Nr. 60439.Jahrgang Ausgabe B Nr. 294 Bezugspreis: Für den Monat Dezember 750. voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet sowie Desterreich und Luxemburg 1250 M., für das übrige Ausland 1750 9. Bostbestellungen nehmen an Belgien, Dänemart, England, Estland, Finnland, Frank. reich, Holland, Lettland, Lugeniburg, Sefterreich, Schweden, Schweiz. Tschechoslowakei und Ungarn. Der Vorwärts" mit der Sonntags. beilage ,, Boll und Reit", der Unterhaltungsbeilage ,, Seimwelt" und der Beilage ,, Siedlung und Kleingarten" erscheint mochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: ,, Sozialbemokrat Berlin" SW Abend- Ausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 15 Mark Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezette toftet 250 M. Reflamezeile 1250 W. ,, Kleine Unzeigen" das fettgedrudte Wort 75 M.( zulässig zwei fritgebrudte Worte), jedes weitere Bori 50 M. Stellengesuche und SchlafStellenanzeigen das erste Wort 40 M., jedes weitere Wort 30. Borte über 15 Buchstaben zähren für zwei Worte. Familien- Anzeigen für Abonnenten Beile 80 901. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin GB.68, Linden. ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Dönboff 292–295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Freitag, den 22. Dezember 1922 Richtlinien zur Wucherbekämpfung. Reparationen und Schuldenfrage. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 6s, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36A Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depositenkaße Lindenstraße 3 Das Gewerkschafts- Streikgeseh. Seit drei Jahrzehnten führen, die deutschen Gewerkschaften systematische Rämpfe um günstigere Lohn- und ArbeitsbedinDas Reichswirtschaftsministerium gibt im Berein Fortschreiten begriffen seien. Die Besprechungen, die vor einigen gungen. Dabei sind in den Kinderjahren der Gewerkschaften mit dem Reichsjustizministerium auf Grund der Berord Wochen als ein Gedankentaustausch zwischen deutschen Industriellen so manche Fehler gemacht worden, besonders in all den Fällen, nung gegen Preistreiberei Richtlinien über die Feststellung und der amerikanischen Handelskammer als Vertreterin der amerika in denen das Gefühl feine ruhige leberlegung aufkommen des angemessenen Preises heraus. Die Richtlinien haben für sämt- nischen Industrie begannen, haben einen durchaus inoffiziellen und ließ. Aus all den großen und fleinen Fehlern der einzelnen Berbände aber haben die Gewerkschaften allesamt gelernt. Die liche Landesregierungen Geltung und sollen eine einheitliche Rechts- informatorischen Charakter. Lehren waren so eindringlich, das Lehrgeld mußte mit fo auffaffung im Kampf gegen die Preistreiberei herbeiführen. Nach teuren Opfern bezahlt werden, daß die Erfahrungen beachtet den vom Reichswirtschaftsministerium aufgestellten Grundsätzen darf London, 22. Dezember.( WTB.) In einem Leitartikel über die werden müssen. Sind Lohnbewegungen auch feine einfachen der Berkäufer jeden Preis fordern, der den Höchstpreis oder behörd. lich festgesetzten Preis nicht übersteigt, doch gelten diese Breise nur bevorstehende Reise des Schazkanzlers Baldwin nach Washing Rechenegempel, so erfordern sie doch, ein richtiges Augeninnerhalb ihres fachlichen, persönlichen, zeitlichen oder örtlichen ton zu Berhandlungen über die Bedingungen der Fundierung der maß für die Dinge und eine erprobte Lattit. Der Geltungsbereichs. Bei einer preisausgleichenden Konkurrenz und britischen Schuld an Amerita schreibt" Times", Bonar Law habe Gewerkschaftstampf ist nur mittel zum 3wed und darf dem Fehlen einer absoluten lieberlegenheit des Bertäufers über den wohl vor furzem im Unterhaus erklärt, daß die britische Regierung nicht Selbstzwed werden. Auch hier gilt die Regel, mit mögKäufer fann von einem behördlichen Eingriff in die Preisberechnung willens fei, ihre europäischen Schuldner mit ausnahmsweise großer lichst geringem Kraftaufwand den möglichst größten Erfolg zu abgesehen werden, ebenso bei Verbandspreisen. Beruht der Preis Weitherzigkeit zu behandeln, vorausgesetzt, daß eine völlige erzielen. Dabei ist unerläßliche Vorbedingung der feste der inter3usammenschluß aller Arbeiter und Arbeiterinnen der Dagegen nicht auf den tatsächlichen Durchschnittstofsten oer Verbands. Regelung der Reparationen In einer solchen einzelnen Berufs- und Industriezweige, ihre gewerkschaftliche mitglieder, paßt er sich vielmehr den ungünstig arbeitenden alliierten Schulden vereinbart werde. Betrieben an, um diese durchzuschleppen, handelt Regelung würde jedoch kein Raum für produttive Garantien" oder Schulung, auf Erkenntnis gegründete Disziplin und Solies sich also um den Ausfluß oder Ausnuzung einer Monopol andere Pläne sein, die nur die Reparationslage ändern würden, ohne darität, das felsenfeste Bertrauen zu ihrer Sache und zu ihrer Gewerkschaftsleitung. gewalt, dann wird eine amtliche Nachprüfung der Angemessen- fie zu regeln. In der Vorfriegszeit fonnte die gewerkschaftliche heit des Preises erforderlich. Besonders eingehend befaßt sich die Denkschrift des ReichswirtDie amerikanische Initiative. Schulung der Mitglieder im hohen Grade als erfüllt gelten. schaftsministeriums mit der Berechtigung des Berkäufers, die Geld. London, 22. Dezember.( BTB.) Reuter erfährt aus New York: Allein die Zahl der Organisierter: war noch zu geri, als entwertung in die Preiskaltulation einzubeziehen. Sie gesteht Der Präsident der Handelskammern der Vereinigten Staaten, daß die Gewerkschaften sich auf jeden Fall durchsetzen fohlen. dem Verkäufer ausdrücklich das Recht zu, einen angemessenen Barnes, hat eine Erklärung abgegeben, in der er sich durchaus Nach dem Kriege trat die gegenteilige Situation ein. So Wiederbeschaffungspreis als Fattor in die Kalkulation günstig über den Vorschlag einer Untersuchung der wirtschaftlichen notwendig und erfreulich der starke 3ustrom zu den Geeinzufeßen, umreißt aber scharf, was unter einem angemessenen Lage Deutschlands auf Grund amerikanischer Initiative ausspricht. merfschaften war, brachte er fie doch in eine überaus schwierige Wiederbeschaffungspreis zu verstehen ist. Bei dem UnternehEeine Organisation merde jede Aktion unterstügen, die die amerita Situation. Die Gewerkschaften waren gezwungen, en allen merlohn und dem Unternehmerreingemina," heißt es nische Regierung zu unternehmen bereit sein würde. Es sei flar, Eden und Enden den Kampf aufzunehmen mit Mitglieder da u. a. ,,, wird man in Uebereinstimmung mit dem vom Reichs daß die Bereinigten Staaten jeden möglichen Weg untersuchen massen, die größtenteils volfommen ungefchult gericht im Urteil vom 7. Juli 1921 aufgestellten berechtigten Grund- werden, und er hoffe, daß gute Fortschritte auf dem Wege zu einer waren, doch nach den unsäglichen Kriegsnöten ihre lang verfaß, daß auch der Erzeuger und Händler an den Entscheidung in Uebereinstimmung mit Frankreich und den anderen haltenen Wünsche mit einem Schlage zur Geltung Opfern der Gesamtheit teilzunehmen habe, die Geld- Alliierten erzielt werden würden. Die Attion der amerikanischen bringen wollten. Die Zersplitierung der Arbeiterbewegung erriwertung nur in gleichem Maßstabe berücksichtigen fönnen, Regierung sei sicherlich nicht auf eine deutsche Anregung in drei Parteien führte dazu, sich über das Erreichbare großen wie sie in dem Einkommen anderer Boltstreife jeweils zurückzuführen, sondern zweifellos von der Ueberzeugung eingegeben, Illusionen hinzugeben, denen die Enttäuschung folgen Berüdsichtigung findet." Bon diesem Grundfak merkt man leider daß der Weltfriede und die Wiederherstellung der alliierten Länder in der Deffentlichkeit noch viel zu wenig. in hohem Maße durch eine Regelung der Reparationsfrage er leichtert werden würden. " mußte. Biele der neuen Mitglieder fuchten den Mangel an Kenntnis und Erfahrung durch größere Forsche auszugleichen. Die Gewerkschaftsführer mußten meist Waffer in den gären den Wein gießen und wurden dafür, häufig unter dem Beifall der Masse, als schlappe Trottel und Arbeiterverräter hingestelt und so jeglichen Bertrauens beraubt. Die Dema Für die amtlichen Preisberechnungen wird die allmonatlich vom Statistischen Reichsamt veröffentlichte 3nderziffer der durch. Borah für eine Weltwirtschaftskonferenz. schnittlichen Lebenshaltungstoften als maßgebend London, 22. Dezember.( WTB.) Reuter erfährt aus Washingbezeichnet. Ohne Frage ist die Berechnung der Preise und die Feststellung der jeweiligen Kauffraft der Mart auf dem Binnenmarft ton: der Führer der Gruppe der Unversöhnlichen", Borah, brachte gogie feierte Triumphe und die wilden Streifs waren an unter den heutigen Umständen aufs äußerste erschwert und es wäre im Genat zur Marinekreditvorlage einen Abänderungsantrag ein, der Tagesordnung. Erst nachdem eine gewisse Ernüchterung zu begrüßen, wenn die Berechnung wenigstens auf einheitlichen in dem Präsident Harding aufgefordert wird, eine Konferenz durch Mißerfolge eingetreten war, fonnten die SpizenverGrundlagen hin erfolgte. Es ist auch berechtigt, wenn die Dent der Weltmächte einzuberufen, um die wirtschaftlichen Zustände bände versuchen, die Dinge zu meistern, die Lohnbewegungen schrift vorsieht, vor jeder Antiageerhebung in einem mög- zu erwägen und um eine Verminderung der Rüstungen, zu Wasser wieder in ein richtiges Fahrwaffer zu bringen. Besonders lichst frühen Abschnitt des Berfahrens Sachverständige zu und zu Lande herbeizuführen. Der Antrag stellt dem Präsidenten auch die Frage der Verrichtung von Notstandsarbeiten, die hören, die von der zuständigen Handelsvertretung vorzuschlagen anheim, die Mächte zu bezeichnen, die zu der Konferenz eingeladen Berdrängung der Technischen Nothilfe bei gewertschaftlichen find. Bedenklich ist es hingegen, wenn auf Grund der Denkschrift werden sollen. Borah sagte, neben seinen anderen wohltätigen Er- Streits, machte eine generelle Regelung der Lohndie Strafverfolgungsbehörden angewiesen werden, dahin zu wirken, gebnissen werde der Antrag pielleicht dazu führen, über den toten bewegungen notwendig, wie sie jegt in den Regeln für Von Lohnbewegungen und daß die Wuchergerichte von der ihnen zur Fernhaltung un Punkt bei der Behandlung der Reparationsfrage hinwegzuhelfen. Die Führung 11nterstützung von Streits in gemischten Bezuverlässiger Personen vom Handel übertragenen Befugnis, von fich aus im Urteil oder vorläufig durch Beschluß einem trieben vorliegen.*) Der Leipziger Gewerkschaftstongreß hatte sich nicht entschließen fönnen, diese Regeln ohne weiteres Handeltreibenden den Handel mit Gegenständen des täglichen Beau fantlionieren, meshalb sie an den Bundesausschuß des tarfs zu untersagen, nur in solchen Fällen Gebrauch machen, ADGB. zurüdverwiesen wurden, der sie dann in seiner legten in denen die einschneidende Maßnahme der Handelsuntersagung Herbsttagung( 28. September bis 1. Ottober 1922) mit cinem zweifelsfrei gerechtfertigt ist, und daß in allen zweifel einzigen, mehr redaktionellen, Zufaß zum Beschluß erhob. Dahaften Fällen vor der Entscheidung über die Handeisunterfagung mit war das gewertschaftliche Streifrecht, das unter Mitcin tunlichst von der amtlichen Vertretung der beteiligten Wirt wirfung und mit Zustimmung des AFA Bundes festfchaftstreife benannter Sachverständiger gehört wird. So sehr Fehl gelegt wurde, für alle diesen Spizenverbänden angeschlossenen urteile auch vermieden werden müssen, so wenig tönnte es doch im Arbeiter und Angestelltennerbände geschaffen. Interesse einer energischen Wucherbekämpfung sein, wenn an Stelle einer tatkräftigen Initiative ein verschleppender Instanzenweg träte, der vor Bedenklichkeiten nicht vom Fled tommt. Die Verhandlungen mit der Industrie. Der englisch- russische Gegensah. London, 22. Dezember.( WTB.) Tschitscherin erklärte auf eine Frage des Berichterstatters der„ Daily News" in Lausanne, ob er den Lausanner Bertrag unterzeichnen werde: Natürlich nicht. Er fagte, die Art, wie die Verhandlungen der Konferenz geführt worden feien, sei eine Unfreundlichkeit gegenüber Ruß land. Die aggressive Haltung der Allierten gegenüber Rußlard fei während der ganzen Zeit beibehalten worden. Solange man auf dem System bestehe, welches die britische Regierung in diesem Ber trag zu errichten suche, fehe er teine Möglichkeit zu irgendeiner ernst lichen Annäherung zwischen den beiden Ländern. Zum Schluß gab Tschitscherin der Forderung nach Anerkennung der balschewistischen Regierung Ausdruc Dollar 6700. alle er= Berpflichtungen betreffen, folche bei gemeinsamen Lohnbere Die Regeln zerfallen in drei Teile, die die allgemeinen gungen und schließlich bei Streifs in lebenswichtigen Betrieben. In einem Leitartikel schreibt„ Daily News", es spreche vieles Als obertes Gefe der Gewerkschaften, gegen das unter für die de jure Anerkennung der Sowjetregie dem Einfluß gewertschaftsfeindlicher Elemente fo häufig verWie die„ DIA." aus Industriekreisen erfährt, haben die Verrung, aber bie in Genua und im Haag von den Alliierten gestell- stoßen wird, gilt, daß die Arbeitsniederlegung nur als legtes und äußerstes Mittel zur Erringung handlungen der verschiedenen Gruppen mit der Reichsregierung noch ten vernünftigen Bedingungen lehne Rußland immer noch ab. besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen oder zur Abwehr von teine vollständige Einigung ergeben. Nach wie vor stehen die BerBerschlechterungen anzuwenden ist. Damit wird nur die afte treter der verarbeitenden Industrie und der Fertigwaren, insbesondere Erfahrung unterstrichen, daß der Streif eine zweider Textil- und Maschinenindustrie, auf dem Standpunkt, daß die Industrie an einer Attion zur Stabilisierung der Mart Das Geschäfts am Devisenmarkt war heute außerordent.[ chneidige Baffe ift, die bei leichtfertigem, törichtent und zur Lösung des Reparationsproblems mitarbeiten fann, auch lich gering. Der Dollar wurde gegen Mittag etwa mit 6700 Gebrauch zu schweren Selbstschädigungen führt und gar leicht wenn diese Lösung nicht endgültig ist; während die Schwerindustrie gehandelt. An der Effeftenbörse sette unter dem Einfluß stumpf wird. Vor einer Arbeitsniederlegung find deshalb Berhandlungsmöglichkeiten zu noch immer erklärt, daß für sie nur einer endgültige Lösung des Re- großer Geldflüssigkeit eine lebhafte Aufwärtsbewegung der Kurfe parationsproblems in Frage fomme, und daß nur in diesem Falle ein. Man rechnet in Streifen der Spekulation mit einer lebhaften fchöpfen. Selbstverständlich ist die Verpflichtung der Geeine Garantie der Industrie in Bertacht kommen fönne. Die Be Hauffe zu Beginn des neuen Jahres. Das inländische Publikum wertschaftsmitglieder, doß, bevor sie mit gemeinsamen Forde ratungen gehen noch weiter, und die Regierung wird versuchen, in beginnt ebenfalls noch vor dem Weihnachtsfest sich mit Effeften ein- rungen an die Unternehmer oder deren Organisation heranben nächsten Tagen einen Borschlag auszuarbeiten, der eine Mitarbeit zubecken. Man temertt auch wieder ausländische Käufe. Besonders treten, sie sich mit der zuständigen Vertretung ihres Berbandes der Industrie vorsteht, ohne daß jedoch darin schon bestimmte Zahlen gesucht waren heute die Aktien der Internationaler Betroleum bu beraten haben. Die endgültige Aufstellung und Einreichung genannt werden. Union, ba verlautet, daß die Distontogesellschaft eine Verbindung von Forderungen ist an die Zustimmung der verant London, 22. Dezember.( EE.) Die seit gestern in der Breffe und ihrer Erdölintereffen mit denjenigen der amerikanischen Standard- wortlichen Verbandsvertretung gebunden, der auch die Führung der Verhandlungen obliegt, unter Beachtung auch in Fnanzkreisen aufgetauchten Gerüchte pon Berhandlungen, die Dil- Company anstrebt. der Vorschriften des Verbandes und der Weisungen des Vervon deutschen Industriellen und deutschen amtlichen Stellen in AmeEine Arbeitsniederlegung muß durch Abgelehnte Demiffion des polnischen Kabinetts. Nachdem der bandsvorstandes. rika geführt worden seien, werden jetzt durch folgende Reuter- Meldung neue Staatspräsident Wojciechowski fein Amt angetreten hatte, 2 b ft immung der Beteiligten beschlossen werden. aus Washington ergänzt: Man erfährt, daß in Paris Besprechungen unterbreitete Ministerpräsiden Giforsti bie Demission des gesamen zwischen Poincaré und gewissen deutschen Industriellen Kabinetts. Der Staatspräsident hat dieser jedoch seine Zustimmung* Korrespondenzblatt" des Allgemeinen Deutschen Gewer!. megen Einfegung einer amerikanischen Untersuchungskommission im nicht erteilt. schaftsbundes, Nr. 39, 32. Jahrgang. Bei Streifs, die unter Mißachtung der Richtlinien eingeleitet Ohne die Einmischung der Kommunistischen Partei in die Bayern und die Ententeforderungen. Leipart schließt mit einem Ruf an Bürgertum, Bresse, werden und vom Verbandsvorstand nicht genehmigt gewerkschaftlichen Kämpfe, die planmäßig darauf ausgeht, die Barlamentarier, Künstler und Gelehrte, sich der Friedenssind, muß die Unterstügung aus Verbandsmitteln vergewerkschaftliche Disziplin und das Vertrauen der Mitglieder bewegung anzuschließen. Dieser Ruf ist beherzigenswert, aber jagt werden. In solchen Fällen ist der betreffende Ver- zu den Gewerkschaftsleitungen zu untergraben, würden diese in ihrer Masse wird sich die große Friedensarmee zunächst doch band verpflichtet, unter möglichster Wahrung der Interessen Richtlinien längst Gemeingut aller Gewerkschaftsmitglieder aus den Arbeitern refrutieren. Durch tatkräftige Arbeit für der Arbeiter auf eine baldige Wiederaufnahme der Arbeit sein. Aber auch troß der Schwierigkeiten, die ihnen von jener die Sozialdemokratische Partei und ihre Presse können die hinzuwirken. Gewerkschaftsmitglieder, die durch einen Streit, Seite unausgesetzt bereitet werden, sind die Gewerkschaften Gewerkschaften auch der Sache des Friedens am besten dienen. an dem sie nicht beteiligt sind, an der Fortsetzung ihrer Arbeit durch die ihnen anvertraute Interessenwahrung ihrer Mitverhindert werden, gelten als arbeitslos. Mitglieder, die glieder gezwungen, den Richtlinien fonfequent Streitarbeit verweigern und deswegen entlassen werden, zu folgen. Bieten diese auch feine unbedingte Garantie erhalten die Streifunterstüßung, wenn sie zuvor von ihrer Ber- dafür, daß jeder den Gewerkschaften direkt oder indirekt aufMünchen, 22. Dezember.( Tul.) Die banerische Regies bandsvertretung die Zustimmung zur Verweigerung der Sireif- gezwungene Kampf mit vollem Erfolg endet, so bewirken sie arbeit erhalten haben. Diese Bedingung könnte auf den ersten doch, daß unnüze Streits vermieden, die not- rung wird zu der neuerlichen Forderung der Entente wegen IngolBlid bureaukratisch erscheinen. Allein der Begriff der Streit wendigen Streifs aber in voller Ordnung und mit desto stadt und Passau voraussichtlich im Laufe des heutigen Tages Stel arbeit ist nicht in jedem Falle derart flar, daß jedes einzelne größerem Nachdrud geführt werden können und dabei lung nehmen. In unterrichteten der bayerischen Regierung naheMitglied felber so oder so darüber entscheiden kann. Hat die außerdem die Technische Nothilfe überflüssig stehenden Kreisen betrachtet man die Situation als ernst. Nach der München- Augsburger Abendzeitung" ist man der Auffassung, daß Organisation eine Arbeit als Streitarbeit erklärt, dann muß wird. die Erklärung der Reichsregierung bereits bis an die Grenze des diese von allen Mitgliedern verweigert werden, so daß unter Den Gewerkschaftsmitgliedern müssen die Richtlinien ge- Erträglichen gegangen sei und daß die bayerische Regierung unmög den Mitgliedern selber tein Streit darüber sein kann. läufig werden. Wer es irgendwie versucht, fie davon abzuDie in dem§ 37 der Bundessazung bereits enthaltene bringen, fie in topflose Unternehmungen zu drängen, muß als lich von sich aus weitere Schritte tun könne. Eine Bestrafung Berpflichtung zur gegenseitigen Verständigung bei ge mein Schädling zurückgewiesen werden. Das von den Gewerk- der Bürgermeister durch die Regierung fäme schon deswegen nicht jamen Lohnbewegungen gilt nach den Richtlinien schaften durch die überwiegende Mehrheit ihrer Delegierten in rage, weil die Regierung dazu gar keine rechtliche Möglichinsbesondere für Bewegungen in solchen Industrie, Ge- auf dem legten Gewerkschaftsfongreß gebilligte und vom feit hat. Die Forderung nach einer besonderen Entschuldigung der meinde-, Staats- oder Genossenschaftsbetrieben, in denen An- Bundesausschuß beschlossene Streifgesek muß von jedem Ge- bayerischen Regierung wird als unvereinbar mit dem gehörige verschiedener Berufe und Mitglieder mehrerer dem werkschaftler hochgehalten werden. Aus der Periode der Staatsrechtlichen Charakter des Reiches empfunden Bunde angeschlossener Berbände beschäftigt sind. Reine Ge- wilden Streits müffen wir unter allen Umständen wieder her- und wird als eine durch nichts begründete unerhörte Zumutung auf werkschaft darf für sich allein vorgehen, die beteiligten Ver- auskommen. Kommt es endlich einmal zur Stabilisierung der entschloffene Ablehnung durch die bayerische Regierung stoßen. bände müssen gegenseitig Rücksprache nehmen und eine Ver- Mart, dann kommen wir auch aus der permanenten Lohnbe- Im übrigen wird die bayerische Regierung Wert darauf ständigung versuchen. Nur auf gemeinsamen Beschluß wegung heraus und die bisher gebundenen Kräfte werden legen, auch in der neuen Situation mit der Reichsregierung einmütig zusammenzuarbeiten, um gemeinsam mit ihr eine Lösung zu aller beteiligten Gewerkschaften dürfen Forderungen veröffent- frei für vermehrte gewerfschaftliche Kulturarbeit. finden. # Krieg und Generalstreik. Leipart über den Haager Kongref. lich und den Arbeitgebern unterbreitet werden. Im Falle etter gemeinsamen Arbeitsniederlegung muß die erforderliche vorherige Abstimmung in einheitlicher Form gemeinschaftlich oder doch in allen Gewerkschaften gleichzeitig vorgenommen werden. Die führende Organi- In der neuesten Nummer des„ Korrespondenzblatt" sation muß den übrigen beteiligten Verbänden rechtzeitig feht sich Genosse Theodor Leipart mit den Ergebnissen des melden, ob sie den Streif genehmigt oder abgelehnt hat. Den Weltfriedenstongreffes im Haag auseinander und bemerkt daAusbruch eines nicht genehmigten Streifs, an, dem Mitglieder bei, daß für die Frage des Generalftreits im Kriege„ die ganze anderer Gewerkschaften beteiligt sind, muß sie dem Bundes- Lösung noch nicht gefunden ist". Er schreibt dazu: vorstand melden. Lehnt die führende Organisation die UnterDer Militarismus und die kapitalistischen Regierungen werden stügung eines nicht genehmigten Streits ab, dann dürfen auch im Ernstfalle sich der Generalstreitbrohung nicht mit bie anderen mitbeteiligten Gewerkschaften teine Unterstützung verschränkten Armen tatenlos gegenüber stellen. gewähren. Da bei jeder Teilbewegung in gemischten Be- Abgesehen von den ihnen verfügbaren Mitteln der militärischen Getrieben die Gefahr besteht, daß die Gesamtheit der Beschäftigten walt, werben fie wieder wie 1914 und in allen früheren Fällen gegen ihren Willen hineingezogen wird, wird es jeder Be ihren großen Einfluß auf die öffentliche Meinung, rufsgruppe zur besonderen Pflicht gemacht, auf auf die Bresse ausspielen. Wir haben ja nur zu deutlich noch in Erdie Interessen der Gesamtheit Rücksicht zu nehmen. Läßt. innerung, wie durch absichtlich falsche Nachrichten über Borgänge im es eine Gruppe an dieser Rücksichtnahme und an der Rücksicht Ausland die öffentliche Meinung in allen am Krieg beteiligten Länauf die Stellung der Mehrheit fehlen, so kann sie nicht ver- bern irregeführt worden ist. Die sofort eintretende Grenzsperre macht langen, daß ihr gegenüber Solidarität geübt wird. Erwähnt jede direkte Benachrichtigung und Berständigung unmöglich. Auf sei noch, daß ein Sympathie streit nur dann in Frage beiden Seiten der Grenze wird man die Arbeiterschaft bes eigenen fommt, wenn der Verbandsvorstand der streifenden Gewerk Landes von der Anwendung des Generalftreiks dadurch abzuhalten schaft an den Verbandsvorstand der anderen Gewerkschaft suchen, daß man ihr berichtet, die Arbeiter des anderen Landes ein dahingehendes begründetes Verlangen gestellt und letzterer dächten nicht im geringsteen daran, ihr Land und Bolt durch Streit den Sympathieſtreit seiner Mitglieder genehmigt hat. in die höchste Gefahr zu bringen. Der letzte Abschnitt betrifft die Streits in lebensnot- Auch die von Vandervelde aufgeworfene Frage des legalen wendigen, d. h. solchen Betrieben, die für die Lebens. Rechts zur Landesverteidigung gegen feindliche möglichkeiten der Bevölkerung notwendig find. Invasion fällt in dieses Gebiet. Berschiedene Redner im Haag Ein Streit in lebensnotwendigen Betrieben darf erst beschlossen haben diese Frage grundsäglich abgelehnt, weil die Unterscheidung werden, wenn der Bundesvorstand des ADGB. bzw. zwischen Angriffs- und Verteidigungskrieg die ganze Propaganda der Borstand des AfA- Bundes rechtzeitig davon benachrichtigt gegen den Krieg von vornherein lahmlegen würde. Denn noch in wird, so daß ihnen eine angemessene Frist zur Vermittlung jedem Kriege sei mit dem Begriffe der Vaterlandsverteidigung Miß bleibt. Die bei Arbeitsniederlegungen in Frage fommenden brauch getrieben worden. Das ist gewiß richtig, aber das berech Rotarbeiten, deren Ausführung in jedem Falle er tigte Baterlandsgefühl wird trotzdem auch in Zukunft olgen soll, muß jede Gewerkschaft für ihr Organisationsgebiet vorhanden sein und bei der Anwendung des Generalftreits als verzeichnen und das Verzeichnis dem Vorstand des ADGB. Mittel zur Kriegsverhinderung eine Rolle spielen. Borläufig wird bzw. des AfA- Bundes einreichen. Die Gewerkschaften müssen man sich mit der Antwort einverstanden erklären fönnen, die 3ou ihre Mitglieder durch die Verbandssagungen ausdrücklich ver- haur im Auftrage des Bureaus des Internationalen Gewerkschaftspflichten, die Notarbeiten auszuführen, und bundes auf Banderveldes Frage gegeben hat. Er sagte, die Fordebie Verbandsvorstände müssen die erforderlichen Maßnahmen rungen der Gewerkschaften gingen dahin, daß in allen Streitig für die Durchführung der Notarbeiten treffen. Abgesehen von teiten zwischen den Bölkern jede Gewaltanwendung ab. der Berwirtung jeglicher Unterstüßung gilt die Berweige- zulehnen sei. Nicht die Gewalt, sondern allein das Recht rung von Notarbeiten als grobe Schädigung der dürfe entscheiden, und das Recht müsse durch einen wirklichen Völkerbund jedem Lande garantiert sein. gewerschaftlichen Interessen. Sudermanns Jugenderinnerungen. Startes. Aus Kapps, Schieberbörse". Ein ,, Arier jüdischer Abstammung" und ein„ Sendling Zions". Eine der erfreulichsten" Erscheinungen aus den Rapp- Tagen war der ungarisch- englisch- österreichisch- deutsche Schriftsteller Trebitsch Lincoln. Er stand jezt vor einem Berliner Schöffengericht als Angeklagter. Denn der deutschvölkische Schrift ſteller Dr. Falb, der im Auswärtigen Amt beschäftigt ist, hatte den Leibjournalisten des Butschisten Rapp verklagt, weil er ihn als einen Abgesandten Zions" im deutschvölkischen Lager begeifert hatte. Trebitsch, der aus Wien zur Berhandlung gekommen war, hatte den Vorsitzenden des Schöffengerichts, Amtsgerichtsrat David, ab gelehnt unter der Behauptung, er sei ein Judenstämmling". Das Rammergericht hat allerdings diese Ablehnung für unbegründet erflärt und so mußte der Kappist doch vor David sich verantworten. Er selbst bezeichnet sich- man erschrecke nicht! als einen„ Arier jüdischer Abstammung" ll Er hat ein Buch geschrieben, daß jüdischer Abstammung" ll Er hat ein Buch geschrieben, daß beschäftigt und sich hauptsächlich auf den Schmarren von den„ Weisen fich mit dem angeblichen jüdischen Weltgeheimbund" von Zion" ftüht. In diesem Buche hat er sich auch mit dem Dr. Falb beschäftigt und ihn als einen Abkommandierten Sions" bezeichnet. Dadurch fühlte sich Dr. Falb beleidigt. Und so mußte denn das Schöffengericht des langen und breiten erörtern, warum ber Trebitsch- Lincoln an den Weltgeheimbund der Juden" glaubt. Der Richter erklärte dem aufgeregten jüdisch- arischen Kappisten aller dings, daß er ihn nur pathologisch" nähme. Indessen meldete sich ein Zeuge aus dem Zuhörerraum, der die Existenz eines solchen Weltgeheimbndes" beeiden wollte. Er felbst habe als Nachtwächter in New Yorf am Haufe dieses Ordens" gedient! Der Borsigende war so flug, die Adresse dieses Zeugen zu den Akten zu nehmen, die Nachtwächteridee, diesen Mann zu vereidigen, aber abzulehnen. Der Prozeß endete damit, daß der Arier jüdischen Blutes" wegen Beleidigung des deutschvölkischen Dr. Falb zu insgesamt 50 000 m. verurteilt wurde. Das Gericht war der Meinung, der Borwurf, ein Abgesandter 3ions" zu fetn, sei deshalb schwer, weil er den Vorwurf der Heuchelei in fich schließe. Im übrigen wurde dem Leibjournalisten Rapps und Ehrhardts bescheinigt, daß er an pathologischem Fanatismus“ leide. " . Die Helden, die im März 1920 die deutsche Republik beseitigen und die Kapp- Monarchie aufrichten wollten, waren von demselben Holz wie jene, die das Land in den Krieg und das Unglück führten. dabei aber von außen nahezu unsichtbar ist. Eine andere Höhle zieht sich 7 Kilometer lang von der Altenburg bei Quedlinburg bis zum Regenstein bei Blankenburg hin. Deutsche Wissenschaft arbeitet in Jnnerafcita! Ueber die Erforschung des Trypanosomenheilmittels Bayer 205 in Afrika berichtet Professor Kleine, der langjährige Mitarbeiter Robert Kodys, in der Nr. 51 der Deutschen Medizinischen Wochenschrift". Prof. Kleine ist an der Spize einer von den Elberfelder Farbwerfen ausgerüsteten Expedition vor etwa einem Jahr nach feine Experimente in Rhodesia auszuführen. Er beabsichtigt, bas Mittel besonders nach drei Richtungen hin zu prüfen: nach feiner Heilwirkung bei der menschlichen Schlaffrankheit, nach seiner Heilwirkung bei der Tjetje- Krankheit des Viehs und nach seiner vor. beugenden Wirksamkeit bei der Verhinderung dieser Seuchen. Als Bersuchstiere wurden vor allem zahlreiche Affen Genugt. Nach der Injektion von 0,05 bis 0,15 Gramm in physikalischer Kochsalzlösung perschwanden die Trypanosomen bei 27 Affen nach 24 Stunden, um in feinem einzigen Fall wiederzufehren. Es wurde ferner festgeſtellt, daß durch Einverleibung des Mittels ein Schuß gegen die Infektion bei den Affen erzielt wurde. Festgestellt wurde ferner, daß nach der Behandlung eine relative Immunität bei Affen gegen Schlaftrankheit oder Nagana erreicht wurde. Bei den Versuchen an Rindern wurden ebenfalls Heilwirkungen erzielt, aber nicht fo leicht wie bei Affen. Auch bei der Behandlung schlaftranter Menfchen wurden mit dem Mittel erfreuliche Resultate erzielt. scheinenden Buch„ Aus Spielmannsfahrten und Wandertagen". Es war ein altes Chrifti- Geburt- Spiel, mit dem das Wandertheater durch das Donautal 30g. Es ist immer das gleiche Bild, das ihr Spiel ent Hermann Sudermann erträgt es mit einer staunenswerten rollt, aber der Eindrud, den es auf die Zuschauer macht, ist sehr verRuhe, dem Greifenalter zu nahen. Er läßt noch feineswegs in der ichieden:„ Es gibt da die Vorstellungen im Kreise der Gebildeten; da Berbearbeit für große und volkstümliche Erfolge seiner Schrift figen Gelehrte, Professoren, Künstler und Aestheten in den Reihen Sdriftigen vor uns: Wir sehen verstehende, verzückte und fritische Mienen. Und stellerei nach. Was er zu sagen hat, hält sich dabei immer noch hinterher sprechen und schreiben sie viel über die Farbenwirkungen, im Bezirke des Unterhaltenden, mit Gefühl nur so weit Beladenen, haben Vergleiche mit den alten Meistern zur Hand, stellen Betrach wie es der oberflächliche Leser braucht. Auch dort, wo er von tungen über Ziele und Richtlinien einer neuen Schauspieltunst an... feinem ganzen Leben Rechenschaft ablegt, verzichtet er nicht auf diese Aber es gibt auch die Borstellungen in abseits gelegenen Drten vorrita gegangen, um mit Genehmigung der englischen Regierung Gewohnheit. Darum wurde Das Bilderbuch meiner der Bauernbevölkerung. Schon die Luft im Saal ist anders dann. Jugend"( Cottasche Buchhandlung Nachf.) in vielen Partien von Es riecht nach Kleidern, die lange im Schranke gehangen, nach eineinem derben, sogar skrupellosen Effekten hascher aufgezeichnet, aber gefetteten Stiefeln, nach starken Haareffenzen. Die Unruhe vorher es fizt doch irgendwie in der Erinnerung als etwas Strammes und ist fräftiger und die Stille danach dumpfer. Wenn der Eingangs zug durch den Saal auf die Bühne zieht, werden Bewunderungsrufe laut. Was bei den anderen nur im Blid liegt, wird hier zum Wort. Sudermann, der aus fleinen ostpreußischen Berhältnissen stammt, Der Teufel muß es sich gefallen lassen, daß er am Schwanz gezogen als Student beinahe verbummelt wäre und dann über den poli- wird, oder daß ein Kind, das auf dem Schoß der Mutter fizt, vor tischen Journalismus zum Roman und zum Theater gelangt, ist ihm in Angstgeschrei ausbricht. Ich habe auch an diesen Tagen geals Mensch ein ganzer Kerl gewesen. Er hat das Leben, um in fehen, daß eine Frau sich befreuzigte, als die Maria vorbeischritt. feinem Stile etwa zu reden, geschmissen. Er schmeißt noch bis auf Den heutigen Tag alles: die Zeitgeschichte, Deutschlands Glück und Not, die Geheimnisse des Liebeslebens usw. Aber er schmeißt alles nur. Und er schmeißt dabei, leider allzu oft, die deutsche Sprache und den Geschmack um. Total meschugge", das steht so mitten in einem ernsten Abschnitt. Es kann doch einen Mann von Geist nicht reizen, so daraufloszulappen. Es reizt aber Sudermann, Jägerlatein und Konfektionsstil durcheinander zu mischen. Vielleicht ist das der Stil unserer Zeit, fönnte jemand einwenden. Nein, es ist nur eine miserable, auch dem einfachen Mann schadende Manier eines formgewandten Mannes. Wieviel bedingungslos gläubiger wird Mysterium nur als Mysterium genommen. Nichts von Farbenwirkung hinterher, nichts von alten Meistern. Dann kommen auch Tage in großen Fabriträumen vor der Arbeiterschaft, die, teils bedingungslos ehrfürchtig, dem Geschehen lauscht, teils steptisch nur als Spiel einem Spiele folgt, oder auch ganz ablehnend, durch Kino verbildet, verloren für primitive Boltsfunft ist und störend wirft." Die Alhambra droht einzustürzen. Das altberühmte Maurenschloß von Granada ist nun im Laufe der Jahrhunderte so morsch geDas deutsche Höhlendorf. Ein Ort, der in der heutigen Woh worden, daß es die Gorge aller spanischen Altertumsfreunde hervor. nungsnot fein heraus ist, dürfte das fleine, etwa 1400 Seelen ruft. Im Jahre 1492 fiel Granada, das letzte Bollwerf der Mauren, zählende Dörfchen Langenstein in der Proving Sachfen bei den chriftlichen Spaniern unter Ferdinand von Aragonien und IsaHalberstadt am Harz fein. Eine große Anzahl von Wohnungen des bella von Kastilien in die Hände. Seitdem steht der ehemals so Subermann sieht eigentlich nur Oberflächen: In seiner oft höhlen des westlichen Abhanges des sich nach Quedlinburg hinziehen- getan worden. Erst seit einigen Jahren regt sich die Empfindung, am Berghange gelegenen Ortes find in den zahlreichen Sandstein prächtige Bau unbewohnt und es ist nichts mehr zu feiner Erhaltung preußischen Heimat fennt er sich ein wenig tiefer aus. Da weiß ben Hoppelsberges eingerichtet. Es handelt sich hierbei nicht etwa baß es doch für Spanien eine große Kulturschande wäre, wenn die er von der Armut im Vaterlande, von der Güte der Mutter und um eine Maßnahme, die durch die gegenwärtige allgemeine Woh denkwürdige Ruine einstiger Größe gänzlich zu einem wüften auch von der Landschaft Reize zu beobachten, die ans Herz gehen. nungsnot bedingt ist, sondern der Ort gilt sprichwörtlich als Höhlen- Trümmerhaufen zusammenstürzen sollte. In den Cortes wurde eine Dann aber verzichtet er schnell auf das Innere der Menschen und dorf und befißt diese Wohnhöhlen seit alter Zeit. Zumeist sind die Interpellation eingebracht, ob nicht die Regierung die Erhaltung ber bie Bartheit der Köpfe. Rur wie ein Reporter geht er durch das Höhleneingänge mit einer regelrechten Tür versehen, bie eine Glass Alhambra als eine Sache des ganzen Boltes ansehen wolle, da die Berlin der achtziger Jahre. Man tritt in Mietstafernen, in die scheibe besitzt und so der Höhlenwohnung leidlich Licht zuführt. Oft lafalen Mittel zu einer großzügigen Rettung des Maurenschlosses bei Universität, ins Barlament, doch jedes Ding und jede Persönlichkeit fehlt auch diese Tür, und man findet sogar mehrere Wohnungen im weitem nicht ausreichen. Der Unterrichtsminister sagte Hilfe zu, er find nur bis zur Haut berührt. Zuerst ist man befriedigt. Schließunern solcher dann meist großer Höhlen. Neben diesen Höhlen versprach sogar, sich selbst an Ort und Stelle zu begeben, um sich wohnungen besitzt der Ort natürlich auch regelrechte Häuser. Diese durch den Augenschein vom Stande der Dinge zu überführen. In lich jedoch möchte man an den Leib einem Erzähler, der sich rühmt, liegen am ganzen Hange verstreut und es kommt vor, daß Höhlen- den nächsten Etot hofft er dann eine größere Summe einzustellen, fitlich und fünstlerisch bei den Ersten zu stehen. wohnungen mit gewöhnlichen Wohnhäusern in einer Straße ab- o daß mit den Arbeiten der Renovierung baldigst begonnen werden Mar Hochdorf. wechseln. In diesem Falle handelt es sich dann um eine Art von fönne. Hohlweg, von deffen engsten Stellen die Höhlenwohnungen abgehen, Erlebnisse mit den Weihnachtsspielern. In jüngster Zeit hat man während sonst Wohnhäuser stehen. Oft findet man auch ausgemauerte Die ganze Gegend befigt einen es verschiedentlich unternommen, die alten schönen Weihnachtsspiele Höhlen und Aufbauten auf solche. in ihrer ehrwürdigen Einfalt und volkstümlichen Kraft neu zu be- großen Höhlenreichtum. Fast alle Vorberge des Nordharzes von leben. Lisa Tegner, die bekannte Märchenerzählerin, hat an Blankenburg bis Quedlinburg besigen diese zum Teil viele Kilometer einer Banderfahrt solcher Weihnachtsspieler" teilgenommen und er langen und mitunter recht hohen Sandsteinhöhlen. So gibt es bei zählt davon in ihrem neuen, bei Eugen Diederichs in Jena er. Quedlinburg die Russenhöhle, die mehrere hundert Menschen faßt, 21 津 12 Spielplanänderung. In den Rammerspielen wird heute statt Das Glas Baffer" Timotheus in flagranti gefpielt. Sausball bei Raffte! So betitelt sich der diesjährige Ball der Karikaturisten, der zugunsten der Unterſtügungstaffe des Reichswirtschaftsverbandes bildender Künstler in der Philharmonie am 20. Januar 1923 stattfindet. Die Pfänder im Rheinland. handelt. Sanierung der Straßenbahn? In halten, der in Köln- Lindenthal in einer Klinit liegen wollte. diesem Brief brachte Elbers eine phantastische Erzählung von einer Berschleppung in die französische Fremdenlegion vor und bat zum Schluß um Uebersendung eines größerea Geldbetrags, um mit diesem Um die Mietzuschläge. vereine wird uns geschrieben: Bom Gau Berlin im Bunde Deutscher Mieter Die Meldung des Manchester Guardian" über eine anEine neue, städtische Anleihe. geblich zustandegekommene englisch französische Unter dem Borsiz des Oberbürgermeisters Böß fand heute den Fröhning, den er merkwürdigerweise als Gutsbefeher bezeichnet, Berständigung wird von Paris dementiert. Wie die morgen eine Besprechung der Frattionsvertreter statt, an befreien zu fönnen. Der Brief ist aufgefunden morden. Wer über " Expreß- Correspondenz" berichtet, bezeichnet man an fran- der auch der Kämmerer Dr. Rarding und der Stadtbaurat Dr. diefen angeblichen Fröhning, der sich vielleicht noch in Berlin aufs zösisch- offizieller Stelle diese Meldung als falsch. Mit diesem Adler teilnahmen. Der Kämmerer wie der Oberbürgermeister hält, irgendwelche Mitteilungen machen tann, wird ersucht, sich bei Dementi ist natürlich der Plan selbst, den offenbar bestimmte machten davon Mitteilung, daß nach eingehenden Verhandlungen den Kriminalkommissaren Legimeŋer und Dr. Koch im Berliner französische Kreise zur Grundlage der Verständigung mit Eng- mit den Aufsichtsbehörden die Möglichkeit einer städtischen Anleihe Polizeipräsidium zu melden. land machen wollen, noch nicht erledigt. Man wird sich aber in Höhe von ein bis zwei Milliarden zugunsten der Straßenbahn behoffentlich im Ausland flar darüber sein, daß Maßregeln, wie ftehe. Die Mittel dieser Anleihe können nach den Angaben des Madie geplanten fandergreifungen im bejegten giftrats dadurch gewonnen werden, daß aus den städtischen Gebiet, niemals die Zustimmung des deutschen Volkes Forsten, deren Holzbestand einer genauen Nachprüfung unter finden würden, daß sie also Deutschland nur mit Gewalt auf zogen worden ist, durch einen einmaligen etwas verstärkten Holz- Am 19. und 21. Dezember beriet der Städtische Ausschuß für -erlegt werden könnten. Wenn es wahr ist, daß man auf Ge- schlag ohne Gefährdung der Substanz der städtischen Wälder be- das Wohnungswesen im Berliner Rathause über eine erneute walilösungen verzichten will, dann muß dieser Pfänderplan erbeutende Mittel zu gewinnen find. Die Aufsichtsbehörden 5erauffeßung der Mietzuschläge für Berlin nach dem. ledigt sein. fnüpfen ihre Genehmigung einer solchen Anleihe für die Straßen- Reichsmietengefeß. Der Ausschuß hatte zu diesen Sigungen die Die Rede, die Poincaré gestern im Senat gehalten bahn, die bie Stabt also aus ihren eigenen Bestandswerten zu Vertreter der Wieter und Vermieterorganisationen geladen. Die hat, unterscheidet sich zwar nur wenig von seinen bisherigen beschaffen hätte, an zwei Bedingungen: Es wird verlangt, daß die so Berhandlungen mußten am 19. abgebrochen werden, da die BerRundgebungen, sie gewinnt jedoch dadurch an Bedeutung, daß gewonnenen einmaligen Zuschüsse nicht für die laufenden Ausgaben Magistrats einfegten und hierbei erklärten, ihnen sei das Material treter der Mieterorganisationen Protest gegen das Verhalten des sie wohl die letzte Rundgebung des französischen Minister der Straßenbahn, sondern nur für die Erneuerung und Auf über die vorliegenden Anträge und den Gegenstand der Beschlußpräsidenten vor dem Zusammentritt. der Pariser Konferens befferung des technischen Betriebes verwandt werden. faffung amtlich überhaupt nicht zugestellt worden, ein gewesen sein wird. Poincaré hat darin feine Absicht bestätigt, Ferner wird von der Aufsichtsbehörde gewünscht, daß dura) Schaffung Teil des Materials sei ihnen von privater Seite 3 Tage( einschl. fänder zu verlangen, und falls die übrigen Alliierten einer freieren Betriebsform( etwa die Bildung einer Gmbh.) gewiffe eines Sonntags) vor der Sigung zugefandt worden, und die Ladung Diefer Forderung nicht nachgeben, fie auf eigene Fauft zu Garantien für eine faufmännischere und durch bureaukratische und au einer Sigung hätten sie erst 3 Tage vorher erhalten, so daß ihnen nehmen, angeblich für gemeinsames Ronto". Poincaré hat u. a. ausgeführt, daß Frankreich am 31. De- fonftige mit der Stadtverwaltung zusammenhängende hemmende Ein. weder Zeit, noch Material zur Information zur Verfügung stand. zember für Deutschland etwa 100 Milliarden bezahlt flüffe weniger beengte Betriebsführung geschaffen werde. Am zweiten Verhandlungstage gab alsdann der Vertreter der gefamten Mieterorganisationen Berlins, Ministerialfefretär Milk, vom Die Absicht des Magistrats ist zweifellos auf das lebhafteste Bau Berlin im Bunde Deutscher Mietervereine, eine Erklärung ab, haben wird. Diese der Phantasie entsprungene Zahl dürfte sich einerseits auf denjenigen Teil der Kosten der Bezu begrüßen. Allerdings muß barauf hingewiesen werden, baß im in der u. a. hervorgehoben wurde, daß die bisherigen Anträge der Juni 8. 3. bei der Beratung des städtischen Etats die zur gründlichen Mieterorganisationen bei Festjehung der Mietzuschläge fast durchfagungsarmee beziehen, der bisher nicht von Deutsch Aufbefferung der Straßenbahn nötigen Mittel von Stadtbourat weg unberücksichtigt geblieben sind, insbesondere ein Antrag auf land, sondern von Frankreich bezahlt werden mußte, ferner Dr. Adler auf 1 milliarde geschäßt wurden, was bei heutigem richtige Bemessung der Grundmieten nach der Ausführungsverord an die Invaliden- und Kriegswitwenpensionen, vor allem aber Gelb mert mindestens 20 milliarden bedeuten würde. Mit nung des preußischen Wohlfahrtsministers zum RMG., da die Grundhandelt es sich dabei um die Vorschüsse, die die französische den. 1 oder 2 Milliarden, die die Stadt aus ihren Forsten heraus- mieten in Berlin nach den früheren tabellarischen Uebersichten der Staatstaffe den Geschädigten aus den zerstörten Geschlagen will, fann man heute natürlich nur einen Teil der nötigen Bermieterorganisationen um 15 Bro3. zu hoch bemessen bieten ausgezahlt hat. technischen Berbefferungen vornehmen. Immerhin ist es ein Schritt feien. Die Erregung in der Mieterschaft über die Behandlung der Was die Besagungskosten betrifft, so ist darüber fein vorwärts, wenn die Straßenbahn durch Kapitalzufuhr auf Anträge ihrer Bertreter und über die jetzigen zu hohen Mietzuschläge Mort zu verlieren: das sind Gelder, die buchstäblich zum gebessert wird, um so mehr, wo es sich um städtisches Rapital fei infolgebeffen gestiegen. Die Mietervertreter fönnten vor einer Richtigstellung der Grundmieten neue Zuschläge nicht zugestehen, sie Fenster hinausgeworfen werden. Die Zahlung der Pensionen und Renten ist Deutschland auf Grund einer ungeheuer Sie liegt darin, daß die anhaltende Geldentwertung alle stehen bleiben, die jetzigen Zuschläge ermäßigt würden, da sie den Die Hauptschwierigkeit wird freilich dadurch nicht beseitigt. beantragen vielmehr, daß, solange die zu hohen Grundmieten belichen Verlegung der Waffenstillstandsbe= Straßenbahnen unrentabel gemacht hat. Diese Unrentabilität wirklichen Verhältnissen nicht Rechnung tragen. Man habe in Dingungen aufgezwungen worden, und was die Ent- wird erhöht durch die Konkurrenz der Stadtbahn, die mit Milliar. Mietertreisen den Eindruck, daß die jetzige Mietpreispolitik einseitig fchädigungen anbetrifft, die bisher vorschußweise den Inter: benzuschüssen rechnen tann und dadurch billiger fährt. Es vom Hausbesik und vom Stadttämmerer, hinter dem wiederum der effenten in Nordfrankreich ausgezahlt wurden, so find dabei muß deshalb immer wieder gefordert werden, daß die Berliner Ber Hausbesig stehe, diftiert werde. Die Mietervertreter müßten es fich nachgewiesenermaßen bereits derartige Ungeheuerlichkeiten fehrsunternehmungen einheitlich verwaltet werden müssen. versagen, auf weitere Verhandlungen einzugehen, da ihre Ausfühvorgekommen, das man in der offiziellen französischen Preffe Die Zuschüsse, die ein Unternehmen erhält, dürfen nicht zum Ruin rungen anscheinend doch nicht beachtet würden, fie müßten aber bereits Don einem regelrechten nordfranzösischen des anderen führen. Sie müssen gleichmäßig allen Unternehmun- dem Ausschuß und dem Magiftrat Berlin für ihre Beschlüsse die anama zu munteln beginnt. Jedenfalls sind diese Vor- gen zugute fommen, die nicht durch eigene Soyuld, sondern unter Berantwortung selbst überlassen. Die Antwort würde die gesamte schüsse ohne jegliche Kontrolle ausgezahlt worden, und es wäre bem Drud allgemein wirtschaftlicher Entwicklungen, durch Tarif Mieterschaft Berlins am 7. Januar 1923 gelegentlich der für diesen erhöhungen ihre Selbsttosten nicht aufbringen können. Immer- Tag geplanten Demonstration gegen bie jebigen doch das mindeste, daß diese Ausgaben einer internationalen hin soll Aussicht bestehen, daß auch diese Frage demnächst mal ge- Mietzuschläge usw. geben, an der sich nicht nur die Anhänger Machprüfung unterzogen werden. Denn es geht nicht an, daß löst wird, wenn sie die verschiedenen Instanzen" durchlaufen der sozialistischen Barteien, sondern auch die der bürgerlichen BarDeutschland für alle kleineren und größeren Rorruptions- ist. Wenn die Forderung nach der Bildung einer G. m. b. 5. teien einhellig beteiligen würden, ba auch bei den bürgerlichen Micfolgen auffomme, von denen nur die allerwenigsten bisher erhoben wird, so wohl deshalb, weil die Aufsichtsbehörden unge tern die Erkenntnis fich Bahn gebrochen habe, daß sie durch die öffentlich festgenagelt werden konnten. Es darf wohl in diesem nügend oder einseitig unterrichtet werden. Die Straßenbahn ist in febige Mietpreispolitik der Behörden erdrosselt würden. Nach dieser Zusammenhange daran erinnert werden, daß englische und ihrer Leitung wirklich nicht sonderlich beengt, und es ist sicher im Erklärung verließen die gesamten Mietervertreter den Gizungsfaal. amerikanische Sachverständige auf der Pariser Friedenstonfe- Intereffe des Unternehmens, wenn die Vertrauensmänner der polirenz 1919 den gesamten Materialschaden in den zerstörten Ge- tischen Parteien dauernd an ihrem Aufbau teilnehmen. Jedenfalls Bolt und Zeit", unfere illustrierte Wochenschrift, liegt bieten auf 16 bis 18 Milliarden Frant schäßten, während diese wird man die Borlage genau prüfen müssen. Entscheidend find doch der heutigen Postauflage bei. Gumme, die heute etwa 55 Milliarden Papierfrant entspricht, nicht die formalen Aenderungen, sondern was materiell aus der Bahn gemacht wird. allein durch die schon gezahlten Vorschüsse erheblich überschritten Immer muß festgehalten werden: Bis zum foloffalen Martsturz wurde. Boincaré hat nun gestern das Schlagwort geprägt, daß im Herbst hat eine dauernde Substanzverbesserung der der kommende Reparationsfeldzug der franzöfifchen Regierung Bahn stattgefunden, die nach Ansicht aller Fachleute der verschieden für den iederaufbau entscheidend sein werde. ften Richtungen eine Gefundung ihrer Berhältnisse in sichere Man könnte tatsächlich die französischen Staatsbürger nicht un- Aussicht stellt. Auch ihre Zukunft hängt, wie so vieles, mit der begrenzt ohne Wohnungen laffen. Diesen Standpunt Stabilisierung unserer Berhältnisse zusammen, ohne die weder sie vertritt die deutsche Arbeiterschaft bereits noch manches andere Unternehmen zu halten ist. feit drei Jahren, und sie hat wiederholt tonkrete Bor fchläge unterbreitet, die bis vor wenigen Monaten stets am Widerstand der französischen Regierung und der ihr naheIn dem Prozeß gegen den Handwertstammerpräsidenten a. D. stehenden großkapitalistischen Wirtschaftskreise gescheitert Sarl Rahardt, seinen Sohn Grich Rahardt und sieben andere Angewaren. Wessen Schuld ist es aber, wenn es überhaupt noch flagte wurde heute mittag das Urteil verfündet. Verurteilt wurden: auch nur einen einzigen Bewchner Nordfrankreichs gibt, dem Karl Rahardt wegen gemeinschaftlichen Betruges in drei Fällen fein Haus nicht wieder aufgebaut wurde? Vor einigen Tagen sowie wegen gemeinschaftlicher Bestechung und schwerer Untreue zu ist dem deutschen Reichstag der Bericht über die Ausgaben der einer Gefängnisstrafe von 2 Jahren 6 Monaten, auf die 1 Jahr, Reichsvermögensverwaltung durch den Abgeordneten Genoffen 2 Monate der erlittenen Untersuchungshaft angerechnet werden, Stüdlen erstattet worden. Es handelt sich um die Sachferner zu einer Geldstrafe von 12 000 m. und zur Aberkennung der lieferungen, die auf Kosten des Reiches für die Bebürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 3 Jahren. fagungstruppen am Rhein geleistet werden mußten. Erich Rahardt megen gemeinschaftlichen Betruges in 2 Fällen, Und was las man da? Tausende von Salonmöbeln, von fomie wegen Rettenhandels und Preiswuchers zu 1 Jahr 9 Monaten Speisezimmern, von Klubseffeln, Zehntausende von Bestecken, Gefängnis unter Anrechnung von 10 Monaten Untersuchungshaft, Wein- und Settgläsern, fura, Milliardenwerte in Gold mußten ferner wegen Betruges zu 8000 2. und wegen Rettenhandels und 23. Abt. Gonnabend 6 Uhr Bannerweihe, verbunden mit Weihnachtsbescherung in den Rachen der Besagungsarmee geworfen werden. Hätte Preiswuchers zu 150 000 m. Geldstrafe sowie 3 Jahren Ehrverlust. 27. man diese Möbel, diesen Hausrat und überhaupt das ganze Ostar Hoffmann wegen gemeinschaftlichen Betruges, Bestechung Geld, das dafür angewendet werden mußte, statt den Nichts- und Beihilfe zur schweren Untreue zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis tuern des Besagungsheeres den Geschädigten in Nordfrank- unter Anrechnung von 4 Monaten Untersuchungshaft, ferner zu reich zukommen lassen, dann wäre das Problem des 6000 M. Geldstrafe und 3 Jahren Ehrverlust. Wiederaufbaues gelöst. Einmal wird das die Welt, einschließlich Frankreichs, doch erkennen und wird mit den Schuldigen an dieser verbrecherischen Mißwirtschaft Abrech nung halten. Sinfen der Brofpreife in Italien. Nachdem die Fettpreise er heblich gefunten find, fündigte die italienische Regierung auch eine Herabsetzung des Brotpreises um 20 Centimes für das Kilo an. Auflösung des jugoslawischen Parlaments. Die Stupfchtina ist aufgelöst. Die Neuwahlen sind für den 18. März ausgeschrieben. 1 holländischer Gulden Devisenkurse. 1 argentinische Papier- Befo 1 belgischer Frant Das Urteil im Rahardt- Prozeß. Architekt Albert Sonnenburg wegen gemeinschaftlichen Betruges und Beihilfe zur schmeren Untreue zu 5 Monaten Gefängnis unter Anrechnung von 3 Wochen Untersuchungshaft. Der Kaufmann Karl Römer wegen gemeinschaftlichen Betruges zu 9 Monaten Gefängnis, unter Anrechnung von 2 Monaten Unterfuchungshaft und zu 6000 M. Geldstrafe, sowie wegen Rettenhandels zu 100 000 m. Geldstrafe. • Der Kaufmann Albert Rost wegen gemeinschaftlichen Retten handels zu 100 000 m. Geldstrafe. Der Raufmann August Kruse wegen gemeinschaftlichen Preis wuchers zu 100 000 m. Geldstrafe. 3m Prozeß gegen Mag Klante, der heute fortgesetzt wurde, sagte als erste Beugin die frühere Filialiftin Frau Grießmann aus, daß die Lotomotivführer, die Kollegen ihres Mannes, sich förmlich gedrängt hätten, bei Klante ihr Geld einzuzahlen. Als nächste Zeugin trat eine Dame auf, die Klantes Zeitung„ Der Meldereiter" in einer Konditorei gelesen und daraufhin Vertrauen zu dem Unternehmen gefaßt hatte. Sie war in der Filiale in der Laufiger Straße gewesen, habe dort mehrere Beamte in uniform getroffen, die ihr Dersicherten, daß das Unternehmen gut jei. Daraufhin habe sie ihr ganzes Vermögen in Höhe von 4000 m. eingezahlt. Proletarische Feierstunden. Es wird noch einmal darauf hingewiesen, daß die Feierstunde am zweiten Feiertage, wegen bes großen Programms Drgel, Rezitation, Sologefang mit Begleitung der Orgel, Blüthner- Orchester, Sprechchor, Berliner Bolts chor unter mittags 11 Uhr beginnen muß. Um 10 Uhr wird der Eingang zum Theater Leitung von Dr. Zander, Ansprache: Prof. Raftenberg pünktlich vor. geöffnet und um 11 lbr werden die Türen geschlossen. Die Nachzahlung von 20 Mart wird im Theater erhoben. Wetter für morgen. Berlin und Umgegend. Etwas wärmer, bielfach heiter aber ver änderlich, mit geringen Niederschlägen und frischen südlichen Winden. Groß- Berliner Parteinachrichten. Abt. Gonnabenb 7 2hr Weihnachtsfeier mit Kinderbeicherung in der Schul Feftrede: Genoffin Bohm- Schuch. Gintritt 15 M. Rinder unter 14 Jahren fre aula Greifenhagener Str. 58. Der unbekannten Spenderin ber 100 000 Mart fitr unsere armen Rinder sel hiermit besonders gedankt. Gewerkschaftsbewegung Aus dem Reiche Figaros. Dem Verlangen, die Friseurgeschäfte an ben kom menden beiden Sonntagen bis 5 Uhr abends offenzuhalten, stand der größte Teil der Geschäftsinbaber von vorn berein fern. Die allein arbeitenden Geschäftsinbaber haben gleich den Gehilfen und Lehrlingen in Berlin nur dann einmal Beit zur Weihnachts- und Silvesterfeier, wenn diese auf den Sonntag fallen. mit der Abweisung dieses Verlangens durch den Bolizeipräsidenten hat sich denn auch die führende Innung abgefunden. Die MitDie Angeklagten Architekt Walter Müller und Kaufmann Karl glieder der Haarformer Jnnung jedoch wollen troßEdl wurden freigesprochen. dem an den beiden Sonntagen bis 5 Uhr offen halten und Der von Erich Rahardt und Kruse erzielte übermäßige Gees auf eine eventuelle Bestrafung wegen Uebertretung der SonnKäufer Berläufer winn in Höhe von 400 115 m. wird eingezogen. Der von hilfen stellte man es frei, am Sonntag bis 5 Uhr im Geschäft zu tagsrubevorschriften ankommen lassen. Den Gehilfinnen und Geder Staatsanwaltschaft beantragte Haftbefehl gegen Hoffmann und bleiben, unter Hinweis auf die eventuelle Weihnachtsgratifilation; Kurs Sturs Roft wird abgelehnt. Dem Angeklagten Sonnenburg wurde eine am Silvefter- Sonntag aber müßten sie unbedingt bis 5 Uhr, an 2668.31 2681.68 dreijährige Bewährungsfrist zugebilligt, die von der Zahlung einer statt bis 12 Uhr mittags, dableiben. 2538.63 2531.87 Buße von 20 000 m. innerhalb von 3 Monaten abhängig ge458.85 461.15 macht wird. 1274.81 1278.80 1876 55 1888.45 22. Dezember 21. Dezember Käufer Berkäufer ( Geld-)( Brief-)( Geld-)( Brief-) Kurs Kurs 2698.25 2706.75 2563.57 2576.43 461.34 463.66 1246.87 1253,13 1356.60 1363.40 1780.58 1789.47 844.13 345.87 6758.06 6791.94 Um dieser Unverichamtheit zu begegnen und den geltenden Bestimmungen die erforderliche Beachtung zu sichern, macht es sich notwendig, daß die grifeurgeichäfte im 8entrum und im Westen, soweit fie an den zwei nädsten Sonntagen zu Berlaufsaweden nach 12 Uhr offenbalten, polizeilich darauf bin au fontrollieren, ob im Herren- oder Damensalon Stunden bedient werden insbesondere auch, ob Gehilfen, Gebilfinnen oder Lehrlinge beschäftigt werden. Die Herren Haar. halten, weil sie glauben, ihr Verkaufsgeschäft damit zu fördern Neue Ermittlungen zum Frauenmord. 1805.47 1814.53 Zu dem Frauenmord in der Wrangelstraße wird noch mitge. 167.08 167.92 teilt, daß die weiteren Nachforschungen der Kriminalpolizei ergeben 3266.81 3283.19 haben, daß die ermordete Frau Hertel bereits Pfingsten 841.64 343.40 vergangenen Jahres die Betanntschaft bes man 81221.75 81378.25 81022 25 31177.75 nes gemacht hat, der zweifellos der Täter ist. Dieser hatte sich former" wollen nur deshalb die Geschäftsräumlichkeiten länger offer 6783.12 6766.88 t obert Frohning genannt und angegeben, daß er der Sohn 501.24 503.76 eines Gutsbesigers in Oberschlesien sei. Seine schleppende Gangart 785 58 789.47 erklärte er damit, daß er auf einer Geschäftstour in der Nähe von 1271.81 1278.19 Hameln das Opfer eines Eisenbahnunfalls gewesen sei. Hinter 1057 85 1002.65 bem linfen Ohr hat er ein 2och, das er damit erklärte, daß Der Hauptbetriebsrat der Reichsbahn legt Wert darauf, ben 9.68 er im Felde einen Schuß erhalten habe. Die Ermittlungen der folgenden in der Wiebergabe seiner Entschließung( in Nr. 601 des 200.50 Kriminalpolizei haben ergeben, daß tatsächlich auch ein Mann unter" Borwärts") ausgefallenen Satz nachzutragen: 2.95 dem Namen eines Arbeiters Robert Fröhning wegen eines Ohren1 norwegische Krone 1 dänische Strone. 1 schwedische Strone 1 finnische Mark 1 japanischer Jen 1 italienische Lire 1 Bfund Sterling 1 Dollar 1 französischer Frant 1 brasilianischer Milreis 1 Schweizer Frant. 1279.29 1285,71 1 spanische Beseta 100 österr. Kronen( abgeft.) 1 tschechische Krone 1 ungarische Strone 1 bulgarische Lewa 1 jugoslawischer Dinar 503,73 506.27 9.62 199,55 2.90 49.12 75.81 Demokratifierung der Reichsbahn. Die unterschiedliche Behandlung von Beamten und Arbeitern 49.88 leibens hier in der Charité gelegen hat. Sobann hatte Frau in der Frage der Doppeleristenzen bezeichnet der Hauptbetriebsrat ais 75.69 Hertel türzlich einen Brief, von einem gewissen Beter Elbers er ungerecht und der Ablehnung bringend bedürftig." Die Löhne der Berliner Goldschmiede. Die Bersammlung sprach nach einer gründlichen Diskussion über die Angelegenheit die Erwartung aus, daß die Arbeitgeber des In der Versammlung aller im Goldschmiedegewerbe Beschäf Ronzerns, soweit sie die Lohndifferenz noch nicht beglichen haben, gten am Donnerstag im Dresdener Garten" wurde von Hen bei der Neuregelung der Löhne für Januar im Interesse des ge= chel( Metallarbeiterverband) über die Verhandlung mit den Arwerblichen Friedens den Ausgleich nornehmen werden. beitgebern vor dem Schlichtungsausschuß berichtet. Die Verhandlung Weiter wurde im Hinblick auf die noch weiter ansteigende bezog sich auf die Weigerung der im Spittelmarttton. Teuerung beschlossen, im Januar einen Zuschlag von 200 m. auf gern vereinigten Arbeitgeber, ben Spruch des Schlichtungsaus tie bestehenden Dezemberlöhne zu fordern. schuffes, der den Arbeitern vom 1. bis 15. Dezember einen Lohnauffchlag von 100 und vom 16. bis 31. Dezember dazu weitere 50 mt. zugebilligt hat, für die Zeit vom 1. bis 4. Dezember durch entprechende Bezahlung anzuerkennen. Für ihre Beigerung machten tie Arbeitgeber geltend, nicht rechtzeitig zu ben Verhandlungen ein geladen zu sein Nach Prüfung der Sachlage fam der Schlichtungsausschuß zu dem Spruch, daß die Weigerung der Arbeitgeber nicht berechtigt sei. Der Spruch des Echlichtungsausschusses bestehe zu Recht und verpflichte die Firmen, schon vom 1. Dezember ab die rorgesehenen Löhne. 31 zahlen. Nach einer Aeußerung des Herrn Rollert vom Spittelmarktkonzern scheinen die Arbeitgeber troßdem weiter auf ihrer Beigerung beharren zu wollen. Vom ,, Cöpenicker Dampfboot". aird, Jugendliche unter 14 Jahren mit Zeitungsaus. Das Köpenicker Dampfboot" beschäftigt, wie uns mitgeteilt tragen. Diese jugendlichen Austräger erhalten für halbmonatliches Austragen des Blattes an täglich drei Stunden bei 125 Exemplaren je 5 M. pro Eremplar, also 16 m. pro Stunde. Für das täglich einmalige Austragen einer Beitung je 10 m, monatlich. Die Austräger müssen einen Revers unterschreiben, wonach die Lohnregulierung ohne Mitwirtung der Organisation er folgt, also einfach vom Berlag bestimmt wird. Mit welchem Erfolg für den Berlag, das zeigen diese Löhne. Organisierte Arbeiter werden aus der Ausschaltung der Organisation die Konsequenten ziehen. 11 ,, Streifagitation" bei den Eisenbahnern. wärter hat dem Tag eine Berichtigung zugehen lassen, wonach Die Reichsgewerkschaft deutscher Eisenbahnbeamten und-an. Vertreter ihrer Organisaion an der gemeldeten Teuerungsaktion der Staatsarbeiter nicht teilgenommen haben. Infolgebessen hat auch kein offizieller Vertreter der Reichsgewerkschaft die Erklärung abgegeben, daß die RG. zu einer Attion, also zu einem neuen Streit bereit sei. Der Vorstand der Reichsgewerkschaft stellt pielmehr fest, daß er in feiner Weise irgendeine Streifagitation betreibt". Eine ähnliche Berichtigung hat die Reichsgewertschaft auch dem Lokal- Anzeiger" zugestellt. Boltslehrerinnen, die dem Allgemeinen Deutschen Beamtenbund an Eine Ortsgruppe der Gewerkschaft Deutscher Volkslehrer und geschlossen ist, hat sich in Berlin am 10. Dezember gebildet. Geschäftsführer: Lehrer Paul Schred, Neukölln, Schöneweider Str. 20. falen, Sophienst. 17 18, große öffentliche Mufiter- Bersammlung zur Abwehr gegen die Unternehmerwilltür im Gastwirtsgewerbe. Berantwortlich für den rebatt. Teil: Bictor Schiff, Berlin; für Anzeigen: h. Glode, Berlin. Berlag Borwärts- Berlag G. m. b. S.. Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderci u. Berlagsanstalt Baul Singer u. Co.. Berlin, Lindenstr. 3 Achtung, Mufiler! 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