ist es Zeit díe bílligen Preise auszunűtzer bald kosten sie über das Doppelte! Wir haben noch altes Lager! Feine Luxussachen in Lack, Chevreaux braun u. grau Sämischleder mit Laschen, 2 Riemchen Pumps, Spangen oder zum Schnüren in feiner Verarbeitung. Große Auswahl, ca. 20 Sorten. billig, aber gut und schick. Halbschuhe: Moderner Doppelspangenschuh 985.zum Binden mit Lackvorderteil Schnürschuhe, moderne kurze Fasson, 1575.mit Lackkappe, auch Spangen.. Echt Boxcalf u. 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