Nr.520 39. Jahrgang Ausgabe A nr. 256 Bezugspreis: Für den Monat November 400,-90., Doraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet sowie Desterreich und Luxemburg 496,-M., für das übrige Ausland 665,- M. Bostbestellungen nehmen an Belgien, Dänemark, England, Estland, Finnland, Frank reich, Holland, Lettland, Luxemburg, Desterreich, Schweden, Schweiz. Tschechoslowakei und Ungarn. Der ,, Borwärts" mit der Sonntags. beilage ,, Bolt und Zeit", der Unterhaltungsbeilage ,, Heimwelt" und der Beilage ,, Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin Morgen- Ausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 14 Mark Anzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillezeile toftet 80,- M. Reflamezeile 400,-. ,, Aleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 20, M.( zulässig zwei fettgedruckte Borte), jedes weitere Wott 16, M. 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Die Bertreter der allierten Staaten find jetzt über Deutschlands Wirtschafts- und Finanzlage bis in die kleinsten Details unterrichtet. Sie haben im Laufe der Berhandlungen die Gründe für eine Hilfe von außen und die Auffassung der Reichsregierung über die fonft noch möglichen Pläne zur Stabilisierung der Mark fennen gelernt und münschen nun von Deutschland einen schriftlich figier ten Vorschlag über 1. Maßnahmen zur Stabilisierung der Mart, 2. die Behebung derfwebenden Schuld und 3. den Ausgleich unseres Budgets. Dieser Vorschlag soll von den deutschen Unterhändlern in der Freitagsigung vorgelegt werden und die Grundlage zur Fortsetzung der Aussprache bilden. macht haben, hält die Sozialdemokratie nach wie vor aufrecht. Mehr noch! Sie erwartet von der Reichsregierung, daß ihre Forderungen in den Vorschlägen an die Reparationsfommission die notwendige Verwertung finden. Havensteins Erfolg. Die Rede des Reichsbankpräsidenten Havenstein, der über das Schicksal der Mart nur ungünstiges zu prophezeien mußte, aber jede wirksame Stützungsaktion von vornherein ablehnte, hat einen durchschlagenden Erfolg gehabt. Der Dollar, der in den letzten Tagen zwischen 4000 und 4500 hinund herpendelte, ist nach der amtlichen Notierung der Ber liner Börse gestern auf 4935 hinaufgeschnellt, fletterte dann aber im freien Verkehr weiter und stieg bis auf weit über 5000 hinauf! Den unmittelbaren Anlaß zu dieser neuen Devisenhausse haben schlechtere Notierungen der Mart im Ausland, die aber, wie die" Boff. 3tg." wohl zutreffend bemerkt, auf Markverkäufe des Inlands zurückzuführen sind. Unter Umgehung der Devisenordnung fauft man seine Devisen troß der hohen Unkosten in Holland und in Amerika, und das ist kein Wunder, denn ein inländisches wertbeständiges Papier gibt es nicht, will Herr Havenstein auch höchstens in gering fügiger Menge schaffen. Und wenn der Präsident des Zeniralnoteninftituts die Mart preisgibt, so schafft er damit einen Freibrief für die Spieler mit der deutschen Kauftrast. Bon Otto Wels. Jm 31. Jahres ihres Bestehens hielt die bulgarische Sozialdemokratie vom 22. bis 25. Oftober dieses Jahres ihren 25. Parteitag in Sofia ab. Sie gestaltete die Tagung zu einer Jubiläumsfeier für die Partei, und trog der schweren Zeit, der unerhört harten Kämpfe, die die Partei gegen ihre Gegner von rechts und links zu führen hat, lag echte Jubiläumsftimmung über der ganzen Veranstaltung. nale vermochte allerdings feines der Mitglieder des geschäftsDer dringlichen Einladung an die Exekutive der 2. Internatioführenden Ausschusses, den die englische Arbeiterpartei ſtellt, zu folgen, weil sie fämtlich bereits durch die Vorbereitungen für die bevorstehenden Wahlen in Anspruch genommen waren. Sie richteten deshalb an mich die Bitte, die 2. Internationale auf dem bulgarischen Jubiläumskongreß zu vertreten und damit zugleich der Einladung an die Bereinigte Sozialdemofratische Partei Deutschlands zu entsprechen. Unser Parteivorstand beschloß dementsprechend, nicht zum wenigften, weil die Frage der Zugehörigkeit zu einer der verschiedenen Internationalen in der bulgarischen Partei bisher hart umstritten mar und jetzt endgültig entschieden werden sollte, nachdem die Partei zwei Jahre lang feiner Internationalen angehört hat. Eine Reise nach dem Baltan ist heute, wenn man sich nicht den Lurus der Benutzung des Orient- Expreßzuges leisten fann, der in franzöfifcher Währung bezahlt werden muß, kein Bergnügen. Drei Nächte und fast ebenso viel volle Tage auf der Bahn, mit endlosen Bak- und Rollplacereien, die besonders in Gerbien noch ganz an die er'te Beit nach Kriegsende erinnern, mirten start auf die Reife timmung. Die Reichsregierung beabsichtigt, die endgültige Firierung des verlangten Borschlages in einer am Freitag vormittag abzuhaltenden Kabinettssigung vorzunehmen. Bereits vor Ankunft der Reparationstommission in Berlin hatten befanntlich die Reparationsrefforts mehrere Entwürfe für even tuelle deutsche Vorschläge über die Stabilisierung der Mark ausgearbeitet. An Hand dieser Ausarbeitungen, die übrigens So weit sind wir nun angelangt, dank der famosen auch die Grundlage der Erklärungen tildeten, die der Reichs- Autonomie, die die Eniente der Reichsbant geschenkt hat. finanzminister gegenüber der Re; arationskommission machte, Die Not des Boltes wächst mit jedem Tage, interessierte Aber ieder Mißmut mußte verfliegen bei dem herzlichen, wird das Reichskabinett den verlangten Borschlag formulieren. und unparteiische Sachverständige beraten. Jetzt hat die über alle Maken begeisterten Empfang, den die bulgarischen Nach dem Stand der deutschen Bernu.misse tann fein Deutsche Regierung das Wort. Sie soll der Entente Genoffen mir und dem tschechischen Genossen Nemec bereiteten. Zweifel darüber bestehen, daß unsere Borschläge neben einer Vorschläge zur Stabilisierung der Mart machen. Wir er Raum aus Fem Zug heraus, befand ich mich bald in einer ausführlichen Begründung unseres Elends als ersten Punkt warten, daß sie sich dessen bewußt ist, daß es so aufteinen mächtigen Manifeftation, die die Parteigenoffen auf dem Blak den Beweis für die Notwendigkeit einer äußeren Fall weiter geht. Der Wunsch der vielgeschmähten Re- vor der großen Kathedrale zu Sofia, veranstaltet hatten. Fast Anleihe führen. Ohne äußere Anleihe darüber ist sich parationsfommission, die Mart zu stabilisieren, ist zugleich endloser Jubel wurde mir für die überbrachten Grüße der die Reparationskommission während ihres Aufenthalts in Ber- der Wunsch des gesamten deutschen Boltes, mit Ausnahme deutschen Sozialdemokratie und der Internationale, besonders Diese Stimmung wird lin sicherlich schon flar geworden sind alle inneren Maß der wenigen Muznießer der Geldentwertung. Und je ziel der englischen Arbeiterschaft, zuteil. nahmen gegen die Währungskatasti nhe und zur Behebung bewußter die Regierung sich dieser Aufgabe unterzieht, um vielleicht verständlicher, wenn man bedenkt, daß es das ersteunserer Not auf die Dauer vergebens. Nach den vorläufigen so eher wird sie auch der Entente flarmachen können, daß mal in der Geschichte der bulgarischen Bartei war, daß BerSchäzungen hervorragender Finanzfachverständiger bedarf eine dauernde Stabilisierung unserer Währung nur durch Er- treter der westeuropäischen Bruderparteien erschienen. ZweifelDeutschland zur Stüzung der Mark einer Anleihe, die min- leichterung von außen her, also durch Verzicht auf überspannte los hat diefer Umstand auch den Jubiläumskongres felbft mehr destens der Summe von 500 Millionen Goldmark entspricht. Reparationsleistungen und auf eine verfehlte Maßnahme in den Mittelpunkt des allgemeinen öffentlichen Interesses Daß eine derartige Anleihe nicht ohne Sicherheit zu er der Finanzkontrolle und durch eine internationale Anleihe gerüdt, als es sonst der Foll gewesen wäre. Das kam in der langen sein wird, darüber sollte fich die Reichsregierung von zu erreichen ist. gesamten Breffe zum Ausdruck. vornherein flar fein. Sie tut deshalb nur gut, ohne weiteres Insofern erscheint das wichtig, als die Partei bei den folche Sicherheiten anzubieten, die in unserer Kraft liegen. Wie die„ Expreß- Correspondenz" meldet, dürften die Vorschläge letzten Wahlen eine Schlappe erlitten hat und zurzeit nur durch Darüber hinaus müssen ebenso Maßnahmen im der Reichsregierung voraussichtlich dahin gehen, daß die Gewährung acht Abgeordnete in der Sobranje vertreten ist. Ihr Ansehen Innern des Reiches vorgeschlagen werden. Bisher war die eines fünfjährigen Moratoriums als Atempause unbe- im Lande und auch bei der gegenwärtigen Bauernregierung Sozialdemokratie die einzige deutsche Partei, die neben der dingt notwendig sei und daß bei Gewährung dieses Zahlungsauf Stambulinftis, zu der sie in heftigster Opposition steht, ist ständigen Forderung nach einer äußeren Anleihe, die sie zur fubes auch die Aussichten für Gewährung einer Auslands- banoch jedoch nicht zu bemeffen. Dies fam zum Ausdrud, als endgültigen Sanierung der deutschen Finanzen für unbedingt anleihe günstig fein würden. Wie die„ Eca“ von diplomatischer die Regierung uns bat, uns nicht nur als Gäfte der bulnotwendig hält, pofitive Vorschläge zu Maßnahmen im Innern Seite hierzu erfährt, fell sich ein amerikanisches Finanz- garischen Bartei, sondern auch der Regierung, des ganzen vorgeschlagen hat. Außer einer Aftion zur Stügung der Mark fonfortium bereit erilärt haben, bei Gewährung eines Mora- Volkes und Landes zu betrachten. In einer Unterhaltung, burch Berwendung eines Teiles des Goldbestandes der Reichs- toriums außer einer größeren Summe zur Stabilisierung der die im Bimmer des Bräsidenten der Sobranie gelegentlich bank hat sie die Ausgabe einer wertbeständigen An Reichsmart auch eine Anleihe zu gewähren. Es wird hierbei der stattfand, erweiterte sie diesen Munich zu der Einladung, in leihe, eine beschleunigte Steuereinziehung, eine Hemmung Amerikaner Jents genannt, der bereits einen Plan ausgearbeitet besonders zur Verfügung stehenden Verkehrsmitteln eine Beder Luruseinfuhr und andere handelspolitische Maßnahmen haben soll, der vorfleht, daß England und Amerika eine Milliarde fichtigung des Landes vorzunehmen, um besonders die Wirempfohlen. Diese Forderungen, die sich die Svikenorgani- Goldmark berelt ſtellen follen. In dieser Frage habe Jenks bereits fungen des Arbeits bienft gefeges fernen zu lernen, fationen der Gewerkschaften in dem bekannten Shreiben an Fühlung mit englischen und deutschen Regierungstreifen ge- eine Einladung, der wir jedoch schon aus Mangel an eit ten Reichstanzler in ihren wesentlichen Buntten zu eigen ge- nommen. Wilhelms Brautgeschenk. Nach bisher unwidersprochenen Nachrichten hat der ehemalige Raiser ein Diadem von ungeheurem Werte( mehrere hun dert Millionen Marl) in Berlin anfertigen lassen, das als Brautgefchent für seine fünftige Chefrau aus Deutschland nach holland übergeführt werden soll. Wir fragen an: nicht folgen fonnten. Ganz abgesehen davon, daß vielleicht auch die rechtlich etwas merkwürdige Regierungspraris der Bauernpartei uns daran hätte hindern können, die sich be= fanntlich ihrer politischen Gegner in der denkbar bequemiten Weise dadurch entledigt, daß sie diese ohne Verfahren hinter Eine Anfrage der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion Schloß und Riegel sekt. Gegenwärtig fihen etwa 30 frühere bulgarische Minister, zum Teil seit zwei Jahren, im Gefängnis, Unsere Mitteilungen über das von Wilhelm feiner zweiten und jekt erst soll durch Boltsentscheid festgestellt werden, ob sie Ehefrau als Brautgefchent zugedachte foftbare Diadem im Werte von mehreren hundert Millionen Mart find von der 1. Hat die zuständige Regierungsstelle die Genehmigung ftrafrechtlich verfolgt werden follen oder nicht. Für unsere gesamten deutschmonarchistischen Bresse totgeschmiegen zur Ausfuhr dieses Wertobjektes erteilt und ist in diesem Falle die Rechtsbegriffe ist das sicher ein etwas ungewöhnliches Verworden. Ein schlagenderer Beweis ihrer Richtigkeit ist gar Hinterlegung einer entsprechenden aufion veranlaßt worden? fahren, das aber die Unterstützung der Kommunisten findet. 2. Wenn um die Ausfuhrgenehmigung nicht ersucht wurde, Der Parteitag felbst war von etwa 300 Delegierten benicht denkbar: denn mit welchem Eifer hätten, reuzzeitung", Reichsbote",„ Lokal- Anzeiger" und tutti quanti gegen tann die Reichsregierung Auskunft über den Berbleib des schickt und tagte stets unter Teilnahme einer mehr als tausendföpfigen Ruhörerschaft. In einem Referat über die innere unfere Behauptungen Stellung genommen, wenn sie nicht Schmuckstückes erteilen? ganz den Tatsachen entsprochen hätten. Die ,, B. 3." vom 3. Welche ftrafrechtlichen Maßnahmen gedenkt die politische Lage behandelte der parlamentarische Führer der Mittwoch hatte an ,, unterrichteter" Stelle erfahren, daß es Regierung zu ergreifen, wenn diefes große Wertobjekt ohne Aus- Partei, Christo Bastuchow, besonders eingehend das Verhalten fich dabei nicht um ein neues, sondern um ein bereits im Befit fuhrerlaubnis über die Grenzen des Reiches gebracht würde? der Kommunisten, die sich, wie überall, als Schädlinge der hes ehemaligen Monarchen befindliches Schmuckstück handele, Diese Anfrage it um fo nötiger, als die bisherige steuer Arbeiterbewegung und Schrittmacher der Reaktion betätigen. das allerdings eine neue Fassung erhal.e und zu diesem Zweck liche Behandlung der milliardenreichen Hohenzollernfamilie Heute unterhält Rußland in Bulgarien ein Heer fommuniſtiin Arbeit gegeben worden sei Ferner set der von uns ange- von einer geradezu standalösen Larheit gewesen ist scher Agitatoren. Jedermann weiß, daß die bulgarischen Romgebene Wert von 800 Millionen Mark übertrieben. und wir Grund zur Befürchtung haben, daß die Kuriere nach munisten die Gelder zu ihrer Besoldung nicht aufbringen, Die uns mitgeteilte Summe ist von Sachverständi Doorn dank dem Entgegenkommer reaktionärer untergeord ebensowenig wie die Gelder in Höhe von etwa 15 Millionen gen gefchäßt worden, die das Schmuckstück in Händen hatten. neter Stellen Grenzerleichterungen gerieñen, his iebe Rapital. Lewa für die Ausführung des im Bau befindlichen fommuIn diesem Falle kommt es auf 100 Millionen mehr oder verschiebung ermöglichen. Die Grufser Affäre, wegen nistischen Berwaltungsgebäudes in Sofia. Hier flieken die meniger nicht so sehr an, wie auf die Tatsache, daß ein der Eitel- Frie rich bereits rechtmäzia als Kapitalverschieber Gelder, die verhungernde Russen am Leben erhalten könnten. Bertobjekt von jebenfalls mehreren hundert millio- perurteilt worden ist, mahnt zu besonderer Vorsicht, und der Die Form ist geändert, der med ift der gleiche. nen ins Ausland ausgeführt werden soll. Damit dies nicht Bufall" will, dak gegen einen der Juweliere, die mit der Die Sozialdemokratische Partei ftüßt sich in der Hauptsache hinter dem Rücken der Behörden geschehe, haben die Genossen Anfertigung des Diabems betraut worden sind, schon ein auf die reifere Arbeiterschaft. Sie findet die stärkste Stütze in Otto Wels und Dr. Adolf Braun folgende Anfrage mal ein Berfahren wegen Juwelenverschieden Gewerkschaften und den Genossenschaften, die sich, nach im Reichstage eingebracht: bung nach dem Ausland eingeleitet war! deutschem Muster zentralistisch organisiert, in erfreulicher Ents Wicklung befinden. Besonders die Gewerkschaft der Lehrer mit über 6000 Mitgliedern steht völlig auf dem Boden der Partei und bildet eine ihrer größten und berechtigsten Hoff- nungen für die Zukunft. Im Mittelpunkt des Parteitages standen die Verhandlungen über die Stellung zur Internationale. Schon während meiner Begrüßungs- rede, die ich zu einem Referat über die internationale Situation gestaltete, schien die Stellung des Parteitages festzustehen, und als ich am Abend des gleichen Tages in einer großen Volks- Versammlung über dasselbe Thema sprach, war ich sicher, daß auch die Arbeiterschaft dem bisherigen Zustand ein Ende machen wollte. Als auf dem Parteitag dann der Beschluß zum Eintritt in die 2. Internationale einstimmig gefaßt wor- den war, kam es zu fortgesetzten stürmischen Ovationen für den internationalen Gedanken. Wirtschaftlich leidet Bulgarien furchtbar unter den Folgen des Krieges. Daneben ist es die ungelöste mazedonische Frage, die nun schon fest mehr als 30 Iahren das politische Leben der Bevölkerung verpestet. Sicher sind es italienische Einflüsse und Geldmittel, die hier am Werke sind, um die Aufmert- samkeit von den italienisch-jugoslavischen Fragen abzulenken. Die mazedonische Bevölkerung selbst hat nur eine große Sehn- sucht: die einer ruhigen Entwicklung. Darin sind Villgaren, Türken, Griechen und Wallachen einig. Sie benützen jede Gelegenheit, um das zum Ausdruck zu bringen. So erschien in Sofia neben einer Vertretung der Armenier, die von der Internationale Hilfe für die ihre Vertreibung aus Konstant!- nopel erwartenden Armenier erbeten, eine Delegation der mazedonischen Föderation aller dort lebenden Nationen. Ihr Ziel, in dem ste die Unterstützung der Internattonale erwarten, ist die Autonomie Mazedoniens, gegebenenfalls unter dem Protektorat des Völkerbundes. Der freie Durchgang zum Meer durch ihr Land würde die serbischen Wünsche erfüllen und Bulgarien den im Friedensvertrag von Neuilly zugesagten, aber bis" heute noch nicht gegebenen„kommerziellen Zugang" zum Meere sichern. Aus meinen Eindrücken ergibt sich das eine: Der sozio- listische Gedanke hat im Balkan nicht nur Wurzel geschlagen, er ist auch stark: denn er beherrscht die Kreise der gebildeten Arbeiterschaft. Vor allem aber ist die internationale Sozial- demokratie auch dort die große Hoffnung oller Unterdrückten. Für mich wird der Besuch bei den bulgarischen Sozialisten, wo ich soviel Liebe, Freundschaft und Begeisterung gefunden habe, wie bisher nirgendwo, in ständiger Erinnerung bleiben. Veutschnationale tzelöengrö'ße. Die Deutschnationalen, die bekanntlich das Vertrauen zum Parlamentarismus verloren haben und das Hauptgewicht ihrer Tätigkeit auf die außerparlamentarische Arbeit verlegen wollen, belästigen seit einiger Zeit die Parlamente mit kleinen Anfragen, über deren Qualttät und Daseinsberechtigung man nur einer Meinung sein kann. In einer dieser Anfragen wurde gerügt, daß der Landrat des Kreises Calau am 27? Juli auf dem Marktplatz in Senftenberg aus Anlaß einer sozialistischen Protestkundgebung eine aufreizende Ansprache ge- halten habe, die zu Plünderungen des Kaufhauses der Ilse-Wohlfahrtsgesellfchaft sowie mehrerer Geschäfte geführt habe. In seiner Antwort stellt Innenminister Severing fest, daß die Plünderungen erst zwei Tage nach der Ansprache be- gannen, daß ein ursächlicher Zusammenhang also nicht vor- liegt. Im G e g e n t e i l hat sich der Landrat unter Einsetzung seiner eigenen Person um die Verhinderung der Ausschreitun- gen bemüht und nicht wenig dazu beigetragen, noch Schlim- meres zu verhüten. Das konnte der deutschnationale Herr, der die Anfrage lanciert hat, natürlich auch selbst feststellen, wenn ihm daran gelegen war. Aber es scheint, daß es den Deutschnationalen mehr auf Massenverhetzung als auf etwas anderes ankommt. Oder ist es etwa nicht aufteizend, wenn es in der„S ch l e s i- schenZeitung" heißt:„Der deutsche Bürger wird sich nach dem Vorbild der Fascfften rühren müssen, da in diesem Winter feine Wehrhaftigkeft jedenfalls auf die Probe gestellt werden wird." Aehnlich der„R e i ch s b o t e", der in sehr durchsichtiger Verdrehung der Tatsachen der Sozialdemo- k r a t i e die Gewallpolitik der K o m m u n i st e n unterschiebt und daraus die Schlußfolgerung zieht: „Wer an die Gewalt appelliert, muß damit rechnen, daß ihm eines Tages wieder Gewalt entgegengesetzt wird. Terror kann nicht mit parlamentarischen Mitteln überwunden werden, sondern nur dadurch, daß man auf einen Schelmen anderthalbe setzt." Was das heißen soll, ist jedem ersichllich, der die deutsch- nationale und deutschvölkifche Psyche kennt. Man predigt den Terror, verleumdet tapfer und stellt sich entrüstet, wenn der Gegensette ein derbes Wort entschlüpft. Das alles enffpricht ganz dem Porträt deutschvöltischer Heldengröße, wie wir es zur Genüge kennen. « Breslau, 2. November.(TU.) Die erste Strafkammer des Breslauer Landgerichts verurteilte den Redakteur der„Schlesi, schen Volks stimme* Alfted Müller wegen Vergehens gegen Z 8 des Gesetzes zum Schutze der Republik zueinemMonotGe- f ä n g o i s. Der Angeklagte halle in Nr. 26 des genannten Blattes vom 3v. Juni d. I. unter der Spitzmarke„Zwangserziehung zur Republik" und„Die Tage der Schmach und Schande" einen Lell- arttkel veröffentlicht, der nach der Anklage eine Beschimpfung der Regierung und insbesondere des Reichskanzlers enthielt. Der Staats- anwalt halle 5 Monate Gefängnis beantragt. Schwerinüuftrie unü sächsischer Wahlkampf. Die Breslauer„Volkswacht" veröffentlicht ein Schreiben, das der deutsche Industrieschutzverband an eine Reihe schlesi- scher Industrieller gerichtet hat. Es ist vom 17. Oktober datiert unh hat folgenden Wortlaut: An unser- außersächsischen Mitglieder! Der diesmalig« Landtagswahlkampf in Sachsen ist von außer- gewöhnlicher Bedeutung. Die Wahl wird dafür entscheidend sein, ob die bisherig« reinsozialistsche Regierung, die maßgebend von der kommunistischen Landtagsftaklion bennflußt wird, weiterbestehen bleiben kann. Gewerbe und Industrie, alle Arbeiter haben ein ungemein große, Interesse am Ausfall dieser Wahl, und zwar nicht nur die sächsischen, sondern auch die außersächsischen Betriebe. Denn auch die Rcgierungspolllik im Reiche wird durch das Besteh eu rein sazia- listischer Regierungen in einzelneu wichtigeren Ländern in erheblichster weise beeinflußt. Schon die Tatsache, daß die sächsischen, thüringischen, braunschweigischm und anhaltischen Stimmen im Reichsrat nach den Weisungen sozialistischer Regierungen abgegeben werden, ist geeignet, den an sich schon überstarken Einfluß der so- zialdemokratischen Mitglieder der Reichsregierung noch erheblich zu verstärken. Die Sozialdemokratie sucht natürlich ihr Bollwerk Sachsen unter allen Umständen zu hallen und von ihrer Seite fließen'desHall, für den sächsischen Wahlkampf ungeheure Geldmittel aus dem ganzen Reich« zu. Es müssen deswegen ebenso reichliche Mittel von amisozialistischer Seite aufgebracht wer- den, wenn der Wahlkampf für sie erfolgreich verlaufen soll. Deshalb gestatten wir uns, auch an unsere außersächsischen Mitglieder hierdurch die Bitte zu richten, uns Beiträge dafür zur Verfügung stellen zu wollen, wir werden die bei nns eingehenden Beträge zugunsten derfenlgen Parteien, die den Sozlaldemokralen gegenüberstehen, verwenden nnd sie deren Wahlfond» zuführen. Bsiträgs ufw. Das Schreiben zeigt, welche Bedeutung man in bürger- lichen Kreisen der sächsischen Landtagswahl beimißt. Die Schwerindustrie scheut kein Opfer, um die sozialistische Mehr- heit im sächsischen Parlament zu brechen. Ein Parteiunterschieb im Lager der Bürgerlichen soll nicht gemacht werden. Man geht zur Generaloffensive gegen die Sozialdemokratie über und hofft bei einem Wahlsieg in Sachsen auch auf die Ent- wicklung im Reich und in anderen Ländern einen Einfluß ge- Winnen zu können. Es ist selbstverständlich, daß sich die Sozialdemokratie nicht vom schwerindusttiellen Kapital zurück- drängen lassen darf. Die ungeheuren Geldmittel. die chr in dem Schreiben angedichtet werden, stehen ihr zwar nicht zur Verfügung, um so energischer wird aber ihr g e i- stiger Abwehrkampf sein. Es wäre interessant zu er- fahren, welche bürgerlichen Parteien in Sachsen für die Ein- heitsfront des rollenden Dollars zu haben sind. Auf diesem Prinziv läßt sich ein vortreffliches Programm für eine bürger- liche Ärbeitsgemeinfchast aufbauen. Die Gelüfammlungen für Techow. Wie bereite ftt der Presse verschiedentlich mitgeteilt worden war, hatte die Inhaberin eines Ladengeschäftes in der Nähe der Technischen Hochschule, Charlottenburg, durch Aushang zu einer Listenzeichnung zugunsten de§ wegen Beihilfe an der Er- mordung des Ministers Tr. Raihenau zu tö Jahren Zuchthaus verurteilten Ernst Werner Techow aufgefordert. Dem Amt» lichen Preußischen Pressedienst zufolge hat die Abteilung I» de? Berliner Polizeipräsidiums sogleich daS Strafverfahren gegen die GeschäftSinhaberin wegen Vergehens gegen Ziffer 8 des ß 7 des Gesetzes zum Schutze der Republik eingeleitet, nach dem die Aussetzung von Belohnungen auf Gewalttätigkeiten gegen Mit- glieder einer republikanische» Regierung deö Reiches oder eines der Länder mit Gefängnisstrafe von S Monaten bis 6 Jahren, resp. mit hohen Geldstrafen bedroht werden. Außerdem ist die Zeichnungsliste beschlagnahmt worden, ebenso auch daS darauf gesammelte Geld._ Anfange einer Jusiizreform. In der ersten Sitzung der Kommission zur Ausstellung eines Entwurfs einer neuen Zivilprozeßordnung führte Reichsjustizminister Dr. Radbruch in einer einlellenden Ansprache über die Zille des Gefetzgebungswerkes u. a. aus: Der aus einem vergangenen Zeitpunkt geborene Prozeß fei in seiner Schwerfällig- kell und Langsamkell dem Volke völlig entfremdet. Der Unwille weiter Kreise richte sich aber nicht gegen da» Prozeßgesetz, sondern gegen die, die es anwenden, gegen die Justiz. Ebenso wie gegen die Strasrechtspflege der Vorwurf der Klassenjustiz werde gegen die bürgerliche Rechtspflege derjenige der Weltfremdheit der Richter erhoben, der doch eigenllich und wesentlich nur der Zeit» - fremdheit eines überalteten Gesetzes gelte. Aus solchen Stimmungen i heraus ergebe sich die Flucht aus der ordentlichenJustiz, 1 die wir jetzt mit Besorgnis erlebten, die Flucht der kleinen Objekte in die Sondergerichtsbarkeit und die der großen Objekte in die Schiedsgerichtsbarkeit. Die ordentlich« Gerichtsbarkeit drohe zu einer Ruine zu werden, gerade noch gut genug, um daraus Steine zu brechen für den daneben zu errichtenden Renbau der Sonder- g e r i ch t e. Gerode die Gebiete, die der ordentlichen Justiz ent- zogen werden sollten, seien ober diejenigen, aus denen sich am ehesten die Erneuerung ihres sozialen Geistes ergeben könne. Nur eine kräftige und schnelle Reuordnung der Justiz könne ihrer fort- schreitenden Aushöhlung durch die Sondcrgerichtsbarteit und die Schiedsgerichtsbarkeit Halt gebieten. In der zweitägigen Beratung besprach die Kommission die wich- tigsten grundsätzlichen Fragen der Reform. In einigen Wochen wird die Aussprache fortgesetzt werden. Außer dem Referenten des Reichsjustizministeriums und Vertretern der preußischen und bayerischen Justizverwaltung gehören der Kommission an Reichs- gerichtsrat Dusch- Leipzig, Oberlandcsgerichtsprösident Dr. L e n i n, | Draunschweig, Professor Stein- Leipzig, Iustizrat Dr. Magnus- � Berlin und als korrespondierendes Mitglied Rechtsanwalt Fuchs- Karlsruhe. Dem Brannschwllgischen Landtag ist«in Initiativantrag der Bürgerlichen Vereinigung aus Abänderung der braun- schwei gischen Versassung, sowell sie sich aus den Landtag bezieht, zugegangen. Donach soll die Landesversammlung künftig nur aus 36 Abgeordneten bestehen. Ein Antrag Käfer (D. Dp.) fordert die Herabsetzung der Zahl der Abgeordneten von 60 aus 40. Da» Kartell Republikanischer verbände veranstaltet am 9. Ro- vember, nackmitlag« 4 Uhr, auf dem Dönhoffplotz eine Massen- kundgebung für die Republik und die Opfer de« Weltkrieges. Der vergiftete Schlaf. Don Emil R a t h- Schönholz. Diebe. Ehrabschneider, Ehebrecher bestraft man mit Gefängnis, Kupple? und Kupplerinnen, Giftmischer, Raubmörder und andere ihrer Zunft mll Zuchthaus— aber keine Strafe kennt da» Gesetz für jene, die uns den Schlaf morden. Nicht eine Nacht, nein, in hundert, tausend Nächten. Nicht den Schlaf eines Menschen, nein, den von Millionen. Auch ich„schlief einst still und harmlos", wie nur Jugend schlafen kann: einen tiefen und doch leichten Schlaf, umsäumt von Vignetten luftiger, lichter, goldener Träume. Oft kehrte mir ein Traum wieder. Blauer Himmel spannte sich' unendlich weit, und unter ihm grüne, blumengefprenkelte Wiese— und ich wanderte mit offenen Augen und offenem Herzen durch Sonne und Singen, durch Blumen und Blau. Und wenn mich das Erwachen wieder in den Tag trug, zehrte mein Herz bis zum Abend von seinem stillen Traumglück. Und setzt? Bald träume tch, ich fitze wiederum auf der Schulbank. Und ob ich schon einer der Begabtesten war: eine gräßliche Angst, etwas vergessen zu haben, stecken zu bleiben, foltert mich, wirft mich im Schlaf von einer Seite auf die andere, treibt mir Schweißperlen kalt und unbarmherzig auf die Stirn— und ich segne da« Erwachen. Oder: ich bin im Traum wieder Soldat, eingezwängt in den „lustigen bunten" Rock, die Freude und Sehnsucht der Mädchen von einst. Wäre ich wach, würde ich dieses Soldatspielen lächerlich finden: stall der Gewehre tragen wir Spazierstöcke, und während der Feld, webel nach altgewohnter Weise brüllt und wettert, singt der Unter» ofsizier vor mir ein gröhlend unzüchtiges Lied. Aber dann kommen die Griffe und mit ihnen die Herzensangst: wehe dir, wenn du einen Griff vermurtsestl Und das Unglück ist geschehen: der Spazierstock entgleitet meinen Händen, und wie eine feurige Wildsau kommt schnaubend der„Spieß" angebraust, hebt die Hand zum Schlag— ich halte abwehrend den Fuß vor, er brüllt:„Warte, du Schwein, heute abend—* Ich kann mir diese Drohung nicht deuten, aber sie ist hier der Inbegriff eines furchtbaren Schicksals, das damokles- schwerthast über mir hängt. Und dann Kompagnieexerzieren(will denn der Traum gar kein Ende nehmen? Ich weiß, daß ich träume — und werde nicht wach...).„i,, Kompagniefront— links marschiert auf— marsch, marsch!" Ich laufe wie besessen— ich kann nicht mehr. Und dann wieder die schneidende Stimme:„Wer nicht Richtung hält, wird heute abend erschossen!"... Boll sei Dank, ich bin wach. Und dann wieder die Frontträume... Granatenheulen. Todes- angst, Verwundetengestöhn. Fiebergekreisch... und Erwachen in schweißdurchtränkten Kissen... Wenige Tage vor dem Ausbruch de»„reinigenden Stahlbad es" hatte meine Mutter zwei kleine Träume: Kletterrosen bluteten stell an einer hohen Wand hinauf, daß sie in Glut versank. Und: sie schritt durch ein unermeßliches, reifes Aehrenfeld. Da kam ein Reiter, ritt stolz an ihr vorbei, und die Häupter der Nehren sanken schwer zu Boden, ohne sich wieder zu erheben. Meine Mutter glaubte, daß nach sieben mageren Iahren sieben fette kommen würden. Nein, Mutter: jener Reiter war der Krieg, und die zertretenen Aehren, die vor uns den dunklen Weg gingen, sind der gemordete und oergiftete Schlaf von Abermillionen— „Don Pasquale". Diese köstliche Buffo-Vper Donizettis haben wir oor Jahresfrist von den Münchenern unter Bruno Walter ge- hört und waren von Stil, Aufführung und italienischer Singkunst entzückt. Nun bringt die Große. Volksoper mit Fleiß ein nicht mehr ganz erkennbares, unbeschwingtes Operchen heraus, dessen leichtes Tempo und blühendes Leben von einem ernsten Orchester, von einem steifen Tenor(E i s e n b e r g), von einer gezwungen spielenden und gezwänkt trillernden Soubrette ertötet wird. H ö ß- l i n ist für diese Partitur ein zu schwerfälliger, zu wenig nachgeben- der Dlngent, die Normo der Valerie Do ob ist ganz fehl am Ott. Sie kennt gerade die Noten, und wenn es hlxy hergeht im Spiel und Gesang, ist sie in Verlegenheit und macht ein bitterböses Gesichtchen. Es ist ein anderes, auf dem Podium Arien zu singen, ein anderes, auf der Bühne gleichzeitig menschlich, schelmisch, ge- wandt, biegsam und gelenkig zu spielen. Die Ivogün kann das. Valette Doob singt mit den Blicken am Kapellmeister und verhaspelt sich in den Koloraturen. Mit dieser entscheidenden Rolle ist die Aufführung leider gettchtet: wer erst im vorletzten Bild und nicht gleich bei der berühmten ersten Glanzarie in Beifall untergeht, hat versagt. Ganz im Till aufgegangen ist Ludwig Montier, der verlorene Sohn, den man mit all seinen scharfen Nuancierungen und seinem klaren Gesang wieder lieb gewann. Auch Wilhelm Guttmann ist zu preisen: sein Malatesta war ein Labsal an weichen Tönen und beredter Schauspielkunst. Er band und verband die auseinanderfallenden Teile der Szene wie ein guter, kluger Re- gisseur, ein Weltmann und ein Sänger von Geschmack. St. S. Brunnbr ade? Wie die„Telegraphen-Union"«rfähtt, ist der literarische Sachverständige im Berliner Polizeipräsidium Prof. Karl Brunner vom Amte suspendiert worden. Als Grund wird ange- geben, daß nach dem Muster der Berliner Polizei auch andere Polizeiämter eine sogenannte schwarze Liste von Büchern angelegt haben und daß an der Spitze der Frankfurter Liste ein Buch von Brunner steht. Prof. Brunner ist bereits nach Bayern abgereist, wo er künftig seinen Wohnsitz nehmen will. Eine Bestätigung dieser Nachricht war gestern abend ntcht mehr zu bekommen. Hoffentlich ist nicht der Wunsch allein der Vater der Nachricht. Daß der Reigen-Vater nach Bayern verziehen sollte, wäre ein gutes Symbol für seine„staatserhaltende" Tätigkeit. Und daß der Betämpfer der Unsittlichkeit und Schundliteratur über seinen eigenen Schund gestürzt wäre, sogar ein guter Treppenwitz der Standalgeschichte. »Körperbau und Charakter"'. Der uralte Wunsch, aus dem Aussehen des Menschen seinen Charakter zu erkennen, scheint semer Erfüllung entgegenzugehen. In der Praxis wurden und werden schon immer Rückschlüsse vom Aussehen eines Menschen aus seine Vlych« gebildet, denn jeder bildet sich sofort ein« Meinung über sein Gegenüber. Ader was man bis jetzt an Theorien darüber hotte, war Empirie, waren unbegründele sich oft widersprechende Meinungen. Jetzt endlich bemächtigt sich die Wissenschaft dieses Gebietes, und zwar kommt die erste Arbeit von der medizinischen Seit«. Dr. Ernst Kretschmer, der Tübinger Neurologe und Psychiater, hat auf Grund der Beobachtungen an psychisch Erkrankten entsprechend den großen �rankheilsgebieten (manisch-depressiv und Dementia praecox) zwei Konsliculions- typen(pyknisch und schizophren) festgestellt. Er untersuchte die Temperamentsäuberungen, die Charaktere, die Naturanlagen dieser Typen, dehnte die Untersuchungen über den Kreis des Krankenhauses aus, und da ergab es sich, daß alle Menschen einen der beiden Typen an sich tragen, physisch und psychisch, so daß die Krankheit nur m, Pathologische gesteigertes Maß darstellt. Nun hat Kretschmer«inen Merkmalsbogen ausgearbeitet, der die physischen Unteffchied« und die Charakteranlagen eines jeden der beiden Konstitutionstnpen ent- Hält, so daß wir jetzt wstande sind, sowohl au» dem Aussehen de» Menschen seine allgemeinen Anlagen, wie au» den Ehorakteräuße- rungen auf seine Konstitution zu schließen. Kretschmer hat seine Untersuchungen in fesselnder Weise an der Hand zahlreicher Bilder in dem Buch„Körperbau und Charakter"(Julius Springer, Berlin) erläutert und dann sein System an Charakteren verschiedener berühmter Männer durchze- fühtt. Das Ergebnis ist«in« unzweifelhafte Parallelität zwischen Temperament und Körper, und zwar in folgender Art: den zwischen Heiter und traurig, zwischen beweglich und behäbig pendelnden, natürlichen, weichen, abgerundeten Typen entspricht der pyknisch« Körperbau. Dieser zeigt starke Umfangsentwicklung von Kopf, Brust. Bauch, Neigung zum Fettansatz, gedrungen« Figur: die Ge- slchtsform entspricht Cinem flQchen Fünfeck oder breuer Schildform. Im Gegensatz zu diesem Typus schwankt der Schizophreniker zwischen Ueberempfindlichkeit und Indolenz, zwtschen Zerfahrenheit und Zähigkeit, ist oerhalten, sprunghast, steif, und hat«inen entweder mageren, schmalaufgeschossenen, muskeldunnen Körper mit flachem Brustkorb oder ist ein Athlet mit derbem, ausladendem Körperbau, mit plumpen' Extremitäten(jedocy ohne die typische Rundlichreit des Pytmters). Sein Gesichtsprofit zeigt einen spitzen Winkel oder eine lange Nase. Der athletische Korper trägt meistens einen derben Hochkopf(Turmschädel). Das Gesichtsoval ist eine stelle oder eine oerkürzte Eiform. Was hier nun gegeben ist. ,st»a nur ein Anfang, ein« erst« auf wissenschaftlicher Untersuchung gewonnen« Merkmalstabell« für psycho-phystschen Zusammenhang. E» ist noch ein weiter Weg zu durchschreiten, bis man den Charakter au, dem Aussehen eindeutig bestimmen wird, aber die Wissenschaft wird den eröffneten Weg bi» zu Ende schreiten._ M C h a r o l. In der �iaatSoper tvird Varbara K e in v am i?onniaa in der .Rolent-valiett.Slutsüwing die Mersch-. Hin und m der kommenden»»ch« am Mittwoch w der.Mona Lisa' die Titelpartte singen. Ministersuche in Bayern. München, 2. November.( Eig. Drahtbericht.) Die Bayerische Bolkspartei stößt bei ihren Versuchen, das bisherige Regierungssystem fortzufeßen, auf unerwartete Schwierigkeiten. Bisher nahm fie davon Abstand, ihre Parteiführer mit der Regierungsbildung zu betrauen. Sie sucht nach nationalen Persönlichkeiten, die, wie die Münchener Neuesten Nachrichten" schreiben, Selbstüberwindung genug befäßen, die Rolle eines Prügelknaben zu über nehmen und der Mehrheitspartei die Möglichkeit zu geben, bei gleichbleibendem Programm und Verhältnissen im Parlament popu= lär, je nach der Konjunktur, mal ein bißchen mehr nach links und " Behörden werden ungeheuer belastet und es werden gewisse Kulturintereffen und Menschentreise betroffen, die ohnehin einen schwerer Kampf ums Dasein führen. Darum werden wir überlegen müssen, ob fünftig die Forderung der rein wirtschaftlichen Balancierung des Etats aufrechtzuerhalten ist oder nicht. Zurückziehung der Militärkommissionen. MTB. meldet: mal ein bißchen mehr nach rechts, zu regieren". Staatsrat Mayer Städtische Beamte und Sozialdemokratie. Berwirklichung dieses Vorschlages ist, daß die endgültige der als Lerchenfelds Nachfolger gedacht war, scheint das Schicksal feiner Vorgänger Rahr und Lerchenfeld zu fürchten. Ihn hat offenbar stuhig gemacht, daß ein Führer der Bayerischen Volkspartei geäußert hat:„ Wenn der neue Ministerpräsident nicht mehr paßt, dann schiden wir ihn eben wieder fort."- Da die Suche nach einem dann schicken wir ihn eben wieder fort."- Da die Suche nach einem brauchbaren Objekt bisher ohne Erfolg war, ist die Einbe: rufung des Landtages, die für ben 3. November geplant mar, auf nächste Woche verschoben worden. Bemerkenswert ist, daß innerhalb der Demokratischen Partei eine Strömung besteht, die für den Wiedereintritt in die Koalition wirbt. Die Münchener Post" wendet sich in ihrer Donnerstagausgabe mit einer Warnung an die Arbeiterschaft, sich nicht von rechtsradikalen Kreisen provozieren zu lassen. Unser Partei blatt hebt besonders hervor, daß die Nationalsozialisten nach dem Vorbild der italienischen Fascisten Butsch absichten für den 11. November planen. ſeien. Der verurteilte Miesbacher. 22 Die Regierungen von Frankreich, England, Italien, Belgien und Japan find auf ihren der Reichsregierung im Die Borlage wurde unverändert angenommen, ebenso ein Ge. April d. 3. gemachten Vorschlag zurüdgekommen, die gegensekzentwurf, der das Gesetz zur Bekämpfung der Kapital- wärtig zur Ueberwachung der Durchführung der befristeten miliFlucht teilweise verschärft, teilweise milbert. Die Verschärfungen tärischen Bestimmungen des Vertrages von Versailles beentsprechen Forderungen der Reparationskommission. Die persön- stehende interalliierte Militär kontrolltommiffion zuliche Mitnahme von Geld ins Ausland wurde auf den Betrag von rudziehen und durch ein bedeutend weniger zahlreiches mili200 000 m. erhöht. tärisches Garantiefomitee zu ersehen, dessen Kosten die genannten Regierungen tragen wollen. Borbedingung für die Durchführung mehrerer die Entwaffnung Deutschlands betreffender Fragen sichergestellt ist. Aus parteigenössischen Beamtenfreifen wird uns gefchrieben: Die städtischen Beamten haben am Montag in einer stürmischen Die Reichsregierung hat sich bereit erklärt, über diesen Versammlung gegen die durch den Einspruch des Oberpräsidenten Vorschlag in Berhandlungen einzutreten unter der Voraus brohende Verschlechterung der Besoldungsordnung protestiert. Die fehung, daß durch diese Verhandlungen die Beschränkung der Erregung der Beamtenfchaft ist begreiflich und berechtigt. Leberwachung Deutschlands auf die im Friedensvertrag dem Rate. Um so nachdrücklicher aber muß davor gewarnt werden, daß sich des Bölterbunds eingeräumte Befugnis vorbereitet wird. diese Erregung auch gegen Körperschaften und Vorgänge richtet, des Bölferbunds eingeräumte Befugnis vorbereitet wird. die an der Verschlechterung vollkommen unschuldig sind. Wenn die Beamtenschaft selbst zugeben muß, daß die Stadtverordnetenversammlung und insbesondere die sozialdemokratische Frattion den ursprünglichen Entwurf erheblich verbessert hat, daß fie fich auch jezt dem Einspruch des Oberpräsidenten nicht willenlos fügt, sondern in allen entscheidenden Bunkien das Schiedsgericht anrufen will, so ift es sinnlos, gegen diefelbe Stadtverordnetenversammlung Sturm zu laufen. Insbesondere aber sollte die Beamtenschaft einsehen, daß die Drohung mit dem Austritt aus den politischen Barteien und mit der Gründung einer be fonderen Beamtenpartei nur geeignet ist, die politie ige und wirtschaftliche Einsicht der Beamtenschaft in Mißtredit zu bringen. Erste Kabinettssitzung unter Mussolini. Offiziöser Optimismus. Rom, 2. November.( WTB.) Der Ministerrat trat ver gangene Nacht zu einer Sigung zusammen, die drei Stunden dauerte. Mussolini gab in seinem Bericht über die innere Cage auswärtigen Politik Bertretern Fühlung genommen habe, und er erklärte, daß es vor der Herrschaft des Fascismus sowohl wegen seiner Borgeschichte, als: auch wegen der Art, wie man zur Macht gelangte, im ersten Augenblid in gewiffen internationalen Kreisen Besorgnis erregt hätte, doch hätten Telegramme, die von ihm an die Staatschefs gesandt worden wären, diese dunklen Gerüchte bereits zerstreut, wie die Besserung der Wechselkurse und der italienischen Baluta zeige. Mussolinis Geldvermittler. bekannt, daß diese sofort wieber ihr altes Aussehen bekäme, und daß 42 000 Fascisten bis Mitternacht Rom verlassen hätten. In ber inneren Bolitik wird das Kabinett fich die Wiederherstellung der München, 2. November. Wegen Beleidigung der Münchener Der Widerspruch der Beamten richtet sich insbesondere gegen nationalen Zucht und Ordnung angelegen sein lassen, jeden Schritt Bost" wurde der Schriftleiter des Miesbacher Anzeigers", die gemiste Deputation, die nicht zu Berhandlungen zur Befriedigung des Landes(?) unterstüßen und nicht Beger, zu einer Geldstrafe von 1500 m. oder 15 Tagen Ge mit den gewerkschaftlichen Vertretern bereit gewesen sei. Hierzu nur mit Worten, sondern durch Taten den Beweis erbringen, daß fängnis verurteilt. Er hatte behauptet, daß das Handgranaten ist zunächst festzustellen, daß Bürgermeister Genoffe Ritter als nur eine Staatsgewalt und feine andere neben ihr bestehen könne, attentat auf die Münchener Post", das bis heute noch keine Auf- Borsigender diefer Deputation die Vertreter der Gewerkschaften Bur ,, Münchener Post" beschäftigt seien. In der Begründung desammenhang borzutragen, um dann im Hin und Wider von teilte Mussolini mit, daß er in diesen Tagen mit den auswärtigen flärung gefunden hat, von Leuten fingiert worden sei, die in der gebeten hat, ihre Bedenken zu Beginn der Beratungen im 8u= Fragen und Rückfragen die Ansichten zu klären". Später sollte sich Urteils wurde gesagt, daß die behaupteten Tatsachen nicht erweisbar bann die Einzelberatung anschließen. Dieser Standpunkt entsprach dem der sozialdemokratischen Fraktion, und es dürfte niemanden geben, der in einer folden Beteiligung der gewertschaftlichen Neues Milliardendefizit bei der Post. Organisationen nicht den Willen zu Verhandlungen" mit ihnen erkennt. Wenn sich aber die berufenen Vertreter der Beamtenschaft Zur Vorlage betreffend eine neue Erhöhung der Post- Fernsprech zu einer solchen Darlegung außerstande erklären, wie dies ziemlich und Telegraphengebühren erflärte als Berichterstatter braunschweigi- eindeutig zum Ausdrud gekommen ist, und daraufhin die Verhand scher Gesandter Boden im Reichsrat, trog aller Erhöhungen der Ge- lungen überhaupt abbrechen, so kann die Schuld jedenfalls nicht bühren sehe die Boftverwaltung sich heute wieder einem Defizit irgendeiner Bartei, am allerwenigsten der Sozialdemokratie aufge von 60 Milliarden infolge Erhöhung der Gehälter und Steige- bürdet werden. Je kräftiger sich vielmehr eine Partei wie die foDer Pariser Populaire" berichtet über eine Unterredung, die der rung der fachlichen Ausgaben gegenüber. Er sagte, eine Sanierung gialdemokratische für die Anerkennung und Mitwirkung tönne bei der Reichspoft nur herbeigeführt werden durch eine Verder gewerkschaftlichen Organisationen einsetzt, um so schmerzlicher französische sozialistische Abgeordnete Barthe mit Mussolinis Sohn minderung der Personalausgaben, die drei Biertel muß es für fie fein, wenn fie von ihren Vertretungen felbst an im Auguft d. 3. in Pavia geführt hat. Dabei erzählte der Sprößentscheidender Stelle im Stich gelaffen wird. Dadurch wird aller Ausgaben darstellten, und durch eine Vereinfachung der Ver- unsere Waffe im Kampfe um das Mitbestimmungsrecht stumpfling des neuen italienischen Diktators, daß sein Bater die besten Be waltung. Im großen und ganzen feien die neuen Erhöhungen auf gemacht, die Gegner dieses Rechtes werden immer wieder bar- ziehungen während des Krieges zu einer der prominentesten Persön dem Prinzip der Berdoppelung der Gebühren aufgebaut. Bei den auf hinweisen, daß hier selbst auf dieses Recht verzichtet worden lichkeiten der jeßigen tommunistischen Internationale unters 3eitungsgebühren sei im Hinblick auf die große Notlage der fei. Selbst wenn die Vertreter der Beamtenschaft der Meinung halten habe, nämlich zu Marcel Cachin. Dieser sei im Winter Breffe von einer Erhöhung abgesehen, aber die Bost wolle sich da varen, daß fie ihren Kampf für die berechtigten Forderungen 1915 als Abgesandter der französischen Regierung nach Mailand durch schadlos halten, daß das Zeitungsbestellgeld wieder eingeführt auf einem ungünstigen Boben ausfechten müßten, so burften sie gekommen, um Mussolini eine sehr große Summe zu übertrogdem ihre Sache nicht einfach im Stiche lassen. In Wirklichkeit bringen, die dieser für sein Blatt" Popolo d'Italia" benötigte, um Reichspoftminister Giesberts wies darauf hin, daß die Be bestand über die Form der Bertretung und der Verhandlung zum feinen Feldzug für den Eintritt Italiens in den Krieg fortzusetzen.... Turati und Treves aber, die damals den Kampf der soziaschlüffe wegen Erhöhung der Beamtengehälter wieder mindeſten zwischen der sozialdemokratischen Fraktion und ihnen selbst überhaupt feine Meinungsverschiedenheit. fatastrophal auf die Berkehrsverwaltungen wirtten. Die Sache wird Die Sozialdemokratie hat bei der ganzen Beratung der Be- listischen Partei Staliens gegen den Krieg führten und die dement fo kommen, sagte er u. a., daß wir für das laufende Jahr ein Defizit foldungsordnung vom ersten Tage bis zum legten eine voll- sprechend von Mussolinis Blatt geschmäht und bedroht wurden, die von 50 Milliarden und für das nächste Jahr von 120 bis tommen flare Linie eingehalten, sie hat sich als Sachwalterin werden heute von der gesamten kommunistischen Presse, insbesonders 150 Milliarden haben werden. Errechnen läßt sich heute über- der Interessen der unteren und der mittleren, der gering in der von Cachin geleiteten Humanité" als„ Verräter" und Sozial haupt nichts mehr. Im Fernsprechverkehr liegen heute mehr An- und der zu gering befoldeten Gruppen gefühlt. Sie wäre also patrioten" beschimpft! meldungen als Abmeldungen vor. Der Briefverfehr geht da- fehr erfreut getoefen, wenn ihre Bemühungen um Höherstufung gegen ganz enorm zurüd und nach dieser Erhöhung wird er dieser Gruppen auch diesmal von den Komba- Vertretern wir noch mehr zurückgehen. Der Minister ersuchte die Vertreter der ein- tungsvoll unterstüßt wären. Da die Komba- Bertreter aber entgegen ihrer am Montag gegebenen Busage auch zu den zelnen Länder, schon jetzt ihre Regierungen auf ganz wesentliche Dienstagsverhandlungen nicht erschienen waren, so hat die sozial meitere Erhöhungen vorzubereiten. Die sozialen Einrich demokratische Frattion ihren Kampf für die berechtigten Interessen tungen, insbesondere die Versicherungsorganisationen, ebenso die der städtischen Beamtenschaft allein führen müssen, aber sie ist nicht davor zurüdgeschredt, diesen Kampf auch auf dem durch die Bertreter des Stomba geschaffenen ungünstigen Boden trotzdem mit Energie und mit Erfolg durchzufechten." werde. Arbeit. Dreitausend Arbeiter regen die Hände an einem Wert. Der Papst gegen politifierende Kirchenfürsten Vom Großkraftwerk Main- Weser. Zwischen Kassel und Marburg, dort wo das Schwalmflüßchen durch die fruchtbarste Ebene des Hessenlandes fließt, flingt mit muchtigen Attorden das Lied der das zu den gewaltigsten zählt, die in dieser schweren Zeit mit erstaunlichem Optimismus begonnen und einer bewundernswürdigen Aus Warschau meldet die Deta", daß der Papst dem Kraft und Ausdauer burchgebissen werden, um in Zukunft die Erzbischof Theodorowitsch und dem Krafauer Fürst Elektrifierung sicherzustellen, und zwar unter Ausbeutung bisher bischof Sapieha verboten hat, für den polnischen Senat bau sich dieser früher mißachteten braunen Schäße der Erde be- 34 fandidieren. Beide waren von den Nationalbemokraten mächtigen fonnte, legte der Staat die Hand darauf, um eine Dampf- als Kandidaten aufgestellt worden. traftanlage für das Elektrizitätsgebiet zwischen Main und Weser aufzubauen. Um einen Begriff zu geben von dem Unternehmungsgeift, der dieses Werk leitet, sei die Tatsache festgestellt, daß in der Gemarkung der Gemeinde Trockenerfurt gegenwärtig zwei machtvolle Baggermaschinen aufgestellt werden zur Bloßlegung der Kohlenfelder, und diese Arbeit wird allein zwölf Jahre erfordern! Das neue mitteldeutsche Braunfohlengebiet rings um das Städt chen Borten, nach dem das werdende Kraftwert seinen Namen erhalten hat, bildete in Urzeiten den größten See des westlichen Mittelbeutschlands, der langjam permoorte und austrodnete. An diesen See erinnern noch heute die Namen der Gemeinden Naffenerfurt und Trockenerfurt. Die in Borken gemutete Braunkohle wird als vorzüglich angesprochen. Wo bis zum Vorjahr noch des Landmanns Pflug starte Furchen zog, blizen jezt zahlreiche Schienenftränge von Feldbahnen, und eine breite Bleisanlage im Anschluß an die Main- Weser- Bahn dient dem großen Güterzugverkehr. Eine neu angelegte Riesgrube bei Großenenglis liefert das Material für die Betonierungen. Ueberall streben Mauerwerte empor, so daß bereits ein leberblid möglich ist über den Riefenumfang des Großbaues. Hand in Hand mit den Wertbauten geht die Wohnungsherstellung. Und im nächsten Jahre soll mit der Errichtung eines noch größeren Kraftwerks begonnen werden. Ein neuer Rekord deutscher Flugzeugtechnik. Eins der nor= malen Sunler Metall- Berkebrsflugzeuge bat am 1. November trok Sturmböen ben Großglodner und Großbenediger mit der üblichen Bonar Laws erste Ministerrede. 9/11 London, 2. November.( WTB.) Bonar Lam hielt heute nachmittag vor einer Frauenversammlung seine erste öffentliche Rede in London als Premierminister. Er sagte u. a.: Die wahre Ursache des Zusammenbruchs der Koalition ſei darin zu suchen, daß das englische Volt allgemein der Ansicht sei, daß man unter Lloyd Georges Herrschaft nicht wußte, wo man heute stand, und nicht sagte, mo man morgen stehen werde. Es sei ein großer Fehler, anzunehmen, daß neue und jüngere Männer in der Regierung die Arbeit nicht ebenso wirksam leisten überraschender Vitalität. Jede große Frage, die auftauchte, babe er in Angriff zu nehmen verfucht. Dies fei nicht seine ( Bonar Laws) Art, ein wichtiges Amit auszufüllen. Er wolle es ausfüllen, wie der Mann an der Spize eines Geschäfts, der die Arbeit anderen überläßt und würden. Lloyd George sei ein Mann von riefenhafter Energie und nur allgemein die Aufsicht führt. Dies sei der Wechsel, den er beabsichtige. Bonar Lam wiederholte, daß feine Politit Ruhe und Stetigkeit zum Ziele habe. Es gebe Beiten, wo es gut fet, ftill zu fizen und langsam zu gehen. Die Beziehungen zu Frankreich Wenn Pius XI. diesen Grundsaß auf alle kirchlichen Beamten erstredt, so können sich daraus weittragende politische Ron sequenzen entwideln. So müßte der deutschösterreichische Bundesfanzler Seipel sein Amt niederlegen, ebenso der deutsche Reichs- müßten der Grundton der britischen Außenpolitik sein. In der arbeitsminister Dr. Brauns und überhaupt zahlreiche Parla- inneren Bolitif sei die Hauptsache, die Ausgaben zu verhindern. mentarier in den meisten europäischen Ländern. Sollte sich jedoch Ohne dies fei eine Herabse gung der Steuern nicht dieses Berbot auf die oberen Diener der katholischen Kirche be- möglich. schränken, so hoffen wir, daß der Batifan die Gelegenheit nicht verfäumen wird, dem Monsignore Faulhaber jenen politischen Maulkorb anzuhängen, den er im Interesse des inneren deutschen Friedens dringend benötigt. London und Paris gegen Ungarn. Eine Bestätigung der Meldung der Chitago Tribune", wonach die Nationalversammlung in Angora die Absehung des Sultans und General Le Rond wird Kommandeur des Brüdenkopfs Koblenz die Republif proflamiert hätte, liegt bisher noch nicht vor. Dagegen Devisenkurse. Belaftung von sechs Bersonen zum ersten Male überflogen. Die Reiftung 1 holländischer Gulden ist um so bemerkenswerter, ba es sich um eins der in ständigem Dienst be- 1 argentinischer Papier- Peso findlichen Berkehrsflugzeuge handelt, die den Entente- Baubestimmungen 1 belgischer Frant vollkommen entsprechen. 1 norwegische Krone 1 dänische Krone. Bom Thüringer Heimatmuseum. Eine neue Abteilung des Museums it als thüringisches naturwissenschaftliches Heimatmuſeun in Erfurt er. 1 schwedische Strone öffnet worden. In dem alten Hause 3um Stodfisch" wird die Schaufammlung eingerichtet mit einem großen Vortragssaal. Die Abteilungen 1 finnische Mark. find in geologisch- mineralogische, botanische und weitere einschlägige 8weige 1 japanischer Den gegliedert. 1 italienische Lire Europas schwerste Güterzuglokomotive. Auf der Münchener Be- 1 Pfund Sterling werbeschau, die unlangit ibre Bierten schloß, war in den legten Bochen 1 Dollar.. noch ein besonderes Schauftud angefommen: die schwerste Güterzuglofomo1 französischer Frant tive Europas, ein Wert aus der Wünchener Maschinenfabarit Maffei. Die brasilianischer Milreis Riefenmaschine befibt eine Länge von 171, Meter und hat ein Gewicht von 126 Tonnen. Bon ben acht gefuppelten Achsen ist jede zweite seitlich so Sweizer Frank. verstellbar, daß die Maschine reibungslos sich durch die schärfsten Sturven Der neue Typ wird auf Streden mit großer Steigung bewegen fann. Verwendung finden. 1 spanischer Beseta 100 öfterr. Stronen( abgeſt.) 1 tschechische Krone Ter Parthenon. Kurfürstendamm 281, eröffnete eine Stollettiv 1 ungarische Krone ausstellung des Malers Paul Vidor, welche Gemälde und Aquarelle, 1 bulgarischer Lewa fowie zahlreiche graphische Arbeiten zeigt. Die Ausstellung ist auch Sonntags bon 11-1 Uhr geöffnet. 2. November 1. November scheint es, daß das Auftreten der Türken in Thrazien, wo sie Maffenrekrutierungen vornehmen, auf die französische Regierung beunruhigend zu wirten beginnt, so daß in einer Unterredung, die am Mittwoch zwischen Lord Curzon und dem französischen Botschafter in London stattgefunden hat, ein gemeinsames Käufer Verkäufer Räufer Berläufer scharfes Borgehen gegen die Kemalisten beschlossen worden sein soll. ( Geld-)( Brief-)( Geld-)( Brief-) In London und Paris ist nach einer Meldung des Exchange Tele Kurs graph" aus Konftantinopel das Gerücht verbreitet, daß 60 fran= 1925.17 1984.83 1778 05 1781.95 3öfifche Soldaten durch türkische Truppen ermordet 1765.57 1774.48 1628.41 1636.59 worden seien. 319.20 320.80 297.75 299.25 892.76 897.24 826.92 831.08 985.03 989.97 910.21 914.79 1821.68 1828.82 1211.96 1218.04 125.68 126.82 Kurs 213.04 211.96 21945.- 22055.4925.15 4949.85 844 18 345.87 561.59 564.41 902.73 907.27 758.11 756.89 6.23 6.27 157.60 158.40 2.07 2.09 88.91 34.09 Kurs Kurs Deutscher Wahlfieg in Bieliz- Teschen. Breslau, 2. November. Bei den Kommunalwahlen in Bielik 114.21 114.79 und Teschen im früheren österreichischen Teile von Schlesien wurde 2189.51 2200.49 eine starte deutsche Mehrheit gewählt.( Aber um das Ge 191.52 192.48 biet ftritten sich vor dem Obersten Rat Polen und Tschechen! 20199.87 20300.63 4538.62 4561.38 321.69 328 31 518.70 Redaktion.) 521.80 In Sowjetrußland wird weiter erschossen. 694.74 820.94 825 06 691.26 5.68 143 54 1.81 80.67 100 Bolenmart galten im freien Verkehr etwa 34 M. Moskau, 2. November.( DE.) Die im Mostauer Spionage 5.72 prozeß gegen einige Mitglieder der lettländischen Vertretung ge 144.26 fällten acht Todesurteile sind an sechs der Verurteilten bereits 1.88 Dollzogen. Die übrigen zwei Verurteilten hat die Sowjet30.88 regierung fich bereit erklärt gegen in Lettland verurteilte Kommu niften auszutauschen. Gewerkschaftsbewegung Die Arbeitszeit der Eisenbahner. Fälschungen der„ Roten Fahne". Eine Absage. Eine bedeutende BerDer Schiedsspruch im Holzgewerbe abgelehnt! stundentag zu verstehen, und während der 8 Stunden müsse Am Mittwoch ist im Schlichtungsausschuß Groß- Berlin ein auch wirklich gearbeitet werden. Schiedsspruch für das Holzgewerbe gefällt, zu dem die Funktionäre schlechterung unserer wirtschaftlichen Lage werde durch die gewaltig des Deutschen Holzarbeiterverbandes am gleichen Tage in Kliems große Zahl von Ausländern herbeigeführt, die dank der geringen eftiälen Stellung nahmen. Aus dem eingebenden Bericht des Tariffäße für Ausländer Deutschland fortwährend bereisten und austauften. Kollegen Boefe über den Verlauf der ganzen Verbandlungen Die Rote Fahne" beschäftigte sich in ihrer Morgenausgabe vom und über den Schiedsspruch ist zu entnehmen, daß in der ersten 26. Oktober mit den vor einiger Zeit an dieser Stelle besprochenen Novemberwoche 35 Broz, in der zweiten Woche Dienstdauervorschriften für das Betriebs- und Verkehrs- 50 Proz. und in der dritten und vierten November Auch die Betriebsräte der Ledebour- Gruppe wollen bei dem Betriebsrätetheater, das die KPD. inszeniert, nicht Staffage bilden. personal der Reichsbahn. Der Verfasser, der sich den Anschein des woche 60 Pro 3. Buschlag gezahlt werden sollen. Sachfenners zu geben versteht, stellt jene irreführenden und Mit großer Entrüstung wiesen die Versammelten das Ergebnis Sie haben in zwei Versammungen darüber beraten, sind aber unwahren Behauptungen cuf, die seiner Artikel zur Veröffent als viel zu gering zurüd, zumal eine rückwirkende Zahlung ichließlich zur Ablehnung einer Beteiligung gefommen. Von lichung in dem fommunistischen Blatte geeignet machen. So wird für Oftober gänzlich abgelehnt, worden war. Sämtliche Redner den unvermeidlichen Seitenbieben auf die Sozialdemokrati che gleich anfangs behauptet, daß die Dienstdauervorschriften am 1. No- brachten zum Ausdruck, unter feinen Umständen ein Lobnabkommen Partei und den ADGB. abgesehen, sind die Gründe der Ablehnung Dember gefeßliche" Kraft erhalten und im Dienst der Reichsbahn nach diefen prozentualen Sägen abzuschließen. Es sei vielmehr an folgende: allgemein durchgeführt" werden sollen. Damit sei der gefeßz- den alten Forderungen unbedingt festzuhalten. Die Abstimmung Erstens fönne es sich nur um einen Rumpftongres liche Achtstundentag für die Eisenbahner offiziell aufgehoben. So- über das Ergebnis ercab. daß von etwa 2000 Veriammlungs bandeln, da nur ein leiner Teil der Betriebsräte dort verviel Morte, soviel Unwohrheiten. besuchern die fast einstimmige Ablehnung beschlossen treten sein werde. Daraus folge, daß die eventuell gefaßten Bewurde. schlüsse nicht durchgeführt werden können, weil hinter dem Ueberdies würden durch den Um einen legten Verfuch zu machen, den Kampf im Holz- Rongreß teine Macht sieht. gewerbe aufzuhalten, ist nach einer weiteren Aussprache von beiden Kongreß nur 3 miftigteiten in die Arbeiterschaft hineinBertragsparteien das Reichsarbeitsministerium angetragen; die Unternehmer wären der ladende Dritte. Aus gerufen worden. Die Verhandlungen an dieser Stelle diefen und noch anderen Gründen wollen auch die Anhänger Ledefind bereits auf heute vormittag 9 Uhr augefegt und wird bours von dem fommunistischen Betriebsrätefongreß nichts wissen. es fich hier zeigen, ob der Friede im Holzgewerbe erhalten werden wieder ein kommunistischer Sieg fann. Die Funktionäre des Holzarbeiterverbandes werden daran anschließend heute ihre endgültige Entscheidung treffen. Näheres über die Versammlung fiche Inserat. Erstens handelt es sich um fein Gesez, sondern um Vorfchriften auf Grund von Verhandlungen, die also durch neue Verbandlungen wieder geändert werden können. Zweitens gelten diese Borschriften nur für das Betriebs- und Verkehrsper fonal der Deutschen Reichsbahn. Die gefegliche acht stündige Arbeitszeit wird aber auch für dieses Personal durch die Borschriften nicht aufgehoben. Die Spikenorganisationen haben in einer schriftlichen Erklärung vom 13. April ausdrücklich darauf hingewiesen. daß fie am achtstündigen Arbeitstage festhalten. Der Roten Fahne" und ihrem sachkundigen Gewährsmann sind selbstverständlich alle diese Dinge genau so aut befannt wie uns. Die Berleumdungen der Roten Fahne" gehen stets auf den Arüden der Fälschung. Dafür einige Beispiele: Es wird der § 8 der Dienstbauervorschriften als Beweis von Verschlechterungen negenüber dem bisherigen Zustand angeführt. Die" Rote Fahne" schreibt: Bie diefe Befferungen aussehen, das zeigt der§ 8 der Dienstbauervorschriften. Es heißt dort: Ueber 12 bis auf höchstens 15 Stunden können die Dienst stunden bei einfachen Verhältnissen um so viele Stunden verlängert werden, als wenigstens einstündige Arbeitsunterbrechungen in der Dienstschicht enthalten sind." Wer die Vorschriften zur Hond nimmt, wird sofort feststellen, daß das Wort Dienst fchicht" in Dienst st un ben" umgefälscht ist und doß hinter dem Wort„ Arbeitsunterbrechungen" die Worte über Abfah 3 hinaus" ausgelassen wurden. Durch die er mähnte Auslaffung wird der Anschein erwedt, als fönnten folche Dienstschichten festgelegt werden, wenn eine wenigftens einstündige Arbeitsunterbrechung"( Bause) in der Dienstschicht enthalten ist. Aus dem Wortlaut des hier zitierten Abfazes und dem Kommentar der Gemertschaften ergibt sich jedoch, daß in einer 15- Stunden- Schicht pier mindestens einstündige Pausen oder min destens eine Pause von vier Stunden enthalten sein müffen. Ein weiterer Beweis für die beabsichtigte 3rreführung und Fälschung " # An die Berliner Bauarbeiter! daß wir gemäß einem Beschluß unserer Vertreterversammlung den Zur Frage der Feier des 9. November geben wir befannt, Mitgliedschaften der uns angeschlossenen Verbände die Teilnahme an den an diesem Tage stattfindenden Veranstaltungen ihrer Parteien empfehlen. Unter dieser Aufschrift brachte die Rote Fahne" gestern früh einen Artikel. Der in Form einer Bolemit gegen den GrundAllgemeiner freier Angestelltenbund, stein" erneut die Beitragssperre propagiert. Die Kommunisten Ortstartell Groß- Berlin. Flatau. Otto. wollen die Beiträge für ihren Verband der Ausgeschlossenen, der Wertmeister in den Berliner Buchbindereien! Die Verhandlungen jetzt in der Müllerstraße ein eigenes Bureau unterhält und auch mit dem Arbeitgeberverband über die Ottobergehälter find ge ein Verbandsorgan herausgibt. In diesem Artikel wird in der iheitert. Ein Entgegenkommen der Arbeitgeber wurde durch üblichen kommunistischen Weise versucht, die Dinge auf den Kopf das Verhalten des Verbandsvertreters der Arbeitgeber verhindert. zu stellen und die Eristenz der kommunistischen Gegenorganisation ausführlicher Bericht wird in der Versammlung am Freitag abend zu rechtfertigen. Die waderen Verfechter der Einheitsfront im gegeben. Baugewerbe", die sie erst systematisch untergraben und zerstört haben, zeigen hier ihr wahres gemertschaftliches Geficht. Weil die Leitung des Bauarbeiterverbandes die Organisation nicht zum Tummelplay fommunistischer Partei und Weltrevolu tionsagitation nach der Parole:„ Es muß alles ruiniert werden" werden lassen konnte, war sie gezwungen, die Moskauer jungen Leute samt ihrem Anhang auszuschließen. Die Ausgeschlossenen machen einen eigenen Laden auf, suchen weitere Rundschaft und ferdern zur Beitragssperre gegen die Organisation auf, zur Bei tragsz ihlung für ihre fommunistische Gegengründung. Die Draht zieher wollen auf diese Weise den Bauarbeiterverband zwingen, fich ihnen auszuliefern. Gibt man ihnen den Bauarbeiterverband ganz in die Hand, dann werden fie großmütig auf ihre Sonder- Polizeibeamtenbund" gegründet worden. gründung verzichten. Kommunistische Logit. ist das von der Roten Fahne" zitierte Beispiel, das sie für di Dem Berliner Vereinsporstand werfen die getränk. Berschlechterung der Arbeitsverhältnisse und der Bezahlung der ten Unschuldslämmer vor, er bzw Thöns habe den ganzen Som Eisenbahner anführt. Sie zitiert ein Beispiel aus dem Kommentar mer über eine falsche Lohntaktit geübt. Demgegenüber sei feſtgeder Gewerkschaften über die Dienstschicht eines ofo stellt, daß die Berliner Mitglieder des Bauarbeiterverbandes über motioführers, der in einer 14- Stunden- Schicht 10 Stunden jedes Lohnabkommen im Laufe dieses Sommers selber und unund 30 Minuten. Arbeitszeit zu leisten hat. In diesen Beispiel beeinflußt die Entscheidung getroffen haben. Beitragsroird der Wortlaut aus dem Kommentar in der Weise gefälscht, sperre gegen den Verband der Ausgeschlossenen, Pflichterfül daß am Schluß der Aufstellung gesagt wird: Fahrt von B. nach lung gegen den Deutschen Bauarbeiterverband, muß die Parole 2. als Reserpelotomotipführer 5-8 Uhr 180 Mi- jedes Berbandsmitgliedes sein! nuten Dienstschicht, davon 50 Proz. als Arbeitszeit 90 Minuten Arbeitszeit." = Achtung, Bauarbeiter! Im Hinblick auf die wachsende Not und die weitere Martentwertung sahen sich die Arbeitnehmervertrater veranlaßt, bei den Arbeitgel erverbänden eine Nachrevision der am 12. Oftober getroffenen Vereinbarung zu beantagen. Die Berhandlungen finden am Dienstag, den 7. November, fiatt. Der Bereinsvorstand. Der Zusammenschluß der preußischen Polizeibeamtenverbände hat die bisher im Reichsverband der Polizeibeamten Deutschlands organisierten Länderverbände veranlaßt, den Reichsverband der Polizeibeamten Deutschlands aufzulösen. Unter Beteiligung sämtlicher Polizeibeamtenverbänd: Deutschlands ist der Deutsche Verband der Maler. Heute 7 Uhr in den Prachtfälen Alt- Berlin", Blumenstr. 10, Mitgliederversammlung. Mitgliedsbuch legitimiert. Arbeitslosenfaat, Rungestr. 30, Bersammlung aller dem Solzarbeiterverband Deutscher Solzarbeiterverband. Achtung, Riftenmechez! Heute 7 Uhr im angehörenden Ristenmacher. Die Brandjenleitung. Deutscher Werkmeisterverband. Freitag nachmittag 5 Uhr im Rlubhaus, Tagesordnung: Bericht der Tarifkommission. Ohmstraße, Versammlung aller in Buchbindereien usw. beschäftigten Werkmeister. 3. d.., yachgruppe Metall, due eciiionen. Freitag abend 61, Uhr in den Mufiterfälen, Börjenjaa, Katler- Wili elm- Stra e 31, Funktionärberfammlung. 1 AufMetallindustrie Alle Funktionäre werden ersucht pünktlich zu erscheinen. Nur ftellung der Randidaten zur Delegiertenversammlung. 2. Die Borgänge in der Funktionärausweis und Mitgliedsbuch weisen aus. Die Gettionsleiter jämtlicher Gettionen treffen sich bereits um 6 Uhr in ben Mufiterfälen Raiser- Wilhelm- Straße 31 Berantwortlich für den redatt. Teil: Bictor Schiff, Berlin; für Anzeigen: In dem Beispiel des Kommentars heißt es an dieser Stelle: munistischen Treibens ebenfalls cufgelöst werden. In Eberswalde mußte der Zweigverein infolge des tom. Der Verein Fahrt von B. nach A. als Fahrgast usw." Der Sinn der zählte 800 Mitglieder. Gelegentlich einer fommunistischen Gastrofle, sh. Slode, Berlin. Berlag Borwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin. Drud: Fälschung ist der, daß die Fahrzeit als„ Reservelokomotivführer" zu der 200 Mitglieder von den 800 erschienen waren, ließen sich Borwärts- Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Baul Singer u. Co., Berlin. Lindenſtr. 3 nach den Dienstbauervorschriften voll als Arbeitszeit, etwa 100 nach der zweistündigen Schaumschlägerei von Kaiserdie Fahrt als„ Fahrgast" dagegen nur mit 50 Proz. als Arbeitszeit zu bewerten ist. Die Rote Fahna" schreibt, daß" fast" alle Beispiele, di: in der Broschüre angeführt werden, eine Verschlechterung der Arbeitsserhältnisse tedeuten. Eie zitiert dabei abfichtlich ein Beispiel aus dem Kommentar, aus dem sich eine 14- Stunden- Schicht tei 10% Stunden Arbeitszeit ergibt, während sich aus den zwei vorhergehenden Beispielen des Kommentars eine 8- Stunden- Schicht bei 8 Stunden Arbeitszeit und eine Schicht von 4 Stunden 30 Minuten bei einer Arbeitszeit von 4 Stunden und 30 Minuten ergibt. Berlin einseifen, indem fie die Beitragssperre Lefchloffen. Raifer hatte für seinen Verband gleich Mitgliedsbücher, Beitragsmarken und sonstiges Material mitgebracht. Die übrigen Anwesenden ent hielten sich der Abstimmung. Da der Verein durch diesen Beschluß fich außerhalb des Berbandes fellte, mußte er aufgelöst werden, um Ordnung zuschaffen. Den Mitgliedern, die ihrer Organisation di Treue halten, ist natürlich Gelegenheit gegeben, ihre Mitgliedschaft fortzusetzen. 1 Unterernährte Kinder brauchen Perserts als Kraftkost Stoffe Auf eine längere Dienstschicht folgt in der Regel eine fürzere Schicht meinschädliche Taktik deutlich erkennen. Laffen wir uns unsere Be. OITO! oder ein Ruhetag spielen müssen, fann jedermann ihre gewerkschaftsgegnerische geDa die fommunistischen Herrschaften mit offenen Karten werkschaften nicht zerstören noch sie von den Kommunisten für ihre parteipolitischen Zwecke mißbrauche! Aus unserer Gegenüberstellung ergibt sich, daß die„ Rote Fahne" mit Absicht eine 14ftündige Arbeitszeit des Lokomotivführers in diesem Falle fonstruiert, für die diefer angeblich nur Giesberts für den Achtstundentag. 10% Stunden bezahlt" erhält, wie das Blatt schreibt. Die„ Rote Fahne" braucht natürlich nicht zu wissen, daß ein Eisenbahnbeamter Reichspostminister Giesberts sprach gestern in Münster nicht nach Stunden bezahlt wird, sondern Monatsgehalt bezieht. über Deutichlands Not und Rettung und führte unter anderem aus: Und diese Leute, die bewußt mit Fälschungen, Lügen und Ver- An dem Achtstundentag müsse grundsäglich festgeleumdungen operieren, spielen fich als Arbeitervertreter" auf! halten werden. Darunter fei aber fein schematischer AchtDeutscher Metallarbeiterver band Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Rollege, der Schmied Ferdinand Mützel Stralsunder Straße 36 am 30. Ottober geftorben ist Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Montag, ben 6. November, nachm. 1 Uhr, im Rrematorium Berlin, Gerichtstraße, statt Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. 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Novbr., vorm. 9%, he, in der Böhow- Brauerei, Prenzlauer Allee Branchenversammlung der Eisen- Revolverdreher. dreherinnen sowie Rundschleifer. Tagesordnung: 1. Die Krife in ber Wirtschaft und Währung. Referent: Rebatteur Genoffe Stein 2. Distuifion. 3. Branchenangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Ortsverwaltung. Jackett- Anzüge, Cutaways, Schlüpfer Damen- Kostüme, Mäntel, Wäsche, Teppiche, enorm billig! Pelzwaren: Kreuzfüchse, Zobelfüchse, Blau, Silberfüchse, Skunks, Wölfe, Luchse, Sportpelze, Gehpelze, Polzmäntel, Keine Lombardwaren. Nr. 520 39. Jahrgang Beilage des Vorwärts Widerstand gegen die Gewerbesteuererhöhung. Bürgerliche und Kommunisten erschweren der Stadt die Ausgabendeckung. Freitag, 3. November 1922 solches Mißverhältnis nicht vertretbar. Schumacher( Komm.) trat diesen Ausführungen mit einer heftigen Replik entgegen. Genoffe a B lehnte die von Bäth beliebte Errechnungsmethode um so mehr ab, als gerade die Berliner Septemberlohnzulagen für den Bergleich ungeeignet seien. Die Unternehmer aber möchten auf Kosten der Arbeiterlöhne ihre Konkurrenzfähigkeit befeftigen und womöglich noch erweitern. Dagegen mache die Arbeiterfchaft und ihre Vertretung energisch Front. Stadtrat Koblener verteidigte die Vorschläge des Magistrats, die sich durchaus auf den Beschlüssen der Versammlung aufbauten. Die Vorlage wurde nach den Ausschußvorschlägen genehmigt und dann gegen 10 Uhr die Sigung geschlossen. Das volle Glas. Raum eine Stadtverordnetensizung geht jetzt ohne Debatten sei nur auf dem Papier richtig; in Wirklichkeit handle es sich etwa über die Geldnot der Stadt vorüber. Gestern hatten die um 1,8 Proz. Ohne die Erhöhung fei eine geordnete fom Stadtverordneten sich erneut mit der vor wenigen Wochen abge- munale Wirtschaftsführung unmöglich; es fönnte ein lehnten, aber vom Magiftrat wiederholten Vorlage auf Er. Chaos eintreten, bei dem gerade diejenigen, die hier helfend einhöhung der Gewerbesteuer zu beschäftigen. Kämmerer greifen sollten, die Leidtragenden wären. In der weiteren Aussprache wandten sich Path( Dnat.) und Karding warnte vor erneuter Ablehnung, mit der nur denen gemüller- Franken( W.P.) mit größter Schärfe gegen die dient sein könnte, die einen möglichst raschen Zusammenbruch Borlage und gegen die Argumentation des Kämmerers Auch Dr. der Stadtverwaltung ersehnen. In der Debatte war die 2lerander( Komm.) lehnte die Vorlage ab, hauptsächlich desBereinigte Sozialdemokratische Fraktion di: einzige, die volles Ber- halb, weil die Steuer und somit auch ihre Erhöhung abwälzbar sei. cntwortlichkeitsgefühl zeigte. Unser Redner Genosse Loewy be-( Die Redner der Rechten hatten aus dem entgegenseßten Neulich abends traf ich bei Freunden amerikanische Bekannte. tonte die Pflicht, der Stadt bie Mittel zur Dedung ihrer Grunde wegen der Nichtabwälzbarkeit die Erhöhung bekämpft!) Sie hatten ihren Wagen vor der Tür, und als wir gingen, forderten Ausgaben zu schaffen. Mit den Bürgerlichen, die sich ablehnend Von Eynern( DVP.) sprach sein Befremden aus, daß der Ma- sie mich auf, mit ihnen zu fahren. So ging es im Dunkeln durch oder zurückhaltend äußerten, gingen die Kommunisten, bei denen giftrat ohne die Sicherheit, jetzt eine Mehrheit zu finden, eine Vor- den Berliner Westen. Wir sprachen dies und das, wie so manches die Mittelablehnung Gewohnheit ist. Dabei erlebte man den Wider- lage wiedereinbringe, die eine Milliarde Mehreinnahme bedeute. in Amerika und Deutschland so ähnlich set, und anderes doch auch spruch, daß der kommunistische Redner die Gewerbesteuer als ab- Daneben plädierte er für den Versuch einer besonderen wieder so ganz verschieden. Kurz bevor wir hielten, sagte die Frau: städtischen Gewerbesteuerordnung. mälzbar bemängelte und der deutschnationale Redner sie wegen an" Wir verstehen es nicht. Als wir in Hamburg ans Land stiegen, geblicher Unabwälzbarkeit verwarf. Die Vorlage wurde noch dem umringten uns hungernde Kinder und bettelten um Geld. wissen, wie groß Eure Not ist. Aber wir sehen so viele Dielen, Lokale und Weinstuben wie noch in keiner Stadt. Wir verstehen es nicht." Bevor ich antworten konnte, hielt der Wagen. Ein Kriegstrüppel auf einem Bein fam heran, um den Schlag zu öffnen; von der anderen Seite erschien eine alte Frau, zerfumpt, gebückt, die Streichhölzer verkaufen wollte. Ausschuß überwiesen. Sihungsbericht. Zur Kenntnis gebracht wurde gestern zunächst ein Dring. fich feitsantrag der SPD., den Königsplatz in Blas der Republik" umzutaufen. Der Antrag wurde auf der Rechten mit Gelächter aufgenommen und feine sofortige Beratung scheiterte am Widerspruch von derselben Seite. Die in voriger Donnerstagsligung verschobene Abstimmung über eine Reihe von Anträgen hatte das Ergebnis, daß mit den Stimmen aller Bürgerlichen der Antrag der Deutſchnatio nalen, den Magistrat aufzufordern, dafür zu sorgen, daß um= fchulungen zum Zweck der Errichtung von Sammel Plassen für vom Religionsunterricht befreite Kinder mitten im Schuljahr unterbleiben, angenommen, der Antrag der Rommunisten auf aftentlaffung des Stadtv. Dr. Rosen berg abgelehnt, der auf Grund eines fommunistischen Antrags neftellte Ausschußantrag, den Magistrat um eine Vorlage betr. In standsetzung des Friedhofes der Märzgefallenen zu ersuchen, gleichfalls abgelehnt wurde. Dagegen verwarf die gleiche bürgerliche Mehrheit in nament licher Abstimmung mit 104 gegen 87 Stimmen den Ausschuß antrag der auf Ablehnung der von der DBP. und den Demokraten beantragten Bewilligung von 100 000 m. an die„ Technische Nothilfe" gerichtet mar, sprach sich also für die Hingabe dieses Betrages als einer Anerkennung für die in der Februarstreitbewegung geleisteten Dienste aus. Die Borlane wegen Neuregelung der Unterbrin qung der 3mangsstation für geschlechtstrante Frauen ging auf Antrag der Gen. Heimann- Weyl an den Ausschuß zurück; die Erhöhung der Leihgebühren in den städtischen Büchereien wurde von der Mehrheit gutgeheißen. Die von der Versammlung schon einmal abgelehnte Magistrats. vorlage betr. Die Besetzung der Stellen der Fest ange. stellten mit Beamten, die vom Magistrat abermals einge bracht war, wurde vom Gen. Bublik befämpft und von einer Mehrheit, die aus der gesamten Linken und dem Zentrum bestand, wiederum abgelehnt. Zu einer längeren Auseinandersehung gab der vom Magistrat ebenfalls nach der ersten Ablehnung wieder vorgelegte Borschlag der Erhöhung der Gewerbesteuer Eine gegnerische Haltung nahm auch der Demokrat Weber ein. Für die Vorlage trat unbedingt nur Gen. Löwy in die Schranken, der die Vorlage für eine gerechte und ihre Annahme für dringend geboten erflärte. Die Sozialdemokratische Partei werde alles aufbieten, um im Ausschusse eine Verständigung zu erzielen. Den Männern auf der Rechten und auf der äußersten Linfen tomme es nur darauf an, der Stadt die Mittel zu verweigern, die sie notwendig brauche. Wir Die Borlage ging an einen Sonderausschuß. Eine einmalige Beihilfe von 200 000 m. an das Männer- lins. Es war eine lange Fahrt, mit Hin- und Rückweg über zwei Gestern fuhr ich mit der Straßenbahn durch den Norden Berfiechenhaus Schönhause: Allee 59 wurde bewilligt. Stunden. Keine Minute verging in dieser langen Zeit, ohne daß mir entgegenleuchtete: Bierausschant, Restauration, Stehbierhalle. Manchmal lagen sie so dicht beieinander, daß ich mehrere mit einem Gemeinsam beriet man dann die Vorlage, die eine Anleihe von 765 Millionen zur Fertigstellung der Caprivi- Brücke, des Westhafens, der Industriebahn in Neukölln, der Nordsüdbahn, der chirurgischen und der Tuberkulofepavillons im Krankenhaus Moabit aufgenommen wissen will, sowie die zur Kenntnisnahme vorgelegte Zusammenstellung der Maßnahmen, die der Magistrat zur Einschräntung der Ausgaben getroffen hat bzw. zu treffen beabsichtigt und die bereits bekannt sind. -LONG Iwesch( D. Bp.) hielt äußerste Beschränkung auch auf dem Anleihegebiet für geboten und sprach sich gegen den Sechswochenschulschluß aus. Er beantragte Verweisung beider Vorlagen an den Haushaltsausichuß. Schwend( Komm.) erflärte die Zustimmung feiner Frottion zur Anleihe, verlautbarte dagegen den schärfsten Widerspruch gegen die Ersparnismethode des magistrats, gegen die weitere Herabdrückung des Schulniveaus burch befondere Kohlenferien. Nachdem Bohl( Dnat.) fich für Ausschußberatung ausgesprochen, gab Genosse Wilde gans dem Bedauern Ausdruck, daß alle noch nicht begonnenen Hochund Tiefbauten eingestellt werden, daß der Betrieb der Badeanstalten eingeschränkt wird, und daß es nicht möglich gewesen sei, der Neuföllner Stadtbaugesellschaft m. b. H. die Betriebsmittel vorzuschießen. Für die auf dem Wege der Anleihe fertigzustellenden Bauten werde die Fraktion die Mittel bewilligen. Die Hundesteuerordnung Beranlassung. Die Demokraten hatten Ausschußberatung beantragt. Sofort zu Beginn der ersten Beratung feßbe sich der Kämmerer mit einer eindringlichen Rede für die Vorlage ein, in der er vor- wurde dahin geändert, daß der erste Hund mit 1500 Mart nehmlich die prononcierten Widerstände" der Inter- jährlich( jeht 300 M.) versteuert werden soll; der Beschluß wurde effentenverbände, der Handelskammer und des mit 77 gegen 72 Stimmen gefaßt. Im übrigen tamen die AusschußHansabundes, beleuchtete und zu entfräften bemüht war. Er vorschläge zur Annahme, doch wurde die Gehöftsentfer führte aus, daß bei der Art der Beranlagung der Gewerbesteuer nungsgrenze von 100 auf 300 Meter erhöht. den Gewerbetreibenden tatsächlich ein unverdient großer Gewinn in Gestalt einer großen Ersparnis in den Schoß falle. In einem Umfang wie nie zuvor hätten die Gewerbetreibenden mit der Steuerzahlung zurüägehalten, hätten Mahnung und Zwangsnoliftredung abgewartet; in manchen Bezirken hätten mehr als 50 Broz. der Pflichtigen es auf die Zwangsbeitreibung ankommen laffen. Nicht auf 33 Proz. des Ertrages stelle sich die Steuer, das 5] Die Welt ohne Sünde. Der Roman einer Minute von Vidi Baum. Im Saal?" fragte er und wunderte fich tiefer. Er befam feine Antwort. macht sie da?" Den Entwurf einer Pferdesteuerordnung nahm die Versammlung nach den Ausschußbeschlüssen an. Blid umfassen konnte. Einmal fonnte ich in eine Restauration hineinsehen. Am Schenktisch stand ein Mann, der ein volles Glas an den Mund setzte. Da dachte ich: So sieht es in diesem AugenSo sieht es an hundertblid an tausend Stellen in Berlin aus. tausend andern Stellen in allen Städten Deutschlands aus. Es gibt fein noch so fleines Dorf in Deutschland, in dem nicht in diesem Augenblid irgendein Mensch ein volles Glas an den Mund führt. und Kinder verhungern.... Mir fielen Tollers Worte aus den „ Maschinenstürmern" ein: Jeder ist schuldig, der weiß, daß ein Kind hungert und er hilft ihm nicht zu Brot. Für jeden, der friert, jeden, der verkommt, jeden, der fein Obdach hat und feine Bleibe, jeben, der nach Schönheit, noch Freiheit sich sehnt und in Schmutz leben muß, bist du, du verantwortlich." leben muß, bist du, du verantwortlich." Das volle Glas... Wie lange noch? Arsenik im Zucker. Die Ehefrau unter dem Verdacht des Gaffenmordes. Bon der Kriminalpolizei wurde die seit 14 Tagen von ihrem Mann getrennt lebende 43jährige Ehefrau Agnes Schm. unter dem Berdacht, ihren Mann vergiftet zu haben, verhaftet. Die Verhaftung erfolgte auf Anzeige der Wirtschafterin des 70jähri gen Bigarrenhändlers Gustav Schm., die ihren Dienstherrn in ihrem Laden tot aufgefunden hatte. auf den Genuß einer Süßspeise zurückzuführen sei und daß Bürgermeister Genosse Ritter machte Mitteilung davon, daß der Magiftrat befchloffen hat, die Schließung der Schwimmhallen in den Badeanstalten auf Zeit aufzuheben. Im Anschluß an eine Aeußerung des Genossen Wildegans stellte er sodann fest, daß die Zeitungsnachricht, die Feuerbestattungsvereine feien bereit, sich finanziell an dem Bau des Krematoriums in der Diestelmeyerstraße Die Wirtschafterin äußerte den Verdacht, daß die Vergiftung zu beteiligen, nicht zutrifft. Nach weiterer Debatte gingen beide Vorlagen an den Haus- Arsenik vermischt worden sei. Die Ehegatten sollten in einem der dazu verwandte Bucker vorher von der Frau des Toten mit haltsausschuß. gespannten Berhältnis miteinander gelebt haben. Die beschuldigte Frau Schm. erklärte, daß sie die zweite Frau des Toten sei und daß die Ehe trop des großen Altersunterschiedes der Gatten anfänglich sehr glücklich gewesen sei. Später hätte sie oft in Gegenwart anderer Leute mit ihrem Mann Streit gehabt und sei von ihm geschlagen worden. Sehr oft habe ihr Mann ihr gesagt, sie folle doch stehlen gehen, wenn das Wirtschaftsgeld nicht ausreiche. Sie habe vor 14 Tagen das Haus ihres Mannes verlassen und sich bei einer Befannten aufgehalten. Die Frau bestreitet entschieden, jemals die In der Beratung über die endgültige Festsetzung der Löhne Absicht geäußert zu haben, ihren Ehemann aus der Welt zu schaffen, der städtischen Arbeiter für September erneuerte und behauptet, daß sich bei ihrem Fortgang aus dem Hause überBäth( Dnatl.) die Beschwerde über die unverhältnismäßig hohe haupt kein Streuzuder, sondern nur Würfelzuder im Haushalt be= Entlohnung der ungelernten Arbeiter im Vergleich zur Entlohnung funden habe. Die Wirtschafterin behauptet das Gegenteil und Frau der Handwerker; auch gegenüber den Industriearbeitern sei ein Schm. äußerte deshalb den Verdacht, daß die Wirtschafterin, manchmal so, es scheint nur so. Ich habe gegessen, viel, das das Fieber an. Die große Ration hatte er nicht gegeffen, er Romitee gab mir heute eine Doppelration, bevor ich hinaus hatte sie Johannes geschenkt, dem kleinen siebzehnjährigen Johannes auf der Barrikade. Das Werk und nun lag das gingda hinaus, Sie wissen nach dem Norden. Wie Kind und hatte Krämpfe; Händchen, kleines, fühles, zudenist es da?" des Knabenhändchen du. Sing das wieder, Linde, das von den Wipfeln flüsterte er und sein Kopf fant in einer plötzlichen Erschlaffung an ihre Knie. Sie senkte den Kopf ein wenig und begann gehorsam wieder in die Laute zu greifen: Ueber allen Wipfeln ist Ruh. In allen Gipfeln spürest du Raum einen Hauch. ,, Nichts," sagte Anselmus und warf die Hände herunter. Was Staub. Eine Wolfe. Kennen Sie den Nebel in London? So dicht schwarz; aber heiß und trocken. Mitten in der Hize und Trockenheit ein Seedas ist alles." " Lebt ihr denn alle?" fragte er und horchte ins Stille, wo Atemzüge gingen. leife. " Ja", sagte Linde einfilbig. Das Kind- schläft es?' \„ Ein See?" 4 Die Böglein schlafen im Walde. ,, Ein See, ja," sagte er und lachte; es war ihm nun doh, als begänne das Fieber. Der Teufel weiß, wo der See her tommt; aber er ist da, groß und tief, voll Wasser, eine landschaftliche Schönheit geradezu. Es muß die Erde aufgeriffen Warte," unterbrach Anfelmus sie; Warte ob ich das haben, in das Loch ist Waffer geflossen, was weiß ich. Morgen kann Bernward hingehen, ein Familienbad errichten und Gedicht noch zu Ende weiß. Es ist schön, nicht wahr? Ich eine Karpfenzucht. Sehen Sie den Mond an, Linde, er kommt weiß es noch: Warte nur, balde ruhest du auch. Sonderdirekt aus Neapel, Mond für Hochzeitsreisende steht drauf er tommt bar- dieses Gedicht. Keine Wipfel gibt es mehr, teine Bögfönnen Sie es lefen? Ich schwäße Uninn, ja? Aber das lein aber das Gedicht gibt es noch. Morgen gibt es uns Fieber ist es nicht-" die Er Fieber ist es nicht" Er fniete noch immer neben dem nicht mehr, Linde, uns alle. Aber das Gedicht gibt es. Und dann werden wieder einmal Wipfel wachsen, und das Gedicht Bettchen; er fam nun nicht fort von da, obwohl er brennend wird noch immer da fein. Weißt du," fragte er dicht unter wünschte, aufzustehen, hinaufzugehen, die Treppen hinauf, zu ihren Augen, weißt du auch, daß wir morgen nicht mehr Isabell, die im Saal war. Hier," sagte die Linde und preßte find? Die kommen schon vom Süden." eine Tasse an seine Lippen. Er tranf, trant. Was ist das denn?" fragte er flüsternd, sein Herz kam in Taft und Wärme, Gesicht war so mager, daß alle Zähne nackt wurden, wenn Ich höre es schon lange-" sagte sie und lächelte. Ihr während er trant, seine Rehle zog sich noch lang nachher lächelte; das sah häßlich aus. trampfhaft und selig schluckend zusammen. Linde bewegte sich schwach. Es atmet. Ja", sagte sie Sie verstummten beide und horchten; der Kinderatem ging im Dunkeln, schwach und friedlich. Anfelmus neigte sich tiefer über das fleine Bett, ganz in die Wärme des Knaben und nun sah er ihn auch im blaffen Schimmer der Nacht. „ Ist er sehr erschrocken, als das geschah- da die Er a. Sehr." sagte Linde und schloß die Hände um den Lautenhals; die Saiten seufzten schwach. Anselmus kniete neben dem Bettchen hin und legte seinen Kopf auf die kleine Knabenhand, die kühl war und zudte. Berzeih mir, flüsterte plosion sein Herz. " Habt ihr gehungert?" fragte er. Rein." ,, Sie sprechen nichts, Linde, das macht mir nur Angst. Ist euch etwas geschehen? Ist Isabell wohl?" ,, ja," ſagte Linde. Anfelmus lachte. O ja," wiederholte er. Immer ist Isabell wohl; so ist Raffee," fagte die Linde. ,, Raffee? Woher?" ,, Der Doktor gab ihn-" ,, Der Doktor? War Leonhard hier? Warum?" ,, Er er hatte ein Unglüc; ihm ist die Hand zerschossen; fie. Vielleicht hat sie gelacht, wie die Explosion tam, heute er hat sich selbst zwei Finger amputiert. Jetzt schläft er in mittag, fagen Sie, Linde, hat sie gelacht? Prachtvoll ist sie, meinem Bett. Er hat für das Kind Kaffee gegeben das start, lebendig. Sie hat noch rote Wangen, mitten in der Komitee hat Kaffee zu Medizinzwecken Hölle und Augen wie früher, nicht wahr, Linde? Und wie fehen wir aus neben ihr. Wir sind ja nur Leichen neben Ifabell, nicht wahr, Linde? Wir, mit unseren Einheitsfitteln und Einheitsstiefeln- es ist schade, daß Sie Männerstiefel tragen, Linde, ich dachte es unlängst." " Barn haben Sie zulegt gegessen?" fragte Linde lang jam. Denn nun schwamm Mondlicht ins Zimmer und fie fonnte Anfelmus zerstörtes Gesicht fehen. Glauben Sie denn, daß ich Fieber habe? Es scheint ,, Für das Kind? Für Konrad? Jit er denn frant?" ,, Er ist sehr erschrocken," sagte Linde leise. ,, Und-?" fragte er. ,, Er hatte nachher Krämpfe, das Herz ist nicht ganz star?. Unsere Kinder haltn nicht mehr viel aus- Herr Anselmus Er bewegte abwehrend den Kopf; fie fagte unsere Kinder"; sie sagte Herr"; das fiel ihm auf; die Worte, die er hörte, nahmen Gestalt an, fie flogen wie fleine Tiere um ihn, mit ganz harten, flaren Konturen. Und also fing wohl doch sie 44 ,, Wie alt bist du eigentlich, Linde?" fragte er; er dachte: so sehen jetzt alle Frauen aus. Nur Isabell ist anders. weiundzwanzig." 3weiundzwanzig Jahre. Du warst ja fast ein Kind, als es anfing mit dem Jammer und dem Kampf-" „ Ich kann mich nicht mehr erinnern, wie ich vorher war." " Nein. So geht es uns. Laffen Sie mich noch einmal trinken, Linde es macht so herrlich flar; teine Spur von Fieber. Glauben Sie war das nur geträumt von dem See und dem schwarzen Staub? Nein ich schmecke ihn auf der Zunge. Es sind Brüder: der Staub auf meiner Bunge, geopferte Brüder-" 11 Nach einer Bause fagte die Linde: Sie lieben doch die Erde fo start, Herr Anfelmus; aber Erde: das find auch tote Brüder, Vergangene, und doch lieben Sie die Erbe Deshalb eben liebe ich fie; ja, ich liebe die Erde woher weißt du es ( Fortsetzung folgt.) sid 195 * die mit ihrem Mann ein Berhältnis unterhalten habe, fich durch| monterte, die in seiner Familie verspeisten Schrippen nachträglich Groß- Berliner Parteinachrichten einen Giftmord in den Besitz des Zigarrenladens hätte setzen bezahlt, so daß er später beim Provinzialschulfollegium mit einem wollen. Die polizeiliche Untersuchung geht weiter. Verweis davonfam, Bon einem seiner Freunde wurde entschuldi- Allen ungeduldigen Abteilungskassierern hierdurch zur Nachricht, gend vorgebracht, Raefer hätte doch die Schrippen nicht ver- daß leider noch immer feine weiteren Frauenmarten à 3 m. einDer Naubmordversuch in der Waldemarstraße. frodnen lassen dürfen. Ein Rektor, der Frühstück an getroffen sind. Alex Pagels. Zu dem Raub mordversuch an der 78jährigen Greifin hungernde Schulkinder austeilen soll, weiß für überzählige Henriette Klig aus der Waldemarstraße wird noch mitgeteilt, daß Schrippen keine andere Verwendung als Verbrauch in der eige- Ortsvereinskassierer! Parteiabzeichen sind noch zum 9. November bet der Täter, der Elektrotechniker Hans Brendel, noch nicht er en Familie? Dem Redner antwortete ein Hohngelächter. griffen ist. Die Ueberfallene ist nicht, wie es irrtümlich erst hieß, Durch einen Einbruch ist der Verein der Freidenfer für Feuer- 9. die Tante, sondern die Großmutter des Burschen. Diese war in ihrer Gutmütigkeit dem Entel immer noch zugetan, obwohl seine 10 Schläuche und Deden für die Bereifung der Be bestattung schwer geschädigt worden. Nicht weniger als Geschwister sie wiederholt vor ihm warnten. Die Geschwister hatten stattungsautomobile find entwendet worden, nachdem bealles aufgeboten, den Burschen aus den Kreisen, in denen er sich reits vor acht Wochen Magnetzündapparate und Scheinbewegte, herauszubekommen, aber alle ihre Bemühungen blieben erfolglos. Brendel fühlte sich immer wieder zu seinem Anwerfer gestohlen wurden. Der Verein warnt dringend vor An- 17. Abt. Sämtliche Bezirksführer müssen die neu auszustellenden Kartothek hange zurückgezogen. In einem Schreiben an seinen Bruder, das auf des gestohlenen Materials. an Erpressung grenzt, deutete er auch bereits einen Raubmord= Schwerer Straßenbahnunfall. Auf der Kreuzung der Jerufalemer plan an, sprach dabei allerdings nicht von seiner Großmutter. und Krausenstraße stießen awet Straßenbahnwagen der Linien 164 Deshalb ist auch anzunehmen, daß er den Ueberfall auf die greise und 59 zusammen, wodurch beide Borberperrons zer Großmutter schon länger geplant und mit einem oder mehreren trümmert wurden. Der auf dem letteren Wagen stehende Helfershelfern besprochen und vereinbart hat. Die Helfers. 26 Jahre alte Kriegsinvalide Baul Reichert wurde gegen die helfer scheinen sich allerdings an der Tat nicht aktiv beteiligt zu Wagenwand geschleudert und trug eine Verlegung am linken Auge halen. Sie haben ihm wohl nur beigestanden, den Korb mit davon. der Beute in Sicherheit zu bringen, weil er diesen allein nicht wegschaffen fonnte. Wer irgendwie durch zweckdienliche Mittei lungen zur Ermittlung des Verbrechers und seiner Spießgefellen beitragen fann, wird ersucht, sich umgehend bei Kriminalfommiffar Engelbrecht im Zimmer 54 des Polizeipräsidiums zu melden. Die Hausrat- 6.m.b.H. bedroht. hof Charlottenburg wurde der dort ankommende Reisende Durcel Wieder ein Raubüberfall im Eisenbahnzuge? Auf dem Bahn falan aib aus Effen, aus einer Kopfberlegung blutend, aur Bache des Bahnhofs geführt. Sier gab er an, daß er in dem Buge 233, der aus Hannover gekommen war, in der Nähe von Spandau überfallen und seiner Barmittel beraubt worden fei. Die dunkle Angelegenheit wurde der Kriminalpolizei zur Aufflärung übergeben. Unser Artikel, der in Nr. 510 am 28. Oftober unter diesem Titel erschien, hat uns zwei Buschriften eingebracht. Die eine stammt von Neue Kohlenpreise. Infolge der ab 1. b. M. eingetretenen Herrn R. Adolph, einem der bret Geschäftsführer. Er tellt mit, Erhöhung der Produktionspreise und Bahnfrachten( zirka 50 Broz.) daß er als bisher zweiter Geschäftsführer der Gesellschaft infolge ist eine entsprechende erauffezung der Kleinverlaufs eines Ronfliftes mit einem Teil des Berwaltungsrats zum Aus preise für Britetts und Rots erforderlich geworden. Dem scheiden gezwungen und bis zum Ablauf seines Vertrages beurlaubt zufolge stellen sich die Preise mit Wirkung vom 3. d. M. wie folgt: worden ist. Es wurde ihm also unmöglich gemacht, feinen Einflußür Küchen- und Ofenbrand je Zentner ab 2ager auf den Gang der Dinge durchzusetzen, weshalb er die Verant Brifette 597,80 m., frei Reller 622,10 M., Gaslots 1061 m. wortung für diese Entwicklung ablehnen muß". und 1089 M.; für Fuhren eine Lieferung: Brifetts ab und 1085,30 m. ager 597,30 Mt., frei Steller 618,55 W., Gastots 1061 M. " Haken gefunden und sieht sich genötigt, sich dagegen zu verwahren, Mit anderen Worten: Auch Herr Adolph hat an der Sache einen daß er an dem Beschluß teilgenommen hat. Während wir diese Zuschrift aus Gründen der Loyalität wiedergeben, kann die zweite Im Zirkus Busch werden jezt die Nibelungen, von Baula Zufchrift einen derartigen Anspruch nicht erheben. Sie stammt aus Busch nicht ungeschidt bearbeitet, als Manegeschauftud gegeben. Das alte der Feder des Herrn Ministerrats Gaßner, des Vorsitzenden Lied von Minne und Tod lebt auf in Bildern, wie wir fie von jung auf in der Borstellung batten. Siegfried erlegt den wirklich feuer( wert) peienden des Berwaltungsrats der Hausrat" G. m. b. H. Die Buschrift, Drachen. Siegfried fämpft mit Alberich, der bier, wie es fich gebört, ein die sich schon deswegen fälschlich Berichtigung" nennt, weil sie eine wirklicher Zwerg, der aus hundert Clownerien befannte fleine Beschler wesentliche Tatsache in der Abficht, sie zu widerlegen, unrichtig dar- ist. Durch die wabernde Lobe tommt man an den Burgundenhof zu stellt, ergeht sich in Bermutungen und nebensächlichen Einzelheiten, Worms. Der Zwist der Königinnen führt zur Ermordung des Helden und zu deren sachlicher Würdigung uns der Raum fehlt. Zur Beruhi schließlich zum Berfenten des Nibelungenbortes. Einiges ist gut abgestimmt, gung des Herrn Gaßner möchten wir aber doch mitteilen, daß das pieles in der Farbe und im Ton zu bunt und laut aber das muß wohl fragliche Rundschreiben des Verwaltungsrates an die Gesell. im Birkus so fein. Sehr hübsch ein geisterhaft wirkendes Ballett phos phoreszierend gefleideter Damen im völlig verdunkelten Raum. Den Sieg schafter, dessen Nichtbeantwortung als Aufforderung zu Berhand- frieb gibt ein bißchen zu polternb Stonrad Gebhardt. Die Brunhilde, lungen über die Veräußerung oder Liquidation des gemeinnügigen im Sill der Heroine alter Schule, aber nicht uninteressant, Amanda Unternehmens angesehen werden sollte, nicht einmal alle Ge- indner, das Ehrenmitglied des Staatstheaters. Das Publikum war fellschafter erreicht hat! sehr bei der Sache und spendete tüchtig Beifall. Die Zustände im Verwaltungsrat der Hausrat", für die ein Ministerialbeamter verantwortlich zeichnet, scheinen also auch auf anderen Gebieten einer Nachprüfung wert zu sein. Der Fall Kaeker. Amtsenthebung des Schrippenvektors. reiße des Gen. Dr. Treitel, die heute, den 3. November, abends 7 Uhr, Einführung in den Dienst der Schöffen betitelt sich eine Vortragsim Zentraljugendheim, Lindenstr. 3, 2. Hof, 8 Tr. L., beginnt. Behandelt werden folgende Themen: 1. Das Gesetz vom 22. Juli 1922, betr. Bugang der Frauen zum Richteramt. 2. Grundzüge der Kriminalpolitit. 3. Eine Berhandlung vor dem Schöffengericht. 4. Eine Berhandlung - 5. Eine Berhandlung vor dem Schwurgericht. 6. Einzelne Bergehen und Verbrechen. bor der Straffammer. Ueber das Geschlechtsleben und seine Höherentwicklung im Stampfe gegen die Ungunst der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zustände spricht Oberschulrätin Genoffin Dr. Be gideiber- 8iegler am Som abend, den 4. b. M., abends 7%, Uhr, in der Schule Steinftr. 81/34. Der behandeln. Bortrag wird das Geschlechtsproblem von hoher fittlicher und sozialer Warte " Ein Mühlenbrand. Sechs Menschen verunglückt. uns vorrätig und können auf Anforderung zum Bersand kommen. Wir bitten, ben Bedarf umgehend zu decken. Bezirksverband Brandenburg. Areis Wilmersdorf. Freitag, den 3. November, pünktlich 8 Uhr, 2. Abend 3. A.: Richard Schmidt, Lindenstr. 3. der Vortrags- und Ülebungsreihe„ Die Argumente gegen den Sozialismus und ihre Widerlegung", in der Oberrealschule, Hindenburgstraße. Heute, Freitag, den 3. November: tarten bis Montag, den 6. d. M., zur Funktionärversammlung fertig haben. 36. Abt. 7 Uhr Sigung aller Funktionäre im Ronferenzzimmer ber Gemeinde schule Petersburger Str. 4. 86. Abt. Marienborf. 7½ Uhr im Rathaus, Kaiserstraße, Zimmer 26, Ausgabe der Billetts für den 9. November. Sämtliche Mitglieder des Bildungsaus schusses und die Bezirksführer müssen erscheinen. Sunglozialisten. Ortsgruppe Norden: 7% Uhr in der Schule Putbuser Str. 3-6, Mitgliederversammlung. Erscheinen ist Pflicht. Gruppe Schöneberg: 7 Uhr bei Groß, Sedanstr. 17, Diskussion über Politische Tagesfragen". ( Fascismus, Neuwahl in England, Deutsche Währung.) Diskussionsleiter Dr. Friedländer. " Morgen, Sonnabend, den 4. November: 25. abt. 7 Uhr Sigung sämtlicher Funktionäre der vereinigten Sozialdemo fratie im Phnsitzimmer der Oberrealschtle, Pasteurfte. 45/46. 27. 47. Abt.( 2. Abt. des 18. Diſtrikts). 7½ Uhr Gigung sämtlicher Funktione mit dem Abteilungsvorstand im Zimmer 15 der Schule Sonnenburger Straße 20, Hof rechts parterre. Abt. 7 Uhr Ronferens aller Funktionäre, Betriebsvertrauensleute und Elternbeiräte bei Steinfe, Mariannenufer 7. Charlottenburg. 52. Abt. 8 Uhr Funktionärsizung bei Bade, Kaiferin- Augufta. Allee 52. 56. Abt. 7% Uhr Funktionärversammlung bei Liersch, Rant Straße 65. 57. Abt. Pünktlich 7% Uhr bei Werner, Leibnizstr. 26, er weiterte Vorstandssigung. Die Gruppenfunktionärsigung der 1. Gruppe bei Rapczinski, Krumme Str. 47, fällt aus.- 58. Abt. 8 Uhr bei Hinrichsen, Bayreuther Str. 25a, parterre, Funktionärfißung. Hierzu find sämtliche Funktionäre eingeladen. 79. bt. Schöneberg. 7 Uhr erfte erweiterte Borstandssigung der Bereinig ten Sozialdemokratischen Partei bei Groß, Sedanstr. 17. Das Erscheinen der Funktionäre Pflicht. 119. abt. Zichtenberg. 7½ Uhr Funktionärsgung bei Siete, Möllendorffftr. 43. Bernau. 7½ Uhr im Gesellschaftshaus, Raiserstraße, erste Mitgliederverfanum. lung der BSPD. Bortrag über Der Wert der Einigung". Referent Genosse Buchholz. Mitgliedsbücher sind mitzubringen. " Jungfestalten. 4 hr Arbeitsaustaubfisung in Preußischen Landtag, Prinz Albrecht- Str. 5, 8immer 51. Tagesordnung. * Neukölln, Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Nachmittagsbeschäftigung ber Rinder in den Schulen. Es treffen sich die Selfer und Selferinnen( aud) neue): 1. ber Schule am Herzbergplak am Freitag abend 7 Uhr bei Löwen6 Uhr bei Regge, Thomasstr. 34; 3. der Schule in der Rütliftraße ant Sonnt stein, Gengerftr. 3; 2. der Schule am Mariendorfer Weg am Sonnabend abend abend abend 7 Uhr in der Schule Riltliftraße; 4. ber Schule in der Leffingstraße am Sonnabend abend 7 Uhr in der Schule Lessingstraße. * ** * Die Vereinigung der sozialistischen Lehrerschaft ist auf der Hauptvorstands figung der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Schrer, die am 22. Ottober in Berlin stattfand, vollzogen. Ueber die Form des Zufammenschluffes bestand zwischen den Bertretern der beiden früheren getrennten Parteien vollste Einmütigteit. Fünf Lehrergenossen der früheren unabhängigen Partei sind in den Sauptvorstand eingetreten. Der Hauptvorstand hat folgenden Aufruf zum Zusammenschluß der Lehrerbewegung erlassen: An die sozialistischen Lehrer und Lehrerinnen in Stadt und Band. Kollegen! Genoffen! Rulturpolitische Aufgaben von größter Tragweite liegen vor uns. Ihre Lösung erfordert den festen Zusammenhalt und ble bat träftige Bufammenarbeit gerade der sozialistischen Lehrerschaft. Die Einigung der sozialdemokratischen Parteien gibt bie non uns lange erfehnte gemeinsame Grundlage dafür. Se mehr die Entwidlung auf eine scharfe Trennung ber gewerkschaftlichen Aufgaben der Lehrerschaft von ihren tulturellen zu brangen fcheint, um so unerläßlicher wird der Zusammenschluß aller auf unferem Boben stehenden Lehrer zu einer wirklichen Arbeitsgemeinschaft im Rahmen der ver einigten Partei. Die gewerkschaftliche Einheitsfront ist noch nicht gefchaffen wirten glaubt, aber die kulturelle Einheitsfront ift ba, fie foll und darf nicht feber wirte einstweilen dort, wo er am erfolgreichsten für unsere Gache zu burch Erinnerungen an Gewefenes verhindert werden. Wir fordern daher alle fozialistischen Lehrer und Lehrerinnen in Stadt und Land auf, fich mit uns in aufchließen und sie zu dem zu machen, was fie fein will und fein foll: au einem ber Arbeitsgemeinschaft fozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen zufammenmachtvollen Organ und Instrument des Kulturwillens ber Bereinigten Sozialbemokratischen Bartei Deutschlands. wo eine folche nicht besteht oder nicht bekannt ist, an die Geschäftsstelle der Beitrittserklärungen find an die Leitung der betreffenden Ortsgruppe und Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen Deutschlands, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3, zu richten. Der Hauptvorstand der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen Deutschlands. Heinrich Schulz, Adams, Hellmann, Solg, Rerlow- Löwenstein, Lang, Lohmann, Meifer, Radbruch, Schröter, Siemsen, Thaus, Wegfcheider- Siegler. Jugendveranstaltungen. Verein Arbeiterjugend Groß- Berlin. Mitgliederversammlungen am Freitag, den 3. November: Charlottenburg: Jugendheim Rofinenftr. 4. Salensee: Jugendheim, Ge meindeschule Joachim- Friedrichstr. 35/36. Moabit: Jugendheim Gemeinde Olivaer Str. 19. schule Walbenserstr. 21. Landsberger Biertel: Jugendheim Gemeindeschule Lichtenrade: Jugendheim Lokal von Miglaff. Jugendheim Rogatstr. 53. Riederschönhausen: Jugendheim Gemeindeschule Schöneberg II: Jugendheim Comeniusschule, Frankenſtr. 10. Reukölln II: An der Berliner 100. Gemeindeschule( Reichen. berger Str. 67), deren Rettor Raefer wegen seiner Geschäftsführung bei der Austeilung von Frühstück an notleibende Schulkinder vom Provinzialschulkollegium einen Verweis erhielt, hat die hinterher vom Provinzialschulkollegium angeordnete Bersetzung des Lehrers Splinter, der die vorgekommenen Unregelmäßigkeiten zur Kenntnis der Behörde gebracht hatte, in der garantie" spricht Genoffe Heinrich Ströbel in der Ortsgruppe Berlin Zu dem Thema: Das Reparationsproblem als Friedens. Elternschaft schärfften Widerspruch hervorgerufen. Die öffentliche der Deutschen Friedensgesellschaft am Freitag, den 3. November, abends Elternversammlung, die vom Elternbeirat der 100. Schule 7%, Uhr, im Bürgersaal des Rathauses. und von der Freien Schulgemeinde des Verwaltungsbezirts Kreuzberg" einberufen worden war, bemies durch den außerordentlich starken Besuch und durch die Entschließungen der Teilnehmer, daß nicht Rettor Raeter, sondern Lehrer Splinter die Mehrheit der Elternschaft auf seiner Seite hat. Die Mühle von König u. Herf in Oggersheim in der Pfalz Mitgeteilt wurde, daß inzwischen das Provinzialschulkollegium ist in der nergangenen Nacht einem verheerenden Großfeuer zum fich doch besonnen und Raefer vorläufig seines Postens Opfer gefallen. Den vereinten Anstrengungen der verschiedenen enthoben hat, aber die Versammelten forderten mehr als das. Wehren ist es gelungen, den Brandherd auf die Mühle selbst zu be In einer Resolution erklärten sie, daß die Elternschaft, wenn nicht die schränken. Bei dem Bersuch, das im Keller lagernde Mehl zu bergen, Berfegung Splinters fofort rüdgängig gemacht famen fünf Feuerwehrleute und der Obermüller ums mird, so daß er spätestens am 10. November in der 100. Schule Leben. Der Keller stürzte, als faum 3 Zentner Mehl geborgen feine Tätigkeit wieder aufnehmen kann, ihre Kinder dem waren, zusammen und begrub sechs Menschen unter den Trümmern. Schulbesuch vom 11. November ab fernhalten Es besteht wenig Hoffnung, die Verunglückten noch lebend zu bergen, wire, und zwar so lange, bis Splinters Verfegung zurückgenom da die glühenden Holz- und Eisenteile die Bergungsarbeiten sehr ermen ist Eine zweite Resolution fügte hinzu, daß die Elternschaft auch dann, wenn etwa Raefer an die 100, Schule zurückkehrt, so- schwerten und neue Einstürze zu befürchten sind. Der Schaden dürfte fort in den Schulftreit treten wird. Wie die Kinder über Lehrer sich auf weit über 25 Millionen Mark belaufen. Splinter denten und wie politisch rechtsgerichtete Mitglieder des Lehrerkollegiums sich zu ihm stellen, zeigt ein in der Ber Deutsche Totengedenkfeier in Paris. Wie schon in den Vorfammlung zur Sprache gebrachtes Vorkommnis. Als Splinter die jahren auf den Pariser Friedhöfen Bagneur und Jory, fand am Schule verlassen mußte, brachten Rinder für ihn Blumen, um sie 2. November auf dem Friedhof Pantin eine einbrudsihm zum Abschied zu überreichen. Eine Lehrerin aber erflärte, ie polle Feier zu Ehren der in französischer Erberuhen wolle in ihrem Klassenzimmer diese Blumen nicht sehen, und sie den deutschen Soldaten statt, der die in Paris wohnenden 3. Drtaira( Nürnberg). Toto: 95:10, Blat: 37, 32, 43: 10. Ferner liefen: mußten dann in ein anderes Klassenzimmer geschafft werden. deutschen Beamten und Angestellten sowie die Bertreter der deutschen 2. Rennen. 1. Heribert( Bismart), 2. Herzog( Einfinger). 3. Sinn Ueber die Gründe der Gründe der Berfezung Splinters Bresse mit ihren Angehörigen beiwohnten. Die deutschen Krieger Fein( Kardel). Toto: 15:10, Plak: 12, 13:10. Ferner lief: Reichs. konnte in der Versammlung, an der auch Anhänger der„ unpoliti- gräber fämtlicher Pariser Friedhöfe trugen Blumenschmud. Bei gräfin. schen" und der„ chriftlichen" Richtung sich als Redner beteiligten, Einweihung eines Gedenisteins hielt Botschafter Dr. Mayer 3. Rennen. 1. Trompeter( b. Dörnberg), 2. Algebra( v. Fallen teine Klarheit erreicht werden. Bergeblich wartete man darauf, eine Ansprache, in der er aller in französischer Erde ruhenden deut- hausen), 3. Zorbas( b. Herber). Toto: 106: 10, Blat: 24, 23:10. Ferner daß dem Lehrer Splinter irgendein Verschulden zur Last gelegt fchen Krieger gedachte. Itefen: Ahasver, Flucht gef. würde, das ihn in dem Kollegium der 100. Schule unmöglich machen könnte. Nichts wußten seine Gegner vorzubringen. Für Staefer machte ein Rebner aus der Elternschaft geltend, daß es sich Vorträge, Vereine Vorträge, Vereine und Versammlungen. doch nur um ein paar Schrippen handle. Die paar Schrips pen" fine nämlich bei der aus einem Wohltätigteitsfonds be- Mitgliederversammlung Freitag, den 3. November, abends 7% Uhr, im GymOrtsgruppe Steglig ber Gemeinschaft proletarischer Freibenker. Wichtige zahlten Berteilung des Frühstücks als überzählig in die nasium, Seefeſtraße. Bortrag Dr. Arische: Schuld und Sühne". Haushaltung des perteilenben Rettors gewan- Der Saugverband der Schwerhörigen"( Ortsgruppe Berlin) feiert am dert und zwar ist das nicht nur einmal, sondern wiederholt übriges Stiftungsfelt, verbunden mit einer Ausstellung. Beginn 5 Uhr. Sonntag, den 5. November, in den Sophien- Sälen, Sophienstr. 18, fein zehn vorgekommen. Raefer hat, als Splinter das feststellte und es Gäste willkommen. Blankenburger Str. 69/70. Sport. Rennen zu Karlshorst am Donnerstag, den 2. November. 1. Rennen. 1. Papiermart( B. Schneider), 2. Alsterrose( Salf). Jmmer voran, Spöfenfiefer, Brangane, Minenhof. 4. Rennen. 1. Augur( E Lüneberger), 2. Drbensritter( Borowsky), 3. Einhart( Drtel). Toto: 77:10, Blat: 26, 27, 63:10. Ferner liefen: Hanswurst, Herenmeister II, Sarin, Argeful, Sage gef., Bignau, Rosenfels. 5. Rennen. 3. Paganini( Hr. Staudinger). Toto: 15:10. 1. Boigt( D. Faltenbaufen), 2. Helbin( D. b. Miglaff), ( Einfinger). 6. Rennen. 1. Alarid( Thalede), 2. Innocenz( Kukulies) 3. Előre II Toto: 34:10, Plat: 12, 12, 13:10. Ferner liefen: Mime, Garderobe, Fontalbca gef., Breja. graf II( Dertel). Toto: 70:10, Blat: 32, 20:10. Ferner liefen: Berbi, 7. Rennen. 1. Fabiola( Thalede), 2. Element( P. Lewidi), 3. RauDiamant stg., Baron Clemens. SUNLICHT GW. Unzählige Achteckstücke der altbewährten SUNLICHT SEIFE wandeen täglich aus der Fabrik auf den Waschtisch und ins Bad. SCHUTZMARKE SEIFE Oer Prozeß Hermes. Nach dem Plädoyer des Rechrsanwalts Dr. Alsberg fichrte in der gestrigen Sitzung des Hermes-Prozesses Rechtsanwalt Dr. L e v i aus: Unsere Partei war sich ihrer Verantwortung voll bewußt und nicht wir sind es gewesen, die den Prozeß gerade in die Woche oerlegten, in der der Platz des Finanzministers des Deutschen Reiches am Ver- bandlungstisch und nicht am Gerichtstisch hätte sein müssen. Wir waren mit einer Vertagung einverstanden. Daß sie nicht erfolgte, dafür trägt die Gegenseite die Verantwortung. Trotzdem es nahe lag, daß wir mit aller Schärfe vorgingen— und Herr Dr. Alsberg hat ja Verständnis für die Schärfe, mit der solche Prozesse geführt werden— sind in diesem Saale keine Kugeln gegossen worden, mit denen nach Minister chermes gezielt wurde. Aber über die Kardinalfrage, über die rein moralische Wertung, konnten wir kein anderes Urteil abgeben, als vor einigen Monaten. Alle von uns behaupteten Tatsachen sind im wesentlichen unbestritten ge- blieben. Daß eine Flasche Wein von solcher Kreszenz zum Preise von S M. ein Geschenk bedeutet, ist eine These, über die es keine volkswirtschaftlichen Streitigkeiten gibt. Daß die Motive des Winzer- Verbandes, insbesondere des Direktors Faust, die zu dieser Sendung oeranlaßten, keine anständigen waren, geht aus den eigenen Aus- sagen des Zeugen Faust hervor. Bei Faust ist insbesondere auf die Tatsache zu weisen, daß er, ein nach Stellung, herkommen und Milieu streng katholisch gesinnter Mann, den Zeugeneid nicht unter Berufung auf seinen Gou geleistet hat, also möglicherweise die reli- giöse Bindung an diesen Eid ausschließt. Den Beweis dafür, daß die Entscheidung des Ministers, auf Grund der die Z u ck e r z u- teilung an den Winzerverband erfolgte, absolut unrichtig war, oder einen eklatanten Mißbrauch seines Amtes darstellte, konnten und wollten wir nicht führen. Das ist hier aber auch völlig uner- heblich. In den Artikeln der„Freiheit" ist dem Minister fa nicht der Vorwurf der passiven Bestechung im Sinne des Strafgesetzbuches gemacht worden. Es war nur von Korruption und Be stech- l i ch k e i t die Rede. Zwischen Hermes einerseits und Bismarck und Bülow andererseits eins Parallele zu ziehen, ist völlig verfehlt. Bismarck war eine historische Persönlichkeit und stand über dem Parteigetriebe und Bülow wurde wenigstens einmal für eine histo- rische Persönlichkeit gehalten. Bei beiden bestand keineswegs die Möglichkeit, daß sie über Anträge im Sinne der Spender zu ent- scheiden hatten. Bei Hermes wußten aber die Winzer ganz genau, daß er der Minister war, der in Sachen des Weinbaues über alle Anträge allein zu entscheiden hatte. Bei dem Winzeroerband und Direktor Faust ist der Tatbestand der aktiven Bestechung gemäß § 333 des Strafgesetzbuches zu bejahen, denn es genügt dafür, daß durch das Geschenk der Minister in eine günstigere Seelenoerfassung für die Winzer von Mosel, Saar und Ruwer versetzt wurde. Es entsteht die weitere Frage, ob damit auch eine strafbare Handlung des Ministers begründet ist. Ich nehme an, daß der Minister bei der Entscheidung über die Zuckerzuweisung objektiv, wenn auch m günstigerer Stimmung gehandelt hat. Aber er mußte sich damals auch der Peinlichkeit der Situation bewußt sein. Trotzdem hat er dann im Februar 1921 nach einer neuen Weinsendung an den Winzerverband telegraphiert. Wenn Sie sich fragen, wohin wir kommen, wenn w jeder so macht, wie Minister Hermes, werden Sie das Urteil finden, das wir bei Ihnen suchen. Ich bitte deshalb, meinen Klienten freizusprechen. Nach der Mittagspause plädierte der zweite Verteidiger des An- geklagten, Rechtsanwalt Dr. B ö n h e i m. Dr. Bönheim wies darauf hin, daß Hermes sich in seinen geschäftlichen Beziehungen zum Winzerverband eines disziplinarischen Vergehens, eines Ver> stoßes gegen Z IS des Reichsbeamtengesetzes schuldig gemacht habe, wonach die Annahme von Geschenken für Beamte der Genehmigung der Behörden bedürfe. Ucber die Annahme von Geschenken durch Beamte habe sich Dr. Hermes ja auch im�Foll Augustin mehrmals geäußert und im Reichstage u. a. erklärt, daß Augustin für ihn er- ledigt sei. Der Verteidiger kam zu dem Schluß, daß dem Ange- klagten der Wahrheitsbeweis geglückt fei, daß aber auch im Falle das Gericht eine formale Beleidigung für vorliegend erachte, dem Angeklagten der Schutz des � 193 StGB, zugesprochen werden und daher seine Freisprechung erfolgen müsse.' In einer längeren Replik sprach Rechtsanwalt Dr. Alsberg als Rechtsbcistond Dr. Hermes. In längeren Ausführungen suchte dann Dr. Alsberp die Darlegungen der Gegenseite zu widerlegen, wobei er die Weinsendungen an" Dr. Hermes mit den Kiebitzeiern verglich, die Bismarck bekanntlich des öfteren als Geschenk erhalten habe. Dann ergriff der Nebenkläger Dr. Hermes selbst das Wort, um zunächst darzulegen, daß auch er gewünscht hätte, daß dieser Prozeß nicht gerade in der gegenwärtigen Zeit erfolgt sei, als man noch nicht gewußt habe, daß die Reparationstommission nach Berlin kommen würde. Vom Standpunkt der Wahrung seiner Ehre habe er das größte Gewicht darauf gelegt, daß endlich einmal eine Aufklärung an Gerichtsstelle über die gegen ihn gerichteten schweren Angriffe erfolgen könne. Auf die im ersten Artikel der„Freiheit" gestellten Fragen Rede und Antwort zu stehen, so führte Finanz- minister Dr. Hermes weiter aus, habe ich. der ich immer an der Linie einer klaren und sachlichen Politik festgehalten habe, abgelehnt und die Entscheidung dem Gericht überlassen. Ich muß es auch ab- lehnen, der Verteidigung auf das Gebiet des Falles Augustin zu folgen, der durch den Parlamentarischen Untersuchungsausschuß rest- los aufgeklärt ist. Das Votum der Mehrheit lautete bekanntlich zu meinen Gunsten. Wenn die„Freiheit" die Daten der Wein- lieferungen und der Zuckerzuwcisung feststellt, so wäre es ihre Pflicht gewesen, zu erwähnen, daß ein weiterer Antrag des Winzerverbandes auf Zuweisung von Zucker im Jahre 1921 von mir abgelehnt worden ist. Ich habe di« ganze Frage des Weinbezuges mit restloser Ofsenheit behandelt und nichts cachiert. Nicht nur Regierungsrat Ratte hat von mir alles erfahren, sondern auch in meinem Bekanntenkreise habe Ich nie ein Hehl daraus ge- macht. Nie ist mir in den Sinn gekommen, daß der Winzerverband etwas Unrechtes im Sinne habe. Der Minister ging dann noch ein- mal auf die verschiedenen Einzelheiten ein und wies im besonderen den Vorwurf zurück, als ob er in der Frage der Zuckerzuweisung ohne weiteres zugunsten des Winzerverbandcs entschieden habe. In einer Replik führte Dr. Le v i dann noch aus: Minister Hermes ist rasch emporgestiegen. Die Lebenswelle hat ihn mit einem Schwung nach oben geworfen und er hat sich oben gehalten. Aber er hat vergessen, sich davor zu hüten, an dem Gesetz der Inte- grität zu rühren. Das Reich und das Land müssen und werden weiterbestehen, auch wenn der ein« oder der andere Minister zu gehen gezwungen wird. In einer letzten Erwiderung erklärte Minister Hermes dann: Ich bin stolz darauf, als Minister mir das Vertrauen der Landwirt- schaft errungen zu haben und ich bin stolz, daß es mir gelang, die Getreide umlage durchzusetzen, durch die unsere Brotver- sorgung gesichert wurde. Bezüglich Ihrer Behauptung, ich hätte mich an dem Gesetz der Integrität vergriffen, erkläre ich, daß Sie keine maßgebende richterliche Instanz für mich sind. Damit war die Verhandlung beendet. Die Verkündung des Urteils wird am Sonnabend vormittag 10 Uhr erfolgen. VLrtflchafi Die Hebung der Docvkätigkeik. Auf einer Tagung der Wohnungsoereine und Baugenossen- schaften, die am 28. Oktober in Magdeburg stattfand, wurden zur Hebung der daniederliegenden Bautätigkeit Dorschläge, gemacht und in folgender Resolution zusammengefaßt: 1. Ohne eine Neubautätigkeit, die mindestens den laufenden Bedarfszuwache deckt, muß die Wohnungsnot weiter anschwellen. Die planmäßige Ausnutzung des vorhandenen alten Wohnraumes kann diese Entwicklung nickt aufhalten. Die Dämme des Mieterschutzes müssen zusammenbrechen. 2. Unter den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen ist eme aus- reichende freie Bautätigkeit nicht denkbar. Das Schwergewicht der Bautätigkeit muß vielmehr auf den Schultern der öffentlichen Gewalten ruhen. 3. Als berufene Tröger des Wohnungsbaues kommen neben den Gemeinden die hewährten Baugenossenschaften und als Mittler zwischen Staat und Bauherren die Wohnungsfür- sorgegesellschaften in Betracht. 4. Voraussetzung für die Fortführung des Wohnungsbaues ist die Sorge für V e r e i t st e l l u n g der B a u st o f f e. Die öffent- lichen Gewalten werden sich insofern ihrer anzunehmen haben, als sie Dorratswirtschaft ermöglichen und auf eine vernünftige Preis- gestaltung einwirken. K. Der leitend« Gedanke für die Finanzierung muß sein, daß die Wohnungswirtschaft als Ganzes sich selber träat. Die für den Wohnungsbau vorerst noch unentbehrlichen Zuschüsse sind aus den vorhandenen Wohnungen durch eine entsprechende Abgabe zu schöpfen. Die Mittel durch Anleihen erhalten zu können, ist ein Wahn, der endlich aufgegeben werden sollte. 6. Die Wohnungsbauabgabe darf nicht wieder um Monate z u spät kommen. Sie darf nicht wieder im Augenblick der Bewilli- gung unzureichend sein und sie muß sich der voraussichtlichen Ver- teuerung anpasicn können. 7. Ein zunehmender Anteil der Baukosten muß rentierlich werden. Dies erfordert eine Steigerung der Gesamt miete in den alten Wohnungen: nur dann ist eine ausreichende Beleihung zur Deckung des rentierlichen Wertes bei den Neubauten möglich. 8. Die Arbeitgeber, öffentliche und private, Gewerbe und Landwirtschaft, sind gesetzlich zu besonderen Beisteuern zu dem Wohnungsbau Heranzuziehen. 9. Das Zu schußverfahren bedarf der Verbesse- rung. Diese Sätze müssen mehr als bisher auf die wirklichen Vau- kosten Rücksicht nehmen. Die Geldmittel für 1923 müssen in aller- kürzester Frist bereitstehen. Alljährlich wiederkehrende schwierige Ver- Handlungen verzögern und verteuern das Bauen. Die Regelung der Zuschüsse muß im einzelnen freier und einfacher gestaltet, in Preußen mehr dezentralisiert werden. Es dürfen nicht wieder kostbare Monate verloren gehen. Die ungeheure Not erfordert sofortiges Handeln. 852 fache Zölle. Für die Zeit vom 8. bis einschließlich 14. No» vember beträgt da» Goldzollaufgeld 3ö 100 v. H. gegenüber 70 400 v. H. in der Borwoche. Do» ungeheure kohlendefizik hat die ReichSbahnverwaltunz genötigt, bisher für 30 Milliarden Mark Steinkohlen aus Eng» l a n d einzuführen. Die Reichsbank rüstet zu neuen Rolenrekorden. Sie drucktietzt nach einer Meldung der„Deta" täglich für 15 Milliarden Mark neues Papiergeld, nachdem sie in den letzten Wochen etwa 4% Milliarden täglich herausgebracht hat. „Roggen-Währung." Während die Regierung zögert und sich nur langsam zu einer positiven Stützungsaktion für die deutsche Mark entschließen bann, hat das Privatkapitai bereits all« möglichen Mittel und Wege in dieser Richtung gesucht und auch gefunden. Das Neueste sind Anweisungen auf Bezüge einer bestimmten Menge von landwirtschaftlichen Naturalien. In Berlin ist in diesen Wochen eine Roggen-Renten-Bank mit 5 Millionen«Aktienkapital gegründet worden, die Roggen-Renten- Briese ausgibt, welche also nicht auf eine bestimmte Geldmenge, son- dern auf eine bestimmte Roggenmenge lauten, ebenso stellen die Zinsschein« Forderungen auf Roggenmengen dar. Die Aktien dieser Roggen-Renten-Bank sind von der Preußischen Landbank, der Land- wirtschasts-Zentral-Darlchnskasie und den provinziellen Sicdlungs- gesellfchaften übernommen worden. Gleichzeitig hat sich die Olden- burgische staatliche Kreditanstalt entschlosien, sogenannt« Roggen- Anweisungen als neue Form von Inhaberpapieren herauszubringen. Diese Rogaen-Anweisungen sollen alsbald ausgegeben werden und am 1. April 1927 fällig sein. Der Ausgabepreis eines Stückes soll zunächst etwa im Wert von 125 Kilogramm Roggen ent- sprechen und die Rückzahlung nach dem Wert von 150 Kilogramm erfolgen, in dem Mehr von 25 Kilogramm Roggen stecken die Zinsen von 1923 bis 1927. Geplant ist, diese Roggenpapiere an verschiede- nen Börsen einzuführen, überhaupt einen regelrechten Handel in diesen Naturalienpapieren zu ermöglichen. Die Wellernte. Die Ernte dieses Jahres wird, wie es scheint, in Europa ungünstiger, m den außereuropäischen Ländern günstiger als im vorigen Jahre ausfallen. Weizen und Roggen zeigen für Frankreich und Italien«ine Senkung der Ernte um Mi bis%, in Deutschland sogar um K bis% gegenüber dem Borjahre(wobei jedoch zu bemerken ist. daß die statistischen Angaben in Deutschland notorisch unzuverlässtg find!) Bester ist es um Gerste, Hafer und Kartoffeln bestellt. Die Ergebnisse der russischen Ernte sind schlechter als erwartet wurde: statt der 46% Millionen Tonnen Getreide, aus die man die Ernte geschätzt hatte, werden sich nach dm letzten Angaben der russischen Statistik kaum mehr als 32 Millionm ergeben, so daß di« Hilfe von außen immer noch notwendig bleiben wird. Unter normalen internationa- len Währungsverhältnissen könnte freilich der europäische Bedarf aus den Ueberflüsien der ührigen Welt glatt gedeckt werden: im Welt- durchschnitt steht die Weizen» und Roggenernte nicht unter der des Vorjahres, Gerste und Hafer ist noch etwas reichlicher(um 3 bis 10 Proz.) und die asiatische Reisernte wird die Rekordergebnifse von 1921 weit überschreiten. Doch ist Europa zu arm, um mit seinen Lire?, Kronen und Rubeln sich die kanadischm und indischen Ucberschüsse in genügendem Maße zu kaufen. Aber auch außer- halb Europas ist di« Freude an der reichen Ernte durch so manches vereitelt. Den kanadischen Formern droht ein Sinken der Getreide- preise, welches die Hypothekenbanken schon jetzt oeranlaßt, die Kredite zu kündigen, so daß der Staat die Erklärung eines Moratoriums (�zwangsweise Kreditverlängerung) in Erwägung zieht, um einem Rückgang der Anbaufläche im nächsren Jahr vorzubeugen: der Staat sucht ferner dadurch einzugreisen, daß er die Getreidehändler durch eigenes Austreten auf dem Markte ausschaltet und dm eigenen Handelsgewinn der Allgemeinheit(Steuerherabsetzung!) zufließen läßt: doch sind die Landwirte mit den vom Staate angebotenen Preisen nicht einverstanden und drohen mit einer weiteren Ein- schränkung der Anbaufläche. Welkere Erleichterungen für den russischen Außenhandel. Nach Angaben des Außmhandelstommissariats betrug der Wert der russischen Einfuhr in dm ersten 7 Monaten 1922 319 589 000 Goldrubel, der Ausfuhr 31 800 000 Goldrubel. Die Moskauer sowjetomtliche„Handels- und Jndustr?ezeitung" erklärt, ein Ausbau des russischen Außenhandel» sei nur möglich bei ausgiebiger Kredi- tierung, während bisher die Außenhandelsoperationm der Sowjet- regierung fast ausschließlich gegen bar erfolgten. Es müßte auf die Entwicklung des privaten Kredits hingearbeitet werden. Trotz des Außenhandelsmonopols feien schon jetzt Möglichkeiten für die Privatinitialioe vorhanden; weiterhin sollen Einsuhrgenehmi- gungen für eine Reih« von Auslandswaren und Lizenzen für ein« sogen, kontingentierte Ausfuhr ausgiebig erteilt werden. Notwendig sei vor allem auch die Wiederherstellung der Vermittlerrolle der Banken zwischen Exporteur und Importeur auf der Basis des Bank- rembourses. In erster Linie müßten hier Verhandlungen mit den deutschen Banken aufgenommen werden, im Zu- sommenhang mit dem bevorstehenden deutsch-russischen Handels- vertrag.__ Wetter biS Sonnabend mittags Anfangs etwas kühler, besonder« im Tüten heiter, aber überall sehr unbeständig mit wiederholtm Regen- fällen bei ziemlich frischen westlichen bis nordwestlichen Winden. Später neue Erwärmung. -- j----- 1 Theater, Lichtspiele usw. Komische Oper Opernhans 7 Uhr: Volksbühne 7 Uhr: Cosi fan tutte Die Lüge Schauspielhaus Lessing- Th. 72 Uhr: 7 Uhr zum 1. Male: George Dandin Der Biberpelz Sonnab. b. Mont. 71/2 Der Arzt wider Willen Der Biberpelz Deut. Künstler- Th. Deutsch. Theat. Allabendl. 72 Uhr: 8 Uhr: Tanzabend Käthe Dorsch in: Niddy Impekoven Liebelei. Die Lore Sbd. 7: Gespenster ( Alexander Moissi) Kammerspiele Central- Theater Der große Erfolg! 8 Uhr: Timotheus 7 D. Kleinbürger in flagranti Sbd. 8: Das Glas Deutsch Opernhaus 7 U.: La Traviata Wasser Gr.Schauspielh. 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