Nr.58639.Jahrgang Ausgabe Nr. 285 Bezugspreis: Für den Monat Dezember 750 D. voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet sowie Desterreich und Luxemburg 900., für das übrige Ausland 1280 M., Postbestellungen nehmen an Belgien, Dänemark, England, Estland, Finnland, Frank reich, Holland, Lettland, Luxemburg, Defterreich, Echweden, Schweiz, Tschechoslowakei und Ungarn. Der Borwärts" mit der Gonntags beilage Boll und Zeit", der Unter haltungsbeilage..Seinelt" und der Beilage, Siedlung und Ricingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: ,, Sozialbemokrat Berlin" Abend- Ausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 15 Mark Agrid: Die einspaltige Sonpareillezetle toftet 250 M. Retiamezeile 1250 SR. ,, Kleine nzeigen" das seitgedruckte Wort 75 M.( zuläfig zwei fett gedruckte Warre), jedes weitere Bort 50 M. Stellengesuche und Schlaf. stellenanzeigen Das erste Wort 40 M., jedes weitere Wort 30 9. Worte über 15 Buchstaben zähten für zwei Worte. Familien- Anzeigen für Abonnenten Zeile 80 M. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachnrittags im Hauptgeschäft. Berlin GB.68, Linden straße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm: Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Dönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Dienstag, den 12. Dezember 1922 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Posticheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitentasse Lindenstraße 3 „ Die Herren in München". Beginn des Harden- Prozesses. Auf Ihren Brief vom..... Mitteilung machen, daß ich zwei brave deutsche Männer gefunden habe, die fich zur Verfügung stellen. Bitte um weitere Mitteilungen, da die Herren stellungs- und mittellos find." Daraufhin ist aus München an Ihre Adresse, an Ihr Postschließ. fach in Oldenburg, ein zweiter Brief aus München gefommen, der äußerlich dem ersten glich: fann ich Ihnen die freudige| Ankermann und Weichardt bei den Schwiegereltern des ersteren und wurde nun wieder bearbeitet, Geld zu beschaffen. Anfermann meinte, ich tönnte ja aus der völkischen Kasse etwas nehmen oder sonst Don Bekannten Geld besorgen, was ich aber ablehnte. Da ich gerade wieder 5000 M. hatte, gab ich Anfermann das Geld, worauf er Aber bald danach wieder mit Beidharbe nach Berlin zurüdfuhr. fam wieder ein Brief, in dem die beiden ihre Not schilderten, fie müßten troden Brot essen und hätten Schulden gemacht. Darauf fuhr ich nach Berlin und dort erilärte mir Anfermann, ich nuüsse zu den Herren nach München fahren, um Geld zu besorgen, oder ich solle ihm wenigstens die Mün chener Adresse mitteilen, dann schreibe er selbst. Diese Adresse wußte ich aber felbst nicht, was ich aber Anfermann nicht fagte. Darauf fuhr ich zu einer fleinen Erholungsreise nach München. Haben Sie vielen herzlichen Dank für Ihr Schreiben und danken Sie auch den beiden Männern. Begeben Sie sich nach Frankfurt a. M.; dort liegt hauptpostlagernd unter A. W. G. 500 weitere Nachricht für Sie." Eine faubere Gesellschaft, deren Armseligkeit schon bei der ersten Bernehmung sich offenbarte. Harden sollte physisch erledigt werden, fa lautete der Befehl aus München. Moralisch find die Angeflagten, wie der Spruch der Geschworenen auch ausfallen mag, bereits erledigt. Maulhelden.. Sie nehmen den Mund voll, wenn fie unter sich find, kneifen, sobald sie für ihre Tat sich zu verant worten haben. Der Angeklagte Grenz behauptet wiederholt, die Strafen, die ihn erwarten, auf sich nehmen zu wollen, legt aber doch seine Worte so zurecht, daß der Tatbestand so unschuldig wie möglich erscheine. Jener geheimnisvolle Vertrauensmann der„ rassereinen" völkischen Kreise in Oldenburg, gleichzeitig Bertrauensmann der Mörderzentrale in München, deren Führer er nicht kennen will, hält Auch dieser Brief trug als Unterschrift einen Femstern."- Grenz: feine werte Persönlichkeit für die Bewegung so kostbar, daß er andere Anfermann drängte mich, sofort abzufahren und ich holte dann als Mörder anwirbt. Nun entdeckt er plötzlich Amerika und schützt von Frankfurt das erwähnte Schreiben, einen dicken Brief. Er zu seiner Berteidigung bie quaft geplante Amerikareise Hardens vor, 23 000 ober 25 000 m., eine Bettel mit der Aufschrift Magi enthielt einen Brief mit näheren Anweisungen, die Eumme von 25000 die verhindert werden muß. Weichardt, deffen Radauheldentum ihn milian Harden und dann noch ein viertes Schriftftüd. Dem Grenz noch näher brachte, fneift noch gewissenhafter. Sein Borf.:„ Der Brief lautete: Haben Sie Dank für Ihre bereitwillige Romplice Andermann, der nun fehlt, muß als böser Geist herhalten, Burverfügungstellung. Es handelt sich um die Erledigung der auf Weichardt selbst wußte natürlich von nichts. In Wirklichkeit war für dem beiliegenden Bettel genannten Berson. Gleichzeitig wollen Sie die arbeits- und mittellofen Weichardt und Anfermann die natio- beide Männer förmlich verpflichten, die Form bleibt Ihnen über nale Sache" ein gefundenes Freffen, ein gutes Geschäft. Als weitere laffen. Weitere Nachricht erhalten Sie von Zeit zu Zeit." Auf Erpressungen keinen Erfolg mehr hatten, wurden schwerwiegende dem Zettel stand dann der Name" Maximilian Harden" una Lodungen in Form von zu erwartenden Geldsummen aufs Tapet Sie sollten nicht viel reben, nur Autos benußen, Telegramme senden, einem anderen Bettel erhielten Sie noch Berhaltungsmaßregeln. gebracht, und diese wirkten. Das Geschäft mußte abgeschlossen wer- nach der Eat nach allen Himmelsrichtungen auseinandergehen und ben. Und ward es auch. In aller Stille mit Totschlägern, von denen alles Schriftliche vernichten." Grenz: Jawohl, aber dann war cin Cremplar auch bei Weichardt gefunden wurde, wurde das Ding noch ein viertes Schriftftüd in diesem Schreiben, das ich bisher noch gedreht. nicht erwähnt habe und das ich mir jetzt nach dem Gedächtnis reton. struiert habe.( Liest vor): 3 ich wollte mir sowieso die Alpen ansehen, in München wenden sollte. Auf meiner Rüdtehr berührte ich war auch am Starnberger See, wußte aber nicht, an men ich mich Berlin und sagte Ankermann, daß ich kein Geld in München bes tommen hätte. Ich gab ihm nur 1100 M., die ich bei mir hatte. Bon Oldenburg aus fchrieb ich ihm dann noch: ich fahre nach Süden in Wirklichkeit fuhr ich ins Sauerland er solle nur alles erledigen, dann tämen wir auch aus der Klemme heraus. Daraufhin hat sich Untermann dann entschloſſen, die Tat auszus führen. Am Dienstag nach der Tat wurde dann bei mir auf Grund einer Anzeige aus antivoltischen Kreisen eine Hausfuchung abge. halten, aber nichts gefunden, weil es bei mir nichts zu finden gibt. Im Laufe des Tages hörte ich dann von der Tat und überlegte mir noch, ob ich abfahren sollte. Abends wurde ich dann bereits verhaftet. Borf.: Wieviel haben Sie von den 23 000 m. für sich Ifidor Wittkowsky, alias Marimalian Harden, trägt sich mit behalten? Grenz: Etwa 3500 m. als Dedung für reine Un der Abficht, nach Amerika zu reisen, angeblich, um dort Borträge fosten. Bors: Und wie haben Sie die beiden Herren verpflichtet? zu halten. Das ist natürlich nur ein Deckmantel, denn felbftver- Grenz: Wir haben uns die Hand geschüttelt, uns in die Augen ständlich handelt es sich um eine deutschfeindliche In- geschaut und uns zu Schweigen verpflichtet. Vors.: Und wieviel trige. Diefe Reise muß verhindert werden und zu diesem Ent- haben Sie nun im ganzen geopferi? Grenz: Im ganzen etwa schluß find zwei deutschblütige Herren gekommen, um einen mei- 19 000 m. teren Berrat dieses Schädlings zu verhindern. Wir selbst sind leider zu alt, BS. Unter startem Andrang des Publikums begann heute vor dem Schwurgericht des Landgerichts III der Prozeß gegen den Landwirt Herbert Weichardt und den Buchhändler Albert Bilhelm Grenz aus Oldenburg, die des Mordverfuchs bzw. der Anstiftung dazu, gegen Marimilian Harden angeflagt find. Weichardt ist ein unterfekter junger Mann mit gesunder Gefichtsfarbe, Grenz ist groß und schlank und ähnelt in feiner Wandervogeltracht etwa den Angehörigen der Kommunistischen Jugend. Den Borsiz führt Landgerichtsdirektor Rippner, die Anklage wird von Oberstaatsanwalt Schweizer und Staats- um die Reise felbft unmöglich zu machen. Darum rufen wir auf anwalt Rrause vertreten. Berteidiger ber Angeklagten find die diesem Wege einige junge Deutsche, die sich schon vor dem Feinde beRechtsanwälte P. Bloch Berlin und Schiff Oldenburg. Rechts- währt haben und treu bis zum legten Atemzug für ihr Baterland beistand des als Nebenfläger zugelassenen Marimilian Harden ist fämpfen wollen. Dieses ist in Gefahr. Amerita iſt unfere legte Rechtsanwalt Friz Grünspach Berlin. Beim Zeugenaufruf Stüße. Geht sie verloren, dann ist es wahrscheinlich aus mit dem meldet sich Marimilian Harden, der noch sehr leidend aus deutschen Baterland. Der Grund, warum wir uns an Sie wenden fieht und sich schwer auf feinen Stod ftügt. Er verzichtet auf das ist der, daß eine einwandfreie völkische Persönlichkeit die Sache leiten Recht, der Berhandlung beizuwohnen, da er, wie er erflärte, mit foll. Vor einiger Zeit sind Sie beobachtet worden. Wir wiffen, daß Rüdlicht auf seinen leidenden Zustand so wenig wie möglich an Liebe zum Baterland entspringt unser Borhaben und wir wissen, Sie fich bewährt haben und zu schweigen wissen. Nur der heißen der Verhandlung teilnehmen zu müssen bitte. Grenz fortfahrend: Als Sachverständige fungieren Geh. Medizinalrat Prof. Dr. daß Sie es ebenso heiß lieben wie wir." Borchardt, Prof. Wichardt v. Moellendorff, die on Frankfurt aus machte ich zunächst eine fleine Reise durch das Kriminalkommissare Weigel und Futh von der Abteilung IA Berra- und Fuldatal, um mich erst einmal zu sammeln. Dann fuhr des Polizeipräsidiums und einige weitere Leumundszeugen für die ich nach Oldenburg, wo ich schon Angeffagten. Befchäftigung im vaterländischen Sinne von Anfermann sehnsüchtig erwartet Bors: In der Wohnung Ankermanns wurden Papierschnitzel gefunden, die man zusammengestellt hat und aus denen sich ein Brief ergibt, in dem es heißt: Euch Getreuen, was ich auftreiben fann, nehme ich an; aber ich weiß, daß es nur ein Tropfen auf den heißen Stein ift. Es liegt in Guren Händen, die maßgebenden Kreise zu beeinflussen. Wenn Ihr schnell handelt, ist alles in Ordnung, und ich fann über Größeres verfügen. Leßten Endes bleibt alles an mir hängen. Schafft es doch und man fann aufatmen. Gut Glüd, der Eure." Nun ist auch von einem Telegramm die Rede."- Grenz: Das Telegramm habe ich am Dienstag mittag Es lautete:„ Geschäft abgeschloffen, Brief folgt. Her bekommen. tlagter: Ja." Bors: Die Tat war am Montag abend." bert." ( Fortsetzung in der Morgenausgabe.) AngeFreigabe deutscher Depots in Amerika. Washington, 11. Dezember.( WTB.) Die Regierung hat Die Bersonalvernehmung der Angeklagten ergibt, daß Wei- wurde. Als ich ihm sagte, es handele sich um die Unschädlichmachung hardt am 3. April 1900 in Oldenburg geboren ist und wegen von Harden, antwortee er:„ Ich bin darauf gefaßt gewesen, ich hatte befchloffen, auf die Erledigung des Gefehentwurfes durch den Konfahrlässiger Tötung bereits mit 2 Jahren Gefängnis und Bewäh- fo etwas erwartet" Ich wußte zunächst nicht ob ich die Sache weiter greß noch in der laufenden Tagung zu dringen, durch den die Errungsfrist vorbestraft ist. Grenz ist am 4. März 1897 zu geben sollte, fühlte mich aber nicht veranlaßt, eigenmächtig zu han- mächtigung erteilt wird, 30 000 Depots im Betrage von 1000 Wilhelmshaven geboren. Dann wurde in die eigentliche Berneh- deln, denn ich sagte mir, Anfermann trägt die Berantwortung. Ich bis 50 000 Dollar freizugeben, die der Verwalter beschlagmung des Angeklagten Grenz eingetreten. Er befundet: Anfang gab ihm dann das Geld und er erklärte: Weichardt ist mein Ge- nahmten fremden Eigentums in Verwahrung hat. Nach amtlichen März d. J. erhielt ich einen Brief aus München, der als Absender hilfe, weiter braucht er nichts erfahren." Weichardt fuhr dann zu Schähungen betragen die kleinen Depots 93 Pro 3. der Gesamtheit. die Chiffre A. W. G. 500 hauptpoftlagernd trug und der mich in erst ab und Anfermann folgte ihm nach zwei Tagen. Er betonte Der Depotverwalter ist der Meinung, daß durch die Zurückhaltung einen Gewissenskonflikt verfekte. Ich wußte nicht, was ich damit nochmals, er führe die Tat aus, Weichardt folle nur den Gehilfen anfangen follte und ließ ihn zunächst flegen. Sturz vordem hatte spielen, denn er fei noch zu jung. Daß Antermann seiner Frau noch von 7 Proz. der Gesamtheit die berechtigten amerikanischen Gegenich Weichardt kennen gelernt, der mich öfters besuchte. Er war un- gesagt hat, wenn sie in Not set, solle sie sich an mich wenden, habe forderungen an Deutschland reichlich gedeckt werden und daß die beschäftigt und fragte mich, ob ich nicht für ihn ich erst später erfahren. Nachdem ich dann längere Zeit von beiden amerikanische Regierung durch die Frage der fleinen Summen die nichts gehört hatte, bat mich Ankermann brieflich dringend um Geld. wirtschaftliche Erholung Deutschlands unterstühen Bufällig hatte ich gerade 8000 m., die ich selbst nach Berlin brachte, fönnte. Von den 500 Millionen Dollar amerikanischer Forderundenn Anfermann bat um persönlichen Besuch. In Berlin verlangte gen entfallen 100 millionen auf Schadenersatzansprüche wegen der er dann, daß ich noch eine größere Summe flüssig mache, er wollte Bersentung der Lufitania. Einige amtliche Personen find mich anscheinend auch noch als Assistenten gewinnen, doch haben wir der Meinung, daß diese Ansprüche durch Nachprüfung wesentlich her. über die Ausführung des Planes nicht gesprochen. Später famen dann immer wieder Brandbriefe um Geld. In Oldenburg erfuhr ich abgesetzt werden könnten. inzwischen, daß Antermann Schulden gemacht hatte und daß man glaubte, er fei ausgerückt. Als ich immer wieder antwortete, ich habe kein Geld, fam eines Tages Weichardt in Anfermanns Auf „ Sie sind uns als treuer välfischer Kämpfer bekannt und trag, um Geld zu holen. Zufällig hatte ich gerade 5000 M. Weichardt tommen wir deshalb mit dem Ersuchen an Sie, ob Sie bereit find, fagte mir, es hätten sich hindernisse in den Weg gestellt und ich follte etwas für die völtische Sache zu tun. Wir fragen an, ob Sie für deshalb Geld beforgen. Ich gab ihm dann 4000 m. mit und 1000 m. politische Arbeit zwei junge tafenfrohe Männer wissen, die bereit gab ich Frau Anfermann. Bald darauf erhielt ich einen Gilbrief find, alles zu fun. Ihre Sicherstellung würde erfolgen. Antwort aus Jever mit der Aufforderung, dorthin zu kommen. Ich traf dort unter 2. W. G. 500, hauptpoftlagernd, München. hätte, so wie ich mich betätigte, nämlich auf dem Boden der Heimat. bewegung. Nach etwa 6 Tagen fam ich dann zufällig auf den Eingang des Briefes zu sprechen und fragte Weichardt, ob er unter Umständen für eine vaterländische Arbeit im Sinne dieses Briefes Bor: Dieser Brief trägt den Poststempel München und ift ohne Ortsangabe und Anrede mit Schreibmaschine geschrieben. tätig sein wollte. Er lautet: Dollar 8500. Der Senat genehmigte die Vorlage, durch die die Frist für die Einreichung von Anträgen auf Rückerstattung fremden Eigentums bis zum 21. Dezember verlängert wird. Gemeindewahlen in Stuttgart. Stuttgart, 12. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Die am Sonntag in Groß- Stuttgart stattgefundene Gemeinderatswahl, bei der die Stellen von 30 ausgeschiedenen Gemeinderatsmitgliedern neu zu besetzen waren, hatte folgendes Ergebnis: die Sozialdemo fratie erhält 7 neue Size( ausgeschieden 10), die Kommunisten 4( 3), die Demokraten 6( 9), die Deutsche Boltspartei 4( 0), das Zentrum Eine Unterschrift trug der Brief nicht, nur einen Fem ftern. Grenz: Ich habe Weichardt den Inhalt dieses Briefes nur an gedeutet und Weichardt fagte daraufhin zu. Am nächsten Tage fam dann auf seine Veranlassung Ankermann, ber ebenfalls it elDer Devisenverfehr litt heute noch mehr als gestern unter ben Iungslos war, zu mir. Ich hatte ihn vorher wohl verschiedent- großen telephonischen Störungen im Fernverkehr. Das Geschäft 2( 2), die Bürgerpartei 7( 6). Das Verhältnis im Gemeinderat ist lich gesehen, fannte ihn aber nicht näher. Wir besprachen dann den war minimal. Der Dollar schwankte zwischen 8450 und jegt folgendes: Sozialdemokratie 18( bisher 21), Kommunisten 6( 5), Brief und Anfermann fagte:" Sie müssen unbedingt antworten. 8500. Für den Effektenverkehr blieb die Börse heute geschlossen, Demokraten 16( 19), Deutsche Boltspartei 4( 0), Zentrum 4( 4), Ich mache auf alle Fälle mit." doch scheint sich auch hier eine starke Einschränkung des Geschäfts Bürgerpartei 13( 12). Die Wahlbeteiligung war recht flau, fie Darauf schrieb ich nach München. Borf.: Diefer Brief lautet: vor Weihnachten anzubahnen. betrug etwa 52 Proz Der ratlose Viererrat. Hohenzollernfiege. ben, ohne daß Amerita dabei in Rechnung gestellt worden sei. Man sei übereingekommen, daß teine der alliierten Regierungen vor Prinz Friedrich Leopold von Preußen hat eine Schlacht ge Wiederaufnahme der Konferenz irgendeine Aktion unternehme. Italiens Haltung gegenüber der Besetzung des Ruhrgebiets würde wonnew: vor dem Rammergericht gegen den preußis davon abhängen, cb in der Zwischenzeit die Deutschen Auf- fchen Staat. Der Lokal- Anzeiger" läßt einen der Hohenzollernrichtigkeit zeigen und das geringste Symptom aufweisen, daß sie den Anwälte, den Rechtsanwalt 2ubszynski, darüber einen Triumphgefang anstimmen, als handle es sich um Roßbach oder Leuthen. Wunsch haben zu zahlen. Der plötzliche Abbruch der Londoner Konferenz scheint namentlich auf die englische Deffentlichkeit einen sehr deprimierenden Eindruck ausgeübt zu haben. Schon gestern vormittag war sich der englische Kabinettsrat darin einig, daß weder die Vorschläge Poincarés, noch die Mussolinis in ihrer jezigen Form annehmbar seien. Da die von Bonar Law auf Die Aeußerungen der Mitglieder des Biererrates per In Wahrheit betraf der jetzt entschiedene Prozeß eine höchst unterder Konferenz gemachten Gegenvorschläge hinwiederum Poin- ftärken den Eindruck, daß die derzeitigen Herren Europas geordnete Angelegenheit, nämlich die Frage, an wen die Miete caré unannehmbar erschienen, hielt es Bonar Law für not- weder ein noch aus wissen. Die Beziehungen unter den euro- aus einigen beschlagnahmten Häusern des Prinzen zu zahlen ist. Der wendig, sich mit seinem Kabinett zu beraten, bevor man die päischen Staaten haben sich infolge der ungelösten Repara- Hauptprozeß, den der Prinz gegen Preußen angestrengt_hat, Konferenz weiter führt. Der Vertagungsbeschluß wurde, wie lionsfrage und der allgemeinen wirtschaftlichen Krise, die der Prozeß um die Güter Flatow und Krojante, die gegenwärtig das Parifer Journal" meldet, in dieser Sigung gefaßt und durch den deutschen Währungsverfall gefördert wird, zu einem einen Wert von mindestens 100 milliarden haben, wird gegenüber den Einwendungen Poincarés, der eine Vertagung so unentwirrbaren Knäuel verwickelt, daß wiederum aller dadurch nicht berührt. vermeiden wollte, soll Bonar Law erklärt haben, daß er seinem Blide sehnsüchtig nach Amerifa hinüberschweifen, um dort Kabinett bereits berichtet habe, die Konferenz werde vertagt Hilfe in der Not zu finden. Es ist kein Zufall, wenn gerade werden. Dann habe Poincaré zugestimmt und ebenso auch jetzt eine Bariser Meldung verbreitet wird, wonach eine hoch gestellte amerikanische Persönlichkeit" dem Sonderbericht erstatter des Petit Journal" erflärt hat: die anderen Alliierten. werde. " " Ursprünglich hatte die Regierung sich von den geschäftstüchtigen Anwälten der Hohenzollern einreden lassen, daß diese Güter ganz besonders unzweifelhaft Privateigentum seien. Erst als Genoffe Lüdemann Finanzminister wurde und unter dem Ministerialdirektor Bachem die Abteilung Krone" des Finanzministeriums neu organi fierte, wurde die Anfechtbarkeit der hohenzollernschen Ansprüche auch auf diese Werte aufgedeckt. In dieser Abteilung Krone" arbeiteten und arbeiten bekannte deutschnationale Beamte mit Boltsparteilern und arbeiten bekannte deutschnationale Beamte mit Bolksparteilern und Linksstehenden einmütig daran, den Beutelschneidereien der Hohenzollern entgegenzutreten. Wenn fie dafür von einem be zahlten Anwalt der Hohenzollern öffentlich angegriffen werden, kann sie das nur ehren. Ihre Arbeit hat erreicht, daß auf Grund des gefammelten Materials das preußische Justiz ministerium nunmehr seinen früheren, den Hohenzollern viel zu günstigen Standpunft in einer besonders wichtigen Kernfrage vollkommen ge= ändert hat. Gerade dies ist freilich der Kummer der Hohenzollern- Anwälte. Die Reaktion gegen Narutowicz. Wie die Londoner Presse berichtet, hat Bonar Law sich, in Anlehnung an die bekannte Balfour- Note, dahin aus„ Wir haben die Nachrichten über den Verlauf des ersten gesprochen, daß es das Hauptproblem der ganzen Reparations- Gigungstages mit größtem Intereffe aufgenommen, und wir erwarfrage sei, deutsche Schuldscheine zu erhalten, um die französi- ten, daß sie sich bestätigen. In diesem Falle, das heißt, wenn eine schen und italienischen Schulden zu tilgen. England sei bereit, Berständigung zwischen den Alliierten den Frieden Europas zu ga einen Teil seiner Ansprüche an seine Schuldner zu erlassen, rantieren schiene, und wenn andererseits zur Vervollständigung des gewiffermaßen als Symbol dafür, daß die Frage der britischen Unternehmens mit Deutschland 2 bis 3 Milliarden Goldmark fehlen Schuld an Amerika unabhängig von der französischen Schuld würden, würde Amerika nicht länger zögern sie zu liefern." en England fei. Wie der Evening Standard" schreibt, be= Gleichzeitig meldet Havas aus London, das englische Kadeutete das entgegenkommende Angebot Bonar Laws erstens, binett werde in Washington vor dem 2. Januar offiziös andaß England Frankreich den größten Teil seiner Schulden er- fragen lassen, welche Haltung die amerikanische Re läßt, um dafür irgend etwas einzutauschen, was im Augen gierung hinsichtlich der Schulden der Alliierten blick nicht greifbar und überdies wertlos sei, und zweitens, bei den Vereinigten Staaten einzunehmen geneigt sei, abgedaß nach der Befriedigung der französischen und belgischen sehen von der englischen Schuld, zu deren Regelung SonderReparationsbedürfnisse England für einige Zeit der einzige abmachungen zwischen London und Washington in VorbeReparationsgläubiger Deutschlands sein und daher künftighin reitung seien. Dieser Schritt liegt durchaus in der Linie der Die maßlose Hehe der bei der Präsidentenwahl unterlegenen eine weitere Zusammenkunft der Ministerpräsidenten zur Er- Balfour- Note und der jüngsten Erklärungen Bonar Laws im Rechten gegen den neuen Staatschef, dem insbesondere das Einörterung der Reparationsfrage nicht mehr notwendig sein Viererrat, es empfiehlt sich aber, angesichts de beharrlichen treten der Nichtpolen für ihn angetreidet wird, hat zunächst Zurückhaltung der Vereinigten Staaten in der Reparations- Studentenumzüge zur Folge gehabt, wobei der Heros der Fascisten, frage, die auf die starke Beeinflussung der amerikanischen Bo- General Haller, vom Balkon herab redete. litik durch das Finanzkapital zurückzuführen ist, feine über- Wie es bei der Eidesleistung des Präsidenten am Mon triebenen Hoffnungen auf die amerikanische Hilfe" zu setzen. tag zuging, zeigt folgender Bericht: Wenn die europäischen Völker sich nicht selber helfen, und wenn insbesondere die arbeitenden Klassen aller Im Laufe der Verhandlungen seien nur die deutsche Note und Länder nicht endlich gemeinsam einen starten Drud auf die europäischen interalliierten Kriegsschulden gründlich erörtert ihre Regierungen ausüben, so wird Europa nach wie vor das worden. Daß die deutsche Note einmütig abgelehnt worden schmähliche Schauspiel bieten, daß ein Häuflein bankrotter sei, beweise, daß sämtliche Konferenzteilnehmer sich dahin einig Staatsmänner geschäftig hin und her eilt, eine Konferenz nach seien, sich nicht mehr mit Worten und unbestimmten Versprechungen der anderen einberuft und schließlich ratlos auf den TrümmerDeutschlands zu begnügen. Das sei eine höchst erfreuliche Feft- haufen der europäischen Politik starrt, während Millionen stellung. In der Schuldenfrage sei ein großer Schritt getan schaffender Männer und Frauen unter der Last des Elends worden, da Bonar Lam die Berficherung gegeben habe, daß die und des allgemeinen Zerfalls zusammenzubrechen drohen. Frage ohne Rücksicht auf Amerika angeschnitten werden fönne. Er, Poincaré, lege den größten Wert darauf, den Bunkt betreffend die Annullierung der Bons, Serie C, flarzustellen. Er stimme dieser Annullierung nur bis zu dem Betrage der franzöfifchen Schuld bei England zu. Nun wird sowohl von Poincaré wie von Mussolini frampfhaft versucht, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Poincaré hat Bertretern der Presse Erklärungen abgegeben, die ein Berichterstatter des" Petit Parisien" folgendermaßen zusammenfaßt: Wer regiert in Deutschland? Als einziges bürgerliches Blatt Berlins wagt es die„ Boss. Zeitung", über den unverschämten Vorstoß der„ Industrie" Die Pfänderfrage sei nicht gründlich erörtert worden, fie die Wahrheit zu sagen. Georg Bernhard erinnert daran, werde in den Pariser Besprechungen Anfang Januar mieder auf daß die Regierung Wirth von gewissen industriellen Persön= genommen werden. Er wisse nicht, ob der französische Standpunt lichkeiten im Ausland diskreditiert wurde, jezt arbeite man Zustimmung finden werde; fein Eindruck sei, daß er in der gegen- systematisch daran, das Vertrauen auch zur neuen Regierung wärtigen Form feine Aussicht habe; aber er habe sich für zu untergraben. Es müsse endlich mit der Legende aufgeFrankreich volle Handlungsfreiheit in dieser Beziehung vorbehalten, räumt werden, daß die Industrie„ Opfer" bringe, wenn sie und wenn keine Verständigung erreicht würde, so würde die Fest dem Vaterland gebe, was es verlange: auch fie fei Objekt stellung der Uneinigkeit nicht den Bruch der Entente nach sich ziehen. der Gesezgebung wie alle anderen staatsbürgerlichen Wenn man andererseits in Paris über ein Programm fich verständige, Schichten. Auf die Dauer werde es sich das deutsche Volk werde man unmittelbar darauf eine Plenarfonferenz einberufen, an nicht gefallen lassen, anonym regiert zu werden. Da s," der sämtliche beteiligten Länder teilnehmen würden, und die entschließt Bernhard, fonnten wir unter Wilhelm II. weder in Paris oder in Brüssel stattfinden fönnte. auch haben." Regen. Bon Joseph Roth. In der Mitte trieft der Schuhmann und regelt den Verkehr. Er ist durch einen weiten Gummimantel vor dem Regen gesetzlich geschützt. Seiner Trompete entflieht ein klagender Ton, der, kaum geboren, bereits überfahren wird von polternden Omnibussen. Der Zigarrenhändler hat ein graues Tuch über seinen Laden gebreitet, den er an einem Schulterband auf der Brust trägt. Er steht ewig an derselben Ecke und wird deshalb ein fliegender Händler" genannt. Die Zeitungsfrau hat ein Blechsildlätzchen auf der Brust und Sie ist grauhaarig und vom Biele Regenschirme schwanken über die Straße, Menschen über dachend. Ungeschützt nur ragt ein marmorner Staatsmann auf feinem Sockel; barhäuptig ist er den Tropfen preisgegeben. Er hat eine Kielfeder in der einen Hand und ein Buch in der andern. In dem aufgeschlagenen Buche hat sich ein fleines Bächlein gebildet. Ein Spaß steht darin und schlürft Regenwasser der Weisheit. lallt die Namen der Blätter aus. Regen verwaschen. Einzelne Gruppen, überwiegend nationalistische Studenten, bes feßten früh die zum Landtagsgebäude führenden Straßen und ver suchten den Zutritt zum Sejm zu blockieren. Naturowicz fuhr mit militärischer Bebedung im offenen Wagen zum Sejm, wobei ihn die Nationalisten auspfiffet und mit Schnee und mit Holzstücken bewarfen. Die Eidesleistung selbst fand in Abwesenheit des Rechtsbloces statt. Bei der Abfahrt wurden auf dem Alexanderplay sozialistische Abgeordnete von der Menge angegriffen. Es tam zu einer Schießerei zwischen Natio. nalisten und Sozialisten, wobei es Tote und Verwundete gab. Es sollen vier Tote und vier Verwundete zu verzeichnen sein. Die Arbeiter in den Fabriken stellten die Arbeit ein. Der Justizminister ließ den Polizei chef verhaften, weil seine passive Haltung gegenüber den Unruhen an den Vorfällen die Schuld trage, Verurteilung im besetzten Gebiet. Mainz, 12. Dez.( WTB.) Unter Ausschluß der Deffent. lichteit wurde vor dem Kriegsgericht des Generalstabes der franzöfifchen Rheinarmee geen den Referenten der politischen Abteilung der preußischen Regierung in Wiesbaden Regierungsaffeffor Dr. Brange und gegen den Kriminalkommiffar der politischen Abteilung des Polizeipräsidiums in Frankfurt a. M. Ernst Stein wegen Spionage verhandelt. Die beiden Angeklagten wurden schuldig gesprochen und darauf Dr. Prange zu fünf Jahren und Kommissar Stein zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Der Reichswirtschaftsrat hat heute Dienstagvormittag sein neues In ähnlichem Sinne, wenn auch wesentlich steptischer, Der Artikel wurde offenbar geschrieben, bevor dem Ber- Haus in der Bellevuestraße, das frühere Wilhelmsgymnasium, bezogen. Der Vorsitzende des Reichswirtschaftsrats von Braun hielt äußerte sich Mussolini in einer Unterredung mit dem Verfasser die klägliche Antwort der Regierung be- bei dieser Gelegenheit in Gegenwart des Reichspräsidenten und des treter des Reuterbureaus: tannt war, er hätte sonst nicht mehr die Frage stellen können, Reichstanzlers eine Begrüßungsansprache. Nach ihm nahm Reichs. Die Konferenzfo erflärte er hätte schlimmer enden wer jegt in Deutschland regiert. Er hätte auch nicht an das kanzler Cuno das Wort, um die Arbeit des Reichswirtschaftsrats fönnen. Man müsse mit den Ergebnissen zufrieden sein. Zum Kabinett Cuno die Aufforderung richten fönnen, seine Auzu feiern. ersten Male sei die Frage der Schulden und Reparationen zusammen- torität nicht zerstören zu lassen, von der nach jener trau- Unser Weg", die von Paul Levi herausgegebene Halb genommen und unter europäischen Gesichtspunkten betrachtet wor- rigen Erklärung nicht mehr viel übrig geblieben ist. monatsschrift ift gezwungen, ihr Erscheinen einzustellen. Auffah im neuesten Heft der„ Bergstadt", in dem er von der jetzt und gegen schlechten Geruch schien er nicht empfindlich zu sein. 92jährigen Ottilie Johanna Demelius berichtet, die wohl Seine Ordnungsliebe war zur Bedanterie geworden, und er fonnte die lehte leberlebende aus dem Weimarer Goethe- es z. B. nicht ertragen, eine Lage Papier anders als parallel mit treise sein dürfte. Frau Demelius, die von Goethes Schwieger- den Rändern des Tisches liegen zu sehen. Die Sonnen- und Wärmetochter auf Goethes eigenen Wunsch aus der Taufe gehoben wurde, sehnsucht, die den Olympier einst nach Italien getrieben, blieb in ist die Tochter des Leibarztes Karl Augusts, des Hofrates Vogel, ihm bis zuletzt mächtig, und er pflegte scherzend zu sagen, man der auch der Arzt Goethes war und zu diesem in einem engen würde sich im Spätsommer aufhängen, wenn man sich von der AbBertrauensverhältnis stand. Sie selbst war freilich erst zwei Jahre, scheulichkeit des kommenden Winters einen rechten Begriff machen als Goethe start; aber aus den Gesprächen und Erzählungen ihres tönnte. Baters, der in den letzten Jahren zu den Vertrauten des greisen Wie lange wird London bestehen? Diese Frage wirft ein Baus Dichters gehörte, hat sie den lebendigsten und treuesten Begriff von meister in einem englischen Blatt auf und fommt zu dem Ergebnis, Goethes Wesen und Erscheinung bewahrt. Goethes imponierende Erscheinung litt, wie ja auch sonst viel. daß das Leben einer solchen Riesenstadt im Vergleich zu den geschicht fach beobachtet wurde, darunter, daß die unteren Gliedmaßen, wie lichen Zeiträumen, auf die wir bereits zurückbliden, nicht sehr groß Bogel sich ausdrückte, um eines schönen Verhältnisses zum Rumpf ist. Die neue Verkehrsstraße, die gegenwärtig in Kingsway angelegt willen, ein Geringes hätten länger fein dürfen". Diese Kurzbeinig. wird, gilt als die dauerhaftefte der Welt, und die Ingenieure befeit glich er aber durch eine sehr gerade Haltung aus, und noch haupten, daß fie 2000 bis 3000 Jahre aushalten dürfte. Aber die der Achtzigjährige pflegte die ferzengerade Steifheit, in der er sich Byramiden stehen schon viel länger und dürften sogar vielleicht noch zeigte, damit zu begründen, daß er frühzeitig„ behufs besserer Aus diese moderne Anlage, auf die wir so stolz find, überleben. Einem bildung der Brust" sich daran gewöhnt habe, die Hände möglichst gewöhnlichen solide gebauten Großstadthaus gibt man eine Lebensviel hinter dem Rücken gefreuzt zu tragen. Seine Brust war auch dauer von allerhöchstens 1000 Jahren. Aber wohl nur wenige solcher tatsächlich, wie Bogel bei den zahlreichen Untersuchungen feststellte, Häuser im Innern einer Großstadt werden eines natürlichen Todes sehr breit und hoch gewölbt. Goethes Puls war noch im späten sterben, denn das unruhige Leben unserer Tage bringt beständig After dem eines 40jährigen Mannes zu vergleichen. Alle Sinnes- Beränderungen mit sich, und immer wieder werden Häuser, die noch eindrücke blieben bis zum Tode fein und scharf; nur das Gehör ganz gut im Stande sind, niedergelegt und durch neue ersetzt. Die hatte abgenommen, und besonders bei trübem Wetter mußte man leichteren Vorstadthäuser, wie sie jetzt von den neuen Reichen so zahlreich gebaut werden, dürften kaum länger als fünf Jahrhunderte sehr laut sprechen, um von ihm verstanden zu werden. bestehen fönnen; die meisten aber werden viel fürzere Zeit leben, Goethes Geistesträfte waren den sonst im Alter eintretenden denn man baut heute sehr schnell und nicht immer mit bestem MaViele Regenschirme sammeln sich um den Knaben und schwanfen gerührt. Ein Polizist läßt sich Bericht erstatten und schickt den Schäden fast überhaupt nicht unterworfen. Nur fein Erinnerungs- terial. Die verwundbarste Stelle eines Hauses ist stets der Mörtel. vermögen hatte abgenommen, und mit den Jahren war eine gewisse ir bewundern heute den Mörtel, der bei den mittelalterlichen Knaben nach Hause. Dumme Wiber! sagt er unhörbar. Die Bedächtigkeit entstanden, die es ihm immer schwerer machte, Ent- Bauten verwendet wurde und der so fest hält, daß man ihn beim Dame in Trauer ist tiefteschämt. schlüsse zu fassen. Dem Greise ging die Arbeit an seinen Werken Niederlegen solcher Gebäude vielfach mit Explosivstoffen sprengen Die Männer recken ihre Schirme selbstbewußt den Wolken ent- nicht mehr so leicht von der Hand wie früher, aber es gab 3eiten, mußte. Bei dem Mörtel von heute wird das sicherlich nicht nötig wie z. B. während des Sommers 1831, in denen er sich zu schöpfe- sein, und die Ziegel, die verwendet werden, müssen sicherlich zum Teil Der Knabe wartet auf die Straßenbahn. Sie segelt herbei, wie rischer Tätigkeit so gut aufgelegt fühlte, wie faum im besten schon früher ersetzt werden, als die Lebenszeit des ganzen Hauses zu Ende ist. ein Schiff. Gischt schäumt an ihren Rädern empor. Der Motor-| Mannesalter. Der Arzt war von diesen Perioden gesteigerter Proführer ficht aus, wie eine menschenähnliche Konstruktion aus Mantel- duftivität nicht sehr erbaut, denn er wußte aus Erfahrung, daß Ein Künstler, der sein Wert entführt. Ein merkwürdiger stoff und Wetterbrille. Auf dem hintern Trittbrett wimmelt es von dieser Hochspannung dann eine ausgesprochene Krankheitszeit folgte. Noch als Zweiundachtzigjähriger erfreute sich Goethe eines ausgewischenfall verhinderte die Enthüllung des Denkmals für einen einem dicken Herrn. zeichneten Schlafes. Er ging regelmäßig um 9 Uhr zu Bett und Maler in der Stadt Perpignan. Eine Stunde, bevor die feierliche wachte nicht leicht vor 5 Uhr morgens auf, schlief auch während Einweihung feſtgeſetzt war, erschien der Schöpfer der Büste, der des Tages noch etwas. War sein Geist tagsüber mit irgendeiner berühmte Bildhauer Aristide Maillol, um die Aufstellung zu fesselnden Aufgabe beschäftigt gewesen, so machte es ihm nichts, ein begutachten. Er war über die Häßlichkeit des Poſtaments, auf dem paar Stunden nachts wachzuliegen und darüber nachzudenken. die Büste stand, so enifeßt, daß er Hammer und Meißel aus der Burde aber seine Nachtruhe durch förperliche Störungen gehindert, Tasche nahm und nach einer viertelstündigen Arbeit das Kunstwert damn mußte ihm der Arzt sofort fein bewährtes Schlafmittel, ein von seinem Biedestal losgehauen hatte. Mit Hilfe einiger Freunde Gramm Bilsentrautegiraft, verfchreiben, von dem Goethe behauptete, trug er dann die Büfte weg, um damit gegen die untünstlerische daß er ihm auch sehr angenehme Träume verdante. Der Dichter, Aufstellung zu protestieren, und als die Festversammlung erschien, früher der Freund eines guten Trunkes, hatte im Alter allen alfo war die Büfte spurlos verschwunden. helifchen Getränken entfagt. Dagegen aß auch der alte Goethe noch Ein Knabe steht in der Mitte des Bürgersteigs und weint. Eine Dame in Trauer ist im Begriff vorbeizuwallen und häit inne. Der Knabe erwartet seinen älteren Bruder, um in den Und der Bruder kommt nicht. Zirkus zu gehen. gegen. Der Knabe sieht neben dem dicken Herrn wie ein Beiſtrich aus. Hinter der Straße fröftelt ein Park. An seinen magern BaumHinter der Straße fröftelt ein Bart. An seinen magern Baumzweigen bleibt der Regen hängen. Der Barkwächter wandelt hin und her, wie ein Baum, der seinen Standort verlassen und gehen gelernt hat. Vom greisen Goethe. " Fast nicht glaubhaft erscheint es, ein lebendes Wesen in unserer Mitte zu wissen, das einen Blick aus Goethes Augen empfangen, dessen Namen der geheimrätliche Olympier genannt und dessen Dasein sehr viel, so daß er dadurch häufige Störungen erlitt. Eigentümlich Volksbühne, Theater am Bülowplak. Die Erstaufführung von er noch mit einer Art von großväterlicher Wärme zur Kenntnis war Goethes Borliebe für Zimmerluft; nur mit großer Mühe adolf Arronge ein Leopold, die wegen des Streits verschoben genommen hat." Mit diesen Wortes beginnt Rart Marilaun einen fonnte man ihn zum gelegentlichen Deffnen des Fensters bewegen, werden mußte, findet am Mittwoch, den 13., abends 7%, Uhr, statt. Milchverbilligung? = Prozeß Klante. Die Bernehmung des Bruders. Nachdem sich gestern das Wunder Klante" so gründlich enthüllt hatte, daß der Millionenwetter als armseliger Eingebildeter Gewerkschaftsbewegung Das Elend der Erwerbslofen. dastand, der mit einer Kombination von Rechenfehlern und Trug- Der Ausschuß der Gewerkschaftskommission Berlins und Umschlüssen geglaubt hatte, der Heiland der Wetter werden zu können, gegend hat erneut an den Reichsarbeitsminister einen Antrag auf war die Sensation, die der auf mehrere Tage sich erstreckende Prozeß Erhöhung der Erwerbslosenunterstügung gestellt. erbringen sollte, vorweggenommen. Trotzdem war aber der Andrang In dem Antrag heißt es: zum Zuschauerraum start wie am ersten Tag. Dieser Antrag spricht für sich selbst. Es bedarf wohl keiner meiteren Begründung desselben, um den Herrn Reichsarbeitsminister von der Notwendigkeit der Erhöhung der Erwerbslosenunterstützung zu überzeugen. Die erst eingetretene Erhöhung com 18. November ist längst überholt. Mar Alante sieht. noch angegriffener aus als am ersten Tage. Das stundenlange Reden hat ihn offenbar sehr angestrengt. Nach Aufruf der Zeugen wendet sich die Verhandlung der Vernehmung des zweiten Angeklagten, des Bruders des Hauptangeklagten, erWir rechnen mit einer bestimmten Erfüllung unseres im hard Klante, zu. Er hat bei einem Rechtsanwalt gelernt und Namen von 800 000 Mitgliedern ausgesprochenen Wunsches und ist später Expedient gewesen. Von dem Konzern erfuhr er durch sehen einem diesbezüglichen Bescheid recht bald entgegen, ein Telegramm, das ihm sein Bruder sandte und in dem er ihm Sein Bruder war damals schwer nerventrant. Wir erwarten, daß dem Antrag stattgegeben wird, und zwar eine Stellung anbot. Gerhard Klante wurde beim Konzern als Kassierer angestellt. Die hnell. Wenn jemals, so trifft jetzt das Sprichwort zu: Wer Die Erhöhung der ErwerbslosenunterBücher führte er genau so weiter, wie sie eingerichtet waren. Die schnell gibt, gibt doppelt. Eintragungen machte eine Schreiberin, weil er zu wenig Zeit hatte. ftügung vom 18. November war damals schon durch die GeldEr unterzeichnete und numerierte die Dividenden cheine und zeichnete entwertung überholt. Was soll ein Erwerbsloser mit seiner UnterRechnungen gegen, die fein Bruder Mar geprüft und erledigt hatte. ftützung angesichts der Kohlen und Brotpreise und aller anderen Selbständig auszahlen fonnte er nicht. Auf Bitten seines Bruders Preise der bringendsten Bedarfsartikel anfangen? Ueberhaupt erläutert Gerhard Klante an Hand eines von ihm geführten Raffa- müßten die Säße nicht allein der Erwerbslosenfürsorge, sondern auch der Sozialtentner automatisch der Teuerung angepaẞt buches eingehend seine geschäftliche Tätigkeit. merden, insbesondere der vom Reich veranlaßten auf Brot und Kohlen. Die unerträgliche Preissteigerung für Frischmilch( fie toftet zurzeit in Berlin 190 m., in Brandenburg 174, in Ham= burg 226, in München 200 M., um nur einige Beispiele aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands zu nehmen) und der damit verbundene erschreckende Rückgang des Milchkon fums haben in der Deffentlichkeit zu den lebhaftesten Debatten über die Ursachen dieser Breisgestaltung geführt. Die Berliner Stadtverordnetenversammlung hat einen besonderen Ausschuß eingesezt, der die Berechtigung dieses Milchpreises nachprüfen foll. Der Ausschuß hat die von uns bereits erwähnte Besichtigung der Meierei Bolle vorgenommen und fam in seiner gestrigen Sitzung zu dem einstimmigen Ergebnis, daß auf die meierei mäßige Behandlung der nach Berlin eingeführten Milch troh der dadurch entstehenden nicht ganz unbeträchtlichen Kosten nicht verzichtet werden kann. Als Sachverständiger nahm ein Vertreter der Milchhändler an den Beratungen teil. Auch dieser Vertreter erklärte, daß er die meiereimäßige Behandlung, die das Milchamt vornimmt, für unentbehrlich halte. In einer sehr eingehenden Aussprache wurde die gefamte Kostenrechnung, die das Mitchamt seiner Preisberechnung für das Liter Milch in Berlin zugrunde legt, eingehend Posten für Posten durchgesprochen. Die Differenz zwischen dem Vertreter des Milchamtes und dem der Milchhändler betrug bei der Berechnung ganze 5 M., die nach der Meinung des Milchfachver ständigen vom Milchamt über das notwendige Maß hinaus erhoben würden. Bei dieser Berteuerung, die man eventuell als zu weitgehend ansehen könnte, wurde aber zugestanden, daß das Milch-" Acht Tage Kunst und Kunstgewerbe". Im Rahmen der WeihnachtsDarüber hinaus und unabhängig davon müßte eine großzügige amt mit vollem Recht die Unkosten auf sich nimmt, die da- schau, die zurzeit im Schöneberger Rathause stattfindet, wird am Mittwoch, Aktion unternommen werden, die Erwerbslosenfürsorge, produr 13. Dezember, ein Vortragsabend zum Besten unserer Striegsbeschädigten durch entstehen, daß augenblicklich im Verhältnis zu dem erschrecken veranitatet. Um 5 Uhr stuntlet fonzert unter Leitung von Frau Dr. Roſtin; tiv zu gestalten. Denn abgesehen davon, daß das Reich und die den Konsumrückgang zu viel Milch nach Berlin importiert wird. Die bierzu baben ihre Mitwirkung zugesagt: Professor Heinrich Grünfeld, Gemeinden nicht in der Lage sind, die Lasten der wachsenden Arüberschüssige Misch muß nämlich in Berlin vom Milchamt mit stemmerfänger Frik Soot, die Stammervirtuofin Martha Remmert, die beitslosigkeit zu tragen, weil diese zugleich eine Verminderung der erheblichen Unkosten verarbeitet werden. Der Aus- Kammerfängerin Melanie Kurt und Arnold Ried. Tee und Erfrischungen Einnahmen mit fich bringt, bleibt eine immer größer werdende Zahl schuß war einstimmig der Meinung, daß es riskant sein würde, in den Festräumen des Nathanies. 7 Uhr: Promenadenkonzert der Kapelle von Arbeitslofen von jeder Unterstützung ausgeschlossen. Was das auf die augenblicklich nicht benötigte 3 ufuhr zu verzichten. Sternbach. Besichtigung der Ausstellungen. 8 Uhr fanzt Ruth Marcus, 10 an sozialen Gefahren, was es an persönlichem, physischem und mora= Als Ergebnis der bisherigen Beratung tann jedenfalls feft- Uhr: Colotänzerin der Staatsoper FrauElisabeth Grube. Geselliges Bei- lischem Elend bedeutet, fann man sich unschwer vorstellen. gestellt werden, daß von seiten der Stadt aus taum irgend etwas Unfere gesamte Produktion ist heute auf Spekulation, auf den zur Berbilligung der Milch getan werden fann und daß die Presse- Werbe- Regel- Woche. Der Freie Regler Bund veranstaltet Dollar eingestellt. In dieser Beziehung ist jetzt, nachdem der Dollar angriffe auf das Milchant gegenstandslos find. Soll eine Verbil- vom 10. bis 17. Tezember auf allen Bahnen der Pharusiäle, N., Wüller- auf eine unhaltbare Höhe getrieben worden ist, eine allgemeine Unligung der Milch erzielt werden, fo müssen diejenigen Unkosten ver- ftraße 142, ein er betegeln. Das bortliche Programm bietet Stlubund Einzelwetttämpfe. Die Ausscheidungstämpfe finden täglich statt. Am sicherheit bei unseren Produktionsspekulanten eingetreten, die die ringert werden, die außerhalb des Machtbereichs der Stadt ent- lehten Sonntag 5 Uhr beginnen die Endipiele um die Bundes. Arbeiter mit Arbeitslosigkeit und Einkommensverminderung büßen. stehen. Es besteht die begründete Aussicht, daß anläklich der fo- Meisterschaft, wozu die 20 beften Regler aus den Entscheidungs- Demgegenüber hat der Staat die Pflicht, energisch einzugreifen. sialdemokratischen Interpellation im Reichstag fämpfen zugelaffen find. Ein Figurentegeln wird für sportliche eine Berminderung der Frachtkosten, die heute 15 m für das Abwechselung sorgen. 4 weitere Bahnen laufen als Konkurrenzbahnen. Die Liter befragen, und eine Verminderung der 21 msatzsteuer- Beteiligung bieran ist jedem Regler gestattet. fosten, die 12 2. pro Lifer betragen, durchgefekt wird. Dadurch Ein großes Schauschwimmen wird, wie das Nachrichtenamt des würde sich das Cifer Milch um mindestens 15 m. billiger Magiftrats mitteilt, am Mittwoch, 13. Dezember, abends 8 Ubr. im Stadtstellen. Auch bedeutet der neue mit der Landwirtschaft abgeschlof- babe Charlottenburg, Krumme Str. 10, veranstaltet, um der Stiftung„ Bart, fene Milchlieferungsvertrag eine Verbilligung insofern, als die Re- Spiel und Sport"( Begründer Oberbürgermeister Bös), deren Zwed es ist, Berlin mit einem Gürtel von Spiel und Sportplägen lation zum Butterpreis jetzt auf 1 zu 10% M. festgesetzt ist. Die zu umgeben, neue Mittel zuzufübren. Karten find im Borverkauf bei Ernährungsdeputation hat diesem Vertrage zugestimmt, weil er nur 2. Wertheim, im Kaufhaus des Westens, im Sporthaus Rochlik und bei auf einen Monat abgeschlossen ist und bei verbilligung S. Adam zu haben. der Frachttoffen, die zu Lasten des Produzenten gehen, sofort gekündigt werden kann. Zu den noch vorliegenden Anträgen, die Maßnahmen der Reichsregierung für die Sicherstellung der Milchverfor gung verlangen, wird der Ausschuß in seiner nächsten Sigung Stellung nehmen. Kurzfahrer- Karten. sammensein. Sabarett Robert Steidl. 11 Schneeftürme im Erzgebirge. Wetter für morgen. Die Maffenkündigungen der Stadt Berlin. Die Massenentlassungen von Angestellten und Arbeitern in den städtischen Betrieben waren Gegenstand der Verhandlung einer Vollversammlung der kommunalen Betriebsräte, die am Montag im Bürgersaal des Rathauses stattfand. Wie der erste Redner KlapPoth berichtete, sollten insgesamt etwa 1423 Personen zur Entlaffung tommen. Es wurde aber erklärt, daß Aussicht bestehe, eine größere Anzahl hiervon noch in ihrer Stellung belassen zu können. Wie weiter verlautet, soll aber am 31. März 1923 ein neuer großer Abbau des Personals vorgenommen werden. Für die Auswahl bei der Entlassung find soziale und wirtschaftliche Richt. linien aufgestellt worden. Inzwischen habe sich aber schon ein Bedürfnis nach Ersat on Arbeitsfräften bemerkbar gemacht, so auch bei der Steuerverwaltung, bei der man die Anfertigung von schriftlichen Arbeiten als Heimarbeit vergeben wolle. Der hiergegen bei der Tarifverwaltung erhobene Einspruch sei zurückgewiesen worden. Die Entscheidung liege jetzt bei dem Schlichtungsausschuß. Bon dem folgenden Redner wurde über die Kündigungen in den städtischen Krankenhäusern berichtet. Bei den Berhandlungen sei eine Einigung erreicht worden. Gefündigt wurden rund 100 Personen. Der Achtstundentag bleibe erhalten und eine Teilung der Arbeitszeit solle vermieden werden. lleber die einschlägigen Verhältnisse im Straßenbahnbe wollte zunächst 400 Enifoffungen vornehmen. Den Bemühungen der Betriebsräte und der Gewerkschaften sei es aber gelungen, diese Bahl auf 350 zu verringern und sich einen erwünschten Einfluß bei der Auswahl zu sichern. Nachträglich wollte man 420 Entlassungen haben und unfern Einfluß bei der Auswahl beschränken. Später forderte man noch 3000 weitere Kündigungen. Man ging aber schließlich auf 2000 zurück und war auch damit einverstanden, daß die weiteren 1000 strittig bleiben sollten. Nachdem mit dem Tarifvertragsamt und anderen hohen Stellen vergeblich verhandelt ist, bleibt nur noch die Schlichtungsinstanz. Diese wird heute( Dienstag) zu prüfen haben, in welchem Umfange Mitbestimmungs- und Tarifrecht verlegt sind. Ueber mehrere Ortschaften Sachjens gingen fchwerere Schneefälle, verbunden mit Sturm- und Wintergewittern nieder. In Chemnitz fann der Straßenbahnbetrieb nur unter großen Schwierigfeiten aufrechterhalten werden. In Altenberg im Erzgebirge liegt der Schnee so hoch, daß von Gartenzäunen nichts mehr zu sehen ist, fleinere Häuser stehen bis an das untere Stodwert im Schnee. Ueberall machen sich Störungen in Die unaufhaltfame Erhöhung der Straßenbahntarife, Telegraphen-, Fernsprech- und Eisenbahnverkehr bemerkbar. 3m bie sich wie in allen anderen Städten auch bei uns in Vogtlande wurden große Verwüftungen angerichtet. In den dorBerlin vollzieht, wirft immer wieder die Frage nach dem besten tigen Wäldern sind aufende von Stämmen vom Sturm Tariffyftem auf. Die sehr eingehenden und auf forgfältigst durch niedergelegt worden. gearbeitetem statistischen Material beruhenden Angaben des BerPehrsamtes haben bisher immer wieder den Ausschlag zugunsten Der Tod in den Bergen. Bei einer Stitour an der Brecher des Einheitstarifs als des technisch einfachsten und Spize ist der Münchener Kunstmaler Forchhammer mit feiner fozialgerechtesten Prinzips gegeben. Um aber der Straßen- Frau Emma, geb. Faffold, tödlich abgestürzt. Die Leichentriebe sprach Betriebsrat Schwane bed. Die Verwaltung bahn namentlich an den großen Verkehrspunkten wieder Bublifum der beiden Touristen wurden geborgen. Bei Oberaudorf stürzte zuzuführen, ist jetzt ein neues Projekt aufgetaucht. Es ist vom ebenfalls auf einer Skitour der Volksschullehrer August 3eitler Stadtbaurat Dr. Adler der Vorschlag gemacht worden, von allen etwa 300 Meter hoch ab. Seine Leiche fonnte geborgen werden. wichtigen Verkehrstnotenpuntten, die als Zufuhrpunkte des Berliner Verkehrs zu betrachten sind( so z. B. Potsdamer Bahnhof, Alexanderplay, Lehrter Bahnhof usw.) verbilligte Wochenkarten Berlin und Umgegend. Biemlich mild, veränderlich, überwiegend für die Benutzung verhältnismäßig furzer Streden auszu- trübe mit leichten Regenfällen und lebhaften westlichen Winden. geben. Nach diesem Plan würde z. B. derjenige, der gewohnt war, am Ringbahnhof Potsdamer Plaz auszusteigen und die Straßenbahn zur Weiterfahrt an seine Arbeitsstellezu benutzen, der jetzt aber bei den teuren Preisen auf die Straßenbahnfahrt verzichten muß, eine billige Wochenkarte beziehen können. Eine solche Wochenfarte würde zur Benutzung einer Strecke wie etwa Potsdamer Blah- Spittelmarkt oder Potsdamer Platz- Hallesches Tor usw. Jungsozialisten. berechtigen und würde zu einem solchen Preis ausgegeben werden fönnen, daß die Einzelfahrt im Durchschnitt sich wesentlich billiger stellen würde als der heutige Tarif. Man wird einen 5. solchen Vorschlag erst dann beurteilen fönnen, wenn er in den Einzelheiten vorliegt. Wie wir hören, hat der Verwaltungs- 28. rat der Straßenbahn in seiner gestrigen Sitzung im allgemei= nen den Vorschlägen zugestimmt und die Ausarbeitung einer Vorlage für das Plenum der Verkehrsdeputation befür= wortet. Die Straßenbahnverwaltung hofft durch diese Einrich- 39. tung bei gleichbleibenden Ausgaben den Berfehr heben und damit die Einnahmen steigern zu können. Die Frauen und die politische Lage. Groß- Berliner Partei- Nachrichten der Bereinigten Sozialdemokratischen Partei. Erreicht ist von uns, daß wenigstens bis Weihnachten und über Heute, Dienstag, den 12. Dezember: die Festtage hinaus die Entlassungen in dem geplanten Umfange Ortsgruppe Rorden. In der Schule Putbuser Str. 36, Bor noch nicht stattfinden. Wir werden unser Möglichstes zur Erhaltung unseres Mitbestimmungsrechts tun. tragsabend. Gäste willkommen. fammlung. Morgen, Mittwoch, den 13. Dezember: st. 7½ Uhr im Bürgerheim, Alte Schönhauser Str. 23-24, Mitgliederver bt. 7% Uhr 8ahlabend in folgenden Pokalen: 287. Bezitt bei Boigt, Belforter Str. 21; 238., 29. und 41. Bezirk bei Altmann, Rytestr. 2; 240. Bezirk bei Hahn, Wörther Str. 15; 242b Bezirk bei Richter, Sagenauer Str. 5; 243a und b bei Glabe, Schönhauser Allee 104; 244. Bezirk bei Zundel, Kastanien- Allee 29-30; 245. Bezirk bei Meyer, Oderberger Str. 39. Abt. Achtung, Lokaländerung. Bünktlich 7 Uhr nicht im Jugendheim, Lin denstraße 3, sondern in der Schulaula Wassertorstr. 21, MitgliederversammTung. Ref. Gen. Paul Roste. 77. Abt. Schöneberg. 8 Uhr Bahlabend. 1. Bezirk bei Milde, Nollendorfftr. 13/14, Ref. Gen. Schwindt: Sistorischer Rückblick auf politische Revolutionen"; 2. Bezirk bei Jürgens, Barbarossastr. 5a, Ref. Gen. Bendel: Kulturauf gaben der Gegenwart"; 3. Bezirk bei Wittkowski, Martin- Luther- Str. 78, Ref. Gen. Joachim; 4. Bezirk bei Will, Martin- Luther- Str. 69. 97. Abt. Neukölln. 7½ Uhr Sahlabend des 105. und 106. Bezirks bei Nerlich, Siegfriedste. 46. 138. Abt. Sermsborf. 7½ Uhr Mitgliederversammlung bei Böttcher, Waldsee straße. Neuwahl der Abteilungsleitung. Stellungnahme zur Beitragsfrage 17. und Verschiedenes. Uebermorgen, Donnerstag, den 14. Dezember: Kreis. Lichtenberg. Elternbeiräte. Abends 6 Uhr Fraktionssihung in der Schule Margstraße. Mitgliedsbud als Legitimation. Arbeitsgemeinschaft der sozialistischen Elternbeiräte Bollversammlung in der Mittelschule Marg. Straße abends 7½ Uhr. Devisenkurse. 12. Dezember Käufer Verkäufer ( Geld-)( Brief). Kurs Kurs In der Schulaula in der Weinmeisterstraße fand am Montag eine sehr gut besuchte Funktionärinnenfonferenz statt. An Stelle der Genoffin Reige, die durch einen Unglücksfall in ihrer Familie verhindert war, sprach die Genossin Bohm- Schuch über„ Die politische Lage". Die Rednerin betonte, daß die Sozialpolitit im immigen Zusammenhang mit der politischen Lage stände. Seit dem Rathenau- Mord gestaltete sich die Wirtschaftslage infolge der rapiden Martentwertung außerordentlich schwierig. Die Ermordung Rathenaus war der größte nationalistische Schlag, der dem deutschen Volke versetzt wurde. Es ist furchtbar, daß bis heute fein Weg gefunden wurde, um das physische und moralische Hinabgleiten unseres Voltes zu verhindern. Arm fann der Mensch sein, aber er fann ganz sein, fonnte man früher fagen, aber bei dem heutigen Preise des Nähgarns kann man felbst das nicht mehr verlangen. Die sozialdemokratische Partei ist unablässig darum bemüht, darauf hinzuwirken, daß die notwendigste Ernährung der breiten Massen sichergestellt und die Brotversorgung garantiert wird. Die Stabilisierung der 1 holländischer Gulden Mart märe ein Mittel, das uns helfen könnte. Aber hierzu sind 1 argentinischer Papier- Peso sehr viele wirtschaftliche Voraussetzungen erforderlich. Die Aus- 1 belgischer Frank. gleichung der Staatsschulden und die Aenderung des Frie- 1 norwegische Krone bensvertrages sind nötig. Wenn das fulturelle Niveau des 1 dänische Krone. deutschen Volkes noch furchtbarer herabgedrückt wird, dann würden 1 schwedische Krone wir auch kein Geld mehr für Sozialpolitik haben. Unsere Kriegs- 1 finnische Mark.. Die 1 japanischer Yen schuldenverpflichtungen steigen mit unserer Geldentwertung. Kosten des Bejagungsheeres find ungeheuerlich und zur- 1 italienische Lire zeit wird die deutsche Republil dazu benutzt, um den französischen 1 Pfund Sterling Militarismus zu stärken. Bei der Stabilisierung der Mark müssen 1 Dollar Inland und Ausland zusammenwirken. Wir müssen uns für eine 1 französischer Frank Bolitik der Ruhe und Besonnenheit einsehen. Unruhen bringen uns 1 brafilianischer Milreis nur neue Verpflichtungen. Deutschland muß seine Selbständigkeit 1 Schweizer Frant. in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht wahren. Jede sozialpoli- 1 spanischer Beseta tische Entwicklung hört auf, wenn unsere wirtschaftliche und poli- 100 österr. Stronen( abgest.) tische Selbständigkeit vernichtet ist. Dann ist auch jede Entwicklung 1 tschechische Krone zum Sozialismus in Frage gestellt. Politische Klarheit ist 1 ungarische Krone nötig, damit wir unsere politischen Aufgaben löfen können. Dem 1 bulgarischer Lewa Referat schloß sich eine lebhafte Diskussion an. 1 jugoslawischer Dinar 3371 55 3388 45 3167.06 3182.92 546.13 548.87 1586.02 1593.98 1745.62 1754.08 11. Dezember Käufer Verkäufer ( Geld-),( Brief-) Kurs Kurs 546.13 In der folgenden Aussprache verlangte ein fommunistischer Redner, daß die Versammlung beschließen möge, sich hinter den 15er Ausschuß der Betriebsräte zu stellen. Ihm wurde von Schwanebeck erwidert, daß dieser Weg nicht gangbar sei. Angenommen wurde ein Antrag, der die restlose Beseitigung der Arbeit von Schülern und Schülerinnen fordert, die vom Magistrat im 6. Bezirk beschäftigt werden. Achtung, Metallarbeiter! 3um vergangenen Sonntag hatte der Fraktionsvorstand der PD.- Metallarbeiter 18 Bersammlungen angefekt, zu denen alle Konnten schon die 18 Versamm Metallarbeiter eingeladen waren. langslotale nur insgesamt höchstens 2500 faffen, so war der Besuch dieser Versammlungen nach den uns gewordenen Berichten cin geradezu fläglicher Die Besucherzahl schwankte zwischen 15 und 40 Personen, so daß also insgesamt 500 bis 603 Metallarbeiter diesem bombastischen Aufruf der„ Roten Fahne" Folge feisteten. In diesen Versammlungen wurde in der üblichen Beise gegen die Berwaltung Stellung genommen und zum Schluß dazu aufgefordert, durch Sammlung von Unterschriften einen ,, Massenprotest" nach dem Borstand zu richten. Die Metallarbeiter werden wohl vernünftig genug sein, diese tommunistische Mache zu durchschauen, die Listen anzuhalten und an das Bureau einzusenden. In dem Tarifftreit der Angestellten der Verwaltungs- und Provisionsgeneralagenturen im Versicherungsgewerbe hat ein befonderer Schlichtungsansichus im Reichsarbeitsministerium diesen Angestellten vom 1. November 1922 ab den gleiden 3u= 3391.50 3408.50 ichlag zuerkannt wie er den Angestellten der übrigen Zweige im 3157.08 3172.92 Versicherungsgewerbe durch Schiedsspruch vom 24. November 1922 548.87 mit Wirkung vom 1. November 1922 ab bereits gewährt wird. 1610 96 1619.04 Gleichzeitig hat der Schlichtungsausschuß beiden Parteien empfohlen, 1748.11 1756.89 aus Gründen der Zweckmäßigkeit fünftig die Verhandlun 2269.31 2280.69 2269.31 2280.69 gen über Teuerungszulagen für Angestellte des gesamten Ber208.47 209.53 212.95 214.04 ficherungsgewerbes gemeinsam durchführen zu lassen. 4019.85 4070.15|| 421.44 423.56 426.47 428.53 Die Arbeitslosigkeit in England ist nach der offiziellen Statistit 38802.75 83997.25 88902.50 39097.50 um 7000 gegenüber dem Vormonat gestiegen. Landwirtschaft und 8480.90 8561.10 8448.82 8491.18 Baugewerbe meldeten Erhöhung der Arbeitslosigkeit, Textilindustrie, 541.51 547.49 Bergbau und Fischerei Abnahme. Die Regierung hat eine Summe 1017.45 1022.55 von 450 000 Pfund Sterling für die landwirtschaftliche Beschäftigung 1604.97 1614.03 der Arbeitslosen zur Verfügung gestellt. Es sollen vor allem groß1311.71 1318.29 zügige Drainagearbeiten vorgenommen werden. Zigaretten- Jubustrie. Die em Montag angefehte Sigung der Betriebsräte 11.73 und Bertrauenspersonen findet am Mittwoch nachmittag 4% Uhr bei 267.67 Echrader statt. Der Kartellvorstand. 596.- 599.1007.47 1012.53 1583,53 1591.47 1306.72 1313.28 4049.85 4070.10 11.67 266.83 3.49 65.08 3.51 6542 Berantwortlich für den redaft. Teil: Bictor Schiff, Berlin; für Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag Vorwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: 104.28 104.77 Borwärts- Budbruderei u. Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin, Lindenstr. 3 Vorteilhafte Weihnachts- Angebote. wahl Meter r. 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