Kr. AS. arscheinl täglich außer Montags� Prats pränumerando: Viertel- jährlich 3,30 Marl, monatlich 1,10 Ml., wöchentlich 38 Pfg. frei In'« Hau«. Einzelne Nummer « Plg. Sonntag«- Nummer mit tlluslr. Sonntags-Beilage„Neue Welt" 10 Pfg. Post-Abonnemeut: 3,30Mr. proQuartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn 3 Ml., für da« übrige Ausland dMl.pr.Monat. Etngetr. tn der Post-Zeitung«-Preisliste für isss unter Nr. 713«. 12. Jahrg. JNsertionS-Debühr beträgt für die fünfgespaltenc Petitzetle oder deren Raum<0 Pfg., für Vereins- und Versammlung«- Anzeigen so Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis« Uhr Nachmittags tn der Erpeditton abgegeben werden. Die Erpedition ist an Wochen- tagen bis? Uhr Abends, an Sonn- und Aesttagen bis 9 Uhr Vor- mittags geöffnet. Fernsprecher: Amt l, zir. 1508. Telegramm-Adresse: «Zollaidemolirat Kerliu!' Berliner Nolksblall. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. ztedaktis»: sv.lg. NeutS-Straj- s. Souunßend. drit AH. Januar 18stä.! Kepedition: SV. 19, IZeutk-Straße A. Ei»» GefellMzofls- vetkev. Wir erwähnten schon vorgestern der neuesten That des Herrn Hans Blum. Wenn wir heute nochmals auf die- selbe zurückkommen, und auch in einem dritten Artikel die „Zitaten*-Kililststiicfe des genannten Herrn noch näher beleuchten werden, so geschieht das nicht des Individuums Hans Blum wegen, das sehr gleichgiltig ist, sondern der Gesellschaft wegen, in welcher sich dieses Individuum befindet, und der es sich als Retter angeboten hat. Ist nun auch sein letzter Tienst von der anständigen bürgerlichen Presse mit vernichtender Emstinunigkeit des Ekels zurückgewiesen worden, so haben doch gerade solche Organe, die im Fahrwasser des„neuesten Kurses* heruniplätschern, die„Rettung" durch Hans Blum sich, wenn auch mit einigem Naserümpsen, doch so weit ge- fallen lassen, daß wir die moralische Mitschuld an- zunehmen ein Recht haben. Und— mitgegangen mit- gehangen: dieser Gesellschaft gelten die Peitschen- hiebe, zu denen die Blum'sche Gesellschaftsrettnng uns veranlaßt. Und blos um diese Gesellschaft zu treffen, haben wir zur Peitsche gegriffen. Und nun zu! Die„Thatsachen*, welche uns deutsche Sozialdcmokrateit „moralisch geradezu vernichten*, sind von dem Eesellschafts- und Umsturzgesetz-Retter Hans Blum, wie er prahlerisch meldet,„überraschend schnell* beschafft worden. Das„über- raschende* kann darin bestehen, daß Herr Hans Blum bis vor kurzem von der Existenz des„Polilischen Jahrbuchs* (Annee Politique) von Daniel nichts gewußt hatte, das eine Uebersicht der Geschichte jedes Jahres giebt, und in Frankreich ungefähr so verbreitet ist, ivie das Brock- haus'sche oder Meyer'sche Konversations-Lexikon in Deutsch- laitd. Die„vernichtenden*„Thatsachen* stecken in der A n- ktl a g e s ch r i f t des General- Prokurators Quesnay de Beaurepaire gegen Boulanger, ck. ck. 15. Juli 1889; in der Vertheidigungsschrift Boulanger's(der iil Zeitungen vom 6. August 1889 veröffentlichten„Antwort" des flüchtigen Generals); und endlich in Auszügen ans dem R e q u i s i t o r i u m des General-Prokurators vom 8., 9. uns 10. August 1889. . Alle diese Aktenstücke waren weltbekannt seit dem weltbekannten Prozeß des„brave n G e n e r a l s*, das heißt seit ungefähr 5Vs Jahren! Vor der ganzen Welt lagen also die uns„moralisch ver- uichtcuden Thalsachen* sechfthalb Jahre lang, und niemand hat fjsie entdeckt, bis der Gesellfchaftsrctter Hans Blum Iseuittekon. lNachdrua verbot«».! KI Fm(Exil. Roman von Georges Nenard. Antorisirte Uebersetzung von Marie Kunert. Sie sank auf einen Stuhl, im Begriff ohnmächtig zu werden. Aber mit eitlem Sprung stand sie wieder auf den Füße». Wo ist er? Ich will ihn sehen. Er wird in wenigen Minuten hier sein. Es wäre nothig, daß Sie ein Bett für ihn znrecht machten. Der Doktor wußte ans Erfahrung, daß das sicherste Mittel zur Mäßigung des Kummers ernste Beschäftigung ist. Eilt Unglücksfall? fragte die Mutter noch, während sie die Kinen ihres eigenen Bettes, das ihr am weichsten zu sein schien, ordnete. Nein, ein Duell, ein Degenstich. O dieser abscheuliche Journalismus! Ich habe es immer gesagt, daß er ihm noch einmal verhängnißvoll sein würde. In diesem Moment hörte man Schritte auf dem Treppenabsatz. Rens erschien, von seinen beiven Freunden gestützt.. Frau Messant warf sich in Thränen vor ihm nieder, wagte aber nicht, ihn zu berühren, aus Furcht, ihm wehe zu lhliit.. Mein armes Kind! Mein kleiner Reno! staninielte fle. Weine nicht, Mutter, es ist nichts murmelte Renö/ aber in deutselben Augenblick schwand ihm das Bewußtsein von neuem. Der Doktor suchte sie zu beruhigen. Er sprach davon, daß die Ohnmacht nur durch den starken Blutverlust ver- ursacht sei. Der Stich märe in die Gegend der Leber ge- drnngen, doch scheine kein edles Organ getroffen zu sein. Sorgfältige Pflege, keine Unvorsichligkeiteii, und die Heilung würde laugsam und sicher eintreten, vorausgesetzt, daß kam, uud sie nach sechshalb Jahren in einem aller Welt zugänglichen, von Hnnderttausenden seit scchsthalb Jahren gelesenen Handbuche„überraschend schnell" entdeckte. Das zur geistigen Charakteristik des Mannes und seiner Ge- sellschaft. Daß der Gesellschaftsretter in seinen„Lügen" und ge- legeutlich des Plaucner„Bubenstückes" sich besonderer, dem großen Publikuni nicht zugänglicher Jnformations- quellen gerühmt hatte und daß er sich gelegentlich seines Pro- zesses gegen den„Vorwärts" sogar weigerte, sein kostbares Bclastnngsmaterial gegen die Sozialdemokratie dem Gerichte und scineni eigenenRcchtssrcunde anzuvertrauen, sei als kleiner Beitrag znm Charakterbildc nur nebenbei angeführt. Und jetzt rufe inan sich den Prozeß Boulanger ins Gcdächtniß zurück. Ter„brave General" war angeklagt (S. 260 des„Daniel"),„die Fonds der Armee entwendet — ens detonmant les fonds de um sie für seine privaten für seine Propaganda zwar für seine persönliche der er den Zweck gemalt zu bemächtigten. rarmee— zu haben, Bedürfnisse und zu verwcitden". Und Propaganda, mit verfolgte, sich der Staats- Er war speziell angeklagt(S. 261 Daniel") 279 000 Frks.„aus der Reservekasse der Armee genommen, und alles für seine persönlichen Zwecke und zum Nachtheil— auf Kosten— der Armee und der nationalen Wehrkraft— ausgegeben zu haben"(au prejndice de l'armöe et de la defense). Wohlgemcrkt alles. Wir betonen dies, denn diesen 279 000 Franks entnimmt der Eesellschaftsretter Hans Blum die Sunime, mit der die deutsche Sozialdemokratie bestochen worden sei. Weiter ist Boulanger angeklagt— und das ist die Hauptanklage— des Komplotts gegen die Republik und verschiedener Attentate zum Sturz der Verfassung. Er war(S. 269 des„Daniel")„Chef einer Koalition, zusammengesetzt aus allen Feinden des Friedens, der Ord- nung und der Republik",((.'bef d'une coalition composee de tous les ennernis delapaix, de l'ordre et de la Republique). „Er bezog Geld vom Ausland"(il acceptait l'argent de l'etranger).(S. 263 des„Daniel"). Auch aus Deutschland hat er einen Geldbrief(lettre ebargee) erhalten.(S. 270 des„Daniel"). Und hier einige Worte, ehe wir zu dem Meister- stück des Hans Blum kommen. Der General-Proknrator hat Boulanger ganz richtig gezeichnet, ivcnn er sagt, er sei das Oberhaupt aller Feinde der Republik geivesen. Die royalistische Herzogin von Uzäs, die ihm Millionen gab, der legitimistische „Anarckiist" Morphy, die französische Geistlichkeit, die russische Regierung:c. unterstützten den„braven General". nicht etwa Komplikationen, die nicht vorherzusehen wären, einträten. Die Tage vergingen einförmig und still. Bei Tage am Kopfende des Krankenbettes, des Nachts neben demselben auf einem Gurtbette schlafend, wachte Frau Messant mit unermüdlicher Sorgfalt'über ihren Sohn und empfand, als sie ihn allmälig gesunden sah, eine geheime Freude darüber, ihn ganz für sich zu haben, wie zu der Zeit, als er noch klein war. Da der Kranke noch sehr schwach war, lag er in einem apathischen Halbschlummer, in einer Erstarrung all seiner Kräfte da, die durch kein Geräusch der Außen- weit unterbrochen wurde. Ter Arzt hatte vorläufig verboten, daß Besuche und Zeitungen zu ihm gelangten. So ivnßte er nicht, daß sein Geschick„gan� Paris" eine Woche lang beschäftigt, und daß dann, wie üblich, ein anderes Ereigniß die Aufmerksamkeit der veränderlichen Menge, die stets nach neuen Menfchen uud neuen Ereigniffen verlangte, auf sich gezogen hatte. Doch in dem Maße, als ihm die Kräfte wiederkehrten, zog auch die Sorge wieder in das Krankenzimmer ein. Er wollte wissen, was ans dem von ihm begonnenen Fcldzug geivorden war, und da mußte man ihm denn gestehe», daß schon nicht mehr davon ge- sprachen ivnrde. Obgleich er diese Antwort vorhergesehen hatte, gab sie ihm dock) einen Stich ins Herz. Was sollte ans ihm werden, wenn man ihn vergaß? Wovon follte er leben, wenn er wieder hergestellt war? Diese ständige Sorge rief das Fieber von neneni hervor und der Arzt glaubte ihm deshalb die Erlanbniß geben zu müssen, seine Freunde zu empfangen. Verdier, Lucien und Peyrade kamen, um ihm die Versicherung zu geben, daß man doch an ihn dächte, und daß siäi an dem Tage, wo er wieder im stände wäre, die Feder zu halten, geiviß etwas für ihn finden würde. Ach, das war ein kühnes Versprechen. Der arme Rene war wie ein Schiffbrüchiger, den ein Ruderschlag auf den Kopf wieder in die salzige Fluth zurückstößt, nachdem eS ihm mit äußerster Anstrengung zelnngen ist, an die Oberfläche zu kommen. Wo war die starke, hilfreiche Hand, die ihn aus dem Abgrund ziehen sollte, in dem er versank! Wie weit die Unterstützung Boulanger's von deutscher Seite ging, können ivir natürlich nicht feststellen. Wir wissen blos, daß in den Kreisen sehr einflußreicher und fehr wohlunterrichteter französischer Politiker Fürst Bismarck als der Hauptgönner Boulanger's gegolten hat. Uud bekräftigen die Thatsachen etwa nicht diese Ver» muthuug? DerBoulanger, derdasGespenstdesRevanchekriegs verkörperte und den vorzüglichsten Wauwau für die Ver« größerung der deutschen Armee bildete, war dem Fürsten Bis- marck ebenso nützliä), wie der Boulanger, der die französische Republik veruichlen wollte, ihm willkommen sein mußte. Gewiß ist, daß die Faschingswahlen von 1387, durch die SJürst Bismarck sein Hausmeierthum noch auf 3 Jahre verlängerte, ohne Boulanger nicht hätten bewerkstelligt werden können. Und wer— auch dieser Punkt muß hier hervorgehoben werden— die Haltung betrachtet, die unsere sozialdemokratische Presse sowohl im Inland als im Ausland zu jener Zeit einnahm, wird sehen, daß Boulanger von uns all- gemein als Werkzeug und Verbündeter Bismarck's aufgefaßt wurde. Und wer unsere Presse mit der Presse der Bismarck'schen Ordnungsparteien vergleicht, wird sich überzeugen, daß die sozialdemokratische Partei die einzige war, welche Boulanger scharf bekämpfte uud ihn damals schon ähnlich beurtheilte, wie der französische General-Proknrator es zwei Jahre später gethan hat; daß dagegeu umgekehrt die Ordnungsparteien, und g a u z b e s o n d e r s die n ä ch st e n Freunde des Hans Blum, vermuthlich auch er selber, eine so eifrige Reklame für Boulanger machten, daß sie nicht mehr Eifer hätten entwickeln können, w e n» sie dafür bezahlt wären. Wir wollen den Spieß nicht umdrehen, und nicht behaupten, Hans Blum sei von Boulanger bezahlt worden, allein ivir könnten jedenfalls hierfür zehnmal plausiblere Gründe anführen, als er für seine Hans Blum'sche Beschuldiguug gegen uns. Bei dieser Gelegenheit noch eine Richtigstellung. Hans Blum läßt Boulanger Verbindungen mit französischen Kom- nmnards ec. haben; und er insinuirt, daß durch diese die Verbindung mit den deutschen Sozialdemokraten hergestellt worden sei. Es ist wahr, einige Kommunards haben sich mit Boulanger eingelassen. Diese sind aber von der sozia- listischen Partei in Frankreich ivie in Deutschland als Ver- rälher gebrandmarkt worden. Und sie waren insgesanimt rabiate Chauvinisten, wie der Lump Protot, der die deutsche Sozialdemokratie beschuldigte, sie stünde im Solde — Bismarck's. Vielleicht setzt Hans Blum sich mit Herrn Protot in Verbindung. Jetzt zu dem Meisterstück des Hans Blum. Es ist eine That— freilich nur eine negative. Von den„Zitaten" wollen wir jetzt nicht eingehend Eines Naäimittags— es waren etwa vierzehn Tage vergangen, seit er bettlägerig geworden war, hört er es klingeln. Seine Mutter ging, um zu öffnen, dann kam sie aufgeregt zurück und rief ihm zu: Cayrolaz ist da. Er besteht darauf. Dich zu sprechen. Nicht wahr. Du willst ihn doch nicht empfangen? Frau Messant konnte ihren Abscheu vor dem, den sie den Mörder ihres Sohnes nannte, nicht verbergen. Zu ihrer großen Ueberraschung sagte Renä ruhig: Cayrolaz! Warum sott ich ihn nicht empfangen? Laß ihn eintreten und da es Dir peinlich ist, ihn zu sehen, so laß mich allein mit ihm. Fran Messant zögerte noch, als ob ihrem Sohne in dieser Unterredung irgend welche Gefahr drohen könnte. Ich bitte Dich, Mutter, sagte Rene in flehendem Tone. Frau Messant antwortete nickils. Sie ging hinaus, und wenige Sekunden später stand Cayrolaz vor. dem Bette, aus dem der Kranke lag. O, mein lieber Kerl, stammelte er, wenn ich daran denke, daß ich Dich in diesen Zustand gebracht habe! Seine Stimme zitterte und versagte fast, als er fortfuhr: Ick wollte Dich um Verzeihung bitten. Ich danke Dir, daß Du mich anhören willst. Rene war von der Bewegung seines ehemaligen Käme- raden gerührt, dachte auch an jene Notiz, welche die erste Ursache ihres Streites gewesen war und sagte sanft aber doch bitter: Wegen des Degenstiches zürne ich Dir nicht mehr, ich hatte ihn wohl verdient. Aber den Artikel verdiente ich nicht, der wie ein hinterrücks verabreichter Dolch- stich war. Ach, Du weißt nicht, wie wütheud ich deshalb auf mich selbst bin, rief Cayrolaz. Ich bin dumm, ich bin nieder- trächtig gewesen. Du hast recht, wenn Du es sagst. Ich mache mir täglich Vorwürfe und werde es mir immer vor- werfen. Dieser alte Schurke, der Beruheim, hat mir eine schmutzige Arbeit zugemnthet. Aber warum hast Du sie angenommen? sagte Renö. (Fortsetzung solgt.) reden— das sei für ein andermal aufgehoben. Nur von einem. Daß Herr Hans Blum bei seinen„Zitaten', die sich alle um die 27g 000 Franks drehen, ans denen die Be- stechungsgelder für die deutsche Sozialdemokratie geflossen sein sollen, es sorgfältig vermeidet, zu sagen, daß der„brave Generals angeklagt und schuldig befunden ward, alles für seine Person und seine Staatsstreichszwecke unterschlagen zu haben,— daß Herr Hans Blum dies sorgfältig verschweigt, ist blos eine logische Konsequenz seiner gesellschaftsretterischen Mission. In unserem ersten Artikel theilten wir aus der Anklage- schrifl die Stelle mit, aus der die ganze Beweisführung des Haus Blum ruht. Wir lassen die Stelle nochnmls ab- drucken, und zwar in der typographisch sinnreichen Form, welche das Genie des Gesellschastsretters Hans Blum ihr zu geben verstand. Auf die Anklage, daß er— Boulanger— eine größere Geldsumme für ein B l a t t: den„A v e n i r N a t i o n a l", zu rein persönlichen Zwecken ausgegeben habe, erwidert der„brave General" in seiner Vertheidigungsschrift(S. 285 des„Daniel") nach dem Hans Blum'schen Zitat: „Ich wollte—— Sie nöthigen mich zu bedeutsamen Enthüllungen— unter meiner Hand Leute zur Verfügung haben, die mit den Sozialdemokrate» eines gewissen Landes Verbindungen unterhielten, so dah ich auf deren Dienste zählen konnte an dem Tag, der dem Ausbruch des Krieges vorausging, aber erst an diesem Tage." Sehen wir zu, wie die Stelle im französischen Original lautet: „Je voulais surtout— et vous me forcez a de graves revelations— avoir sous la main des gens ayant avec les socialistes d'un certain pays des relations, dont je comptais me servir le jour oü la guerre serait a la veille d'eelater, mais seulement ce jour 1 ä." Richtig, nicht Hans-Blumisch, übersetzt heißt das: Ich wollte vor allem— und Sie zwingen mich zu bedeutsamen Enthüllungen— unter meiner Hand Leute haben, die zu den Sozialisten eines gewissen Landes Bc- Ziehungen hätten, deren(nämlich Beziehungen) ich midi zu bedienen gedachte am Tage, wo der Krieg auf dem Punkt wäre auszubrechen, aber erst an diesem Tag. (Die letzten Worte sind im Original gesperrt.) Ein Vergleich mit der Haus Blum'schen Ucbersetzuug zeigt, daß diese, ganz abgesehen von der versuchten Täuschung durch den Fettdruck, die augebliche Absicht viel konkreter, greifbarer darstellt, als Boulanger gethan hat, und daß Haus Blum„die Beziehungen, deren Boulanger sich zu bedienen gedachte", zu leiblichen Sozialdemokraten sich verdichten läßt,„auf deren Dienste Boulanger zählen konnte!" Spiegelberg, Spiegelberg! Doch das ist nur ein harmloses Vorspiel der Meister- leistung. Und nun beobachte man den Meister an der Arbeit! Der oben falsch und täuschend wieder- gegebenen Stelle, deren Original S. 285 des„Daniel" steht, läßt Haus Blum, plötzlich um 29 Seiten des Originals zurückspringend, eine S. 256 des „Daniel" befindliche Stelle folgen, die in gar keinem oder höchstens dem denkbar entferntesten Zusammenhang mit jeuer Stelle steht, und auch nicht ein Wort enthält, das auf die deutsche Sozialdemokratie irgend bezug hätte. Zu diesem plötzlichen Zurückspringen hatte Hans Blum aber einen sehr guten Grund. Nämlich neun Zeilen hinter jener Stelle, die den Grundstein seiner monströsen Anklage gegen uns bildet, heißt es— in der Anklageschrift des Boulanger, dem es hier vor allem daraus ankani, die Beschuldigung der Unterschlagung von Staats gelber n zurückzuweisen, wörtlich(S. 286 des„Daniel"): La preuve, que je n'ai jamais voulu, comme vous le dites, faire une Operation commerciale, c'est que, du jour oü je me suis aper�u que ce joumal ne pouvait nous rendre les Services que noua attendions de lui, je cessai de lui donner de l'argent. Was in möglichst wortgetreuer Uebersetzung heißt: Der Beweis, daß ich niemals, wie Sie(der General- Prokurator) behaupien, ein Handelsgeschäft(mit dem Avenir National) macben wollte, ist, daß i ch am Tag, wo ich mich überzeugte, daß diese Zeitung uns nicht die erwartete» Dienste leisten konnte, aufhörte, für dieses Blatt Geld zu geben. Also Boulanger hat sich, wie er in seiner Vertheidigungs- schrifl ausdrücklich sagt, überzeugt, daß er sich in seinen Soff nungen auf„Beziehungen"„zu den ozialisten eines gewissen Landes" ge- täuscht hatte. Diese entscheidende Aussage hat Hans Blum unterschlagen. Das ist das Meisterstück; das ist die rettende Thal. Sie richtet sich selbst und ihren Urheber. Und das ist der neueste Gesellschaftsretter— das die neueste Gesellschastsrettung. Ter Retler ist seiner Gesell- schaft wcrth. Wie der Herr so der Tiener— wie der Diener so der Herr. Wie dieser Gesellschastsretter, so seine Gesellschaft. Und nur um diese zu brandmarken, haben wir den Menschen gekennzeichnet. Ueber ihn das Urtheil zu sprechen, verbietet uns das deutsche Gesetz, das den Gebrauch der Worte, welche die deutsche Sprache für solche Handlungen hat, mit Strafe belegt. Jeder ehrlicheMensch findet daS richtige Wort. VolitiMtS Ael»crNck»t. Berlin, den 25. Januar. Der Reichstag begann heute die erste Beralhung des Binnenschifffahrts-Gesetzes. Während sämmt- liche Redner die Nothwendigkeit des Gesetzes an sich an- erkannten, begegneten doch namentlich die Bestimmungen über den �Befähigungsnachweis und über die zwangsweise Zurückführung von Schiffsangestcllten in das Arbeitsverhällniß von verschiedener Seite Einwendungen. Staatssekretär Dtieberding erklärte, daß der Bundes- rath den Befähigungsnachweis nur da einführen würde, wo das Bedürfniß nachgewiesen sei und keineswegs gegen den Widerstand der Interessenten. Am Schluß sprach in längeren Ausführungen noch unser Genosse G e r i s ch, der heute seine erste Rede im Reichstag hielt. Er ging die einzelnen Bestimmungen des Gesetzes sorg- sältig durch und wies namentlich aus viele Punkte hin, die umgestaltet werden müssen, wenn das Gesetz den Interessen auä) der kleinen Schiffer und Arbeiter einigermaßen cnt- gegen kominen soll.— Die Bcrathung wird am Sonnabend sortgesetzt.— Im preufiischc» Abgeordnetenhaus standen heute zunächst das neue preußische Gerichtskosteugesetz und die G e b ü h r e n o r d n u n g für N o t a r e zur Debatte. Justizminister Schönstedt hielt im Abgeordnetcnhause seine Jungfernrede, die allerdings nur sehr kurz ausfiel und sich darauf beschränkte, einige Erläuterungen zu dem vorgelegten Gesetze zu geben und deren Annahme zu empfehlen. Es handele sich im wesentlichen darum, die Gcrichtskosten für die kleineren Objekte zu erniedrigen, die für die großen Objekte zu erhöhen. Eine Vergrößerung der Einnahmen für den Fiskus werde nicht beabsichtigt. — Die folgenden Diskussionsredner, die sich eben- falls meist kurz faßten, waren im wesentlichen mit der Tendenz des Entwurfs einverstanden, aber nicht alle über- zeugt, daß der Staat dabei nicht doch ein Geschäft machen werde. Diesen Glauben suchte Herr Finanzminister Miqnel zu zerstreuen, indem er diploniatisch, wie er ist, erklärte, die Vorlage wäre nicht daraufhin ausgearbeitet, erheb- liche Mehreinnahmen zu erzielen. Man weiß, was das bei Herrn Miqnel bedeutet.— Mit einigen kurzen Be- merkungen des Justizministers schloß um 2 Uhr die im allgemeinen recht wenig interessante Debatte.— Der VundeSrath bat in seiner heutigen Sitzung dem An- trage der betreffenden Ausschüsse zu dem Entwurf eines Tabak- steuer-Gesetzes, dem Ausschußbericht über den Gesetz- entwnrf, betreffend die anderivcite Ordnung des Finanz- iv e s e n s des Reichs, dem mündlichen Ausschuß- bericht über die Vorlage, betreffend die Behandlung der abgestempelten S ch u l d v e r s d) r e i b u n g e n der russi- schen ersten Staats- Prämienanleihe von 1864, dem Ausschußbericht über den Gesetzentwurf wegen Fest- stellung des La n desHaus Halts-Etats von Elsaß- Lothringen für 1695 96 die Zustimmung, und dem Antrag des IV. Ausschusses zu den Entwürfen von Bestimmungen betr. Ausnahmen von dem Verbot der Sonntagsarbeit in gewerblichen Anlagen, sowie dem Aiissdmßbendst über den Entwurf einer Verordnung wegen des völligen Inkrafttretens der auf die Sonn- tagsruhe bezüglichen Bestimniungen der Ge- werbe-Ordnungs- Novelle vom 1. Juni 1891 die Zustimmung mit einigen Abänderungen erlheilt, ferner den Gesetzentwurf über die Ausführung des mit Oesterreich-Ungarn abgeschloffenen Zollkartells und den Gesetzentwurf wegen Abänderung des Gesetzes über die Erwerbs- und W i r t h- schafts-Genossenschaften vom 1. Mai 1879 den zu- ständigen Ausschüssen überwiesen. Ter Gesetzentwurf für Elsaß- Lothringen, betreffend die Sparkassen, soll dem Landes- ausschusse unverändert wieder vorgelegt werden.— Das preußische Stempelstener-Gesetz soll in der ersten Hälfte des nächsten Monats dem Landtage zugehen.— Das Zeugnisszwniigsverfahren, das auf Ansuchen des Landrathes von Nieder barnim gegen die Redaktion des„Vorwärts" eingeleitet wurde, nahm heute seinen Fortgang. Unser Redakteur Braun war vor den beauftragten Richter geladen, um mit der Person konfrontirt zu werden, gegen welche sich der Verdacht richtet, dem„Vorwärts" die geheimen Erlasse des Landrathes von Niederbarnim verschafft zu haben. UnserRedak- teurhatteinderZeit nach Weihnachten durch einenZufall genaue Kenntniß von dem Namen und dem'Aussehen der Person erhalten, die die Aktenstücke uns zugänglich gemacht hatte. Er erklärte dem Richter, daß er es mit seiner Berufsehre nicht vereinbar halte, über die ihm gewordenen Kenntnisse auszusagen und berief sich auch auf§ 54 der Sl.-Pr.-O. Die Folge hiervon war, daß unser Kollege Braun zu 50 M. Geldstrafe, zur Tragring der durch seine Weigerung erwachsenen Kosten und zu Haft vernrtheilt wurde. Als Antrittstermin der Haft wurde der 8. Februar festgesetzt. Braun hat die erforderlichen Rechtsmittel gegen dieses Urtheil ergriffen.— AuS dem deutschen Soldateuleben sei folgende der „Leipziger Volkszeilung" entnommei e Geschick, te verzeichnet: Am>9. Oktober v. I. entfernte sich aus der Magdeburger Garnison der Soldat Werner vom 66. Jnfanterie-Regiment und wurde seitdem als fahnenflückitig verfolgt, obgleich von den Angehörigen des Soldaten, der im zweiten Jahre diente, be- haupiet wurde, daß dieser sich das Leben genommen habe. In einem Briefe, der den Ansgabestempel des 19. Okiobers trug, theilte nämlich der Soldat seinen Angehörigen mit, daß er, ehe er dem Wahnsinn verfalle, sich lieber das Leben nehmen werde. In dem der Redaktion der„Leipziger Volkszeitnng" vorliegenden mit Bleistift geschriebenen Briete heißt es: Wenn Du den Brief bekommst, bin ick) nicht mehr unter den Lebenden; ein Unterosfizier hat zu mir gesagt, ich wäre kein Soldat, sondern ein Sozialdemokrat, ehe ich dem Wahn- sinn verfalle lieber will ich sterben. Diese erschütternden Abschiedsworte eines Unglücklichen werden vielleicbt die Militärverwaltung veranlassen, den Thatbestand klarzustellen. Am 31. Dezember, also nach etwa 10 Wochen, schwamm bei Rogätz bei Magdeburg am Sckortauer Elbufer die Leiche eines Soldaten an, in der alsbald die des vermißten Werner erkannt wurde. Dies wurde den Rogätzer, Burger und Schorlauer Polizeibehörden gemeldet, aber niemand sah sich, wie wir schon berichtet haben, veranlaßt, die Leiche aufzubeben, da der Landungsort streitiges Gebiet war. So lag die Leiche des tobten Musketiers bis zum 19. Januar, mit einem Strick an- gebunden, am Elbufcr. Verwandle waren auf die Leiche auf- nierksam gemacht worden und sorgten nun unverzüglich für die Beerdigung. Wäre das nicht geschehen, läge vielleicbt heule noch die Leiche an ihrem Platze. In welchem Zustande sicki die Leiche »ach drei Monate» befunden habe» mag, lann man sick, denken. Von Verwandten wird erzählt, daß an der Leickie schon die Rabe» genagt hätten. Das betrübende Ende dieses jungen Sol- baten verdient gewiß das innigfle Mitleid. Erst ging er in de» Tod, um nicht dem Wahnsinn zu verfallen, und dann wird er, weil keine Behörde sich verpflichtet fühlte, die Leiche aufzuheben, aucd noch ein Fraß der Raben. Das ist in einem christlichen Staate möglich. Bürgerthum und Lluarchie. Die Verwandtschaft der bürgerlich-kapitaliftischen Gesellschaft und des Anarchis- mus wird von unseren Gegnern hartnäckig geleugnet. Und da sie ihre sehr guten praktischen Gründe hierzu haben, verzichten wir auch darauf, die Herren zu überzeugen. Als einen Beweis für die Richtigkeit des Satzes wollen wir hier aber eine Thatsache anführen, die für den, welcher jene Verwandtschaft nicht kennt, allerdings etwas Unbegreif- liches, ja geradezu Verblüffendes haben muß. Wir meinen die Thatsache, daß die ehrlichen Anarchisten fast reget- mäßig auf die reine Gewerkschaftsbewegung mit Produktivgenossenschaften und Konsum- vereinen versallen. Wir haben dies in Frankreich und Amerika erlebt und wir erleben es seit erniger Zeit in Deutschland. Schon vor anderthalb Jahren ivarfen unsere„unabhängigen" Anarchisten sich mit vielem Lärm auf die Eewerkschafts- Bewegung; und vor einigen Tagen hat die kleine Berliner„Anarcksisten"- Gemeinde ausdrücklich beschlossen, Produktivgenossenschoften zu gründen. Damit wäre der deutsd)e Anarchismus glücklich bei Schulze-Delitzsch angekommen. Und das ist kein Prinzipienverrath, sondern einfache Logik. Die Arbeiter, ivelche den politischen Kampf nicht wollen und des j? l a s s e n r a m p f s sich nicht bewußt sind, müssen mit Nothwendigkeit, sobald sie durch den„revolutionären" Phrasendunst hindurch auf den Boden der Praxis vor- dringen, in die bürgerliche Gesellschaft mit ihren bürger- lichen Palliativmittelchen hineingerathen. So unbedeutend nun auch die von uns hier erwähnte Thatsache an sich ist, so bildet sie doch ein untrüglickies Symptom für den reaktionären Grundcharakter des Anardsismus, der ein und dieselbe Wurzel hat mit dem Kapitalismus.— Erhebungen über die Hochwassergefahren. Seit längerer Zeit zum ersten Male wieder die bekannte offiziöse Schrift ge- brauchend, schreibt heule die„Nordd. Allg. Ztg.": Im Hinblick auf die sich mehrenden Zeitungsnachrichten über bevorstehende Hochwassergefahren, insbesondere an der Weichsel und am Rhein, hat der Reichskanzler Fürst Hohenlohe nähere Untersuchungen darüber veranlaßt, inwieweit die in der Presse geäußerten Besorgnisse nach Lage der Verhältnisse an den Hauplftrömen Preußens gerechtfertigt erscheinen.— Ter Reichstags-Abgeordnete und Hospitant der konservativen Fraktion Zorn v. Bulach, hat infolge seiner Ernennung zum Unterstaatssckretär sein Mandat niedergelegt.— Die Finanzen der Schweiz. Aus Bern wird telegraphirt: Ter Ausschuß des Nationalrathcs zur Prüfung der finanziellen Lage der Eidgenoffenschaft beantragt einige Er- sparnisse ini Militärdepartement durch Ver- kürzung einzelner Kurse, ferner die Festsetzung eines jährlichen Maximums der Ausgaben für die Förderung der Kunst und des Landesmuseums, für die Erbauung von Wildbahnen, für Korrektionen, Straßcubauten und Hockibaulen, für Aufforstungen ec., soivie die Erhöhung der von den Versicherungs-Gesellschaflen zu entrichtenden Prämien auf l'/epCt. Außerdem soll der Bundes- rath die Frage der Gebührenerhöhung für Eisenbahnkonzessionen prüfen.— Für Religion, Ordnung und Sitte wird in zahl- reichen Reaktionsblättern, namentlich in der gesammten Provinzialpresse, die Nachricht verbreitet, in M a r s e i l e s seien die sozialistischen Gemeinderälhe aller möglichen Unterschleife und Mißbräuche überführt worden. Um Ab- wcchselung in die Sache zu bringen, wird in verschiedenen Blättern St. Denis oder R o u b a i x statt Marseille ge- nannt. Wie schwer doch diese bürgerliche Gesellschaft zu „retten" ist! Die betreffenden Schauergeschichten sind genau so wahr, wie die Hans Blum'schen„Enthüllungen". Auch in Frankreich gicbl es Hans Blume!— Heber den Schluß der Session des italienischen Parlamentes schreibt unser italienischer Korrespondent: Die Session des italienischen Parlamentes ist geschlossen, die Auflösung der Kammer steht bevor und Crispi wird als triumphirender Diktalor die Neuwahlen leiten. Das ist die Moral der bürgerlichen Geschichte Italiens und die Königsmoral des Hauses Savoyen. das seinem von Mazzini ihm prophezeiten Ge- schick unler der Firma der zwei schönen Seelen Crispi-Umberlo mit dem sicheren Schrill des Fatums entgegengeht. Wessen sich die Welt von den Wahlmanövern Crispi's zu versehen haben wird, dafür bietet schon heule Mailand sichtbare und lauthörbare Zeugnisse. Es werden nämlicki in Mailand in regelmäßigen Zwischenräumen geheimuißvolle Bomben gefunden. Äußert cm hat Crispi bereits drei neue kleine Journale — außer der größeren Sera— für die Zeit der Wahlen zur richtigen Vorbereitung in Mailand angekauit und was diese von Räubergeschichten aus Mailand ihren Brudcrorgancn in Rom, dem„Giornale" und der„Riiorma" zum höheren Rukme Crispi's zu melden wissen, das grenzt an Dr. Hans Barch, dem Ehren-Preßuann des„Berliner Tageblatt". Ter Moid res Oteistaalsnnwalts von Mailand durch ein verkommenes In- dividuum, das als Einbreckzer die Halste seines Lebens in Zucht- Häusern zubrachte, mußte besonders als Anarchistenlhal her- halten, nud in rührender Seelengemeinschaft juvelle bei den Nachrichten aus Rom über den Mord in Mailand die„Wiener Neue Freie Presse" aus in dem Ausruf:„Crispi hat Glück!" Der geistvolle P. Bettina aus Chiavenna schreibt i» einer treffende» Betrachtung:„Italien hat heule zwei Hauplslädie: R o m und Mailand. In der eine» drängen und mischen sich die Sklaven der allen Papstherrschaft, die Hand- und Tellerlecker der neuen Monarchie, die Abeuteurer und Paranten aller Gattung in sold>er Menge, daß die eigentlich arbeitende Bevölkerung nieder- gequelschl(icbiacciata) und in Furcht gehallen ist durch diese schäm- lose Einwanderung. In der anderen Hauptstadl wirken und sd>affen die lebenskräftigsten Elemente der arbeitsamsten Provinzen Italiens. Alle Rückschrittsmänncr sehen beute nach Rom, alle Vorwärtsstrebenden blicken aus Mailand. Dort leert die Zentral- gewalt des Landes die Tasdien der Bürger, beraubt die öffent- lichen Banken, korrumpirt die Presse, unterdrückt jede Jnilinlive, füllt die Kerker Italiens mit edel», rechtschaffenen, iiiielligenien. von Tausenden verehrten Männern und lernt in Abeifinien die Methode ihrer Regierung. Hier in Mailand organisirt ein glühender Freiheiisdrang die Opposition gegen diese Regierung, giebt der unabhängigen Presse Leben, dem freien Gedanken Alis- druck, erzieht das Volk, schaff! Jnduslrieiverke, füllt die Spar» knssen, studirt und lernt von den vorgesdiriltensten und gebildeisten Nachbar-Nationen die Systeme einer Volksherrschaft."— Diese Worte seien den römischen Berlänmdern Mailands ins Stamm- buch geschrieben; ihre Wahrheit wird sich glänzend bewähren in den Tagen, wo sich Mazzini's Wort zu erfüllen beginnt. Gabriele Boseo in Palermo und Costa in Bndrio sind gewähll trotz der riesenhaitesten Gegenanstrengungen der Regierungsbande in Rom. Auf Veraiilaffuug Crispi's mußle der Präseki von Palermo, Cavasola, sofort abdanken. Er läßt aber in den öffentlichen Blätter» erklären, daß er sich diese Bedand- lung nicht gefallen lasse und beim obersten Tisziplinar-Gerichls- Hof gegen den brutalen Gewaltstreich, der ihn bei treuer Pflicht- erfülluiig getroffen, Prolest und Beschwerde eingelegt habe. Costa erhält von alle» Seilen, nicht nur sozialistischen. Glück- wunsch-Schreiben. Die Aussickte» für die Sozialisten bei der berorstehenden allgemeinen Wahl sind vorzüglich. Hundert- tauiende von Stimmen der Radikalen, die ihnen Crispi's Wirlh» schaft für immer gewonnen hat, werden ihnen zufallen. Tie Rnssophilen an der Arbeit in Bulgarien. Wie der„Franks. Ztg." ans Petersburg gemeldet wird, ist in hiesigen panslavistischeu Kreise» bekannt, daß die Russophilen in Bulgarien geheime Verbindungen unterhalten, und daß man daselbst in chädister Zeit wicbtige Vorgänge erwartet. Der Gewährsmann des Korrespondenten der„Franks. Ztg." könne oder wolle sich nicht näher erklären, er scheine aber davon überzeugt zu sein, daß die Stellung des Fürsten Ferdinand erschüttert und ein Zusammengehen Zankow's, Karawelow's und Stambulow's nicht atisgeschlosjen sei. Einer seiner Gewäbrsmänner äußerte sich dahin, daß Fürst Ferdinand arg enttäuscht sein dürste, wenn er glaube, sich aus das Heer verlassen zu können. Griechenland. Nach dem Rücklrilie Trikurpis hat, wie das in Griechenland fast immer seit Jahrzehnten Regel war, Delijannis ein Riinisterium gebildet, dessen erste That die Auflösung der Kammer war. Tie Neuwahlen sind aus den 17. März festgesetzt worden. Die neuen Minister mußten dem Könige die Zusage machen, bei den nächsten Parlamentswahlen nicht als Kandidaten aufzutreten.— Ter Netv-Aorker Traiiiwahstreik wird von der kapitalistischen Presse ähnlich behandelt, wie voriges Jahr der Pullman'sche Eisenbahnstreik. Arge Gewallthätigkeiten werden den Arbeitern zur Last gelegt und die Vorkommnisse aufs tollste tendenziös übertrieben und entstellt. Obgleich wir die volle Wahrheit noch nicht kennen, so dürfen wir doch nach der Analogie früherer amerikanischer Konflikte zwischen Kapital und Arbeit überzeugt sein, daß neun Zehntel der durch den Telegraph uns übermittelten Schauergeschichten erlogen sind und das letzte Zehntel nicht wahr— d. h. nicht wahr in der erzählten Form. In diesem Fall hat der Lügen- Telegraph übrigens sich selbst verrathen, indem er mittheilt, daß das Publikum durchaus mit den Streikenden sympathisirt, und daß die U n t e r u e h m e r ein Schiedsgericht, das die Arbeiter anboten, zurückgewiesen haben. Ganz wie beim Pnllmaw streik.— Tie allgemeine Amnestie in Argentinien, die Ursache der Präsidenischaftskrise, wurde vom Kongresse bewilligt. Vom chinesisch-japanischen Kriegsschanplafte liegen folgende Mittheilungen vor: London, 25. Januar. Nach einer Meldung der„Times" aus Shanghai den 24. d. M. haben die japanischen Truppen jetzt Wei-hai-wei eingeschlossen. Seitens der Chinesen wird behauptet, Wei-kai-wei habe eine Garnison und Lebensmittel, die gestalteten, einem längeren Angriffe zu understehen. Dolo Haina, 25. Januar.(Meldung d.„Renter'schen Bureaus.) Eine amtliche Depesche des Generals Nodzu lautet: Der Feind griff uns am 17. d. M. bei Haiicheng an. Achttausend Mann unter General Chang standen auf unserem rechten, sechstausend Mann unter General Vini auf unserem linke» Flügel. Nach dem Gefecht wurden 21 Leichen, darunter die von zwei Offizieren, ge- sunden. Die Eingeborenen sagen aus, die Chinesen hätten über Ivo Mann verloren. Nachdem die Chinesen in der Nähe von Changhulai und Dontai gelagert hatten, zogen sie sich am nächsten Morgen nordwärts zurück.— London, 25. Januar. Wie dem„Rcuter'schcn Bureau" heute aus Tokio mitgetheilt wird, werden nach einer amtlichen Meldung die chinesischen Friedensunterhändler heute von Shanghai nach Japan abreisen. Bei ihrer Ankunft in Japan werden die Unterhändler sich mit der Eisenbahn von Kode nach Hiroshima begeben, wo sich der Kaiser und die Minister be- finden. Mticher Anarchi ften-Uvozeß/) (Original-Bericht.) Lüttich, den 24. Januar. Seit zehn Tagen verhandelt das Lütlichcr Geschworenen- gerichl gegen 13 Anarchisten, die beschuldigt sind, im vorigen Frühjahr vier Dynainitattentate in Lüttich verübt zu haben. Der Prozeß, dessen Vorgeschichte bekannt sein dürfte, hat seine Be- dcutung vor allem durch den Umstand erhalten, daß er auf die Thätigkeit des russischen Lockspitzels Baron Ungern- Stern- berg rscts Cyprian Andreas Jugolkowski, genügend Licht wirst. Nach den bisherigen Ergebnissen der Verhandlung kann es keinem Zweifel mehr unterliegen, daß man in diesem, von der russischen Polizei jetzt so zärtlich behüteten Burschen, einen in russischem Solde stehenden agent provocateur vor sich hat. Die russische Polizei ist bekanntlich großherzig genug, nicht nur der „Ordnung" im eigenen Lande zu dienen, sie sorgt für die ge- sammte europäische Reaktion, die aus einigen zur rechten Zeit eintreffenden Dynamit-Attentaten ausgezeichnet Nutzen zu ziehen versteht. Auch die Lüttichcr Attentate sind offenbar zu diesem Zweck veranlaßt worden. Das Rezept, das zur Anwendung kam, war sehr einfach. Man schickte einen leidlich geschickten, mit Geld- mittel» von dem famosen Herrn Leonard, in Paris Rue de Erenelle 79 wohnhaft, reichlich ausgerüsteten Lumpen nach der belgischen Industriestadt, die, wie die Attentate des Jahres 1892 bewiesen haben, als guter Boden für anarchistische Experimente gelten kann. Dem Spitzel fällt es nicht schwer, eine Anzahl Leute aus der untersten Schicht der Bevölkerung, das richtige Lumpengesindel, um sich zu sammeln, das gegen Bezahlung zu allem zu haben ist. Hierzu komineu ein paar gut gläubige Fana- titer, die sich im Ernste einbilden, durch das Geräusch einer platzenden Bombe die bürgerliche Gesellschaft zur sofortigen Ab- dankung zu zwingen. Sind genug Vögel auf den Leim gegangen, dann wird die Sache ins Werk gesetzt. Der Spitzel muß nur noch dafür svrgen, daß die Dynamilattentate mög. lichst harmlos verlausen. Und das hat Jagolkowsli auch ganz gut verslanden. Die Bomben, die in Lütiich verwandt wurden, waren aus alten Zigarrenkisten und Konservenbüchsen angefertigt, ihre Füllung iheils aus großen Mengen verdorbenen Dynamits, das aus einem Bergwerk der Umgegend gestohlen, von Jagolkowski aber vermuthlich un- schädlich gemacht war. Daß sich mit solchen Höllenmaschinen höchstens einig« Fensterscheiben zertrümmern lasten, haben die Ereignisse und die Sachverständigen bestätigt. Nur ein Fall macht eine Ausnahme. Das Attentat im Hause des Arztes Dr. Renson in der Rue de la paix, ober auck hier wirkte die Bombe nur durch einen Zufall gefährlich. Dr. Renson kam mit seiner Frau spät nach Hause und hielt die glühende Lunte der Bombe für das leuchtende Auge seiner Hauskatze. Er wollte das Thier mit dem Stocke vertreiben, bückte sich und die in diesem Augenblick platzende Bombe verletzte den Kurzsichtigen nicht unerheblich. Jagolkowski scheint aber noch eine weitere Aufgabe ge- habt zu haben. Er suchte auch deutsche und holländische Sozialdemokralen in seine Pläne zu verwickeln. Bei den in Lüttich wohnenden deutschen Genossen hatte er wenig Glück. Er wurde in den meisten Fällen kurz abgewiesen, und in die Anklage ist nur ein Deutscher, namens Wille, ein früherer Kellner aus Hamburg, verwickelt, der sich zur Sozialdemokratie bekennt, im übrigen aber ent- schieden in Abrede stellt, sich an den Altentaten irgendwie be- theiligl zu haben. Etwas unvorsichtiger scheint unser holländischer Genosse Vliegen, der Sekretär der neu gegründeten sozialdemokrati- scheu Partei gewesen zu sein, ohne dap aber auch er irgend etwas mit den Attentaten zu thun gehabt hat. Seine Unvorsichtig- keit besteht darin, daß er dem Russen, der ihn in Diaastricht aussuchte, nicht sofort vor das Thor gesetzt hat. Bei einer Haus- suchung wurde ein Brief des Russen an ihn gefunden. Vliegen versickert ausdrücklich, und sein Wort gilt bei den holländischen Genosse», daß er diesen Brief niemals erhallen und gelesen hat. Nur die eine Erklärung bleibt übrig, daß der Spitzel das Schreiben bei seinem Besuche eingeschmuggelt und für die holländische Polizei hinterlegt hat. Der Brief ist übrigens zum ') Da der Lütticher Anarchistenprozeß mehr und mehr all- gemeines Interesse erregt, namentlich geeignet ist. grelle Streif» lichter auf das Treiben der internationalen Spitzelwirthschaft zu werfen, haben wir einen Spezial-Korrespondenten nach Lüttich gesandt, um uns über die Verhandlungen zu be- richten, dessen erster Bericht im obigen vorliegt. Anlaß für die Einbeziehung Vliegen's in die Anklage geworden. Vliegen ist bekanntlich nicht erschienen, weil er, wie er im „Volkslribun" erklärt, den Prozeß für eine„gemachte Sache" hält. Dieser Ansicht begegnet man auch in der belgischen Presse Sicher ist jedenfalls, daß außer Jagolkowski noch andere ver- dächtige Individuen, wenn sie sich aucn jetzt unter den Angeklagten mit befinden, die Hände mit im Spiele gehabt haben. Da ist vor allem der Wirth Schlebach zu nennen. Vor Jahren wurde er ans Lültich ausgewiesen; er kehrte aber trotz- dem nach Lüttich zurück und blieb von der Polizei un- behelligt, obgleich oder vielleicht weil seine Wirthschaft der Sammelpunkt aller Lütticher»nd auch der fremden, durchreisenden Anarchisten war. Schlebach ist seit lange verdächtig, mit der Polizei unter einer Decke gesteckt und seine Kneipe zur Mausefalle für Anarchisten gemacht zu haben. Der Ausgang des Prozesses und vor allem das Strafmaß, das gegen Schlebach angewendet wird, werden hierüber wohl am besten Auskunft geben. Tasselbe gilt auch von dem Angekl. Müller, der im Ver- dachte steht, als Kronzeuge in dem Drama mitzuwirken. Jeden- falls liefert Müller durch seine Aussagen und Beschuldigungen das hauptsächliche Material für die Anklage. Uebrigens ist jetzt auch die Persönlichleit des geheimnißvollen „Theodor", des Tynamitlieferanten, festgestellt. Es ist dies einer der Angeklagten, Tveodor Vossem, der von Müller in dieser Be- ziehung belastet wird. Die Verhandlungen gehen in dem früheren bischöflichen Palais, dem jetzigen Justizgebäude, vor sich. Das Schwur- gericht tagt in einem prächtigen, hochgewölbten Saale. Eine kleine Militärmacht und Gendarmen in hohen Bären- mutzen, sind aufgeboten, um die Zugänge zum Saale zu besetzen, die Angeklagten zu bewachen und die Zuhörer in gebührendem Respekt zu halten. Ueberall blitzen die Bajonette. Ter Garten- Hof des Palastes ist von der Polizei sorgfältig nach Bomben abgesucht worden. Aber seitdem Jagolkowski verschwunden ist, giebt es auch keine Bomben in Lültich mehr. Der Andrang zu den Verhandlungen ist nach wie vor außerordentlich groß. Für das Schicksal der beiden in den Prozeß verwickelten Bourgeois- söhnchen Arnold und Leblanc scheint sich die Lütticher Bourgeoisie sehr zu interessiren; Herren in Rock und mit Zylinder bilden mit ihren Damen die Mehrzahl der Zuhörer. Die beiden bürgerlichen Freunde des verschwundenen Barons machen einen sehr harmlosen Eindruck. Sie haben den Spitzel in der Restauration von Tits, wo er logirte, abends beim Spiel kennen gelernt und er scheint ihnen durch seine Kraft- phrasen nicht wenig imponirt zu haben. Ihnen zu Ehren hat er auch einmal eine kleine Zündkapsel auf dem Ofen des Restaurants cxplodiren lassen. Sie bezahlen das Vergnügen dieser Bekanntschast ziemlich theuer Ter Russe war offenbar überall bemüht, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden und hat sie erfolgreich angepumpt. Noch theurer kommt ihnen die Anklage zu stehen. Leblanc's Vater zahlt dem Advokaten für die Vertheidignng seines Sprößlings im Falle der Freisprechung 29 009 Franks. Die heutigen Verhandlungen b�.ul am Vormittag nicht viel Interessantes. Das Attentat an der St. Jacqnes-Kirche, das am Abend des 28. April in Szene gesetzt wurde, bildete den Hauptpunkt. Nach der Aussage Müller's sind außer dem Russen und ihm die Angeklagten Berg, Verbist und Joris die Akteure gewesen. Das Attentat hat einigen Fensterscheiben das Leben gekostet. Tie Angeklagten Berg, Verbist und Joris be- streiten aber energisch ihre Betheiligung und haben durch ihre Vertheidiger einen umfangreichen Alibibeweis antreten lasse». Berg und Verbist behaupten, an dem fraglichen Abend um- gezogen zu sein und ihren Koffer aus der alten in die neue Wohnung geschafft zu haben; Joris will sich zur Stunde des Attentats bei Schlebach aitsgehalten und von der Explosion erst lange nachher gehört haben. Es werden nun eine große Anzahl von Zeugen über diese Punkte vernommen. Ihre Aussagen sind aber im allgemeinen schwankend und unbestimmt. Die einen glauben in den eben genannten Angeklagten den Altentäter wiederzuerkennen, die anderen nicht. So sagt die Wäscherin, verwillwele Frau Salutynsky folgendes aus: Ich war ani Abend des Attentates in der Nähe der Kirche St. Jasques. Ein Gassenbube kam an uns heran, sah mir ins Gesickt und stellte sich dann a>t der nächsten Straßenecke aus. Ich hörte einen Pfiff und sah wie ein Mann die Kirche entlang lief. Nnmittelbar darauf erfolgte die Explosion, und ich wurde umgerissen. Dann sah ich, wie sich drei Männer rasch entfernten." Die Zeugin muß die Angeklagten Müller, Berg, Joris und Verblst mustern, vermag aber nicht ihre Identität festzustellen. Tagegen will die nächste Zeugin, ein vierzehnjähriges Mädchen, namens Marie Rovenne, die mit einer Freundin in der Nähe der Kirche stand, in dem Angcklagten Berg einen der Attentäter bestimmt wieder erkennen. Berg muß einen Hut aussetzen, der aber nicht ihm, sondern dem Angeklagten Verbist gehört.„Ja, das ist er", ruft die Zeugin. Ter Untersuchungsrichter Seny bestätigt, daß die Zeugin bei der Voruntersuchung sofort das Porträt des Angekl. Berg erkannt habe, als ihr die Bilder der Angeklagten vorgelegt wurden. Einer der Vertheidiger wundert sich,' daß die Zeugin erst vier Monate nach dem Attentat mit Berg konsroniirt worden sei. Unter- suchungsrickter Seny: Wir hörten erst im August zufällig von dieser Zeugin. � Ter Zeuge, Schlosser S i e r a r d aus Lütlich, war am 23. April um 9 Uhr abends bei Schlebach. Er hat um diese Zeit den Russen und Joris dort geseben. Der nächste Zeuge aber bestreitet wieder diese Angaben. So ergiebl sich eine widerspruchsvolle Darstellung, die von den übrigen Zeugenaussagen nicht aufgehellt wird. Stur aus einer sei noch dervorgehoben— es ist die eines Malers Franz Villen aus Lüttich— daß bei Schlebach der Angeklagte Verbist öffenl- lich als Spitzel bezeichnet wurde. Diese gegenseitigen Verdächli- gungen gehören mit zum Bilde. In der Nachniittags- Sitzung werden diese Zeugen- Vernehmungen sortgesetzt. Hauptsächlich kommen jetzt die Ent- lastungszeugeli der Angeklagten zum Wort. Wie der Prä- sident niitlheilt, wird der Zeuge Lukas, dem der Russe >50 Franks schuldig ist, die er vergeblich bei der russischen Bot- schafl zu Paris einzuziehen suchte, morgen auf Wunsch des Arnold'sche» Vertheidigers vernommen>ve>de». Eine'Anzahl Studenten sagt zu gunsten der Angeklagten Arnold und Leblanc aus. Beide hätten unniitielbar nach dem Attentat an der Kirche nichts davon gewußt. Leblanc habe nach dem Attentat erklärt, daß man die Anarchisten nunmehr nach dem Grundsätze: Auge um Auge, Zahn um Zahn bebandeln müsse.— Die Aussage eines vierzehnjährige» Mädchens, der Schneiderin Therese Hummelers, ruft einen Zivischensall hervor. Sie sagt aus, daß sie am Abend des Attentats zwei Männer mit einem Koffer gesehen. Sie habe sie nicht gekannt, ihr Begleiter, ein Arbeiter namens Wasson, aber habe zu dem einen dieser Männer gesagt: Guten Abend Verbist! Diese Aussagej stimmt niit den Angaben der Zeugin in der Voruntersuchung nicht übercin. Der erste Staatsanwalt will die Aussage Protokolliren lasten, um eine Anklage wegen Falscheides gegen das Mädchen anhängig zu machen. Der Vorfitzende aber verhindert es. Er vernimmt die Zeugin noch einmal und legt ihr nahe, ihre Aussage unbestimmter zu fassen. Die ängstlich gewordene Zeugin bringt nun ihre Aussagen in Uebereinstimmung. Bald darauf geräth wieder eine Zeugin in den Verdacht des Meineides. Es ist eine Entlastungszeugin für den Angeklagten Berg, dessen Geliebte sie sein soll. Ihre Aussage wird protokollirr. Ein Zeuge sagt aus, daß der Vater des Angeklagten Berg große Anstrengungen gemacht habe, um einen Alibibeweis zu gunsten seines Sohnes zu er- bringen; er sei von dem Alten bedroht worden, weil er gesagt habe, die beiden Männer mit dem Koffer seien nickt Berg und Joris, sondern zwei Maurer gewesen. Mit der Vernehmung dieses Zeugen schließt die Sitzung gegen 7 Uhr abendS. Am Dienstag wurde in dem Zellenwagen, der die Angeklagteit von und nach dem Gefängniß bringt, ein Revolver gefunden. Darob große Ausregung, Verdoppelung der Gendarmerie und strengste Untersuchung. Heut hat sich nun herausgestellt, daß der Revolver von einem verhafteten Bettler im Zellenwagen versteckt worden ist. Die Angeklagten haben von der Existenz des Revolvers nichts gewußt. VnvlQittenkavisölies. I» der Umsturz- Kommission begann heute die Debatte über den ß lila der Vorlage. Derselbe hat folgenden Wort- laut: Gegen denjenigen, ivelcher auf die im sZ 119 bezeichnete Weise ein Verbrechen oder eines der in den§Z 113 bis 115, 134, 125, 249, 242, 353, 395, 317, 321 vorgesehenen Vergehen a n p r e i st oder als erlaubt darstellt, finden die Strafvorschriften Anwendung, die nach§ III Absatz 2 für den Fall der Ausforderung zur Begehung einer solchen strafbaren Handlung gelten. Zu diesem Paragraphen lagen Anträge von den Abgg. D.r. Barth(frs. Vg.). Greiß und Genossen(Z.) und Boltz(natl.) vor. Der Antrag des Abg. Dr. Barth lautet: im§ 111a a)§§ 124 und 253 zu streichen, st) die§§ 291, 292, 295 vor§ 249 einzufügen, c) statt der Worte„anpreist oder als erlaubt darstellt" zu setzen:„in der Absicht anpreist oder als erlaubt darstellt, da- durch zur Begehung der bezeichneten strafbaren Handlungen an- zureizen." Greiß»nd Genossen beantragen.j den§ 111a wie folgt zu fassen: Gegen denjenigen, welcher aus die im Z 119 bezeichnete Weise ein Verbrechen oder eines der in den ZZ 115, 124, 125, 166, 167,-172, 291, 295, 242, 395, 317, 321 vorgesehenen Vergehen anpreist oder als rühmlich darstellt, um zu deren Be- gehung anzureizen, finden die Strasvorschriften Anwendung, die nach§ 111 Absatz 2 für den Fall der Aufforderung zur Begehung einer solchen strafbaren Handlung gelten. Der Antrag des Abg. Boltz(natl.) lautet, den§ 111a wie folgt zu fassen: Die Strasvorschriften, die nach Z III Absatz 2 für den Fall der erfolglosen Aufforderung gelten, finden auch gegen denjenigen Anwendung, welcher auf die im ß 119 bezeich- nete Weise ein Verbrechen oder eines der in de»§§.... vorgesehenen Vergehen unter Umständen anpreist oder als erlaubt darstellt, die geeignet sind, andere zur Begehung solcher strafbaren Handlungen anzuregen. Die Diskussion erstreckte sich zunächst nur auf die Frage, ob die Glorifikation von Verbrechen überhaupt unter Strafe gestellt werden soll. Welche Vergehen in den Paragraphen aufgenommen werde» sollen, darüber gehen, wie schon die Anträge zeigen, die Ansichten weti auseinander. Dr. Barth begründet zunächst seinen Antrag, wobei er zugicbt, daß die Fassung des Antrages Greiß vielleicht die bessere sei. Fraglich sei nur, ob die Worte„anpreist" und „rühmlich darstellt", nicht eine Wiederholung sind und�es deshalb genüge, wenn man die letztere Wendung beibehalte. B u ch k a(k.) tritt gegen jede Abschwächung ein, während Rinlelen(Z.) den Antrag Greiß vertritt. Bebel(Soz.) erklärt, daher und seine Freunde sowohl gegen die Vorlage wie gegen alle Abänderungsvorschläge stimmen werden. Redner weist auf die Motive hin, wo sogar schon die Entschuldigung von Vergehen verpönt sein soll. Ter Abgeordnete Buchka bedauerte, daß man zu den Richtern wenig Vertrauen habe. Dieses mangelnde Vertrauen entspringe nicht der Ansicht, daß die Richter in der Regel bewußt parteiisch seien, sondern es sei nur die Folge der That- fache, daß die Richter auch Menschen sind und sich den Ein- flüsfen ihrer Umgebung und Klassenstellung nicht ent- ziehen können. Redner beruft sich auf Aeußeruvgen von Bismarck, sowie auf die letzthin aus Breslau be- richtete Thatsache, wo es offenes Geheimniß sei, daß vor derselben Strafkammer in bezug aus das Strafmaß die widersprechendsten Urtheile gefällt wurden. Es komme nur daraus an, ob man am Dienstag oder Freitag vor Gericht stehe. Die Richter wechseln an diesen Tagen, und mit diesem Wechsel ändere sich auch die Beurtheilung des Falles. Die Vorlage lege die Entscheidung in die Hände des Richters und diese haben es in der Hand, dieselbe Aeußernng bei dem einen Redner als harmlos und bei dem anderen als strafbar zn erachten. Die freie Beweis- Würdigung gebe den Angeklagten hilflos in das Ermessen der Richter, die Richter aber können sich so wenig, wie die übrigen Menschen, des Einflusses ihrer Klassenvorurtheil« entziehen. Des- halb sei es gefährlich, solche Kaulschuckparagraphen zu schaffen. Wenn Dr. Barth meint, der Paragraph empfehle sich be- sonders auch um der Glorifikation von Verbrechen in den höheren Klaffen willen(Stöcker's Aufforderung zum Staatsstreich). so vergesse er nur das Anklagemonopol der Staatsanwaltschaft. Bebel zitirt hierauf Aeußernngen von Lothar Bucher, Treitschke und anderen, welche, wenn sie nach Inkrafttreten des Paragraphen wiederholt werden sollten, schwere Strafen im Gefolge haben würden. Freiligrath's und anderer Klassiker Werke könnten nach Inkrafttreten des Paragraphen nicht mehr ver- breitet werden. Tie Angabe, daß wissenschaftliche Werke nicht betroffen werden sollen, sei hinfällig, denn was dem einen als Wissenschast erscheine, erachte der andere als ganz profane Herunlerreißung des Höchsten und Heiligsten. Würden Dr. Luther, der Apostel Paulus ic. heute leben und wirken, sie kämen garnichl aus dem Gefängniß heraus. Die Bibel sei eine fort- gesetzte Verletzung des 8 111�. Es seien weniger die mensch- lichen Neigungen als vielmehr die sozialen Momente, aus denen die strafbaren Handlungen hervorgehen. Die Diebstahls- vergehen wachsen in Zeilen des allgemeinen Nolhstandes oder der Arbeitslosigkeit, diese Thatsache von einem Sozialdemokraten in einer Volksversammlung vorgetragen, würde eine Anklage nach g II 1a im Gefolge haben. Staatssekretär Nieberding bemüht sich nachzuweisen, daß die vorgebrachten Bedenken gegen den Paragraphen nicht zu- treffen. Besonders betont der Redner, daß sahrläfsige Fälle nicht unter den Paragraphen fallen können; der Paragraph setze die Absicht der Glorifikation voraus. Daß diese Absicht von dem Stichler bei einem Sozialdemokraten angenommen, dagegen bei einem Ordnungsparteiler als nicht vorhanden betrachtet werden kann, giebt Redner zu. Von dem letzthin erwähnten B.lde des„Wahren Jacob" meint der Staatssekretär, daß dasselbe allerdings zweideutig, unter allen Umständen aber frivol sei. In den Augen urtheilsunfähiger Leser könne das Bild doch als Glorifikation wirken. Die Anträge Greiß und Dr. Barth erklärt der Redner für die Regierung als unannehmbar Die verbün- Veten Regierungen würden keinen Werth auf das Gesetz mehr legen, falls der ß 111a die gering st e einschränkende Bestimmung erhalte. Das halte er sich für verpflichtet hier zu erklären.(Bewegung.) Spahn will versuchen, einen Wortlaut für den Paragraphen zu finde», der dem von den Regierungen gewollten Zweck mehr entspreche. Seinen Vorschlag beHalle er sich vor. Boltz(nl.) hält die Bedenken gegen die Regierungsvorlage nicht für durchschlagend, für sein Amendement sei nur maß- gebend gewesen, wissenschaftliche Arbeiten absolut zu sichern. Ein Vorgehen im Sinn des Z III a erscheine ihm unumgänglich. Wenn zu dem Anpreisen auch noch die Absicht dadurch zu Verbrechen anzureizen von dem Gesetze verlangt werde, so werde der Paragraph wirkungslos bleiben. Redner(Advokat) hat in seiner Praxis immer nur objektive Richter kennen gelernt. Stumm frägt, was man denn an die Stelle unserer Ge- richte setzen wolle, wenn man zu denselben kein Vertrauen habe 1 Im übrigen ist der Redner gegen alle Abänderungsanträge, welche ihm den Z lila unannehmbar machen würden. Lenz m an» warnt vor jeder Gelegenheits-Gesehgeberei mit dem Hinweis auf das Dynamitgesetz, wo in neun von zehn Fällen durch Gnadenakle die Härte der gesetzlich vor- geschriebenen Strafen gemildert werden müsse. Redner konstatirt das allgemein vorhandene Mißtrauen gegen die Rechtsprechung der Gerichte. Existire doch sogar eine große Partei(Antisemiten), welche so ipso allen Richtern eines gewissen Glanbensbekcnnt- nisses die Unparteilichkeit absprechen. Umgekehrt werden Urtheile über das Duell beeinflußt durch!tlassenvorurlheile, und manches Urlheil findet die Erklärung sür seine Härte nur in dem Umstände. daß der Angeklagte einer verpönten Partei (Sozialdemokratie) angehört. Der Paragraph, nach der jetzt ihm gegebenen Auslegung, soll die moralische Verrohung verhindern, d. h. also pädagogischen Zwecken dienen. Das sei aber nicht Aufgabe der Slrasgesetzgebung. In W e st f a l e n sei es bereits ein Grund für Slrafverschärfung, ivenn der Angeklagte Sozialdemokrat sei. Redner wird gegen die AinendementS Dr. Barth und Greiß stimmen, da, was dort vorgesehen werde, bereits durch den tz IN gedeckt werde. Enneccerus verleugnet die von Bebel zilirten Aeuße- rungeu von Liberalen. Es sei möglich, daß der Fortschritt ein- mal durch einen formalen Rechtsbruch gefördert werde; aber das seien Ausnahmen. M u n ck e l konstatirt, daß die Debatte bisher keine Grenze gezeigt habe, innerhalb der das wirklich Strafbare getroffen, die berechtigte freie Meinungsäußerung aber gesichert bleibe. Die Vertheidiger der Vorlage stehen auf dem Standpunkte; schlagt alle, Ketzer oder Nichtketzer, todl, der Herr wird die Seinen schon erkennen und von den Ketzern trennen. Die Regierungsvorlage ist unnehurbar und dasselbe gilt für die Amendements. Barth vertheidigt seinen Antrag mit Hinweis auf die bezügliche sranzösische Gesetzgebung, man könne den Paragraphen nicht ohne eine bestimmte Begrenzung, an die sich der Richter zu halten habe, annehmen. Rintelen: Der Paragraph habe durch die Zlue fährungen des Staatssekretärs eine Auslegung erhalten, die selbst nach den Motiven nicht vorauszusehen gewesen sei. Er sei allerdings im Gegensatz zu anderen gehörten Aeußerungen der Meinung, daß auch das Strafgesetz eine erziehliche Wirkung begünstigen solle, namentlich in Sachen der Religion. Im Augenblick könuten sie aber in bezug auf den vorliegenden Paragraphen keine bestimmte Stellung einnehmen, er müsse sich erst mit seinen Freunden besprechen. Nicberding erläutert, warum die verbündeten Re- gierungen nicht so weit gegangen seien, wie der Vorredner wünsche. Bebel konstatirt, daß die heutigen Slnslassungen des Herrn Staaissekretärs weit über das hinausgehen, was bisher zur Be- gründung dieses Paragraphen angeführt sei. Nach dieser Aus- legung würden wir in schlimmere Verhältnisse hinein- kommen, wie unter dem Sozialistengesetz. Wenn gefragt worden sei. was wir an stelle der Gerichte setzen ivollen, so handelt es sich jetzt nicht um diese Frage, sondern darum, die Richter nicht in die Lage zu bringen, ihr subjektives Ermessen an stelle des Rechtes setzen zu können. Dieses subjektive Ermessen der Richter in Verbindung mit deni Anklagemouopol der Staats- anwaltschaft berge eben die Gefahr in sich, daß die Vorlage zu einem Ausnahmegesetz gegen die Sozialdemokratie werde. Redner meint, daß nach der Erklärung des Regierun gsvertrelers, es der Würde des Parlaments am besten entspräche, die Regierung möglichst rasch in die Lage zu setzen, die Konsequenzen ihrer Erklärung zu ziehen. Bor Schluß der Sitzung giebt der Geheimrath v. Seckendorf noch die Erklärung ab, daß er nach Einsichtnahme in die mehr erwähnte Nummer des„Wahren Jacob" sich überzeugt habe, daß das Bild keine Glorifikation eines Ver- breche ns enthalte und daß, wenn die Regie- rung dasselbe vorher gekannt hätte, die Nun, m er des„Wahren Jacob" nicht zur Be- gründung der Vorlage herangezogen worden wäre. Nächste Sitzung Montag, 28. Januar, vormittags 10 Uhr. Die WahlprüfnngS- Kommission beschäftigte sich heute mit der Prüfung der Wahlen der Abg. v. B e n d a(6. Magdeburg), Lüttich(Schwarzburg- Rudolstadt) und Pultkamer- Plauth (I. Danzig). Sämmtliche Wahlen wurden sür gillig erklärt. Gegen die Wahl von Lüttich, gegen den unser Genosse H o f m a n n- Saalfeld in der Stichwahl unterlegen war, waren s. Z. eine Reihe von Einwänden in Wahlprotesten erhoben worden, die nach den jetzt angestellten Erhebungen zum theil als unbe- gründet sich ergeben haben, zum theil als nicht so erheblich betrachtet wurden, um eine Kassation herbeizuführen. Doch gaben die eingeholten Erhebungen in zwei Punkten'Anlaß, daß die Wahlprüfungskommission beschloß, bei der Berichterstattung im Plenum ausdrücklich deren Ungehörigkeit zu betonen. In dem einen Fall handelt es sich um eine unberechtigt- Ver- sammlungsauflösur.g in Blankenburg, im andern um die Wahl- beeinflusjung eines Domäneupächters Wichmann in Jchstedt. Antrag auf Diäten. Die freisinnige Vvlkspartei und die süddeutsche Volkspariei haben im llieichslag den folgenden An- trag eingebracht: Der Reichstag wolle beschließen: den Bundes- rath zu ersuchen, eine Abänderung der Reichsversassnng, Artikel 32, in dem Sinne herbeizusühren, daß die Mitglieder des Reichstages aus Reichs Mitteln Diäten und Reisekosten erhallen. Die Disziplinargewait des Reichstags-Uriistdenteu. Die Geschäftsorduungö-Koimnission des Reichstags sehte am Freitag Abend die Berathung über die V e r st ä r k u n g der Disziplinargewalt des Präsidenten fort und begann «mit der Spezialberaihuug des folgenden Antrages, der von den Abgg. Dr. Pieschel und Gamp gestellt ist. Die Kommission wolle beschließen: Dem tz 00 der Geschäftsordnung folgenden Absatz 2 hinzuzufügen: Ein Mitglied des Reichstages, welches in gröblicher Weise die Ruhe des Hauses störst die Würde desselben oder den Anstand verletzt, kann aus Antrag des Präsidenten durch Mehrheitsbeschluß des Hauses, welcher ohne Debatte erfolgt, für die Dauer des Sitzungstages von der Theilnahme an der Sitzung ausgeschlossen werden. Leister der Betroffene dem Beschluß keine Folge, so kann der Präsident nach Z 61 der Geschäftsordnung verfahren. Auf Antrag des Betroffenen kann derselbe vor der Ab- ftimmung zu einer Aeußerung zur Geschüstsordnung verstallet werden, aber nur darüber 1. ob er etwa seine Thäterschast in Abrede stellt, 2. oder ob er um Entschuldigung bitten will. Die Diskussion wurde von dem Präsidenten des Reichstages «ingeleitet. Herr v. Lewetzow will keine Beschränkung der Rechte des Reichstages oder seiner Mitglieder, sondern verlangt nur, daß der Reichstag gegenüber dem herabgesunkenen Ton Selbstzucht übe. Ter in der Geschäftsordnung vor- gesehene Ordnungsrus reiche gegenüber den Vorkommnissen der letzten Jahre nicht ans. Nicht der Fall Liebknecht sei der Anlaß seines Vorschlages, der sich auch nicht etwa gegen die sozialdemokratische Fraktion richte, sondern allen Parteien gegenüber nothwendig geworden sei und sür alle Gellung haben solle. In sehr eindringlicher Weise plädirte der Präsident für die Annahme des Antrages. Er fühle sich persönlich verantwortlich für den im Reichstage herrschenden Ton, und wie die Tinge einmal liegen, könne kein Präsident die durch den Antrag vorgesehene Maßregel ent- kehren. Die Kommission möge die Zufriedenheit mit seiner Geschäftsführung, die, wie er dankbar anerkenne, von allen Seiten Ausdruck gesunden, durch die Verstärkung der Disziplinargewalt praktisch bethätigen. Er hoffe, daß von der Ausschließung niemals Gebrauch gemacht werde, aber wenn dieselre sich einmal nölhig erweise, so sei dieselbe auch ein entsprechendes Mittel, um die Verletzung der Würde des Reichstages zu sühnen. Die Ver- schärfung der Disziplinargewalt läge auch im Interesse des Reichstages, weil sie das Mittel bilde, Angriffe, die von außen gegen die Immunität der Abgeordneten gemacht werden sollten, erfolgreich abzuwehren. Abg. Dr. Pieschel begründet seinen Antrag, der nur um deswegen so milde Bestimmungen enthalte, weil der Präsident dieselben für genügend erachte. Eine Versassungsverletzung ent- halte der Antrag nicht. Man solle es mit der von ihm vorgeschlagenen Maßregel versuchen; reiche dieselbe nicht aus, so würde man dazu übergehen müssen, schärfere Maß- nahmen zu treffen, denn der wiederholt von verschiedenen Seiten angeschlagene Ton in der Diskussion und namentlich die ver- letzenden Zwischenrufe dürften nicht weiter geduldet werden. Der Abgeordnete habe die Pflicht, seine Wähler würdig zu ver- treten und das sei in den letzten Jahren und zwar von allen Seiten des Hauses, manches Mal nicht beachtet worden. Abg. Gamp: Durch den der Geschäftsordnungs-Kom- Mission ertheilren Auftrag habe der Reichstag gezeigt, daß er entschlossen sei, die Geschäftsordnung zu verschärfen. Tie Koni- Mission müsse also entsprechende Maßregeln vorschlagen. Der Antrag sei ein Appell an das Ehr- und Austandsgesühl der Ab- geordneten. Abg. Singer wendet sich gegen die Ausführungen des Präsidenten. Geschäftsordnungen könnten nicht auf bestimmte Per- sonen zugeschnitten werden. Die vorgeschlagene Bestimmung sei unannehmbar, weil sie das Recht der Wähler, sowohl wie das Recht des Abgeordneten verletze. Der Abgeordnete dürfe nicht verhindert werden, sich an Abstimmungen zu betheiligen. Man solle sich hüten, die abschüssige Bahn zu betreten. Sei erst das Recht der Ausschließung im Prinzip anerkannt, so habe die Dauer der Ausschließung keine Bedeutung mehr. Aber auch praktisch solle man sich keine Wirkung von der Maßregel versprechen. Nach dem Vorschlage solle der Präsident bei Weigerung des Abgeordneten, den Saal zu verlassen, die Sitzung aufheben. Da würde ja schließlich der Gemäß- regelte Sieger bleiben. Die vorgeschlagene Schuldisziplin entspreche nicht der Stellung des Reichstages. Es sei traurig, daß man so weit gekoinmen sei, dem Reichstag zuzumuthen, sich selbst Straf maßregeln zu schaffen, damit Angriffe gegen seine Immunität vermieden werden. Es sei angemessener, diese Augriffe energisch abzuwehren, als Polizeimaßregeln gegen sich selbst vorzunehmen. Reimer nimmt für seine Partei das Recht in Anspruch, e n r s p r e ch e n d i h r e r II e b e r z e u g>l n g im Reichstag zu sprechen und zu handeln. Wenn der Ausdruck ehr- licher Ueberzeugung den übrigen Parteien nicht angenehm wäre, so sei dies nicht zu ändern. Die Pieschel'sche Beftimmimg könne auch nicht verhindern, daß ähnliche Szenen sich wiederholen. Es liege kein Grund vor, die Gesiyäftsordnung zu verschärfen und zu Maßregeln zu greisen, die versassungswidrig wären und nebenbei das angebliche Uebel nicht beseitigen würden. Abg. Schmidt- Elberfeld(srcis. Vp.) ist der Ansicht, daß Fehltritte auf allen Seilen vorgekommen sind. Seine Partei, die monarchisch gesinnt sei, verurtheile das V o r k o in m n i ß der ersten Sitzung im neuen Hanse ebenso wie die übrigen Parteien. Der Redner meint, daß die Vorkommnisse in der vorigen Session('Ahlwardt) genügen- d eil A lila b böten, dieDiszipliiiargewaltzuverstärken. Er bekämpft jedoch Ausschließungsmaßregcln umsomehr, als die offiziöse Presse gedroht hat, die Regierung werde, wenn derReickstag nichtRemedur schaffe, ihrerseits diesbezügliche Schritte thun. Redner schlägt vor, Zwischenruser von der Betheiligung an der Debatte auszuschließen, eventuell um den Eindruck des Ordnungsrufes zu verstärken, eine Rüge bez. Mahnung des Präsidenten einzuführen. Außerdem könne der Ordnungsruf selbst noch um einen Grad verschärst werden dadurch, daß der Reichstag den- selben ans'Antrag des Präsidenten ausspricht. Abg. Dr. Bachem: Das Vertrauen, welches das Zentrum zu dem Präsidenten hat, werde durch die Stellung, die seine Partei zu dem Antrage Pieschel einnimmt, in keiner Weise beeinträchtigt. Redner lehnt den Antrag ab ans lheoreli- scheu Gründen, weil er prinzipiell gegen jede'Ausschließung eines 'Abgeordnelen ist. Das Zentrum habe sich eingehend mit der Frage beschäftigt und lehne es ab, diese Bahn zu betreten. Habe man damit erst angemngen, so gebe es kein Halt mehr. Der Antrag habe auch keine praktische Wirkung und der Zustand im Reichs- tage sei nicht derartig, daß man genölhigt sei. zu solchen Maßregeln zu greifen. Einer Verschärfung des Ordnungsrufes dadurch, daß das Haus denselben ertheilt, könne er allen- falls zustimme n. Abg. v. Manleuffel(kons.) vertheidigt den Antrag Pieschel" Di« Kommission dürfe nicht mir leereu Händen vor das Hans kommen. Die vorgeschlagene R ü g e sowie der etwa verschärsie Ordnungsruf genüge nicht. Man müsse jetzt etwas schassen, später würde es noch schwerer sein. Verfassungsverletzung könne er in der Aus- schlieüungsinaßregel nicht find en. Nach weiteren Erörterungen des Abg. Pieschel, der eventuell den Ausgeschlossenen zu einer etwa stattfindenden Ab- stiinmnng zulassen will, nimmt der Präsident, Herr v. L e v e tz o w, noch einmal das Wort, um wiederholt um Auiiahme des Antrages, dessen Vorschläge unentbehrlich seien, zu bitten. Herr von Lewetzow hält die Bestimmung für durchi"ihrbar und ist der Ansicht, daß der Fall Liebknecht nach Schluß der Session keine weiteren Folgen haben würde. Aus früheren Sessionen bezeichnet der Präsident einige Zwischenrufe, um dadurch den Nachweis der Nothwendigkeit schärferen Eingrcijens, als es jetzt möglich ist, zu erbringen. Bei der A'stiuiMling wurde der Antrag mit sieben gegen sieben Stimmen abgelehnt! Für den Autrag stimmten drei Konservative, zwei' Nalionalliberale, ein Frei- konservativer und der Präsident. Gegen den Antrag stimmten vier ZentrumSinitglieder, zwei Freisinnige und ein Sozialdemo- krat. Der Vertreter der polnischen Fraktion fehlte. J.denfalls wird der Reichstag ebenso beschließen, wie seine Kommission, und damit wäre denn der beabsichtigte Schlag gegen die Unverletzlichkeit der Abgeordneten für diesmal parirt. Die weitere Berathung wegen etwaiger Herabsetzung der Be- schlußfähigkeitsziffer und Veröffentlichung der bei Namensausruf fehlenden Abgeordneten wurde abends, lO'/e Uhr, auf Freilag, den 1. Februar, verlagt. VnvkeinnckviUzten. Von der Slgitation. In Zwickau tagte am letzten Sonnrag eine Volksversammlung des 18. Reickstags-Wahlkreises, in welcher der Laudtags-Abgeordnele G o l d st e i n über: Sozialdemokratie und Gesetzgebung" referirte. Die Versammlung war, trotzdem die Partei im 18. Wahlkreis„a u f g e l ö st" ist, so außerordentlich gut besucht, wie seil langem nicht. Zum Schluß wurde folgende Resolution einstimmig angenommen:„Die heurige, zahlreich von Parteigenossen aus dem i8.sächs.Reichstags-Wahlkreis besuchte öffentliche Volksversammlung erklärt, trotz der behörd- licken Auflösung der Partei im 13. Reichstags- Wahlkreise nach wie vor mir aller Energie für die hohen Ziele der Sozialdemo- kralie weiter wirken zu wollen und ihren Opfermuth nach Kräften zu bethätigen; die Volksversammlung hält den seitherige» Ver- trauensmann Herrn. Schmidt-Zwickau auch fernerhin ihres vollen Vertrauens würdig und erwartet, daß dieser auch künftig als Vertrauensmann der Genoffen im 13. Reichstags-Wahlkreise seine volle Schuldigkeit thun wird. Die Sozialdemokratische �Partei Brauuschweig'S hat zu den Stadtverordnetenwahlen ein Minimumprogramm aufgestellt. Sie verwirft in demselben jede indirekte Besteuerung, Auf- Hebung der Kirchensteuer. Die Kandidaten der sozialdemo- kratischen Partei streben die Einführung der einheitlichen, allgemeinen Volksschule an. Sie verlangen Reduzirung der Schüler- zahl in den einzelnen Klassen und Beseitigung des Schulgeldes. Kindern bedürftiger Eltern soll Frühstück resp. Mittagsbrot aus städtischen Mitteln gewährt werden. DerMagistrat hatfür Zeiten all- gemeiner oder besonderer Arbeitslosigkeit möglichst frühzeitig Arbeits- gelegenheit zu schaffen. Im Interesse des Gemeinwesens wie der Arbeiter liegt die Errichtung eines städtischen Arbeits- vermittelungsamles. Die städtischen Arbeiter haben, was die Höhe des Lohnes, die Verkürzung der Arbeitszeit und die Be- Handlung betrifft, allen übrigen Arbeitern voranzugehen. Die städtischen Arbeiten sind in Regie auszuführen. Kein Stadt- verordneter darf sich an städtischen Arbeiten betheiligen. Die Vertheilnng der ungeheuer ertragreichen Stiftungsgelder hat unter strenger Kontrolle zu erfolgen. Im Begräbnißwesen ist von den zuständigen Kirchenbehörden völlige Kosteulosigkeit der Bestattung zu erwirken. Situationöbericht des* Sozialdemokratischen Vereins für Harburg und Umgegend. Dem Bericht des Vorstandes ist zu entnehmen, daß der Verein 350 Mitglieder zählt. Mitgliederversammlungen sind im verflossenen Jahre 11 abgehalten worden, Vorstandssitzungen 20. Die vierteljährliche Abrechnung ergab eine Einnahnie von 677,47 M., eine Ausgabe von 259,45 M. Demnach bleibt ein Kassenbestand von 418,02 M. Eine Statistik, welche vom Verein ausgenommen ist, konnte, da einige Listen dem Vorstand noch nicht ausgehändigt sind, noch nicht verlesen werden. «» Parteifinanzen. Einen erfreulichen Bericht über den Stand der Kassen konnls der Vertrauensmann von Greiz in der öffentlichen Parteikonferenz geben, die vergangenen Sonnlag dort stattfand. Der Ueberschuß von der„Reuß. Volks-Zeitung" betrug am 1. Januar 1395 1193,03 M. Aon dieser Summe überwies man dem Parteivorftand zur„Bekämpfung der Umsturzvorlage" 300 Mark, dem Vertrauensmann zur Agitation ebenfalls 300 Mark. Die Abrechnung über die Parteiliteratur ergab einen Bestand an baar und Büchern von 897,01 Mark. Auf grand dessen wurde ebenfalls ein Antrag, dem Vertrauensmann von diesem Geld« 200 M. zur Agitation zu überweisen, ein- stimmig angenommen. Die Jahresabrechnung des sozialdemokra- tischen Vereins in Kiel schließt ab mit einer Einnahme von 1564,35 M. und einer Ausgabe von 1426,57 M., so daß ein Kassenbestand verbleibt von 137,73 M. In der Ausgabe sind mit eiithalien 650 M., welche dem Vertrauensmann zur Agitation überwiese» wurden. Die Mitqliederzahl betrug am Ansang des Jahres 1394 349, am Schlüsse desselben Jahres 476. Zur Zahl der hier abgegebenen Stimmen allerdings eine recht kleine Zahl. In betracht zu ziehen ist jedoch, daß die Mehrzahl der hiesigen industriellen Arbeiterschaft von der kaiserlichen Werft abhängig ist. und wie die Leiter der Musterwerkstätten des Staates über Koalitionsfreiheit denken, ist ja männiglich bekannt. In nächster Zeil wird jedoch eine energische Agitation zu gunsten unserer politischen Organisation entfaltet werden. »• Eine Protcstversammluug gegen den Zoll-UkaS, die zugleich eine Wahlrechts-Kundgebung bedeutete, wurde von der sozialdemokratischen Partei von Stockholm (Schweden) veranstaltet; es halten sich mehr denn 3000 Personen eingefunden. Der Referent, Redakteur Branting, hob hervor, daß die Verfassung Schwedens ausdrücklich vorschreibt, daß dem Reichstag allein das Recht zukommt, die Besteuerung des Volkes zu bestimmen. Ein anderer Paragraph sagt freilich, daß der Zoll auf Mehl von der Regierung auf administrativem Wege bestimmt werden kann. Dieser letztere Paragraph besaß eine Bedeutung aber nur solange der Reichstag nur mit mehrjährigen Zwischen- pausen tagte, hätte aber jetzt, wo der Reichstag jedes Jahr tagt, gar keinen Sinn mehr. Man ließe ihn nur wieder ausleben, um die ohnedies überbürdeten Schullern der Arbeiter noch mehr zu belasten und die Staatskasse und Mühliiibesitzer und Mehl- spekulanten zu bereichern. Derartigen Uebergriffen muffe daher ein Ende gemacht werden, indem man mit aller Energie das allgemein e Stimmrecht erkämpfe und der derzeitigen Junkerherrschaft ein Ende mache. Schließlich wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Da die Regierung, unter Berufung auf einen veralteten Paragraphen in der Verfassung, aus einmal den Zoll aus Mehl weit über die Zollsätze des Jahres 1383 erhöht hat, da die Re- gierung hierdurch, ini Widerstreit mit ihren Versprechungen, der armen Arbeiterklasse erhöhte Lebensmittel- Abgaben auferlegi, in der offen zugegebenen Absicht, den bürger- licben Gesellschafisklassen, vor allem der Großbauern- und Juukerklasse. erhöhie Vortheile zu verschaffen, wenn auch die Wirkung des Zolledikles für den Augenblick nur die ge» wese» ist, den Mühlenbesitzeru und Mehlimporteuren ein Mono- pol zu verschaffen, da endlich eine derartige rücksichtslose Aus- beutung der Arbeiter nur in einem Lande so rücksichtslos gewagt werden kann, das vollständig politischer Rechte enlbehrt, so spricht die Versammlung ihre entschiedene Mißbilligung des Zoll- Nkas der Regiernng aus und ermahnt, da man von der jetzigen Oberklassen- Regierung nur Erhöhungen der Zolllast, aber leine Srimmrechts- Reform zu erwarten hat, die Arbeiter der Haupt- stadi und des übrigen Landes, all' ihre Kraft für die Eroberung des allgemeinen Stimmrechts ein- zusetzen, besonders als Ausgabe sür den Volks- Reichstag im Jahr« 1396."- Depeschen. Wolff'S Telegraphen-Biireau. Paris, 25. Januar. Unler den Persönlichkeiten, mit welchen Ribol sich heute Nachmittag besprach, befinden sich Meline und Poincars; mit Bourgeois kam Ribot heute noch nicht zusammen; von einer Veriheilung der Poriesevilles ist noch keine Rede ge- wesen, die beiden radikalen Gruppen der Deputirlenkammer hielren heule Stachmiltag eine Sitzung ab, in welcher sie beschlossen, jedes radikale Kabinet zu unterstützen. sTevesckien-Vnrean Herold.) Köln a. Rh., 25. Januar. Der„Köln. Volksztg." wird aus den verschiedenen Kohlen-Zentren des Ruhrgedietes bestätigt. daß außer den bisher stattgefundenen Arbeiter-Entlassungen bis zum 1. Februar d. I. auf einer Anzahl von Zechen Entlassungen von Arbeitern bevorstehen. Dazu mehren sich überall die seierndeu Zechen, Hibernia, Holland, Nordstern u. f. w. Wien, 25. Januar. Die Blättermeldung, daß im Rath- haus des Nachbarortes HernalS eine Bombe mit brennender Lunte gefunden worden sei, ist dahin richtig zu stellen, daß nur eine Sardinenbüchse, welche eine Menge gänzlich gefahrloser chemischer Stoffe enthielt, aufgefunden wurde. An der Büchse war eine Zündschnur befestigt. Jedenfalls handelt es sich nur um einen schlechten Scherz. Brüssel, 25. Januar. In der heutigen Kammersitzung er- klärte der Präsident, daß er seine Entlassung einreichen werde. Ter Vizepräsident ersuchte de» Präsidenlen um reifliche lieber- legung dieses Entschlusses. Paris, 25. Januar. Der sozialistische Abgeordnete Görault Richard ist schwer erkrankt. Veramwortlicher Redakteur: I. Dierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlaa von Max Bading iu Berlin SW„ Beulhstraße 2. Hierzu zwei Beilage« 1. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Nr. 22. Sonnabend, den 26. Januar 1893. 12. Jahrg. Dnrlmnentsbevillhte. Deutscher Neichötag. 23. Sitzung vom 25. I a n u a r 1895. 1 Uhr. An» Tische des B»i»desralhs: Nieberding. Ter Abg. Z o r n v. Bulach hat sein Mandat niedergelegt. Aus der Tagesordnung steht zunächst die erste Berathung des Gesetjentivurses betreffend die privalrechtlichen Ver« h ä l l n i s s e der Binnenschifffahrt. Staatssekretär in» Iieichs-Justizaint Nieberding: Die beiden uns beschäftigenden Vorlagen über die Binnenschifffahrt und die Flöverei sind yeivissennaßen ein Stück des großen Gesetzgebungswerkes über das bürgerliche Recht, welches, wenn unsere Er- »vartungen in Erfüllung gehen, in» Laufe des nächsten Jahres den Reichstag beschästigen ivird. Wenn»vir beide Materien schon jetzt gesetzgeberisch behandeln»vollen, so liegt dieses daran, daß die'Arbeilen für das bürgerliche Gesetzbuch sich doch aus längere Zeit hinaus erstreckt haben, als bei der Aufstellung des Arbeits- prograninis vorausgesehen»verden konnte, und es liegt zweitens an der besonderen rechtlichen Lage des Binnenschiffiahrts- Ver- kehrs und de» dringenden Wünschen der an diesem Verkehr inleressirten Kreise. Es giebt kein Gebiet des bürgerlichen Rechts, »velchcs soviel Rechtsunsicherheiien, Rechtsunklarheiten und eine solcke Rcchtsunordnung ausiveist,»vie dasjenige des Binnenschiff- fahrts-lliechis. Internationales Recht und Landrecht durchkreuzen sich hier so, daß für die Judikatur erhebliche Schivierigkcitcn erwachse». Das Binnenschifffahrts-Recht ist von den gesetzgebende» Faktoren in Deutschland bis dahin recht stiefniütterlich behandelt»vorden. Daß hier eine Regelling noth thnt, ist bereits bei Schaffung des deutschen Hmtdels-Gesetzbuches anerkannt, vorbei». Es hat aber an Mnth gesedlr, a» diese Frage heranzutreten. Heute sind die Verhältnisse unerträglich geivorden. Die Verhältnisse unseres Schifffahrts-Verkehrs haben sich in einer Weise cntivickelt und umgestaltet,»vie»nan es bei der Schaffung des Handels- Gesetz buches nicht voraussehen konnte. Die Verbesserung unserer Wasserstraßen, der Ausbau unseres KanalnetzeS, die Forlschritte der Technik, die Entivickelung des Dampfschiff- Verkehrs haben die Schifffahrt- Verhältnisse auf den Strömen vollständig verändert. Der Tonneninhalt der Schiffe auf den Binnennröinen hat sich in den letzten 3v Jahren mehr als verdoppelt. Ten verbündeten Regierungen wurde die Aufgabe einer Neuregelung der Echiffsahrtverhältnisse erleichtert durch die Vorarbeite», welche im Lause der Jahrzehnte von einzelnen Körperschaften geliefert»vurden. Bereits in den sechsziger Jahren hat der deutsche Handelstag den Entwurf eines Scbifffahrts-Gesetzes für die Binnenströme aufgestellt, in den achtziger Jahren haben die rheinische» Handelskammern einen Enlivurf für die rheinische Schifffahrt aufgestellt und anfangs der neunziger Jahre hat der deutsche Verein für die Hebung der Kanäle und der Schifffahrt de» Enlivurf einer Betriebsordnung für die östlichen Ströme aufgestellt. Die verbündeten Regierungei» haben diese Arbeiten benutzt und ihren Enlivurf einer Kommission von Vertrauensmännern des Handclsstnndes, des Schiff- fahrts-Verkehrs und der betheiligten Versicherungszweige vorgelegt. Da gegen diesen Gesetzentivurf noch Bedenken erhoben wurden, veranstaltete die Regierung nochmals eine Enquete. Wir Halle» bis vor 2 Jahrzehnten einen sich in engen Kreisen beivegenden Kleinschifffahrts-Verkehr; durch die Vervollkonininung der Technik und die Entwickelung der Dampsschifffahrl hat sich i» de» letzten Jahren ein bedeutender Großvcrkehr entwickelt, unter dem die Stellung der Kleinschifffahrt von Jahr zu Jahr schivierigcr»vurde. Die Regiening»vollle deshalb der schivierigeii Stellung der Kleinschiffsahrt, so weit möglich, Rechnung trage» und Hai des- halb Vertrauensmänner der kleine» Schiffer, Vorzugs- weise aus den» Oder- und Elbegcbiet, zur Berathung über den Gesetzentivurf hinzugezogen. TaS Ergebniß dieser Berathung liegt Ihnen jetzt vor. Ter Bundes- rath hat diesen Entivurf prinzipiell nicht abgeändert, sondern nur formell den Entwurf für die Binnenschifffahrl von dem für die Flößerei getrennt, un» den Flößerei-Jntcressenten die Kenntnißnahme der sie betreffenden gesetzliche» Bestimniungen zu erleichter». Den materiellen Inhalt der Vorlage berühre ich nur nach einer Richtung. Der Entwurf liegt aus den» Gebiete des bürgerliche» Rechts und soll Privalrechte ordnen; er regelt die Verhältnisse des Schiffseigeiilhümers, der Kapitäne und sonstigen Offiziere, sowie der Maunschasl, die Anforderungen, die sich bei Schiffsunfällen ergeben, die Bestimmungen, die sich ans den Verschuldungsverhällnissen ergeben ic. Für die Verhältnisse der Schiffsmannschast»var eine nmsassende Regelung nicht nölbig, denn die Bemannung der Schiffe stebt unter der Geiverbc-Ordnung, die Schiffsleuie sind gewerbliche Arbeiter, ihre Rechte und Pflichte» richte» sich nach der Geiverbe-Ordnung. In» allgemeinen handelt es sich also»m» piivatrechtliche Verhältnisse. die Polizei erhält nur in geivissen Fallen die Besugniß, einzugreifen und eine» Sclnffsinann, der seine Diensie bösivillig verläßt, zwangsiveise wieder i» den Dienst zurückznführen,»ven» durch das Verlassen des Dienstes die Interessen der Schifjfahrt besonders gefährdet werden. Sodann soll der Bundesralh die Besugniß erhalten, den Befähigungsuach,veis für Schiffer zu ver- langen. Auf der Elbe, Weser»ind Donau wird der Besähigungs- nacblveis schon jetzt verlangt; auf dem Rhein ist er in den sechziger Jahren»vieder beseitigt»vorben. Da sich der Verlehr auf den Strömen bedeutend gesteigert hat, dürfen zu Schiff-führern nur beivanderle, technisch ausgebildete Leute zugelassen werden. Es ist eine»veitverbreilele Klage der Schiffs- Eigen- thümer, daß sie sehr schwer zuverlässige Leute als Schiffsführer finden können. Dem will der Entwurf abhelfen. Wenn Sie den Enlivurf annehmen, werden Sie nach»uehrsacher Richtung den» öffentlichen Wohle«inen Dienst erweisen, indem Sie ein gemein- schailliches deutsches Recht auf einem Gebiete schassen, aus dem die Rechtlosigkeit bisher besonders schmerzlich empfunden»vurde. Andererseits schaffen Sie für einen bedeutsamen Zweig unseres Erwerbslebens die sicheren Unterlagen, aus denen dieser Betrieb seine geschäftlichen Operationen mit Vertrauen aufbauen kann. Sic»verde» daher unserem nationalen Recht und unserem nationalen Gelverbefleiß einen großen Dienst erweisen,»venu Sie diese Vorlage zu einer raschen Erledigung bringen.(Beifall.) Abg. Letocha(Z.) beruft sich zur Kritik des Eulivurfs auf die Eingabe der Julereffenten. Der Zenlralverein für Binnen- schiffsahrt bat gerade erklärt, daß der Enlivurf die Rechte, welche er durch Prozesse vor den Gerichten mühsam nach und nach er- kämpsl habe, schmälere. Man»verfe der Vorlage ferner vor, daß die Kleinschiffer nicht gehört ivorde» seien, sondern nur die große». Dieser Vorwurf treffe allerdings nicht zu. Es haben bei der Begutachtung Kleinschiffer in größerer Anzahl mit- gewirkt. Abg. Rickert(dfr. Vg.) erkennt an, daß das Bcdürfniß der gesetzliche» Regelung der in Rede stehenden Verhältnisse ei» dringendes ist. Die Befürchtung, welche der Zentralverein deutscher Strom- und Binnenschiffer ausspricht, kann Redner nicht theilen Daß das Gewerbe der Kleinschiffer sich in einen» Noldstande befindet, wird niemand leugnen. Die Zunahme der Dampf- und Sct.leppsckiffsahrt bat die kleinen Unternebmergeschädigt. In der Kommission sollte man die Haftbarkeit der kleinen Schiffer zu verinindern suchen. Es wird die Frage zu beantivorten sein, ob die Frauen und Kinder der Schiffer»wch§ 3 unter die An soll der Zivangslootse, der vom Staat dem Schiffer aufgezwungen »vird, nicht haftpflichtig sein, ivenn er etwas versieht? Das ist besouders wichtig da, wo die Flußschifffahrt in die Seeschifffahrt übergebt. Sodann ist die Prämie für die Versicherung eine so hohe, daß das Geschäft nllr wenig lohnt. Die Haftbarkeit des Staates haben»vir bei der Post, bei der Eisenbahn und beim Grundbuchlvesen. Redner bedanert, daß die zwangsweise Heran- ziehung der Schiffsleute zur Erfüllung ihrer Pflichten in das Gesetz aufgeuommen sei. Bedenklich sei die Vorschrift, daß für durch Unfall verloren gegangene Güter keine Fracht gezahlt werden solle. Ein Schiffer der schon im Winter Ladung einnehme, und dann erst nach mehreren Monaten dicht am Ziele seiner Fahrt Unglück erleide. solle seine ganze Arbeit im Interesse der Fracht umsonst geleistet haben. Noch bedenklicher sei die Verpflichtung der Schiffer zu allen möglichen Schreibereien; die besten Schiffer sind dazu meist gar nicht im stände und man sollte ihnen damit das Leben nicht sancr machen. Redner kritisirt»och einige einzelne Bestiinmnnge» der Vorlage»tnd»vendet sich namentlich gegen den Befahigungs- Nachweis, de» man einführen wolle. Er schließt mit der Bitte, daß die Kommission die Vorlage so gestalten möge, daß die Schifffahrt dabei bestehen und gedeihen kann. Staatssekretär Nieberding: Es kann gewiß nichts den ver- bündelen Regierungen ferner liegen, als durch einzelne Bestiuinniiigen des Entwurfs besonders durch den Befähigung?- »achiveis die Lage der kleineren Schiffer zu erschweren. Wenn der Vorredner besonders Besorgnis hegt, daß dies auf der Weichsel geschchen möchte, so kann ich ihm sagen, daß man unter alle» Umstände» sich darüber erst vergeivissern»vird, wie die betheiligten Kaufmanns- und Schifsfahrlskreise darüber denken, und»ven» in diesen Kreisen sich ein erheblicher Wider- stand erhebt,»vird der Bundesralh von dieser Maßregel Abstand nehme»». Es»vird nur nach sachlichen Rücksichten und in ten Grenze» des Bedürfnisses der Be- fähigungsnachiveis verlangt»verde». Der Vorredner hat die Haftbarkeit des Staates für das Verschulden des Zivangsloolsen verlangt. Es giebt in Danzig gar keine Zwnngslootscn.(Abg. R i ck e r t: doch!) Diese koinmcn nur für kleinere Strecke» der Elbe in betracht.(Abg. lliickert: Seelootse»!) Seelootsen sind gar keine Staatsbeamte», insoscn» paßte es mich nicht, daß der Abg. Rickert auf die Post exemplifizirte.— Die Frau und die Kinder des Schisfsführers sind insoweit A»gestellte desselben, als sie von ihm zur Ver- r i ch t»..» g von Diensten gebraucht»verde». Abg. Baffer iiiaun intl.): Eine gesetzliche Siegelung der privalrechtlichen Verhältnisse der Binnenschifsiahrt ist»voHl von allen Seiten als dringend nothivendig anerkannt; es»nuß eine Einheitlichkeit a» die Stelle der verschiedene» dllrch gerichtliche Urlheile geschaffenen Rechrsverhältnisse treten und es muß der Noihbehels der privaten Abmachung nach iviöglichkeit beseitigt »verde». Einpfehlenswerth»vürde es sein, die Bestimniungen des Handelsgesetzbuches, ans»velches veriviesen»vird, in das Gesetz selbst hineinznschrciben. In den Kreisen der Schiffer sind viele Bestimmungen des Gesetzes mit Widerspruch auf- genoniinen»vordc», nicht blos in Brandenburg, sondern anch am Rhein. Die kleinen Schiffer»verde» schlechter gestellt als die g r o ß e n U n t e r n e h in e r, namentlich in bezug auf die Hastpflicht; man hätte sich hier mehr den Be- stimniuiigen anschließen sollen, die für die Seeschifffahrt gelte». Der Schiffssübrer soll haftbar sein für Beschädigungen der Ladung, »ven» nicht höhere Gcivalt nachgeiviesen»verde» kann, also auch. ivenn die Ursache des Schadens nicht zu ermittel» ist. Die Schiffsniannschasl steht unter der Geiverbc- Ordnung, also auch unter den geiverblichen Schiedsgerichte»; man»lüßte aber noch die Frage der Dienstbücher erörtern, die in einigen Theile» Dentschlands schon bestehen. Ob es notlnvendig sei»»vird, die Besliinmnngcn über den Zivang zur Erfüllung der Pflichte» auf- zunehmen, erscheint sehr ziveifelhast. Daß eine Beleibung der Schiffe möglich sein soll, ist er- frenlich, aber daß dieselbe am Heimatkehafen eingetragen»verden soll, reicht nicht aus; denn solche Schiffe hoben leine Heiinalhs- Häsen, sie fahren beständig hin nnd her; z. B. ziviscken Rotterdam mid Mannheim. Man sollte die Eintragung vornehmen an dem Orte,»vo die Geiverbesteuer veranlagt wird. Viele Schiffe »verden in Hollnnd gebaut,»veil der holländische Schiffsbaner sich eine Hlipothek eintrage» lassen kann,»vas bei uns nicht möglich ist. Am Rhein ist man der Ansicht, daß der Befädigltngsnachiveis für die Schiffer nolbwcndig ist, nicht blos im Interesse der Personen,»velche aus dem Schiffe fahren, sondern auch in bezug ans die andere» Schisse. Wenn der Besähigungs- Nachweis eingerichtet»vird, dann sollte man sich freundlich dem Institut der Schifferschulen gegenüberstelle»,»»an sollte den ersolgreichci» Besuch einer Schifferschule als Besähigungsnackweis gellen lassen. Redner beantragt, die Vorlage einer Kymniissio» zu überweisen. Abg. l». Langen(dl.): Es ist nicht blos nolhiveiidig, die rechtliche» Verhältnisse zu ordnen, sondern auch die S.hiffsahrt selbst zu beben, damit die großen Aufwendungen für die Strom- regulirungen u. s.»v. nicht blos dem Handelsstande zu gute kommen. Ob die Vorlage allein in» Schope der verbündeten tlte- aierungen entstanden ist oder nicht, kann gleickigiltig sein. Von sachverständige»» sind zugezogen ivorde» V Mitglieder vo» Handelskammern, 4 Direktoren von Schiffiahrts-Gescllschaften nnd zivei Großkaufleule. Man hätte»vohl noch andere Elemente sinden können, die zur Begutachtung geeignet»varen. Der Verein der BerufSschiffer ist„ivcgen der beichränkten Zahl seiner ivlitglieder" — er»inifaßt V000 Mitglieder— nicht zugezogen»Vörden, irotzbem sein Sii»dic»is zahlreiche Prozesse schon geführt hat. Herr Diickert bat eine» Nothstand der Kleinschiffer anerkannt; aber er Hai keine Hilfe vorgeschlagen, obivohl diese» kleinen Exinenze» geHolsen »verde» müßte. Alle Vorichriste» sind hauptsächlich in» Interesse von Handel und Verkehr gegeben; es muß etivas mehr für die Schiffer nnd ihre Interessen gesorgt»verden. Bei keinem Geiverbe ist der B e f ä h i g u n g s n a ch>v e i s so dringend, wie beim Gewerbebetrieb der Schiffer und zwar in» Interesse der Unfall- vcrhüiilng nnd Unfallversicherung. Hoffentlich kommen die ver- bündele»' Regierungen bald mit dahin gehende» Vorschriften. Natürlich muß der Befähigungsnachiveis ein fachmännifcher nnd praktischer sein. Für de» Befähigungsnachiveis ist anch ein Herr aus dem Osten eingetrele», der Vertreter der Handelskammer von Bromberg, Herr Hirschberg, nach dessen Aussage schon Schiffer- Prüfungen ans der Oder und Elbe staltsinden. tlledner tritt dafür ein, daß den Schiffern eine bessere S onn tags ruhe zu theil»verde, und bemängelt die Regelung,»velche die Haltung des Schiffs- eigners durch die Vorlage erhalten soll. Bezüglich der Lösch- und Ladefrist sollte man die ortt-gebräuchlichen beseitigen und eine einheitliche lliegeliing eintreten lassen. Älehnlick verhält es sich bezüglich der Liegegelder. Für eine gründliche Kainmissions- berathung spricht noch der Gnind, daß die Interessenten sich bisher»och nicht ausführlich haben aussprerne» könne»; der Enlivurf ist nicht vor seiner Einbringung veröffentlicht»vorden. Es muß den Interessenten»och Gelegenheit zur Aeußerung ge- geben werden..(Zustimmung rechts.) Staatssekretär Nieberding: Die Meinung des Vorredners. daß zur Aeußerung über de» Entivurf nur solche Kreise heran- gezogen seien,»velche am Großkapital betheiligl seien, ist durchaus von denen sie annehmen konnte, daß sie in diesen schivierigeii Fragen die besten Jnsoriiiationen geben könnten, nnd sie hat sich in dieser Erwartung auch nickt getäuscht. Um aber allen Kreisen eine Aeußerung über den Enlivurf zu ermöglichen, ist dieser veröffentlicht»vorde». Es»var also jeder, der ein Interesse daran hatte, in der Lage, der Regierung seine Jnformationei» darüber zukomme» zu lassen, und die Regierung»väre dafür dankbar geivese». Die Sonntagsruhe ist in diesem Entimirs überhaupt nicht in betracht gezogen, schon»veil diese Frage in das Gebiet der Geiverbe-Ordnung gehört. Der Vorredner muß also diese seine Wünsche vortrage»,»venu im Nahmeii der Geiverbe- Ordnung die Sonntagsruhe für die einzelnen Geiverbe geregelt wird. Tie Haslbarkeit des Schiffseigenthümers für die durch die Schiffsbcsatziing verursachten Schäden hat die Vorlage nicht beschränkt, sondern sogar eriveitcrt. Abg. Gerisch(Soz.): Der Staatssekretär hat seine Freude darüber altsgedrückk, daß durch dieses Gesetz ein Zustand der Nechtsuiisicherheit beseitigt»verde. Scknde nur, daß er diesei» Widerivillen gegen die Nechtsuiisicherheit nicht auch bei der Ilinsturzvorlage zu erkenne» gegeben hat, bei der auf andern Gebieten»och eine viel größere Rechtsunsicherheit entstehe» »vürde.(Zustinunill'g links.) Ich theile die Meinung, daß die Schiffer bei diesen» Gesetz nicht genügend gehört ivorden sind. Ich meine auch, daß in bezug auf die Haftung des Schiffers bisher schon überaus genug geschehen ist. Es ist zum mindesten ein Unrecht zu gunsten des Großkapitals, wen»»»an den kleinen Schiffern i» bezng auf ihre Haftung noch»veitere Verpflichtitiige», auferlegen will, als sie bisher schon habe», namentlich i» bezug auf die Haftung für rein zufällige Schäden. Es fehlt im Gesetz eine Bestimmung darüber,»vär in dem Falle, wenn nicht auf Verlangen eines Ladungs-Betheiligten ein gerichtlicher Termin stattsindel, die Kosten zu tragen hat. In den Motiven heißt es zivar, daß in diesen» Falle der Schiffsführer die Koste» für den Sckiffs-Eigenthümer auszulegen hat. Es könnten aber später Streitigkeiten zivischen dem Schissssührer und den» Schiffs- eigner entstehen, wenn dies nicht in» Gesetz ausdrücklich geregell wird. Alis Sch fferkreisen ist vielfach auch darüber Beschiverde geführt»vorden, daß ihnen durch die Verschiedenartigkeit der Bureaustunden bei de» Behörden unter Uinständen ein voller Tag verloren geht. Besonders bedenklich sind die im Gesetz beigehaltene» Ortsgebräuche und örtlichen Verordnungen. Charakteristisch ist, daß im ersten Entwurf eine»vesentlich kürzere Lade- und Löichsnst vorgesehen war, als im jetzigen. Da»varen bis zu 150 000 Kilogramm vier Tage vorgesehen,»vährend jetzt für die gleiche Ladung sechs Tage vorgesehen sind. Die örtlichen Verordn»tilge» weichen vollständig ab von einander. In Witten- berge ist in» Packhof-Verkehr für die Ladung von 60 000 Kilogramm ein Tag festgesetzt, für KaufmannSgüter hat aber der Schiffer für dieselbe Leistung acht Tage zu»varten, so daß ihn»,»ven», es ihm möglich ist, an einem Tage 60 000 Kilograinm zu verladen, sieben Tage einfach verloren gehen. Eine eben so große Un- gerechligkeil ist die verschiedene Entschädigung bei gleicher Ladling und Liegezeit, die zwischen Hamburg und Danzig bei eiiler Ladung 72 M. beträgt, so daß ei» Schiffer, der in einen» Sommer zehn Mal in Hambiirg Liegezeit hat, dort 720 M.»nehr zu fordern hat, als in Danzig. Das was im Gesetze vorgesehen ist, muß mich für alle Fälle gelten nnd es dürsen nicht nebenbei Ortsgebräuche und Orts- Verordnungen zu recht bestehen bleiben. Nach dem Berliner Ortsgebranch hat bei Entladung von Roheisen, Brennholz und gewöhnlichen Banniaterialien, wie Sand, Kalksteinen». s.»v. der Schiffer bis auf 30 Meter vom Ufer die Güter auf seine .Kosten zu bringen. Wir meinen, daß derartige Ortsgebräuche, die dem Schiffer Verpflichtungen anferlegen, die mit seiner Hai tirung schlechterdings nichts zu thun haben, zu beseitigen sind nnd bestiinmten gesetzliche» Vorschriften zu»veichen haben. Der Z 59 bedeutet auch eine große Verschlechterung des bisherigen Znstandes; derselbe bestimmt, daß der Schiffer für bei der Ab- lieieriing nicht erkennbare Schäden von Gütern noch vier Wochen nachher verantivortlich gemacht werden kann. Der Schiffer»veiß doch nicht,»vas niil der Waare passirt, nachdem er sie abgeliefert hat. Im Handels-Gesetzbuch,»vo es sich um de» Seehandet Handell, ist eine derartige Beftimlnung nicht enthalten. Im groben Verkehr ist der Empfänger verpflichtet, die Waare innerhalb 48 Stunden zu prüfen und verliert nach dieser Zeit jede» Anspruch. Auch ich bin der Meinung, daß im Gegensatz zu§ 61 der Fracht- 'ührer, der die Fracht vielleicht auf»vcite Entfernung hin Irans- porlirt hat, ivenn ein späterer Verlust eintritt, für seine Mühe- »valtiing entlohnt»verden muß. Entgegen den früheren Gc- bränchen, nach denen der Rheder l/3, der Eigenthümer der und sonstigen Abgaben zu tragen halte, Entivurf den» Schiffer die sännntlichen Kanal» »vürde Antritt Ladung 3/s der Kanal sind im vorliegende», Hafen-, Schleusen-, geladen. Empfehlen Schiffer vorab bei einen bestimmte» Vorschuß auf ihm sehr oft Atisgabe» erivachsen, und Brückenkosten auf- sich vielleicht, daß der der Reise berechtigt wäre, die Fracht zu fordern,»veil die er vorher gar nicht über- sehen kann. Was die Bestimniuiigei» des Gesetzes über die chiffsmannschafl anbelangt, so sind»vir der Meinung, daß es durchaus nicht nölbig ist, jemanden erst durch die Polizei zur Erfülltiiig seiner Pflicht anzuhalten. Wenn der Schisfsniann- i'chaft eine gute Behandliing zu theil»vird, ivenn sie bezahlt»vird mit gehörigen Löhnen, dann»verden die Lenle froh sei»,»veui» sie eine Beschäsligung haben. I» dem Falle, in dem der Schiffsmai»»»viderrecktlich entlassen »vird, steht ihm nicht das Recht zu, die Polizeigeivalt in An- sprach zu nehme», um den Schiffseigcnthünier oder den Kapitän zu zwingen, daß er ihn»vieder einstellt Die Bestiuimuiig, daß der Schiffsmann ohne die vorherige Erlaubniß des Schiffs- Herren das Schiff nicht verlassen darf, überanlivorret die L-chiffsmannschafl vom ersten bis zum letzten Tage der Willkür des Schiffseigenthümers Der Schiffer hat dann nicht einmal den Sonntag frei, und er hat nicht das Recht, in die Kirche zu gehe». Die Herren, die soitst so sehr für'Religion wirke», sollten doch hier für Bestimmungen sorgen,»vonach der Schiffs», ann»venigslens an einem bestimmten Tage der Oberhoheit des Schiffsführers entrückt ist und auch das Recht hat, einmal Mensch zu sein. Daß die Bestiinniilngell der Geiverbe- Ordnung auch auf die Schiffsmaiinschast anzuwenden sind, sollte im Gesetze selbst ver- mcrkl sein. Denn nicht nur die Juristen, die ja alles Mögliche in ein Gesetz hineinlege», sondern auch der einfache Mann soll »vissen,»voran er mit dem Gesetz ist. Besonders»veil früher die Schiffsmannschaft unter der Dienstboten-Ordnung stand, hätte es hier des Hiniveises auf die Geiverbe-Ordnung bedurst,»vonach die Schiffsmanttschaft ans das Koalitionsrecht hat. Die Kommission,»velche seinerzeit die Seemannsordnung ausarbeitete, hat es auch unterlassen, in diese die Beslimmimg auizunehmen, daß ein Schiffsmann seine Enllassnng fordern kann, wenn ein? andere llteise gemacht»vird, als die, zu welcher er geheuert ist, um nicht durch die ausdrück- liche Eriväbiiung dieses Entlassungsgrundes die Mannschaften zu verleiten, in ungeeigneten Fällen dieses Recht geltend zu machen und hierdurch viele unnütze Streitigkeiten zu veranlassen. Ein»vurmstimigerer Grund als dieser läßt sich garnicht denken. Daß das Recht auch in ungeeigneten Fällen angewendet und an- gernfe»»vird. erleben»vir ja alle Tage und nicht blos bei den gestellten zu rechnen und daher haftpflichtig stnd. Waruinnicht richtig. Die Regierung hat die Sachverständigen gehört, Arbeiten», den Staatsbürgern, sondern auch sogar bei denen, die uber die Anwendung und Ausübung der Gesetze zu wachen haben. Wozu wären denn sonst die Berufungs- Gerichts da? Mit vollem Bewußtsein hat damals die Komliiission es unterlassen, die Schiffsmannschaft auf dieses ihr zustehende Recht aufmerksam zu machen, um den Herren Rhedern und Schiffseigenthüinern einige Unannehnilichkeiten und Streitigkeiten zu ersparen. Das ist' aber um so bedenklicher, weil es sehr oft vorkommt, daß Mannschaften zur Fahrt nach bestimmten Häfen angeheuert werden, nachher aber die Reise gewechselt wird und Häfen angelaufen werde», deren Pasiiren für die Mannschaft mit großen Gefahren verknüpft ist. Diese bei der Seemannsordnung angewendete Praxis möchten wir also nicht auch hier wieder in Anwendung kommen lassen. Es muß klar ausgesprochen werden, daß die Schiffsmannschaft der Ge- werbcordnung unterstellt ist und alle hieraus entspringenden Rechte genießt. Die Streitigkeiten zwischen Schiffsmannschaft und Schiffer sollen durch die Gewerbegerichte geregelt werden. Wenn die Motive meinen, daß damit dem vorhandenen Bedürfniß nach einem von den Förmlichkeiten des ordentlichen Rechtsganges befreiten Vcr- fahren genügt sei, so ist doch in Wahrheit das Gegentheil der Fall. Denn es heißt in den Motiven auch, daß als Heimathsorl der Ort betrachtet werden soll, von dem aus die Schifffahrt betrieben werden soll, und es wird weiter zugestanden, daß es viele Schwierigkeiten machen wird, diesen Heimathsort festzustellen, weil namentlich im Osten viele Schiffer weder einen festen Wohnsitz noch eine Niederlassung am Lande haben. Das gilt auch für Schiffer und Schiffe in Mitteldeutschland. Taufende von Schiffern sind an irgend einem kleinen Orte heimathberechtigt, machen während des Jahres verschiedene Reisen, ohne stets nach demselben Hasen zurück- zukehren; denen kann also der Gerichtsstand dort, wo sie bis jetzt beimathberechtigt sind, einfach auch in Zukunft nicht bestritten werden. Nun wäre es sehr interessant, zu hören, wie vor den Gewerbe- gerichten diese Streitigkeiten zun» Austrag gebracht werden sollen, dort, wo die Gewerbegerichte kaum dem Namen nach bekannt sind. Wenn der Schiffemann unterwegs, z. B. in Magdeburg, widerrechtlich entlassen wird, so kann er auf grund des famosen tz 25 sein Recht suchen und den Schiffer in Thorn, oder in irgend einem kleinen märkischen Dorf verklagen. Woher er die Mittel nehmen soll, um dahin zu gelangen, und den Prozeß zu führen, ist eine andere Frage. Ich will nicht befürworten, daß der Gerichtsstand für den Schiffer nach möglichst vielen Orten verlegt werde, aber der Schiffer müßte in die Lage gebracht werden, in Lohnstreitigkeiten unter- wegs an verschiedenen Orten sein Recht geltend machen zu können. Bei den bisherigen Förmlichkeiten des Versahrens kommt der jetzige Zustand in vielen Fällen einer Rechts- Verweigerung gleich. Daß die Schiffsmannschaft nicht nur am Tage, sondern bis tief in die Nacht sich quälen muß, daß dann die Schiffe Sonntags noch als Personenschiffe benutzt werden, kommt leider sehr oft vor. Wir verlangen, daß der Schiffsmannschaft ein größerer Schutz als bisher zu tbeil wird. Auch wir wünschen eine Kommissions- berathung, weil das Gesetz in seiner gegenwärtigen Form nicht nur durch die Aufrechterhaltung des Ortsgebrauches alle alten Uebelstände beibehält, sondern auch noch einen ganzen Theil neuer Erschwerungen und Verschlechterungen einführt.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Nach oVz Uhr wird die weitere Berathung bis Sonn- abend 2 Uhr vertagt; außerdem erste Berathung der Vorlage wegen der Berufs- und Gewerbezählung und der Verordnung wegen des Zuschlagszolles gegenüber Spanien. Lolrorles. In die Lokalliste sind noch einzutragen: Hamann, Beller- mannstraße, Gesundbrunnen; Meyer, Ackerstraße 63; Berluschke, KSslinerstraße. De» Parteigenossen deS sechste» Wahlkreises, die ver- säumt haben, den„Vorwärts" zum l. Januar bei ihrem Spedi- teur abzubestellen und die Besorgung des Blattes der Partei- spedition zu übertragen, sei in Erinnerung gebracht, daß sie zum I. Februar baldmöglichst diese Abbestellung zu veranlassen haben. Bestellungen auf den„Vorwärts" für die Parteispedition nehmen entgegen: Für Moabit: Spediteur Hempel, Lübeckerstr. 16; für Webding: Spediteur Stolzenberg, Wiesenstr. 14; für Oranien- burger Vorstadt: Spediteur Weise, Tegelerstr. 27; für Gesund- brunnen: Spediteur Gaßmann, Grünthalerstr. 67; für Rosen- thaler Borstadt: Spediteur Rosenthal, Swinemünderstr. 79; für Schönhauser Vorstadl: Spediteur Mars, Kastanien- Allee.— Der Vertrauensmann. Vom Umgang uiit Sozialdemokraten in Plötzensee. Die Härte, mit der man ehrenhaste Leute in den Gefängnissen Preußcn-Dcutschlands behandelt, bildet einen der vielen schwätzen Flecke, an denen die Geschichte der bismärckischen und nach- bismärckischen Zeit so überreich ist. Tie Staatsraison in unserem armen Vaterlande läßt sich nicht genug daran sein, daß opfer- mülhige Männer und Frauen überhaupt von pflichleisrigen Richtern zu langen Geiängnißstrasen verurtheilt werden, weil sie sich im Eifer des Kampfes unversehens in einer der zahlreiche», gegen die freie Meinungsärißerung gerichteten Strafgesetzbestim- mungen verstrickt haben sollen. Tie moderne Staatsraison sorgt in unserem zivilisirl genannten Lande auch dafür, daß diese Opfer unserer politischen Strafprozesse, wenn sie auf Monate hinaus ins Gefüngniß gewandert sind, in einer Weise be- handelt werden, für die in fortgeschritteneren Kulturländern Heuligen Tages das Beispiel fehlt. Ist ein Mann, der sich an den politischen Kämpfen der Zeit in vorderster Reihe betheiligt, der von der Nation etwa mit dem höchsten Ehrenamt, das sie zu vergeben hat, betraut von einem Richter wie Brausewetter und ähnlichen zu langwieriger Gefängnißstrafe verurtheilt worden, weil ihm eine Handlung zur Last gelegt worden ist, wegen der in weniger rückständigen Ländern auch nicht eine einzige Amtsperson nur eine Hand erheben würde, so genügt es nicht, daß der Sünder einfach seiner Freiheit beraubt wird, er soll auch fühlen, daß er in einem deutschen Ge- fängniß ist. Dem Sträfling wird in unserer Musteranstalt Plötzensee fürs erste dadurch jeglicher Konnex mit seiner bisherigen Tbätig- keit abgeschnitten, daß man von ihm— sei er llieichslags- Abgeordneter oder nicht— die gesammte politische Tages- presse fern hält. Er darf weder sein eigenes Blatt, noch sonst eine politische Zeitung, und sei es die frömmste, in seiner Gefängniß- zelle lesen. Man stelle sich vor, wie diese unqualifizirbare Maß- regel auf einen Mann wirkt, für den die Verbindung mit den Vorgängen des öffentlichen Lebens eine Lebensfrage ist! Das einzige Blatt, was man ihm anzuschauen gestattet, ist— man lache nicht— der„Deutsche Reichs- und königlich-preußische Staats-Auzeiger"! Aber weiter. Will der politische Gefangene seine sechs oder neun Monate nicht etwa mit Korbflechten oder Wolle- spulen zubringen, so muß er erst um die Erlaub» iß ein- kommen, sich mit der Feder beschästigen zu dürfen und diese Erlaubniß wird ihni auch nur dann zu theil, wenn sich ein A r b e i t g e b e r findet, der die Verpflichtung eingehl, für die Ausnützung seiner Arbeitskraft der Gefängnißkaffe eine bestimmte Geldsumme pro Tag zu opfern. Diese literarische Thätigkeit in einem deutschen Gefängniß erhält eine angenehme Unterbrechung dadurch, daß dem„Strafgefangenen" Redakteur oder Reichstags- Abgeordneten N. N. eines morgens auf- getragen wird, sein K I o s e t und seine Zelle mit Besen und Scheuerlappen zu reinigen. Es ist weiter nach der hygienischen Elementarlehre selbstver- stündlich, daß zu geistiger Bcihätigung auch eine entsprechende leibliche Nahrung gehört. Diese wird dem Preßsünder dar- geboten in dem Rumfutjch, in den Erbsen und Bohnen, die zu gleicher Zeit dem inbastirten Dieb und Hehler zur Atzung vorgesetzt werden. Jegliches Verlangen nach einer entsprechenden Beköstigung aus eigenen Mitteln wird in Plötzensee rundweg abgeschlagen; entweder ißt der ins Gefängniß gesteckte Preßverbrecher den Ruinsulfch oder— er hungert. Die Folgen einer solchen Behandlung treten denn auch gar oft nach der endlich erfolgten Entlassung zu tage; heute noch ist unser braver Genosse E n d e r s, der bis zum Juni vorigen Jahres elf Monate in Plötzcnsee zugebracht bat, in einer auswärtigen Kuranstalt, in der er auf Wiederherstellung seiner Gesundheit hofft. Besonders schmerzlich berührt den politischen Gefangenen natürlich auch die Abschließuug von anderen Menschen. Sitzen, was gar häusig der Fall, mehrere Redakteure eines Blattes oder sonstwie gleichgesinnte politische Gefangene zu gleicher Zeit in Plötzensee, so wird auf das peinlichste verhütet, daß sie sich während der Strafzeil von Angesicht zu Angesicht zu sehen bekommen, geschweige denn, daß sie ihre Leiden gemeinschaftlich tragen. Auch der Verkehr des Gefangenen mit Personen außerhalb des Gefängnisses ist auf das allerhärteste beschränkt. Passirt in Frankreich einmal der aufsehenerregende Fall, daß ein Journalist zu Haststrafe verurtheilt worden ist, so ist es selbstverständlich, daß seinen Lieben jederzeit der Zutritt zu ihm gestallet wird. In Plötzensee darf das Weib eines politischen Gesangenen den Mauni m Monat einmal besuchen, und auch dann findet der Verkehr nur unter den aufs peinlichste erschwerten Umständen statt. Der Gefangene steht während der Unterredung, die auf die Zeit von etwa einer Vierielnunde beschränkt ist, hinter einer verschlossenen Barriere, dazwischen steht ein G e f a n g e n e n w ä r t e r, der mit Argus- äugen jede Handbewcgung, jeden Blick, den die Ehegatten mit einander wechseln, beobachtet. Und warum diese argwöhnische Bebandlung? Du lieber Himmel, die Gattin könnte ja etwas Menschliches thun und dem geliebten Manne ein Stückchen Wurst oder ein paar Zigarren in seinem Elend z u st e ck e n wollen! Das soll mit der ganzen Energie, durch die die preußische Staatsraison wider Willen für ihr Theil ge- Holsen hat, die Sozialdemokratie riesengroß zu machen, in dem deutschen Gerängniß verhindert werden. Auch der rein geschäftliche Verkehr mit dem„Arbeitgeber" scheint dem politischen Gefangenen neuerdings erschwert werden zu sollen. Anders ist kaum eine Zuschrift zu verstehen, die der Buchdruckereibesitzer Babing in seiner Eigenschaft als „Arbeitgeber" einiger„Strafgefangenen" am 24. d. M. erhalten hat. Babing, der zur Zeil in Piötzensee die Redakteurs vom Sozial- demokrat Z a ch a ri und Reichstagsabgeordueten E ch i p p e l, sowie den Reickslagsabgeordneten Stadthngen mit literarischen Arbeiten beschäftigt, halte um die Erlaubniß nachgesucht, selber oder durch einen Stellvertrete? mit den Betreffenden geschäft- liche Angelegenheiten besprechen zu dürfen. Auf dies Gesuch hin ging ihm folgender Bescheid zu: Damit ich Ihr Gesuch vom 2I./22. d. Mts., die von Ihnen beschäftigten Strafgefangenen Stadthagen, Zackau und Schippe! sprechen zu dürfen, Vorbescheiden kann, wollen Sie mir anzeigen, wer eventuell Ihr Vertreter bei der Unter- redung sein würde. Der Direktor Wirth, Geheimer Justiz- Rath. Man reibt sich die Augen und fragt sich vergeblich, welchen Zweck denn dieser bevormundende Bureaukratismus haben soll? Das sind so einige wenige Proben von der Art, wie im neuen Reich der Gollessnrchl und frommen Sitte der Staar mit Männern umgeht, auf denen auch nicht der geringste Makel haftet, denen selbst von ihren erbittertsten Feinden das Zeugniß höchster persönlicher Ehrenhaftigkeit ausgestellt wird, und die nur das eine Unglück haben, daß sie ihre politische Ueberzcugung in einer den Organen des bevormundenden Klassenstaats nicht genehmen Weise versechten. Die Kehrseite der Medaille zeigt sich auch hier wieder zur Ehre des deutschen Volkes darin, daß der ein en Partei immer neue begeisterte Kampfschamen zuströmen, die mit festem Willen und allen Hindernissen zum Trotz kernhasl dem grobe» Ziel zustrebt, das Proletariat aus immer von jeglicher politischen und sozialen Knechtung zu befreien. Keine Unterdrückung hält die Sozialdemokratie in ihrem Siegeszuge auf. Je schlimmer der einzelne als Opfer leidet, je kampfesfreudiger schließt sich die Masse aus dem Weg zum großen Ziele zusammen. Die Behandlung der ärmeren Bevölkerung durch die Eisenbahnverwaltungen. Vom Verein Zonentarif war eine Versammlung mit dem vorgenannten Thema zum Tonnerstag Abend nach einein Restaurant Unter den Linden einberufen; man hatte eine größere Ülnzabl Ztbgcordneler der beiden gesetz- gebenden Körperschailcn brieflich eingeladen. Aus dem Landtage ivaren die Abgg. Brömel(sr.) und Pleß(Zentrum) erschienen. Von den Reichlags- Abgeordnete» waren nur die sozial- demokratischen Mitglieder Stulle und Seifert anwesend, die zum theil wiederholt in die Debatte eingriffen. Wie die arbeitenden Klassen unter dem gegenwärtigen Eisenbahn- reglcment zn leiden haben, wurde stalistisch nachgewiesen; welchen Unbequemlichkeiten und welchen Bcnachlheiligungen sie ausgesetzt sind, weil ihnen die Mittel fehlen, andere Fahrpreise als die der letzten Klaffe zn bezahlen, ivurde von den einzelnen Rednern, besonders von dem Tr. Engel, dem bekannten Verfasser des Zonentarifs, in erschöpfender Weise erläutert. Der antisoziale Charakter unseres Eisendahnwesens, bemerkte der Genannte, trete bei jeder Gelegenheit so schroff zu tage, daß es nur erstaunlich sei, daß man sich das so lange gefallen lasse. Zurückgesetzt gegen die Passagiere der anderen Klaffen seien die der vierten besonders darin, daß ihnen keine Relourbillels gegeben, ihnen eine schreck- lich langsame und menschenunwürdige Beförderung garantirl sei. Bedürfnißanstalten fehlen in der letzten Klaffe, nicht einmal Sitzgelegenheit sei in ausreichendem Maße vorbanden. Der Redner kam zu dem Schluß, daß die Beförderung edler Thiere eine wesenilich bessere sei als die der Paffagiere vierter Klaffe, die doch ganz erheblich mehr als im Verhällniß nolh. wendig, zu den Kosten des Transports herangezogen werden. Von weiten Reisen sei die Mehrzahl der ärmeren Bevölkerung durch die Höbe der Tarife ausgeschlossen, trotzdem betrage der Autheil der 4. Klasse am Gesannulverlehr jetzt schon 37 pCt. Der Redner beklagt, daß selbst in den Arbeiterkreisen der Wunsch nach Be- seiligung solcher Mißstände nicht in elementarer Weise zum Aus- druck gebracht werde; durchaus verwerflich sei aber die Passivität der Volksvertreter einer Frage gegenüber, die ei» lebhaftes Interesse schon mit Rücksichi auf den großen Einfluß des Eisen- bahü-Veikehrs auf das öffentliche Leben— der preußische Eisenbahn-Elat beträgt zirka 1660 Millionen— beanspruche» dürfe. Der Artikil 4a und Artikel 45 der Reichs- Verfassung, so folgert Dr. Engel, gebe auch den Reichstags- Abgeordnete» das Recht, energisch nach dieser Richtung hin vor- zugehen. Abg. Stolle beionte nach diesen deifällig aufgenonimenen Ausführungen, daß die Sozialdemokratie jederzeit drese Fragen als Kulturjragen behandelt und alle für Hebung des Verkehrs verlangten Auswendungen ohne weiteres unterstützt habe. Der Zonentarif sei schon vor zwei Jadren in dem sächsischen Land- rnge von der sozialdemokratischen Fraktion beaulragr worden. Ter Redner ergänzt die Ausführungen von Dr. Engel in mebr- facher Hinsicht und bedauert, daß der Kampf für eine Tarif- reform in den Landtaaen ausgefocblen werden müsse. Die Reaktion bekämpfe aus nicht erklärlichen Gründen jeden darauf gerichteten Antrag. Herr Brömel erinnerte an seine Bestrebungen im Reichs- und im Landtage im Sinne des Vereins„Zonentarif" und ver- sprach, die Sache weiter im Auge zu behalien. Sehr eingehend sprach sich für eine schleunige Verbilligung der Tarife und Er- leichlerimgen im Verkehrsleben der Zentrumsabgeordnele Pleß aus; seine Partei werde jede Bestrebung in dieser Richtung unter- stützen.(?)— In nächster Zeit will man eine größere Versamm« lung, zu der die A r b e i t e r speziell eingeladen werden sollen, einberufen; man hofft, daß dann auch die Abgeordneten der ver- schiedenen Parlamente sich zahlreicher einfinden. Von der Rixdorfer Statistik. Ueber die gewerbliche Nebenbeschäftigung von Volksschülern in Rixdorf sind bekannt- lick zur Zeit Erhebungen im Gange, aus die auch wir vor kurzem entsprechend hingewiesen haben. Von dem Resultat dieser Auf- nähme wird jetzt bekannt, daß Knaben in weitaus größcrem Maße zu derartigen Arbeilen herangezogen werden als Mädchen und daß die Jahreszeiten von Einfluß sind auf die Zahl der zum Nebenverdienste herangezogenen Kinder. So kommen z. B. der Verkauf von Blumen und Bretzeln, Karouffelschieben, Ge- schirrabtragen, Ersatzleistung für Kellner u. a. m. für die jetzige Jabreszeit in Fortfall. Ueber Art und Dauer der einzelnen Be- schäfligungszweige ergiebl die Statistik, daß Semmeljungen wochen- täglich von 3-/2 bis 6>/2 Uhr morgens arbeiten. Der eine hatte 32 Kunden zu bedienen und stieg in fünf Häusern eine, in sünf weiteren zwei, in sieben dritten drei und in vier Häusern vier Treppen— 52 Treppen. Einige Semmelträger werden am Sonntag nach dem Aus- tragen der Backmaare bis fünf Stunden in der Bäckerei be- schäftigt. Zeilungsträger arbeiten täglich ein bis vier Stunden je nach der Kundenzahl und dem ein- oder zweimaligen Aus- tragen. Am schwersten ist das Loos derer, die doppelt be- schäftigt sind, die z. B. am Morgen Semmel tragen und abends Kegel aufsetzen. Tie Arbeitszeit in den Fabriken ist zwar im Gesetz festgelegt, wird aber nicht immer ein» gehalten! So berichtete ein Knabe, daß er wochentäglich meist von 2—9 Uhr die Teichwalze drehe.(Er mußte übrigens die Arbeit aufgeben.„Ich konnt's nicht mehr aushalten!" sagte der arme Junge.) Außerdem findet ein großer Theil Beichäfti- gniig als Wagenauischer, Bierabzieher, Laufbursche, in Fabriken und Werkstätten(Schlächter, Schraubendreher, Federn-, Peilschen- und Knopimacher, Tabaksspinner, Polirer auf Messerbretter, Weber, Spuler, Krngenputzer) als Kranzbinder, Kravatten- näherin. Kindermädchen, Zinn- und Lumpensammler und— als Schnfhüter. Der Verdienst schwankt zwischen 50 Vf. und 4 M. pro Woche, während er in einzelnen Fällen die Höhe von L bis 16 M. für die gleiche Zeit erreichen soll(Treppen- reinigung. Kegelaufsetzen). Zu den wenig einträglichen Beschäf- ligungsarien gehören, so heißt es,„Kragenputzen, Spulen, Milch- tragen. Schraubendrehen und Knöpfeanferligen, wäbrend die Verferligung von Papierbällen verhältnißmäßig gut bezahlt wird." Ob das erschreckende Resultat dieser Statistik behördliche Maßnahmen gegen die infame Ausbeutung der Proletarierkinder im Gefolge baben wird? Wer wird jetzt sicher daraus hoffen? Es ist zur heutigen Zeit der Umsturzparagraphcn peinlich still vom Ausbau der Sozialreform und ähnlichen profiifeindlichen Dingen. Für sowas ist jetzi die Gelegenheit sehr ungeeignet. Die Erfahrung hat gelehrt, daß immer, wenn besondere Arbeiter- knebelungen in Aussicht standen, der Weizen mancher Unternehmer blühte, und es sollte uns auch jetzt nicht wundern, wenn die Prosttwütheriche noch eine ziemliche Weile ungestraft auf ihre Weise heischen könnten: Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht! Zu der Frage der elektrischen Hochbahn weiß die „National-Zeitung" mitzutheilen, daß die Schwierigkeiten, welche sich bisher der Weiterführung der Bahn vom Nollendorsplatz ans aus Charlottenburger Gebiet entgegenstellen, nun behoben sind. In einer gestern stattgehabten Sitzung aller maßgebenden belhei- ligten Behörden ist eine definitive Verständigung über die Tracen- führnng ans Charlottenburger Gebiet erziel: worden. Die Bahn wird jedenfalls wohl durch die Tauenzienstraße geführt werden dürscn und am Zoologischen Garten in der Weise endigen, daß ein direktes Uebergehen der vom Grunewald und von Charlotten- bürg kommenden Wagen auf die Hochbahnstrecke ermöglicht wird. Großmannssucht. Groß-Lichterfelde will Stadt werden und soll auch Aussicht dazu haben. Wie berichtet wird, ist eine Kommission mit den Vorarbeiten zu dem Antrage bereits beauftragt worden. Sämmtliche Pferdebahnwagen sollen der Meldung einer Lokalkorrespondeuz zufolge in der Mitte des Jnnenraums eine Laterne erhalten. Man thut gut, dies Stück Tireklionsnoblesse abzuwarten. Großeö Leid ist über die Familie Stehling aus der Sedan- straße 76 zu Schöneberg hereingebrochen. Alle vier Kinder im Alter von 3 bis zu 9 Jahren sind der Diphtheritis erlegen und am Montag in ein gemeinsames Grab gebettet worden. SlnSgeränmt wurde am Donnerstag Abend zwischen 7 und 71/4 Ubr ein im Erdgeschoß des Seitenflügels auf dem Grund» stück Siralsunderstr. 9 belegenes Zimmer, das dem Arbeiter Wilhelm Schumann gehört. Der Wohnungsinhaber ist der Ansicht, daß Diebe die Thür mittelst Nachschlüssels geöffnet haben. Wie Hausbewohner gesehen haben, sind drei Männer und eine Frau mit einem einspännigen Wagen vor das HauS gefahren. Während die Frau mit einer Laterne auf dem Fuhr- werk blieb, räumten die Männer die Einrichiiing zum größten Theil aus. Zurückgelassen wurde nur eine Mairatze, ein Wasch- becken und ein Eimer. Mitgenommen wurden ein Tisch mit Eichcnplatte und geschnitzicr Kante, zwei Wiener Siiihle, ein Küchenschrank mit Geschirr, Betten und Ausweispapiere auf den Namen Wilhelm Schumann, darunter Zeugnisse eines Unter- nehniers Alwin Müller aus Dresden. Die Polizei hat Anzeige erhalten. Wünschenswerth wäre, wenn sich der Eigenthümer des zum Fortschaffen der Sachen benutzten Fuhrwerks melden würde, damit der Verbleib der Einrichtung festgestellt werden kann. Aufsehen erregte am Mittwoch Morgen um 9Vl Ubr in dem Hause Liesenstr. 1 der Selbstmordversuch der Eigenthümerin, der 64 Jahre alten Wittwe Adolsine Koulle. Sie war mit ihrer Tochter allein in der im ersten Siock belegenen Wohnung anwesend, als sie plötzlich aus einem Fenster heraus auf den Hof sprang und vor den Füßen des Hausreinigers niedersiel. Frau Koulle wurde sofort nach der königlichen Klinik in der Ziegel- straße gebracht, wo sie noch an demselben Abend um 7 Uhr in- folge der erliltenen Verletzungen gestorben ist. Frau Koulle lebte in den besten Verhältnissen und scheint den tödtlichen Sprung in einem plötzlich ausgebrochenen Verjolgungswahnsinn gelhan zu haben. Zlnf der Nordwest-Eisbahn rannte gestern gegen 5 Uhr nachiuiiiags der 13jährige Schüler Max Rehfink, dessen Ellern in der Golzkowskystr. 16 wohnen, gegen einen anderen 5inabcn mit solcher Heftigkeit, daß beide Schlittschuhläufer zu Boden stürzten. Dabei erlitt Max R. so schwere innere Verletzungen, daß seine Uebersübrung nach dem städtischen Charlottenburger Kraukenhause angeordnet werden mußte. Polizeibericht. Am 24. d. Mts. nachmittags stürzte auf dem Grundstücke der früheren stndlischen Wasserwerke Vor dem Siralaner Thor S ein Theil der Bekrönung eines 36 Meter hohen Schornsteins herab. Die etwa 60 Zentner schwere Steinmaffe durchschlug das Dach eines unbenutzten Maschinenhauses, richtete jedoch weiteren Sckmden nicht an— An der Ecke der Friedrich- und Oranienburgerstraße gerieth ein Mädchen unter die Räder eines Bierwagens und erlitt eine erhebliche Verletzung des Unterschenkels. — An> Prenzlauer Thor stürzte ein Mann, der mit seinem drei Jahre alten Knaben auf dem Arm in einen Pserdebahn-Wagen während der Fahrt einzusteigen versuchte, hin. Das Kind erlitt dabei eine schwere Verletzung am Knie, während der Vater unver- sehrt blieb.— Abends fiel in der Wrangelstraße ein Mann infolge der Glätte nieder und brach ein Bein.— J» der Nackt zum 25. d. M. wurde ein Arbeiter in der Bernauerstraße mit einer erheblichen Verletzung am Arm betroffen und nach dem Krankenhause gebracht. Er hatte versucht, sich die Puls- adein zu öffnen.— Im Lause des Tages fanden drei kleine Brände statt. Tkeeikev. N0 Gulden zu fälschen. Fräulein Fanny sieht sich verpflichtet, um den guten Namen der ihrigen zu erhallen, die gefälschten Wechsel einzulösen, und sie selbst wird zum Börsenspiel gedrängt. Das Geldsieber aber, das Welten und Wagen höhlt Herz und Sinne von Fräulein Fanny aus und läßt alle wärmeren, mensch- lichen Empfindungen in ihr verdorren. Dies ist der Grundgedanke und der Inhalt des Dramas. Wenn man von Hubert R e u s ch, der mit Takt und Geschick die Rolle eines augetroltellen Prinzen gab, und Fräulein Sa nd ow (Fanny) absieht, so war die Darstellung, die das Stück fand, mcht gerade erfreulich. Im Zllexanderplatz-Theater wurde gestern wieder einer jener leichten französischen Schwanke ausgeführt, in der die Situationskomik die Schlüpfrigkeit der Handlung vergessen macht, wenn das Spiel flott und frisch von stallen geht. In dem vieraktigen Scherz„Der wunde Punkt" von P. Bliß dreht sich die Handlung um Vater, Sohn und Schwiegersohn und deren weiblichen Anhang, der mit einem großen Schein von Recht ver- muthet, daß die verehrlicheu Männer einer hübschen und interessanten Kokelle unverblümt den Hof machen. Legt man keinen strengen Maßstab an, so konnte das Spiel des Künstlerpersonals vom Alexanderplatz-Theater mit wenigen Ausnahmen als gut bezeichnet werben. Herr Leo Steiureuih spiellc die Rolle des frohlebigen Echwiegersohnes sogar vortrefflich. Störend war nur Fräulein Ldäihs Urban, die mit ihrer Rolle als Sängerin auch rein gar nichts auzufangeu wußte. Höchst unangenehm machen sich neuer- diugs wieder am Alexauderplatz« Theater die entsetzlich langen Pausen nach fast jedem Akt bemerkbar. Geriiftks-Bettmig. llmsturz in der Weltgeschichte. Ein hochinteressanter Vreßprozeß hat am Dienstag vor der Brandenburger Strafkammer staltgefunden, vor welcher sich der frühere Redakteur Emil Simon von der sozialdemokratischen„Brandeubi.rger Zeitung" wegen wissentlicher öffentlicher Verbreitung und Behauptung von er- dichteten oder entstellten Thalsache», durch welche Staats- einrichtungen verächtlich gemacht werden(Z 131 Str-G-B.) zu verantworten halte. Die„Braudeuburger Zeitung" halle ain 27. November einen Leitartikel, betitelt:„Gustav Adolf. Ein Fürftcnfpiegel zn Lehr und Nutz der deutschen Arbeiter", veröffentlicht. Derselbe war ein Auszug aus einer unter dem gleichen Titel erschienenen Broschüre von Franz Mehring. In diesem Artikel kam ein Pasjus vor. welcher wörtlich lautet: „Dazu kam ein habsüchtiges Fürsteuthum, welchem die neue Religion, die„reine Lehre", als Vorwand dazu diente, sich die Kircheiiaütcr anzueignen. Speziell die Hohenzollern haben in dieser Praxis etwas geleistet. Die„Resoimatiou", die Annahme der„reinen Lehre" war für diese srcmmen Kulturheldeu theils eine Bemäntelung ihrer Raubsucht, theils ein politisches Ge- schüft. Die Fürsten, voran die ans dem Hause Hohenzollern, hallen ein sehr malerielles Interesse daran, die naliouale Einheit Deutschlands zu verhindern. Unter Proteste, ttischem Banner rebellirten sie gegen die an die katholische Kirche gekettete monarchische Gewalt, vor allem gegen die des Kaisers. Sie ver- standen sich sehr gut aus den Umsturz der„von Gott eingesetzteit" Autoritäten." Durch diesen Paffus sollte das zur Anklage stehende Vergehen begangen sei» und wurde deshalb die„Braiitenbiirger Zeitung" bald»ach ihrem Ersckeiuen beschlagnahmt, sowie eine erfolglose Haussuchung nach dem Manuskript abgehalten. Der.erste Staats- anwalt bei dem Landgericht zu Potsdam, Freiherr von Bleul, vertrat die Anklage persönlich, was um so bemerkenöwerlhcr erscheint, als derselbe als eifriger Katholik bekannt ist. Derselbe beantragte zunächst den Ausschluß der Oeffenllichkeit nuler der Begründung, daß dies bei Majestätsbeleidigungeu üblich sei, und was den lebenden Hohenzollern recht, das sei den lobten Hoher»- zollern billig. Der Gerichtshof lehnte diesen Antrag ab. Als Sachverständiger hatte der Staatsanwalt den Gymnasial- Professor Heidemnun, Lehrer der Geicluchte und Religion am Grauen Kloster zu Berlin lade» lassen. Derselbe hob drei Hohenzollern hervor, die in der Geschichte der Resouiialioii eine Rolle gespielt, einer davon sei noch katholisch gewesen. Von den übrigen beiden bekundete Professor Heidemann, daß sie die Kirchengütcr nicht angelastet hätten, ehe sie sich nickt von der Lauterkeit der„reinen Lehre" überzeugi hätten. Sodann sührlc er aus den Archiven einige Fälle an, welcke beweisen sollen, daß Joachim II. bei Einziehung der Kirchengüler mir äußerster Vor- sicki vorgegangen sei. Beispielsweise bätle» die Nonne» des Klosters Reetz, weil sie altersschwach und unvermögend gewesen. den Kuriürsten gebeten, ihnen die Verwaltung der Kirchengüler abzunehmen, ui ler der Bedingung, idnen bis an ihr Lebensende ihren Lebensunterhalt reichen zu lassen, was alsdann auch ge. fchehe» sei. Ter Staatsanwalt führte in seinem Plaidoyer aus:„Wir sind in der Rothwehr; die Sozialdemokraten iiniergraben uns unsere Existenz, wir müsse» kräftige Mittel gegen sie anwende»." Die„Branden burger Zeiturg" spreche allerdings nur von Hohen- zollern, die seil 300 Jahren todt sind, aber da die Tendenz der Sozialdemokratie darin bestebe, die Monarchie abzuichaffen, so sind die Sünden der veru esten Hohenzollern offenbar nur auf- gedeckt worden, um die lebenden Hobenzollern verächtlich zu machen. Damit sei die eine Anforderung des tz 131 ersülll. Zum Beweis dafür, daß die Behauptungen des Artikels erdichtet seien, bezog sich der Staaisanwalt ans das Gut- schien des Proseffore Heideuiann. Dafür, daß der An- geklagte dieselben wider befferes Wissen verbreitet, genüge der dolus eventualis, denn wenn er nur daran gezweifelt, habe er wider besseres Wissen gehandelt. Jeder ruhig Denkende müsse sofort einsehen, daß die damaligen Hohenzollern nichr lutherisch geworden seien, um die Kirchengüter einzustecken. Ihre kleinen Schwächen hätten sie wohl gehabt, wie es ideale Menschen überhaupt nicht gebe, und wenn einmal die Kirchengüter heim- geramschr worden wären, so hätten sie natürlich mi, zugegriffen, aber jeder Gebildete müsse einsehen,» daß sie aus inniger Ueder- zengung von dem läutern Worte Gottes zur lutherische» Religio» übergetreten seien. Der Antrag des Staatsanwalts lautete auf 1 Monat Ge- fängniß. Der Verlheidiger Justizrath Aßmy(Potsdam) hob dervor. daß§ 131 in keinem Punkte aus den qu. Artikel anwendbar sei. Im Gegensatz zu Professor Heidemann lührte er Nielanchthon, Friedrich den Großen und die„Kreuz-Zeitung" an, welch« einig darin wären, daß die Plünderung der Kirchen- guter das Motiv Joachim II. bei seiner Bekehrung zur Reformation gewesen. Ter Gerichtshof fand keine der im§ 131 enthaltenen Be- stimnilingen durch den Artikel verletzt, lehnte zudem ein Urtheil über historische Forschungen ab und erkannte auf Freisprechung des Angeklagten. Man kann also vorläufig noch die Hohenzollern der Ver- gangenheit mit rechtem Namen nennen. Ob solches nach Annahme der Umsturzparagraphen noch ungestraft gestattet sein wird, er- scheint allerdings fraglich. Eine wichtige Entscheidung fällte das Kammergericht in einer Strafsache, welche aus Anlaß des Streiks in der Tack'schen Schuhfabrik zu Burg entstanden war. Während des Streiks wurde der Schuhmacher H. von einem Polizeibcamten auf einer Straße in der Nähe der Tack'schen Fabrik betroffen und von demselben ausgcsordert, sich zu entfernen. Der Angeklagte ging auch etwa dreißig Schritt weiter, kehrte nach einiger Zeit aber zurück und hielt sich wieder in der Näbe der Fabrik auf. Er wurde deshalb wegen Uebertretuug der Polizeiverordnung des Oberpräsidenten der Provinz Sachsen vom 26. Februar 1832 vom Schöffengericht zu Burg zu 6 M. Geld- strafe verurtheilt. Die Verordnung lautet:„Wer sich in der Nähe von Fabriken je. unbefugt aufhält und der Aufforderung eines Polizeibcamten, sich zu entfernen. keine Folge leistet, wird bestraft." Die Strafkammer zu Magdeburg bestätigte das erste Urtheil mit etwa folgender Begründung: An und für sich stehe das Betreten öffentlicher Straßen jedermann ohne be- sondere Erlaubniß und Berechtigung zu. Wolle inan nun das Wort„unbefugt" in der Polizeiverordnnng in dem gewöhnlichen Sinne und nach dem Sprachgebranch des Straf-Gesetzbuches aus- legen, so daß es bedeute ohne Befugniß, ohne Berechtigung, so würde die Polizeiverordnung völlig zwecklos»nd ihre Anwend- darkeil gänzlich ausgeschlossen sein. Man müsse daher das Wort „unbefugt" auslegen als bedeutend„ohne einen recht- fertigendenGrund." Der Angeklagte habe aber für sein Bcr- weilen in der Nähe der Tack'schen Fabrik einen besonderen dasselbe rechtfertigenden Grund nicht angebe» können, er habe sich deshalb „undesugt" dort aufgehalten und sich somit der Ueberlretung jener Polizeiverordnung schuldig gemacht. Gegen dieses Urtbeil wurde Revision beim Kammergericht eingelegt. Der Verlheidiger Rechtsanwalt Dr. Herzfeld wies darauf hin, daß die dem gewöhnlichen und juristischen Sprachgebrauch widersprechende Auslegung des Wortes „unbefugt" unhaltbar sei.„Unbefugt" und„ohne recht- fertigenden Grund" seien zwei ganz vtrschiedene Begriffe. Das Nichtanfstchen der sozialdemokratischen Abgeordneten z. B. in der Eröffnungssitzung des neuen Reichstags bei dem Kaiserhoch sei nach der Ansicht der nationalliberalen Abgeordneten im Reichstag ohne rcchlsertigenden Grund gewesen, aber nicht unbefugt, wie die Ablehnung des slaatsanwaltlichen Antrags auf Genehmigung der Verfolgung jener Abgeordneten durch eben diese Abgeordnete ergebe. Eine Anzahl von entsprechenden Beispielen gab der Vertheidiger ans der jüngsten politischen Geschichte. Er wies ferner daraus hin, daß die von den Vorinstanzen beliebte Auslegung der Polizeiverordnung dahin führe, daß jeder Spaziergänger ans einer össent- lichen Straße in der Nähe einer Fabrik jedem Schutzmann auf dessen Frage den seinen Spaziergang rechtserligenden Grund angeben müsse. Ein rechtfertigender Grund brauche doch nur dann vorhanden zu sein, wenn eine straibare Handlung vor- liege. Bezüglich des Augeklagten sei aber nichts sestgestellt, als daß er auf der Straße tu der Nähe der Tack'schen Fabrik an- gelrossen worden sei. Dies eine strafbare Handlung zu nennen und deshalb einen rechtfertigenden Grund dafür zn verlangen, heiße sich im Kreise drehen. Es sei auch unrichtig, daß ohne diese Auslegung die an- geblich iiberirelene Polizeiverordnung keine Anwendung finden könne. Dieselbe sei im Gegentheil z. B. anwendbar, wenn eine Straße i» der Nähe einer Fabrik aus polizeilichen Gründen ge- sperrt sei. Davon sei aber in diesem Fall keine Rede. Die An- wendung, welche ihr hier die Vorinstanzen gegeben, habe die Wirkung, in dem ivirthschaftlichen Kampfe zwischen Arbeit- geber und Arbeitnehmer Partei der Arbeitgeber zu ergreisen und deren Position zum Nachtheil der Arbeitnehmer zn verstärken. Sie bewirke eine Verkümmerung des gesetzlich garantirteu Koalitiousrechts der Arbeiter. Denn es sei erlaubt, daß die Arbeiter andere Arbeiter überreden, keine Sireilbrecter zn werden und zu dem Zwecke einzelne Personen auf die Straßen in der Nähe einer Fabrik schicken. In dieser aufgeregten Zeit sei es ganz besonders die Pflicht der Gerichte. objektiv und neutral zu bleiben und nicht durch künstliche Aus- legungen sich auf Seite der Unternehmer zu stellen. Der Ober- Staatsanwalt erwiderte, daß die Verordnung rechtsgiltig sei und es aus den Zweck und die Wirkung derselben nicht ankomme. Er beantrage die Verwerfung der Revision. Das Kaminergericht verwarf dieselbe, indem es zur Be- gründiing angab, die Verordnung sei rechtsgiltig erlassen. töozisle UeverNrlzt. Vom Weberelend. Zu unserer in Nr. 18 unseres Blattes enthallene» Notiz über die Lage der Zinnaer Weber geht uns von einem Kenner dortiger Verhältnisse noch folgendes Schreiben zu: Ter angegebene Verdienst ist eher zn hoch, als niedrig an- gegeben, wenn man in belrachl zieht, daß die Hausweber sich das oil sehr lheure Werkzeug selbst beschaffen und die nothwendige» Transportkosten der Garne und fertige» Waare von uns zu den Berliner Fabrikanten auch noch bezahlen müssen, letzteres allein macht 2—10 pCt. des Verdienstes auS. Bei den vom Land- wiribschasts-Minister zur Linderung der Roth angeordneten Wald- und Wegearbeilen in der königl. Zinnaer Forst hat auch ein sonderbarer, echt kapitalistischer Modus platzgegriffen. Die an- fänglich 140— 1L0 als Forstarbeiler eingestellien Weber, bei einem Tageloh» von 1,40 M., sind jetzt in 2 Kolonnen eingetheilt, welche eine Woche um die andere ablösen, und erhalten jetzt nur noch die jüngeren, kräftigeren 1,40 M., die älteren 1,20 pro Tag. Außerdem hat einer von den zur Aufsicht bestellten Forstbeamte» die Arbeiter angesenert, tüchtig zuzugreifen, mit dem Verspreche» eines Exlralodnes. welcher auch in Gestalt einiger Liter Schnaps nicht ausblieb. Auch wird jetzt aus jeder Familie nur noch ein Arbeitsloser, wo bisber also Vater und Sohn,— nur noch einer von beiden zugelassen. Und in der Nähe donnern die Kanonen, und sause» die Geschosse auf dem Jüterbogker Schießplatz! Die Aueführuiigen der Waldarbeit soll hauptsächlich Verdienst des Zinnaer Magistrats und der Geistlichkeit sein. Soll sich da der Herr Pastor mal geäußert haben, daß die Lebenshaltung der Zinnner Weber noch keine so schlechte wäre; er, der Herr Pastor wäre bei Brot und Syrup erzogen worden. Nun, ob diese Weder bei dem hohen Lohn von 1,20 M.(resp. 60 Pf.) bei Schnee, 5tälle und weiten Wegen, wobei sich mancher wegen ungenügender Kleidung und deseklen Stiefeln Krankheit und Siechlbum zuziehen dürste,— sich mehr leisten können als Brot»nd Stippe, wird wohl selbst der Herr Pastor nicht glauben. Die letzte Wahl hat ja gezeigt, daß es auch bei diesen Leuten zu tage» beginnt. Die Delegirten der Fuhrwerks» BerufSgenoffenschaft, dieselbe Genvstenschast, mit der wir uns vor nicht langer Zeil be- fasse» mußten, versammelten sich kürzlich hier im„Grand HSrel". In der Debatte konnte eS ein Redner nicht tmterlassen, den Herren damit graulich zu machen, daß es doch unerhört sei, wenn Vor- kowmnifle in der Genossenschaft schon in einem solch' staats- feindlichen Blatte, zu welchem Beziehung zu haben, wohl jeder ,n der Versammlung ablehne, besprochen würden. Da der an- wesende Regierungsvertreler, Herr Direktor Fabia, die Einziehung der Politik in die Debatte nicht verhinderte, wurde von anderer Seite gegen das Hereinzerren der Politik in berussgenossenschafl- liche Fragen energisch Prolest erhoben. Eine Nrbeitslosen-Versammlung in Breslau, die von über 1000 Personen besucht war, nahm die in den acht Berliner Versammlungen angenommene Resolution an. Der Antrag, eine Deputation an den Magistrat zu entsenden, wurde als nutz- los(!) abgelehnt. GctverkscliktNIiikxes. An alle in der Tischler- Krankenkasse versicherte» Kollegen l Durch die am 21. Januar errichtete Tischler- Jnnungs-Kran ke nkasse hat sich ein Mißverhältniß im Kranken- kassen-Versicherungswesen herausgestellt, welches jedenfalls von keiner Seite voraus gesehen wurde. Eine große Anzahl Mit- glieder der Ortskasse der Tischler und Pianoforle-Arbeiter habe» durch die Anmeldung in der Jnnungskasse ihre Rechte ver- loren. Dieselben treten als neue Mitglieder zunächst mit der Mindestleistung 13 Wochen in jene Kasse ein. Daß sich hier- über eine außerordentliche Entrüstung entfaltet hat, läßt sich be- greifen. Größer aber noch ist der Unwille gegen die Bestimmung der Jnnungsmeister, daß auch Mitglieder der Zentral- und freien Hilfskassen zum Beilritt zur Jnnungskasse veranlaßt werden. Hier wird selbst das gesetzlich gestattete Recht des Arbeiters nicht respektirt. Jedenfalls geht hier das Zwangsverfahren der Herrn Jnnungsmeister zu weit. Es klingt geradezu wie Hohn auf die Arbeiter, welche am schwersten durch den geschästlichen Niedergang zu leiden habe», wenn auf den bescheidensten Einwand seitens der Arbeiter die Herren nur die Antwort haben,„man brauche ja nicht bei Jnnungsmeistern zu arbeilen", oder„wem's nicht paßt, der kann sein Buch und Karte holen." Kollegen! Hätten die Berliner- Holzarbeiter ihre Organisation nicht so vernachlässigt, wie das Augenblicklich der Fall ist, wir wollten jenen Herren >»vsbrüdern schon eine Antwort geben. Jetzt heißt es aber ©uu.iiig nehmen, wir müssen versuchen, die Nachtheile, welche uns durch die Jnnungskasse zugefügt werden, abzuwenden; deshalb niöge jeder Kollege in den am Sonntag, den 27. Januar, vormittags 10 Uhr bei Reichert, Müllerslr. 7 und am Donnerstag, den 31. Januar in Keller's Salon, Kovpeustr. 23, stattfindenden Versammlungen erscheinen. Die Tagesordnung lautet: Die Tischler-Jnnungskrankenkasse und ihre Rachtheile für die Tischler Berlins. D.er Vertrauensmann der Berliner Holzarbeiter. E. Wiedemanit. Achtung, Lederarbeiter! In der Lederfabrik von Her« man» Wcstphal in Langenfelde bei Altona wurden am 22. Ja- nuar ohne Angabe von Gründen sechs Arbeiter gemaßregelt, vermuthlich wegen ihrer Zugehörigkeit zur Organisation. Taraufhin stellten am 23. Januar weitere 40 Mann, alles ge- lernte Arbeiter, die Arbeit ein. Es wird um strenge Fcrnhaltung des Zuzuges gebeten. Näherer Bericht folgt. Der Arbcitöliachtvciö der Lederarbeiter befindet sich jetzt Oranienstr. 16 im Restaurant des Herrn Max Zack. Eine Gewerkschafsversammlnug in Güstrow beschloß, bei dem Magistrat auf die Errichtung eines Gewerbe-Schieds- gericht hinzuwirken. Klcinmiinche». I» der Kleinmnnchener Baumwollspinnerei in der Ziglau haben am Sonnabend Nachmittag 80 Arbeiter die Arbeit eingesteUl. Ursache der Arbeitseinstellung war eine plötzlich eingetretene Lohnreduzirung. Tie Arbeiter der Steilliiiisi-Knopffabrik von Leopold u. Komp. in Schmölln sind seil dem 21. d. Mls. wegen Lohn» disferenzen ausständig. Sämmtliche Weber der Aachener Tuchfabrik von Meyer haben am 24. d. M. wegen Lohnstreitigkeitcn die Arbeit eingestellt. Streiks in Oesterreich. Ter Streik bei Körting in Wien ist beendet— zu Ungunsten der Arbeiter. Die Zahl der Streikbrecher Hatto sich seit Montag so stark vermehrt, daß ein längeres Verharren im Ausstande zweck- und nutzlos gewesen wäre. Bei der Firma Leopold W y ch a in Wien ist einer Lohnreduzirung wegen ein Streik der Gelbgießer ausgebrochen, an welchem 28 Mann betheiligt sind. Zuzug ist fernzuhalten. Presiburg. Achtung, Metallarbeiter! Die Gewerkschaft der Eisen- niid Metallarbeiter Preßbnrgs hat über die Firma Dohna! die Sperre verhängt. Zuzug ist streng fernzuhalten; niemand möge den Verlockungen dieser Firma Beachtung schenken. Eisen- und Metallarbeiter aller Länder, zeigt, daß Ihr einig seid.— Alle Arbeiterblälter werden um Nachdruck ge- beten. Prag-Zizkov. Der Streik der Feilenhauer bei der Firma K. Pori; endete mit dem Siege der Arbeiter. Ter Streik der Straßenbahnbeamten von Brooklyn dauert fort. Die Straßenbahnwagen fahren.leer uuter dein Schutze der Polizei. Vevinisrlzkes. Die Kleidungsstücke der Anna Köhler, jenes bedanernS« werthen Opfers der Rohheit der vielgenannten Oberförster Gerlach'schen Eheleute, sind nunmehr, wie das Gothaer„Volks- blatt" meidet, der Mutter der Vernorbenen ausgehändigt worden. Da? erwähnte Blatt knüpft an die Notiz die Mittheilung, daß die Kleidungsstücke in einem so verwahrlosten und schmutz- stroyenden Zustande seien, daß es jedermann mit Ekel erfüllen muß, dieselben zu sehen. Sämmtliche Strümpfe, Hemden, Röcke, Schürzen, Jacken, ja sogar die Oberkleider sind mit Blut getränkt. Tn sollst nicht tödten. Heute meinen die Edelsten und Besten und idre nach gleicher Vollendung in der Rohheit strebenden Nachlreter bekanntlich, daß jede Albernheit, durch die sie sich einander besudeln, mit Blut abgewaschen werden muß. Das unsittliche Duell gebört daher dem geschriebenen Gesetz zum Hohn z» den standesgemäßen Allüren unserer schneidigen Flachköpfe und unter dem erbärmlichen Troß der für Ordnung, Religion und Sitte kämpfenden Ordnungsritler gilt der als ehrlos, der nicht die brutalen Faxen mitmacht. Da dürste es denn wohl an- gezeigt sein, die Meinung eines deutschen Fürsten, der vor über hundert Jahren lebte, zu vernehmen. Zur Frage des Duells wird dem Lmzer„Volksblatt" berichtet: Wir besitzen noch einen Erlaß des Kaisers Joseph vom Jahr« 177l, wodurch er einen General seiner Armee beauftragt, über zwei Duellanten, den Grafen v. K. und den Hauptmann W., Kriegsgericht zu hallen und den, der die meiste Schuld am Duelle gehabt, streng zu bestrafen. Darin heißt ei:„Der Graf v. K. ist aufbrausend, jung. von seiner Geburt und falschen Ehrbegriffen eingenommen. Haupt- mann W. ist ein alter Kricgsknechl. der jede Sache mit Degen und Pistolen berichtigen will. Ich will und leide keinen Zwei- kämpf in meinem Heere und verachte die Grundsätze derjenigen, die ihn vertheidigen, die ihn zu rechtfertigen suchen und sich mit kaltem Blute durchbohren. Wenn ick Offiziere habe, die sich mit Bravour jeder feindlichen Gefahr preisgeben, die Tapferkeil und Entschlossenheit, im Angriffe und in der Berlheidigung zeigen, so schätze ich sie hoch. Wenn aber hierunter Männer sei» sollten, die alleS der Rache und dem Hasse gegen ihren Feind aufzuopfern bereit sind, so verachte ick dieselben; ich halle einen solchen Menschen für nichts Besseres, als einen römischen Faustkämpfer.... Eine solche barbarische Gewohnheit, die dem Jahrhunderte der Tarlaren- fürsten angemessen ist, und die oft so traurige Wirkungen auf einzelne Familien gehabt hat, will ich unterdrückt und bestraft wissen und sollte es mir die Hälfte meiner Offiziere rauben. Noch giebt es Menschen, die mit vem Charakter von Helden» muth denjenigen eines guten Unterthnnen vcreinbnreri; und das kann nur der sein, welcher die Staatsgesetze verehrt.� So ein„aufgeklärter Despot" an der Schwelle eines neuen Zeitalters- Am Schluß des 19. Jahrhnndert's, wo sich gleichfalls eine Weltwende vorbereitet, muß der Kultur- Historiker die Thatsache verzeichnen, daß die konstitutiv- n e l l e n Fürsten fast aller Kulturstaaten so ziemlich jeden b e- g n a d i g e n, der seinen Mitmenschen im rohen Zweikamps zu lödten versucht hat. DviekksKen sev Vedsktton. Wir bitten bei jeber Anfrage eine Chiffre(Zwei Buchstaben ober eine Zafl) anzugeben, unter der die Antwort ertheilt werben soll. Messingwcrke. Machen Sie nur von diesen Uebelständen dem Fabrikinspektor Mittheilung. W. K. 4. Orts-Krankenkasse der Lackirer, Kassenlokal Wasserthorstr. IS l. Arbeitsnachweis: Röllig, Neue Friedrich- straße 44. R. B. 1000. Wenden Sie sich persönlich an die Polizei- behörde. E. N. K. l. Das Jahr 1900 ist kein Schaltjahr. 2. Soweit sind wir doch wohl noch nicht. Wie»och nie. Erscheinen Sie im Termin und bringen Sie alle Ihre Einwendungen vor. K Rricheiibergerstraße. Zu I ja, zu 2 bis 6. Tie Revision muß bei dem Gericht, dessen Urtheil angefochten wird. binnen einer Woche nach Verkündung des Urtheils zu Protokoll des Gerichtöschreibers oder schriftlich eingelegt werden. Ein Rechtsanwalt ist nicht nölhig. Zlbth. 1884. Kommen Sie in unsere Sprechstunde. P. K. 100. Der Ehemann ist nicht der alleinige Erbe seiner Ehefrau. 74 iil. I. Ja. Müller, Ruppiiierstrasie. Welches Verlangen stellt die Polizei und an wen? Wilhelm, Slvinemünderstraste. Kommen Sie in unsere Sprechstunde. L. L., Cliarlottenburg. Um was für eine Anmeldung handelt es sich? G. G. 25. Wenden Sie sich an die Jnvaliditätsanstalt Klosterslr 41. A. W. 99. Die Kündigung ist zu spät erfolgt. Der Vertrag ist sofort zu stempeln. W. N. 10. Der M i e t h e r hat kein Kündigungsrecht in diesem Fall. Aür den Inhalt der Inserate iiberl nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Pcrauttvortnng Theater. Sonnabend, den 26. Januar. Vpernhano. Die lustigen Weiber von Windsor. Schan spiel Hans. Halali. Die stille Wache. Dentschrs Theater. Weh' dem, der lügt. berliner Theater. Der Compagnon. Lesfing-Theater. Ghismonda. Klone» Theater. Demi Monde. Kirstdenz-Theater. Fernand's Ehe- kontrakt. Theater Unter den Linde». Der Probekuß. Schiller- Theater. Der zerbrochene Krug. Frauenkamps. Keltealliailrr-Theater. Mein junger Mann. Friedrich- Milhelmstüdt. Theater. Die Fledermaus. Central-Theater. O! diese Berliner. Adolph Crnst-Theater. Ein sideles Korps. Ztational-Thrater. Marie Stuart. Aleranderplad» Theater. Der wunde Punkt. N elchsh allentheater. Spezialitäten- Vorstellung. American- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Apollo» Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Kaufmann'» K aristo. Spezialitäten« Vorstellung. Schiller-Theater. (WalEner>Theater,) Wa lln er- Tlieater Strasse. Konnabend, 26. Januar, abends 8 Uhr: Hagar'« Kehn. Sonnlag, 27. Jan., nachm 3 Uhr: Der Veilchenfrester. Abends 8 Uhr: Prinz Lri-drich von Homburg. Montag, 28. Januar, abends 8 Uhr: Zum ersten Male: Der zerbrochene Krug, Lustspiel in 1 Akt von Hein- rich Kleist. Frauenkampf, Lufifpiel in. 3 Akten von Scribe. Dirnstag, 29. Januar, abends 8 Uhr: Der zerbrochene Krug. Frauen- Mittwoch, 30. Januar, abends 8 Uhr: Hagar'» Sohn. lZevtral-'I'Iieater A ltr Jakobstraste Dr. 30. Emil Thomas als Gast. Zum 140. Male: O. diese Verliller! Große Posse mit Gesang und Tanz in 6 Bildern von Julius Freund. Musik von Julius Einödshofer. Anfang V28 Uhr. Morgen: O, diese Berlinerl Nalional-Theater. Große Frankfurterstraße 132. Volks» Vorstellung zu bedeutend er- mäßigten Preisen. Gastspiel des Frl. Lelsne Falcke, des Hrn. Carl Wesselsky vom Stadt- Theater in Hamburg und des Herrn Lmst Eppstein vom Stadt-Theater in Würzburg: Jilaria Stuart. Trauerspiel in 5 Akten von Friedrich v. Schiller. Regie: Max Samst. Kassenöffnung 6l/2 Uhr. Ans. 7>/2 Uhr. Morgen: Die Jangiraa von Orleans. II p a n i a Anstalt für volksthümliche Naturkunde. Am Landes Aiisst«4lungspapk (Lehrter Bahnhol). Geöffnet von 5—10 Uhr. Täglich Vorstellung im wissenschaftlichen Theater. Näheres die Anschlagzettel. Unter den Linden Li» | g%nm Jeden Sonntag Nachmittag n,i«n»,n.»».ÄlS_Familiellvorgtll9- Orientahschefgll halb, preisen. Rauher und Bcy'S Wunder. Täglich Anfang'1-8 Uhr. Adolph Ernst-Theater Auftreten der Grotesktänzerin Miss Rose Batclielor vom Frince of Wales-Theater in London. Zum 33. Male: Ein fideles Corps. Große Gesangspoffe mit Tanz. Nach dem englischen„A Gaiety Girl" von Jonas Sidney, frei bearbeitet von Eduard Jacobson und Jean Kren. Anfang 7Vl Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sjar Infolge de» großen Andrang» bleibt die Kaffe von Dor- mittag» 10 Uhr nnnnterbrochen geöffnet. Kaufmanns' Vapiete. � Wicke ist da! deshalb täglich auovrrkanft. OQT Keine Reklame, Thatsache! zM- Habe» Sie Uaucke als Pauline vom Ballet ijW gesehen? Uei» l Da haben Sie überhaupt noch nichts gesehen, denn e» ist die nnbe- beschreiblich komischste Uummer, die ich je gesehen habe Slnjirtm 16 Gluz-Rt«. Passage-Panopticum. Neu I Der Heister; Neul I. Prof. Frdr. Schwinge's Vanderude Lichtbilder. n. Das Lied von der Glocke in 15 lebenden Bildern mit transparentem Hintergrund. Hnsik von Romberg. Rob. Biberti vom Kgl. Opernhans in Berlin. Circns Renz Carlstrasse. Sonnabend, 36. Januar, abends 7�/2 Ubr: Uarade-Gata-NorsteUung Tjo Ni En. (Beim Jahreswechsel in Peking.) Neue Musik- Einlagen."tÜB Außerdem: Blondel, ostpr. Hengst, hierauf: Honstre Tableau von 66 Frei- Heilspferden, vorgeführt vom Direktor Fr. Renz. Austreten des Hrn. Gustav Hüttemann(als Gast) m. seinem Schul- pserde Cincinatns. Konkurrenzschale ger. v. d. Damen Frl. Wally Renz und Frau Renz-Stark. Morgen,Sonntag, 3 Uorstellungen, nachm. 4 Uhr: Groß- Komilier- Uorstellnng.(Ermäßigte Preise, siehe Plakate und Austragezeitel.) Groisance slectrique. Abends 7l/2 Uhr: Uarade- Vorstrilnng. Zum Schluß der Vor. stellung: Aul, auf, zur fröhlichen Jagd. Fr. Renz, Koinmissionsralh. Unr noch linrze Zeit! Lircus K. Lchuwaun. Friedrich Karl- vier. Texas dack's American Prairie Life-Show. Tiigiia, abcnd» 71/, Uhr: Große Vorstellung. Gr. Ringkampf zwischen dem Meisterschastsringer der Welt Herrn Hrnest Noehsr und Herrn Nud. Selinsky und Fr. Eidinger. Nachm. 4 Uhr: Schüler-Vorstellung 20 Pf. Entree. Morgen, Sonntag: 2 Vorstellungen, 4 und'/23 Uhr. Um 4 Uhr: Halbe Preise._ Achtung I__ Zahnersa». auch Theilzahl., wöchentl. t Mark. Gucket, Lausitzer Platz 2, Elsasserstr. 12. Lastau's kaucptiknm. U-Nolh m kgewkseil!� Die Uielen de» dunkeln Grdiheilv: vie vinlts. 40 Männer, grauen«. Kinder. Das scheckige Hädchen Marietta. Weilmachts-Ausstellung Fttil'PßlaS Knrgstr. 33, neben der Sörse. Gr. Cstzilllitiit.-Vörstelllliiß Auftreten von 20 Künstlern allerersten Ranges. / Anfang Wochen- Entree 30Ps.� tags 7� Uhr. ./ Eoneert 6 Uhr. Sonntags. � Vorstellung 7 Uhr. Der ca. 5000 Personen fassende Saal steht den pp. Vereinen und Gewerkschaslen zu Festlichkeiten zur Verfügung.'Auch können an allen Tagen bis 3 Uhr nach- mittags Versammlungen ab- gehalten> e d n. i.io Cii'ection. Parodie-Theater Granien-Strahe 53(am Moritzpl.). � Tie Weber. Z Vorher: Im Fluge durch die Welt. Tannhäuser. Anfang>/e8 Uhr. 99 Sanssouci" Koitbnserhrasze 4a. Jeden Sonntag u. Donnerstag; Stettiner Sänger (Meysel, Pietro, Britten, Eben' us, Steidl, Röhl und Schräder.) Anfang Sonntags 7 Uhr. Entree 50 Psg. Gr. urkom. Programm. Dienstag: Böhmisch. Brauhaus. liVßap�en ßdein, t)- Uhrmacher, Neue Hoch-Strasse Lligtr aller ArttilZMeilchell. Reparaturen zu soliden Dreisen Kdsstt'l-ittst Keule 40 bis 50 Pf.. M(lllMin|(I|, Brust 35-45 Pf. ä Pid. Anguststr. 50». 43/36 Modistin empfiehlt sich in und außer dem Hause. 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Carl WeisBe, Zeitlingsspediteur, _ Triftllraste 46 a._ Irifriirln Mauteuffel- «"110a empfiehlt sich in und außer dem Hause Hf.l.p.Forsberg Dirigent gesucht für einen Arbeiter-G'sangverein in Charlottenburg für Donnerstag Abend. Briefe postlagernd Postamt Charlottenburg unter A. G. M.[2335b Achtung! Kein Laden. Kontroll-Schnhmarkr. Nur eigene Fabrlkaiion, 25 Zigarren 1 Mark. Garamie rein amerikanische Tabake. Ziippeniabak 2 Pfd. 70 Psg. 14631.' H. F. Dinsiagr, Kotlbuierirr� 4, Hof pari. Wienerbad,»ÄS0'«. Wannenbäder 50 u. 30 Df. Dampf-Kastenbäder 1 Wark. Wedizinische Käder aller Art. Krankenkassen- blitgliedern bestens empfohlen._ �lIHlrflfÜhrl Kannen. Satten. Maße. .DUlufllUlll, Siebe, Tafelwaagen, Lampen, Kühlapparate. Buttermaschinen Butterkneter. Drehrollen. lordan, Kl. Markusstr. 28. isellosseüsljllsts-BüOrillkerei (Eingetragene Genossenschaft mit be» schränkter Hastpflicht) in Solingen. Ordentliche btenera!- V ersammlung am Sonntag, den 10. März, nach- mittags 5 Uhr, im Lokale v. E. Gr«, Wehrwolf, Solingen. Tages-Ordnung: I. Geschäftsbericht. 2. Beschlußfassung über die Verweil- dung des Ueberschusses. 3. Verschiedenes. 134/1 Auf§ 22, Abs. 8 wird besonders aufmerksam gemacht._ Fchmein lier Kusektius- lllid MalliAelller. Sonntag, den 27. Januar, abends 6 Uhr, in Keller'» Prachtsälen, Koppenstraße 29, an der Frankfurter« straßeii-Ecke: Kroßer MikMMilSltkMIl. Billets sind dort vom Komitee/ zu haben. Alle Kollegen und Gäste laden wir freundlichst ein 2341b Der Vorstand. stabtang! Empfehle allen Freunden, Kollegen und Parteigenoffen mein 2336b Skijj- ni MU-MttlM. Vereinszimmer ist noch zu vergeben. U ornB. Oolao, Putzer(Inhaber: Fr. Weber), Landsdergerstr. 41. Sozialdemokratischer Mahlverein für den 2. Kerl. Reichotags-Wahlkreis. Sonntag, den 27. Januar im Lokale von Suheil» _ Lindenstraße 106: MZ- Abend-Untephaltuna» HW Vorher: Vortrag des Genossen Wagner über:»Die Bekämpfung der Sozialdemokratie durch die VoUsschule." Mittwoch, d. 30. Januar, i. d. Arminhalleu, Kommaudanteustr. 30: Anßerordeutl. Generalversammlung. 277/17 Der Dorftand. Fachverein der Musikinstrümenten-Arbeiter. Montag, den 28. Jan., abends 8�> Uhr, bei Deigmüller, Zllte Jakobstraße 48«: VerSBrnmlungm Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom Weihnachtsvergnugen und der Urania. 4. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Tie Kollegen werden noch aus die heute Abend im Norden stattfindende Versammlung bei Wernau, Rosenthalerstr. 57, aufmerksam gemacht. Zahl- reicher Besuch erwünscht. Auch werden die Kollegen, welche noch Billett vom Weihnachtsvergnügen haben, ersucht, Sonntag, vormittags 10 Uhr, bei Käckrr, Naunynstr. 78. abzurechnen. Außerdem wird auf den am 2. Februar stattfindenden 204/2 Großen Wiener WoskenbaU im Gipst«»«, Laudsberger-AUee 40—41, aufmerksam gemacht und um zahl- reichen Besuch gebeten. Killet« für Herren und Damen A 50 pf. sind bei den Vorstandsmitgliedern zu haben._ Der Dorltanb. WntWe Böttcher-VersaWlNg Berlins und Umgegend Sonntag, vormittag» lOVi Uhr, bei Wilke, Andrea»stra1i« �6. Pünktliches Erscheinen aller ist erforderlich._ 97/13 Kartonbranche. Montag, de« 38 Januar, abend» V3/. Uhr» i« Wilka's Lokal, Andreasstraße 36; Große Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Neuwahl der Vertrauenspersonen. 2. Werkstuben-Angelegenheiten. 3. Verschiedenes.— Um zahlreiches und püukiliches Erscheinen ersuchen 75/19 Die Derlran-nspers-nen. Achtung! Aletallarheiter Schönebergs! Sonntag, 27..Januar, nachm. 4 Uhr, in Kessner's Lokal, Grunewalds tr. 110: Große öffentliche Versammlung aller lu der Zletallintlllslrie deseliäkt. Arbeiter v. �.rbelterinneD LeliönelierAS und Umgegend. Tages-Ordnung: 1. Weshalb ist die Organisation für uns nothwendig? Referent: Kollege G. Rohrlack. 2. Wahl eines Delegirten zum Gewerkscha tskartell. 3. Verschiedenes. 175/17 Nach der Versammlung: Goaclligos Beisammensein. Die Kollegen von Pfeiffer u. Druckenmüller, Göbel, Görs u. Ko., Neie (Schöneberg), Dahne, Bamberger, Müllrath, Fuchs und Blume(Friedenau) sind besonders hierzu eingeladen. Der Gindrrnfrr. Kttnstl. Zähne 2 H. Vollst, schmerzl. Zahnziehen 1 11. Plomben 1,50 H. Reparat. sofort. Theilzahlung. Zahnarzt Wolff Leipsigerstr. 22. Spr. 8-7Uhr.[2145z B-rantworUicher Redakieur: I. Dierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin, LW., Beuthstraße 2. 2. Beilage zum„Voruilirts" Berliner Volksblatt. Nr. 22. Sonnabend, den 36. Januar 1893. 13. Jahrg. Vcu�lmnentsvevWike. Abgrordiietenhaus. 6. Sitzung vom 25. Januar, 11 Uhr. Am Ministertische: M i q u e I, S ch ö n st e d t. Zu Mitgliedern der Slaatsschulden-Kominisfion werden die Abgg. Sattler und L ü ck h o f f durch Zurus wiedergewählt. Die allgemeine Rechnung über den Staatshaushalt des fcihres vom 1. April 1891/92, sowie die Rechnung über die onds des ehemaligen Staatsschatzes für dasselbe Jahr und die Staatseinnahmen und Ausgaben des Jahres vom 1. April 1893.94 werden der Budgetkoinimsfion überwiesen. Es folgt die erste Berathung des Entwurfs eines p r e u ß i- schen Gerichlskosten-Gesetzes; auf Antrag des Abg. Olzem wird hiermit verbunden die erste Berathung des Emwluses einer Gebührenordnung s ü r Notare. Jnslizminisier Schönstedt: Bei der Begründung dieser beiden Gesetzentwürfe, die mir Gelegenheit geben, zum ersten Male in diesem Hause das Wort zu ergreifen, kann ich mich ans wenige Worte beschränken; die bei der Ausarbeitung maßgebenden Gesichtspunkte können dahin zusammengefaßt werden, daß erstrebt wird die Vereinfachung des Rechlszustandes durch Schassung thuulichster Reckitseinheit für alle Laudestheile, Zusammenfassung des zerstreuten Stoffes in ein Gesetz und Verringerung der Mannigfaltigkeit der Gebührensätze, vor allem aber eine gerechlere Verlheilung der Gebühren auf die einzelnen Gescläsle unter Ermäßigung derjenigen Ge- d(ihren, deren bisherige Höhe, nanrenllich bei Vormundschaften und Grundblichsachen, zu begründeten Beschwerden Anlaß gegeben hat. Llls Grundlage ergab sich die preußische Gesetzgebung von 1843, die auch in einem großen Theile der neu erworbenen Lnntestheile zur Einführung gelangte. Tie wesentlichen Prinzipien baten sich in mehr als 49 jähriger Hebung durchaus bewährt, sie sind auch Vorbild gewesen für das Reichs-Gerichtskostengesetz. Außer der Verschiedeuarligkeit sollten auch manche Beschwerden in bezug auf die Höhe der Gerichtskosten, namentlich aus dem Gebiete der freiwilligen Gerichtsbarkeit, des Vormundschafrs- und Grundbuchwesens beseitigt werden. Es sind wesentlich Ermäßi- gungen der Kosten für Grundbuch- und Vormundschaiissachen in Vorschlag gebracht; es ist besonders der Betrag des Vermögens, der sreigeblieben ist, von 59 auf 599 M. erhöht worden. Die Finanzlage bat es nicht g e st a t t e t, auf die Einnahmen aus den Gerichtskosten zu verzichten. Es hat ein Aus- gleich stattfinden müssen durch eine Erhöhung der Kosten für die größeren Objekte, aber auch diese hallen sid) überall in mäßigen Schranken. Der Abg. Bad>em hat ausgeführt, eine größere Belastung der höhere» Objekte fei geredst- fertigt von dem Gesichispunkie aus, daß der Sdrntz, den der Staat gewähre, ein größerer sei. Dies fiiidel seine Bereditigiing wohl auf dem allgemeinen Steuergebiel; bei den Geridsts- gebühren kommt, wenn sie auch in weiterem Sinne zu den Slaatsabgaben gehören und in gewissem Sinne steuerlicher Natur sind, doch auch der Werth und die Bedeutung der Leistung in Frage. Gerade in einer Zeit allgemeinen wirlh- schaftlichen Niederganges auf dem Gebiete der Industrie, und vor allem der Landwirlhsdiaft, ist es bedenklich, eine Erhöhung der Kosten eintreten zu lassen. Auch auf dem Gebiete der Notarialsgeb ühren-Gefetz- g e b u n H war es dringend geboten, eine einheitliche Gestallung herbeizufuhren. Für die gleiche Thätigkeil der Notare wie der Gerichte sind die gleichen Gebühren in Aussicht genoininen. Was die übrigen Bestininuingen der Entwürfe betrifft, so beziehe ich »iid> auf die Begründung und wiederhole meine Bitte, dieselbe» sachlich und ivohlwollend zu prüfen. Abg. Olzem sntl.): Im allgemeinen darf man beide Vor- lagen freudig begrüßen. Sie beruhen auf unmittelbar praktischer Anschauung von Mängeln, die in letzter Zeil namentlich hervor- getreten sind. Im allgemeinen werden Steuern und Gerichts- kosten von wenigen oder von niemand gern bezahlt und es ist Sad/e der Gesetzgebung, die Gerichts kosten für den einzelnen möglidist wenig drüdend zu gestalten. Sozialpolitisch wichtig ist es, die geringeren Objekte weniger zu belasten als die hohen. Abg. Eckels(natl.): Wenn wir auch hoffen wollen, daß das neue Zivil-Gesetzbuch dem Reichstage bald wird vorgelegt werden können, so darf doch in Materien, die reichsgesetzlich nicht so bald geregelt werden können, die preußisdie Jusiizgesetz- gebung nicht stillstehe». Eine solche Regelung in Preußen ist sogar einer späteren reichsgesetzlichen Regelung nur förderlich. Wenn sich ein solches Gesetz in Preußen bewährt hat, wird man leidster ein ähnliches im Reiche machen können. Ich bitte den Herrn Minister, auch bald ein Gesetz über das Notarial vor- zulegen. Wir koiume» jetzt zu einer geiiieinsamen Gebühren- orduung, haben aber»od, keine geineiusame Notarialsordnuug, vielmehr herrschen auf diesem Gebiete in den verschiedene» Landestheilen große Versdstedeuheiten. Ebenso nöthig ist eine Regelung der Giltigkeit der Protokolle der Notare. Ich wünsche nur, daß das Gesetz»och in dieser Session zu stände kommt. Abg. Brandenburg immer die melkende 51uh der Jt.ftizverwalinng sei, namenilich im Falle tes Erbüberganges. Der Erlaß des Stempels vom Grundstücke- Wechsel sei nicht ausreichend. Die beiden Vorlagen werden an die verstärkte Justiz- kommisston verwiesen, der auch ohne besondere Debatte der Gesetz- entwurs, betreffe»» die Ergänzung des Z 93 der Hinter- l e g u» g s- O r d n u n g übergeben wird. Schluß 2 Uhr. Nädche Sitzung Dienstag 11 Uhr.(Etat der landwirthschastlichen Verwalluiig.) IDe�rautmlunaeii« I» der Filiale 2 des Textilarbeiter-Berband-S(Posa- nientenbranche) hielt am 18. Januar das Mitglied Wiahlke eine» interessanten Vortrag über die teckmisdi- wirthschafiliche Revolution der Gegenwarr. In der Diskussion ergänzten die Mitglieder Schein und Berg er zum theil cie Aussührungen des Referenten. Da einige Miiglieder, die mit ihren Veilrägen sehr lange im Rückstände sind, eine Neuansnahliie bewirken wollen, nird beschlossen, diese Restanten nur dann auszunehmen, wenn sie ihre Reste begletdien. In der nächsten Versaminlung soll die Neiiregeluiig des Arbeitsnachweises besprochen werden. Ter Verband der in Holzbearbeitungsfabrike» und aus Holzplätze u beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen(Filiale II) hielt am 16. Januar seine Mit- gliederversanunlung ab. Kollege Sauerzapf erstattete em- gehend Bericht über die Verhandlungen und Beschlüsse der Generalversamnilung und besprach die Urabstimmung wegen Ueberlntl zum Holzarbeiterverband, die in nächster Zeil erfolgen soll. Hieraus gelangte die Abrechnung vom 4. Quartal zur Ver- tesnng. Ferner beschloß die Versammlung ein anderes Lokal für den Arbeilsiivehiveis zu besorgen, wozu der Vorstand beauftragt wurde. Tie nächste Versammlung findet Dienstag, 19. Februar, statt. Arbeilsnachiveis, Bibliothek und Berlehrslokal befinden sich bei Peltosohn, V-teranenstr. 2l. Im Berein der Schäftebranche wurde am 19. Januar der Anschluß an die Zeiitralorganisation besprochen. Nach einer längeren Debatte wurde beschlossen, die Lokalorgamsalio» bestehe» zu lassen. Der hierauf zur Verlesung gelangte Kassen- dertcht weist eine Einnahme von 164,93 M- und eine Ausgabe von 136 M. auf. Die Neuwahl des Vorstandes ergab folgendes Rcsullal: Dilmar, Vorsitzender; Schön feld, Kasslrer; Spange, Schriftführer; Hülle und G l ö s e n l a in p, Re- visoren. Zentralverbaud deutscher Maurer(Filiale II). Ans der Tage-ordmmg der Sitzung am 29. Januar standen einige Vereinsangelegenheiten zur Erledigung. Nach dem Bericht des Vorstandes über die Thätigkeil im vorigen Jahre haben 12 Ver- fgminlungen und Ii Vorstandssitzungen stallgesiinde». Ter Bericht des Kassirers vom letzten Quartal weist eine Einnahme von 441,99 M. und eine Ausgabe von 274,14 M. auf. Bei der Wahl zur örtlichen Verwaltung ergab sich folgende Zusanmien- setzung: Hempel und Schulz, Bevollmächligie; Bajanz und Panser, Kassirer; Garois, Schriftführer; Thiele, Grunow und Beckhahn, Revisoren. Nach der Wahl der Hilfskasstrer wählte die Versamniluiig das Mitglied Panser an stelle des ausscheidenden Mitgliedes Hempel in den Ausschuß. Der allgemeine deutsche Tapczirerverein(Filiale Berlin) hielt am 21. Januar seine Geiieralversammlung ab. Nach dein Beridit des Vorstandes können die Mitglieder, wenn die mißlichen Verhältnisie in betracht gezogen werden, mit dem letzten Vereilis« jähr zufrieden sein. Dem Bericht des Kassirers ist zu entnehmen, daß in diesem Jahre an die Hauplkasse 185 M. gezahlt sind. Für die Bibliothek wurden 75,69 M. verausgabt, für Annoncen und Säulenanschlag 96,59 M. Am Schlüsse des Jahres 1893 zählte die Filiale 96 Mitglieder, jetzt 133 Mitglieder. Die Neuwahl des Vorstandes gestaltete sich folgender- maßen: Pönicke, erster Bevollmächtigter; Richter, zweiter Bevollmächtigter; A.Aubert, erster Kassirer; Moskopf, zweiter Kassirer; L. Schmidt, Schriftführer; R. Pönicke und Martin, Beisitzer. Es entspann sich dann eine längere Debatte über die bevor- stehende Generalversaimnlung in Hamburg, an der sich die Kol- legen Wels, Pönicke, Friedmayer, Moskopf, Ändert und Theiß belbeiligten. Die Versainmlung wählte einstimmig die Kollegen O. Pönicke und Ändert als Telegirte.— Die Versamnilunge» finden jetzt alle 14 Tage bei Wicnecke, Alte Jakobstraße, statt. Fncht>»»»in der Zthrmacher und verwandter Berufsgenossen. Heute, Som abend, den 26. d. M.. VereinSverlaniinlung. Vortrag des tiienossen Stohriack über:„Form und Entstehung des Geldes." Verband der znäbelpolirer Krrli»» und Zlmgegend. Versammlung am Montag, den 2». d. M.. abendi s Uhr, Waldemarstr. 75. TaaeSordnung: Vortrag über den Umsturz auf wirlhschaftltchem Gebiet.(Siehe morgen Inserat.) lOvto- Kraulie»li»sfe»er Drechsler und verwandte» Gewerbe. Delegirrcnbcsprechung Sonntag, den 27. Januar, vormittag» 10 Uhr., im Restaurant Tutzauer, Admiralstr. 38. Frauen- und Ztlädchrn- Kild«»o«v»rii»r. Wanderversammlung am Montag, den 28. Januar, bei Keller, Koppenstr. 2S. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten Hermann Förster über:„Tie Lebensstellung der Frau t» der bürgerlichen Gesellschaft." Ethische Erseltschast. Zwei große Versammlungen am Sonntag, den 27. Januar, und zwar abends sis Uhr in den Arminhallen, Kommandanten- slraße 20. Vortrag des Herr» WaldccI Manasse über:„Ter Glaube und die f aire»."— Ferner abends 6 Uhr bei Büste(früher Sees-'d). Vortrag d-S errn A. Hofsmann über:„Die Btldungsstätte des V0...S."— Nachdem geselliges Versammensein und Tanz. Gaste, Damen und Herren, haben Zutritt. Lriedrichsbevg und Umgegend. Oeffentlrche Gewerlschafts- Versammlung aller Branchen für Mä-ner und Frauen am Montag, abends aü Uhr, In Schneider'S G-fellschaftshaus, Prostauerstr. 38.(Stehe Annoiico am Sonntag.)' Arbeiter- Kilduirgoschutr. Sonnabend Abend 7x— 8); Uhr: Lektüre. WX Uhr: Nord-Schule, Müllcrstr. iroa, und S üd-O st-S ch u l e, Waldemarstr. u; TtSlultr-Uebunge».(Unentgeltlich.) Bei allen Unterrichts- fächern werde» neue Theilnehmer, Damen und Herren, teder Zeit ans- gei ornmen. Arbeiier-Säiigrrbuud Krrli»« und Umgegend. Borflgender Ad. Reumann, Palewallersrr. 3. Alle Aenderungen im Vereinskalender find z» richten an Friedrich Kortum, Manleusselslr.«9. v. 2 Tr. Sonnabend, Abends »— II Uhr: Uctur eei unde und Ausnabme neuer Mitglieder. Gesangverein ESrneralda, Tilstiersiraße 82 bei Hüntcke.— Grüne Eiche, Rirdorf, Hermorrslr.<8. Ecke Hcrifurthstraße, bei HeickauS.— Lyranta, Lands- bcrger Allee 15« bei Goebrt. Eanges-scho. Raunynftr. 8«, bei Zubeil. — G I ü et z», ffasewalkerslr. 3 bei Neumann.— G e s u» d b r u n» c r Männerchvr, Prinzen- Allee 10 bei Bergmann— Männer-Gesang- verct» Lieder kränz in Brandenburg a. d. Havel, Mengert'S Bolls- r orten, Bergslr. 6.— Gesangverein Sängerhain, Reichenbergerstr. 17, bei Hossmaun.— T eu t s ch e E t che ll, Branbeiiburg a. d. Havel, Hauptsirabe, Br rnlii'S Salon.— Frisch aus I, Friedrichsberg, Rummelsburgersrr. 2» bei (!»»l Reirii.arm.— E ä n g e r l u st, Luckenwalde, Beelryersir. 3t bei Otto Schulze.— iL ännlr-Gesar grerein Forlschrttl, KöntgSbergerstraße 2« bei kcickr.itz— Hand in Hand II, FriedrichSberg, Friedrich Karlnr. n bei Li»» Hcineöe— Männer-Sesangverein Im m e rg r ü n, Tegel, Span- oauerstr. 15 bei E. Rentner. Knud der gesettir-n Krbritervcrrinr Krrli»« und Umgegend Alle Zulchristen, de» Bund der gesevigei: Arbeitervereine betreffend sind zu richten an: P. Gent, Adlllbertstr. 95. Sounabend: Geselliger Verein Zeutsch e Eiche, Rrlterhr.«7 bei Bauer.— Tb-ater- verein Lesstng, Biumenstr.«« bei Tarmuschat(jeden 2. und«. Sonn- abend). o-rsang-r Tut»- uud grsrUIg« Vereine. Sonnabend. Turnverein Fichte ill' Igt. d. TeuischrN Arb.-Turierb.) turnt heute: l. Mäuner-Adlh. Friedens, r. 87.— 8. Manr.ei-Abih. Bocckhslr. 21.— 2. LehrlingS-Adth. Etatiheriir. 55—5«.— Ecmischtcr Ghor Gleichheit, Abendi y Uhr, Zwinglistraße«a im Restaurant. Mitglieder werden daselbst ausgenommen.— Bühnen verband N o r nr a n i a, jeden lehlen Sonnabend im Monat Sitzung bei G. Leichnitz, KönigSbergersir. 28.— Priuat-Theat-r-Gesellschaft Schiller. Sitzung AbdS. 9 Uhr bei Linke. Puttbuserstr, 2t. Nach der Sitzung: Ftdelitas. - PrivalihealerGesellschasi Toni, Com. abend 3'e Uhr bei Zuleget, Swine- münder slraße><->.— Theaterverem Luutae Brüder ll, Sitzung jeden Connabend, AbcndL 9 Uhr, be! Reicheit, Hasenhaide Rr«5/«?.~ Theaterg-sellschast Imme r Lustig, Abend» 9 Uhr, Sitzung bei Rubi, Ehorrnerstr. 53.— Vergnügungsliub Ostend, Sitzung Abend» 9 Uhr im Restaurant Rudols, Kramitraße«.— Geselliger Arbeiter- Verein Prolelaria, Sonnabend nach dem l. und 16. jeden Monats, Abends« Uhr bei Sommer, Grünslraße 21.— Rnuchtlud Blaue W o l k e II. Sitzung jeden Sonnabend 0 Uhr im Restaurant F. Steuer, Weinstraße 22.— Rauchklub Dornröschen, jeden Sonnabend, Abends 9 Uhr, bei F. Krüger, Fennftraße 5.— Rauchklub Unverzagt, Abends 9 Uhr bei Vogel, Lebuserstr- 18.— Slalllub Blaue Blouse, jeden Sonnabend bei Wulltc, Graudenzerstr. 2.— Staillub Revolution. Sitzimg jeden Sonnabend 9 Uhr bei Lankeit, Grünaucrsiraße 27.— Zitherklud „Erika", jeden Sonnabend Abend«>j Uhr Uebung bei Koßmann, Zimmer» straßc 22. Ausnabme neuer Miiglieder.— Vcrgnügungsverein Atven» Veilchen, jeden Sonnabend Uhr Sitzung bei Ruppin, Biumenstr.«9.— Tambou verein„R u f", Sonnabend, abends 9 Uhr, beim Restauraleur Sodike, Jnselsir.>. ll a n s ll ßoreaiag Freja, Oranienstrasse 51, Mödeastea Nver Lördtg Iii. 9. Beüogende ere velllamne. llanslie Aviscr(indes 1 /.olcalet. Kentscher- soiioldenioliruti scher Leselrlnb i» Uarr». Rue St. Honore 8!« iiase du Lion be Belsort- Jeden Sonnabend össentitche Ber» saliimlung: reiche Biblividel, Zeiiungen, srauzöstscher Umerrichr- Fonbo». 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Geöffnet an den Wochentagen(Monlagr ausgenommen) tm Sonimer von 9—3 Uhr, tm Winter von io— i! Uhr, S o n n la g«, Apr. I— September von 12— a Uhr.Ollober und März 12—5 Uhr, Novimber und Feb'ruar 12-« Uhr, Dezember und Januar 12—3 Uhr(Unent- gclliich).— M u s e n in für Böllertunde, Königgrätzerstr. 120. Besuchs- zeit wie im Kunsigeiver be-Milse»m iUnentgeltlich).- Hygiene- Museum, Klosirrstr. r.5. Besuchszeit EonntagS wie im Kunstgewerve-Muleum. Außer- dem Dienstags und Freitags von 10—2 Uhr(Unevlgelllich).— Museum für Naturtunde, Jnvalidenslr.«2. Besuchszeit Sonntags wie im Kunst- gewerbe-MuIcuiii. Außerdem Montags und Sonnabends von 11-3 Uhr.— Museum für deutsche Volkstrachten und Erzeugntfsedes Hausg e werbe«, Kloster flr. 3«. Jede» Tag rnti Ausnahme des Mittwochs von II— 9 Uhr geöfsnel. Einiritlsgeld: Erwachsene«v Ps., Kinder 25 Pf., Bereine Sonvlags 10 Ps.— R e t ch s p 0 st- M u s e u m, Leipzigerstr. 15. Ge- öfsnci Soi.i lags 12—2 Nhr, Mvniags, Dienstags, Donnerstags, Freitags von 11-2 Uhr(Unentgeltlich).— Rath Haus, Königstraße. Geüssnet täglich außer Donnerstag und Freitag von ll— 8 Uhr(Unentgeltlich). Aussichtsihurm soPs.— Kuiistausiiellung des BereinsBertiner Künstler, Wilhelmstr. 92. Sonntags ll— 2 Uhr. Wochentags io—« Uhr.»0 Pf. Eniree. - Sternwarte, Enckeplatz 8a. Mittwoch« und Sonnabends vo» 9 dt« n Uhr Bormtllags.— Urania, Wissenschaftliches Thealer. Siernwarie. Znvalidennr. 57—«2. Geöfsnel von 5 Uhr Nachmittags bis IVX Uhr Abends. Entree 50 Ps. Zuschlag für Theater von 5v Pf. dl» 2 M.— Aquarium, Echadowstr. I«. Geöfsnel von 9—« Uhr. Enlree Sonntags 5« Ps.,«n jedem teilen Sonntag im Rional 25 Ps.— Eastan�s Panoptiluin, Friedrich- straße. Eeöstnel 10—10 Nhr. EintitttSpreiS 5« Pf.- Passage, Panopittum 10- lo Uhr. Etntrtllsprets 5a Pf.— Marine. Panorama, Am Lehrter Bahnhos. Sonntags von s— s Uhr. Entree 60 Pf.— Katfer-Panorama, Passage(Nnter den Linden). Geöffnet von 9 Uhr Morgens bis Iv Uhr Abends. 300 verschiedene Reisen, Landschafts- btlder. Jeoe Reife 20 Pf.— N cap c I- P a» vra m a am Bahnhof Thier- garten, zwei neue Dioramen: KatatombSii des KapuzinerllosterS zu Palermo und B-suvausbruch. Sonntags 25 Pf. Eintrittspreis. Das Panorama ist bis',.7 Nhr Abends zu befichligen.— Zoologischer Garten, Lützowuser. Sonntags 50 Pf.— B 0 r s t g' s Garten mit PalnienhauS, 8119 Moabit 80—80. SintritlSprei»«0 Ps. TtuWr Holzarbeiter-Verbattd. Zahlstelle Berlin. So»Nt>»s, d. 37. Jan., vormittag» lO Zllir, bei Lange, Ktromstr. 38: Tages-Ordnung: Kezivks-UerSttMttllnttg Moabit. I. Vortrag des Kollegeir Linien. 2. Diskussion. 3. Vorschlag von Werkstatt-Kontrolemen und Beitragssammlern. 4. Verbandsangelegenheiten nnd Verschiedenes. 202/3?er Lieistber. W«»»! �lisiltiliZli'Weiiteii-Si'iisite!'!«Sinz! Sonntag, den 37. d. M.. vormittag« 10 Uhr, im Uereinslia»» SUd-Ost, Utaldcmarstr. 75: Oeffeniliche yersamni!uiigg Tages-Ordnung: 1. Die Situation de« Streit:» bei Gor» S: Kallmann. 2. Diskussion. 198/20 Kollegen, erscheint zaliireich, es gilt einen»vichtige» Keschluk z» falsen.__ Verbllitj) aller in der Metallindlistrie besPstigten Arbeiter vontins und Umgegend. Ktotttag, den 38. Januar, abend« 8'/- Uhr, im Restaurant Zubeil, Lindrnstraße 106: Uersammlnng aller in der Kampenbranche beslhästigten Arbeiter. Tages-Ordnung: 1. Die Lohnreduktionen bei der Firma LiinäerwüMt nnd die Maßregelung bei der Firma& Grälf. Neferent: Kollege Otto Näther. 2. Diskussion.' 3. Ausnahme neuer Mitglieder. 4. Verbands- Angelegenheiten und Verschiedenes. Nm zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 193/7 Der Uorstand. Aljtnng! VgsaKsus's Wang! Filiale Berlin m des Textilarbeiter-Verbandes. Sonntag, den 37. Januar, vormittags 10 Uhr, bei W i s u o v b e, Alte Jal-obstraste 83: Lenensk■ ller>saaiiEtiiung. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Bericht des Kassirers und der Revisoren. 3. Vereiusaugelegenheilen. 4. Vorstaudsivahl. Das Erscheinen sänunllicher Mitglieder ist Pflicht. Mitgliedsbuch legitimirt. 123/6___ Der Uorftand. Achtung! Achtnng! Sonntag, den 27. Januar, nachmittags 2 Uhr: Gr. Uolltsversammlnng Bismarckshöhe, Wilmcrsdorferftr. 3S. Tages-Ordnung: I. Vortrag. 2. Disknision. 3. Der Wahlprotest im 2. Bezirk und die am Montag, den 38. Januar stattfindende Uachwahl i» demselben. Alle Kommunalwiitiler der 3. Abtheilung des 2. Kommunal-Wahl- bezirks sind ganz besonders eingeladen. Der Giubernfer. i 0 Ii@f U. Umgegend. Montag, den 38. Januar, abends 8 Uhr, in Wöllstein s Lultgarten: Große öffentl. Bolks-Versammlnng KSÄnnen unti Tages-Ordnung: I. Vortrag:„Die Umsturzvorlage". Referent: Reichstags-Abgeordueter krits Zludsil. 2. Diskusston.. 238/13 Zur Deckung der Unkosten wird ein Eintrittsgeld von 10 Pf. erhoben Der Dertrouensmann. Lollelirs-Msseii-jlisvei'ilSlif. Die Maaren d. Siegt, vro-smsnn'eoben lZonvursmsase KoseniSlZLksnsÄs'. 34I3B in Herren» u. 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Perl»» W. 8._ Mamsell in Wochenlohn für Sommer- unibänge, die bügeln kann, und Main- sells auf Stück verlaugt Lehmann, Orauieustr. 207. 23gi)t> Einige Herren zum V-rkaus von G schnftsplnue» gesucht. Beyer, Fisch« straße 5, 1. 233 Bltlmtn-Viildemiltl! außer dem Hause für bessere Genr werde» gesucht. Meldungen am 28 und 29. Januar. 8433) Wilhelm Freystadt, Kommandantenstr. 80,81, L. Etage. Berantwortlicher Redakteur: I. Dierl(Emil Roland) tu Berlin. Druck und Verlag von Max Badiua in Berlin, 8W, Beuthstraßt 2.