Nr.550 39.Jahrgang Ausgabe A nr. 271 Bezugspreis: Für den Monat November 400,-., voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Meutelgebiet sowie Desterreich und Lugemburg 550,- M., für das übrige Ausland 930,- M., Bostbestellungen nehmen an Belgien, Dänemart, England, Estland, Finnland, Frankreich, Holland, Lettland, Luxemburg, Defterreich, Schweden, Schweiz. Tschechoslowakei und Ungarn. Der Borwärts" mit der Sonntags. beilage ,, Bolt und Zeit", der Unterhaltungsbeilage ,, Seimwelt" und der Beilage Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin Morgen- Ansgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 15 Mark Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillegeile toftet 120,-. Reklamezeile 600,-. ,, Kleine Anzeigen" das fettgebrudte Wort 30, M.( zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 24, M. Stellengesuche und Schlafftellenanzeigen das erste Wort 15, M., jedes weitere Wort 12,-. Worte über 15 Buchstaben zähten file zwei Worte. Familien- Anzeigen für Abonnenten 8eile 35,- M. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4½ Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW.68, Lindenftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Dönhoff 292–295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Dienstag, den 21. November 1922 Geschäftsministerium Cuno. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Posticheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstraße 3 Steigerung der Produktion. Von S. Aufhäuser. WEB. meldet% 10 Uhr abends: Der Reichspräsident hat Das Zentrum hat sich in seiner Fraktionssigung am Das fapitalistische Unternehmertum hat in den letzten Moden Generaldirektor Dr. Cuno erneut mit der Bildung des gestrigen Abend dahin entschieden, daß bei der Regierungs- naten feine Machtpofitionen in der Wirtschaft wiederum Reichskabinetts beauftragt. Dr. Cuno hat den Auftrag an neubildung teine Koalition bestehe, daß es also außerordentlich gefestigt. Diese Entwicklung hat die Notlage Genommen: Er beabsichtigt ein Geschäftsministe- parteimäßig in dieser Frage nicht gebunden sei, sondern der besitzlosen Boltstreife weiterhin vermehrt und die rium zu bilden und hofft, morgen diese Aufgabe freie hand behalte. Klassengegensäge verschärft. Es ist nicht überzu Ende zu führen. Man rechnet damit, daß der Arbeitsminister Dr. Brauns, raschend, wenn die befizende Klasse in Deutschland nun den der Reichsfinanzminister Dr. Hermes und der Reichswehr- Zeitpunkt für gekommen erachtet, um auch politisch in der Reminister Dr. Geßler dem Geschäftsministerium angehören gierungsbildung das Spiegelbild der heutigen ökonomischen werden. Für das Auswärtige wird ein Diplomat gesucht, Machtverhältnisse in Deutschland zu geben. Dieses Streben alles weitere ist noch in der Schwebe. nach politischer Macht äußert sich nicht nur in dem beharrlichen Verlangen nach dem Eintritt der Deutschen Volkspartei in das Kabinett, sondern ebensosehr in der Beeinflussung des Wirtschaftsprogramms, das für die künftige Regierung richtunggebend fein soll. Am Donnerstag nach Bußtag soll nach der Ankündigung des Präsidenten Löbe der Reichstag eine Erklärung der Reichsregierung" zur Kenntnis nehmen. Als diese Anfündigung erfolgte, wurde im Reichstag allgemein erzählt, daß eine Regierung der Arbeitsgemeinschaft so gut wie fertig sei. Es wurde eine Liste verbreitet, die fast ausschließ lich Namen von Volksparteilern, Zentrumsleuten und Demo fraten enthielt. Nun meldet WTB., daß ein Geschäfts= ministerium gebildet werden. Ueber den Begriff eines Geschäftsministeriums haben wir uns schon im gestrigen Abendblatt auseinandergesetzt; ob das Ministerium, das Herr Cuno zu bilden beabsichtigt, diesem Begriff ganz entfprechen wird, muß abgewartet werden. Wäre dies der Fall, so bliebe der brennende Wunsch der äußersten Rechten, die bürgerlichen Parteien sollten ein Minifterium gegen die Sozialdemokratie bilden, zunächst unerfüllt. Denn ein wirkliches Geschäftsministerium" dürfte ebensowenig wie einen sozialdemokratischen einen bürgerlich- arbeitsgemeinschaftlichen Charakter tragen, es müßte glethicm einen Vorhof bilden, von dem aus zu allen Parteien offene Türen führen. Ein solches Ding ist aber leichter ge= dacht als ausgeführt. Ein Geschäftsministerium, das sich Ser Arbeitsgemeinschaft und der Sozialdemokratie gleich nah und von beiden gleich entfernt hält, läßt sich nicht mit dem Zirkel fonstruieren. Das Geschäftsministerium dürfte. vielmehr einen ziemlich stark bürgerlichen Charakter tragen, und waren die Kombinationen, die gestern im Reichstag herumgetragen murden, auch nur teilweise richtig, so müßte man in Wirklich feit von einem als Geschäftsministerium" mastierten Minifterium der Arbeitsgemeinschaft sprechen. Der Name ,, Geschäftsministerium" hat schon zu dem bösen Scherz Anlaß gegeben, erst sei beabsichtigt, ein Ministerium der Arbeit zu bilden, jetzt aber sei schon ein Minifterium der Geschäfte daraus geworden. Wir möchten die Bezeichnung der neuen Regierung, bevor wir ihre Männer und ihr Programm kennen, nicht so bösartig deuten. Auf der andern Seite erinnert der Ausdruck start an die tonftitutionelle Redewendung, daß die in Demission befindliche Regierung ,, mit der Weiterführung der Geschäfte beauf tragt worden sei". In einem solchen Fall sorgt dann die Renierung für die Weiterführung der Amtsgeschäfte, ohne eigent lich noch Bolitik zu treiben, so lange, bis die Ablösung tommt. Ob sich das tommende Geschäftsministerium Cuno eine ähnliche Uebergangsfunktion zuschreiben wird, muß abgewartet werden. Auch von einer Reichstagsauflösung, die eine Lösung der verworrenen Situation bringen fönne, wurde gestern viel gesprochen, doch liegen bis jetzt bestimmte Absichten in dieser. Richtung nicht vor. Reichskanzlei: Geheimrat Cuno, Die Bereinigte Sozialdemokratische Partei hat rechtzeitig Die oben erwähnte Ministerliste wird von der Expreß- Korre- den Weg gewiesen, um durch eine attive Währungspolitik der rasenden Teuerung und Geldentwertung Einhalt spondenz" folgendermaßen wiedergegeben: zu gebieteen. Sie ist unter Zustimmung der Finanzsachverständigen des In- und Auslandes zu der Feststellung gelangt, daß die Stabilisierung der Mark als erste und dringlichste Aufgabe in Angriff genommen werden muß, denn nur eine aktive Währung fann uns wieder einen festen Boden unter den Füßen geben, von dem aus weitergebaut und für die höheren Ziele des Sozialismus weitergefämpft werden fann. Staatssekretär der Reichskanzlei: Dr. Hamm( Demokrat), Aeußeres: voraussichtlich der Botschafter in London Sthamer, Inneres: v. Rardorf( Deutsche Bolt spartei), Reichswirtschaftsministerium: angeblich der Generaldirektor der Deutschen Werte Henrich, Arbeitsministerium: Dr. Brauns( 3entrum), Reichsfinanzministerium: Dr. Hermes( Zentrum), Reichsschahministerium: v. Raumer( Deutsche Bolts partei), Dieses Währungsprogramm paßt indes nicht in die neuere Entwicklung der tapitalistischen Kräfte in Deutschland. Für sie handelt es sich nicht um die Sanierung der Volkswirtschaft, sondern um die Restaurierung des fapitalistischen Systems. Reichswehrministerium: Dr. Geßler( Demofrat), Reichsjuftizminifterium: Dr. einge( Deutsche Bolts Die Mugnießer der Inflation segten sich deshalb partei), Eisenbahnministerium: voraussichtlich Gröner, Reichspostministerium: voraussichtlich der Bayerische Staatsfekretär Stingel. Das wäre, wie man sieht, fein Geschäftsministerium", fondern eine parlamentarische Regierung der Arbeitsgemeinschaft. fofort zur Wehr, als sie mit Recht fürchten mußten, daß ihren bisher mühelos errungenen und maßlos ansteigenden Balutagewinnen ein Damm gesetzt werden sollte. Die organisierte Devifenspekulation in Industrie, Handel und Bankgewerbe erklärte entgegen aller besseren volkswirtschaftlichen Erkenntnis, daß die Not in Deutschland die Folge einer Produktionsfrise sei, und dem Währungszerfall nur wirksam begegnet werden könnte, wenn zuerst die Steigerung der Temps" gegen eine Bürgerblocksregierung. Produktion durch eine Verlängerung der Arbeitszeit gewähr Paris, 20. November.( EP.) Der Temps" nimmt heute zur leistet würde. Dank der über ganz Deutschland verbreiteten deutschen Regierungsfrise Stellung und drückt sein Befremden Stinnes- Bresse hat die öffentliche Diskussion eine entsprechende gegen ein Kabinett aus, das mit Ausschluß der Sozial- Wendung angenommen. Das sozialdemokratische Währungsbemokraten, also gegen die Sozialdemokratie gebildet würde. programm wird systematisch in den Hintergrund, der Achtum eine Mehrheit zu bekommen, wäre ein solches Kabinett ge- ftundentag in den Mittelpunkt der Erörterung gestellt. Diese wungen, fich auf die Monarchisten zu siühen, deren Gefan Taktik der bürgerlichen Parteien darf aber nicht darüber hin gener es bald fein würde. Die deutschen Monarchisten wollen wegtäuschen, daß wir eine Währungstatastrophe eine Militärdiktatur, wie die haben, die nicht von der Produktionsseite herrührt, also auch aber, erklärt ber Temps", eine Fascisten, herbeiführen. Der Bestand des Versailler Ver- bei gesteigerter Produktion ohne voraufgegangene Stabilisie= trages werde durch eine solche Wendung der Dinge ernstlich ge- rung der Marf nicht gelöst werden kann. Wie soll der Arbeiter fährdet. Eine Regierung der Großindustrie würde außerdem auch bei aller Anstrengung zur höchsten Auswirkung seiner Arbeitsrauf hinzielen, die deutsche Produktion und den deutschen Außen- leistung gelangen fönnen, wenn er bei weiter anhaltender Die sozialdemokratische Reichstagsfrat handel zu heben, was wiederum nicht im Interesse Englands und Währungszerrüttung in eine ständige Unruhe versetzt wird. Er weiß heute nicht, welchen Kaufwert sein Lohn morgen noch tion hat gestern nach dreistündiger Debatte Amerifas liege. haben wird. Der höchste Grad der Arbeitsintensität, der mit sehr großer Mehrheit das bisherige Berhalten ihrer Unterhändler gebilligt. feineswegs gleichbedeutend ist mit verlängerter Arbeitszeit. ist gesagt, daß die Frattion hac mie por es ablehnt, Damit Kündigung des Ueberschichtenabkommens? wird unerreichbar sein, solange bie feſte Bährungsgrundlage tretern der Volkspartei am Regierungstisch zu sitzen, und daß Wie die PPN. hören, treten beute. Dienstag, die Vorstände fehlt. Darum muß aus dem ureigensten Lebensinteresse des fie es nicht in das freie Ermessen ihrer Mitglieder stellt, fich der vier Bergarbeiterverbände zusammen. Angesichts verschiedener deutschen Bolles heraus daran festgehalten werden, daß underan einer Regierung, die von Herrn Cuno aus freier Hand" Borgänge im Wirtschafts- und politischen Leben, namentlich der züglichd. h. bevor es zu spät ist die von der geeinten gebildet wird, zu beteiligen. Ueber ihre sonstige Haltung dem letzten Tage, ist die Misstimmung unter den Bergarbeitern fo gefegestraft bekommen. Wir haben als Sozialdemokraten aber Sozialdemokratie vorgeschlagenen Währungsmaßnahmen GeGeschäftsministerium Cuno gegenüber wird die Fraktion am stiegen, daß mit der sofortigen Kündigung des Ueberschichten auch keinen Anlaß, im Hinblick auf diese dringliche TagesDonnerstag vor dem Plenum ihre ersten Beschlüsse fassen. Die Dresdener Tumulte. mit Berabkommens gerechnet werden muß. aufgabe einer Währungsstabilisierung etwa einer Stellungnahme zur Frage Steigerung der Produktion" aus dem Wege an der Dresdener Demonstration teilnehmen werden. Reisegelder Nach der Telunion verbreitet die sächsische Regierung folgende ftaunen, was am Sonnabend losgehen werde. seien beschafft worden, Dresden werde die Augen aufmachen und gehen. Es darf wieder einmal daran erinnert werden, daß jeder Schritt zur Vergesellschaftung der Arbeit und damit zum Darstellung der Dresdener Borgänge: Das Polizeipräfidium hatte deshalb die Berantwortlichen auf Sozialismus die Produktivität der Arbeit gegenüber dem Die im Anschluß an eine Demonstration von den Erwerbslosen, das Bedenkliche ihres Tuns energisch hingewiesen und sie verpflichtet, heutigen Zustand gewaltig steigert. Die sozialistische ProdukKriegsopfern und Arbeitsinvaliden am Sonnabend erfolgten Blün- für Ruhe und Ordnung bei der Demonstration mitbesorgt zu sein. tion schließt einen derart hohen Grad von Produktivität in derungen und sonstigen Ausschreitungen find, wie die vorläufigen Sie hatten diese Verpflichtung auch anerkannt, auch dem Minister- fich, daß sie nicht nur die Befriedigung des heute als lebensFeststellungen ergeben haben, systematisch von verantwortungs- präsidenten gegenüber, den sie am Freitag infolge dienstlicher Ab- notwendig anerkannten Mindestbedarfs, sondern weit darüber lofen Elementen vorbereitet worden. Bereits in den am 7. mesenheit des Arbeitsministers aufgesucht hatten. Trotz ihres Ber- hinaus die heute vielfach noch als überflüffig" geltenden und 16. November veranstalteten Versammlungen diefer Korpo- fprechens haben einige der Berantwortlichen den etwa 800-1000 Kulturbedürfnisse aller Menschen reichlich zu befriedigen verrationen wurde in gar nicht mißzuverstehender Weise zur Selbst- Demonstranten am Rathause in aufreizenden Reden eingeprägt, daß möchte. Die organisierte Arbeitertlaffe müßte also geradezu hilfe aufgefordert und eine Hungerdemonstration für Sonnabend das Gebot der Stunde Selbsthilfe heiße und daß den Herrschaften angefündigt. Man hatte bereits in der Erwerbslosenversammlung endlich gezeigt werden müsse, daß die Massen lange genug gehungert" fich selbst bekämpfen, wollte sie nicht alle Straft aufbieten, um vom 7. November im Volkshaufe ganz offen erklärt: Worin die hätten. Biederholt find Polizeibeamte von Ruheftörern geschlagen schon heute auch innerhalb der kapitalistischen Wirtschaft den Selbsthilfe besteht, wiffe jeder einzelne. Die Tage seien nicht mehr worden. Sie haben jedoch mit der blanten Waffe nur dort ge denkbar höchsten Wirkungsgrad der menschlichen Arbeitsfern, wo sich jeder in den Geschäften das fuchen müsse, was er antwortet, wo man in bedrohlicher Weise tätlich gegen fie vorging leistung durch rationelle Ausgestaltung der Produktion zu erbrauche. Der Kampf fei entbrannt, es gelte, ihn zu führen und auch oder wo Berhaftete gewaltsam befreit werden sollten. In ähnlichen reichen. vor dem Tode nicht zurüczuschreden. Auf, in den Kampf, um zu Fällen hat auch der Gummifnüppel einige Male angewendet werden Die Vermehrung der Produktion und der deutschen Ausfiegen oder zu sterben." Der kommunistische Abgeordnete Zipfel müssen. Das Ergebnis der vorläufigen Untersuchung deutet darauf gab, den obigen Worten zustimmend, die Versicherung ab, daß am hin, daß es sich bei diesen Kundgebungen offenbar neben einer gewiß fuhr wird indes nicht erreicht, indem man die„ Steigerung der Sonnabend die KPD. auf dem Posten fein werde. Ein Redner gab nicht unberechtigten Demonstration schwer notleidender Menschen Produktion" zum leeren Schlagwort herabwürdigt, statt ihre Ratschläge dahin, daß einzelne zunächst in große Geschäfte gehen und auch um Bestrebungen gewiffenloser Leute handelt, die die Not der konkreten Boraussetzungen festzustellen. Bisher waren aber dort an das gute Herz des Inhabers appellieren sollten. Wenn dies Erwerbslosen ausnügen, um Butsche und andere Gewalttätigkeiten alle amtlichen Formulierungen vage gehalten und die kapitalifehlschlage, müsse die Masse eir solches Geschäft fennzeichnen. Der zu veranstalten." stische Presse mußte nur von der notwendigen Verlängerung der Arbeitszeit zu schreiben. " für die ersten zehn Reihen übernehmen, was die übrigen dann hinter Bersammlungsleiter erklärte sogar, die Verantwortung könne er nur Diese bedauerlichen Zusammenstöße geben der Roten Fahne" ihm machten, fönne er nicht übersehen. Ein bekannter Kommunist die gewünschte Veranlassung, über die sozialistische Regierung" hergab den Bersammelten die Bersicherung, daß eine große Anzahl zuziehen. Die RBD. gebraucht offensichtlich dieses Blutbad", Ermerbsloser aus Bauzen, Zittau, Kamenz, Birna und Umgebung um sich vor verantwortlicher Regierungsarbeit zu drüden. Die erste deutsche Note vom 4. November d. I. erklärt die Entschloffenheit der Reichsregierung, eine Besserung der Handels- und Zahlungsbilanz durch wirtschaft liche Maßnahmen, insbesondere durch Steigerung der Produttion herbeizuführen". Die zweite Note vom 13. November d. I. besagt: Deutschland wird alle erforderlichen und geeigneten Maßnahmen ergreifen, um insbesondere durch Erhöhung des Wirkungsgrades der Arbeit zu einer Steigerung der Produttion und damit zu einem Ausgleich der Handelsbilanz zu gelangen. Zu diesem Zweck wird insbesondere eine Neuregelung des Arbeitszeitrechtes unter Fefchaltung des Achtstundentages als Normalarbeitstag und unter Zulassung gesetzlich begrenzter Ausnahmen auf tariflichem und behördlichem Wege zur Behebung der Notlage der deutschen Wirt- schaft in die Wege geleitet. Nach dem ersten Gutachten der ausländischen Finanzsach- verständigen hängt der Erfolg der Stabilisierung ab„von der Gestaltung der Produktionsverhältnisse und des Staatshaus- Haltes in Deutschland". Im Gutachten von Dissering, Dubois und Kamenka heißt es: Um die Handelsbilanz aktiv zu gestalten, muß vor allem eine Vermehrung der Produktion herbeigeführt werden, sowohl durch Verbesserung der Arbeitsmethoden, als durch Erhöhung der Arbeits- intenfitöt und gegebenenfalls durch eine Verlängerung der Arbeitszeit. Während in diesen Gutachten immer wieder die Stabilifie- rung als der erste notwendige Schritt gekennzeichnet wird, steht Stinnes, der Wortführer der Schwerindustrie, auf dem Standpunkt,„daß die Loraussetzung des Lebens in Deutschland ganz große Ueberarbeit ist" und„daß das deutsche Lolk eine Reihe von Jahren, zehn, fünfzehn Jahre sicherlich, zwei StundenproTagwirdmehrarbeitenmüssen". Ohne nochmals in eine kritische Würdigung dieser schon mehrfach besprochenen Aeußerungen einzutreten, darf gesagt werden, daß bei der Auslegung des Schlagwortes„Steigerung der Produktion" wieder einmal der verflossene Reichskanzler Michaelis seinen Leitsatz verwirklicht sehen könnte:„wie ich sie auffasse". Die Vereinigte Sozialdemokratische Partei hat deshalb gut daran getan, jenem vagen Begriff der gesteigerten Produktiv! tät einen festenund klarenJnhaltzu geben. Sie ver- kennt nicht, daß in einem Teil der Betriebe die Arbeitsintensi tät noch nicht den in der Vorkriegszeit festgestellten Wirkungs- grad erreicht hat, wenngleich im allgemeinen die Arbeits leiftungen der letzten Jahre den Vorkriegsleiftungen gleiche kommen oder sie sogar nachweislich erheblich überschritten hab«n. Die vorgenommenen Arbeitsmessungen zeigen aber, daß in vielen Betrieben technische Mängel den Hemmschuh einer gesteigerten Produktion bilden. Die deutschen Unternehmer, die vor dem Kriege nur konkurrenzfähig bleiben konnten, wenn sie aus ihren Produktionsgcwinnen erhebliche Geldmittel zur Verbesserung ihrer technischen Betriebseinrichtungen auf» zuwenden bereit waren, halten in den letzten Jahren ihre Ge- winne krampfhast fest, weil ihnen die Entwertung der Mark, die dadtrrch bedingten niedrigenLöhneund billigen Preise deutscher Waren bisher den Abfatz im Ausland ge- sichert haben, ohne daß immer Qualitätsware geliefert zu werden brauchte. Es grenzt deshalb an Heuchelei, in diesem Augenblick von den Arbeitern das unerträgliche Opfer einer längeren Lrbeitszest zu fordern, während das Unternehmer- tum selbst es ablehnt, auch nur ein bescheidenes Opfer zu bringen und von seinen riesenhaften Valutagewinnen die nötigen Mittel für die technische Vervollkommnung der Pro» duktionsmittel abzuzweigen. Die von ihm so stürmisch ver- langte Verlängerung der Arbeitszeit bedeutet also lediglich eine Steigerung der privaten Produktionsgewinne, nicht aber die„Steigerung der Produktion". In Uebereinstimmung mit den Gewerkschaften lehnt des- halb auch die Sozialdemokratie eine Verlängerung des gefetz- lichen Achtstundentages entschieden ab. Es ist dabei selbftver- ständlich, daß die Arbeitnehmer die Gesetze der Menschlichkeit zu achten gewillt sind. Im Arbeitszeitgesetz werden diejenigen Ausnahmen vom Achtstundentag zuzulassen sein, die durch Notfälle und sonstige Fälle höherer Gewalt bedingt werden. Es geht aber nicht an, etwa durch eine generelle Leistung von Ueberarbeit den gesetzlichen Achtstundentag zur Farce zu machen. Die Arbeiter, Angestellten und Beamten müsien die Verfügungsgewalt über die eigene Arbeitskraft in ihrer Hand behalten. Bei dem Verlangen von Ueberstunden muß es ihrer Entschließungsfreiheit vorbehalten bleiben, die Bedürfnisfrage selbst zu entscheiden. Die Leistung von Ueberstunden kann darum nur von Fall zu Fall, zeillich begrenzt und nur durch kollektive Vereinbarung mit den zuständigen Gewerkschaften erfolgen. Die Sozialdemokratie hat sich unmittelbar nach ihrer Gründung mit ihrem Währungsprogramm der Lebensftage des deutschen Volkes zugewandt und sich damit als die wirk- liche Volkspartei erwiesen. Sie ist auch entschlossen, an seiner Verwirklichung tatkräftig mitzuwirken. Die Verantwortung für ein weiteres„Treiben-Lafsen" des wirtschaftlichen Zerfalls kann ihr aber nicht zugemutet werden. vierbunü für üen fichtstunüentag. Die sozialdemokratische Reichstagsfrak- t i o n hat zur Frage der Produktionsförderung und des Acht- ftundentages nach eingchender Beratung und tn Uebereinstimmung mit dem ADGB., der AfA und dem Allgemeinen Deutschen BecHtüenbund folgenden Beschluß gefaßt: Ohne eine aktiv« Währungspolitik, die der weiteren Geldentwertung und Teuerung Einhalt gebietet, ist der gegenwärti- gen Nollage des deutschen Volkes nicht zu steuern. Di« Stabil!- sierung der Mark ist die dringlichst« und erste Aufgabe einer Politik, deren Ziel die Behebung dieser Notlage ist. Der Versuch, durch Verlängerung der Arbeitszeit unter Zurückstellung der Stabilisierung der Mark eine Produktionssteigerung hcrbeizu- führen, muß abgelehnt werden. Jede Produktionssteigerung ist bei fortbestehender Währungszerrüttung gehemmt. Denn so- lange der Verdienst der Arbeiter durch den Währungsverfall von Woch« zu Woche geschmä. lert wird, bleibt bei der Arbeiterklasse ein sortdauerndes Gefühl stärk st er Beunruhigung, so daß sie nicht zu der sonst möglichen Steige- rung der Intensität ihrer Arbeit gelangen kann. Unter grundsätzlicher Betonung dieses Standpunktes hält die Vereinigte Sozialdemokratische Partei Deutschlands nach wi« vor an dem alten sozialistischen Grundsatz fest, daß die Ar- beiterklasse alles Interesse an einer wirksamen rationellen Ausge- staltung und Vermehrung der Produktion hat. Die bisher vorgenommenen Untersuchungen über di« Steige- rung der Arbeitsleistung haben erwiesen, daß trotz der Ungunst der VerhälMisse in einem.Teil der Industrie die Arbeits- leiftung der Vorkriegszeit wiedep erreicht, in einem anderen Teil bereits erheblich überschritten ist. Sie haben aber auch weiter er- geben, daß in jenen Betrieben, in denen der frühere Wirkungsgrad noch nicht wieder erreicht ist, Mängel technischer Art die Hauptursache waren. Während die deutschen Unternehmen in der Vorkriegszeit zur (Erhaltung ihrer Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt genötigt waren, einen wesentlichen Teil der erzielten Produktionsgewinne zur steten technischen Vervollkommnung ihrer Pro- duktionsmittel und organisatorischen Ausgestaltung ihrer Betriebe abzuzweigen, enthebt di« fortgesetzte Geldentwertung durch Ausschaltung der Konkurrenz und durch monopolistische Preisgestal- wng die Produzenten heute von dem Zwange, in gleichem Matze wie früher ihre Aufmerksamkeit und ihre Mittel dem technischen Ausbau der Betriebe zuzuwenden. Dazu kommt die erhebliche Ver- schlechterung des Verhältnisses der produktiven zu den unproduk- tiven Leistungen der Volkswirtschaft, insbesondere durch übermäßige Ausdehnung des Zwischenhandels, der Spekulation und übermäßig« Verwaltungsakbeiten und-kosten. Alit oller Entschiedenheit lehnt die vereinigte Sozialdemokratische Partei Deutschlands jede Verlängerung der gesetzlichen acht- ständigen Arbeitszeit ab. Gesetzliche Ausnahmen können nur ln den Fällen höherer Gewalk zugelassen werden. Sonst kann die Leistung von Ueberstunden nur von Fall zu Fall. zeitlich begrenzt und nur durch kollektive Vereinbarung mit den zuständigen Gewerkschaften erfolgen. Da Produktionsprozeß und Staatsverwaltung innere Zusam- menhänge aufweisen, kann auch für die Steigerung der Arbeits- intensität in den Staatsbetrieben nur die grundsätzliche Anwendung vorstehender Richtlinien in Frage kommen. Eine wirkliche Gesundung der Wirtschaft erfordert die An- «rkennung des Grundsatzes, daß die Gesamtinteressen den Einzel- interessen voranzugehen haben und daß die Arbeitnehmer als gleichberechtigte Faktoren der Wirtschaft anerkannt werden." Dieser Beschluß kommt zur rechten Zeit. Partei, Arbeiter, Angestellte und Beamte treten durch ihn als ein V i e r b u n d zum Schutz des Achtstundentages in Erscheinung. Mit diesem Vierbund wird auch jede künftige bürgerst che Reichsregierung rechnen müssen. Die Zusammensetzung des Reichstags. Infolge der Wahlen in Oberschlesien geht die Zahl der Reichs- tagsmitglieder von bisher 4S9 auf 459 zurück. Diese verteilen sich auf die einzelnen Fraktionen wie folgt: vereinigte Sozialdemokratie 173, Zentrum 68, Deutschnationale Volkspartei 67, Deutsche Volks- partei 66, Deutsche demokratische Partei 29, Bayerische Volkspartei 20, Kommunisten 15, Bayerischer» Bauernbund 4, Deutschvölkische Gruppe 3, Deutschhannoversche Landespartei 2. Zu keiner Partei gehörig 2(Led-bour und Wegmann), zusammen 469. Die öaüener Gemeinüewahlen. Geringe Beteiligung. Karlsruhe, 20. November.(TU.) Nach dem Ergebnis der gestrigen Gemeindewahlen haben in Karlsruhe die Dereinigte So- zialdemokratische Partei einen Stimmenzuwachs von 900, das Zen- trum einen solchen von 800 und die Deutschnationalen einen solchen von 1500 Stimmen zu verzeichnen. Die Demokraten haben 5400 Stimmen verloren, die der Deutschen Volkspartei zugefallen sind. Aus den Resultaten der größeren badischen Städte ist'folgendes her- oorzuheben: In Mannheim erhielten die Deutsche Volkspartei 12, das Zentrum 13, die Sozialdemokraten 28, die Deutschnatio- nalen 4, die Kommunisten 9, die Demokraten 8 Sitze. Die Mittelstandsvereinigung erhielt 4 und der Mittelstandsbund 1 Sitz. In Heidelberg fielen der Sozialdemokratie 21, den Kommu- nisten 9, den Demokraten 12, den vereinigten bürgerlichen Gruppen 16, der Deutschen Volkspartei 12 und dem Zentrum 14 Sitze zu. In Pforzheim erhielten die Sozialdemokraten 3 0, die Kom- munisten 6, die Mittelstandsoereinigung 13 und die vereinigten bür. gerlichen Parteien 26 Sitze. In Karlsruhe erhielten die Sozial» demokraten 2 6. die Kommunisten 6, das Zentrum 19, die Deutsche Volkspartei 9, die politisch und religiös Neutralen 1, die Wirtschaftliche Vereinigung 5, die Demokraten 10 und die Deutsch- nationale Volkspartei 9 Sitze. In Freiburg erhielten das Zentrum 32, die Sozialdemokraten 19, die Haus- und Grundbesitzer 10, die Deutschnationalen 8, die Demotraten 6, di« Deutschs Volks- partei und die Kommunisten 3 Sitze. In Konstanz fielen dem Zen- trum 33, den Sozialdemokraten 16, der Miüelstandsver- einigung 11. der Demokratischen Partei 10, den Kommunisten 7 und den vereinigten Rechtsparteien 7 Sitze zu. Charakteristisch für die b a d i s ch e n Gemeindewahlen, die den Besitzstand der Parteien nicht wesentlich verändern, ist ebenso wie in Hessen die geringe Beteiligung. Sie trifft zwar alle Parteien, bat aber z. B. in Mannheim zum Verlust der sozialistischen Mehrheit geführt. Die Deutsch- nationalen haben einigen Zuwachs, die Demokraten fast überall Verluste an die Deutsche Volkspartei zu verzeichnen, während das Zentrum, wie stets, seine Sitze behauptet. Das Ergebnis der Wahlen zeigt, daß auf dem Gebiete der Ge- meindepolitik für den Sozialismus noch viel zu tun bleibt. Der Verlust von Mannheim bei noch nicht 50 Proz. Wahlbeteiligung ist eine Scharte, die baldmöglichst ausgewetzt werden muß. Geöämpste Revolutionen. von Hans Klabautermann. Die nach modernen Gesichtspunkten arrangierten Revolutionen eirtdehren der Hitzigkeit, die man früher anzuwenden beliebte. Eine der gedämpften Revolutionen, die die Geschichte zu verzeichnen hat, stellt die Fascistenerhebung in Italien dar, deren erster Geschäfts- führer Mussolini ist. Diese Revolution hat dem liebenswürdigen Entgegenkommen des italienischen Königs ihren Erfolg zu verdanken. Mussolini wollte sich dem König vorstellen, dessen Einverständnis zur Revolution er haben mußte. Aber olle seine Versuche, bei seinen Gesinnungsgenossen zu diesem Zweck Bratenrock und Zylinder zu entleihen, schlugen fehl. Sie hatten all« nur Hemden, die noch c.azu bereits fidwvrz waren. Li« Revolution drohte zusammenzu- brechen, da faßte er sich endlich ein fterz.{türmte, wie er ging und stand, zum König und sprach:„Ich bitte um Verzeihung, Majestät, wenn ich mich in schwarzer Blu'e vorstelle." Das war die erste offizielle Kundgebung des Fascistensührers: der Reoolutionshisto- riker wird sich die denkwürdigen Worte merken müssen. Glücklicher- weise nahm der König an der Aufmachung Mussolinis keinen An- stoß— ein Zeichen hoher sittlicher Würde—, und so tonnte der Umsturz seinen Fortgang nehmen. Hier sieht man wieder, welch wichtige Roll« tm Weltgeschehen der monarchisch« Gedanke spielt. Hätte der König, engherzig den Regeln der Etikette folgend, Musso. lini hinausgeworfen, so stände e» heut« faul um den Fascismus, und die- Kulturgeschichte wäre um eine Tat ärmer. Anfangs hatte der König übrigens die ewigen Quengeleien der Fascisten mit Miß- trauen beobachtet. Als ihm aber noch dem Gelingen der Revolu» tion der Vizepräsident der Fascisten, de Vecchi, versicherte daß der Fascismus die Monarchie respektieren werde, da fiel ihm ein Stein vom Herzen, und er umarmte Herrn de Vecchi sehr bewegt Denn mit dieser Zusicherung schien ihm das Volkswohl am besten gewähr. leistet, worauf es bekanntlich einem König stets allein ankommt. Was den Kulturfortschritt anbetrifft, den der König durch die Ge. nehmigung der Revolution angebahnt hat, so hoben die Fascisten bereits zwei hervorragende Leistungen aufzuweisen. Dem nativ.> nalistischen Abgeordneten Misuri gebührt das Verdienst, die Rickjtung! herausgefunden zu haben, der die Zukunft gehört.„Es handelt sich jetzt", so lautete sein erlösendes Wort,„um die Erhebung des natio- nalen Geistes, der seiner imperialistischen Bestimmung zustrebt." Diese Lehr« au» dem durchschlagenden Erfolg des Imperialismus zu ziehen, dem ja auch der für alle Teilnehmer überaus wohltätige Weltkrieg zu verdanken ist. hatte die Menschheit bisher vergessen.( Die zweite große Leistung des Fascismus ist in der Programmrede Mussolinis ausgesprochen. Unter seiner Regierung habe das Pro- letariat nichts zu befürchten, sondern alles zu gewinnen, sagte er, und schaffte darauf den Achtstundentag ab. Dieser neuen sich allmählich bahnbrechenden Richtung gab In England, wo ebenfalls eine Regierungsumbildung stattgefunden hat, der Premierminister Bonar Law ein« ander«, originelle Fassung. In seiner ersten öffentlichen Rede wandte er sich gegen die von Lloyd George geübte Gepflogenheit, jede große Frage in Angriff zu nehmen. Der Wechsel, den er beabsichtige, werde darin bestehen: Er wolle nur die Aufsicht führen, die Arbelt aber den an- deren überlassen. Auch in Deutschland gewinnt das Bestteben, nur die Aufsicht zu führen, in den bürgerlichen Kreisen immer mehr Anhänger. Dies« samose Idee, das Volk zu beglücken, segelt hier unter dem Schlag- wort„Beseitigung des Achtstundentages", was für eine Republik immerhin bemerkenswert ist. Sehen wir daher zu, was sich sonst noch Republikanisches in der letzten Zeit ereignet hat! Wir hatten einen Gotteslästerungs- und einen Fechenbach-Prozeh. Fechenbach war bekanntlich früher Eisners Sekretär. Nach Eisners Ermordung hat er es verabsäumt, sich den Mördern ebenfalls zur Verfügung zu stellen. Unter diesen Umständen darf es nicht wundernehmen, wenn er sich in Bayern keiner Sympathien erfreut und die Mehr- heit des Landtage», die Demokraten«inbegriffen, das Zuchthaus- urtell für ganz gerecht hält. Der Ausschuß der Berliner Studenten- schaft hat die offizielle Beteiligung an der Gerhart-Hauptmann-Feier in der Universität mit Mehrheit abgelehnt. Hauptmann habe, das war die Ansicht der Studentenschaft, durch sein politisches Hervor- treten das Vertrauen weiter Dolkskreife verloren und könne als Republikaner nicht mehr für einen charakter- vollen Deutschen gelten. Aus dem rücksichtsvollen Ver» ständnis, das wir einem solchen Geist liebevoll entgegenbringen, geht hervor, daß es nicht nur gedämpfte Revolutionen, sondern auch gedämpfte Republiken gibt._ kleine» Theater:„Die Anmorallschen". Lothar Schmidt, der schon immer zwischen Schwank und Komödie hin- und her- lavierte, kann sich auch in diesem seinem neuen, unter Georg Altmans Regie aufgesührten Lustspiel„Die Unmora» l i f ch e n" nicht so recht zu einem ernsthaften Komödienstil ent- schließen: wenigstens nicht m dem, was das„Kleine Theater" vor- setzte. Wie in der„Venus mit dem Papagei" greift er auch diesmal in die Zeit hinein. Aber fein« Satire ist heute wesentlich zahmer. Die„Moralischen" als die Unmoralischen und die Unmoralischen als die Gefunden und Lebenskräftigen aufzuweisen: das Ist gerade keine neue Idee, auch wenn ein Konsistorialrat einem berühmt ge. wordenen Anstoßnehmer nachgebildet wird. Aber die Meinungen Schmidts vom Leben und Tierchen im Menschen sind anständig, und diese Schwankfiguren haben hin und wieder Momente, in denen so etwas wie eine menschliche Atmosphäre um sie schwingt. Sind das auch nur Augenblicke, die nicht ausklingen können, weil der Schwankmachcr andere Wirkungen herausschlagen will, so genügen diese Llitzlichterchen zusammen mit der heiter-saubcren Gesinnung doch, um das Lustlpielchcn bei aller seiner Magerkeit als liebenswert erscheinen zu lassen. Zu diesem Eindruck trugen in erster Lini« der „scharman!«" Erich Kaiser-Titz als auigeklärter Vater und di« schlichte jungfräuliche Mutter Carola Toelle bei, während F a l k e n st« j n als brunnernder Konsistorialrat feine guten Hu- !�l>r« spielen ließ und Olga Limburg das Hürchen, das den "'ss'ststoriolratssohn ehelicht, mit Witz machte. Im Reigen der fran- zosischen Posten eine kleine Erholung.> O. E. H. Zweite, Festkonzert de» Vezirksbildungsavsschosse«(Kammer- «"l1' Beethoven-Schubert). Das berühmte Septett Beethovens(für Geige, Bratsche, Cello, Baß, Klarinette, Fagott und Horn, Es-Dur, 20. Werl), einer Kaiserin Maria Theresia vom Kom- pomsten gewidmet, bewies seine Jahrhundert« überdauernde, zeit- und raumlos», tn all«n Menschenherzen und-ohren klingend« Schönheit wieder am letzten Sonntag, vor kunst- und mustkliebender Arbeiterschaft gespielt. Und wie der musikalisch herb-süße Beethoven, so auch der zart-melancholtsche Schubert: Oktett(für zwei Geigen, Bratsche, Cello, Baß, Klarinette, Fagott und Horn, F-Dur, 166. Werk), des großen Beethoven groß-kleiner Zeitgenosse.— Die Ausführung dieser wohl bedeutendsten Kammermusik lag in den Händen der Kammermusik-Bereinigung der Staatsoper. Mit hin- gtchender Liebe, tiefstem Einfühlen und in bester Technik brachten die Künstler� diese beiden Werke zu Gehör: eine Wirkung auf die Zuhörer erzielend, die in feierlicher Stimmung ihren inneren und in stets wiederholtem Beifallsdank ihren äußeren Ausdruck fand.— Gesamtcindruck: beste Kunst in jeder Form, die da vergessen macht der Zeitläufte Widerlichkeiten, die uns erttäumen läßt Poesie ver- klungener und erhoffen läßt den arbeitsfreudigen Rhythmus einer freien, einer sroh-genießenden Zeit, das alles im allerbesten Sinne der Worte. Maria Somarowa. die berühmte russische Bolkslieder-Sängerin. lang im Bruder-Bereinshaus vor einem recht kleinen Publikum. Warum ihre Landsleute nicht-da» Haus stürmten, begreift man nicht, wenn nian dies« herrliche Künstlerin einmal gehört hat. Nach n 0rtm*n, Aolkettagodm Warja P anina und der temperament- vollen Wjalzowa durfte wohl kaum jemand in Rußland Volkslieder und Balladen so singen wie Maria Komarowa. Ob sie„Nascka ultza bringt oder„Etsenka Rasin" oder irgend eine schmachtende Romanze, sie steht da mit halb geschlossenen Augen und singt die weite senttmentale Welt der Schmerzen und der Liebe in sich hinein und in die Lufie hinaus, nichk vor Menschen, sondern vor Gott und �wr. S-e smgt das russische Volk, und das ganze berauschte ruf, ische Volk singt au, ihr. Sie jauchzt, sie schreit, sie lacht, sie er- zahlt und deklamiert wie im Melodram, und wir weinen mit und vergessen Konzert und Eleganz.— Neben ihr spielte der ausgezeich. ncte Geiger Meremblum und riß hin durch seine sabelhast leichte Technik. Seele und große Auffassung hätte er sich allerdings ein wenig von seiner großen Partnerin borgen dürfen. Wer soll auch neben ihr standhallen?— Und der Pianist P o k r a s z phantasierte neben und unter den Liedern hin und trug die Stücke der Komarowa auf leichten und verttäumten Arpeggien fort und paßte sich der einzigeti Künstlerin einzig an. A. N. Stmntags-Sonzert im Adwiralspalast. Am Sonntag konzer- tiert« im Admiralspalast die Kapelle der Staatsoper unter Schillings' Leitung. Da» Programm war halb auf Oper kzib auf absolute Musik«wgestelll.«in Brauch, der sich bei diesen Sonn- tagskonzerten einbürgern zu wollen scheint. Mag man es im allge- meinen auch vorziehet,, daß der Trennungsstrich zwischen beiden Kategorien im Konzertsaal schart gezogen wird, so ist«s vielleicht doch gut, bei den senntäglichen Veranstaltungen eine Ausnahme zu gestatten, da die Teuerung wei en Kreisen der»evölkerung den Be- such der Oper unmogl� mach: und auf diese Weis, einer völligen Enisremdunq zwischen Volk und Musikdrama entgegengearbeitet wird. Ein interessantes Experiment war Schillings' Wiedergabe der E- M o l l- S y m Phon'«°°n B e« t h o o e n. Da- Orchester wurde ganz auf absolut- Musik eingestellt, der heroisch-tragische S-'- halt des Äerte» absichtlich stark zuruckgedämmt, um mit desto ftraffe- rer Disziplin alle» aufzeige« zu können, was an musikalischer Linien- führung. an dynamychen Energien, an thematischen verp lechtuagen und kontrapunltischen Feinheiten in dem Werk lebt. Im ganzen eine Umschichtung aus dem Gefühlsmäßigen in das Intellektuelle. Man kann über diese Auffassung nicht streiten. Sie ist Sache des Tempe» raments und der Persönlichkeit. Und in ihrer Art war die Wieder- gäbe vollendet. H. L. Theaterskandal in Brandenburg. Sonntag abend, vor Beginn der Vorstellung, hat sich im Stadttheater zu Branden- bürg ein großer Skandal zugetragen. Infolge Differenzen zwi- schen der Direktion und den Schauspielern über Gehaltssragen wollten die Schauspieler ihre Angelegenheit vor die Oeffentlichkeit bringen und von der Bühne herab oertreten. Als der Vorhang aufging, oersuchte«in Schausvieler die Forderungen der Schau- spieler vorzutragen. Der Direktor rief:„Vorhang runter!' Dabei karambolierte der Schauspieler mit dem Direktor Meyersieden und geriet mit einem Fuß in den Souffleurkasten, von wo er, um einen Unfall zu vermeiden, in den Zuschauerraum springen muhte. Nachdem auch der eiserne Vorhang niedergelassen war, begab sich das noch unkostümierte Personal in den Zuschauerraum und oertrat dort feine Forderungen gegenüber dem Publikum. Das Publikum nahm Partei für die Darsteller und veranstaltete sofort eine Samm- lung, die 17 0l>0 M. ergab. Die Direktion mußte infolge der be- droylichen Haltung das Feld räumen. Die Vorstellung begann anderthalb Stunden später. Ein zeitgemäßer Lehrstuhl. Die„Kölnische Zeitung" meldet aus Paris: Auf Beranlafsung der französischen Gesellschaft zur Erforschung der Kriegsgeschichte hat die Universität in Paris, me Sorbonne, einen Lehrstuhl für die Geschichte des Weltkrieges(!) eingerichtet. Zum Profesjor wurde P c- nouoin ernannt, der bis jetzt in der geschichtlichen Abteilung des Kriegsmimsteriums für Propagandazwecke tätig war. Medizinische Arbeilsslättea. Auf Anregung des Professors Paul Straßmann in Berlin geht man an unseren Unoersitäten jetzt daran, für die Studenten, die in der jetzigen Zeit über kein warmes Zimmer und keine Lehrbücher oerfügen, össentliche Arbeitsstätten einzurichten. In erster Linie werden solche für Mediziner beschafft. Universitätslehrer. Autoren. Verleger werden gebeten, verfügbare Bücher herzugeben, auch allere Lehrbücher, die sich m Händen von praktischen Aerzten befinden, baden noch ihren Wert In Berlin sind ,n den Räumen der ehemaligen Kaiser-Wühelms-Akademic Lesezimmer für Mediziner eingerichtet worden, und der Kandidat der Medizin Ehlens von der ersten Klinik der Charite hat es über- nommen. Bucher für den Zweck zu sammeln. An anderen Hoch- schulen wird man diesem Beispiele folgen, das Bedürfnis ist überall dasselbe, und nicht nur für Mediziner allein. ■» Ä'ÄPÄ'v.�iaa.r.s-,'S ss»» �.Meri'cher Leiter Fritz Wwdilch). Mittwoch< � US aal im c?>olr,an.Steinwe-,-'t-iMmeimi>sirsaal. Bellevu«. al...r Ponril sh,'�'"o, 3ut Ulaujsührung gelangen Werke ««» Ausführende: Alexander Borowsch �Klavier), Ai.na(Gesang), Ltreichtrto(Roth,-äpch, Franke). Wir bitten die Reichstagsparteien, ln der schweren Not des Vater- landes an diesem Werk mitzuhelfen, und zwar rasch. Die sächsische Industrie setzt sicy mit dieser Kundgebung in Widerspruch mit der Politik der Schmerindustrie, die Sorge hat. sie könnte bei einer Markbesserunz ihre Schulden nicht mit entwerteter Mark zurückzahlen. Die Geschästsorönung öes Reichstags. Präsident Lobe eröffnet die Montagssitzung mit der Bekannt- gäbe einer Beschwerdeschrift des Abg. G r u b e r(Soz.). Bei der Haussuchung in der Redaktion der„Münchener Post" hat die Po- lizei den Schreibtisch des Abgeordneten erbrochen, worin er eine Verletzung der Immunität des Abgeordneten erblickt. Die Beschwerde geht an den Geschaftsordnungsausschuß. In der fortgesetzten Beratung des Geschäftsordnung beantragt Abg. Brodauf(Dem.), dem Arltesten.'chuß das Recht zu geben, die Verweisung von Gesetzesvorlagen an einen Ausschuß ohne erste Lesung beschließen zu können. Abg. Geyer(Soz.l widerspricht dem Antrag, der nach einer Debatte abgelehnt wird.— Ein Antrag der Sozialdemokraten und Kommunisten, in§ 41 die zur Unterstützung an Entschließungen notwendige Zahl der Abgeordneten von 30 auf IS herabzusetzen, wird im Hammelsprung mit 130 gegen 105 Stimmen angenommen. Dieselbe Aenderung wird auch in an- deren Paragraphen beschlossen.— Die Demokraten wollen der Ge- schäktsordnung einen§ 48a einfügen. Der Aeltestenrat soll die Reihenfolge bestimmen, in der die einzelnen Teile des Haushalts- plans beraten werden sollen und für diese Beratungen einen Zeit- räum festsetzen, nach deren Ablauf sie ohne weitere Erörterung durch Abstimmung erledigt werden. Ist der Haushaltsplan bis zum 15. März nicht vollständig abgeschlossen, so werden die noch nicht er- ledigten Teile in derselben Weise erledigt. Der Antrag wird ab- gelehnt. Bei der Abstimmung über§ 55 ergibt sich im Hammelsprung die Beschlußunfähigkeit des Hauses. Präsident Löbe beraumt die nächste Sitzung auf Donnerstag nachmittag 5 Uhr an. Auf der Tagesordnung steht: Die Entgegennahm« einer Erklärung der Reichs- regierung und die Fortsetzung der Aussprach« über die Geschäfts- ordnung._ Volksabstimmung ln ganz Hannover. Wie bekannt, planen die Deutschhannovcraner eine Volksabstimmung in den Negierungs- bezirken Stade und Lüneburg, um die Trennung von Preußen herbeizuführen. In den Kreisen der preußischen Regieriingsparteieu wird, wie die PPN. hören, der Gedanke erwogen, die Abstimmung über die Frage des Verbleibens bei Preußen oder der Trennung von Preußen für ganz Hannover herbeizuführen. Lebensmittelkrawalle in Draunsthweig. Braunschwcig, 20. November.(MTB.) Nach einer Versamm- lung auf dem Hagenmarkt zog in den Abendstunden ein größerer Trupp meist jüngerer kommunistischer Elemente durch die Straßen vor Lebensmittel- und ander« Geschäfte, offenbar in der Absicht, Gewalttätigkeiten zu begehen. An einem Lebensmittelgeschäft wurde die Fensterscheibe eingeschlagen und die Auslagen zum Teil geraubt. Durch schnelles Eingreisen der Polizei, die die Menge in Fluß hielt, konnten größere Ausschreitungen verhindert werden. Eröffnung öes Unterhauses. London, 20. November.(MTB.) Das Unterhaus trat heute zur Wahl des Sprechers zusammen. W h i t l e y wurde einstimmig wiedergewählt. Die Konservative Partei nimmt jetzt sämtliche Bänke auf der Regierungsseite des Hauses ein, während die Oppo- sitionsfeite unter die Arbeiterpartei, Liberalen und Nationalliberalen verteilt ist. Der Arbeiterführer Clynes beglückwünschte Whilley zu seiner Wiederwahl und sagte, die Arbeiterpartei habe ebenso viel Achtung vor der Autorität des Parlaments wie irgendeine andere Partei und werde mithelfen, die Autorität und üjürde des Sprechers zu unterstützen. Genosse Eduard Bernstein, der gestern nachmittag an den Der- Handlungen der Reichstagsfraktion mit gewohnter Lebhaftigkeit An- teil nahm und später der Plenarsitzung beiwohnte, sollte am Abend in der Lessing-Hochschule in Chorlottenburg einen Vortrag halten. Ehe er jedoch zum Sprechen kam, erlitt er einen Ohnmachts- a n f a l l. Es wurde der Arzt der nächsten Rettungswache herbei- geHoll, der die Ueberführung des Erkrankten in seine Wohnung anordnete. Wir hoffen, daß der alte Kämpfer sich von seinem Unfall, der die offenbare Folge eines rastlosen Arbeitseifers ist, rasch wieder erholen wird.— Wie wir zu unserer Freude vernehmen, hat sich das Befinden des Patienten, nachdem er nach Hause gebracht worden war, schon wieder bedeutend gebessert. Bulgarische Bkinister durch Volksentscheid angeklagk. Bei der Volksabstimmung sprachen sich 75 Proz. der Abstimmenden dafür aus, daß die Mitglieder des Kabinetts Geschow Danew, M a l i n o w und K o st u rk o w in den Anklagezustand versetzt würden. Päpstlicher Nuntius in München wird Monsignore V a f f a l l o für Pacelli, der Nuntius in Berlin bleibt. Schwermüuftm unö Währungspolitik. Mit erfreulicher Offenheit hat der Schwerindustrielle und Zentrumsabgeordnete Peter K l ö ck n e r die Gründe bekannt- gegeben, die die Schwerindustrie zu chrer Gegnerschaft gegen die Markentwertung veranlassen. Er führte auf der Hauptversammlung der Maschinenbauanstalt Humboldt in K ö l n- K a l k u. a. aus: Unsere Gesellschaft ist zurzeit mit Aufträgen noch reichlich ver- sehen. Sie reichen für alle Werkstätten bis in den Sommer hinein. Für den kommenden Winter ist also Arbeitslosigkeit nicht zu be- fürchten. Es läßt sich jedoch nicht verkennen, daß die Inlands- auftrüge rasch nachlassen, weil die Besteller die durch die Geldentwertung scharf gesteigerten Preise nicht mehr bezahlen können. Die Geldentwertung verursacht auch die größten Schwierigkeiten insofern, als jeder Monat durch die fort- währenden scharfen Steigerungen der Löhne, Gehälter und der Materialpreise well größere Ausgaben als Einnahmen bringt. In- folgedefsen sind wir in große Bankschulden geraten, welche den Höhepunkt noch nicht erreicht haben. Die Derwallung bemüht sich, einen Ausgleich durch starken Export herbeizuführen. Es ist selbstverständlich, daß es unter den obwaltenden Umständen ganz unmöglich ist, für das laufende Geschäftsjahr irgendeine Voraussage zu machen. Wenn wir dies tun würden, dann könnte diese nur noch der schlechtesten Seite lauten, weil die Markentwertung gerade für die Betriebe, bei welchen die Ware bis jetzt neun Monate in der Fabrikation ist, die größten Gefahren in sich birgt. Die Verluste, welche bei einer plötzlichen starken Aenderung der Währung entstehen können, lassen sich freute gar nicht übersehen. Wir blicken deshalb mit großer Sorge in die Zukunft. Unrichtig an der ganzen Darstellung ist nur, daß Löhne unb Gehälter so große Bankschulden nötig gemacht haben. Diese sind der allgemeinen Teuerung gefolgt, währenh die Preise der von der Schwerindustrie gelieferten Rohstoffe trotz niedriger Löhne und Kohlenpreise sieghaft der Valuta vorangeeilt sind. Hier und in der Verteuerung der Aus- land'srohftoffe infolge des Sturzes der Mark, den die Schwer- induftrie verewigen will, liegen die Ursachen der Verteuerung für den Maschinenbau. Das weiß Herr Klöckner, der Fachmann, nicht aber Herr Klöckner, der Interessent. In welchem Umfange die Bankschulden nicht durch Gründe der Produktion, sondern durch Rohstoff- Hamsterei, Erwerb von Beteiligungen usw. herbeigeführt sind, läßt sich nicht übersehen. Jedenfalls ist es offenkundig, daß sie nicht von einer Unterbilanz der Produttion herrühren. Sonst hätte die Maschinenbauanstalt Humboldt in diesem Jahre keine Dividenden verteilen dürfen. Statt dessen hat sie ihre Dividende von 10 auf 20 Proz. erhöht. Die Banken, die die Kredite gewährt haben, haben sie sicherlich nicht zur Ausschüttung von Dividenden hergegeben. Hier also stimmt etwa? nicht. Und unsere Vermutung, daß starke Eindeckungen in Dollar, Rohstoffen oder Angliede- rungen von Unternehmungen die Sorge der Schwerindustrie vor der Markbesserung verursacht haben, wird durch Herrn Klöckner bestätigt. Rur für schwerindustriellen Profit dürfen die Masten hungern und— mehr arbeiten! Nicht wahr, Herr Stinnes? Die»erarbeitende Industrie für Markstiitzung. Der Verband Sächsischer Industrielle? richtet folgendes Telegramm an die Reichstagsfraktionen der bürgerlichen Parteien: Die sächsische Industrie erwartet die schleunige Beendi» gung der jetzigen politischen Krisis, die das deustche Wirtschaftsleben in der denkbar ungünstigsten Zeit getroffen hat und die dringend notwendige wirtschaftliche Entscheidung unheilvoll verzögert. Alles kommt darauf an, zur Stabilisierung der Wirstchaft und der Wäh- rung im Reich zunächst selbst einen Stabilisierungsturs einzuschlagen und Männer zu berufen, die Vertrauen im Auslande be- sitzen und auf Grund ihrer Erfahrungen und Leistungen die Wirt- schaftsfragen unter großen Gesichtspunkten zu behandeln und diesem Ziel alle Kräfte des Volkes gemeinsam dienstbar zu machen wissen. fr Energische Reüe?smet Paschas. Lausanne, 20. November.(WTB.) Die Friedenskon- ferenz in Lausanne wurde heute' nachmittag um 4 Uhr im Casino de Mont Beenon eröffnet. Außer den Delegationen nahmen der französische Ministerpräsident P o i n c a r ö, der italienische Minister« Präsident Mussolini und der englische Staatssekretär des Aeußeren Lord Curzon an der Sitzung teil. Reden wurden nur geHallen vom schweizerischen Bundespräsidenten 5) a a b, Lord Curzon und Ismet Pascha. Bundespräsident staab erklärte, daß die Schweiz hocherfreut fei, auf dem Gebiet« der Aus- dehnung internationaler Verständigung mitwirken zu können, und fuhr fort: Möge die Vorsehung es fügen, daß der griechifch-türkifche Krieg der letzte Akt der furchtbaren Tragödie fei, die Europa und das angrenzende Kleinasien seit einem Jahrzehnt heimsucht, unter deren schrecklichen Nachwirkungen Sieger und Besiegte aus Menschenalter Hinaue zu leiden haben. In dem heutigen Zeitalter des engsten wirtschaftlichen, finanziellen und kulturellen Zusammen- Hangs zwischen den Völkern leiden unter der Krankheit des Wirt- fchastskörpers des einen alle übrigen Mitglieder der Völterfamilie. Daher ist es die Staatskunst der hohen Regierungen, den Triumph darin zu erblicken, nach Beendigung des blutigen Ringens eine Ordnung der Dinge zu schaffen, um einer zukünftigen B e r- s ö h n u n g den Weg zu ebnen, damit die Feinde von gestern wiederum Freunde von morgen werden können. Er schloß- mit den Worten: Friede auf Erden allen, die guten Willens find! Hierauf ergriff Lord Curzon das Wort, indem er nach lebhaften Dankesworten an die Schweiz darauf hinwies, daß vier Jahre lang nach Schluß des Wellkrieges in den Hauptstädten Europas oder anderen Städten der Großmächte Konferenzen stattgefunden haben. Die gegenwärtig« Friedenskon- ferenz finde als erste in einem neutralen Staate statt, der be- sonders vorbildlich für die Friedensbemühungen fei. Er hoffe, daß dies die letzte aller Friedenskonferenzen fein möge. Er stimme der Hoffung des Bundespräsidenten Haab bei, daß alle hier ver- tretenen Länder sich bei den Verhandlungen von dem Geiste der Versöhnung und des Entgegenkommen» leiten lasten Möchten. Er spreche gewiß im Namen aller Delegationen, auf jeden Fall aber im Namen der englischen, wenn er erkläre, daß keine Bemühungen zu groß seien, um den Frieden im Orient herbeizuführen und den Frieden der Welt zu sichern. Als dritter Redner sprach Zsmct Pascha. Er führte ays, daß der Waffenstillstand, der vor mehr als vier Jahren auf der Basis des Vertrauens auf die Wilfonfchen Grundsähe abgeschlossen wurde, nicht den Aeindscligkeilen ein Ende gemacht habe und fuhr fort: Die türkische Narion, die ständig der Wohltaten des Friedens beraubt blieb, erkannte die Unzulänglichkeit und die Unzweckmäßigteit ihrer unaufhörlichen Friedensschritte, mit deren Hilfe sie Recht und Gerechtigkeit zu erlangen suchte. Da ihr keine andere Hoffnung und kein anderer weg blieb, verteidigte sie selbst ihre Existenz und sicherte sich ihre Unabhängigkeit durch ihre eigenen moralischen und materiellen Hilfsmittel. Sie trug dabei zahllose Lasten und brachte zahllose Opfer, denen alle freien Völker ihre Sympathie nicht versagen werden. Alle Türken trugen zu diesem Verteidigungskriege bei. Ich muß dabei an die imauihörlichen Zlngriffe und Leiden erinnern, denen das türkische Volk seit 1918 ausgesetzt war, und an die ganz systematischen und durch keine militärischen Gründe gerechtfertigten D e r h e e- rungsmethoden, mit denen man es im reichsten Teil seines Gebiets ausrollen wollte. Ich erinnere ebenfalls daran, daß heute noch mehr als eine Million unschuldiger Türken obdachlos unv uahrungslos in den Wüsten Kleinasiens umherirren. Dadurch, daß sie diese unmenschlichen Opfer gebracht hat, hat die Türkei ihren Platz in der Kulturwelt mit allen Rechten auf ihre Existenz und Unabhängigkeit erobert, Rechte, die jedes lebensfähige Volk besitzt, vor allem die Rechte auf Arbeit und Tätigkeit. Das höchste Ziel der Großen Nationalversammlung der Türken ist, diese Stellung zu wahren unv zu festigen. Die Ereignisse der letzten Jahre haben im Gewissen der Menschheit die Wahrheit als unerschütterliches Dogma ausgestellt: Der allgemeine Friede und die allgemeine Sicherheit müssen insofern gewahrt werden, als die Nationen gegenseitig ihr Recht auf Freiheit und Unabhängigkeit achten. Ich hoffe, daß die ig in Lausanne. Erinnerung an diese Ereignisse für die Zukunft ein Pfand des Friedens und der Stabilität geben wird, ich hoffe auch, daß die türkische Delegation, die im höchsten Maße von gutem Willen be- seelt ist, bei den anderen Delegationen guten Willen finden wird, und daß damit die Bemühungen der Konferenz ein befriedigendes Ergebnis finden werden. Ismet Pascha schloß mit dem Dank der türkischen Nationaloersammlung an die Schweiz für ihre Gast- freundschoft. Hierauf schloß Bundespräsident Haab die Eröffnungssitzung, indem er die Konferenz einlud, ihre Beratungen am Dienstag vor- mittag im Ehiteau d'Ouchy fortzusetzen. Als griechischer Bevollmächtigter nimmt an der Konferenz bekanntlich V e n i z e l o s teil. Interalliierte Differenzen. Auf den vorangegangenen Besprechungen zwischen P o i n c a r e, Curzon und Mussolini, die am Sonntag in Territet ein«. geleitet und am Montag in Lausanne zum Abschluß gebracht wurden, kam nach zwei offiziösen Kommuniques der gemeinsame Wille zur einheitlichen Haltung zum Ausdruck. Damit dürfte— wenigstens einstweilen— die Gefahr eines Bruches zwischen den Ententemächten bei der Behandlung der Orientprobleme in Lausanne beseitigt sein. Indessen fehlen in den offiziösen Verlautbarungen die sonst üblichen Beteuerungen einer bereits seststehenden absoluten Einigkeit. Daß nicht alle Schwierigkeiten und Meinungsverschiedenheiten zwischen den Alliierten beseitigt werden konnten, geht übrigens aus den verschiedenen Quellen hervor. Bereits pach der ersten Zu- sammenkunft erklärte die„Times", allerdings im Gegensatz zu an- deren Londoner Blättern, die Einigkeit sei noch nicht genügend ge- sichert. Auch die„Daily News" berichteten etwas konkreter über Differenzpunkte, die sich auf die mllitärische Besetzung der Meerengen durch die Alliierten und aus die Stärke der türki- schen Truppenmacht, die in Thrazien zugelassen werden soll. In beiden Fragen nehme Frankreich einen türkenfreundlichen Stand- punkt im Gegensatz zu England ein. Aber auch Italien soll, nach einer„Eca"-Meldung aus Lausanne, Frankreich durch For- derungen, die den D o d e k a n e s, die Zwölfinselgruppe im Aegäi- schen Meere, betreffen, verstimmt haben. Seit der ersten Lau- sanner Friedenskonferenz, die bekanntlich vor zehn Jahren nach dem italienisch-türkischen Kriege stattfand, Hot Italien gewisse An- sprüche auf diese Inseln, die im Gegensatz sowohl zu den türkischen wie auch zu den griechischen Ansprüchen stehen. Ter.freimütige" Mussolink. Rlalland, 20. Nov.(WTB.) Mussolini erklärte Preffeoer- tretern gegenüber, die in Paris zwischen Poincare und Lord Cur« zon sowie Baron Avezzano getroffenen Vereinbarungen hätten für ihn nicht den gering st en Wert, da er den Beratungen nicht beigewohnt habe. Da englische Memorandum umfasse 15 Punkt« und behandle im ersten Teil politische und Gebietsfragcn: im zweiten wirtschaftliche Probleme. Diele Punkte seien für Italien unannehmbar, andere müßten Italien zuerst erläutert wer- den. Hinsichtlich der Teilnahme Rußlands sagte Mussolini, nach seiner den Alliierten dargelegten Ansicht hätte Rußland zu der Gesamtkonserenz zugezogen werden sollen und nicht nur zu einem Teile. Mussolini sagte weiter, in der ersten Zusammenkunft mit den Verbündeten habe er im f a s c I st i s ch e n Stile, d. h. mit aller Freimütigkeit gesprochen. Die Richllinien gegenüber den Türken bestehen nach Mussolini in der Achtung der Rechte der Türkei und der Verhinderung von Uebertreibungen, sowie im Fest- halten an dem Abkommen von M'.'dania. Italien werde den An- spruch Bulgariens auf einen Zugang zum Aegäischcn Meere unterstützen, wolle ober vorher wissen, welche Gegenleistu"-.- Bulgarien dafür biete. Reparakionsbesprechungen in Lausanne? Es wird vielfach oersichcrk, Mussolini wolle in Lausanne auch das gesamte Reparationsproblem mit Poincar- und Curzon erörtern. Der neue Sultan. Sonstonkinvpel, 20. November.(Vena.) Die National- Versammlung von Angara hak den Prinzen Abdul Medjid Essen di. den Sohn Abdul Aziz'— der sich politisch und schrift- stellerisch mehrfach hervorgetoa hat—. zum u e u« n Kalifen gewählt. Gewerkschaftsbewegung Die Antwort der Gewerkschaften. Kommunistische Zerstörungsarbeit. Die Gewerkschaftliche Betriebsrätezentrale des ADGB. und des AfA- Bundes hat am 18. November 1922 an den sogenannten„ Reichsausschuß der Deutschen Betriebsräte", 3. d. d. Herrn H. Grothe, in Berlin, im Auftrage der Gewerkschaften ein Schreiben gerichtet, als Antwort auf ein Schreiben vom 10. Rorember an den Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund, in dem dieser und der AfA- Bund ersucht werden, Vertreter zu dem sogenannten Betriebsrätekongreß zu entsenden. In diesem Schreiben wird zu nächst auf die verschiedenen Aeußerungen hingewiefen, die in den Aufrufen und Reben der Beranstalter dieses angebliche Betriebsrätefongreßes enthalten sind, und die fich alle gegen die Gewerkschaften und deren gewählte und verantwortliche Vertreter in be leidigender Form wenden. 1. a. hat Grothe nach einem Bericht der Roten Fahne" vom 9. September die Bedeutung des Betriebsräterummels hervorgehoben, die darm liege, daß fie die Massen von den Führern löft". In dem Antwortschreiben der Freigeiert schaftlichen Betriebsrätezentrale heißt es dann: ,, Angesichts dieser Tatsachen können wir in Ihrer Aufforderung, Bertreter des Bundes zu Ihrem Rongreß zu entfenden, nur die Abficht erblicken, die Vorstände des ADGB. und des AfA- Bundes zu veranlassen, auf diesem Kongres Rechenschaft über ihre Tätigkeit abzulegen. Dies müssen beide Bundesvorstände aus dem Grunde ablehnen, weil sie nicht Ihnen verantwortlich sind, und weil der von Ihnen geplante Rongreß nicht befugt ist, den ordentlichen Gewerkschaftstongreffen des ADGB. und des AfABundes die Begutachtung und Entscheidung über die Tätigkeit der beiderseitigen Bundesvorstände abzunehmen. Wie Sie im übrigen selbst wissen, wird Ihre Ansicht über die Tätigkeit der Gewerkschaftsleitungen auch keineswegs von der Maffe der Gewerkschaftsmitglieder geteilt. Ebensowenig von der Masse der Betriebsräte. Sie haben nicht das geringste Recht, im Namen der Masse, weder der Betriebsräte noch der Gemert schaftsmitglieder zu sprechen. Dagegen sprechen und handeln Sie offenfundig im Namen und auch im Auftrage der Kommunistischen Partei, von der jedermann weiß, daß sie die Notlage der Arbeiter und Angestellten ausnügen möchte, um durch Irreleitung der Betriebsräte ihre Parteibestrebungen zu fördern. Nicht Ihr Reichsausschuß", sondern die Kommunistische Bartei ist der wahre Arrangeur des geplanten Rongreffes, von dem der Ausschuß des ADGB. in seiner Septembertagung des halb mit Recht festgestellt hat, daß er lediglich kommunisti fchen Parteizweden dienen soll. Ueber das Verhältnis der Gewerkschaften und der Betriebsräte zueinander und über die gegenseitigen Aufgaben hat der Gewert fchaftstongreß zu Leipzig im Juni d. J. verhandelt und Beschlüsse gefaßt, die uns binden, und die um so mehr zu Recht bestehen, als auch fein Betriebsrat bisher Einwendun gen gegen fie erhoben hat. Die Betriebsräte und wahrscheinlich auch Sie selbst wiffen außer Die Betriebsräte und wahrscheinlich auch Sie selbst wissen außer dem, daß ein Kongreß gar nicht imftande ist, außer papiernen Refolutionen" etwas gegen die Teuerung auszurichten. Jedenfalls nicht entfernt soviel, als es dem stetigen Einfluß der Gewerk fchaftsleitungen, gestützt auf die Einsicht und den entschloffenen Willen der Mitglieder, möglich ist. Dem Schuße des Achtstundentages wird ein fommunistischer Betriebsrätefongreß, der bewußt die Mitglieder gegen ihre eigenen Führer aufbringen, also die Einigteit in den Gemert schaften stören foll, am allerwenigsten förderlich sein. Gegen über der Beschuldigung, daß die Gewerkschaftsführer den Achtstun dentag preisgeben wollen, verweisen wir Sie nur auf die letzte Nummer der Deutschen Arbeitgeber- Beitung" vom 11. November, bie aus Berichten der Gewerbeinspektoren ausdrücklich feststellt, daß gerade die Gewerkschaften thi mit aller Energie für die Durchführung des Achtstundentages wirken. Außerdem hat doch der große Metallarbeiterkampf in Süddeutsche land der Erhaltung des Achtstundentages gedient. Die fämpfenden füddeutschen Metallarbeiter sind hierbei von allen Gewerkschaften unterstügt worden. Der Borfißende des ADGB., Genoffe Leipart, hat als Sachverständiger im Reichswirtschaftsrat eindeutig feine Stellungnahme und damit diejenige des ADGB. für den Achtstundentag erklärt. Daneben spielt es feine Rolle, wenn die Herren Linde mann, Kalisti, Mar Cohen etwa für einen Abbau des Achtstundentages eintreten, da diese nicht im Auftrage der Gewerkschaften gehandelt und einen derartigen Anschein auch gar nicht erweckt haben. Wie die Gewerkschaftsleitungen die Kommunistische Partei und thre Breffe nicht an ihren täglichen Berunglimpfungen hindern können, so haben sie auch nicht die Möglichkeit, Sie von Threm jezigen Borhaben abzuhalten. Unsere Verantwortung vor dem Interesse der deutschen Arbeitnehmerschaft gebietet uns aber, Shnen zu fagen, daß Ihr Vorgehen insbesondere in der jetzigen schweren Notzeit unverantwortlich und aufs scharffte zu verurteilen ist. Aufschwung der freien Gewerkschaften. = Lohnvereinbarung im Friseurgewerbe. Arbeitnehmerverband des Friseurs und Haargewerbes, Zweigverein Berlin. Das am 1. Oktober erfolgte Ausscheiden des Zentralverbandes Bei den Berhandlungen am 17. November wurden folgende ber Angestellten führt trop wiederholter Berichtigungen noch Wochenlöhne als Mindestlohne bereinbart: Für Herrenfriieure manchen zu falschen Schlüssen über die Mitgliederbewegung im 3000 M., Damenfriseure 3150 M., Friseusen 3000 m., Haararbeiter Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund. Man rechnet diesem und Arbeiterinnen 3350 M., qualifizierte 3400 M., Einrich: er und einen Verlust von 280 100 Mitgliedern heraus. Das ist unzu Präparateure 3655 M., Handpflegerinnen 1935 M. Der Stunden= treffend. Im Gegenteil haben die dem ADGB. angeschlossenen lohn für Aushilfen beträgt für Herrenfrifeure 75 M., für DamenBerbände am Ende des Jahres 1921 gegen 1920 eine 3 unah me friseure 80 M. Die bisher bestandenen Abmachungen des Urlaubs an Mitgliedern zu verzeichnen. Scheidet man die Mitgliederzahl bleiben bestehen. Bessere Arbeitsverhältnisse dürfen nicht verdes Zentralverbandes der Angestellten mit 363 521 am 31. Dezember schlechtert werden. 1920 aus der Gesamtmitgliederzahl von 8 032 057 aus, so ergibt sich für die übrigen Verbände eine Mitgliederzahl von 7 668 536. Da diese Verbände am Schlusse des Jahres 1921 einen Mitgliederbestand von 7751 957 hatten, so ergibt sich eine Zunahme von 83 421 Mitgliedern. Bergleicht man die Jahresdurchschnittszahlen, so ergibt sich ohne den Zentralverband der Angestellten für die übrigen Berbände von 1920 im Jahresdurchschnitt eine Mit- geteilt: gliederzahl von 7513 702 gegen 7 558 718 Mitglieder im Jahre 1921, also eine 3unahme von 45 016. Rechnet man die Mitgliederzahl des Zentralverbandes der Angestellten mit 313 080 am Schluffe des Jahres 1921 dem Mitgliederbestande der Verbände des ADGB. zur gleichen Beit mit 7 751 957 zu, so ergibt sich eine 3 unahme von 32 980 Mitgliedern. Man mag also die Zahlen nehmen wie man will, mit oder ohne Zentralverband der Angestellten, im Jahresdurchschnitt oder am Schlusse des Jahres, in jedem Falle ergibt sich eine Zunahme an Mitgliedern. In der Schokoladen- und Zuckerwarenbranche. Von Zentralverband der Bäcker und Konditoren wird uns mitIn der Lohnbewegung in der Schokoladen- und Zuderwarenbranche hatte das Reichsarbeitsministerium eingegriffen. Die Unternehmer lehnten jedoch das Reichsarbeitsministerium als Spruchinstanz ab. Darauf lud das Reichsarbeitsministerium die Unternehmer zu einer Einigungssigung, jedoch ohne eine Verständigung erzielen zu fönnen. Das Reichsarbeitsministerium hat es darauf abgelehnt, einen Schiedsspruch zu fällen. Die verantwortlichen Instanzen des Reichsarbeitsministeriums waren der Auffassung, daß das Reichsarbeitsministerium, nachdem es die Angelgenheit an sich gezogen hatte, sie auch durchführen müsse. Bon dieser Meinung scheinen die nachgeordneten Instanzen abgekommen zu sein. Eine schriftliche Begründung der Ablehnung ist trotz Versprechens vom Reichsarbeitsministerium bisher noch nicht an die Organisation gelangt. Richtig ist, daß in den ersten drei Vierteln des Jahres 1921 Berlust an Mitgliedern eintrat. Am Ende des Jahres war der Berlust jedoch nicht nur ausgeglichen, sondern noch ein Gewinn zu verzeichnen. Die Zunahme an Mitgliedern hat auch in den erst en zwei Bierteln des Jahres 1922 angehalten. Am Schluffe des zweiten Viertels war eine Zunahme von 217 695 MitBerbindlich erklärte Tarifverträge. Durch Verordnung des gliedern über dem höchsten Stand vom Jahre 1920 vorhanden. Reichsamts für Arbeitsvermittlung sind nachstehende Tarifverträge Berglichen mit dem niedrigsten Stande im Jahre 1921 betrug die für allgemein verbindlich erklärt worden: Geschäftszeichen VI 1310/40 3 unahme 577 928 Mitglieder. des am 31. August 1922 abgeschlossenen Nachtrages zum Tarifvertrage für die Pelzwarenbranche mit Wirkung vom 1. Auguft Geschäftszeichen VI 1108/56, bie am 22. Juli 1922 und am 24. August 1922 abgeschlossenen Nachträge zum Tarifvertrag für die Textilindustrie, Färbereien und chemischen Wasch= anstalten mit Wirkung vom 1. Juli 1922 bzm. 1. August 1922. Geschäftszeichen VI 545/59, die am 14. August 1922 und 28. August 1922 abgeschlossenen Nachtragsabkommen zum Tarifvertrage für die Damenwäsche und Schürzenbranche mit Wirkung vom 1. Juli 1922 bzw. 1. August 1922. Aus diesen Zahlen ist zu entnehmen, daß der Stillstand bereits am Ende des Jahres 1921 wieder aufgehört hat und seither eine nicht unbeachtliche Zunahme an Mitgliedern eingetreten ist. Streit in den Kohlengroßhandlungen. 1922. Auskunft erteilt der Zentralverband der Angestellten, BelleAlliance- Str. 7/10 und Kommandantenstr. 63/64. = Durch einstimmigen Schiedsspruch des Schlichtungs: ausschusses, an dem drei Vertreter des Berliner Kohlengroßhandels auf und Kutschern für die Zeit vom 3. bis 16. November 1922 die bisVorschlag der Arbeitgeber mitgewirkt haben, waren den Arbeitern her bestehenden Stundenlöhne um 80 Proz., d. h. auf 225 mM., erhöht worden. Die drei Vertreter des Verbandes der Berliner Rohlengroßhändler, die als Beisiger tätig waren, müssen demnach bis 15. November 1922 werden die Affordbasen um 135 Proz. Achtung, Chirurgiemechanit! Mit Wirkung ab 29. Oktober funden haben, denn sonst wäre ihr Einverständnis nicht erklärlich. 18 Jahre und Frauen über 18 Jahre um 135 Pro3. diefen Lohnfaz für angemeffen und der Billigfeit entsprechend be. 85,85 M. und 70 M. fester Stundenzuschlag für Männer über Seitens der Arbeitnehmer wurde die Annahme des Schiedsspruches und 50 M. fester Stundenzuschlag erhöht. 52,75 M. erklärt, die Arbeitgeber hingegen lehnten ab. Verhandlungen vor dem Demobilmachungsfommissar führten zu feinem Ergebnis. Männer über 18 Jahre um 150 Broz. Ab 16. November bis auf weiteres werden die Affordbasen für € 91 M. und 100 M. fester Erneut in letter Stunde nachgesuchte Berhandlungen, um eine abermalige Aussprache über die strittigen Fragen herbeizuführen, Stundenzuschlag, Frauen über 18 Jahre um 150 Broz. 57 M. wurden von dem Verband Berliner Kohlengroßhändler abgelehnt und 70 M. fester Stundenzuschlag erhöht, die anderen Gruppen mit dem Hinzufügen, daß sie nur gewillt wären, den genannten dementsprechend niedriger.. Lohnsatz zu zahlen, wenn die Geltungsdauer bis zum 30. November Der polnische Tegtilarbeiterstreit ist gestern beigelegt worden. verlängert werden würde. Diesem einseitigen Diftat des Verbandes Berliner Kohlengroßhändler, allein über die Lohnhöhe der zweiten Arbeiter und Kutscher um so weniger fügen, da die Kohlenpreise beHälfte des Monats November entscheiden zu wollen, fonnten sich die fanntlich mit dem gestrigen Tage abermals um 50 Proz heraufgelegt worden find, ohne daß man gewillt war, von dem sehr beträchtlichen Mehrgewinn auch den Arbeitern nur den geringsten Ausgleich für die gesteigerten Lebenshaltungskosten zu bieten. Der Vorschlag der Organisation, die ftrittige Angelegenheit erneut einer vereinbarten unparteiifchen Schiedsstelle zu unterbreiten, fand ebenfalls nicht die Zustimmung der Kohlengroßhändler. Damit waren alle Borschläge der Organt fation, die ernstlich darauf gerichtet waren, eine Verständigung herbeizuführen und den tief in das Wirtschaftslehen Berlina eins schneidenden Streit der Kohlenarbeiter usw. zu verhüten, durch das brüste und unverständliche Verhalten der Arbeitgeber abgelehnt. Der Fehdehandschuh ist aufgenommen worden. Die Kohlenarbeiter und Kutscher haben durch diese Provokation die einzig mögliche Antwort erteilt: In allen Rohlengroßhandlungen ruht ab heute die Arbeit In Frage kommen etwa 3000 Beteiligte. Landschaftsgärtner. Vereinigte Sozialdemokratische Partei. Belleibungsarbeiter. Mittwoch vormittag 10 Uhr in der Schulaula Niederwallstraße 12b wichtige Versammlung aller Genoffen und Ge noffinnen der B. G. P. D. des Bekleidungsarbeiterverbandes. Sehr wich tige Tagesordnung. Partei- und Gewerkschaftsausweis legitimiert. R. A. G. Heute 3% Uhr bei Stieg, Ostendstraße, Ede Raiserstraße, Berfammlung aller Mitglieder und Anhänger der B. S. P. D. Das Er fcheinen jedes einzelnen ist notwendig. Deutscher Transportarbeiterverband. Chemische Branche. Heute abend 7 Uhr in willes Festfälen, Sebastianstr. 39, Bollversammlung. In dieser Berfammlung müssen die Agitationsmarten abgerechnet werden. Zentralverband der Argestellten. Angestellte im Einzelhandel. Erneute Berhandlungen mit den Arbeitgebern haben stattgefunden. Das Ergebnis wird in einer großen Versammlung am Mittwoch vormittag 10 Uhr in der Stadthalle, Alofterstraße 47-59, den Mitgliedern des Zentralverbandes der Ange ftellten bekanntgegeben. Rein Mitglied aus dem Berliner Cinzelhandel darf fehlen! Aus der Partei. Einigung auch in Danzig. Danzig, 20. November.( Mtb.) Den Auftakt der seit langer Zeit In einer gut befuchten Bersammlung der Landschaftsgärtner am Sonnabend im Gewerkschaftshaus referierte Kiriche über die Not- ins Auge gefaßten Wiedervereinigung der Danziger SPD. und wendigkeit einer Berbesserung der bestehenden Tariflöhne. Die Lohn. USPD. bildete die am Sonntag vormittag abgehaltene Parteifommiffion hat bei der Verhandlung über die Novemberföhne mit beratung der beiden Parteien. Auf beiden Seiten wurde die den Arbeitgebern eine Vereinbarung getroffen, nach der in diesem Wiedervereinigung einmütig beschlossen. Am Nachmittag folgte ein Monat durchgehend erhalten sollen: Gärtner unter 20 Jahren gemeinsamer Parteitag beider Parteien. Nach programmatischen im ersten Jahre der Branchentätigkeit 120, nach vollendetem 20. Jahre Ausführungen wurde das neue Aktionsprogramm der Partei ge133 M. und nach einjähriger Branchentätigkeit 126 bzw. 140 m. billigt. Es umfaßt: Wirtschaftspolitik, Sozialpolitit, Finanzen, Ber Obergärtner und Anlageleiter 147 M., Arbeiter 113 fassung und Verwaltung, Gemeindepolitif, Rechtspflege, Kultur- und b3. 126 m., Frauen 67 bzw. 74 m. Bei der Abmachung ist aber, Schulpolitik, Völkerbeziehungen und Internationales. wie der Referent betonte, ausdrücklich von der Kommission erflärt worden, daß fie sich vorbehalte, falls die Teuerung wesentlich steigen Berantwortlich für den redakt. Teil: Victor Schiff, Berlin; für Anzeigen: follte, im Laufe des Monats neue der Lage entsprechende Forde- Th. Glocke, Berlin. Berlag Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderci u. Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin, Lindenstr. 3 rungen zu stellen. Hierzu 1 Bellage. Die deutschen Gewerkschaften haben durch die jahrzehntelange Aufbauarbeit der Mitglieder ihre heutige Stellung im Staatsleben errungen und werden, gestützt auf ihre Erfahrungen und die Macht der Arbeiterklasse, nach wie vor ihre Aufgaben selbständig durchführen. Die von Ihnen für die Kommunistische Partei betriebene 3erstörungsarbeit tann die Macht der Gemertschaften wohl schwächen und dem fapitalistischen Un- Da dieser Fall eingetreten sei, habe die Kommission bei den ternehmertum vorübergehenden Gewinn bringen. Arbeitgebern neue Verhandlungen nachgesucht, aber einen ablehnenAber dieser Erfolg Ihrer Tätigkeit wird auch den kommunistisch ge- den Bescheid erhalten. Von der Kommission ist nun der Schlich finnten Arbeitern eines Tages bewußt werden, und wir vertrauen tungsausschuß angerufen worden. Auch die folgenden darauf, daß ihnen diese Erkenntnis nicht erst kommen wird, wenn Diskussionsredner mißbilligten die ableŋrende Haltung der Arbeites zu spät ist." KON LINON Massarygeber. Stoffe für Herren- u.Damen- Bekleidung beste Fabrikate, große Auswahl, Verkauf meterweise Koch& Seeland G Gertraudtenstraße 20-21. Die Dafeinsberechtigung diefer Zigarette, der Beweis für ihre Güte, kommt erfreulich in der ftändig nachfenden Zahl ihrer Anhänger zum Ausdruck G. m. b. H. Delft se edel wie der Name. Nr. 550 39. Jahrgang Beilage des Vorwärts Das unbezogene Bett. Der Wäscheersah in den Berliner Krankenhäusern. Dienstag, 21. November 1922 foll Pfarrer Strudmeier beim Provinzialschulkollegium, das von Lehrern auf Grund ihrer Beobachtungen pflichtgemäß in Kenntnis gesetzt wurde, die Erklärung abgegeben haben, daß der ihm von Rettor Treder ins Haus geschickte Knabe vielleicht irgendeinen privaten Auftrag ausgeführt, aber nicht ihm amtliches Material zugetragen habe. Das Provinzialschulkolle Wäschestücke, ganz gleichgültig, ob sie Tisch oder Leibwäsche Kriege an Wäschemangel litten, seit längerer Zeit aber ist man am ben beschuldigten Rektor Treder vernommen, aber nicht gium hat bei der Untersuchung außer Pfarrer Struckmeier auch repräsentieren, sind bekanntlich heute ein besonders teurer Artikel. Werk, die Lücken auszufüllen und die einzelnen Anstalten so auszu einen der namhaft gemachten Zeugen aus dem LehrerDoch damit nicht genug. Jeder, der seinen namentlich durch die gestalten, wie es das Interesse der Sache verlangt. Bisher hat man follegium verantwortlich gehört, und es hat die Angaben des langen Kriegsjahre ramponierten Wäschevorrat ergänzen will und für zehn Millionen Mark Wäsche gekauft, doch ist damit der Schaden Pfarrers und des Rektors als ausreichend angesehen. Inzwischen durch eine mehr oder minder dicke Brieftasche sich einen solchen Ein- noch nicht zur Hälfte behoben. Am Ende dieses Jahres hofft man ist der dem Lehrerkollegium angehörende ständige Bertreter, der kauf erlauben darf, hat große Schwierigkeiten, neue Wäscheſtücke notwendigen Wäschestücke angeschafft zu haben. Man hat bei der eine andere Schule verfekt worden. Rektor Treder ist aber in allen Berliner Krankenhäusern und Anstalten die durchaus sich um die Aufhellung der Angelegenheit bemüht hatte, plötzlich an zu bekommen. Denn Wäsche ist nicht nur teuer, sondern auch rar, Versorgung der Anstalten mit Wäsche und die großen Berliner Wäschegeschäfte verkaufen an eine Person wohl um Leibwäsche wie um Bettwäsche eine notwendige Reihen- Provinzialschulkollegium nicht auch die Lehrer vernommen hat, ist es handelt sich dabei so- eifriges Mitglied der Deutschnationalen Volkspartei. Warum das immer nur eine ganz bestimmte und kleine Anzahl von Wäsche- folge eingehalten und zunächst die Wäscheausstattung der städtischen uns unerfindlich. stücken. In den Privathaushaltungen fann man sich freilich bis zu Krantenanstalten vervollständigt. Dann kommen die Jrrenanstalten einem gewissen Grad bei dem Wäschemangel helfen und durch immer und die Hofpitäler an die Reihe. wieder neues Stopfen und Flicken der alten und verbrauchten Hemden, Handtücher, Laken und Bettbezüge über die Kalamität hinwegzukommen versuchen. Ganz anders liegen natürlich nach dieser Richtung die Verhältnisse bei den Krankenhäusern. Hier ist im Intereffe der Reinlichkeit der ganzen Anstalt gewissermaßen namentlich für die Stationen, die mit Schwerkranken belegt sind, und für die Kinderabteilungen eine Art Wäschereichtum erforderlich. Keine Wäschenot. Berliner Krankenhäuser waren durch den Krieg ebenfalls in Bedrängnis geraten, und ihre Wäscheausstattung war nicht so vollständig, wie es im Interesse der Hngiene geboten ist. Ein Berliner Blatt hat nun unlängst einen Artikel über die Not der Berliner Krankenhäuser veröffentlicht und dabei einen Alarmruf über den Wäschemangel und die angeblich unbezogenen Betten in den Berliner Krankenhäusern ausgestoßen, der Beunruhigung erregt hat. Wie wir an zuständiger Stelle im Magistrat erfahren, liegen glaublicherweise die Dinge nicht so im argen, vor allem aber geht es nicht an, ron einer Wäschefalamität der Berliner Krankenhäuser zu fprechen. Richtig ist freilich, daß auch die Berliner Krankenhäuser nach dem Immer sparsam. Heute bekam ich einen Brief vom Magistrat. Mir fiel das rauhe Papier des Umschlags auf. Bei näherer Betrachtung zeigte es sich, daß der Umschlag fein fäuberlich gewendet war. Zuerst freute ich mich über die Sparsamkeit der Behörde, aber dann stellten sich folgende Erwägungen ein: Der Brief muß im Magiftrat vorsichtig geöffnet, ftatt aufgeschnitten werden. Zeitverlust eine Minute. Dann muß er an den Klebefalzen aufgemacht, umgefaltet, mit Klebestoff beschmiert werden. Die geklebten Stellen müssen noch nachgepreßt werden alles fein säuberlich. Zeit mindestens 4 Minuten. 3ufammen fünf Minuten oder 12 Umschläge pro Stunde. Nehmen wir eine Entlöhnung von nur 120 m. pro Stunde an, so toftet jeder so hergestellte Umschlag 10 m. Vielleicht wird der Beamte bei besonderer Geschicklichkeit und andauernder Arbeit den Umschlag auf 5 oder 6 M. herunterbringen. Dabei ist aber weder der Klebestoff eingerechnet noch der Ertrag, den der Magistrat für das alte Papier bekommen würde, wenn er neue, billigere Umschläge nehmen und die Beamten zweckmäßiger beschäftigen würde. Ist diese Berechnung noch nie einem Beamten eingefallen? Oder wird diese Betätigung zur Ausfüllung der Mußestunden ausgeübt. Damit sie recht reich lich bemessen sind, ist ja die Sprechzeit des Magistrats für das Publifum nur auf einige Tage in der Woche und auch da auf wenige Stunden zusammengedrängt worden, damit das Publikum fich recht schon anstellen und sich in Geduld üben fann. Ich will nämlich nerraten, daß der Brief ausgerechnet vom Wohnungsamt Itammt. Für jedes Bett drei Garnituren. Eine Garnitur * Kohlenbeschlagnahme. Alte Kohle zum neuen Preise. an verschiedenen Allen Warnungen der Aufsichtsbehörden zum Troß ist es bei Kopfkissenbezug, Dedbettbezug und Laken befinden sich auf dem Bett, die zweite befindet sich in der Wäsche, dem Inkrafttreten der 50prozentigen Kohlenpreiserhöhung wieder und die dritte bleibt in Reserve. Für Kinderbetten ist mehr Bett- in einer ganzen Reihe von Fällen vorgekommen, daß Kohlenhändler wäsche vorgesehen. Daß die Beschaffung einer so großen Anzahl die zu den alten Preisen bezogenen Kohlen nicht restlos an die Wäsche ein sehr großes Stück Geld verschlingt, liegt auf der Hand. Verbraucher abgegeben baben, um bei Inkrafttreten der neuen Die Stadt Berlin hat aber Gelegenheit, preiswert einzukaufen. Die Preise höhere Gewinne herauszuschlagen. Besonders in Wäschebeschaffung ist der Berliner Anschaffungsgesellschaft über- Schöneberg und Charlottenburg, vereinzelt auch in den übrigen tragen, die wieder mit Grossisten in Verbindung steht und auf diese Stadtteilen wurde von den Aufsichtsbehörden auf Grund einge= Weise nur die niedrigeren Engrospreise bezahlen braucht. Außer- laufener Anzeigen das Vorhandensein älterer Kohlenbestände festdem ist die Stadt verhältnismäßig billig in den Besitz der für die gestellt, die sofort beschlagnahmt und unter Aufsicht der Polizei Krankenhäuser notwendigen Wäschestücke dadurch gekommen, daß sie zum alten Preis verkauft wurden. Im ganzen wurde in nach der Revolution bei der Auflösung des Heeres und seiner Be- über 200 Fällen eingefchritten, stände schnell zugriff, und Bett- und Leibwäsche aus den Cazaretten Stellen mußten die Kellertüren in Abwesenheit der Befizer gekaufte. Diese Stücke sind von durchaus guter Beschaffenheit und waltfam geöffnet werden. Besonders große Kohlenlager auf einerfüllen nach jeder Richtung den Zweck, zu dem sie gebraucht werden. zelnen Plägen wurden vom Koblenamt furzerhand an einige eine Wäschekalamität der Berliner Krankenhäuser braucht, wie be- tommenden Waggons auf den Bahnhöfen stehen Wie aber immer diese Dinge liegen, eine Beunruhigung über Hundert Kleinhändler verteilt. Manche Händler haben in den legten Tagen in Erwartung des höheren Gewinns die an reits betont, im Publikum feinesfalls Blaz greifen. gelaffen und wollten erst jetzt zur Entladung schreiten. Auch hier wurde überall, wo aus den Frachtbriefen festgestellt werden Treptow- Spreetunnel nach dem Alexanderplatz in Abständen von konnte, daß der betreffende Wagen bereits vor dem 16. d. m, dem 20 Minuten verkehrt und parallel zur Stadtbahn läuft, foll in 3u- Tage der Koblenpreiserhöhung auf den Zechen, das betreffende funft in 20- Minutenabstand über den Moltenmarkt, Spittelmarkt Koblenrevier verlassen hatte, die Koble befchlagnahmt und nach der Französischen Straße Ecke Behrenstraße geführt werden. awangsweise zum alten Preise vertauft. In aäen Durch die Maßnahme erhält Stralau auch die längst angestrebte Fällen ist gegen die betreffenden Händler ein Strafverfahren Berbindung nach dem Stadtinnern. Die Linie 16( Treptow- eingeleitet worden. Französische Straße) soll mit der Linie N( Charlottenburg- Dorotheenstraße- Lindentunnel) vereinigt werden, wodurch ebenfalls mit einer Steigerung des Verkehrs gerechnet wird. Endlich ist die Liniee 85 Vor kurzem berichteten wir von dem seltsamen Treiben des ( Bahnhof Friedrichshagen- Müggelfee) zur Vereinigung mit der Gastwirtes Kretschmer, der in der Nähe von Havelhausen Linie 184( Friedrichshagen- Cöpenid- Altglienice) vorgesehen.- an der Berlin- Oranienburger Chaussee in seinem Anwesen einen Die bereits mitgeteilten Einschränkungen des Betriebes beziehen sich Händler völlig ausgeplündert auf die Straße geworfen hatte. auf eine Reihe von Linien, die abends außerordentlich schwach beDieser Vorgang hatte ein Ermittlungsverfahren wegen räubefezt sind und die durch andere Linien ergänzt werden. So sollen rischer Erpressung gegen K. zur Folge. Im Laufe des Verfahrens . a. die letzten Züge auf den Linien 27, 46, 61, 168 nach Geschäfts- meldeten sich bei der Polizei mehrere Kunden mit der Behauptung, schluß( gegen 8 Uhr) eingestellt werden. Bei den Linien, die durch daß K. sie durch Zusah irgendwelcher Betäubungsmittel zu den Tiergarten fahren und daher unwirtschaftlich find, soll nach dem Schnaps in einen bewußtlosen Zustand versetzt und 8 Uhr abends statt des jetzigen 15- Minutenabstandes ein 20- Minuten- dann bestohlen habe. Die Folge war ein zweites Strafverfahren verfehr aufrechterhalten werden. Ferner werden während der wegen Diebstahls. Nachdem die Sache schon einmal das Wintermonate die Linien 24, 60, 80 und 89, die mit Rücksicht auf Schöffengericht Oranienburg beschäftigt hatte, wurde sie nun vor den Ausflugsverkehr während des Sommers verlängert worden der 2. Straffammer des Landgerichts III erneut verhandelt. Der waren, nach ihren früheren Endpunkten zurücverlegt. Endlich ist vorläufig noch die Einstellung vorgesehen auf der Linie S in Spandau, deren Verkehrsbeziehung durch die Linien P und R hergestellt wird, und schließlich die jeßige Einfelinie 34, die im wesentlichen durch die Berlängerung der Linie 43E ersetzt werden soll. Rektor und Pfarrer. Der Räuberwirt. Amtsanwalt hatte gegen das erste Urteil des Schöffengerichts Berufung eingelegt, weil damals noch nicht bekanntgeworden war, daß der Angeklagte sich bereits im strafverschärfenden Rückfall befand. Der Strafregisterauszug aus dem an Polen gefallenen Thorn, woher der Angeklagte stammte, war damals noch nicht eingegangen, und der Angeklagte hatte vor dem Schöffengericht bestritten, vorbestraft zu sein. In der Verhandlung wurden 20 Zeugen vernommen, die die Behauptung der Anklage, daß es sich um einen recht eigenartigen wunder milden Birt" ge= handelt habe, bestätigten. In einigen Fällen des Betrugs erfolgte die Freisprechung. Bezüglich der übrigen ziemlich schwerwiegenden Fälle erkannte die Straffammer auf 1½ Jahre Gefängnis, wobei der Borsigende besonders betonte, daß das Gericht lange geschwanft habe, ob es den Angeklagten wegen die'er höchft verbrecherischen Taben nicht ins 3uchthaus schicken solle. Gegen den Berliner Gemeindefchulreftor Treder, der die 295. Gemeindeschule( Tegeler Straße) leitet, wird von Lehrern dieser Schule behauptet, daß er die amtlich von der Die Verkehrsänderungen der Straßenbahn. Schuldeputation ausgegebenen und von den Eltern ausgefertigten Erklärungen zur Sammelschule für vom Religions Auf Grund der weiteren Nachprüfung über die Wirtschaftlichkeit unterricht befreite Kinder( Weltliche Schule) dem Führer der Straßenbahnlinien sollen, wie bereits gemeldet, mehrere Linien, der Evangelischen Elternbünde Wedding, dem Pfarrer Strud die wenig benutzt werden, zusammengelegt werden. So wird die meier, in der Dienstzeit vormittags durch einen Knaben der Linie 83( Behrenstraße- Cöpenic) mit der Linie 87( Steglitz- Schule zur Information in die Wohnung geschickt habe. UnzweifelSchlesische Brücke) vereinigt unter der neuen Bezeichnung 187 Steg- haft ist es für den Herrn Pfarrer durchaus wünschenswert, zu er 1th- Cöpenid. Hierdurch wird neben einer wesentlichen Er- fahren, welche Kinder dem Einfluß der Kirche entzogen werden, da- Auf dem Stiftungsfest der Kolonie Edelmut"-Banlow von G. H. sparnis durchgehend ein 15- Minutenverfehr gegenüber dem jezigen mit alle Anstrengungen gemacht werden fönnen, die Berirrten 500 M. Ungenannt 200 M. Ein Duartett 400 M. Bisher quittiert 20- Minutenbetrieb hergestellt. Die Linie 84, die gegenwärtig von wieder auf den Weg zur Tugend" zu führen. Wie aber verlautet, 190 410,70 m. Insgesamt 91 510,70 m. 201 Die Welt ohne Sünde. Der Roman einer minute von Bidi Baum. Sie weinte noch, sie zuckte nur mit den nackten, nassen Schultern und begann schon zu lächeln. Er sah ihre breiten, grausamen, gefunden Zähne und erschrat im tiefften. Nicht reden!" rief er.„ Nicht. Ich frage nicht. Du sollst nicht sagen, wo du warst. Liebst du mich, Isabell?" Sie lächelte stumm und tiefer. " Ich füsse deinen Saum, Isabell, sieh her, ich tüsse ihn. Ich küffe deine Fußspuren, woher fie auch fommen mögen. Hörst du, Isabell, ich füsse sie, woher fie fommen mögen. Sieh nur: deine Sohlen sind schmutzig, wo bist du gegangen, daß deine Sohlen so schmutzig sind, Isabell? Nein, ich frage nicht, sieh, ich küsse deine fotigen Sohlen, Isabell." Es warf ihn vor ihre Füße, er hob die beschmuzten Sohlen an seine Lippen, sie waren wie fleine lebendige Tiere in seiner Hand, die heftig zu zittern begann. Isabell schaute mit einem sonderbaren Ausdruck auf ihn hinunter, ihre glatten, runden Nafenflügel gerieten in Bewegung, fie schob ihn mit einer furzen Bewegung ihrer schmußigen Füße beiseite und murmelte: „ Die Sohlen nicht. Den Mund." Da stürzte er an sie hin und gab ihr seinen Mund. Sünde, dachte er, als er bewußtlos wurde in ihrem Kuß. Sünde. Sünde. Ohnmächtig fiel er von Dunkelheit zu Dunkelheit und Dunkelheit. Lockerer Staub, aufgetrieben und zur Wolte sich ballend, rollt eilig wegein. Hupenton reißt in die Paradiesesstille von Wiese und Feld. Die auf den Kartoffelädern heben sich vom Roden auf und breiten die Hände vor die Augen, spähend nach dem vergessenen Geräusch einer früheren Welt. Ein Auto jagt von der Grenze her und schreit Warnung über den Weg. Ein entsetztes und ratloses Schwein trabt die Straße entlang und liegt nachher dort als zerfeßtes Bündel. Das Auto reißt fich in Kurven oftwärts zur Stadt. In dem Auto sitzt Bernward. Bernward trägt einen Ledermantel. Bernward trägt Handschuhe auf seinen reinlichen, gepflegten Händen. Bernward lacht mit seinem ganzen hübschen, eitlen Gesicht. Bernward schleppt Koffer aus dem Auto, mehrere große, schwere und elegante Koffer, die er verFür die Witwe Dummer find noch nachträglich eingegangen: steckt und unter Schloß und Riegel hält. Das Auto jagt wieder| Nacht an den Mauern. In hellen Sälen tochten Retorten. zur Grenze, stört alles Land umher auf, kommt zurück, be- Atome wurden zertrümmert, unter der Lupe geschahen die laden, fährt hin und her, schleppt Dinge aus dem Land, Katastrophen fleinster Welten, irgendwo stand Börries, fing bringt Dinge in das Land. Bernward fährt in die Stadt und stapelt Kisten in seinem Hause auf. Bernward wohnt in der Stadt in einem Haus, das einmal Anselmus gehörte. Die Stadt war tot und lebte dennoch. Hunderttausend hatten sich ihr entwunden, bauten Hütten um den See, pflügten, eggten, fäten. Aßen Brei aus selbstgedrehten Ton schüsseln. Schliefen in selbstgezimmerten Betten. Kleideten sich in selbstgewebte Stoffe. Hunderttausend lebten glücklich, dicht an das Herz der Erde gelagert. Dennoch lebte auch die Stadt noch. Wieviele dort zurückgeblieben waren, in den Schlupflöchern der zerstörten Häuser, in Kellern, verfallenden Magazinen: es war nicht zu zählen. Bei Tag sah man wenige von ihnen. An den Tagen der staatlichen Aufteilung alles Notwendigen erschienen sie von Monat zu Monat. Dann verkrochen sie sich wieder, hockten auf den Trümmern ihrer zerstörten Zivilisation und wußten sich nicht zu erneuern. Aus dem Korn, das jedem zur Aussaat geliefert wurde, brannten sie heimlich den Branntwein, den das Gesetz verbot.... Manchmal erschien Egidius zwischen ihnen, half als Bruder, predigte auch aus dem ewigen Buch. Aber sie lachten hinter ihm her oder sie schwiegen und schickten ihm ihre stumpfen, unglaubenden, unsehenden Blicke nach. Gern lagen fie an der Böschung des Flusses, starrten in das ziehende Waffer. Ihre Hände mit den verstümmelten blauen Fingern lagen da wie frante Soldaten. Sonne tam und deckte sie zu; Gräser wuchsen auch um fie empor und Mücken tanzten hochzeitlich über ihnen in die Luft. Das waren die in der Stadt. Da nur jene vom Staat beteilt wurden, die etwas leisteten oder die etwas liefern fonnten, meldeten sie sich zum freiwilligen Dienst in der Fabrik. Dort war es noch wie vor her. ihre Kraft auf, band sie geheimnisvoll gesammelt zu mäch tigeren Entladungen. Reflektoren tobten nachts mit weißem Licht durch das Laboratorium. Strahlen spalteten sich in blau und rot und grün, durch seltsame Verbindungen geheimnisvoller Metalle geleitet. Unter ungeheurem Druck wurde Flüssiges zum Kristall gepreßt Antei.nen ragten vom flachen Turmbach und fingen mit langen Armen Kräfte aus der Luft. Winzig waren die Menschen inzwischen, taub vom Lärm, blind vom Dunst, stumpf vom Immergleichen, verstümmelt pom Griff der toten, unfühlenden Maschinen. Anselmus träumte manchmal von der Fabrik und stöhnte im Schlaf. Immer stand sie am Horizont, Tags ein schwarzes Loch in die belle Luft reißend, nachts weiß aufgerichtet mit hohen, starrenden, nie schlafenden Fenstern. Die Fabrit mußte arbeiten. Sie schaffte Dünger. Sie schaffte Arzneien. Sie würde einmal noch Wichtigeres schaffen müssen. Das Land war arm, es gab kein Salz. Es gab kein Holz. Längst waren die Balfen der toten Stadt verbraucht für Hütten und einfaches Gerät. Sie hatten Bäume gepflanzt um jede Hütte und Wälder an die Hügelhänge. Die Bäume gingen den Kindern bis an die Schultern. Die Wälder waren so hoch wie Brombeergesträuch. Manchmal träumte Anfelmus von einem Wunder, das Pflanzen zum Aufschießen brächte. Börries, der Erfinder, lächelte dazu, grübelnd und ungeduldig, mit einem Mund, der wie ein Schnitt durch sein tantiges Geficht lief.... Bernwards elegantes Auto fuhr bei der Fabrik vor. Er verhandelte mit Börries allein, hernach wurde Anfelmus geholt und Cornel, die kleine Kameradin. Ein Staatsrat wurde abgehalten. Bernward ledte seine roten, immer glänzenden Lippen ab und verhieß Salz. Anseimus gab mit abgewendetem Gesicht eine Zustimmung, die irgend etwas in ihm zerDie Fabrik stand am Norbrand der Stadt, überdacht von schlug. Die Welt draußen, die alte, nicht erneuerte Welt griff einer Wolte aus Kohlenruß. An jedem Schornstein hing eine in sein Paradies. Bernward segelte hupenblasend zur Grenze, schwarze Rauchfahne wagrecht in die Luft und drehte sich mit er trug einen schwarzen, feierlichen Rod, als er zurückam, Die dem Winde. Die Höfe waren schwarz. Das Brot in der Kan- und ein Ordensband, das antidiluvialen Wert hatte. tine schmeckte nach Kohlendunst und Leuchtgafen. Abwässer Fabrik übernahm die Lieferung von Maschinen zur Erquollen regenbogenfarben in den Fluß hinaus. Turbinen ar- zeugung gewisser heilkräftiger Strahlen, für die Welt beiteten schütternd; Kolbengestampfe, Schwung ungeheurer draußen. Die Welt draußen faufte und bezahlte. Räder, Schrei von Stahl und Maschinen rüttelte Tag und ( Fortsetzung folgt.) Ihren Mann erschossen. Der 51 Jahre alte Former Franz Sch. aus der Ramlerstr. 10 wurde nachts vor dem Nebenhause Nr. 9 durch zwei Pistolenschüsse verlegt aufgefunden. Man brachte den Bewußtlosen nach dem Virchow- Krankenhause, wo er bisher noch nicht vernommen werden konnte. Als Täterin mele dete sich bald danach auf der Wache des 50. Polizeireviers die Ehefrau des Verlegten und gab an, daß sie nach einem Streit die beiden Schüsse auf ihren Mann abgegeben habe. GU Arbeiter- Sport, Sportkritik. Ergebnisse vom Sonntag. Propaganda- Fußball- und Hodenspiele am Buftag. Bum bevorstehenden Beginn der Frühjahrsferie veranstaltet die Märkische Sportfritik beginnt bei der Sportberichterstattung. Der Sport Spielvereinigung( MSB.) Groß- Berlin sieben Werbe- Fußballspiele.. Die Berheimlichte Waffen. Zu der unter dieser Ueberschrift fürzlich bietet Leistungen, die beurteilt sein wollen. Das Körperspiel nimmt fpielenden Mannschaften werden aus den besten Spielern der verschiedenen veröffentlichten Notiz teilt das Reichsarbeitsministerium in der Deffentlichkeit heute denselben Rang ein, den man seit langem legenheit gegeben ist, technisch gut durchgeführten Spielen beizuwohnen. Fußballbezirke zusammengestellt, fo daß allen Freunden des Fußballsports Ge im Frühjahr 1919 beim Artillerie- Depot Spandau 6 Gewehre 3. B. der Schauspielkunft zubilligt. Sportliche Leistungen tragen spielt Gruppe B- Norben gegen Gruppe B- Güben. Spiel 2, findet in Spandau, Spiel 1 ist im Norden auf dem Teutoniaplag in der Christianiastraße. Es zur Berhinderung der wiederholt vorgekommenen Einbrüche in das unbedingt die Merkmale künstlerischen Schaffens. Im Sport wird Faltenhagener Chauſſee, ſtatt. Es spielt die Bezirksmannschaft Norden gegen wertvolle Magazin des Lazaretts erbeten und mit etwa 200 Batronen über das Notwendige hinaus nach frei gefundenen Gesetzen eine Bezirksmannschaft Osten. Spiel 3 ist auf dem Frisch- Frei- Plaz in Niederschöneauch erhalten; die Gewehre sind tatsächlich zur Bewachung des Laza- Lätigkeit geübt, genau so wie der Tanz aus dem Ueberschuß des Spiel ist im Stadion Lichtenberg. Sier spielt die Gruppe D- Often gegen weide, Berliner Straße. Es spielt Gruppe B- Often gegen Gruppe A- Norden. retts benutzt worden. Nach Auflösung des Lazaretts find sie gemein Körpergefühls seine Regeln bildet, und wenn wir heute den Sport Gruppe D- Norden. Spiel 5 ist auf dem Bittoriaplay, Tempelhof, Manteuffelsam mit anderen Beständen des Lazaretts in das bei dem Haupt- als Geistesgymnastik auffassen, so treffen wir damit den Kernpunkt ist in Stowawes. Es spielen die Mannschaften Gruppe A- Güden gegen firage. Die Mannschaften find Gruppe A- Often und Gruppe C- Güben. Spiel 6 versorgungsamt Berlin befindliche Magazin geschafft worden und des Wesens des Sports. Die Berichterstattung beschränkt sich dar- Gruppe C- Norden. Spiel 7 geht in Ludenwalde vor sich, wo die Fußballdort versehentlich liegen geblieben. Bon dem Vorhandensein der auf, mitzuteilen, was auf den Sportplägen vorgeht. Es liest sich schaften Often O gegen Ludenwalde. bewegung ebenfalls sehr guten Boden gefaßt hat. Hier spielen die MannWaffen hat weder der Amimann Marbach noch der Direktor des aber nur für einen Teil der Zeitungsleser interessant, wenn die BeHauptversorgungsamts Berlin, von Wigleben, Kenntnis gehabt. Sie richterstattung anführt, daß einen Sprung von soundsoviel Metern, Turnerschaft Schönhols. Alle Spiele beginnen um 2 Uhr. Diefen Spielen vorauf gehen Hodenspiele, Jugendmannschafts- oder Schülerspiele. In Nowawes spielt Hodenabteilung Wilmersdorf gegen Freie find jetzt der Treuhandgesellschaft zur weiteren Verwendung über einen Lauf von soundsoviel Längeneinheiten vollführt hat. Diefe geben worden". Daß ausgerechnet folche Versehen immer bei Art der Sportbeurteilung ist wohl ideal, aber langweilig. InterWaffen vorkommen müssen. effanter und lehrreicher wird die Berichterstattung, wenn sie statt des roun 0: 4; Fußball. Reichsvereinigung- Rüftig- Borwärts 1: 7; Bichtenberg I- Neu trockenen statistischen Zahlenmaterials unter Berücksichtigung der 4: 0; Bader- Sertha 12 4: 1; Wader 4- Alemannia 3 0: 5; Wader- Jugb.Bichtenberg I 2- Neukölln 2 2: 4; Friedrichshagen 3- Neukölln 4 gegebenen Umstände und Bedingungen die Sportleistungen wertet 2. Schüler- Adlershof 2: 2: Adler 08- Hansa 1: 0. Fichte- Gesundbr.- Jugd. 1: 6; Bader und sich damit zur Kritik erhebt. Nach den Regeln der Kritik tann Wader 1. Schüller- Teutonia 3: 1; Hoden. Roland 1- Wilmersdorf 1 7: 3; Schönholz 1- Fichte- Dft 1 7: 0; aber nur jene Kritik Anklang finden und fördern, die, des persön- Fichte III 2 6: 0; Fichte XII 1- Fichte X1 3: 0. Schönholz 2- Fichte- Ost 2 5: 1; Lichtenberg I 1- Fichte 11 2: 1; Lichtenberg I 2 lichen Elements entkleidet, über den Dingen steht, und zu ihnen wirkliche kritische Distanz gewinnt. Das Recht der Sportkritik steht höher als jebes persönliche Empfinden, höher als die Empfindlich feit von Spielteilnehmern und Spielvereinen. Sportfritit tann eine Reihe Festschriften herausgegeben, deren legte soeben erschienen Der Arbeiter- Turnverlag Leipzig hat zum Leipziger Turnfest irren und fehlen, denn hinter ihr steckt nur ein Mensch, der schließẞ- ist. In weit über hundert Abbildungen wird uns auf 32 Seiten ein lich die Vorgänge nur so wiedergeben fann, wie er fie fühlt und Spiegelbild der großen Veranstaltung gegeben. Die Reproduktionen sieht. Aber schon Lincoln sagt die große Wahrheit: die Welt fann find auf Stunstdruckpapier hergestellt. Alle Bilder, die schon bei den man eine Beitlang, den Einzelnen sein ganzes Leben lang, aber die Filmvorführungen an unserem Auge vorüberzogen, sind hier in ganze Welt kann man auf die Dauer nicht täuschen! Sportfritit fünstlerischer Ausführung auf dem Papier festgehalten. Wir sehen fann nur bestehen, wenn ihr Urteil mit dem Urteil des rechtlich und den großen Festplay, in deſſen Mitte bie 16 000 Freiübungsturner, vernünftig denkenden Publikums übereinstimmt. Mit dem Urteil die Nacktübungen der Sportler und das anschließende Bad im den Fahnenwald beim Aufmarsch, Momentbilder aus dem Festzug, dieses Publikums ist es aber eine eigene Sache; die meisten Menschen Blanschbecken", das Geräteturnen und die sportlichen Wettkämpfe. find zu träge, um sich selbst ein Urteil zu bilden, sie beziehen es lieber Die erste inzwischen vergriffene Auflage von 50 000 Stüd wurde pro fertig vom Kritiker. Deshalb erwächst aus diesem Mangel an Selbst- Heft mit 60 m. abgegeben. Für eine eventuelle Neuauflage würde urteil der Sportkritik die große Aufgabe zu informieren und zu sich der Preis pro Heft auf mindestens 150 M. stellen, da alle führen. Klischees neu angefertigt werden müssen. Für alle Freunde des Arbeitersports ist die Festschrift ein wertvolles Andenken. " Das Winterkonzert des 1. Bezirks des Deutschen ArbeiferSängerbundes im großen Saale der Neuen Welt stand gerade unter feinem glänzenden Stern. Die Hauptnummer, Goethe- Mendelssohns Walpurgisnacht", mußte infolge zu langer Ausdehnung des Programms abgesagt werden, und auch sonst gab es nicht viel Erfreuliches. Das Beste boten die A- capella- Chöre Berliner Liederfreunde", Fichte Georginia" und NamenIos" unter ihren Dirigenten Göpel, Dr. Jofl und Thilo. Der Bezirkschormeister Philipp Heid aber unternahm manches, was seine fünstlerischen Kräfte überstieg, so vor allem die wahrscheinlich eilig zustandegekommene Aufführung eines fehr interessanten Chor wertes( mit Orchester) von Hugo Jüngst, des Liederkreises An der Wolga". Mein Gott, wie wurden all die schönen bekannten, teil weife ganz herrlichen russischen Bolkslieder schwerfällig und lang Chorftüd ,, Erntelied"( Dehmel) kam zu grob heraus. Dieses Oskar Frieds modernes, aufwühlendes revoltierende Orchester, diese Gewitterschwüle der ganzen Komposition und des Tertes muß gerade in unseren Tagen wie eine innere Erlösung und Auflehnung wirken. Immerhin: man sei dem Dirigenten dafür dankbar, daß er durch Darbietung der Ruffenlieder gewiß manchen Thor zur Anschaffung und Einstudierung des Werkes angeregt hat. A. N. weilig dargeboten! Und Proletarische Feierstunden. Die nächste Beranstaltung am Sonn tag, den 26. November, vormittags 11 Uhr, ist die Ged entfeier für unsere Toten. Unter Mitwirkung von Alfred Wittenberg( Bioline), Balter Drwensti( Orgel); des Berliner Schubert- Chors; der Sprechchor für die Proletarischen Feierstunden spricht die Dichtung von Ernst Toller Rt equiem den erschossenen Brüdern", Einzelsprecher find Lothar Müthel und Heinrich Bitte vom Staatstheater und Traute Neumann( Mitglied des Sprechchors), die Gedenkrede hält Genoffe Crispie n. Gintrittstarten zu 40 M. find zu haben im Bureau der Arbeiter- Bildungsschule, Linden ftraße 3, 2. Hof II( Bezirks- Bildungsausschuß); Buchhandlung Vorwärts, Lindenstr. 2; Buchhandlung Freiheit, Urbanstr. 7; im Großen Schauspiel bause, Ginaang Karlstrakc, in den Verkaufsstunden, beim Rastellan; Norden: Wöhlertstr. 7. Restaurant Friese; Burgdorf Ede Wildenomstraße, Restaurant Barleben; Utrechter Str. 21, teftaurant stroll; Lychener Str. 8, Restaurant Hoffmann; Bornholmer Str. 4, im Laden bei Stolberg; Nord. oiten: Allensteiner Str. 7, im Laden bei Guse; Diten: Petersburger Str. 5, Restaurant Bittschuß; Romintener Str. 46, Bigarrengeschäft Dietrich; Mariusstr. 36 bei Beipe; Südosten: Naunynstr. 9, Neſtaurant Zier; Morbi westen: Goglowsthstr. 34, Restaurant Kaiser; Besten: Steinmegstr. 28, born part., Döring, und bei den Funktionären. Millionenpreise für Zuchtftiere. Auf der oftfriesischen Zucht viehversteigerung in Leer in Ostfriesland wurde ein 3uchtstier für 2 530 000 Mart verkauft. Andere Stiere erzielten Preise Don 1676 000 Mart, 1 600 000 Marf und 1 250 000 Mart. Die anderen Stiere gingen für je 980 000 Mart fort. Groß- Berliner Partei- Nachrichten der Bereinigten Sozialdemokratischen Partei. Achtung, Kaffierer! Wie bereits mitgeteilt, hat die Vorstände fonferenz vom 12. November beschlossen, daß alle Raffierer in jedem Monat eine Abschlagszahlung auf ihre Abrechnung zu leisten haben. Die Raffierer werden gebeten, diesem Beschluß unverzüglich nach zukommen. 7. Kreis. Charlottenburg. Heute, Dienstag abend 7% Uhr im Gesangssaal des Schiller- Realgymnafiums, Schillerstr. 26, Lehrkursus ber fos. Elternbeiräte. schema: Die Schule der deutſchen Republik". Staatsbürgerkunde und Gefchichtsunterricht. Lehrender: Studienrat Genoffe Dr. Deiters. Neue Teil12. Kreis. Arbeitsgemeinschaft der foz. Elternbeiräte. Heute abend 7% Uhr pigtige Sigung im Klaffen simmer Gounaſtum Steglts, Seefeftraße. Sages ordnung: Neuwahl der Kreis- und Abteilungsobiente. Sämtliche Randi. daten sowie fozialistische Lehrer sind eingeladen. Erscheinen Pflicht. 9. Kreis. Wilmersdorf. Donnerstag, den 23. November, 7% Uhr, erweiterte Arcisvorstandssigung bei Kollath, Heidelberger Plaz. nehmer find millkommen. Heute, Dienstag, den 21. November: 91. Abt. Reukölln. 7 Uhr Vorstandssigung bei Gudenberg, Reuterstr. 18, v. IV. 108. Abt. Käpenid. 7 Uhr Funktionärtonferenz bei Schulz, Bahnhofstr. 34. Jungfosialisten. Gruppe Lichtenberg. 7½ Uhr im Jugendheim Bartaue 10, Literaturabend. Ref. Gen. Rüftig. Ortsgruppe Norben. 8 Uhr in der Schule Butbufer Str. 3-6, Bortrag des Genossen Dr. Dito Friedländer: ,, Walther Nathenau". Gäste willkommen. Frauenveranstaltung am Dienstag, den 21. november: 38. Abt. 7% Uhr Schulaula Friedenstr. 31. Thema: Die Frau im wirtschaftlichen und politischen Rampfe". Referentin: Genoffin Minna Tobenhagen. Morgen, Mittwoch, den 22. November: 8. Abt.( 4. Distrikt). Herrenpartie nach dem Gorinsee. Abfahrt ab Stettiner 19. st. Der Bahlabend findet erft Mittwoch, den 29. November, statt. Bahnhof 8,40 Uhr. Dember, statt. 20. Abt. Der Zahlabend findet des Bußtages wegen erst Mittwoch, den 29. No. 27, Abt. Vormittags 9% Uhr Sigung fämtlicher Funktionäre, besonders ber Frauen, im 8immer 15 der Schule Sonnenburger Str. 20. 45. Abt. 5 Uhr zahlabende. Stadtbezirke 93, 96, Stimmbezirke 160, 168 und 164 bei Minnig, Laufiger Str. 45; Stabtbezirt 110, Stimmbezirte 197, 198 bei Liebig, Wiener Str. 57a; Stadtbezirk 111, Stimmbezirte 199, 200 bei Reinke, Grünauer Str. 17; Stadtbezirke 112a und b, Stimmbezirte 201 bis 204 bei Sebestreit, Reichenberger Str. 123; Stadtbezirte 118a und b, Stimme bezirke 205 bis 268 bei Studenberg, Glogauer Str. 17. Thema:„ Die poli47. Abt. 7 Uhr Diskutier- und Zahlabenbe. 82. bis 83. Gtabtbezirk bei Sufnagel, Adalberts, Ede Naunynstraße; 97. Stabtbezirk bei Lier, Naunyn Straße 9; 98. bis 99. Stadtbezirt bei Giebentopf, Mustauer Str. 35; 100. bis 102. Stabbert bei John, Bücklerstr. 39; 103. bis 105. Stadtbezirk bei 56. Abt. Charlottenburg. 7 Uhr Rahlabende. 1. Gruppe bei Liersch, Kant. tische Lage". Neuwahl der Bezirksführer. Gruttke, Mustauer Str. 1. tionärperfammlung und ütlustasin tow, Breite Straße. erunt ftraße 68; 2. Gruppe bei Schneider, Holgendorfftr. 34. 128. bis 130. Abt. Pankow. Die Bormärtsagitation am Bußtag findet nicht Abteilungsvorstandssigung im Jugendheim Pan141. Abt. Rosenthal. 4 Uhr Mitgliederversammlung in der Schule Schiller straße. Thema:„ Unfer Rampf um die politische Macht". Ref. Gen. Erwin Marquardt. Neuwahl des Borstandes. Frauenveranstaltungen am Donnerstag, den 23. November: 17. Kreis. Ortsteil Lichtenberg. Alle Frauen, auch Gäste, erscheinen zu den gemeinfamen Frauenabenden! 114. und 115. Abt. 7% Uhr bei Stöber, Jungstr. 29, Ede Oberstraße. Thema: Barum muß fich die Frau mit Politik befassen?" Ref. Genossin Mathilde Burm.( Kein Trintswang.) 116. und 117. Abt. 7% Uhr Beichen faal der Schule Marktstraße. Thema: Unfere Rot und ihre Ursachen". Ref, Frau Marie Juchacz. 118. unb 119. bt. 7% Uhr Schule Siegfriebfte. 209. Thema: Erziehung und Gemeinschaft". Ref. Genoffin Roeder. Jugendveranstaltungen. Verein Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin. Der Drtsausschuß für Jugendpflege Reukölln veranstaltet morgen, Bußtag, ht der Bobbin- Schule, Boddinstraße, eine Filmvorstellung. Zur Borführung gelangt der Film Seefahrt ift Rot. Gintrittstarten zum Preise von 10 Allgemein Sportliches. beitersport noch viel zu wünschen übrig. Die Fußballresultate fönnten Die Berliner sportliche Berichterstattung läßt beim Arsehr gut schon in unserem Dienstag- ,, Arbeitersport" erscheinen, wenn die Spielleiter die Resultate bis Montag abend einsenden würden; statt dessen werden sie erst nach 8 bis 14 Tagen veröffentlicht, wenn sie bereits veraltet find. Beim Hockey liegt es ebenso. Wenn der Arbeitersport dem bürgerlichen Sport ernsthafte Konkurrenz machen will, fo muß die Organisation viel besser ausgebaut werden. anderen Kreisen haben sich Berichterstattervereinigun gen" gebildet, die für schnellste Bekanntgabe der Resultate sorgen. Sollte das in Berlin nicht auch möglich sein? = " Das Leipziger Turnfest im Bild. Der Sportfest film wird in der Wilmersdorfer Schullichtbühne, Weima rische, Ecke Mainzer Straße( unweit Kaiferplag) am Sonnabend, den 25. um rbeiter- Athleten in Wilmersdorf 1931, Speerwerfen und Sochsprung als Zeit6 und um 8 Uhr und am Sonntag, den 26. um 5 und um 8 Uhr( nicht wie im Arbeiter- Sport" um 4, 6 und 8 Uhr) vorgeführt. Dazu das Sportfest der lupenaufnahmen und Scherz- und Trickfilme. Karten im Borverkauf auf dem Turnplag der Freien Turnerschaft, Württembergische Straße, und im Konsum, Wilhelmsane. Brinzenstraße 70, haben außer den Abteilungen der Freien TurnerZum Gerätewettkampf am Bußtag in der Zentralturnhalle, Anfang 2 Uhr. Das Geräteturnen findet in drei Gruppen a 9 Rie In schaft Groß- Berlin auch Fichte und Wilmersdorf Riegen gemeldet. gen statt. 3wischendurch bringen Turnerinnen rhythmische Gymnaftit usw. zur Darstellung, ferner fommen Stafettenläufe der Tur nerinnen und Jugendlichen 10mal 40 Meter und Männer 5 mal 40 Meter, sowie am Schluß eine Schwebenstafette( 400, 300, 200, 100 meter) zum Austrag. Die Siegerverfündung findet abends im Gewerkschaftshaus statt. Die Bettkämpfe versprechen sehr intereffant zu werden, und ist zahlreicher Besuch daher zu wünschen. Das Hodenspiel hat in Berlin bereits eine gute Ausdehnung er fahren. Es ist organisatorisch der Märkischen Spielvereinigung" angeschlossen und umfaßt zurzeit 14 Vereine, die in 4 Bezirten spielen. Im Westbezirk hat Roland I die Führung, im Dstbezirk Schönholz I, im Südbezirk Roland II und im Nordbezirt Schönholz II mit Gewinn sämtlicher ausgetragenen Spiele. Gute An martschaft haben noch Charlottenburg I, Wilmersdorf I, Fichte 3 I. Anläßlich des Fußball- Städtewettkampfes Leipzig- Berlin wurde auch ein Hockey- Propagandafpiel Lichtenberg- Schönholz I( 1: 4) vorgeführt, das von den tausenden Zuschauern mit lebhaftem Intereffe verfolgt wurde.. Beim Fußball nähert sich die Herbstferie ihrem Ende, teilweise beginnt mitte dieses Monats bereits die Frühjahrsserie, die etwa im Februar zum Abschluß kommt. Dann beginnen die Ausscheidungsfämpfe um die Meisterschaft der MSV., denen die Ausscheidungsfämpfe um die Verbands- und Bundesmeisterschaft folgen. Nach den bisher vorliegenden Resultaten hatten bei den 1. Mannschaften die Führung: Gruppe A Hertha, Gruppe B MSC., Gruppe C Lantwit. Am Bußtag finden eine Anzahl Bropagandafpiele statt, die einer weiteren Deffentlichkeit die Spieltüchtigkeit der Arbeiter- Fußballspieler zeigen sollen. Atreis 1, Bezirt 6, veranstaltet im Dezember folgende Serienspiele: laffe A: Wafferballferienspiele im Dezember. Der Arbeiter- Turn- und Sportbund, 3. Dezember im Stadtbad Neukölln Schwimmfest, Freie Schwimmer NeuköllnBorwärts 2.; 7. Dezember im Stadtbad Brenzlauer Tor Uebungsstunde, Freiheit- Neptun Weiß; 8. Dezember im Stadtbad Prenzlauer Tor Uebungsstunde, Vorwärts S.- Vorwärts NO.; 12. Dezember im Stadtbad Prenzlauer Tor Uebungsstunde, Neptun W.- Welle; 13. Dezember im Stadtbad Neukölln föln- Union. Borwärts L.- Charlottenburg. ebungsstunde, Vorwärts S.- Neptun L. Rlaffe B: 5. Dezember im Stadtbad Friedrichshain Uebungsstunde, Borwärts 2. 1- Vorwärts 8. II; 10. Dezember im Stadtbad Friedrichshain Uebungsstunde, Welle I- Friedrichshagen I; 14. Dezember im Stadtbad Charlottenburg Uebungsstunde, CharlottenburgF. 6. Norden; 15. Dezember im Stadtbad Kreuzberg Uebungsstunde, Bor wärts S.- Welle II; 19. Dezember im Stadtbad Neukölln Uebungsstunde, Neustunde, Neptun-Köpenia; 12. Dezember im Stadtbad Kreuzberg Uebungs= Jugend: 8. Dezember im Stadtbad Friedrichshain Uebungsftunde, Union- Reutölin; 12. Dezember im Stadtbad Wedding Uebungsstunde, Vorwärts N.- Belle II: 13. Dezember im Stadtbad Bedding Uebungsstunde, Arbeiter- Turn- und Sportbund in Polen. Die durch die oberDie Arbeitsgemeinschaft Arbeiter- Wintersport", der Mitglieder schlesische Gebietsabtrennung an Bolen aus dem Arbeiter- Turn- und aller Arbeitersportvereine beitreten fönnen, bat foeben den ersten Sportbund ausgetretenen Bereine haben in Rattowiz einen ArbeiterSti- Trockenfurfus beendet. Die Sfifreunde wollen sich aber nicht Turn- und Sportbund in Polen begründet. Der Bundesvorstand darauf beschränken, in unserer Mark ihren Sport zu treiben, sondern seht sich aus den Genossen Blazzer- Bieliz( Borsitzender), Hermahaben drei Harztouren in Aussicht genommen. Die erste Bieliz( Kassierer) und Grußa- Königshütte( Turn- und Spielleiter) Fahrt ist vom 23. Dezember nachmittags bis 1. Januar abends, die zusammen. Bis zur Schaffung einer eigenen Bundeszeitung gilt der zweite Fahrt vom 23. Dezember nachmittags bis 27. Dezember Rattowiger ,, Volkswille" als offizielles Bublikationsorgan. abends, die dritte Fahrt vom 29. Dezember nachmittags bis 1. Ja- Die Jugend( Lehrlings-) Abteilungen der Freien Turnerschaft Neuköllnnuar abends. Das Programm fieht u. a. vor: Silvesternachmittag: Brig veranstalten am Bußtag ein öffentliches Schauturnen in der Turnhalle Schneeschuhläufe und Rodeln; abends im Gewerkschaftshaus Werni- herzbergplatz in Neukölln. Beginn nachmittags 3 Uhr. Gäſte, besonders gerode: Kommers mit den Wernigeroder Arbeitersportlern. Am Technische Lehrstunde in Schöneberg am Sonntag, 26. November, TurnNeujahrstag früh: Abmarsch zu Fuß bzw. mit Brettern nach dem halle Belziger, Ede Eisenacher Straße. Beginn 9 Uhr vormittags. Programm: 1. Lauf- und Sprungübungen; 2. Freiübungen; 3. Geräteturnen( Uebungen Brocken. Alle Teilnehmer an dieser Winterfahrt melden sich zwed's zum Wetturnen am 18. Februar). Um 1 Uhr Sigung bei Lehmann, Magstraße. Quartierbeschaffung beim Sportgenossen Kirsch, Köpenider Str. 108 I. Alle Vereine des 4. Bezirks müssen für zahlreiche Beteiligung forgen. Die Nummer der beabsichtigten Fahrt ist hierbei anzugeben und in der Halle. Stampfrichter( für jebe Riege) und Berechnungsausschuß jede Freie Turnerschaft Groß- Berlin. Am Bußtag alle Teilnehmer Punkt 122 Uhr 50 M. einzuzahlen, welche bei der Fahrt mit verrechnet werden. Abteilung) um 12 Uhr Dresdener Straße 45 zur Sigung. Sportliche Leitung Hallensportfest im Sportpalast an die Deffentlichkeit treten. Ranubefizer find, fordert der Freie Kanu- Bund"( M. d. A.-L. u. Sp.-B.) auf Die Leichtathletfen werden am 3. Dezember mit einem großen Schöneberg. Kanu- und Babbelbootsbesiger. Alle Sportgenoffen, die Baddelboots oder Die Männer warten mit einem 50- Meter- Lauf, 1500- Meter- Lauf, fich ihm anzuschließen. 8wed und Aufgabe des Bundes foll es sein, alle auf 60- meter- Hürdenlauf, Hochsprung, Stabhochsprung, Kugelstoßen, republikanischem Boden stehenden Wassersportler zu vereinigen und die Inter15- Minuten- Baargehen, Stafetten usw. auf. Für Sportlerinnen unb eifen seiner Mitglieder nach jeder Richtung hin zu vertreten. Zusammenkunft Jugendliche sind ebenfalls zahlreiche Wettkämpfe vorgesehen. Melieben Freitag nach dem 1. und 15. jeben Monats im Lotal Don Hentschler, Markusstr. 47. Rähere Auskunft( Rückporto beifügen) erteilt Fr. Paschte, dungen müssen bis 15. November an Hans Kirscht, Falckensteinstr. 47, 60. 26, Oranienste. 35 IV. eingesandt sein. Jugendliche, find eingeladen. An die Kartellvereine. Nach neuerlich eingeholten Informationen bei der Der Athletik- Sport- Club, e. B., veranstaltet anläßlich der Wiederkehr feines im großen Festsaal des Böhmischen Brauhauses, Landsberger Allee 11-13. Ge 11. Grinbungstages am Sonnabend, ben 25. November, eine Gründungsfeier fchäftsstelle: E. Seinak, Neukölln, Weiseftr. 9. Schuldeputation( Herrn Lang) dürfen die im Arbeiter- Sport" Nr. 45 ange räume nur für die dem Kartellverband für Sport und Körperpflege" angeoder durch den R. B. einreichen laffen. fchloffenen Vereine des Arbeiterturnerbundes ausgestellt werden. Alle anderen dem R. B. angeschloffenen Vereine müssen bementsprechende Gesuche einreichen Das Turnen hat unter den Kriegsfolgen noch immer start zu leiben. Die Heranbildung des Nachwuchses leidet aber auch darunter, daß die Jugend den Wettkampf liebt und daher dem Sport den Vorzug gibt. Es sollen deshalb auch beim Geräteturnen Meister- finbigten Bescheinigungen zur Benugung der Turnhallen und anderer Schulfchaften bis zur Bundesmeisterschaft ausgetragen werden. Nach gegliedert hatte, wird die Freie Turnerschaft Groß dem Fichte kürzlich seinem Hallensportfest ein Musterriegenturnen anBerlin am Bußtag eine große Sondervorführung dieser Art in der Zentralturnhalle Prinzenstraße unter Teilnahme von BruderDereinen veranstalten, zu ber eine große Anzahl Musterriegen gemeldet sind. Das Leipziger Bundesfest hat dem Arbeiter- Turn- und Sportbund bereits erheblichen Zuwachs gebracht. Im 3. Quartal find 226 Bereine neu beigetreten, darunter 75 aus bürgerlichen Ber bänden. Dadurch ist die Zahl der Bundesvereine auf über 6000 gestiegen, ein Beweis, daß es vorwärts geht! für Jugendliche und 20 m. Für Erwachsene find im Rathaus, Bimmer 280, unb am Eingang der Aula erhältlich. Anfang der Borstellung 5 und 18 Uhr. Heute, Dienstag, den 21. November: 5. Bezirk. Friedrichshain. Laut Beschluß der Vertreterßigung vom 30. Dktober haben alle Abteilungen und Gruppen des 5. Bezirks die Anmeldung zu dem zu gründenden Bezirksausschuß durch ihre Berliner 8entrale zu vollziehen. Die Abteilungen seien besonders auf diesen Beschluß hingewiesen. Für die am 27. November stattfindende Sigung ist unbedingt Stellung zu nehmen zue Neuwahl der Bezirksleitung! Ein resultatloses Verlaufen der Neuwahl ist gleichbedeutend mit der Auflösung des Bezirkskartells. Berliner Taubstummen- Wander- Berein. Bußtag, den 22. November, treffen sich die Mitglieder morgens 9 Uhr auf dem Borortbahnsteig Papestraße. Fahr tarte bis Sanasdorf. Führer Genosse Ritter. Freie Tanblummen- Schwimmer. Jeden Dienstag ab 7 Uhr Uebungs. abend im Hallenbad, An der Schillingsbrüde. Eintrittskarten zu ben Proletarischen Feierstunden am Sonntag, ben 26. November, im Jugendsekretariat zum ermäßigten Preis erhältlich. Vorträge. Vereine und Versammlungen. Röpenid. Jugendheim Grünauer Str. 5, Diskussionsabenb: 8wed und Biele der sozialistischen Arbeiterjugend". Neukölln III. Jugendheim Nogat. ftraße 58, Diskussionsabend: ,, Unsere Arbeiterjugend". Norden. Jugendheim Gemeindeschule Butbufer Str. 3, Bortreg:„ Pazifismus und Landesverteidi. Stenographenverein Stolze- Schrey. Uebungen für Damen und Herren gung". Reinideatorf- Oft. Jugendheim Geebad Residenssteghe, Bortrag: Dienstag 7-9% Uhr in der 120. Gemeindefcule, Gartenstr. 107a. ,, Schönheiten der Mart". Reinidendorf- Beft. Jugendheim Scharnweber. Arbeiter- Wanbeibunb Naturfreunde", Ortsgruppe Gesundbrunnen. Buß Straße, Wolfshaus, Bortrag: Gemeinschaftserziehung". Refenthal. Jugend- tag Filmabend in der Aula Grünthaler Straße 5. Prächtiger Monumental heim Milbrodte, Ede Walderfeestraße, Bortrag: Kinofchund und Schundlite. film Der Flieger"( Umfliegung der Zugspige). Beginn 6 Uhr. Eintritt Rosenthaler Borstadt. Jugendheim Gemeindefchule Gipsstraße 23a, 20 wt., Rinder 10 M. Bortrag: Französische Arbeiterbewegung". Steglik. Jugendheim Albrechtftraße 46, Bortrag: Rulturreligionen". Wilmersdorf. Jugendheim Gemeindeschule Roblenzer Straße, Bortrag: Rarl Marg". tatur". 6. Rreis. Kreuzberg. Heute abend finbet im Jugendheim, Bindenstr. 3, eine Rreismitgliederversammlung ftatt. Bortrag: Die Aufgaben ber fogia liftischen Arbeiterjugendbewegung. Alle Jugendgenoffen müffen erscheinen. Religiöse Feierstunden sozialistischer Geistlicher am 22. November( Bußtag). Pfarrer Bleier um 10 Uhr in der Trinitatiskirche( Charlottenburg). Thema: Menfchwerdung. Pfarrer Schmidt um 10 Uhr in der Thomaskitche ( Mariannenplag). Pfarrer Dehn um 6 Uhr in der Reformationstirche( Moa bit). Pfarrer Biechowski um 6 Uhr in der Philipp- Melanchthon- Rirche in Reu tölln, Thema: Jefus und bi Wirtschaft Stidftoff für Getreide. Im Verein Berliner Kaufleute und Industrieller, der am legten Freitag nach mehrjähriger Unterbrechung wieder eine Versammlung abhielt, sprach in der Diskussion der preußische Handelsminister Siering davon, daß die preußische Regierung wichtige Vorschläge zur Hebung der landwirtschaftlichen Produktion vorbereitet. Wie dem S.- B.- Dienst mitgeteilt wird, besteht einer dieser Borschläge in einem Antrag Preußens an den Reichsrat, die Erhöhung des zweiten und dritten Drittels des Umlage getrei= des den Landwirten statt in Bargeld in Form von Stidst off= Gutscheinen zu zahlen. Dazu erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Bur Hebung der Produktion ist es bekanntlich besser, der Landwirtschaft Gutscheine auf den Bezug von Stickstoff oder Chilesalpeter auszustellen, als ihr Geld zu geben. Hierbei spielt die Frage, ob in- oder ausländischer Stickstoff zu liefern fei, zunächst grundsätzlich feine Rolle. Selbstverständlich ist es besser, wenn inländischer Stickstoff geliefert werden kann, da die Einfuhr ausländischer Stoffe infolge der niedrigen deutschen Baluta gewaltige Koften macht. Preußen hat diesen Vorschlag schon seit 2 Jahren unablässig vertreten, die Interessentenwiderstände aus allen möglichen Lagern maren jedoch bisher zu groß, um die preußische Auffassung durchzudrücken. Es ist wichtiger, wenn wir die hohen Ausgaben für die Hebung der Landwirtschaft machen, daß man Stickstoff einführt als Getreide, da diese indirekte Einwirkung mehr produktionserhöhend wirkt als Getreideeinkäufe selbst. Wir gehen in der Annahme nicht fehl, daß die hier vertretene Auffassung sich mit dem Standpunkt des preußischen Ministerpräsidenten Genossen Otto Braun dedi, der die gleichen Ansichten schon in seiner früheren Tätigteit als preußischer Landwirtschaftsminister vertrat. Nach dem dem Reichsrat vorgelegten preußischen Entwurf eines Gefezes betreffend die Lieferung von Chilesalpeter für abgeliefertes Getreide im Wirtschaftsjahr 1922/23, der mit den Verhältnissen vom 2. Oftober rechnet, sollten pro 3entner Getreide 20 Rilo= gramm Chilesalpeter geliefert werden. In dem§ 2 des preußischen Antrages heißt es: Unternehmer landwirtschaftlicher Betriebe, die von ihrem Bezugsrecht Gebrauch machen, erhalten außer dem gefeßlich bestimme ten Umlagepreis für jeden abgelieferten Doppelzeniner Getreide 40 Kilogramm Chilesalpeter." Die Interessenvertretungen der Landwirte hatten für den Zentner Roggen 90 Pfund Chilesalpeter gefordert. Das ist mehr als der Weltmarktpreis, den der amerikanische Farmer erhält! Der gesehlich bestimmte Umlagepreis betrug damals pro Doppelzentner Roggen 690 Mr. Der Zentner Roggen sollte also gemäß dem preußischen Borschlag mit 345 m. plus 20 Kilogramm Chilesalpeter bezahlt werben. In der Zwischenzeit haben sich die Preisverhältnisse allerdings wesentlich geändert. Der Bedarf an einzuführendem Salpeter wurde damals auf etwa 1 million Tonnen beziffert. Die Steigerung der Kohlenförderung an der Ruhr. Langsam, aber stetig nimmt infolge der Ueberschichten im Ruhrbergbau die Kohlenförderung zu. Sie betrug auf den Zechen des Ruhrbedens( einschließlich der linksrheinischen Beden) Gesamt Baht arbeitstägl. förderung: Arbeitstage: Förderung: 8 827 126 t 339 505 t 8 265 688 t 317 911 t Oftober 1922 September 1922 Oftober Oftober 26 26 1921 1918 8 047 858 t 26 9 895 090 t 27 309 514 t 366 484 t Zonnen höher als im September 1922. Die Mehrförderung ist auf| in diesen Tagen für zwei Millionen Mart Del hierher, brachte. Bon die stärkere Beteiligung an der Ueberarbeit zurückzuführen. Die Wilhelmshaven aus wird das Del oder Petroleum ins deutsche geringe Vermehrung der Belegschaft um etwas mehr als 1 Proz.| Binnenland oder auf dem Seemege nach Rußland verfrachtet. Der hat jedenfalls wenig dazu beigetragen. größte Teil der Arbeiterschaft ist indes auf der Marinewerft tätig. Die Kots herstellung des Ruhrgebiets betrug im Oktober d. J. Natürlich dient auch diese nur zu einem Teil den Marine- Reparatur2220 628 Tonnen, oder täglich 71.633 Tonnen, gegen 2128 328 zwecken, auch hier wird für die Privatindustrie gearbeitet. Trotz Tonnen, oder täglich 70 944 Tonnen im September 1922. An all dieser Industrien und gewerblichen Betriebe liegt noch ein großer Britetts wurden hergestellt 400 290 Tonnen( arbeitstäglich Teil des Hafengeländes frei, und zwar deshalb, weil die Reichs15 396 Tonnen), gegen 413 282 Tonnen( arbeitstäglich 15 895 behörden auf diesem Teil noch immer ihre Hand liegen haben. Alle Tonnen) im September 1922. Versuche der beiden Städte, das Reich zum Freigeben dieser Anlagen für Industriezwecke zu bestimmen, find bisher fruchtlos geblieben. Aus diesem Grunde sollte in diesen Tagen eine Abordnung des Reichstages die Dinge an Ort und Stelle studieren; durch die Umbildung des Reichskabinetts ist dieser Besuch vorläufig hinausgeschoben worden. Post- Abonnenten er„ Vorwärts" kann bei der Post auch werden. Damit die regelmäßige Zustellung des„ Vorwärts" im nächsten Monat keine unliebsame Unterbrechung erleidet, bitten wir unsere Post- Abonnenten, das Abonnement für den kommenden Monat bei dem zuständigen Postamt sofort zu erneuern. Vorwärts- Verlag G. m. b. H. Industriefragen in Wilhelmshaven. Maßnahmen gegen den Butterauftauf. Die zurzeit herrschende Milchnot ist in der Hauptsache eine Folge der starken Verarbeitung der Milch zu Butter; tatsächlich ist in lezter Zeit auch die Nachfrage nach 8entrifugen gewaltig in die Höhe gegangen, andererseits hat der Butterauftauf durch Händler auf dem Lande überhand genommen. Um nun wenigstens diesen schädigenden Butteraufkauf und die dadurch bedingte übertriebene Verbutterung einzuschränken, bereitet, wie die P. 3. N. Hören, das Reichsernährungsministerium eine Berordnung vor, die die Auflaufsgenehmigung für Butter einschränft und verschärft. Neuer Notenrekord. Geradezu ungeheuerlich nimmt in legter Zeit der Banknotenumlauf zu. In der zweiten Woche des November, die am 15. ablief, wurden allein 65,1 milliarden Mark neue Banknoten in den Berfehr gegeben, so daß sich der Notenumlauf auf 582 Milliarden Mark erhöhte. Ebenso scharf wie der Notenumlauf nahmen auch die Ansprüche von Krediten zu. Die Reichsbank disfontierte für 49 Milliarden Mark Handelswechsel, so daß ihr Bestand an diesen Wertpapieren auf 175 Milliarden anstieg. Auch Lombardkredite wurden neuerdings stark verlangt. Davon wurden neuerteilt für 11,4 Milliarden Mark, wodurch sich dieser Posten auf 15,5 milliarden Mark erhöhte. Währungskrisen überall. Allgemein läßt sich beobachten, wie Aus Wilhelmshaven wird uns geschrieben: die Besserung der Währung solcher Länder, die vorher Die starke Reduzierung der Marine hat es mit sich gebracht, unter einem Sturz ihres Geldes gelitten haben, zu schweren daß auf der hiesigen Reichswerft auch eine Berringerung der Ar- war es in der Tschechoslowa tei, so ist es schon jetzt in DeutschMarkt- und Produktionserschütterungen führt. So beitsgelegenheit eintreten mußte. Indes war das nur vorüber Defterreich, wo eine bisher ungekannte Arbeitslosigkeit eingetreten gehend. Die Zuteilung der ehemaligen Torpedowerkstätten zum ift, so ist es neuerdings in Jugoslawien. Darüber wird beKonzern der Deutschen Werke hatte bald einen nennens- richtet: Der Aufstieg des Dinars hat einen außerordentlichen werten Aufschwung dieses Betriebes zur Folge, und wie wir Einfluß auf die Gestaltung der Handelsverhältniffe erfahren, ist das Deutschwerk Wilhelmshaven- Rüstringen gegen- am jugoslawischen Markte. Das Handelsleben ist am toten Bunft wärtig auf längere Zeit hinaus mit lohnenden Aufträgen versehen. angelangt. Der Großhandel hat aufgespeicherte Lager und In Betracht kommt insbesondere der Bau von Fisch und Handels- gar feinen Absah. Die inländischen Raufleute begeben fich dampfern, von Eisenbahnwagen und industriellen und landwirt. nicht mehr in die Handelszentren, da fie einen weiteren Aufstieg des schaftlichen Maschinen. Außer dem Reichswert sind es weiter eine Dinars erhoffen und einen größeren Preisrüdgang erwarten. Inzwischen gehen die Preise rapid her ab. Während der letzten ganze Reihe Abwrackbetriebe, die sich hier nach und nach aufgetan zwei Monate beträgt ihr Rückgang 30 bis 75 Broz., in gewissen haben und die hauptsächlich alte Kriegsfahrzeuge des In- und Aus- Fällen auch darüber. So foftete z. B. anfangs September 1 Kilolandes ankaufen und zu Kleinmaterial verschroten. Auf diesem gramm Kaffee 37 Dinars, heute 26, Reis früher 11 Dinars, jetzt 8, Gebiet hat Wilhelmshaven sich eine recht beachtliche Stellung ver- Tafelöl früher 30, jetzt 20, Tafelglas ist von 80 auf 40-50 Dinars schafft. Ungezählte Waggons mit Schrottmaterial rollen von hier gesunken, Eisen von 5,50 auf 4-4,20. Die Eifenpreise halten aus ins Binnenland. Begründet ist die Blüte dieses Wirtschafts- sich aber immer noch hoch genug, da beinahe der ganze Bedarf durch zweiges in den Jadestädten durch die Möglichkeit der Safen. Die einheimische Produktion gededt wird und sämtliche Produausnugung. Das Hafengelände mit seinen verschiedenerlei enten fartelliert sind und ständig gegen ben Preisrüdgang fämpfen. technischen Einrichtungen gebot geradezu eine solche Ausnutzung. Ebenso wurden die verschiedenen, früher Marinezwecken dienen. den Deltnis nuttar gemacht. Ein solcher Tant bietet Raum für rund 10 000 Tonnen Del. Die Tanks wurden durch die KauJm Monat Oftober 1922 wurden 561438 Tonnen mehr fafische Petroleum- Gesellschaft gepachtet, die hier einen großen Umgefördert als im September 1922 bei gleicher Zahl der Arbeitstage. schlagsplatz für Del eingerichtet hat. Welche Bedeutung hierin Die arbeitstägliche Förderung stellte sich im Berichtsmonat 21 594| liegt, verrät die Tatsache, daß ein einziger amerikanischer Deldampfer IVO PUHONNY Devisenfurse. Unserer gestrigen Kurstafel find noch folgende amtliche Notierungen nachzutragen: 100 öfterr. Stronen 9,32 Geld, 9,88 Brief; 1 jugoslawischer Dinar 104,73 Gelb, 105,27 Brief; 100 Polenmart galten im freien Verkehr etwa 42,50 2. Wetter bis Mittwoch mittag. Zunächst fühler und vielfach beiter, später zunehmende Bewölkung sowie neue Erwärmung mit geringen Niederschlägen bei mäßigen nördlichen bis nordwestlichen Winden. A BC Theater, Lichtspiele usw. Opernhaus Volksbühne 7 Uhr: 7% Uhr: Carmen Die Lüge Schauspielhaus 7 Uhr: Napoleon BATSCHARI bringt handgemachte CIGARETTEN in höchster Vollendung. THEATER i. d. KÖNIG GRATZER Circus STRASSE 8: Wund. Geschicht. Usch d. Kapellm. Kreisler Bußt. Wund. Gesch. Kreisler Mi.: Jüdin v. Toledo Fr.: Wund. Gesch. Kreisler Tal. 71/4, Stgs. auch 3 Uhr Das Ereignis für die Manege Sonnab. z: 1. Male: Die Nibelungen Der prachtvolle Hahnrei Lessing- ThTragische Posse 71 Uhr: v. F. Crommelynck Maria Orska, Otto Gebühr. Joh. Riemann, Frieda Richard, m. Amanda Lindnar a. Ronrad Gebhardt Vorher 10 Circus- Sensat. Morgen Bußtag Auf Der Biberpelz Mamelo, Botz, Picha, Klupp. führg Deutsch. Theat. Bußtag 7 U.: Faust Do. bis Sonnt. 7: 80. Die Nibelungen 7 Uhr: König Der Biberpetz Komödienhaus Vrkt. Werth. a.Circusk Richard II. ( Alexander Moissi) 7.30 Mi. 1: Der lebende Deut. Künstler- Th. Die Erwachsenen Leichnam 7% Uhr: ( Alexander Moissi) Käthe Dorsch in: Theat.a.Kottbus.Tor Liebelei. Die Lore Berliner Th. 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Bericht. 2 Branchenund Betriebsangelegenheiten. 3. Berschiedenes. Das Erscheinen aller Kollegen ift dringend erforderlich. Mechaniter, Optiler, Uhrmacher, Eicher und Eicherinnen. Donnerstag, 23. Novbr., abds. 7 Uhr, im Gewerkschaftshaus( großer Saal), Engelufer 24/-5: Vollversammlung der Gesamtbranche. Tagesordnung: 1. Währungs problem und Produktionssteigerung. ( Ref.: Landtagsabg. Ulmer) 2. Dise tuffion. 3. Branchenangelegenheiten. Die Gruppen bar Schreib Dukat.- Gold 900 gest. machinen-, Stempelbetriebe, Fein von 4000.- M. an mechanit, Rähmaschinen, 2aben- und 333-585 in reicher Auswahl. Fabritoptit, Baden- und Fabrikuhrmacher Namen und Etuis umsonst find besonders eingeladen. Apparate, moderne Ehrin e Mitgliedsbuch, mit einem der obigen Berufe versehen, legitimiert. Trauringfabr.Alb.Thal& Co. 1. Geschäft: C. 19, Seydelstraße 5( Spittelmarkt) Auto- Reparaturbetriebe. 2. Geschäft: Charlottenburg, Bismarckstraße 76 ( Untergrundbahn Sophie- Charlotte Platz) 000000 Donnerstag, 23. 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