Nr.587 39.Jahrgang Ausgabe A nr. 290 Bezugspreis: Für ben Monat Dezember 750 9. Doraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet fowie Desterreich und Buremburg 1250 M., für das übrige Ausland 1750 M. Bostbestellungen nehmen an Belgien, Dänemart, England, Estland, Finnland, Frank reich, Holland, Lettland, Luxemburg, Defterreich, Schweden, Schweiz, Tschechoslowakei und Ungarn. Der Borwärts" mit der Sonntags. beilage Bolt und Reit", der Unter haltungsbeilage..Seimwelt" und der Beilage ,, Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal, Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin" Morgen- Ansgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 25 Mark Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile toftet 250 M. Reklamezeile 1250 M. ,, Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 75 M.( zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 50 M. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen bas erste Wort 40 M., jedes weitere Wort 30 M. 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Reuter erfährt, daß der Beschluß der Konferenz der alliierten Minister über die Ablehnung des deutschen Reparationsplanes gestern abend von Bonar Caw abgesandt worden ist, und daß er besagt, unter den vorliegenden Umständen böten die deutschen Borschläge teine Lösung der Reparationsschwierigkeiten. Der Eindruck in Paris. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Posticheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depositenkasse Lindenstraße 3 Das neue Kohlenprogramm. Bon Heinrich Loeffler. über Die Entscheidung der Reparationsfommission Deutschlands Kohlenlieferungen ab 1. November 1922 ist gefallen. Sie bedeutet keine Erleichterung, sondern erneute schwerste Belastung. Deutschland soll, wie schon mitgeteilt, monatlich liefern: 1,6 Millionen Tonnen Steinkohle Kenworthy fragte den Premierminister, ob er, bevor sich aus seiner eigenen Förderung, 125 000 Tonnen aus dem an das Haus vertage, eine Erklärung über die deutschen Reparationen Polen gefallenen Teil von Oberschlesien, die Deutschland fäufabgeben werde? Bonar Caw erwiderte, wie das Haus wisse, lich zu erwerben hätte und 20 Broz. von der Mehrförderung follen die in London erfolgten Unterredungen Anfang Januar in über 8,3 Millionen Tonnen im Monatsdurchschnitt. Zusammen Paris fortgesetzt werden. Unter diesen Umständen werde es für ihn ergibt das eine Forderung von 1,954 Millionen Tonnen nicht möglich sein, auf die Erörterungen Bezug zu nehmen, Rohleje Monat. Gleich fei es gefagt: es ist unmöglich, diese die bereits stattgefunden hätten. Es gebe jedoch eine Frage, Bedingung zu erfüllen. Ebensogut tönnte von einem schwächlich nämlich die Frage der europäischen interalliierten Schulden, die in und unterernährten Menschen verlangt werden, daß er Bierder Presse erwähnt worden sei und daß fie als ein gewiffes stimmen zum Abbruch der Londoner Konferenz bezeugen die ab- wie jene, die vor der oberschlesischen Teilung Die vorliegenden regierungsfrommen französischen Preffe zentnerlasten trage. Die jetzt beanspruchte Menge ist größer Abgehen von der früheren Politik( nämlich von dem Stand- folute Ratlosigkeit der offiziellen Bariser Kreise. Man tröstet von Deutschland gefordert wurde. Das damalige Lieferfoll, punkt, den England in der Balfour- note zum Ausdrud brachte, als es unter Hinweis auf die eigenen Schulden an Amerika, sich zwar mit der Hoffnung auf eine Zurückziehung der Balfour- Mai bis Juli 1922, betrug 1,916 Millionen je Monat. Auch Frankreich, Italien und Belgien an ihre Kriegsschulden an Frage der Ruhrbesehung, doch kommt zwischen den Zeilen immer nicht erfüllt werden. Haben denn die hohen Bedingungen Note und auf eine weitere Unterstüßung durch Mussolini in der dieses konnte beim besten Willen und höchster Anstrengung England erinnerte. Red. d.„ Vorwärts".) der Regierung angesehen wieder die Besorgnis zum Ausdrud, daß man am 2. Januar etwa den Zweck, um wieder einmal Deutschlands angebliche werden könne, jo halte er es für beffer, fo weil er könne, die Auf- in Paris genau so weit sein werde wie zuvor. Die Opposition von Verfehlungen feststellen zu können? Fast sollte man dies merksamkeit auf die von ihm gebrauchten Worte zu lenken. Bonar Law faye fort: 3d fagte, es wärde nicht recht fein, rechts( Tardieu im„ Echo National"," Figaro" usw.) ist mit glauben. daß die Regelung in einer solchen Weise feffgefeht würde, daß wir Boincaré sehr unzufrieden. Auch Nervé rückt in der„ Bictoire" Die Entente quittierte 1921 über den Empfang von allein von allen alliierten Ländern fatsächlich eine Entschädigung von ihm merklich ab. Die Presse der Linken kritisiert ebenfalls sehr 11,657 Millionen Tonnen Steinftohle, 4.333 Millionen Tonnen zahlen würden.( Beifall.) Was mir billig erschien, war den ge- scharf das Verhalten des französischen Ministerpräsidenten. Es ist Rots und 609 000 Tonnen Braunfohlenbriketts. Rots auf famten Betrag, der von Deutschland nicht bezahlt daher anzunehmen, daß dieser einen sehr schweren Stand vor der Steinkohle umgerechnet, ergibt eine Jahreslieferung von werden kann, zu erlegen und zu sagen, da wir nicht alles Rammer haben wird, wenn er dort Freitag bei der Beratung 18,156 Millionen Tonnen oder 1,513 Millionen Tonnen von Deutschland erhalten, was wir erwarten, müssen wir un- des Etats des Auswärtigen das Wort ergreift. Steinkohle im Monat. Nach der überaus ungerechten Teilung fere Forderung ermäßigen. Aus diesem Grunde- und in Oberschlesien und gemessen an der Kohlenförderung von Entschuldigungsschritte der Bürgermeister. 1921, hat Deutschland jetzt 16,5 Proz. weniger Kohlen zur Der Bürgermeister von Ingolstadt, Dr. Gruber, der erfte parationsfommission die durchschnittliche Monatslieferung von Berfügung. Wäre es nicht recht und billig, wenn die ReBürgermeister von Bassau, Dr. Sittler, und der zweite Bürger- 1921 unter Abrechnung des für die deutsche Steinfohlenfördemeister von Bassau, Weiß, haben der Interalliierten Militär- rung in Oberschlesien eingetretenen Berluftes von 16,5 Proz fommission in München erneut ihr Bedauern über die Bor- zur Grundlage ihrer Entscheidung gemacht hätte? Dann wäre gänge mündlich und schriftlich zum Ausdrud gebracht, die sich in Deutschland verpflichtet, monatlich 1,263 Millionen Tonnen zu den betreffenden Städten abgespielt haben. Sie haben dabei unter ausdrücklicher Betonung, daß ein eigentliches Berschulden ihrer Behörden nicht vorliegt, diesem Bedauern die Bedeutung eines Er suchens um Entschuldigung verliehen. ich glaube, dieses ist eine wichtige Erklärung fügte ich hinzu: Wenn wir eine Möglichkeit einer völligen Regelung fähen in der Aussicht auf endgültigen Abschluß, so wären wir bereit, ein gewiffes Rifito zu laufen, nicht so viel von den Alliierten und von Deutschland zu erhalten, als wir 2 merita vielleicht werden zahlen müssen. Ich fügte hinzu, es sei sicher und jedermann würde zufämmen, daß es schwierig fein würde, ein solches Zugeständnis zu machen, wenn die gesamte Cage von neuem erörtert werden soll. Staatspräsident, Monarch, Diktator? Bayerns größte Sorge. München, 12. Dezember.( Eig. Drahlbericht.) Die Candtagsfraktion der Bayerischen Bollspartel hat einen Antrag auf Schaffung eines Staatspräsidenten mit weitgehenden, an die Machtbefugniffe eines monarchen erinnernden Rechten im Bayerischen Landtag eingebracht. Der Antrag wurde am Diens. fag im Verfaffungsausschus behandelt. Abg. Held behauptete in feiner Begründung, daß der Staatspräsident zur Stärkung des Parfaments eine Notwendigkeit jei. Der deutschnationale Redner Abg. Silpert forderte die Wahl des Staatspräsidenten durch das Boll: der demokratische Redner Abg. Müller- Meiningen erklärte, es fel merkwürdig, daß man die Vereinfachung der Staatsverwaltung mit der Errichtung eines neuen Würdenträgers gewinnen wolle. Man fönne mit einer Personalunion des Ministerpräsidenten und Staatspräsidenten einverstanden sein. Seine Partei wende sich aber gegen die Schaffung eines Staatspräsidenten, wie es der vorliegende Antrag will. Itatsächlich wolle der Antrag dem Staatspräsidenten so weitgehende Befugniffe geben, daß man von einem Diftator sprechen könne. Für die Sozialdemokratie führte Abg. Endres aus: Die Bayerische Volkspartei hat nach Einigkeit und Notgemeinschaft gerufen und kommt jetzt mit einem Antrag, der weite Boltstreise vor den Kopf ftohen muß. Wenn die Nationalsozialisten in unerhörter Weise das Parlament schwächen dürfen, braucht man liefern. Waltete sodann noch Gerechtigkeit in der Sortenfrage ob, dann hätte die Reparationsfommission eine Zahl, deren Erfüllung fie verlangen tönnte und die dann auch geliefert werden müßte. Leicht würde es noch nicht sein, diese menge bis zur letzten Tonne zu liefern. Es wäre dann aber eine gegen einen neuen Krieg bezeichnet wird. Leute, die dagegen Einfachliche Beurteilung der deutschen Wirtschaftslage erfennwände vorbrächten, mache er auf den internationalen Cha bar, die wir bislang bei den Entscheidungen der Reparationsrakter aufmerksam, den der Streit haben müsse. Ein Teilstreit oder fommission permißt haben. Dies würde ein Gefühl der ErGeneralstreit in einem einzigen Land könne natürlich feinen Sinn leichterung hervorrufen und den Erfüllungs- und Berständihaben. Der Bölkerbund sei eine unvollkommene Institution. Es gungswillen steigern. Ist denn das so schwer zu begreifen? müßte endgültig verboten werden, sich selbst mit Waffengewalt Recht Unter den jezigen Kohlenlieferungsbedingungen wird zu verschaffen. Die Menschheit sei reif, fich von dem Berbrechen des Deutschland ruiniert. Diese Sachlieferung ist nach Rrieges freizumachen. Hierbei dürfe man die Jugenderziehung nicht berborgenommenen oberschlesischen Teilung vergessen. Das heranwachsende Geschlecht müsse im Geifte der Brüderlichkeit und Freiheit aufgezogen werden. An Stelle des nicht anwesenden Professors Quidde betonte Het mut von Gerlach die Notwendigkeit, die Arbeiten planmäßig mit anderen Bazififten zusammen vornehmen zu lassen. Man müsse vorschlagen, daß als Ergebnis dieser Konferenz vom Bureau des Internationalen Gewerkschaftsbundes in Amsterdam ein ständiger Ausschuß gebildet merbe, dem in erster Linie Vertreter dieses Bureaus und folcher großer internationaler Organisationen angehörten, welche die gleichen Ziele verfolgten, wie z. B. das internationale Friedens. bureau in Bern, die Völkerbundsvereinigung in Brüffel und die Liga für Menschenrechte. Der Sekretär bess Internationalen Gewerkschaftsbundes, immen, hielt darauf eine Rede über die Aufgaben der organisierten Arbeiter Stiles, die einfach untragbar ist. Das beweist die Kohlenausgeartet zu einer Finanzbelastunnggrößten einfuhr nach Deutschland in Tonnen und ihr Wert in Goldmart, frei deutsche Grenze oder deutschen Einfuhrhäfen. Es wurden in den letzten 5 Monaten eingeführt: Monat Juli August September. Oftober. November 9 Tonnen Wert in Goldmart 2 894 933 51 008 404 2 385 784 48 771 679 2 885 088 50 727 828 2331 936 61 878 986 971 243 Summa 10 418 884 25 562 080 287 443 877 Die Zahlen für November find noch nicht endgültig. Es fehlen noch die Einfuhrziffern aus Ost- Oberschlesien und der Tschechoslowakei. Dessenungeachtet ist aber ein Nachlassen in der Kohleneinfuhr ersichtlich. Das ist nicht etwa zurückzuführen darauf, daß vielleicht Deutschlands Bedarf geringer geworden sei, sondern auf das Verfahren von Ueberschichten fich nicht zu wundern, wenn das Vertrauen zum Parlament unter. für den Weltfrieden, in der er sich heftig gegen den Krieg in allen und dann in der Hauptsache auf den Sturz der fein. Es ist unverantwortlich, in einem bevorstehenden Winter Die zum Kampf gegen den Krieg berufene Organiſation fei zweifel härtester Not Verfassungsfämpfe herbeizuführen. Der Redner des los die gewertschaftliche, weil sie die Massen einschlößfe, wie Bauernbundes ängert sich in gleichem Sinne wie der Redner denn auch schon im Jahre 1920 der in London abgehaltene Gewerk. der Demokraten. Minister des Innern Dr. Schweyer feilte fchaftstongreß sich für den Kampf gegen den Krieg durch Waffen mit, daß die Regierung bereits einen Gefeßentwurf treit und Bontott ausgesprochen habe. Freilich dürfe man ausgearbeitet hat, der aber noch nicht das Ministerium nicht leichtsinnig mit dem Generalstreik und dem Bonkott spielen. paffiert habe. Schließlich wurde der Untrag mit der Ergänzung der Frau Berler( Deutschland) stimmte den Ausführungen Fimmens miitelparteien, den Staatspräsidenten vom Bolt wäh- 3u, die Arbeiter müßten sich weigern, ihre Hände durch die Teil len zu laffen, mit 15 gegen 13 Stimmen angenom men. Gegen den Antiag fimmten die sozialistischen Parteien, die Demokraten und der Bauernbund. Ob der Antrag im Plenum des Landtags die erforderliche Zweidrittelmehrheit erlangen wird ist zweifelhaft. Der Weltfriedenskongreß. Haag, 12. Dezember.( BTB.) In der gestrigen Nachmittags Figung bes eltfriedenstangreffes führte der Bertreter der franzöfifchen Biga für Menschenrechte, Profeffer Buiffon, aus, die Liga für Menschenrechte billige die Grundsäße der Entschließung von Rom in der ser infernationale Generalstreit als Abwehrmittel gebracht werden. Nach dem jeweiligen Durchschnittskurs der genannten 5 Monate umgerechnet, beträgt der Bert der Kohleneinfuhr in Papiermart 185 138 367 458- eine 3ahl von astronomischer Größe. Allein im November wurden für rund 971 203 Tonnen Kohle 43,608 Milliarden Papiermark benötigt. Ein Nachlassen der Kohleneinfuhr, ohne daß in Deutschland dafür Ersatz gefchaffen wird, bedeutet Nachlassen unserer Wirtschaft und weiteres Hinabgleiten. nahme an einem Krieg zu befudeln. Das gleiche gelte für die Die fohlenwirtschaftliche Lage Deutschlands ist der ReFrauen. Losomsky( Rußland) protestierte dagegen, daß die parationsfommission eingehend dargestellt worden. Einmal, Mehrheit seiner Kollegen nicht nach Holland zugelassen worden sei, als sie in Berlin weilte, von deutschen Sachverständigen, dann Bazififten. Dumoulins( Frankreich) entfräftete die Darlegungen die gleichfalls verlangte, daß das deutsche Kohlenlieferungsund erhob ferner Einspruch gegen die Anwesenheit bürgerlicher auch von der Internationale der Bergarbeiter, Losowskys und stellte fest, daß die Arbeiterschaft durch ihr Su- programm wesentlich ge mildert werden müßte, sowohl im sammengehen mit den bürgerlichen Pazifisten noch lange nicht auf Intereffe der deutschen Wirtschaft wie auch im Interesse der die Berwirklichung ihrer eigenen Ziele verzichte. Graßmann Bergarbeiter anderer Länder, besonders jener in Belgien, ( Deutschland) billigte die Ausführungen Dumoulins, die er noch England und Frankreich. burd die Bemertung ergänzte, daß die deutschen Arbeiter bereit leien, die Berwüstungen des Krieges wieder gutzumachen, aber nicht woll ten, daß das Ergebnis dieser Arbeit dem Militarismus zugute tomme. Der durch die Besetzungstruppen ausgeübte Drud fei übrigens auf die Dauer unerträglich. Mehr als burch deutsche Rundgebungen hat das Borgehen der Berarbeiterinternationale die internationalen Schäden ber übertriebenen deutschen Zwangsfohlenlieferungen aufgezeigt. In den anderen Ländern Feierschichten für Berglarbeiter und Arbeitslose, in Deutschland höchste Kohlennot trog Ueberarbeit! Und dazu muß das verarmte Deutschland Hunderte von Millionen Goldmark verausgaben, um sein Kohlendefizit zu decken. Um wieviel tausend Punkte die deutsche Papiermark durch diese Kohleneinfuhr der letzten Monate gejunten ist, ist nicht zu übersehen. Möge es den vereinten Bemühungen der Bergarbeiterinternationale gelingen, in den wirtschaftlichen Widersinn, der sich da offenbart, Vernunft zu bringen, ehe es zu spät ist. Cuno und die Industrie. Reichskanzlerrede im Reichswirtschaftsrat. Die feierliche Uebergabe des neuen Dienstgebäudes in der Bellevuestraße an den Vorläufigen Reichswirtschaftsrat gab dem Reichskanzler Dr. Cuno Anlaß zu Die Gewerkschaften bei Dr. Luther. Das Programm der sächsischen Regierung. Genoffe Buck über Republik und Sozialismus. Geleitet von dem Bestreben, möglichst rasch nach Antritt Dresden, 12. Dezember.( WTB.) In der heutigen Sihung des feines Amtes in Fühlungnahme zu fommen mit den deutschen Konsumenten- und Produzentenkreisen, hat der neue Reichs- Landtages gab der wiedergewählte Ministerpräsident Bud eine ernährungsminister Dr. Luther in den letzten Tagen nicht Regierungserklärung ab, in der er zunächst mitteilte, daß er seine mur die Parteiführer, sondern auch Vertreter der Landwirt früheren Ministerkollegen mit der Fortführung ihrer Aemter betraut schaft und anderer Kreise empfangen. So folgten am habe. Zu seinem Stellvertreter sei Minister Lipinski bestellt worden. Dienstagabend Bertreter der Gewerkschaften einer Einladung Sodann hob der Ministerpräsident in Entwicklung seines Programms zu Dr. Luther zur Aussprache über den Standpunkt der Ge- u. a. hervor, daß langwierige Verhandlungen mit dem Reiche über werkschaften als Verbraucherorganisation, ohne anderweitige Verteilung der Reichssteuern zwischen daß dabei grundlegende Fragen der Ernährungspolitik und Reich, Ländern und Gemeinden schwebten. Die Wohnungsnot Ernährungswirtschaft erörtert wurden. Die Sitzung des Auswärtigen Ausschusses. Bohnungsbau habe nicht ausgereicht, um die geplanten 1400 WohEine Berichtigung Tr. Breitscheids. Genosse Dr. Breitscheid schreibt uns: einer politischen Rede. Nachdem er der Geschichte und der Tätig feit des Reichswirtschaftsrates gedacht hatte, begrenzte er den Aufgabenfreis des wirtschaftlichen Gutachterparlaments dahin, daß diefes mur zu beraten und anzuregen, die RegieUeber die letzten Verhandlungen des Auswärtigen Ausschusses, rung diber zu führen und zu entscheiden habe. Es gäbe dessen Sigungen bekanntlich nach den Bestimmungen der Verfassung teinen machtfattor, fein Kraftzentrum der Wirt- pertraulichen Charakter tragen, ist von der Korrespondenz schaft, das start genug wäre, der Regierung die Füh- DTA. ein ausführlicher Bericht verbreitet worden. Was den Verrung aus der Hand zu nehmen, versicherte der trauensbruch an sich betrifft, so ist im„ Borwärts" darüber beReichskanzler unter lebhafter Zustimmung, aber man bedürfe reits das nötige gesagt worden. Es muß aber noch hinzugefügt der Mitarbeit und der Unterstützung der öffentlichen Kreise. werden, daß diejenige Persönlichkeit, die den Bericht erstattet hat, Hier machte also Dr. Cuno den Bersuch, die Industrie, die sich offenbar nicht in der Lage war, die Verhandlungen forreft wieder gegen die Mitarbeit an der Erreichung einer Goldanleihe zugeben, denn die Darstellung wimmelt von Unrichtig fträube, etwas, wenn auch nur eine Nuance nachdrücklicher, feiten. als durch das offiziöse Dementi zur Ordnung zu rufen. Und er hatte damit den Beifall des Hauses bis in die Reihen der Industriellen hittein. Bas Herr Tuno zur Reparationspolitik sagte, hätte eben fogut aus dem Munde Wirths fommen fönnen. Nur eine attive Politit positiver Mitarbeit an der Lösung der Reparationsfrage fönne uns helfen. Darum habe man jetzt positive Borschläge gemacht, die zwar feine endgültige Lösung vorstellten, aber ihr Borbote sein fönnten. Es sei wenig befriedigend, daß dieser Vorschlag in London nicht die erwartete Beachtung gefunden und zu gemeinsamer Berhandlung geführt habe. Nicht nur die Einheit unserer Wirtfchaft, sondern auch unserer Stämme und Länder müsse gewahrt werden. Aus der ganzen Rede flang der schüchterne Wille Dr. Cunos, die Bahnen der alten Politif weiterzugehen, ohne in den Reihen der eigenen Leute anzustoßen. Demgegenüber gefiel sich der derzeitige Vorsitzende des Reichswirtschaftsrates, Edler v. Braun, in der Geste des starten Mannes, der zur Einigkeit auch gegenüber dem Ausland aufruft.„ Das deutsche Bolk wird zusammen sterben müssen, wenn es nicht zusammen zu leben versteht," sagte er, offenbar vergeffend, daß der hohe Brotpreis von seinen Freunden, den Agrariern, gemacht wird. Neue Löhne für Stactsbedienstete. Ich beschränke mich natürlich auf meine eigenen Ausführungen. Ich habe nicht gesagt, daß der Rapallo- Bertrag zu früh abgeschlossen worden sei. Ich habe vielmehr festgestellt, daß die Sozialdemokratie von jeher für die Herstellung forrefter und guter Beziehungen zu Sowjetrußland eingetreten sei, und ihr Einverständnis auch mit den jetzt vorliegenden Verträgen erfläre. Ich persönlich und andere meiner Freunde hielten und halten aller dings auch heute noch die Unterzeichnung des Vertrages während der Konferenz von Genua für unzweckmäßig und verfehlt. Zweitens: Ich habe nicht gefordert, daß der vertriebenen Regierung von Georgien gestattet werde, in Deutschland eine Gesandtschaft zu erhalten". Ich habe vielmehr nur den Wunsch aus gesprochen, daß die Vertreter der früheren sozialdemokratischen Regierung in Georgien die Möglichkeit erhielten, bezüglich der Erteilung von Päffen, Aufenthaltserlaubnis usw. Anregungen an die deutsche Regierung gelangen zu lassen, die in ähnlicher Weise Be rüdsichtigung fänden, wie sie beispielsweise diejenigen der monarchistischen Russen bisher erfahren haben. Auch sollten die von der bisherigen georgischen Vertretung erlangten Aufenthaltsscheine weiter Gültigkeit behalten. in Sachsen sei trotz der seit 1919 erfolgten Schaffung von 15 380 Wohnungen nicht behoben worden. Die vom Landtag bewilligte aber nicht voll aufoebrachte 500- Millionen- Mark- Anleihe für den nungen herzustellen. Zurzeit schwebten Verhandlungen mit der Reichsregierung wegen der Beschaffung weiterer Mittel für den Wohnungsbau. Ein Gesezentwurf über die Schaffung von Wohnungen durch gewerbliche und landwirtschaftliche Unternehmen sei in Borbereitung. Die sozialen Baubetriebe sollen weiter gefördert werden. Die Regierung werde es sich zur Pflicht machen, nach besten Kräften und im Rahmen ihrer Zuständigkeit die Gesetzgebung des Reiches so zu beeinflussen, daß der Gedanke der Gemeinwirtschaft in der Gesamtwirtschaft unseres Volkes immer mehr zur Wirklichkeit werde, um schon jetzt den sozialistischen Wirtschaftsstaat planmäßig vorbereiten zu helfen. Der fächsische Staat werde bemüht sein, die landwirtschaft liche Produktion mehr und mehr in eigene Regie zu nehmen. Zwölf Staatsgüter würden jetzt schon von ihm nach erfolgter Umstellung mit voraussichtlich gutem Erfolge selbst bewirtschaftet. Sur Regelung der Volfsernährung werde die fächsische Staatsregierung nicht davor zurückschreden, vom Reiche notwendige Eingriffe in die freie Wirtschaft zu verlangen. Ein Berufsschulgesetz sei in Bearbeitung. Nachdem die Reihe der Einzelgebiete des Schulwesens bearbeitet und gestaltet sein werde, sei ein das Ganze zusammenfassendes und leichte Uebersichtlichkeit herbeiführendes Landesschulgesetz zu schaffen. Die Trennung zwischen Kirche und Staat werde die sächsische Regierung weiter zu fördern suchen, um hier endlich flare Berhältnisse herbeizuführen. Ferner, fuhr der Ministerpräsident fort, werde dem Landtag ein Gefehentwurf vorgelegt werden über die Aufhebung der öffentlich- rechtlichen Sonderrechte des vormaligen Rönigs. hauses. Der Ministerpräsident schloß mit den Worten: Ich habe zu Beginn der heutigen Sigung auf den von mir am 9. Dezember 1920 geleisteten Eid, nach dem ich Treue der Landesverfassung ges schworen habe, Bezug genommen. Meinen Ministerkollegen habe ich Drittens: Ich habe nicht gesagt, daß die russische Außen- diesen Eid ebenfalls bei ihrem Amtsantritt abgenommen. Damit politit beabsichtige, Deutschland als Vorspann zu benutzen. Ich bin haben meine Kollegen und ich unzweideutig das Bekenntnis zur Staatsform bevielmehr auf die Mitteilung des Herrn Außenministers eingegangen, republikanisch- demokratischen nach der Tschitscherin bei seinem letzten Aufenthalt in Berlin fundet. In dieser Staatsform zwingt die Entwicklung zur Neuge den Rat gegeben habe, sich den Ansprüchen Frant- staltung der Gesellschaft im sozialistischen Sinne. Hier ben reichs zu widersehen, und habe bemerkt, daß solche Rat Beg zu ebnen, wird richtunggebendes Brinzip für die Arbeit der schläge für uns zwar sehr intereffant feien, daß fie aber nicht maß- Regierung sein. In diesem Sinne appellierte schließlich der MinisterDie Berhandlungen über die Lohnerhöhungen für Reichs- gebend für uns sein dürften, da es feinen Sinn habe und gefährlich präsident an die gemeinsame Hilfe der Mitglieder des Hauses, die und Staatsbedienstete haben für den Stichmann( Lohn- fei, Rußland etwa gegen die Weftmächte auszuspielen. Des weite- vorliegenden Aufgaben zu erledigen zum Wohle des Volkes, der gruppe V) für die erste Dezemberhälfte eine ren habe ich auf die russische Politik in Lausanne verwiesen, die den sächsischen und der deutschen Republic. Stundenlohnerhöhung von 40 M. ergeben, für die zweite Anschein erwecke, als wolle die Sowjetregierung türkischer sein als Dezemberhälfte weitere 40 m. pro Stunde, so daß die die kemalistische Regierung. Deutschland müsse sich selbstverständlich Stundenlöhne wie folgt betragen: hüten, infolge einer allzu starten Betonung seiner freundschaftlichen Gruppe I II VI VII Beziehungen mit Rußland in diese Affäre hinein verwickelt zu werden. Es ist höchst unerquicklich, daß solche Berichtigungen gegeben Für die erste Hälfte 223 217,50 212 206,50 208 201,- 199 werden müssen, aber sie werden unvermeidlich, wenn nicht endzweite 267 260,50 254 247,50 248 240,50 238 ich dafür Sorge getragen werden kann, daß die Dieser Lohnfah verringert sich von Ortsklasse zu Ortsklasse Berhandlungen des Auswärtigen Ausschusses tat um je 4,40 m. in der ersten Hälfte und 5,20 m. in der zweiten sächlich geheim bleiben. Man wird jedenfalls den WurHälfte des Monats Dezember. Der Lohn der weiblichen zeln der neuesten Indiskretion mit Eifer nachgehen müssen und das Bediensteten beträgt jeweils 70 Broz. der Lohn- um so mehr, als ein bestimmter Grund für die Annahme vorliegt, gruppe VII. Der Soziallo hn erhöht sich für die Frau daß die der Zeitungstorrefpondenz gewordenen Mitteilungen nicht von 10 auf 15 Mt. und für das Kind von 15 auf 20 m. pro auf einen Abgeordneten, sondern auf einen Regierungs. Stunde. pertreter zurückgehen. 3046 W 07. Dr. III IV gr. M. V 907. 907. Ja, wenn ich damals... Bon Friz Müller, Chemniz. 902. 1. Ja, wenn ich damals, als der Dollar auf 60 stand, meine Erbschaft von 6000 m. in Dollar angelegt hätte, da hätte ich jezt ein Vermögen im Betrage von 800 000 m.! 2. Ja, wenn ich damals, statt mein Klavier zu verkaufen, die 300 M. irgendwo geborgt hätte, die ich beim Umzug brauchte, da befäme ich jetzt für die Drahtkommode mindestens eine halbe Million Mart! 3. Ja, wenn ich damals das Häusel gekauft hätte! 14 000 m. toftete es. 4000 m. hatte ich. Und die 10 000 m. Hypothefen könnte ich jetzt mit Leichtigkeit abstoßen! 4. Ja, wenn ich damals die 5000 Stück Zigarren genommen hätte, die mir der Zigarrenfrize statt der 200 m. anbot, die er mir schuldig war! Da hätte ich, der ich mir nur Sonntags eine Zigarre leiste, bis an mein Lebensende etwas zum Rauchen! 5. Ja, wenn ich damals, als mein erster Junge in die Schule fam, gleich ein paar Groß Stahlfedern zugelegt hätte! 6. Ja, wenn ich damals, wo die drei Paar Schnürsentel einen Groschen tofteten, jedem Haufierer etwas abgetauft hätte! 7. Ja, wenn ich damals meinen drei Töchtern pompöse Ausstattungen auf Abzahlung gekauft hätte! 8. Ja, wenn ich damals, als der Schneider zu meinem Ent. fegen sagte, ein Anzug fofte nunmehr 125 M., mir gleich 10 Stud hätte anfertigen lassen! 9. Ja, wenn ich damals die vielen Bücher, Noten, Bilder, Altertümer ufw., die mein Freund hinterließ, feinen Angehörigen für bie 5000 m. abgetauft hätte, die sie dafür forderten! 10. Ja, wenn wir damals unsere Hochzeitsreise nicht in die Fränkische Schweiz, sondern nach Tirol gemacht hätten! 11. Ja, wenn ich damals für die Kinder, die ich schon hatte und die noch hätten fommen fönnen, Ronfirmationsausstattungen gebamstert hätte! 12. Ja, wenn ich damals die einzige Tochter des Gutsbe. figers F. in 0. geheiratet hätte, die ich damals mit geschmazten Händen bekommen hätte! Die Aussprache über die Regierungserflärung wurde auf Donnerstag, den 14. Dezember, vertagt. Nach Erledigung kleiner Borlagen schloß die Sizung. Reaktionäre Siege. München, 12. Dezember.( WTB.) Das Plenum des Bayerischen Landtages lehnte die bereits vom Verfaffungsausschuß abgelehnten Anträge der Kommunisten zugunsten einer allgemeinen Amnestie für die politischen Gefangenen und einer Freilassung der in Niederschönenfeld inhaftierten Abgeordneten Hagemeister, Sauber und Toller ab. Ebenjo wurde ein sozialdemokratischer Antrag auf foforfige Aufhebung der Boltsgerichte abgelehnt. sich in der Weise ,, vorgesehen" haben, wie damals es ebenfalls getan| staatsgefährlich erscheint, in Acht und Bann erklärt. Die nüchternen zu haben ihr jetzt wünscht! Ich kenne sie alle genau, habe aber nicht die geringste Lust, mit ihnen zu tauschen. Und ihr, meine lieben Freunde, würdet es auch nicht tun! Der gute Holländer und der böse Barnowsky. Nach einem Streit gibt es immer allerlei Nachwehen. Bei einem Schauspieler streit erst recht. Felig holländer will durchaus nicht das Opfer feines Rontraftes, sondern nur ein gutes Mitglied des Bühnenvereins sein. Er berichtigt unsere aus dem„ Tagebuch" von Stefan Großmann abgedruckte Glosse: " Der Schauspieler des Deutschen Theaters irrt vollkommen, wenn er annimmt, ich hätte einen fürchterlichen Vertrag" mit Reinhardt. Ich habe diese Legende bereits in der Schlußverhandlung zwischen Genossenschaft und Verband Berliner Bühnenleiter gründlich zerstört. Es ist freie Erfindung, wenn der Verfasser der Glosse behauptet, daß ich Abend für Abend% der Bruttoeinnahmen an den Berpächter abführen muß. Der Pachtvertrag zwischen mir und Mag Reinhardt wurde auf 3 Jahre abgeschlossen. Die jähr. liche Bachtsumme, die in Rücksicht auf die heutigen Berhältnisse fächerlich gering ift, beträgt für das Deutsche Theater und die Rammerspiele 500 000 m. für das ganze Jahr. In diesem Frühjahr wurde eine zweijährige Verlängerung des Bachtvertrages vereinbart, wobei nach meinem eigenen Borschlag als Abnüßung für den gesamten Fundus und für die maschinellen Anlagen und Einrichtungen eine Abgabe von 6 Proz. der Einnahmen festgesetzt wurde. Diese Abgabe ist so gering, daß sie in gar feinem Berhältnis zu der Entwertung steht. Im übrigen bin ich jederzeit bereit, dem Mitglied des Deutschen Theaters die Einsicht in meine Berträge zu gestatten, damit er gemeinsam mit mir an der Zerstörung dieser Legenden arbeitet." Das Recht der Büchereinsichtnahme sollte freilich in allen Theatern von Rechts wegen gewährt werden. Wenn die Direktoren wirklich so schlecht stehen, wie sie behaupten, fönnte ihnen ja gar fein befferer Gefallen getan werden. Ist Felix Holländer recht ein Mustermitglied des Bühnenvereins, so hat Biktor Barnowsky, der Direktor des Leffing- Theaters, um so ärger gegen das Unternehmerprinzip gefrevelt. Der Berliner Bezirksverband der Direktoren hat einstimmig seinen Ausschluß aus dem Bühnenverein wegen unkollegialen Verhaltens während des Streits" beantragt. Barnowsky erklärt dazu:" Nach den Erfahrun Ja, wenn ich damals..! Angenommen, du hättest gen, die ich besonders in den letzten Wochen mit den Berliner wirklich die Dollar gekauft, du das häusel, du die 3igarren, Theaterleitern gemacht habe, fann es mich nicht überraschen, daß du die Schnürsenkel, du die Konfirmationsaus stat fie fich einstimmig entschloffen haben, den Direktor des Leffingtungen, du ein paar Groß Stahlfedern; angenommen, du Theaters, der seit 18 Jahren an verantwortungsvollster Stelle im hättest dein Klavier nicht verkauft, du hättest deine Hochzeits- Berliner Theaterleben steht, öffentlich anzuflagen, ohne ihm vorher reise nach Tirol gemacht, die Ausstattungen auf Abzahlung Belegenheit zu geben, die Gründe für seine den Herren Theatergetauft, die Anzüge, die Bücher usw., die konfirmanden direktoren nicht bequeme Stellungnahme zum Schauspielerstreit ausstattungen gehamstert; angenommen, du hättest die flarzulegen. Egoistischer als die Motive des einstimmig entrüfteten Bauerntochter, das dumme, anspruchsvolle und imgebildete Verbandes der Berliner Bühnenleiter sind sie wahrhaftig nicht gewefen." Ding, statt deiner Frau geheiratet, die jo trefflich zu dir past;.. D angenommen, ihr hättet das wirklich getan, glaubt ihr denn wirklich, Die Schulpuppe. Alle derzeitigen Machthaber Rußlands haben daß ihr da jegt glüdlicher feid?-Ich tenne verschiedene, die die Buppe, die dem gewöhnlichen Untertanenverstand nicht eben Bolschemisten gehen dabei von der Anschauung aus, daß die russischen Mädchen um jeden Preis davor behütet werden müssen, sich von dem realen Weg des Lebens durch ein illufionäres Spielzeug bürgerlicher Herkunft ablenten zu lassen, ein Spielzeug, das den Kleinen die verderblichen Aufregungen des Traums vermittelt. Auf dem geradezu entgegengesetzten Standpunkt steht die französische Unterrichtsvermaltung, die die Puppe fogar zum Rang eines offiziellen Lehrgegen ftandes erhoben hat. Die große pädagogische Sensation des Jahres bildet in der Tat die Schulpuppe, und die Berichte, die die Schulinspektoren an das französische Kultusministerium erstatten, bezeugen einmütig das günstige Ergebnis diefer Neuerung, deren Einführung bisher auf einige Departements beschränkt war. Jede Klasse, der Mädchenschulen befigt eine große Buppe, die von den Schülerinnen vergöttert wird, und um die sie sich streiten. Sie dient als Lehrmittel für den Unterricht in der Säuglingspflege. Die Mädchen beschäftigen sich damit, die Puppe an- und auszuziehen, sie zu wiegen, zu baden, ihr eine Ausstattung anzufertigen und sie in einem angeblichen Krankheitszustand mit aller Gewissenhaftigkeit zu pflegen. Den Lehrerinnen bietet die Buppe Gelegenheit, ungezählte theoretische Hinweise an das Spiel zu fnüpfen, Hinweise, die darauf abzielen, in dem Rinde das Muttergefüht wachzurufen und zu entwickeln. Der Bühnenvolfsbund, das christlich- nationale Gegenstück zur Boltsbühne, hat sich für Berlin ein eigenes Theater gesichert. Es find Abmachungen mit dem Theater in der Romman bantenstraße getroffen worden, die es der Theatergemeinde des Zührenvoltsbundes zur Verfügung stellen. Ins ehemalige Herrenfeld theater wird also ein neuer Geist einziehen. Im Neuen Boltstheater gelangt Freitag Byrons, Sardanapal" in der Keinzichen Ueberlegung, ergänzt und bearbeitet von Wilhelm Leyhausen, zur ersten Aufführung. Urania- Beranstaltungen der lifa. Nachdem Dr. Kayfer an vier Abenden den Industriefilm„ Ein modernes Hüttenwerk" und Dr. Benfuß Eine Reise durch Norwegen ins ewige Eis" vorgeführt hatte, ſtehen jett bier neue intereffante Themen auf dem Programm. führt Dr. Behfuß den bekannten Lampeschen Alpenfilm nochmals vor. Ant 16. Dezember führt uns ein Film nach Griechenland. Ein besonders inter effantes Thema ist für den 19. Dezember vorgesehen:„ Von unseren Haupt nabrungsmitteln". Das lekte Thema behandelt am 3. Januar„ Den Kampf ums Dasein im Leben der Infekten". Die Vorträge finden 5%, Uhr nachmittags und 8 Uhr abends statt. Am 17. Dezember 3. Melos", Kammermusikabend den 13, abends 7%, Uhr int Male Werke von Josef Matthias Hauer. Ausführende: Albert Linschütz Grotrian- Steinweg- Kammermusikabend, Bellevue Straße 6 a. Zum ersten ( tlavier), Josef Matthias Hauer( Besang). Deutsche Gesellschaft für ethliche Kultur. Kurt Walter Golds schmidt spricht am 16. Dez. 8 Uhr im August Förster- Saal, Keithstr. 11 über Epenglers Gesamtwert Untergang des Abendlandes". Eintritt 20 M. Der Reichspräsident hat dem Märtischen Bandertbeater welches nicht zuletzt durch die außerordentlich hohen Eisenbahnfahrt und Frachtpreise in Not geraten ist, 15000 2. überwiefen. Die Tentiche Buchausstellung in Mom ist eröffnet worden. Sie ist eine eriweiterte Biederholung des Deutschen Sacles auf der Internatio nalen Büchermesse in Florenz und soll bis zum 5. Sannar dauern. Ges zeigt wird u. a. eine besondere Abteilung über die geistigen Beziehungen von Stalien und Deutschland. Beweisaufnahme im Harden- Prozeß. Angefl. Grenz: Nein, das sind meine Initialen Albert WilEs wird dann in die Grenz: Er galt in unseren Kreisen als ein großer Schmierfint. Im übrigen stand er nicht zur Distuffion. Wir hatten andere helm Grenz. Fragen zu erledigen. Beweisaufnahme Eigentlich haben die Herren in München allen Grund, zufrieden Grenz: Ich habe den Brief nur finngemäß wiedergegeben.' Rechtsanw, Grünspach: Der Angeklagte hat hier mit großer er hat doch bis auf weiteres wegen des ihm zugefügten physischen Bielleicht kam das Wort„ Erledigung" gar nicht drin vor. Es Fertigkeit einen Femstern aufgezeichnet. Weiß er nicht, daß dieser Schadens das Erscheinen der Zukunft" einstellen müssen. Wie handelte sich jedenfalls darum, Harden an der Amerika Stern die Berfemung, den Tod bedeutet? Angefl: Was ein Femstern heute bedeutet, weiß ich nicht. Hohn flang deshalb die auf die Psychologie der Geschwo- fahrt zu hindern. Das Wort„ Erledigung" ist in unserem Rechtsanw. Grünspach: Die Chiffre auf den Briefen lautet: renen schlau abgestimmte Frage des Verteidigers: ob Harden Sprachgebrauch gar nicht enthalten. Bors: hat man denn in Ihren Kreisen Harden eine be- 2. W. G. Das kann doch nur heißen: Anfermann, Weichardt, nicht vollständig wiederhergestellt sei. Die Bejahung dieser Frage fondere Bedeutung beigemessen? Grenz, follte wohl ebenso wie die gewissen Kreisen nicht genügend deutsch erscheinende schriftstellerische Tätigkeit des Geschädigten, über die u. a. heute der Chefredakteur des„ Berliner Tageblatts", Herr Theodor Wolff, auf Veranlassung des Verteidigers sich auslassen soll, wohl als Milderungsgrund für die Angeklagten dienen. Es wird heißen: ,, Gott sei Dant, die Kur hat ja Harden nichts geschadet," es waren ja idealpolitische Motive, die die jungen Leute veranlaßt haben, ihre Gegner meuchlerisch hinmorden zu wollen." So lautet eben stets der Refrain. Vergleicht man alle fürzlich vollbrachten politischen Attendie gegen Rathenau, Scheidemann und Harden, so sieht man genau die einzige lenkende Hand dahinter. Ueberall Geldsummen aus München, überall versprochene Erfolgshonorare, voraussichtlich Sicherung für die Zukunft, eventuell im Staatsdienst, förmliche Verpflichtung durch Handschlag, die gleichen Berhaltungsmaßregeln bei der Ausführung der Tat, die gleiche Drohung:„ Den Berräter trifft die gleiche Strafe, die das Opfer erlitten hat"( das heißt der Tod). Rechtsanwalt Grünspach: Ich dachte bisher, daß die Angeflagten den Vorfaz der Tötung nicht bestreiten würden. Da sie eingetreten. Zunächst werden einige von der Verteidigung geladene Leumundszeugen für die Angeklagten vernommen. aber jetzt ihre Berteidigung ändern, beantrage ich die tate, Ueberall das gleiche deutschvölkische Heldentum, das sich wie im Falle Scheidemann in der„ Toilette" zur Menschenbeseitigung zusammen findet, und das in der Person Weichardts, andauernd lächelnd, angefichts des blutüberströmten Harden, seine Mittäterschaft rundweg leugnet. Im Gerichtssaal lächelt allerdings immer wieder nur Grenz, als der Zielbewußte, Treffsichere, Intelligente, Brutale und Gewalttätige, gegenüber dem zittrig quaffelnden deutschnationalen Bennäler Weichardt. Es wird den Geschworenen wohl nicht schwer fallen, den deutschvölkischen Jünglingen auf die eine Frage eine Antwort zu geben: Ist das allen menschlichen und göttlichen Gesetzen hohnsprechende faltblütige Beseitigen politischer Feinde zulässig oder nicht? Diesmal kann es den Deutschvölkischen nicht gelingen, das Blut ihres Opfers von ihren Händen abzuwischen. Das Kain- Mal brennt ihnen an der Stirn. Die Angeklagten sind die geistigen Brüder der Mörder von Gareis, Erzberger und vielen anderen! Es folgt die Bernehmung des Angeklagten Beichardt. Diefer gibt an, daß er nach einem Unglüdsfall, den er gehabt hatte ( fahrlässige Tötung), teine ordentliche Beschäftigung finden fonnte. Berdient habe er nichts und habe seinem Vater auf der Tasche gelegen. Grenz, den er vorher fennengelernt hatte, habe ihm davon gesprochen, ob er bereit sei, Geld zu verdienen und eine nationale Sache auszuführen. Später sei auch Anfermann mit ihm in Berührung gekommen, der von Waffenschiebung fprach, und er habe ihm gefagt, daß Grenz eine nationale Sache machen würde. Antermann habe sich bereit erklärt, mitzuwirken und habe sich mit Grenz in Verbindung gefeßt. Anfermann habe dann mit Grenz viel allein verhandelt. Was diese verabredet hätten, wiffe er nicht. Antermann fuhr an einem Mittwoch nach Berlin, und ich fuhr ihm am Freitag nach. Am Lehrter Bahnhof empfing mich Anfermann. Aus dem Telephonbuch stellten wir die Wohnung Hardens fest. fest. Die weiteren Vorgänge in Berlin, die der Angeklagte dann schildert, decken sich mit den bereits früher festgestellten Angaben. Am 2. Juni, fuhr dann Weichardt fort, fagte Anfermann:„ Ich bin nun entschloffen, die Sache am nächsten Tage auszuführen." Ueber das weitere möchte ich feine Angaben machen. Ich kann nur soviel sagen, daß von Löten nie die Rede war. Es war immer nur die Rede, daß Harden einen Dentzette[ bekommen sollte, und daß er an der Reise nach Amerita gehindert werden sollte. Angefl. Grenz: Ich kann nur bestätigen, daß Anfermann die Sache allein machen wollte. Angetl. Weichardt enschließt sich auf eine Bemerkung des Vorsitzenden hin, über die Tat auszusagen und macht folgende Angaben: Antermann war entschlossen, die Tat auszuführen. Ich redete auf ihn ein, es zu unterlassen, namentlich bei der Erregung, die in diesen Tagen herrschte. Ankermann er Plärte mir aber, das sei einerlei, es müsse gemacht worden. Ich hätte mich durch Handschlag verpflichtet. Wenn Du nicht mitmachst, dann geht es( der Angeklagte zögert und stottert einige Zeit) Dir ums Leben. Ladung des Korvettentapifäns Ehrhardt. Der Zeuge Stürr, der sich als Vertreter der Psychologie, Die Spuren der Tat führen nach München. Grenz war dort, der Anthropologie und Heilkunde bezeichnet, und der derselben völkischen Brief und die Gelder famen von dort. Ehrhardt, von dem ja be- Richtung wie Grenz angehört, ist der Meinung, daß Grenz aus hauptet wird, daß er der Leiter der O. C. fei, wird sicher darüber idealen Gesichtspunkten gehandelt habe. Auskunft geben tönnen, welchen Auftrag die Angeklagten be- Rechtsanw. Grünspach: hat der Zeuge mit dem AngeklagTommen haben, nämlich den, Harden zu töten. ten auch über politische Morde gesprochen? Borf( diftiert dem Gerichtsschreiber): Also Rechtsanwalt 3euge: Ich habe mich bemüht, hinter den Leipziger Prozeß Grünspach benennt den Korvettenfapitän Ehrhardt, zurzeit in Leip- zu kommen und da habe ich gefunden, zig, als Beugen dafür, daß der Auftrag, den Grenz aus München erhielt, dahin ging, magimilian Harden zu töten. daß Grenz etwas zur Gewalttätigkeit neigt. Bors: Der Femestern hat doch die Bedeutung, daß der Ge zeichnete dem Tode verfallen ist. Wurde das in Ihren Kreisen auch aufgefaßt? so Bors: Herr Weichardt, ich muß Ihnen eine ganze Reihe von Widersprüchen vorhalten. Bei der richterlichen Bernehmung haben werden. Anfermann habe die Tat verübt, Sie sollten ihn decken. Besinnen fügt der Zeuge hinzu:) Aber nur in geistiger Beziehung, Sie gesagt, Harden sollte unschädlich gemacht, möglichst getötet 3euge: Nein, höchstens für unsere Mitglieder.( Nach einigem Es fehlt da aber Ihre heutige Auslaffung, daß Sie von der Tat zu- er war dann geistig für uns erledigt. rücktreten wollten, und schließlich, daß Sie nur zu einer gewissen Be- Rechtsanw. Bloch: Der Herr Zeuge hat wohl im Unterteiligung gefommen feien, weil Ankermann Ihnen drohte. Wie ersuchungsgefängnis den Schädel des Angeklagten Grenz vermessen. flären Sie diese Widersprüche? Ist er nicht dadurch zu dem Urteil gekommen, daß Grenz zu Gewalttätigkeiten neige? Angell. Weichardt: Ich habe das in der Voruntersuchung nicht gefagt, um Anfermann im Falle, daß er verhaftet werden würde, zumal da er verheiratet war, nicht zu große Schwierigkeiten u machen. Daß ich von Beseitigung gesprochen habe, erkenne ich vollkommen an, wenn aber dabei steht, möglichst zu töten", so habe ich das nicht gesagt. zu Bors: Das Protokoll ist Ihnen doch vorgelesen worden und Sie haben es genehmigt. Angefl: Ich war so tonsterniert. Oberstaatsanwalt Schweizer: Ich bitte, dem Angeflagten vorzuhalten, daß doch auch für den Fall des Mißlingens Vorsorge getroffen war, daß jeder an das Geld herankommen fonnte. Angell: Das war schon einige Tage vorher verabredet. Das Geld war in einen Blechlaften gelegt und unter den Mülltasten versteckt worden, für den Fall, daß einer gefaßt werden sollte. Vors: Sie haben dem Untersuchungsrichter auch gefagt, eine Schußwaffe sollte nicht benutzt werden, weil das die Sache erschweren würde. zu bedenken, weil der Untersuchungsrichter fragte, weshalb feine Angell: Das habe ich nur so herausgesagt, ohne es Schußwaffe benutzt worden sei. Borf.: Nach allem scheinen doch einige Besprechungen stattgefunden zu haben. Angefl: Zwischen mir und Anfermann nicht. Rechtsanwalt Grünfpach: Jch bitte, den Angeklagten Grenz zu fragen, ob er bereit ist, die Personen zu nennen, von denen er das Geld bekommen hat und die ihn von München aus zu der Sache veranlaßt haben. Angefl. Grenz: Die Personen weiß ich nicht. Rechtsanwalt Grünspach: Der Angeflagte ist doch in München gewesen. Mit wem hat er dort über die Tat gesprochen? Angeft. Grenz: Mit niemand. Ich kenne niemand in München. Ich rufe Gott zum Zeugen auf. Rechtsanwalt Grünspach: Ist der Angeklagte nicht Borfihender des Deutsch- völfischen Schuh- und Truhbundes gewesen? Angell. Grenz: Bis November war ich Mitglied und im Deember wurde ich Geschäftsführer. Weiter gibt der Angeklagte zu, aß er im Vorstand des Bundes für aufsteigendes Leben" gewesen sei. werden, nach Amerika zu fahren. Weiß der Angell. Weichardt, wann Rechtsanwalt Grünspach: Herr Harden sollte verhindert die Reise stattfinden sollte? Angefl. Weichardt: Nein. Rechtsanwalt Grünfpach: Der Angeklagte sprach von der Gefahr, daß Harden rasch abfahren tönnte. Wie fommt es denn, daß er sich drei Monate in Berlin mit seinem Romplicen amüsierte? Angell. Weichardt: Weil mir die Tat unsympathisch war und mir an der Verzögerung lag. Mir wäre es lieb gewefen, wenn Harden abgereift wäre. Rechtsanwalt Grünfpach: Warum ist der Angeklagte dann nicht von Berlin abgereift? Angell. Weichardt: Weil ich mein Ehrenwort gegeben Zeuge bestätigt das. Der Schupo- Wachtmeister Kleemann berichtet über die Festnahme des Angeklagten Beichardt. Große Widersprüche mit dem Angeklagten Weichardt ergeben sich bei der Bernehmung des nächsten Zeugen, des Kassenbcten Priemel. Dieser hörte den Ruf Mörder. Er sah dann vom Fenster aus einen Mann in grauem Hut davonlaufen, und zwar über den Sachsberg weg. Er eilte hinaus, fand Harden blutüberftrömt auf dem Boden liegend und nahm sofort die Verfolgung auf. Hinter einem Ziegelhaufen fam der Angeklagte Weichardt ohne Kopfbedeckung hervor und fragte, was los jei. Nachdem der Zeuge ihm das gesagt hatte, eilte er zur Wache. Hinterher fam ihm der Verdacht, daß es der Täter gewesen sein könnte. Ein Sicherheitsbeamter fuhr mit seinem Rabe nach und verhaftete Weichardt. Der Angeflagte bestreitet, daß er über den Sachsberg getommen sei. Seinen Hut habe er allerdings in der Hand gehabt. Der Beuge bleibt mit Bestimmtheit dabei, daß der Angeklagte nach Gestalt, Haltung und Kopfbedeckung derselbe Mann sei, den er vom der Angeklagte Weichardt bei der Tat dabei gewesen sei, was bisTatort weg über den Sachsberg habe laufen sehen. her auch die Anflage nicht angenommen hat, dann müßten wir Bertragung beantragen. um einen neuen Zeugenapparat aufzustellen. Rechtsanw. Schiff: Wenn jetzt behauptet werden sollte, daß Beuge Priemel: Wenn der Angeklagte mit dem Hut auf dem Kopf hinter dem Steinhaufen vorgekommen wäre, dann hätte ich fofort gesagt: Das ist er! Rechtsanw. Schiff: Antermann hatte aber dieselbe Größe, ähnliche Kleidung und Hut. Wollen Sie da auch noch bei Ihrer Behauptung bleiben? dm 9x9 Q Beuge: Ich habe nur einen Menschen laufen fehen. Bert.: Nur Antermann ist gelaufen. Sonst müßten doch zwei weggelaufen fein, Rechtsanw. Grünfpach: Ein fluger Täter läuft nicht weg. 3euge: Ich fann mich nicht irren. Der Zeuge entwirft dann auf einer Tafel eine Efizze von dem Tatort und zeichnet den Weg an, den Weichardt angeblich gelaufen sein soll. Trotz des Vorhalts Weichardts und Rechtsanwalts Schiff, daß Anfermann diesen Beg genommen habe, bleibt der Beuge bei seiner Aussage. zeit den festgenommenen Weichardt durchsucht und ihm einen TotDer nächste Zeuge Kriminalbetriebsassistent Resa hat seiner fchläger, ein Meffer und ein Mitgliedsbuch des Verbandes nationalgefinnter Soldaten abgenommen. Der Lotschläger, so erklärte er, fei jedoch nicht blutig gewesen. Dann wurde Maximilian Harden selbst vernommen. Er gab an, daß er am Abend des 3. Juli kurz nach 8 Uhr sich kurz vor seiner Wohnung befunden habe, als er plöglich einen leisen, haftigen Schritt hinter sich hörte und im nächsten Augenblic erhielt. Er sah noch, wie ein Blutstrom auf seine Zeitung und einen furchtbaren Schlag auf den Schädel den Strohhut, den er in der Hand hielt, sprigte, dann fiel er zu Boden. Der Täter stellte sich mit beiden Füßen auf feinen finten Arm und hieb dann mit einem Instrument, das einer Eisenstange ähnelte, fortwährend auf Hardens Kopf. Auf dessen Schreien Die Tat wollte er selbst ausführen aber ich müßte bei ihm bleiben, damit er sicher sei, daß ich ihm nicht in den Rücken falle und ihm feine Schwierigkeiten mache." Früher schon hatten wir feft gestellt, daß Harden die Gewohnheit hatte, an jedem Montag einen Herrn in der Nestorstraße zu besuchen. Wir waren einmal auch hinter ihm hergegangen. Am 3. Juli verfolgten wir ihn auch bis zur Nestorstraße. Gegen 8 Uhr machte sich Herr Harden auf den Rückweg. Wir folgten ihm. In der Delbrückstraße bog ich, wie mir Ankermann befohlen hatte, ab und hörte gleich darauf die Hilferufe hatte. Hardens. Ich war vollkommen verwirrt. Borf.: Sie sollen Oberstaatsanwalt Schweizer hebt als auffällig hervor, daß sich doch zuerst hinter einem Steinhaufen verborgen gehalten haben?" der Angeklagte noch am 20. August, also vier Wochen später, im Mörder!"" Schurke!" ließ er dann nach dem achten Schlag von Angefl:„ Das nicht. Ich kam nur um den Steinhaufen herum, Untersuchungsgefängnis gesagt hat:„ Ich war mit der Beseitigung Monat in der Klinit des Geheimrats Borchardt gelegen habe, durch ihm ab und lief weg. Harden betonte dann noch, daß er einen als mir ein Mann entgegengelaufen fam, den ich fragte, was los fei. Er sagte, es sei ein Attentat auf Harden verübt und fragte mich, Hardens einverstanden." wo die Polizei sei. Ich bin dann weggelaufen." Borf: Bei Auf Befragen seines Verteidigers und des Vorsitzenden befundet dessen Kunst er am Leben geblieben sei. Auf die Frage des BorIhrer Festnahme wurden ein Messer und ein Messer und ein Totschläger dann noch der Angeklagte Weichardt, daß er am Tage vor der Tat izenden, wohin der Täter Ankermann geflohen sei, gab Harden an, er habe ihn nach dem Dachsberg hinunter nach der Hagenstraße mit Antermann am Hundefehlenfee spazieren gegangen sei. Plötzlich Angel:„ Das Messer hatte ich schon habe Ankermann erklärt:„ Morgen früh führe ich die Tat aus. Es laufen sehen. Einen zweiten Mann habe er nicht erblickt. Später, geht auf Biegen oder Brechen."" Und als Beichardt ihm widersprach, als er noch in seinem Blut gelegen habe, sei ihm dann der festgeDein Ehrenwort gegeben." Als Weichardt sich dann am nächsten fort lächelnd sagte, er hätte nicht das geringste mit der Tat erklärte er:„ Du mußt mitmachen, ob Du willst oder nicht, Du hast nommene Weichardt gegenübergestellt worden, der aber in einem Morgen weigerte, sagte Anfermann:„ Gut, Du bleibst in der Nähe, zu tun. aber beim fleinsten Mud bist Du erledigt!"" Als dann die Hilferufe daß seine geistige Kraft durch den Ueberfall nicht gelitten hätte, daß Auf Befragen des Rechtsanwalts Bloch befundet Harden weiter, Hardens erschollen," so erklärte Weichardt, war ich ganz fonfterniert er aber förperlich sehr geschädigt sei, er habe die Hälfte seines Blutes und verstört. Nach der Mittagspause wurde zunächst verloren. bei Ihnen gefunden." lange Zeit und auch den Totschläger führte ich stets bei mir. Bors:" Damit fein Mißverständnis entsteht: das ist nicht der Totschläger mit dem die Tat verübt ist." Bum Angeklagten:„ Nun ist in Ihrer Wohnung ein Brief gefunden worden, der lautet: " Sehr geehrter Herr! Wir teilen ergebenft mit, daß froß ungünstiger Konjunktur der Geschäftsbeschluß geglückt ist. Angefl: Der Brief ist von Anfermann geschrieben. Ich mukte nichts bon der Korrespondenz". Rechtsanw. Grünspach: Bei den eklatanten Widersprüchen ist es notwendig, daß den Ange Als dann bei der Erörterung der Frage, ob eine weitere Andie polizeiliche Aussage des Grenz flagten die polizeilichen Protokolle über ihre Geständnisse, die sie verlesen, der zugibt, daß er an Weichardt und Anfermann mit dem jaht, unter Hinweis auf die beschimpfenden Aeußerungen des Anwefenheit Hardens notwendig fei, Rechtsanwalt Grünspach dies bedirekt nach ber Tat abgelegt haben, vorgelegt werden." Ober- Anfinnen her angetreten sei, marimilian Harden gemalt geflagten Grenz über Hardens schriftstellerische Tätigteit, erklärt staatsanwalt Schweißer:" Neu ist die Behauptung, daß nur jam zu beseitigen. Er habe seinen Auftrag sehr ernst ge- Rechtsanwalt Bloch, daß er nicht anstehe, Harden wenen dieses AusDon einem Denfzettel und von der Verhinderung der Reise nach nommen, weil dieser seiner politischen Ueberzeugung entsprochen Da Rechtsanwalt Bloch auf die Bernehmung Theodor Wolffs Amerita die Rede war. Bei den Vernehmungen ist damals direkt habe. Er verurteile die Juden, die sich wirtschaftlich und politisch nicht verzichtete, beschloß das Gericht, sowohl Theodor Wolff Das Wort„ töten" gefallen." Angefl. eichardt: zu Führern des deutschen Volkes aufgeschwungen hätten. Deshalb wie Prof. v. Moellendorf am heutigen Mittwoch als Zeugen „ töten" nicht, fondern erledigen". fönne er die Tat nicht bedauern, sondern er halte sie für die Aus- zu vernehmen. Die Verhandlung wurde dann auf heute vormittag Das Gericht beschließt darauf, den Angeklagten die richterlichen führung eines Rechtsspruches. Die D. C. fennt er nur aus der 10 Uhr bertagt. Protokolle zwecks Beweises für ihre früheren Geständnisse vorzulegen. Bresse und gehöre ihr nicht an. Er fei Mitglied des Schuh- und Oberstaatsanwalt: Das Protokoll über die Verneh- Truhbundes, des" Stahlhelm", des Nationalverbandes deutscher mung des Angeklagten Grenz ist einen Monat nach der Tat aufge- Soldaten, des„ Treubundes für aufsteigendes Leben", und er habe auch der Gründung der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei in Oldenburg mitgewirkt. Ferner habe er auch eine Cifte der Oldenburger Juden aufgestellt, damit bei den betreffenden Kaufleuten Bors. Haben Sie nicht zu Weichardt gesagt: Verräter trifft die gleiche Strafe wie denjenigen, den die gegenwärtige Aufgabe betrifft. nommen worden und darin Letzte Nachrichten. Raubüberfall in der Wohnung. Gestern nachmittag gegen 2% Uhr erschienen an der Wohnungsfür der 49 Jahre alten Frau Käthe Ewert, Bregenzer Straße 12 in Berlin, drei Männer, die angaben, daß sie bei dem dort als Untermieter wohnenden Direktor Hoffmann die Jalousie in Ordnung bringen follten. Als Frau Ewert ihnen Einlaß gewährte, fielen die drei Burschen über sie her und schlugen sie nieder, so daß fie besinnungslos liegen blieb. Dann raubten fie aus dem Zimmer des Direttors Hoffmann Gold- und Silberfachen, Blafin, Schmudfiüde, Pelze und andere Sachen im Werte ist ausdrücklich von„ Tötung" die Rede. Grenz: Dem Einne nach erkenne ich das Protokoll an. Vielleicht habe ich das gesagt, um mich selbst hervorzutun. nicht mehr gekauft werde. Ich habe zu Anfermann erklärt: Harden- Witkowsky soll verhindert werden, nach Amerika zu reisen, unter Umständen follte er auch gewaltsam beseitigt werden. Auf die Frage des Rechtsanwalts Grünfpach, weshalb er denn bisher noch nie von der Ameritafahrt Das heißt doch, Harden sollte getötet werden. gesprochen habe, erklärte der Angeklagte, daß er zuerst sich über Den genauen Wortlaut dieses Schriftstücks nicht habe schlüffig werden können. Rechtsanwalt Grün pay: In dem Schreiben, das Grenz in Frankfurt bekommen hat, heißt es: Es handelt sich um Die Erledigung der auf anliegendem Bettel genannien Persönlichielt. Borf: Shre Auftraggeber haben body mohl gedrängt. as versteht man denn in völkischen Streljen umer Erledigung" Grenz: Ich habe deshalb nicht gedrängt, da mit Anferentfommen. Ein herbelgerufener ürzt stellte bei Frau Ew, dice einer Persönlichkeit? Grenz: Das fann quch heißen, er follte nur bestraft werden. Rechtsanw. Grünspach: Warum hat sich denn der Angeflagte nicht darüber beschwert, daß die beiden in Berlin so lange cögerten? mann die Sache nicht anzeigte Don 10 millonen Matt. Die Täice flihiefen dann ab find Gehirnerschütterung fest. Gewerkschaftsbewegung Streifstrategen. Albert Maffini, hinweg, aber bie Grbenfchwere bes zweiten atvingt sie zu„ Eaten". 1100 Broz. für die erste Hälfte Dezember und 125 Proz. für die zweibe So geht denn der Klingelbeutel in den Berliner Betrieben um, und Hälfte. Erreicht wurden für die Arbeiter vom 1. bis 15. Dezember nicht nur Kommunisten, sondern auch andere Arbeiter, denen die 14 500 mM. wöchentlich und vom 16. bis 31. Dezember 16 000 m., liebe Rube höher steht als der Bekennermut, opfern von ihrem wozu für Rutscher und Kraftwagenführer eine entsprechende Erfargen Lohn den nimmerfatten Moskauern. Wie schnöde ste be- höhung tommt. Aushilfskräfte bekommen 300 m. wöchentlich mehr. In der Diskussion wurde moniert, daß die Arbeitgeber die im Die„ Rote Fahne" läßt einen Vertreter der syndikalistisch- tom- trogen werden, beweist die 9. öffentliche Quittung in der„ Noten munistischen franzöfifchen Gewerkschaften als Kritiker der Fahne", die Spenden einfacher Arbeiter in Höhe von 250 M. auf Monat November gewährte einmalige Wirtschaftsbeihilfe von 4000 deutsche Gewertschaftsführer auftreten, Herrn Henri weist, während die Reichstagsfraktion der KPD. mit ganzen 520 M. Mart für die zweite Hälfte des Monats November nicht zu dem Ireint, und ihm u. a. sagen: brilliert. Kommunistischer Opfermut. Lohn zugerechnet haben. Ein Teil der Redner war auch der Auffaffung, daß im Hinblick auf die gewaltigen Preissteigerungen ein Im offenen Klassentampfe bei großen Streifs fragt der gerechter Ausgleich durch die neuen Lohnzulagen nicht geboten ist. Klaffentämpfer nicht danach, aus welchen Ursachen und Motiven der Die Lohnkommission trat für die Vorschläge ein, die dann auch anStreit ausgebrochen ist, oder gar danach, ob der Streit berechtigt" Ehrenvorfihender der Berliner Buchdrucker. genommen wurden. oder unberechtigt" ist. Wir französischen Gewerkschaftler stehen In der gestrigen Generalversammlung der Buchdrucker, die Ueber die Zusammenlegung der Sektion 8 mit der Sektion 1 auf dem Standpunkt, daß jeder Streit berechtigt ist." Dazu wäre zunächst zu bemerken, daß auch die französischen sich mit der Neuwahl des Vorstandes beschäftigte, erklärte aus verwaltungstechnischen Gründen gingen die Meinungen zum Teil der nun bereits 29 Jahre amtierende 1. Gauvorsteher auseinander; darüber wird später beschlossen. Dann wurde noch Gewerkschaften es entschieben ablehnen würden, sich von einer politischen Partei, und sei es selbst die kommunistische, in Massini, daß er sich diesem Posten gesundheitlich nicht mehr auf die Entnahme von Weihnachtsmarken für die Areinen Streit treiben zu lassen. Der Gewerkschaftsführer unter- gewachsen fühle und daher das verantwortungsvolle Amt in jun- beitslosen hingewiesen, die bei den Verbandsfunktionären zu scheidet sich von dem„ Klassentämpfer" dadurch, daß er seiner Ge- gere, fräftigere Hände legen müsse. Wenn ihm dieser Schritt per- haben sind. Gebrudte Lohnvereinbarungen find gegen Mitgliedsausweis im wertschaft, d. h. der Gesamtheit deren Mitglieder, wie der Ge- fönlich auch sehr schwer falle, so tönne er es doch nicht mit seinem famtheit der Gewerkschaftsbewegung moralisch verantwortlich Gewissen vereinbaren, sich auf einen Bosten zu setzen, zu den ihn Verbandsbureau( 3immer 38 und 31) zu haben. ift. Er muß daher im Gegensatz zum„ Klassenfämpfer" nach den die törperlichen Kräfte nicht mehr befähigten. Die Delegierten, die diese Gründe anerkannten, ernannten Ursachen und Motiven sehr wohl fragen. In seinen Augen ist es ein Verbrechen, einer Bagatelle wegen das Schicksal von Massini in Würdigng seiner Berdienste um die Berliner Buchdrucker Die Innungsmeister in der Hauptsache pflegen sich als Zehntausenden famt Frauen und Kindern aufs Spiel zu setzen und einstimmig zum Ehrenporfizenden und bewilligten in solcher Weise damit Schindluder zu treiben, wie es in Ludwigs- ihm ebenfalls einstimmig ein angemessenes Ruhegehalt. Zum den gewerblichen Mittelstand zu bezeichnen, zu dessen höherer Ehre, hafen geschieht. Der Gewerkschaftsführer fann nicht zulassen, daß 1. Vorsigenden wurde der bisherige Gehilfenvorfikende im zu deffen Blühen und Gedeihen" es feine Rücksichten geben darf. er beiseite gedrängt, nicht befragt wird, und so in der leichtfertigsten Tarifamte, Kollege Robert Braun, gewählt. Zwischen dem weder auf die Lehrlinge und Gefellen, noch auf Sozialpolitik und Weise ein folgenschwerer Streit vom 3aun gebrochen wird, bisherigen 2. Vorsitzenden und dem Kollegen Fiedler findet eine ähnliche Hemmungen" mehr. Hatten da jüngst die Vereinigten bei dem hinterher erst die Gründe zusammengelo. Urmabl statt. Die übrigen Gauvorstandsmitglieder wurden wieder- Innungen in Stuttgart eine Bersammlung von Gemeindewählern gen werden. Der Gewerkschaftsführer datf den Einsatz eines gewählt. Streifs nur dann wagen, wenn es um Dinge geht, die ihn notwendig machen, wenn er unvermeidlich ist und wenn alle Wege zur friedlichen Beilegung des Konfliktes erschöpft sind. Unfoziale Sparpolitik. Man schreibt uns: Die Klaffenfämpfer" scheinen inzwischen wenigstens soviel im Auch auf dem Berliner Vieh- und Schlachthof, der dem DeutschInteresse ihrer besonderen Agitationszwede gelernt zu haben, daß nationalen Stadtrat Busch unterstebt, geht jetzt das Sparen los. man außer radikalen Rebensarten auch Gelder aufbringen wie aber wird gefpart? Im Sommer wurde der Schlachthof muß. Aber welchen Sinn hat es denn, eine Arbeiterschaft um ihr um 7 Uhr morgens aeöffnet. Jegt im Winter wird feit dem Lohneinkommen Don etwa rund 470 millionen 1. Dezember der Schlachtbof um 6 Uhr geöffnet. Wieviel foftet Mart( bis jetzt) zu prellen und hinterher etwa fünf Millionen für aber eine Stunde Beleuchtung? Gleichzeitig wird auch abends die fie zu sammeln. Schlachtzeit um eine Stunde verlängert, was wieder Henri Treint, unser französischer Kritifer, ist ein ehemaliger französischer Hauptmann, der während des Krieges eine nationalistische Rolle spielte und bis Kriegsende in der Arbeiterbewegung vollständig unbekannt war. Er gehört jetzt zur äußersten Linten und trat mit folgender Begründung für die Moskauer Parole der„ Einigung des Proletariats" ein: Wir nähern uns den reformistischen Führern jedesmal, wenn es sich uni eine bestimmte Aftion handelt. Wir nähern uns ihnen und entfernen uns von ihnen genau wie die Hand fich dem Geflügel nähert und von ihm entfernt, das es rupfen will." n 3 mei Millionen Mart überbrachte Henri Treint als Vertreter der französischen Gewerkschaften, die der Roten Gewerf schaftsinternationale angehören. Diesen Lugus fonnte man sich mit 3500 Franten bequem leisten. " Vom gewerblichen Mittelstand". einberufen. Nachdem der Schutz des Mittelstandes gefordert und die Forderungen desselben erläutert und ein Meggermeister von der Deutschen Bolfspartei, ber auch der Schneiderobermeister angehört, die Parole ausgegeben hatte: Hie Bürgertum, hie Sozial demotratie, erzählte der Vorsitzende, der Friseurmeister Wolf: Auch die Mittelstandsvertreter haben ein warmes Herz für die Arbeiterklasse." Man habe mehr foziales Empfinden als diejenigen, die ihr egoistisches Klasseninteresse in den Vordergrund stellen. Wir find entschiedene Gegner des schematischen Achtstundentags." Merkwürdig: Die angeblich ihre egoistisches Klaffenintereffe in den Bordergrund stellenden Arbeitnehmer bleiben arme Teufel, während die sozial empfindenden" Mittelstandsretter es allesamt zu behäbigem Wohlstand brachten. he Achtung, Funktionäre des Metallarbeiterverbandes! Folgende wichtige Fraktionsversammlungen finden morgen, Donnerstag, 4% statt: 1. Bezirk im Lokal von Starte, Weißenfee, Charlottenburger Straße 3; 2. Bezirk Comenius- Säle, Memeler Str. 67; 3. Bezirk bei Seipte, Lichtenberg, Kronprinzenstr. 47; 5. Bezirk Reichenberger Sof, Reichenberger Str. 147; 7. Bezirk bei Blente, Boppstr. 1; 16. Bezirk bei Klinge, Utrechter Str. 24; 17. Bezirk Gchulaula Wiesenstr. 66; 18. Be zirt Schulaula Roppenplag; 19. Bezirk bei Büttner, Schwedter Str. 23; 20. Bezirk bei Hielscher, Sühlicher Str. 2. Tagesordnung in allen Berfammlungen: 1. Die legten Borkommnisse in den freien Gewert fchaften; die legte Generalversammlung des DMV. 2. Fraktions angelegenheiten. Das Erscheinen sämtlicher Funktionäre einschl. Be triebsräte und Generalversammlungsdelegierten der Richtung Amster bam ist unbedingt erforderlich. Partei und Gewerkschafts. ausweis legitimiert. Der Fraktionsvorstand. erhöhte Ausaaben an Licht und Abgabe des Dampfes zur Kolae bat. Und dies alles, obwohl jetzt viel weniger Vieh au Markt fommt. Selbst Arbeitgeber aus dem Engros- Schlachtgewerbe halten diefe Maknahme für unnötig. Nur eine fleine Gruppe von Arbeitaebern bat diese Neuerung beantrant, und war vornehmlich, weil fie fich nach den Vorkriegsverbältniffen zurüdiebnen mit ihrer Arbeitszeit von 3 lbr moraene bis 10 und 11 Uhr abends. Serr Stadtrat Busch verfällt aber auch auf neue Einnahmequellen. Bisher standen die Garderobenräume dem Personal zur Benußung frei. Jest muß dafür 20 m. pro Woche gezahlt werden. Man hat damit für einige Beamte Arbeit" gefchaffen, die damit beschäftigt werden, die Marken für die Garderobenräume au verkaufen. Db aber fobiel babei berausspringt, um auch mur das Gehalt dieser Beamten zu zahlen, muß fünlich bezweifelt Wie taftisch tlug" die aufs Ganze" gehenden Generalftreif- werden. Die foaiale Einstellung des Dezernenten für den Schlachtund Weltrevolutionsmacher operieren, zeigt sich darin, daß die und Viebbof gebt auch aus einer Befanntmachung vom 9 NoRote Fahne" in Fettdruck erflärt:„ Ein Sieg der Streifenden be- bember berbor, wonach fünftia bei Unfällen nur folchen Berfonen deutet eine schwere Niederlage des französischen Militarismus.... Verbände angeleat terhen follen, die Mitglieder der BetriebsDas Blatt erscheint zwar im unbesetzten Gebiet, doch die Strei franfentane der Stadt Berlin find. Alle anderen Hilfefuchenden fenden befinden sich in dem vom französischen Mili müffen fich an die in der Nähe wohnenden Kaffenärzte oder an tarismus befehten Gebiet. Wäre es wirklich so, dann die Unfallftationen wenden. Dabei ist au bemerken, daß nur brauchte der französische Militarismus nicht erst von fommunisti- ein feiner Teil der Arbeitnehmer der Betriebsfrankentafe angehört, schen Zeitungsschreibern darauf aufmerffam gemacht zu und awar find es die städtischen Arbeiter, die den Unfallaefahren werden, den„ Sieg" der Streifenden zu verhindern, um fich gegen nicht fo fehr ausoefest find. Wenn ein Verletzter nicht den nötigen eine schwere Niederlage" zu schüßen. Da der Sieg" im gün Geldbetrag bei fich hat, um den Verband zu bezahlen, wird ihm ftigsten Falle doch nur darin bestehen könnte die Entlaffung die erste Silfe auf Grund dieser Bekanntmachung verweigert. der drei nach Berlin gereisten Delegierten zu dem Rumpfbetriebs- Es wäre angebracht, wenn der Magiftrat in feiner Gerätefongreß wieder rückgängig zu machen, ist das eine ganz famtheit und auch die Stadtverordnetenverfammlung sich mit dem unsinnige Bhrafe. Es ist schon so, wie„ Der Proletarier", das Organ der Fabrik- unsozialen Verhalten ihres Dezernenten näher beschäftigen würde. tung Donnerstag 7½ Uhr in der Schulaula des Kaiser- Wilhelm- Realgymnaſiums, arbeiter, in feiner neuesten Ausgabe feststellt: Goldleiften- und Bilderrahmen- Branche! Die Verwaltungsstelle Berlin des Deutschen Holzarbeiter verbandes teilt uns u. a. mit: Bei den Verhandlungen am Montag zur Erneuerung des abgelaufenen Lobnabkommens boten die Vertreter der Arbeitgeber eine Lohnerhöhung für die Reit bom 11. bis 16. Dezember um 20 Bro. und für die Reit bis Monatsiding tweitere 5 Broz. Da die Arbeitgeber erklärten, daß fie mit ibren mitaliedern noch keine Fühlung genommen und feine weiteren Bollmachten bätten, wollen fie zunächst einer Mitgliederversamm,, Die Kommunistische Partei hat freventlich und leichtsinnig ohne bestimmte Ursache, entgegen allen gewerkschaftlichen Regeln und Erfahrungen, aber mit Abficht den Streit in Ludwigshafen provoziert. Sie hat versucht, wegen eines leichtsinnig geschaffenen Ronflittes von untergeordneter Bedeutung zu den Tausenden noch weitere Hunderttausende von Familienvätern ins Elend zu treiben." Die Verhandlungen der Gewerkschaften, die am Sonnabend bis in die Nacht hinein geführt und am Sonntag nachmittag fort- lung Gelegenheit geben au der Angelegenheit Stellung zu nehmen. gefeht wurden, haben noch nicht zur Einigung geführt. Be- Vereinbart wurde, daß inzwischen die 20 Broa. als mertt sei noch, daß jetzt diefelben Streiftreiber, die eine ordnungsvorschuß auf das zu treffende Lohnabkommen am nächsten mäßige Il ra bftimmung über den Eintritt in den Streit ohntage geaablt und die Berhandlungen am Freitag forthintertrieben haben, die Urabstimmung der Streifenden über die Beendigung des Streits fordern, d. h. gesetzt werden. Das Ergebnis wird dann einer Rollversammlung darüber, unter welchen Bedingungen und wann die Arbeit wieder der Branenangehörigen unterbreitet. Die 20 Proz. find unter aufgenommen wird. Weber die Streifleitung noch der Behner- allen Umständen einstweilen zu zahlen. ausschuß" haben bisher Schritte unternommen zur Beilegung des Ronflitts. Das überlassen sie der Gewerkschaftsbureaukratie". " Die opferwillige Reichstagsfraktion. Neben dem moralischen Defizit des fogenannten Reichsbetriebsrätefongresses haben die Herren Kommunisten noch ein finanzielles auszugleichen. Ueber das erste feßen sie sich allerdings leichtfüßig Max Busse Neu eröffnet! Gegründet 1878. Ankaufsabtellung für Neu eröffnet! Gold, Silber-, Platin- I Brillanten gegenüber dem altbekannten Haupt Geschäft Brunnenstraße 18 an der invalidenstraße. Fugeniose rauringe billiger Dukat.- Gold 900 gest. von 6500.- M. an 333-585 in reicher Auswahl. Namen und Etuis umsonst Apparate, moderne Ehrin e Höchst= Dezemberlöhne der Kellereiarbeiter. Die sämtlich im Transportarbeiterverband organisierten Rellerarbeiter und-arbeiterinnen, Rutscher und Kraftwagenführer waren am Montag in den Zentral- Fest älen versammelt. Ueber die Verhandlungen mit dem Arbeitgeberverband der Getränke- Industrie wegen der Dezemberlöhne berichtete Liebenow. Gefordert waren Die elegante Mey's Stoffwäsche für den Weihnachtstilch Keine Waschund Plättkosten preise Mey& Edlich, Leipzig- Playwitz Bruchgold, -Silber, plain, Double sowie Edelsteine zahlt Trauringfabr.Alb.Thal& Co. Carl Hamann 1. Geschäft: C. 19. Seydelstraße 5( Spittelmarkt) Münzftr. 17 2. Geschäft: Charlottenberg, Bismarckstraße 76 Gegründet 1880 ( Untergrundbahn Sophie- Charlotte Platz) Bezugsquellen werden nachgewiesen. MARGRAF Juwellere Genossen der Reichsbruderei. Donnerstag nachmittag 1 Uhr und 3 Uhr wichtige Versammlungen in den Arminhallen, Rommandantenftraße. Bortrag des Genossen Krille über Die Rampfmittel des Proletariats". Buchdruderei Seybel a. Cie. Auszahlung der Unterstügung an die aus gefperrten Kollegen heute von 1-4 Uhr im Lokal Toltower Straße. Berband der Gemeinde- und Staatsarbeiter, Brandje 7, Bart und Fried. höfe: Donnerstag 6½ Uhr bei Boeker, Weberfir. 17, Heiner Gaal, Bersammlung. Deutscher Wertmeisterverband. Bersammlung aller Wertmeister und tech nischen Angestellten der Kartonbranche Donnerstag 5 Uhr im Klubhaus, Ohmstraße. Achtung, Mobelltischler in ben Privatbetrieben! Donnerstag 4 Uhr Ver fammlung im Arbeitslosensaal des Holzarbeiterverbandes, Rungestr. 30. Die Branchenleitung. Stellungnahme zum Berhandlungsergebnis. Zentralverband der Angestellten. Gemeindebehörden: Funktionärversamm Rochstr. 66. Margarine- Industrie und Handel: Deffentliche Versammlung Donnerstag 72 Uhr im Reichstafino, Neue Rönigstr. 26. Berband der Porzellanarbeiter. Die Zahlstellenverfammlung ift verlegt worden und findet am 18. Dezember, 7 Uhr, in der Staatlichen Borzellanmanufaktur, Charlottenburg, Wegelistraße, statt. Berantwortlich für den redakt. Teil: Victor Schiff, Berlin; für Anzeigen: b. Glode, Berlin. Berlag Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin, Lindenstr. 3 GARBATY & Co. Berlin, Unter den Linden 21 Kanonierstr. 9 Tauentzienstr. 18a Juwelen- Perlen * Reichhaltiges Silberlager Sooc Besondere Ankaufs- Abteilung oood Dringender Bedarf! Juwelier KOKOSKI kauft wieder und zahlt für Brillanten, Edelsteine juwelen- Ankauf Platina-, Gold- und Silberbruch Gold-, Silbergegenstände z. höchsten Auslandskors Köthener Str. 20, part.am Potsdamer Geöffnet von 9-4 Chr sowie Gegenstände den höchsten Tageskurs Direkte Verwertung Brunnenstraße 168 Goldwarenfabrik mit elektr Betrieb Tel. Hum. 219 Hath 218 Gegr. 1909 Sierzu 1 Beilage. 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In unserer sor»sndurchwogten Zeit will die Weihnachts-' der cmgeftebten Locken bevorzugt man zurzeit die Pagenfrisur. stimmung nicht auskommen. Mancher muß diesmal den Weihnachts- sind CErfay. Sic'Puppen find allesamt In der Ütufmaihung sehr -um» m 7-°-�-'� SS SS«JWSÄJS bißchm Grun, diese paar �annenzwklge. kosten auch schon, s b. �ppe und ebenso die Selsenpuppe immer neue Formen an. Leßtcre es sich um Edeltanne handelt. ü0 M. und. falls man gewöhnliche f(mn man für'250 � in jein£n Besitz bringen.' Die großen' Puppen Tannensorten wählt, 35 M. Und so wird's auch mit dem Spiel- � tragen alle keinen Preis. Warum sollen sie es auch! Deutschlands zeug«ine eigene Sache sein, das man sonst unter die grünen Aeste Hand» und Kopfarbeiter können st« ja doch nicht kaufen. Inzwischen der Tannen zu legen pflegte. Manchen Vater und manche Mutter hat sich ein ganz eigentumlicher Brauch herausgebildet. In Keller- werden alle'die Spielzeügherrlichkeiten trübe ansehen, wie einst! und Hochparterrefenstern, beim Milchmann und Gemüsehändler. blinkende Weihnachtskugeln. die ihren Glanz verloren haben, denn überall stehen Puppen zum Verkauf. Und in manchen Zusein- sie können ihren Lieblingen ja � nichts'auf� Die Schau- �«Ä' ewe für Z fcnsterauslagen sind merkwürdig auf Dekoration gestimmt, Preise �em Erstlingswäsche paßt, 10 000—15 000 M. Während man sieht man fast gar nicht. Tavsenöe für Spielzeug. Es kostet z. B. ein Teddybär von der Größe einer geöffneten Hand ZOOO 2n. Man möchte einen solch harmlosen, drolligen Spiel- geführten jedem Kinde wünschen, doch für einen eiwas größeren, immerhin recht bescheidenen Teddybären muß man 10 000 M. aus ein« abgenutzte puppenstnbe für 4000 M. anbietet. Die Puppe unter 100 M. ist klein und aus Porzellan, und der'Preis der billigsten ist LS M. Selbftgefertigtes Spielzeug. Eine große Freude und Genugtuung liegt aber in dem Be- wußtsein und der Erfahrung, daß die kindliche Phantasie dos kom geben. Dann geht es zigtaufend auswärts. Aber nicht nur das pljzierteste Spielzeug ersetzt und den einfachsten Gegenstand ver- baltbare, auch das sehr wenig haltbare Spielzeug hat seine Preise, schönt. Viele Mütter werden heute zur Selbstansertigung von Z. B. die aufziehbaren mechanischen Sachen. So kostet ein kleines Spielzeug schreiten müssen. Zeugtiere, Stöfs- und Zupfpuppen kann blechernes Auko, das, wenn das beschenkte Kind Glück hat. Weih- man machen, wenn man die nötigen Schnitte, Material und Schneider- nachtsabend oder gerade die Feiertage über in ungestörtem Be- talent hat. Doch kann man auch mit ganz einfachen Sachen ein trieb gehalten werden kann, 1200— 1300 PL In derselben Preis- Kinderherz erfreuen. So kann, wer Zcichentalent hat— und das läge bewegen sich die slügelschlagenden Maikäfer, die Reckturner,' wird erfreulicherweise nicht durch die wirtschaftliche Lage beein- sowie die Einzellokomotive, die kein« starke Feder hat. Doch werden flnßt—, bei Verwendung einer alten Pappschachtel vielerlei her- auch 1400— 1500 M. für diese Sachen gefordert. Den gleichen stellen. Ein ganzer Zoologischer Garten oder ein Zirkus geht her- Preis muß man auch für einen großen Spieleimer ausgeben, der durch etwas vorgetäuschte Malerei in Buntdruck geschmückt ist. Kein Wunder, denn für den ftücheneimer werden jetzt im Einkauf 3000 M. verlangt. Für Kindertrompeteu, die Nachbarn sind über derartige Geschenke meistens nicht erfreut, muß man ein paar huuderl Mark verausgaben, und das kleinste Horn, es hat vielleicht einen heilen Ton in der Kehl« und will durch sein Getute anspruchs- voll an dos Alphorn oder die Dorffeuerwehr erinnern, kostet 98 M. Auch sind Gesellschaftsspiele merklich im Preise gestiegen. Man muß jetzt mindestens 200 M. anlegen, um ein auf eine Pappe aufgezeichnetes Spiel zu bekommen. Ein mageres Alalbuch kostet 90—120 PL. hat es ein paar Blatt mehr Inhalt, stellt es sich so- gleich wesentlich höher im Preis«. Für den kleinen Kindermalkaslen berechnete Tuschsarben kosten das Stück 12 M. Schaukelpferöe. Auch ist es um die Pferde schlimm bestellt. Dieser sich ewig gleichbleibende Talerschimmel mit der wattenen Alähne, dem um dm Leib geklebten Papiergurt und den unmöglichen Kringeln auf Hinterhand und Schulter, wird für 285 M. vertauft. Vor dem Weltkrieg bekam man ihn für 20 Ps. Damals bekam man aber auch ein Pfund allerbesten Reis für 20 Pf. Und heutzutage? Na,' die Rechnung wird wohl so ungefähr stimmen. Wir dürfen dem Iwaom Talerschimmel nicht gram sein und müssen unbedingt noch Erbarmen haben mit den kleinen Kinderhänden, die ihn auf» zäumen, denn er ist doch Heimarbeit. Für einen niedrigen Pferde- skast, den ein Poppmachö-Pferdchen mit seiner Anwesenheit be- glückt, muß man 350 M. zahlen. Sind aber zwei Pferde unter- gestellt, beläuft er sich auf mindestens 750 M. Die Schaukelpferde find ein Kapitel für sich. In Anbetracht der Kinderwünsche freilich ein trauriges. Ein Neines Schaukelpferd sür 17 000 PL ist für billig anzusprechen. Es ist unkünstlerisch gearbeitet und hat einen schlechten Fellersatz. Ein etwas größeres Pferd, das zugleich ein Fahrbrett hat, kostet 36 000 M. Dabei ähnelt sein« Haut ganz bestimmt nicht einem Fell, sondern höchstens einem verblichenen Schirmbezug. Gewiß ist es kein Blender, hat nichts in sich und nichts auf sich. Für das Geld bekam man früher einen lebenden Hengst. Puppen. Desgleichen muß man ziemlich kaufkräftig fein, wenn man eine Puppe fein eigen nennen will. Ein« Gummipuppe für kleine Kinder, der liebste Spielgenoff« im Waschfaß oder der Badewanne, kostet 350 M. Für Zelluloidpuppen ganggebiger Größe zahlt man <595— 976 M. Die angekleideten Puppen haben auch die oberen Sprossen der Preisleiter schnell erklommen, so bezahlt man jetzt für die frühere öO-Pfennig-Puppe 2500 M. Ist sie einen Kopf größer, muß man bereits 4000 M. anlegen. Jedoch spannen sich über ihre Kugelgelenke ein schlechtes Gazekleid, ein fadenscheiniger Unterrock, ebensolche Hos« und Pappschuhe. Die Haare, an Stelle aus. Man zeichnet einfach die Tiere scharf im Profil, auf, schneidet sie aus, betuscht sie doppelseitig und versieht sie mit einem unter- geklebten Pappfußbrettchen. Ebenso kann man aus Pappe ZNöbel siir eine Puppenstube herstellen, die wiederum selbst aus Pappe besteht. Mit Leichtigkeit durch ein paar geschickte Schnitte in den Pappkarton ist das erreicht, bekommt diese Puppenstube sogar Fenster, die zu öffnen sind. Von innen werden diese mit Mull, Zellstoff genügt auch, verputzt. Rafft man«inen bunten Lappen, so gibt es Künstlcrgardinen Eine Pnppenwiege ist aus einer ollen Kiste und zwei Kleiderbügeln herzustellen, während beklebte Streich- holz- und Zlgarettenschachteln die schönsten Kästen sür Kaufmanns- ladencinrichtungen abgeben. Natürlich gehören zu all diesen Not- behelfen Geduld und Geschick. Aber Rot und Liebe machen er- finderisch, das ist immerhin ein Trost in schwerer Zell. 12. Dezember Ich habe beute meine Betten bezogen und die übrige Wäsche wieder heil gemacht. Den ganzen Tag über botie ich damit zu tun. Bei manchen Stücken sitzt ein Flicken neben dem anderen. Die Bettbezüge waren so hin, daß ich au4 zwei Stücken einen machen mußte, so daß einer der Jungen jetzl keinen Bettbezug bat. ES mutz einer gekan't werden, aber wann dnö sein wird, weiß ich selber nicht, wir müssen eben warten, bis bessere Zeiten kommen. Ich habe beute wieder fast 1000 M. ausgegeben und davon folgendes besorgt: »/» Liter Milch....... 142,50 M. 1 Brot......... 286,—, Pfd. Knochen.>/< Pfd. Fleisch ISS. Weihnachtsausstellungen. Im Gewerkschaftshnus. Einen ganz großen, einen mittleren und einen kleineren Raum hat die Berliner Gewerkschaftskommisston in diesem Jahre ihrer Weihnachtsausstellung im Gewcrkschaftshaus eingeräumt, die am vergangenen Sonnabend eröffnet wurde. Durch einen hohen hellen Raum, in dem von Tischen und Wänden Reproduktionen von wohlbekannten Bildern unserer Großen und Größten wirken, ge- langt man in den kleineren, der mit Spielzeug mannigfacher Art an- gefüllt ist, und gleich darauf in den Hauptraum, in dem man sich, kaum eingetreten, festgewurzelt fühll. Denn man weiß nicht, wohin man zuerst seinen Fuß wenden soll. In der Ferne nämlich, das heißt in der Stirnseite des Raumes, locken auf langen und hohen Regalen rielgestallige lustig-bunt« Gebilde als Kaffeekannen, Tee- kannen, Milchtöpfe, Tassen, Teller, Schalen und Schälchen und Vasen, und alles, was Frau und Hausfrau ist oder werden will, stürzt sich durch die im Vordergrund aufgebaute Bücherschlucht, ohne den darin aufgestapelten Schätzen mehr als einen stuchtigen Blick zu schenken, auf den fröhlichen Hausrat, nimmt mit klopfendem Herzen so ei» Täpfchen in die Hand, liest den Preis ab, liest nochmals den Preis und kauft und kauft... In der Tat, wer was haben will, muß sich eilen, denn nach drei Tagen weisen die dicht gefüllten Regale schon wette Lücken auf. Erst wenn man seinen Kauf- und Schcnleifer hier defriedigt hat, gelangt man zu einer ruhigen Würdigung des übrigen. Die Jugendbücher, Iugendfchutz- und Derlagsbücher und Bauküsten, Bildermappen mit Bildern, jchwarz oder farbig, nach Werken von Ludwig Richter, Schwind, Spitzweg, Rembrandt, Dürer, Holbein, Feuerbach, und die schönen Drucke der Reichsdruckerei sind ! für Weihnachtsgeschenke wohl zu beachten. Zweierlei aber soll man bedenken, wenn man hingeht. Zum ersten: Man soll sobald, am besten gleich hingehen, denn es wird tüchtig getaust, und zum zweiten: i Man oergesie unter keinen Umständen, sein Verbandsbuch mitzunehmen, sonst kommt man nicht hinein. Dann aber ist der Ein- tritt frei. Im Jugendhelm. An der Stätte, wo sich sonst unsere Arbeitermädels und Burschen zu fröhlicher oder ernster Betätigung zusammenfinden, im Jugend- � heim, Lindenstr. 3. ist am Sonntag eine besuchenswert« Ausstellung � von guten Büchern, Bildern, Wanderausrüstungs- gegen st änden, Mufitinstrumenten usw. eröffnet war- den. Gerade Bücher haben eine warme Pslegestätte bei der Arbeiter- jugend gefunden, und fo ist es verständlich, daß die Ausstellung in erster Linie von Büchern bestr'tten wird. Alles ist vertreten. Märchen- bücher für die Kleinen und Großen, worunter das„Äinbcrland" nicht fehlen darf, und schließlich Schaffsteins Blaue und Grüne Band- chcn. Sämtliche Klassiker sind da, und wer das Glück hatte, konnte' für einen verhältnismäßig billigen Preis Goethes„Faust" erstehen. Die.Internationale Bibliothek", sowie die bekannte„Vorwärts- Bibliothek" haben ebenfalls hier ihren Platz erhalten. An Wände r- ausrü st ungsgegen stünden ist kein Mangel, Stutzen, Wanderhemden, wollene Schals und Kocher liegen preiswert zum Berkauf aus. Für die„zupfenden" Mädels und Burschen harren Lauten und Mondolinen der Käufer. Die Ausstellung ist dos Werk der sozialistischen Arbeiterjugend und der vollen Unter- stützung der arbeitenden Kreis« würdig. Alle Slrbeitereltern sollten. bevor sie ihre Weihnachtseinkäufe machen, ihre Schritte zum Jugend- heim in der Lindenstraße lenken. Die Ausstellung ist täglich von 5 bis 8 Uhr und Sonntag, den 17. Dezember, von 10 bis 4 Uhr geöffnet. Eine Ausstellung von guten Büchern, vor allen Dingen Jugend- schriflen. ist im Arbeiter-Jugendbeim Neukö lln, Mün- »ener Straße 62. eröffnet. Die Ausstellung ist jeden Abend von 6 bis 8 Uhr geöffnet. weiße Bohnen 160.- Suvvengrün....... 10,— 1 Pfd. Mu-Z........ 200.- 973,60 m. Zum Mittagessen gab es heute B r ü b b o h n e n, ick verbrauchte dazu die ringekaufien Bohnen, die Knocken, das Fleisch und daS Suppengrün, Das Essen dürfte sich einschließlich der Feuerung auf etwa 400 M. gestellt haben. Ich habe jetzt noch ganze 2418,60 Mark und warte nun alle Tage sehnsüchtig auf die Nachzahlung, die mein Mann bekommen soll. Man bat stch noch immer nicht an das Gefühl gewöhnr, daß man mit seinem Gelbe gerade noch zwei, höchstens drei Tage auskommen kann. An Einteilen auf den ganzen Monat ist schon gar nicht zu denken. Verbilligtes Brot für Nentenempfänger. Die der Stadt Berlin iür außerordentliche Notstandsmaßnahmen zuaunsten der Nentenempfänger der Invaliden- und Angestellten- Versicherung zur Verfügung stehenden Mittel sollen zur VcrauS- gabung von verbilligtem Brot verioandt werden. Die Ausgabe des Brotes beginnt nicht vor Anfang Januar 1923. Be« zugSberechiigt sind: 1. ohne besonderen Antrag: die in der Sozial« rentnerfuriorge laufend unterstützten Perionen; 2. auk besonderen Antrag: die nicht laufend nnterstützten Nentcnenivfönger der In» validen« und Angestelllenversicherung im Falle besonderer Bedürs» tigkeit. Anträge der zu 2 bezeichneten Rentenempsänger werden spätestens bis zum 23. Dezember in den GeichäitSstellen der Sozialrentnerfürsorge desjenigen Verwaltungsbezirks entgegen- genommen, in dem der antragsbereStigte Rentenempfänger wohnt. ZSj Die Welk ohne Sünde. Der Roman einer Minute von vicki Baum. Den Namenlos konnte er nicht finden. Dieses letzte Ende des tiefsten Stollens lag so unheimlich'verstummt in seiner Tiefe. Anselmus kauerte sich hin und lauschte, es war nichts i?a, als ein stetes, stetes Tropfenfallen. Langsam verhüllte sich alles. Dann, unmeßbar später losch die Lampe aus. Anselmus blieb in der Finsternis kauern und starrte in sie, bis Hell- grün kam. Da sah er den Bruder Namenlos mit Egidius über eine Waldlichtung gehen. Egidius ging mit gesenktem Kopf, aber der Namenlos sprach und sprach zu ihm. Kann der Stumme sprechen? fragte Anselmus. Still, sagte Egidius; er beichtet... Dann starrte Anselmus wieder ins Schwarze und wartete auf das, was näherkam. In der Dunkelheit war mit einem Mal ein Licht zu sehen, eine weiße, runde Kugel, die Schein aus sich'warf. Sie kam von weitem, wanderte vielleicht heran: doch als Anselmus hinstarrte, blieb sie reglos, wuchs, weihleuchtend im Dunkel. Seltsame Strahlen huschten den Gang her, zuckten an den Wänden, schwanden: das runde Leuchten blieb, verwandelte sich zum menschlichen Gesicht. Anselmus streckte weit den ; Kopf vor, und ahnend erkannte er Börries kahlen Schädel mit den gewaltig eckigen Zügen. Doch war er nicht befremdet. Wie abgetrennt vom Körper, wie eine Lampe, hing er im Dunkel, mit geschlossenen Augen, den Mund voll Schmerzen. schlafend oder tot. Ein seltsames Surren war um die Er- scheinung, ein Knistern. Sprühen. Zucken von Lichtern, Irres, Jneinand'ergeballtos, Kreisen von weißglühenden Funken. In Anselmus Hand, die de!? Hebel fester umklammerte, trommelte der Puls, sein Herzschlag hatte' eine zischende llnrast emp- fangen. Ich habe Fieber, dachte er nach, dann schloß er die j Augen vor dem nahenden Licht. Ein turzev» Traum von Klar- heit und Nüchternheit schloß ihn ein. Nachdem Börries, der Ingenieur, eine Woche lang un- fichtbar geblieben war, sprengten sie die Türe seines Labo- ratoriums und fanden ihn am Boden liegend zwischen den Scherben der zerbrochenen Keinrplatten und Reagenzgläser, die sein Fall vom Tisch gefegt hatte. Er war nicht tot, wie ein erstes entsetztes Geschrei es durch die Fabrik trug, aber er lag in so tiefer Bewußtlosigkeit, das Leonhard sich stundenlang bemühen mußte, ihn aufzuwecken. Schweißgebadet von allen Anstrengungen saß der kleine hilfreiche Gnom da, als Börries endlich die Augen öffnete und feine Laboratoriumswände an- staunte.„Ich habe geträumt," sagte er verwundert. „Was denn geträumt?" „Merkwürdige Dinge— so wie man früher im Hunger- fieber geträumt hat. Da!— jetzt ist es weg— alles- ver- geffen," sagte er und schaute die Wände an, die ihm schwach entgegenwankten. Leonhard brummte Verschiedenes und holte aus der Fabriksküche Brei. Mit seinen behaarten Wurzel» Händen fütterte er den Ingenieur, der artig schmatzte, wie ein Kind. Als er vier Teller voll gegessen hatte, war er satt und legte sich wieder hin. Jeden Tag Staatsbrei, sagte er nachher. Es wächst mir beim Hals heraus, und allen Mitbürgern auch. Nein, Leonhard, jetzt wollen wir andere Dinge pflanzen. Gute Dinge zum Beispiel. Ananas zum Beispiel, Feigen, Melonen und Bananen. „Ist recht," sagte Leonhard, beschwichtigend und schaute das Fieberthermometer an: aber Börries fieberte nicht. „Man kann in den Koblenberg schicken: Anselm soll her- kommen, sagte Börries.„Sie sollen die Pumpen einstellen. Wir wollen das verfluchte Werk versaufen lassen." „Schön, schön," sagte hierauf Leonhard. „Wir brauchen keine Kohlen mehr." „Gewiß nicht. Wozu brauchen wir Kohlen," begütigte Leonhard, sein Bart zitterte vor Vergnügen. Börries legte sich bequemer hin und dann stagte er:„ScheiM die Sonne?" „La." „Wir brauchen keine Sonne," sagte Börries noch und dann schlief er plötzlich ein, noch bevor der Arzt auch da zu- gestimmt halte. Ebenso plötzlich erwachte er eine halbe Stunde später, stand auf und behauptete, er sei wieder ganz in Ord- nung. Sieh einmal deine Hände an, sagte Leonhard, der stumm und ohne Regung neben dem Schlafenden geblieben war,„er- kläre freundlichst, was du damit gemacht hast." Börries rechte Hand war verbrannt auf eine seltsame Weise, schwarz und vertrocknet hing sie im Gelenk: es sah aus wie die Wunde eines Menschen, den der Blitz erschlagen hat. Der linke Arm trug einen Schnitt der vom Ellenbogen bis zur Handwurzel lief, einen sonderbaren Schnitt mit dick aufgelaufenen, wuchernden Wundrändern. Börries besah diese Dinge aufmerksam und murmelte: Darum also habe ich Schmerzen. Möchtest du mir erklären, woher diese Wun- den kommen? Ich habe mit dem Verbinden warten müssen, bis ich weiß, was es ist. Ich traue meinen Diagnosen hier nicht. Hat dich der Blitz getroffen?" „Blitz!" sagte Börries und begann zu lachen.„Nun meinetwegen: Blitz. Ein bißchen Elektrizität. Ein Experiment, das gut ausgefallen ist." „Und hier, links? Du hast ohnedies nur mehr drei Finger on der linken Hand. Was ist das � für ein merkwürdiger Schnitt?" „Ich habe noch immer mehr Finger als du, Bruder," sagte Börries und wurde nachdenklich.„Wo der Schnitt her- kommt, weiß ich nicht. Wahrscheinlich von dem Glaszeug, das ich heruntergeschmissen habe. Er sieht nicht hübsch aus, nicht wahr?" „Nein. Gar nicht hübsch." „Es— es— dürfte etwas— von deinem neuen Bazillus hineingekommen fein. Ich hatte dir so eine hübsche Plantage gezüchtet." „Da haben wir die Schweinerei," sagte Leonhard leise. Er versuchte zu lächeln aber er war ernst geworden. Er bückte sich über die Scherben am Boden und dann hielt er lange und stumm die zerbrochene Platte vor seine Brille. „Was kann er denn, dein neuer Bazillus?" sagte Börries und blies ein wenig Kühlung in feine Schnittwunde. «Das ist es eben. Ich weiß es noch nicht. Ich habe ihn gefunden und weiß seine Wirkung noch nicht. So geht es uns eben. Man nennt es Wissenschast— du kennst es ja auch." „Wie haben sich denn die Meerschweinchen benommen, denen du deine Spezialität eingeimpft hast? Ich könnte mich danach richten, weißt du—" „Ach was. Laß die Tiere! sagte Leonhard unruhig und konnte die Augen nicht von der Keimplatte losbekommen. Un- heimlich waren die Verfallssymptome, die sich bei den ge- impften Tieren gezeigt hatten. Das Herz zitterte dem Arzt, als er den Kopf hob und seinem Freund in die Augen sab, die ganz große, immerwährend flatternde Pupillen hatten.„Mein guter Junge"— sagte er leise und hob ihm die behaarten Hände entgegen. Fortsetzung folgt.) Die Nordsüdbahn fährt Probe. Eröffnung Mitte Januar. Groß- Berliner Parteinachrichten. Kreis- und Abteilungsvorstände! Nachdem in der vorigen Woche die ersten Probefahrten der Zur Beschlußfaffung über ben Mitgliederbeitrag für Januar findet Sonn. Rordsüdbahn stattgefunden haben, rechnet man jetzt mit Sicherheit tag, beu 17. Dezember, vormittags 10 Uhr, in den Sophien. barauf, daß im Monat Januar die Bahn der Deffentlichkeit über- Galea, Sophienste. 17-18, eine geben werden kann. Zunächst dürfte die Strede Stettiner Bahnhof Hallesches Tor in Betracht kommen. Erst Vorständekonferenz einige Wochen später folgen die Anfangs- und Endstücke der Nord- statt. An dieser Konferenz nehmen teil: bez Bezirksvorstand, zwei weitere Südbahn Seestraße- Stettiner Bahnhof und Hallesches Tor- Gneise- Bertreter der Kreisvorstände, die Abteilungsleiter, ihre Stellvertreter und die Abteilungstaffierer. Jebe Abteilung muß vertreten sein. Die Anwesenheit naustraße. Zunächst werden zwölf Züge der Hoch- und Untergrund der Kaffierer ist Pflicht. Eine Bezirksvorstandssitzung findet vor ber conferens Bezirkssekretariat. bahngesellschaft den Betrieb eröffnen. Die Züge, die dieselbe nicht mehr statt. agenzahl wie auf der Nordwest- und Westoftstrecke der Hochbahn aufweisen, werden in verkehrsftarten Zeiten in Abständen von je 5 Minuten und in verkehrsschwachen Zeiten von je 10 Minuten fahren. Der Fahrpreis ist der gleiche wie bei der Hochbahn. Mit der Inbetriebnahme der Strede Hallesches Tor- Neukölln ist erst im Sommer 1923 zu rechnen. Der Klante- Prozeß. Die verhinderten Gründungen" des Angeklagten. In der gestrigen Verhandlung gegen Mag Klante und die Mit angeflagten fam es bei der Bernehmung des Angeklagten Dethlefsen zu heftigen Zusammenstößen zwischen diesem und dem Angeklagten Klante. Klante selbst scheint gesundheitlich einem 3u= sammenbruch nahe zu sein, denn er hustet sehr stark und zeigt auffällige Beichen einer start nervösen Erregung, so daß der Gefängnisarzt Dr. Bürger hinzugezogen werden mußte. Einen breiten Raum in der Beweisaufnahme nehmen die Erörterungen über die Villa in Karlshorst ein, welche sich Klante für 900 000 m. getauft hatte. Dethleffen bezeichnet diese Billa als eine Ruine, deren Herstellung allein 9 Millionen fosten würde. Der Borsitzende hält dem Angeklagten Klante vor, daß doch ein erheb= licher Aufwand allein schon darin liege, daß er eine Billa besaß, fich mehrere Autos und ein Dogcart gehalten habe. Die Rechtsanwälte Bahn und Dr. Welt weisen darauf hin, daß der Ankauf dieser Billa und der Autos die beste Kapitalsanlage gewesen sei. Der Angeklagte Jentsch gibt bei seiner Bernehmung an, daß in sein Geschäft in Dresden noch jest täglich massenhaft Anfragen von Leuten fommen, Klante wieder sein Geschäft aufmache, weil sie bei ihm ihr Geld anbringen wollten. Klante teilt mit, daß er den Plan gehabt habe, große Wurstfabriten, Sanatorien, Liförbrenne reien, Automobilhandlungen und Industries unternehmungen zu begründen, um seinen Betrieb noch rentabler zu gestalten. Nur durch den Zusammenbruch sei er an dem Ausbau dieser Pläne gehindert worden. Dem Angeklagten Epstein, der Geschäftsleiter des Cafés war, wird von dem Berhandlungsleiter gesagt, daß der Verdacht bestehe, er und seine Frau haben dem Klante geholfen, Gelder ins Ausland zu verschieben, weil eine ganze Reihe von Millionen verschwunden find, ohne daß man weiß, wo fie geblieben sind, und weil es bekannt ist, daß Epstein einen Sohn in Holland und einen Bruder in Amerika habe. Der Angeflagte Epstein bestreitet das. Die Verhandlung wurde dann auf Mittwoch früh vertagt. wann Amerikanische Weihnachtsspende für deutsche Kinder. Das New- Yorfer Bentrallomitee zur Linderung der Not in Deutschland und Desterreich hat wiederum eine größere Spende für Kinder- Weihnachtsbeicherungen zur Verfügung gestellt. Dem deutschen Roten Kreuz sind davon 2000 Dollar, das sind 17 Millionen Mart, überwiesen worden, die zu borgenanntem Zwecke an 13 Großstädte verteilt wurden. Auch Berlin ist in diesem Jahre wieder bedacht worden, so daß es ermöglicht wird, 1200 Kindern zu bescheren. Baumschulenweg. Heute, Mittwoch, den 13. Dezember, abends 7 Uhr, öffentliche Bersammlung im Lyzeum, Baumschulenstraße. Thema: Deutschlands Not die neue Regierung bie Aufgaben des Proletariats". Referent Genosse Dr. Paul Levi, M. d. R. 103. Abt. Oberschöneweide. Donnerstag, den 14. Dezember, 7% Uhr, öffentliche Bersammlung im Realgymnasium, Zeppelinstraße. Refe rent Genoffe Hünlich- Wilhelmshaven, M. d. R. 20. Kreis. Die Rassierer der 188., 141. und 142. Abt. werden ersucht, sofort die Mitgliederzah! bem Sekretariat anzugeben. 17. Kreis Lichtenberg. Elternbeiräte: Donnerstag, den 14. d. M., 6 Uhr, Fraktionsfigung in der Schule Marktstraße. Mitgliedsbuch legitimiert. Arbeitsgemeinschaft der soz. Elternbeiräte: Donnerstag, den 14. b. M., 7% Uhr, Bollversammlung in der Mittelschule, Marktstraße. Heute, Mittwoch, den 13. Dezember: Wirtschaft Berfeuerung der Ernährung durch den freien Handel. Das Schlagwort von der verteuernden Wirkung der Zwangs wirtschaft ist durch die Tatsachen längst widerlegt. Nie ist so unwirtschaftlich gearbeitet worden, nie hat die Ware auf dem Wege vom Produzenten länger auf der Bahn gelegen und sich dadurch, nicht durch die hohen Tarife, noch besonders verteuert wie jetzt. Nie hat man es, wie in diesem Jahre erleben können, daß z. B. Obst zur Zeit der Ernte verhältnismäßig billig war, um dann als Lagerware fich im Preise zu verdoppeln und zu verdreifachen. Eine ganz bedrohliche Verteuerung steht jetzt dem wichtigsten und unter der Not der Zeit bedenklich verschlechterten Nahrungsmittel, dem Brot, bevor, und zwar nicht nur von den Agrariern her, die eine ge= waltige Erhöhung der Umlagepreise beschlossen haben, sondern von einem entlegeneren Marktgebiete, dem der Kartoffelprä= parate. M Bekanntlich ist man infolge der ungünstigen Ernte, der schlechten Getreideablieferung und des Balutaelends gezwungen, jezt wieder zur Stredung des Brotes überzugehen. Weil Auslandsgetreide zu teuer ist, will man sich der reichlich vorhandenen und darum billigen Kartoffel bedienen, um dem Brot Nährstoffmengen zuzuführen. Also: die Not zwingt, Kartoffelflocken und Kartoffelwalzmehl zum Backen zu nehmen. Kaum merft das Produktion 5. Abt. 7 Uhr Mitgliederversammlung im Bürgerheim, Alte Schönhauser und Handel, so ziehen sie auch sofort den ihnen so erwünschten Straße 23-24. Thema: ,, Die Währungstrife". Referent Gen. Dr. Korach. 18. bt. Die Mitgliederversammlung findet nicht in der Schulaula Wiesen, Schluß, hier sei ein Geschäft zu machen. Wucherisch werden diese Ede Bankstraße, sondern in der Schulaula Pantstr. 17 statt. Produkte, die die Lebenslage der Aermsten der Armen erleichtern 27. abt. Pünktlich 7½ Uhr in der Schulaula Sonnenburger Str. 20. Thema: helfen sollten, perteuert. Der fachmännische Mitarbeiter eines Die Getreideumlage". Referent Genoffe Rabold, M. d. 2. 32. bt. 7 Uhr in der Aula ber Fortbildungsschule, Lange Str. 31. Tages. fapitalistischen Blattes, der„ Berl. Börsenztg." berichtet darüber ordnung: Wahl der Abteilungsleitung. Abteilungsangelegenheiten. Die folgendes: Bezirksführer, die ihre Mitgliederlisten noch nicht abgegeben haben, müssen ,, Es ist bemerkenswert, daß die Stärte und Kartoffeldieselben mitbringen. 8u dieser Bersammlung muß eingeladen werden. bedeutenden Aufschwung getrodnungsindustrie einen Mitgliedsbuch legitimiert. 36. Abt. 7% Uhr Mitgliederversammlung in der Schule Petersburger Str. 4. nommen hat, seitdem die Herbstfröste angeblich sehr große Mengen Thema: Kommunalpolitit". Referent Genosse Stadtrat Roblenzer. 39. Abt. Pünktlich 7 Uhr in der Schulaula Bassertorstr. 71 Mitgliederver- Kartoffeln haben erfrieren lassen. Besonders die Kartoffelfloden fammlung. Thema: Das Finanz- und Währungsproblem". Referent find in außerordentlichen Massen hergestellt worden, und da auch Genosse Paul Roste. von Polen zu uns starke Mengen dieses Fabritates herüber47. Abt. Die noch im Umlauf befindlichen Gammellisten für unsere am Sonn- getommen sind, so erklärt sich der große Umfang des Ge tag, den 17. 5. W., 5% Uhr, bei Bollschläger, Adalbertstr. 21, stattfindende Die Fabrikation dieser Kartoffelfchäfts in Kartoffelfloden. Weihnachtsbescherung müssen sofort abgerechnet werden. 48. Abt. 7% Uhr bei Gliefing, Waffertorstr. 68, Mitgliederversammlung. erzeugnisse scheint für den Erzeuger außerordentlich nupbrin Thema: Die politische Lage". Referent Genosse Heinig. Charlottenburg. 57. Abt. 1. Gruppe: 7% Uhr bei Arndt, Kantstr. 51, Gruppen- end zu sein. Der Doppelzentner Kartoffelmehl toftet im Großversammlung. Thema: Rationale und Broletariat". Referent Genosse handel ungefähr 27 000 M. Bur Herstellung gehören an Dr. Golmig. 58. Abt. 7 Uhr Mitgliederversammlung in der Schulaula Rohmaterial etwa 15 Zentner Kartoffeln à 500 m., zusammen Joachimsthaler Str. 31, Eingang Mädchenschule. Thema: Die Kultur- also 7500 m. Rechnet man die Kosten der Fabrikation, besonders aufgaben der Partei". Referent Genosse Albert Horlig. Abt. Friedenau. Beschwerden über unpünktliche Zustellung des Vorwärts" der Löhne, Rohlen usw. noch so hoch, so wird man doch vorausfind zu richten an die Genoffin Jäsche, Raiferallee 89. setzen müssen, daß für die Fabritanten in diesem Preise ein sehr Abt. Steglig. Der Bahlabend bes 1. und 2. Bezirks findet um 7½ Uhr großer Verdienst ruht. Kartoffelflocken stellen sich für den Zentner im Paulsen- Gymnasium, Arndtstraße, statt. Die Abteilung muß die Lose des Bezirksbildungsausschusses schon Donnerstag vormittag abrechnen. auf 8000 M. Gebraucht werden hierzu 4,4 Bentner Kartoffeln, Die Bezirksführer werden daher gebeten, die unverkauften Lose zusammen so daß bei einem Preise von 500 m. etwa für 2200 M. Rohmit dem Erlös noch bestimmt am Mittwoch abend der Kaffenführerin Frau material für den Zentner Flocen notwendig ist. Auch hierbei Jehrmann nach dem Bezirkslokal Südende, Stephanstr. 1, au schiden. Die wird bei noch so hoher Kalkulation der Fabrikationsunfosten ein unverkauften, aber nicht zurückgelieferten Lose müssen bezahlt werden. Neutölin. 90. Abt. 22., 30. und 34. Bezirk: 7½ Uhr Bezirisabend in der starter Gewinn den Herstellern sicher sein. Man hat hierin die ErKnabenmittelschule, Donaustr. 120. Referat des Genossen Reinknecht. 92. Abt. 7 Uhr Sahlabenbe: Bez. 14, 29, und 30 bei Rlein, wildenbruch flärung für die offenbar fehr reiche Herstellung aller dieser Karftraße 15; Bea. 27 und 32 im Reichenfaat der Schule Elbestraße; Bez. 28 toffelprodukte, die geschäftlich zu erheblichen Umsätzen führten. In und 33 bet Wegener, Elbeftr. 14, Referent Genoffe Drosdatius; Bez. 31 der Hauptsache sollen ja wohl nur angefrorene bzw. nicht für und 44 bei hälerig, Innstr. 8, Referent Genoffe Bose; Bez. 45 und 55 bei Nahrungszwecke verwendbare Kartoffeln zur Herstellung dieser ErLippert, Rofeggerftr. 17; Bea. 46 und 59 bei Dabfe, Richardfit. 106 zeugnisse verwandt werden. Bei dem Umfange der Produktion Bez. 72 und 73 hei Schneider, Rosenstr. 7.- 03. bt. 82. Bez.: 7% Uhr Bahlabend bei Fahrenholz, Kaiser- Friedrich- Str. 95. Thema: 10 Tage wird man indessen zweifeln müssen, daß es sich in der Tat Moabit". Referent Genoffe Reinhardt. immer nur um beschädigte Ware handelt." 101. bt. Treptow. 7% Uhr Mitgliederversammlung im Zeichen faal der Schule Wildenbruchstraße. Thema:„ Die Maßnahmen der Regierung gegen Wucher und Teuerung". Referent Genoffe Richter, M. d. 106. Abt. Johannisthal. 7½ Uhr Mitgliederversammlung in der Schulaula Roonftraße 1. Thema: Unsere Stellung zur neuen Regierung". Umständehalber findet die Mitgliederversammlung 124. Abt. Mahlsborf. 8 Tage später statt. 127. Abt. Sohenschönhausen. 7% Uhr Mitgliederversammlung und Zahlabend 128. Abt. Bankow. 7½ Uhr Zahlabend in der Schule Raifer- Friedrich- Straße. 133. Abt. Buchholz. 7% Uhr bei Raehne, Berliner Str. 39, Mitgliederverfammlung. Thema:„ Die Entstehung des Rapitalismus“. Referent Genoffe Mar Schütte. 81. 82. in der Schule Freienwalder Straße. Vortrag des Genoffen Schiller. Die Arztekundgebung in der Universität. Die von den deutschen ärztlichen Vereinigungen veranstaltete Rundgebung in der Univerfität, die um 2 Uhr nachmittags am Freitag beginnt( nicht wie ursprünglich festgefeßt um 12 Uhr), nimmt einen ungewöhnlichen Umfang an. Im Mittelpunkt der Tagung steht die Frage der Ge- Bilbau. 7½ Uhr im Rafino Zahlabend. funderhaltung und der Erhaltung der Arbeitskraft des deutschen Boltes. Zu den geladenen sozialpolitisch interessierten Bereini- 85. st. Tempelhof. 7% Uhr Mitgliederversammlung in der Aula der Schule gungen gehören die Gewerkschaften und die Spizenorganisationen der Arbeitnehmer, die Angestelltenverbände, Beamtenvereinigungen und Unternehmerverbände aus Industrie und Handel sowie vor allem auch die Krankenkassen. Morgen, Donnerstag, den 14. Dezember: Werderstraße. Thema:„ Die wirtschaftliche und politische Situation Deutschlands im Rahmen der Weltwirtschaft und Außenpolitik". Referent Genoffe Kurt Riezmann. Sungsozialisten. Gruppe Tempelhof- Mariendorf: Donnerstag 7½ Uhr im Lokal Hansen, Tempelhof, Borussia-, Ede Neue Straße, Bortragsabend. Gruppe Briz: Pünktlich 7% Uhr im Jugendheim Chauffeeftr. 48, Diskussion über allerlei aus Leben und Bissen. Gäste willkommen. Weihnachten ohne den Vater! Wie in den borhergehenden Jahren, so wird auch diesmal wieder eine Weihnachtsbe scherung für Angehörige unbemittelter Unters fuchungs- und Strafgefangenen veranstaltet. Groß ist die Not und das Elend folcher des Ernährers beraubten und von Vorträge, Vereine und Versammlungen. feiner Seite unterstützten Familien, der bedauernswerten Frauen Mieterverband Schöneberg. Sauptversammlung am Donnerstag, den und Kinder und hochbetagter Eltern. Gaben jeder Art erbittet 14. Dezember, abends 8 Uhr, in der Uhland- Schule, Kolonnenstr. 21. Tages Gefängnispfarrer Klatt.( Berlin NW 40, Lehrter Str. 4. Post- ordnung: Borstandsbericht, Jahresbericht, Raffenbericht und Borstandswahl. fchecktonto Berlin NW 7 Nr. 84 295.) 9 Ablehnung der Schlemmerstever. Im Hausbaltsaus schuß der Berliner Stadtverordnetenversammlung wurde gestern die Magistratsvorlage über die Einführung einer Verzehrsteuer ( Schlemmersteuer) nach Anhörung von mehreren Vertretern der beteiligten Kreise abgelehnt. Wo sind die Kupferpfennige geblieben? Zu diefer Notiz in Nr. 574 erfucht uns die darin genannte Firma A. Meyer- Tempel hof mitzuteilen, daß sie niemals auf ihrem Werte Stupferpfennige Unser Gewährsmann teilt empfangen oder eingeschmolzen habe. uns dazu mit, daß er nach wie vor seine Behauptung aufrecht erhält und bereit ist, seine Angaben durch Zeugen zu beträftigen. 520 holländische Gulden verloren hat gestern ein Angestellter am Schalter der Stadtbahn Zoologlicher Garten. Es handelt sich um zwet Scheine à 200, 1 à 60, 1 à 40, 2& 10 Gulden, und zwar sind diese aus ber hinteren Solentasche verschwunden. Es ist eine Belohnung von 200 000 m. für die Herbeischaffung des Geldes ausgesetzt. Henri Guilbeaug spricht in Berlin. Der französische Schriftsteller Henri Guiibeaug, der wegen friegsgegnerischer Propaganda in Frant reich zum Tode verurteilt ist, befindet sich zurzeit in Berlin Auf Einladung der Liga Junge Republik spricht Guilbeaur am tommenden Freitag, den 15. Dezember, abends 8 Ubr, im Grünen Saale des Meister saales vor geladenem Publikum über das Thema„ Der Wiederaufbau der Welt und die Mission der Jugend". Am 21. Dezember pricht Guilbeaug öffentlich im Klindworth- Scharwenta- Saal über den Geist des neuen Rußlands und die Weltliteratur". Am Vortragstisch erscheint bei diefer Gelegenheit zum ersten Male wieder Alfred Beierte. Der Kleintierzüchter Verein Berlin- Norden veranstaltet vom 16. bis 18. Dezember in dem Etablissement von Ballschmieder, Badftr 16, feine 14. Kleintierschau. Dem Verein ist es trop der großen Futtermittel teuerung gelungen, eine Ausstellung von Kaninchen, Hühnern und Tauben, sowie selbst gefertigte Belziachen zu zeigen. ব Deutlicher tann der Wucher, der mit den Streckmitteln des Brotes getrieben wird, von einem für Interessenten geschriebenen Blatt faum gekennzeichnet werden. Was sich hier vor unseren Augen abspielt, ist einfach standalös. Die Landwirte verkaufen, das muß zugegeben werden, ihre Kartoffeln billiger, als es dem Stand der Teuerung entspricht. Die durchschnittliche Preissteigerung ist bei den übrigen waren viel größer! Nun tommt die Stärkeund Kartoffeltrocknungsindustrie und verteuert im Berein mit den Händlern die Preise ihrer zur Boltsernährung benötigten Fabrifate ganz ungeheuerlich. Wir verlangen, daß das Reichsernährungsministerium hier einschreitet und für Kartoffelwalzmehl und-flocken Höchstpreise einführt, wie sie für alle übrigen an der Herstellung von Umlagebrot mitwirkenden Kreise und Fabrikate bereits bestehen. Die Zahlungen für das Ausgleichsverfahren. Der Artikel 296 des Versailler Vertrages bestimmt, daß die Abwicklung der privaten Forderungen und Verbindlichkeiten aus der Vorfriegszeit zwischen Deutschen und Angehörigen der alliierten Staaten durch Vermitt lung von staatlichen Ausgleichsämtern vorgenommen werden wird. Es ist verboten, diese Berbindlichkeiten durch unmittelbare Abkommen zwischen Gläubiger und Schuldner abzuwideln. Jeder alliierten Macht war es freigestellt, an diesem Ausgleichsverfahren teilzunehmen. England, Frankreich, Belgien, Italien, Griechenland, Haiti und Siam haben sich dem Ausgleichsverfahren angeFreireligiöse Gemeinde, Bezirk Südost II. Mittwoch, den 13. Dezember, schloffen. In der Zeit von Mitte August 1920 bis Mitte November 1922 haben erhalten England 23 479 427 Pfund, Frankreich abends 7½ Uhr, Wassertorstr. 31, part., Bersammlung. Referent A. Harndt. Donnerstag, den 14. Dezember, abends 7 Uhr, Bersammlung des Bezirks 374 287 653 Frant, Elsaß Lothringen 250 311 225 Frant, Wedding in der Schule Turm str. 87. Referent A. Harndt. Gäste willkommen. Freitag, den 15. Dezember, abends 6½ Uhr, Bersammlung des Bezirks Weißen- und Siam 19 715 Pfund. Belgien 133 928 892 Frant, Griechenland 479 142 Drachmen Diese Summen entsprechen einem fee im Realgymnasium, Pistoriusstraße. Referent A. Sarndt. Gäste willkommen. Zur Be Bereinigung für Schul- und Erziehungsfragen, Berlin- Treptow. Deffent. deutschen Gegenwert von 615503715 Goldmart. liche Bersammlung Freitag, den 15. Dezember, abends 8 Uhr, im 8eichenfaal, schaffung der notwendigen Zahlungsmittel hat das deutsche Aus= Bilbenbruchstr. 53. Referent Herr H. Kölling: Die Stellung des Erziehers gleichsamt insgesamt rund 43 Milliarden Papiermark und des Kindes in der Erziehung". Freie Aussprache. abends 7 Uhr, findet in der Aula des Realgymnasiums, Neue Rrugallee 7, aufwenden müssen. eine musikalische Abendfeier statt. Eintritt unentgeltlich. Ausweis: Mitgliedskarte. Am 21. Dezember, Berein heimattreuer Westpreußen, Berlin- Süden, E. B. Weihnachtsfeier und befcherung am 16. Dezember in den Zentralfestfälen, Alte Jatobftrage. Anfang pünktlich 7% Uhr. Gäfte herzlich willkommen. Lebensmittelpreise des Tages. Zufuhr: Fleisch ausreichend, Geschäft schwach. Fische knapp, Geschäft rege. Obst und Gemüse reichlich, Geschäft flott. Devisenfurje. Unferer gestrigen Rurstafel find noch folgende amtlichen Notierungen nachzutragen: 100 österr. Kronen abgeſt. 11,72 Geld, 11,78 Brief; 1 tschechische Krone 261,34 Geld, 262,66 Brief; 1 ungarische Krone 3,59 Geld, 3,61 Brief; 1 bulgarischer Lewa 65,83 Geld, 66,17 Brief; 1 jugoslawischer Dinar 103,24 Gelb, 103,76 Brief. 100 Polenmart gelten im freien Verkehr etwa 46,50 M. Am Dienstag galten in der Zentralmarkthalle folgende Kleinhandelspreise: Rindfleisch 350-550 M., ohne Knochen 550-650 M. Schweinefleisch 650-900 M. Hammelfleisch 400-675 M. Kalbfleisch 400-700 M. Rückenfett 1450-1550 M. Rindertalg 1150-1250 M Schellfisch 200 bis 325 M. Kabeljau 185-325 M. Dorsch 180-195 M. Rotzungen 230 bis 290 M. Flundern 120-160 M. In Eis: Zander 340-475 M. Plötzen Bleie Bei 190-250 M. Hechte 350-400 M. Lebende Schleie 450-530 M. 320-360 M. Karpfen 350-400 M Naturbutter Hechte 400-475 M. Margarine 1000-1100 M. Schweineschmalz 1450 M. 1450-1600 M. Haferflocken 330 M. Reis Maisgrieẞ 180 M. Buchweizengrütze 350 M. 275-325 M. Backobst: Birnen 175 M., Pflaumen 200-300 M., Gemischtes 275-450 M. Kartoffeln 78-84 M. 10 Pfund. EBäpfel 40 bis 60 M. Eẞbirnen 45-62 M. Power's Kinder- und Krankennahrung für den Tagline ärztlich empfohlens Korpulenz- Fettleibigkeit sind Dr. Hoffbauer's ges. gesch. Entfettungs- Tabl. ein vollkommen unschädliches und erfolgreiches Mittel ohne Einhalten einer Diät. Keine Schilddrüse. Kein Abführmittel. Ausführl. Broschüre gratis Elefanten- Apotheke Straße 14 Donhoffplatz). Brie Leipziger Er raucht Batschari, er ist Qualitätraucher! WO PUHANNY A BC Abg. Gofheim( Dem.) antwortete dem Antisemiten in einer wür- Genosse Lüdemann erinnerte vor allem die Zentrumsagrarier Deutsche Volkspartei und Schuh der Republik bigen, aber dutch schlagenden Weise. Er erinnerte baran, daß ein daran, daß sie im Verhältnis zu ihrer Leiſtungsfähigkeit stärker zur Ein bezeichnender Vorfall im Reichstag. Mann wie Rathenau sich nicht um den Ministerposten gedrängt Die gestrige Sigung des Reichstags begann mit der Beant- habe, sondern nur schwer zu bemegen gewesen sei, Minister zu wortung einiger fleiner Anfragen. Aus einer der Regierungsant- werden. Herr Bruhn hatte sich auch dagegen gewandt, daß der worten ist zu bemerken, daß die französische Besagung allein in Borsigende des Staatsgerichtshofes einem deutschvölkischen Angeflag. Neustadt an der Hardi 280 000 Quadratmeter wertvolles Kultur- ten gesagt hat, er möge doch nicht so lügen. Die Lüge möge vielleicht gelände zur Errichtung von Kafernen und 160 000 Quadratmeter deutschvölkisch sein, aber sie jei keine deutsche Tugend. zur Anlage eines Ererzierpíazes beschlagnahmt hat. Abg. Hildenbrand( Soz.). der Beisiger des Staatsgerichtshofes Der 8. Nachtragsetat, der den Reichsfinanzminister ermächtigt, ist, erwiderte ihm, daß diese Bemerkung des Vorsitzenden des Staatszur Sicherung der Voltsernährung weitere 100 milliarden Mark gerichtshofes durchaus richtig gewesen sei, um so mehr, als doch die zu verwenden, wird in allen drei Lesungen ohne Debatte angenom- organisatorischen und geistigen Beziehungen der Hauptschuldigen in men. Der Gefeßentwurf zur vorläufigen Regelung der Zahlungen dem Rathenau- und Scheidemann- Prozeß zu den Deutschvölkischen auf Grund des Reichsausgleichstesehes wird dem Ausschuß über- nicht ernstlich in Zweifel gezogen werden können. wiesen. Die Geschäftsordnung für den Reichstag wird in zweiter Beratung gegen die Stimmen der Kommunisten angenommen. felbstverständlich. Nach einem furzen Bortrag des Berichterstatters Abg. Stücklen( Soz.) wird dem Abschnitt Marine des Haushalts des Reichswehr ministeriums zugestimmt. Eine längere Aussprache entwickelte sich bei dem Haushalt des Reichsministeriums des Innern. Frau Abg. Behm( Dnatl.) begründete eine Entschließung, die fich gegen die Einrichtung von öffentlichen Häusern durch die Befagungsbehörden Frankreichs im befekten Gebiet richtet. Diese Entschließung wird einstimmig angenommen. Der Kommunist Koenen hielt die übliche Rede gegen die an gebliche Bespigelung der Kommunisten aus Reichsmitteln und mandie sich vor allem gegen die Position im Haushalt ,, Reichstommissar für die lieberwachung der öffentlichen Ordnung". Die Deutschnationalen schicten amei Redner Dor, den Abg. Semier und den Abg. Bruhn, die sich über die Drangsalierung deutschvölkischer und deutschnationaler Organisationen beschwerten. Besonders regten sie sich auf über den Fonds von 75 Mil lionen Mart zum Schuhe der Republit. Herr Bruhn leistete sich außerdem wüste antisemitische Ausfälle, indem er wahrheitswidrig die Dinge so darstellte, als seien nach der Revolution besonders viele Juden Minister gewesen, obwohl nur ganz vereinzelt Juden auf der Regierungsbank Plaz genommen haben. Herr Bruhn wikelte, es hätte nur noch gefehlt, daß auch das Zentrum jüdische Minister präsentierte. Steuer herangezogen werden müßten. In der Abstimmung werden sämtliche Abänderungsanträge abgelehnt und die bekannten Beschlüsse des Ausschusses angenommen. Im Hammelfprung wird die Bestimmung gestrichen, daß das Achtsache des Wertes festgesezt mird, wenn sich auf einem bebauten Grundstück eine oder mehrere Wohnungen, bie je einen am 1. Juli 1914 ortsüblich gewesenen jährlichen Mietwert von mehr als 5000 m. haben, befinden. Nach Annahme des§ 3, wonach der Wert bei Berechnung der Steuer auf volle 100 m. abgerundet wird, vertagt sich das Haus auf Mittwoch 12 Uhr. Jugendveranstaltungen. Daß Herr Bruhn diese Behauptung Hildenbrands bestritt, ist Verein Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin. Bei der Abstimmung ereignete sich der bezeichnende Vorfall, daß Norbosten: Jugendheim Chriftburger Str. 14, Distuffionsabend: Gtellung die Deutsche Volkspartei gegen die Bewilligung der Mittel zum zur Arbeitersportbewegung". Brenzlauer Borstadt: Jugendheim GemeindeSchuhe der Republik stimmte. Angenommen wurde u. a. eine Entschule Danziger Str. 23, Bortrag:„ Friz Reuter". schließung, die zwei Millionen zum Schutze der Wartburg von der Reichsregierung fordert. Nächste Sigung Mittwoch nachmittags 3 Uhr. Das neue Grundsteuergeseh. Der Preußische Landtag nahm am Dienstag die zweite Beratung des Entwurfs über die neue Grundsteuer vor. Genoffe Waentig betonte, daß die Sozialdemokratie troß schwerer grundfäglicher Bedenken der Verabschiedung zustimme, weil es sich hier nur um eine vorläufige Regelung handle. Er betonte, daß Preußen finanzpolitisch heute hinter den übrigen Staaten Deutschlands marschiere. Außenpolitisch und innenpolitisch fönne der augenblicklich herrschende Zustand nicht länger dauern. Die Länder verlangten Geld vom Reich. Das verpflichte sie, selbst nach Steuerquellen zu suchen. Der alte Etat schließe mit einem Defizit, und auch Der neue rechne mit einem solchen. Finanzminister Dr. Richter wandte fich hauptsächlich gegen die von bürgerlicher Seite vorgebrachten Bedenken. Die außerordentl. Generalversammlung Deutscher Metallarbeiter- Verband Cohufartell für die Gemeindebetriebel der Wirtschafts- Genoffenschaft des Zentral- Berbandes b. Kleingartenvere ne Verwaltungsstelle Berlin N 54, Linienstraße 83/85. Donnerstag, den 14. Dezember, abends 6 Uhr Deutschlands( Gauverband Groß- Berlin) Geschäftszeit vorm.9 Uhr bis nachm. 4 Uhr. in den Andreas- Festfälen, Andreasstr. 21: E. G. m. b S. findet am Freitag, den Telephon: Amt Norden 833, 834,835, 836. 15. d. M., abends 7 Uhr, im großen Gaale des Gewerlicha tshaufes fiatt. 149/18 Achtung! Walzwerferbeiter. Funktionär- Versammlung T- D.: Geschäftsbericht. Anträge. Ersatzwahl des Vorstandes und Aufsichtsrates. Morgen, Donnerstag. 14. Dezember, Tagesordnung: Stellungnahme zu den TarifverhandDer Aufsichtsrat: gez. J. Dietrich. abends 6 Uhr, im Lofal von Schulz, Der Borstand: gez. A. Bohnefeld. F. Elser. Elisabethstr. 30: Ortskrankenkasse der Gürtler zu Berlin. Branchenvertrauensmänner- Konferenz. Einladung Das Erscheinen aller Kollegen ist Pflicht. 136/17 Die Ortsverwaltung. 3. außerordentlichen Ausschußfihung Felbstecher, Photoapparate tauft Bert im Reichenberger Hof, Reichenbergeritr. 147 zentrale, Oranienstraße 138, 1. Etage. am Mittwoch, den 20. d. M., nachm. 42 Uhr, Tagesordnung: 1. Gagungsänderung. 2. Verschiedenes. Berlin, den 13. Dezember 1922. Der Vorstand 174/12 Rarl Röder, Bors., Ost. Kuntschte, Schriftf. Einladungskarte dient als Ausweis Allgemeine Ortstrantentaffe Berlin- Weißenfee Bekanntmachung Durch die Verordnung vom 1. De sember 1922 ist die Krantenversicherungs pflichtgrenze auf 720 000 m. Jahresein tommen erhöht worden. DON Diese Berordnung ist mit dem 11. Dezember 1922 in Kraft getreten, und zwar hergestalt, daß Bersicherungspflichtige, bie Die maßgebende Verdienstgrenze 720 000 9. überschreiten, ohne ihren Arbeitgeber oder ihre Stellung zu wechseln erft mit dem ersten Tage des vierten Monats nach Ueberschreiten der Verdienit grenze aus der Versicherungspflicht aus fcheiden Eine Benderung der jeg! geltenden Grundlöhne und Beiträge tritt vor dem 1. Januar 1923 nicht ein. Die Arbeitgeber werden deshalb er fucht, alle bei ihnen beschäftigten Personen, melche am 11. Dezember 1922 ein Eintommen bis zu der obigen Höhe bezogen, von diesem Tage ab spätestens bis zum 30. Dezember 1922 bei unserer Kaffe anzumelden 174/11 Berlin Belßenfee, den 12. Dez. 1922 Der Borstand. Brühmüller, Borsigender. Eingetr. Firma ges. gesch. Allen voran beim Einkauf von Brillanten, Platin Gold- u. Silber- Bruch Uhren, Zahngebissen, Ketten, Münzen, Bestecken die renommierte Firma Juwelier K.Wiese Artilleriestraße 30 5 Min vom Bhf Friedrichstraße u. Passauer Str. 12 ( Ecke Augsburger Straße) 5 Minuten v. Wittenbergpl.- Zoo Tel. 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